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Montag, oen September 1UI4.
7. Jalsrgong
Dl« „litiie CoB*»!«itun8“ «iidjeint reden Werltag. Regelmäßige Beilagen „3tt l nett aus licITcn", „Pie Opiiislliilit''. {Icitjcjuti.: Bel den Postanstalten v>criel,ahrl>ä, Alk. I,üä lei den Agenten monallich SO Psg. Hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn. Auicist». Grund,ctte SO Pjo, totale IS Big, Lnieigen von auswar,s werden durch Postnachnahnie erhoben Erfüllungsort ff riedberg. S-t,riftle,tana u»d Verla, Friedb.'ig (Heffcnl, «>anauer trage 12. Fern-prechcr 48. Postjitzeck-Lon«- Rr. 48s». Am> Franftort Sit.
Es steht gut?
(?me Lchlacht im Westen. — Abermals 20—Austen qesanaen! — tteber 309,000 Kriegsgefangene! — Erfolge der Oesterrr^cher.
Die LchlachL steht günstig!
Aus dein westlichen Kriegsschauplatz haben die Opera- tioncii der verschiedenen Armeekorps zu cincin neuen großen Zusammenstoß geführt: Die Schlacht st c h t g ü n it i g I das ist das kurze znsammensassendc Urteil, das uns das Hauptquartier wissen Iaht. Und wir haben allen Anlaß, ihm Wim,fc» zu schenken und das Dertraucn auf Wott, lin- scr wackeres Heer und seine Führer zu haben, daß uns ein voller Sieg in dicscin Kampse werde.
Im Osten sind wir vorerst der Feinde los. In mehrtägigen Schlachten, ans einem Plan, der sich über etwa "00 Kilometer hinstreckt, haben die wackere» Ostprcutz.'n die Feinde geschlagen und sic in wilde Flucht gejagt. Erst kam Gottes Strafgericht über sie bei Tannenbcrg »nd seht bei Lyck und weiter hinaus nach Norden. Ter Ort der letzten entscheidenden Kämpfe ist in den amtlichen Angaben »er nicht mitgeteilt worden. Es genügt uns zu wissen, daß Ostpreußen vom Feinde frei ist und daß cs dem Generalobersten von Hiiidenbnrg gelang, in den Rücken der Rnsssn zu kommen, die nun in wilde Flucht dem Riemen znströmcn. Gestern wurden 10,000 Gefangene gemeldet, dabei war der verheißungsvolle Vermerk: Tie Beute steigert sich fortgesetzt. Heute sind es schon 20—30,000 Gefangene, daneben 150 Geschütze und eine unermeßliche Kriegsbeute. Fürs erste sind wir der Russen kedig. Sie werden unzweifelhaft per- suchen, wiedcrzukomnicn. Ihre Hauptkrast aber dürste gebrockten sein.
Oesterreich hat mit einer ungeheuren Uebermacht zu kämpsen. Trotzdem konnte cs sich in vorteilhaften Stellungen halten und den erschöpften Kriegern, die nun schon 15 Tage tapfer streiten, einige Ruhe gönnen. Daß unsere Verbündeten 10,000 Gefangene machten und zahlreiche Ge- schütze eroberten, bestätigt ihr siegreiches Vorgehen. Die Stellung unseres Verbündeten wird als vorteilhaft angc- sehen und auch dort dürsten sich die Russen die Backenzähne ansbcihen.
Ter Versuch der Serbe», den Krieg nach Oesterreich zu tragen, ist kläglich gescheitert, er hat mit der Vernichtung der serbisckien Tiniokdivision geendet. Es soll auf direl- ten Auftrag der Russen geschehen sein, die den Serben vor- logcn, daß die österreichischen Kräfte ganz schwach seien. Tic Lcslerreicher ließen die Serben ruhig in die Fall: her- ein, bis die Betörten zu spat mvrkte», daß sie verloren seien. Heute wird gemeldet, daß die Serben überall trieb:;- über die Save zurückgegangen sind. Die eigentliche Abrechnung mit den Königsmördern und Hammeldicbcn wird bekannt- lich später ersolgen.
Ein neuer grotzer Lieg im Osten!
Großes Hauptquartier, 13. September«
(A m t l i ch.) Tic Armee des Gcncrul- oberste» von H i n d e n b n r g hat dje Russen in Ostpreußen in mehrtägis.cn Kämpfen v o l l st ä n d i q geschlagen. Ter Rückzug der Russen ist zur Flucht geworden. Generaloberst von Hindenbnrg hat in der Bcrsolgung bereits die Grenze überschritten und bisher über 10 000 «u- vcrwnndctc Gefangene gemacht und 30 Geschütze erobert. Außerdem sind Maschiucn- gewchrc, Flugzeuge und Fährzenge aller Art erbeutet worden. Tic Kriegsbeute steigert sich fortgesetzt.
