Oberhessisches Intelligenz- und Kreis-Blatt M42. Freitag, den 19. October. 1838. Die für das dabier in jeder Woche ein Mal, am Freitag, erscheinende Oberhessische Intelligenz und Kreisblatt be⸗ stimmten Avertissements müssen längstens in jeder Woche bis zum Donnerstag, Vormittags 9 Uhr, eingesendet werden; später eintreffende J serenden bleiben bis zur nächsten Nummer liegen. Die Inserzionsgebühr in gewöhnlicher Schrift beträgt pr. Zeile 2 kr. Kreigräthliche Bekanntmachungen. Zu Nr. K. G. 8643. 5 Gießen am 16. October 1838. Betreffend: Den Ausbruch der Maul⸗ und Klauenseuche unter dem e in Hausen und anderen Orten des Kreises ießen. Der Großherzoglich Heffische Kreisrath des Kreises Gießen an die Großh. Buͤrgermeister dieses Kreises.. Da sich mehrere Falle ereignet haben, daß, nach dem Genusse der Milch von Thie⸗ ren, welche an der Klauen⸗ und Maulseuche leiden, so wie der von solcher Milch bereiteten Butter und des eben daher gewonnenen Kaͤses, Menschen und Thiere erkrankt, und nament⸗ lich Schweine nach dem Genusse der gedachten Milch gestorben sind; so wird der Verbrauch und besonders Verkauf der Milch, der Butter und des Kaͤses der gedachten Art zur mensch⸗ lichen Nahrung und zur Thierfuͤtterung hierdurch bei Strafe von 2 bis 5 fl. verboten. Die Großherzoglichen Buͤrgermeister werden hiervon die einschlagenden Gemeinden in Kenntniß setzen. K. C h. Knorr. Zu Nr. K. G. 6187. Betreffend: Verordnung zu Verhütung des Schlachtens und des Genusses von ungesundem Vieh. Der Großherzoglich Hessische Kreisrath des Kreises Grünberg an die Großherzoglichen Buͤrgermeister des Kreises Grünberg und den Localpolizeibeamten zu Freienseen. Gruͤnberg am 15. October 1838. Unter Bezugnahme auf die von Ihnen alsbald zu publicirende Verordnung vom 2. l. M. in 3 33. des Regierungsblatts weise ich Sie an, alsbald zu berichten, ob in Ihren Gemeinden Metzger oder Viehschlachter sind? und in diesem Falle sich zu aͤußern, ob ein oder zwei Viehbeschauer anzustellen seyen? hiernach auch geeignete, befaͤhigte Maͤnner hierzu, und gleichzeitig Stellvertreter derselben in Vorschlag zu bringen. N ——— e..——— ͤ—P— worden sind und mit 3 Bekanntmachungen. Procent verzinßt worden 64,675 fl. 31 kr. 90) Die von dem Nechner der Spar- und h. an noch nicht erhobenen Leihkasse der Kreise Gießen und Grünberg für Zinsen. a 25 fl. 33 kr. das Jahr 1837 gestellte Rechnung wurde in der am 27. August abgehaltenen Hauptversammlung abgehört und abgeschlossen, auch wurde zugleich durch einen ausführlichen Auszug der Rechnung nachgewiesen, daß die Anstalt bis zu Ende des Jahrs 1837 zu verwalten hatte: A. Activ⸗Vermoͤgen. an Cassevorrath e. 2158 fl. 50 kr. Summe 61,701 fl. 04 kr. Die Anstalt hat demnach ei⸗ nen, zur Sicherung mögli⸗ cher Verluste und dem naͤchst zu wohlthätigen Zwecken be⸗ stimmten Reservefond von 1,340 fl. 17 kr. Auch in dem Jahr 1837 wurden die Zin⸗ A.* b. an Capitalien, welche 1150 Debitoren in Summen von Einhundert Gulden und weniger verschulden und mit 5 Procent verzinsen 59,278 fl. 06 kr. c. an ausstehenden und noch nicht fälligen Stückzinsen 1,604 fl. 25 kr. Summe 63,044 fl. 21 kr. B. Passiv⸗Vermoͤgen. a. An Einlagen, welche von 709 ECreditoren gemacht sen und die auf fünf Proeent festgesetzten Til— gungs⸗Antheile von den ausgeliehenen Capitalien, pünktlich bezahlt und die Einlagen, welche nur in Summen bis zu Zweihundert Gulden ange⸗ nommen werden, haben sich um 15,000 Gulden vermehrt. Gießen den 15. October 1838. Hoffmann. 