— Oberhessisches Intelligenz- und Kreis-latt. M7. Freitag den 19. Februar 1836. Kreisräthliche Bekanntmachungen. Zu Nr. K. 369. Gießen am 13. Febr. 1836. Betreffend: Einen dem Löb Katz zu Wieseck zugelaufenen fremden Hund. Der Großherzoglich Hessische Kreisrath des Kreises Gießen an smmtliche Buͤrgermeister des Kreises Giessen. Deu Loͤb Katz von Wieseck, ist ein Hund, gelb mit weißen Flecken, zugelaufen; was Sie mit dem Bemerken, bekannt machen lassen wollen, daß sich der Eigenthuͤmer bei dem Großh. Buͤrgermeister zu Wieseck zu legitimiren habe. K. Ch. Knorr. Zu Nr. K. 331. Gießen am 12. Febr. 1836. Betreffend: Die Rücksendung der abgeschlossenen Rechnungen von Gemeinden, Kirchen, Stiftungen und Schulen. Der Großherzoglich Hessische Kreisrath des Kreises Gießen. an die Großherzoglichen Bürgermeister dieses Kreises. Auf das von dem Großb. Kreisrathe zu Gruͤnberg in Jö. 6. des Kreisblatts, unterm 9. d. M., an die Großh. Buͤrgermeister erlassenen Ausschreiben mich beziehend, gebe ich Ihnen auf, die darin enthaltenen Vorschriften, auch in Beziehung auf die von Großh. Rechnungskammer Ihnen etwa zuge⸗ hende Rechnungen zu befolgen. K. Ch. Knorr. f Die Maurerarbeit zu 613 fl. 41 kr. Bekanntmachungen.„„ ÜÜöͤ 15) Bauarbeits⸗Versteigerung. Mon⸗„ Zimmer„ 580 7 51„ tag den 29. d. M. Vormittags 10 Uhr, sollen„ Dachdecker 1 167 52„7 die Bauarbeiten eines neuen Schulsaales dahier,„ Schreiner 1 243) 33„ auf dem Rathhause oͤffentlich an die Wenigstfor⸗„ Schlosser 10 1 dernden versteigert werden. Indem man dieses„ Glaßer 1 127 7 45„ zur Kenntniß der Steigliebhaber bringt, bemerkt„ Weißbinder 157 59„ man zugleich, daß die Nisse, Voranschlaͤge und„ Fuhrlohn 1 279„ 47„ Accordbedingungen auf dem Bureau des Unterzeich⸗ Steinbach den 13. Febr. 1836. neten zur Einsicht offen liegen, und die einzelnen Der Bürgermeister Arbeiten folgendermaßen veranschlagt sind: Gerhard. .———— —— * ————— 14) Holzversteigerung. Dienstag den 1. Maͤrz d. J., soll in dem Domanialwalddistrikte Dingerwald, Reviers Niederohmen, Forst-Burg⸗ gemuͤnden, nachverzeichnetes Brenn⸗, Bau⸗ Werk⸗ und Nutzholz, oͤffentlich an den Meistbietenden ver⸗ steigert werden. i 2 Stecken Buchen- und 21 Stecken Eichen⸗ Scheidholz, 1 1„„ 1 Stecken Eichen⸗ Pruͤgelholz, 13„ eichen Stockhelz, 143 eichen Bau⸗ und Werkßolzstaͤmme von 14251 Cubicfuß 1 buchen Werkholzstamm von 25 Cubicfuß, 14 Aspen Werkholzstaͤmme 400 Cubicfuß, 2 Stecken eichen Werkholz⸗Scheide, 1200 Stuͤck buchen Stangen von 6702 Cubfß., 14 Stück eichen Wagenwelle und Pflugsreh. Der Anfang ist des Morgens 9% Uhr, und die Zusammenkunft in Lumda beim Großh. Forst⸗ schuͤtz Hoͤres. Gegen Einlegung von vorschrifts⸗ mäßigen gedruckten Buͤrgscheine, wird Zahlungs frist bis Martini d. J. gestattet. Merlau am 12. Februar 1836. Der Revierfoͤrster Frank. Miscellen. Mosaisches Gesetz zur Schonung der Obstbaͤume. Eine der schmaͤhlichsten Unsittlichkeiten ist es, wenn sich die Menschen an den Baumpflanzungen vergreifen, und aus Muthwillen oder