Auf Gemeinschaftsblatt für Hessen. 10 118 8 Dieses Blatt erscheint wöchentlich und kostet 1 Pfg pro Nr.(Porto extra),— von 20 Einzelne Exemplare bestelle man auf der Post(Preis 40 5 laren an po ei. g. vierteljährlich). N . Sonntag, den 13. April 1913. 6. Jahrg. Zehn Dinge, weswegen noch niemals jemand traurig wurde. 1. Jedermann wohlzutun, hat stets nur wohl— getan. 2. Sprich von niemand Schlechtes, das deiner Seele wohltun. 3. Höre den Verurteilten selbst, bevor du ein Urteil über ihn sprichst. 4. Vor dem Sprechen soll man denken, dann wird man so leicht niemand kränken. Wer überlegt, der legt seine Worte auf die Gold— wage, so spricht er goldene Worte. 5. Bist du aufgeregt, dann schweige, und hat der Aerger dich noch fester gepackt, dann beiße lieber die Zähne zusammen, als daß ein zornig Wort aus dem Doppeltore deines Mundes herausfahre und deines Nachbars Haus an— zünde. 6. Erzeige den Leidenden Freundlichkeit, sei mit— leidig, denn geteiltes Leid ist halbes Leid, und dein armer Leidensgefährte wird dich in seinem Unglück als einen Engel Gottes betrachten. 7. Wo du Unrecht getan, da bitte um Verzeihung. Du wirst dir dadurch nichts vergeben, wenn du andere um Vergebung bittest. Bist du aber zu stolz, dein Unrecht einzusehen und dem Be— leidigten abzubitten, dann bist du ein hohler Kopf und elender Tropf. 0 8. Habe mit jedem Geduld; denn ein Geduldiger ist besser als ein Starker, und der seines Mutes Herr ist, ist besser als ein Feldherr, der Städte erobert. 9. Höre keinen Verleumder an, und schenke dem Dorf- und Stadtklatsch keinen Glauben; denn wird der Teufel, der große Lügner, will durch solche Klatschereien nur sein Reich bauen, das heißt, die Leute aneinander und auseinander hetzen. 10. Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu andrer Glück, und verschenke dein Leben, ohne auf Dank zu rechnen; denn Geben ist seliger als Nehmen. Er führef mich duf rechfer Straße. (Pf. 23, 3.) Im Jahre 1887 reiste ich mit einem anderen Prediger nach dem Westen von Nordamerika, um dort eine neue Arbeit anzutreten. Wie einsam fühlten wir uns in dem fremden Lande auf der Reise von New-York nach dem fernen Staate Nebraska, ja recht einsam! Mit unserem mangelhaften Englisch konnten wir uns nicht recht helfen. Da war es uns ein großer Trost, als ein deutschredender Jude, der von New-York bis Chicago in unserem Wagen, mitreiste, sich unser in wohlwollender Weise an— nahm, gelegentlich unsern Dolmetscher spielte und uns mit Verhältnissen und Gebräuchen der Amerikaner bekannt machte. Bis auf den heutigen Tag denke ich stets noch mit Achtung und Dank— barkeit an jenen Mann. Unser Lebensweg über diese Erde, der nach Gottes Rat in unserer himmlischen Heimat endigen soll, liegt dunkel und unbekannt vor uns; wir sind diesen Weg vorher nie gegangen und wissen nicht, was unser auf diesem Wege noch alles wartet. Da ist es gewiß unumgänglich notwendig, daß wir den geeigneten und des Weges kundigen Führer haben. Salomo sagt:„Wehe dem, der allein ist.“ Viele Tausende sind in mannigfachen Gefahren des Erdenweges elend zugrunde ge— gangen und haben das himmlische Ziel nicht erreicht, zu dem sie doch bestimmt waren und zwar lediglich deswegen sind sie zugrunde gegangen, weil sie den gütigen Führer Jesus Christus nicht annahmen, sondern nach ihren eigenen Gedanken oder nach den Gedanken anderer Menschen wandelten. i 5 3 „Er führet mich auf rechter Straße.