WTü. Serliir, 13. Scpf. (Amtlich.)
Auf dem westliche» Kr.iogslchanp>.!i liabc» die Gpcratioucn. über die Ciilir!- tzritrn noch nicht veröffentlicht werde:; können, zu einer neuen Schlacht geführt, die günstig steht. Die von dem Feinde mit gllen Mittel» verbreitete» für uns «»- aünstige» Nachrichten, find faifch.
In Kclgie» ist heute ein Ausfall ans Antwerpen, von 3 belgischen Div!sie::e! nnternomme», znrüchgelchlagrn worden.
In Gstpreulien ist die Lage hervorragend gut. Die vulfijdje Armee ftictzl in voller Anftöjuug. Kisher hat ste 150 Gelchiitze und 20—30000 imvernniii- dete Gefangene verloren
Die Schlacht in Galizien.
Wien. Amtlich wird bekannt gegeben: In der Schlacht von Lemberg gelang es unseren an und südlich der Grodcker Chaussee eingesetzten Streitkrästen den Feind nach fünftägigem hartem Ringen zurückzudrängen, an 10 000 Gefangene zu machen und zahlreiche Geschütze zu erbeuten. Dieser Erfolg konnte jedoch nicht voll ausgenutzt werden, da unser Rordslügel bei Rawaruska von großer Uebermacht bedroht wurde, überdies andere russische Kräfte sowohl gegen die Armee Dankt als in dem Raume zwischen dieser Armee und dein Schlachtfeld von Lemberg vordrangen. Angesichts der sehr bedeutenden Ueberlegenheit des Feindes war geboten, unsere schon seit 3 Wochen fast ununterbrochen heldenmütig kämpfende Armee in einem guten Abschnitt zu sammeln und für weitere Operationen bereit zu stellen.
~ 2er sMiicrlrfffr des 6jjf js DfS ßtnt rtlfiil:
v. Höfcr, Generalmajor.
Die Zerben znrückgedrängt.
Budapest. 13. Srpt.' (ATB. Nichtamtlich.) Tic Blät- fei melden ans Vukcrnr: Der Stndtrnt von Scmlin hat an iic Rcdaktivn des Blattes „$vijcmcfi Rovinc" folgendes Telr-ramm gerichlrt: stirch cinir Mittkilimg des hiesige» Militärkvuimandos ist jede Gefahr brznolich der Stadt 2. mlin ecschn-miden indem unsere Truppen die Serbe» ans der ganzen Linie über die Save znrückdrängtrn.
(kjlit ssrkliimlg des Neichsklinzltrs.
Kopenhagen, !3. Sept. Ritzaus Bureau hat von dem Reichskanzler v. B c l h n> a n n Hollwcg nachstehende Mitteilung erhallen:
Der englische Pecunerministcr hat in der Guildhall in einer Rede für England die Rolle des Beschützers der kleinere», schwächeren Staaten in Anspruch genommen und von der Neu- trali:ät Belgiens, Hollands und der Schweiz gesprochen, die von Dcuischland gcsahidet sei. Es ist richtig, wir haben Belgiens Rcntrelilät verletzt, weil bittere Rot ans zwang, aber wir hatten Belgien volle Integrität und Schadlos- balivng zugesagt, wenn cs mit dieser Notlage rechnen wollte. Belgien wäre ebenso wenig etwas geschehen wie z. B. Luxemburg Härte England als Beschützer der schwächeren Staaten Belgien unendliches Leid ersparen wollen, dann hätte cs ihm den Rat erteilen müssen, unser Anerbieten anzunehmen. Geschützt hat cs unseres Wissens Belgien nicht. Ist also England wirtlich ein so selbstloser Beschützer? Wir wissen genau, daß der französische Kricgsplan den Durchmarsch durch Belgien znm Angrift aui die unbeschütztcn Rhcinlande vorsrh. Gibt es i: iimiib, der glaubt, England würde dann zunl Schutze der belgischen Freiheit gegen Franlrcich eillgcschrittcn sein? Die Rcu- tralität Hollands und der Schweiz haben wir streng respeiiiert und auch die geringste Erenzüberschrcitung des niederländischen Limburgs peinlichst vermieden.
Es ist cuftällig, daß Bsqui-h nur Belgien, Holland und die Schweiz, nicht aber auch die skandinavischen Länder erwähnt. Die Schweiz mag er genannt haben lni Hinblick aus Frankreich. Holland und Belgien aber liegen England gegenüber an der anderen Küste des Kanals. Darum ist England um die Reurralität dieser Länder so besorgt. Warum schweigt Asquüh von den skandinavischen Reichen? Vielleicht, weil er
| weiß, daß cs uns nicht in den Sin» komm«, die Neutralität j dieser Länder anzutaslcn? Oder sollte England etwa für eine» i Verstoß in die Ostsee oder für die Kricgsührung Rußlands die I dänische 'Neutralität doch nicht für rin noli me tangere halten?
