Aufm 4 Gemeinschaftsbl 5 —————ů— . att für Hessen. Dieses Blatt erscheint wöchentlich einmal. 6. Jahrg. und Christ. So wisse nun das ganze Haus Israel ge— Jesus, der Hert wiß, daß Gott diesen Jefum, den ihr gekreuzigt habt, zu einem HErrn und Christ gemacht hat (Apg. 2, 36). So lautet die Botschaft des Apostels Petrus am ersten Pfingstfest an das ganze Haus Israel. Sie ist sehr klar, bestimmt und einfach. Da weiß man, was man zu tun hat, um zum Heil zu ge— langen. Hier ist ein Weg gezeigt, den zu gehen jedermann imstande ist, den man auch nicht irren kann, und der sicher zum Ziele führt. Was da⸗ mals der Heilige Geist durch den Mund des Apostels Petrus dem ganzen Hause Israel gesagt hat, das gilt auch uns heute noch. Wenn irgend eine Tatsache feststeht, so ist es diese, daß Gott Jesum, den wir mit unsern Sünden gekreuzigt 1 und an das Fluchholz gebracht haben, zu einem HErrn und Christ gemacht hat, da Er Ihn von den Toten auferweckt und zu Seiner Rechten er⸗ höht hat. Für wen? Für alle Welt, für Juden und Heiden, auch für dich. Was haben wir zu unsrem Heil und zu unserer Errettung zu tun? Weiter nichts, als Jesum zu unserm HErrn und Christ machen. Erst zum HErrn und dann zum Christ, nicht umgekehrt. Aber dagegen sträubt sich die ganze Weisheit dieser Welt und der ganze Hochmut des natürlichen Menschen. Als damals, als Petrus diese Worte redete, die Leute fragten: „Was sollen wir tun?“ da lautete die Antwort: „Tut Buße und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi.“ Das hieß nichts anderes als:„Macht Jesum jetzt zu eurem HErrn und Christ durch Buße, in der man abdankt mit seiner Weisheit und Gerechtigkeit und seine Sünden be— Sonntag, den 26. Oktober 1913. kennt, und durch Glauben, indem man sich selbst aufgibt und sich Ihm in die Arme wirft und an⸗ vertraut, um Sein eigen zu sein. Ist Jesus dein HErr geworden auf den Trümmern deines eignen Ichs, dann ist Er auch dein Christ, dein Gesalb— ter, der von Gott gesalbt ist mit der ganzen Fülle. Hast du Jesum zu deinem HErrn gemacht, so schließt dir der Heilige Geist Ihn auf als den Christ und zeigt dir in Ihm die ganze Fülle des Heils, daß Er dir ist Weisheit, Gerechtigkeit, Hei⸗ ligung und Erlösung. Da handelt es sich nicht darum, wieviel Heil du empfangen, sondern wie— viel du genommen hast aus Ihm. Die Apostel haben aus Seiner Fülle genommen Gnade um Gnade, nachdem sie ihn zu ihrem HErrn gemacht hatten. Warum hast du so wenig von Jesus? Weil du nicht gelernt hast, aus Ihm zu nehmen und zu schöpfen die göttliche Heilsfülle, die Gott in Ihm niedergelegt hat für dich. Und nimmst du nicht aus Ihm, was Gott für dich bestimmt hat? Weil du noch in eigner Kraft und eigenem Wirken stehst, weil du noch nicht zer⸗ brochen im Staube liegst, weil Jesus noch nicht der HErr in deinem Leben geworden ist. Mache Ihn zu deinem HErrn, nimm die rechte innere Stellung zu Ihm ein, so ist Er auch dein Christ, und du hast es gut, indem du nur aus Ihm zu nehmen brauchst, was Gott dir in Ihm bereitet hat, Vergebung und Frieden, Gerechtigkeit und Leben, Heiligung und Erlösung. Er ist der Geber, und du brauchst nur Nehmer zu sein. Das ist der einsame Weg zum Heil. Pastor Wittekindt. Das wahre Bild von Christov. Vor einigen Jahrzehnten