89) Die Lieferung der auf den Etappen Gießen, Grünberg und Friedberg für die im Jahre 1839 durchpassirenden Königlich Preußi⸗ schen Truppen nöthig werdende Fourrage, soll Mittwoch den 14. November l. J. Vor⸗ mittags 11 Uhr, auf dahiesigem kreisräthlichen Büreau an den Wenigstnehmenden versteigert werden. Indem dieses zur öffentlichen Kenntniß ge⸗ bracht wird, bemerkt man zugleich, daß die des⸗ fallsigen Bedingungen schon vorher eingesehen werden konnen. Gießen den 18. October 1838. Der Großh. Etappen⸗Commissair Jule heiner. ———s——Ʒα Miscellen. nr aus einigen Briefen des Doktors und Apothekers Liegel an den Redakteur des Obst— baumfreundes. (Fortsetzung.) Unter den alten Aprikosen ist unstreitig die Frucht der Aprikose von Nancy, die man auch Pfirschen⸗Aprikose nennt, die beste. Sie hat ein schmelzendes Fleisch, gleich den Pfirschen und einen lieblich aromatischen Geschmack. Der Baum hat eine kräftige Vegetation. Bei allem dem möchte ich doch die Auvergne auf den ersten Platz setzen, diese neue Frucht übertrifft noch die vorgehende Aprikose an feinem Geschmack, sie hat eine sonderbare Form, ist oben und unten stark gedrückt, und daher fast platt, ohne Nöthe, das Fleisch ist schmelzend, fein muskatellerartig, ungemein angenehm und erhaben. Für Hoch⸗ Stämme jedoch würde ich beide nicht setzen, dazu taugt nur ein Baum, welcher aus einem Stein erzogen ist. Ich würde dazu aus meinem Kata⸗ log die Braunauer große Frühaprikose nehmen. Sie kommt zwar der Auvergne im hohen Ge— schmack nicht gleich; allein der Baum ist für un⸗ ser Klima sehr tauglich. Ich erzog diese Frucht aus dem Stein der großen Frühaprikose, und sie nahm eine auffallende lange und spitzige Form an. Von den Pfirschen wähle ich die Fürst Karl Schwarzenberg; ich habe davon ei— nen Baum seit fünfzehn Jahren als Hochstamm frei im Garten. Die vielen kalten Winter, selbst jener von 1828, wo das Thermometer 24 Grd. R. zeigte, haben ihn wenig beschädigt; nur die Sommerzweige waren erfroren, die Aeste selbst litten wenig. Dieser für unser Klima dauerhafte Baum trägt eine große, herrliche, schöne Frucht vom besten und feinsten Wohlgeschmack, von sol— cher Saftfülle, daß man sie zu trinken glaubt. Es übertreffen wohl einige französische Sorten unsere Frucht, ihre Bäume erfrieren aber leicht und taugen bei uns nichts. Als Zwerg und Hochstamm ist diese süß-weinsäuerliche Frucht gleich gut zu gebrauchen. In Zwergen wird sie oft auffallend groß und ist eine lachend schöne, halbrothe Frucht. Von den Pflaumen könnte ich geradezu die gemeine Zwetsche als die beste und vortheilhaf— teste Frucht angeben; da aber diese Früchte zu häufig vorkommen und zu allgemein sind, so könnte mein Freund nicht ganz zufrieden sein. Die große grüne Reineklaude trägt in unserer Gegend zu selten voll, als daß ich sie ganz allein em— pfehlen möchte, da es noch andere gute Pflaumen giebt, die zugleich reichlich tragen. Meine Wahl trifft die königliche Pflaume von Tours, eine lachend schöne, überraschend