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( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 40 Big. monatlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüd. Jendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. 40. Jahrg. - Die hessischen Beamten. Auf der Tagesordnung stand die elfte Ergänzung des Gejches vom 14. Ottober 1921, die Besoldung der Staatsbeamten. Die Vorlage will die Besoldung und die Anstellungsverhält nisse der Staatsdienstanwärter regeln. Es lagen dazu Anträge von fajt allen Parteien vor, die sich zum Teil mit den Besol bungssätzen und zum Teil mit der Festlegung eines bestimmten Berhältnisses der Anwärter zu den festangestellten Beamten befaßten. Die Besoldungssätze der Regierungsvorlage bleiben etwas hinter denen des Reiches zurüd. Vom Finanzausschuß wurde die Annahme eines sozialdemokratischen Antrages emp fohlen, der für die ersten fünf Jahre die Sätze der hessischen Regierungsvorlage und für die späteren Jahre die Reichsfäße Dorsieht. Im übrigen soll mit einigen entsprechenden Aenderungen die Regierungsvorlage gelten. Erklärungen des Reichsfinanzministers. Der Reichstag hielt gestern eine Vormittags- und eine Rachmittagsjigung ab. In der Nachmittagssigung sagte der Reichsfinanzminister: Das Jahr 1927 soll eine durchgreifende Bereinfachung in sachlicher und personeller Beziehung bringen. Sie muß leider mit einer Vermehrung der Veranlagungs- und Bollftredungsbeamten beginnen. Die Steuer- Rüdstände von mehr als einer halben Milliarde( Sört, hört!) sollen unbedingt eingetrieben werden, allerdings unter Rüdsichtnahme auf die Bedürftigen. Die Einziehung der Rückstände sind wir aber den Lohnsteuerpflichtigen schuldig, die ihre Steuern regelmäßig abführen müssen. Die Zahl der Steuerämter werde ich im Einvernehmen mit den Ländern wesentlich vermindern. * Todesfall am Berliner Bismarddenkmal. Berlin, 1. April. Vor dem Bismarddenkmal am Reichs: tage erschien heute mittag anläßlich des Geburtstages des Altreichskanzlers eine Abordnung unter Führung des General von Wrisberg. Dieser versuchte eine Ansprache zu halten, wurde aber von der Polizei darauf aufmerksam gemacht, daß dies den Bestimmungen des Bannmeilengesetzes widerspreche. Als der Redner trotzdem weitersprach, forderte ihn ein Schuhmann auf, mit auf die Wache zu kommen. General D. Wrisberg folgte dieser Aufforderung, brach aber nach 20 Metern dann plötzlich zusammen. In der Charité fonnte nur noch sein Ton durch Schlaganfall festgestellt werden.- General v. Wrisberg ist der großen Oeffentlichkeit aus vielen Reichstagsdebatten bekannt geworden. Er trat dort als Abteilungschef des preußischen Kriegsministeriums häufig hervor und war um seiner fonzi lianten Haltung willen sehr geschätzt. Der Landtag von Medlenburg- Schwerin beschloß einstimmig, sich aufzulösen. Die Neuwahlen sind auf den 22. Mai angesetzt. # Das deutsch- französische Handelsabkommen unterzeichnet. Paris, 1. April. Das provisorische Handelsabkommen zwischen Frankreich und Deutschland ist gestern von Briand und Bokanowsky einerseits und dem deutschen Botschafter von Hösch andererseits unterzeichnet worden. Das Abkommen verlängert das provisorische Handelsabkommen bis zum 30. Juni. Letzteres enthält gleichzeitig ein Spezialablommen über alle Fragen der Einfuhr der französischen Weine, deren Einfuhrkontingent auf 70 000 Hektoliter festgesetzt wird und zwar für die Zeit zwischen dem 11. April und 30. Juni ds. Js. Diese französischen Weine werden den gleichen Zolltarifen unterworfen sein, die spanische und italienische Weine in Deutschland genießen. In dem Abtommen sind ebenfalls andere Spezialfragen, die sich auf das Elsaß und die Saar beziehen, geregelt. Italienische Soldaten, Waffen und Munition in Albanien. Am 20. März landeten 6000 feldmarschmäßig ausgerüstete italienische Soldaten nahe Stutari. Sie führten sieben Panzerautos mit sich und halten in der Umgebung von Skutari dauernd Gefechtsübungen ab. In Durazzo wurden 40 Gebirgs fanonen, 4 weittragende Kanonen und 50 Lastautos und noch weiteres andere Kriegsmaterial, sowie große Mengen Munition ausgeladen. Gleichfalls wurden 20 000 italienische Uniformen nach Stutari gesandt, die wahrscheinlich für die jüngst mobilisierten albanischen Truppen bestimmt sind. 6 italienische Kriegsschiffe hätten in der Nähe von Valona Anker geworfen. Die albanischen Truppen wurden mit zahlreichen Maschinengewehren versehen. 40 italienische Offiziere in Zivil sind als Instrukteure der albanischen Formationen tätig. In Stutari selbst haben italienische Offiziere das Kommando über das dortige albanische Bataillon übernommen. Vor Stutari werden ausgedehnte Befestigungsarbeiten unter Leitung von italienischen Ingenieuren vorgenommen, nach deren Weisungen auch die militärischen Straßen ausgebaut werden. Todesurteile in Albanien. Stutari, 31. März. Wie die hiesige Zeitung„ Liria Kombetare" meldet, hat das Kriegsgericht von Stutari wegen des nordalbanischen Aufstandes gegen Achmed Bei Zogu im November des vergangenen Jahres 15 Angeklagte zum Tode und 321 Angeklagte zu Strafen von zusammen 1598 Jahren verurteilt. Weitere 14 Angeklagte, denen es gelungen war, ins Aus land zu flüchten, wurden in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Gegen 26 Personen ist das Anklageverfahren noch nicht durch Urteil abgeschlossen. Drud. Verlag und Expedition: Gießen, Südanlage 21 Fernsprecher Nr. 1362 Postschecktonto Nr. 8437 Amt Frankfurt a. M. Samstag, den 2. April 1927. Wochenrückblick. Nachdem die Kantonarmee Schanghai eingenommen hat, will sie weiter ihren Vormarsch auf Peking fortjeßen, um die dortige Regierung entweder zu zwingen, sich ihren Zielen anzupassen oder sie zu stürzen. In Schanghai selbst geht es drunter und drüber. Bei einem ernstlichen Angriff der Chinesen wären die ausländischen Niederlassungen kaum zu halten. Man sucht nun mit Hilfe zahlreicher Flugzeuge, die im Falle eines Kampjes mit Luftbombardement drohen, die Chinesen zu erschrecken. Die Kantonregierung hat erklären las sen, daß sie nicht beabsichtige, gegen die Fremdenniederlassungen vorzugehen, im Gegenteil bedauere sie die Zwischenfälle in Ranting, bei denen die Nordtruppen die Ursache seien. Der Konflikt Italien und Jugoslawien zieht sich in die Länge. Obwohl die europäischen Mächte bald einmal in Rom, dann wieder in Belgrad intervenieren, scheinen beide Staaten ihre eigenen Wege gehen zu wollen. Der Krieg liegt dort sozusagen in der Luft; die kriegerische Stimmung ist durch den Zanfapfel Albanien hervorgerufen, schon vor dem Weltfriege ein Schmerzenskind Europas. Damals versuchte man mit einem deutschen Fürsten das Experiment der Kultivierung der kriegerischen albanischen Gebirgs: stämme, das gründlich mißlang. Heute ist es kaum anders. Der wichtige Küstenstreifen ist ein begehrenswertes Objekt sowohl für Italien wie für Jugoslawien. Italien konnte außerdem die Gelegenheit benützen, seine friegsluftigen Untertanen von inneren Verwidlungen abzulenten. Zwischen Holland und Belgien ist ebenfalls eine tiefe Verstimmung eingetreten. Man wollte die Scheldemündung so halb internationalisieren. Belgien, das den größeren Vorteil davon hätte, hat schon im vergangenen Jahre dem Vertragsentwurf zugestimmt, die holländische Kammer hat ihn aber mit einer starken Mehrheit abgelehnt, da es im Falle triegerischer Verwicklungen, bei denen nach dem Vertrag die Schelde von belgischen Kriegsschiffen benützt werden könnte, für seine Neutralität fürchtete. In der Genfer Abrüstungsdebatte hat Graf Bernstoff, der Vertreter Deutschlands, mannhafte Worte gefunden, in denen er den Staaten zeigte, wie sie die im Versailler Vertrag gegebenen Grundlagen einer Abrüstung zu ihren Gunsten verdrehten. Das bat natürlich schiefe Gesichter und schwere Wortkämpfe gegeben. Der Reichskanzler Dr. Marr hat in der Besakungsfrage ernste Worte gesprochen. Gegenüber 26 deutschen Garnisonen vor dem Kriege gibt es noch immer heute, 1 Jahre nach Locarno, 115 Garnisonen der alliierten Truppen. 