N 0 im, tebt mer Oberhessisches Intelligenz- und Kreis-Blatt M47. Freitag, den 23. November. 1838. Die für das dahier in jeder Woche ein Mal, am Freitag, erscheinende Oberhessische Intelligenz, und Kreisblatt be⸗ stimmten Avertissements muͤssen längstens in jeder Woche bis zum Donnerstag, Vormittags 9 Uhr, eingesendet werden; später eintreffende Inserenden bleiben bis zur naͤchsten Nummer liegen. Die Inserzionsgebühr in gewöhnlicher Schrift beträgt pr. Zeile 2 kr. Rreigräthliche BVekanntmachungen. Zu Nr. K. C. 9505. Gießen am 20. November 1838. Betreffend: Die Anzeige des Wirths Johannes Ganß auf der ae wegen eines der Wuth verdächtigen Hundes. Der Großherzoglich Hessische Kreisrath des Kreises Gießen an saͤmmtliche Großh. Buͤrgermeister des Kreises Gießen(mit Ausnahme des Groß h. Bur germeisters der Stadt Gießen! Die nachstehende Verfuͤgung haben Sie alsbald in Ihren Gemeinden zu veroͤffentlichen und deren Befolgung strenge zu uͤberwachen. K. Ch. Knorr. Die eig nen t m a ch u n 9 Der in der polizeilichen Bekanntmachung vom 13. laufenden Monats, als der Was⸗ serscheu verdaͤchtig bezeichnete Hund, ist laut des vorliegenden physicatsaͤrztlichen Berichtes un— term 15. dieses, dahier erepirt, und es hat die vorgenommene Section ergeben, daß derselbe nicht nur allein mit der Tollwuth wirklich behaftet gewesen, sondern auch, daß er, aller Wahrscheinlichkeit nach, durch den Biß eines anderen tollen Hundes angesteckt worden, und da hiernach immer noch die moͤglichste Vorsicht in Beaufsichtigung und Beobachtung der Hunde überhaupt geboten ist, so finde ich mich veranlaßt, nach Anhoͤrung der Großh. Kreis-Sani⸗ taͤtsbeamten, in der vorliegenden Beziehung weiter zu verfuͤgen: 1. Die durch die oben angezogene Bekanntmachung unter Strafandrohung angeordnete Einsperrung der Hunde hat zwar nur noch bis zum naͤchsten Montag den 26. dieses Monats einschließlich anzudauern, die Besitzer von Hunden sind indessen fortwaͤhrend bei Strafe gehalten, diese sorgfaͤltig zu beobachten und allenfalls sich ergebende Krank⸗ heitsspuren alsbald der Ortspolizeibehoͤrde anzuzeigen. 2. Jeder Hund ist sofort mit einem Halsband zu versehen, auf dessen äußerer Flaͤche der abgekurzte Vor⸗ und der voͤllig ausgeschriebene Zuname seines Besitzers in deut⸗ licher, leserlicher Schrift, auf haltbare Weise angebracht werden muß. 0 Hunde, die mit dem vorgeschriebenen Halsbande nicht versehen sind', werden ein⸗ gefangen und getoͤdtet, oder auch deren Besitzer, nach Umstaͤnden, namentlich wenn das Halsband der oben bezeichneten Erforderniße ganz oder theilweise ermangelt, jedes⸗ mal mit 1 fl. 30 kr. Strafe belegt. Zu Nr. K. G. 6804. Grünberg am 15. November 1838. Betreffend: Den Taglöhner Franz Raab aus Buchenberg, kurhes⸗ sischen Justizamts Neuhof. Der Großherzoglich Hessische Kreisrath des Kreises Gruͤn berg an die Großh. Bürgermeister dieses Kreises. In Folge eingelaufenen Steckbriefes, beauftrage ich Sie, auf den wegen Wilddieb⸗ stahls ꝛc. verfolgt werdenden Rubricaten ein genaues Augenmerk richten und ihn im Betre⸗ tungsfalle arretiren und hierher einliefern zu lassen. r S ii n e des Rubricaten. Alter: 41 Jahre, Mund: groß, Größe: 57 3½, kurhess. Maas, Zaͤhne: mangelhaft, Haare: schwarzbraun, Kinn: spitz, Stirne: hoch, Bart: braun, Augen: braun, Gesichtsfarbe: gesund, Augenbraunen: braun, Gesicht: oval, Nase: mittelmaͤßig, Bes. Kennzeichen: spricht den Fuldaer Dialekt. — 103) Mittwoch den 28. November d. J., Bekanntmachungen. Mittags 12 Uhr, soll die Zehntgrundrente der 0 5 104) Die Lieferung von 228 Malter Grund⸗ iges e Korn renten⸗Hafer, soll Dienstag den 27. d. M., Vor⸗ 6 Gerste 1 mittags 9 Uhr, auf hiesigem Nathhause an den 20 0 f Hafer, Wenigstfordernden in Accord gegeben werden. auf dem hiesigen Rathhause gegen gleich baare Gießen den 21. November 1838. 