Tr. 90. 3.1923 ng des Bayern in neuer amblung 7 Lefern ctelt 1921 3 Gießener Zeitung Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüdsendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. 43. Jahrg. - Politische Rundschau. Die Fraktionen der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei haben im preußischen Landtag einen Urantrag eingebracht, worin die Einsegung eines Untersuchungsausschusses von 29 Mitgliedern„ zur Prüfung der Verwirtschaftung öffentlicher Gelder im Wohnungsbau" gefordert wird. Die Interpellationsdebatte über die Finanz- und Börsentrise in der französischen Kammer wurde gestern abend kurz vor 10 Uhr mit einem Vertrauensvotum zugunsten der Regierung von 318 gegen 271 Stimmen zu Ende geführt. Die Wochenbilanz der Bank von Frankreich weist eine Goldzufuhr von 289,5 Millionen Franken auf, wodurch ihr Goldbestand auf 51 096 Millionen Franken gestiegen ist. Der neue Goldzuwachs erklärt sich vor allem durch Käufe auf dem Londoner Marit. Die französische Luftflottenvorlage bringt 22 Millionen Franken Mehrforderungen gegenüber 1930. Der König von Spanien hat ein Dekret unterzeichnet, das den Anlauf von 27 Torpedobooten genehmigt. Auf den japanischen Ministerpräsidenten Hamaguschie ist gestern früh auf einem Bahnhof in Tokio ein Attentat verübt worden. Ein Revolverschuß traf ihn in den Leib. Der Zustand Hamaguschis soll sehr ernst sein. Zu schweren Ausschreitungen, die den Charakter einer wahren Meuterei angenommen haben, ist es in Havanna auf Kuba gekommen. Studenten und Pöbel haben Häuser und Besitztümer der Reichen geplündert. Die indische Nationalfahne wurde als hochverräterische Handlung in ganz Indien durch Befehl des Bizetönigs verboten. Daraufhin ist am 10. November in 180 indischen Städten die abermalige Proklamierung des Boykotts aller ausländischen Einfuhrwaren, besonders Stoffe, ausgesprochen worden. 4 Russische Ingenieure haben im Auftrage ihrer Regierung in Friedrichshafen sehr eingehend mit Dr. Edener und Hauptmann Bruns über den Bau von drei Luftschiffen verhandelt, die die Strecke Staaten- Leningrad Tokio regelmäßig befliegen jellen.. Mussolini hat die auf einer Studienreise in Rom weilenben Stahlhelmer empfangen. Untragbarer Beschluß des Haushaltsausschusses. Berlin. Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde am Freitag ein kommunistischer Antrag angenommen, der die Reichsregierung auffordert, die Verbilligung von Frischfleisch für die minderbemittelte Bevölkerung so vorzunehmen, daß das Frischfleisch nicht teuerer ist, als das bisher zollfreie GefrierFleisch. Von dieser Maßnahme sollen alle Erwerbslosen, Sozial- und Kleinrentner sowie Fürsorgeberechtigte erfaßt werden. Für diesen Antrag der Kommunisten stimmten neben den Antragstellern die Nationalsozialisten, die Sozialdemokraten, zwei Mitglieder der Christlichen Bauernpartei und ein Mitglied der Christlichsozialen. Das Zentrum, die Deutsche Volkspartei und die Wirtschaftspartei stimmten gegen den Antrag, während sich die Deutschnationalen der Stimme enthielten. Dieser Ausgang der Abstimmung hat in Regierungsfreisen begreiflicherweise große Erregung hervorgerufen. Nach den Berechnungen des maßgeblichen Ministeriums schätzt man die Kosten für die Durchführung dieses Antrages auf 640 Millionen Reichsmart bei einer Zugrundelegung von etwa 16 Millionen Bersonen, denen das verbilligte Frischfleisch zugute kommen würde. Eine solche ungeheuer große Summe für den angeforderten Zweck zur Verfügung zu stellen, sieht sich die Reichsregierung natürlich nicht in der Lage, und es bedarf feines besonderen Hinweises, daß die Parteien, die für Annahme des kommunistischen Antrages gestimmt haben, sich über die Konsequenzen nicht von vornherein im klaren gewesen sind. Im Etat des Reichsernährungsministeriums ist lediglich ein Posten von zehn Mill. RM. für die Verbilligung von Frischfleisch vorgesehen, und es ist auch nicht beabsichtigt, bei der angespannten Finanzlage des Reiches diese Summe zu überschreiten. Selbstverständlich ist bei dem Beschluß des Haushaltsausschusses noch kein Gesetz beschlossen worden, sondern es handelt sich vielmehr lediglich um einen Antrag, der zunächst noch der Genehmigung des Reichstagsplenums bedarf. Sollten die Sozialdemokraten auch im Reichstag selbst bei ihrer unverständlichen Haltung verharren, so würde sich das Kabinett vor die Tatsache gestellt sehen, daß es über eine Mehrheit im Reichsparlament nicht mehr verfügt. Es ist jedoch zu erwarten, daß angesichts der inzwischen bekanntgewordenen hohen Summe, die die Durchführung dieses Antrages bedarf, eine Mehrheit im Parlament sich nicht wieder ergeben wird. Verstimmung in Berlin. Berlin. In den Kreisen der Reichsregierung ist man über die Ausführungen des französischen Ministerpräsidenten Tardieu außerordentlich verstimmt. ( Gießener Tageblatt) Drud und Verlag von Albin Klein in Gießen. Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526. Postschecktonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M. Samstag, den 15. November 1930 Man ist der Auffassung, daß im Gegensatz zu Briand Tardieu es verstanden hat, die politische Lage wesentlich zu verschärfen. Im Gegensatz zu der Auffassung des französischen Ministerpräsidenten erklärt man, daß Deutschland nicht nur ein moralisches, sondern auch ein effektives und juristisches Recht auf Abrüstung der ehemaligen Feindbundstaaten hat und daß ebenfalls eine Verschiebung der rechtlichen Lage bezüglich eines Moratoriums feineswegs geduldet werden könne. Das Recht, ein Moratorium anzuwenden, sei allein einseitiges Recht Deutschlands und dieser Tatbestand sei in den Verträgen klar festgelegt. Zu den Darlegungen Tardieus, in denen er nachzuweisen sucht, daß Frankreich weniger Mann unter Waffen hält als Italien und England, erfahren wir vom Reichswehrministerium, daß eine solche Ausstellung, wie sie Tardieu gemacht habe. durchaus irreführend sei. Das französische Herr einschließlich seiner Kolonialtruppen beziffere sich auf 577 882 Köpfe, davon seien allein in Frankreich 353 000 garnisoniert. England dagegen verfüge einschließlich seiner Kolonialtruppen nur über 530 714 Mann, und Italien halte eine aktive Armee von 206 000 Mann unter Waffen. Hinzu kommen noch 20 000 Mann für die aktiven italienischen Luftstreitkräfte und 389 000 Mann der faschistischen Miliz. Diese Ziffern, die dokumentarisch in den Akten des Völkerbundes wiedergegeben seien, beweisen daß die einzelnen Angaben des französischen Ministerpräsidenten, von denen man nicht weiß, auf welche Berechnungen sie sich stützen, zum mindesten irreführend sind. In Berliner Regierungskreisen ist man der Meinung, daß die Ausführungen Tardieus den Abrüstungsbemühungen wie auch der Liquidation der übrigen, die gesamte Weltwirtschaft störenden Nachkriegsfragen erneut starke Schwierigkeiten in den Weg gestellt haben. Bergmannstragödien und politische Heße. Aus dem Ruhrbezirk wird uns geschrieben: Man ist es leider gewohnt, daß größere Grubenunglüce in einem Teil der Presse in widerwärtigster Weise zur politischen Hetze ausgenutzt werden. Bedauerlicherweise haben sich daran nach den letzten beklagenswerten Unfällen im Aachener und Saarbrüdener Revier, die überall das tiefste Mitgefühl und herzlichste Teilnahme erweckten, nicht nur Kommunisten und Sozialisten, sondern auch bürgerliche Zeitungen und Parteien beteiligt. Wie anders denn als Hetze ist es zu bezeichnen, wenn beispielsweise die Zentrumsfraktion in einer Großen Anfrage einen später