“ In meinem Arbeitsfeld liegt seit einigen Monaten eine Frau, die in gesunden Tagen unsere Ver— sammlungen fleißig besuchte, krank darnieder. Es kostete anfänglich einen schweren Kampf, bis die fleißige und reinliche Frau sich einigermaßen hineinfinden konnte, so im Bett liegen und in ihrem Haushalt allerlei Unregelmäßigkeiten sehen zu müssen, ohne dieselben beseitigen zu können. Aber ihr freundlicher himmlischer Führer, der sie unter allen Umständen ans Ziel bringen will und der besser weiß, was ihr dienlich ist, als sie selbst das weiß, achtete nicht auf das Stöhnen und Jammern und auf die Klagen ihrer Natur, sondern hielt sie fest im Bett. Als ich gestern einen Besuch bei ihr machte, war es eine Erquickung, zu sehen, wie ihr Herz überfloß von Lob und Dank gegen ihren treuen Hirten, der es auch im Leid gut meint. In den stillen Stunden im Krankenzimmer ist es dem Geist Gottes gelungen, sie zurückzuführen in vergangene Tage und ihr einerseits ihr mangelhaftes Leben, andererseits Gottes unendliches Erbarmen trotz aller ihrer eigenen Mängel vor Augen zu stellen. Sie mußte sich um vieles bei ihrem Herrn an— klagen, mehr aber noch hatte sie Ihm zu danken, daß Er ihr das Beklagenswerte aufdeckte und Seine Güte ihr gewogen blieb. Also dieser dunkle Tunnel des Leidens und der Krankheit liegt auch vor ihrem Lebensweg und der Führer geht mit und führt hindurch, tröstet, erleuchtet, bringt zu— recht und hilft, so daß sie nun mit Paulus sagen kann:„Wir rühmen uns auch der Trubsal, dieweil wir wissen, daß Trübsal Geduld bringt, Geduld aber bringt Erfahrung, Erfahrung aber bringt Hoffnung, Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden.“ Wohl dem, der sich diesem Führer ganz anvertraut, er wird gewiß das Ziel seiner Reise erlangen und darf es erfahren: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“— J. May. Undankbar. 75 5 Eine Witwe hatte eines Morgens ihr Haus und ihre fünf Kindlein verlassen, um einige nötige Einkäufe zu besorgen. Nach etwas mehr als einer Stunde kehrte sie eiligen Schrittes zurück und freute sich schon, die fröhlichen Kindergesichter am Fenster zu erblicken. sie zu ihrem Entsetzen, daß ihr Haus in hellen Flammen stand. Beinahe im gleichen Augenblick kam ihr ein Nachbar mit den vier ältesten Kindern entgegen. „Gottlob!“ rief die arme Mutter,„seid doch ihr, meine Kleinode, gerettet!— Aber, wo ist die Kleinste?“ fuhr sie im gleichen Atemzuge fort. In der allgemeinen Bestürzung war das jüngste Töchterlein vergessen worden. „O, mein Kind, mein Kind!“ rief die Mutter und eilte, indem sie ihre Kinder dem freundlichen Nachbar empfahl, dem brennendem Hause zu. Hinein durch die prasselnden Flammen stürzte sie. Man wollte sie gewaltsam zurückhalten und hielt ihr vor, daß es für das Kindlein gewiß zu spät sei, sie werde nur die vier anderen ihrer Stütze berauben. Es war vergebens; die Liebe ist stärker als der Tod. brennenden Haus; aber schon nach wenigen Augen- blicken erschien sie wieder, mit dem Kindlein in den Armen und konnte als ein wahres Wunder noch gerettet werden. Kaum hatte sie das geliebte Kind, welches sie in einen dicken Teppich gehüllt hatle und das beinahe ganz. geblieben war, in die Arme einer Freundin gelegt, so sank sie zusammen, und wurde besinnungslos in ein Spital gebracht. Ihr ganzer Körper war eine Wunde und der Tod schien unvermeidlich. Allein Sie verschwand in dem 0 * a N Als sie aber um die Ecke der Straße bog, in welcher sie wohnte, gewahrte nach Monate langem Leiden und treuer Pflege genas sie allmählig wieder und wurde ihren Kindern auf's neue geschenkt. Doch behielt sie die Narben jener schrecklichen Wunden; namentlich war ihr Angesicht durch dieselben so sehr entstellt, daß sie auf Fremde oft einen widerlichen Eindruck machte, wiewohl alle, die sie näher kannten, die innere Schönheit durch die abstoßende Hülle hindurch— schimmern sahen.— a Es vergingen Jahre, und das auf so wunder— bare Weise gerettete Kind war zur blühenden Jungfrau herangewachsen. Einst befand sie sich mit ihrer Mutter in einer fremden Stadt in größerer Gesellschaft. Sie stand in einem Kreise junger Mädchen, unter welchen sie sich recht befangen und verlegen fühlte, und die über ihre ganze Um⸗ gebung witzelnde Bemerkungen machten. Rlötzlic . „ c T 8 sagte eines derselben mit spöttischer Miene zu ihr: „Sehen Sie doch einmal jene häßliche Frau mit den entsetzlichen Narben. Kann man doch etwas Garstigeres sehen! Wissen Sie, wer sie ist?