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die Luft ſchwippen müßt, da ihr eine damengefährliche, melancholiſch- nichts— ſagend-liebenswürdige Phyſiognomie dazu ſchneiden und thun müßt, als wäret ihr gar nicht die raffinirten Narren, für welche Euch jeder vernünftige Menſch anſieht und die ihr in Wirklichkeit und Wahrheit ſeid. Auch müßt ihr dann Exemplare von den ebenfalls in Paris erzeugten Vhantaſie-Krawatten tragen. O Phantaſie, zeusgeborne, unſterbliche, göttliche, du jezt eine Schneider— Mamſell, die Vorſylbe zu einem Frak, eine Favoritin des Modenarren-Kaiſers!
Nun geht die Welt unter!
Korreſpondenz.
Wiener Tabletten. Im Hof⸗ burgt heater gaſtiren jezt Hr. und Mad. Dahn, vom Münchner Hoftheater, mit ausgezeichnetem Erfolge; überhaupt ſcheint gegenwärtig den Gäſten an allen fünf Bühnen ein günſtiger Aspekt zu leuchten. Das Dahn'ſche Ehepaar be— ſizt eine Darſtellungsweiſe, welche das große Publikum beſticht und ſtets zu Beifallsäußerungen hinreißt— ein tie— feres Auffaſſen der Rollen, die Vergei— ſtigung der zu repräſentirenden Charak— tere, die den echten, ruhmwürdigen Künſtler bezeichnen, wird jedo) ſeltener bemerklich.— Dem. Schuler hat uns wieder ein neues Debut vorgeführt, wor— in ſie beträchliche Vervollkommnungen entwikelte, jede Provinzbühne kann durch ihre Acquiſition ſich in allen Anforde— rungen zufriedengeſtellt finden.— In den beiden, unter der Direktion des Hrn. Carl ſtehenden Theatern, haben wir gleichfalls beinahe ein Duzend Gaſt— ſpieler geſehen, deren Erfolge mehr oder minder glüklich waren.— Meiſter Hopp beſchenkte uns zu ſeiner Einnahme mit einem neuen Titel:„Pelzpalatin und Kachelofen“, ein wakeres Rühr- und Lachſtük; die Idee iſt nicht neu, die Handlung iſt auch nicht neu und auch die Wizkörner ſind auch nicht neu, aber der Titel iſt funkelnagelneu und gab Veranlaſſung zu den kühnſten Vermu—
Anſichten. Urtheile. Vegebn
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thungen, welche jedoch durch die Wirk— lichkeit keineswegs gerechtfertigt wur— den.— Gleichermaßen erging es dem Produkte des Hrn. Landner, Schauſpie— ler im Leopoldſtädter Theater. Dieſe „Geſpenſterfurcht“ iſt ein pyramidales Conglomerat von Langweiligkeiten, lah— men Späßen und blinden Pointen.— Die Valletvorſtellungen der Delle. Tag— lioni ſind geendigt, die Schwebende eilte ſchon einem neuen Pas entgegen— dem Pas de Calais, der ſie an die Themſe bringt. Ihr leztes Debut, in dem ſie eine hier noch nicht geſehene Szene aus dem Ballete„I' ombre“ und „die Gitana“ tanzte, ging mit grenzenlo— ſen Beifallsäußerungen begleitet zu En— de. Nach der Vorſtellung wurde die löb— liche Feierlichkeit des Pferdeausſpannens und Nachhauſeziehens durch Menſchen— kräfte mit der möglichſten Solennität begangen. Wenn man dieſe Triumphe ſchon recht ins Antike ſpielen will, war⸗ um ſpannt man nicht weiße Stiere mit vergoldeten Hörnern vor?— Die ita— lieniſche Oper führte zum Benefiz der Signora Unger Donizetti's„Lucrezia Borgia“ auf, mit Arieneinlagen von Mo— riani und Ronconi. Unter den zahlrei— chen muſikaliſchen Zuſammenſtellungen Donizettis, dieſer Geſchwindkomponir— maſchine, iſt die Borgia noch eine der gelungenſten. Um Geſang und Spiel der Benefiziantin dem vollen Umfange nach zu würdigen, müßte mein Urtheil