Bosheit Baͤu— me beschaͤdigen. Diese Unsitte klebt der deutschen Nation noch sehr an, und ist in manchen Gegenden oder Ortschaften dermaßen gemein, daß man nur mit Furcht Obstbaͤume pflanzt. Es verraͤth eine große Verdorbenheit, die der haͤrtesten Strafe an— heim fallen sollte. Sonderbar, daß die christliche Moral solche Frevelei noch nicht verwischen konnte, da doch schon Moses dagegen vortreffliche Gesetze gab. Es steht im 5 Moses 20, 19:„Wenn du vor einer Stadt lange liegen mußt, wider die du strei⸗ test, sie zu erobern, so sollst du die Baͤume nicht verderben, daß du mit Aexten daran fahrest, denn du kannst davon essen, darum sollst du sie nicht ausrotten u. s. w.“—. Auch der Ka⸗ lif Abubeke gab seinem Generale den Befehl:„Laß keine Palmbaͤume niederhauen. Es ist offenbar ein Beweiß der Menschlichkeit, selbst in Feindes⸗Land ein solches Eigenthum zu schonen, das nicht so leicht ersetzt werden kann, und es waͤre wohl zu wuͤnschen, daß eine solche Verordnung auch in das europaͤische Kriegsrecht aufgenommen wuͤrde. Nach meiner Ansicht wurde viel gewonnen wer⸗ den, wenn die Jugendlehrer den Grund zu christ⸗ lichen Gesittung legten, und dann die Obrigkeit zweck⸗ mäßige Verordnungen gaͤbe und streng darauf hielt. Ohne Belehrung verhuͤten strenge Gebote nur hie und da etwas Schaden, wirken aber nicht fuͤr das Besserwerden, was man doch bei jeder Strafe beabsichtigen muß. Wenn an eiuem Orte die Verletzung ber Baͤume eingerissen ist, so sollte, bevor der Thaͤter nicht ent⸗ deckt ist, die ganze Gemeinde dem den Schaden er⸗ setzen, der ihn erlitt, auch zugleich die Kosten der Unterfuchung tragen. Hierdurch ensteht ein gemein⸗ schaftliches Interesse, auf Baumbeschaͤdigungen zu achten und Frevler zu entdecken. Die Bildung des Schimmels und Mittel, ihn zu verhindern. Je mehr wir dem Schaffen und Wirken der Natur vertraut werden, um so sicherer vermoͤgen wir Maßregeln aufzunehmen, und in unserm Gewerbs⸗ verfahren zu unserm Vortheile anzuwenden. Aber wir keunen in gar vieler Beziehung die Natur nicht oder, was ost noch schlimmer ist, vermeinen, sie zu verstehen, und darum werden so viele Fehlgriffe ge⸗ than, die uns nicht ein Mal kluͤger machen, also zu keiner sicheren Erfahrung verhelfen. Dank den Naturforschern, die uns ein Fach nach dem andern aufschließen. Unter ihrer Leitung schreitet der auf⸗ merksame Gewerbsgenosse vorwärts, verbessert sein aͤlteres Verfahren und beginnt Neues. Die Erscheinung des Schimmels ist zwar eine hoͤchst gemeine, aber man wußte sie nicht so recht zu erklaͤren. Man wußte nur, daß der Schim⸗ mel aus kleinen Schwaͤmmchen und Fasern bestuͤnde. Die eigentliche Natur dieses Gebildes blieb bisher unvollstaͤndig bekannt. Wohl sahe man, daß es in der Kette der Vegetabilien, als eins der untersten Glieder, erscheine, und bemerkte die Umstaͤnde un⸗ ter denen der Schimmel an den Koͤrpern zum Vor⸗ scheine komme. Nun hat der franzoͤsische Chemiker Dutro⸗ chet diesen in physischer und gewerblicher Hinsicht sehr