Nr. 63 Gießener Zeitung Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüdsendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. 43. Sahrg. Politische Rundschau. Die dänische Regierung hat bei der deutschen Regierung Vorstellungen wegen der veterinärpolizeilichen Maßnahmen hinsichtlich der in Dänemark grassierenden Maul- und Klauenseuche erhoben. Der deutsche Dampfer ,, Norderney" ist in Boulogne- sur- Mer eingetroffen, um ein auf Sachlieferungskonto in Deutschland ge= liefertes Kabel zwischen Boulogne und Folkestone in England zu legen. Die Arbeiten sollen beginnen, sobald es die Wittetung, bezw. der Wellengang erlauben. Die Ausfuhr amerikanischen Goldes nach Frankreich scheint ununterbrochen fortzudauern. Nachdem erst am Dienstag eine Goldsendung im Werte von 252 Millionen Franken in Cherbeurg eingetroffen war, wird jetzt wieder eine neue Sendung an Bord der„ Europa" angekündigt, die sich diesmal auf 220 Millionen Franken beiäuft. Durch Vermittlung des polnischen Gesandten Arziszewski in Riga hat die Warschauer Regierung Litauen zu der Ende August in Warschau stattfindenden südosteuropäischen baltischen Agrarfenferenz eingeladen. Diesem Schritt der Regierung wird allgemein sehr große Bedeutung beigelegt. Wie aus Preßburg gemeldet wird, erhielt das dortige Kreis: gewicht einen in Neuhäusel in der Slowakei aufgegebenen Drohbrief, in welchem unbekannte Schreiber, die sich als Mitglie= der eines geheimen slowakischen Verbandes bezeichnen, fordern, da Tuta unverzüglich aus der Haft entlassen werde, da die Organisation ihn sonst gewaltsam befreien werde. Die Truppen der Nationalregierung haben vor dem Ansturm der Verbände der aufständischen Nordtruppen die Stadt Tajan tampflos geräumt. Die Nordtruppen sind in die Stadt eingerückt, ohne Widerstand zu begegnen. Campoll, einer der größten Farmer Amerikas, ist von einer Studienreise nach Rußland zurüdgekehrt. Er erklärte u. a., die Arbeitslosigkeit in Amerika fönne mit einem Schlage durch Lieferung an Rußland beseitigt werden, sobald die Kreditfrage gellärt sei. Die Entwicklung Rußlands verdiene größte Aufmertsamkeit. Es sei damit zu rechnen, daß Rußland in dret Jahren als Weizenexporteur auf dem Weltmarkt auftritt. Der ehemalige griechische Diktator Pangalos ist wegen ungesetzlicher Spekulation zu vier Monaten Gefängnis und 500 Drachmen Geldstrafe verurteilt worden. Die Kriegsberichte aus dem türkisch- persischen Operations: gebiet besagen, daß die türkischen Truppen die Ostseite des Araratgebirges besetzt haben, um eine Bande kurdischer Aufständischer, die sich in dieses Gebiet geflüchtet hat, einzuschließen. Das Reformprogramm der Reichsregierung. Die einzelnen Ressorts der Reichsregierung sind zur Zeit eifrig an der Arbeit, um das von der Regierung Brüning an gefündigte Reformprogramm auszuarbeiten. das nach den Wahlen durchgeführt werden soll. Es gliedert sich in drei Hauptteile: 1. die Finanzreform, 2. die Reichsreform und 3. die Wahlreform. Die Finanzreform soll vor allen Dingen die von der Regierung Brüning angekündigten Ersparungen im neuen Etatsjahr bringen; mit der Reichsreform soll ein Teil der von dem Ausschuß zur Vorbereitung einer Reichsreform vorgeschlagenen Pläne realisiert werden und mit der Wahlreform will man endlich einen seit vielen Jahren von den verschiedensten Seiten geäußerten Wunsch erfüllen. Reichsreform und Finanzreform stehen in engster Beziehung zueinander, denn durch die Reichsreform, die unter anderem eine erhebliche Vereinfachung des Verwaltungswesens vorsieht, werden erhebliche finanzielle Mittel eingespart. So weit die von dem oben genannten Ausschuß ausgearbeiteten Pläne zur Reichsreform die Schaffung eines zentralisierten Einheitsstaates mit allen seinen politischen Folgen vorsehen, wird man sich aber vorerst noch große Reserve auferlegen. Dem Kabinett Brüning tommt es zunächst nur darauf an, das Reformwerk vom finanziellen Gesichtspunkt aus in Angriff zu nehmen und durchzuführen. Die politische Auswertung der Reichsreformpläne wird einer späteren Zeit vorbehalten bleiben. Für die Wahlreform sind Dutzende von Vorschlägen eingereicht worden. In der Hauptsache laufen sie auf eine Verkleinerung der Wahlkreise, auf eine Verminderung der Abgeordnetenzahl und auf eine Heraufsetzung des Wahlalters hinaus. An die gesetzmäßige Verankerung dieser Vorschläge wird die Reichsregierung aber erst gehen, wenn die übrigen Reformpläne durchgeführt sind. Busazabkommen zum deutsch- finnischen Handelsvertrag wahrscheinlich. Das Reichskabinett beschäftigte sich auch am Freitag wieder mit der durch Abbruch der Privatverhandlungen über den finnischen Butter- und Käsezoll geschaffenen Lage, um die Frage zu klären, ob es geraten erscheint, den deutsch- finnischen Handelsvertrag zu fündigen. Die Beratungen konnten aber noch immer nicht zu Ende geführt werden. ( Gießener Tageblatt) Drud und Verlag von Albin Klein in Gießen. Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526. Postscheckkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M. Samstag, den 16. August 1930 Man glaubt in Regierungsfreisen jetzt nicht mehr daran, daß eine Kündigung ausgesprochen werden wird. Es ist vielmehr damit zu rechnen, daß zunächst einmal Bevollmächtigte zu Sonderverhandlungen nach Helsingfors geschickt werden, uni ein Zusakabkommen zum deutsch- finnischen Handelsvertrag zu vereinbaren. Lohnsenkung im Ruhrbergbau? Essen, 15. 8. Der Zechenverband beschloß heute, das im Ruhrbergbau geltende Lohnabkommen zum 30. September zu fündigen. Wie von bergbaulicher Seite mitgeteilt wird, ist Zwed der Kündigung die Einleitung von Verhandlungen mit den Gewerkschaften über die Frage einer Produktionskostensenkung. Vermutlich, dürfte eine Lohnherabsetzung in Höhe von zehn Prozent gefordert werden. Die Durchführung der Notverordnung über die Krankenversicherung. Berlin. Nach der Notverordnung vom 26. Juli 1930 haben die gegen Krankheit versicherten Personen von den Kosten für Arznei und Heilmittel einen angemessenen Teil zu tragen. Zur Durchführung der Vorschrift haben die Vertreter des Deutschen Apothekervereins und der Spitzenverbände der Krankenkassen am 14. August ein Abkommen entworfen. Es darf damit gerech= net werden, daß der Entwurf auch von den Verbänden gebilligt wird. Das Abkommen tritt am 1. September in Kraft. Wahlkreisparteitag der Deutschen Volkspartei in Hessen- Nassau. Der Wahlkreisparteitag der Deutschen Volkspartei im Wahlkreis Hessen- Nassau findet am Samstag, den 16., und Sonntag, den 17. August, in Wiesbaden statt. Er dient der Vorbereitung der Reichstagswahl und wird vor allem die endgültige Wahlliste aufstellen. Parker Gilbert über Beamtengehälter. Rotterdam. Der„ Courant" meldet aus Newyork: Dem ,, Sun"-Vertreter hat sich Purter Gisbert, der frügere neputu tionsagent in Deutschland, über die deutschen Finanzschwierigfeiten geäußert. Es gebe eher keine finanzielle Rettung für Deutschland, als nicht das Reich seine Hauptlast, die Ausgaben für Gehälter und Pensionen herabseze. Die deutschen Gehaltszahlungen, die das Dreifache des Friedensstandes überschritten, seien für das Reich auf die Dauer untragbar. Was rettet uns? Wir zahlen ohne jede Gegenleistung jährlich an das Ausland 2 Milliarden rund für Reparationslasten, 1,6 Milliarden rund Zinsen für 16 Milliarden Auslandsanleihen, umgerechnet viele Milliarden, die aus Beteiligungen an Industrie und Grundbesitz in das Ausland fließen. Wir zahlen ohne Gegenleistung jährlich im Inlande 2,5 Milliarden mindestens