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Evangelische Warte Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft Sauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden( Oberhessen). Berantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert 3. Jahrgang. Erscheint Sonnabends. Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. Abonnements und Anzeigen- Annahmestelle Drud und Berlag Albin Klein, Gießen, Südanlage 21 Fernspr.: Nr. 1145 u. 1362 Postscheckt.: Nr. 44 332 Frfft./M. Sonnabend, den 20. August 1927. Das deutsche Handwerk. Zur Lüneburger Rede des Reichswirtschaftsministers. Der Reichswirtschaftsminister, Herr Dr. Cur:| tius, hat auf dem nordwestdeutschen Handwerkstage in Lüneburg sich ausführlich mit dem deutschen Handwerk in der Gegenwart befaßt. Die Rede fündigte verschiedene Maßnahmen an, die von der Reichsregierung zur Unterstützung des Handwerks geplant sind und in nächster Zeit schon durchgeführt werden sollen. Aber das Handwerk hat heute mit besonders schweren Sorgen zu kämpfen. Zum Teil leidet es noch unter den Nachwehen der Inflation, zum Teil aber bedrücken es Sorgen, die in der Gestaltung unseres Wirtschaftslebens begründet sind. Vor allem ist es die Kreditfrage, die es gar manchem Handwerksmeister nicht ge= stattet, das zu leisten, was er eigentlich leisten könnte. Sat schon die mittlere und kleine Industrie damit zu fämpfen, die nötigen Betriebskredite aufzubringen. so erst recht das Handwerk. Der Reichswirtschaftsminister hat nun versprochen, mit den Ländern in Fühlung zu treten, um zu bewirken, daß die Sparkassen in vermehrtem Umfange zu der Anlage ihrer Spargelder in kleineren Hypothekenkrediten übernehmen. Hoffentlich wird es auf diese Weise möglich, auch dem Handwerk das nötige Geld zufließen zu lassen, damit mancher Meister seinen Betrieb verbessern kann. Es ist nur bedauerlich, daß die Reichsregierung gerade für das Handwerk keinerlei Kredite mehr zur Verfügung stellen will, obwohl es bisher immer Stieftind in dieser Beziehung ge= Bemerkenswert war an den Ausführungen des Reichswirtschaftsministers vor allem das Bekenntnis von der Notwendigkeit des Handwerks. Schon seit Jah ren gibt es in der deutschen nationalökonomischen Wis senschaft eine Richtung, die die Existenzberechtigung des Handwerks verneint und der Ansicht ist, das Handwerk müsse der fortscheitenden Technik und Normalisierung erliegen. Während der Inflationszeit hatte es auch oft den Anschein, als ob die kleinen Handwerksmeister nicht mehr mit der Entwicklung Schritt halten fönnten und als ob die Scheidestunde des Handwerks aus der deutschen Wirtschaft gekommen sei. Wer aber tiefer in die Zusammenhänge blidte, mußte ich sagen, daß ein so starter und in gewisser Beziehung unerwesen ist. Des weiteren ist gerade das Handwerk durch barer Stand bei der Rückkehr normaler Zeiten unmög lich von der Bildfläche verschwinden und von der Mecha- Hoffentlich schafft das neue Reichsrahmengesetz für die nit der Industrie nicht aufgesogen werden könnte. Der bekannte Leipziger Volkswirtschaftler, Professor Bücher, hat es denn auch immer mit Ueberzeugung ausgesprochen ,,, daß das Handwerk als Betriebsform nie völlig die außerordentlich hohen Steuerlasten stark bedrückt. Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg.. am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg.. Plazoorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. Nummer 34 legen, damit der von ihr geschiedene und katholisch ge= wordene Ehemann sich wieder verheiraten und katholisch getraut werden kann. Der Tatbestand ist folgender: Die Ehe C. wurde am 9. Mai 1924 durch das Landgericht K. geschieden. Als schuldiger Teil wurde der Ehemann C. erklärt. Kurz vor der Scheidung am 12. Februar 1924 schrieb C. an den Vertreter der Ehefrau, daß er die Absicht habe, katholisch zu werden und ein fatholisches Mädchen zu heiraten. Zum Schluß schreibt er wörtlich: ,, Also: Ich habe die Absicht, katholisch zu werden und ein katholisches Mädchen zu heiraten. Nach einer Rüdsprache mit einem katholischen Geistlichen emp= fahl mir dieser Herr, folgende Erklärung von meiner früheren Frau einzuholen: Ich erkläre, bei Eingang der Ehe mit Herrn K. C. die Absicht gehabt zu haben, daß ich mich nicht nur alleine mit diesem abgeben wollte...... Unterschrift. Darunter fann man ja vieles sagen wollen oder verstehen. Habe ich diese Bescheinigung, die ich nur dem Geistlichen und sonst niemand vorzulegen brauche, so steht einer katholischen Trauung nichts im Wege. Ich persönlich erkläre meiner früheren Frau auf Ehrenwort und nehme es auf meinen Eid, daß ich diese Erklärung in keiner Weise sonstwie gegen fie verwende." Realsteuern die dringend notwendige Erleichterung, in- frau zur Unterzeichnung dieses Schriftstüdes zu überdem die Grund- und Gewerbesteuern gesenkt werden. untergehen kann". Es besteht heute kein Zweifel dar- grüßen die Worte des Reichswirtschaftsministers auf über, daß das Handwerk auch in seiner durch Jahrhunberte überlieferten Betriebsform in einer Zeit ausgeprägtester Mechanisierung Daseinsberechtigung und Zufunft hat. Wo die Leistung durch ein individuelles Bedürfnis bedingt ist, hören, wie Dr. Curtius in Lüneburg sehr richtig sagte, die Grenzen der fabrikmäßigen Gütererzeugung auf. Hier muß das Handwerk eingreifen, und es wird in dieser Beziehung auch nie zu entbehren sein. Außerdem wird man für Reparaturen immer handwerksmäßig geschulte Kräfte brauchen. Ebenso für gewisse Arbeiten, die nun einmal nicht fabritmäßig geschaffen werden können. Es ist sehr erfreulich, daß sich die Erkenntnis von der Notwendigkeit der Eristenz des Handwerks wieder mehr und mehr durchsetzt und daß, je mehr die Mechanisierung und Typisierung in der Industrie fortschreitet, das Bedürfnis nach dem Handwerker wieder größer wird. Wir von der Evangelischen Volksgemeinschaft be= richtig. Wir halten das schwer um sein Dasein ringende Handwerk für ein wichtiges Glied unseres Wirtschaftslebens. Deshalb haben wir es auch mit Genugtuung begrüßt, daß der Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius persönlich an dem Lüneburger Handwerkstag teilnahm. Hoffentlich bleiben seine Ausführungen nicht nur schöne Worte, sondern werden bald in die Tat umgesetzt. Sm Schatten des Konkordats. Unter dieser Ueberschrift ist in Nr. 32 der ,, DeutschEvangelischen Korrespondenz" zu lesen: In einer Kreisstadt der südl. Rheinprovinz wurde im Anfang dieses Jahres der Versuch gemacht, eine evangelische Frau vor ein geistliches Gericht" zu laden, um ihr dort über ihre Ehe verfängliche Fragen vorzuEr bittet zum Schluß nochmals dringend, die Ehereden. Darauf bekam er eine absagende Antwort. Nach einigen Monaten, nachdem die Scheidung inzwischen ausgesprochen war, erhielt Frau C. einen Brief von ihm, worin er ihr mitteilte, daß ein Stadtverordneter aus X. mit einem Schriftstüd zu ihr käme, das sie unter: schreiben möchte. Es solle ihr Schaden nicht sein. Das Schriftstück hatte den gleichen Inhalt, wie die vorerwähnte Erklärung. Frau C. weigerte sich jedoch wiederum, dieses zu unterschreiben. Einige Monate später, etwa im August 1924, tam ein Herr N. zu dem Vertreter der Ehefrau und wollte mit Frau C. in seiner Gegenwart verhandeln. Auch hier sollte Frau C. eine münd liche Erklärung abgeben, die dem Inhalt der Niederschriften in dem Brief vom 12. Februar 1924 entsprach. Dies tat sie ebenfalls nicht u. ist der Abgesandte wieder unverrichteter Dinge abgereist. Am 3. Ottober 1925 erhielt der Vertreter der Ehefrau C. wiederum ein Schreiben des C., auszugsweise folgenden Inhalts: ,, Noch einmal wende ich mich mit einer Bitte an Sie, die ich, um Mißverständnisse vorzubeugen, glaube tun zu müssen. Lediglich der Form halber wird, so Die 3. Reichstagung der Evang. Volksgemeinschaft findet vom 22.