— Oberhessisches Intelligenz- un Kreis-Hlatt. M38. Freitag den 26. Februar 1836. —— Kreisräthliche Bekanntmachungen. Zu Nr. K. 471. Gießen am 22. Febr. 1836. Betreffend: Portozahlung von Geldsendungen an und aus Kirchenkasten durch die Post. Der Großherzoglich Hessische Kreisrath des Kreises Gießen an saͤmmtliche Kirchenvorstände des Kreises Gießen. Die unterm 14. Decbr. 1809 zwischen dem vormaligen Großh. Kirchen- und Schulrath zu Gießen und der Generaldirection der Großh. Hessischen Posten, wegen portofreier Spedition aller Kirchenkasten, gelder in der Provinz Oberhessen abgeschlossenen Uebereinkunft, ist nach vorher erfolgter Aufkuͤndigung von Seite Großh. Oberconsistoriums, seit dem 1. Upril v. J., außer Wirksamkeit getreten. Ich benachrichtige Sie daher, daß seit dem alle auf der Post, versendet werdenden Kastengelder der Portozahlung unterliegen, und daher, kuͤnftig fuͤr alle Gelder versendungen auf der Post das vor⸗ schriftsmaͤßige Porto bezahlt werden muß. Die Großh. Buͤrgermeister haben dieses Ausschreiben den Herrn Geistlichen, durch Mittheilung des Kreisblatts, zur Einsicht vorzulegen. K. Ch. Knorr. Zu Nr. K. 361. i Gießen am 24. Febr. 1836 Betreffend: Einen herrnlos umherirrenden Hund. Der Großherzoglich Hessische Kreisrath des Kreises Gießen. an die Großherzoglichen Buͤrgermeister dieses Kreises. In hiesiger Stadt ist ein herrnlos umherirrender Hühnerhund aufgefangen und in Verwahrung ge⸗ nommen werden, was Sie alsbalden mit dem Anfuͤgen bekannt machen lassen wollen, daß der Eigen⸗ thuͤmer auf dem hiesigen Polizei⸗Bureau sich anzumelden und zu legitimiren habe. . K. Ch. Knorr. I———————— —— —— —.— —— ——— — ———— j———EUöäR.—2ÿ——* ——— — — ————— 4. Bekanntmachungen. 143) J. Fasbender, in Herrheim am Berg, ohnweit Türkheim (Rheinbayern), hat eine Auswahl gut gehaltener Weine von den letzt besten Jahrgaͤngen, naͤmlich von 1825 bis 1835 inclusive(Herxheimer Ge— wachs). Er macht den nahen und entfernten Weinfreunden, welche sich die Reise an das hiesige Weingebirge ersparen wollen, das An— erbieten(auf portofreie Briefe) ihre Auftraͤge loco Herxheim zu uͤbernehmen. Den gefaͤlligen Bestelluͤngen sieht man entgegen, und man wird den Forderungen immer mit aller Punktlichkeit zu entsprechen suchen. 167) Stellvertretung. Zum Milli⸗ taͤrvertretungs-Vereine fuͤr die drei Provin⸗ zen des Großherzogthums haben pro 183% bereits viele Personen ihren Bei— tritt angezeigt. Indem ich die Eltern und Vormuͤnder der 1816 Gebornen zum Bei— tritt einlade, bemerke ich, daß fuͤr die 1815 Gebornen, welche 1835 loosten, der Bei⸗ trag keine 79 fl. betragen wird. Darmstadt im Februar 1836. A. J. Linz, Commerzienrath. Miscellen. Die Bildung des Schimmels und Mittel, ihn zu verhindern. (Schluß.) Gibt es nun anderer Seits Substanzen, welche das Schimmeln ganz verhindern? Dutrochet hat diese Frage auf sehr verschiedene Weise geloͤst. Die kleinste Quantitat eines Mercurialsalzes, die man irgend einer Fluͤssigkeit zusetzt, laͤßt niemals Schim⸗ mel irgend einer