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( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 40 Big. monatlich frei ins Haus. Redaktionsschlußẞ früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüd. lendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Drud. Verlag und Expedition: Gießen, Südanlage 21 Fernsprecher Nr. 1362 Bostichedkonto Nr. 8437 Amt Frankfurt a. M. Volksbegehren des Sparerbundes abgelehnt. Für eine Stadt wie Nürnberg, die Hochburg der Sozialdemo Berlin, 20. Auguft. In später Nachtstunde wurde gestern von zuständiger Stelle ein Beschluß der Reichsregierung zum Antrag des Sparerbundes mitgeteilt, in dem es u. a. heißt: daß der Reichsinnenminister im Namen der Reichsregierung den von dem Abgeordneten Dr. Best als Vertrauensmann des Eparerbundes und des Hypothekengläubiger- und SparerschutzDirbandes gestellten Antrag auf Zulassung eines Volksbegehrens zugunsten eines Gesetzes über die Ablösung öffentlicher Anleihen und die Umwertung von Hypotheken und andern Ansprüchen mit dem Kennwort„, Sparerbund Dr. Best" abgelehnt hat. Die Urlaubsreise des Reichspräsidenten. Reichspräsident v. Hindenburg wird am Sonntag mit dem Berliner Nachtschnellzug nach München kommen und abends mit dem Kraftwagen nach Dietramszell weiterfahren, wo er seinen Sommererholungsurlaub verbringen wird. Der deutschnationale Parteitag in Köln. Der diesjährige Reichsparteitag der deutschnationalen Bollspartei findet, wie nunmehr endgültig feststeht, in den Tagen jom 9. bis 11. September in Köln statt. Am 8. September findet eine Sigung der Parteileitung und der Parteivertretung statt. Der eigentliche Parteitag wird am 9. und 10. September abgehalten werden. Das politische Hauptreferat wird der Reichstagsabgeordnete Graf Westarp halten. Ein Beschluß der rheinischen Landwirtschaftskammer. Der Borstand der Landwirtschaftskammer für die Rheinproving hat im Zusammenhang mit den Haussuchungen bei dem Borsitzender der Kammer, Freiherrn v. Lünind, einen Beschluß gefaßt, in dem es unter anderem heißt: Wenn Ministerpräsint Braun grundsätzlich jede Verhandlung mit dem Vorsitzenden der rheinischen Landwirtschaftskammer über die Interessen der rheinischen Landwirtschaft ablehnt, so verstößt er damit offenfundig gegen die Vorschriften seines preußischen Staatsgesetzes. Wenn der Ministerpräsident seine Ablehnung mit der Behaup tung begründet, der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer habe seiner Kritik an den Maßnahmen der Staatsregierung ..jedes Gefühl für die Erhaltung der Staatsautorität außer acht gelassen", so widerspricht diese Behauptung den Tatsachen. Die Verschuldung der Landwirtschaft. Nach den Schätzungen des Konjunkturinstituts beträgt die augenblickliche Verschuldung der Landwirtschaft, und zwar die Personalverschuldung, 2 Milliarden, wovon etwa 350 Millionen auf die Genossenschaften entfallen, 400 bis 500 Millionen auf Sonderkredite aus den Mitteln der Zentralgenossenschaftstassen. Rüdzahlbar sind nach den Schätzungen des Instituts noch im laufenden Kalenderjahr nahezu 600 Millionen, davon rund 300 Millionen an die Rentenbankkreditanstalt, die in diesem Jahr nicht mehr prolongiert werden können. Das Eisenbahnattentat am D- 3ug Berlin- Hannover. Berlin, 19. August. Der um 10,37 Uhr abends von Berlin nach Hannover abgehende D- 3ug 8 ist heute morgen 2,10 Uhr zwischen Zsenbüttel und Lehrte entgleist. Insgesamt sind 19 Personen, darunter Reichs- und Staatskommissar Ernst Mehlich, ums Leben gekommen, zu denen zwei nachträglich Verstorbene hinzukommen. Nach den Feststellungen liegt ohne Zweifel ein Bahnfrevel vor. Ueber das Unglück teilt die Reichsbahndirektion mit: Heute nacht gegen 2 Uhr entgleiste zwischen Lehrte und der Blodstation 179 der Schnellzug D 8 Berlin- Hannover. Die Maschine und sieben Wagen engleisten. Ein Teil stürzte den 1% Meter hohen Damm hinunter und legte sich auf die Seite. Der siebente Wagen hatte sich auf den sechsten hinausgeschoben und ihn vollständig zertrümmert. Da neben dem Gleis losgeschraubte Laschen und Laschenbolzen gefunden wurden, handelt es sich nach den bisherigen Feststellungen um einen Bahnjrevel. Der Zug juhr auf gerader Strede mit seiner fahrplanmäßigen Geschwindigkeit. Ein Teil der Wagen stürzte um; ein Wagen wurde durch den folgenden zertrümmert. 25 000 Mart Belohnung. Die Deutsche Reichsbahn- A.- G. hat auf die Ergreifung der Täter eine Belohnung von 25 000 Mark ausgesetzt. Der Regierungspräsident von Lüneburg hat gleichfalls eine Belohnung von 2000 Mark für die Ergreifung der Täter ausgesetzt. Aufmarsch des Reichsbanners in Nürnberg. Statt 100 000 nur 13 000 Teilnehmer. - Am Sonnabend und Sonntag hielt das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold in Nürnberg seine Jahresversammlung ab. Für die Anhängerschar der Reichsbanner war diese Zusammenkunft eine schwere Enttäuschung. Die Teilnehmerzahl war weit hinter allen Erwartungen zurückgeblieben. Die dem Reichsbanner nahestehende Presse hatte leichtsinnigerweise ,, 100 000 Tagungsbesucher" in Aussicht gestellt, die ReichsbannerLeitung wollte 60 000 auf die Beine bringen, in eingeweihten Kreisen rechnete man mit 30-40 000, und als der große Festzug am Sonntagvormittag von unbeteiligter Seite genau gezählt wurde, stellte sich in Wahrheit die Zahl der im Festzug Marschierenden auf rund 12 6000. tratie in Süddeutschland, ist dieses Ergebnis in der Tat kläglich. Es ist dabei zu berüdsichtigen, daß der diesjährigen Nürnberger Versammlung des Reichsbanners der Gedanke zugrunde lag, den ,, von der Reaktion gefährdeten" Platz Nürnberg für die schwarzrotgoldene Partei wieder zurüdzuerobern". In Anbetracht dieses Zwedes bedeutet das Ergebnis der Veranstaltung einen glatten Mizerfolg. Nitti für einen europäischen Staatsbund. Paris, 19. August. Auf der gestrigen Vollsitzung des internationalen demokratischen Friedenskongresses hielt der frühere italienische Ministerpräsident Nitti eine bemerkenswerte Rede, in der er sich als entschlossener Anhänger des Friedensgedankens bekannte. Ein gutes Beispiel für die Bewahrung des Friedens biete die Schweiz. Trotz ihrer verschiedenstämmigen Einwohner habe sie es verstanden, während des ganzen Krieges ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Europa werde gedeihen, wenn es ein Bund wie die Schweiz sein werde. Durch die Erhöhung der Zahl der Staaten in Europa von 25 auf 35 seien überall Zollschranken entstanden, die bald wieder fallen müßten. Die sozialistische Jugendinternationale. Die Mitgliedschaft der sozialistischen Jugendinter: nationale wird um 1925-26 auf 14 Million zu schätzen sein. Dem Bericht der„ Soz. Jugendinternationale" in Amsterdam zu Pfingsten dieses Jahres ist zu entnehmen, daß ebenso, wie bei Gewerkschaften und sozialistischen Parteien, sich auch in der sozialistischen Jugendbewegung ein merilicher Rüdgang an Mitgliedern vollzogen hat. So ist die Zahl nach den neuesten Feststellungen in Deutschland von 95 000 auf 70 000 zurüdgegangen. Die Gesamtstärke der sozialistischen Jugend hat international eine Einbuße von 250 000 auf 200 000 erlitten. Arbeitsbeschaffung für die Erwerbslosen in Rheinhessen. Unter Zuhilfenahme der von der Reichsregierung zur Be kämpfung der Erwerbslosigkeit bereitgestellten Mittel sind auch in Rheinhessen im kommenden Herbst und Winter größere Arbeiten geplant. Neben einer großen Anzahl von Orts- und Geländeentwässerungen, Bachregulierungen, Wasserleitungen, Wegherstellungen usw. soll die Entwässerung der Rheinniederung jetzt durchgeführt werden. Es handelt sich hier um ein großes Projekt, dessen Durchführung schon seit fast 100 Jahren geplant ist. Grober Unfug und Polizei. Der ,, Märkischen Volkszeitung" Nr. 207 vom 29. 