- 24. Oktober in Mainz statt. Vom Sammeln. 2. Korinther 9,6 und 7. Wer da färglich sät, der wird auch färglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeglicher nach seiner Willkür, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Die Zeit der Ernte ist jetzt in vollem Gange. Wie stehen die Felder in diesem Jahre wieder so reich an Garbenhaufen. Für die Arbeit des Frühjahrs und des Sommers wird der Bauersmann belohnt durch reichen Ertrag. In dieser Zeit pflegt man bei uns auf dem Lande gerne daran zu erinnern, daß viele Hände nun offen sind, um auch etwas aus diesem Erntesegen zu empfangen. Von alters her waren ja die Landleute opferwillig. Aber es ändern sich ja in manchen Orten die Sitten. Warum soll sich in der Opferwilligkeit nichts ändern? In Orten, wo die Gebefreudigkeit verloren ist, da hat der Sammler einen recht unerfreulichen Stand. Sagt der Pfarrer eine Kirchentollette an, dann brummelt es:„ Schon wieder einmal gebettelt." Werden Sammler in die Häuser gesandt, dann kommen fie wie der und erzählen die unfreundlichen Worte, die sie hatten an hören müssen. Wie schamlos benehmen sich manche Männer in diesem Falle. Wer für arme Menschen oder für seine Glaubensbrüder nichts übrig hat, der soll sich still schämend sagen: „ Ich gebe nichts". Aber die häßlichen Bemerkungen sollte jeder Geizhals sparen. Die Listensammlungen sind besonders solche, wobei man viel unevangelischer Geist feststellen muß. Jst da ein wohlhabender Mann ein Geizhals, dann fann er die ganze Sammlung verderben. Denn wenn dieser nur 50 Pfennig gibt, der 5 M geben könnte, dann braucht doch ein anderer nur 5 Pfg. zu geben. Es steht da vieles schlecht in manchen Gemeinden. Der römische Christ gibt aus einem anderen Grund als der evangelische. Er gibt, um sich damit die Seligkeit zu verdienen. Da alle Menschen die Seligkeit haben möchten, so gibt man viel. Der evangelische Christ tann sich die Seligkeit nicht verdienen. Für ihn ist der Himmel eine freie Gnade Gottes. Der Glaube allein macht uns gerecht bei Gott. Es ist aber der Glaube, von dem Paulus in Gal. 5,6 schreibt, daß er durch die Liebe tätig sein muß. Jakobus schreibt:„ Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist er tot an sich selber." Aus dem Glauben müssen demnach Liebestaten hervorgehen. Wie klein muß der Glaube sein, in den Gemeinden mit geringer Opferwilligkeit! Paulus hat auch das schwere Amt des Sammelns übernommen. In seinen griechischen Gemeinden sammelt er für die verarmte Christengemeinde in Jerusalem. Für ihn war es eine Art Gottesdienst. Das ist ja auch. Wenn wir für Notleidende opfern, dann tuen wir unserem Heiland den schönsten Dienst. Er sagte ja:„ Was ihr getan habt einem meiner geringsten Brüder, das habt ihr mir getan." Wir können ja unseren Herrn nur in seinen geringsten Brüdern am schönsten lieben. Der Apostel vergleicht nun das Geben mit dem Säen. Wer für Arme gibt, der fät Liebe. Wer wenig Liebe jät, der hat nicht viel Liebe zu ernten. Wer sät im Segen, der wird im Gegen ernten. Der römische Christ muß opfern. Der evangelische Christ darf opfern. Für den einen ist es ein 3wang, für den anderen ist es freier Wille. Auch Paulus will es nicht anders in seinen Gemeinden haben. Es ist eine Bestärkung, daß wir Evangelische auf dem rechten Wege find, wenn wir bei Paulus lesen:„ Ein feglicher nach seiner Willtür, nicht mit Unwillen oder aus Zwang." Es ist leichter, fich unter einen 3wang beugen, als in Freiheit das Richtige zu tun. Das erzieherisch Höhere ist auf alle Fälle die Freiheit. Allerdings merkt man in dem Gebrauch der Freiheit auch sogleich die menschliche Unvollkommenheit. Das wollen wir Christen ja merken, damit wir demütig werden vor Gott, dem Inbegriff alles Vollkommenen. Schließlich fordert der Apostel auch ein fröhliches Geben. Solches ist aber nur in der Freiheit möglich. Ein gezwungener Mensch ist nie froh. Auch muß er etwas gerne tun, wenn er daran Freude haben muß. Der reiche Jüngling sollte sich tren nen von seinen Gütern. Das hätte er gezwungen nur mit schwerem Herzen getan. Jesus zwang ihn nicht. Er brachte diese Trennung nicht über das Herz. Das Jrdische war ihm zu lieb. Da ließ ihn Jesus traurig seiner Wege gehen. Zwar hatte er ihn lieb gewonnen. Wer aber noch so am Jrdischen hängt, der ist. nicht geschickt für das Reich Gottes. Merten wir uns das! Wie viele glauben mit geschlossenen Händen in den Himmel fommen zu können. Das geht nicht. Das ist unmöglich. Wer seinen Erdenbesitz mehr liebt, als daß er ihn für das Kommen in das Himmelreich opfern fann, der steht in der Todesstunde arm da. Bei Schwenter, Geänderte Texte G. 200 lesen wir:„ Ein Dornehmer Mann in England hatte einen Rarren, dem er einen Stab gab, den er solange tragen sollte, bis er einen größeren Narren fände. Der Herr wird totfrant, der Narr tritt ans Bett: Wo gehst du hin?" In eine andere Welt!" ,, Wann tommst du wieder, in einem Monat?" ,, Nein." ,, Uebers Jahr?" ,, Ach nein." ,, Nimmer?" ,, Nimmer." ,, Was für Zurüftung hast du getroffen der du eine so lange Reise vorhaft?" ,, Keine."- ,, Du willst auf ewig fort und hast an teine Vorbereitung gedacht? Nimm meinen Stab, denn ein so großer Narr war ich nie." Laßt uns Toren Klugheit lernen, die Zeit wie der Landmann austaufen, so lange Saatzeit ist, bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir flug werden. Paulus sagt: ,, Wer da färglich jät, der wird auch färglich ernten." - - Gott schüttet seine Gaben so reich aus über die ganze Menschheit. Frage dich, lieber Leser, was du von den vielen Gottesgaben verdient hat? Bist du so ein reiner Engel, daß dir Gott etwas schuldig ist? Nein, das ist teiner. Gottes Gnade macht uns reich. Sie verpflichtet deshalb. Du bist nur Haushalter der mancherlei Gnade Gottes. An dir liegt es, ein guter und treuer Haushalter zu sein, der den Danteszins nicht schuldig bleibt. Amen, Hr. Sonnabend, den 20. August 1927. ,, Evangelische Warte" Die Evangelische Volksgemeinschaft ist der politische Zusammenschluß der Evangelischen Deutschlands zur Wahrung der evangelischen Interessen im deutschen Reichstag und in den Parlamenten der Länder und der Kommunen. Am 17. 11. 1925 verheiratete sich die geschiedene Ehefrau C. zum zweiten Male. Am 15. 1. 