B 1486/10 fol. max- 44 Gießener Zeitung Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüdsendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. 44. Jahrg. - Bolitische Rundschau. Ueber die einstündige Unterredung des deutschen Botschajters von Hoesch bei Briand am 31. Dezember meldet der Pari ser„ Matin", daß die deutsch- polnischen Streitfragen ausschließ lich zur Aussprache gestanden haben. Brienes Absicht, in Gen zwischen der deutschen und der polnischen Auffassung zu ver: mitteln, sei der deutschen Regierung bekanntgegeben und es bcstehen seine übertriebenen Befürchtungen für die Genfer Rats: tagung. Wie aus Berlin gemeldet wird, hat sich der britische Außenminister Henderson, der Anregung Deutschlands entsprechend, bereit erklärt, den Vorsitz in der Bölkerbundstagung im Ja nuar zu übernehmen. Reichsaußenminister Dr. Curtius wird dann bei der nächsten Ratstagung als Präsident fungieren. In Genfer unterrichteten Kreisen verlautet, daß die polnische Regierung auf der Januartagung des Völkerbundsrates die französische Unterstützung zunächst in dem Sinne suchen werde, daß durch Anzweiflung der Zuverlässigkeit des in den drei deut schen Beschwerdenoten vorgebrachtn Anklagematerials eine jofortige Entscheidung unmöglich gemacht wird. Obwohl das Schlichtungsverfahren im Lohnkonflikt des Ruhrbergbaues noch nicht beendet ist, sondern am 7. Januar 1931 neue Verhandlungen stattfinden werden, versuchen die Kommunisten jetzt schon, eine Streitbewegung zu inszenieren. Am Freitagmorgen sind zur Frühschicht mehrere tausend Arbeiter auf verschiedenen Zechen zur Arbeit nicht erschienen. Betroffen sind die Reviere Hamborn, Gladbed, Hamm und Buer. Alle anderen Gegenden sind streikfrei. Der Staatliche Schlichtungsausschuß fällte unter dem Vorsitz des Beigeordneten Bragard einen Schiedsspruch, der eine Sentung der Löhne in der Wuppertaler Textilindustrie um 7 Prozent vorsieht. Der Schiedsspruch tritt am 16. ds. Mts. in Kraft und schafft eine Regelung bis zum 15. Juli ds. Js. Er gilt für mehr als 45 000 Arbeiter. Die deutsch- französischen Verhandlungen über den Handel mit Wollwaren, die unterbrochen worden waren, sollen wieder aufgenommen werden. Während die Neujahrsnacht in Thüringen allgemein ruhig verlaufen ist, wurde in Gotha, kurz vor Mitternacht, ein Sprengstoffanschlag auf die Geschäftsstelle der Nationalsozialisten ver: übt. Es wurde ein 63 Zentimeter langes und 3 Zentimeter startes mit Sprengstoff gefülltes Stahlrohr mit Hilfe einer Zündschnur zur Explosion gebracht. Das Reichsbanner in Berlin hat für Sonntag große Protestfundgebungen gegen das Ueberhandnehmen der politischen Ucberfälle auf das Reichsbanner angekündigt. Nach einer Linzer Meldung bringt das soeben erschienene Landesgesetzblatt die amtliche Mitteilung, daß die Vorführung des Films Im Westen nichts Neues" für ganz Oberösterreich verboten worden ist. Das französische Marinebudget für das Jahr 1931-32 erreicht die Höhe von 2 856,5 Millionen Franken. Es ist um 133,7 Millionen Franken höher als das des Vorjahres. ,, News Chronicle" verzeichnet das in Kanada umlaufende Gerücht, daß Baldwin der Posten des Generalgouverneurs von Kanada als Nachfolger Lord Willingdons, der als Vizekönig nach Indien geht, angeboten werden soll. Der Kohlenstrnit in Südwales hat mit dem 1. Januar be: gonnen. Die Bergleute sind fast vollzählig dem Rufe der Gewerkschaftsführer gefolgt und von ganz geringen Ausnahmen abgesehen, stehen sämtliche Gruben still. Man schäßt die Zahl der streikenden Arbeiter auf 140 000 bis 150 000 Mann, die sich zu den 100 000 ohnehin schon erwerbslosen Bergleuten des wali: sischen Distrikts gesellen. Der spanische Ministerpräsident, General Berenguer, er: klärte, daß die Wahlen zum spanischen Parlament am 1. März und die Wahlen zum Senat am 15. März stattfinden werden. Der seit 1928 im Amt befindliche Präsident Arosemena des Staates Panama ist gestern durch einen Putsch gestürzt worden. Die Rebellen haben in den Morgenstunden das Polizeipräsidium nach einem kurzen, überraschenden Gefecht erobert. Es ent: spann sich dann ein wechselvoller Kampf um das Präsidentenpalais, in dem die Aufständischen Sieger blieben. Präsident Arosemena wurde gefangen genommen. Die Aufständischen haben eine neue Regierung gebildet, an deren Spitze Rechtsanwalt Harmedico Arias steht. Am 1. Januar, dem Unabhängigkeitstage in Indien, den die Nationalisten im ganzen Lande feierten, lam es zwischen Demonstranten und Polizei in fast allen Teilen von Bombay zu blutigen Zusammenstößen und wahren Straßenkämpfen. Nach einer amtlichen Mitteilung ist es zwischen amerikaniichen Marinesoldaten. und Banditen im Berglande Nicaraguas zu einem heftigen Feuergefecht gekommen, in dessen Verlauf acht Marinesoldaten getötet und zwei schwer verwundet wurden. Präsident Hoover empfing am 1. Januar im Weißen Hause 6429 Neujahrgratulanten, denen er die Hand schütteln mußte. Der Leiter der von einem deutschen Syndilat übernomme= nen Arbeiten zum Bau des nördlichen Teils der Transpersischen Bahn veröffentlicht die Mitteilung, daß die ersten 128 Kilometer vor dem 1. Februar fertiggestellt sein werden. ( Gießener Tageblatt) Drud und Verlag von Albin Klein in Gießen. Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526. Postschedkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M. Samstag, den 3. Januar 1931 Beamtenschaft und Handwerk. Dieser Tage fand im Bundeshaus des Deutschen Beamtenbundes auf Veranlassung des Reichsverbandes des deutschen Handwerks eine Aussprache statt zwischen den Vertretern des Deutschen Beamtenbundes und der Spitzenverbände des Handwerks. Die handwerkerlichen Vertreter brachten ihr Bedauern darüber zum Ausdruck, daß zwischen den beiden Berufsständen Mißhelligkeiten überhaupt entstanden seien und verurteilten jede unverantwortliche Hetze gegen das Beamtentum. Sie wiesen ferner auf die außerordentlich schwierige Lage des Handwerks hin, die nicht überall eine gerechte Beurteilung fände und durch die Konkurrenz der beamtemvirtschaftlichen Einrichtungen eine weitere Erschwerung erfahre. Troß aller Schwierigkeiten sei das Handwerk bereit, die eingeleiteten Maßnahmen der Reichsregierung zur Senkung der Preise weitestgehend zu unterstützen und habe auch bereits Preissenkungen in beachtlichem Umfange vorgenommen. Die Vertreter des Beamtenbundes erklärten, daß die deutsche Beamtenschaft dem Handwerk durchaus Verständnis ent gegenbringe. Das Abrücken des Handwerks von der Heze gegen die Beamten in den letzten Jahren werde von der Beamtenschaft lebhaft begrüßt. Die besonderen Opfer der Beamten zwängen diese zu Maßnahmen zur Erhaltung ihrer Kaufkraft. Dorum müsse auch die von der Reichsregierung betriebene Preissenkung nach Kräften unterstützt werden und auch die Gefolg schaft des Handwerks finden. Bezüglich