kamen drei Hausierer mit Christusbildern und Heiligenbildern in die Schweiz, um ihre Ware anzubieten. Sie traten mit ihren Mappen auch in ein Häuschen, darinnen die Frau vor kurzem eine gläubige Christin geworden war. Diese, die in der kostbaren ersten Frische und Ciebe des warum neuen Lebens stand, sagte den Männern, daß sie bereits in dem Besitz eines Bildes von Christo sei und zwar sei dasselbe das einzig richtige und wahre Bild von Ihm. Dann bat sie die Männer, etwas Platz zu nehmen, sie wollte ihnen doch das wertvolle Bild zeigen. Damit reicht sie in die Höhe und holt ein Buch vom Gesimse und öffnet es; es war die teure Bibel, Gottes Wort. Darin blätterte sie, bis sie die Stellen gefunden hatte, die uns Christus zeigen in Seinem Erbarmen zu den Sündern und Verlorenen und in Seinem Werte vor Gott. Damit fängt die Christin an und liest den erstaun— ten Bilderhändlern aus Gottes Wort die herrlichen Stellen von Christo vor. Die Vatholicken, drei ernste Männer, lauschen gespannt auf die wunderbaren Worte, in denen Gottes Heiliger Geist uns den Hochgelobten darstellt und zeigt. Dankbar nehmen sie ein Neues Testa— ment von der Frau an, darin das allein wahre und voll- kommene Bild von Christo zu finden ist; und sie haben den kostbaren Schatz des Wortes nicht umsonst mitge— nommen. Sie nahmen im lebendigen Glauben das Wort Gottes in ihr Nerz auf und wurden durch diesen unvergänglichen Samen des göttlichen Lebens teilhaf— tig,„wiedergeboren“, wie die Schrift es nennt. Sie haben in ihrem ferneren Leben unter Schmach und Feindschaft, aber mit reichem Segen das wahre und lebengebende Bild von Christo auch zu andern ge— tragen. Möge Gottes Segen auch ferner ruhen auf ihrer Arbeit, und Sein Schutz und Schirm sei über ihnen inmitten mancherlei Anfechtungen. Wie glücklich aber ist das Herz, in welches das Bild Christi durch den Heiligen Geist eingeprägt ist, so daß auch andere es nun in dessen Handel und Wandel schauen können. Dies ist das Herz, das einst Christum schauen wird in ewiger Herrlichkeit und mit Ihm sein wird allezeit im himm— lischen Vaterhause. 2 Wie ein Taubstummer Frieden erlangte. In dem Dorfe M. in Südrußland lebte vor einigen Jahren ein Elternpaar. Sie hatten zwei Söhne. Der ältere, Johann, war ein gotlloser, ungehorsamer Junge, der seinen Eltern viel Herzeleid bereitete. Alles Bitten und Ermahnen der Eltern prallte ab an dem harten Herzen ihres Sohnes. Ihr Flehen und ihre heißen Gebete waren umsonst, er ließ sich immer mehr von der Sünde umstricken und wurde ein erbit— terter Feind Gottes. Der jüngere Sohn, Jakob, war von gleicher Natur, störrisch und ungehorsam, dazu taubstumm, der Sorgenstein seiner Eltern. Doch seine Gedanken und Lästerungen konnte er nicht zum Aus— druck bringen, wie Johann, weil er stumm war. Eines Tages wurde Johann todkrank. Die Krankheit nahm schnell zu. Der Arzt wurde geholt, der schüttelte bedenklich den Kopf und sagte, daß auf Genesung wenig Hoffnung sei. Er sagte:„Euer Sohn steht an der Pforte der Ewigkeit, bereitet ihn auf sem nahes Ende vor.