An R wärt 5 4 1 Gemeinschaftsblatt für Hessen. . 5 Dieses Blatt erscheint wöchentlich einmal. 41. Sonntag, den 23. November 1913. 6. Jahrg. Der lod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? hölle, wo ist dein Sieg? 1. Korr. 15, 35. Ruf. nicht der heutige lag wehmütige Erinnerungen bei uns wach? Wie wurde das herz von Schmerz zerrissen, als in jener ernsten Stunde der Schnitter Lod seinen Einzug in der familie. hielt! Es war dir wie eln schwerer Traum; du konn— test es kaum fas⸗ sen, und doch war es eine schreckliche Wirklichkeit! Still standest du am Sarge und schau⸗ test noch einmal in das bleiche, starre Hntlitz. Wenn sich die geschlossenen fu— genlieder doch noch einmal öff⸗ neten! Wenn sich die bleichen Lippen nur noch einmal regten! Doch der Sarg wird ge⸗ schlossen. Es geht hinaus zumõrabe. Dumpf fallen die Erdschollen in die zum stillen Totenhof. Soll dir der Grabhügel Trost geben? , die Erde ist kalt und herzlos! Und doch kann der ang zum Grabe zum kreudenweg werden. Es gibt Cichtstrah le für Trauernde. a Sieh dort auf dem Bilde jenes Weib, auch eine trau— ernde, leidtragende Seele! in der llorgenfrühe war sie schon zum Grabe geeilt. Ihren geliebten herrn und ßeiland hatte man da hineingelegt. Doch, was ist das?— Der Stein ist weg! Das Grab ist geöffnet und leer! d Maria Illagdalena, du ahnst noch nicht, was deiner hier wartet! Deine Trauer soll hier am stillen Grabe in kreude ber— wandelt werden. — Tränenumflor⸗ ten Hluges starrt sie ins leere Grab. Hus Engelmund tönt ihr die Frage entgegen:«Weib, was weinest Du?. Welch eine Frage für ein trauerndes herz! 0 Maria, und doch hat diese Frage ihre Be⸗ rechtigung. Du half keinen 6rund Gruft, ein un⸗ heimliches Echo in deinem herzen nachrufend.— Wie fühltest du dich damals so einsam, einsam auch in deinem Schmerz! Wie schien dir die Welt so öde und leer! — Zeiten sind vergangen.— leit pilgerst du wieder hinaus mehr zu weinen. Deine tranen trü— ben nur deinen Blick. Der, um den du weinst, steht vor dir, und du kennst ihn nicht. Er redet mit dir, und du weißt nicht, wer er ist. Da, weich ein Wort!— ellarias!— Ihr Hame! so konnte nur einer reden. jet erkennt sie Ihn. Rur ein Wort entringt sich ihren Cippen:«Kabunib' Die Tränen sind versiegt. Freudig breitet sie die Nrme aus, um den kotgeglaubten zu empfangen. Er lebt!— jesus lebt!— Da steht er mit dem Banner des Kreuzes, dom Zeichen des Sieges bon Golgatha, in der Rechten. Weil Er als Sieger über Sünde, od und keufel die Wal⸗ statt verließ, konnte ihn auch das Grab nicht halten. left bekommt Illaria den Ruftrag, diese Freudenbotschaft weiter zu— tragen zum Trost für alle Illittrauernden. Und oon mund zu Illunde pflanzte es sich fort: jesus, der heiland, ist Sieger und lebt! ja, das waren CLichtstrahlen für Trauernde. Traurig war Illaria Ilagdalena zum srabe gewandelt, freudig kehrte sle heim; denn sie hatte eine Begegnung mit dem lebendigen heiland erlebt. Die se Lichtstrahlen sind auch für dich da, teure leid— tragende Seele. Wer im lebendigen Slauben an den ge— kreuzigten und auferstandenen heiland steht, hat selbst bei allem Schmerz doch jenen wunderbaren Gottesfrieden im Herzen, der höher ist als alle Dernunft. fluf ihn trifft das Wort des Dichters zu:»Du lächelst unter Tränens; denn er richtet sich auf an den Worten dessen, der selbst am Grabe des Lazarus weinte, aber auch zugleich tröftete, in— dem er sprach: i lch bin die fluferstehung und das Leben. Der an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das? Joh: 1, 28, 20 ich, was wäre das kotenfest ohne diese lebendige Hoffnung der fluferstehung?! Nur ein wehmütiges Gedächt⸗ nis der loten, ein Wiederaufreißen kaum vernarbter Wunden. Wir aber brauchen nicht dazustehen als solche, die keine Hoffnung haben. Der Ruferstandene will auch dir heute am stillen