Asquith will gtauben machen, daß der Kamps Englanis gegen uns ein Kamps der Freiheit gegen die Gewalt sei. An diese Ausdruck-weise ist die Welt gewohnt. Im Namen der Freiheit bat England mit Gewalt und einer Politik des riick- ; slchtolosesten Egoisnnis sein gewaltiges Kolonialreich begrün, det, im Ramcn der Freiheit hat cs noch um die Wende dieses Jahrhunderts die Selbständigkeit der Vurcnrcpnblikcn Vernich Ict, im Namen der Freiheit behandelt cs jetzt Aegypten unter Verletzung internationaler Verträge und eines feierlich gegebenen Versprechens als englische Kolonie. Im Namen der Freiheit verliert einer der malayischen Schutzstaaten nach dem andern seine Sclbstänüiglcit zu Gunsten Englands. Im Ra> i::cn der Freiheit sucht cs durch Zerschneidung der dculschc» Kabel zu verhindern, daß die Wahrheit in die Welt dringt.
Der englische Ministerpräsident irkt sich. Seit England sich init Rußland »nd Japan gegen Deutschland verband, hat es in einer in der Geschichte der Welt einzig dastehenden Verblendung die Zivilisation verrate» und die Sache der Freiheit der europäischen Völker und Staaten dem deutschen Schwert zur Wahrung übertragen.
gez. von Vcthmann Hollweg.
K rLcgsgcsattgene in Deutschland.
51 :n 11 i d) c s TclegraIN IN.
Berlin. Bis 1. September waren in Deutschland 220 000 Kriegsgefangene ntttcrgcbracht. Davon sind Franzosen 1030 Offiziere, 86,700 Mann, Russen 1830 „ 01,400 „
Belgier 440 „ 30,200
Engländer 180 „ 7,350 Mann.
Bon den Offizieren sind bei den Franzosen 2 Generäle, bei den Russen 2 kommandierende und 13 Generäle und in Belgien der Kommandant von Lüttich. Eine große Zahl weiterer Kriegsgefangener find auf dem Transport zir den Gefangenenlagern.
Bctiiii, 12. Sept. lW. B. Amtlich.) In der heule Mittag vcrössentlichlen Angabe über die Zahl der in den Gefangenenlagern in Teutschland nntergebrachten K/iege- gefiiiigenc» sind die bei Maubenge gesungenen -lll,0l>0 Franzosen sowie ein großer Teil der in Ostpreußen in der Schlackt bci Tannenberg kriegsgefangenen Russen nicht enthalten.
Nach der amtlichen Zusammenstellung waren am 1. Sept., also 30 Tage nach der Kriegscrklärnng, 220/100 Gefangene in den Gcsangcnenlagern untergebracht, dazu kommen noch die zahlicickten Gefangenentransporte, io baß man getrost 230,000 Gefangene annehmen kann. ES diirite inten ii' ini, wieviel Gefangene wir 1-170 gemacht ballen, als der Krieg 30 Tage gewährt hatte. Amtlich wird gemeldet: 4. August Weißcnburg: 800, 7, August Sptchern: 2000, 8. August Wörth: 8000, 17. August Mars-Ia-tonr: 2-100,
18. Anglist Gravelotte: 5000 Mann zusammen 17,800 Mann, rechnet man noch chic in kleineren Gefechten Gefangenen, so kommen höchstens 20,000 Mann zusammen.
Wie der amtliche Bericht hervorhebt, fehlen in der Ans- Ausstellung die bei Maubenge gi nngcnen 10,000 Franzose», d: ; so fehlt ein großer Teil der bei Tannenberg ge- sangenen Russen. Tort wurden insgesamt 92,000 Ralfen gefangen, vorher wurden am 18. Anglist bei Stallnpönen :;ooo und bei Gumbinnen 8500 Russen gesungen, das u-
:itc zusammen, ohne die Anderen, die nicht gemeldet wnr- :», ll. '-O, die den 92,000 bei Tannenberg zu zu zählen nd, d..S gibt 103,5>00; in der Zusammenstellung wiieden ber nur 91,000 gemeldet, also sind es mindestens 12,000 lehr. Tann wurden am 5. Sept. rund 13,000 Franzosen 5 entce v. Biilow als Gefangene gemeldet. Be: de» än.pfen vor Paris weitere 4000, endlich hat Hindenbnrg brr 20 50,000 Ruiscn gcsangcn, so daß den 230,000 Mann in l. Scvt- »vch mindestens l0 -100,000 Mann zuznzählen nd, wenn man den heutigen Stand ermitteln will. Dor- ach halten wir gegenwärtig schon über 320—330.0--0 lriegraesangcne, .nt denen noch etwa 50 60,000 Runen