Art aufkommen. So uͤberzieht sich bekanntlich die Tinte, wenn sie, ohne umgeruͤhrt zu werden, an der Luft steht, bald mit Schimmel; bringt man aber ein Paar Gran eines Quecksilbersalzes hinein, so erscheint nie auch nur eine Spur davon; die Keime werden durch das Quecksilber gleichsam vergiftet. Blei und Zinnsalze thun im Gegentheil der Keimung des Schimmels Vorschub; Kupfer und Nickel wirken wie Quecksilber, nur bedeutend schwaͤ⸗ cher. So kann man denn nun endlich Tinte haben, die sich nie mit Schimmel uͤberziehet. Das Pressen des Torfes und anderer lockerer Brennmaterialien. Das Pressen des Torfes, der klaren Braunkohle, Gerberlohe, Saͤgespaͤne und Flachsageln ist keines⸗ wegs mehr als eine neue Sache zu betrachten. Kaum war die Erfindung gemacht, so ward sie, so zu sa— gen, in allen oͤffentlichen Blaͤttern verbreitet; wir selbst haben in den hauswirthschaftlichen Neuigkeiten auf die Vortheile aufmerksam gemacht, die wir durch sie abermals errungen haben. Es kann jetzt nur an der Zeit sein, die Anwendung zu foͤrdern. Diese haͤlt bekanntlich in Deutschland sehr schwer, weil der Nationalcharakter das Eigene hat, das Neue vorerst anzufeinden, und es so lange in Wider⸗ spruch zu nehmen, bis das Neue mittlerweile selbst alt geworden ist. In der Landwirthschaft soll die⸗ ses Verfahren als die Fahne der Praxis gelten. Dieß zeigt sich auch wieder bei der in Rede stehen⸗ den Angelegenheit, und da wir auf unsere vielfaͤl⸗ tige Bitte von Niemanden einen Bericht erhalten haben, daß man irgend deßhalb Versuche gemacht habe, so muͤssen wir glauben, es sei in Deutschland zur Zeit noch nirgends Torf durchs Pressen brauch⸗ barer gemacht worden. Irren wir, so irren wir mit Vergnuͤgen, und lieber, als in irgend einer andern Angelegenheit. Grund genug, um den Faden weiter zu spin⸗ nen; wenigstens kann so die erregte Aufmerksam⸗ keit im frischen Andenken erhalten und die Hoff— nung entsch solge vorgt chen, nigste Torf lonn; weite liche schor kenn, gel bran weni bald feste nen. gepr. größ Nutze Holz bei that zur brent Kesse Torf des Stei ker Press verge lich 0 nung gestaͤrkt werden, daß sich hier und da einer entschließt, Hand ans Werk zu legen. Die Nach⸗ folge wird dann sicher nicht ausbleiben Nimmt man den Sinn des Sprichworts: das voran gehende Schaͤfchen bekommt das beste Graͤs⸗ chen, in seiner Anwendung, so kann man sich we⸗ nigstens denken, daß in Torfgraͤbereien sind, Jemand auf den Einfall gerathen koͤnne, sich durch Preßtorf die Kundschaft zu er⸗ weitern. Die Kunden werden gar beld das Nuͤtz— Gegenden, wo mehrere liche gewahren und sich dafuͤr bestimmen, weil schon der erste Versuch das Vortheilhaftere wird er— kennen lassen. Der Konsument nimmt in der Re⸗ gel seinen Vortheil besser wahr, als der Producent. Ziegel- und Kalkbrenner, die bisher schon Torf brannten und das Beschwerliche dabei mehx oder weniger empfunden haben, werden hoffentlich gar bald einsehen, wie bequem und vortheilhaft es sei, feste Massen statt lockerer auf dem Heerde zu