Srabhügel oder daheim im Kämmerlein begegnen mit seinem kriedensgruße und deine kränen trocknen. Er kennt auch dich und ruft deinen amen. D, sprich auch du zu ihm:«Rabuni«, das heißt Ieister. imm ihn an als deinen persönlichen Heiland, und Sein Licht wird auch dein herz durchstrahlen. jesu, Dir leb ich; jesu, Dir sterb ich; jesu, Dein bin ich im Leben und im Tod! O sei uns gnädig; Sei uns barmherzig; Führ uns, d jesu, in Deine Seligkeit! Cränen. etzt am Gedächtnistage für die Toten fließen viele Tränen an den stummen Hügeln, wehmütige, bittere, sehnsüchtige Tränen, je nachdem es den Trauernden, ums Herz ist. Und mir ist's, als sehe ich einen Engel von Hügel zu Hügel Er tut wohl nach 1 gehen und die Tränen sammeln. dem Wort:„Fasse meine Tränen in dein Krüglein, ohne Zweifel, du zählest sie!“ Aber es fließen so viele zu Boden, und doch ist sein Krüglein fast leer. „Warum läßt du so viele Tränen zu Boden fließen?“ fragte ich schließlich. „Ich darf nur die echten Perlen sammeln,“ antwortete er ernst,„aber komm mit,“ spricht er, „so wirst du's verstehen.“ Da am Hügel kniet ein Mann, er hat sein Haupt in die noch frischen Kränze vergraben und weint. Wird der Engel seine Tränen sammeln? „Nein,“ sagt der himmlische Bote, meine unaus— gesprochene Frage beantwortend.„Dieser Mann weint um den Verlust seines Weibes, weil sie ihm fehlt, weil die Häuslichkeit und die Kinder sie ent— behren, er hadert mit Gott, daß Er so grausam war, sie ihm zu nehmen, und er selbst hätte viel tun können, ihr das Leben leichter zu machen, ihren frühen Tod zu verhindern; aber er tat es nicht, er dachte nur an sich. Diese Tränen sind keine Perlen, ich kann sie nicht mitnehmen.“ Dort steht ein Sohn am Denkstein seiner Mutter. Er weiß, sein Leichtsinn hat sie ins Grab gebracht. Was hilft es, daß er jetzt das Geld ausgab, ihr das Kreuz zu setzen, daß er am Totenfest Kränze hinausträgt. Der Engel blickt ihn traurig an. Auf einmal stiehlt sich eine Träne zwischen seinen Fingern hindurch:„O Mutter, könntest du mir vergeben! O Gott, könnte ich un— geschehen machen!“ Die Träne fällt in des Engels Krüglein, und in das Herz des Verzagten ein Lichtstrahl von oben. Dort weint eine Mutter am kleinen Hügel ihres Kindes. Sie hat es verzogen, verhätschelt, zu ihrem Abgott gemacht, jetzt ist das Leben ihr leer, nie wird sie begreifen können, daß Gott es aus ihren Händen erretten mußte, um es vor dem Verderben zu bewahren. Nein, ihr ist Gott ein grausamer Gott. Der Engel blickt sie voll Er— barmen an, aber es ist noch kein Raum in diesem Herzen für das Licht von oben. So geht's durch die Reihen hindurch. Da kniet eine junge Frau am Grabe ihres Mannes. Auf ihren Zügen liegt ein wunderbares Leuchten. „Sieh,“ sprach der Engel,„sie hat ein Leben der Qual an seiner Seite geführt; denn er war ein Trinker und Spieler. Aber, seit sie den Heiland gefunden, hat sie nicht geruht, ihn mit Liebe zu tragen und mit Fürsorge zu umgeben. Sie hat gehofft, wo nichts zu hoffen war, sie hat geglaubt, auch wenn ihre Nächsten sagten: Er wird nie frei werden. Nun bekehrte er sich auf dem Sterbebett, und sie weint nicht um ihr verfehltes Leben und daß sie ihn gerade verliert, wo das Glück hätte beginnen können, sie weint Dankestränen, daß Gott sie erhörte und ihren Mann errettete, daß sie ihn droben wiederfinden wird und daß sie solchen herrlichen Heiland hat. Die Tränen darf ich alle mitnehmen, sie sind kostbar vor Gott.“ Da ward das Krüglein des Engels voll, und leise entschwebte er mit seiner Last. 1 e 8*. 8 3—. 611. * 82**—* * Ich aber sah die junge Frau sich heimwärts wenden, und in ihren Augen strahlte ein geheimnis⸗ voller Schimmer tiefen Friedens und heiliger Freude. Was für Tränen weinst du hier um deine Lieben? Wohl dir, wenn du nicht deines Gottes Stimme hören mußt:„Du bist der Mann. Du trägst die Schuld.