9364 Wohnungen sind beschlagnahmt, von denen in der zweiten Hälfte 1926 600 zurügegeben wurden. Für die Besatzung wurden insgesamt 7 786 Woh nungen errichtet, für die deutsche Bevölkerung nur 4 084. Die Zahlen reden eine deutliche Sprache. Es wäre tatsächlich an der Zeit, daß endlich einmal einschneidende Aenderungen mit dem Endziel völliger Freiheit, einträten. In Wien fand eine glanzvolle Kundgebung anläßlich des 100jährigen Todestages des großen deutschen Komponisten Ludwig van Beethoven statt Die vorbereitenden Arbeiten eines Verwaltungsreform: gesetzes in Hessen sind soweit gediehen, daß Teile daraus in Kürze dem Landtag zugehen. Eine Werbewoche für das Deutschtum im Auslande wird in Hessen im Monat Mai veranstaltet. In Mainz fand am 26. 3. eine große öffentliche Bestalozzifeier in der überfüllten Stadthalle, die ca. 7000 Personen faßt. statt, bei der der badische Staatspräsident a. D., Prof. Hellpach, die Festrede hielt. Am 1. April wird in Berlin ein großzügig angelegter Hessenabend veranstaltet, bei dem der Oberbürgermeister von Mainz, Dr. Külb, die Grüße des besetzten Hessen überbringen wird. - - Zum Abkommen zwischen Reichslandbund und Reichsverband des deutschen Handwerks. Das zwischen dem Reichslandbund und dem Reichsverband des deutschen Handwerks geschlossene Abkommen über eine Arbeitsgemeinschaft hat in den Tageszeitungen teilweise eine starke Kritik gefunden. Es sei festgestellt, daß mit dem Abkom men politische Motive u. Absichten nicht verbunden sind. Der Reichsverband des deutschen Handwerks hat in absolut einwandfreier und flarer Linie von Anfang an den Grundsatz der parteipolitijchen Neutralität nicht nur auf sein Programm gesetzt, sondern auch strikte innegehalten. Beide Teile sichern sich übrigens durch das Abkommen volle wirtschafts- und staatspolitische Bewegungsfreiheit zu. Zur Zeit, als die Konkurrenz durch die landwirtschaftlichen Genossenschaften sich gegenüber dem Handwert am stärksten bemertbar machte, war zwischen dem Reichsverband des deutschen Handwerks und der deutschen Landwirtschaft die Errichtung einer Schiedsstelle veranlaßt worden, die sich an die Unternehmer- Abteilung des Reichswirtschaftsrats anlehnte. An dieser Schiedsstelle waren auf seiten der Landwirtschaft beteiligt Vertreter des Landwirtschaftsrats, des Reichslandbundes und der Vereinigung der Bauernvereine. Der Versuch, durch eine zentrale Schiedsstelle die Streitigkeiten zwischen Landwirtschaft und Handwerk zu bereinigen, ist damals ge= ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreise: die 30mm breite Petitzeile auswärts 24 Pfg. Total 12 Pfg., die 90 mm breite Reflame- Petitzeile 96 Pig. Platz vorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Rabatt, für Bollklischee- Anzeigen außerdem besondere Ermäßigung. Nr. 14. Vom Wesen des Staates. Von Edwin Hamburger= Staden. Mit den folgenden Zeilen will ich mich besonders an solche wenden, welche sich neu mit Politik beschäf= tigen. Wer politisch tätig sein will, der muß einen flaren Begriff vom Wesen des Staates haben. Wie kann man denn von den notwendigen Bedürfnissen cines Staatsoanzen reden, wenn man nicht dieses große Gebilde, das man Staat nennt, überschaut. Häufig liest und hört man auch Verwechslungen zwischen dem, was man Staat nennt und dem, was Volk zu nennen ist. Wie wenige sind sich ganz klar bewußt, daß dies scharfe Unterschiede sind. Es ist nötig, den Staat einmal vom Standpunkte der Biologie aus zu betrachten. Da möchte ich unsere Freunde zu ihrem eigenen Studium oder auch zur Lettüre bei Vereinszusammenkünfte aufmerksam machen auf eine als Sonderheft der Zeitschrift„ Deutsche Rundschau" im Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin im Jahre 1920 von dem Biologen Professor Dr. H. c. Jakob von Uexküll verfaßte Arbeit.„ Staatsbiologie" ist sie benannt. Der Name sagt schon, wovon das Schriftchen handelt. Im ersten Abschnitt führt uns der Verfasser hinein in den Bauplan des Staates. Wir lernen, daß der Staat ein naturnotwendiges Gefüge ist und seine ganz ist aufgebaut durch eine Menge von Menschen, welche bestimmte ihn aufbauende Ordnung besitzt. Der Staat nicht allein für sich leben und arbeiten, sondern in ihrer Tätigkeit Ketten bilden, wobei ein Glied dem anderen in die Hände arbeitet. Eine solche Kette bilden die Erzeugnungsorgane. Vom Ader, wo die Lebensmittel wachsen bis hin zum Dorfe, wo sie als Nahrung dienen, verläuft eine Kette von Menschen, welche den Stoff beWeg dar, den die Kornähre ehmen muß, um vom Felde arbeiten und formen. Bildlich stellt der Verfasser den zur Dreschmaschine zu gelangen, den weiter die Körner zur Mühle nehmen, das Mehl zum Bäder gelangt und dann als Badwerk in die Häuser des Dorfes kommt. Die Naturnotwendigkeit, mit der diese Tätigkeit vor ich geht und bestimmten Regeln folgt, drüdt die erakte Biologie mit der Bezeichnung ,, Funktion" aus. Was nun alles zu den Funktionen der Staatsorgane gehört, merkt man, wenn man sich flar macht, wie jedes Mitglied eines Volkes sowohl Mitarbeiter als auch Genießer der Früchte des Staates ist. Der Verfasser weist darauf hin, daß die Arbeitsleistung des einzelnen für den Staat in feinem Verhältnis steht zu dem Reichtum der Gegengaben durch den Staat. Ein näheres Eingehen müssen wir uns aus Raummangel persagen und es bei diesem Hinweis beruhen lassen. Wir gehen weiter und finden als zweites Staatsorgan das Tauschmittelorgan. Bei primitiven Staaten findet dar Austausch der Gegenstände unmittelbar statt. Kleidung des Kleidererzeugers ein. Bei weiter ausge Der Nahrungserzeuger tauscht die Nahrung gegen die bildeten Staatsorganen ist ein allgemein anerkanntes Tauschmittel eingeführt, das jedem die Möglichkeit setzen, oder einen notwendigen Gegenstand einzutau bietet, sein Erzeugnis gegen dieses Tauschmittel umzuschen. Dabei besteht zwischen Leistung und Gegenleistung ein festes Verhältnis. Für die Innehaltung dieses Verhältnisses sorgt der durch das Tauschmittel ausgedrüdte Preis. Der Peis wieder regelt sich nach der Menge der Erzeugung. Tritt eine Uebererzeugung eines Gegenstandes ein, dann sinkt dieser Preis, trift eine Untererzeugung ein, so steigt er. Dieses Tauschmittel durchflutet nun ein ganzes Staatswesen bis in die feinsten Teilchen. Haben wir oben von einer Kette der Erzeugungsorgane gesprochen, welche sich in einer bestimmten Richtung bewegt, so fließt das Tauschmittel in umgekehrter Richtung. Um das Tauschmittel in Fluß zu halten und für den notwendigen Ausgleich zu sorgen, sind hier und da Sammelstellen eingeschaltet, die den Umlauf erleichtern, die fleinen und groen Banken. Dem Verfasser gelingt es, durch die graphische Darstellung der Staatsorgane und der Tauschmitteladern ein Bild vom Staatstörfer zu entwerfen. Dieser Staatstörper verlangt allerdings seine Ordnung, d. h. es muß wiederum ein Organ da sein, welches dafür sorgt, daß alle Organe ihre Funktionen verrichten. Professor von Uerfüll nennt sie Ordnungsorgane. In Tätigkeit dieser Organe vor. Der Stationschef einer Eisenbahnstation hat nicht dafür zu sorgen, daß die Züge sich bewegen, sondern er hat nur dafür zu sorgen, wie sie sich nach einer bestimmten zeitlichen Regel bemegen. Er bringt also in das scheinbar wirre Ein- und Ausfahren der Züge nach einer ihm wieder vorgeschriebenen Zeiteinteilung Ordnung hinein. Da jedoch dieser Stationschef nur über einen beschränkten Kreis seine ordnende Macht ausüben kann, an sein Machtbereich andere Machtbereiche seiner Amtsgenossen grenzen, muß dafür gesorgt werden, daß an den Grenzstellen feine Unordnung eintritt. Deshalb sind für größere Bezirke Mittelpunkte eingerichtet, denen die Ueber Sonnabend, den 2. April 1927. wachung mehrerer Teilbezirke obliegt. Schließlich gipfeln sämtliche Eisenbahnbezirke in einer Zentralstelle, dem Eisenbahnminister. Genau so ist