7. 1926 entnehmen wir: ,, Durch die Straßen von Leipzig zog am letzten Sonntag ein Demonstrationszug der Kirchenfeinde. Auf einem Wagen stellte man einen Geistlichen im vollen Ornat bei der Trauung eines alten Paares dar, wobei er in verächtlicher Weise nach rechts und links die Gebärden des Segenspendens nachmachte. Dieser unglaubliche Unfug auf offener Straße rief naturgemäß den Protest jedes anständig Gesinnten hervor. Die Polizei stellte sich blind." Ausbau der Lahnkanalisierung. Die langjährigen Bemühungen des Lahntanalvereins und der Behörden und Interessenten, die mit ihm zusammen sich für den Ausbau der unfertigen Lahnkanalisierung einsetzten, haben endlich den Erfolg gezeitigt, daß zunächst das untere Ende, etwa 70 Km. von der Mündung bis Steeden, oberhalb Limburg in Angriff genommen wird. Die Mittel dazu, 4,2 Mill. RM. sind gesichert. Die Arbeiten an den drei Schleusenbauten sind bereits vergeben. Die Staustufe Dausenau fällt an die Firmen Peter Bauwens, Köln und Heinrich Redemann, Düsseldorf, die sich dajür zusammengeschlossen haben, die Staustufe Nassau an die Firmen Dyderhoff u. Widmann, Biebrich und Polensky u. Zöllne: Köln und die Staustufe Diez an Philipp Holzmann, Frantjuri a. M. Die Oberleitung und Aufsicht über alles hat das Wasserbauamt Diez. Mit den Bauten wird unverzüglich besonnen und wohl mindestens 600-700 Erwerbslose beschäftigt werden. Die Unternehmerfirmen dürfen nur solche Erwerbslose anstellen, die durch den zuständigen Kreisarbeitsnachweis ihnen überwiesen werden. Es steht zu erwarten, daß mit der Vollendung des Ausbaues zu Ende des nächsten oder Anfang übernächsten Jahres ein erheblicher wirtschaftlicher Ausschwung im engeren und weiteren Bereich des neuen Kanals eintreten wird. Denn die Bodenschäge Nassaus bedürfen nur einer billigen At fuhrmöglichkeit um namentlich im theinischen IndustrieTuvier und Holland verstärkt Abnahme zu finden. Das jetzt in Wegriff genommene Stüd des Kanals reicht vom Rhein nur bis zum eriten Verkehrszentrum an der Lahn, dem Limburger Beder mit seinem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt. Die weitere Aufgabe wird die Ausdehnung über Weilburg bis zum zweiten Berkehrszentrum um Weglar- Gießen mit dem oberhessischen Hinterland sein. Der Verkehr von dort ist stärker zu schätzen, als auf der unteren Lahn und auch bei ihm dreht es sich vor allem um Steine und Mineralien, deren Versand mit der Reichsbahn an der Frachthöhe scheitern, sodaß also durch den Kanal ein neuer Berlehr geschaffen wird. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreise: die 30mm breite Petitzeile auswärts 24 Pig. lokal 12 Pig., die 90mm breite Reflame- Petitzeile 96 Pig. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Rabatt. für Bollklischee- Anzeigen außerdem besondere Ermäßigung. Die große Münchener Ausstellung des Jahres 1927. Außerhalb der Grenzen Bayerns ist bisher noch wenig über die Ausstellung bekannt geworden, die im nächsten Jahre in München auf demselben Gelände stattfinden wird, auf dem im vorigen Jahre die Deutsche Verkehrsausstellung abgehalten wurde. Es ist die Ausstellung„ Das Bayerische Handwerk", zu der die Vorarbeiten bereits mit aller Intensität betrieben wer den. Die Unkenntnis darüber mag wohl zum Teil mit dadurch verursacht sein, daß der Titel der Veranstaltung nicht ganz er schopfend ist. Die Bezeichnung„ Das Bayerische Handwerk" er weckt leicht die Vorstellung, als handle es sich hier um ein internes, um nicht zu sagen, partitularistisches Unternehmen, das den Außenstehenden nicht zu interessieren braucht. Dem ist aber durchaus nicht so. Die Beschränkung auf das bayerische Hand werk war notwedig, einmal aus technischen und organisatorischen Gründen, dann aber auch, weil eine Ausdehnung auf das gesamte deutsche Handwerk allzusehr zu Widerholung geführt hätte. Denn diese Ausstellung soll ja nicht nur tote Gegenstände zeigen, sondern sie hat sich zum Ziel gesetzt, das Handwerk in seinem innersten Wesen, d. h. bei der Arbeit vorzuführen. Es werden also die lebendigen Werkstätten den Mittelpunkt der Darstellung bilden; man wird in erster Linie den Arbeitsvorgang, nicht das Arbeitsprodukt sehen können. Daraus ergibt sich, daß die Ausstellung nicht wie gewöhnlich den Charakter einer Messe haben, sondern das sie eher von wissenschaftlicher Art sein wird. Aus diesem Grundcharakter des Unternehmens ergibt sich aber auch, daß das bayerische Handwerk auf das sie beschränkt ist, nur das Demonstrationsobjekt ist, an dem das gesamte Handwerk, nicht nur das bayerische, sondern das Handwerk überhaupt als Kulturfaktor im allerweitesten und allergrößten Sinne aufgezeigt wird. Daneben soll aber auch die einschlägige Hilfsmaschinen, Rohstoff- und Halbfabrikate Industrie herangezogen werden. Die Ausstellung wird das gesamte verfügbare Areal des Ausstellungspartes( 300 000 qm, davon 29 000 qm bedeckte Hallen) einnehmen. Das allein zeigt schon, daß es sich hier um eine Sache von allgemeinſtem, deutschem Interesse handelt. Deutschland baut das größte Flugzeug der Welt. Während England vor kurzem das bisher größte Verkehrsflugzeug in Dienst gestellt hat, wird Deutschland noch im Herbst dieses Jahres über das größte Flugboot der Welt verfügen. Auf der Dornier- Werft in Manzell bei Friedrichshafen nähert sich der Dornier- Superwal seiner Vollendung. Dieses Flugboot wird 20 Fluggästen Raum bieten und über eine vierköpfige Besayung, nämlich zwei Piloten, einen Bordmonteur und einen Funker ver fügen. Die Maschinenanlage wird aus zwei Motoren mit ins gesamt 1300 PS bestehen. Die neue Maschine ist in erster Linie für den Hochseeverkehr, für das Ueberfliegen weiter Seestreden, bestimmt. Mit den Probeflügen dürfte noch im Herbst dieses Jahres begonnen werden. Weltbund deutscher Kolonisten. Der ,, Weltbund deutscher Kolonisten" versendet die Mitteilung seiner Gründung. Als seinen Zwed bezeich= net er den Zusammenschluß aller deutschen Kolonisten im Ausland zur Vertretung ihrer ideellen und materiellen Interessen. Zur Förderung des Kolonialverständnisses in breiten Volksschichten will der Weltbund Filmund Lichtbildervorträge namhafter Fachleute veranstalten. Vorsitzender ist Hans Schomburgt. Aus Böhmen. Die deutschen evangelischen Gemeinden in der schechei mußten sich schon mehrmals dagegen wehren, daß Bezirksbehörden ihnen ihr Recht auf die deutsche Amts- und Kirchensprache verkürzen wollten. Es ist ihnen auch bisher jederzeit gelungen, solche Angriffe abzuweisen. Jetzt ist ein derartiger Vorstoß zum erstenmale von einer Landesbehörde ausgegangen, die dem deutschen evangelischen Pfarramt in Reichenberg( Böhmen) den Auftrag erteilte, Nachträge in die Kirchenbücher in tschechischer Sprache aufzunehmen. Gelbstverständlich sind die evangelischen Gemeinden fest ent schlossen, ihr Recht auf die deutsche Kirchensprache, das in den staatlich genehmigten ,, Grundbestimmungen" der deutschen evangelischen Kirche verbrieft ist, gegen jeden Eingriff nachdrücklichst zu behaupten. Gesetz gleich Recht? Die praktische Anwendung der in letzter Zeit ergangenen sozialpolitischen Gesetze, so insbesondere des Gesezes über die Fristen für die Kündigung von Angestellten, hat eine größere Zahl von Zweifelsfragen auftauchen lassen. Zur Klarstellung hat sich der Hansa- Bund für Gewerbe, Handel und Industrie in einer ausführlich begründeten Eingabe an den