für Erwerbslosenunterstützung, Armenunter: stügung und Rentnerfürsorge. Wir wenden weiter auf 4 Milliarden für Einfuhr von Lebensmitteln und Getränken, 2,5 Milliarden für Einfuhr von Fertigwaren. Müssen wir nicht unter dieser Last zusammenbrechen? Man rät zur Hebung der Ausfuhr, um unsere Zahlungsbilanz zu verbessern. Dieses Mittel, das 1-2 Milliarden erbringen mag, fann uns aber allein nicht retten, weil die Macht des Ausbilliger als im Inland landes uns zwingt, ohne Nutzen - - zu liefern, soweit uns überhaupt Lieferung gestattet wird. Die Hebung der Ausfuhr hilft nicht! Helfen kann nur die Einschränkung der Einfuhr! Wir führen ein: englische Stoffe, tschechische Schuhe, französische Weine und Parfümerien, ausländischen Weizen, Käse, Eier, Butter, Obst, Südfrüchte, ausländische Maschinen, Automobile, Chemikalien. Ist das nötig? Berechnungen haben ergeben, daß wir durch Einschränkung entbehrlicher Einfuhr jährlich 4 bis 5 Milliarden ersparen können. Um diesen Betrag kann unsere jährliche Verschuldung an das Ausland gemindert werden. Die Herstellung der bisher eingeführten Industrieprodukte im Inland schafft Arbeitsgelegenheit und bringt die Erwerbslosenunterstützung in Wegfall. Der Mehrabsaz heimischer landwirtschaftlicher Erzeugnisse ermöglicht die Hebung der landwirtschaftlichen Produktion und macht der Bauernnot ein Ende, Das Geld bleibt im Inlande, beseitigt die Kapitalnot und erleichtert die Zins- und Steuerlast. Deutscher, taufe deutsche Ware! Kaufe sie, wenn sie gut und preiswert ist! Hilf dem deutschen Erzeuger, gute und preiswerte Ware herzustellen, indem du seinen Absatz steigerst. Das Reich und die Länder, Großindustrie und Großhandel können nicht frei gegen die fremde Einfuhr kämpfen. Sie sind dem Ausland gegenüber verpflichtet. Deshalb müssen wir uns selbst helfen. Wir helfen uns, indem wir uns vereinigen in dem Deutschen Wirtschaftsverein, Geschäftsstelle Mannheim M 1, 1, der diese Ziele verfolgt. - ( Neueste Nachrichten) Anzeigenpreise: die 30 mm breite Petitzeile auswärts 24 Pfg., lokal 12 Pfg., die 90 mm breite Reklame- Petitzeile 96 Pfg. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholung Rabatt. Für Bollklischee- Anzeigen außerdem besondere Ermäßigung. Nummer 6465 Zeichen der Zeit. Von Reichskanzler Dr. Brüning. Die politische Erregung der letzten Tage und der bevorstehende Wahlkampf fallen in eine Zeit tiefer Not und wirtschaftlicher Sorge. Darum sind die kommenden Wochen und Monate für das deutsche Volk eine Belastungsprobe schwerster Art. Der Sommer 1930 brachte nicht die Verringerung der Arbeitslosenzahl. Noch nie war sie so groß in diesen Monaten, die sonst den schaffenden Menschen reichlich Verdienstmöglichkeiten geben. Noch nie war auch die Dauer der Arbeitslosigkeit so lang, die der einzelne zu ertragen hat. Mehr als je zuvor greift sie hinauf in die Schichten der Angestelltenschaft bis zu den leitenden Persönlichkeiten. Welche Summe von Entbehrungen, Enttäuschungen und seelischen Leiden liegt auf diesen Millio= nen arbeitshungriger Menschen, welches Maß von Verlusten auch für die Allgemeinheit an brachliegender Schaffenskraft! Die Zahlen der Konkurse, Zwangsversteigerungen und Zwangsvergleiche bedeuten die Verlustlisten des UnternehmerAlle Betriebsgrößen und Erwerbszweige wurden betroffen, besonders die Landwirtschaft. Immer noch ist ihre Lage äußerst schwierig. Die Preise ihrer Produkte sind unzulänglich, obwohl die fortgesetzten Bemühungen des Reiches auf dem Gebiete der Getreidewirtschaft merkliche Erleichterung gebracht haben. Durch das Uebermaß an Schulden werden zahlreiche Existenzen in der Landwirtschaft vernichtet. tums. Sorge und Ungewißheit umgeben alle die, die von Schicksalsschlägen dieser Art noch nicht betroffen worden sind. Wir ihnen die Arbeitsstätte erhalten bleiben? Wird der Betrieb stillgelegt werden müssen, den sie leiten oder in dem sie beschäftigt sind? Werden die Maschinen, die sie führen, rasten müssen, um zu rosten? Ueber das Einzeldasein hinaus reichen die bangen Fragen an die Zukunft. Wird es gelingen, die schwierige Lage der öffentlichen Finanzen zu meistern? Wird die Wirtschaftspolitik nach außen und innen im Ausgleich der Interessen und in angemessener Einstellung auf die großen Linien der weltwirtschaftlichen Entwicklung dazu beitragen, den produktiven Ständen bessere Zukunftsaussichten zu eröffnen? 27. unдayerhett und zweier waaren vem um vie In nahezu allen Kulturstaaten liegt die Wirtschaft darnieder, nimmt selbst im Sommer das Heer der Arbeitslosen zu, räumt der tatenfrohe Unternehmersinn ängstlicher Zurückhaltung den Platz. Riesenkapitalien werden verloren, verfügbare Gelder vorsichtig zurüdhalten, Stagnation und Rückgang zeigen sich überall. Es ist notwendig, daß jeder, der im Wirtschaftsleben steht, diese Zeichen der Zeit zu sehen und zu deuten sucht. Denn nur der kann klar und zielsicher handeln, der den Ernst und die Schwere der Lage erkennt und sich bemüht, in die Zusammenhänge einzudringen. Sie werden ihm ermöglichen, mit einiger Wahrscheinlichkeit Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu ziehen und werden ihm zeigen, daß, wie stets, in wirtschaftlicher Not auch Ansätze für eine Besserung enthalten sind. Zahlreich sind die Probleme der Zeit, zahlreich die Strömungen, die oft wirr durcheinander und gegeneinander zu laufen scheinen. Und doch zeichnen sich bei ruhiger Betrachtung die großen wirtschaftlichen Menschheitsziele immer wieder ab, denen aus verschiedenen Wegen, aber schließlich in gleicher Richtung zugestrebt wird. Schließlich geht es um den organischen Aufbau der Weltwirtschaft, den natürlichen Ausgleich von Angebot und Nachfrage im Lande selbst, wie ja auch der einzelne bemüht ist, Erwerb und Bedarf in Einklang zu bringen. Und wie der einzelne im Existenztamps sich immer wieder stützen muß auf die eigene Kraft, wie nur das Vertrauen in sie den letzten Rückhalt bietet, so auch im Wirtschaftsleben des ganzen Volkes. Nur wer sich selbst aufgibt, der ist verloren. Nichts zeigt mehr die Schicksalsgemeinschaft aller, als die Betrachtung des wirtschaftlichen Geschehens. Nichts sollte auch mehr zu gemeinsamem Handeln und verständnisvollem Zusam= menwirken mit der Regierung Anlaß geben, als die Erkenntnis der großen Schwierigkeiten, die zu überwinden sind, und die Ueberzeugung, daß vereinigt auch die Schwachen fräftig werden. Starke Entwicklungstendenzen wirken zur Zeit in der Wirtschaft. Aufgabe der Regierung ist es, sie zu unterstützen, soweit von ihnen günstige Wirkungen erwartet werden können. Auch jeder einzelne sollte sich ihnen anpassen, sollte eingehen auf den großen Zug der Zeit und sollte ihre Zeichen in diesem Sinne deuten. Hierzu bedarf es des Vertrauens. Sowohl in die eigene Kraft, wie in den guten Willen der Regierung. Und wenn trotz aller politischen Zerklüfung der Selbsterhaltungstrieb des Volkes im Unterbewußtsein zunächst die Notwendigkeit dieses Vertrauens erkennt, so wird es ein starker Faktor im Kampfe gegen die Wirtschaftsnot und für eine bessere Zukunft. Estländisch- sowjetrussischer Grenzzwischenfall. Reval. Ein sowjetrussisches Flugzeug erschien am Mittwoch über estländischem Gebiet. Ein estländisches Küstenwachtschiff eröffnete das Feuer gegen das Flugzeug, das das Feuer erwiderte. Nach einer kurzen Beschießung fehrte das Flugzeug nach der Grenze zurüd. Samstag, den 16. August 1930. Um den Kirchenzusammenschluß. In Frankfurt fand unter Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden