Oberhessisches Intelligenz- und Kreis-Glatt. 5. Freitag den 5. Februar 1836 Zu Nr. K. 682. Gruͤnberg am 28. Januar 1836. Betreffend: Die Revisions-Bemerkungen zu den Voranschlägen. Der Großherzoglich Hessische 8 Kreisrath des Kreises Grunberg an die Kirchenvorstaͤnde und Großh. Buͤrgermeister dieses Kreises. Hoͤchstpreißliches Ministerium des Innern und der Justiz, hat unterm 15. l. M. verfuͤgt, daß die Bemerkungen und Entschließungen der oberen Verwaltungsbehoͤrden, welche durch Revision der Voran⸗ schlaͤsge der Kirchen, Stistungen und Gemeinden veranlaßt werden, und zwar nicht nur diejenigen, welche blos eine Abaͤnderung der Zahlen zur Folge haben, sondern auch alle uͤbrigen, welche auf Verwaltung und Verrechnung wesentlichen Einfluß haben, im Original den durch die Localver⸗ waltungsbehoͤrden an die Rechner abzugebenden Exemplarien der Voranschlaͤge angeschlossen und mit diesen den Urkunden zu den Rechnungen beigefügt werden sollen, wogegen bei den Exemplarien der Voranschlaͤge in deren Besitz der Bezirks und Local-Verwaltungsbehörden sich befinden muͤssen, die Concepte und beziehungsweise Abschriften jener Bemerkungen und Entschließungen zuruͤck zu behalten seyen. In Folge jener hoͤchsten Verfuͤgung, wornach Sie auch die Kirchen- und Gemeinderechner zu bedeuten haben, werde ich Ihnen die Originale der Bemerkungen und Entschließungen zu den Voran⸗ schlaͤgen fuͤr 1835 und 1836 zusenden, um damit nach Maasgabe jener Verfuͤgung zu verfahren. nor Zu Nr. K. 692. Gruͤnberg am 28. Januar 1836. Vetreffend: Das Hausiren mit Essig und die Verfaͤlschung desselben. Der Großherzoglich Hessische Kreisrath des Kreises Gruͤnberg an die Großherz. Buͤrgermeister dieses Kreises. Es soll häufig vorkommen, daß Hausirer mit Essig ihre Waare dadurch selbst verfertigen, daß sie Wasser mit Schwefelsaͤure, einer Tinktur von gebrannten Zucker, bisweilen auch mit langem Pfef⸗ fer und dergleichen versetzen, und ist deßhalb, um diesem betruͤgerischen und fuͤr die Gesundheit der Consumenten jedenfalls nachtheiligen Treiben entgegen zu wirken, hoͤchsten Orts verfügt worden, auf die Essiggängler ein wachsames Auge zu haben, den Essig derselben oͤfters ruͤcksichtlich der angegebenen N N r 1 2—— 77 e ä—— Verfälschung chemisch untersuchen zu lassen, sich hierbei insbesondere darüber, ob jene nicht die oben genannten Substanzen bei sich fuͤhren, zu verlässigen und allenfalls entdeckt werdenden Betruͤger den Gerichten zur Bestrafung zu uͤbergeben. Indem ich Sie von dieser hoͤchsten Verfuͤgung in Kenntniß setze, weise ich Sie an, derselben ge⸗ nan nachzukommen. Dns Zu Nr. K. 278. Gießen am 29. Jan. 1836. Betrnffend: Das Hausiren mit Essig und die Verfälschung desselben. Der Großherzoglich Hessische Kreisrath des Kreises Gießen an saͤmmtliche Buͤrgermeister des Kreises Giessen. Es sollen Faͤlle vorgekommen seyn, daß Hausirer mit Essig ihre Waare oͤfters dadurch selbst ver⸗ fertigen, daß sie Wasser mit Schwefelsaͤure, einer Tinktur von gebranntem Zucker, bisweilen auch mit langem Pfeffen und dergleichen versetzen. Um diesem betruͤglichen, fuͤr dle Gesundheit der Consumenten nachtheiligem Verfahren zu begegnen, gebe ich Ihnen auf, im Falle Sie Ursache, nur zu dem geringsten Verdacht in obiger Beziehung haben