Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
564
 
Einzelbild herunterladen

564

ſchläge geben, weit er für ſie eine unbeſiegliche Leidenſchaft hegte; der Unglük⸗ liche wollte nichts, als ſeine Lippen auf die Hand der Angebeteten drüken. Man ſtrafte ihn wegen ſeiner Kühnheit, als habe ſeinem thörichten Unterneh⸗ men nicht Liebe, ſondern ein Verbrechen zum Grunde gelegen. Er ſchwur vor Gott, daß dieſe Hand, welche ihn zurükſtieß, ſich von ſelbſt ſeinen Küſſen dar⸗ bieten und jener Mund, der die Worte ſprach:Züchtigt den Schuldigen! ſich öffnen werde, um den armen Teufel um Gnade zu bitten. i

Dieſer Tag der Rache ließ lange auf ſich warten, aber er kam doch. Es war auf einer Jagdpartie; die Königin, eine gute Reiterin, trieb ihr Pferd ſo kühn dahin, daß dieſes ſie weit von ihren Jagdbegleitern hinwegtrug und ſie ſich mitten in einem Walde befand und plözlich von zehn Männern umringt war, welche weder Furcht noch Mitleid kannten. Chriſtine, denn ſie war es, ſagte zu ihnen:Ich bin die Königin. Ich, denn ich war es, der Raͤuber⸗ hauptmann, der Geſchlagene, ich antwortete:Ich bin Lambken, der, welcher ſchwur, deine königliche Hand zu küſſen und fünf Jahre darauf wartete, daß du ſie ihm reichen würdeſt. Unſere Piſtolen drohten ihr den Tod. Chriſtine zögerte; ich trat zu ihr, aber, wahrhaftig, tief bewegt.

Falle nieder, ſagte ſie zu mir, ohne zu erbleichen,die, welche ich zum Handkuſſe laſſe, nähern ſich mir nur knieend.

Sie reichte mir die Hand, ich bedekte ſie mit Küſſen und ließ ſie dann, glüklich, meinen Schwur gelöſt zu haben, frei. Den zweiten Tag darauf wurde ich mit meinen Gefährten ergriffen. Aber was thut es? Habe ich mir doch Wort gehalten. Die Erfahrung hat mir bewieſen, daß man in der Liebe nie verzweifeln darf und daß es bei einem Weibe immer für uns einen günſti⸗ gen Augenblik gibt. Die Hauptſache iſt nur, denſelben nicht vorüber zu laſ⸗ ſen, ſobald er gekommen iſt.

Der Kerkermeiſter öffnete die Thür, rief Lambken und ſagte:Komm, es iſt Zeit! Das hieß:Der Galgen iſt aufgerichtet und der Henker er⸗

wartet dich.

Admiral Miaulis.

Miaulis verlebte ſeine Jugend auf den Wogen des Meeres; in ſeinem 15ten Jahre war er Schiffskapitän; er unternahm gefahrvolle Seefahrten, bekriegte die Malteſer mit einem Handelsſchiffe, und wurde ſpäter von der Flotte Nelſons gefangen. Nelſon ließ ihn frei, und es bewährte ſich auch hier, daß ein prophetiſcher Sinn das Geſchenk großer Geiſter iſt. Erkannte wohl damals der britanniſche Triton in ihm den Seehelden des ägäiſchen Meeres? Der Aufſtand brach aus, und für den Seekrieg wurden auf eine ehrenvolle Weiſe alle Vorbereitungen getroffen; die griechiſchen Privatſchiſfe belebte ein militäriſcher Sinn, und häufig errangen ſie Vortheile, ſchon damals ange feu⸗ ert durch den Beifall der Welt. Aber es bedurfte eines großen Beiſpiels, um die Herzen der Hellenen mit hohem Muthe zu erfüllen, und ſie zu lehren, im offenen Kampfe den Feind zu bekämpfen. Im zweiten Jahre des Aufſtandes ſtanden ſich die griechiſche und türkiſche Flotte einander gegenüber im ko rinthiſchen Golfe, durch Windſtille getrennt. Miaulis, durch einen ſchwachen Wind begünſtigt, greift allein an, trennt die feindlichen Fregatten, feuert