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Philipps-Eck. Auch dieſes enthielt manche Kunſt— werke, war aber auch zugleich eine für jene Zeiten ſtarke Feſte. Die unterirdiſchen Gewölbe waren ſo geräumig, daß in denſelben 2 Weinfäſſer, jedes von 18 Fuder, 16 Faſſer, jedes von 9 Fuder, und 34 Faſſer, jedes von 3 Fuder, lagerten. Im Falle der Noth gaben dieſe Souterrains, welche mit Ron— delen und Schießſcharten verſehen waren, einen beſonderen Vertheidigungsplatz ab. Leider iſt das Alles jetzt ganz zerſtört. Selbſt von den vielen Weinbergen, welche er am Hausberge anlegen ließ, iſt kaum eine Spur mehr übrig. Auch die Berg— werke bei Münſter, welche im Jahre 1614 zuerſt betrieben wurden, gingen ſchon vor 1683 wieder ein. Nachdem Philipp 19 Jahre hindurch der Wohlthäter der ganzen Umgegend geweſen und be⸗ ſonders in den ſchrecklichſten Zeiten des dreißigjäh— rigen Krieges die Stadt vor vielen Drangſalen geſchützt hatte, ſtarb er am 28. April 1643, und zwar auf eine ſehr jammervolle Art. Er hatte ſich nämlich ein Dampfbad ſo bereiten laſſen, daß Brannt— wein auf heiße Steine geſchüttet wurde. Durch Unvorſichtigkeit entzündete ſich der Branntwein und Philipp wurde durch das Feuer deſſelben ſo ſchrecklich verwundet, daß er 3 Tage nochher ſeinen Geiſt aufgab. Eine Chronik-Nachricht zufolge wurde er am 10. Auguſt feierlich beſtattet. Seine Gruft befindet ſich in der Stadtkirche zu Butzbach. Noch erfreut ſich dieſe Stadt einer zur Unterſtützung be— jahrter Männer von ihm gegründeten Stiftung.
Am 15. Februar l. J. feierte die Stadt Butz
bach auf eine würdige Weiſe ſein Andenken. Herr Inſpector Steinberger nahm Veranlaſſung, indem er Sirach XLIV, 1— 15 als Text zum Grunde legte, mit dem heimgegangenen Edlen näher bekannt zu machen. Die Predigt des zweiten Geiſtlichen über Sprüchwörter X, 7, heb die chriſtliche Be— deutung der Feier hervor. An dem Sekulartage der Stiftung wurde, unter dem Geläute der Glocken an 60 ältere Männer, die in dem Legat beſtimmte Gabe vertheilt, außerdem wurden durch Beſchluß der Stadtbehörde die Schulkinder mit Backwerk und die Armen mit Holz beſchenkt. Auch noch auf an— dere Art wurde der Tag würdig begangen. Ein Capital von 100 fl. wurde als Grundfonds einer Stiftung für arme bejahrte Frauen votirt. Abends fand ſich eine zahlreiche Geſellſchaft im heſſiſchen
Hauſe zur Feier des Tages ein, dei welcher bedeu— tende Summen für die neue Stiftung ſubſcribirt, das Andenken des längſt dahingegangenen Prinzen erneuert, beſonders aber Toaſte auf das Wohl des Landesvaters und der erlauchten Fürſtenfamilie aus— gebracht wurden.
Ungeſähr hundert Jahre nach Philipp hatte ein anderer heſſiſcher Prinz ſeine Reſidenz zu Butzbach; es war dies der Prinz Heinrich, Einer von den Heldenſöhnen Ludwigs VI, welche alle vier in
fremde Kriegsdienſte getreten waren, ſich in kurzer Zeit emporgeſchwungen und an den bedeutendſten
Kämpfen ihrer Zeit weſentlichen Antheil genommen hatten, aber auch alle vier zur katholiſchen Kirche übergetreten waren. Prinz Heinrich hatte u. A. mit ſeinem älteren Bruder Georg, dem Eroberer von Gibraltar, mehrere Feldzüge im ſpaniſchen Erbfolgekrieg gemacht, und war nachher General⸗ Feldmarſchall-Lieutenant und Befehlshaber von Lerida, dann Obriſt der Leibgarde unter König Karl III. von Spanien geworden. Er wurde aber ſpäter durch eine ihm vom General Stahremberg zugefügte Beleidigung vermocht, ſeinen Poſten zu quittiren. Er kehrte hierauf im Jahr 1710 nach Deutſchland zurück, verlebte den Reſt ſeiner Tage zu Butzbach, bekannte ſich wieder zur proteſtantiſchen Kirche und ſtarb am 31. Jan. des Jahrs 1741; am 15. Februar deſſ. J. wurden ſeine irdiſchen Reſte feierlich beſtattet.(Die„Geneal. Nachrichten“, welchen ſpäter Teuthorn, ſowie der Verf. der histoire genéalogique de la maison de hesse folgten, geben dagegen den 2. März als Todestag an.) Auch dieſes Prinzen Andenken wurde dieſes Jahr zu Butzbach, und zwar an ſeinem Todestage den 31. Januar, erneuert.
Da dergleichen Erinnerungsfeſte nur wohlthatig wirken, ſo können wir nicht umhin, der Stadt Butz— bach für das würdige Begehen derſelben unſern Beifall hiermit öffentlich zu zollen.—
Aepfel- Butter.
Unter dieſer Benennung verſteht man in Penſyl— vanien mit Moſt eingekochte Aepfel, welcher Artikel in den obſtreichen Gegenden Deutſchlands ein gewinn— bringender Handelsartikel werden könnte. Jede Fa— milie auf dem Lande macht dieſe Aepfel-Butter zum Hausgebrauch, und zwar ſtets auf viele Jahre voraus,


