. 5.* N— 3 Oberhessisches Intelligenz- und Kreis-Blatt. V 29. Freitag, den 19. August 1836. — Rreisräthliche Bekanntmachungen. Zu Nr. K. 5688. Grünberg am 16. August 1836. Betreffend: Die feuer gefährlichen Dachbedeckungen. Der Großherzoglich Hessische Kreisrath des Kreises Gruͤnberg an sämmtliche Gr. Bürgermeister dieses Kreises. Schon mehrfach habe ich die Wahrnehmung machen muͤssen, daß die Verordnungen wegen der feuer gefährlichen Dachbedeckungen vom 20. August 1811 und 6. October 1812 bisher nicht in allen Orten meines Kreises befolgt worden, und daß nicht allein taͤglich bedeutende Reparaturen an Strob⸗ daͤchern vorgenommen, sondern auch bei ganz neuen Gebäuden ohne meine Erlaubniß Daͤcher mit Strohe gedeckt worden sind. Außer der Feuergefaͤhrlichkeit hat dieß aber noch den Nachtheil, daß durch solche Dachbedeckungen dem Ackerbau beträchtliche Dungmittel entzogen werden. Ich weise Sie daher an, unverzuͤglich folgende Bestimmungen Ihren Untergebenen einzuschaͤrfen: 1) Es ist verboten, neue Gebaͤude mit bloßem Strohe, mit hölzernen Schindeln, mit Lehmschindeln der einfachen Art oder mit Hohlziegeln, die mit Strohbüscheln unterlegt werden, zu decken; alle Ge⸗ baude mussen mit Schiefern oder mit doppelt zu legenden Flachziegeln gedeckt werden. 2) Bedarf ein Gebaͤude, dessen Dach bisher mit Strohe, hoͤlzernen Schindeln oder mit Stroh⸗ buͤscheln unterlegten Hohlziegeln gedeckt war, an demselben einer Ausbesserung, in Folge dessen wenigstens der Ste Theil des Daches neu mit Strohe u. s. w. gedeckt werden muͤßte, so muß das Dach herunter⸗ genommen und mit Ziegeln oder Schiefern umgedeckt werden, wenigstens in so weit die Reparatur am Dache noͤthig ist. 3) Wer gegen diese Vorschriften bandelt, ist nicht allein gehalten, das verordnungswidrig neu gefertigte oder reparirte Dach alsbald wieder herunterzureißen und vorschriftsmaͤßig zu decken, sondern soll auch noch uͤberdieß mit einer in die Armenkasse seines Ortes fallende Geldstrafe belegt werden, die so viel betragt, als in jedem Falle das abzureißende Dach nach dem Anschlag des Materials und der Arbeit ganz neu zu decken gekostet haben wuͤrde, wenn der Uebertreter beides haͤtte bezahlen uͤssen. 8 Sie werden dieß zur offentlichen Kenntniß bringen und alle diejenigen Personen, welche seit dem Jahr 1832 gegen dieses Per bot gehandelt haben, noch besonders auffordern, alsbald die verbots⸗ widrig gedeckte und reparirte Dächer herunterzunehmen und mit Ziegeln oder Schiefern umzudecken, widrigenfalls sie in die bemerkte Strafe verfallen seien, und zu diesem Ende dem Polizeigericht 1r In⸗ stanz Mittheilung gemacht werden wuͤrde. Ueber die Befolgung dir ser Auflage sehe ich binnen 8 Tagen Ihrem Berichte entgegen.— Ausnahmen von den Bestimmungen 1. und 2. können nur aus besonderen Gründen mit einer Bewilligung Statt finden und haben Sie in solchen Faͤllen jedesmal anher zu be⸗ richten, jederzeit aber darauf zu seben, daß, wenn Jemanden die Bedeckung seines Hauses mit Lehm⸗ schindeln der besseren Art auf eine Zeitlang gestattet wird, daß die Umdeckung des Daches auch na Ablauf der Zeit unfehlbar erfolgt und im Unterlassungsfalle dieses sofort anher anzuzeigen. ö * 0 In Beurlaubung des Br. Kreisraths E. Fuhr, Kreissekretär. Zu Nr. K. G. 5718. Grünberg am 16. August 1836. Betreffend: Die Entfernung des Knaben Johannes Scheld von Großenbuseck aus seiner Heimath. Der Großherzoglich Hessische U 4 5* e. Kreisrath des Kreises Gruͤn berg an die Gr. Buürgermeister dieses Kreises.. e er dieß fruͤber schon oft gethan hat, neuerdings abermals aus seiner sich auswaͤrts auf der Bettelfahrt berum. Sie werden angewiesen, auf tretungsfalle anzuhalten und hierher einzuliefern. Wegen Beurlaubung des Gr. Kreisraths C. Fuhr, Kreis ekretaͤr. Signalement des Knaben Johannes Scheld. Alter: 14 Jahre, Mund: mittel, Rubricat hat sich, wi Heimath entfernt und treibt denselben ein wachsames Auge zu richten und ihn im Be Groͤße: 5“ 6“, Kinn rund Haare: blond, Gesicht 5 Stirne: niedrig, Gesichtsfarbe: gesund, Augenbraunen: blond, Besondere Zeichen: Augen: blau, mit der Epilepsie behaftet. Nase: gewoͤhnlich. r Zu Nr. K. G. P. V. 1418. Gießen am 18. August 1836. Betreffend: Die Ausfertigung von Heimathscheinen, namentlich an unvermögende Personen. d Der Großherzoglich Hessische Kreisrath des Kreises Gießen an sämmtliche Buürgermeister des Kreises Gießen. Da ich seither vielfach babe wahrnehmen muͤssen, daß bei Ausfertigung von Heimathscheinen an Bemittelte und Unbemittelte hinsichtlich der Adhibition des Stempels durchaus kein Unterschied Statt findet, dieß jedoch bei unvermoͤgenden Personen, als sich von selbst veystehend beachtet werden muß, so sehe ich mich veranlaßt, Sie hierdurch anzuweisen, in vorkommenden Fallen von Adhibition des Stempels 10 abstrahiren. Damit jedoch Ihnen hierdurch ein unnöthiger Zeitverlust erspart werde, bemerke ich Ihnen, daß ich den Buchdrucker Brühl autorisirt habe, dergleichen Heimathscheine in Vorrath zu fertigen, wo Sie das Buch zu 24 kr. erhalten können. K. Ch. Knorr. ——.?—:—:iWd Strohes ebenfalls an den Wenigstnehmenden ver⸗ Bekanntmachungen. F 64) Die Lieferung des fuͤr das Bezirks⸗ Gießen den 12. August 1836. 3 fuͤr den Winter 18%, benoͤthigten Der Gr. Hess. Kreisrath. holzes, bestehend in eirca 60 Stecken, soll f J. d. V. Donnerstag, den 1. September, Vormittags Zulehner. 10 Uhr 5 b 63) Lütticher doppelte Jagdflinten werden auf dem Polizei⸗Bureau an den Wenigstnehmenden oͤffentlich versteigert werden. zu den billigsten Preisen, auf Probe, verkauft In gedachtem Termin wird zugleich die Liefe⸗ bei Carl Frech rung des in benanntem Zeitraum benoͤthigten in Gießen.