8 1 5 4 ö zu man Steigliebhaber einladet. Der Großh. Bürgermeister Königsberg den 20. November 1838. M. Schneider. Der Bürgermeister Krauskopf. Zahlung dem Meistgebote ausgesetzt werden, wo⸗ Jagdverpachtung i m 5 Forste Burggemuͤnden. 11 102) Die mit dem 15. Februar 1839 leihefällig werdenden hohen und niederen Allein- und Kop⸗ peljagden in den Feld- und Waldgemarkungen von Niederohmen, Wettsaaßen, Kirsch⸗ garten und Merlau, Ilsdorf, Flenßun⸗ gen, Lehnheim, Stangenrod, Atzenhain, * Groß⸗ und Kleinlumda und Bernsfeld, Reviers Niederohmen, sollen Freitags den IX. December d. J., Vormittags 10 Uhr, im Gast⸗ Haus zum wilden Mann zu g Grünberg, auf anderweitige zwölf Jahre, unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Be⸗ dingungen, verpachtet werden. Es können nur bekannte, rechtliche Leute als Jagdpächter zugelassen werden, von denen eine vorschriftsmäßige Benutzung der Jagd zu ö erwarten steht; keine solche, die sich bereirs Jagd⸗ vergehen schuldig gemacht, keine Fisch⸗, Krebs⸗ oder Waldfrevler, keine Leute ohne Vermögen ö oder solche, die durch die Jagd ihr Gewerbe ver⸗ 0 nachlässigen, und in ihrem Nahrungsstande zu⸗ 5 rück kommen würden. 1 Diejenigen Personen, deren Qualification hiernach nicht notorisch vorliegt, haben sich hierüber binnen I Tagen bei dem unter⸗ 9 zeichneten Großherzoglichen Forstinspector genü⸗ gend auszuweisen. Nachgebote werden nicht angenommen; jedoch bleibt die Genehmigung Großherzoglicher Ober⸗ Forstdirection ausdrücklich vorbehalten. Burggemünden den 30. October 1838. Der Forstmeister Win heim. 101) Grundrenten-Versteigerungen z u Kirchgöns, Pohlgöns und Großenbuseck. Die Freiherrlich von Milchling'schen Grund⸗ Nenten sollen 1. zu Kirchgöns, in 28 Malter Korn und 28 Malter Gerste bestehend, Dienstag den 27. November, Vormittags um 11. Uhr, im Gasthaus zum Stern zu Kirchgöns; sodann 2. zu Pohlgöns, in circa 24 Malter Korn und 24 Malter Gerste bestehend, an demselben Tage, Nachmittags um 2 Uhr, in der Wohnung des Herrn Fetten zu Pohl⸗ göns; und 3. z u Großenbuseck, in 20 Malter Wai⸗ zen, 26 Malter Korn, 44 ½¼ Malter Gerste und 20 Malter Hafer bestehend, Freitag den 30 November, Vormittags um 11 Uhr, in der Wohnung des Hrn. Gastwirths Schad zu Großenbuseck, unter den vor den Versteigerungen bekannt zu machenden Bedingungen, meistbietend versteigert werden. Treis a. d. Lumda den 19. Novbr. 1838. W. Fischer. 104) Eine gesunde Säugamme wird unter vortheilhaften Bedingungen gesucht. Das Nähere bei der Expedition dieses Blattes. ———) Miscellen. 1 Beste Behandlung der Spalier, be⸗ sonders der Pfirschenbaͤume. Herr Sieleu, Gärtner des Schlosses zu Praslin, beobachtet bei seinen Spalierbäumen folgendes Verfahren: Er zieht die Bäume aus zwei Hauptästen; anstatt aber, daß sonst ihre Zweige unter einem Winkel von 45 Grad geneigt werden, neigt er sie unter einem Winkel von 60 bis 75 Grad ge⸗ gen den Horizont. Wenn die Bäume gepflanzt sind, bleiben sie unverandert; gegen das Früh⸗ Jahr hingegen, bevor sich die Blüten entwickeln, nimmt er mit einem sehr scharfen Messer alle Knospen hinweg, bis auf vier Stück, die nach der Länge eines jeden Zweiges liegen, und zwar die ersten unten, etwa um den vierten Theil der — Entfernung von der Entstehung des Zweiges, die zweite aber gegen die Mitte zu, die dritte % von der Länge des Zweiges; die vierte endlich ist die aͤußerste, die dazu