“ Das war ein harter Schlag für die frommen Eltern. Hatten sie denn nicht für ihren Sohn gebetet, ihn auf dem Herzen getragen vor Gott, und jetzt sollte er ihnen doch verlorengehen d Die Mutter suchte ihren Sohn noch einmal hinzuweisen auf den Heiland, den einzigen Retter der Seele, bei dem allein Heil und Rettung zu finden ist. Aber alles umsonst, wie in gesunden Tagen, so wollte er auch jetzt nichts hören und schrie:„Geht mir mit eurem Neiland, ich will nichts von ihm wissen!“ Er wandte sich mit dem Gesicht der Wand zu und wollte nichts weiter- hören. Die Mutter aber konnte es nicht übers Herz bringen, ihren Sohn hoffnungslos sterben zu sehen, und bat ihn eindringlich unter Tränen und Flehen, sich doch zum N iland zu wenden, der ja stets bereit ist, hilfesuchende Sünder anzunehmen. Aber alles vergebens, er wandte sich plötzlich um, spie der Mutter ins Angesicht und schrie voll Sorn:„Ich will nichts davon wissen, geht mir mit eurem Heiland!“ Da sank er ohnmächtig zurück in sein Kissen und war tot— ein schreckliches Ende! Seine Mutter brach ohnmächtig neben dem Lager ihres Sohnes zusammen und mußte in ihr Simmer ge— tragen werden. Der Vater fiel auf die Knie, und es brach ihm fast das Nerz. Auch der taubstumme Jakob war Seuge dieses furchtbaren Ereignisses gewesen. Er stand eine Weile wie versteinert da und schien über etwas nachzudenken. Dann stieß er auf einmal seinen Vater, der noch immer auf den Knien lag, mit dem Seigefinger an, zeigte nach oben, zeigte nach unten, dann auf den Toten, als wollte er fragen:„Wo ist nun mein Bruder?“ Nur zu gut verstand der Vater diese stumme Frage, und tiefbetrübten Herzens zeigte er nach unten; denn es war kein Sweifel, daß sein Sohn verloren war. Da bedeckte der Stumme sein Gesicht, stieß einen fürchterlichen unartikulierten Schrei aus und rannte wie wahnsinnig aus dem Simmer, hinaus in die dunkle Nacht. Seine Eltern dachten nicht anders, als daß er hingegangen sei, um sich das Leben zu nehmen. Viel— leicht wollte er sich in dem nahen Teiche ertränken. Man suchte mit Licht und Laternen; das ganze Dorf wurde aufgeboten, aber man fand nirgends eine Spur. Er war verschwunden. Schon wollte man das Suchen aufgeben und entmutigt nach Hause gehen, da kam zufällig der Vater mit einigen Männern an der Scheune vorüber. Auf einmal, was war das P Wirre gurgelnde Laute drangen an sein Ohr. Da in der Scheune mußte es sein. Man leuchtete mit der La— terne hinein, und was sah man? Der taubstumme Jakob lag auf seinem Angesicht, seine Seele rang mit Gott, er rang förmlich, als hätte er es mit einem Manne zu tun. Dabei konnte man gurgelnde, klagende Töne vernehmen.„Laßt ihn,“ sagte der Vater,„es ist gut, er ringt mit Gott.“ Man begab sich ins Haus. Es währte nicht lange, vielleicht nach einer Stunde öffnete sich die Tür und herein trat der Taub stumme. Aber welche Freude strahlte aus seinem An⸗ gesicht, man sah, daß eine große Veränderung mit ihm vorgegangen sein müsse. Er verstand den fragenden Blick der Eltern, darum legte er die Band aufs Herz, mit der anderen zeigte er nach oben, als wollte er sagen:„Jesus wohnt in meinem Herzen.“ O, wie froh waren die Eltern, wie dankten sie Gott für die Rettung ihrer Sohnes! Frohe Tage folgten. Jakob tat, was er nur immer seinen Eltern von den 958 Augen absehen konnte, er wurde der Sonnenschein des Hauses. Doch nicht lange sollte sein Weilen auf dieser Welt sein. Eine tückische Kranheit ergriff ihn plötzlich und warf ihn aufs Sterbelager. Da lag er und litt geduldig die Schmerzen, die ihn Tag und Nacht quäl— ten. Wenn man ihn fragte, ob er gesund werden wolle, dann zeigte er nach oben, als wollte er sagen:„Dort ist das Land meiner Ruhe.