Zeitung 
Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
Einzelbild herunterladen

Muts, der Strenge. Wir bekennen gleichzeitig, aufgewühlt zu sein von dem Wissen, daß dieser unser Auftrag spürbarer als je in der deutschen Geschichte verwachsen ist mit allen Sehnsüchten, Nöten und Willens⸗ entschlüssen unseres Volks. Ob wir ein neues Geschlecht von Er ziehern formen, Tiere und Pflanzen züchten, die Heimat der Indo⸗ germanen suchen, Volksseuchen bekämpfen, Atome zertrümmern, neue Stoffe entdecken oder den Weg zu Gott für unser Volk suchen: alle Arbeit unseres Geistes ist in den Aufbruch der Nation hineingestellt, andere Arbeitsformen erzeugend, andere Wege der Lehre fordernd.

And in alledem rücken Geist und Begeisterung in das einzig gültige Verhältnis zueinander. Im Inneren des Reichs sehen wir heute siegreich den Gedanken der Leistung sich durchsetzen; in der Außenpolitik beginnt die eiserne Ehrlichkeit und die sachliche Gerad⸗ heit des Führers wirksam zu werden. Auf derselben Linie hat das Geschlecht, das heute den Aufbau der Hochschulen trägt, jede leer laufende Begeisterung hassen gelernt. Wir sehen in den Wocten Geist und Begeisterung keine Gegensätze, sondern zwei Kräfte, die zu⸗ sammen erst die eine Stoßkraft zum Aufbau ausmachen: die Be⸗ geisterung, dem Geist Ziele gebend und ihn daran hindernd, ein Spiel um seiner selbst willen zu werden; den Geist, der Begeiste⸗ rung Inhalt und Wucht gebend und sie damit wachhaltend. Immer wird es zur Natur des Genecationenverhältnisses gehören, daß die Lehrer, dauernd in der Zucht des Geistes stehend, die aus ihm ent springende Verantwortung besonders deutlich sehen; die Schüler zu erst durchglüht sind von der Begeisterung, die an den großen Auf⸗ gaben der Zeit ihre Flamme nährt. In dem Verhältnis Lehrer Schüler wiederholt sich für uns das andere: Geist und Begeisterung, und darin das tiefe gegenseitige Aufeinanderangewiesensein. und dem entspricht, daß sich in Deutschland immer deutlicher absondeen die Nur⸗Begeisterten und die Nur-Geistigen von denen, die um jenes echte Zueinandergehören von beidem wissen, absondern in einem wahrhaft politischen Sinn. Geist ohne Begeisterung ist wie ein Dienen, das zur Unfruchtbarkeit verurteilt ist, weil ihm ein Ziel fehlt; Be⸗ geisterung ohne die Zucht des Geistes gleicht einer stürmenden Front, die zuletzt keinen Gegner vorfindet. Wir glauben, daß in unserem Volk keine große geistige Tat je geschah ohne den Zusammenklang: ohne das große Ziel, das allein die Begeisterung erkennt, und ohne den entsagungsvollen Weg des Geistes.