Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
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Mignon-Zeitung.

Berlin. Der junge Hamburger Dahſe, von deſſen ungewöhnlichem Nechentalente in unſern Zeitungen ſo viel die Rede iſt, zog neulich in einer Geſellſchaft von Berliner Gelehrten aus der ungeheuern Zahlenreihe von:

123,375, 119,142,171,166,362, 274,241 binnen der kürzeſten Zeit(2 Minnten und 25 Sekunden) die ſechs zehnte Wurzel, welche 37 iſt.

Potpourri aus Paris. Der Aſſiſenhof der Loire hat ſo eben ein junges Mädchen aus St. Haon-le-Cha⸗ teau zum Tod verurtheilt, weil es ſei nen Vater mit zwei Flintenſchüſſen ge tödtet, indem er ſeine Zuſtimmung zu der Heirath ſeiner Tochter mit einem jungen Manne, der ihm nicht anſtand, verweigerte. Das Urtheil verordnet, daß die Hinrichtung auf dem öffentlichen Plaze der Gemeinde, wo das Verbre chen begangen worden, ſtatt haben ſol le. Der junge Mann, welcher die Flinte hergegeben und geladen hatte, wurde zu lebenslänglicher Zwangsarbeit ver urtheilt. In Paris hat bekanntlich eine Nätherin, welcher ihre Eltern die Erlaubniß, auf einen Ball zu gehen, verſagten, verſucht, ſich mit der Scheere zu tödten. Ein junger Mann ertränkte ſich, aus Verzweiflung, weil ihm Geld fehlte, einen Maskenball zu beſuchen. Ein Dritter verſezte ſeine lezten Klei der, um den Maskenball mitzumachen, und ertränkte ſich den andern Tag, in dem Koſtüm des Flußgottes Neptun, in der Seine. So wird die Tanzwuth nicht nur zum unmittelbaren, ſondern auch zum mittelbaren Selbſtmorde. In Frankreich hat man ſchon zwekmäßige Vorkehrungen getroffen und das Zellen ſyſtem, die Ein zeleinſperrung der jun gen Verbrecher, eingeführt. Noch zwek mäßiger und edler iſt unſtreitig die Ein⸗ richtung landwirthſchaftlicher Kolonien,

wo junge Verbrecher hingebracht und durch Arbeit und Unterricht dem Laſter entwöhnt werden. Ein ſchönes Geſez da bei iſt, daß den jungen Verbrechern nichts beigebracht werde, wodurch ſie ſich in großen Städten ernähren könnten, ſo daß ſie auf dem Lande zu bleiben ge zwungen ſind, wo die Bevölkerung dün ner, das Leben, freundlicher und lich ter, den Keimen des Verbrechens und der Unſittlichkeit keine ſolche Nahrung gibt.

Berlin. Herr Karl Stützer rühmt ſeine pat entirte Damenſchei⸗ tel fabrik, deren Produkte das Täu ſchendſte ſind, was jemals exiſtirt hat; jeder dieſer täuſchendſten aller Scheitel iſt mit dem Firmaſtempel des Fabrikan ten verſehen..

Etwas von Allem. Demoiſelle Taglioni iſt in Wien angekommen, wird aber erſt nach Oſtern ihr Gaſtſpiel be ginnen. Die erſte italieniſche Oper: La Prigione di Edimburgoé, Muſik von Fried. Ricci, hat in Wien nicht ſehr angeſprochen. Die Sänger werden indeſſen gelobt. Der berühmte Ernſt ſollte am 6. d. M. ſein leztes Konzert in Wien geben. In Poſen macht wieder ein deutſcher Improviſator, Na mens Volkert, Aufſehen. Der größte und die kleinſten Künſtler machen in Wien Senſation, obgleich ſie in die Klaſſe der Schwarz künſtler gehören. Es heißt, daß ſich dieſe Extreme näch ſtens berühren werden und der große Künſtler geduldig die pikanten Ausfälle der kleinen ertragen werde. Der größte Künſtler iſt der Elephant Baba, die kleinſten Künſtler ſind die Flöhe Ver tolotto's. Die berühmten arabiſchen Pferde des Fürſten Pückler- Muskau wer⸗ den bei dem bevorſtehenden Wettrennen auf der Simeringer Haide nächſt Wien mitwirken. In Berlin fiel ſo großer Schnee, daß man am 26. März Schlit⸗