Oberhessisches Intelligenz- und Kreis-Blatt M33. Freitag, den 17. August. 1838. Die für das dahier in jeder Woche ein Mal, am Freitag, erscheinende Oberhessische Intelligenz- und Kreisblatt be— stimmten Avertissements müssen längstens in jeder Woche bis zum Donnerstag, Vormittags 9 Uhr, eingesendet werden; später eintreffende Inserenden bleiben bis zur nächsten Nummer liegen. Die Inserzionsgebühr in gewöhnlicher Schrift beträgt pr. Zeile 2 kr. RKreisräthliche Vekanntmachungen. Zu Nr. K. G. 6891. Gießen am 11. August 1838. Betreffend: Die Erweiterung der in den Gemeinde Voranschlägen vorgesehenen Credite. Der Großherzoglich Hessische Kreisrath des Kreises Gießen an die Großherzoglichen Bur germeister dieses Kreises. Von verschiedenen Buͤrgermeistern sind die Vorschriften über die Erweiterung der in den Gemeinde⸗Voranschlaͤgen vorgesehenen Credite,— 45. 48 des Ministerial⸗Amtsblatts vom Jahr 1835,— in der Art mißverstanden worden, daß sie alle die Credite uͤber schrei⸗ tende, oder nicht vorgesehene Ausgaben, selbst wenn sie mehr als funf Gulden betrugen, ohne vorher eingeholte Genehmigung haben bestreiten, und erst am Schlusse des Jahrs, ein Ver⸗ zeichniß darüber, Behufs der zu erwirkenden Crediterweiterungen, haben aufstellen lassen. Durch dieses, den bestehenden Vorschriften entgegenlaufende Verfahren, sind Faͤlle eingetreten, daß die Fonds zu anderen buͤdgetmaͤßigen Ausgaben erschöpft worden sind. Ich finde mich hierdurch bewogen, unter Bezugnahme auf das vorgedachte Amtsblatt, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß nur bei Ausgaben, welche die Summe von fünf Gulden nich 8 g N ht uͤbersteigen, das eingehaltene Verfahren statthaft ist, und daß bei allen Ausgaben, die mehr als fünf Gulden betragen, die Crediter weiterung, ehe die Ausgabe gemacht wird, eingeholt werden muß. Sie wollen sich hiernach auf das punkklichste bemessen, indem Sie mich sonst in die unangenehme Nothwendigkeit setzen, Crediterweiterungen, die im Uebrigen zulaͤssig ge⸗ wesen wären, zu verweigern, oder wohl gar, in Faͤllen, wo durch ein unstatthaftes Ver⸗ 0 fahren die Fonds zu andern buͤdgetmaͤßigen Ausgaben entzogen wurden, selbst Geldstrafen ö anzusetzen. 0 Damit die Gemeinde-Einnehmer gegen Nachtheile sich schuͤtzen koͤnnen, haben Sie solchen den Inhalt dieses Schreibens bekannt zu machen. K. C. Knorr. Zu Nr. K. G. 6882. Gießen am 15. August 1838. Betreffend: Den Carl Pönisch aus Gera. Der Großherzoglich Hessische Kreisrath des Kreises Gießen an sämmtliche Gr. Buͤrgermeister des Kreises Gießen. Indem ich Ihnen das von dem Großh. Provinzial⸗Commissair zu Darmstadt an den hiesigen Provinzial-Commissair erlassene, und von diesem anher mitgetheilte Schreiben nach— stehend zur Nachricht mittheile, beauftrage ich Sie zugleich, auf das darinnen bezeichnete In⸗ dividuum ein wachsames Auge zu richten, und betretenden Falles wohlverwahrt anher ein⸗ zuliefern. K. Ch. Knorr. A bschrift m. Darmstadt am 7. August 1838. Der Herzoglich Saͤchsische Oberpolizei-Commissair zu Gotha hat mich auf einen ge⸗ wissen Carl Poͤnisch aus Gera um deßwillen aufmerksam gemacht, weil derselbe seit mehreren Jahren auf eine hoͤchst zweideutige Weise in der Welt umherreist und dabei ungewoͤhnlich großen Aufwand macht, obgleich er in Gera zweimal als Kaufmann Bangquerott gemacht hat, verheirathet und Vater von 4 Kindern ist. Dieser Poͤnisch ist, nach einer Bekanntmachung des Koͤniglich Preussischen Polizeipraͤsidiums zu Berlin vom 20. Maͤrz 1832, ein der groͤß⸗ ten