Aufwärts Gemeinschaftsblatt für Hessen. 9 3 Dieses Blatt erscheint wöchentlich und kostet 1 Pfg. pro Nr.(Porto extra), — von 20 laren au portofrei. Einen— bestelle man auf der Post(Preis 40 Pfg. bierteliäb 14. Sonntag. den 6. April 1913. 6. Jah rg. . V N Abschied vom Elternhause. (Zu unserem Bilde.) Nach den Ostertagen schlägt für viele junge Herzen die bange Abschiedsstunde, wo sie das traute Elternhaus verlassen, um draußen ihr Fortkommen zu suchen. Welch ein Wende— punkt in Eurer Geschichte, welch ein Markstein an Eurem Lebenswege, ihr Jugendgenossen! Da stehen wir auf der Höhe und vor uns liegt das Land so weit, so lockend, lachend und glänzend, daß Jugendlust aus Herz und Auge sprüht. Auch Lehrers Röschen hat schon das Bündel geschnürt und ist reisefertig, ihre stille Dorfheimat mit einer Stelle in der Stadt zu vertauschen. Da gibt ihr der Vater noch zum Abschied einen Brief mit der Bitte, ihn nicht nur jetzt, sondern auch in der Fremde öfter zu lesen. Es sind die Abschiedsworte eines lieben— den, treubesorgten Vaters, der unter viel Gebet Hund Tränen diese Worte für sein scheidendes Kind aufgezeichnet hat. Wir dürfen Röschen über die Schulter sehen und mitlesen: Sieben Vaterworte an mein scheidendes Kind: 8 f 1. Röschen vergiß das Beten nicht. Sage alles, was dir begegnet deinem Heiland, ja, mache aus allem ein Gebet. Wer nicht am Morgen betet, ist arm den ganzen Tag; sein Engel weicht zurück und ruft ihm traurig nach: Ich kann dich nicht beschützen, du wankst wo du nur stehst, o komm, o komm zurück und deine Gebetszeit Halte Besonders am Morgen gehe nicht aus deinem Schlafkämmerlein, bevor du Gott deinem bete, eh' du gehst. inne. Herrn das Morgenopfer der Anbetung darge— bracht und das Herzkrüglein deiner Bitten am Gnadenthron dem Brunnenquell des Heils untergestellt hast. Wer beten kann, ist selig dran. Wenn andere verschmachten, darf er sich laben an Gottes Gaben; wenn andere aus Verzweiflung in Abgründe springen, eilt der Beter in Gottes Arme. 2. Mein Kind, lies täglich das Wort Gottes, und wenn du nur fünf Minuten er— übrigen kannst. O, wie kann man sich in fünf Minuten laben, wenn man gutes Quell⸗ wasser hat. Lies betend deine Bibel. Wie du dein Brot zerkauen mußt, wenn es dir schmecken und dich stärken soll, so mußt du das Wort Gottes, die Bibelsprüche mit Nach⸗ denken lesen. Wie Maria die Worte Gottes bewegte in ihrem Herzen und David über dem Worte Gottes sann Tag und Nacht, Ps. 1, V. 2, so laß dir die Bibel das Brot des Lebens sein. 3. Hüte dich vor schlechter Gesellschaft. Manche Menschen gehen einher wie Engel und inwendig sind sie Bengel. Ja Kind, es gibt überall und besonders in der Großstadt Men— schen, die sind wandelnde Leichen; sie sind geschniegelt und gebügelt, parfümiert und dekoriert und doch voll Verwesungsgeruch. Röschen, wenn dich solch böse Buben oder andre Galgenvögel locken, geh vorüber. Sage nein; klar und bestimmt, laut und deutlich rufe nein! 4. Laß den Schmutz liegen und sollte er in Gold- oder Seidenpapier eingebunden sein. So manches Buch in Goldschnitt ist trotzdem ein eckler Haufen Mist, wo Toren in der Gemein— heit und Schande herumwühlen. Wie viel Schund ist oft in glänzenden Schaufenstern ausgestellt, den man besser abseits mit ver⸗ haltenem Atem vergraben sollte! Kind, geh an diesen Pfützen vorüber. 