1 5 Aufwärts! Gemeinschaftsblatt für Hessen. 2 2 Dieses Blatt erscheint wöchentlich einmal. Sonntag, den 31. August 1913. Gottes Bandschrift. König Belzazer machte ein herrlich Mahl seinen tausend Gewaltigen, und soff sich voll mit ihnen. Und da er trunken war, hieß er die güldenen und silbernen Gefäße herbringen, die sein Vater Nebukadnezar aus dem Tempel zu Jerusa— lem weggenommen hatte, daß der König mit seinen Ge— waltigen, mit seinen Weibern und seinen Kebsweibern da— raus tränken. Also wurden hergebracht die güldnen Gefäße, die aus dem Tempel, aus dem Haus Gottes zu Jerusalem, ge— nommen waren; und der König, seine Gewaltigen, seine Weiber und Kebsweiber tran— ken daraus. Und da sie so soffen, lobeten sie die güldenen, sil- fk 78 A bernen, ehernen, eisernen, hölzernen und steinernen Götter. Eben zur selbigen Stunde gingen hervor Finger als einer Menschenhand, die schrieben, gegenüber dem Leuchter, auf die getünchte Wand in dem königlichen Saal; und der König ward gewahr der Hand, die da schrieb. Da entfärbte sich der König, und seine Ge— danken erschreckten ihn, daß ihm die Lenden schütterten, und die Beine zitterten. Da wurden alle Weisen des Königs herein— gebracht; aber sie konnten weder die Schrift lesen, noch die Deutung dem Könige anzeigen. Des erschrack der König Belzazer noch härter, Dantel 8, 26— 28. und verlor ganz seine Farbe; und seinen Ge— waltigen ward bange. Das ist aber die Schrift, allda verzeichnet: Mene, mene, tekel, u-pharsin. Und sie bedeutet dies: Mene, das ist, Gott hat dein Königreich gezählet und vollendet. Tekel, das ist, man hat dich in einer Wage gewogen, und zu leicht gefunden. Peres, das ist, dein Königreich ist zerteilet, und den Medern und Persern gegeben. Aber in derselben Nacht ward der Chaldäer König Belzazer getötet. 8 Daniel 5, V. 1—7, 8—9, 25-28 und 30. Menue, mene, tekel u-pharsin. Aus zuverlässigster Chronik wissen wir den erschütternden Verlauf eines weltgeschichtlichen Ereignisses im alten Babylon aus dem Jahre 538 v. Chr.:„König Belsazer machte ein„herrlich“ Mahl seinen tausend Gewaltigen und soff sich voll mit ihnen(das nennen ja viele auch heute noch herrlich, wenn sie sich vollsaufen können) und lästerte Gott.“ Doch plötzlich— das gellende Lachen verstummte zumal, es wurde e im Saal. Und sieh, und sieh! an weißer Wand, da kam's hervor wie Menschenhand und schrieb, und schrieb an weißer Wand Buchstaben wie Feuer, und schrieb und schwand.„Das ist aber die Schrift allda verzeichnet:„Mene, mene, tekel, u⸗pharsin.“ Und sie bedeutet dies: Mene— ge— zählt und vollendet, tekel= gewogen und zu leicht erfunden, u-pharsin— zerteilt und dahingegeben“. (Dan. 5, 25— 28.) Diese Erklärung, die der Prophet auf den König anwandte, wollen und sollen auch wir uns heute anwenden, und wir geben den Sinn dieser Worte wohl am besten wieder, wenn wir sagen, sie bedeuten: Tod, Gericht und Verdammnis. Auch für uns heißt es einmal: Mene, mene, d. h. deine Tage sind gezählt, dein Leben ist vollendet. Dieser unser Todestag steht nicht im Kalender verzeichnet, in dem so viele ß stehen, er kommt zumeist ohne unser Zutun, und für neunundneunzig von hundert, die da sterben, immer viel früher als sie denken und wünschen. Wie manches erschütternde Ereignis um uns her ruft uns ein solches„mene“ zu! So oder so— die Zeit wird kommen, wo sie auch uns in Leinen wickeln nnd in einen Sarg legen, und dann... Die Hände, die jetzt dieses Blatt halten, werden dir von anderen über der Brust gefaltet, und dann kannst du sie nicht mehr falten zum Gebet.