als vollkommen unwahr nachgewiesenen Bericht über einen tödlichen Einzelunfall auf der Zeche„ Graf Moltke" bei Gelsenkirchen, der angeblich durch Verschulden der Zechenverwaltung entstanden sein sollte, am Tage nach dem Alsdorfer Unglück durch Vermittlung des Wolff- Büros weitestgehend in der deutschen Presse verbreitet und diese Falschmeldung mit der einleitenden Bemerkung versieht:„ Die Klagen der Bergarbeiter über Zunahme der Unfälle, herbeigeführt durch Verschulden der Zechenverwaltungen, mehren sich." Man beachte insbesondere diese Einleitung. Sie ist ebenso unwahr wie die Angaben über den Unfall selbst. Aber der Zweck, der Oeffentlichkeit in Verbindung mit dem Alsdorfer Unglück den Gedanken nahezulegen, daß viele Unfälle im Bergbau durch Außerachtlassung der Sicherheitsvorschriften seitens der Grubenverwaltungen entständen, ist erreicht. Unzählige Zeitungen bringen solche falsche Darstellungen, zumal sie nach solchen Grubenunglücken aktuell sind, aber nicht die Berichtigung. Zu einem wahren Hez- und Haß- Feldzug ist auch die Me:- dung eines Wirtschaftsblattes, daß seitens der belgischen Gesellschaft„ Arbed", die zu neun Zehntel Besitzerin des Eschweiler Bergwerksvereins ist, auf die wenigen noch in deutschen Härden befindlichen Aktien eine 14prozentige Dividende garantiert sei, benutzt worden. An sich wäre es zweifellos Pflicht einer reinen Wirtschaftszeitung, eine solche Nachricht, die doch im vorliegenden Falle nur dazu dienen sollte, die Kleinaktionäre vor Angstverkäufen und Verlusten zu bewahren, ihren Lesern nicht vorzuenthalten. Aber gerade weil man weiß, daß solche Meldungen den politischen Hezern ein willkommenes Material bieten, kann man vielleicht darüber streiten, ob es nicht richtig gewesen wäre, die Meldung nicht oder erst später zu bringen. Wenn diese aber wochenlang in der parteipolitisch interessierten Presse und schließlich auch noch im Landtag in übelster Weise zu Beschimpfungen nicht nur des betreffenden Wirtschaftsblattes, sondern auch der Zechenbesitzer und sogar der ganzen deutschen Wirtschaft ausgenutzt wird, die doch mit der ganzen Sache nichts zu tun haben, so zeigt sich hier die politische Heze in ihrer gan zen Niedertracht. Am meisten tun sich dabei, das ist sehr be= zeichnend, gerade solche Blätter hervor, die gewohnt sind, aus einem Grubenunglück durch sensationelle Darstellungen und lügenhafte Berichte für sich selbst Kapital zu schlagen. Die Linkspresse dient mit solchen hezerischen Darstellungen dem Bolschewismus, sonst niemanden, am wenigsten der Sache unserer Bergleute, deren Schicksal in dem tributversklavten Deutschland ohnehin schwer genug ist und nicht leichter werden kann, wenn der deutsche Bergbau von verbitterten und haßerfüllten Belegschaften betrieben wird. ( Neueste Nachrichten) Anzeigenpreise: die 30 mm breite Petitzeile auswärts 24 Pfg.. lokal 12 Pfg., die 90 mm breite Reflame- Petitzeile 96 Pfg. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholung Rabatt. Für Vollklischee- Anzeigen außerdem besondere Ermäßigung. Nummer 91 Aufstieg oder Niedergang. Schicksalsfragen des deutschen Handwerks: ,, Db dieser Staat leben bleibt oder nicht, das wird die nächste Zeit entscheiden. Der finanzielle Zusammenbruch von Staat und Wirtschaft ist das grauenvolle Gespenst, das über Deutschland schwebt. Sprechen wir es ruhig aus, daß der Marrismus über das innere Staatsleben Deutschlands gesiegt hat und zwar deshalb, weil die breiten Schichten des Bürgertums immer noch nicht begriffen haben, was sie diesem Staate schuldig sind. Die Zeiten sind ein für alle mal vorbei, die es dem Bürgertum gestatten, abseits zu stehen und die sogenannte Politik Leuten zu überlassen, die nach einem Worte von Bismarck vom Kriegführen bis zum Hundeflöhen alles besser verstehen, als irgendein Fachmann. Politik ist nicht so sehr eine Kunst, als vielmehr eine Wissenschaft. Um rechte Politik treiben zu können, muß man auch etwas rechtes gelernt haben, muß die tiefe Verwobenheit aller Wirtschaftszweige miteinander kennen, vom Wesen, von der Entwicklung, und den Existenzmöglichkeiten des eigenen Volkes wissen, um dementsprechend handeln zu können. Heute ist entweder alles Politik, oder es gibt überhaupt keine Politik mehr. Das gerade der gewerbliche Mittelstand, sowie das Handwerk in eine derartige Not und Bedrängnis hineingeraten sind, ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß man sich um das Wesen und die Bedeutung der Politik für das wirtschaftliche Leben leider niemals so recht gekümmert hat. Diese Interessenlosigkeit hat dann auch dazu geführt, daß in den Parlamenten über den Kopf des gewerblichen Mittelstandes hinweg Gesetze durchgingen, die Handwerk, Handel und Gewerbe mit immer neuen Steuern belegten, die geradezu untragbar geworden sind und dazu beigetragen haben, den selbständigen Mittelstand mehr und mehr zu proletarisieren. Heute muß der legte unter uns fühlen, daß ihm der Bettelstab winkt. Wir sind von einer Enttäuschung in die andere hineingestoßen worden. Alle Versprechungen, mit denen wir geradezu ,, gesegnet" wurden, haben weder das Herz, noch den Beutel angefüllt. Halten wir einmal kurz Rückschau und Umschau. Als der sozialistische Finanzminister Hilferding kurz nach der vorletzten Reichswahl seine Antrittsrede im Parlament hielt, erklärte er wörtlich: ,, Die Steuern seien bis an die Grenze des Möglichen angespannt." Es wurde die schnellste Einbringung eines Steuervereinheitlichungsgesetzes versprochen. Geschehen ist nichts. Statt dessen kamen neue Steuererhöhungen. 1927 brachte es ein Finanzminister fertig, die Gehälter der Beamten zu erhöhen; die Erhöhung kostete uns jährlich rund 1½ Milliarden RM. Daß diese Besoldungserhöhung für die deutsche Wirtschaft untragbar war, zeigte sich seit dieser Zeit an dem ungeheuren Fehlbetrag im Staatshaushalt. Ein anderer Finanzminister glaubte es verantworten zu können, eine Senkung der Lohnsteuer vorzunehmen. Für den einzelnen Arbeitnehmer waren dies Pfennige. Sie machten ihn weder reicher noch glücklicher, verursachten aber dem Staatssäckel jährlich eine Einbuße von über 100 Millionen RM. Welche Hoffnungen und Erwartungen wurden f. 3t. an die Verhandlungen im Haag geknüpft, von denen man die endgültige Liquidierung des Krieges erhoffte, sowie eine erhebliche Senkung der öffentlichen Lasten und ferner den Auftrieb der schwer darniederliegenden Wirtschaft. 700 Millionen RM. ,, Ersparnisse" vom Youngplan follten für Steuersenkung verwendet werden, aber diese Summe war schon längst verbuttert, Das Loch im Staatshaushalt wurde immer ehe es dazu kam. größer. Hinter all den großen Versprechungen, die dem deutschen Volke gemacht wurden, standen leider immer nur kleine MänSo sind wir dann zu guterlegt gelandet, bei dem Ermächtigungsgesetz und bei der Notverordnung! ner. Seit 1926 sind die Ausgaben für Reich, Länder und Gemeinden alljährlich durchschnittlich um 10 Prozent gestiegen, so daß man annehmen sollte, wir sind ein Volk von ständig wachsendem Wohlstand und Einkommen, das mit Begeisterung Steuern zahlt. Vielleicht wäre es am zweckdienlichsten, wir geben dem Staat unser noch vorhandenes Vermögen und lassen uns einfach die Steuern auszahlen. Die gesamten Schuldverbindlichkeiten des Reiches, der Länder, Hansastädte und 44 Großstädte betrugen am 31. März 1930 60 Milliarden 972 Millionen R.- Mark gegenüber 60 Milliarden 372 Millionen R.- Mark am 31. 12. 1929. Die neue Verschuldung im ersten Vierteljahr 1930 betrug also 600 Millionen R.