bestimmt ist, den Zweig zu verlängern. Von den ersteren Knospen ist jede einzelne dazu bestimmt, einen Seitenzweig zu bilden, so daß der ganze Baum sechs Zweige erhält. Von nun an, und den ganzen Sommer über, geschieht damit weiter nichts, als daß die Bäume angebunden werden. Im Monat Novem⸗ ber werden J der sechs Zweige abgeschnitten; die zwei ältesten bleiben aber ganz. Im folgen⸗ den Frühjahre werden sie wie die beiden ersten behandelt, nämlich man läßt ihnen nur vier Zweige, die eben so disponirt sind. Von den Seitenzweigen läßt man ihnen nur drei, wovon derjenige, der der äußerste ist, die Richtung fort⸗ setzt. Durch dieses Mittel ergibt sich eine Quelle von 26 neuen Zweigen, wovon zwei fortlaufen, um die Mutterzweige zu verlängern, und diese werden den Sommer über angebunden, und nach derselben Art der überflüssigen Knospen beraubt. Jedes Jahr vermehrt sich die Anzahl der Knos⸗ pen und folglich auch die der neuen Zweige ums Dreifache, und es bleiben außerdem noch zwei zu Mutterzweigen übrig, vergestalt daß sich im dritten Jahre 14, und im vierten Jahre 242 Zweige finden. Bei den gut tragenden Pfirschen findet sich in dem Winkel eines jeden Blattes im Moment seiner Entwickelung sogleich eine ein⸗ zige Knospe, oder ein Auge; gegen die Mitte des Sommers hingegen finden sich drei. Von den beiden Seitenknospen bildet jede die Kapsel für eine Blume, die mittlere ist eine Blattknospe und zur Vildung eines neuen Zweiges bestimmt. Hieraus geht also hervor, daß die Zahl der Blumen in jedem Jahre doppelt so groß ist, als die der Knospen oder gelassenen Augen, und so auch die doppelte Zahl der Früchte hoffen läßt. Im ersten Jahre könnte also ein Baum sechzehn Früchte tragen, wenn er nicht zu jung ist, Blü⸗ ten hervorzubringen, im zweiten Jahre wird er 58 Früchte bringen, im dritten 160 und im vier⸗ ten 183. Dieß ist das Maximum, das also durch Zufälle verringert werden kann. Die durch Hrn Sieleu waͤhrend 8 Jahren auf diese Art be— handelten Bäume bezeugen durch ihre Schoͤnheit das Gute seiner Verfahrungsart. Anekdote. Ein Knabe im sächsischen Erzgebirge wurde von seinen Eltern nach einem drei Stunden ent— fernten böhmischen Orte mit einem Schiebkarren geschickt, um Brod, welches dort wohlfeiler war, zu holen. Beim Rückwege kam er durch ein Grenzstädt⸗ chen, wo für das Brod Accise bezahlt werden mußte. Er entrichtete die Abgabe, und erhielt dagegen den gewöhnlichen Accisezettel. Eine Stunde von seinem Wohnorte begeg— nete ihm der Visitator desselben, und da er von ihm erfuhr, wo er mit dem Brode herkäme, so fragte er ihn: ob er es auf der Grenze auch ge⸗ hörig veraccist habe? Der Knabe antwortete schüchtern: Ja. Der Visitator verlangte den Accisezettel zu sehen, der Knabe suchte darnach, und sagte endlich sehr ver⸗ legen: er könne ihn nicht finden, und müsse ihn verloren haben. Das ist ein leerer Vorwand! rief der Visi⸗ tator aus, das Brod ist Contreband, und ich nehme es in Beschlag. Alles Flehen und Weinen des Knaben war fruchtlos; der Visitator nahm den Schiebkarren mit dem Brode in Beschlag, und fuhr damit sei— nem Wohnorte zu.— Der Knabe schlich weh—⸗ klagend nach, bis der Visitator das Thor erreicht hatte. Hier lief der erstere auf letzteren zu und rief: Herr Visitator, ich habe den Zettel glückli⸗ cherweise wiedergefunden. Hier ist er! indem er ihn dem Visitator hinhielt; ich bitte mir meinen Karren und mein Brod wieder aus.— Jetzt erst merkte der Visilator, daß der verschlagene Knabe den Accisezettel aus List verläugnet hatte, damit er die Mühe erspare, den schweren Karren eine Stunde lang zu schieben. ——