Ausgabe 
21.3.1871
 
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gewährt sei.

erschien bald darauf auf dem Balkone, nach allen Seiten bin die Menge be- grüßend. Unter wiederholtem, nicht enden wollen · dem Hurrabgeschrei trat der Kaiser noch einmal, mit der Kaiserin am Arm, auf den Balkon, worauf sich das Publikum theilweise zerstreute. Die Illumination war eine höchst glänzende. Um 8 Uhr durchsuhr der Kaiser mit der Kaiserin die Straßen, überall mit dem höchsten Enthusias- mus begrüßt. Dasselbe wiederholte sich, als der Kronprinz mit der Kronprinzessin sich zeigte.

In Nancy wurde der Kaiser-König bei seiner Ankunft am 13. d. von der Generalität begrüßt, worunter sich auch der General v. Werder befand.(Die badischen Divisionäre v. Glümer und v. Degenseld, sowie der Gouverneur v. Bonin waren dem Extrazug bis Bar le Duc entgegen- gefahren.) Kaum hatte der Kaiser den Sieger von Héritourt bemerkt, als er, wie derMoniteur ofl. du Gouvernement gén. de Lorraine be- richttt, ihm die Hände entgegenstreckte und ihm zurief:Ich habe Ihnen schon brieflich gedankt, aber das ist nicht genug! Der General wollte dem Kaiser darauf die Hand küssen, aber der Kaiser ließ ihm dazu nicht Zeit und umarmte ihn mit Bewegung.

In einem Artikel über die Verfolgung der Deutschen in Paris spricht ditKreuzzeitung die Ansicht aus, da die französische Regierung wohl geneigt, aber nicht mächtig genug zu sein scheine, um den deutschen Geschäftsleuten, welche nach Paris zurückkehren, Schutz zu gewähren, so werde man sich deulscherseits die Frage vorlegen müssen, ob es nicht geboten sei, wenn nicht schleunigst Einhalt gethan würde, den Abmarsch der deutschen Truppen aus der Nachbarschaft von Paris zu sistiren und zur erneuten Besetzung von Parie zu schreiten, dann aber auch die Auslieferung und Bestrafung der Hetzer und Wühler in der Presse zu verlangen.

Aus Berlin wird derStraßb. Ztg. geschrieten: In Folge der Mißhandlungen, welchen unsere deutschen Angehörigen in Frankreich trotz des Präliminarftiedens ausgesetzt sind, ist der Vorschlag gemacht worden, in den von den deutschen Truppen besetzten französischen Landestheilen Re pressalien zu ergreifen, und zwar für jeden in Gefangenschaft gesetzten deutschen Bürger einen Franzosen zu arretiren. Man hofft indessen, daß die Regierung nach ihrer Uebersiedelung nach Paris gegen diese sog. patriotischen Ueberschreitun- gen eben so strenge Maßregeln ergreifen werde, wie General Vinoy gegen die radikalen Pariser Zeitungen.

DenHamb. Nachr. wird unterm 15. d. telegraphirt, der Reichskanzler habe eine Mit- theilung an den Bundesrath des Inhalts gelangen lassen, daß aus den 5 Milliarden der französischen Kriegscoutribntion eine Entschädigung für gekaperte Schiffe und aus Frankreich vertriebene Deuische

wiederholt und

Von verschiedenen Seiten wird gemeldet, daß man im Bundeskanzleramt mit der Aus; arbeitung einer Vorlage zu desinitiver deutscher Münzreform beschäftigt ist.

DieNordd. Allg. Ztg. meldet: Der zwischen dem französischen Finanzminister und dem Civilcommissär, v. Nostiz Wallwitz, als dem Beauftragten des Gererals Fabrice, verhandelten, den Präliminar- Friedensvertrag modificirenden Convention ist von Fabrice, der als Vertreter des Grafen Bismarck in Frankreich verblieben ist, die Ratification nicht ertheilt worden. DieKreuz- zeitung schreibt: Zu dem bevorstehenden Geburts- tage des Kaisers werden die meisten deutschen Fursten in Berlin anwesend sein, ausgenommen die Könige von Bayern und Würtemberg, sowie der Herzog von Coburg-Gotha. Frankfurt. Bei der am 17. d. statt⸗ gefundenen engeren Wahl zwischen den Candidaten zum Reichstage v. Rothschild und Sonne- mann erhielt der letztere 3718 Stimmen, der erstere 3613 und ist sonach Sonnemann zum Reichstagsabgeordneten für hiesige Stadt erwählt.