große, rothblaue und die erste gute Frucht des Jahres, welches ihr einen vorzüglichen Werth giebt. Das süß⸗ —— weinigte, recht angenehm schmeckende Fleisch löst sich rein vom Stein; die Vegetation des Baums ist ziemlich kraͤftig, die Tragbarkeit, wenn auch nicht immer strotzend, ist doch fast jährlich ziem— lich reichlich. Wie alle Pflaumen, verlangt auch diese guten Boden und gedeckte Lage, ist zu Hoch— Stämmen und Zwergen gleich dienlich. Es giebt wohl noch recht gute spätere Pflaumen, allein sie verlieren von ihrem Werthe durch die zu häufige Konkurrenz dieser Früchte. Am Schwersten kommt es mir bei den Trau⸗ ben an, eine alleinige Auswahl zu treffen. Viele Reben leiden leicht durch die Kälte, und mehrere sind nicht reichlich tragbar, diese taugen alle nicht, wenn sie auch noch so vorzüglich wären. Eben⸗ falls müssen die ausgeschlossen werden, welche in unserm Klima nicht alle Jahre vollkommen reif werden. Ich wähle daher aus meinem Ka— taloge den grünen Silvaner, diese Nebe hat mächtige, starke Triebe, die jeder Winterkälte trotzen, die Blätter sind groß, dick, steif und dunkelgrün. Die Trauben sind ziemlich groß und stehen sehr gedrängt; ihre Beeren sind mäßig groß, etwas gelblichgrün von süßweinsauerlichem Geschmacke. Die Tragbarkeit ist so groß, daß die Rebe oft mehr Trauben, als Blätter hat, auch setzt er selten ein Jahr aus. Da der Wallnußbaum sich sehr ausbreitet und um sich her Alles verdrängt, so gehört er nicht in Gärten, worin gutes Obst erzogen wird, höchstens noch kann man ihn am Nande derselben, gegen Nord-Ost anbringen, daß er die rauhen Winde abhalte und dem Garten eine gedeckte Sein Platz ist auf offentlichen Or⸗ ten, Viehtriften, an Waldrändern und in Alleen. (Schluß folgt.) Lage giebt. Anekdote. Ein französischer Soldat, der sich einige Zeit im vorletzten Kriege in Magdeburg aufgehalten hatte, kam nach Glogau in Garnison. Dort fand er einen sächsischen Soldaten, den er öfters auf der Violine spielen horte. Das Instrument gesiel ihm so wohl, daß er den Sachsen bat, ihm darin Unterricht zu geben. Beide wurden einig, und der Schüler besuchte seine Stunden sehr regelmäs— sig. Wenn ihm etwas schwer einging, so sagte er gewöhnlich zu seinem Lehrmeister:„O, das viel schwer, du Schafkopf.“— Die haufige Wieder— holung dieses Schimpfwortes verdroß endlich den Sachsen,— er legte die Violine nieder, und wollte nichts mehr mit dem groben Lehrlinge zu thun haben. Der lernbegierige Franzose war darüber sehr betrübt, und suchte die Ursache zu erforschen. Warum sie bös— gut Schafkopf? fragte er, indem er ihn bei der Hand ergriff.— Es kostete viele Mühe, ehe ihm der Gefragte begreiflich ma⸗ chen konnte, daß das Wort Schafkopf ein garsti— ges Schimpfwort sey. Er erschrack heftig darüber, und es fand sich jetzt, daß er dieses Wort in Magdeburg gehört, ein besonderes Wohlgefallen daran gefunden, und es mit mon cher ami ohn⸗ gefahr gleichbedeutend gehalten hatte. — 6— ——— ere ee eee erer eee eee, Fruchtpreise: Städte.[Gemäs] Walzen[ Korn Gerste] Hafer J Erbsen[ Linsen 8 kr. Pf. fl. kr. Pf.) fl. kr. J Pf. fl. kr. Pf. fl. kr. Pf fl. kr. Mann z das Malter—1———1—— 1——— 4214—— Fralfsrft 1*—1— 4—1——— Gießen„„ 17 7 3011651 4—1— 1—— Grünberg n 2„— B . en