der beamtenwirtschaftlichen Einrichtungen wurde betont, daß der Deutsche Beamtenbund das Recht auf wirtschaftliche Selbsthilfe grundsätzlich bejahe, indessen selbst gewerkschaftliche Aufgaben zu erfüllen habe und sich mit derartigen wirtschaftlichen Einrichtungen nicht be faffe. In der weiteren Aussprache wurden verschiedene Einzelheiten sowohl der Einstellung weiter Kreise gegenüber den Beamten wie auch besonders der Preissenkung eingehend erörtert und dabei zum Ausdruck gebracht, das unliebsame Vorkomm nisse durch vertrauensvolle Zusammenarbeit geklärt werden solIen. Es bestand Einverständnis darüber, daß die eingeleiteten Besprechungen je nach Erfordernis mit einzelnen Fachverbänden des Handwerks fortgesetzt werden. Als Ergebnis der Aussprache darf festgestellt werden, daß sie ihren Zweck, Klarheit über das Verhältnis beider Berufsgruppen zueinander zu schaffen, vollkommen erreichte und daß auch auf beiden Seiten das aufrichtige Bestreben vorliegt, für die Zukunft Unstimmigkeiten jeder Art nach Möglichkeit auszuschalten. Stillegung auf der Hütte Ruhrort- Meiderich. Nachdem die Hütte Ruhrort- Meiderich der Vereinigten Stahlwerke während des ganzen letzten Jahres bereits mit Kurzarbeit und Feierschichten gearbeitet hatte, hat sich infolge der anhaltenden Absatzschwierigkeiten und des Mangels an Aufträgen die Notwendigkeit ergeben, in nächster Zeit einige Betriebsabteilungen der Hütte vorläufig stillzulegen. Von dieser Maßnahme, die am 1. Februar in Kraft treten soll, werden be! einer Gesamtbelegschaft von rund 7000 Personen etwa 3500 Arbeiter betroffen. Neue Steuern. Worms. Der Staatskommissar der Stadt Worms, Oberregierungsrat Dr. Seyferth aus Mainz, hat die Einführung folgender Steuern angeordnet: 33% prozentige Erhöhung der Grundsteuer für bebaute Grundstüde, 50prozentige Erhöhung der Grundsteuer von land- und Forstwirtschaftlich benutzten Flächen, 50prozentige Erhöhung der Gewerbeertragssteuer, Erhöhung der Biersteuer und Einführung der Bürgersteuer und der Getränkesteuer. Wie ist das möglich? Das deutsche Volk kauft täglich folgende Waren aus dem Auslande: Gemüse im Werte von. Aepfel und Birnen im Werte von Orangen im Werte von. Bananen im Werte von Milch, Butter und Käse im Werte von Eier im Werte pon. Weizen im Werte von Französische Parfümerien im Werte von Südwein im Werte von. Kunstseide im Werte von Amerikanische Kraftfahrzeuge im Werte von Englische und französische Kleider, Hüte usw. im Werte von Glaswaren im Werte von Wer seinem deutschen Vaterland in Zeiten der will, der klage und jammere nicht, sondern handle! 378 000 RM 184 000 RM 230 000 RM 132 000 RM 1 550 000 RM 770 000 RM 1 220 000 R 324 000 RM 180 000 RM 265 000 RM 160 000 RM 82 000 RM 90 000 RM Not helfen ( Neueste Nachrichten) Anzeigenpreise: die 30 mm breite Petitzeile auswärts 24 Pfg., lokal 12 Pfg., die 90 mm breite Reflame- Petitzeile 96 Pfg. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholung Rabatt. Für Vollklischee- Anzeigen außerdem besondere Ermäßigung. Nummer 1 Jahresrückbetrachtungen des Handwerks Das Jahr 1930 war wie für die gesamte Wirtschaft so auch für das deutsche Handwerk ein großes Notjahr. Die wirtschaftliche Entwicklung gestaltete sich schlecht. Selbst die Handwerkszweige, die in den verschiedenen Jahreszeiten normaler weise eine saisonmäßige Belebung aufzuweisen haben, waren mit dem Geschäftsgang sehr unzufrieden. Sparmaßnahmen der Behörden, Unsicherheit über die Verteilung der Hauszinssteuermittel sowie Kapitalknappheit bei den privaten Bauunterneh mern hemmten im Februar März den ordentlichen Beginn der Bautätigkeit und ließen diese auf das ganze Jahr hindurch nicht zu einer günstigen Auswirkung kommen. Die schlechte Lage in der Metallindustrie und im Bergbau blieben ebenso wie die mangelnde Rentabilität der Landwirtschaft weiter von nachteiligem Einfluß. Der Beschäftigungsgrad in den besten Monaten des Jahres stand weit hinter dem des Vorjahres zurück. Die große Arbeitslosigkeit schwächte die Kaufkraft der für das Handwerk in Betracht kommenden Kreise in stärkstem Maße. Im Zusammenhang hiermit mußte eine beträchtliche Zunahme der sogenannten Schwarzarbeit Erwerbsloser( unange= meldete gewerbliche Nebenarbeit) festgestellt werden. Mag auch das Bemühen, wenigstens hier und da durch eine kleine Ge legenheitsarbeit noch etwas zu verdienen, menschlich verständlich sein, allein der Mißstand droht verschiedenen handwerkerlichen Berufen einen großen Teil der Reparaturarbeiten vollständig zu entreißen. Eine weitere Gefahr liegt für das Handwerk darin, daß diese Nebenarbeit zu den niedrigsten Preisen angeboten wird. Sie kann bei ungleichen Voraussetzungen auch billiger zur Ausführung gelangen, da der Schwarzarbeiter steuerliche Vorschriften leicht zu umgehen weiß und auch keine sozialen Abgaben zu entrichten hat. Die starke Konkurrenz untergräbt für das Handwerk die Möglichkeit nach ausreichenden Preisen. To waren Rückgang an Aufträgen und verminderte Umsagtätigkeit bei geringer Verdienstspanne die Kennzeichen des Jahres. Dabei ließen sich weitere Verluste infolge der schlechten Zahlungsweise der Kundschaft nicht vermeiden. Das Borgunwesen hat einen noch nie gekannten Umfang erreicht. Während der Käufer sich daran gewöhnt hat, im Warenhaus bar zu zahlen, glaubt er, beim Handwerksmeister recht lange Kredit in Anspruch nehmen zu sollen. Wie sehr auch gerade dieser auf den Eingang seiner Außenstände angewiesen ist, wird meistens übersehen. Nachdem auch das Weihnachtsgeschäft nicht den gehegten Erwartungen entsprach, sollten sich aus allgemeinvolkswirtschaftlichen und menschlichen Gründen die säumigen Zahler befleißigen, ihre Schulden beim Handwerk zu tilgen. Sie können damit dem Berufsstand wenigstens nachträglich noch eine kleine Weihnachtsfreude bereiten. Ungünstig beeinflußt war das Geschäftsjahr noch infolge der im zweiten Halbjahr hervortretenden Bestrebungen der Reichsregierung auf Preissenkung durch die dadurch bedingte Zurückhaltung der Käufer. Das Handwerk verschließt sich daraus nicht diesen Notwendigkeiten. Im Gegenteil, es hat sich wiederholt zu Preisherabsetzungen bekannt und solche auch mehrfach vorgenommen. Allein es darf nicht verkannt werden, daß es sich hierbei um Vorleistungen handelt, da die für eine Herabsetzung der Preise in Betracht kommenden Unkostenfaktoren noch keine merkliche Senkung erfahren haben. Auch die Hoffnungen, deren Erfüllung man mancherorts gerade beim Handwerk erwar tet, werden sich nicht so rasch verwirklichen können. Das Handwerk gehört zu den in der Gütergewinnung abhängigen Schich ten und besitzt aus dieser Stellungnahme heraus auf die meist Fartellmäßig gebundenen Preise seiner Vorlieferanten keine Einwirkungsmöglichkeit. Die direkte Verbindung des Handwerks mit den Käufern beschwert zudem den Berufſtand