auch das Ordnungsorgan eines Staates eingerichtet. Auch bei dem Staate gipfeln alle, die Funktionen ordnenden Organe, in einem Zentrum. Dieses Staatsoberhaupt tann den Namen eines KaiFür den jers, Königs oder Präsidenten tragen. Staatsorganismus ist der Name ganz gleichgültig.. Wie der Körper eines Lebewesens Nerven besitzt, die im Nervenzentrum, dem Gehirne, endigen, so hat jeder Staat Fühlfäden- ebenfalls Menschenketten welche ihn mit Nachbarstaaten verbinden und im Staatszentrum endigen. Wir erkennen demnach auch im Staatsorganismus eine Analogie mit den bewegenden und den fühlenden Nerven eines Lebewesens. Das Beamtentum des Staates ist als Ordnunasorgan dem Nervensystem eines Tieres zu vergleichen. Die Obrig: teit gewährleistet die Ordnung im Staate. Ein Staat ohne Obrigkeit ist so unmöglich wie ein Tier ohne Nervensystem. Damit seien die Gedanken des Verfoliers über die Anatomie des Staates furz dargestellt. Im Folgenden wenden wir uns der Betriebslehre oder der Physiologie des Staates zu. Fortjehung folgt. scheitert. Dagegen hat sich der Berjuch örtlicher Verhandlungen von Fall zu Fall als aussichtsreicher erwiesen. Nach den Er fahrungen, die in den Verhandlungen mit der ersten Schiedsstelle gemacht werden konnten, fommen für solche örtlichen Ver handlungen in erster Linie die Landbünde in Frage. So ist es gekommen, daß sich der Reichsverband des deutschen Handwerts zunächst an den Reichslandbund gewendet hat, um mit diesem zu einem Abkommen über wirtschaftspolitische Verstän= bigung zu gelangen. Mit dem deutschen Bauernbund und den christlichen Bauernvereinen find gleiche Verhandlungen eingeleitet worden, damit allmählich alle im Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft beteiligten Vertretungen dieses Berufsstandes in ein wirtschaftlich- friedliches Abkommen mit dem Handwerk einbezogen werden fönnen. Dem Abschluß des Abkommens hat der Vorstand des Reichsverbandes seine Zustimmung erteilt. Sozialreaktionäre Maßnahmen sind von dem Bündnis zwischen Landwirtschaft und Handwerk ebenfalls nicht zu erwarten. Der Reichsverband des deutschen Handwerts hat als erster von den wirtschaftlichen Spitzenverbänden den Grundsatz einer berufsständischen Zujammenarbeit zwischen den Meistern und Gesellen im Handwerf vertreten. Der Reichsverband lehnt die schematische Uebertragung des Arbeitsverhältnisses, wie es in der Industrie besteht, auf das Handwert ab und ebenso die entsprechende arbeitsrechtliche Schematisierung. Dieses Verlangen nach objektiver Anordnung der arbeitsrechtlichen Sonderverhältnisse im Handwerk kann nicht als reaktionäre Sozialpolitik bezeichnet werden. Der Reichsverband des deutschen Handwerks denkt ebensowenig daran, ein Bündnis mit der Landwirtschaft abzuschließen, das seine Spitze gegen die Industrie richtet. Ebenso wie der Reichsverband die Landwirtschaft als einen wichtigen Abnehmer für die Erzeugnisse des Handwerks und als wichtigen Lieferanten für Rohstoffe des Handwerks zu würdigen weiß, ebenso hat er sich bisher der gleichen Bedeutung der Industrie für das Handwerk noch nicht verschlossen. Deswegen arbeitet der Reichsverband des deutschen Handwerks auf das engste mit dem Reichsverband der deutschen Industrie zusammen. Man wird sich in dem Lager der Kritiker des Abkommens zwischen Reichslandbund und Reichsverband des deutschen Handwerks damit abfinden müssen, daß der Reichsverband des deutschen Handwerks eben eine selbständige Politik treibt, die ausschließ lich durch die Vertretung der Interessen des Handwerks diktiert wird, die aber gleichzeitig sich dem notwendigen Ausgleich der Interessen zwischen den wirtschaftlichen Berufsständen nicht verschließt. In diesem Zusammenhang sei endlich noch bemerkt, Ein freundliches Wort. In einem Badeort war in einer Verkaufsbude ein junges Mädchen als Verkäuferin angestellt. Jedermann hatte sie gern um ihres gefälligen, heiteren Wesens willen. Eine christliche Frau hatte schon manches bei ihr gekauft und sie liebgewonnen. Heute jedoch eilte sie rasch an der Bude vorüber, bemerkte aber doch, wie die Verkäuferin, den Kopf in die Hände gestützt, bitterlich weinend in einer Ecke saß. Wohl mahnte sie ihr mitleidiges Herz, dem jungen Mädchen einige teilnehmende Worte zu sagen; allein es war ein gemeinschaftlicher Ausflug verab= redet, die Freundinnen warteten, sie durfte nicht zu spät fom= men. Rechtzeitig traf sie ein, aber das Bild der Weinenden ließ den ganzen Nachmittag keine fröhliche Stimmung in ihr aufkommen. Aber was war das für ein Auflauf auf der Straße, als sie endlich abends müde und unbefriedigt heimlehrte? Die Polizei brachte eben eine Leiche, die im Fluß aufgefangen worden war. Die Dame erkannte sofort tief erschüttert die Züge der jungen Verkäuferin. Ein böser Verdacht, der auf dieselbe gefallen war, hatte sie zu diesem Schritt der Verzweiflung getrieben eine offene Aussprache, ein guter Rat hätte sie wahrscheinlich retten können; aber es war zu spät. O, wenn du jemand weinen siehst, Oft ist's ein kleines Leid, Das dir zu lindern möglich ist Durch wenig Freundlichkeit. Oft unter seinem Kreuze bricht Zusammen fast ein Herz. Du fannst es trösten, gehe nicht Vorüber an dem Schmerz. Weißt du, wie wohl ein liebes Wort Oft tut zur rechten Zeit? Die Bitterfeit nimmt sanft es fort, Erleichtert jedes Leid. Ja, selbst vor der Verzweiflung bat Solch Wort gerettet schon. Ein gutes Wort find't gute Statt Und trägt in sich den Lohn. ,, Gießener Zeitung" daß der Abschluß eines gleichen Abkommens auch mit der Sauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels bevorsteht. Arbeitsmarttlage und Erwerbslosigkeit in Hessen, Hessen- Nassau und Walded im Monat März 1927. Das Landesamt für Arbeitsvermittlung in Frankfurt a. M. teilt mit: Im Verlaufe des Monats März hat sich die Arbeitsmarkt: lage im Landesamtsbezirk merklich gebessert. Infolgedessen ist die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Erwerbslojenjürsorge am 15. 3. um 18 907 auf 101 531( am 15. 2. 120 438), 15,7 v. H. gejunten. Auch die Zunahme der aus Mitteln der Krisenfürsorge unterstützten Erwerbslosen ist geringer geworden. Von den insgesamt 121 190 Hauptunterstützungs empfängern in der Erwerbslosen- und Krisenfürsorge am 15.3. entfallen auf 1000 Einwohner im Regierungsbezirk Kassel 31,0, im Reg.- Bez. Wisbaden 29,6, im Freistaat Hessen 36,2, im Kreis Weglar 21,2 und im Freistaat Walded 4,8. Von den Außenberufen ist besonders die Landwirtschaft und das Baugewerbe in den letzten Märzwochen verstärkt aufnahmefähig gewesen. In fait allen anderen Gewerbezweigen ist gleichfalls eine Belebung des Arbeitsmarktes zu verzeichnen, die Zahl der Arbeitsuchenden in der Steinindustrie, im Metallgewerbe( Autound Fahrradindustrie), im Holz- und Bekleidungsgewerbe geht von Woche zu Woche ständig zurüd. Ungelernten Arbeitsträften ist besonders als Bauhilfsarbeiter und als Zeitarbeiter bei der Reichsbahn vermehrte Arbeitsgelegenheit geboten. Die Zahl der bei Rotstandsarbeiten beschäftigten Personen ist gleich: falls beträchtlich, und zwar von 14 114 am 15. 2. auf 17 936 am 15. 