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— Bitte, laß mich ausreden,“ wehrte sie die stürmische Umarmung ihres Sohnes ab—„ob ich das Verhältniß dann sanktionire, wird immer noch davon abhängen, ob ich Deine Erwählte auch unseres Namens und meines Sohnes würdig finde.“
„O Mutter, ich sage Dir ja schon, ich verdiene sie gar nicht!“——
„Das wollen wir einstweilen dahin gestellt sein lassen,“ schnitt ihm die Mutter das Wort ab;„jedenfalls wird der Schritt, den Du gethan, für uns Alle, namentlich für Deine Schwestern, nicht ohne schwere Folgen sein. Oder glaubst Du etwa, daß Adrian von Kemper oder gar Herr v. Mink— witz Verlangen nach einer Schwägerin vom Dorfe tragen?“
„Es ist abscheu— lich, unverantwort— lich rücksichtslos!“ schluchzte Edith zor— nig auf,„o, wenn ich mir nur vor— stelle——“
„Edith!“ mahnte die Senatorin aber⸗ mals mit Nachdruck, und die Gemaßre— gelte starrte, stumme Wuth in Gesicht und Herzen, krampfhaft auf das Album in ihrer Hand; Gis— bert aber, dem es in der That schwer ge— worden wäre, die letzte Frage seiner Mutter zufrieden— stellend zu beant— worten, küßte ihr statt dessen die wohl-
gepflegte, weiße Hand, versicherte sie nochmals enthusi— astisch seiner dank— baren Sohnesliebe, und entfernte sich dann sofort, um an Käthe zu schreiben, das Herz von süßen Hoffnungen ge— schwellt, und den Kopf voll unerreich barer Ideale. Eine Weile blieb
still in dem Raume, dann war es Elisabeth, welche leise zu der sinnend vor sich hinblicken— den Senatorin trat, und ihre Hand lieb— kosend auf die der Mutter legte. Aufblickend schaute Frau Volkmar in die in Thränen schimmernden Augen ihrer jüngsten Tochter.
„So sehr bekümmert es Dich, mein Liebling?“ fragte sie liebe— voll, die seidenweichen Locken der nun neben ihr Hinknieenden streichelnd.
„O Mama, es ist doch hart, sehr hart!“ schluchzte das junge Mädchen,„ich begreife nicht, wie Du das so ruhig aufzunehmen vermagst.“
„Weil ich weiter sehe, als Du und Deine Schwester, mein Kind,“ versetzte die Senatorin, sich in ihrem Sessel aufrichtend. „Glaube meiner reiferen Erfahrung; nichts ist bei solch' jungen, verliebten Hitzköpfen weniger angebracht als offener Widerstand.
es
Klein Mütterchen.
Ein weises Nachgeben dürfte hier weit besser am Platze sein, und uns sicherer zum Ziele führen.“—
„Zum Ziele, Mutter!“ warf Edith höhnisch ein.„Ja wenn dies Ziel die Heirath Gisberts mit jenem Schenkmädchen ist, und Du unser Aller Lebensglück seinen Phantastereien zum Opfer bringen willst!“
„Ich hoffe, daß keine von Euch ein Opfer zu bringen haben wird, es sei denn das einer weisen Selbstbeherrschung, meine liebe Edith,“ entgegnete die Matrone mit leiser Zurechtweisung. „Es ist nicht zu leugnen, daß in Gisberts Charakter von klein an ein Zug zum Außergewöhnlichen gelegen; schon als Knabe hing er mit Vorliebe den über⸗ spanntesten Ideen nach, und der Auf⸗ enthalt an der Hoch⸗ schule, der Verkehr mit so viel andern
jugendlichen Schwärmern und dazu das in jener
Umgebung viel⸗ leicht weit über ihre Sphäre hinaus vor⸗ nehm und anmuthig erscheinende Maͤd⸗ chen haben ihn in seinen romantischen Grillen bestärkt, daß er den festen Boden klarer Einsicht völlig darüber verloren hat. Lassen wir ihm nun seinen Willen, dulden wir, daß er dies kleine Bürger⸗ oder Bauernmäd⸗ chen hierher bringe, so glaube ich nicht zu irren, wenn ich voraussetze, daß das anmuthige Wiesen⸗ blümchen ihrer hei— mathlichen Fluren sich unter den stol⸗ zen Blumen unserer Salons recht sonder⸗ bar ausnehmen und gar bald den Glo rienschein verlieren wird, mit welchem seine Phantasie es bis dahin so frei⸗ gebig umkleidet. Mein Wunsch und Wille ist es daher, daß das junge Mäd chen freundlich auf⸗ genommen werde, doch nicht mit jener Vertraulichkeit, welche ihr von vornherein ihre Stellung im Hause sichern würde— es wird im Gegentheil gut sein, ihr in diskreter Weise den Abstand zwischen ihr und uns möglichst fühlbar zu machen; im Uebrigen gilt sie wie jeder andere Gast und ich bitte mir für sie alle Rücksicht aus, auf die sie in dieser Eigenschaft Anspruch machen darf. Laßt das kleine Landmädchen nur erst in eine andere Beleuchtung treten,— den verworrenen Knoten zu lösen, dürfen wir dann wohl der Zeit und der unausbleiblichen Entnüchterung der beiden Hauptbetheiligten überlassen. Frau Volkmar schwieg er⸗ müdet und einen Moment herrschte tiefe Stille in dem großen Raume. Mit großen, verständnißvollen Augen war Edith den Ausführungen der Mutter gefolgt: jetzt schüttelte sie zweifelnd den schönen Kopf.
Von Ludwig Knaus.
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