D. Dr. Frhrn. Heyl zu Herrnsheim eine Sitzung des Vorstandes der Vereinigung für Bibel und Bekenntnis statt. Auf der Tagesordnung stand die Stellungnahme zu den Vereinigungsbestrebungen der Landeskirchen von Hessen- Darmstadt, Hessen- Kassel, Nassau, Waldeck und Frankfurt. Der Vorstand faßte nach eingehender Beratung folgende Resolution: ,, Die Vereinigung für Bibel und Bekenntnis in Hessen tritt dafür ein, daß die Landeskirchen von Hessen- Darmstadt, Hessen- Kassel, Nassau, Frankfurt und Waldeck sich nicht nur zu einem Zweckverband, sondern zu einer Kirche zusammenschließen. Hier würde ein Kirchenbezirk geschaffen, der sich auf eine geschichtlich und kulturell begründete Eigenart seiner Bevölkerung stützen würde. Unumgängliche Voraussetzung ist dabei, daß der Bekenntnisstand völlig unangetastet bleibt und die ihn verbürgenden Bestimmungen in der neuen Kirchenfassung in keiner Weise geschwächt werden. Die Vereini gung hofft und wird sich mit allen Kräften dafür einsetzen, daß die geistliche Führung der Kirche zu ihrem vollen Recht tommt. Ebenso ist ihr der Austausch und die dadurch mögliche richtige Verwendung der geistlichen Kräfte von besonderer Wichtigkeit. Falls der finanziellen und verwaltungsmäßigen völligen Vereinheitlichung zurzeit noch Hindernisse im Wege stehen, könnte eine gewisse Selbständigkeit der fünf Kirchen mit einer Uebergangsbestimmung für etwa fünf Jahre erhalten bleiben." „ Gießener Zeitung" das Gelsenkirchener Wohlfahrtsamt betrogen hatte. Er legte Berufung ein, die jetzt vor der Essener Strafkammer verhandelt wurde. Der Mann hatte ein glänzendes Geschäft gemacht; einmal bezog er Erwerbslosenunterstützung, dann arbeitete er nebenbei, ohne daß es jemand wußte und schließlich spielte er auch gleichzeitig den Kranken und erhielt Krankenunterstützung. Nur durch viele Geldausgaben war der Angeklagte schließlich auf: gefallen, sonst hätte er das Geschäft noch lage fortsetzen können. Die Berufung wurde zurückgewiesen. Das Gericht war der Auffassung, drei Wochen Gefängnis sei eher zu milde als zu hart. Wie oft mag es vorkommen, daß Leute, die aus mehreren Quellen Unterstützung beziehen, nicht auffällig werden und ihr Geschäft ungestört betreiben können? Evangelische Wählerwünsche an die Parteien. Eine Reihe führender evangelischer Verbände, die Millionen wahlberechtigter Mitglieder umfassen, haben an die Parteileitungen ein Schreiben gerichtet. Sie weisen darauf hin, daß bei allem Verständnis für die drängenden wirtschaftlichen Aufgaben es sie doch mit großer Sorge erfüllen müsse, wie in dem beginnenden Reichstagswahlkampf die wirtschaftlichen Gesichtspunkte und Interessen ganz und gar in den Vordergrund treten. Demgegenüber hält die evangelische Wählerschaft es für erfor= derlich, daß neben den Fragen der äußeren Daseinssicherung unseres Volkes die geistigen Ziele in ihrem verpflichtenden Ernst klar herausgestellt werden. Es müsse deutlich werden, daß es auch in der Politik am letzte Fragen und höchste Ziele gehe. Unter diesem Gesichtspunkt wird die Forderung erhoben, daß die seit Jahren in Angriff oder in Aussicht genommenen Kulturgesetze, insonderheit, soweit sie dem Wiederaufbau der deutschen Familie und der Zukunft unserer Jugend gelten, endlich ihrer Vollendung entgegengeführt werden. Hierfür sei Voraussetzung, daß neben den Vertretern der wirtschaftlichen Kräftegruppierungen in unserem Volk die Anwälte der kulturellen Interessen, besonders solcher Männer und Frauen, die mit dem evangelisch- kirchlichen Leben verwachsen sind und über gründliche Sachkunde in kulturellen wie in firchlichen Fragen verfügen, auch an guter Stelle aufgestellt werden. Ein geschäftstüchtiger Erwerbsloser. Er bezieht Erwerbslosenunterstügung, Krantenunterstüßung und arbeitet nebenbei. Die Krankenkasse zahlt! Im Kreise Friedeberg wurden, wie in der Deutschen Tageszeitung Nr. 33 berichtet wird, von der Forstverwaltung eines größeren Gutes Ende Juni bis Anfang Juli beim Hacken der Kiefernkulturen( saisonmäßige Arbeit) 22 Frauen und Mädchen beschäftigt. Drei Tage vor Beendigung der Arbeit meldeten sich nun bei dem Revierverwalter von den 22 Frauen und Mädchen 20 Frauen und forderten einen Krankenschein, welcher den 20 Personen nach den geltenden gesetzlichen Bestimmungen auch ausgehändigt wurde. Da dieser Vorfall mit Sicherheit vermuten läßt, daß die 20 Krankenscheine nicht wegen Krankheit, sondern wegen der Geschäftstüchtigkeit der betreffenden Personen ausgegeben sind, wäre es sehr wünschenswert, wenn die in Frage kommenden Behörden sich mal äußern würden, welche Schutzmaßnahmen und welche Kontrolle gegen derartige Ausbeutung der sozialen Einrichtungen vorgenommen werden. Bedauerlicherweise haben sich die Gerichte fast täglich mit Fällen unberechtigten Bezugs der Erwerbslosenunterstützung zu befassen. Daß aber ein Erwerbsloser aus drei Quellen Einnahmen bezieht, ist ein Fall, der doch nicht alle Tage vorkommt. Der Maurer F. aus Gelsenkirchen hatte vom Gelsenfirchener Amisgericht drei Wochen Gefängnis erhalten, weil er Die Arbeitslosenfürsorge als Zentralproblem. " Die Gasthausangestellten gegen die Einführung einer Gemeindegetränkesteuer. Der dem Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften Deutschlands angeschlossene Bund der Hotel-, Restaurant- und Café- Angestellten äußert sich zu der durch die Notverordnung gegebenen Möglichkeit der Einführung eine Gemeindegetränkesteuer in folgender Entschließung der Haupiverwaltung: Es ist in hohem Maße bezeichnend, daß bei all den zahllosen Phasen der Verhandlungen über die Deckungsvorlagen der Streit in letter Linie immer wieder um die Sozialversicherung im allgemeinen und um die Arbeitslosenversicherung im besonderen geht. Zwar wird natürlich die Notwendigkeit der Arbeitslosenversicherung bon feiner Seite bestritten: es handelt sich eben nur um den Gegensatz zwischen den beiden hier in Frage kommenden Grundauffassungen, der sozialistischen, die verlangt, daß der Staat ohne weiteres die zur Unterhaltung der Erwerbslosen erforderlichen Geldbeträge bereitstellt( ,, nicht ob, sondern wie diese Summen aufgebracht werden sollen, ist die Frage", so formulierte noch kürzlich der Vorwärts" in sehr treffender Weise seinen Standpunkt), und der bürgerlichen, die die auch ihr selbstverständliche Versorgung der Arbeitslosen möglichst als eine reine Versicherungsangelegenheit zu behandeln wünscht. Daß die sozialistische Grundauffassung gesiegt, daß der Staat, trotz einer gewissen versicherungstechnischen Handhabung der Arbeitslosenfürsorge, im wesentlichen die allgemeine Arbeitslosenunterstützung eingeführt hat, ist klar und wird von Niemandem mehr bestritten. Das hat praktisch zur Folge, daß der Lohnregulator, der früher in Gestalt der Arbeitslosen bestand, ausgeschaltet wird und daß heute nicht mehr in Zeiten sinkender Konjunktur neben den Preisen und Unternehmergewinnen auch die Löhne so weit sinken, bis sich auf neuer Grundlage wieder die Möglichkeit eines neuen wirtschaftlichen Aufstiegs zeigt. Eben deshalb waren die Gewerkschaften, die früher selbst die arbeitslosen Mitglieder zu unterstüßen hatten, was eine ganz erhebliche finanzielle Belastung bedeutete, im Frieden weit stärker daran interessiert, die Zahl der Arbeitslosen möglichst tief zu halten, mochte es unter Umständen auch unter stillschweigender Duldung untertariflicher Bezahlung sein. Es liegt nun in der Natur der Dinge, daß heute, nachdem der Staat den Gewerkschaf= ten die Last der Arbeitslosenunterstützung abgenommen