1 . Gemeinschaftsblatt für Hessen. 7 Tiefcz Blot erscheint wöchentlich und kostet 1 Pfg. vr Nu.(Pato extra),— von 20 Exploren an portofrei. 8 1 5 ae bestelle man auf der Myst(Preis 40 Pfg. dierteljäbrlich. Nr. 4. a Sonntag, den 26. januar 1913. 6. Jahrg. Ihre verlorene Freundin. „Aber ich hatte sie doch so lieb! Wir beiden waren unzertrennlich die wenigen Monate, die wir zusammen sein konnten. Und nun ist sie fort und hat neue Arbeit und neue Freundinnen, und da wird sie mich bald vergessen haben. Sie wird schon gut ohne mich fertig werden, aber was ich ohne sie anfangen soll, weiß ich nicht. Wie hat sie mir geholfen! Denu sie war viel zu gut und sanft, um etwas Un⸗ freundliches sagen zu können. Nur sehr liebevoll hat sie mich gemahnt, ich möchte doch meine ganze Liebe nicht einem einzigen Menschen schenken, sondern solle mein Herz auch für andere offen haben. Aber ich bin eben einmal nicht so, daß ich jeden lieb haben könnte. Gerade sie habe ich lieb, und ich brauche sie. O, es ist zu hart! Wie hat sie mir geholfen! Wenn sie um mich war, konnte ich gut sein. Jetzt geht es nicht mehr. Aber ich weiß auch noch, was sie manchmal zu mir sagte:„Wenn du dich zu sehr auf mich stützest, Gertrud, dann wird Gott mich von dir wegnehmen müssen. Er möchte, daß du lerntest, dich allein auf Ihn zu stützen. Wenn Gott sie mir doch wiederschicken wollte, dann wollte ich auch versuchen, mich auf Gott zu stützen. Jetzt aber ist's mir, als ob meine Füße im Schlamm versänken, Ich habe meine Stütze verloren.“ 5 8„Ja, Sie mögen recht haben. Ich würde vielleicht nie anfangen können, selbst— ständig zu gehen, wenn sie hier geblieben wäre. Wie gern hat sie mir die Stelle vom Adler gesagt, und was für eine ungelehrige Schülerin bin ich gewesen! Das Wort steht 5. Mose 32, 11:„Wie ein Adler ausführt seine Jungen und über ihnen schwebet, breitete Er seine Fittiche aus und nahm ihn und trug ihn auf seinen Fittichen. Der Herr allein leitete ihn“(Jakob). * Sie erzählte mir auch, wie der Adler seine kleinen, hilflosen Jungen im Stiche läßt, die noch nicht einmal fliegen können. Aber gerade, wenn sie ihre Mutter verlassen hat, dann versuchen die armen, kleinen Vögelchen, ob sie nicht selbst fliegen können. Wenn die Mutter immer um ihre Jungen herum gewesen wäre, so würden diese vielleicht nie das Fliegen gelernt haben. Ja, daran hat mich meine Freundin erinnert. Und ich will mich nun anch mit Jesus zufrieden geben. Er soll mein Herz weit machen und mit Seiner Liebe erfüllen. Bis jetzt ist es, ach, so eng und kalt und leer gewesen. Ich will lernen, so wie sie Du bist genug für mich, Mein lieber, teurer Heiland, Ja, Du bist genug für mich! von Herzen zu singen: Die Geheimnisse der Gräber. Es ist aber nichts verborgen, In einer englischen Stadt wurde ein alter Friedhof aufgegeben, weil eine Wasserleitung hin- durch gelegt werden mußte. Bei der Anlage der Wasserleitung stießen die Arbeiter fortwährend auf Knochen und Skelette, sodaß ein solcher Fund nichts Außergewöhnliches mehr war. Ein älterer, beschäftigungsloser Mann, der mit allen Verhältnissen in der Stadt seit Jahren vertraut war, ging öfter hinaus, um dort den Arbeiten zuzuschauen. Er hatte viele von den dort begrabenen Menschen persönlich gekannt und wußte manches von den Familienverhältnissen der Ver⸗ storbenen. Eines Tages kam er nach Feierabend hinaus auf den Kirchhof und sah, daß man das Grab einer Frau geöffnet hatte, die vor vielen Jahren plötzlich gestorben war und deren reichen Besitz ein entfernter Verwandter geerbt hatte, der sich seitdem nie wieder in der Stadt hatte sehen lassen. Sinnend trat der Mann näher. Da sah er mit Befremden, daß die Arbeiter den weißen Schädel auf dem Erdhaufen hatten liegen lassen, wie er ausgegraben worden war. Das Zeichen zum Feierabend hatte wohl die Leute gerade ab⸗ gerufen.