Reichsarbeitsminister gewandt und mit dem Hinweis darauf, daß im Interesse einer reibungslosen Zusammenarbeit zwischen den Unternehmergruppen und den Behördenstellen eine objektive Auslegung dieser unklaren Vorschriften dringend erforderlich sei, um Stellungnahme gebeten. Der Reichsarbeitersminister hat dem Hansa- Bund erwidert: ,, Die Auslegung von Gesezen ist in Fällen der vorliegenden Art Sache der Gerichte. Ich bedauere daher, die gewünschte Stellungnahme aus grundsäglichen Erwägungen ablehnen zu müssen. Sonnabend, den 21. August 1926. Der Erlaß von Ausführungsbestimmungen zur Klarstellung etwa zweifelhafter Bestimmungen des oben genannten Gesetzes tommt nicht in Frage." Es muß in hohem Maße befremden, daß eine Spigenbehörde des Reichs die Wirtschaft auf diese Weise auf den Klageweg verweist. Nicht nur, daß in krijenzeiten, wie sie gegenwärtig die Wirtschaft durchmachen muß, jeder Prozeß nach Möglichkeit vermieden werden muß, ist es auch unverständlich, daß eine Behörde, welche unflare gejegliche Bestimmungen hat ergehen lassen, sich furzerhand weigert, die erforderliche Interpretation jelbst zu geben und es statt bessen Gerichtsbehörden überlassen jehen will, für Klarstellung Gorge zu tragen. Dies um so mehr, als der Reichsarbeitsminister auf die weitere Anregung des Hanja- Bundes, die zur Hebung vorhandener Zweifel nötigen Durchführungsbestimmungen ergehen zu lassen, erwidert hat, der Erlaß derartiger Bestimmungen zweds Klarstellung tomme nicht in Frage. Auswandererlos. Wir erhalten folgenden Brief aus Brafilien: X., den.... ,, Wir, eine große Anzahl von Familien, befinden uns hier auf einer Kaffeeplantage in sehr schwerer Lage. Einmal sind wir die Arbeit nicht gewohnt, und dann fönnen wir auch das Klima nicht vertragen. Wir erhalten einen sehr geringen Lohn, und die Lebensmittel sind sehr teuer. Wir wenden uns darum an Sie mit der Bitte um Rat und Auskunft, ob wir keine bessere Stelle mit einem gefunderen Alima erhalten fönnen. Wir wollen gern arbeiten, aber wir möchten auch in eine solche Gegend, wo das klima erträglich ist und wir auch die gewohnten Lebensmittel erhalten können. Kartoffeln fosten hier 70-80 Milreis der Zentner, und das fönnen wir nicht bezahlen. Wir sind noch nicht lange hier und haben schon eine Reihe von Toten; die anderen sind fast alle frant, und wenn wir nicht bald von hier wegkommen, gehen wir alle zugrunde. Wir bitten Sie nochmals um Ihren Rat und Hilfe und senden Ihnen schon unseren besten Dant im voraus. Mit herzlichem Deutschen Gruß und im Namen der ganzen Gruppe... Jhr..." Wieder einer der Briefe, wie wir sie oft erhalten und ge= lesen haben. Das alte Lied! Man verläßt die Heimat in der Annahme, daß es nirgends schlechter sein könne als in Deutschland; man wandert aus in gänzlich unbekannte Länder, ohne fich in irgend einer Weise über deren Verhältnisse zu orientieren und ist dann nachher erstaunt und überrascht, wenn dort alles jo ganz anders ist, als man es sich gedacht hatte. Dann beginnt das Klagen und Jammern und Schimpfen auf das Land, das man sich selber in völligster Unkenntnis seiner Berhältnisse ge= wählt hatte. Sicherlich hat Brasilien noch unendlich viel Raum und Möglichkeiten für große Scharen von Einwanderern, aber, das ist die Frage, ob sich alle, die dorthin auswandern wollen, für dies Land eignen, ob sie die dortigen Verhältnisse meistern, die ungeahnten Schwierigkeiten überwinden und sich, was auch kommen mag, durchsetzen werden. Also erst genaueste Kenntnis der Verhältnisse des Ziellandes, und dann mit allem Ernst die Frage immer wieder prüfen, ob die Kräfte und Mittel reichen, diesen Kampf aufzunehmen, um ihn auch zu bestehen. Und wo erhält man die gewünschte Aufklärung und Auskunft über das Land, nach dem die Auswanderung gehen soll? Der Evangelische Hauptverein für deutsche Ansiedler und Auswanderer in Witzenhausen a. d. Werra ist auf Grund seiner fast 30jährigen Tätigkeit in der Lage, in allen die Auswanderung betreffenden Fragen Rat und Auskunft zu erteilen. Jede Aus funft erfolgt fostenlos. Man wende sich vertrauensvoll an ihn. Seine Monatszeitschrift ,, Der deutsche Auswanderer" unters richtet über alle Fragen der Auswanderung und Siedlung. Probenummern kostenlos. Berlin Newyork im Flugzeug? Nach einer Erklärung der„ Aviation", Major Gardner, der als seinen Gewährsmann den Direktor des Zivilflugwesens in Deutschland, Dr. Brandenburg, nannte, werden 3. 3. in Deutschland Pläne für ein Riesenflugzeug ausgearbeitet, mit denen im nächsten Sommer regelmäßige Passagierflüge BerlinNewport aufgenommen werden sollen. Das Flugzeug werde jeweils 60 Personen befördern. ,, Gießener Zeitung" Lokales. Sonntagsgedanken. Wenn Arbeit ruht, wenn fein Hammer flingt, wenn Sonntagsgloden läuten, wenn der Friede über die Erde zieht dann sind auch die Stunden der Einkehr für uns Menschen. Haben wir an schweren Arbeitstagen vorwärts geschaut, so lassen wir gerne in Stunden der Ruhe unsere Blide rüdwärts schweifen und aus alten Zeiten liebe Menschen, gute Taten, schöne Tage an uns vorüberziehen. Das Märchenwort„ Es war einmal" steigt dann auf aus fernen Zeiten. Heute mehr wie je wedt dies traute Wort ein banges Klagen, weil die herbe Gegenwart alle Freude und alles Glüd, wie es einft gefühlt wurde, unseren Herzen entrüdte. Nur Erinnerung blieb zurück und sie ist es, die uns heute so gern zurückführt in die gute alte Zeit. Da sehen wir Freude, Friede und Glüd in weiter Ferne schreiten, wir fühlen den Zauberstrahl, der einst diese Tage erhellte. Damals freilich ging es uns wie allen, die im Glücke schwelgen. Erst wenn man etwas verloren hat, lernt man es bewerten. Heute spannte sich ein trüber, grauer Schleier über das einst so glückliche Land. Vergangen ist aller Glanz, dahin alle Kraft, verklungen ist der Lieder Kranz von Freiheit, Ruhm und Waffenehre. Es war einmal! Geblieben ist die Erinnerung. Doch wer sie fühlen kann so recht in seinem Herzen, dem gibt sie seiner Seele Kraft und Schwung und weckt den Geist, den alten. Und wenn auch jetzt noch Gorge, Not und Leid mit uns des Weges schreiten, so löft die Erinnerung doch die Hoffnung aus, daß einmal auch bessere Tage wieder kommen werden. Erinnerung ist und war stets der helle Stern in dunklen Leidensnächten. Erinnerung an große Zeiten läßt uns viel überwinden. Und wenn ein fester Wille uns aus aller Not und Qual geführt hat und in unser Heimattal das alte deutsche Glüc wieder zurückgekehrt ist, dann werden wir einst auch von diesen Zeiten der Trübsal sagen können: Es war einmal. * Arbeitslust und Arbeitswut. W- d. Es ist in der Welt reichlich dafür gesorgt, daß die Arbeit nicht abreißt". Arbeit ist immer da. Arbeit ist sogar meist viel mehr da, als geschafft werden kann. Wenn es bloß auf das Vorhandensein von Arbeit anfäme, gäbe es überhaupt keine Arbeitslosigkeit. Da aber die Arbeit dasjenige ist, wovon der überwiegende Teil der Menschen lebt, so tommt es eben weniger darauf an, daß Arbeit da ist, als vielmehr darauf, daß einer da ist, der die Arbeit auch bezahlt. Glücklicherweise ist der Mensch in seiner Arbeitslust nicht unbedingt davon abhängig, daß seine Arbeit bezahlt wird. Von Natur aus ist der Mensch gar nicht so materialistisch, so gewinnsüchtig veranlagt, wie ihn der Existenzkampf oft erscheinen läßt. Auch da, wo unsere Fertigkeiten der unterm Erwerbszwang übernommenen Beschäftigung entgegenkommen, ist die Freude darüber, daß wir etwas können, daß wir etwas leisten, in der Regel viel größer als die Freude, daß wir etwas dafür bekommen. Und das nicht etwa