hat, das Gewicht der Verantwortung für die Gewerkschaften wesentlich geringer geworden ist. Selbst ein gewissenhafter, Gewerkschaftsführer ist heute nur schwer in der Lage, Lohnforderungen gegenüber zu bremsen, selbst wenn er sich völlig klar darüber ist, daß Betriebsstillegungen die Folge sein müssen. Was tut's schließlich, venn der Betrieb stillgelegt wird? Der Arbeiter erhält ja seine Arbeitslosenunterstüßung, und nicht alle Arbeiter denken so weit, um zu begreifen, daß der Staat oon der Wirtschaft lebt und daß schließlich, wenn die Schornsteine zu rauchen aufgehört haben, niemand mehr Nr. 64/65 Ausgaben nach ausgleichenden Gesichtspunkten und nicht durch eine erneute Sonderbelastung des Gastwirtsgewerbes erfolgt. Jm übrigen erwartet der Bund, daß diese Verordnung, die eine derart ruinöse und einseitige Besteuerung des Gastwirtsgewerbes ermöglicht, bald wieder aufgehoben wird. Die Ortsgruppen des Bundes werden aufgefordert, gegenüber den Gemeindeverwaltungen dafür einzutreten, daß die unsoziale Gemeindegetränkesteuer für die Dauer des Bestehens der Verordnung auf ein Mindestmaß beschränkt bleibt oder überhaupt nicht in Kraft tritt." Die Ledigensteuer tritt am 1. Gedtember 1930 in Kraft. Nach der Notverordnung des Reichspräsidenten vom 26. Juli 1930 treten ab 1. September 1930 bei ledigen Arbeitnehmern Zuschläge zur Lohnsteuer in Kraft. Das Nähere hierüber ergibt sich aus einem amtlichen Merkblatt, das bei den Finanzämiern unentgeltlich abgeholt werden kann. Vom 1. September ab hat also jeder ledige Arbeitnehmer einen Zuschlag von zehn vom Hundert zu seinem Lohnsteuerbetrag zu leisten, wenn der Arbeitslohn 2640 Reichsmart übersteigt. Als ledig gelten alle, die nicht verheiratet sind; ferner verwitwete oder geschiedene Personen, wenn aus ihrer Ehe Kinder nicht hervorgegangen sind. Ausgenommen von dem Zuschlag sind Ledige, die einen Zuschuß zum Unterhalt von Angehörigen leisten, der zehn vom Hundert ihres Einkommens übersteigt. Die beiden anderen in den Notverordnungen des Reichspräsidenten sind bereits in Kraft getreten. Die Reichshilfe der Personen des öffentlichen Dienstes ist mit dem Tage der Verkündung, also am 27. Juli in Kraft getreten. Die Neuordnung der Tabat steuer am 1. August. ,, Die Hauptverwaltung des Bundes der Hotel-, Restauvant- und Café- Angestellten erblickt in der durch die Notrerordnung vom 26. Juli 1930 angeordneten Einführungsmöglichkeit einer Gemeindegetränkesteuer eine erneute und ungerechtfertigte Sonderbelastung des Gastwirtsgewerbes, die durch den damit eintretenden Konsumrückgang eine weitere Erschwerung der Arbeitsmöglichkeiten für die gastwirtschaftlichen Arbeitnehmer und somit auch eine neue Belastung des Arbeitsmarktes zur Folge haben kann. Diese neue Sonderbesteuerung eines Gewerbes ist unsozial und schädigt nicht nur das Gastwirtsgewerbe unmittelbar, sondern belastet auch ungerechterweise alle wirtschaftlichen Schwachen, die aus persönlichen, wirtschaftlichen oder beruflichen Gründen auf den Verzehr in den Gaststätten angewiesen sind; während begüterte Kreise, die sich den Luxus großer Wohnungen erlauben und dort ihre gesellschaftlichen Veranstaltungen treffen können, also weniger auf den Aufenthalt in den Gaststätten angewiesen sino, völlig unbesteuert bleiben. Auch ist sicher zu erwarten, daß diese Steuer den Fremdenverkehr, dessen hohe wirtschaftliche Bedeutung außer Frage steht und an dessen Erträgnissen viele Gewerbezweige beteiligt sind, ungünstig beeinflußt. Der Bund der Hotel, Restaurant- und Café- Angestellten erwartet von den Gemeinden, daß anstatt der Einführung der Gemeindegetränkesteuer notwendigenfalls eine Deckung der Sozialdemokratie zur Demokratie. Sozialdemokratische Blätter, wie die„ Volksstimme" in Frankfurt a. M., schreiben über die scheidende demokratische Partei folgendes: ,, Gott, dem Allmächtigen hat es gefallen. Der Demokratische Verein Frankfurt hat wie uns sein Vorstand mitteilt es in seiner gestrigen Mitgliederversamm lung ,, begrüßt mit Freuden", daß die„ Deutsche Staatspartei" gegründet wurde und die Demokraten dort unterschlupfen konn ten. da ist, der für den Unterhalt der Erwerbslosen Sorge trägt. Die Zahl der verantwortungsbewußten Gewert schaftsführer, die bei jeder Lohnforderung sich die Kon sequenzen vergegenwärtigen, ist deshalb dem Frieden gegenüber gesunken. Unter dem Druck der immer steigenden wirtschaftlichen Not gerade der letzten Zeit ist bei den christlichen, zum Teil auch bei den freien Gewerkschaften wieder ein Teil jenes Verantwortungsgefühls erwacht, das sie im Frieden auszeichnete. Solange durch die allgemeine staatliche Unterstützung der Arbeitslosen der Lohnregulator ausgeschaltet und eine Steigerung der Löhne troh sinkender Konjunktur ermöglicht wird, was die Wirtschaft zu Rationalisierungsmaßnahmen mit geborgtem Kapital zwingt, solange ist eine Besserung nicht zu erhoffen, wie denn auch eine Sanierung des Reichsetats unmöglich ist, solange das Defizit der Arbeitslosenversicherung über ihm schwebt. Die Arbeitslosenversicherung muß selbständig werden und sich selbst erhalten wie dies das Versicherungsprinzip erfordert. Man sollte sie Unternehmern die ja auch manche Vorteile von ihr haben- und Gewerkschaften gemeinsam überlassen und überdies eine Arbeitspflicht für Arbeitslose unter 21 Jahren sowie für Krisenunterstützte einführen. Nur von diesem einen Bunkte aus kann Etat, Wirtschaft und Volksmoral saniert werden. Gefahren des Sommers. - Zu dieser großen Freude haben die Frankfurter Demokraten allerdings auch allen Anlaß! Es muß Ihnen jetzt wohl ums Herz sein, denn das Finden eines solchen Schlupfwinkels erscheint ihnen schon als befreiende Tat! Man denke: Einst bildeten sie eine große mächtige Partei, die die Stadt allein beherrschte. Nun sind sie zum kleinen Häuflein zusammengeschmolzen und nicht einmal ein G. Keller findet sich, für sie ein liebenswürdiges Fähnlein der sieben Aufrechten" zu schreiben. Am kommenden Wahltag wären sie vollständig aufgerieben worden und hätten mit dem Wahlresultat ihre eigene Todesanzeige notifizieren müssen:„ Gott, dem Allmächtigen, hat es gefallen... " Nun, so kurz vor dem drohende Ende noch einen rettenden Unterstand zu finden, daß ist allerdings Anlaß zur Freude! In den hochsommerlichen Tagen treten erfahrungsgemäß immer wieder Nahrungsmittel- Vergiftungen auf, die die Folge von Paratyphus- Bazillen sind. Bieten doch gerade bei der Hitze die eiweißhaltigen Nahrungsmittel wie Fleisch, Fleischwaren, Fische, Vanillespeisen, Torten und Gefrorenes den schuldigen Krankheitserregern guten Nährboden. Jm Fleisch sind die Erreger, was oft der Fall ist, schon im Nahrungsmittel vorhanden, da das Tier bereits frank war, oder aber sie fommen erst von außen in das Nahrungsmittel oder in die Speise hinein. Eine besonders verderbliche Rolle spielen die sogenannten Bazillenträger, welche die erregenden Reime beherbergen, ohne selbst akut erkrankt zu sein, und durch unsauberkeit wird die Nahrung verunreinigt. Es ist also in diesen Tagen die erste aller Pflichten, sich beim Umgehen mit Nahrungsmitteln ganz außerordentlicher Sauberkeit zu befleißigen und man sollte aus diesem Grunde nur da kaufen, wo wirklich peinlichste Sauberkeit beobachtet wird. Gamstag, der Von Dr. m Für die gr Des Sommerurl ift man zu frohe Treten aber ma Arbeitsunluft od teure Badereife man- fälsch genützt" Der Wechse mäßige und zw einer besondere Baden in verschi dies verfehlt me unter Rontrolle glaubt, daß ein übrigen Monat wie ehedem für