interessanten Gegenstand naͤher aufgeklaͤrt. Wir theilen davon das Wesentliche mit. Die unter einander ziemlich verschiedenen Ge— bilde, aus denen der Schimmel besteht, erscheinen im Allgemeinen als einfache, oder veraͤstete, sehr duͤnne Faͤden, welche an der Spitze nackten, oder von einer durchscheinenden Fruchthuͤlle umschlossenen Samen tragen. Der Schimmel bildet sich vorzugs— weise an Substauzen, welche zu faulen anfangen, und beschleunigt die Zersetzung derselben. Die Art der Fortpflanzung dieser Vegetabilien war lange Zeit un⸗ bekannt; vielfaͤltig galten sie aber als Hauptbeweis und vornehmstes Beispiel der sogenannten generatio aequivoca, d. h. Erzeugung organischer Koͤrper von selbst, ohne Samen. Allein bei ihrer naͤheren Unter⸗ suchung hat man sich denn doch uͤberzeugt, daß sie sich, wie alle Gewaͤchse, nur durch Samen fortpflan⸗ zen, daß sie nur dann entstehen koͤnnen, wenn ihre Keime durch die Luft den Koͤrpern, an denen sie fich so fort entwickeln, zugefuͤhrt werden. Diese Kei— me sind uͤberall in der Atmosphaͤre, wohl gar in den Saͤften der Pflanzen und Thiere verbreitet, und kommen aller Orten zur Entwickelung, wo die Umstaͤnde dieselben begünstigen. Die Botaniker zaͤhlen an 30 Arten des Schimmels von sehr ver— schiedenen aͤußern Charakter. Fuͤr das gewoͤhnliche Auge ist freilich jene grauliche, flilzartige Substanz immer dieselbe, bewaffnet es sich aber mit einem guten Mikroskope, so entsprießt einem Raume von wenigen Linien ein ganzer Wald im Kleinen; lau⸗ ter zarte, veraͤstete Gewaͤchse, an deren Kronen huͤb— sche Fruchttrauben haͤngen; den huglichen Boden uͤberzieht ein bund schattirter Rasen, gelb neben gruͤn, roth neben weiß, und hie und da schimmern in diesem Blumengarten kleine Wassertropfen, gleich Edelsteine. Nicht lange, so springen die kleinen Fruchtkapseln auf; in einer Wolke schnellt der Same heraus und verbreitet sich befruchtend weit hin. Kleine Thiere ergehen sich im Forst, und monstroͤse Larven wuͤhlen den Boden um. Sobald man aber das Auge entwaffnet, verschwindet die ganze Feerei und man erblickt nichts, als einen grauen Fleck auf einem Stück Brod oder halbverfaultem Kaͤse. Das Hauptaugenmerk des Beobachters war auf die Umstaͤnde gerichtet, welche die Bildung des Schimmels beguͤnstigen, oder dieselbe hemmen, und er ist zu wirklich interessanten Resultatan gelangt. Die allgemeinste Bedingung zur Bildung des Schim— mels ist organische Materie und Wasser. Wenn man nun in ganz reines Wasser eine gewisse Menge Eiweiß bringt, so bildet sich, so guͤnstig auch sonst alle Umstaͤnde sein moͤgen, niemals Schimmel. Setzt man aber dem Wasser noch so wenig(einen Trofpen auf die Unze) von irgend einer Saͤure zu, so sieht man den Schimmel in weniger als 8 Tagen kraͤf— tig entsprießen. Gleiche Wirkung haben Potasche und Soda, doch nicht so stark; denn in diesem Falle erzeugt sich der Schimmel erst in 3 Wochen. Freie Saͤure oder freies Alkali scheint also zum Keimen dieser Vegatabilien ein wesentliches