- Mark! Bei diesem edlen Eifer aller möglichen Stellen, soviel Geld wie möglich aus der Wirtschaft herauszupressen und möglichst freigiebig wieder zu verwirtschaf= ten, ist der Zusammenbruch unausbleiblich. Man muß sich oft fragen, ob wir für diese katastrophale Entwicklung wirklich 103 amtierende Minister, 2 384 Abgeordnete, ungerechnet der Provinzial- und Kreistagsabgeordneten und obendrein noch 326 der im Vorläufigen" Reichswirtschaftsrat nötig haben. Uns will bange werden vor soviel Köchen, die den Brei verderben. Wir haben leider seit über 10 Jahren eine Politik getrieben, die es dahin gebracht hat, das schier Unmögliche möglich zu machen, nämlich den Kampf aller gegen alle bis zur Siedehige zu steigern. Ein Blick auf den Staatshaushaltsplan belehrt uns, daß allein für Sozialversicherungen aller Art rund 5% Milliarden Samstag, den 15. November 1930. R.- Mark ausgegeben wurden, während die öffentliche Verwaltung rund 23 Milliarden R.- Mark verschlingt. Wenn soviel von unseren inneren Feinden" gesprochen wird, so muß darauf hingewiesen werden, daß diese ,, inneren Feinde" sind: 1. die ungeheure Verwaltungsaufblähung, 2. das Rasen der Gesetzgebungsmaschine, 3. die Ueberspannung des sozialen Gedankens, 4. die Bewilligungsfreudigkeit der Parlamente, die nach dem Grundsatz zu verfahren scheint: Wenn es uns nichts kostet, zahlen wir alles. Diese Tributlasten" drücken die Wirtschaft und das gesamte deutsche Volk am allermeisten. Die Not besonders im gewerblichen Mittelstand, sowie im Handwerk ist riesengroß. Die Steuerrückstände allein betragen etwa 623 Millionen Mark. Die Konkurse steigen, der Lebensspiel raum für den gewerblichen Mittelstand wird täglich geringer. Vor dem Kriege nahm z. B. die öffentliche. Hand von je 100 Mark Volkseinkommen 16,91 Prozent in Anspruch. Im Jahre 1930 dagegen rund 42 Prozent. Das ist die ,, kalte" Sozialisierung in Reinkultur. Von den 27 Millionen Steuerpflichtigen sind rund 11 Millionen vom Steuerabzug befreit. In Wirklichkeit zahlen nur 16 Millionen direkte Steuern. Wenn die letzte Regierung im Reichstag die Erklärung abgegeben hat, daß sie von ernster Sorge erfüllt sei über die Notlage des gewerblichen Mittelstandes und daß sie alle Kräfte einsetzen wolle, dem Artikel 164- der Reichsverfassung Geltung zu verschaffen, so kann bisher nicht behauptet werden, daß diesen Worten auch Taten gefolgt sind. - Das Handwerk ist oft genug totgesagt worden, es lebt aber noch. Und zweifellos hat es als Volksganzes eine weitaus größere Bedeutung als seine Gegner ihm zusprechen möchten. Insgesamt dürften Handwerk, Handel und Gewerbe immerhin rund 12 Millionen Angehörige haben und müßten, wenn der Wille zur Macht und Geltung wirklich vorhanden wäre, entsprechend dieser Zahl einen größeren Einfluß in den Parlamenten haben, als es bisher der Fall ist. Die Stärke des Handwerks in seiner Vielhaftigkeit sowie in seiner Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit. Von dem auf 50 bis 60 Milliarden Mark geschätzten jährlichen Gesamtwert der Gütererzeugung entfallen auf das Handwerk mindestens 8 bis 10 Milliarden. Trotz allem ist das selbstständige Handwerk immer ein Stiefkind des Volkes in der Gesetzgebung und Verwaltung geblieben Wir müssen endlich einsehen, daß uns weder die Regierung noch sonst jemand hilft, wenn wir uns nicht selber helfen. Es gibt mancherlei Wege, die hier eingeschlagen werden könnten. So gehört z. B. das sauer verdiente Geld des Handwerks nicht mehr in die Großbanken, sondern in die Genossenschaftsbanken des Mittelstandes. Schon deshalb, um uns dadurch eine Kapitalmacht zu schaffen, denn schließlich bleibt das Geld die erste Macht. Das Handwerk lebt und wird leben, wenn es will und sich einmal klar darüber geworden ist, daß es der Berufsstand des sozialen und wirtschaftlichen Ausgleichs und Aufstiegs ist, jener Stand, der am meisten zur Bildung von Persönlichkeiten eigener, wertvoller Art beiträgt. Unser Grundsatz wird noch immer lauten: ,, Lieber ein kleiner Herr als ein großer Knecht zu sein!" Und diese heilige Ueberzeugung muß uns auch die Kraft und Ausdauer geben, mit allen Mitteln unsere Selbstbehauptung zu betreiben. Wir stehen zu diesem Staat, auch wenn er uns bis heute nicht viel oder gar nichts gegeben hat. Wir wissen, daß dieser Staat das Mittel zur Sicherung des Gemeinschaftslebens ist. Wir wissen, daß dieser Staat sein sollte das Sinnbild der Arbeitsgemeinschaft, während das Volk die Lebensgemeinschaft darstellt. Aber dieser Staat muß auch alles versuchen, daß er uns seelisch nähertritt, denn letzten Endes wird der Staat gehalten durch die freien, selbstbewußten und verantwortlichen Persönlichkeiten, die ihm selbstlos und treu dienen. Jetzt geht es darum, daß die Wirtschaft erhalten bleibt, die das Primäre im Staat ist. Der Staat kann nur leben wenn die Wirtschaft intakt ist, u. die uns Regierenden sollten sich darüber klar werden, daß, wenn sie den selbstständigen Mittelstand zerschlagen, sie diesem Staat selber das Rückgrat brechen." Nahrhaft, gut und billig. Von Ober- Reg.- Rat Prof. Dr. Rost- Berlin. Der Geldwert unserer Nahrungsmittel läßt durchaus nicht immer einen Rückschluß auf ihren inneren Wert zu. Was unsere Nahrungsmittel für uns in Wirklichkeit sind, an Nährwert, Genußwert und Gesundheitswert, das lehrt uns die Ernährungswissenschaft. Nicht ein Sparen im Sinne eines Einkaufens der Lebensmittel zum niedrigsten Preise ist das Gebot der Stunde, sondern der Wirtschaftlichkeit. Oberster Grundsatz muz dabei sein, daß uns eine wohlschmeckende, sättigende, bekömmliche und abwechslungsreiche Kost geliefert wird, die uns ermöglicht, zu arbeiten und gesund zu bleiben. Wer bei der Ernährung mit Verständnis spart, wird diese Wirtschaftlichkeit an seinem Geldbeutel in erfreulicher Weise spüren; denn ein Drittel bis die Hälfte oder mehr der Gesamtausgaben für unseren Lebensunterhalt werden für die Bestreitung der Ernährung beansprucht. Zum ABC der Hausfrau sollte u. a. folgendes gehören: Jedes Land stützt sich bei der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln zunächst auf seine eigenen Erzeugnisse. Letzten Endes am billigsten sind auch für uns im allgemeinen die einheimischen Erzeugnisse. Für Deutschland kommt als Ernährung der gesamten, 63 Millionen Esser umfassenden Bevölkerung, von der fast die Hälfte in Städten von mehr als 15 000 Einwohnern lebt, eine gemischte, vorwiegend pflanzliche Lebensmittel, aber auch solche tierischen Ursprungs berücksichtigende Ernährung praktisch allein in Frage. Die Hausfrau wird zweckmäßig jeweils diejenigen Lebensmittel bevorzugen, die in den betreffenden Jahreszeiten besonders reichlich auf den Markt kommen und deshalb verhältnismäßig wohlfeil sind. In genügender Menge verfügbare deutsche Erzeugnisse sind vorwiegend Roggen, Kartoffeln und Zucker, daneben Gemüse und Obst. Brot ist noch immer das Rückgrat unserer Ernährung. Roggenbrot ist niedriger im Preis als Kleingebäck aus Weizen. Mit Brot führen wir uns Kohlehydrate( Stärkemehl, Zucker) als Energiespender und Eiweißstoffe zu; das Eiweiß des Weizenmehls ist zwar ein wenig besser im Organismus ausnutzbar, da,, Gießener Zeitung" Soll die Knappschaftsreform wieder vertagt werden? Zum Plan einer Knappschaftssubvention aus Lebensmittelzöllen. - Sieben Jahre Reichsknappschaftsgesetz sieben Jahre Knappschaftskrise. Das ist das seitherige Ergebnis der Vereinheitlichung der Sozialversicherung im deutschen Bergbau( abgesehen von der Unfallversicherung) in