— Der Besucher trat näher. Plötzlich sah er, daß der Schädel sich bewegte. Während er starr darauf hinblickte, huschte eine Maus aus der leeren Augenhöhle und der knöcherne Kopf lag wieder still. Den alten Mann überfiel ein Zittern. Einem hinzutretenden Freunde erzählte er sogleich das nicht offenbar werde, noch heimlich, das man nicht wissen werde. Luk. 12, 2. von dem Schädel, der sich bewegt hatte, und von seinem Schrecken. Der andere trat lachend hinzu und hob den Schädel mit einem Scherzworte auf. Er sah ihn genauer an, und plötzlich zog er aus der Fuge der Schädelnaht mitten auf dem Schädel⸗ dach eine lange, eigenartig geformte Nadel, das untere Ende einer Schlipstadel. Diese Nadel konnte nicht in der Erde oder nach der Ausgrabung dorthin gekommen sein, und sie war es auch nicht. Die Behörden wurden benachrichtigt, die Unter⸗ suchung setzte ein, und ihr Ergebnis war, daß der Erbe als ehemaliger Besitzer der Nadel, und als Mörder der alten Dame festgestellt wurde. Er starb am Galgen. Ein Mäuschen hatte ihn ver— raten. Jahre lagen dazwischen, seit er sein Opfer betäubt und dann auf eine Weise getötet hatte, von der er glaubte, daß es niemals jemand werde entdecken können. Aber er hatte nicht mit Dem gerechnet, der zu Kain sprach:„Was hast du getan? Das Blut deines Bruders schreit zu Mir vom Erdboden“(1. Mose 3, 10), mit Dem,„der dem vergossenen Blute nachforscht“(Ps. 9, 12). Gott sieht alles, Gott hört alles, Gott vermag zu enthüllen und zu offenbaren.„Der das Ohr ge⸗ pflanzt hat, sollte Er nicht hören? Der das Auge gebildet, sollte Er nicht sehen?“(Psalm 94, 9). Kein Geheimnis ist vor Ihm verborgen.„Auch Finsternis würde vor Dir nicht verfinstern, und die Nacht würde leuchten wie der Tag, die Finsternis wäre wie das Licht“(Pf. 139, 12). Auch deine Geheimnisse mein Freund, sind offenbar vor Ihm, alle, und in ihrem ganzen Umfange. Es gibt viele Dinge auf der Erde, welche nicht aufgeklärt werden, weil die Menschen die Geheimnisse Ihrer Schuld mit in das Grab nehmen. Jedoch Gott läßt es zuweilen, wie in diesem Falle, geschehen, daß aus den Gräbern Geheimnisse ver— borgener Schuld hervorkommen. Auf diese Weise erinnert Er alle Menschen daran, daß alles eines Tages an das Licht gebracht werden wird, sowohl das, was verborgen ist in den Gräbern, als das, was verborgen ist in den Herzen und Gewissen. Gibt es nicht in deinem Leben Dinge, welche du keinesfalls den Blicken anderer Menschen preis geben möchtest? Denke einmal nach und prüfe deinen Lebensweg! Derselbe liegt vor den Augen Gottes klar enthüllt im hellen Lichte der Ewigkeit. Gott sieht die Menschen, und Er urteilt:„Da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer!“— Aber wie ernst:„Der Lohn der Sünde ist der Tod!