Namen Kaiser Wilhelm für die aufmerksame Be⸗ handlung zu danken, welche man ihm während der Gesangenschaft hat angedeihen lassen. Unter den gefangenen französischen Soldaten soll die Agitation zu Gunsten des Kaisers in letzter Zeit nicht unbedeutende Fortschritte gemacht haben. DieHess. Morgenztg. meldet vom 18. d.: Die Reisedispositionen des Kaisers Napoleon sind in soweit geändert, als sich derselbe nicht über Frankfurt a. M., sondern über Gießen und Köln nach London begibt. Die Abreise von Kassel sollte Sonntag Vormittag erfolgen.

München. Die Aufhebung der Festungs- eigenschaft des Platzes Landau ist vom Könige genehmigt.

In Würzburg ist im Hofe der dortigen Festungsartilletiecaserne eine Ausstellung erbeu- teter Kriegswaffen veranstaltet worden, darunter allein 218 Geschütze aller Kaliber und Gattungen, Gebirgs-, Feld-, Festungs- gezogene und glatte Kanonen, Haubitzen, Mörser und Mitrailleusen. Aus mehr als 2000 Gewehren verschiedener Sorten sind zwei Riesenpyramiden, jede zu 20 Fuß Höhe, aufgestellt, außerdem in der auf dem Casernenhofe stehenden Geschütz remise Säbel, Kürasse, Helme u. dgl. in geschmack⸗ voll zusammengesetzten Trophäen zu sehen. Stuttgart. Als Geschenk des Kaisers an unsern König stehen seit ein paar Tagen zwei Monstre⸗Geschütze auf dem Güterbahnhof in Stuttgart. Beide sind gezogene Hinterlader, der eine wiegt 7775 Kilogr., der andere 8153 Kilogr. Beide sind, dem Vernehmen nach, nach Friedrichs⸗ hafen bestimmt.

Karlsruhe. Die auf den 22. d. anberaumt gewesene Hauptfriedensfeier soll nun verschoben werden, und zwar bis zu einem jedenfalls abzu⸗ haltenden allgemeinen deutschen Friedens- fest, dem natürlich der Abschluß des definitiven Friedens vorausgehen muß. Gleich an dem darauf folgenden Tage soll in ganz Deutschland eine Trauerfeierlichkeit zu Ehren der gefallenen deutschen Krieger abgehalten werden.

Heidelberg. Am 18. d. verstarb nach 10 tägiger Krankheit Professor G. Gervinus. Aus dem Elsaß. Am 12. d. M. Abends ist der Rhein-Rhone⸗Canaldamm bei Mühlhausen durchgebrochen; der Bruch geht bis zur Canalsohle hinab und die Herstellung soll 14 Tage Zeit erfordern. Da nach dem Berichte des Oberingenieurs Frevel vermuthet wird, so werden 500 Franken Belohnung Demjenigen zugesichert, welcher die Thäter so zur Anzeige bringt, daß

aber neuerdings aus der Scheide fahten; unser Ziel wird jedoch weniger fern liegen als die In⸗ tegrität des ottomanischen Kaiserreiches. Alle übrigen Journale sprechen sich in demselben Sinne über das Ergebniß der Pontus-Conferenz aus.

DasJournal officiel meldet:General Valentin ist abgeordnet, die Funktionen des Polizeipräfekten zu versehen. Eine Prokla- mation des Kriegsministers an die Mobilen sagt: Das Glück hat euere Anstrengungen verrathen, aber ihr habt die Ehre unseres Vaterlandes gerettet. Der Tag wird nicht allzuferne sein, hoffe ich, an dem ihr Frankreich durch die Macht der Energie und der Hingebung seine ganze frübere Größe zurückgeben könnt. Seid dessen versichert, daß Niemand lange die Erfüllung der providentiellen Geschicke unserer Nation aufzuhalten vermag. Die Journale rathen einstimmig, sich aller Gewaltacte gegen die nach Paris zurück kehrenden Deutschen zu enthalten, verlangen aber die unbarmherzige Anwendung einer moralischen Ausschließung.

Die Nationalgarden bemächtigten sich der nach dem Fort Jvry bestimmten Munitionswaggons.

DasJournal des Debats bespricht die Rückkehr der in Frankreich früher ansässigen Deut- schen und sagt:Nach dem Friedensschlusse müssen die Deutschen selbstverständlich im legalen Wege ebenso wie die anderen Fremden angesehen und behandelt werden; wenn sie jedoch nicht selbst einsehen, daß sie nicht zurückkehren dürfen, so haben wir als Bürger das Recht, sie von der Gesellschaft in Frankreich auszuschließen.