der knappschaftlichen Gesetzgebung. Das Reichsknappschaftsgesetz vom Jahre 1923 trug den Keim der Krise in sich. Es hatte eine eigenartige Entstehungsgeschichte. Sein Entwurf war von den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern des Bergbaues vereinbart; er war so aufgestellt, daß die Versicherungsleistungen der Leistungsfähigkeit des Bergbaues angepaẞt werden konnten. Die Reichsregierung übernahm ihn als Regierungsentwurf. Als das erste Reichsfnappschaftsgesetz verabschiedet wurde, sah es im Gegensatz zu allen früheren Abmachungen- Versicherungsleistungen vor, die eine ungewöhnlich hohe soziale Belastung des Bergbaues herbeiführen mußten. Das Reichsarbeitsministerium griff ein. Das Gesetz war noch nicht in Kraft getreten, als der Reichsarbeitsminister an die Führer der politischen Parteien herantrat, um sie zu einer Vereinbarung darüber zu bewegen, daß die zu weitgehenden Vorschriften über die Höhe der knappschaftlichen Pensionen geändert würden. Die Verständigung wurde durch die ablehnende Haltung der Parteien, die den Gewerkschaften nahestehen, unmöglich gemacht. Damals gab der Reichsarbeitsminister die Erklärung ab, daß die Reichsknappschaft nur Mindestleistungen gewähren dürfe, wenn die Einigung scheitere; das bedeutete, daß die Krankenhilfe für die Familienmitglieder der Versicherten nicht gewährt werden durfte. Die Arbeitgeber lehnten infolgedessen zwangsläufig die Einführung der Familienhilfe in der Krankenversicherung ab. Im Jahre 1925 brachte der Reichsarbeitsminister den Entwurf einer Knappschaftsnovelle heraus. Die hierin vorgeschlagene Abänderung des Reichsknappschaftsgesetzes sollte einen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Notwendigkeiten des Bergbaues ( also den Abbau der sozialen Belastung des Bergbaues) und den sozialen Bedürfnissen der Bergarbeiter und ihrer Familien ( im wesentlichen also die gesetzliche Einführung der Familienkrankenhilfe) schaffen. Der angebliche Kampf der Unternehmer gegen die Familienfürsorge in der bergbaulichen Krankenversicherung, der auf der Grundlage der ausdrücklichen Erklärungen des Reichsarbeitsministers- nichts anderes war, als ein Kampf um die soziale Entlastung des Bergbaues, wurde weidlich ausgenutzt. So brachte das Reichsknappschaftsgesetz von 1926 wohl eine Reihe von Verbesserungen gegenüber dem früheren Zustand, auf der anderen Seite legte es jedoch Mehrbelastungen fest, die in schroffem Gegensatz zu den von der Regierung angefündigten Zielen der Novelle standen. Der Triumph der Gewerkschaften war die Beseitigung der seit alters in der Knappschaft bestehenden Gleichberechtigung der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer in der Verwaltung und die Uebertragung der Macht in der Knappschaft an die Bergarbeitergewerkschaften, die nicht nur gegenüber den Arbeitgebern, sondern auch gegenüber einer gelegentlichen Einheitsfront von Arbeitgebern und Angestellten,( die man wohl befürchtete) stets die Mehrheit Eine Reihe von Versuchen, die knappschaftliche Versicherung zu festigen, konnten ihren letzten Zweck nicht erfüllen. Nach langem Zögern berief wiederum das Reichsarbeitsministerium Ende 1928 Vertreter des Bergbaues und der Knappschaft zu einer Besprechung der Frage zusammen, in welcher Weise die Senkung der Beiträge zur knappschaftlichen Versicherung vorgenommen werden könne. Klipp und klar wurde von Regierungsseite erklärt, daß eine Reichshilfe für die Knappschaftsversicherung nicht in Betracht komme. Das Reichsarbeitsministerium arbeitete eine neue Knappschaftsnovelle aus. In der Reichsfnappschaft suchte man nach einer Lösung durch Sparmaßnahfür ist der Preis der Weizenmehlgebäcke aber wesentlich höher als der des Roggenbrotes. Deshalb mehr Roggenbrot und weniger Weizenkleingebäcke! Die Kartoffel hat im Laufe der Zeit eine steigende Wertschätzung erfahren. Im wesentlichen zwar nur ein Spender von Kohlehydraten, ist die Kartoffel, da sie mannigfach zubereitbar, täglich genossen werden kann, auch ein Lieferant von Eiweiß und von Vitaminen. Mit 1 Pfund Kartoffeln zum Preise von wenigen Pfennigen kann der einzelne ein Siebtel bis ein Sechstel seines gesamten täglichen Energiebedarfs decken. Auch der Zucker, der aus der Zuckerrübe in groBer Reinheit gewonnene, billige Rüben- oder Rohzucker, der ernährungswissenschaftlich in keiner Weise dem Zuckerrohrzucker nachsteht, steht uns zu niedrigem Preise zur Verfügung. Könnten wir nur von Zucker leben, so würden 30-35 Pfennig, in diesem Lebensmittel angelegt, schon zwei Drittel und mehr des täglichen Energiebedarfs liefern. Andere Kulturvölker, wie die Engländer und die Bewohner der Vereinigten Staaten von Amerika, genießen viel mehr Zucker, auf den Kopf der Bevölke rung 90 und mehr Gramm täglich, während in Deutschland nur eiwa 60 Gramm im Durchschnitt vom einzelnen verbraucht werden. Unsere deutsche Land- und Viehwirtschaft liefert uns Fleisch der Schlachttiere, Milch nebst Milcherzeugnissen( Käse usw.) und Eier. Tierische Lebensmittel stehen höher im Preis als pflanzliche; dafür ist aber das Eiweiß, besonders das des Fleisches, hochwertig für die Ernährung; dazu kommt, daß das Fleisch sich besonders schmackhaft und vielseitig füchenmäßig herrichten läßt und einen hohen Sättigungswert aufweist. Die Hausfrau wird die Ausgaben für Fleisch und Fleischwaren einschränken können, wenn sie diese hochwertigen und deshalb teuren Lebensmittel nur nach Maßgabe des Inhalts des Geldbeutels einkauft und dabei berücksichtigt, daß nach ihrem inneren Wert beurteilt, die Milch stets ein wohlfeiles Lebensmittel ist. Sie enthält ebenfalls hochwertige Eiweißstoffe, Vitamin enthaltendes Fett und Mineralsalze, besonders Kalksalze. Aehnliches gilt für Mager-, Halbfett- und Vollfett- Käse, die, da im Handel nach dem Fettgehalt gekennzeichnet, ihren inneren Wert die Hausfrau erfennen lassen. Unsere deutschen Käsesorten sind ausgezeichnete Nr. 91 men der knappschaftlichen Selbstverwaltung, um eine Aenderund des Reichsknappschaftsgesetzes zu umgehen. Dann kam die ,, ler Brüning" von 1929. Die Knappschaftsreform wurde ver= tagt. Das Reich sanierte die Reichsknappschaft, der es aus der Lohnsteuer soweit sie mehr als 1300 Mill. RM. jährlich einbringen würde eine Summe bis zu 75 Mill. RM. in Aussicht stellte. Jetzt ist diese Quelle versiegt. Das Reichsarbeitsministerium hat der Knappschaft mitgeteilt, daß sie Mittel aus der„, ler Brüning" bei vorsichtiger Vermögensverwaltung nicht mehr in Rechnung stellen kann. Der Knappschaft wurde auferlegt, die Spannung zwischen den Einnahmen und Ausgaben durch Maßnahmen der Selbstverwaltung zu mildern." Es ist kein Geheimnis, daß der Fortfall der Mittel aus der ,, lex Brüning" eine Einschränkung der Leistungen der knappschaftlichen Pensionsversicherung um 45 Prozent erzwingen müßte. Es fiel auf, daß der Reichsarbeitsminister in seinem Erlaß an die Reichsknappschaft die Durchführung von Sparmaßnahmen, welche die Reichsknappschaft im vorigen Jahre beraten hatte, als notwendige Voraussetzung für eine etwaige ge setzliche Hilfe bezeichnete. Camstag, den Komm,-f Jch will dir era Die Seele und tommen. Golde fen wir nach ihr auf unsere Weg ich dir erzählen. nen Feiertag. 2 das ein Rufen wir schlafen.