Wiederauftreten wer im Urlaub gefunden hat, Gefundheit bed weit als mögli folche sogenannt sondern fie fan Zunächst ve Urlaub und A Urlaubsende h falich ist es, fid Kopf in die A möglich in w wedmäßige V Urlaub wieder fonderer Bede gut getan, Haufe das g tube tann m Trinken, entf im Kurort. nehmen oder Epaziergang heitlichen Er auch die übri Tagen der 瓜 Es ge Es ist der stiden. Gi neidisch un auf die S zur Refor " werden g Lehrer, S der für Mit Wo Das ist der Dank der Sozialdemokraten an die Demokra ten, die ihnen seit zehn Jahren treueste Bundesgenossen waren. Aber auch die Stunde des Marxismus wird einmal bombensicher fommen! Ein besonders wichtiger zweiter Bunft im sommerlichen Verhalten ist der, daß man Sorge trägt für die Entsäuerung des Blutes, denn die Hige verhindert den verstärkt notwendigen Abbau. Man kann hier beobach ten, wie das Kind mit natürlichem Instinkt das Richtige trifft, indem es für die Nahrung Obst, Salate und Gemüse bevorzugt, denn gerade die eiweißreichen Nahrungsmittel wie Fleisch, Eier, belasten den Stoffwechsel mit vermehrter Harnsäure- Ausscheidung. Der Körper hat aber in der heißen Zeit ein besonders starkes Verlangen nach Mineralien und basischen Stoffen, die wir im Obst und in den Gemüsen finden. Besonders die Erwachsenen haben meistens durch den schädlichen Säureüberschuß zu leiden, dessen Vorhandensein meist Hautaffektionen und Furunkelbildung ankündigen. Da ist der einzige Weg, zum Obst zu greifen, das ein natürliches Hilfsmittel gegen diese Dinge darstellt. Viel wird auch gesündigt gerade bei Ausflügen und Wochenendfahrten, wo ein größerer Teil der Verpflegung als Proviant mitgenommen wird. Frü her war es absolut üblich. Brote mit Wurst, Eiern und Fettaufstrichen mitzunehmen und dadurch den Verdauungsorganen eine Ueberlastung zu schaffen. Heute sind ja die Menschen in dieser Hinsicht viel vernünftiger ge worden, sie wenden sich frischem Obst zu, das in erster Linie der beste Reiseproviant ist. Nur eines vergess man nicht. Auch hier größte Sauberkeit, denn durc viele Hände sind oft die Früchte gegangen, und wer sid einmal überlegt, was alles die Hand an einem Tag er ledigt, der wird begreifen, welche Infektionsquellen aus gehen von Dingen, die durch viele Hände laufen bis si verbraucht werden. Nicht alle Früchte sind so günsti in dieser Hinsicht wie die Banane, die sozusagen in Reißverschluß verpackt ist, ganz abgesehen davon, daj sie mit eine der vitaminreichsten und nährkräftigste Früchte darstellt, die wir zudem das ganze Jahr zu Verfügung haben. Mag es vielleicht daran liegen, da sie für die Reise- und Wanderzeit dadurch prädestinie ist, daß sie eine zehntausend Kilometer lange Fahrt bil zum Vertrauch zu uns hinter sich hat, sie ist also scherzhaft gesprochen- das Reisen und Wandern g wöhnt und weiß, worauf es ankommt. Zum Schluß noch ein Wort über das Eisessen. sich ist dieses absolut unschädlich, wenn man mit Ve nunft, d. h. langsam genießt, nur muß man sich imma dabei klar sein, daß der Magen außerordentlich abge kühlt wird und dadurch die Blutzirkulation im Mag gehemmt wird. Das kann, wenn es zu stark betriebe wird, zu Katarrhen führen. Deswegen ist die Haupt regel beim Eisessen: Kleine Portionen. Das eigentli Durstlöschen geschieht eben immer am besten durch kühl aber nicht kalte Erfrischungsgetränke, deren uns Milch, saurer Milch, Tee und anderen Getränken i eine große Auswahl zur Verfügung steht. der Aesth das dant worden nen, An taten ge hoje in d vereinzel homerijd Man verjhlus tem Arag lich, daß Täter 64 Panzer u Ja, chen! D halten fi ihnen a ihnen! * Ra wo Hollan fen daher und Gemü Gelbiterha * 15% in öffentli Don Ziffern in Gießen jonen in ö jamten Ben un.erftigun fänger. S öffentliche RM. auf erjid tlich, öffentliche * Reu Reichsbank Zehnmart idein wird schein der Bild des gur einer Bild Wer arbeiters wideritani Aus junger M Nr. 646 1 und ni irtsgeweries dieje Be Befteuerun aufgehoben aufgeforder einzutre die Daue dejtmak b tritt." ber 199 vom 26. nehmern 3 rüber ergi Finanzam nehmer eine euerbetrag übersteigt ; ferner Ehe Kin dem Zus Angehörig bersteigt. 2 hspräsiden der Person fündung, d g der Tab atie. 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Neu gestärkt ist man zu frohem Schaffen wieder in die Heimat zurückgekehrt. Treten aber manchmal schon nach kurzer Zeit Müdigkeit und Arbeitsunbust oder die alten Beschwerden, um derentwillen eine teure Badereise unternommen wurde, wieder ein, dann pflegt fälschlich zu folgern: ,, Die Kur hat wieder nichts man - genützt". Der Wechsel der Tätigkeit und der Umgebung, die regelmäßige und zwedmäßige Ernährung, evtl. unter Innehaltung einer besonderen Diät, der ausreichende Schlaf, das tägliche Baden in verschiedenen Heilquellen, an der See und dergl., alles dies verfehlt meist nie seinen 3wed, wenn es auf Anraten oder unter Kontrolle des Arztes vorgenommen wurde. Wer aber glaubt, daß eine vierwöchige Kur ausreicht, um dann die elf übrigen Monate des Jahres ungestraft gegen die Gesundheit wie ehedem sündigen zu dürfen, der mag sich auch über das Wiederauftreten früherer Beschwerden nicht wundern. Gerade wer im Urlaub Erholung, im Kurort Besserung oder Heilung gefunden hat, der sollte jetzt doppelt auf die Erhaltung seiner Gesundheit bedacht und bestrebt sein, seine Lebensführung, soweit als möglich, der des Kuraufenthaltes anzupassen. Eine solche sogenannte„ Nachkur" ist nicht nur etwas für reiche Leute, sondern sie kann und sollte sich jedermann leisten! Zunächst vermeide man einen zu schroffen Wechsel zwischen Urlaub und Arbeit. Man kehre nicht erst am Abend vor dem Urlaubsende heim, sondern möglichst schon etwas früher. Ganz falsch ist es, sich im Gefühl vermehrter Arbeitskraft Hals über Kopf in die Arbeit zu stürzen, um alles Liegengebliebene womöglich in wenigen Tagen aufzuarbeiten. Maßhalten und zweckmäßige Verteilung der Arbeit für die Erhaltung der im Urlaub wieder gewonnenen Kräfte ist vielmehr von ganz be= sonderer Bedeutung. Wem im Urlaub das Liegen und Baden gut getan, der versuche, wenigstens noch eine Zeit lang, zu Hause das gleiche. Für regelmäßige und ausreichende Nachtruhe kann man auch zu Hause Songe tragen, und im Essen und Trinken, entsprechend ärztlicher Vorschrift, sich so verhalten, wie im Kurort. Auch zu Hause kann man Luft- und Sonnenbäder nehmen oder für Verdauung und Schlaf nutbringend einen Spaziergang unternehmen. Kurz, man ziehe aus den gesundheitlichen Erfolgen der Urlaubszeit die nötige Lehre und lebe auch die übrige Zeit des Jahres möglichst so, wie in den schönen Tagen der ,, goldenen Freiheit"! Angemalter Kragen und Reißverschluß. Es geht eine revolutionäre Welle durch die Männerwelt. Es ist der Männerwelt zu heiß geworden. Sie fürchtet, zu erstiden. Sie protestiert gegen Weste und steife Brust. Sie deutet neidisch und eifersüchtig auf die Damen. Die neuerdings sogar auf die Strümpfe verzichten. Allenthalben iun sich Vereine zur Reform der Herrenkleidung auf. Die fühnsten Vorschläge werden gemacht. Aerzte und Wissenschaftler, Wandervögel und Lehrer, Kellner und sogar Beamte treten in vieler Herren Länder für Bluse, Schillerkragen, Kniehose und Reißverschluß ein. Mit Wort und Schrift. Mit den Ansprüchen der Hygiene und der Aesthetik. Mit dem Hinweis auf das schwächere Geschlecht, das dank seiner vernünftigen Gewandung, schon das stärkere geworden sei. Und trotzdem! Trotzdem! Alle diese Proklamationen, Anläufe und Entschlüsse haben noch nicht zu großen Resultaten geführt. Man sah