1927 tam die erste Aufforderung des sogenannten geistlichen Gerichts, die folgenden Inhalt hatte: § 5. Nr. 34. Die Leitung der EV. Die Organe der EV. sind: 1. Der engere Vorstand; 2. der Gesamtvorstand( der geschäftsführende Haupt ausschuß); 3. die Reichstagung. § 6. Sonnabend, ben 20. Aug gal, dem Lande der ewigen blid unter einer Militärdikt dung von der Aufdeckung ein lih nur fidern Nachrichten laffen, daß eine Aufstandsbe Der franzöfifche Delegier Jouvenel, ist von seinem Bo die Verantwortung nicht glaubte, bei einer Inftitution wirken, der seine Aufgaben g füllt, in internationale Stre mite verwidelt werden könn magt. Die Presse Frankreich der des Schrittes gespalten. aus hat Jouvenel recht, daß e Mut aufgebracht hat, dem Wahrheit zu sagen. Der Ha rich, den die deutschen Unterh getrieben, ist immer noch nich hen Wirtschaft, unterzeichnet. nisterrat hat eine Bejagungso landtruppen beschlossen. Die e nicht definitiv genannt. Engl flärung, daß es bei einer höher cbenfalls Truppen zurückziehen merten Druck ausgeübt.- Das hat in mehreren Gigungen sei Behandlung der außenpolitische miter Stresemann festgestellt. in Deutschland die Wiederkeh begangen. Zwischenfälle, die en Zerrissenheit der Deutsche geblieben. Für unsere Aufw Hagenswertes Zeichen.- Ein burg führte zu bemerkenswert der Parole ,, Die Saar will heir Führer und Verwaltungsbeam ten sich dazu eingefunden und Gaargebietes dargelegt.- Un gestarteten Flieger haben, ohr haben, ihn aufgegeben. Nachd Maschinendefekt schon in Brem „ Bremen" nach Ueberfliegen zum Rüdflug entschlossen, da di henden orfanartigen Unwette ges start in Frage stellten. 2 waderen Luftpioniere aus R und Material aufs Spiel geset Wetterlage wird ihnen der Der engere Vorstand. Der engere Vorstand besteht aus vier Vorsitzenden and dem Reichsgeschäftsführer. Die vier Vorsitzenden ( und vier Stellvertreter desselben) werden durch die Reichstagung auf drei Jahre gewählt. Der erste Vor sitzende und der Reichsgeschäftsführer vertreten die ER nach außen. Der engere Vorstand hat die vom Gesamt vorstand und der RT. gefaßten Beschlüsse auszuführen und über alle Angelegenheiten der EV. zu beschließen, die wegen ihrer Dringlichkeit dem Gesamtvorstand oder der Reichstagung nicht mehr vorgelegt werden können. In diesem Falle dürfen die beabsichtigten Maßnahmen nur ausgeführt werden, wenn der Beschluß des engeren Vorstandes einstimmig gefaßt worden ist. glaube ich, meine ehemalige Frau eine Aufforderung| dem Katholizismus neue fejte Stellungen zu sichern.| geschäftsstelle zu errichten. Einzelpersonen erwerben vom Generalvifariat Köln erhalten, dortselbst zu er- Wir sehen gerade jetzt in Deutschland, in den Kontor- die Mitgliedschaft durch Anmeldung bei der Reichsgescheinen. Es ist dies nun absolut keine Schitane mei datsfragen, mit welchem Zielbewußtsein der Vatikan schäftsstelle. nerseits, sondern leider eine reine Formsache, die ich vorgeht." Lama erklärt, daß es bei der Beurteilung der selbst in Kauf nehmen muß. Bevor ich fatholisch ge- Politit des Papstes meist am richtigen Maßstab für ein traut werden kann, ist lediglich der Form halber ein gerechtes Urteil fehle, weil man das Wirten des Papjogenanntes geistliches Gericht abzuhalten. Dieses ftes nicht übernatürlich erfasse." Selbstverständlich be geistliche Gericht soll versuchen, die beiden ehemaligen mühe sich der Papst, unter den ganz neuen Verhältnis evangelischen Eheschließenden über ihre Auffassung sen eine gewisse Stabilität herzustellen und ,, die fatholibei Eingehung der damaligen Ehe zu befragen. Diese schen Belange möglichst weitgehend zu wahren." Dar Aufforderung ist, sofern die erste Aufforderung nicht auf fährt Lama fort:„ Wer die Dinge so schaut, wie sie befolgt wird, noch zweimal zu wiederholen, also drei- historisch gekommen sind, der hat für die verschiedenen mal, alle 14 Tage, sofern teine Aufforderung beant Kombinationen über vatikanische Kontordatspolitik nur wortet wird. Erfolgt teine Anwort, so wird Herr ein Lächeln. Und es gehört die ganze traditionelle AnN. vernommen und das Verfahren geschlossen." mazung des Protestantismus dazu, der sich selbst gemis sermaßen für den Hauptzwed der Weltgeschichte hält, wenn immer und immer wieder dem Papste eine Politit antonstruiert wird, die von der Rücksicht auf den Protestantismus beherrscht oder bestimmt wird, also jene tonfeffionelle Eintreisungspolitit, die ein Bestand teil eines großen gegenreformatorischen Blanes sein foll. Dem ist nicht so. Höchstens tann man sagen, daß die Vorsehung selbst die Dinge in einer Weise gestaltet hat, daß sich dem Vatikan stets ein Eingreifen in einer Art aufzwang, die, von größerem Abstand besehen, zu solcher Auffassung führen kann. Uns scheint, als liege dem zugleich so etwas wie eine geheime Befürchtung zu Grunde, der Protestantismus fönne am Ende vielleicht doch nur vorübergehende Bedeutung haben und sich im mer mehr dem Zeitpunkt nähern, da sein Daseinszweck mit seiner Aufgabe erlischt. Jedenfalls steht das dem Katholizismus innewohnende ruhige Bewußtsein seiner einzigen Daseinsberechtigung, das sich auf die göttliche Verheißung seiner ewigen Dauer stützt, in merkwürdigem Gegensatz zu jener Nervosität, die ein besonderes Kennzeichen des anderen Lagers wie seiner Mentalität ist. Und jene absolute Ruhe ist auch der vatitanischen Diplomatie eigen, macht sie ihren Gegnern nahezu unheimlich." ,, Sie werden hiermit höflichst gebeten, am Mittwoch, den 19. Januar, nachmittags 5 Uhr, im Pfarrhaus X. gütigst erscheinen zu wollen, um in der Ehe angelegenheit C.-F. vor dem zu diesem Zwed im Auftrage des bischöflichen Offizialates gebildeten Gerichtes verhört zu werden. Das Gericht setzt sich zusammen aus Herrn Pfarrer O., dem vom bischöflichen Offizialate bestellten Richter, und den von diesem beorderten Herren, Kaplan W. als Verteidiger und Kaplan R. als Attuar. Diese Einladung wollen Sie gefl. zum Verhör mitbringen. gez. O., Pfarrer. Den anderen Tag tam Kaplan R. persönlich, um Frau M. zu bewegen, in dem genannten Termin zu er= scheinen. Dies wurde endgültig abgelehnt. Trotzdem versuchte am nächsten Tage Herr Pfarrer D. in einer einstündigen Unterredung nochmals, Frau M. zu bewegen, ihre Aussagen zu Protokoll zu geben. Auch dieses wurde abgelehnt, womit die Angelegenheit bis heute ihren Abschluß gefunden hat. Soweit sind wir also schon in Preußen, auch ohne Konkordat. Neben der ausschließlich staatlichen Gerichtsbarkeit, als Ausdrud der Staatshoheit eine geistliche Gerichtsbarkeit, die jene beeinträchtigt und korrigiert! Neben deutschem Reichs- und Landrecht römisch- kanonisches Recht als gültiger Maßstab der bürgerlichen deutschen Verhältnisse! Die Ehre einer Frau und die heilige Gemeinschaft der Ehe betastet durch die inquisitorischen Fragen römischer Geistlichen!" Die D. E. K. stellt im Anschluß an diesen Bericht die auch uns sehr berechtigt erscheinenden Fragen: Demnach verfolgt zwar nicht direft der Rapst, aber die Vorsehung" durch den Papst die tonfessionelle Ein freifungspolitit und den großen gegenreformatorischen Plan. Und der Katholizismus hat einzige Daseins: berechtiguna, der Protestantismus, nur vorübergehende Bedeutung". Grund genug, gegenüber dem Konkordat auf Posten zu sein! Satzungen der § 7. Der Gesamtvorstand( geschäftsführende Hauptausschuß). Der Gesamtvorstand besteht aus dem engeren Vor stand, den Obmännern der Reichswahlkreise, deren Stellvertretern und sämtlichen Abgeordneten der EV Er berät und beschließt über alle wichtigen Angelegen heiten der EV. $ 8. Die Reichstagung. Alle anderen Organe der EV. sind der Reichstagung Die Reichstagung ist die oberste Instanz der EV. verantwortlich. Die RT. stellt das Programm fest und erläßt allgemeine Kundgebungen. Hierbei ist eine Mehrheit von zwei Drittel der erschienenen Mitglieder erforderlich Die RT. wird einberufen, wenn die politische Lage es erfordert, mindestens aber einmal in jedem Jahre Der Ort der RT. wird durch diese bestimmt. ( Schluß folgt.) Auf der Warte. Nach längerer Zeit tommt wieder einmal von China, in dem in letzter Zeit nur fleine Kampfhand „ Und das soll Rechtens werden in deutschem Land durch Evangelischen Volksgemeinschaft. lungen stattfanden, eine bedeutsame Nachricht. Einer den Abschluß eines Konkordats? Dazu wollen deutsche Abgeordnete die Hand reichen?" Zum Konkordat. Zum Konkordat hat der bekannte Friedri Ritter von Lama im ,, Deutschen Volksblatt" 1927 Nr. 137 einen bezeichnenden Beitrag geliefert. Er knüpft an den Satz der„ Frankfurter Zeitung“:„ Nach dem Verschwinden der habsburgischen Monarchie, die für den Vatikan eine sehr große Rolle spielte, nach den Wandlungen in Deutschland ,, nach dem Erstehen der neuen Staaten im Osten Europas lag es nahe, zu versuchen, Viola Tricolor. Von Theodor Storm. 