3. gestiegen. Die Steuerbelastung in Deutschland. ( Nach dem„ Berliner Börsen- Courier".) Die steuerliche Belastung der deutschen Privathaushaltungen vor dem Kriege und nach der Inflation ist der Inhalt einer sehr tüchtigen Arbeit, welche eben von Dr. Herbert Conrad, Cherregierungsrat im Landesfinanzamt Kassel, und von Privatdozent Dr. Friedrich Raab, Vorstand der Arbeitsstätte für sachliche Politik", veröffentlicht worden ist. Es handelt sich um die tatsächliche Erfassung der gesamten Steuerbelastung in einer einzigen, auf die Konjumkraft bezogenen Zahl, welche auf den einzelnen Deutschen je nach Verschiedenheit seines Einkommens und seines Berufes entfällt. Die verschiedenen Steuern find in der Art ihrer Erhebung und in ihrer individuellen Aus- und Rüdwirkung ganz verschieden. Sie alle auf einen gemeinsamen Renner zu bringen, auf den Renner der Schwächung der Konsumkraft des Einzelnen, ist eine schwierige Aufgabe, welche ganz befriedigend zu lösen wohl unmöglich ist. Aber soweit die Aufgabe gelöst werden kann, ist wohl diese Lösung in dem vorliegenden Bändchen durchgeführt; die Arbeit ist in der technischen Ausarbeitung von großer Gewissenhaftigkeit im Detail. Die Durchschnitts- Steuerbelastung, bezogen auf das gesamte Einkommen, betrug nach den Berechnungen von Conrad und Raab für 1913 10,5 Proz., dagegen für 1925 22,4 Proz., und dies war bereits ein wesentlicher Rüdgang gegenüber 1924 mit 24,1 Proz. Die gesamte Abgabenbelastung ist gegenüber der Vorkriegszeit, also nunmehr die absoluten Zahlen der Abgabensteigerung verglichen, auf das 2,82fache gestiegen. Die Steigerung des nominalen Volkseinkommens( von 42,5 Milliarden Mart 1913 auf 45 Milliarden RM. 1925), bezogen auf eine kleinere Bevölkerungszahl, erklärt die Tatsache, daß die absolute Steigerung der Steuerlast von 4,4 Milliarden Mt. 1913 auf 9,8 Milliarden RM. 1925 größer ist, als die Steigerung der durchschnittlichen Belastung der Einkommen. %% des gesamten Volkseinkommens werden also gegenwärtig durch Steuern, d. h. durch die öffentlichen Körperschaften reabsorbiert. Besonders interessiert das Verhältnis der direkten zu den indirekten Steuern. Die Bedeutung der Einkommensteuer im Gesamtsteuersystem, also relativ zum Gesamtsteueraufkommen, ist, wenn man allein von der ärmeren Landbevölkerung absieht, Gehst du vorüber an dem Schmerz, Der dir begegnen mag, Vielleicht verschließest du dein Herz Folgt dir die Reue nach. Wie schmerzlich ist es, wenn fortan Der Vorwurf mit dir geht: Vielleicht hätt' es ein Wort getan, Doch nun ist es zu spät! ( Blätter aus dem Stuttgarter Diakonissenhaus. Vom Grüßen. Warum fällt manchen Menschen das Grüßen so schwer? Da sind ein paar Leute, die sich mir wegen Kleinigkeiten verpflichtet fühlen mögen, die mir jedesmal leid tun, wenn ich sie von fern sehe. Wie mögen sie es wohl diesmal anstellen, um ihren Hut nicht rüden zu müssen? Gern würde ich ihnen die Verlegenheit ersparen und zuerst den Hut ziehen. Aber das geht nicht. Sie starren wie hypnotisiert in ein Schaufenster oder drehen sich um und blicken jemand nach, als ob sie ihn durch und durch schauen wollten. Einer von ihnen rennt sogar immer in einen Hausgang. In diesen Fällen kann man noch eine Erklärung finden. Es ist ein peinlich empfundenes Dankgefühl. Diesem Mißbehagen will man ausweichen, dadurch, daß man nicht hinschaut. Völlig unerklärlich wird die Sache jedoch, wenn man Menschen begegnet, die man kennt, ohne daß ein Dank- oder Schuld= gefühl sich störend einmischt, die ungefähr gleich viel" sind wie wir, wo teiner mehr" ist als der andere. Vom Moment des Erblidens bis zum Greifen nach dem Huf spielt sich da oft ein Miniaturdrama ab in bligartigem Wechsel von Furcht und Hoffnung, bei dem die Gesichtsmaste die entscheidende Rolle spielt, Furcht sich etwas zu vergeben und Hoffnung geehrt zu werden lassen, da oft im Augenblid wahre physiognomische Kabinettstücke entstehen. Es ist das Geltungsbedürfnis, der Kampf um die soziale Rangstufe, der hier in der symbolischen Handlung des Grußes ausgekämpft wird. Da geht es zu wie im Krieg. Man sucht die wahren Absichten des Gegners durch Verstellung und List zu erforschen; man zwingt ihn Farbe zu bekennen. Da wird gearbeitet mit Ueberrumplung, mit Scheinangriff"( des Nr. 14. Sonnabend, den 2. April 1927. fällt gegenüber der Steigerung feines Einfor Danon abgefehen ergibt sich aber, daß selbst b rung der steuerlichen Belastung, wie sie vor d Gintommensgrenze des Regierungsrats befta pittig nicht mehr vorhanden ist; der ungelern einen größeren Teil feines Gintommens an Gt gierungsrat und der Volksschullehrer, und größeren Teil als der gelernte Schlosser. Aud geringes Einkommen in der Nachkriegszeit wird, zablt immer noch sehr viel mehr als der Re der Boltsschullehrer. Ueberhaupt tritt in beid die tatsächliche Steuerliche Bevorzugung der im öf befindlichen Personen klar hervor. Ferner ist es Der Arzt, dem es gegenwärtig schlecht geht, etwa mie der Bankdirektor. überall zurüdgegangen, selbst in der Klasse der Reichen mit über 100 000 RM. Einkommen, welche, absolut gesprochen, das Drei bis Vierfache und im Verhältnis zu ihrem Einkommen, das Zweieinhalb bis Dreifache an Einkommensteuern zu zahlen haben. Weitaus am stärksten gestiegen sind die Grund- und Gebäudesteuern, in denen sich bekanntlich die fiskalische Staatshoheit an die Stelle des Privateigentums am Hausbesig zum großen Teil gejezt hat. Gewerbe- und Verkehrssteuern sind im Verhältnis zum Gesamtsteuerauftommen ziemlich unverändert geblieben, mit Ausnahme der Umsatzsteuer, welche allerdings sehr erheblich ins Gewicht fällt, welche sich aber auch in beson derem Maße zur Abwälzung auf den Konsum eignet und fast jogar zu einer verstärkten Abwälzung gerade gegenüber dem Kleineinfäufer einladet. Sehr start zurüdgegangen ist dagegen die relative Belastung durch Zölle auf etwa ein Drittel bis ein Viertel der Vorkriegszeitverhältnisse und auch der Be laftungsanteil durch die Verbrauchssteuern ist start zurüdgegan gen, wenn auch nicht im gleichen Umfange wie bei den Zöllen. Der Nachweis des Rüdgangs des Belastungsanteils durch Zölle und Verbrauchssteuern widerspricht der herrschenden Auffassung. daß gerade durch Zölle und Verbrauchssteuern eine stärkere Belastung der kleinen Einkommen herbeigeführt worden sei; diese ist vielmehr bedingt durch die höheren Grund- und Gebäudesteuern und durch die Umsatzsteuer. Die in den Großstädten lebende Bevölkerung var mehr für die städtische Verwaltung als für als für die Landesverwaltung. Aber das Ver Seich und Ländern hat sich wesentlich zu Ungun wtichoben. Und nun die allgemeinen Folgerungen, w zieht. Abgesehen davon, daß die steuerliche haupt viel zu hoch ist, tritt die soziale Unzu gegenwärtigen Steuerverteilung klar zutage, valles Verständnis dafür hat, daß vom reine punkt aus gewisse wirtschaftlich produktive J nicht ganz richtig erfaßt werden können. Goziale liegt nicht nur in der relativ zu hohen Belastu Einkommen, sondern auch vor allem in der viel tung der Familien mit Kindern. Es ist s de diese pro Einheit des Einkommens geringer belastet sein sollten als die Ledigen oder die Ver Kinder. Wie dies zu geschehen hat, ist eine Schließlich betont die Arbeit mit Recht, daß ähnlich unbefriedigenden Ergebnis auch offe jehr viel einfacheren Steuergesetzgebung gelang Wir haben eben die Zahlen für die Durchschnittsbelastung des deutschen Bürgers gegeben. Wie stellt sich aber die Belastung für die verschiedenen Berufsstände und Einkommentlassen? Wir stellen die Ergebnisse der Arbeit in der folgenden Tabelle zu sammen. Die Zahlen beziehen sich auf einen verheirateten Ar beiter in einer Mittelstadt, soweit wir nicht im Text eine andere Angabe machen. Die für die Familie angenommene Kinder zahl hat die Arbeit nun allerdings sehr verschieden gefaßt; fie gibt im allgemeinen der Familie zwei Kinder; aber der ge lernte Arbeiter gelernter Schlosserhat acht Kinder, wo von zwei über 14 Jahre sind; der Billenbefizer, in seinem früheren Leben Hotelbesitzer, ist kinderlos, und die Kleinrentnerin ist verwitwet. Die Steuerbelastung auf das Gesamt einkommen betrug beim: ungelernten Arbeiter gelernten Arbeiter ( Schlosser) Buchhalter Regierungsrat 1913 1925 Proz. Proz. 9,67 25,52 10,24 23,69 11,49 26,08( Großstadt) 10,01 24,23 Volksschullehrer 8,05 25,28( Großstadt) Arzt 11,83 28,14( Großstadt) Bankdirektor 14,18 28,92 1913 1925 Kleinrentnerin 15,24 Billenbesitzer 15,00 66,31 Großvermögensbesitzer 16,46 44,33 Bei dieser Tabelle fällt der Volksschullehrer aus dem Ge samtbilde heraus. Bei ihm ist zu berücksichtgen, daß er heute viel besser gestellt ist als vor dem Kriege, so daß gerade bei ihm die Steigerung der steuerlichen Belastung nicht ins Gewicht SCHIEL Mit