nur darum, weil wir doch allemal weniger bekommen, als wir gern haben möchten. Immerhin: es gibt Arbeiten, die man gern tut und solche, die man nicht gern tut: und es gibt Menschen, die gern arbeiten und solche, die keinen überwiegenden Drang zur Arbeit haben. Gemeinhin nennen wir den, dem alles frisch von der Hand weggeht, fleißig. Aber manche Leute sind geradezu nur aus Lust an Bequemlichkeit und Ruhe fleißig: auch sie arbeiten schnell und gut. Aber doch nicht eigentlich aus Freude an der Arbeit, sondern damit sie möglichst bald um so ungestörter ihre Ruhe genießen können. Manche scheinbar so frische Betriebsamkeit hat ihren letzten Grund in dem Wunsche, endlich wieder mit innerer und äußerer Ruhe sich selber zu ge hören. Es wird gewiß im Effekt der Arbeit dadurch nicht viel geändert; aber diese Art Arbeitslust kann gar zu leicht in Arbeitswut umschlagen, weil einem ärgerlich ist, wenn die Arbeit nicht getan ist, aber ebenso ärgerlich, daß man sie tun muß. Außer einigen wenigen handschriftlichen Aufzeichnungen Der Dichter des„ Simplicius Simpliciffimus". und gelegentliche Erwähnung, die der Dichter in Urkunden Zum 250 Todestag Johann Christophs von Grimmelshausen. Von Dr. phil. Kurt Cramer. Vor einem viertel Jahrtausend, am 17. August ds. Js. 1676, starb in dem badischen Städtchen Renchen, das damals noch ein Dorf war und dem Bischof von Straßburg zugehörte, der Schultheiß Johann Christoph von Grimmelshausen, der Verfasser der , Simplicianischen Schrift". Der Todeseintrag ist eine der wenigen ganz sicher verbürgten Nachrichten, die wir über diesen Dichter besitzen. Erst in den letzten Jahren und Jahrzehnten ist es fleißiger und mühsamer Forscherarbeit gelungen, etwas das Dunkel zu lichten, das bisher über dem Leben des Dichters lag; doch ist auch das bis jetzt in Erfahrung Gebrachte noch immer wenig genug. Wir wissen, daß er 1637 Musterschreiber beim Grafen Göz, von 1639-1648 in Offenburg Sekretär des Stadtkommandanten, 1648 Regimentsschreiber in Wasserburg gewesen ist, wissen ferner, daß er am 30. August 1649 in Offenburg eine gewisse Katharina Henninger, die Tochter eines Schauenburgischen Wachtmeisterleutnants, geheiratet und mehrere Kinder mit ihr gezeugt hat. Außerdem ist uns bekannt, daß er von 1650-1660 in Gaisbach und von 1662-1664 auf der diesem Orte benachbarten Ullenbahn Schaffner gewesen ist, von 1665-1666 aber Wirt in Gaisbach und schließlich von 1667-1676 Schultheiß in Renchen. Das sind die wenigen ganz feststehenden Tatsachen, die man über das Leben Grimmelshausens hat in Erfahrung bringen können. Der Tag, das Jahr und der Ort seiner Geburt haben sich noch immer nicht genau feststellen lassen. Die einen nehmen das Jahr 1625, andere 1620 und wieder andere sogar 1610 als sein Geburtsjahr an. Und ob er direkt in Gelnhausen oder in einem der umliegenden hessischen Dörfer das Licht der Welt er blickt hat, ist gleichfalls noch nicht entschieden, eben so wenig wie seine Jugendschicksale bis zum Jahr 1637. findet, sind es vor allem die ,, Simplicianischen Schriften", die uns Auskunft über sein Leben und seine Persönlichkeit geben. Mit gutem Rechte wird besonders sein Hauptwert, der„ Simplicius Simplicissimus", als ein in vieler Hinsicht autobio graphischer Roman angesehen; doch muß man sich hüten, in gar zu weitgehendem Maße das Schicksal des Romanhelden mit dem des Dichters zu indentifizieren. Unzweifelhaft ist Grimmelshausen, ähnlich wie sein Simplicius, schon frühzeitig in den Strudel des dreißigjährigen Krieges hineingerissen, vielleicht auch, wie dieser, in jungen Jahren von Soldaten entführt worden. Während dieser Mili. tärzeit muß er in vielen Teilen Deutschlands und vielleicht auch des Auslandes herumgekommen sein. So hatte er reichlich Gelegenheit, das Rasen der Kriegsfurie aus eigener Anschauung kennen zu lernen. In feinem anderen Buche hat das Tun und Treiben, Fühlen und Denken jener Kriegszeit so deutlich und lebendig seinen Ausdruck gefunden, wie in den„ Simplicianischen Schriften". Allerdings war es Grimmelshausen, der immer nur niedere militärische Stellung bekleidet hat, nicht vergönnt, vom hohen Gesichtspunkte aus die mannigfach verschlungenen Fäden des strategischen und politischen Getriebes jener Zeit zu überschauen, eben so wenig wie er mehr als ge legentliche Einblicke in das Leben der höheren und höchsten Stände hat tun können. Was er fannte, und was er mit scharfem Auge zu erfassen und mit treffenden Worten in der anschaulichsten Weise darzustellen wußte, war das Leben der großen Masse: Der einfachen Soldaten und niederen Offiziere, der Bürger und Bauern. In einem der ersten Kapitel des Simplicissimus" symboli fiert er meisterlich in Traume vom Kriegsbaum, die durch den einander. Simplicius träumt einmal, so wird dort erzählt, von Krieg geschaffenen Verhältnisse der verschiedenen Stände zu einem Baum, der Stamm und die Wurzel desselben werden von Bürgern und Bauern gebildet. Von ihnen empfängt der Baum Nr. 34. Hessisches Amtsgericht. In das Vereinsregister wurde am 12. August 1926 eingetragen: Anglersportverein Gießen und Umgegend in Gießen. Vorsitzender Georg Keil, Schornsteinfegermeister, Gießen. * Straßensperrungen. Wegen Vornahme von Umpflaste rungsarbeiten wird hiermit die„ Kliniksbrücke" am Bahnhof bis auf weiteres für jeglichen Verkehr gesperrt.- Anläßlich des am 22. August 1926 bei den Bootshäusern an der Lahn stattfindenden Schwimm- und Rudersportwerbetages wird hiermit der an dem Bahndamm entlang ziehende Verbindungsweg zwischen Rodheimer und Ederstraße am 22. August von nachmittags 2 bis 7 Uhr für jeglichen Verkehr gesperrt. Sonnabend, den 21. Auguf sherrn Landgerichtsrat Stugma angen im Steinobftbau" vor. det die Eröffnung der vom gelheim e. V. veranstalteten Jul -Ausstellung in der Markthalle * Marineforpstag in Kiel. D menkunft der Flanderntämpfer i September ds. Js., während wel einem Ehrenmal für die gefallen uf dem Flandern- Play" in Riel in den Kameradenkreisen ganz De aus begeisterten Widerhall gefund dungen find zu richten an Ramerad raße 27. * Ein Großes Los nach Darms Los der Preußischen Klassenlotterie nach Darmstadt. Die 300 000 Ma 284 934, die in Viertellofen gespielt Leuten, denen der Gewinn wohl zu g erhält 60 000 Mart ausbezahlt. Jagdaufgang. Nach einer Verfügung des Minnisters des Innern vom 18. Ifd. Mts. ist der Aufgang der Hühnerjagd für ganz Hessen auf Montag, den 30. August 1926 festgesetzt. Die Jagd auf Fajanen beginnt darnach am Donnerstag, den 16. Seps tember 1926. * Erhöhtes Porto aus dem Saargebiet. Vom 11. Auguft an sind die Gebühren für Briefe, Postkarten und Drucksachen aus dem Saargebiet nach Deutschland erhöht worden. Telegraphie für jedermann. Die deutsche Postverwaltung verfolgt, wie aus Berlin gemeldet wird, den Plan, die Telegraphieapparate ebenso an Private auszugeben, wie den FernSprechapparat. Das Telegraphieren jetzt heute bei dem Telegraphisten teine besonderen Kenntnisse mehr voraus. Er braucht nicht mehr mit dem Klopfer des Morseapparates Striche und Punkte zu Buchstaben und Wörtern zusammen zu setzen, sondern er muß nur die Tastatur einer Schreibmaschine beherrschen können, um selbst telegraphieren zu tönnen. Das Ziel der deutschen Telegraphenverwaltung ist es, jedem Privaten, der einen sol chen Telegraphenapparat sich in seinem Büro anbringen läßt, auch die Möglichkeit zu bieten, ins Ausland zu telegraphieren. Heute ist dies noch nicht möglich wegen der verschiedenen alpha= betischen Systeme im Verkehr mit dem Auslande. Auf der näch ften internationalen Konferenz