sollten, solchen Hausirern mit Essig die Waare alsbald in Beschlag zu nehmen, und einen Theil der⸗ selben mir zu uͤbersenden, damit ich solche chemisch untersuchen lassen kann. K. Ch. Knorr. Zu Nr. K. 824. Gruͤnberg am 2. Febr. 1836. Betreffend: Einen dem Caspar Helleriel zu Albach zugelaufenen fremden Hund. Der Großherzoglich Hessische Kreisrath des Kreises Grünb erg an saͤmmtliche Großh. Buͤrgermeister dieses Kreises. Am 20. vorigen Monats ist dem Caspar Helleriel zu Albach ein fremder Hund, weiß von Farbe mit schwarzen Flecken und stumpfem Schwanze, zu gelaufen. Sie werden beauftragt, dieses mit dem Anfuͤgen in Ihren resp. Buͤrgermeistereien bekannt zu machen, daß der etwaige Eigenthuͤmer sich bei dem Großh. Buͤrgermeister zu Albach zu melden und resp. zu legitimiren habe. u ere Miscellen. Die Quecken. Vom Herrn Rittergutspachter Leßing (Fortsetzung) Fruͤchte, auf einem Acker nach dieser Weise be⸗ handelt, und durch Umstaͤnde beguͤnstigt, zeichnen sich an Ueppigkeit vor denen aus, welche auf einem Terrain stehen, wo die Quecken ohne Faulung aus⸗ geeggt und abgerecht wurden. Soll dieses Verfahren zweckmaͤßig betrieben wer⸗ den, so gehoͤrt freilich eine völlig in Ordnung ste⸗ hende Ackerwirthschaft, hinlaͤngliches und gutes Zug⸗ vieh dazu, womit in der gerade noͤthigen Zeitperiode die Acker geschaͤfte befoͤrdernd betrieben werden koͤnnen, und ein angepaßter Fruchtwechsel, nach der Lage und Qualität der Felder, damit nicht die eine Fruchtfolge der andern in Vorschub der Quecken nachtheilig wird. Eine große Beförderung zum Ueberhandnehmen der Quecken in der Lausttz ist wohl der zu haͤufige Halmfruchtbau obne Brache, wodurch der Acker in zu großer Porosität erhalten wird, welches die Que⸗ cken lieben. Das wildeste Feld, wenn es 1—3 Jahre brach liegt, und besonders mit den Schafen be⸗ huͤtet wird, verliert die lange Quecke b., und nur die dritte Art uͤberzieht noch die obere Kruste des Ackers. Zeitige Vorarbeiten, gehoͤriges Gahrwer⸗ den der Aecker, und nicht zu schnell auf einander folgende Pflugfurchen sind Praͤservative vor wildem und lockerem Acker, und dieses kann nur durch Brach⸗ wirthschaft, in Sandboden geringerer Art, und durch Blatt- und Halmfruchtwechsel in besserem Lande befoͤrdert werden. Gaͤnzliche Ausrottung der Quecken in Gegenden und Klimaten, die fuͤr sie geeignet sind, ist wohl eine Unmoͤglichkeit, und selbst die Natur scheint sie fuͤr diese Gegenden weislich geschaffen zu haben, weil deren Aecker ohne dieses Unkraut zu lose werden, und al⸗ len Schutz vor zu schneller Verduͤnstung verlkeren wuͤrden. Wir sehen es taͤglich an den nackten Sand- schollen, wo weder Duͤnger, noch Arbeit fruchtet. So— nach haben die Quecken ihren Nutzen, besonders in Gegenden wo weder der rothe Klee fuͤrs Rindvieh, noch der weiße für die Schafe vorzuͤglich gedeiht, wo der ärmere und kleine Landwirth oft aus den Quecken sein Melkfutter, und im Fruͤhjahre blut— lungen⸗ und brustreinigende Getraͤnke fuͤr die Kuͤhe und Ochsen bedarf. Wenn das Winterfutter im Fruͤhjahr knapp wird, sind klar geschnittene Que⸗ cken mit Heidekraut gemengt, dem Viehe zur Saͤt⸗ tigung bestimmt. So nachtheilig suͤr den Ackerbau eine uͤberhandnehmung der Quecken ist, eben so fuͤhlbar schädlich wuͤrde