dem Gelde auskommen ist nicht leicht. Die Hausfrau, welche sich für das leibliche Wohlergehen der ganzen Familie verantwortlich fühlt, tischt deshalb öfter einen guten Oetker- Pudding at Sol nahrṇafter und wohlschmeckender Oetker- Pudding wird von alt und jung gern gegessen. Die Zubereitung nach beigegebenen Asweisungen ist sehr einfach. Infolge des hohen Nährwertes kann an anderer Stelle gespart werden. Versuchen Sie einmal Dr. Oetker's Gala- Schokoladen- Puddingpulver zu 15 Pl. Etwas Besseres gibt es nicht. Beliebte Rezepte für Süß- und Gelee- Speisen sind in dem neuen farb. illustr. Rezeptbuch, Ausg. F. enthalten. das Sie für 15 Pf. in den Geschäften bekommen, wenn vergr., geg. Einsendz. von Marken von Dr. A. Oetker, Bielefeld. Ladenverk. Pr.: Backp. Backin" i St. 10 Pf 3 St. 25 Pf., Puddingp. Vanille- Mandel 10Pf.. Vanillin- Zucker 5 Pi, Vanille- Soßenpulver 5 Pl., Gala- Schokoladen- Padding pulver 15 Pf., Schokolades speise mit gehackten Mandela 25 Pf., Gustin 225 g 35 Pt. Hutes), der den gegnerischen Hut zum Weichen bringen soll. Oder man versucht durch ein Lächeln oder Nicen den gegnerischen Hut um den Bruchteil einer Sefunde eher in Bewegung zu setzen als den eigenen. Es kommt auch oft so, daß beide hart nädig bleiben, sich gegenseitig anstarren und ohne Gruß mitein ander zu reden anfangen. Meist beginnt das Gespräch dann mit einem„ Na?" Dieses„ Na?" kann gedeutet werden als ,, Du kannst wohl nicht zuerst grüßen?" oder als„ Wie gehts?" Dieser Kampf ist jedoch unentschieden. Der wird das nächste Mal wieder ausgefochten. Da gibt es Menschen, die sich früher einmal tannten. Sie verkehrten jahrelang nur noch in der stummen Sprache des Grußes. Es ist aber keine lebendige Beziehung mehr darin. Die jedesmalige Begegnung stellt sie vor die Frage: Wollen wir weitermachen?" Und sie machen weiter, aber nicht gern. Das ist der„ sauer" gewordene Gruß, sauer in doppelter Bedeutung. " Das Auf- den- Gruß- warten" tann oft inpertinente Formen annehmen. Ein solches Grußdrama fand einmal folgenden Abschluß. Der, der immer zuerst grüßte, ließ es auf einmal darauf ankommen, da war der andere ganz starr und grüßte dann ironisch in so übertriebener Weise, daß sie von da ab sich über haupt nicht mehr anschauten. Ich fannte ein wahres Grußgenie, einen Virtuosen der sozialen Abstufung des Grußes vom unscheinbaren Lüften bis zum Hutziehen bis zur Erde. Dieser Mann trug in sich einen unsichtbaren, aber genauen Maßstab für die soziale Enschätzung. War ein ihm Begegnender in eine höhere Gehaltsklasse gekommen, hatte er eine Erbschaft gemacht, eine Beförderung oder Ehrung erfahren, so drückte sich das mathe matisch genau in der Spannweite seines Grußes aus. Aber auch soziale Wertverminderungen zeigte dieser Seismograph untrüglich an. Wie alles so ist heute auch der Gruß vielfach entjeelt und mechanisiert. Früher sagte man„ Gott zum Gruß!" oder„ Grüß Gott!" Herrlicheres gibt es nicht als diese Begrüßung zwischen zwei Menschen, auch nichts Herzlicheres. Heute bekommt man meist„ Den Teufel zum Gruß". Mit Heuchelei, Uebelnehmerei, Impertinenz, Liebedienerei, Hoffart und noch vielen anderen schönen Dingen ähnlicher Art hat der Feind den Gruß zu infiDie vorstehend besprochene Arbeit der beide mit erschredender Deutlichkeit, in recht un habem Maße der Hausbesitz( in der Tabelle if befiz angeführt, der Maßstab gilt jedoch für den desis) in Deutschland belastet ist. Die Belastur diejenige der Großvermögenbefizer um fast ge Daß eine solche Belastung auf die Dauer den finanziell aushöhlen muß, bedarf eines weitere Sollten Regierung und Volksvertreter nicht men, so kann eine Katastrophe im Hausbesitz da unter diesen Umständen nur derjenige noch kann, der in der Lage ist, aus anderen Mi leiften. Aufklärungsfahrt des Oberhessische Club E. V., Gießen am 24. M Wie in früheren Jahren vor dem Krieg Oberbeffische Automobil- Club am 24. März hrt unter Beteiligung von 11 Wagen sein insgesamt 50 Teilnehmern. Zweck der Fahrt Beobachtung und Registrierung aller den G treffenden Vorgänge, wie falsches Ausweiche Seite jahrend, versperrend, schlechte oder feh sowie Verhalten von Fußgängern, Kindern u je zwei Beobachter in jedem Wagen, und an stellung des Zustandes der Straßen und ihre ebenjo Bahnübergänge, ferner des Zustande Orts und Warnungstafeln. Gleichzeitig und zahlreich erschienenen Vertretern der C Brovinzialdirektion und des Kreisamtes, d der Polizei, der Stadtverwaltung, der Sch Dereins, der Radfahrerverbände und des einigten Fuhrwerksbesitzer Gelegenheit geget eigener Anschauung ein Bild von den Ver Der Straße zu machen. Nach kurzer Begri durch den 1. Vorsitzenden, Herr Dr. Gg. G zieren verstanden. Er will immer Feinds Seele und Seele. Unmerklich padt der Fei ihren schwachen Seiten. Im Gruß bekom Menschen dann sich nicht mehr, wie sie vor lollen, sondern wie sie der Teufel will. gegenseitige Achtung haben das Wort dat valität, die Ansprüche des Jch; seine Eitel fionen haben auch diese liebliche Beziehung v vielfach zur Karikatur gemacht. Auch bein ganze Unnatur und Herzensdürre der gotter Seele zum Ausdruck. Für den Christen ist das Grüßen tei lachen über die seltsamen Kapriolen, die Brigens oder Gegrüßtwerdens wegen mach Totheiten wird er erst recht seiner inneren weil er einer völlig andern Wertbestimm weiß, als die ist, welche ein Gruß oder die Derleihen oder verjagen kann. ( Aus dem Evang. Gemeindeblatt Taft. Eine Schulbubengeschicht Es war mittags halb ein Uhr. Der Lat des Ehulhauses hatte große Aehnlichkeit mi draht hoch oben in der Luft, auf den sich Zwitscheroögel gesetzt. Nur daß der Latte der Erde war, und daß darauf lauter munte Man hörte gleich, sie hatten etwas Außer Sprechen und tauschten sich ihre gegenseitige lich vernehmbar aus.„ Unsere Mutter ha trzählt," schrie einer aufgeregt ,,, es ist a Lommt er zum erstenmal wieder in die Sa Selbein bekommen, und damit muß er n herumistelzen. Und ich soll ihm den Apfel Da tann er ja gewiß nicht mehr mit wo er sonst der flintste war, wenn er ein H nimmt wunder, wie das aussicht", meinte ein Nr. 14. tr. 14. selbst in der Klasse der Reichen mit tommen, welche, absolut gesprochen, das Sonnabend, den 2. April 1927. im Verhältnis zu ihrem Einkommen, reifache an Einkommensteuern zu zahlen ärfften gestiegen find die Grund: und n fich bekanntlich die fistalische Staats: es Privateigentums am Hausbesig zum Gewerbe- und Bertfehrssteuern sind im tsteueraufkommen ziemlich unverändert me der Umsatzsteuer, welche allerdings ht fällt, welche sich aber auch in bejon zung auf den Konsum eignet und fast en Abwälzung gerade gegenüber dem Sehr start zurüdgegangen ist dagegen Durch Zölle- auf etwa ein Drittel bis und auch der Be egszeitverhältnisse - Verbrauchssteuern ist start zurüdgegan n gleichen Umfange wie bei den Zöllen. gangs des Belastungsanteils durch Zölle widerspricht der herrschenden Auffassung. und Verbrauchssteuern eine stärtere Be tommen herbeigeführt worden sei; dieje urch die höheren Grund- und Gebäude mjazsteuer. e Zahlen für die Durchschnittsbelastung egeben. Wie stellt sich aber die Belastung rufsstände und Eintommentlassen? Wir er Arbeit in der folgenden Tabelle zus Seziehen sich auf einen verheirateten Ar dt, soweit wir nicht im Text eine andere für die Familie angenommene Kinder n allerdings sehr verschieden gefaßt; fie er Familie zwei Kinder; aber der ge enter Schlosser- hat acht Kinder, wohre sind; der Villenbefizer, in seinem Desizer, ist finderlos, und die kleinDie Steuerbelastung auf das Gesamt 1913 Proz. 1925 Proz iter 9,67 25,52 I 10,24 23,69 11,49 26,08( Großstadt) 10,01 24,23 8,05 25,28( Großstadt) 11,83 28,14( Großstadt) 14,18 28,92 1913 1925 15,24 15,00 66,31 16,46 44,33 fizer fällt der Volksschullehrer aus dem Ge ihm ist zu berücksichtgen, daß er heute s vor dem Kriege, so daß gerade bei teuerlichen Belastung nicht ins Gewicht t dem Gelde auskommen ist nicht leicht. Die Hausfrau, welche sich für das leibliche Wohlergehen der ganzen Familie verant auf, Solch nahroafter wortlich fühlt, tischt Oetker- Pudding deshalb öfter einen guten und wohlschmeckender Oetker- Pudding wird von alt und gern gegessen. Die Zubereitung nach beigegebenen Asungen ist sehr einfach, Infolge des hohen Nährwertes kann Dderer Stelle gespart werden. Versuchen Sie einmal Dr. Oetker's Gala- Schokoladen- Puddingpulver zu 15 P. Etwas Besseres gibt es nicht. Beliebte Rezepte für Süß- und Gelee- Speisen sind in dem neuen farb. illustr. Rezeptbuch, Ausg. F, enthalten. das Sie für 15 Pf. in den Geschäften bekommen, wenn vergr., reg. Ein. Dr. A. Oetker, Bielefeld. sendg. von Marken von Ladenverk.