5. Gleich und gleich gesellt sich gerne, darum schließe dich mit treuen, gediegenen Christen zusammen. Suche dort den christ— lichen Jungfrauenverein auf. Wo du Gottes Wort rein und lauter hören kannst, da gehe hin. Aber sei kein Schmetterling, der gedanken— los von Blume zu Blume flattert, sondern ein Bienlein, das den Honig der Liebe Gottes sucht Doch hüte dich vor den Leuten, die Steckenpferde reiten. Wo Jesus Christus der Gekreuzigte und Auferstandene das Zentrum ist, da darfst du dich laben an diesen Himmels⸗ gaben; doch wo man die eigne Partei oder Kirche in den Himmel hebt und alles andere ver⸗ dammt, da geh vorüber. 6 Behalte auch in der Fremde Wasser und Seife lieb. Ein Mädchen soll rein sein wie ein Kristall. Soll doch unser Leib ein Tempel Gottes sein. Laß dein Zimmer, deinen Schrank auch in der Fremde sein ein Schau— kästlein, auch wenn das Mutterauge nicht hineinschaut. Das Heilandsauge sieht doch hinein. Viele junge Mädchen werden in der— Fremde schlampig und löcherig in ihren Klei— dern. Du, unser Röschen, bleibe ein Röschen und wachse immer mehr hinan zu einer Sarons— rose, deren Lieblichkeit und Duft dem Herrn 7. Auf Wiedersehnl so sei mein Abschieds— wort. Das Elternhaus steht dir immer offen so lange wir leben. Was immer dich trifft, ob Freude und Leid, ob Siege oder Nieder— lagen, deine Eltern haben offene Arme fur ihr Kind. Laß uns an allem teilnehmen, habe vor uns keine Geheimnisse. Denke daran, daß wir täglich betend dein gedenken. Und nun be— fehlen wir dich, unser Herzenskind, Gott und dem Wort seiner Gnade. Möge er segnend ob dir walten, dich bei seinem Volk erhalten! N Freude macht.. N ö Gallensteine und andere Steint. Hofprediger Frommel erzählt von einem Ge— spräch, das er einst in Karlsbad mit einem reichen Pelzhändler gehabt hat. Dieser nahte sich ihm in freundschaftlicher Weise, und zur Ueberraschung des Predigers fing er nicht von äußerlichen Dingen zu reden an, sondern griff gleich tiefer. 8 Sie,“ sagte er,„ich halte wenig von der Religion. Gott-Vater laß ich mir noch gefallen; denn Er ist notwendig. Aber Gott-Sohn, da weiß ich mir garnichts anzufangen damit! Das brauche ich alles nicht.“ N „So war ich plötzlich angefallen,“ erzählt Frommel,„und wußte nicht, wie mir geschah. 1 * Ich dachte, du willst dem Toren nach seiner Torheit antworten.“—„So,“ sagte ich,„da wird sich ja Gott freuen, daß Sie Ihn noch leben lassen. Aber sagen Sie einmal, was sind Sie denn in der Welt?“ —„Ein Pelzhändler,“ sagte er.—„So, und Sie sind wohl reich uud gesund?“—„Reich nicht, aber doch recht wohlhabend, aber leider nicht ge— sund, sonst wäre ich nicht in dem schönen Karls— bad.“— Und wie oft sind Sie denn schon in Karlsbad gewesen?“—„Zum erstenmal.“— „So, und wie alt sind Sie?“—„Nu, vierund— sechzig Jahre.“—„Ja, warum sind Sie denn nicht früher nach dem schönen Karlsbad gekommen?“ —„Ja, sehen Sie, ich war so gesund wie ein Fisch im Wasser, da krieg ich im Winter Schmerzen in der Leber. Es sind Gallensteine, sagt der Geheime Medizinalrat, der zugleich Professor und mein Hausarzt ist. Das waren Schmerzen! Nach Karlsbad, sagte er, nix als nach Karlsbad, das hilft!“ 5 „So,“ sagte ich,„also vierundsechzig Jahre nicht Karlsbad, da konnten Sie nichts mit ihm anfangen, und jetzt, da Sie Gallensteine haben, da kommen Sie her. Ich will Ihnen was sagen: Sehen Sie, nicht weit von der Leber, da ist noch so ein fatales, lebendiges Ding, das nennt man Herz. Wenn's einmal da anfängt zu drücken, — und das sind die Fündensteine— da werden Sie auch nach einem Heiland gehen, nach Gottes Sohn, der Ihnen vierundsechzig Jahre links am Wege gelegen, und werden froh sein, wenn man Ihnen da sagt: Nix als nach dem Heiland— das hilft!