mit allen Folgen der bisherigen verfehlten Wirtschaftspolitik, deren unerträgliche Belastung in sozialer und steuerlicher Hinsicht bekannt ist. Auch auf die Entwicklung der Löhne konnte das Handwerk angesichts der staatlichen Schlichtungspolitik kaum einen Einfluß gewinnen. Andererseits sorgt die wirtschaftliche Lage ganz von selbst für einen möglichst niedrigen Stand der Das Handwerk Geschäftsunkosten und des Gewinnanteils. ist sich hierbei seiner Verantwortung bewußt, bei den bei der Preisbildung seinen Einfluß unterliegenden Faktoren nur mit Das Handgrößter Gewissenhaftigkeit vorgehen zu können. werk weiß sehr wohl, daß eine Preispolitik, die etwa im dauernden Gegensatz zu der allgemeinen Lebenshaltung stände, zu einer zunehmenden Einschränkung des Absages, ja zu einer völligen Verdrängung vom Markte führen müßte. Hoffentlich beginnt mit den Notverordnungen vom 26. Juli und vom 1. Dezember 1930 das unbedingt notwendige, Das Handwerk durchgreifende, gesetzgeberische Reformwerk. hat den darin festgelegten Wirtschafts- und Finanzplan der Reichsregierung als einen Anfang der Maßnahmen anerkannt, die zur Gesundung der öffentlichen Finanzen in Deutschland und zur Rettung der deutschen Wirtschaft vor weiterem Verfall notwendig sind. Allein den ersten Schritten müssen weitere folgen, um eine wirkliche Entlastung der Wirtschaft und damit die Möglichkeit zu einem wirksamen Preisabbau zu geben. Das gilt sowohl für die steuerliche wie auch für die soziale Belastung. Auf stenerlichem Gebiet muß vor allen Din Samstag, den 3. Januar 1931. gen einmal eine wesentliche Senkung der Realsteuern eintreten. Die eingeleiteten Maßnahmen müssen weitere Ergänzung finden durch die so notwendige Reichsreform an Haupt und Gliedern und durch die ebenso nicht mehr hintan zu haltende Neuregelung der Reparationsfrage. Für das Handwerk bleibt das Jahr 1930 noch von besonderer Wichtigkeit, weil in ihm der Ausschuß zur Untersuchung der Erzeugungs- und Absatzbedingungen der deutschen Wirtschaft seine Ergebnisse über das deutsche Handwerk vorlegen konnte. Wir dürfen kurz darauf zurückgreifen, daß nach den Untersuchungen dieses Ausschusses für das Jahr 1926 I 300 000 Handwerksbetriebe mit I 320 000 Inhabern, 150 000 Gesellen, 766 000 Lehrlingen und 110 000 Angestellten festgestellt werden. Der Gesamtumsaß des Handwerks wird für das Jahr 1928/29 mit 20,6 Milliarden RM. oder 14-16% des volkswirtschaftlichen Gesamtumsages angege Einschließlich der Berufszugehörigen finden innerhalb der Handwerkswirtschaft rund 8 Millionen Deutsche oder 12,6% der Bevölkerung ihr Brot. ben. Diese Zahlen, die uns die wirtschaftliche Bedeutung des Handwerks künden, sind leider noch viel zu wenig bekannt. Es wird auch eine der Hauptaufgaben der vom 15. bis 22. März 1931 stattfindenden Reichs- Handwerks- Woche sein, auf diese Zusammenhänge hinzuweisen und die Deffentlichkeit über die Notwendigkeit des Handwerks für Volkswirtschaft und Volkskultur und über seine Bedeutung für den Zusammenhalt der Volksgemeinschaft aufzuklären. Möge der Erfolg auf Seiten der Veranstaltung stehen und sie zu einer neuen Belebung des wirtschaftlich, kulturell und sozial nicht zu entbehrenden Berufsstandes beitragen. Fort mit dem Remarque- Buch aus den Schulen. Im Namen seiner 3 Millionen ehemaligen Soldaten spricht der Kyffhäuserbund dem Reichswehrministerium seinen herzlichsten Dank dafür aus, daß es zum Schutze der Ehre und des Ansehens der alten Armee so mannhaft gegen den Remarque- Film eingetreten ist, der Kyffhäuser- Bund spricht die Erwartung aus, daß nunmehr endlich auch das Buch, das die Unterlage für diesen antideutschen Hezzfilm gab, aus den Schulbüchereien entfernt wird. Er erwartet, daß das Reichswehrministerium seinen ganzen Einfluß gegen die Auffassung des PreuBischen Kultusministers Grimme geltend macht, die dahin geht, daß dieses niederziehende und mit Unmoral durchsetzte Remarque- Buch ein vorzügliches Unterrichtsbuch für unsere deutsche Jugend darstelle. Vom Kreditnehmen. Heute ist die Hereinnahme von Geldeinlagen für die Geldinstitute nicht minder schwierig wie das Ausleihen der Kapitalien, das letztere, zumal in einer kapitalarmen Zeit, in der auf die wenigen Kreditmittel sehr viele Anwärter Anspruch erheben. Wenn dann Kreditgesuche abschlägig beschieden werden, ist man leicht geneigt, die Schuld den Geldinstituten zuzuschieben, ebenso, wie man gern von harten, rigorosen Maßnahmen spricht, wenn Geldinstitute auf Rückzahlung der Kredite zu den vereinbarten Terminen bestehen. Es ist hierüber ein offenes Wort sehr am Plate. Man kann sich in vielen Fällen des Eindrucs nicht erwehren, als ob Wirtschaftskreise es mit der Kreditaufnahme manchmal zu leicht nehmen. Was früher ganz seltene Ausnahme war, scheint heute leider schon zur Gewohnheit geworden zu sein. Gewiß haben sich im Kreditwesen die Verhältnisse geändert, und auch der kleine und mittlere Betrieb muß heute stärker mit Krediten arbeiten. Aber auch heute ist es immer besser, zunächst ohne fremde Gelder auszukommen, denn Kredite sind Schulden, die verzinst und frist= gerecht zurückgezahlt werden müssen. Auf der Rückzahlung müssen die Geldinstitute schon im Interesse ihrer Sparer aber auch um deswillen unbedingt bestehen, weil aus den zurückfließenden Mitteln die vielen anderen Kreditsuchenden befriedigt werden sollen. In Zeiten der Wirtschaftskrise, wie der gegenwärtigen, können solide Geldinstitute im Ausleihen von Kapitalien nicht vorsichtig genug sein, wenn sie nicht ein Einfrieren der Kredite oder gar Verluste riskieren wollen. Die Ablehnung eines Kreditgesuchs hat sich in mancherlei Fällen auch für den Beteilig= ten nachher als Vorteil herausgestellt, er kam auch ohne neue Schulden über den Berg weg. Man hört bisweilen die Meinung, die Ablehnung eines Kreditgesuches, vor allem kleiner Unternehmungen und das Bestehen auf fristgerechter Zurüdzahlung, widerspreche dem Prinzip der Gemeinnützigkeit. Diese Auffassung kann schon um deswillen nicht richtig sein, weil auch ein gemeinnütziges Institut kein Geld verlieren kann und seinerseits seinen Verpflichtungen nachkommen muß. Gemeinnützigkeit äußert sich in der Festsetzung günstiger Kreditbedingungen, in der Gewährung von Klein krediten, keinesfalls aber darf Gemeinnüßigkeit so ausgelegt werden, als ob Kredite um jeden Preis und für jeden Zweck zu gewähren sind. Eine weitere Sparmaßnahme. Wie wir hören, soll das Reichsarbeitsministerium einen Runderlay an die Direktoren sämtlicher Hauptversorgungsämter gegeben haben. Durch diesen Runderlaß wird eine weitere erhebliche Einschränkung der Bescheide nach§ 71 des Verfahrensgesetzes verfügt. In Zukunft sollen neue Bescheide nach § 71 des VG. in der Regel nicht mehr erteilt werden. Ausgenommen sollen die Fälle sein, bei deren Prüfung das Hauptversorgungsamt einwandfrei feststellt, daß der frühere Bescheid unzweifelhaft unrichtig ist. Auch über die Bescheiderteilung in den Fällen des§ 28 RVG.