- Pr.: Backp., Backin"| St. 10 PL 3 St. 25 Pf., Puddingp. Vanille- Mandel 10P Vanillin- Zucker 5 Pl., Vanille- Soßenpulver ., Gala- Schokoladen- Pudding pulver 15 Pf., Schokoladen se mit gehackten Mandela 25 Pi., Gustin 225 g 35 P fällt gegenüber der Steigerung seines Einkommens überhaupt. Davon abgesehen ergibt sich aber, daß selbst die geringe Steigerung der steuerlichen Belastung, wie sie vor dem Krieg bis zur Einkommensgrenze des Regierungsrats bestanden hat, gegenwärtig nicht mehr vorhanden ist; der ungelernte Arbeiter zahlt einen größeren Teil seines Einkommens an Steuern als der Regierungsrat und der Volksschullehrer, und selbst noch einen größeren Teil als der gelernte Schlosser. Auch der Arzt, dessen geringes Einkommen in der Nachkriegszeit besonders betont wird, zahlt immer noch sehr viel mehr als der Regierungsrat und der Volksschullehrer. Ueberhaupt tritt in beiden Zahlenreihen die tatsächliche steuerliche Bevorzugung der im öffentlichen Dienst befindlichen Personen flar hervor. Ferner ist es auffallend, daß der Arzt, dem es gegenwärtig schlecht geht, etwa ebensoviel zahlt wie der Bankdirektor. Die in den Großstädten lebende Bevölkerung zahlt nach wie vor mehr für die städtische Verwaltung als für das Reich oder als für die Landesverwaltung. Aber das Verhältnis zwischen Reich und Ländern hat sich wesentlich zu Ungunsten der Länder verschoben. ,, Gießener Zeitung" gen und Anleitungen für die Fahrer und Beobachter durch den Fahrtleiter, Herrn Reg.- Baurat Steinbach, gab der 1. Vorsitzende den erschienenen Gästen einen furzen Ueberblick über 3wed und Ziele der Fahrt für die Gesamtheit der die Straßen Benutzenden und erläuterte furz die zur Zeit schwebenden Fra gen des Baues von Automobilstraßen und deren Aussichten. Und nun die allgemeinen Folgerungen, welche die Arbeit zieht. Abgesehen davon, daß die steuerliche Belastung überhaupt viel zu hoch ist, tritt die soziale Unzulänglichkeit der gegenwärtigen Steuerverteilung flar zutage, auch wenn man volles Verständnis dafür hat, daß vom reinen Konsumftandpuntt aus gewisse wirtschaftlich produttive Interessengruppen nicht ganz richtig erfaßt werden können, Soziale ungerechtigkeit liegt nicht nur in der relativ zu hohen Belastung der niederen Einkommen, sondern auch vor allem in der viel zur starten Belastung der Familien mit Kindern. Es ist selbstverständlich, daß diese pro Einheit des Einkommens geringer und nicht höher belastet sein sollten als die Ledigen oder die Verheirateteen ohne Kinder. Wie dies zu geschehen hat, ist eine andere Frage. Schließlich betont die Arbeit mit Recht, daß man zu einem ähnlich unbefriedigenden Ergebnis auch offenbar mit einer sehr viel einfacheren Steuergesetzgebung gelangen könne. rischen Hut zum Weichen bringen soll. ein Lächeln oder Niden den gegnerischen einer Sekunde eher in Bewegung zu Es kommt auch oft so, daß beide hartseitig anstarren und ohne Gruß mitein gen. Meist beginnt das Gespräch dann ieses ,, Na?" kann gedeutet werden als zuerst grüßen?" oder als„ Wie gehts?" ch unentschieden. Der wird das nächste en. Da gibt es Menschen, die sich früher verkehrten jahrelang nur noch in der Grußes. Es ist aber keine lebendige BeDie jedesmalige Begegnung stellt sie vor r weitermachen?" Und sie machen weiter, g. ist der„ sauer" gewordene Gruß, sauer B- warten" tann oft inpertinente Formen Hierauf begann die Fahrt auf 11 Streden strahlenförmig Don Gießen aus auf je etwa 30 Km., worauf nach Einbruch der Dunkelheit die gleiche Strede bei Beleuchtung zurüdgelegt wurde. Die vorläufige Sichtung der Beobachtungen ergab die Zählung von 1058 Fahrzeugen am Tag und zwar von 464 Fuhr werfen, 454 Fahrrädern, 25 Motorrädern, 24 Lastkraftwagen und 96 Personenkraftwagen. Hiervon fuhren auf der falschen Straßenseite: 32 Fuhrwerfe, 28 Fahrräder und ein Personenfraftwagen; falsch ausgewichen: 1 Fuhrwert und 5 Radfahrer; zu spät ausgewichen: 11 Fuhrwerke und 2 Lastfraftwagen; im Halten die Straße versperrend: 12 Fuhrwerte und 1 Personentraftwagen. Ohne Beleuchtung fuhren 21 Fuhrwerke und 49 Radfahrer(!). Die Gesamtergebnisse werden noch eingehender bearbeitet und den interessierten Behörden und Stellen zur Verfügung gestellt. Die vorstehend besprochene Arbeit der beiden Verfasser zeigt mit erschreckender Deutlichkeit, in recht unverhältnismäßig hohem Maße der Hausbesitz( in der Tabelle ist nur der Villenbesitz angeführt, der Maßstab gilt jedoch für den gesamten Haus befizz) in Deutschland belastet ist. Die Belastung übersteigt noch diejenige der Großvermögen befizer um fast genau 50 Prozent. Daß eine solche Belastung auf die Dauer den Hausbesitzerstand finanziell aushöhlen muß, bedarf eines weiteren Beweises nicht. Sollten Regierung und Voltsvertreter nicht zur Einsicht kommen, so tann eine Katastrophe im Hausbesitz nicht ausbleiben, da unter diesen Umständen nur derjenige noch ein Haus halten kann, der in der Lage ist, aus anderen Mitteln Zuschüsse zu leiften. Die hierauf folgende Aussprache ergab wertvolle Hinweise auf Ergänzungen und Verbesserungen bei späteren Fahrten und bewies das große Interesse aller Beteiligten an der Aufklä rungsfahrt. Aufklärungsfahrt des Oberhessischen AutomobilClub E. V., Gießen am 24. März 1927. Wie in früheren Jahren vor dem Krieg, veranstaltete der Oberhessische Automobil- Club am 24. März eine Aufflärungshrt unter Beteiligung von 11 Wagen seiner witglieder und insgesamt 50 Teilnehmern. 3wed der Fahrt war einerseits te Beobachtung und Registrierung aller den Straßenverkehr be= treffenden Vorgänge, wie falsches Ausweichen, auf der falschen Seite jahrend, versperrend, schlechte oder fehlende Beleuchtung. sowie Verhalten von Fußgängern, Kindern und Vieh usw. durch je zwei Beobachter in jedem Wagen, und andererseits die Fest stellung des Zustandes der Straßen und ihrer Uebersichtlichkeit, ebenjo Bahnübergänge, ferner des Zustandes oder Fehlens der Orts und Warnungstafeln. Gleichzeitig sollte den geladenen und zahlreich erschienenen Vertretern der Gerichtsbehörden, der Provinzialdirektion und des Kreisamtes, der Gendarmerie und der Polizei, der Stadtverwaltung, der Schulen, des Verkehrsvereins, der Radfahrerverbände und des Verbandes der vereinigten Fuhrwerksbejizzer Gelegenheit gegeben werden, sich aus eigener Anschauung ein Bild von den Verkehrsvorgängen auf der Straße zu machen. Nach kurzer Begrüßung im Clubheim durch den 1. Vorsitzenden, Herr Dr. Gg. Gail, und Erklärun zieren verstanden. Er will immer Feindschaft setzen zwischen Seele und Seele. Unmerklich padt der Feind die Menschen bei ihren schwachen Seiten. Im Gruß bekommen und geben die Menschen dann sich nicht mehr, wie sie vor Gott sind und sein sollen, sondern wie sie der Teufel will. Nicht die Liebe und gegenseitige Achtung haben das Wort dabei, sondern die Ri= valität, die Ansprüche des Jch; seine Eitelkeit und seine Illufionen haben auch diese liebliche Beziehung von Mensch zu Mensch vielfach zur Karikatur gemacht. Auch beim Grüßen tommt die ganze Unnatur und Herzensdürre der gottentfremdeten modernen Seele zum Ausdruc. Für den Christen ist das Grüßen kein Problem. Er muß lachen über die seltsamen Kapriolen, die die Weltmenschen dés Grüßens oder Gegrüßtwerdens wegen