der Telegraphie, die im Laufe dieses Jahres noch in Berlin tagen wird, soll jedoch ein internationales Einheitsalphabet für den Telegraph geschaffen werden. Die * Zur Einführung der Vierundzwanzigstunden- Zeit. Einführung der sogenannten Vierundzwanzigstunden- Zeit gilt vom Frühjahr 1927 ab im deutschen Verkehrswesen nur für den Eisenbahn, Post- und Telegraphenbetrieb. In den sonstigen öffentlichen Verwaltungszweigen und im bürgerlichen Leben bleibt die hergebrachte Zählung nach Vormittags und Nach mittagsstunden bestehen. Von einer Aenderung der Zifferblätter an den Bahnhofsuhren wird, wie in den angrenzenden Ländern mit vierundzwanzigstündiger Zeitrechnung, abgesehen werden können, ohne daß Mißverständnisse zu befürchten sind. Dagegen sind die notwendigen Aenderungen der Stempel, Drudsätze, Anzeigentafeln usw. rechtzeitig in die Wege zu leiten. * Keine Bestimmungsmenfuren mehr. Wie das Heidel berger Tageblatt" meldet, teilte gestern in der Presse besprechung der Polizeidirekter mit, daß auf höhere Anordnung Bestim mungsmensuren nicht mehr geduldet sind, und daß die Polizei vom nächsten Semester ab dagegen mit aller Schärfe vorgehen wird. * Steuermilderung für fleinere Landwirte. Wie mitgeteilt wird, sind unter dem 12. Auguft vom Reichsfinanzminister die neuen Grundsätze über die Besteuerung des bäuerlichen Bes fizzes ausgegeben worden, nach denen die Einkommensteuer der nicht buchführenden Landwirte für das Wirtschaftsjahr 1925/26 veranlagt werden soll, und die Umsatzsteuer- Vorauszahlungen auf die Umsätze im Wirtschaftsjahre 1926/27 zu leisten sind. Für die Einkommensteuer bestimmt der Reichsfinanzminister, daß die Durchschnittssätze alsbald endgültig festgesetzt werden sollen. Die im Betriebe mitarbeitenden Familienangehörigen, für die nicht bereits Familienermäßigungen gewährt werden, sollen bei der Einkommensermittlung nicht mehr voll, sondern nur zur Hälfte berücksichtigt werden. Bei der Umsatzsteuer soll die Bewertung des Eigenverbrauchs auf Grund der Großhandelspreise erfolgen. Obst- und Gartenbauverein. Der Landesverband der Obst- und Gartenbauvereine in Hessen hält am Samstag, den 18. September ds. Js., nachmittags 1% Uhr, in der Turnhalle zu Ober- Ingelheim( Kreis Bingen) seine diesjährige Hauptversammlung ab. Die Tagesordnung sieht u. a. einen Vortrag * all seine Kraft und Lebensfähigkeit. Aber er fann nicht zum Gedeihen kommen; denn auf den Zweigen sitzen, statt der Blät ter, unzählige Scharen von Kriegsleuten, die durch allerlei Blackereien die unteren friedlichen Stände bedrüden und quälen und das, was jene in faurer Arbeit Nützliches und Lebensnot wendiges schaffen, leichtsinnig und übermütig vernichten und vergeuden. In dem obersten Teile der Baumkrone aber, wohin den anderen der Aufstieg so gut wie unmöglich gemacht ist, sitzen die nur aus Adligem bestehenden Offiziere. Diese sind die eigentlichen Nugnieser des Krieges. Sie bedrücken sowohl die ihnen untergebenen Soldaten, als auch Bürger und Bauern und fangen mit Leichtigkeit die Goldstücke auf, die bisweilen cin Kommissarius aus einer Wanne in Form von Kontributionen über den Baum ausschüttet; Sie führen ein Leben herrlich und in Freuden; während die anderen Stände, die große Masse des Volkes, darben und verderben. In einer reichen, überreichen Fülle von Bildern und Geschehnissen führt der Dichter in seinen Simplicianischen Schriften die verschiedenen Szenen des wildbewegten Kriegstheaters dem Leser vor Augen, und zwar immer so, wie es der Mann aus dem Volke und das einfache Militär erlebte. Wir hören von Plünderungen, Raub, Mord und Totschlag, von Quälereien und Marterungen, von Kriegslisten, Gaunerstreichen und Narrenpossen, sehen den Dichter mit seiner Gelehrsamkeit prunten und gleich darauf von abergläubigen Borstellungen bes fangen und hören mit Ergriffenheit, wie er, wenn auch scheinbar mit lächelndem Munde, so doch in Wirklichkeit mit tiefem fittlichem Ernst die Ausschweisungen und Laster seiner Zeit an den Pranger stellt. In einer Reihe vorzüglich beobachteter und scharf umrissener Inpen charakterisiert er aufs treffendste die verschie denen Vertreter des Soldatenstandes. Da ist der feige, trottelSpringinsfeld, der nirgends ein dauerndes Glück zu finden hafte Hungerleider Schmalhans; da ist der Kede Draufgänger weiß; da ist Oliviere, das früh verdorbene Muttersöhnchen, der schließlich nach einem verruchten Leben als meuchelmörderischer A: s Nah u Buzbach. Hier sind Unterschlagu ten beim hiesigen Elektrizitätswerk ich bisher auf 7000 Mark beläuft. schlagungen nicht aus Not erfolgten verhältnismäßig hohe Kriegsbeschädi tömmlichen Gehalt. Friedberg. An der hiesigen He bau und Landwirtschaft beginnt am ein Obstverpackungslehrgang. Ann tien zu richten. Bad Nauheim, 19. August. aatlichen Ausstellungsraum in de beim findet vom 15. Auguſt bis tellung„ Sessenkunst“ statt, die vo beitsgemeinschaft für bildende Kun hält eine kleine, aber sehr gewähl Werte aller Fachgebiete. Es sind L Griffelkunstblätter, kleine Bildhaue liche Werke jeglicher Technik, an de fischen Künstler und auch die Kuns bach, Erbach beteiligt haben. Di bei freiem Eintritt jederzeit zugän und der niedrigen Preise wegen zu Lauter( Kr. Gießen. Hier ist amtlich festgestellt und ein Sperrge bis zur Bingmühle gebildet worden Alsfeld. Infolge Walzarbeiter -Ruppertenrod- Ober- Ohmen erfo Umleitung des Verkehr über jaajen- Ruppertenrod- Ober- Ohmer Heppenheim a. d. B., 17. Aug des Burgfrieds der Starkenburg etwa 35 Meter hoch, also mehrer Burgfried werden. Zur Wasserb 30 Meter tiefen Burgbrunnen tief feiten bereitet das Herbeischaffen noch fehlenden finanziellen Mittel aufbringen zu können. Alzen. Der verheiratete Arbe wurde vergangenen Gamstag ab Halsschlagader erstochen. Der Ge det. Einer seiner Söhne, der bei Bater zu Hilfe kommen wollte, e verlegungen. Der Täter, der ebe und dort verheiratete Trautwein Tat durch die Gendarmerie aus Weglar. Auf bis jetzt nicht a benachbarten Hofgute zu Hermam die Mühle des Gutes, die seit ein gefegt war, vollständig nieder. D feuerwehr und unterstützt durch d Wegelagerer ein gewaltsames End Gegenstüd, die böhmische Solda furzem Glüde durch eigene Schuld Bagabundin verkommt; da ist aud jal bald begünstigt, bald verfolgt, mitfühlendes Herz erhält, seinem die Treue wahrt und ihm nach was dieser ihm erwiesen hat. Als unschuldiger, unwissender K trabel, lernt sich noch allerlei S dank seiner Klugheit, Geschicklicht tollen Welt zurechtzufinden und Er wird bald ein tüchtiger Sold wirbt sich Ehre und Reichtum in alle guten Lehren, die er in sein cin Stutzer, Verschwender und Bermögen, wird nach einander um Marodeur, tommt wieder zu lebt in behaglichen bürgerlichen B lich die Welt, geht als Einsiedler philosophieren und ein Gott woh pas ihm in der füd- und lasterh In der Schilderung und C crweist sich Grimmeshausen als in lebendigen, anschaulichen Szen Untugenden vorzuführen. Die Saufen, das Stutzertum und a la Tanzen und die dadurch gefä meifungen, das Karten- und Gotteslästern, dies alles weiß Gr trefflichen Farben zu malen. 2 Verderbtheit der Welt Luft, son übertriebene Schilderungen der Laiter diese als närrisch und eine mürid hinzustellen und an diesem nicht so sehr durch Moralpredig Str. 34. Sonnabend, den 21. August 1926. richt. In das Vereinsregister wurde etragen: Anglersportverein Gießen und Vorsitzender Georg Keil, Schornstein . Wegen Vornahme von Umpilafte mit die„ Alinitsbrücke" am Bahnhof ichen Verkehr gesperrt.