2. Fortsetzung. Am Abend war das Konzert. Die großen Toten, Haydn und Mozart, waren an den Hörern vorübergezogen, und eben verklang auch der letzte Afford von Beethovens C- Moll- Quartett, und statt der feierlichen Stille, in der allein die Töne auf und nieder glänzten, rauschte jetzt das Geplander der fortdrängenden Zuhörer durch den weiten Raum, Rudolf stand neben dem Stuhle seiner jungen Frau.„ Es ist aus, Jnes," saget er, sich zu ihr niederbeugend; oder hörst du noch immer etwas?" Sie saß noch wie horchend, ihre Augen nach dem Podium gerichtet, auf dem nur noch die leeren Pulte standen. Jetzt reichte sie ihrem Manne die Hand.„ Laß uns heimgehen, Ru dolf," sagte sie aufstehend. An der Tür wurde sie von ihrem Hausarzt und dessen Frau aufgehalten, den einzigen Menschen, mit denen Ines bis jetzt in einen näheren Verkehr getreten war. ,, Nun?" sagte der Doktor und nickte ihnen mit dem Ausdruck innerster Befriedigung zu.„ Aber kommen Sie mit uns, es ist ja auf dem Wege; nach so etwas muß man noch ein Stündchen zusammensitzen." Rudolf wollte schon mit heiterer Zustimmung antworten, als er sich leise am Aermel gezupft fühlte und die Augen seiner Frau mit dem Ausdruck dringenden Bittens auf sich gerichtet sah. Er verstand sie wohl. Ich verweise die Entscheidung an die höhere Instanz," sagte er scherzend. Und Ines wußte unerbittlich den nicht so leicht zu besiegenden Doktor auf einen anderen Abend zu vertrösten. t. Fortsetzung. § 4. Aufbau der EV.. Die EV. gliedert sich nach den Reichswahlkreifen. Die Mitglieder in einem Ort und seiner Umgebung sammeln sich in Ortsgruppen. Die Ortsgruppen eines Kreises schließen sich im Kreisverein zusammen. Die Kreisvereine werden in jedem Reichswahlkreis zu einem Wahlkreisverband zusammengefaßt.. Der Vorstand der Ortsgruppe besteht in der Regel aus dem Vorsitzenden, Schriftführer, Rechner und zwei Beisitzern. Aehnlich bilden der Kreisverein und der Wahlkreisverband den Vorstand. In jedem Reichswahlkreis ist eine Haupt,, Was hast du hente gegen unsere lieben Doktorsleute? fragte Rudolf. Sie drückte sich fest in den Arm ihres Mannes.. ,, Nichts", sagte sie; ,, aber es war so schön heute abend; ich muß nun ganz mit dir allein sein." Sie schritten rascher ihrem Hause zu. ,, Sieh nur,“ sagte er, im Wohnzimmer unten ist schon Licht, unsere alte Anne wird den Teetisch schon gerüstet haben. Du hattest recht, daheim ist doch noch besser als bei anderen." Sie niďte nur und drückte ihm still die Hand. Dann traten sie in ihr Haus; lebhaft öffnete sie die Stubentür und schlug die Vorhänge zurüd. Auf dem Tische, wo einst die Vase mit den Rosen gestanden hatte, brannte jetzt eine große Bronzelampe und beleuchtete einen schwarzhaarigen Kinderkopf, der schlafend auf die mageren Aermchen hingesunken war; die Eden eines Bilderbuchs ragten nur eben darunter hervor. Die junge Frau blieb wie erstarrt in der Tür stehen; das Kind war ganz aus ihrem Gedankenkreise verschwunden gewesen. Ein Zug herber Enttäuschug flog um ihre schönen Lippen.„ Du, Nesi!" stieß sie hervor, als ihr Mann sie vollends in das Zimmer hineingeführt hatte. ,, Was machst du denn noch hier?" Nesi erwachte und sprang auf.„ Ich wollte auf euch warten," sagte sie, indem sie halb lächelnd mit der Hand über ihre blinzelnden Augen fuhr. ,, Das ist unrecht von Anne; du hättest längst zu Bette sein sollen." Ines wandte sich ab und trat an das Fenster; sie fühlte, wie ihr die Tränen aus den Augen quollen. Ein unentwirtbares Gemisch von bitteren Gefühlen wühlte in ihrer Brust; Als sie am Hause ihrer Freunde sich von diesen verabschiedet| Heimweh, Mitleid mit sich selber, Reue über ihr Lieblosig hatten, atmete sie auf wie befreit. keit gegen das Kind des geliebten Mannes; sie wußte felber der bekanntesten Heerführer, der Oberkommandierende der nationalistischen Streitkräfte, der reichlich von Bech verfolgt war, General Tschiangtaischet, ist von sei nem Posten zurüdgetreten. Eine Zersplitterung seiner Armee ist dadurch sehr wahrscheinlich. Die Sacco Vanzetti- Weltbewegung, über die wir in der letzte Nummer schon berichteten, hat dazu geführt, daß für die beiden Verurteilten knapp eine halbe Stunde vor dem festgesetzten Termin ihrer Hinrichtung ein Straj aufschub bis zum 22. August eintrat. In der Zwischen zeit werden von höchsten Instanzen die Akten noch ein malüberprüft. Das amerikanische Komitee, das sich der beiden annimmt, schafft unentwegt, um eine Wie deraufnahme des Prozesses zu erreichen.- Aus Portu - | nicht, was alles jetzt sie überfam; aber und mit der Wollut und der Ungerechtigkeit des Schmerzes sprach sie es sich selber das war es: ihrer Ehe fehlte die Jugend, und fie felbe: war doch noch so jung! DOT Als sie sich umwandte, war das Zimmer leer. Wo war die schöne Stunde, auf die sie sich gefreut?- Gie dachte nis daran, daß sie sie selbst verscheucht hatte. Das Kind, welches mit fast erschreckten Augen den ihm unverständlichen Vorgang zugesehen hatte, war von dem Bater still hinausgeführt worden. ,, Geduld!" sprach er zu sich selber, als er, den Arm um Nei geschlungen, mit ihr die Treppe hinaufstieg; und auch er, in einem andern Sinne, fetzte hinzu:„ Sie ist ja noch so jung." Eine Kette von Gedanken und Plänen tauchte in ihm auf mechanisch öffnete er das Zimmer, wo Nefi mit der alten Anne schlief und in dem sie von dieser schon erwartet wurde. E tüßte sie und sprach: Ich werde Mama von dir gute Na sagen." Dann wollte er zu feiner Frau hinabgehen; aber e fehrte wieder um und trat am Ende des Korridors in fein Studierzimmer. Verschie Reichselternbund und Zum Reichsschulgeset hat elternbu nd in seiner aus alle chidten erweiterten Beiratssi Erklärung beschlossen: ,, Der Reichsverband er ( Reichselternbund), welche densten politischen Parteien Bettler an un Es war einmal ein Pfarrhe ges Ehepaar, das mit hellen, Welt hineinschaute, sich an den Lebens die Seele noch nicht zer schen nur immer das Beste zutra das Bibelwort: ,, Liebe deinen ein Geist der Liebe und des He bald weit und breit in der gang Tag das wuchernde Gesträuch wi wo zwischen schwarzen pyramide zur Rohrhütte führte, schimme Kies hindurch. Und aus der Phantasie des feit hinabsah, trat eine lieblid Lebenden angehörte; er sah sie und ihm war, als gehe er an ,, Laß dein Gedächtnis mich aber die Tote antwortete nicht; Kopf zur Erde geneigt; er füh Nähe, aber Worte famen nicht vo Da bedachte er sich, daß er Er glaubte an den vollen Ernit gewesen, war vorüber.