17. März. Die Aufständigen am Mont⸗ martre leisteien heute den Leuten, welche dit Ge schütze wegbringen sollten, Widerstand. Es wurde Generalmarsch geschlagen. Die Regierungstruppen zogen sich zurück. Das Comptoir d'Escompte entläßt alle Deutsche.

18. März, 12½ Uhr Mittags. Die Regierung hatte in der vergangenen Nacht die Position auf dem Montmartre durch Truppen besetzen lassen, welche den größten Theil der Kanonen ohne Conflict zurückbrachten. Die Gens darmerie machte 400 Gefangene. Diesen Morgen forderten die Bataillone der Nationalgarde aus Belleville alle Gefangenen zurück. General Vino hatte den Moutmartre mit Truppen umgeben und auf jeder nach demselben führenden Straße Mitrailleusen auffahren lassen. Auf das Verlangen der Menge ließen die Truppen die Mitrailleusen fortschaffen. Die Linie fraternisirte auf dem Montmartre mit der Nationalgarde. Ein Lieute-

sie gesetzlich bestraft werden können.

Ausland. Oesterreich. In Pesth feierte am 113 das Deutschthum, ganz unbehelligt von Verboten und nationaler Tol sucht, ein gelungenes und großartiges Friedensfest, an dem auch Vertreter aller andern in Ungarn lebenden Nationalitäten in größerer Anzahl sich betheiligten. Das erste Hoch ward dem Kaiser Wilhelm, im Anschlusse hieran dem König von Ungarn ausgebracht.

Frankreich. Paris. DerIndependant in Rouen wurde durch den preußischen Präfekten unterdrückt, weil er für die Ankunft des Kaiser⸗ Königs die Anlegung von Trauerzeichen empfahl. Zwei Redacteure wurden zu 1000 Fres. Strase verurtheilt.

Es sind Manifeste von Blanqui und Flourens erschienen, worin dieselben gegen ihre Verurtheklung zum Tode protestiren. Flourens nennt seine Richter geradezuvon der Reaction patentirte Meuchelmörder. Gambetta ist nach San Sebastian(in der baskischen Provinz Gui puzcoa in Spanien) abgereist und wird vorläufig dort bleiben.

DasJournal des Debats bekämpft mit großer Heftigkeit den neuen Londoner Vertrag, welcher eine tiefe Demüthigung für die von den Westmächten seit 40 Jahren befolgte Politik wäre. Das ganze Resultat des Krimkrieges sei verloren. Was Frankreich anbelange, so habe es für lange

Kassel. General Castelnau wurde von Na polcon nach Saarbrücken entsendet, um in seinem

Zeit mit der Gefühlspolitik abgeschlossen.Der Degen Frankreichs ist beute zerbrochen, er wird

nant der Chasseurs, welcher sich von der Menge befreien wollte und eine drohende Bewegung mit dem Säbel machte, wurde getödtet. Einige Flinten⸗ schüsse wurden gewechselt, in Folge dessen mehrere Verwundungen vorkamen; die Truppen gaben hierauf ihre Positionen auf und fraternisirten mit dem Volke, welches sich zweier Mitrailleusen be mächtigte. Gegenwärtig marschiren zahlreiche Ba taillone Nationalgarde mit erhobenen Kolben unter dem Rufe:Es lebe die Republik! nach dem Montmartre.

1 uhr Mittags. Faron ist mit 300 Mann auf der Butte Montmartre eingeschlossen. Mehrere Offiziere wurden zu Gefangenen gemacht. General Paturel erhielt eine Contusion. Eine große An- zahl Nationalgarden umgibt die Butte. In den Straßen fraternisiren Haufen unbewaffneter Linien. truppen unter dem Rufe:Es lebe die Republik! mit der Bevölkerung. Die meisten Journale sprechen die Ansicht aus, daß die Regierung nun mehr ernstliche Maßregeln gegen die aufrührerische Nationalgarde auf dem Montmartre ergreifen werde.

Zwei höhere preußische Offiziere, schreibt derGaulois, wurden in Paris, obgleich sie bürgerliche Kleidung trugen, erkannt und von der Menge nach dem Club der Marseillaise ge- führt. Hier erklärte ein Nationalgardist, daß man, nachdem ein Offizier des 147. Bataillons vom Feinde zum Gefangenen gemacht worden wäre, Delegirte zum General v. Medon schicken wolle, um den Austausch zu bewirken, widrigen⸗ falls man die beiden Offiziere zurückbehalten werde. Die Behörde hat bis jetzt vergebens diese

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