“ Eines Abends schien er besonders schwach zu sein, sein Ende mochte nicht mehr fern sein. Eltern und Freunde umstanden sein Bett. Er lag still und geduldig da, der Friede Gottes prägte sich auf seinemelngesicht aus. Plötzlich reckte er seine Hände aus nach oben, seine Augen taten sich weit auf. O, wie glänzten dieselben! Ohne Swe fel sah er die Engel Gottes herniederkommen, um ihn heim— zuholen in die ewigen Hütten des Friedens. So war es denn auch. Noch ein Atemzug, noch einer, immer leiser, endlich hörte sein Berz auf zu schlagen. Eine erlöste Seele war heimgegangen, dorthin, wo kein Leid noch Geschrei und kein Tod mehr sein wird. Mein lieber Leser, wie möchtest du sterben d Sterben mußt du, früher oder später, vielleicht sehr bald, viel— leicht in der kommenden Nacht. Nast du eine Hoffnung des ewigen Lebens d Ist Jesus dein Freund oder ist es die Welt d Entscheide dich heute für Jesum. Denn heute ist der Tag des Heils, jetzt ist die angenehme Seit.„Heute, so ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht.“ (Eingesandt aus Rußland.) Aufruf! Da siitze ich an meinem Schreibtisch und denke darüber nach, wie man unsern lieben Ge— schwistern in W. und L. und anderen Orten zu einem Vereinshaus verhelfen kann. Ein Haus muß sein. Ihr hört den Ruf:„Kommt herüber und helft uns.“ Ist der Ruf umsonst? Wie doch die Welt erfinderisch ist im Geld herbeischaffen! Sollte die Liebe Christi nicht erfinderischer sein? Gott sagt oft im alten Bund:„Rufet ein Fasten aus.“ Verzeiht, Geschwister, wenn ich das auch tue. Ich möchte, daß wir eine Selbstver— leugnungswoche oder Fastenwoche einrichten. Ge— schwister, sollte uns das schwer, unmöglich sein, mal eine Woche lang aus Liebe zu verlorenen Menschen alles nicht unbedingt Notwendige im Essen zu vermeiden? Ist das wirklich so schwer, einmal eine Woche lang keine Butter, oder keine Wurst, keinen Käse, keinen Kuchen oder Zucker zu genießen, oder was es auch sein mag? Und das dadurch ersparte Geld würde man zu den Füßen der Geschwister in W. legen. Man kann es auch auf folgende Weise machen: Die Frau sagt:„Lieber Mann, du mußt unbedingt einen neuen Strohut haben.“ Der Mann:„Nein, liebe Frau, der Hut wird noch mal für 10 Pfennig mit Strobin gereinigt, und die 4 Mk. für einen neuen wandern nach W. Wie ist es da mit Euern Kleidern, Schuhen, Hüten, Schleifen und Bändern, ihr lieben Frauen und Jungfrauen? Wir beten immer:„Unser täglich Brot gib uns heute.“ Nun gut, dann nehmt mal eine Woche lang mit Brot vorlieb. Es stirbt keiner davon. Jesus hatte nicht, wohin er sein Haupt legen konnte; willst du ihm gleichen? Nur dann sind wir Diener Gottes, wenn wer uns mit Pau— lus beweisen als solche im Hunger, im Fasten, in Blöße und allerlei ertragen, um etliche zu ge— winnen. Wirkliches Opfer sollte man spüren. So wollen wir es uns dann fühlen lassen durch Züge— lung unseres Leibes und unserer Begierden, daß wir dem Herrn etwas geben. Ja wir dürfen, wir wollen es. Wir wollen es: 1. um Jesu Wort zu befolgen:„Der ver— leugne sich selbst.