bren— nen. Aber nicht nur diese Bequemlichkeit kann den gepreßten Torfziegesn Werth verleihen, sondern die groͤßere Brennbarkeit ist, was den wesentlichen Nutzen verursacht. Sie brennen mit Flamme, wie Holz, und halten eine feste Kohle. Wie bei der Ziegel- und Kalkbrennerei, so ist bei allen technischen Gewerben, die am Feuer be— thaͤtigt sind, die Verwendung des gepreßten Torfs zur Feuerung gleich nuͤtzlich, wie beim Brantwein⸗ brennen, Bierbrauen, Bleichen, kurz bei jeglicher Kesselfeuerung. Man behauptet daß der gepreßte Torf bei den Dampfmaschinen und dem Schmieden des Eisens eben so gut zu gebrauchen sei, als Steinkohlen. Man kann sich wundern, daß in keinem uns⸗ rer bilderreichen Tagesblaͤtter eine Maschine zum Pressen abgebildet ist, wenigstens haben wir uns vergeblich darnach umgesehen. Um so erfreulicher war es uns, als wir neu— lich auf folgende Beschreibung einer solchen Presse im Nationalmagazin stießen. Es heißt: Die Presse besteht aus einer eisernen Buͤchse, durch welche das Wasser herausrinnen kann. Auf diese mit Torf angefuͤllte Buͤchse drückt ein starker Hebel. VVV Diese Getreideart ist nur in manchen Gegenden einheimisch, vorzüglich da, wo noch ganz große Strecken von Feldern vorhanden sind, die seit Men— schengedenken keinen Duͤnger weiter erhalten haben, als den wenigen Weidedünger der Schaafherden, und bloß abwechselnd mit Dinkel und Hafer be— saͤet werden. Diese Frucht ist aber keineswegs gering zu ach— ten; denn in getreidearmen Gegenden wird er an— statt des Waizens und Roggens gemahlen; es wird Bier daraus gebraut; auch wird er fowohl geschro— ten, als ganz zur Fuͤtterung der Thiere verwendet. Dieser Dinkel ist eine Winterfrucht, und wird sehr zeitig, schon Mitte August und bis Anfang Septembers, gesaͤet, und waͤchst auf einer jeden Bodenart. Das eigentliche Korn dieses Dinkels, welches dem Waizen aͤhnlich sieht, und nur etwas kleiner ist, ist von einer scharfen, krallichten Huͤlse einge⸗ schlossen, welche sich nicht eher von dem eigentlichen Korne scheiten laͤßt, als auf der Muͤhle durch das sogenannte Spelsen. Die Ergibigkeit dieser Fruchtart ist unglaublich, Auf etwas kraftvollem Boden, wo man das sechste bis achte Korn Waizen erbaut, kann man mit Ge— wißheit bei dem Dinkel auf das suͤnftehnte bis sechszehnte, ja wohl auf das zwanzigste rechnen. Versteht sich, mit der Huͤlse, welche wohl mehr als die Haͤlfte vom ganzen Korne ausmacht. (Fortsetzung folgt.) r 2 . ————Ä— Ueber die Kartoffellage und Er⸗ sparniß dabei. .(Fortsetzung.) Bei der Benutzung der Kartoffeln zur Vieh⸗ fuͤtterung ist also da, wo Brennereien de. Statt finden, keine Ersparniß weiter zu machen, und bei der Benutzung dieser Frucht zur Speise duͤrfte eben⸗ falls keine erhebliche Ersparung moͤglich sein, weil sich die Menschen an diese Kost schon so sehr ge⸗ wohnt haben, daß sie unzufrieden sind, wenn sie taͤglich nicht wenigstens zwei Mal Kartoffeln zu essen bekommen. Die einzige Ersparniß, die nun noch uͤbrig ist, besteht daher in moͤglichst