„Mene, mene!“— andere drücken dir die Augen zu, und dann wirst du nicht mehr spöttisch lächeln. Und dann...„Tekel“, d. h. man hat dich in einer Wage gewogen und zu leicht erfunden! Auf der einen Seite deine mancherlei Vorzüge, deine Erkenntnis, deine guten Gelegenheiten, deine Bekanntschaft mit der Bibel und dem Christentum und wahren Bekennern desselben, und auf der anderen Seite dein Charakter. Das Zünglein an Gottes Wage ist Seine Gerechtigkeit. Beachte, nicht das ist das Wichtigste, was du über Gott denkst, sondern: Was denkt Gott über dich? Du meinst, es sei eine ernste Sache um das Sterben, wir aber meinen, es sei eine ernste Sache um das Lebenz denn wir werden nicht nach unserem erbaulichen oder sanften Sterben, sondern nach unserem Leben gerichtet; und wehe, wenn es dann heitzt:„Tekel“, zu leicht! Dem, der mit den an— vertrauten Pfunden keine anderen gewonnen hat, al. wird dann auch noch genommen, was er at. Das ist dann ein rechtes„U-pharsin“.„Man wird ihn zerscheitern und ihm seinen Lohn geben mit den Heuchlern, da wird sein Heulen und Pehl;(Matth. 24, 51.) Du weißt wohl: g gegraben werden ist noch nicht selig werden, und Mitgliedschaft in einer Gemeinde ist nicht immer Mitgliedschaft im Reiche Gottes, und nicht alle, die ere Herr!“ sagen, werden in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun des Vaters im Himmel.„Das aber ist Sein Ge— bot, daß wir glauben an den Namen Seines Sohnes Jesu Christi, und lieben uns untereinander, 35 er uns ein Gebot gegeben hat.“(1 Joh. 3, 23. Einem strebsamen Studenten, dem kein mathematisches Problem zu schwer war, wurde einmal von einem Freunde ein Blättchen Papier mit einem Problem zur Lösung vorgelegt, nach welchem jener begierig griff, um seine Fertigkeit zu zeigen. Statt der erwarteten Aufgabe aber fand er nur die Frage:„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ Zornig zerriß er das Papier, aber die Frage wurde er nicht wieder los.— Vielleicht packt dich die Frage nicht so, lieber Leser, dein Gedächtnis hat kaum Raum für die Fragen, die dein Seelen— heil betreffen. Aber ist das wirklich ein Glück für dich? Ist es klug, bei Ewigkeitsfragen Vogelstrauß— politik zu treiben? Eins ist Not! Und die Haupt⸗ sache ist, daß die Hauptsache dir zur Hauptsache wird. 3 Gott lüßt sich nicht spotten. Vor nicht langer Zeit ließ ein vornehmer Mann auf seinem neuen Hause einen Blitzableiter anbringen. Sein voriges Haus war ihm durch den Blitz angezündet und ein Raub der Flammen geworden. Ein Prediger fragte ihn:„Was lassen Sie hier machen?“ Der vornehme, stolze Herr antwortete:„Ei, da lasse ich dem lieben Gott die Hände binden, daß er mein Haus nicht wieder anzündet.“ Warnend sagte der Prediger:„Der Herr achtet Eisen wie Stroh und Erz wie faules Holz. Hiob 41, 18 Im nächsten Jahr schon legte ein Blitzstrahl das neue Haus mit den Einwohnern in Asche. Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten. 1 Jesu Sanftmut und Demut. Als vor einigen Monaten bei der Hochzeit der kaiserlichen Prinzessin in Berlin das Braut— kleid und die Hochzeitsgeschenke ausgestellt wurden, war der Andrang des Volkes so stark, daß Menschen in Gefahr waren, unter dem Ansturm zur Aus— stellung zertreten zu werden. Wir möchten einen Brautschmuck zeigen, der den Glanz und Schmuck gekrönter Menschen weit in den Schatten stellt. Wir möchten hinweisen auf die innere, reale Herrlichkeit des Sohnes Gottes! Laßt uns beten: Jesu gib gesunde Augen, die was taugen, rühre meine Augen an. Und dann laßt uns ihn an— schauen, der gesagt hat: Lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. Die Sünde hat den Menschen oberflächlich gemacht. Er verwechselt Schein und Sein; das Sein fehlt ihm, der Schein blendet ihn. Und weil alles Scheinwesen, alles, was der Tiefe, des inneren Gehaltes entbehrt, schließlich an seiner Oberfläch— lichkeit zugrunde gehen muß, so sehen wir diese hohlen Schatten, diese Gespenster in nervöser, auf— reibender Hetzjagd nach einem Trugbild rennen. Als die ersten Europäer in ihrer weißen Haut an der Westküste Afrikas landeten, glaubten die Schwarzen, die Götter seien zu den Menschen herab gekommen. Sie wollten Opfer darbringen. Doch gar bald schimmerte durch die weiße Haut das falsche, schwarze Herz hindurch, und die Wilden schlugen diese vermeintlichen Götter tot. Armes Menschenherz, wie oft hat dich schon der Schein betrogen! Wie manches Licht war ein Irrlicht, wie manche Schönheit eine Fatamorgana, eine Vorspiegelung falscher Tatsachen! Doch mitten in unsre Trugbilder und Phantasien ragt das Kreuzholz als göttliches Warnungssignal hinein. Und der daran hängt, ist der einzige Heiland, das teure Gotteslamm, das uns aus allem Schein— wesen erlösen kann. Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Wahrheit, im Kreuz ist tiefer Friede, im Kreuz ist Ruh, da deckt des Heilands Liebe mich völlig zu. Die Demut und Sanftmut Jesu strahlt in überirdischer Schönheit vom Kreuze herab. Der beste Edelstein auf Erden ist der, der alle andern schneidet und nimmermehr den Schnitt des andern leidet, jedoch das beste Herz ist das, das lieber selbst sich läßt zerschneiden, als daß es läßt den Nebenmenschen leiden. Wie ist diese Wahrheit doch am Kreuze Jesu so ergreifend dar— gestelltl. Da hängt das Gotteslamm, entehrt, aus vielen Wunden blutend, und kein Zorn, keine Bitter— keit ist zu merken. Wie genau hat doch Jesajas dies Marterbild 800 Jahre vor der Kreuzigung gesehen, als er ausrief: Jes. 53. 7: Da er miß⸗ handelt ward, beugte er sich und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird. O drückten diese Todesmienen sich meiner Seele auf ewig ein! Min erzählt von Jesus, Petrus habe eines abends dem Heiland Vorwürfe gemacht, daß er heute gar kein Wunder getan habe. Demütig ließ sich der Heiland diese Kritik gefallen und schwieg. Doch als sie auf die Höhe des Berges gestiegen waren, sahen sie am Weg entlang, den sie gekommen, viele leuchtende Punkte.„Was ist das?“ fragt Petrus erstaunt. Es waren lauter Seelen, mit denen der sanftmü— tige Jesus im Lanfe des Tages gesprochen, die er berührt. Nun leuchteten sie, eine herrliche Frucht der Tagesarbeit Jesu, die Petrus so klein schien. Ja, er wird nicht schreien noch rufenz seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen wie die Stimme der Marktschreier, und dennoch entzündet und begeistert dieser bescheidene, demü— tige Jesus die Elenden. Es gehen von ihm Strahlen und Kräfte aus, die die Welt aus den Angeln heben. Große Dichter, ruhmgekrönte Denker, sie mußten unverichteter Dinge vom Schauplatz ab— ziehen, sie konnten den armen verwesenden Lazarus Mensch