“ und die leichtfertigen, jungen Mädchen brachen alle in ein unanständiges Gelächter aus. Eine dunkle Röte flog über das Gesicht der Tochter. Einen Augenblick kämpfte Eitelkeit und Liebe, falsche Scham mit Dankbarkeit: endlich sagte sie leise: „Vein ich kenne sie nicht.“ Du wendest dich mit einem Ausruf des Ab— scheu's von diesem unnatürlichen, undankbaren Kinde ab, geliebter Leser; aber halt!— sollten nicht etwa dir die Worte gelten:„Du bist der Mann?!“ Wie ost, o wie oft hast du den auf gröbere oder feinere Weise verleugnet, der für dich in ein viel schrecklicheres Feuer ging, um dich als einen Brand herauszureißen! Wenn man von Seiner Macht und Herrlichkeit, von Seiner Vor— sehung und Weisheit sprach, da konntest du mit einstimmen. Aber wenn es galt, mitten unter den Ungläubigen oder halbgläubigen Altersgenossen zu zeugen von Jesu dem Gekreuzigten, von dem liebreichen Heiland, der dich verlorenes Schäflein gesucht und gefunden,— wie waren da deine Lippen so stumm, deine Worte so klug und be⸗ rechnend. Wenn es eine Ehre war, vor der Welt, wenigstens vor der schristlichen Welt, in diese Ver⸗ sammlung zu gehen, oder jenen Vortrag zu hören, dann wandtest du deine Schritte auch hin; aber wenn Jesus in Seiner Knechtsgestalt vor dich trat, wenn es galt, mit Ihm vor's Lager hinaus⸗ zugehen und Seine Schmach zu tragen— da bliebst du zurück. Denke an jene Tochter. Was müßte das heiß liebende Herz der Mutter gefühlt haben, wenn sie die eisigen Worte ihres Kindes gehört hätte!— Und wie muß es deinen Retter be⸗ trüben, wenn du durch Reden oder Schweigen, durch Tun oder durch Unterlassen von Ihm sprichst:„Ich kenne Ihn nicht!“ O, laßt uns alle lernen, die Schmach Christi für größeren Reich— tum achten, als die Schätze der Welt, und uns freuen, wenn wir geschmähet werden, so es um Seines Aamens willen geschieht.„Wer sich aber Mein und meiner Worte schämt, des wird sich auch des Menschen Sohn schämen, wenn Er kommen wird in der Herrlichkeit Seines Vaters mit den heiligen Engeln“(Marc. 8, 38). Soli deo gloria! Musikdirektor Johann Sebastian Bach in Leipzig war ein Mann, dem das Herz für Jesus schlug. Er hat viele herrliche Choräle und wunderbare Tonsätze geschrieben. So oft er ein solches Notenblatt in den Druck gab, setzte er die drei Buchstaben dabei 8. D. G., das heißt: Soli deo gloria; Dem HErrn allein die Ehrel Bach starb im Alter von 65 Jahren im Jahre 1750. Er hatte in seinem Leben manche ernste Prüfungen, aber es blieb sein Wahlspruch:„Dem Herrn allein die Ehre!“ Am Ende seines Lebens litt der Musikdirektor an hochgradiger Augen— schwäche. Die Sehkraft ging verloren. Aber auch in den Tagen der Blindheit wirkte Bach weiter für den HErrn. Damals diktierte er seinem Schwiegersohn einen Tonsatz über die Weise: „Wenn wir in höchsten Nöten sein.“ Dieser Choral beschäftigte ihn damals gerade, und ebenso spielte er auch gern noch die Orgel, um auf diese Weise zu Gottes Ehre mitzuwirken. So war der Künstler bis an sein Lebensende tätig, um den HErrn zu verberrlichen, den er liebte. Wie sollte uns das Beispiel eines solchen Mannes predigen! Sollte nicht auch unser Leben dazu da sein, daß wir unsern Gott verherrlichen? Ja, wir sollten mit Paul Gerhard bekennen: Ich möchte Dir zu Ehren alles wagen, Kein Kreuz nicht achten, Keine Schmach, noch Plagen, Nichts von Verfolgung, nichts von Todesschmerzen, Nehmen zu Herzen. Das Zeugnis eines Rakionalisten Vernunftgläubigen). De Wette, der langjährige Führer des Rationalismus in Deutschland, sagte auf dem Sterbebette: „Das Faktum der Auferstehung, wenn auch ihre Art und Weise in ein undurchdringliches Dunkel gehüllt ist, kann ebensowenig in Zweifel gezogen werden als die Ermordung Cäsars.