- Aber Der Garten ihrer Eltern; von sei er fehend, hatte er dort zuerst erbit, und das Kind mit den ernten Ranne die Gedanken for Tie zulet als Frau die Schwell und ihm alles und noch mehr zuri Glides und freudigen Schaffenst fleinen Garten aber, als die Elter das Haus verlauft wurde, hatten Worte in der Grenzmauer mit dem verbunden. Fajt verborgen war er hängendem Geträuch, das fie Den fie gingen durch dieselbe in de methens, in welchen selbst die Fre hineingelaffen wurden.-- In de Auf dem Aufsatze des Schreibtisches stand eine lein Bronzelampe aus Pompeji, die er fürzlich erst erworben un versuchshalber mit Del gefüllt hatte; er nahm fie herab, zün dete sie an und stellte sie wieder an ihren Ort unter das Bildnis der Verstorbenen; ein Glas mit Blumen, das auf der Platte des Tisches gestanden, setzte er daneben. Er tat dies faft gedankenlos; mur, als müffe er auch seinen Händen zu tun geben, während es ihm in Kopf und Herz arbeitete. Dann trat er dicht daneben an das Fenster und öffnete beide Flügel des selben. Der Himmel war voll Wolfen; das Licht des Mondes tonnte nicht herabgelangen. Drunten in dem kleinen Garten einit non seinem Fenster aus die ihren Shalarbeiten belauscht hatte, schaft luß Str. 34 I errichten. Einzelpersonen erwerben ft durch Anmeldung bei der Reichsge § 5. Die Leitung der EV. der EV. sind: 1. Der engere Vorstand Sonnabend, den 20. August 1927. Orstand( der geschäftsführende Hauptschen Wirtschaft, unterzeichnet. Reichstagung. § 6. Der engere Vorstand. gal, dem Lande der ewigen Unruhen, das im Augenblid unter einer Militärdiktatur steht, kommt die Meldung von der Aufdedung eines neuen Putsches. Spärlich nur sickern Nachrichten durch, die aber vermuten lassen, daß eine Aufstandsbewegung schon eingesetzt hat. Der französische Delegierte beim Völkerbundsrat, Jouvenel, ist von seinem Posten zurüdgetreten, weil er die Verantwortung nicht mehr tragen zu können glaubte, bei einer Institution, dem Völkerbund, mitzuwirken, der seine Aufgaben gar nicht sagungsgemäß erfüllt, in internationale Streitigkeiten, in die Großmächte verwidelt werden könnten, sich nicht einzumischen wagt. Die Presse Frankreichs ist in das Für und Wider des Schrittes gespalten. Von unserem Standpunkt aus hat Jouvenel recht, daß er als gerader Mann den Mut aufgebracht hat, dem Völkerbund einmal die Wahrheit zu sagen. Der Handelsvertrag mit Frant reich, den die deutschen Unterhändler ziemlich weit vorgetrieben, ist immer noch nicht, zum Nachteil der deutDer französische Ministerrat hat eine Bejagungsverminderung der Rheinlandtruppen beschlossen. Die endgültige Ziffer ist noch nicht definitiv genannt. England hat durch seine Erflärung, daß es bei einer höheren Verminderungsziffer ebenfalls Truppen zurüdziehen werde, einen dankens werten Drud ausgeübt. Das deutsche Reichskabinett hat in mehreren Sigungen seine Einmütigkeit in der Behandlung der außenpolitischen Fragen durch den Minister Stresemann festgestellt. Am 11. August wurde in Deutschland die Wiederkehr des Verfassungstages begangen. Zwischenfälle, die von der inneren politischen Zerrissenheit der Deutschen zeugen, sind nicht ausgeblieben. Für unsere Aufwärtsentwidlung ein beflagenswertes Zeichen. Eine Saartagung in Würzburg führte zu bemerkenswerten Rundgebungen unter der Parole ,, Die Saar will heim". Die besten politischen Führer und Verwaltungsbeamte des Saargebietes hatten sich dazu eingefunden und in Reden die Not des Gaargebietes dargelegt.- Unsere zum Transozeanflug gestarteten Flieger haben, ohne ihr Ziel erreicht zu haben, ihn aufgegeben. Nachdem die ,, Europa" wegen Maschinendefekt schon in Bremen landete, hat sich die ,, Bremen" nach Ueberfliegen Englands und Jrlands zum Rückflug entschlossen, da die über dem Ozean herrschenden orfanartigen Unwetter das Gelingen des Flu: ges start in Frage stellten. Wir begrüßen es, daß die waderen Luftpioniere aus Rekordjägerei nicht Leben und Material aufs Spiel gesetzt haben. Bei günstigerer Wetterlage wird ihnen der Flug unbedingt glüden. Borstand besteht aus vier Vorsitzender Jeschäftsführer. Die vier Borjizender Dertreter desselben) werden durch die f drei Jahre gewählt. Der erste Bor Reichsgeschäftsführer vertreten die E cengere Vorstand hat die vom Gesamt RT. gefaßten Beschlüsse auszuführen ngelegenheiten der EB. zu beschließen Dringlichkeit dem Gesamtvorstand oder nicht mehr vorgelegt werden können dürfen die beabsichtigten Maßnahmen verden, wenn der Beschluß des engeren immig gefaßt worden ist. §7. nd( geschäftsführende Hauptausschuß orstand besteht aus dem engeren Vo ännern der Reichswahlkreise, dere nd sämtlichen Abgeordneten der EN ließt über alle wichtigen Angelegen §8. Die Reichstagung. gung ist die oberste Instanz der EB jane der EW. sind der Reichstagung Die RT. Stellt das Programm feft und ne Rundgebungen. Hierbei ist eine wei Drittel der erschienenen Mitglied Erd einberufen, wenn die politische Lay destens aber einmal in jedem Jahr wird durch diese bestimmt. ( Schluß folgt.) Auf der Warte. rer Zeit tommt wieder einmal von in letzter Zeit nær kleine Kampfhandben, eine bedeutsame Nachricht. Einer Heerführer, der Oberkommandierende ischen Streitkräfte, der reichlich n ir, General Tschiangtaischet, ist von idgetreten. Eine Zersplitterung fein ch sehr wahrscheinlich.- Die Sacc wegung, über die wir in der letzte Serichteten, hat dazu geführt, daß si rteilten knapp eine halbe Stunde v Termin ihrer Hinrichtung ein Stra 22. August eintrat. In der Zwische höchsten Instanzen die Aften noch ein Das amerikanische Komitee, das si mmt, schafft unentwegt, um eine Wie Prozesses zu erreichen.- Aus Porh - zt sie überkam; aber und mit der Wolls igkeit des Schmerzes sprach sie es sich selb 5: ihrer Ehe fehlte die Jugend, und sie selb jung! mwandte, war das Zimmer leer.- Wom , auf die sie sich gefreut?- Sie dachte nit e selbst verscheucht hatte. Rind, welches mit fast erschrecken Augen de then Vorgang zugesehen hatte, war von de sgeführt worden. rach er zu sich selber, als er, den Arm um Ne ihr die Treppe hinaufstieg; und auch er, mne, fezte hinzu: ,, Sie ist ja noch so jung." on Gedanken und Plänen tauchte in ihm au er das Zimmer, wo Nesi mit der alten Anr - Verschiedenes. Reichselternbund und Schulgesetentwurf. Zum Reichsschulgesetz hat der evangelische Reichselternbu nd in seiner aus allen Teilen des Reiches beschidten erweiterten Beiratssitzung einmütig folgende Erklärung beschlossen: ,, Der Reichsverband ev. Eltern- und Volksbünde ( Reichselternbund), welcher Mitglieder der verschie densten politischen Parteien in sich schließt, begrüßt die Bettler an unserer Türe. ,, Evangelische Warte" Mitteilung der Reichsgeschäftsstelle. Nr. 34. Am Sonntag, den 21. August, abends 8 Uhr, spricht in Frankfurt a. Main( ,, Baseler Hof", in nächster Nähe des Hauptbahnhofes), von Lausanne kommend, Herr Pastor Mosel- Rohrberg über „ Die Lausanner Weltkonferenz" Wir laden unsere Freunde zu diesem hochinteressanten Vortrag freundlichst ein und hoffen auf ein sehr zahlreiches Erscheinen. Es war einmal ein Pfarrhaus, da hinein zog ein ganz