& Gonntagskleider im Herzen trug ihrem Gang. U die Kirche. ,, Gi Kirche aus war, Ende. Währen morgen war ja Ghule gehen. alten Stadtturm Die entscheidenden Beratungen in der Reichsknappschaft stehen bevor. Und schon hat das Reichsarbeitsministerium nach bisher unwiderlegten Pressenachrichten erklärt, daß Reichstnappschaft eine neue Subvention in Aussicht stellen könne. Die durch Verordnung vom 25. Oktober 1930 eingeführten Zoll: erhöhungen für Weizen, Gerste und Spelz sollen dazu dienen, die Reichsknappschaft zu sanieren. Bei der vorjährigen Knappschaftssubvention hatten die Länder im Reichsrat Einspruch erhoben, weil sie hierin eine Abänderung des Finanzausgleichs zu ungunsten der Länder erblickten. Wer wird gegen den neuen Plan zur Sanierung der Reichsknappschaft im Reichstag und im Reichsrat ankämpfen? Daß seine Durchführung, wenn es wirklich dazu kommt, nichts anderes als eine Vertagung der Knapp: schaftsreform bewirkt, braucht man kaum des näheren auszuführen. Man kann heute, wenn die ernsthafte Reform der Knappschaftsversicherung wieder hinausgeschoben wird, immer noch nicht übersehen, ob diejenigen Versicherten, welche jetzt Beiträge zahlen, die Gewähr dafür haben, daß sie später tatsächlich in den Genuß der Versicherungsleistung kommen, der ihren hohen Beiträgen entspricht. Das ist der entscheidende Punkt bei der Beurteilung des Knappschaftsproblems. Man sollte sich davor hüten, die Lebensfragen der bergbaulichen Sonderversicherung unter anderen Gesichtspunkten zu betrachten. Verhängnisvoll wäre es, wenn man die Grubenkatastrophen der letzten Zeit mit der Knappschaftsreform in Verbindung bringen wollte. Die Unfallversicherung hat ihren besonderen Träger in der Knappschaftsberufsgenossenschaft, deren Kosten die Unternehmer allein aufbringen. Hier geht es um anderes. Blutiger Bauernaufstand in Rußland? Riga, 14. 11. Nach Blättermeldungen von der russischen Grenze haben in den Gebieten von Ostrow und Otschka, im Bezirk Pskow, blutige Zusammenstöße zwischen Bauern und Kommunisten stattgefunden. Infolge der Beschlagnahme von Getreide und der Kollektivierungsmaßnahmen ist es in mehre ren großen Dörfern zu einem Aufstand gekommen. Die Ortschaften Jelino und Dubki wurden durch einen Panzerzug beschossen und völlig zerstört. Auch andere Ortschaften wurden durch Geschützfeuer schwer mitgenommen. Viele Bauern wurden hingerichtet und Hunderte von Familien in die Gefangenschaft abgeführt. Erhöhte Steuer für Tanzvergnügen gefordert. Die Landvolkpartei verlangt im Reichstag die Vorlegung eines Gesetzentwurfs, durch den zur Behebung dringender finanzieller Notstände alle Tanzvergnügen einer erhöhten Steuer unterworfen werden sollen. Oeffentliche Bälle sollen mit einer Steuer von 100 Prozent des Eintrittsgeldes und alle sonstigen Tanzvergnügen mit einer Steuer von mindestens 1 Mark pro Person belegt werden. Eiweißspender in Abwechslung mit Fleisch und Fleischwaren. Das Ei enthält das nach ihm benannte Eiweiß und den vitamin haltigen Dotter und ist ausgezeichnetes Mittel, Mahlzeiten schmackhaft und die Ernährung mit vollwertig zu machen. Aber selbst mit einer fleischfreien, sogar Milch und Ei ausschließender Kost kann der einzelne auskommen. Auch Fisch, insbesonder Seefische( die Konsumsische Kabeljau, Schellfisch und der Fett und Vitamin enthaltende Hering, auch geräuchert als Bückling sind trotz ihres meist niedrigen Preises Lebensmittel von hohen inneren Wert. Gute Margarinen können Butter weitgehend ersetzen. Frische Gemüse, grüne und andere rohe Salate( aus Ror fraut, Weißkraut, Tomaten usw.), Küchengewächse( Schnittlauch, Zwiebeln, Küchenkräuter) sollten als Mineralstoff- bezw. Vito minlieferanten weitgehend berücksichtigt werden; einzelne da von stehen fast das ganze Jahr hindurch billig zur Verfügung und lassen sich z. T. auf kleinstem Raum vom einzelnen bauen. Bei einer nach vorstehenden Grundsätzen zusammengestellter Kost enthält die Nahrung ausreichende Mengen von Nährsto fen, von Mineralbestandteilen, von Rohfaser und schließlich auch von den sogenannten Ergänzungsstoffen oder Vitaminen. Nicht jeden Tag, nicht zu jeder Mahlzeit bedarf es selbst für Kinder eines besonderen Vitaminreichtums in Speisen und Getränken. Allerkleinste Mengen reichen nach dieser Richtung hin schon aus. Des ausländischen Obstes in den Mengen, wie es schon genossen wird, bedarf es keineswegs. Die als Genußmittel notwen digen Gewürze sind nur in geringen Mengen nötig und belasten den Etat nicht nennenswert. am wenigsten das Kochsalz, von dem bei guter Köchenführung nur geringe Mengen nötig sind. So baut sich also die Wirtschaftlichkeit in der Ernährung ganz wesentlich auf der Erkenntnis des inneren Wertes dessen auf, was wir täglich essen und trinken. Jeder kann dazu bet tragen, daß seine Ernährung sich nicht nur sachgemäß gestaltet, sondern mehr und mehr wirtschaftlich wird und dabei- soweit wie irgend möglich bodenständig bleibt, zum allgemeinen Nutzen, aber auch ganz besonders zu seinem eigenen wirtschaftlichen Vorteil. - Sonntag. Dum desengel hatte mer hatte sie i das ewig forger Sonntag war Sto Weihnachte werden getroffe daß dieser Wir jchen Not eine Die Arbeitslo feine Existenz, Rauftraft, und feres Volkes Vielen Kinde nur ein sehr fönnen. Ist es in Vereine groß meinen nein! von sie die B vereinslüster tanzen. Wi Vereinen, i in diesem J melt, wohl Der Vorsto Vereins un Tage vor glieder in Diejen ein Festes. und mad als der Spricht di 3wed ein Weih weisen un zeit die rid Weihnachts Wille ist, * Die Der Zeit v dauert bis schränkung geglichen. 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Ein Freuen über die Seele und ein schönes Feierlichsein möge dann über uns fommen. Solche Feierstunden sind ja heute selten; darum müssen wir nach ihnen langen, denn sie bringen Freude und Licht auf unsere Wege. Vom Sonntag meiner seligen Mutter will ich dir erzählen. Sie hatte wohl auch einen Sonntag, aber keinen Feiertag. Wenn die Sonntagsgloden ihr läuteten, so war das ein Rufen an heilige Pflichten. Länger wie sonst durften wir schlafen. Flinker aber auch wie sonst schlüpften wir in die Sonntagskleider. Dann führte die Mutter uns zur Kirche und im Herzen trug sie den Sonntag. Sonntagsgloden läuteten aus ihrem Gang. Und tausend Bitten und Sorgen trug sie mit in die Kirche. ,, Gib uns heute unser tägliches Brot!" Wenn die Kirche aus war, dann waren auch Mütterchens Feierstunden zu Ende. Während wir spielten, hatte sie so viel zu tun, denn morgen war ja wieder Werktag und wir mußten sauber zur Schule gehen. Einmal flangen auch wieder die Glocken vom alten Stadtturm. Aber nicht so hell und rein wie immer am Sonntag. Dumpf und schwer, klagend und weinend. Der Todesengel hatte die Mutter auf ihre Wangen geküßt. Für immer hatte sie ihre müden Augen geschlossen. Erst jetzt gab sich das ewig sorgende Mutterherz zur Ruhe. Mütterleins ewiger Sonntag war gekommen. Der Sonntagsschreiber. Eine Anregung. Statt Weihnachtsfeiern lieber Nothilfe. Weihnachten rückt heran. Die Vorbereitungen zu dem Fest werden getroffen. Aber niemand ist sich darüber im unklaren, daß dieser Winter mit seiner großen wirtschaftlichen und seelischen Not einer der schwersten der Nachkriegszeit werden wird. Die Arbeitslosigkeit wächst, der Mittelstand kämpft schwer um seine Existenz, Kurzarbeit vermindert den Lohn und damit die Kaufkraft, und in bisher auskömmlich besoldeten Schichten unseres Volkes herrscht vielfach bitterste Not und Ratlosigkeit. Vielen Kindern wird in diesem Jahre, wenn überhaupt, doch nur ein sehr bescheidener Weihnachtsbaum angezündet werden tönnen. Ist es in einer solchen Notzeit recht und billig, wenn die Vereine große, prächtige Weihnachtsfeiern veranstalten? Wir meinen nein! Wo Familienväter und Eltern nicht