- Anläglich des den Bootshäusern an der Lahn stattfin Rudersportwerbetages wird hiermit der ang ziehende Berbindungsweg zwischen ye am 22. August von nachmittags 2 bis fehr gesperrt. ch einer Verfügung des Minnisters des ts. ist der Aufgang der Hühnerjagd tag, den 30. August 1926 festgesetzt. Die it darnach am Donnerstag, den 16. Sep: us dem Saargebiet. Bom 11. August Briefe, Postkarten und Drucsachen aus eutschland erhöht worden. dermann. Die deutsche Postverwaltung 1 gemeldet wird, den Plan, die Tele n Private auszugeben, wie den Fern graphieren sezt heute bei dem Telen Kenntnisse mehr voraus. Er braucht pfer des Morseapparates Striche und Wörtern zusammen zu setzen, sondern ner Schreibmaſchine beherrschen können, zu können. Das Ziel der deutschen st es, jedem Privaten, der einen solsich in seinem Büro anbringen läßt, bieten, ins Ausland zu telegraphieren. nöglich wegen der verschiedenen alphaehr mit dem Auslande. Auf der näch ferenz der Telegraphie, die im Laufe rlin tagen wird, soll jedoch ein interabet für den Telegraph geschaffen er Vierundzwanzigstunden- Zeit. Die nten Vierundzwanzigstunden- Zeit gilt n deutschen Verkehrswesen nur für den Telegraphenbetrieb. In den sonstigen zweigen und im bürgerlichen Leben Zählung nach Vormittags- und NachVon einer Aenderung der Zifferblätter ird, wie in den angrenzenden Ländern iger Zeitrechnung, abgesehen werden ständnisse zu befürchten sind. Dagegen enderungen der Stempel, Drudsätze, zeitig in die Wege zu leiten. smensuren mehr. Wie das„ Heidelteilte gestern in der Pressebesprechung daß auf höhere Anordnung Bestim geduldet sind, und daß die Polizei dagegen mit aller Schärfe vorgehen fleinere Landwirte. Wie mitgeteilt August vom Reichsfinanzminister die ie Besteuerung des bäuerlichen Benach denen die Einkommensteuer der virte für das Wirtschaftsjahr 1925/26 d die Umsatzsteuer- Vorauszahlungen aftsjahre 1926/27 zu leisten sind. Für amt der Reichsfinanzminister, daß die ndgültig festgesetzt werden sollen. Die n Familienangehörigen, für die nicht igen gewährt werden, sollen bei der ht mehr voll, sondern nur zur Hälfte der Umsatzsteuer soll die Bewertung Srund der Großhandelspreise erfolgen. auverein. Der Landesverband der ne in Hessen hält am Samstag, den chmittags 1½ Uhr, in der Turnhalle s Bingen) seine diesjährige Hauptgesordnung sieht u. a. einen Vortrag des Herrn Landgerichtsrat Stugmann- Speyer über„ Neuere Erfahrungen im Steinobstbau" vor. Nach der Hauptversammlung findet die Eröffnung ber vom Obst- und Gartenbauverein Ingelheim e. V. veranstalteten Jubiläums: Obst- und Gartenbau- Ausstellung in der Markthalle in Nieder- Ingelheim statt. * Marineforpstag in Kiel. Der Aufruf zu einer Zusam mentunft der Flanderntämpfer in den Tagen vom 4. bis 6. September ds. Js., während welcher zugleich der Grundstein zu einem Ehrenmal für die gefallenen Marineforpsangehörigen auf dem Flandern- Play" in Kiel- Wit gelegt werden soll, hai in den Kameradenfreisen ganz Deutschlands und darüber hin aus begeisterten Widerhall gefunden. Anfragen und Anmeldungen sind zu richten an Kamerad Dr. Hanschte, Kiel, Kleiststraße 27. * Ein Großes Los nach Darmstadt gefallen. Ein Großes Los der Preußischen Klassenlotterie fiel bei der leßten Ziehung nach Darmstadt. Die 300 000 Mart fielen auf die Nummer 284 934, die in Viertellofen gespielt wurde und zwar von kleinen Leuten, denen der Gewinn wohl zu gönnen ist. Jeder Gewinner erhält 60 000 Mark ausbezahlt. A: s Nah und Hern. Butzbach. Hier sind Unterschlagungen eines unteren Beamten beim hiesigen Elektrizitätswert vorgekommen, deren Höhe sich bisher auf 7000 Mart beläuft. Es steht fest, daß die Unterschlagungen nicht aus Not erfolgten; der Betreffende bezog eine verhältnismäßig hohe Kriegsbeschädigtenrente neben einem ausfömmlichen Gehalt. Friedberg. An der hiesigen Hessischen Lehranstalt für Obstbau und Landwirtschaft beginnt am 14. und 15. September 1926 ein Obitverpadungslehrgang. Anmeldungen sind an die Direktion zu richten. Bad Nauheim, 19. August. In dem neu hergerichteten staatlichen Ausstellungsraum in den Kolonnaden von Bad- Nauheim findet vom 15. Auguft bis etwa 15. Oktober eine Ausstellung Sessenkunst" statt, die von der Neuen Hessischen Arbeitsgemeinschaft für bildende Kunst veranstaltet ist. Sie enthält eine kleine, aber sehr gewählte Anzahl verschiedenartiger Werke aller Fachgebiete. Es sind Del- und Wasserfarbenbilder, Griffelkunstblätter, tleine Bildhauerarbeiten und kunstgewerb liche Werke jeglicher Technit, an denen sich die bewärtesten hessischen Künstler und auch die Kunstschulen von Mainz, Offenbach, Erbach beteiligt haben. Die geschmadvolle Ausstellung bei freiem Eintritt jederzeit zugänglich, ist vielseitig, anregend und der niedrigen Preise wegen zu Ankäufen verlodend. Lauter( Kr. Gießen. Hier ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt und ein Sperrgebiet aus der Nauheimerstraße bis zur Bingmühle gebildet worden. Alsfeld. Infolge Walzarbeiten auf der Kreisstraße Müde Ruppertenrod Ober- Ohmen erfolgt vom 15. August ab die Umleitung des Verkehr über Merlau- Kirschgarten- Wetijaajen Ruppertenrod Ober- Ohmen- Kreisgrenze. Heppenheim a. d. B., 17. August. Mit dem Wiederaufbau des Burgfrieds der Starkenburg wird jetzt begonnen. Er soll etwa 35 Meter hoch, also mehrere Meter höher wie der alte Burgfried werden. Zur Wasserbeschaffung hat man den etwa 30 Meter tiefen Burgbrunnen tiefer gegraben. Große Schwierigteiten bereitet das Herbeischaffen des Steinmaterials usw. Die noch fehlenden finanziellen Mittel hofft man durch eine Lotterie aufbringen zu können. ,, Gießener Zeitung" die Wehr der Buderusschen Werte, fonnte der Brand schnell lofalifiert und weiterer Schaden verhindert werden. Frankfurter Brückenweihfest. Frankfurt a. M., 15. Auguft. Frohes Treiben herricht an den Mainusern und in der Altstadt. Sachsenhausen sieht die Brüdenweihe ganz als sein Fest an. An den Uferstraßen sind weite Zelte, große und fleine Buden aufgeschlagen. Heute abend werden sich Tausende und Abertausende an den Main begeben. Am Samstag um 6,30 Uhr begann das Wassersportfest auf dem Main, um 8,30 Uhr der Lampionforso der Rudervereine und Einzelfahrer. 9,15 Uhr wurden das Brillantfeuerwerk auf dem Main, die Beleuchtung des Domes, der Altstadt, der Dreikönigs Alzen. Der verheiratete Arbeiter Fritz Fled aus Bornheim wurde vergangenen Samstag abend durch einen Stich in die Halsschlagader erstochen. Der Getötete ist Vater mehrerer Kinder. Einer seiner Söhne, der bei der Tat zugegen und seinem Vater zu Hilfe fommen wollte, erhielt ebenfalls mehrere Stich verlegungen. Der Täter, der ebenfalls in Bornheim wohnende und dort verheiratete Trautwein, wurde unmittelbar nach der Tat durch die Gendarmerie aus Flonheim verhaftet. sfähigkeit. Aber er kann nicht zum if den Zweigen sitzen, statt der Bläton Kriegsleuten, die durch allerlei dlichen Stände bedrücken und quälen er Arbeit Nüzliches und Lebensnotnig und übermütig vernichten und Teile der Baumkrone aber, wohin so gut wie unmöglich gemacht ist, bestehenden Offiziere. Diese sind die Krieges. Sie bedrücken sowohl die ten, als auch Bürger und Bauern und ie Goldſtücke auf, die bisweilen ein Wanne in Form von Kontributionen t; Sie führen ein Leben herrlich und anderen Stände, die große Maſſe des ben. reichen Fülle von Bildern und Gein ſeinen Simplicianiſchen Schriften es wildbewegten Kriegstheaters dem ir immer so, wie es der Mann aus the Militär erlebte. Wir hören von ord und Totschlag, von Quälereien Kriegslisten, Gaunerstreichen und Dichter mit seiner Gelehrsamkeit von abergläubigen Vorstellungen be