wohl zuweilen einen Herrn mit Kniehose in der Straßenbahn und man erschraf, man sah wohl einen vereinzelten Kragenlosen mit weitgeöffneter Brust, und diese homerische Brust war nicht eben ästhetisch. Man dachte plötzlich darüber nach, daß ein Lehrer mit Reißverschluß komisch wirken, daß ein Finanzbeamter mit angemaltem Kragen allen Respekt verlieren würde. Man begriff plötzlich, daß sich so viele Männer genau so fleiden, wie es ihre Väter zu tun gewohnt waren. Man begriff, daß sie nicht auf Panzer und Schlauch( Hosen) verzichten wollten, konnten. Ja, wenn sie einmal alle dem Apollo von Belvedere gleichen! Die Frauen sind in diesen Dingen hemmungsloser. Sie halten sich alle für die leibhaftigte Aphrodite und wenn es ihnen auch sonst niemand bestätigt, der Spiegel bestätigt es ihnen! * Kauft nur deutsche Ware! heißt es jetzt umso dringlicher, wo Holland zum Kampf gegen deutsche Waren rüstet. Wir dürfen daher nur deutsche Butter, deutschen Käse, deutsches Obst und Gemüse und deutsche Eier kaufen. Das ist die Pflicht der Selbsterhaltung. * 15½ Prozent der gesamten Einwohnerschaft unserer Stadt in öffentlicher Fürsorge. Nach einer Ausstellung auf Grund von Ziffern des städtischen Wohlfahrtsamtes waren am 1. Juli in Gießen von rund 36 000 Einwohnern insgesamt 5 412 Personen in öffentlicher Fürsorge, das sind 15% Prozent der gesamten Bevölkerung. Von den Unterstützten waren 2676 Hauptunterstützungsempfänger und 2736 Zuschlagsunterstützungsempfänger. Jm Rechnungsjahr 1929-30 hat die Stadt allein für öffentliche Fürsorge 782 218 Mark aufzubringen gehabt= 22,35 RM auf den Kopf der Bevölkerung. Aus diesen Ziffern iſt ersichtlich, wie stark der Einfluß der Erwerbslosigkeit auf die öffentliche Fürsorge auch hier geworden ist. * Neue Reichsbanknoten. In einigen Wochen wird die Reichsbank zwei neue Noten in den Verkehr bringen, einen Der ZehnmarkZehnmark und einen Zwanzigmart- Schein. schein wird ein Sinnbild der Landwirtschaft, der Zwanzigmarkschein der Industrie darstellen. Die Zehnmartnote trägt das Bild des landwirtschaftlichen Theoretikers Thaer und die Figur einer Schnitterin, während der Zwanzigmarkschein das Bild Werner von Siemens und die Figur eines Industriearbeiters zeigt. Die neuen Scheine werden in einer besonders widerstandsfähigen Papierart hergestellt werden. * Aus dem Gerichtssaal. Ein von auswärts stammender junger Mann stand unter der Anklage der schweren Urkunden,, Gießener Zeitung" fälschung und des Betrugs. Dem Angeklagten konnte nur die Unterschlagung nachgewiesen werden u. wurde er zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Einem Mühlenbauer wurde zum Vorwurf gemacht, daß er einem auswärts wohnenden Mühlenbe= sitzer durch Vorspiegelung falscher Tatsachen über seine Vermögensverhältnisse und durch Fälschung von Wechselakzepten finanziell geschädigt habe. Der Angeklagte wurde mangels ausreichenden Beweises freigesprochen. * Luftpostverkehr. Mit dem um 8,20 Uhr hier ankommenden ( Richtung Frankfurt a. M.) und um 8,30 Uhr hier abgehenden ( Richtung Hannover) und um 18,25 Uhr( Richtung Frankfurt a. M.) hier abgehenden Flugzeugen werden Luftpostsendungen( gewöhnliche und eingeschriebene Briefe, Postanweisungen und Pakete mit der Bezeichnung„ Luftpost") weiterbefördert. Schlußzeiten: 1, für die Luftpostsendungen in nördlicher Richtung ( Hannover usw.) a) für gewöhnliche Briefe spätestens 8,20 Uhr bei der Posthilfsstelle Flughafen, spätestens 7,30 Uhr beim Postamt 1; b) für die übrigen Sendungen spätestens 7,20 Uhr beim Postamt 1. 2. für die Luftpostsendungen in südlicher Richtung ( Frankfurt a. M.) a) für gewöhnliche Briefe spätestens 18,25 Uhr bei der Posthilfsstelle Flughafen, spätestens 17,35 Uhr beim Postamt 1; b) für die übrigen Sendungen spätstens 17,25 Uhr beim Postamt 1. * Zur Versendung von Betäubungsmitteln ins Ausland muß der Absender gleichzeitig der Post den von der Zollstelle bescheinigten Betäubungsmittelbegleitschein oder das Postausgangsbuch sowie einen Ausfuhrschein nebst Zweitschrift vorlegen. Es muß daraus hervorgehen, daß das Reichsgesundheitsamt die Ausfuhr mit der Post nach dem Bestimmungsort genehmigt hat. * Von der Universität. Der Leiter des Instituts für experimentelle Psychologie und Pädagogik, Prof. Dr. Friedr. San= der, wurde zum planmäßigen außerordentlichen Professor für Psychologie und Pädagogik an der Universität ernannt. * Aus dem Stadttheater. Mit Shakespeares„ Liebesleid und Lust" wird am 24. August, nachmittags, die Gießener Waldbühne wieder eröffnet. * Der Hessische Evangelische Bund wird seine diesjährige Hauptversammlung vom 30. August bis 1. September in Schlitz abhalten. Die Schlitzer Tagung wird erneut zur politischen Aktivierung des evangelischen Volksteils Stellung nehmen. Im Hinblick auf die bevorstehenden Reichstagswahlen ist diese Tatsache besonders beachtlich. * Der Hessische Schlossermeister- Verbandstag, der am 24. August stattfinden sollte, ist auf den 21. September verlegt worden. Die Tagung findet nach wie vor in Dieburg statt. * Geflügel: und Vogelzuchtverein Gießen u. Umg. 1897 e. V. Beim Gastwirt Henkel findet heute, Samstag, abend 8,30 Uhr eine Monatsversammlung statt. * Eine ADAC.- Wanderfahrt nach Italien für Motorräder und Kleinwagen wird vom 10. bis 21. September in Form einer zwanglosen Gesellschaftsfahrt durchgeführt. * Ehem. Artilleristen. Am 30. und 31. August d. J. treffen sich in der alten Garnisonstadt Mainz die ehemaligen Angehörigen der Feldartillerie- Regimenter 27 und 63, FußartillerieRegimenter 3 Gfz. und 18, sowie deren Kriegsformationen bei einem großen Wiedersehenstag. Anfragen an folgende Kame= raden: F. A. R. 27: Martin Meyer, Mainz, Stahlbergstr. 33, F. A. R. 63: Obertel. Sefr. Bigalfe, Mainz- Kastel, Friedrichstr., FB. A.R. 3: Naffin, Mainz Langenbeckstr. 28, FB. A. R. 18: Gustav Metzke, Mainz, Ludwigstraße( Annoncenexped. Frenz). Straßensperrung, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobilclub E. V.( A. v. D.) Gießen. Die. Provinzialstraße„ Brauerschwend Reuters" im Zuge der Straße Alsfeld- Lauterbach wird vom 18. August ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Wallenrod- Hergersdorf Brauerschwend. - xum Blinkwunder Fensterputz Aus Nah und Fern. Zuchtviehmarkt in Pfungstadt. Der Pfungstädter Zuchtviehmarkt, verbunden mit Prämiierung der aufgetriebenen Bullen, Kühe, Rinder, Schweine und Ziegen, findet am 23. August 1930 statt. Mit dem Zuchtviehmarkt ist eine Gewerbeschau verbunden. Schlüchtern. Der Verein für hessische Geschichte und Landeskunde hält hier in den Tagen vom 29. bis 31. August d. J. seine diesjährige Hauptversammlung ab. Die Haupimitgliederversammlung des Vereins ist auf den Samstag morgen anberaumt. Vilbel. Der Einspruch der Kommunistischen Partei gegen den Voranschlag wurde vom Kreisausschuß kostenpflichtig abgewiesen. Darmstadt. Die Odenwälder Hartsteinindustrie hat ihren Betrieb wegen Mangels an Aufträgen stillgelegt. Mainz. Eingehenden Meldungen zufolge werden die internationalen D- Zügen auf den Rheinstrecken seit Wochen von einer Bande internationaler Taschendiebe heimgesucht. Bei den zuständigen Reichsbahndirektionen laufen täglich Verlustanzeigen von Brief- und Geldtaschen mit oft sehr hohen Beträgen ein. Troz des schärfsten Ueberwachungsdienstes konnte man die Diebe noch nicht fassen, da sie mit größter Vorsicht zu Werke gehen. Schweres Schadenfeuer. Brandoberndorf( Kr. Usingen.) Am Mittwochabend brach in der Lederfabrik Ernst Luckhaus A.