nicht aus der Tiefe rufen, doch Jesus ist der Mund Gottes, der Leuchturm der Gnade, die Sonne der Liebe, dessen Licht lauter wie die stärkste Posaune spricht. Er ist die fleckenlose Lilie Gottes, deren Reinheit unsere Gemeinheit straft. Dies stille, reine, demütige, sanftmütige Lamm ist das gerade Gegenteil von dem protzenhaften, aufgebla— senen, eingebildeten Erdenwürmlein Mensch. Ent⸗ zückend ist es, wenn die Alpen im Strahl der Morgensonne erglühen, entzückender aber, wenn einer Seele Jesu Demut und Sanftmut in ihren überwältigen Größe sich enthüllt. Ewig soll er mir vor Augen stehen, dieses stille Lamm. Seht, welch ein Mensch! Ja seht den Menschen, den Normalmenschen, der allein den Namen Mensch verdient!! Einer, der's verstand. Ein Kapitän, welcher mit seinem Dampfer den atlantischen Ozean durchkreuzte, erzählte: Vor einigen Wochen geschah etwas ganz Außergewöhn— liches, was mein ganzes Leben umgewälzt hat. Ich gehörte zu den gewöhnlichen Durchschnitts⸗ christen. Wir hatten einen Mann Gottes an Bord, den bekannten Waisenvater Georg Müller aus Bristol. Schon 22 Stunden war ich auf der Komandobrücke und konnte sie nicht verlassen— plötzlich berührte jemand meine Schulter, daß ich zusammenschrack. Es war Georg Müller.„Ka⸗ pitän“, sagte er,„ich komme, Ihnen zu sagen, daß ich Sonntag Nachmittag in Quebec sein muß.“ „Es ist unmöglich“, sagte ich.„Nun, Ihr Schiff kann es nicht, aber Gott wird Mittel finden, um mich hinzubringen. Ich habe in den 57 Jahren noch nie eine Verabredung gebrochen.“ Ich Ich bin machtlos.“ würde Ihnen gern helfen, aber wie kann ich es? „Wir wollen in die Kajüte hinuntergehen und beten.“„Jch sah den Mann Gottes an, und dachte bei mir selbst, er ist reif für das Irrenhaus, so etwas hörte ich noch nie. „Herr Müller“, sagte ich,„wissen Sie, wie dicht der Nebel ist?“„Nein“, erwiderte er,„mein Auge ist nicht an die Dichtigkeit des Nebels ge— wöhnt, wohl aber an den lebendigen Gott, der alle Umstände meines Lebens leitet.“ Er ging hinunter auf seine Kniee und betete einfach und schlicht, daß ich bei mir dachte, dies Gebet würde für Kinder von 8 oder 9 Jahren passen. Es war etwa so.„O Err, wenn es mit Deinem Willen übereinstimmt, räume bittte den Nebel in 5 Mi— nuten hinweg. Du weißt die Verabredung, die Du für mich in Quebec machtest. Ich glaube, es ist Dein Wille.“ Als er gebetet hatte, legte er seine Hand auf meine Schulter und sagte mir, ich solle nicht beten, denn 1. glauben Sie nicht daran und 2. hat mich der HErr schon erhört. Ich sah ihn an und Georg Müller sagte,„Kapitän, ich kenne meinen HErrn 57 Jahre, es ist noch nicht ein einziger Tag gewesen, wo ich nicht bei meinem Gott vorgelassen wurde. Kommen Sie, öffnen Sie die Tür, und Sie werden sehen, daß der Nebel fort ist.“ Als wir herauskamen, war der Nebel vollständig verschwunden und Sonntag Nachmittag war Georg Müllerrechtzeitig in Quebec. — Weißt du auch von solchen Gebetserhörungen? Stehst du auch mit dem Allmächtigen im Bunde? Auch eine Krone. Ein gefangener französischer Offizier fand eine Bibel. Er wurde von ihrem Inhalt so er— griffen und von der Wahrheit des Christentums so überzeugt, daß er beschloß, sein Leben Gott zu weihen. Als seine Freunde und Begleiter ihn verspotteten, daß er nun auf einmal so ernst werden wolle, sagte er:„Ich tue nichts mehr als das, was mein alter Schulkammerad Berna— dotte auch getan hat.