in Sandgegenden ihr gaͤnz⸗ licher Mangel sein. Die Felder wuͤrden sich zwar viel leichter bestellen lassen, und manche Handarbeit erspart werden, allein bei trockener Zeit wuͤrde der lose Acker leichter verduͤnsten, und die Saatwurzeln nicht hinreichen, aus der Tiefe die Feuchtigkeit an sich zu ziehen, und so den Wechselproceß zu beguͤn⸗ stigen, der die Gase der Fruchtbarkeit hervorlockt und unterhaͤlt. Die Graswurzeln sind das Gewebe, welches die Natur hervorruft, große Feldflaͤche leich⸗ ter Erdtheile gegen den wehenden Wind zu schuͤtzen, der Saat und Ackerkrume entführen wuͤrde. Sie ge⸗ ben nach abgebrachter Halmfrucht, fuͤr das Weidevieh junge Nahrung und bei dem Umbrechen oder Stuͤr— zen mit dem Pfluge Stoff zur Vermehrung des Humus. 8 Man sieht, daß auch dieses Uebel des Landbaues in minder gesegneten Landesstrichen sein Gutes hat und den Kreislauf der Natur bewaͤhrt, der uns, die wir das Land bebauen, zeugt, wie wir moͤglichst sei⸗ nen Lauf in richtigem Schwunge erhalten sollen, um von beiden zu Nutz und Frommen unseren und un⸗ serer Mitmenschen Vortheil zu ziehen. Zeit- und Kraftgewinn ist ein Vortheil in der Landwirthschaft, der doppelte Renten traͤgt, und auch bei der Verminderung und Ausrottung der Quecken ebenfalls angewendet werden kann, wenn man sich passenderer Instrumente bedient, als der oͤf— ters gewoͤhnlichen. Die groͤßte Mangelhaftigkeit ha⸗ ben gewohnlich die Eggen. Statt daß ihre Zinken im 45graͤdigen Winkel nach vorn stehen, und we⸗ nigstens 6—7 Zoll von dem Balken weg lang sein sollten, die Egge selbst nicht ein laͤngliches recht wink— liches, sondern ein geschobenes, bewegliches Quadrat bilden muͤßten, so sind die meisten, besonders in den Queckengegenden, entgegengesetzter Gestalt und leich⸗ ten Gewichts, wodurch kein Herausheben und Rei⸗ ßen der Quecken bewirkt werden kann, sondern nur ein Ebenkratzen und Fortschieben statt findet. Mit einer der genannten Eggen wird die Arbeit nur halb verrichtet und doppelte Zeit und Zugkraft verschwen⸗ det, und die Queckenwurzeln werden dadurch eher beguͤnstigt als zerstoͤrt. In einer gut eingerichte⸗ ten Wirthschaft, wo die Felder Quecken erzeugen, sind zweierlei Eggen noͤthig; große zweispaͤnnige mit schiefstehenden Zinken, und leichtere, zum Eineggen der Saat. Noch zweckmaͤßiger ist, nach meinem Dafuͤrhal⸗ ten, bei queckenreichen Feldern ein Instrument, was noch sehr unbekannt ist, und nur erst vor unge⸗ faͤhr 5— 6 Jahren in einer kleinen Flugschrift(2) bekannt gemacht wurde. Es ist, meines Wissens, von englischen Landwirthen vorgeschrieben worden, 23 3 und nur von einem mir bekannten werthen Land- wirthe im Mittelgebirge Sachsens angeschafft und eingefuͤhrt worden. Ungeachtet bei erwähnter Abhandlung uͤber die sen Queckentödter eine Zeichnung dieses Instrumen⸗ tes beigefügt war, so duͤrften doch noch einige Fehler dabei obwalten, und das Anfertigen dieses Instrumen⸗ tes Schwierigkeiten verursachen, und selbst beim Ge⸗ brauch keine dauernte Kraft bewaͤhren. Wenigstens ging es oben erwaͤhntem Landwirthe Anfangs so, da beim erstmaligen Gebrauche das Instrument der Zugkraft der Thiere nicht gleiche Kraft entgegense⸗ tzen konnte; es brach mit seinen Balken und Zin⸗ ken zusammen. Der Mangel an dem erwaͤhnten