-G. Feuer aus, das an dem erheblichen Lager an rohen und fertigen Lederwaren reichliche Nahrung fand und das Dach und das dritte Obergeschoß ver nichtete. Der Schaden ist sehr erheblich, aber durch Versicherung gedeckt. Ein Toter, zwei Verlegte. Dillenburg. Auf der Frohnhäuser Landstraße bei Dillenburg tam es am Donnerstag zu einem Zusammenstoß zwischen einem Motorradfahrer und einem Radfahrer. Hierbei wurde der Nr. 64/65 Beifahrer des Motorrades, der Dentist Schmitz aus Wahlbach ( Kreis Siegen) vom Soziussitz geschleudert. Er erlitt einen Schädelbruch und verstarb an der Unfallstelle. Der Motorradfahrer selbst erlitt leichtere Verletzungen. Der Radfahrer, ein Gärtnerlehrling aus Dillenburg, erlitt schwere innere und äußere Verletzungen und mußte dem Dillenburger Krankenhaus zugeführt werden. Tat einer Wahnsinnigen. Dillenburg. Im nahen Frohnhausen tötete die Ehefrau des Landwirts Otto Müller ihr vierjähriges Töchterchen durch Erwürgen. man nimmt an, daß die Tat in einem Wahnsinnsanfall verübt worden ist. Die Frau wurde nach dem Landgerichts= gefängnis in Limburg überführt. Limburg( Lahn). Die neue Jugendherberge, die als lebendige Ehrenstätte für die Gefallenen errichtet wurde, wird am 31. August eingeweiht. Nassau. Von einer Lokomotive erfaßt und getötet wurde ein Bahnschaffner aus Diez. Bad Ems. Am 17. August werden die 2. Schüler- und Jugendregatta, sowie die 8. Herbstregatia des Mittelrhein. Regattaverbandes hier auf der historischen Rennstrecke, die im Juni dieses Jahres die 50. Jubiläums- Regatta sah, abgehalten. Es haben 26 Vereine gemeldet. Kirchhain. Die Stadverordnetenwahl wurde für ungültig erklärt, da das Wahllokal nicht den Vorschriften entsprach. Gelnhausen. Der Kreisfeuerwehrtag des Kreises Gelnhausen findet anläßlich der 10- Jahr- Feier der Freiw. Feuerwehr Rothenbergen am 31. August in Rothenbergen statt. Ein Dieb unbeabsichtigt erschossen. Frankfurt a. M., 15. August. In den frühen Morgenstunden überraschte ein Kaufmann in seinem Garten mehrere junge Burschen beim Obstehlen. Er führte die Diebe bis an den Torweg seines Hauses, um sie der Polizei zu übergeben. Die Diebe gingen aber gegen den Kaufmann tätlich vor. Dabei entlud sich die Waffe, die der Kaufmann in der Hand hatte, und ein Schuß drang dem 19jährigen Schreiner Otto Schmidt, dem Anführer der Diebesgesellschaft, ins Herz, so daß er auf der Stelle starb. Wohnungen, aber keine Mieter, Hanau. Als ein besonderes Zeichen auf dem Gebiete des Wohnungsmarktes kann verzeichnet werden, daß in der benachbarten großen Gemeinde Groß- Krogenburg Wohnungen in Neubauten zu vermieten sind, jedoch Wohnungssuchende aus dem Landkreis Hanau gesucht werden, da in dem Ort selbst wegen der großen Erwerbslosigkeit zahlungsfähige Wohnungssuchende nicht vorhanden sind. In diesem Sinne hat das Bürgermeisteramt eine öffentliche Bekanntmachung erlassen. Die Mieten betragen 30-35 Mark monatlich. Kassel. Hundert neue Wohnungen sollen in kurzer Zeit auf dem Rothenberg errichtet werden. Kassel. Gegen den sozialdemokratischen Bürgermeister Lu can der Gemeinde Harleshausen bei Kassel wurden in der letzten Gemeinderatssigung Beschuldigungen erhoben, daß Lucan einige Gemeindeabgeordnete durch Versprechungen und Geschenke beeinflußt hat, ihre Stimme im Jahre 1928 für ihn bei der Bürgermeisterwahl abzugeben. Von Amts wegen ist nunmehr eine strenge Untersuchung angeordnet worden. Guntersblum.( Ein ,, Beerdigter" wieder aufgetaucht.) Eine gewisse Irma Vollert aus Nürnberg hat hier eine im Jahre 1927 geländete und beerdigte Leiche nach den Kleidungsstücken als die ihres Mannes anerkannt. Jetzt ist auf einmal der ,, Beerdigte" wieder aufgetaucht, so daß die Sache von damals untersucht werden muß. Die ,, Witwe" hat sich inzwischen wieder verheiratet. Leeheim. Während eine hiesige Familie in der Küche beim Mittagessen saß, brach die Kellerdecke ein und die ganze Familie fiel mit Tisch und Stühlen durch den Küchenboden in den Keller. Mit Hilfe von Gästen aus einer nahen Wirtschaft konnten die ,, Abgestürzten" wieder geborgen werden. Mergentheim. Am 24. August findet ein Reit- und Springturnier und am 9. September eine Beethoven- Gedenkfeier in Mergentheim statt. Drei Viertel der Ortseinwohner arbeitslos. Wittigsthal bei Schwarzenberg. In der Gemeinde Wittigsthal sind nicht weniger als drei Viertel der Einwohner arbeitslos. Seit beinahe 100 Jahren war das Eisenwert von Nestler u. Breitscheid die Stätte, an der sich die fast nur aus Arbeitern bestehende Bevölkerung ihr Brot verdiente. Der DKW.- Konzern, an den die Firma vor zwei Jahren übergegangen ist, hat inzwischen die Ofenfabrikation völlig stillgelegt. Veruntreuungen von über 40 000 Mart festgestellt. Magdeburg. In der Gemeinde Völpke, Bezirk Magdeburg, wurden durch den Revisionsbeamten des Sparkassen- und Giroverbandes Magdeburg Unterschlagungen amtlicher Gelder in Höhe von 40 790 RM. festgestellt. Der der Sozialdemokra tischen Partei angehörende Gemeindevorsteher Schäfer hat mit dem ebenfalls der Sozialdemokr. Partei zugehörigen Rendanten Lange Hand in Hand die Unterschlegungen begangen. Es war einmal. Eine Geschäftsgründung mit echt Talern. Kamenz. Das 75jährige Bestehen seines Geschäfts konnte Ratsuhrmachermeister und Stadtrat Paul Reißmann begehen. Das Geschäft wurde im Jahre 1855 von dem späteren Sächsischen Landtagsabgeordneten und langjährigen StadverordnetenVorsteher Uhrmacher August Reißmann gegründet. Das ihm damals zur Verfügung stehende Kapital betrug ganze 8 Taler 2 Neugroschen, eine Summe, mit der heute wohl niemand den Miut haben würde, ein Geschäft zu gründen. Zwei junge Mädchen verschwunden. Eine aussehenerregende, noch nicht geflärte Angelegenheit hat sich in diesen Tagen in Herford( Westfalen) zugetragen. Seit Dienstag abend werden die beiden in einem dortigen Arzthaushalt angestellten Dienstmädchen vermißt, und man weiß sich ihr Verschwinden bis jetzt noch nicht zu erklären. Ausdedung eines großen Kaffeeschmuggels. Hamburg. Durch die Aufmerksamkeit eines Zollbeamten ist man einer Bande von Kaffeeschmugglern auf die Spur gekommen, die im Hamburger Freihafen seit mehreren Monaten Samstag, den 16. August 1930. große Kaffeemengen aus dem Freihafengebiet in das Hamburger Staatsgebiet schmuggelte. Die Bande ging sehr raffiniert zu Werke. Sie benutte insgesamt drei Lastwagen, alle mit einem besonderen Behälter versehen. Zu diesem Zweck hatte man den Werkzeugkasten unter den Autos entfernt und so einen Hohlraum gewonnen, der etwa zwei Sad Kaffee zu je 60 Kilogramm aufnehmen konnte. Sturmflutgefahr an der deutschen Nordseeküste. Hamburg, 15. August. Ein schweres Unwetter, verbunden mit wolkenbruchartigen Regengüssen und starken nordwestlichen Winden, die in Böen die Stärke bis zu 27,5 Sefundenmetern erreichen, tobt seit den gestrigen Nachmittagsstunden über Hamburg und der Wasserkante. Die deutsche Seewarte hat bereits Donnerstag vormittag eine Sturmwarnung ergehen lassen. Der Sturm trägt große Wassermassen in die Elb- und Wesermündung, so daß für die deutsche Nordseeküste Sturmflutgefahr besteht. ,, Gießener Zeitung" nannt der ,, eiserne Mann", versetzt die Polizisten von einem Bezirk in den anderen, um die bisher bestehenden geheimen Verbindungen zwischen der Polizei und den Alkoholschmugglern und Alkoholschenken zu zerreißen. Eine Reihe von Polizeiinspektoren ist entlassen worden. Kriminalität und Sozialpolitik. - Ein Scheinargument der Wohnungssozialisten. Die sozialistische Presse weiß auf jedes Zeitübel einen Vers. Mit nicht gerade