“ Und wenn du noch mit denen zusammen bist, die dir die Nächsten, prüfe dich, ob du sie selbstlos liebst, ob du in göttlicher Dieser Schnitter mähet Mit sicherer Hand; Er hält seine Ernten Im ganzen Land Und kennt kein Erbarmen Im bräutlichen Kranz; Er holt seine Beute Vom Spiele und Tanz, sein. fosea 13, 14. 3———T—T—T0T00000——— Der Tod. Er tritt an die Tische Beim Hochzeitsschmauß; Man siehet ihn sitzen Mit Jammer und Graus; Und zieht er von dannen, Nicht Schönheit noch Stand. Wohnt Trauer im Haus. Er faßt nach dem Mädchen Er zieht in Paläste Und Hütten hinein; In seinem Gefolge Ist Schrecken und Pein, Er fragt nicht nach Würden, Entsetzen und Grauen Nach Gold und nach Glanz. Siehn hinter ihm drein. Und ob mancher Starke ....„ Sum Aampfe ihn zwingt, kod, ich will dir ein Eift Her entsetzliche Schnitter Den Sieg stets erringt, Kein Mensch ist auf Erden, Den er nicht bezwingt. Kraft imstande bist, ihnen Opfer zu bringen; oder ob du nur forderst, erwartest, verlangst und vielleicht auch das Leben derer, die du um jeden Preis er⸗ halten sehen möchtest, verkürzst und trübst, weil du nur dich suchst. O lieb, solang du lieben kanust! O lieb, solang du lieben magst! Die Stunde kommt, die Stunde naht, Wo du an Gräbern stehst und klagt! Er spricht zu dem Greise Mit schwankendem Schritt; Er spricht zu dem Kinde Mit zagendem Critt, Er spricht zu dem Manne: Kommt, alle, geht mit! Er wetzt seine Sense Bei Tag und bei Nacht, Und wird nimmer müde, Mäht weiter sacht, Und hält seine Ernten Bei Tag und bei Nacht. Er wird den Tod ver— schlingen ewiglich. jes. 25, 8. ——„ꝝ—— e- Aussprüche über die Tränen des Herrn. Kein Mensch lebt auf Erden ohne Tränen; sie sind der große Vorzug des Menschen vor dem Tiere; sie sind die erste Sprache, die der Mensch spricht, ohne sie sprechen zu lernen; sie sie sind die letzten, die er reden hört; denn Tränen geleiten den Sterbenden in die andere Welt. Aber die meisten unserer Tränen gelten uns selbst und sind selbstsüchtiger und sündhafter Art: wie ganz anders die Tränen Christi in diesem Evangelium! Fr. Arndt. reimal finden wir die Tränen Jesu erwähnt: zwei— mal hat Er geweint mit den Menschen, einmal über die Menschen; zweimal über ihr Elend, einmal über ihre Sünde; zweimal am Grabe des Lazarus, als Er nicht anders kann, als weinen mit den Weinenden, einmal hier, wo Er weint über die, die über sich selbst nicht weinen. Wie hat Er Sein Volk, Seine Menschen so lieb gehabt! Jesu, am Vorbilde Deiner Tränen will prüfen, ob ich die Menschen, ob ich mein Volk liebe. Tholuck. 35 über den Tod seines Freundes Lazarus weinen zu sehen, das ist wohl herzergreifend; aber Jerusalem gegenüber Ihn weinen zu sehen, und zwar nicht über das, was Er von ihr und in ihr zu leiden haben sollte, sondern Ihn über die Stadt, über diese Stadt weinen zu sehen, das ist herzdurchgreifend und kniebeugend. Da möchte man alle Welt, die ganze gegen den Heiland so gleichgültige, so laue, so kalte Welt diesen Augen voll Tränen gegenüber stellen und sagen:„Sehet, wie hat der HErr die Leute so lieb.“ Spitta. 3 wir nicht ewig weinen möchten, hat Jesus geweint; damit Er abwischen möchte alle Tränen von unsern Augen, hat Er Tränen vergossen. Besser. ie Tränen des HErrn sind die Freuden der Welt. Augustin. * sah die Stadt an und weinte. Weil Er sah, weinte Er; wir, weil wir nicht sehen, weinen wir auch nicht. Sähen wir unserer Stadt, unserer Seele Jammer, dann würden auch wir Tränen vergießen. Das Auge ist's, welches sieht, und dasselbe Auge ist's, welches weint; wer sein Auge zur Blindheit der Verstockung geschlossen hat, mag weder sehen noch weinen. Joh. Gerhard. Die heste Saison. Drei Kellner pilgerten zusammen über den St. Gotthard. Sie machten es nicht wie viele ihrer Kollegen, die mit der Eisenbahn die schönsten Gegenden durchfliegen, um dann an der Reviera wochen- und monatelang in schlechten Herbergen ihr Geld zu verzehren;— nein, sie wollten sich an den Wundern der Schöpfung erfreuen. „Das war meine beste Saison,“ sagte der erste.