“ Soweit Frommel. Ach, die Krankheit der „Sündensteine“ ist in jedem Herzen vorhanden, nur fühlt manches sie nicht und glaubt darum, des Heilands entbehren zu können. Wohl den Seelen, die ihr Elend erkannt und dann in Jesu Wunden Vergebung, Heil und Leben gefunden haben!. O, möchten viele Seelen durch inneres Be— dürfnis getrieben werden zu dem Heiland, dem Arzt und Retter hin, der von Grund aus heilt und selig macht. Weg mit aller Lauheit und Trägheit, weg mit falschen Entschuldigungen! Der Herr löst die Gebundenen, wenn sie nur zu Ihm kommen mit ihren Ketten und von Herzen frei sein wollen. Mögen auch solche, die bisher mit Jesu nichts anzufangen wußten, oder wie wir es zu Anfang erwähnten, auf verkehrtem Wege Ihn zu finden gedenken, durch die Macht des heiligen Geistes ihrer Bedürftigkeit und ihrer Not kräftig überführt werden und den Weg ein⸗ schlagen, der zum Frieden führt, das ist der Weg nach Golgatha. Denn Christus Jesus ist in die Welt gekommen, die Sünder selig zu machen. Halleluja! 3. Die Königsbrant. Ein Gleichnis. Ein edler Königssohn vom höchsten Adel und von großer Herzensgüte suchte eine Genossin seines Glückes und seiner Freude. Weil er aber wollte, daß seine zukünftige Braut ihm ihr Jawort nicht um seiner Herrlichkeit willen, sondern aus lauterer Liebe gebe, kleidete er sich in ein Bettlergewand und warb so als unscheinbarer Fremdling in Armut und Niedrigkeit um eine Throngenossin. Doch wie schnöde wurde er an den Palästen der Hohen und Reichen abgewiesen! Niemand ahnte unter dieser niederen Hülle königliche Herrlichkeit und Würde. Ja beleidigt ob seiner Bitten mißhandelte und schlug man ihn so, daß er, aus vielen Wunden blutend und entstellt, am Wege zusammenbrach. Ein Spott der Leute ge— worden, standen diese höhnend um die zerschlagene Jammergestalt, aus deren Augen trotz Blut, Speichel und Kot, reine, tiefe Liebe sprach. Und noch war des Jammers nicht genugz die beleidigten Menschen hatten ihre Wut noch nicht völlig an ihrem Opfer gekühlt. Man band ihn an einen Baum fest, so daß jeder, der vorüberging, ihn verspotten, anspeien ja schlagen konnte. Und unter der Menge der Spottenden stand eine arme, aber treue Tochter der Berge. Sie mußte den stillen Dulder immer wieder anschauen. Zuerst war es Mitleid, was sie festhielt, in diese Augen des Fremdlings zu blicken, doch je mehr sie ihn anschaute und er sie durchschaute, um so mehr flammte es in ihrer Seele auf wie Himmelsgewalt. Die Strahlen, die aus diesen schmerzumzuckten, leidgekrönten Augen in ihre Seele drangen, hatten eine tiefe Liebe, ein Feuer zarter inniger Zuneigung zu dem erweckt, den alle andern als Auswurf betrachteten und— verachteten. Sie konnte das Spotten nicht mehr hören, das Schlagen und Quälen nicht mehr sehen. Mutig und entschlossen trat die Tochter der Berge vor und stellte sich schützend neben den geschmähten, entstellten Fremdling. Und ein Lichtstrahl, so rein, so schön, kam über das Antlitz des Wanderers. Doch welch ein Hohnlachen, welch erneutes Spotten entstand! Man nannte diese mutige Tochter die Bettelbraut, Lumpendirne usw. Der Straßenkot flog nun auch um ihre hohe Stirne und um ihre Strahlenaugen. Und immer lauter wurde das Toben der wütenden Menge und immer dichter flogen die schmutzigen Wurfgeschosse; doch immer fester stand diese treue Seele zu dem Geschmähten. Die blutgierige Meute, von der Hölle Haß ent— flammt, wollte zum Außersten schreiten, da bebte hat ein christlicher Engländer, der mit am Bau die Erde in ihren Grundfesten. Entsetzt stob die Spötterschar auseinander. Was ist das, das wie rollender Donner über die Berge tönt? Der König kommt, der König kommt, so schrie alles durcheinander. Und eh' die Menge zu sich selber kam, stand der