“„Ja,“ sagten seine Freunde, „er wurde aber nur Lutheraner, um die Krone von Schweden zu erlangen.“ Der christliche Of⸗ fizier erwiderte:„Mein Motiv ist dasselbe, nur mit einem kleinen Unterschied, Bernadotte wollte die schwedische Krone gewinnen, ich will aber die himmlische Krone besitzen.“ Eine verlorene Krone. Eine Dame träumte eines Nachts, sie sei im Himmmel und sah sich alle Schätze an. Zuletzt kam sie in das Zimmer, wo sich die Kronen be— fanden. Unter ihnen fiel ihr eine ganz besonders prächtige auf, und sie fragte:„Für wen ist denn jene dort?“„Sie war für dich bestimmt,“ sagte der Engel,„du arbeitest aber nicht für sie, und deshalb wird sie nun jemand anders tragen.“ Achtung nor dem Aumen Gottes! „Du sollst den Namen deines Gottes nicht mißbrauchen; denn der Herr wird den nicht unge— straft lassen, der seinen Namen mißbraucht,“ so lautet ein heiliges Gebot Gottes, das aber gröb— lich und gräßlich von jung und alt übertreten wird. Gedankenlos wird der Name Gottes und Jesu Christi als Flickwort, als Ausruf bei Über—⸗ raschungen, beim Erschrecken, beim Bewundern, beim Bedauern, bei tausenderlei Gelegenheiten von Leuten gebraucht, die sonst ihre Worte mit Bedacht wählen. i Der berühmte amerikanische General und Präsident Washington saß einst mit mehreren seiner Offiziere und Beamten bei Tische. Da stieß einer von ihnen einen Fluch aus. Washington ließ Messer und Gabel fallen, sah den Flucher groß an, so daß er die Augen niederschlug, und sagte:„Ich hätte geglaubt, wir alle betrachteten uns als anständige Männer!“ Auf Höflichkeit, auf Anstand, auf passende Ausdrücke wird gehalten, das gehört zur guten Erziehung, aber Gottes Namen immerfort miß— brauchen, das fällt in„guter“ Gesellschaft kaum noch auf. Ein wackerer Mann ging dem Fluchen in seiner Umgebung dadurch zuleibe, daß er immer ein kleines Käßlein bei sich führte und von den- jenigen, die er fluchen hörte, zehn Pfennig darein forderte. So hatte er bald ein schönes Sümmchen beieinander, das er an die Heidenmission ablieferte. Wenn man es ähnlich machen wollte und für jedes unbedachte„Ach Gott!“,„Ei Herrjeh!“ einen Nickel bekäme, so würde man schnell ein reicher Mann werden. Der Pariser Missionsinspektor Casalis fuhr einst mit einem Freunde auf dem Bocke einer Postkutsche. Der Postillon, welcher in der Mitte von ihnen saß, hatte auch die üble Gewohnheit, daß er alle Augenblicke über seine Gäule hinein⸗ fluchte. Casalis machte ihn auf das Sündhafte seines Tuns aufmerksam, und der Postillon gab auch zu:„Freilich ist's nicht recht; aber das läuft mir nachgerade aus dem Munde, ohne daß ich's merke.“„Dann gestatten Sie,“ erwiderte ihm jetzt Casalis,„daß wir Sie durch freundnachbar— liche Rippenstöße auf jeden Ihrer Flüche aufmerk- sam machen.“„Meinetwegen,“ sagte der Postillion, und nun puffte es bald von dieser, bald von jener Seite, so oft ein Fluch über seine Lippen glitt. Ohne Widerrede ertrug er diese Zurechtweisung, und bald nahm er sich so zusammen, daß die Rippenstöße gar nicht mehr nötig wurden. Und es ging auch so. Wollen wir uns nicht selbst und unsere Um— gebung daraufhin beobachten und prüfen und, wenn's not tut, bessern? Redakteur: Stadtmisstonar Herrmann⸗Gießen. Mttarbeiter: 5 Pfarrer Sperber⸗Cassel, Pfarrer Mockert⸗Frankfurt a. M., und die Prediger der Pilgermission. Verlag der Buchhandlung der Pilgermisston, Druck von Otto Meyer, Gießen. 2 8