( betr. Ausgleichszulagen) enthält der Runderlaß die Anweisung, daß nur zu prüfen sei, ob die frühere Beischeiderteilung unzweifelhaft unrichtig ist. Bei Anträgen auf Grund des§ 113 RVG.( Härteausgleich) soll geprüft werden, ob eine unbillige Härte vorliegt. Wenn das Versorgungs- oder Hauptversorgungsamt zu einer Anerkennung des Anspruchs auf Grund des§ 113 RVG. fommt, so soll es zunächst die Zustimmung des Reichsarbeitsministeriums einholen, bevor es einen entsprechenden Bescheid erteilt. „ Gießener Zeitung" Gch. Gewerberat Falf- Mainz+ Zum Gedächtnis an den Ehrenvorjißenden der Hess. Handwerkskammer Darmstadt. Am Silvesterabend 1930 entschlief sanft der Ehrenvorsitzende der Hessischen Handwerkskammer, Herr Geheime Gewerberat J. B. Fa I k= Mainz. Eine seltene Persönlichkeit, hochgeehrt und geachtet von dem gesamten deutschen Handwerk und allen Berufsschichten, mit denen sie in Berührung kam, ist dahingegangen, ein arbeitsfrohes, reich gesegnetes Leben zum Abschluß gekommen. Herr Geheimerat Falk, aus einer alteingesessenen, angesehenen Mainzer Handwerkerfamilie stammend, hat sich in früheren Jahren der Förderung der Belange seines Berufsstandes zugewandt. Mit anderen bedeutenden Männern stand der Verstorbene in der vordersten Linie der Kämpfer für Anerkennung des deutschen Handwerks als selbständiger Berufsstand, war ein Mitstreiter für die Erringung der Gleichberechtigung des Handwerks mit anderen Wirtschaftsgruppen, als dessen Krönung die Errichtung der Handwerkskammern im Jahre 1900 zu bezeichnen ist. Nachdem auf Grund des Reichsgesetzes vom Jahre 1899 auch für Hessen eine besondere Handwerkskammer im Jahre 1900 gegründet wurde, übernahm Herr Geheimrat Falk, getragen von dem Vertrauen des Hessischen Handwerks, den Vorsitz und lenkte die Geschicke der Kammer durch die Friedensjahre, die schwere Kriegsund Nachkriegszeit, bis ihn im Jahre 1924 zunehmendes Alter und die Bedrängnisse der Besetzung zwangen, dieses Amt niederzulegen. Zum Ehrenvorsitzenden der Kammer ernannt, hielt er weiterhin stets engste Füh lung mit der Kammer und beteiligte sich anch bis in die letzten Jahre hinein an den Vorstandssigungen. Seine seltene Arbeitskraft, seine zielsichere Klarheit, verbunden mit unbeugsamer Energie, gaben der Tätigkeit der Hessischen Handwerkskammer während seiner Amtsführung das Gepräge. Seine taktisch stets Kluge, vornehme Verhandlungsart erwarben ihm das Vertrauen seiner Berufskollegen und über das Handwerk In hinaus aller Wirtschaftskreise, Behörden und sonstigen Einrichtungen, mit denen er in Verbindung trat. zahlreichen Ehrenstellen befindlich, wurde sein Eintreten, sein Wort hoch geschätzt und gab sein Rat in vielen, entscheidenden Dingen den Ausschlag. Nicht nur das hessische, sondern das gesamte deutsche Handwerk verliert in dem Dahingegangenen einen bedeutenden Führer, der stets mit scharfem Blick, unerschrocken, selbstlos aber zielbewußt sich für seinen großen Berufsstand einsetzte. Vor vier Wochen konnte das hessische Handwerk seinem greisen Führer die innigsten Glückwünsche zum 80. Geburtstage überbringen. Heute steht es trauernd an der Bahre. Das Handwerk erkennt aber, daß das Schaffen und Wirken Falks nicht vergeblich war. Die Samenkörner, die er mithalf, auszustreuen, die Taten, die er vollbracht, sie wachsen und leben weiter, werden gehegt und ausgebaut in seinem Sinn. Dies bietet die Gewähr, daß der Name Falk im hessischen, wie im deutschen Handwerk nicht untergehen wird. Seine Werke überdauern den Tod. Das hessische Handwerk wird seinem einstmaligen verdienstvollen Führer ein ewiges, dankbares GedenW. Sch. ken bewahren. Nr. 1 Gar In einem weiteren Erlaß des Reichsarbeitsministeriums| fährdung der wirtschaftlichen Existenz der betreffenden Rentenwird verfügt, daß Nachzahlungen auf Zusakrenten gemäß§ 92 RVG.( Zahlung von Zusayrenten für einen Zeitraum von drei Monaten vor der Antragstellung, in Ausnahmefällen auch für einen längeren Zeitraum) in Zukunft nur dann geleistet werden sollen, wenn zweifellos ein unabweisbares Bedürfnis hierzu vorliegt. Wenn die Fürsorgestellen zu dieser Ansicht kommen, soll gleichfalls die Entscheidung des Reichsarbeitsministeriums vor der Bescheiderteilung eingeholt werden, jedoch bedürfen Nachzahlungen bis zu drei Monaten lediglich der Genehmigung der zuständigen Hauptfürsorgestelle. Kapitalabfindung. Der Reichsarbeitsminister. Berlin, den 29. November 1930. I a Nr. 8756/30. Die ungünstige Finanzlage des Reiches läßt die Bewilligung von Kapitalabfindungen im laufenden Rechnungsjahr nicht mehr zu. Gleichwohl sollen Beschädigte, wie mir bekannt geworden ist, vielfach Verträge über Erwerb von Grundstücken und Errichtung von Häusern abschließen, weil sie mit der Bewilligung der Kapitalabfindung in späterer Zeit rechnen; da z. 3. nicht übersehen werden kann, ob und in welchem Umfange künftig Mittel für die Kapitalabfindung bereitgestellt werden können, fann eine schwere Schädigung und unter Umständen eine Geempfänger die Folge solcher Verträge sein. Nach meinen Beobachtungen muß ich nachdrücklich vor der Uebernahme von Verpflichtungen warnen, solange nicht das Siedlungswesen einwandfrei finanziert und die Kapitalabfindung bewilligt ist. Es kann nicht damit gerechnet werden, daß die aus solchen voreilig abgeschlossenen Verträgen entstehenden Schwierigkeiten durch bevorzugte Bewilligung einer Abfindung zum Nachteile derjenigen, die den Bestimmungen gemäß sich vor der Bewilligung nicht vertraglich gebunden haben oder aus sonstigen öffentlichen Mitteln behoben werden könnten. Anmerkung der Schriftleitung: Wie wir zuverlässig erfahren, hat der Herr Reichsarbeitsminister den Hauptversorgungsämtern einen Erlaß vom 17. November 1930 I a 8289 zugehen lassen, in welchem zum Ausdruck gebracht ist, daß wegen Mangels an Mitteln alle Anträge auf Kapitalabjindung ausnahmslos bis auf weiteres abzulehnen sind. Sicherem Ver= nehmen nach, so sei ergänzend bemerkt, soll auch für das Rechnungsjahr 1931 nur ein ganz kleiner Bruchteil der bisherigen Mittel für Kapitalabfindungen bereitgestellt werden können. Daraus geht hervor, daß nur in ganz besonders gelagerten Ausnahmefällen ein Antrag auf Kapitalabfindung in Zukunft einige Aussicht auf Erfolg haben wird. Die Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen werden gut tun, diese Aussicht vorläufig auf den Nullpunkt zu setzen. Au Vie abe Gli Ab bal die Tei Der Geb ift etit Geh und Wel unb Jah häl müj den Der mit erho die zeit zu bri bäu wal auf Pig Don wit höh Wi gle der Don ern Go und tre die diej nad Fei En Dor Au nid nitadt. Herr allen eben end, deu hen des im erks des egs gen, Füh der stets werk In elen, genen einen