machen. Angesichts dieser Torheiten wird er erst recht seiner inneren Unabhänggkeit froh, weil er einer völlig andern Wertbestimmung sich unterworfen weiß, als die ist, welche ein Gruß oder die Form eines Grußes verleihen oder versagen kann. Hans Pförtner. ( Aus dem Evang. Gemeindeblatt f. München Nr. 4.) Takt. Eine Schulbubengeschichte. Es war mittags halb ein Uhr. Der Lattenzaun in der Nähe des Schulhauses hatte große Aehnlichkeit mit einem Telegraphen draht hoch oben in der Luft, auf den sich eine Schar munterer Zwitschervögel gesetzt. Nur daß der Lattenzaun ziemlich nahe der Erde war, und daß darauf lauter muntere Schulbuben saßen. Man hörte gleich, sie hatten etwas Außergewöhnliches zu be= sprechen und tauschten sich ihre gegenseitigen Meinungen ziem= lich vernehmbar aus. Unsere Mutter hat es mir doch selbst erzählt," schrie einer aufgeregt, es ist wirklich wahr, heute tommt er zum erstenmal wieder in die Schule, und er hat ein Stelzbein bekommen, und damit muß er nun, so lang er lebt, herumstelzen. Und ich soll ihm den Apfel geben, damit er sich freut." Grußdrama fand einmal folgenden Abzuerst grüßte, ließ es auf einmal darauf er andere ganz starr und grüßte dann ener Weise, daß sie von da ab sich übernuten. Ich kannte ein wahres Grußgenie, ozialen Abstufung des Grußes vom unzum Hutziehen bis zur Erde. Dieser nen unsichtbaren, aber genauen Maßstab ung. War ein ihm Begegnender in eine tommen, hatte er eine Erbschaft gemacht, Ehrung erfahren, so drüdte sich das matheSpannweite feines Grußes aus. Aber auch rungen zeigte dieser Seismograph unJeute auch der Gruß vielfach entseelt und sagte man„, Gott zum Gruß!" oder„, Grüß ibt es nicht als diese Begrüßung zwischen nights Herzlicheres. Heute bekommt man Gruß". Mit Heuchelei, Webelnehmerei, nerei, Hoffart und noch vielen anderen er Art hat der Feind den Gruß zu infi..Da tann er ja gewiß nicht mehr mittun beim Ballspie!, wo er sonst der flintste war, wenn er ein Holzbein hat- mich nimmt wunder, wie das aussieht", meinte ein anderer dazwischen. ARNAUD Jetzt schlägt's dreizehn! Die Einführung der 24- Stunden- Zählung. müssen sich umstellen. Die Uhrmacher Mit dem Inkrafttreten des neuen Sommerfahrplanes( am 15. Mai) wird bekanntlich bei der Deutschen Reichsbahn und bei der Post die 24- Stunden- Zählung eingeführt werden, die wir ja teilweise aus anderen Ländern schon kennen. Jm Telegraphenund Fernsprechbetrieb ist die Einrichtung ja schon seit Herbst 1926 getroffen, ohne daß das Publikum allzu viel davon ge merkt hat. Nunmehr hat die Hauptverwaltung der Reichsbahn verfügt, daß die Zifferblätter der Uhren an den Außenseiten ter Bahnhöfe, in den Bahnhofsvorhallen, in den Wartesälen und auf den Bahnsteigen mit der Stundenziffer 13 bis 24 ver sehen werden sollen, während die Reichspost eine Aenderung ihrer Uhren vorerst noch nicht in Aussicht genommen hat, sondern lediglich die Briefaufgabestempelung nach und nach ändern will. Es ist bestimmt mit der Fabrikation neuer Uhren zu rech nen, die nicht das Provisorium des neuen roten Innentranzes tragen, sondern die ein fortlaufendes Ziffernblatt von 1 bis 24 zeigen werden. Das Ziffernblatt wird dann voraussichtlich zur besseren Illustrierung in zwei Farben geteilt sein, die eine Hälfte, die den Tag anzeigt, wird helle, die andere dunklere Tönung erhalten. Alles hängt vom Tabak ab Güte, Preiswürdigkeit, Bekömmlichkeit, kurzum der Wert der Cigarette fur den Raucher Haben wir also recht wenn wir sagen: Es liegt am Tabak Balpaus Mocca die besonders gute, daher besonders preiswerte 5 Pfg. Cigarette. Ja, mich auch ich bleib' hier sitzen, bis er kommt, er tommt gewiß bald!" und Ihr seid bloß neugierig!" trähte der langbeinige Dieter, der so freche Augen hatte ,,, so neugierig wie die Weiber den Apfel kannst du mir auch geben, den braucht das ,, Stelzbein" nicht. Er ist ja selber schuld, daß sie ihm das Bein abgenommen haben; warum hängt er sich an den Wagen und fällt so dumm herunter! Ich will ihn einmal fragen, ob er immer noch Luft hat zu Wagenfahrten." Aber da sprang plöglich einer vom Lattenzaun herunter, ein schlantes, sehniges Bürschlein, und aus den blauen Augen sprühten vernichtende Blizze, und helle Röte schoß ihm ins Gesicht bis unter das blonde Kraushaar. ,, Was sagst du, Dieter? Was willst du ihn fragen, Dieter? Ich sag' dir, halt dein ungewaschenes Maul, das sag' ich dir, und sonst...!" Damit fuchtelte er mit seiner sehnigen Faust dem langen Dieter so nahe um die Nase herum, daß der scheu und knurrend zurüdwich. Er kannte diese Fauft, wie sie sie alle tannten er mochte nicht in nähere Berührung damit kommen ,, Hört einmal zu," wandte sich der Blondkopf an die anderen, ,, es bleibt keiner auf dem Lattenzaun, bis der arme Kerl tommt, und wenn einer von euch Ehre und Gefühl im Leibe hat, der schaut ihn nicht besonders an. Wir tun alle so, als ob gar nichts anderes an ihm wäre, und als ob wir das Stelzbein nicht sähen. Und das Ballspiel, wo er immer so gern dabei war, wird vorläufig nicht mehr gemacht. Keiner schlägt's vor. Sein Unglüd weiß er schon selber gut genug, und wer ihn noch extra mit einem Wort oder Blid daran erinnert, der ist mein Feind! Jetzt geh' ich in die Schule." Einer nach dem andern sprang nun behend vom Zaun. ,, Er hat ganz recht, tommt!" sagten sie. ,, So'n frecher Lümmel, der Dieter! Es ist wahr, wir müssen dem Karl drüber weg helfen, daß er denkt, es wär' noch alles wie früher." Ueberdies wollte feiner sich den mutigen Blonden zum Feind machen; denn er war der geschicteste von allen und sonst zu jedem freundlich und gefällig in jeder Weise. Alle mochten ihn leiden, nur der Dieter nicht, der fürchtete ihn; denn das schlanke Bürschlein hatte Muskeln wie Stahl und tonnte zu Zeiten feinen Spaß vertragen. So'n Großhans!" murrte er hinter dem Blonden drein, hatte aber doch nicht den Mut, sich ihm offen zu widersetzen. Und dann kam der arme Karl mit dem Stelzbein. Sein Gesicht war durchsichtig blaß und schmal geworden, und die früher so lustigen Augen schlug er scheu und mißtrauisch zu Boden. ,, Tag Karl!" sagte einer nach dem andern nur so im Vorbeigehn, gerade so wie früher. Ein mißtrauischer Blid glitt zu den Kameraden hin, und leise Röte huschte über das melante über das cholische Bubengesicht. ,, Weißt du's auch schon," fing nun der blonde Kraustopf in harmlosem Ton ein Gespräch an ,,, daß das lustige schwarze Lies. chen wahrscheinlich blind wird vom Scharlach gelt, schredlich! Es ist das Furchtbarste, was einem paffieren fann, so nie und nie mehr etwas sehen zu können. Du, und jetzt sind wir ans geometrische Zeichnen gekommen, sein, nicht? Könnt' ich's bloß wie du, das war doch immer dein Stedenpferd." So plauderte der Schlanke, und die anderen warfen hie und da ein harmloses Wort dazwischen, bis sie den Karl richtig ins Gespräch gezogen hatten. Immer mehr verloren die traurigen Augen ihren miß trauischen, scheuen Ausdrud. Man sah, das Interesse an den Schuldingen war wieder erwacht und ließ ihn wirklich vergessen, daß es heute ein anderes mit ihm war als vordem. Dann fam auch der Lehrer. Guten Tag, Karl", sagte er gerade so einfach wie vorhin seine Kameraden. Es ist recht, daß du wieder bei uns bist." Nichts war in seinem Ton anders als früher, nur die Hand drüdte er ihm sehr warm und sehr fest und sah ihm einen Augenblid tief und voll Liebe in die Augen. Dann beobachtete er in den folgenden Stunden scharf die übrigen Mitschüler, und zuletzt glitt ein warmer Schein und ein zufriedenes Lächeln über seine klaren Züge. Er sah ihnen allen nach, als fie nach Schulschluß sich langsamer und stiller als sonst entfernten, mit dem Karl in der Mitte. Go wild sie sind, sie haben das Taft", Herz am rechten Fled, die Rangen, und sie besitzen sagte der Lehrer leise. Möchte er ihnen erhalten bleiben!" Sonnabend, den 2. April 1327. Im allgemeinen braucht sich jedoch die Bevölkerung feine Gorgen zu machen, denn