wissen, wovon sie die Bedürfnisse des Tages bestreiten sollen, da darf eine vereinslüsterne Menge nicht um den Weihnachtsbaum herumtanzen. Wie wärs aber mit folgendem Vorschlag? In allen Vereinen, in denen bisher Weihnachtsfeiern stattfanden, wird in diesem Jahr das für diese Feiern aufgewendete Geld gesammelt, wohlhabende Vereinsmitglieder tun ihr Scherflein hinzu. Der Vorstand erkundet die Not unter den Bedürftigen seines Vereins und setzt einen Verteilungsplan des Geldes fest. Einige Tage vor Weihnachten begeben sich Vorstands- und Vereinsmitglieder in die Häuser ihrer bedürftigen Kameraden und machen diesen eine Weihnachtsfreude zur Ausgestaltung des häuslichen Festes. Wäre solche gegenseitige Nothilfe nicht viel sinnvoller und machte sie Gebern und Beschenkten nicht viel mehr Freude als der Augenblicksrausch eines ,, Weihnachtsvergnügens?" Entspricht dieser Hilfsgedanke nicht viel mehr dem eigentlichen 3wed eines Vereins? Jst er nicht wirklich zeitgemäß? Weihnachten ist das Fest der Liebe. Lasset uns Liebe erweisen unserem Nächsten. Darum jetzt in der Vorbereitungszeit die richtigen Beschlüsse gefaßt und heran ans Werk! Bringt Weihnachtsfreude in die Häuser eurer Mitmenschen! Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg! * Die Unterrichtszeit der hessischen Volksschule beginnt in der Zeit vom 15. November bis 15. Februar um 8.30 Uhr und dauert bis 12 Uhr. Die Unterrichtskürzung wird durch Einschränkung der Pausen und Kurzstunden zu je 50 Minuten ausgeglichen. Der Beginn des Nachmittagsunterrichts erfährt keine Einschränkung. * Straßensperrung. Wegen Erneuerung der Fahrbahn in der Marktlaubenstraße wird diese von Montag, den 17. November 1930, ab auf drei Wochen für den Verkehr mit Fahrzeugen aller Art gesperrt. * Amtsgericht. Wegen Körperverletzung eines Wirtes wurde ein widerspenstiger Gast desselben zu hoher Geldstrafe verurteilt. ,, Gießener Zeitung" * Bezirksschöffengericht. Ein vielfach vorbestrafter Maurer Großmann hat in Dorheim vor Jahresfrist eingebrochen. Er wurde jetzt zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt.- Ende Auguſt ereignete sich auf der Chaussee Lollar- Gießen ein Verkehrsunfall, dem 2 Motorradfahrer zum Opfer fielen. Dem beklagten Autoführer, mit dessen Wagen die Unglücklichen zusammenstießen, konnte ein Verschulden nicht nachgewiesen werden. Er wurde freigesprochen. * Warnung an Bäder- und Konditoreien. Unter der Bezeichnung ,, Buttergebäd" darf nur solches Gebäck in den Verfehr gebracht werden, welches nicht unter Verwendung von Margarine, Schweineschmalz oder sonstigem Nicht butterfett hergestellt ist. * Staatsbürgerliche Bildungstagung für den Kreis Gießen. Die Landes- Abteilung Hessen der Reichszentrale für Heimatdienst der amtlichen Aufklärungsstelle der Reichsregierung veranstaltet im Rahmen ihrer staatsbürgerlichen und sachpolitischen Bildungsarbeit am Mittwoch, den 19. November, vormittags 9.30 Uhr, eine„ Staatsbürgerliche Bildungstagung" im Café Leib. * Vom Stadttheater. Das Stadttheater, das berühmt ist, mit geringen Mitteln seine Bühne allen Anforderungen in technischer Hinsicht entsprechend zu vervollkommnen, hat nun auch eine Drehbühne erhalten. Dank einer geschickten und kunstsinnigen Ausarbeitung der beiden technischen Bühnenvorstände, August Keim und Karl Löffler, ist es gelungen, aus alten Beständen des Bühnenmaterials und unter Verwendung der bereits vorhandenen Bühnenwagen eine für seine Zwecke völlig ausreichende Drehbühne zu konstruieren. * Stadtheater. Morgen früh kommt als erste Aufführung ein Kammerspielzyklus, ein Spiel von J. M. Becker ,, Der Brückengeist" unter der Regie des Intendanten, zur Aufführung. Gießener Konzertverein. Morgen nachmittag hält der Konzertverein in der Neuen Aula unter Mitwirkung des RoséQuartetts sein 2. Abonnementskonzert ab. * Kirchenkonzert. Die Lukasgemeinde hält morgen abend in der Johanneskirche ein Kirchenkonzert mit Unterstützung des Organisten Nebeling, der Sopranistin Frl. v. d. Heydt sowie des Bläserchors des Vereins f. christliche Musik ab. Erwerbslose und Angehörige haben freien Zutritt. * Akademischer Gottesdienst. Privatdozent D. Brunner hält morgen früh, 11,15 Uhr, in der Neuen Aula einen Universitäts- Gottesdienst ab. * Lichtspielhaus. Als 5. Kulturfilm- Veranstaltung kommt morgen früh ein Italien- Film zur Vorführung. * Geflügel: und Vogelzucht- Verein. Heute abend hält der Verein bei Gastwirt Henkel seine Monatsversammlung ab. * M. T. V. Der Verein hält heute abend auf der Liebigshöhe sein Winterfest ab. * Baukunst- Ausstellung. Im„ Einhorn" am Kirchenplatz wird die kommende Woche eine Baukunst- Ausstellung des befannten Hamburger Architekten Höger gezeigt. * Neuzeitliche Küchenführung. Ein zweitägiger Lehrgang findet am Montag und Dienstag nächster Woche im Kaufmännischen Vereinshaus statt. Aus Nah und Fern. Vilbel. Am 30. November findet die Einweihung der städtischen Turnhalle statt. In dem Neubau sind Räume für die Feuerwehr sowie für die Mütter- und Säuglingsberatungsstelle geschaffen. Tumult in einer Reichsbanner- Versammlung. Darmstadt, 14. 11. Zu einer wahren Saalschlacht kam es gestern abend in einer Versammlung des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold, in der der frühere Nachrichtenoffizier der Obersten Heeresleitung, Major a. D. Anker, sprach. Die Versammlung war von Angehörigen aus allen politischen Lagern besucht. Der Redner, der zu dem Thema„ Hitler auf der Anflagebank" sprechen wollte, wurde in seinen ersten Ausführungen ziemlich ruhig angehört. Als er aber dann auf sein Thema zu sprechen kam, gab es unerhörte Tumultszenen und es kam zu schweren Schlägereien zwischen Nationalsozialisten, Kommunisten und Reichsbannerleuten. Wiederholt mußte die Polizei eingreifen. Zweimal sah es so aus, als ob die Versammlung auffliegen sollte. Die Ruhe wurde erst wieder hergestellt, als einige Nationalsozialisten aus dem Saal entfernt wurden. Vor dem Lokal setzten sich die Demonstrationen fort. Spionage in Mainz. Nr. 91 Mainz. Daß die Franzosen aus dem ehemals besetzten Gebiet nicht abzogen, ohne Spionage zu hinterlassen, beweist wiederum ein Verfahren wegen Spionage gegen zwei in Mainz wohnhaft gewesene Deutsche, die gestern vom hiesigen Landgerichtsgefängnis zur Aburteilung beim Oberlandesgericht in Darmstadt unter starker Bedeckung dorthin überführt wurden. Es handelt sich um einen gewissen Max Neukirch und um einen früheren Schirrmeister Ramm von hier. Werkspionage. Worms, 14. Nov. Nachdem bereits vor einigen Tagen der früher in dem Lederwerk Liebenau von Ludwig von Heyl beschäftigte Obermeister aus Burstadt verhaftet wurde, ist nun wegen Werkspionage der frühere Direktor des Werkes Liebenau, Charles Eiseler, beim Ueberschreiten der Grenze in Kehl, und sein Sohn beim Uebernachten in Mannheim festgenommen worden. Stadterweiterung Marburgs. Marburg. Der Preußische Landtag nahm in seiner letzten Plenarsizung endgültig den Gesetzentwurf über die Erweiterung des Stadtkreises Marburg an. Durch die Vorlage sollen die Landgemeinde Ockershausen, sowie Teile der Landgemeinde Cappel in den Stadtkreis Marburg eingegliedert werden. Das Gesetz soll am 1. Januar 1931 in Kraft treten. Für das Dillgebiet. Siegen. In einer hier abgehaltenen Sitzung der Industrieund Handelskammer vertrat der Vorsitzende, Generaldirektor Jütte, den Standpunkt, es sei unbedingt erforderlich, daß Reich und Staat dem Notstandsgebiet an Sieg, Dill und Lahn die seitherige Beihilfe, von der Reich und Staat nachgewiesenermaßen mehr Einnahmen als Ausgaben gehabt haben, auch nach dem 31. März n. J. gewähren und nicht wegen etwaiger unbequemen Konsequenzen sich ablehnend verhalten. Ein gleiches Entgegenkommen müsse auch von der Reichsbahnverwaltung bezüglich des Erzausnahmetarifes erwartet werden. Die Weitergewährung sollte nicht nur mit Rücksicht auf die Industrie, sondern in erster Linie im allgemeinen volkswirtschaftlichen und nationalen Interesse geschehen. Es wäre unverständlich, wenn man den inländischen Eisensteinbergbau, in dem der des Sieg, Dill und Lahngebietes eine Hauptrolle spiele, zugunsten der Erzbezüge aus dem Auslande opfern wolle. Bad Pyrmont, 14. 