nsche irken t, fie der uern ben 5. enden Rentench meinen Be bernahme von ungswesen einewilligt ist. Es folchen voreilig rigkeiten durch Nachteile der er Bewilligung gen öffentlichen verfällig erfah uptversorgungs - I a 8289 t ist, daß wegen abjindung aus Sidjerem Ver für das Rech der bisherigen werden fönnen. gelagerten Aus ng in 3utunit iegsbejdhädigten fe Aussicht vor Nr. 1 Samstag, den 3. Januar 1931. Lokales. Sonntagsgedanken. Das neue Jahr hat nun seine Tore weit vor uns geöffnet. Auf seiner Schwelle wünschten wir uns Glüd und Seligkeit. Viele sagten es gedankenlos hin, manchen war es sogar Lüge, aber immer bleiben es noch genug, die uns gutgemeint reiches Glück durch zwölf Monate dieses Jahres mitgeben wollten. Aber so viel Glück gibt es gar nicht auf dieser Erde. Schon bald im neuen Jahr werden wir auf die Grenzen und Enden dieses Erdenglüdes stoßen. Das Menschenleben bleibt allzu reich an ungestillten Wünschen und unerfüllten Hoffnungen. Denn ist ein Ziel glüdlich erreicht, beginnt schon ein neues Sehnen und Wünschen. Aber nicht ,, ein glückliches neues Jahr" ist unser Endziel. Das liegt viel weiter, viel höher, dort oben erst über den Sternen. Und darum kann diese Erde unser Sehnen und Wünschen gar nicht stillen, kann dieses neue Jahr und das reine, ungetrübte Glüd gar nicht bringen, weil diese Welt des Glüdes nicht hier ist, sondern weit fort in einem unbekannten Land, in das uns wohl eines der kommenden Jahre einmal führen wird. Doch jeder Tag im neuen Jahr hält eine Kraft verborgen, dieses wahre Glück auch wirklich zu erlangen. Nicht wünschen dürfen wir es allein, sondern wir müssen es auch wollen. Der Sonntagsschreiber. Der Staatskommissar. Die hessische Regierung hat zum Staatskommissar der Stadt den Oberregierungsrat Haberkorn aus Darmstadt ernannt. Der Staatskommissar hat zur Sicherung der Haushaltsführung mit sofortiger Wirkung die vom Stadtrat verweigerten Steuererhöhungen zwangsweise angeordnet, wobei die Steuersäge über die von der Stadtverwaltung geforderten hinausgehen. Gleichzeitig wurde angeordnet, daß Kapitalaufnahmen und Arbeiten zu unterlassen sind, sofern sie nicht finanzielle Vorteile er: bringen. An Gemeindeumlagen wurden festgesetzt: Grundgebäudesteuer 35 Pfg., anstatt 33 Pig. laut Antrag der Stadtverwaltung, Grundsteuer aus unbebautem Grundbesitz 35 Pfg., die auf der alten Höhe bleiben sollte, Kapitalertragssteuer von 65 Pfg., die auf 60 Pfg. beantragt war, und Gewerbeertragssteuer von 300 Pfg., die auf 280 Pfg. beantragt war. Gleichzeitig wird ab 1. Januar 1931 eine Getränkesteuer erhoben. Die Erhöhung der gesetzlichen Miete wurde abgelehnt. * Aus der evangelischen Gemeinde. Der Pfarrassistent Wilhelm Seemann aus Schwerin in Mecklenburg wurde in gleicher Eigenschaft nach hier berufen. * Ehren- Dom- Kapitular. Geistlicher Rat Dekan Bayer, der Pfarrer der katholischen Gemeinde, wurde durch den Bischof von Mainz, Dr. Ludwig Maria Hugo, zum Ehren- Domkapitular ernannt. * Stadttheater. Als Fremdenvorstellung gelangt am Sonntag die erfolgreiche Schlageroperette ,, Meine Schwester und ich" zur Aufführung. Beginn 6½ Uhr. Für Hundesteuerzahler. Die Landesregierung hat die Eintreibung sowohl der staatlichen wie örtlichen Hundesteuer auf die Stadt Gießen übertragen. * Alice- Frauenverein. Wie in den Vorjahren sollen auch dieses Jahr die männlichen und weiblichen Hausangestellten, die nachweisbar 20 Jahre in einer Familie dienen, durch eine kleine Feier geehrt werden. Der Verein bittet um Anmeldung bis Ende dieses Monats. * Amtsgericht. Ein Radfahrer, der gegen die Verkehrsvorschriften verstoßen hatte, wurde mit einer Geldstrafe belegt. Auf den Bürgersteigen darf kein Rad gefahren werden, auch nicht bei kurzen Ueberquerungen, um von der Straße in Höfe Das Dorffirchlein. Das schönste wohl im ganzen Dorf, Das ist das Kirchlein, lieb und traut, Es ragt so stolz und schlank empor, Am Kirchhof steht es aufgebaut. Es schaut so still und ernst hernieder, Blickt auf den lieben, heim'schen Ort, Schaut auch über die Kirchhofsmauer Und grüßt die Gräber hier und dort. Es grüßt die Gräber all, die stillen, Der vielen Toten, die hier ruh'n, Und die, die hier so früh geschieden, Ewig von ihren Werken ruh'n. Es kennt sie all, die ernsten Schläfer, Seit ihrem ersten Kirchengang Hat oftmals sie zu sich gerufen, Mit ihrem trauten Glockenklang. In ernsten und in heit'ren Stunden, Ließ es ertönen seinen Ruf, Bis alle sich dann eingefunden, Von Gott zu hören, der uns schuf. Und bei dem letzten Gang der vielen, Wie machtvoll tönet dann ihr Erz, Doch auch wiederum so traurig Läut's dem Geschiedenen himmelwärts. Als könnte es den nun Entschlafenen Nicht ohne Trost hier scheiden seh'n, Als müßt es ihn daran ermahnen, Einst werden wir uns wiedersehn. Solange schlaf zu meinen Füßen, Traumios den Schlaf der ew'gen Nacht, Bis einst die größte aller Glocken Euch ruft! So lange halt ich Wacht.. Das Dorfkirchlein, das ist ein trauter, Ein schöner, stiller Ort, Drum Gottes Segen über alle, Die hier aus und eingeh'n immerfort. ,, Gießener Zeitung" usw. zu gelangen. Gleichfalls mit einer Geldstrafe wurden zwei Landleute belegt, die einen Vollstreďungsbeamten an der Ausübung seiner Pflicht verhinderten. Wegen Fischereifrevels wurde ein Erwerbsloser mit 13 RM. Geldstrafe belegt. * Quartettverein Gießen. Der Verein hält heute abend im Café Leib sein Winter- Vergnügen ab. Steuerfalender für Januar 1931. ( Mitgeteilt von der Südwestdeutschen Revisions- und TreuhandVereinigung Frankfurt a. M.) Reich: 1. Januar: Stichtag für die neue Vermögenssteuerfestsegung. 3. Januar: Ablauf der Frist für Kündigung aufgewerteter Hypotheken. 5. Januar: Lohnabzug für die Zeit vom 16. bis 31. 12. 1930. für die Zeit vom 1. bis 31. Dezember 1930, falls im Ueberweisungsverfahren die bis zum 15. 12. 1930 einbehaltenen Beträge 200 RM. nicht überstiegen haben. 10. Januar: Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer in Höhe von einem Viertel der im letzten Steuerbescheid festgesetzten Steuerschuld. Gleichzeitig ist die Hälfte des Zuschlages zur Einkommensteuer 1929 für Einkommen mehr als 8000 RM., sowie die Hälfte des Ledigenzuschlages der veranlagten Ledigen abzuführen. von 10. Januar: Körperschaftssteuervorauszahlung 1930. 10. Januar: Zahlung der Reichshilfe der Aufsichtsratsmitglieder zur Hälfte. 10. Januar: Anmeldung und Zahlung der Börsenumsatzsteuer für Dezember 1930, bei Vierteljahreszahlern für das vierte Quartal 1930. 10. Januar: Umsatzsteuervoranmeldung und-Vorauszahlung für das 4. Vierteljahr 1930.( Schonfrist bis 15. 1. 1931.) 20. Januar: Lohnabzug für die Zeit vom 1. bis 15. Januar 1931 beim Markenverfahren. Jm Ueberweisungsverfahren nur, falls die bis zum 15. Januar 1931 einbehaltenen Lohnsteuerbeträge 200 RM. überstiegen haben. 