“ Entsagen, verzichten um Jesu willen, ist Ehre bei Gott.„Wer nicht verlässet Haus———“ Paulus sagt:„Ich kann satt sein und hungern, übrig haben und Mangel leiden. 2. Wir wollen es, damit wir der Welt nicht glei— chen. Der Bauch ist ihr Gott; Essen, Trinken, Genießen ihr A und O. Wir wollen durch Ent— sagen Protest erheben gegen die Genußsucht, Schlemmerei und Völlerei unser Zeit, gegen Mode und Vergnügungswut. 3. Wir wollen es tun aus Dankbarkeit für die sieben fetten Jahre, in denen Gott so manche Gratiszugaben zum Brot gegeben Wir legen uns freiwillig, freudig und aus Dankbarkeit dieses sanfte Joch auf. Es ist das Gesetz der Liebe. 4. Wir wollen es(und das ist ja die Haupt⸗ sache), um unsern Geschwistern zu helfen. Das Evangelium soll in dem neuen Hause verkündigt werden und unsterbliche Seelen sollen dort ihrem Retter begegnen. Auf, wir müssen Zion bauen! Was hilft uns all unser Hab und Gut noch, wenn der Tod kommt? Alles für Christum; alles für eine verlorene Welt. Wir wollen unser Bestes lun. Geschwister, Hand auf's Herz, können wir noch singen:„Wir entsagen willig allen Eitelkeiten, aller Erdenlust und Freuden?“ Soll Gott auch klagen müssen über uns:„Ihr esset die Lämmer aus der Herde, spielet auf dem Pfalter,——— und bekümmert euch nicht um den Schaden Josephs“(Amos 6, 6), oder:„Ihr wohnet in getäfelten Häusern, und mein Haus muß wüste stehen?“(Haggai 1, 4).„Geht ihr Streiter immer weiter durchs Verleugnen zum Genuß.“ Ja, Geschwister, Ihr selbst werdet den größten Genuß, den besten Gewinn und rei— F 8 N chen Segen von der Woche haben. Macht den Versuch, und wenn sie Euch gefallen hat, werden wir jedes Jahr eine solch schöne Woche haben; denn es warten noch viele Orte auf Versamm— lungslokale oder Vereinshäuser. e Heute rot, morgen tot. Vorgestern mußten wir aus dem Hause von Schwester Lisa einen 16jährigen Waisenknaben namens Jeremia begraben. Er war nur einige Tage krank gewesen, hatte nach der Meinung des Arztes nur Influenza, verlor aber das Bewußt⸗ sein und starb am Freitag morgen ganz uner⸗ wartet. Jeremia stammte aus einer sehr armen Arbeiterfamilie, und man hätte denken sollen, daß er für sich und seine Eltern die Hilfe Gottes recht nötig gehabt hätte; aber er suchte leider seinen Gott und Heiland nicht, sondern glaubte sein Herz eher dem Wirken des Geistes Gottes verschließen zu müssen. Als zur Zeit der Gebetswoche manche Knaben angefaßt worden waren und untereinan— der öfters über religiöse Fragen sprachen, äußerte sich auch Jeremia und meinte, daß es bei ihm mit dem Bekehren noch keine Eile habe, er werde ja 100 Jahre alt. Wie anders ist es gekommen! Vor 14 Tagen erst hat Jeremia diese Worte aus⸗ gesprochen, und jetzt liegt er im Grabe. Sein Tod hat in Verbindung mit obigen Aeußerungen auf seine Kameraden natürlich ganz erschütternd ge⸗ wirkt und verschiedene zu ernstem Nachdenken, einige zu wirklicher Umkehr gebracht. Das hat das Bier getan. „Der Reichsbote“ berichtet in Nr. 123: Halle, 27. Mai. Bierulk mit tödlichem Ausgang. Hier ahmten in letzter Nacht Studenten in der Bierlaune in einem Konzertgarten die Apfelschußszene aus Tell nach. () Der Student K. ließ ein Bierglas auf seinem Kopf ba⸗ lancieren, und die andern Kommilitonen schossen danachmit der Pistole. Hierbei wurde K. durch einen Schuß in den Kopf tödlich getroffen. Es ist tieftraurig, daß deutsche Studenten sich im Alkoholnebel soweit vergessen können! Das Traurige ist, daß sich deutsche Studen⸗ ten soweit vergessen, daß sie sich überhaupt in den Alkoholnebel begeben und ganz vergessen, wozu sie auf der Universität und wofür sie im späteren Leben berufen sind. Die armen Eltern des Studenten K.