Erforderniß, und namentlich Saͤure ist ein kraͤftiges Befoͤrderungs— mittel derselben. In den Fluͤssigkeiten, welche an der Luft der Gaͤhrung unterworfen sind, namentlich in den destillirten Wassern, bildet sich bekanntlich sehr schnell Schimmel in großer Menge, und das ruͤhrt augenscheinlich von den Saͤuren oder Alkalien her, welche sich durch die Gaͤhrung entwickeln. (Schluß folgt.) N 1 1 1 N 10 — Ueber die Kartoffellage und Er⸗ sparniß dabei. Die Zeit des Kartoffellegens ist herangerückt, und dieses wichtige Geschaͤft nimmt die Aufmerksamkeit der kleinern und größern Landwirthe in vieler Hin— sicht in Anspruch. So allgemein nun auch der An⸗ bau und die Verwendung dieses merkwuͤrdigen Knol— lengewächses ist, so werden doch noch fortwaͤhrend beachtenswerthe Wahrnehmungen gemacht. Man verfolge nur die Geschichte in Bezug auf den An⸗ bau und die Verwendung der Kartoffeln, und man wird finden, daß die Lehre und die Praxis jetzt ganz etwas Anderes sind, als vor 10 bis 20 Jahren. Man wird finden, daß die Fortschritte wesentlich sind, und auf den vielfältig gemachten Endeckungen be⸗ ruhen. Diese schienen im Anfange oftmals gering in sein, und doch sind sie im Verfolge der Zeit sehr wichtig geworden. Man solte da) Neue nicht fur gering halten, oder gar mit scheelen Augen ansehen, am allerwenigsten verspotten, denn man kann ja im Anfange noch nicht wissen, zu welcher Wichtig⸗ keit sich die Sache uber kurz oder lang erheben wird. ru ch t p r Drei Fruͤhlinge sind voruͤber gegangen, ohne daß wir Gelegenheit nehmen konnten, eine sehr schaͤtbare Abhandlung des Herrn Oberlandforstmei⸗ sters Hartig aufzunehmen, um die Sache weiter zu empfehlen. Diese Abhandlung ist im Januar⸗ hefte 1830 des Monatsblatttes der mäͤrkischen oͤkon. Gesellschaft abgedruckt Die Kartoffel, als gesundes Nahrungsmittel fuͤr Menschen und Vieh ohnehin unschaͤtzbar, hat einen noch hoͤhern Werth erhalten, seitdem man sie zu Spiritus, Syrup, Bier, Kraftmebl ꝛc. zu benu⸗ tzen gelernt hat. Es ist daher fuͤr jede Landwirih⸗ schaft von Wichtigkeit, bei dem Verbrauche dieser vortrefflichen Frucht moͤglichst sparsam zu Werke zu gehen, und alle Bestandtheile derselben bestmoͤglich zu benutzen. Man sieht deßwegen auch jetzt auf den mit Brandweinbrennereien oder Syrupsiedereien versehenen Landguͤtern keine Kartoffeln mehr direkt verfuͤttern, sondern man zieht zuerst den Spiritus oder Syrup aus denselben, und gibt des Zuruͤckblei⸗ bende, oder die Schlampe, dem Vieh, das sich sehr wohl dabei befindet, wenn die Fütterung gehörig eingerichtet ist.(Fortsetzung folgt.) E 8 k. W eee 2 Waizen.] Korn. — rr Gerste. Hafer. Erbsen. Lin sen. Staͤdte Datum— Malter Malter Malter Malter Malter Malter i Pfud. fl. kr. Pfund fl. kr. Pfad. fl. ftr. Pfnd. fl. er.] fl. kr. pf. fl. kr. Pf. Gießen—— 200 550 480 430 160 350— J Grünberg.——— 340— 45— 30— 2480 5 30— 6—— Darmstadt—:—-.- 4230„ Mainz 8. Febr.— 337.— 40.29— 3411— 3 91—.—. Frantfint a. 1. 10.—J— 3680— 0 55 6 2 5 7 6 30 40 50 ö 2 e ia 5