riffenheit, wie er, wenn auch scheinbar doch in Wirklichkeit mit tiefem sittfungen und Laster seiner Zeit an den züglich beobachteter und scharf umfiert er aufs treffendste die verschie atenstandes. Da ist der feige, trottellhans; da ist der Kecke Draufgänger ends ein dauerndes Glück zu finden früh verdorbene Muttersöhnchen, der uchten Leben als meuchelmörderischer firche und der Alten Brüde abgebrannt. Das Weihefest begann am Sonntag mit der feierlichen Schlußsteinlegung. Von Ratsdienern in ihrer historischen Tracht geleitet, bettat furz vor 11 Uhr der Oberbürgermeister mit den Abgesandten der Regierungen und Behörden die Brüde. Stadtrat Schulz verlas die Urkunde, die dem Schlußstein einverleibt wurde:„ Gott schirme die Brüde, schütze Reich, Land und Stadt und erfülle alle Hoffnungen, die sich an die Eröffnung der Brüde Inüpfen." Bauhandwerker in ihrer malerischen Zunfttract schlossen darauf den Stein. Reichsverkehrsminister Krohne tat darauf die ersten drei Hammerschläge. Unmittelbar darauf be gaben sich die Festgäste auf die Mitte der Brüde, wo Oberbürgermeister Dr. Landmann in einer längeren Ansprache auf die Bedeutung des Tages hinwies. Der Redner schloß: Die Mainlinie, einst Schicksalslinie des deutschen Volkes, weil sie tünstlich Nord und Süd trennte, wird durch diese Brüde überbrüdt. Wie sie jahrzehntelang Symbol und Hoffnung war für die Vereinigung von Süd und Nord, so sei sie Wegweiser für die Zukunft, mahnendes Zeichen für den Zusammenschluß alles dessen, was deutsch fühlt, denkt und spricht und heute noch getrennt ist. Es war etwa dreiviertel zwölf Uhr, als der Oberbürger meister mit der symbolischen Durchschneidung des Brüdenbandes die Alte Brücke eröffnete. In diesem Augenblick begannen auf beiden Ufern die Glocken zu läuten, Böllerschüsse lösten sich, Schiffssirenen heulten Zustimmung und ein brausendes Hurra pflanzte sich von Ufer zu Ufer fort. Punkt zwölf Uhr wurde die Reichsflagge auf der Brüde gehißt und volltönend sang die unüberschbare Wienge das Deutschlandlied. Unauslöschlich tief prägte sich dieses ergreifende geschichtliche Erlebnis in die Herzen der Teilnehmer ein. Von der anmutigen Maininsel aus, wo den Ehrengästen ein Jmbiß gereicht wurde, sahen sie dann den prächtigen Echiffsfestzug vorüberziehen, sieben Gruppen mit zusammen 69 Schiffen. Die Mainuser boten einen festlichen Rahmen, bis tief in die Altstadt hinein, wehten die Fahnen und zogen sich Tannengirlanden. Weglar. Auf bis jetzt nicht aufgeklärte Weise brach auf dem benachbarten Hofgute zu Hermannstein Feuer aus. Es brannte die Mühle des Gutes, die seit einigen Jahren wieder in Betrieb gesetzt war, vollständig nieder. Durch das Eingreifen der Orts= jeuerwehr und unterstützt durch die Wetzlarer Dampfspritze und Wegelagerer ein gewaltsames Ende findet; da ist sein weibliches Gegenstück, die böhmische Soldatenhure Courasche, die nach kurzem Glücke durch eigene Schuld schließlich als Landströyerin, Bagabundin verkommt; da ist auch Herzbruder, der, vom Schidsal bald begünstigt, bald verfolgt, sich doch immer sein redliches, mitfühlendes Herz erhält, seinem Blutbruder Simplicius allzeit die Treue wahrt und ihm nach Möglichkeit das Gute vergilt, was dieser ihm erwiesen hat. Und endlich Simplicius selbst: Als unschuldiger, unwissender Knabe gerät er in den Kriegstrubel, lernt sich noch allerlei Demütigungen und Drangsalen dank seiner Klugheit, Geschicklichkeit und Lernbegier bald in der tollen Welt zurechtzufinden und seinen Vorteil wahrzunehmen. Er wird bald ein tüchtiger Soldat, kommt rasch empor und erwirbt sich Ehre und Reichtum in Fülle, vergißt aber auch bald alle guten Lehren, die er in seiner Kindheit empfangen, wird ein Stuzzer, Verschwender und Schürzenjäger, verliert sein Vermögen, wird nach einander Quadsalber, simpler Musketier und Marodeur, fommt wieder zu Gelde, quittiert den Dienst lebt in behaglichen bürgerlichen Verhältnissen und flieht schließ= lich die Welt, geht als Einsiedler in die Wildnis, um dort ,,!! philosophieren und ein Gott wohlgefälliges Leben“ zu führen, was ihm in der süd- und lasterhaften Welt nicht möglich war. Nachdem der Schiffsfestzug vorbei war, fanden in Niederrad auf der Rennbahn die Jubiläumsrennen statt. Ein Festspiel in der Festhalle bildete den Abschluß der Festlichkeiten der Brüdenweihe. Kassel, 20. 8. Der Bahnhofsausseher Baad aus Philippstal a. d. Werra wurde wegen Beschimpfung der Reichsfarben von dem Schöffengericht in Kassel zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. In der Schilderung und Charakterisierung dieser Laster erweist sich Grimmeshausen als Meister. Mit Humor weiß er in lebendigen, anschaulichen Szenen markante Beispiel solcher Untugenden vorzuführen. Die Unmäßigkeiten im Fressen und Saufen, das Stußertum und a la mode Unwesen, den Hang zum Tanzen und die dadurch geförderten geschlechtlichen Aus= schweifungen, das Karten- und Würfelspiel, das Fluchen und Gotteslästern, dies alles weiß Grimmelshausen in fräftigen und Als echten Satiriker macht er trefflichen Farben zu malen. nicht so sehr durch Moralpredigen seinem Unwillen über die Verderbtheit der Welt Luft, sondern sucht durch karifierende, übertriebene Schilderungen der menschlichen Torheiten und Laster diese als närrisch und eines vernünftigen Menschen un= würid hinzustellen und an diesem erzieherischen Zwed war ihm, Nr. 34. Heidelberg. Die hiesige Universität zählte im legten Sommersemester 2614 Studierende, darunter 431 Studentinnen. Die höchste Zahl der Studierenden wies die philosophische Fakultät auf, dann folgt Jura mit 775. Heidelberg, 20. August. Die ständig ausverkauften Auffüh rungen der Heidelberger Festspiele haben bewiesen das lebhafte Interesse des gesamten Publikums. Bemerkenswert ist die große Anteilnahme der ausländischen Gäſte, die augenblicklich in Hei delberg weilen. Hente fand die europäische Uraufführung des „ Munken Bendt" statt, das leider aus technischen Gründen in dieser Saison nur dreimal gespielt werden kann. Die große Zahl in ausländischer Pressevertreter zeigte, daß man nach erfolgreichen Aufführungen im Rahmen des historischen Heidelberger Schloßes auch dem literarisch bedeutsamen Ereignis großes Berständnis entgegenbrachte. Die letzten Daten lauten wie folgt: Samstag, den 21. und Sonntag, den 22. August Wiederholungen ..Mänken Bendt". Zu den Festspielen erschien eine Festschrift ( mit zahlreichen Abbildungen vom Schauplatz und den Mitwir fenden sowie einer Anzahl interessanter Aufsätze) die zum Preise von Mt. 2. durch die Festspielleitung, Heidelberg, Anlage 2, zu beziehen ist. Wiesbaden. Der 33. deutsche Weinbaukongreß findet vom 4. bis zum 8. September hier statt. Er wird eingeleitet am Samstag, 4. September, mit einer Sigung des Reichsausschusses für Reblausbekämpfung im Kurhaus. Mittags um 12 Uhr findet die Eröffnung der Weinfachausstellung im Paulinenschlößchen statt. Die öffentlichen Kongreßßigungen sind nachmittags 3 Uhr und am Montag vormittag 9 Uhr. Wiesbaden. Die diesjährigen Herbstmannöver der britischen Besagung finden in der Umgebung von Hochheim abwärts bis Jostein statt. In den Orten des Landkreises, wo um diese Zeit die Kirchweih stattfindet, sind nur für den Sonntag die Säle freizugeben bis 2 Uhr morgens. Hersfeld. Das leichtsinnige Hantieren mit dem Revolver fostete einen jungen Landarbeiter in Unterbreißbach das Leben. Im Beisein von einigen jungen Leuten, denen er seinen Revolver verkaufen wollte, machte er sich an dem Revolver zu schaffen. Plötzlich trachte ein Schuß, und durch den Kopf geschossen, brach der Bedauernswerte tot zusammen. dem sittlich und tief religiösempfindenden Manne, wie er selbst mehrfach betont, besonders viel gelegen. Es ist nur aber sehr merkwürdig, daß man zwar allenthalben in den Werken Grimmelshausens erkennt, daß ihr Verfasser eine durch und durch religiöse Persönlichkeit ist, daß sich aber trotzdem bis jetzt noch nicht einwandfrei hat feststellen lassen, ob dieser sich während des größten Teiles seines Lebens zur fatholischen oder pro== Etwas für die damalige, testantischen Konfession bekannt hat. Fließarbeit Tagung auf der Kölner Herbstmesse. Köln. Im Zusammenhang mit der Sonderausstellung Fließarbeit“ auf der Kölner Herbstmesse( 12.