junges Ehepaar, das mit hellen, hoffnungsfrohen Augen in die Welt hineinschaute, sich an den rauhen Eden der Welt und des Lebens die Seele noch nicht zerrieben hatte, sondern allen Menschen nur immer das Beste zutraute. Ihr oberster Grundsay war das Bibelwort:„ Liebe deinen Nächsten", und deshalb ging auch ein Geist der Liebe und des Helfens von ihnen aus, so daß fie bald weit und breit in der ganzen Umgegend zum Zufluchtsort Tag das wuchernde Gesträuch wie eine dunkle Masse; nur dort, wo zwischen schwarzen pyramidenförmigen Koniferen der Steig zur Rohrhütte führte, schimmerte zwischen ihnen der weiße Kies hindurch. Und aus der Phantasie des Mannes, der in diese Einsamfeit hinabsah, trat eine liebliche Gestalt, die nicht mehr den Lebenden angehörte; er sah sie unten auf dem Steige wandeln, und ihm war, als gehe er an ihrer Seite. ,, Laß dein Gedächtnis mich zur Liebe stärken," sprach er; aber die Tote antwortete nicht; sie hielt den schönen, bleichen Kopf zur Erde geneigt; er fühlte mit füßem Schauder ihre Nähe, aber Worte famen nicht von ihr. - - Weidner. endlich erfolgte Vorlage und die sofortige Veröffent| veranlassen. Bis jetzt zeigt sich meist kein anderer Auslichung des Reichsschulgesetzentwurfes. Der Entwurf gewährleistet die organische Weiterentwidlung unseres Schulwesens auf Grund der Gewissensfreiheit und des Elternrechtes unter unbedingtem Festhalten an der staatlichen Schulhoheit. Eine reichsgesetzliche Regelung des deutschen Schulwesens ist bei unseren fulturellen Verhältnissen heute nur auf dieser Grundlage erreichbar. Wir erwarten, daß der Entwurf sachlich geprüft wird und daß die Volksvertretung unverzüglich das Wert der Reichsschulgesetzgebung unter Berüdsichtigung der Wünsche der christlichen Elternschaft zur Vollendung bringt. Der Reichselternbund ist seit seinem Bestehen für die evangelische Schule als die eigentliche Erzie hungsschule eingetreten, er fordert für diese Schule volle Entfaltungsfreiheit. Unsere Mitglieder im ganzen Reich aber rufen wir auf, jetzt mit allem Nachdruck für die Lösung der Schulfrage auf dieser Linie tätig zu sein, damit endlich der Unsicherheit im deutschen Schulwesen ein Ende bereitet wird." zu alt. In letzter Zeit ist durch verschiedene Pressemeldungen die Aufmerksamkeit darauf gelenkt worden, daß es heute für Männer im Alter zwischen 40 und 50 Jahren fast unmöglich ist, in industriellen Großbetrieben eine Anstellung zu erhalten. Viele Betriebe lehnen es sogar grundsätzlich ab, Arbeitskräfte einzustellen, die über 35 Jahre alt sind. Die Zahl der vergeblich Arbeitsuchenden zwischen 35 und 50 Jahren, die dem Groß- Berliner Landesarbeitsamt gemeldet sind, beträat ungefähr 8000. Nach Ansicht des Landesarbeitsamtes besteht kaum eine Aussicht, diesen Arbeitsuchenden irgendwie zu Hilfe zu kommen, wenn es nicht gelingt, die Unternehmer zu einer grundsätzlichen Aenderung ihrer Einstellung in bezug auf das Alter ihrer Angestellten zu Da bedachte er sich, daß er hier oben ganz allein stehe Er glaubte an den vollen Ernst des Todes; die Zeit, wo sie gewesen, war vorüber. Aber unter ihm lag noch wie einst der Garten ihrer Eltern; von seinen Büchern durch das Fen ster sehend, hatte er dort zuerst das kaum 15jährige Mädchen erblickt; und das Kind mit den blonden Flechten hatte dem ernsten Manne die Gedanken fortgenommen, immer mehr, bis sie zuletzt als Frau die Schwelle seines Hauses überschritten und ihm alles und noch mehr zurüdgebracht hatte. Jahre des Glüdes und freudigen Schaffens waren mit ihr eingezogen; den fleinen Garten aber, als die Eltern früh verstorben waren und das Haus verkauft wurde, hatten sie behalten und durch eine Pforte in der Grenzmauer mit dem großen Garten ihres Hauses verbunden. Fast verborgen war schon damals diese Pforte unter hängendem Gesträuch, das sie ungehindert wachsen ließen; denn sie gingen durch dieselbe in den traulichen Ort ihres Som merlebens, in welchen selbst die Freunde des Hauses nur selten hineingelassen wurden. In der Rohrhütte, in welcher er einst von seinem Fenster aus die jugendliche Geliebte über ihren Schularbeiten belauscht hatte, saj jetzt zu den Füßen der n sie von dieser schon erwartet wurde. G ach:„ Ich werde Mama von dir gute Nad ollte er zu feiner Frau hinabgehen; aber und trat am Ende des Korridors in fer ffage des Schreibtisches stand eine klein Pompeji, die er fürzlich erst erworben un at Del gefüllt hatte; er nahm sie herab, zür stellte sie wieder an ihren Ort unter de torbenen; ein Glas mit Blumen, das auf de es gestanden, setzte er daneben. Er tat die nur, als müsse er auch seinen Händen zu tu s ihm in Kopf und Herz arbeitete. Dann t an das Fenster und öffnete beide Flügel de war voll Wolken; das Licht des Mond gelangen. Drunten in dem kleinen Gar -- Im Familienkreis weg, als die im besten Alter stehenden Menschen der öffentlichen Wohlfahrtspflege zuzuführen. Rom kann auch anders. Aus Dittersbach wird gemeldet:„ Eine in Mischehe mit einem evangelischen Mann lebende römisch- katho lische Frau lag im Sterben. Sie war die zweite Frau des betreffenden Mannes, dessen Kinder aus erster Ehe und die beiden Kinder aus der zweiten Ehe evangelisch getauft und erzogen waren. Die Frau verlangte nach den Sterbesatramenten. Jedoch wollte der römischtatholische Seelsorger sie nur reichen, wenn das Versprechen abgegeben würde, daß die beiden letzten Kinder katholisch erzogen würden. Der Mann hatte Rüdgrat genug, dem Geistlichen zu sagen, wenn er seiner Frau die Sakramente nicht reichen wollte, dann würde er den evangelischen Geistlichen holen, der ganz bestimmt seiner Frau das Hl. Abendmahl reichen würde. Der Kaplan nahm auf diese Antwort hin noch einmal Rücksprache mit dem römisch- katholischen Pfarrer und reichte der Sterbenden dann die Sakramente." aller Hilfesuchenden wurden. Und deren gibt es ja in der Welt genug und übergenug. So schön das nun auch war es hatte auch eine Kehrseite und das war die, daß die Güte und Hilfsbereitschaft des Pfarrhauses leider von unwürdigen Menschen mißbraucht wurde. Der schöne Spruch:„ Geben ist seliger denn Nehmen" und der andere:„ Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb, mit denen es die jungen Pfarrersleute sehr ernst nahmen, wurde von den Menschen nicht verstanden und zog ihnen viel Schaden zu. Die Haustürglode läutete den ganzen Tag. Handwerks: blonden Mutter ein Kind mit dunklen, nachdenklichen Augen; und wenn er nun den Kopf von seiner Arbeit wandte, so tat er einen Blid in das vollste Glück eines Menschenlebens. Aber heimlich hatte der Tod sein Korn hineingeworfen. Es war in des ersten Tagen eines Junimondes, da trug man das Bett der schwer Erfrankten aus dem daranliegenden Schlafgemach in das Arbeitszimmer ihres Mannes; sie wollte die Luft noch um sich haben, die aus dem Garten ihres Glüdes durch das offene Fenster wehte. Der große Schreibtisch war beiseitegestellt; seine Gedanken waren nun alle bei ihr.