Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
367
 
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zählt: Direktor Carl habe einen Preis von 100 Dukaten auf ein Volks- und Charakterſtük ausgeſezt. Unter den da bei ſtattfindenden Bedingungen wird auch angeführt:Bei den komiſchen Stü ken, bei welchen Geſang bedungen iſt, müſſen die Lieder für die Kritiker be rechnet u. mit ſchlagenden Pointen ver ſehen ſein! Wie werden die Schau ſpieler nach Liedern greifen, die mit ſchlagenden Pointen gegen die Kri tiker verſehen ſind! Doch hier hat nur ein DrukfehlerKritiker aus Komiker gemacht. So ganz un ähnlich ſind Beide übrigens nicht: Die Einen wie die Andern übertreiben ſehr häufig.

Potpourri aus Paris. Ein Müller hat in der franzöſiſchen Stadt Vont-Audemer Vaköfen errichtet, und Brod bedeutend unter der Tape ver kauſt. Alle Väker der Stadt erhoben ſich gegen den Müller, und verklagten ihn beim Stadtgerichte. Der Müller ſagte zu ſeiner Entſchuldigung, wenn er 100,000 Franken unter die Armen vertheilen wolle, könne ihm das Nie mand wehren. Die Gerichte entſchieden, Niemand könne gehindert werden, Brod unter der Taxe zu verkaufen, ſo nie drig er wolle.

Magdeburg. Die Magdeburger Rüben ſind über die holländiſchen Lum pen höchlich erboſt, daß man ihnen eine neue Steuer auferlegt und die Auslän der ſo freigebig begünſtigt hat. Wir er halten, ſagen die Rüben, dem Staate Millionen, beſchäftigen Tauſende von Menſchen, begünſtigen den Akerbau und laſſen Künſte und Gewerbe mit einan der wetteifern. Die Lumpen aber tra gen das Geld außer Lands, machen Vett ler und befördern das Nichtsthun.

London. Seit längerer Zeit hat te man in England nichts mehr von Weiberverkäufen gehört. Vor einigen Tagen iſt wieder ein Fall dieſer Art

in Cambridge vorgekommen. Zwar trat die Polizei in dem Augenblik, wo ſich ein Käufer meldete, dazwiſchen; allein die Frau ſoll dennoch ſpäter unter vier Augen für eine Guinee an einen Bauer verkauft worden ſein.

Etwas von Allem. Ein neues mittelalterliches Luſtſpiel von Bauern feld, betitelt:die Geſchwiſter von Nürnberg!, hat im Burgtheater nicht gefallen. Frankreich hat eine impo ſante Induſtrie. Man zählt dort 38,030 Fabriken, Manufakturen u. Werkſtät ten, 82,575 Waſſer- und Windmühlen, 4412 Schmieden, Hüttenwerke u. Oe fen. Die Vaudevillefabriken ſind unter dieſe Zahlen nicht mit eingerechnet. Man ſpricht davon, daß die Rue de la paix oder Friedensſtraße zu Paris wie der Rue Napoleon genannt werden ſoll, was freilich nichts weniger als ſynonim wäre. Auf dem Feſtlande Europas allein ſollen zu Ende des Jahres 1839 ſchon an 120 Mill. fl. C. M. auf den Bau der Eiſenbahnen verwendet wor den ſein. Ein alter erfahrener Re zenſent ſagte: daß wenn er ſich bei ei nem Tadel einen Feind machte, ſo ſchuf er ſich bei einem Lobe wenigſtens deren zehn; denn beim Tadel hat man es in der Regel nur mit Einem zu thun, beim Lobe aber mit unzähligen erbit terten Neidern. Die Sängerin Mad. Fiſcher-Achten gefällt in Frankfurt nur theilweiſe. Es fehlen ihr die phyſiſchen Mittel zu Parthien, die großen Stim menaufwand erfordern. In Berlin hat derFrauen-Sittenverein zur Steuer der Puz- und Modeſucht vor Kurzem ſeine erſte Sizung gehalten. Die Modejournale ſollen ſich darob nicht ſehr kränken. Jemand theilt Euro pa folgendermaſſen ein: Frankreich, das Land der Moden; England, das Land der Launen; Spanien, das Land der Ahnen; Italien, das Land der Pracht; Polen und Ungarn, das Land der Her ren; endlich Deutſchland incluſive Schweden und Dänemark, das Land der