20. Januar: Bis zu diesem Termin sind die Lohnsteuerbescheinigungen bezw. Lohnsteuerüberweisungsblätter beim Finanzamt einzureichen. Sind Steuermarken geklebt, so hat der Arbeitnehmer Steuerkarte und Einlagebogen selbst einzureichen. Hessen: 26. Januar: 5. Ziel der Kommunalsteuern( Grund-, Gewerbeund Sondergebäudesteuer) in Höhe des zugestellten Vorauszahlungsbescheides.( Schonfrist meist bis zum 5. Februar 1931.) Jagd im Januar in Hessen, mitgeteilt vom Hess. Jagdklub e. V., Darmstadt. Mit Ende des Monats Dezember schließt in Hessen die Schußzeit auf Fasanen- Hennen. Die Jagd auf den Fasanenhahn bleibt offen bis Ende Mai. Der Hase darf noch bis zum 15. Januar bejagt werden. Rehwild, Auerhahn und Rebhühner genießen Schonung. Ente, Schnepfe, Bekassine, Dachs, außerdem Edel- und Damwild, Schwarzwild, wilde Kaninchen und Tauben sind den ganzen Monat Januar zum Abschuß frei. Die Kaninchensuche mit dem Frettchen wird eifrig gepflegt und liefert bei entsprechendem Wetter gute Beute. Alles HaarRaubwild trägt den besten Winterbalg, Füchse ranzen und sind viel auf den Läufen, das Schwarzwild rauscht. Bei anhaltender Kälte kommen die Enten auf eisfreie Stellen in Bächen und Wiesen, wo sie anzubirschen sind, auch auf dem Strich werden sie geschossen. Manche selteneren nordische Arten besuchen jetzt unsere Reviere. Reichliche Beschichung der Fütterungen, Salz und Ruhe vor jeder Störung sind dem Wilde in der Notzeit des Winters Das schönste wohl im ganzen Dorf, Das ist das Kirchlein lieb und traut, Es grüßt so still und ernst herüber Zur Ehre Gottes aufgebaut. Irene Knorr- Gießen, Schriftstellerin. Scapa Flow*). Um 10 Uhr. vormittags verläßt die englische Flotte unter Zurücklassung weniger Bewachungsfahrzeuge den Hafen. Die Deutschen trauen ihren Augen nicht. Der Sinn der Maßnahme ist nicht erkennbar. In gewaltiger Erregung nimmt Admiral von Reuter die Meldung entgegen. Es ist ein Wink des Schicksals! Wenige Minuten später ergeht vom Admiralsschiff das verabredete Signal. Um 11,30 sind von allen Schiffen die Bestätigungen eingetroffen. Offiziere und Mannschaften eilen durch die Schiffsräume. Alle inneren Türen und Luken, alle Ventilatoren und Seitenfenster stehen plötzlich sperrangelweit auf. Dann noch ein kurzer, furchtbar bitterer Augenblick für die Kommandanten, ein mit erstidter Stimme gegebener Befehl. Die unter Wasser liegenden Torpedorohre, die Ventile und Schleusen werden den Wasserfluten geöffnet. In diden Strahlen schießen sie herein. Die Mannschaften auf den englischen Bewachungsschiffen genießen den schönen Tag. Warum soll man nicht die Abwesenheit des strengen Admirals ein wenig ausnuten? Faul lehnen die Leute an der Reeling oder blinzeln in den wolkenlosen Himmel. Irgendeiner sagt, es sei sonderbar, aber fast sehe es so aus, als wenn Friedrich der Große" Schlagseite habe. Man lacht, man macht Wize, man schließt Wetten ab. An Bord des Linienschiffs Friedrich der Große" wird es plöglich lebendig. Boote werden zu Wasser gebracht. Ueber das stille Wasser tönt scharf und abgemessen der Einzelschlag der Schiffsglocke: ,, Alle Mann von Bord".Mannschaften mit schweren Kleidersäcken beladen, steigen in die Boote. Auch auf den anderen Schiffen entsteht große Bewegung. Die deutsche Kriegsflagge, die am 21. November 3.57 Uhr nachmittags auf Befehl des englischen Admirals niedergeholt worden ist, um nie wieder gesetzt zu werden, steigt empor. Die Engländer starren auf das Schauspiel. Dann entsteht Panik unter ihnen. Dampfsirenen heulen auf. In sinnloser Wut fahren die kleinen Dampfer freuz und quer zwischen die deutschen Boote, die unter der weißen Flagge dem Lande zustreben. Gleich darauf peitscht heftiges Maschinengewehrfeuer über das Wasser. Kurz nach 12 Uhr beginnt der gewaltige Schiffskörper des *) Entnommen dem Buche: ,, Revolution über Deutschland" von E. O. Volkmann.( Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. D.) Nr. 1 Lebensbedingung, darum stets strenge Aufsicht, namentlich auch in der Nähe von einzelnen Gehöften und Zäunen! Schafflers Wettervorhersage für Januar 1931. Schroffe Gegensätze innerhalb kurzer Zeit, der Grundcharakter der Januarwitterung. Nach vorangegangenem Winterwetter schon in den ersten Tagen Temperaturanstieg, mildes Wetter, das allmählich in Tauwetter übergeht, mit stürmischen Winden und Regen. Mit Beginn der 2. Dekade wieder falt und winterlich, gute Wintersportmöglichkeiten. Mitte des Monates wieder Frost und Schneefall. Das Winterwetter dürfte aller Voraussicht nach bis Ende des Monats anhalten und die tiefsten Temperaturen des Monates bringen. Gute Eis- und Schneesportaussichten. Aus Nah und Fern. Starte Zunahme der Maul- und Klauenseuche in Hessen. Nach den amtlichen Mitteilungen über den Stand der Maulund Klauenseuche waren am 15. Dezember in Hessen insgesamt in 14 Gemeinden 24 Gehöfte verseucht. Gegenüber der letzten Berichtswoche ist die Seuche in 13 Gehöften neu aufgetreten. Es sind u. a. befallen im Kreise Friedberg 2 Gehöfte, und/ im Kreise Lauterbrach 5. Laubach. Die Vorgänge beim Laubacher Vorschußverein werden jetzt durch die Berichte der Untersuchungskommission und des beeidigten Bücherrevisors Will( Gießen) restlos aufgedeckt. In erster Linie ist es die Hauptverbindung mit einem einzigen Kunden, der Holzschneiderei und Holzgroßhandlung Gebr. Schmidt, Laubacher Wald, durch die seit 1928 ein Verlust von einer Viertel Million Mark entstand. Bad Nauheim. Das mit einer Stiftung von Frau Luise E. Kerckhoff aus Los Angeles gerichtete Forschungsinstitut für Herzkrankheiten geht seiner Vollendung entgegen. Der gegenüber dem Badehaus VIII errichtete Neubau ist so weit fortge= schritten, daß das Institut voraussichtlich im Frühjahr eröffnet wird. Friedberg. Ein aus Frankfurt stammender Zugführer stürzte von einem auf der Ausfahrt aus dem hiesigen Bahnhof befindlichen Zuge. Die beim Sturz erhaltenen Verlegungen am Kopfe machten die Ueberführung ins Bürger- Hospital erforder= lich. Schotten. Das Motorradrennen ,, Rund um Schotten" wurde auf den 19, Juli 1931 festgesetzt. Das Rennen wird wieder als Meisterschaftslauf sämtlicher Klassen ausgefahren, es ist das einzige Straßenrennen Hessens. Wegen einer Flasche Wein den Freund erstochen. Bingen, 2. Jan. In dem Naheort Schweppenhausen wurde in der Neujahrsnacht ein 29jähriger junger Mensch erstochen. Er und sein Freund, beide aus dem gleichen Ort, hatten in einem Hause gemeinschaftlich Silvester gefeiert und sprachen dem Alkohol reichlich zu. Sie gerieten wegen einer Flasche Wein in Streit. Nach Verlassen der Wohnung, als beide schon start angetrunken waren, eilte Sedler in seine Behausung und holte dort ein Küchenmesser. Mit diesem versetzte er dem vorübergehenden Freund mehrere Stiche in die Brust. Einer traf das Herz. Der Täter ist als Trinker bekannt. Der Erstochene war der Sohn einer älteren Witwe. Weglars neuer Bürgermeister. Wetzlar. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung wurde der zum Bürgermeister der Stadt Wetzlar gewählte Syndikus der Buderus'schen Eisenwerke und Beigeordnete Dr. Hugo Bangert, der bisher mit der kommissarischen Verwaltung betraut war, in sein Amt eingeführt. Linienschiffs Friedrich der Große" sich tief auf die Seite zu neigen. Durch die offenstehenden Seitenfenster brausen Wasserströme in das Innere. Um 12.16 Uhr bäumt die Stahlmasse sich auf und fährt als erstes Opfer mit wehender Kriegsflagge zu Grund. Weißen Schaum vor dem Bug jagt die englische Flotte von ihrer Uebungsfahrt zurück, windet sich in hoher Fahrt durch die Inseln am Eingang der Bucht, klar zum Gefecht. Zu spät. Von Bord seines Schiffes aus wird der englische Admiral Fremantle ohnmächtiger Zeuge des Untergangs der deutschen Flotte. Die sichere Beute ist ihm entrissen. Das Feuer wird eingestellt. Es ist fast ein Wunder, daß ihm nicht mehr als zehn Tote und sechzehn Verwundete zum Opfer gefallen sind. Schiff um Schiff versinkt; die Linienschiffe ,, König Albert", ,, Kronprinz Wilhelm".„ Kaiser"," Prinzregent Luitpold", dann die großen Kreuzer ,, Moltte" ,, Seydlig",„ von der Tann", da in alle die anderen; 5 Schlachtfreuzer, 10 Linienschffe, 46 Torpedoboote. Als letzter um 5 Uhr nachmittags der Schlachtkreuzer Hin denburg". Sporthumor. Aus einem Schulaufsatz:„ Die Araber hingen alle mit übergeschlagenen Beinen am Munde des Märchenerzählers". Müs= sen die aber einen tüchtigen... Gymnastiklehrer gehabt haben! „ Ich habe gedacht, dein Mann hätte dir das Motorrad,, Stimmt auffallend. Aber deshalb fahre fahren verboten." ich ja!" Ein Borer erzählt:„ Also in der ersten Runde... bummbs! trifft er mich mit einem Geraden mitten ins Gesicht... Ah! Alter Freund... ich verliere teine Zeit... und bummbs! sted ich noch einen ein!" ,, Das sage ich dir, Leonhardt, wenn deine Vereins- Vorstandssitung heute wieder im Wartesaal des Bahnhofs beginnt. bis morgen früh um 5 Uhr dauert, und wenn du dann wieder ein blondes Haar auf deinem Anzug hängen hast, dann melde ich deinen Austritt an!" ,, Jimmy, was siehst du famos aus. Wir haben uns ja seit einigen Jahren nicht mehr gesehen." ,, Kunststück, alter Junge, ich habe mich ja auch gesund ge= macht." ,, So? Womit denn?" ,, Mit Wintersport!" Mit Wintersport? Bist du denn dazu nicht ein bißchen zu dick?" „ Oller Dussel! Ich betreibe ihn ja doch nicht selber. Ich verkaufe bloß Schneeschuhe Samstag, den 3. Januar 1931. Nauborn( Kreis Weylar). Das im Zentrum des Dorfes gelegene Geschäftshaus des Metzgers und Kolonialwarenhändlers Karl Schmidt wurde ein Raub der Flammen. Eine beneidenswerte Gemeinde. Kazenelnbogen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Landgemeinden des Unterlahnkreises ist es für Katzenelnbogen nicht notwendig, für das laufende Rechnungsjahr die Steuern zu erhöhen bezw. solche neu einzuführen. Zur Freude der Gemeindevertretung konnte das der Bürgermeister in der letzten Sitzung feststellen. Marburg, Die N. G. Elwertsche Universitätsbuchhandlung in Marburg konnte am 1. Januar 1931 auf ihr 100jähriges Jubiläum zurückblicken. Gelnhausen. Einer der ältesten Einwohner des Kreises Gelnhausen, Schreinermeister Wilhelm Schäfer( Untersotzbach bei Birstein) wurde am Neujahrstage bei voller Körper- und Geistesfrische 95 Jahre alt. Frankfurt. a. M. Die Untersuchung gegen den internationalen Fassadenkletterer Albert Heden aus Essen, der am Mittwoch vormittag in Berlin verhaftet wurde, nimmt immer größe ren Umfang an. In Frankfurt wurden sechzehn Personen verhaftet. Im Besitz des Hecken fand man noch 30 000 Mark in bar und außerdem eine Menge Schmucksachen. Heden, der von Beruf Metzger ist, wird nach Frankfurt übergeführt. Die Untersuchung befindet sich erst in den Anfängen. Schwindelunternehmen. Frankfurt a. M. In dem kleinen Taunusort Eisenroth richteten zwei Berliner ein Bureau ein, dem sie den stolzen Namen ,, Westdeutsches Exporthaus" gaben. Von hier aus überschwemmten sie unzählige Zeitungen mit Anzeigen, die ein Preisrätsel enthielten. Das Rätsel bestand aus vier Wörtern, aus denen je ein Buchstabe genommen werden mußte, die zusammengesetzt das Wort„ Metz" ergaben. Wer das Rätsel löste und sich bei der Firma meldete, konnte an einer großen Verlosung teilnehmen. Nicht weniger als 25 000 Lösungen gingen ein. Nun mußten die Interessenten je sieben Mark einschicken, wofür ihnen ein photographischer Apparat übermittelt werden sollte. Die Schwindler haben den Leuten natürlich keinen photographischen Apparat übersandt. Viele tausend Personen, die den Schwindlern das Geld übermittelten, warten heute noch auf Rückzahlung des Geldes. Die Frankfurter Polizei griff jetzt ein und hob das Nest aus. Dortmund, 2. Jan. In einem Schreibwarengeschäft explodierten während der Silvesterfeier, die in einem Zimmer hinter dem Laden stattfand, ien größerer Vorrat an Feuerwerkskörpern. Sieben Personen wurden verletzt, davon zwei lebensgefährlich. Ein Tierbändiger von einer Löwin angefallen. Dresden. Im Zirkus Schneider, der augenblicklich im Gebäude des Zirkus Sarrasani Vorstellungen gibt, wurde ein Tierwärter am Neujahrstage von einer Löwin angefallen. Wärter erlitt erhebliche Kopf- und Schulterverletzungen und mußte ins Krankenhaus geschafft werden. Der Ueber das Mischen der künstlichen Düngemittel. Von Dr. P. Lieb, Landwirtschaftslehrer u. Wirtschaftsberater. In der Fach- und Tagespresse wird in den letzten Jahren immer mehr auf die Bedeutung einer sachgemäßen Pflanzenernährung hingewiesen. Jeder neuzeitliche und vor allen Dingen ,, rechnende" Landwirt weiß heute, daß nur durch einwandfreie Feldbestellung, verbunden mit einer sachgemäßen Düngung und nachfolgenden Pflege des Ackerlandes, nicht zuletzt des Grünlandes, Höchst- und vor allen Dingen„ Reinerträge", auf die es ganz besonders ankommt, geschaffen werden. Auf dem Düngemittelmarkte wird dem Landwirt eine Reihe von Düngemittel angepriesen: Stichstoff, Phosphorsäure, Kali und Kalk. Es sind dies die vier Hauptnährstoffe, deren Vorhandensein im Boden für das Gedeihen der Kulturpflanzen unerläßlich ist. Viel Tinte und Papier wurde schon verschrieben und dem praktischen Landwirt flar= auch dem Kleingartenbesitzer gelegt, wie, was und wann er zu düngen hat. Nichts ist aber verkehrter als einseitige Düngung, das ist zwar eine bekannte Union 交 „ Gießener Zeitung" Tatsache, sie muß dem Landwirt aber immer und immer erneut eingehämmert werden. Gerade im vergangenen Erntejahr konnte man oft Klage hören über ,, Lagergetreide", hervor gerufen durch einseitige oder zu späte Stidstoffsäuredüngung! Die Nährstoffe müssen zu einander in einem harmonischen Verhältnis stehen, erst dann können wir befriedigende Erträge erzielen. Die Grundlage jeglicher Düngung bilden die natürlichen Düngemittel: für Aderland der Stalldung, für das Grünland, also Wiese und Weide, der Kompost. In der neuzeitlichen Landwirtschaft, wo die Führung des Rechenstiftes ebenso wichtig ist wie die Handhabung eines Adergerätes oder die Führung des Pfluges, genügen die natürlichen Düngemittel nicht mehr; der Landwirt greift zu den künstlichen Düngemitteln und wird durch deren sachgemäße und richtige Anwendung auch befriedigende Erfolge erzielen. Um Zeit und Arbeit beim Ausstreuen zu sparen, mischt der Landwirt seine künstlichen Dünger und streut sie in einem einzigen Arbeitsgang aus. Beim Mischen selbst muß man, um Fehler zu vermeiden, folgende Hauptpunkte beachten: 1. Kalkdünger, auch Thomasmehl und Kalkstickstoff dürfen nicht mit ammoniakalischen Düngern und solchen vermischt werden, welche die Phosphorsäure in wasserlöslicher Form enthalten, wie z. B. Superphosphat, weil der Kalk den Ammonialstoff austreibt und die wasserlösliche Phosphorsäure schwerer löslich macht. 