Arbeitsscheu und Luͤderlichkeit ergebenes Subjeet, und den Preußischen Staaten wegen seines zweideutigen Benehmens und weil er sich uͤber den rechtlichen Erwerb seiner Subsistenz— Mittel nicht auszuweisen vermochte, verwiesen worden. Poͤnisch war vom 22. bis 24. v. M. in einem hiesigen Gasthof, wo er wacker ge⸗— zecht und sich auch mit einer lüͤderlichen Dirne befaßt hatte. Derselbe wurde auf dem Großh. Polizei-Bureau dahier, in seinem, von der Regierung zu Gera am 25. April I. J. ausge⸗ stellten Paße, angewiesen, das Visa bei dem Polizei-Amt in Frankfurt nachzuholen und oͤf⸗ ter visiren zu lassen, weil der Paß von Gotha nach Frankfurt visirt, das Visa aber in Frankfurt nicht eingeholt und der Paß uͤberhaupt seit 5— 6 Wochen nicht visirt war. Poͤ⸗ nisch, welcher am 26. v. M. in Frankfurt noch nicht eingetroffen war, soll sich seitdem im 7 1 9 — Kreise Grosgerau ꝛc. herumgetrieben, daselbst mehrere Prellereien versucht und ausgefuhrt und sich dann nach der Bergstraße gewandt haben. Ich ersuche Sie deßhalb, auf diesen Menschen ein besonderes Augenmerk zu haben. ——ö—ö4éäß———.— Bekanntmachungen. Edictalla dung. 82) Die Präsumtiv⸗Erben des schon seit vielen Jahren abwesenden und bereits 60 Jahre alten Johannes Hoffmann, Sohn von Joh. Hein⸗ rich Hoffnann von Stangenrod, haben auf Ue⸗ berlassung des Vermögens desselben gegen Cau⸗ tion, angetragen. Der abwesende Johannes Hoffmann oder dessen Leibeserben oder wer sonst auf das curatorisch verwaltete Vermögen An⸗ sprüche machen will, werden aufgefordert, sich so gewiß binnen 3 Monaten a dato dahier an⸗ zumelden, gegenfalls dem Antrag der dahiesigen Präsumtiv⸗Erben stattgegeben werden wird. Grünberg den 7. August 1838. Großh. Hess. Landgericht. Kr a f t. Ray ß 75) Bekanntmachung. Nach Maasgabe des F. 5. der Statuten der Spar- und Leihkasse wird die diesjährige Haupt⸗ Versammlung des Vereins Montag den 27. Au⸗ gust auf dem hiesigen Nathhaus Statt finden und um 10 Uhr beginnen, zuvor jedoch eine Aus⸗ schußsitzung von 8 bis 10 uhr gehalten werden. Die verehrlichen Ausschuß und Vereins⸗ Mitglieder werden ergebenst ersucht, dieser Ver⸗ sammlung um so mehr beizuwohnen, als über mehrere die Verwaltung der Sparkasse betreffende Gegenstände Berathungen gepflogen und Beschlüsse gefaßt werden sollen. ö Zugleich mache ich die Großh. Herrn Bür⸗ germeister wiederholt darauf aufmerksam, daß nur an dem für jede Woche auf den Mittwoch bestimmten Geschäftstag, Zahlungen für die Sparkasse geleistet und angenommen werden kön⸗ nen, und wünsche, daß dieses nochmals in den Gemeinden gehörig bekannt gemacht werden möchte, damit den Interessenten vergebliche Ko⸗ sten und Gänge erspart werden. Gießen den 2. August 1838. Der Director der Spar- und Leihkasse für die Kreise Gießen und Grünberg. Hofmann. 78) Muͤhlen⸗Versteigerung. Die dem hiesigen Hospital zugehörige, am Langgässer⸗Thor gelegene Mühle, bestehend in einem zweistöckigen Mühlenbau mit zwei Mahl⸗ gängen, Stallung für Rindvieh, Schweine und Esel, soll Freitag den 24. August, Vormittags 10 Uhr, auf hiesigem Nathhause zur Versteigerung an den Meistbietenden, unter den bei unterzeichneter Stelle einzusehenden Bedingungen, öffentlich aus⸗ gestellt werden. Steiglustige werden eingeladen, sich am ge— nannten Tage zur bestimmten Stunde an Ort und Stelle einzufinden. Wetzlar den 6. August 1838. Die Hospital⸗Verwaltungs⸗Commission. Wald schmidt, Bürgermeister. 