- DrauBen war ein unvergleichlicher Frühling aufgegangen; ein Kirschbaum stand mit Blüten überschneit. In unwillkürlichem Drange hob er die leichte Gestalt aus den Kissen und trug sie an das Fenster. Oh, sieh, es noch einmal, wie schön ist doch die Welt!" Aber sie wiegte leise ihren Kopf und sagte:„ Ich sehe es nicht mehr." Und bald tam es, da wußte er das Flüstern, welches aus ihrem Munde brach, nicht mehr zu deuten. Immer schwächer glimmte der Funken; nur ein schmerzliches Zuden bewegte noch die Lippen, hart und stöhnend im Kampf um das Leben ging der Atem. Aber es wurde leiser, immer leiser, zuletzt füß wie Bienengetön. Dann noch einmal war's, als wandle ein blauer Lichtstrahl durch die offenen Augen; und dann war Frieden. ,, Gute Nacht, Marie!" Aber sie hörte es nicht mehr. Noch ein Tag, und die stille, edle Gestalt lag unten in dem großen, dämmerigen Gemach in ihrem Sarge. Die Diener des Hauses traten leise auf; drinnen stand er neben seinem Kinde, das die alte Anne an der Hand hielt. Landesjugend- Sonntag. Die evangelische Landeskirche in Hessen, als die einzige in Deutschland, hat den Landesjugend- Sonntag eingerichtet, um an diesem Tag die gesamte evangelische Jugend gerade in den Jahren, die vielfach für das ganze Leben entscheidend sind, über alle trennenden Unterschiede des täglichen Lebens hinweg hinzuweisen auf das hohe Gut des Glaubens und seine Kraft, der uns zum Dienst an der Gemeinde führt. ,, Resi," sagte diese,„ du fürchtest dich doch nicht?" Und das Kind von der Erhabenheit des Todes angeweht, antwortete: Nein, Anne, ich bete!" In diesem Jahre findet der Landesjugendsonntag am 28. August statt. Zu seiner Feier in den einzelnen Gemeinden sind die Vorbereitungen bereits im Gange, damit es ein rechter Feiertag werde: Unsere Jugend ist ja das Beste, was wir haben. e6eeeeeeee burschen kamen zahlreich, und stellten sich häufig zum zweitenmal ein. Einmal tam ein junges Mädchen in auffälliger Kleidung, der man Unterstützung zukommen ließ. Am andern Tage wurde es als Hochstaplerin an einem anderen Ort verhaftet. Es war das eine ernste und schwere, aber auch sehr heilsame Erfahrung für die allzu gutmütigen und freigebigen Pfarrersleute. Sie begriffen, daß sie bisher nur die eine Seite des göttlichen Befehls:„ Liebe deinen Nächsten" befolgt hatten, daß sie nur seiner augenblidlichen und nur seiner leiblichen Not abgeholfen hatten, aber die Trägheit und den Leichtsinn der Bitgehen ihm vergönnt war; nach ihrer beider Sinn ohne Priester und Glodenklang, aber in der heiligen Morgenfrühe, die ersten Lerchen stiegen eben in die Luft. Das war vorüber; aber er besaß sie noch in seinem Schmerze; Dach unbemerft Ohr gefunden; er wandte den Kopf und fah sie forschend an. Ines!" rief er; er stieß das Wort hervor, aber er ging ihr nicht entgegen. Sie war stehengeblieben. Was ist dir, Rudolf? Erschrichst du vor mir?" Er schüttelte den Kopf und versuchte zu lächeln. ,, Komm," sagte er, laß uns hinuntergehen." Aber während er ihre Hand faßte, waren ihre Augen auf das von der Lampe beleuchtete Bild und die danebenstehenden Blumen gefallen. Wie ein plötzliches Verständnis flog es durch ihre Züge. ,, Es ist ja bei dir wie in einer Kapelle," jagte fie, und ihre Worte flangen falt, fast feindlich. - Er hatte alles begriffen.„ O Jnes," rief er, ,, sind nicht Fortsetzung folgt. Dann kam der allerletzte Gang, welcher noch mit ihr zu auch dir die Toten heilig!" Sonnabend, den 20. August 1927. „ Evangelische Warte" net steht die Schar der Zuschauenden zu beiden Seiten der mit Guirlanden geschmüdten Kirchentür, als hätten sie den Auftrag, Heute feiert Minchen, des eine Ehrentompagnie zu bilden. Schulzen Schwester, Hochzeit, und das ist doch etwas Besonderes! Da tommen sie, voraus fleine Mädchen Blumen streuend, die sie in zierlichen Körbchen tragen. Ein Schimmer und Zauber liegt auf dem heranziehenden Zug. Sie tragen alle ihr Feiertleid mit viel Würde und ehrfürchtig sieht man auf das Brautpaar, das gesenkten Hauptes in die Kirche eintritt. tenden durch ihre Gaben bestärkten und ihnen dadurch an ihrer| Ruf Sie tommen"! geht von Mund zu Mund. Beinahe geordGeele schadeten. Wie oft war es vorgekommen, daß die mit Geld beschenkten Handwerksburschen sich Schnaps und Zigaretten ge= tauft, oder gute und brauchbare Gegenstände, wie Stiefel, Hosen und dergleichen um einen Spottpreis für Altohol vertauscht hatten. Der arme Pfarrer war sehr erschroden, als er dieses alles hörte, und seine Frau nicht weniger. Er hatte es so gut gemeint, hatte den Leuten helfen wollen und war nun so betrogen wor den. Am meisten schmerzte es ihn, daß er selbst es gewesen, der die Bettelnden in Versuchung geführt, indem er ihnen die Mittel geschenkt hate, sich schädliche Dinge zu laufen, und indem er sie durch seine Leichtgläubigkeit in ihren Lügen bestärkt hatte. Er nahm sich fest por, es fünftig anders und besser zu machen; er jah ein, daß nicht Geld, sondern Arbeit das Mittel ist, womit geholfen werden muß. So beriet er denn mit seiner jungen Frau, wie es wohl möglich sei, fünftig den Bettlern Arbeit zu derschaffen. Vor allem wendete er sich an das Arbeitsamt, das ja auch in seiner kleinen Gemeinde der gegebene Weg war, um Arbeitswilligen zu helfen. Sollte aber bei der großen Arbeitslosigfeit in unserer Zeit da nichts zu machen sein, so richtete er in seinem Hof einen Holzpart auf, legte eine Art dazu und beauftragte jeden Bettler, der an seine Türe tam, damit eine bestimmte Menge Holz zu haden und sich damit Geld zu verdienen, anstatt zu erbetteln. Für Frauen hatte er von einem nahen Dekonomiehof zerrissene Säde erbeten. Diese unter Aufsicht der Pfarrfrau zu fliden, war eine leichte Arbeit, die jede Frau leisten konnte, und für die ihr dann ein entsprechender Lohn ausgezahlt wurde. Wohl tam es einmal vor, daß ein Mann mit der Agt heimlich davonging, ebenso wie eine Frau einen Sad mitnahm, aber es waren Ausnahmen und ließen sich bei genügender Aufsicht vermeiden. Merkwürdig war es, wie von dieser Zeit an die Bettler abnahmen. Nur wirklich Bedürftigen wurde fortan geholfen, und zwar nicht mit Geld, sondern durch Erkundigung nach ihren Verhältnissen, Empfehlungen, guten Adressen und Verschaffen von Arbeitsgelegenheit. Und damit gewann der Befehl Christi: ,, Liebe deinen Nächsten" einen viel tieferen Inhalt, seine- Ausführung wurde wohl schwerer, aber wirklicher. Nicht mehr schöne Ideale, aber Kraft und Leben ging fünftig von diesem Pfarrhaus aus, und kehrte in reichem Maße auf seine Bewohner zurück. % Gretchens Erlebnis. Die Dorfjugend hat sich gesammelt. Schon seit einer Stunde steht sie in der Nähe der Kirche und wartet auf die HochzeitsTeute, die heute getraut werden sollen. Aeltere Frauen kommen nun auch hinzu, denn die Gloden beginnen zu läuten, und der Da, wer tommt noch im letzten Augenblick über den Kirchplay gelaufen? Pastors Gretlein ist's; schon steht sie in den Reihen der Zuschauenden. Sie ist noch damit beschäftigt, die saubere Schürze umzubinden, denn sie mußte doch schnell mit der groben Küchenschürze vertauscht werden. Es war nach Tisch, und Gretchen wollte gerade anfangen mit Aufwaschen. Das heiße Wasser war schon eingegossen, und eigentlich... Einen Augenblick überlegt sie noch, denn es ist ihr plötzlich so unbehaglich zumute:„ Soll ich nicht doch lieber fragen?" Doch schnell ist aller Zweifel zurüdgedrängt, und mit leuchtenden Augen und hochroten Baden eilt sie mit den andern zuru Empore hinauf. Die Orgel jetzt ein und mit dem schönen alten Liede:„ Jefu, geh' voran". Das Brautpaar tritt vor den geschmüdten Altar. Die Sonne sendet ihre Strahlen durch die bunten