— wir kennen sie nicht—, die ihren geliebten Sohn so verlieren mußten! Was für Hoffnungen mögen sie auf ihn gesetzt haben! Alles dahin! Und das hat das Bier, das vielgerühmte und besungene deutsche Nationalgetränk, getan! Kreutzkamp. Eine Warnung aus der Feder eines Mörders. In Kiel wurde am 10. Mai d. J. der Mö der Julius Steffensen hingerichtet. Er hat unglaublicher Bestialität einen Menschen ermordet „Wer Menschenblut vergießt, des Blut soll auch durch Menschen vergossen werden“(1. Mose 9, 6). Der Mörder war auch einer von den„guten Kerls“, die im nüchternen Zustand keiner Fliege etwas zuleide tun können, wie man zu sagen pflegt.“ Aber als ihn der Pfarrer fragte, wie er zu einer solchen mehr als tierischen Roheit gekommen wäre, antwortete er:„Das weiß ich selber nicht; abe wenn ich getrunken habe, dann bin ich wie ein Wilder.“ Ich habe oft von Frauen sagen hören:„Wenn“ er(der Mann) ganz betrunken nach Hause kommt, so daß er nicht mehr gehen noch stehen kann, das ist ja nicht das Schlimmste, aber wenn er ange- getrunken ist, dann ist er schrecklich“; d. h. wenn er den„Schwips“ hat, der von vielen Leuten al so possierlich angesehen wird von dem es im Liede heißt:, Wer niemals einen Rausch gehabt, der ist kein braver Mann.“ 1 Die Stunde kam, da die entsetzliche Mordtat durch Henkershand gesühnt werden sollte. Pastor Ketels berichtet darüber: 15 Als die Uhr vom Turm der Jürgenskirche ¼6 geschlagen hatte und seine Frist nur noch nach Minuten zählte, nahm er ein Blatt Papier, das auf dem Tisch lag, und schrieb mit fester Hand die folgenden Worte: Kiel, den 10. Mai 1913. Liebe Freunde! In einer halben Stunde bin ich nicht mehr. Dies ist das letzte Wort, das ich euch sage: hütet euch vor dem Alkohol, denn er hat mich zum Mörder gemacht und zum Tode gebracht. Julins Steffensen. DN Sündenbekenntnis. N Ein deutscher Fürst besuchte einst auf einer Reise durch Frankreich das Zeughaus in Toulon, wo die Galeeren sich befinden. Aus Rücksicht auf seinen Rang bot ihm der Kommandant an, einen Haft. Überall hörte er Klagen über Ungerechtig keit, Unterdrückung und falsche Beschuldigung Endlich fand er einen, der seine Strafe als ge⸗ recht bezeichnete.„Mein Herr,“ sagte er,„ich habe keinen Grund zur Klage. Ich war ein verdorbener, nichtswürdiger Bösewicht. Mehr als einmal habe ich das Rad verdient, und es ist nur Gnade, daß ich noch hier bin!“ Ohne sich lange zu besinnen deutete der Fürst auf ihn, mit den Worten „Das ist der Mann, dem ich die Freiheit geben will!. N sedatteur: Stadtmisstonar Herrmann-Gießen. Mitarbeiter: Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Mockert-Frankfurt a. M. und die Predi der Pilgermisston. Verlag der Buchhandlung der Pilgermisston. Druck von Otto Meyer in Gießen, Ludwigstr. 30.