79) Montag den 20. d. M., Vormittags 10 Uhr, sollen zur völligen Ausführung des hie⸗ uber Schulhauses, nachstehende Möbelarbeiten, als: 7 Stück neue Tische, 1„ Baͤnke, 1 Schrank, 1 Feuerbank, 2 Wand⸗Tafeln und 1 Katheder mit Stuhl, auf dem Bureau des Unterzeichneten öffentlich an den Wenigstbietenden, unter den bei der Ver⸗ steigerung bekannt gemacht werdenden Bedingun⸗ gen, versteigert werden. Die Arbeiten betragen: a. die Schreinerarbcit 417 fl. 52 kr. b. die Schlosserarbeit. 8 fl. 45 kr. e. die Weißbinderarbeit 3 fl. 10 kr. Risse und Voranschläge können vorher bei mir eingesehen werden. Die Großh Bürgermeister des Kreises Gie⸗ S ßen werden dienstergebenst ersucht, Vorstehendes in ihren resp. Gemeinden bekannt machen zu lassen. Fellingshausen den 13. August 1838. Der Bürgermeister Gerlach. 81) Abbruch alter Gebaͤude. Der Abbruch des Daches und hölzernen O- berbaues von dem Freiherrlich von Milchling'⸗ schen Lehngebaude dahier, soll Donnerstag den 23. August d. J., an den Wenigstnehmenden an Ort und Stelle, unter den bei der Submission bekannt gemacht werdenden Bedingungen, aus⸗ geboten werden. Darauf Neflectirende belieben sich zeitig dahier einzufinden. Treis a. d. Lumda den 12. August 1838. W. Fi ssch err 80) Literarische Anzeige. Bei unterzeichneter Buchhandlung ist so eben angekommen: Die erste Lieferung des zweiten Ab⸗ drucks von Schillers Werken in 12 Bänden, zu 5 fl. 24 kr. Der Preis jeder, aus 3 Bänden be— stehenden Lieferung ist 1 fl. 21 kr. Stahlstiche zu Sehillers sämmtlichen Werken, in 12 Bänden; Ite Lieferung, enthaltend: 1. Sillers Denkmal nach Thorwaldsen. 2. Wer Alpenjager. 8 3. Kabale und Tiebe. Diese erscheinen ebenfalls in 4 Lieferungen, jede aus 3 Blättern bestehend, zu dem Preise von 27. kr., und sind dieselben ohne Preiser⸗ öhung auch in größerem Format zu haben, so daß sie sowohl der Octav-Ausgabe, als der Ausgabe in Einem Bande beigebunden werden können. Gießen den 10. August 1838. 3. Ricke r'sche Ouchhandlung. —————— Anekdote. Zu der Zeit, als die Landkutschen noch ohne Federn existirten, und höchstens holprige Natur⸗ oder Knüttelstraßen unter ihnen, fuhr eine jener Marterkammern gegen Wien her, die ganz mit Gepäck beladen war, keine Bedachung und nur einen einzigen Sitz fur Passagiere hatte. Ein magerer Künstler saß darauf. Es war ein hei— ßer Sommertag. Das Unglück wollte, daß sich vier Stunden von dem Ziele der Reise ein dicker Pächter zu dem fahrenden Einsiedler gesellte, der ihn durch seine schwere Dickleibigkeit in eine Ecke drückte, und bei jedem Stoße wie ein Mehlsack auf ihn fiel. Der Künstler schwitzte, litt unbe⸗ Fru chtprei fe: schreiblich durch die Preßfreiheit des dicken Herrn, und wußte seiner Noth kein Ende. Da fällt ihm endlich eine List ein. Er sieht dem ehrlichen Di⸗ cken ins Gesicht, zeigt ihm die Zähne, und knurrt dabei wie ein boͤser Hund. Der Pächter erschrickt und fragt, was ihm fehle.„Mir? gar nichts,“ entgegnete der Künstler, wiederholte aber seine Hundsgrimasse, und zwar noch einmal so stark. „um Gottes willen,, spricht der Pächter,„sind Sie auch wohl?“„Ganz wohl,“ erwiederte der Künst⸗ ler,„mich hat zwar vor 3 Tagen ein Hund ge⸗ bissen,(hier fletscht er wieder die Zähne) aber ich versichere Sie, toll war er nicht!“„Halt, Postillon!“ schreit der Dicke,„halt! Ich will zu Fuß gehen!, Und mit der größten Schnelligkeit machte er, daß er aus der gefährlichen Nachbar⸗ schaft kam. Der Künstler freute sich seines, durch List errungenen Sieges. Gemäss Waizen Korn[ Gerste[ Hafer[ Erbsen Linsen pf. fl. ke. 1 fl. das Malter 2 2— 77 17— 8 451— 7 „„ 2200 N kr. Pf. fl. Fr. D/ fl.