“ (Röm. 6, 23.) Der Tod— nicht nur der irdische Tod, der ist nur der Gerichtsbote Gottes, sondern der ewige, der zweite Tod. Deine Geheimnisse werden einst alle offenbar werden. Alles, was du jetzt zuzudecken bemüht bist, wird vor dir und anderen unerbittlich aufstehen, wenn du gerichtet werden wirst aus den Bücher, in denen jedes unnütze Wort, das du gesprochen hast, verzeichnet ist. Es ist aber nichts verdeckt, was nicht aufgedeckt und verborgen, was nicht kund werden wird.“ Illes muß offen- bar werden vor Dem, der Augen hat wie Feuer— flammen. Hast du Geheimnisse solcher Art? Ja, du hast sie! Deshalb höre: Mache deine Ge⸗ heimnisse selbst offenbar! Sage du sie Gott! Schütte Ihm dein Herz aus und breite Ihm deine Sünde aus! Tust du das in Aufrichtigkeit, so wirst du bald merken, daß dein ganzes Leben in der Gottesferne war, wohl vor den Meuschen be— deckt mit einem guten Schein— aber die Wahrheit, die Wirklichkeit deines Lebens war ein verborgenes Geheimnis. Mache es jetzt in Demut vor Gott offenbar, indem du Gnade und Vergebung suchst. O, verstehe doch, zu welcher Gnade du ge— rufen bist, wenn du mil deiner Schuld im Glaubens- vertrauen zu Jesu kommst. Dann erblickst du das schon vollzogene Gericht über alle deine Sünden. Denn deswegen war Jesus auf dem Kreuz, deswegen trug Er leidend und sterbend den Fluch deiner Sünde, damit du das Wunder der Gnade erleben solltest: Das Gericht über alle meine Sünden ist vollstreckt. Dann streckt der Herr dir die Gnadenhände entgegen und sagt dir durch Sein Wort:„Deine Bünden sind vergeben! Dein Glaube hat dich errettet! Gehe hin in Frieden!“(Luk. 7, 48 u. 50). General von Viebahn. ausgebreitet werden; was du jetzt flüsterst, wird von den Dächern gerufen werden. Alles, alles, was du verborgen hast, wird vor dir klar und Eine sehsne Gabe. Gesegnet sind die, welche die Gabe besitzen, sich Freunde zu machen; denn dies ist eine von Gottes besten Gaben. Sie schließt vieles ein, aber vor allem die Kraft, aus sich selbst mitzuteilen und zu schätzen, was in anderen edel und liebenswert ist. Ein Leben ohne das Glück. Zwei noch nicht zwanzig Jahre alte Mädchen gingen von zu Hause fort, um sich zu„amüsieren“. Ungefähr zwei Jahre hielten sie sich in London auf, und alles schien gut zu gehen. An die Mutter daheim, oder an Gott und die Ewigkeit aber dachten sie nicht. Plötzlich erkrankte die eine der beiden Mädchen sehr schwer. Als sie in ihrem Bett, das ihr Sterbebett werden sollte, lag, drangen von unten auf der Straße die Worte eines Liedes zu ihr hinauf:„Wahres Glück und ew'ge Freude fand ich bei dem Heiland mein“. Zweimal wurde dies wiederholt.„Alice, horch doch! sagte die Kranke zu ihrer Freundin gewandt. Wieder wurden die Worte gesungen. Mit dem letzten ihr zur Verfügung stehen⸗ den Atem sagte sie:„O, dann gibts also wahres Glück, und ich habe es nie gefunden!“ Einen Augenblick darauf war sie entschlafen. * Was singen sie nur?“ Der Fels der Cuigke ten im Wechsel der Zeiten. un sind die Neujahrsglocken wieder verklungen; das alte Jahr ist dahingerollt ins Meer der Ewigkeit; 1912 ruht im Schoße der Vergangen⸗ heit. Wohl keine andere Stunde predigt in der Flucht der Zeiten so deutlich von der Vergänglichkeit alles Irdischen wie die Mitternachtsstunde eines scheidenden Jahres. Wie verschieden wird doch das neue Jahr bewillkommt! Der eine feiert's beim dampfenden Punschglas in ausgelassener Ge— sellschaft, der andere beugt still in der Gemeinschaft Gleichgefinnter seine Kniee vor dem, der da ist, der da war und der da sein wird. Einer gießt kochendes Blei in kaltes Wasser, um den Schleier der Zukunft zu lüften, der andere schlägt seine Bibel auf und betet:„Weise mir Herr, Deinen Weg, daß ich wandle in Deiner Wahrheit.