In⸗ strumente ist, daß es ohne Stellrad zu große Frei⸗ heit hat, ins Land zu gehen, und daher entweder gar nicht bewaͤltigt werden kann oder bei minderer Verbindung durch Eisenstaͤbe zerbricht. Noch kommt es hauptsaͤchlich auf die richtige Stellung seiner krummen Zinken selbst an. Eine kleine Beschreibung des verbesserten Que— ckentoͤdters soll mir hier vergoͤnnt sein, so weit es ohne Zeichnung moͤglich ist. Das Instrument besteht aus drei 3— 4 Zoll starken Querbalken aus festem Holz, wovon der mittelste 32, und der vordere und hintere 24 Zoll lang ist. Diese 3 Balken sind auf ein, nach hin⸗ ten zu gabelfoͤrmig aus laufendes staͤrkeres Holz, was den Grintel bildet, eingeschnitten, und durch starke elserne Schiene befestigt. Auf dem vorderen Balken sind vier, und auf dem mittleren fuͤnf krumme, gut verstaͤhlte Zinkeneisen, mit ihren nach hinten zu je— des Mal auß den folgenden Balken reichenden Enden eingetheilt, und durch Schrauben befestigt, so daß diese Eisen neun Furchenlinien bilden, von welchen ede in einem Ackerraume von 4 Zollen geht, so daß ein Ackerstreifen von 32 Zoll auf ein Mal durchzogen wird. An jeder Seite des laͤngeren Querbalkens ist ein Stellrad angebracht, wodurch die Tiefe bestimmt wird, wie die Zinken im Acker gehen sollen. Der kurze Grindel des Instruments wird auf einen Starken Pflugkarren mit hohen Rädern gelegt, und vermittelst der Grindelkette und den Ackerwagen, woran die Zugthiere gespannt werden, fortgezogen. Dieses Instrument ist in je⸗ dem Queckenboden anwendbar, und dem Zwecke vollig entsprechend, indem es jede Unkrautwurzel heraus⸗ hebt, und so den Acker rein macht. Vermoͤge der engen Bahnen, welche es durchwühlt, laͤßt es keine Bodenverbindungen zu, und die Quecken besonders im Sandboden, kommen ganz erdefrei heraus, so daß sie nach Belieben zusammen gerechet werden koͤnnen. Hoͤchstens bei nasser Zeit duͤrften die Que⸗ cken mit einer hoͤlzernen Egge noch ein Mal durch⸗ schüttelt werden. Das zweckmaͤßige Verfahren der Arbeit mit die⸗ sem Instrumente kann zu jeder Zeit geschehen, auf gestuͤrzten, aber noch besser auf ungestuͤrzten Stop⸗ pelfeldern ver Winters, wo dann die ausgebrachten Wurzeln und Queckenstöcke uͤber Winter auf dem Acker liegen bleiben, der Luft, Sonne, dem Frost ꝛe. ausgesetzt, der Verwesung geneigt gemacht, gegen das Frühjahr durch eine tiefe Furche untergeackert, und so dem Felde nuͤtzlich werden. Ist der Acker vor Winters mit dem Pfluge gestürzt worden, und soll er von Quecken befreit werden, so ist es noͤthig, daß das Feld vorher mit der Egge geebnet werde. Die Arbeit beginnt, wenn besonders der Acker sehr wild ist, erst den Beeten nach mit einer Tiefe von 2—3 Zoll, wodurch die Wurzelstoͤcke groͤßten⸗ theils gehoben werden. Ist dieß geschehen, so wird mit dem Queckentoͤdter quer uͤber die Beete oder Furchen gefahren, die Zinken desselben um 2 Zoll durch die Stellraͤder und Grindelkette tiefer gerich— tet, und auf diese Art saͤmmtliches Wurzelwerk dem Acker entnommen. Die Quecken können nun, wenn es im Fruͤhjahr oder Sommer geschieht, entweder wie im Herbst, der Verderbniß ausgesetzt, oder abgerechet, gruͤn zur Fuͤtterung verwendet, oder als Streuunterlage in den Schafstall gefahren werden. (Fortsetzung folgt.) —— e e