König in seiner ganzen Herrlichkeit, von all seinen Großen umgeben, vor seinem ge⸗ fesselten Sohne und der treuen Leidensgenossin. Wie riß die Menge die Augen und Ohren auf, als sie hörten, das ist der Königssohn, wie zitterten sie ob ihrer Schandtaten, die sie an ihm verübt, wie ärgerten sich die stolzen, frechen, Töchter des Landes, daß sie einer Krone verlustig gegangen! Und auf der blutigen Wahlstatt ward im könig lichen Glanze die Verlobung gefeiert, und unter Jubel ging es der königlichen Residenz entgegen. Der Königssohn hatte seine Braut, die Ge— nossin seiner Freuden, in Leiden gefunden. Die stillwirkende Kraft des Wortes Gottes. Es ist eine bekannte, aber überraschende Tat— sache, schreibt ein Missionar, daß ein großer Teil der japanischen Leuchtturmwächter Christen sind. Ich fragte einst einen solchen, woher das komme. Er erzählte mir folgendes: Als in Japan Leuchttürme eingeführt wurden, ihre Frucht getragen. r der Türme schaffte, Bibeln und Traktate in jedem neuen Leuchtturm zurückgelassen. Diese Saat hat Die Wächter lasen die Schriften und bekehrten sich zu dem Gott und Heiland, den sie darin fanden. 2 Als der jüngste Sohn von Charles Dickens im Begriff stand, seine Heimat zu verlassen und nach Australien zu gehen, schrieb ihm der große Romanschriftsteller:„Ich legte ein Neues Testament unter diese Bücher aus denselben Gründen und mit denselben Hoffnungen, welche mich veranlaßten, einen Auszug davon für dich zu schreiben, als du noch ein Kind warst,— weil es das beste Buch ist, das je war und sein wird in dieser Welt, und weil es einem die besten Lehren gibt, die ein menschliches Wesen leiten können. Als deine Brüder uns verließen, einer nach dem andern, habe ich jedem solche Worte geschrieben, wie ich dir jetzt schreibe, und habe sie alle angehalten, sich nach diesem Buche zu richten in ihrem Leben und die Auslegung und Erfindungen der Meuschen beiseite zu lassen... Ich möchte dir die Wahr- heit und Schönheit der christlichen Religion, wie sie uns von Christo selbst kam, und die Unmöglich— keit, irre zu gehen, wenn du sie demütig und von Herzen achtest, aufs feierlichste einprägen. Hessischer Gemeinschaftstag. Sonntag, den 13. April 1913 findet in Gießen, Löberstraße 14 der diesjährige Vertretertag der hessischen Gemeinschaften statt. Vormittags 11 Uhr: Geschlossene Bitzung der Brüderräte. Ohne dringenden Grund sollte kein Mitglied des Brüderrates fehlen. Nachmittags 2½ Uhr: Männer- und Jünglingskonferenz und vertrauliche Aussprache für alle Männer und Jünglinge unsrer hessischen Gemeinschaften. Thema: Seid männlich und seid stark. a na und Herr B urkhardt-Zahn, Mitglied des Herr Inspektor Veiel-St. Chrischo Text 1. Joh. 2, 12— 17. Komitees der Pilgermission, werden wieder zu aller Freude in unsrer Mitte sein. i Teure Brüder, wir wissen, daß es Ihnen eine Ehrensache ist, bei den wichtigen Beratungen dieses Gemeinschaftstages vertreten zu sein, darum rufen wir Ihnen zu, auf frohes Wiedersehn in Gießen. 8 Bezirk Alsfeld. Sonntag, den 6. April, nachmittags 330 Uhr: Lauterbach, 8. Kirtorf, 9. Storndorf, 10. Altenburg, gezirk Nieder- Weisel. 1 Leusel. 6. April, nachmittags 3 Uhr: Münzenberg, Fauerbach, abends 8 Uhr Niederweisel, Kirch- und Pohlgöns, 8. Gambach, 9. Fauerbach, 10. Nieder⸗Weisel, 11. Butzbach. 13. abends 8 Uhr: Nieder-Weisel. Redakteur: Stadtmisstonar Herrmann-Gießen. Mitarbeiter: Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Mockert⸗Frantfurt a. M. und die Prediger der Pilgermisston. Verlag der Buchhandlung der Pilgermisston. Druck von Otto Meyer in Gießen, Ludwigstr. 30.