“ Gottlob, daß es überall solche gibt, die das Licht der Welt, das Salz der Erde sind, und die sich im neuen Jahre mit neuer Kraft für ihre Aufgaben füllen lassen und sich mit fester Hand klammern an den Fels der Ewigkeiten, der, seiner Majestät und Macht entsprechend, schon seit Jahrtausenden inmitten der Völkerwelt unwandelbar dasteht. 5 Kennst du, teure Leserin, auch diesen Fels? Ist er dir zum sicheren Bergungsort und bleibenden Ruheport geworden? Er ist es, der nicht wankt und weicht selbst in den wildesten Stürmen dieses Lebens. Im kindlichen Sichverlassen auf diesen Fels der Ewigkeiten liegt ein gewaltiger Trost und der Schlüssel zu allem wahren Glück. Er öffnet uns den Zugang zu Seiner Gnade, die belebt, zu Seiner Macht, die uns schützt, zu Seiner Weisheit, die uns leitet, zu Seiner Treue, die uns erhält, zu Seiner Allgenugsamkeit, die allen Mangel deckt. Wer sich auf diesen Fels verläßt, der ist niemals verlassen und kann selbst im Blick auf kommende ernste, bewegte Zeiten ganz vertrauensvoll sprechen: „Ich ruhe in Jesu, dem Felsen, geborgen, Bis alles Wetter vorübergeht; Der Heiland wird all' das Meine besorgen; Er weiß am besten, wie es steht!“ Schwester Anna. 2 Uersammlungs-Anzeigen (Versammlungen innerhalb der Landeskirche) Stadtmission Gießen, Cöberstraße 14. Jeden Sonntag 1½ Uhr: Sonntagsschule; 4 Uhr: Jungfrauenverein; 8¼ Uhr: Versammlung. 4½ Uhr: Christlicher Verein junger Männer. Sonntag, den 26. Januar, nachmittags Nordeck, abends Wißmar, 28. Altenbuseck, 30. Kleinlinden. n Alsfeld. Sonntag, 26. Jan. Maar und Lauterbach und Storndorf. 28. Kirtorf, 29. Altenburg, 30. Leusel. Bezirk Lich. Lich, Butzbacherstr. 17. Jeden Sonntag 12¼ Uhr: Sonntagsschule. 4 Uhr: Jungfrauenstunde, 8½ Uhr: allgemeine Versammlung. Sonntag, den 26. Jan. Villingen und Langsdorf, 28. Ober⸗ Bessingen, 29. Ettingshausen, 30. Burkhardsfelden. Bezirk Schotten. 26. Januar um 12 Uhr: Sonntagsschule in Schotten, abends 10 Uhr: Versammlungz nachm. 3 Uhr: Betzenrod. 28. Nidda, 29. Bibelstunde in Schotten, 30. Selters, 31. Ranstadt. gezirli Nieder-Weisel. Vom 21 bis 31. Jan. in Fauerbach: Evangelisgtion von Prediger Müller; jeden Nachmitt. 3 Uhr: Bibelstunde und jeden Abend ½8 Uhr: Vortrag, 26. nachm. 3 Uhr: Gemeinschaftsfest in Fauerbach. 28. Kirchgöns, 30. Nieder-Weisel, Männerchor, 31. Butzbach. 2. Februar nachm. 3 Uhr: Fauerbach, abends 8 Uhr: Nieder⸗Weisel, Kirchgöns. Gezirk Friedberg. Vorstadt zum Garten Nr. 8: Jeden Sonntag und. Donnerstag Abends 8½ Uhr Versammlung, 26. Jan. nachm. 3 Uhr: Dorheim, 28. Assenheim, 29. Schwal⸗ heim, 30. Vilbel, 31. Nauheim, I. Februar Leidhecken. Sezirk Sellnrod. Sellnrod: Jeden Sonntag, 12 Uhr: Sonntagsschule, abends! 8 Uhr: Versammlung.“ 26. Jan. 3 Uhr: Groß⸗Eichen, Köddingen, Ober⸗Seibertenrod, Wohnfeld, abends 8 Uhr: Klein⸗Eichen. a 28. Helpershain, 29. Unter⸗Seibertenrod, 30. Sellnrod, Männerchor; 31. Klein⸗Eichen. Sonntag, 2. Februar 2½ Uhr: Helpershain, Unter⸗Seibertenrod. f Vom 2. bis 8. Febr. jeden Abend in Wohnfeld Evangelisation. „ Ruppertenrod, Redakteur: Stadtmisstonar Herrmann⸗Gießen. Mitarbeiter: Pfarrer Sperber⸗Cassel, Pfarrer Mockert-Frankfurt a. M. und die Prediger der Pilgermisston. Verlag der Buchhandlung der Pilgermisston. Druck von Otto Meyer in Gießen, Ludwigstr. 30. 1