bewundernswerter, aber unverdrossener Sophistik gliedert sie alles und jedes in ihr politisches und sozialpolitisches Weltanschauungsgebäude ein, auch wenn dort seiner Natur nach eigentlich wie Sprengstoff wirken müßte. Da ist die erschreckend wachsende Kriminalität. Notzuchtfälle haben sich von 1513 im Jahre 1924 auf 2493 vermehrt. Sittlichkeitsverbrechen an Kindern von 3141 auf 3984 im gleichen Zeitraum. Die höchste Kriminalität hat der Regierungsbezirk Düsseldorf mit 684 Schwerverbrechen= 22,2 Prozent aller preußischen Schwerverbrechen in 1929. Und der Vers, den sich hierauf der„ Vorwärts"( Nr. 71 vom 12. Februar) macht: Wohnungsnot, Alkohol, Gefährdung der sozialen Fürsorge. Die Sozialdemokratie wäscht natürlich ihre Hände in Unschuld. Sie steuert ja gerade im steten Kampf mit wirtschaftlichen und po= litischen Widerwärtigkeiten der Wohnungsnot. Sie liegt auch im Kampf mit dem ,, bürgerlichen Alkoholkapital". Sie warnt insbesondere die Jugend ständig vor den Gefahren des Alkoholgenusses. Diejenigen Kreise, welche für„ Abbau" der sozialen Fürsorgemaßnahmen eintreten, verursachen, mindestens unbewußt, ein weiteres Steigen der„ furchtbaren Kurve der Kriminalität“. Helgoland 40 Jahre beim Reich. Helgoland. Die Inselgemeinde Helgoland hielt am 40. Jahrestag, am Donnerstag, der Zugehörigkeit zum Reich auf dem Platz vor dem Musikpavillon unter großer Beteiligung der Gäste und Inselbewohner eine schlichte Gedenkfeier ab. Umrahmt vom Festkonzert der Kurkapelle und einigen gesanglichen Darbietungen des Helgoländer Männergesangvereins hielt Gemeindevorsteher Lange ein Ansprache, in der er hervorhob, daß die Helgoländer einig und geschlossen zu ihrem deutschen Vaterlande stünden. Er sei von Vertretern aller Schichten der Inselbevölkerung ermächtigt worden, durch ein Telegramm an den Reichspräsidenten das vor 40 Jahren gegebene Gelöbnis unerschütterlicher Treue zum deutschen Vaterlande zu erneuern, das er hiermit vor der gesamten Oeffentlichkeit wiederhole. Ein gemeinsamer Gesang des am 26. August 1841 auf der Insel Helgo- So wird das Ungereimteste gereimt. Der„, Vorwäris" wird nicht bestreiten land von von Hoffmann von Fallersleben gedichteten Deutschdie Gewerkschaften sehen jedenfalls hierin ihr landliedes schloß sich an. Ruhmesblatt Der Reichspräsident von Hindenburg daß gerade die zurückliegenden Jahre 1924 bis 1929 mit fortgefegtem Ausbau aller Fürsorgemaßnahmen im ließ dem Gemeindevorsteher ein Telegramm zugehen. Sinne der Sozialdemokratie, mit einer denkbar ,, aktiven" Sozialpolitik auf allen Gebieten, sei es Sozialversicherung, Lohngestaltung oder Arbeitszeitregelung, angefüllt gewesen sind. Eben diese Jahre haben die furchtbare Kriminalitätskurve. Von eben diesem Zeitabschnitt 1924 bis 1929 ist hier die Rede, nicht von einer Zukunft, in der es noch schlimmer werden könnte und auf die der„, Vorwärts" die Aufmerksamkeit mit dem Kinderschreck des Sozialabbaus abzulenten versucht. Schießübungen der Flotte. In der Zeit vom 18. bis 29. August 1930 finden in der Kieler Bucht Schießübungen der Linienschiffe und Kreuzer statt, die täglich etwa von 9 Uhr vormittags bis Mitternacht andauern. 140 000 RM. Jahresgehalt des englischen Ministerpräsidenten. London. Der Ausschuß zur Prüfung der Höhe der Ministergehälter hat beschlossen, nur im Falle des Ministerpräsidenten eine Erhöhung des Gehaltes von 5000 Pfund( 100 000 Mark) auf 7000 Pfund( 140 000 Mark) im Jahre vorzuschlagen. Die Aenderung soll erst nach der Zustimmung des Parlamenis in Kraft treten. Ein tschechoslowakischer Bischof als Altoholschmuggler in Amerika. Newyork, 15. August. Der tschechoslowakische griechischkatholische Bischof Karl Mrzena, der vor einigen Jahren von Prag hierher gekommen war, wurde wegen Verlegung des Prohibitionsgesetzes verurteilt. Der Bischof hatte den angeblich für den Kultus bestimmten Wein den Alkoholhändlern zugeleitet und dabei einen Dollar je Gallone( ½ Liter) bekommen. Er soll in dieser Weise 40 000 Dollar jährlich erzielt haben. Chicagos Kampf gegen die Verbrecherwelt. Aus Chicago wird gemeldet: In der hiesigen Polizei wird energisch durchgegriffen. Fünftausend Detektive sind in Uniformen gesteckt worden. Die Polizei wird durch zuverlässige Elemente weiter verstärkt. Der neue Polizeipräsident Alcock, geHohe Verdienstmöglichkeit! 30% Provision! Jetzt, z. Herbstsaison, die beste Zeit, s. d. Verkauf v. rostfr., Alpacca- u. Silber- Bestecken sowie allen and. Solinger Stahlwaren ab Fabrik a. Priv. z. widmen. Auch b. d. schlecht. Wirtschaftslage verdienen meine Vertreter wchtl. 150 RM. und mehr bei vornehmer Tätigt. Interessenten stehen Kat., Preisl. u. nähere Beding. gern zu Diensten Bewerben Sie s. noch heute u. d. Vertretung bei Prunus- Stahlwarenfabrik W. Wielpük, Solingen. Wir suchen in allen Dörfern zuverlässige Personen zur Gratisverteilung eines ländlichen Familien- Wochenblattes.Vergütung wird im voraus gezahlt, dazu hohe Prämie für neue Leser. 30 Mark Nebenverdienst und mehr sind mit Leichtigkeit zu verdienen. Meldungen an: Land und Garten, Hannover Postfach 347, Tüchtige, fachkundige Dame der Bandagenund Corseletbranche als Bezirksleiterin gesucht. Wir biet. die höchste Provis. 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Also sprunghaft steigende Kriminalität in einer Zeit sozial: politischer Hochkonjunktur! Das gibt zu denken. Mit Linderung der Wohnungsnot, mit Alkoholvermahnungen und Fürsorgemaßnahmen ist es offenbar nicht getan. Dies Verslein geht ja auch nur schönrednerisch um den Kern der Dinge herum. Die zweckmäßige Beseitigung der Wohnungsnot ist nicht nur cin soziales, sondern ein ebenso eminent wirtschaftliches Problem. Und die Verkettung ist, wie immer, die, daß wirtschaftliche Sünden sich im sozialen Bereich rächen. Es genüge an dieser Stelle nur die Andeutung, daß die stark überteuerte, immer wieder belastungsfähige, weil aus dem Steuersäckel schöpfende öffentliche Bauwirtschaft eine der größten und bleibendsten Ursachen jener unheilvollen Tariflohnpolitik geworden ist, die jahrelang Bezirke gegen Bezirke, Industrien gegen Industrien ausgespielt, zuerst Exportindustrien wettbewerbsunfähig gemacht, bezw. zu überſtürzten Rationalisierungen, verbunden mit Betriebsstillegungen und Arbeiterentlassungen, gezwungen, später aber die gesamte Wirtschaftskonjunktur abgedrosselt und das grenzenlose Dauerelend der Arbeitslosigkeit heraufbeschworen hat. Neue Auslands- Erfolge der deutschen Auto- Industrie. Bei der großen Automobil- Schönheitskonkurrenz in Luzern am 3. August wurde ein Mercedes- Benz- Nürburg- Cabriolet im Besitze des bekannten Rennfahrers R. Caracciola als schönster Wagen des ganzen Wettbewerbs mit dem höchsten Preis ausgezeichnet. Ferner erhielt dieses in den eigenen Werkstätten hergestellte Cabriolet den ersten Preis in der Klasse der SerienCabriolets und den Spezialpreis als schönster ausländischer Wagen. Zu gleicher Zeit legte ein Mercedes- Benz des be= währten Typ„ Stuttgart 260" eine neue Probe seiner unbedingten Zuverlässigkeit ab: Baron von Jungenfeldt gewann die polnische 18- Stunden- Sternfahrt nach Kattowitz auf einem serienmäßigen Wagen dieses Typs und erhielt gleichzeigitg mit einer zurückgelegten Strecke von 1281 Kilometer und einem Durchschnitt von 72 Kilometer sämtliche ausgesetzten ersten Preise. Waschen Sie so, Wo findet wie Wissenschaft u. Praxis es als richtig erkannt haben: Mit Dr. Thompson's Seifenpulver wer anders wäscht, macht es falsch. 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