2. Thomasmehl und Kainit, bezw. Kali, die sehr häufig gleichzeitig Verwendung finden, dürfen nur kurz vor dem Ausstreuen gemischt werden, sonst verhärten sie zu einer zementartigen Masse. Dagegen kann das, besonders zur Körnerbildung notwendige, Superphosphat unbedenklich mit Kainit, Natronsalpeter und schwefelsaurem Ammoniak vermischt werden. In der Anwendung gewisser Volldünger, wie z. B. Am- Sup- Ka( AmmoniatSuperphosphat- Kali), die keinesfalls teurer sind als einzel ge= kaufte und selbst gemischte künstliche Düngemittel, wird es dem Landwirt heute sehr leicht gemacht, obigem Uebelstande zu begegnen. In Zweifelsfällen wende er sich vertrauensvoll an die zuständige landwirtschaftliche Schule, die ihm mit Rat und Tat jederzeit kostenlos zur Hand geht. Der Grund für das Blau- und Grauwerden der Kartoffel. Von Dr. P. Lieb, Landwirtschaftslehrer u. Wirtschaftsberater. Das Jahr 1930 brachte uns dank der für das Wachstum der Kartoffel günstigen Witterung eine Kartoffelrekordernte, wie wir sie in der Nachkriegszeit noch nicht erlebten. Durch das Ueberangebot an Kartoffeln sind die Marktpreise für den Erzeuger 3. 3t. sehr gedrückt. Eine sehr unangenehme Erscheinung ist bezüglich der Haltbarkeit der Kartoffeln in diesem Jahr das Blau: oder Grauwerden derselben. Der Grund dieser für den Verbraucher höchst unangenehmen Erscheinung liegt in erster Linie in der feuchtwarmen Witterung während der Vegetationszeit, kann aber noch andere Ursachen haben. Die Erfahrung hat uns gelehrt, daß wir nicht immer von der Ueppigkeit des Krautes auf Güte und Menge der im Boden steckenden Knollen schließen können. Einseitige Stichstoffernäh rung z. B. erzeugt starke Kraut und Blätterbildung, während der eigentliche Pflanzenertrag sehr zu wünschen übrig läßt. Die Gründe eines schlechten Knollenansatzes bei der Kartoffel können aber, abgesehen vom Anbau falscher oder abgebauter Sorten, noch anderer Art sein. Die Kartoffel gehört wie alle Hackfrüchte zu den sogenannten Kalifressern. Kali dient der Pflanze zur Bildung von Stärke und Zuder. Kalimangel wirkt sich speziell bei den Hackfrüchten auf Qualität und Quantität der Knollen oder Rüben aus. Bei der Kartoffel treten diese Erscheinungen schon rein äußerlich in einem typischen Krankheitsbilde auf: Die Hauptrippe der Blätter, sowie die Einzelblättchen nehmen eine nach unten gekrümmte Form an. Dabei treten zwischen den Blattrippen gelbliche, allmählich ins Braune übergehende Flecken auf und schließlich vertrocknen die Blätter ohne Uebergang in Gelb mit dunkelbrauner Farbe. An den Knollen selbst entstehen kleine oder größere blaue oder graue Heízí Kein Rauch, kein Ruß, keine Schlacken Sua C Fressen Ihre Schweineschlecht? Kommen s. nicht voran d. Husten, Ausschlag ( Grind), Knochenith.? Sua C hilft! Erfolg gar. in 5 bis 8 Tagen. Alleinverf. in Gießen Drogerie H. Borne: mann, Bahnhofstr. 17 Germania Drogerie C.Seibel, Frankfitr.39. Dertreter zum Verkauf von Saatgut ( Kartoffeln, Hafer. Gerste etc.) 3. Früh jahrsliefer. die bei Nr. 1 Flecken. Diese liegen anfangs direkt unter der Schale, bei startem Kalimangel treten sie dann auch im Innern der Knollen auf, schließlich gehen die franken Stellen in Fäulnis über. Eigentümlich dabei ist, daß selbst bei stärkstem Befall die Schale selbst unverlegt bleibt. Beim Kochen der„ blau fledigen" Kartoffel bleiben die Färbungen bestehen und die blauen Stellen mehr oder weniger hart. Blau fledige Kartoffeln sind daher für den Verbrauch ungeeignet und bringen dem Erzeuger und Händler große finanzielle Nachteile. Die biologische Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Berlin- Dahlem hat darüber seit Jahren Versuche angestellt und bei solchen Krankheitserscheinungen stets gefunden, daß der Kaligehalt der Trodensubstanz von solchen franken Kartoffelpflanzen außergewöhnlich niedrig ist. Die Krankheit selbst kann, wenn einmal aufgetreten, nicht mehr geheilt werden. Nur Vorbeugung kann helfen! Solchen Böden gebe man je Heftar mindestens 6 bis 8 Doppelzentner 40er Kalidüngesalz, um den Kaligehalt der Kartoffel auf normale Höhe zu bringen und da= mit ihr Blauwerden( Schwarzkochen) zu verhüten. Nur solche über das normale Maß der Düngung hinausgehende Kaligaben können dieser unangenehmen Krankheitserscheinung wirksam entgegentreten. Neue Bücher. Schreibe richtig deutsch! Zum Selbstunterricht. Preis 1,25 RM. Verlag Wilh. Stollfuß, Bonn. In der bekannten Sammlung ,, Hilf dir selbst" bringt der Verlag dieses sehr brauchbare Büchlein zur Ausgabe. Es will ein Hilfsbüchlein sein, die richtige Schreibweise leicht und sicher zu erkennen und der Lernende soll die Kenntnisse in der Rechtschreibung erlangen, die ihm zum Gebrauch und Fortkommen im Leben unentbehrlich sind. Rechne richtig. Zum Selbstunterricht. Von Dr. W. Schjer= ning. Preis 1,25 RM. Verlag Wilh. Stollfuß, Bonn. Das vorliegende Bändchen aus der Sammlung ,, Hilf dir selbst" enthält eine kurze aber gründliche Darstellung der Regeln für das Rechnen mit unbekannten und benannten Zahlen, gemeinen und Dezimalbrüchen. Jedermann soll durch Selbstunterricht in den Stand gesetzt werden, seine Rechenkenntnisse zu erweitern oder zu festigen. Die einfache Buchführung. Verlag Wilh. Stollfuß, Bonn. 1,25 RM. Dieses handliche Büchlein aus der bekannten Sammlung„ Hilf dir selbst". von einem alten Praktiker verfaßt. In gemeinverständlicher Weise ist dieses Bändchen verfaßt und kann allen denen empfohlen werden, welche sich das Mindestmaß der Buchführung zulegen und sich vor allem selbst darin orientieren wollen. Vobachs Masken- Album, der Vorbote des Karnevals, ist im Umfange von 32 Seiten, darunter 8 farbige, mit über 120 Kostümen erschienen. Wiederum ist für jeden und jede Gelegen= heit etwas Passendes darunter. 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