11. Direktor Schmutzler und Prokurist Heiner der Pyrmonter Bank sind in das Hamelner Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert worden. Hamburg. Die Hamburger Jutesspinnerei und Weberei Delmenhorst hat der gesamten Belegschaft des Werkes zum 15. November gekündigt. Die Direktion plant, einen allgemeinen Lohnabbau durchzuführen. 71 000 Mart unterschlagen. Berlin, 14. Nov. Der Stadtoberingenieur Möllerke, der beschuldigt wird, in den Jahren 1924 bis 1929 Amtsgelder in Höhe von 71 000 Mark unterschlagen zu haben, wurde vom Schöffengericht Schöneberg wegen fortgesetzter schwerer Amtsunterschlagung unter Versagung mildernder Umstände zu zwei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrenrechtsverlust verurteilt. Auf die Untersuchungshaft werden 11 Monate angerech net. Freystadt, 14. 11. Ein Landwirt fuhr mit einem Wagen Kartoffel vor das Finanzamt, um seine rückständigen Steuern zu bezahlen. Das Zahlungsmittel wurde abgelehnt. Do. X auf dem Meere. Paris, 14. Nov. Nach den um 22 Uhr ME3. in Paris eingetroffenen Nachrichten ist ,, Do X" in der Nähe von Rochefort auf das Wasser niedergegangen. Das Flugschiff hat wegen Dunkelheit um 18.05 ME3. bei Les Sables eine Zwischenwasserung vorgenommen. Die Passagiere schlafen an Bord des Flugschiffes. Am Samstag früh wird die Reise fortgesetzt. Große Sturmschäden im Memeler Hafen. Memel, 14. Nov. Der seit zwei Tagen tobende Weststurm an den memelländischen Küsten hat insbesondere im Memeler Hafen ungeheuren Schaden verursacht. Während des ganzen Donnerstiag u. auch am Freitag ist die Straßenbahnverbindung zwischen der Stadt und Strandvilla ,, Leuchtturm" unterbrochen, da ein großer Teil der Strecke durch die über die Molen hinweggehende Brandung unter Wasser gesetzt und die ganze Chaussee durch umgestürzte Bäume gesperrt und metertief überschwemmt war. Eine große Anzahl der am Bollwerk liegenden Cate( aus ( Schnittla ff- bezw. i ; einzelne zur Verfügu nzelnen bau ammengeftel von Mähr fchließlich a aminen. Ibit für Rinda und Getränke bin schon es fchon gend smittel notwe ig und belofte 5 Rochial gen nötig fi der Ernähru 7 Wertes de fann baju be gemäß geftalte babei- jo um allgemeine enen witliga DICT K. Eine gesicherte Aussteuer für Ihre Tochter! Noch ist Ihr Töchterchen jung. Aber die Jahre verfliegen im Nu-- und eine Aussteuer ist zu beschaffen. Wird dann das Geld dafür vorhanden sein?- Von dieser Sorge können Sie sich leicht schon jetzt befreien: durch eine Lebensversicherung, die Ihrem Kinde eine gute Aussteuer sichert, auch für den Fall, daß der Versorger den Tag der Hochzeit nicht erlebt. Der Beitrag ist um so niedriger, je früher Sie den Antrag stellen. Legen Sie einen Teil Ihres Einkommens in einer Aussteuer- Versicherung an! 1 Samstag, den 15. November 1930. Schiffe mußte eiligst auf Strom gehen, da auch die stärksten Fahrzeuge dem ungeheuren Druck nicht standhielten. Schwierige Bergungsarbeiten in Lyon. Lyon, 14. Nov. Ueber die Zahl der Toten bei dem Bergrutsch herrscht noch vollkommene Ungewißheit. Die Bergungsarbeiten werden stark behindert. In den Morgenstunden mußten die Hilfsmannschaften ihr Rettungswerk vollkommen einstellen. Niemand weiß genau, wie viele Leute in den Gebäuden schliefen, die zerstört wurden. Von einem Hotel in dem betreffenden Bezirk, das ebenfalls vernichtet wurde, sind nur zwei Dienstmädchen gerettet. Schreckenstat eines amerikanischen Banfiers. Uniontown( Pennsylvanien), 14. Nov. Unter dem Druck wirtschaftlicher Sorgen hat hier der angesehene Bankier Blayford durch Revolverschüsse zwei seiner drei Kinder getötet und seine Frau sowie das dritte Kind schwer verletzt. Blayford beging sodann Selbstmord. Räuberplage in China. Hongkong, 14. Nov. Räuberbanden haben die Stadt Ssingyn im östlichen Kiangsu überfallen und ein furchtbares Blutbad unter den Bewohnern angerichtet. Hunderte von Menschen wurden niedergemacht und die Stadt in Brand gesteckt. 2000 Häuser sind zerstört. 5000 Einwohner sollen von den Banden verschleppt worden sein. Der Schaden wird auf 4 Millionen beziffert. Ein bedeutsamer Parteiaustritt. Prof. Hans Müller in Jena, der einst der Bewegung der Konsumvereine große Dienste geleistet hat, ist kürzlich aus der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ausgetreten, weil der Widerspruch zwischen der programmatischen religiösen Neutralität und der praktischen Bekämpfung von Religion und Kirche und der Unterstützung der Freidenkerbewegung sich für einen religiösen Sozialisten bis zur Unerträglichkeit gesteigert habe. Außenhandel im Zeichen der Wirtschaftskrise. Unter dem nachhaltigen Einfluß der Weltwirtschaftskrise hat sich das Bild des deutschen Außenhandels wesentlich gewandelt. Auf der Einfuhr- sowohl wie auf der Ausfuhrseite sind die Spuren der Krise zu finden allerdings, und das ist be= sonders bemerkenswert, nicht in gleicher Schärfe. Zunächst die Einfuhr. In den ersten neun Monaten dieses Jahres belief sie sich auf 8,1 Milliarden RM. gegenüber 10,2 Milliarden in der gleichen Zeit des Vorjahres. Diese starke Abnahme ist zum Teil eine Folge des beträchtlichen Preissturzes auf den Weltmärkten. Rohstoffe und Agrarerzeugnisse insbe sondere sind unter dem ehernen Druck wachsender Absatzschwierigfeiten wesentlich billiger geworden. Damit allein ist jedoch der Rückgang der Einfuhrziffern nicht hinreichend erklärt. Nicht nur dem Werte, auch der Menge nach war nämlich der Warenstrom, der vom Auslande her über Deutschlands Grenzen flutete, geringer als in der Zeit vom Januar bis September 1929. Das ist, alle Anzeichen sprechen dafür, ein Ergebnis der starken Abhängigkeit des Importumfanges von der inländischen Wirtschaftslage. Ausländische Rohstoffe und Halbzeug, z. B. Güter also, die regelmäßig über die Hälfte der Gesamteinfuhr ausmachen, werden in Zeiten lebhafter Produktion und regen Geschäftsgangs naturgemäß in größeren Mengen verarbeitet als in einer Epoche der Betriebseinschränkungen und stillegungen *** Preisrätsel! 332 CAURS Wiev el Fehler sind auf diesem Bild? Wer errät mindestens 6 Fehler? Die gefundenen Fehler brauchen nicht beschrieben, sondern nur angekreuzt werden. Wir veröffentlichen dieses Preisausschreiben, um unser neues großes, Jllustriertes Konversations- Lexikon" in jedem deutschen Hause einzuführen. Jeder Löser erhält ein Vierteljahr hindurch als von unserm Prämie » Jllustrierten Konversations- Lexikon" vollständig gratis 13 Wochenlieferungen= 1 Band von 832 Seiten mit über 15000 Artikeln, 3160 Abbildungen im Text und auf 160 ganz- und 17 halbseitigen Bildertafeln, ferner etwa 30 Seiten z. T. mehrfarbige Karten u. 52 Seiten Tabellen. Die Lieferung erfolgt vollständig umsonst und ohne irgendwelche Verpflichtung. Wir berechnen nur die Portokosten in Höhe von 13 X 15 Pfg.