Fensterscheiben. Die vielen Blumen glühen so leuchtend, und die alten Messing leuchter blizen. Jetzt schweigt die Orngel, und die Worte des Pfarrers flingen voll Ernst und Warmherzigkeit zu den andächtig Lauschenden. Nun kniet das Paar nieder, um den Segen Gottes zu empfangen. Die Orgel spielt leise dazu:„ Go nimm denn meine Hände". Ach, wie ein Schauer geht es dem Gretlein den Rüden herunter. Dieses schöne, liebe Lied hatte sie selbst einmal vor dem Altar gesungen. Es war noch nicht so lange her, als sie dort auch gekniet hatte mit den andern Konfirmanden, und aus tiefstem Herzen mitgesungen:„ So nimm' denn meine Hände und führe mich". Ja, es war ihr Ernst gewesen:„ Ich fann allein nicht gehen, nicht einen Schritt, wo Du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit." Seither liebt sie dieses Lied ganz besonders und singt es oft. Heute will es nicht recht gelingen, die Kehle ist wie zugeschnürt. Warum wohl nur? Bloß, weil sie ohne Erlaubnis gegangen war? Ach was! Frau Pastor hatte es ja immer erlaubt, daß sie zusehen durfte, warum sollte sie heute etwas dagegen haben? Nun ist ja auch die Trauung zu Ende. Wie schön ist es doch anzusehen, wenn ver Brautzug langsam hinter dem Altar herumschreitet! Jetzt tommt er wieder nach vorn und bewegt sich vom Altarraum herab durch das Kirchenschiff hinaus. Die letzten Orgelflänge verhallen, und mit den Zuschauern ist auch unser Gretlein die Treppe hinab- und hinausgeeilt. - Nr. 34. Nun schnell an die Arbeit! Noch einmal so flink soll es jetzt gehen, damit die versäumte Zeit eingeholt wird. Vielleicht merkt es dann keiner, und man braucht nichts mehr davon zu sagen, so denkt Gretchen auf dem furzen Weg zum Pfarrhaus. Doch wie ungemütlich! Frau Paftor ist in der Küche. Sie sagt kein Wort des Tadels, und doch wäre ein Tadel jetzt beinahe eine Erlösung gewesen. Mit einem bedrückten Herzen tut Gret chen ihre Arbeit. Sie macht auch noch Besorgungen im Dorf, bei denen sie vom Regen überrascht wird. Sie ist naß geworden, was ihr sonst gar nichts macht heute aber fühlt sie sich schlecht, hat Kopfschmerzen, und als Frau Pastor sie voll Teilnahme nach der Ursache fragt, meint fie, es tame wohl von dem Gewitter schauer, in den sie ohne Regenschirm geraten sei. Aber die Pfarrfrau sieht tiefer. Sie sagt:„ Mein Gretlein, stimmt das wirklich? War das der Regenguß, oder haben die Kopfschmerzen nicht noch eine andere Ursache?" Und indem sie ihr dabei voll Liebe in die Augen schaut, bricht das Mädchen in Tränen aus. Unter Schluchzen stammelt sie die Worte: Nein, nein, es ist nicht der Regen, es ist ja von heute Mittag, weil ich fortging ohne zu fragen." Nun ist es heraus! Ein tiefer Seufzer folgt, und wie befreit sieht sie die Pfarrfrau an, die sagt:„ Nicht wahr, so schwer machst du dir das Leben nicht wieder. Ein an dermal fragst du schnell, damit du mit fröhlichem Herzen den Hochzeitsleuten zusehen kannst." Jetzt fühlt Gretchen eigentlic erst richtig, wie schredlich doch der Nachmittag gewesen ist, jetzt. wo der Druck von ihrem Herzen gewichen ist. Sie hatte sich faum mehr vorwärts zu schleppen vermögen, und nun ist's plös lich, als seien ihr Flügel gewachsen, so leicht beschwingt eilt sie durchs Haus. Eine Kleinigkeit hat dem Gretlein den ganzen Nahmittag verdorben. Frau St. Aus unserer Bewegung. Stellungnahme zum Reichsschulgejezentwurf. Der in Nr. 32 der Evangelischen Warte" genannte Aus schuß der Evangelischen Volksgemeinschaft tagte am 15. Auguft im Hospitz Baseler Hof" zu Frankfurt a. M. Die Verhand lungen wurden eingeleitet durch zwei tiefgründige Referate, von denen das erste den Standpunkt der Bekenntnisschule, das zweite den der christlichen Simultanschule vertrat. Die nach folgende Aussprache entsprach der Höhe der beiden sachverstän digen Vorträgen und dem Ernst und der Wichtigkeit des Gegens standes. Zuletzt einigte man sich auf eine das Ergebnis der Aussprache zusammenfassende Entschließung, welche zugleich die Stellungnahme der EV. zum Reichsschulgesetzentwurf darstellt. Wir werden dieselbe in der nächsten Nummer der„ Evangelischen Warte" zum Abdruck bringen und gleichzeitig eine ausführliche Begründung dazu folgen lassen. Sämtliche Formulare für Pfarrämter, Bürgermeistereien, Standesämter, Ortsgerichte, Schulen ett. sind jederzeit vorrätig in der Formular- Großhandlung Albin Klein, Gießen südanlage 21.- Fernſpr. 1362 vorm. Wilh. Keller gegründet 1783 Ueber die technische Ausführung der in meiner Druckerei gedruckten und besonders gut eingebundenen Tauf, Konfirmations, Trau, und Sterbe- Register sind ungewollt mir mehrere Dankschreiben von Pfarrämtern zugegangen. 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Jahrgang Das deutsche Zur Lüneburger Rede des R Der Reichswirtschaftsmin tius, hat auf dem nordwest in Lüneburg sich ausführlich n werk in der Gegenwart befaßt. hiedene Maßnahmen an, die zur Unterstützung des Handwe nächster Zeit schon durchgeführt Bemerkenswert war an Reichswirtschaftsministers vor von der Notwendigkeit des San ten gibt es in der deutschen no enchaft eine Richtung, die des Handwerks verneint und d mert müsse der fortscheitenden rung erliegen. Während der auch oft den Anschein, als ob meister nicht mehr mit der Er fönnten und als ob die Schei aus der deutschen Wirtschaft g tiefer in die Zusammenhänge daß ein so starker und in gen barer Stand bei der Rückkehr lich von der Bildfläche verschwi mit der Industrie nicht aufgefo bekannte Leipziger Volkswirtsc hat es denn auch immer mit chen ,,, das das Handwerk als untergehen kann". Es besteh über, daß das Handwerk auch derte überlieferten Betriebs prägtester Mechanisierung D funft hat. Wo die Leistung dürfnis bedingt ist, hören, wi sehr richtig sagte, die Grenzen erzeugung auf. Sier muß und es wird in dieser Bezieh sein. Außerdem wird man handwerksmäßig geschulte für gewisse Arbeiten, die nu geschaffen werden können. fich die Erkenntnis von der des Handwerks wieder me daß, je mehr die Mechani der Industrie fortschreitet, Handwerker wieder größer Aber das Handwerk ha ren Sorgen zu kämpfen. 3 den Nachwehen der Inflati es Sorgen, die in der Gest lebens begründet sind. V frage, die gar manchem stattet, das zu leisten, was hat schon die mittlere un tämpfen, die nötigen Betr Evangelisch unterstützt unf. evang Buchhandlung dur Bestellung v. Büchen u. Zeitschriften. Hete Bestellungen von 2 Mr. an werden pot frei ausgeführt. Wartburgbuchh dig Mainz, erst recht das Handwerk. hat nun versprochen, mit d treten, um zu bewirken, daß tem Umfange zu der Anlage ren Hypothekenkrediten übe es auf diese Weise möglich, tige Geld zufließen zu la jeinen Betrieb verbessern f daß die Reichsregierung teinerlei Kredite mehr zu wohl es bisher immer Stie wesen ist. Des weiteren is die außerordentlich hohen Hoffentlich schafft das neu Realsteuern die dringend n dem die Grund- und Gewer Wir begrüßen die W ministers und halten das sch Handwerk für ein wichtiges lebens. Deshalb haben wi begrüßt, daß der Reichswirt perionlich an dem Lüneburg Hoffentlich bleiben seine Au Worte, sondern werden bald Sypothefen an äußerst günstige Bedingungen z. verge ben. Auf Wunsch evt fofort. Gewährung Zwischen Krediten F. W. Weber, Frankfurt am Me Nedarstraße 9. 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