„Ich war Zimmerkellner in dem großen Etablissement zu M. und habe volle 4000 Franken verdient. Noch ein solches Jahr und ich kann mich selbständig machen!“ „So weit habe ich es freilich nicht gebracht,“ sagte der andere,„und doch war es meine beste Saison. Ich war in einem Berg-Hotel angestellt. In der Frühe eines schönen Morgens brachen einige Familien auf zu einer einsamen Gebirgstour, und ich sollte ihnen das Mittagessen an einen be— stimmten Platz bringen. Aber bald bedeckten dicke Nebel Berg und Tal, und ich fand die Gesellschaft am verabredeten Orte nicht. Endlich, nach langem Suchen und Rufen, endeckte ich die Verirrten dicht vor einem Abgrund, der ihnen durch die Nebel verborgen war. Gottlob, ich kam zur rechten Stunde. Das Wonnegefühl, der Retter dieser Familien zu sein, entzückt mich noch heute und gibt mir mehr Befriedigung als der reichste Ver— dienst und der gute Lohn, an dem sie es nicht fehlen ließen!“ „Und wie war deine Saison?“ so wandten sich beide jetzt an den dritten. Dieser zog eine pracht⸗ volle goldne Uhr aus der Tasche, in deren Inne⸗ rem die Worte eingegraben waren:„Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.“ „Erzähle, wie du zu der Uhr gekommen bist?“ sagten die Freunde. „Ja, Freunde, das ist eine ernste Geschichte. Auch ich war im einsamen Berg-Hotel und hatte einen schwerkranken Herrn auf seinem Zimmer zu bedienen. Eines Tages fühlte er sein Ende nahen und verlangte nach dem Pfarrer. Aber das nächste Kirchdorf war weit und der Pfarrer obendrein verreist.„Ist denn kein Mensch hier, der einen Sterbenden trösten könnte?“ Ich wußte niemand. „Kellner,“ sagte er und ergriff meine Hand,„sagen Sie mir ein Wort zum Trost und Heil!“ Mir trat der Angstschweiß auf die Stirne. Plötzlich kam mir ein guter Gedanke. Ich eilte auf mein Zimmer; ganz unten in meinem Koffer lag die Bibel meiner seligen Mutter. Ihre Lieblings⸗ sprüche hatte sie alle unterstrichen. Ich las sie nacheinander dem Sterbenden vor, der immer noch mehr verlangte, bis ich an den Spruch kam: „Also hat Gott die Welt geliebt, daß Er Seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an Ihn glauben nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Den mußte ich wieder und immer wieder vorlesen.„Nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben,“ wiederholte er leise. Dann ergriff er meine Hand:„Kellner, Sie waren das Werkzeug in Gottes Hand, meiner Seele den Frieden zu geben, daß ich ruhig und selig sterben kann; nehmen Sie diese Uhr als Andenken. Sie leite Sie durch die Zeit hin bis zur ewigen Seligkeit!“ Freunde, jetzt kommt die Bibel nicht mehr aus meinen Händen. Eine neue Welt und ein neues Leben ist mir aufgegangen. Früher kam ich mir oft wie der unnützeste Mensch auf der Welt vor. Jetzt weiß auch ich, daß mein Erlöser lebt. Ich danke Gott für diese Saison. Sie war von allen meine beste.“ In unlere lieben sIlifurbeiter. Es nahen jetzt die langen Winterabende und damit die Zeit, wo man für unser Aufwärts be— sonders werben soll. Probenummern können Sie stets gratis von uns haben. Auch ist es jetzt Zeit, daß wir den Neukirchener Abreißkalender für 1914 verbreiten. Weil der Reingewinn unsrer Mission zugute kommt, bitten wir, den Kalender sowie andere Bücher und Schriften bei Ihrem Prediger oder Stadtmissionar am Orte zu holen. Sollte dies nicht gehen, so wenden Sie sich direkt an unsre Buchhandlung der Pilgermission Gießen. g Redakteur: Stadtmisstonar Herrmann⸗Gleßen. Mitarbeiter: Pfarrer Sperber-Cassel Pfarrer Mockect-Frankfurt a. M., und die Prediger der Pilgermisston. Verlag der Buchhandlung der Pilgermisston. Druck von Otto Meyer, Gießen.