= 1.95 Mk. Lieferung erfolgt nur durch die Post. Irgendwelche weitere Verpflichtungen übernimmt der Einsender nicht. Der Besitz eines gediegenen, erstklassigen und ausführlichen Konversations- Lexikons ist heute für jeden Menschen ein Bedürfnis und für Hunderttausende ein Wunsch, dessen Erfüllung bisher an den sehr hohen Kosten derartiger Werke scheiterte. Durch unser Preisausschreiben wollen wir jedem die Anschaffung ermöglichen und rechnen auf tatkräftige Weiterempfehlung unseres Lexikons, wofür wir noch hohe Prämien aussetzen. Verlag Wilhelm Hartung, Leipzig S3, Kochstraße 28 An den Verlag Wilhelm Hartung, Leipzig S3, Kochstraße 28 Auf dem obigen Bilde aus der Zeitung. habe ich Fehler angekreuzt. Ich bitte daher um Gratiszusendung der angekündigten Lexikonprämie. Außer den Portospesen habe ich nichts zu bezahlen. Name u. Beruf: Adresse: Ganz deutliche Schrift erbeten! * Union * „ Gießener Zeitung" sowie des stockenden Absatzes. Darum liegt namentlich die Rohstoffeinfuhr in diesem Jahre auch mengenmäßig wesentlich unter dem Stand des Vorjahres. Der Rückgang des Imports fremder Fertigerzeugnisse tritt ebenfalls im Gefolge der schlechten Absatzlage auf dem Binnenmarkt auf. Und was schließlich die Einfuhr von Lebens- und Genußmitteln aller Art betrifft, so ist hier, auch mengenmäßig, eine Abschwächung unverkennbar. Wie steht es nun um den für Deutschland besonders wichtigen Export? Seine Abnahme ist wesentlich geringer als die des Imports: von 10,0 Milliarden in der Zeitspanne von Januar bis September 1929( davon Reparationsjachlieferungen: 603 Millionen RM.) ist er auf 9,1 Milliarden RM.( davon Reparationssachlieferungen: 541 Millionen RM.) in den ersten neun Monaten 1930 eingeschrumpft. Schaltet man auch hie den Preisrückgang aus, so stellt sich die Schrumpfung wesentlich geringer. Bei der Fertigwarenausfuhr, dem Kernstück des Gesamtexports, erreicht sie mengenmäßig gegenüber dem Vorjahrsstand nur etwa 3 Prozent. Der deutsche Export hat also, unter diesem Gesichtswinkel gesehen, trotz der schweren Absatzkrise in allen Teilen der Welt nur relativ geringe Einbußen erlitten und sich in dem überaus verschärften Konkurrenzkampf auf den internationalen Märkten jedenfalls besser gehalten als die Ausfuhr anderer wichtiger Industriestaaten. Die Vereinigten Staaten 3. B., auch England haben, soweit sich das heute übersehen läßt, verhältnismäßig höhere Einbußen in ihrem Auslands= absatz zu verzeichnen als Deutschland. Die beträchtliche Einfuhrminderung, der ein wesentlich geringerer Exportrückgang gegenübersteht, hat zu einem hohen Ausfuhrüberschuß geführt: die deutsche Handelsbilanz ist in der Zeit vom Januar bis September 1930 mit einem Gesamtbetrage von etwa 1 Milliarde RM. aktiv. Jm Vorjahre war hingegen bis Ende September eine Passivität von rund 140 Millionen Reichsmark zu verzeichnen. Neue Bücher. Die Bilanz der Terborgs, von Otto Gysa e. Roman. In Halbleder geb. 3,70 RM. Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser- Verlag G. m. b. H., Berlin- Charlottenburg 2. Der Verfasser stellt in seinem neuesten Werke, einem in Uebersee beginnenden Gesellschaftsroman, der älteren Generation, die mit ihren Gefühlen nicht zurechtkommt, weil sie in veralteten Konventionen hängt, die tapfere Betrachtungsweise der heutigen Jugend gegenüber, die nach reinerer Luft und eigener Verantwortung strebt. Er hat seine tiefgehende Psychologie mit der atemlosen Spannung einer Kriminalgeschichte verbunden. - Der schwarze Diamant, von Francis Brett Young. Roman. Berechtigte Uebersetzung aus dem Englischen von Brune Glaser. In Ganzleinen geb. 4,20 RM. Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser- Verlag G. m. b. H., Berlin- Charlottenburg 2. lottenburg 2. Das vorliegende Buch, das den großen Ruf des Autors in der zeitgenössischen englischen Literatur begründete, ist die Geschichte eines jungen Mannes, der als Grubenarbeiter in den Midlands aufwächst. Von fast der ersten Seite bis zur letzten sind es Frauen, die seinen Lebensweg bestimmen. Einer Frau wegen verläßt er die Stadt und wandert hinüber nach den Marschen von Wales, um dort Arbeit zu suchen. Sehr bald wird er in neue Liebeshändel verwickelt und auch in Verbrechen. Aber trotz all seiner Sinnlichkeit und Rauheit leuchtet Abner Fellow hervor als ein wirklich schöner und tragischer Charakter. Eingeführte Firma für den Nähgarnimports Vertrieb unseres ( ausser Syndikat) gesucht. Angebote nnr von bestempfohlenen Vertretern oder Großhandelsfirmen unt. Angabe von Referenzen erbeten unter F. R. S. 391 durch Rudolf Mosse, Gießen. 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Wir wissen, daß in den letzten fünf Jahren die Todesstrafe des Krebses die der Tuberkulose bereits erheblich überschritten hat: etwa 60 Prozent aller an Krebs Verstorbenen fielen einem bösartigen Magen- Darmgeschwür zum Opfer. Der vorwiegend sitzende und fahrende Zeitgenosse leidet fast durchweg an Verdauungsstörungen. Oft ist es eine Kleinig keit, sie durch einfachste, naturheilgemäße Mittel Reibesitzbäder, Massagen, bestimmte Ernährungsweisen und spezielle Körperhygiene im Anfang zu beheben. Wer diese Hilfen rechtzeitig anwendet und das Frühstadium seines Leidens erkennt, kann an Hand der ausgezeichneten Abbildungen und wertvollen Ratschläge sich vor typischen, schweren Stoffwechselleiden und Magen- und Darmgeschwüren rechtzeitig bewahren. Jedermann sollte dieses verdienstvolle, billige Buch besitzen und darnach handeln, ehe es zu spät ist. - Regimentsgeschichte des Feld- Artillerie- Regiments Nr. 92. Demnächst erscheint die Regimentsgeschichte des Feld- ArtillerieRegiments Nr. 92. Das Regiment wurde Mitte 1915 aus den mobilen Ersatz- Abteilungen Feldart.- Regt. 23, 27, 44 im Felde gebildet. Die Unterlage zur Regimentsgeschichte boten die Aften des Reichs- Archivs zu Potsdam, und viele persönliche Aufzeichnungen. Das Buch enthält die Namen aller Gefallen, sowie Karten und Bilder. Alle Regimentskameraden werden aufgerufen, ihre genaue Anschrift an Theoder Wolff, WeselRhein, Rheinstraße 3, anzugeben. Zar Nikolaus- Film. Im Jahre 1907 hat der Petersburger Hofphotograph Hahn den Befehl erhalten, die Familie des Zaren Nikolaus im Bilde festzuhalten. Der Photograph kurbelte und kurbelte im Sommerfrieden des Jahres 1907 den Zaren und den kleinen Thronfolger, die Zarin und ihre schönen Töchter. Dieser Filmstreifen, längst vergessen, ist plötzlich aufge= taucht und wird nun von russischen Emigranten vorgeführt. Die neueste Nummer der ,, Münchener Illustrierten Presse"( Nr. 46) bringt eine Reihe von interessanten Bildern aus diesem menschlich und historisch bedeutsamen Film. Im Waldland des Freiherrn vom und zum Stein. In Pappb. 50 Pig. Reich bebildert. W. Schweters Buchhandlung Darmstadt. Ein neues Bekenntnis tiefer Heimatverbunden= heit. Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen. Albin Klein Giessen Vom einfachen Handzettel bis zu den umfangreichsten Katalogen werden alle Drucksachen in Qualitätsausführung schnellstens und preiswert geliefert. Fernruf Nr. 2525 und 2526 Sua C. Fressen Thre Schweineschlecht? Kommen s. nicht voran d. Husten, Ausschlag ( Grind), Knochenuh.? Buch- und Zeitungs- Druckerei Künstliche Augen fertigen n.d. Natur u passen ein F.Ad.Müller Söhne Wiesbaden in Giessen: Universitäts- Augenklinik, Friedrichstr., vom 20. bis 22. November 1930 Sua Chilft! Erfolg Hamburger Kaffee- Importhaus nähen, Wäschezuschneigar. in 5 bis 8 Tagen. sucht geeign. rühr. Persönlichk. z. 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