ökono⸗ mischer Aus saat. Hierbei laͤßt sich, unbescha⸗ det des Zwecks, eine viel großere Ersparniß machen, als vieleicht Mancher glaubt, der noch keine Berech⸗ nung daruͤber gemacht, also die Sache in Zahlen noch nicht uͤbersehen hat. Ich habe daruͤber Ver⸗ suche angestellt, die ich hier mittheile. Wenn man einen preußischen Morgen mit Kar⸗ toffeln so besetzt, daß die Reihen 2 Fuß, und die Kartoffelpflanzen oder Stoͤcke in den Reihen 13 Fuß von einander entfernt sind, so kommen auf den Morgen ungefahr 8860 Stoͤcke. Verbraucht man nun zu jedem Stocke eine mittelmaͤßig große Saat⸗ kartofel von 14 bis 24 Zoll Durchmesser, wovon 750 Stuck in einen gehaͤuften Scheffel gehen, so hat man zum Morgen 8860 solcher Kartoffeln, oder 11 Scheffel 13 Metzen noͤthig. Und weil ein sol⸗ cher Scheffel gewöhnlich 114 Pf. wiegt, wenn die Kartoffeln ganz frisch sind, so betraͤgt das Gewicht der zu einem Morgen erforderlichen Saatkartoffeln 1346 Pf. Legt man aber kleine Kartoffeln von 1 bis 12 Zoll Durchmesser aus, wovon eirea 900 Stuck in einen gehaͤuften Scheffel gehen, die 108 Pf. wiegen, so gebraucht man zu einem Morgen nur 4 Schfl. 103 Metzen, und diese wiegen 504 Pf. Man erspart folglich 842 Pf. Kartoffeln pro Mor⸗ gen, und die Ernte wird eben so gut sein, als wenn man dickere Kartoffeln ausgelegt haͤtte. Wenn nun auf einem Gute jaͤhrlich 200 Mor⸗ gen mit Kartoffeln bestellt werden, so betraͤgt die vorhin berechnete Ersparniß 200 Mal 842 Pf. 168,400 Pf., oder ungefahr 1477 Scheffel, oder 61˙ Wispel. Schlaͤgt man den Wispel zu 5 Thlr. an, so macht die Ersparniß 3073 Thlr. aus. Noch weit mehr kann aber erspart werden, wenn man von jeder mittelgroßen, das heißt 14 bis 22 Zoll dicken, Kartoffel zwei Abschnit tte nimmt, die einige Keimungen haben, und in der Mitte 2 Zoll dick sein muͤsen. Man bekommt alsdann von 750 Kartoffeln 1500 solcher Abschnitte, die ungefaͤhr 50 Pf. wiegen. Zu 8860 Stocken, oder zu einem Morgen, sind folglich 295 bis 300 Pf. Kartoffel- masse erforderlich, wozu sonst, wie ich oben gezeigt habe, wenn mittelgroße Kartoffeln genommen wer⸗ den, 1346 Pf., wenn aber kleine Sgatkartoffeln aus⸗ gelegt werden, 504 Pf. noͤthig sind. Diesem nach kann also derjenige, welcher 200 Morgen mit solchen Abschnitten belegen laͤßt, mit 60,000 Pf. ausreichen, anstatt daß er, wenn er mittelgroße Kartoffeln dazu verwendet, 269,200 Pf. gebraucht, oder, wenn er kleine Kartoffeln setzt, 100,800 Pf. noͤthig hat. Die 60,000 Pf. Abschnitte betragen, nach dem Gewichte gerechnet, eirea 22 Wispel mittelgroße Kartoffeln. Man gebraucht folglich alsdann auf den Morgen nur etwas mehr, als das Gewicht von 22 Schfl., wo, bei mittelgroßen Kartoffeln, 11 Schfl. 13 Mtz., und, bei kleinen Kartoffeln, 4 Schsl. 102 Mtz. erforderlich sind. Schlaͤgt man den Wispel Kartoffeln zu 5 Thlr. an, so kostet die Saat: 1) vermittelst Abschnitte 104 Thlr. 5 Sgr.— Pf. 2) vermittelst kleiner Kar⸗ toffeẽ nn 16— 8„ 3) vermittelst der mittel⸗ Moßen Kartoffenn e ids (Fortsetzung folgt.) FEE 30