mit der Popularität der 24- StundenEinrichtung wird es nicht weit her sein, und wir glauben nicht, daß im Jahre 1930 der Bräutigam zu seiner Braut sagt:„ J hole dich heute abend um 18,5 Uhr vom Geschäft ab", sondern er wird nach wie vor flöten:„ Ich bin fünf Minuten nach 6 zur Stelle." Und um die Geisterstunde wird die Frankfurter Domuhr feine 24 Schläge vollführen, sondern hübsch bei der Zahl 12 bleiben, alldieweil auch ein dugendfaches Gedröhne schon genügen dürfte, um die Mitternacht anzufündigen. Sonntagsgedanken. Nun tündet jeder Tag vom Einzug des Frühlings. Mit aller Macht drängt es und schiebt es in Feld und Wald, auf Strauch und Baum, in allen Knospen und Zweigen. Die ersten Blümlein schauen vorwißig zum blauen Himmel empor im weiBen Kinderkleidchen, roja, gelb und blau. Und bräute der Winter noch so sehr es mußte doch Früh ling werden! Das Leben der Menschen und Völker läßt sich oft verglei chen mit dem in der Natur. Ueber Sturm und Regen fiegt immer wieder die Sonne und noch immer hat der Lenz den Winter überwunden. Es ist noch nicht lange her, da wollten grimmige Feinde uns auch das Leben nehmen, feinen Frühling mehr geben, damit es Winter und Nacht bleiben sollte in deutschen Landen. Sie wollten fein blühendes Deutschland mehr sehen, ja sie hätten in ihrem Wahnsinn und blinden Haß der " Gießener Zeitung" Sonne einen anderen Weg gewiesen, damit sie nicht mehr über unserem Lande scheinen sollte. Aber noch konnte keine MenAuch gegen Teilzahlung erhalten Sie ein Presto * Fahrrad.* Es ist allerbeste Qualität, zu billigster Preis. Verkauf durch: Jakob Schupp, Gießen Seltersweg 83. schenhand in das Rad der Welt und Zeit, in den Willen des großen Werkmeisters eingreifen. Und so wenig die Sonne in Die erste Theater- Aufführung und das erste Militär- Konzert ( gespielt wird Frühling am Rhein" von gut bekannten Gießener Einwohnern) unter persönlicher Leitung des Herrn Obermusikmeister Löber. Mr. 14. ihrem täglichen Lauf und der Frühling in seinem Einzug in die Welt aufgehalten werden können, so unmöglich kann ein Bolk, das noch soviel gesunde Kräfte in sich birgt, ohne Willen des Allmächtigen durch Menschenhand vernichtet werden. Die Zeit hat gelehrt, daß wir nicht untergehen, daß wir leben müssen. Trotz Krieg und Revolution, trotzdem man fast alle Werte jerschlug, trotz der Fesseln an unseren Händen rühren sich Millionen davon und erzeugen neue deutsche Werte. Den Tod wollten sie uns geben und neues Leben haben sie entfacht. Allmählich, ganz allmählich zieht auch in deutschen Landen der Frühling wieder ein. Und er wird in den Wurzeln der alten deutschen Eichen neues Leben weden und neue Säfte und Kräfte in die Wipfel treiben und dann werden sie wieder in alter Bracht erstehen. Das Land, das dich geboren, Das du als Heimat liebst, Es ist dir erst verloren, Wenn du's verloren gibst!- Waldfried. Oberamtsrichter Dr. Carl Busch freigesprochen! Bor 4 Jahren, am 31. Mai 1923, wurde der erste Richter des Amtsgerichts Ortenberg( Oberhessen) Herr Oberamtsrich ter Dr. Busch, wegen angeblicher Rechtsbeugung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Dr. Pusch, ein sehr ideal veranlagter Mensch, hatte in einem Prozeß zu Ortenberg zwischen zwei Parteien zum Besten gewollt und zum Vergleich geraten, dabei natürlich Anregungen gegeben. Dieserhalb tam Dr. Pusch, in jolge Anzeige nicht befreundeter Seite, selbst auf die Anklage blank. Der Verurteilte, an dessen Schuld seine Freunde und Be fannten die jahrelang auf dem Gebiete der Volksbildung mit ihm zusammen gearbeitet hatten, nie geglaubt, war immer von seiner Unschuld überzeugt. Ein Jdealist wie Dr. Busch, der uneigen am 3. April 1927 im Festsaal Café Leibnüßig und fleißig für's Wohl des Bolles mit tätig ist, kann Anfang abends 7% Uhr. III Neu hergestellt- Walltorstraße. Gie Erscheint: Camstags. Bezugspreis 40 Pfg. monatlich frei Redaktionsschluß früh 8 Uhr.- Für Aufbew Jendung nicht verlangter Manuskripte wird 40. Jahrg Die Arbeitslosigkeit 192 Im Jahre 1926 waren bei den Ar als arbeitssuchende Personen gemeldet Schluß des Monats) in Millionen: Januar 2,495 Mill. Juli August Februar 2,549 Warz 2,520 April 2,373 September Oftober Mai 2,447, November Juni 2,337 Dezember Danach hätte also der mittlere Sta lojigkeit im vergangenen Jahre ungefä nen betragen. Wenn man, der Aussage f chaftler folgend, eine Zahl von 250-3 lojen als Normalstand ansehen kann, so mit infolge der Veränderung der Wi ein Arbeitslosenheer haben, das um zu groß ist. Dr. He ich en knüpft in ei Presse an diese Tatsache folgende Ber ihren Einzelheiten gewiß anfechtbar i hin einen Eindruck gibt, in wie sta gegenwärtige Massenarbeitslosigkeit schaft belastet. Legt man 300 Arbeit zugrunde, so haben die Arbeitslosen Arbeitstage nicht geleistet, was einem C im Werte von etwa 2,4 Milliarden M Wenn man im Anschluß an die D Reichsverbandes der deutschen Industri D. Gewerkschaftsbundes ein jährlich men von rund 50 Millarden annimm eine Vorbelastung des Volkseinkommer pro Jahr, gewiß ein sehr beträchtlich diesem Zusammenhang weist Dr. He Recht darauf hin, daß die Wirkungen Rationalisierug der Industrie vom volkswirtschaftlichen Gesamtnuzens feineswegs eindeutig erscheinen. bewußt und mit Absicht ein Unrecht nicht begehen. Oberamts richter Dr. Pusch hat sein Jahr in Butzbach verbüßt, sich also nicht Genugtuung werden muß, hat ihn aufrecht erhalten. Bor etwa einem Jahr ist der betreffende Prozeß neu aufgenommen wor den. Die Entscheidung der Straffammer am Oberlandesgericht Darmstadt in diesem Wiederaufnahmeverfahren ist nun am 18. März 1927 gefallen. Dr. Karl Pusch ist vollständig freige sprochen, sämtliche Kosten fallen der Staatskasse zur Last und dem Rehabilitierten wird für verbüßte Strafe entsprechender Schadenersatz gewährt; außerdem ist Dr. Pusch in die vollen Rechte eines Oberamtsrichters wieder eingesetzt und das seif jeiner Verurteilung nicht mehr ausgezahlte Gehalt erhält er noch nachträglich. Besucht diese Wohltätigkeits- Veranstaltung, das Programm ist schön! edrüdt“ und sein starker Glaube, daß ihm doch einmal noch Man überzeuge sich, wie sich Theaterspiel und Musik in dem neu hergerichteten Festsaal mit der neuen Bühne auswirken. Der Reinertrag wird an bedürftige Altveteranen u. Kriegerhinterbliebene verteilt. Sämtliche Pläge sind numeriert. Nur das Programm berechtigt zum Eintritt. Borverkaufsstellen: Kaufmann Konrad Bender, Walltorstraße 14; Schuhmachermeister Karl Amend, Löwengasse 12; Schreibwarenhandlung L. Bingel, Lindenplatz 5; Friseur Friedrich Büttner, Landgraf- Philipp- Platz 10; Druckerei Albin Klein, Südanlage 21; Eisenhandlung Knorr( Stoll Nachf.). Frankfurterstraße 86. Eine halbe Stunde vor Beginn sind Programme auch am Saaleingang fäuflich. New geboren: Loba Beige Ein tannener Fussboden mit Loba- Beire( Farbbohnerwachs) behandelt, erspart Ihnen das langweilige Lackieren. Mit Loba- Beixe ist Thr Boden immer neu. Möbel ausräumen gibt's nicht mehr, nach 10 Minuten bereits ist The Boden, wunschgemäss gefärbt, trocken und glänzt wie neu. Loba- Beize ( Farbbohnerwachs) spart Ihnen vid Zeit und viel Geld! Agentur einer alt. erstklass. VersicherungsGesellschaft aller Branchen mit Bestand u. hohe Provision sofort zu vergeben. 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Werbewoche des Dereins für das Deutschtu In einer Zeit, in der wir überall im tung und Zerrissenheit nach Parteien un Stämmen und Ständen, nach Bewohnern mit tiefem Schmerz sehen müssen, verdiene und Bereinigungen, die auf dem Boden arbeiten, reichte Unterstützung durch jeden gesinnten Bürger. Nur auf diesem We manchmal schier unerreichbar düntenden Baltsgemeinschaft näher tommen. Zu den Vereinen, die auf diesem neut it die Gemeinschaft gehört auch der Be tum im Ausland, furz V.D. A. genannt. gabe gestellt, den vielen Millionen Deu mit mehr das Glück haben, im großen de leben, zu helfen bei der oft schwer bedroh