“ . Brosamen. Verstimmte Leute, sind Leute, die sich gehen lassen, die heute in allen Höhen-schwelgen und morgen mutlos im Sumpfe liegen. Solche haben ihre Seele nicht in Zucht und haben es nie gelernt, ihrer Seele zu kommandieren:„Lobe den Herrn, meine Seele!“ Wir dürfen und wollen uns nichts gefallen lassen von Seelenstimmungen, die mit dem Lobe Gottes nicht stimmen. Aus Russland. Die alkoholgegnerische Bewegung in Nuß⸗ land weist manchen Zug auf, der auch bei uns Interesse erweckt. Das zeigt besonders der kürz⸗ lich in Moskau stattgefundene Russische Antialkohol— Kongreß. Beschlossen wurde u. a., die Regierung zu ersuchen, die Nüchternheitsvereine mit Geld zu unterstützen, damit sie zur Hebung der unteren Volksschichten Konsumvereine, Kredit-Genossen⸗ schaften, Niederlagen landwirtschaftlicher Maschinen Türen der Schnapsläden große Schilder aufstelle mit Warnungen vor dem Alkoholgenuß.“ In derselben Gegend würden vom Nüchternheits— verein in Maikop Prämien für alkoholfreie Hochzeitsfeiern gewährt. Ein Rechtsanwalt vertrat den Standpunkt, es möchten zur besseren Verhütung von Eisenbahnunfällen nur A b— stinenten Nach der„Rigaischen Rundschau“ wurde auf dem Kongreß ferner gewünscht, daß in den Lehrerbildungs— anstalten als Unterrichtsfach„Nüchternheitskunde“ eingeführt werden solle. Die Lehrer selbst sollen außerhalb der Schule durch Gründung von Museen und Kindervereinen für Nüchternheit zu wirken suchen. Ein Beschluß der Plenarversammlung ging dahin, es möge ein Gesetz zustandekommen, das die Bewirtung Minderjähriger mit Brannt- wein bestraft. Ein Antrag aus Kasan wünschte, es möge doch in jedem Gouvernement ein Arbeits— haus für Alkoholiker errichtet werden. Ein Duma— Abgeordneter regte ein Bittgesuch an die oberste als Bahnbeamte angestellt werden. Regierungsgewalt ein, in dem ein allgemeines Verbot des Branntweinverkaufs erbeten wird. Insgesamt wurden über hundert Referate erstattet und sechzig Beschlüsse gefaßt. ——— usw. schaffen könnten. Ein Delegierter aus dem Cersammlungs Anzeigen (Versammlungen innerhalb der Landeskirche) Bezirk Gießen. Stadtmission Gießen, Cöberstraße 14. Jeden Sonntag 1½ Uhr: Sonntagsschule; 4 Uhr: Jungfrauenverein; 8¼ Uhr: Versammlung. 4½ Uhr: Christlicher Verein junger Männer. Jeden Mittwoch: 8½ Uhr Bibelstunde. Grünberg(Frankfurterstr. 23) jeden Sonntag abends 8 Uhr Versammlung. 6. April, nachmittags Altenbuseck, ab. Beuern, 8. Altenbuseck, 9. Grünberg, 10. Kleinlinden, Frauenversammlungen. 13. nachm. Nordeck, abends Wißmar, 15. Beuern, 18. Frauenversammlungen in Nordeck. Bezirk Alsfeld. Stadtmission Alsfeld(am Kreuz): Jeden Sonntag um 11 Uhr; Sonntagsschule; abends 8½ Uhr: Versammlung. Freitags Bibelstunde. 15. April Lingelbach, 16. Schwarz, 17. Eifa. Unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und Redakteur: Stadtmisstonar Herrmann-Gießen. Mitarbeiter: Bezirk Sellnrod. Sellnrod: Jeden Sonntag, 12 Uhr: Sonntagsschule, abends 8 Uhr: Versammlung. Bezirk Friedberg. Vorstadt zum Garten No. 8: Jeden Sonntag und Donners— tag abends 8½ Uhr Versammlung. Bezirk Lich. Lich, Butzbacherstr. 17. Jeden Sonntag 12 Uhr Sonntagsschule; 5 4 Uhr: Jungfrauenstunde; 8¼ Uhr: allgemeine Versammlung. Bezirk Niederweisel. 15. April Kirch- und Pohlgöns, 16. Münzenberg, 17. Nieder-Weisel, 18. Butzbach, i 20. nachmittags 3 Uhr: Fauerbach, Kirch- und Pohlgöns, abends 8 Uhr: Nieder-Weisel. e Versammlungsanz. ꝛc. bis zum 11. April erwünscht. mit Seinem Sohne Jesu Christo. J. Joh. 4,5. — Pfarrer Sperber⸗Cassel, Pfarrer Mockert⸗Frankfurt a. M., und die Prediger der Pilgermisston. Verlag der Buchhandlung der Pilgermisston. Druck von Otto Meyer, Gießen.