- 17. September) veranstaltet am 15. September der Ausschuß für wirtschaftliche Fertigung und der Ausschuß für wirtschaftliche Verwaltung ( beide beim Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit) in Verbindung mit dem Messeamt Köln eine wissenschaftliche Tagung. Anmeldungen für die Tagung sind zu richten an den Ausschuß für wirtschaftliche Fertigung, Berlin NV 7, Schadowstr. 1b. Neue Bücher. Tannenberg, das Cannae des Weltkrieges, in Wort und Bild von General der Infanterie von Francois, Verlag Deutscher Jägerbund, Berlin SW 48. Rechtzeitig zu den alleroris im Reiche stattfindenden„ Tannenberg- Feiern" hat der bekannte General der Infanterie von Francois ein Buch herausgegeben, das im Gegensatz zu den bisher erschienenen, rein militärisch wissenschaftlichen Veröffentlichungen, eine wahrheitsgetreue und volkstümliche Darstellung der gewaltigsten Vernichtungsschlacht wiedergibt. Mit seinen 21 bisher unveröffentlichten Abbildun gen und 8 von dem Verfasser selbst gezeichneten Karten führt das Buch zum vollen Verständnis der genialen Schlachtenanlage unseres Generalfeldmarschalls von Hindenburg. in religiöser Hinsicht so unduldsame Zeit ganz Erstaunliches. Wie sein Simplicius scheint Grimmelshausen im Grunde seines Herzens allzeit ,, weder Petrisch noch Paulisch" gesonnen gewesen zu sein. An einem rechtschaffenen echt christlichen Leben lag ihm mehr als an komplizierten Dogmen. Mit den besten und aufgeklärtesten Köpfen seiner Zeit ersehnte er die Beseitigung der unheilvollen konfessionellen Spaltungen und träumte von einer wieder geeinten wahren christlichen Religion. So soll ja auch der„ Teutsche Held", von dem er im dritten Buche des ,, Simplicissimus" erzählt, zuletzt aus dem Geistlichen aller Konfeffionen ein Konzil berufen, zu dem Zwede, festzustellen, was ,, die rechte, wahre, heilige und christliche Religion" sei, zu der sich dann alle bekennen müssen. Zuvor aber wird, so erzählt dort Grimmelshausen, der „ Teutsche Held" mit dem ihn von Gott verliehenen Schwerte ohne Blutvergießen den Frieden auf der ganzen Welt herstellen und alle Lande der Erde unter deutschen Zepter vereinigen. Ein liebes Lichtlein für Abendstunden. Wer mag nicht, wenn es dunkel wird, ein freundliches Licht über seiner Stube schimmern sehen? Besonders im Winter kann solch ein freundliches Licht einem wohltun wie eine gute Hand. Solch ein liebes Licht ist ein feines Buch. Ich will euch eines verraten, das um ein paar Pfennige zu haben ist. Es ist ein alter Bekannter, der biedere Lahrer Hinkende Bote. Der Kalender ist Verlag von Moritz Schauenburg in Lahr( Baden) erschienen. Der Preis des Jahrgangs 1927 beträgt 50 Pfg. Diese schönen Zukunftsräume legt der Dichter allerdings bezeichnender Weise einem verrüdten Gelehrten, der sich für den Gott Jupiter hält, in den Mund. Mußte sich aber der Dichter bei den damals in Deutschland herrschenden trostlosen Zuständen denn nicht sagen, daß bei ruhiger Ueberlegung derartige Hoffnungen und Sehnsüchte nur als närrische Phantastereien er= scheinen fonnten? Gein vaterlandsliebendes Herz empört sich zwar über die bestehenden erbärmlichen Verhältnisse, sieht je doch keine Möglichkeit, wie dem Unheil so bald erfolgreich gesteuert werden könnte. Gerade deshalb aber hält er es für die zu setzen, was dem immer weiter um sich greifenden Uebel Abbruch tun könnte. Vor allem eifert er gegen die mehr und mehr Schlank bleibt Trumpf auch für Herbst und Winter 1926/27. Sie müssen sich einen Ueberblick über alle kleidsamen Neuerun gen verschaffen! Der im Verlag Otto Bener, Leipzig erschienene Beyers Modeführer, Herbst und Winter 1926/27, Band 1, Damenkleidung, ist ein guter Berater der Frau, die modisch gekleidetsein will. Er ist für Mt. 1,50 überall zu haben. Verantwortlich: Christian Klein in Gießen. Persil füre Wollwalche Schon in kalter Lauge erzielen Sie den schön sten& folg! überhand nehmende Nachahmung und Nachäffung des Ausländischen in Sprache und Literatur, Sitten und Gebräuchen. Sein ,, Teutscher Michel" ist das schönste Beispiel für diese gute deutsche Gesinnung des Dichters. Mit Wohlwollen sieht er bie Bemühungen, die auf eine Reinigung der deutschen Sprache von fremdländischen Beimischungen hinzielen, hütet sich aber vor dem Uebereifer fanatischer Puristen, die im übertriebenen Reformierungsdrange sogar längst eingebürgerten Fremdwörter durch neugebildete deutsche Bezeichnungen ersehen wollen. Viel wichtiger und und erstrebenswerter als solche Aeußerlichkeiten erscheint ihm eine Läuterung der Deutschen in Sitten und Gefittung. Denn die fremden Sprachen schaden an sich selbst nichts, sonder die angenommene mit eingeschlichene Gitten.... Wie werden wir bestehen, wenn uns ein Volf betriegen und unser Freiheit unter sich zwingen wollte, dessen Sprache wir schon reden, dessen Lebensart uns wohlgefällt, dessen Kleidung wir bereits tragen, dessen Tun und Wandeln wir lieben und ihm in allem nachäffen? Ich schließe aber hiermit kurz und sage noch einmal: Gegenwärtiger Zeit Wörter mag man sich wohl gebrauchen; man soll aber der alten Gitte vornehmlich aber ihrer Standhaftigteit und Tugend nachfolgen... Jit demnach derjenige der allerbeste Teutsche, welcher der alten Teutschen Tugend übet und liebet, mann er gleich mit besser oder zierlicher redet, als ein Tropfiger Pingauer, und bei einem solchen ist auch das beste Teutsch zu finden." In harten Worten tadelt er deshalb im„ Stolzen Melcher" diejenigen, die im fremden Golde gegen Deutschland kämpfen; und getreu diesen in seinen Schrif= ten geäußerten Anschauungen, ergriff Grimmelshausen selbst noch einmal furz vor seinem Tode, als die Raubfriege der Fran30sen begannen, die Waffen, um deutsches Land gegen die Gelüfte des eroberungsjüchtigen westlichen Nachbars zu verteidigen. Go erweist sich Grimmelshausen in Worten und Werken als ein echter deutscher Mann. Für uns aber, die wir jetzt nicht immer unter den Sachwirkungen des entsetzlichsten aller Kriege leiven, haben seine Schriften trot ihrem ehrwürdigen Alter no eld ganz besonderes aktuelles Interesse. Sonnabend, den 21. August 1926. ,, Gießener Zeitung" Ein weitblickender Geschäftsmann darf seine Zeitungsanzeigen nicht einschränken! Das Publikum merkt rasch einen solchen Rückgang und schliesst daraus auf einen Rückgang der Firma! Es ist auch wichtig, dass die Reklamen u. 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September, eine Be cung von Mitgliedern der Regieru Sad Salzhausen. In Wölfersheim m besichtigt und am Nachmittag geht hausen. Dort wird ein Vortrag über Fichtliche Entwidlung der Werke in 2 findet eine Besichtigung der technischen Galzhausen statt. Bekanntlich ist einem erfreulichen Aufschwung begrif Rüdgang der Erwer Berlin, 27. August. Der Rückga unterstützungsempfänger hat auch in gehalten. Die Zahl der männlichen ger ist von 1328 000 am 1. August a jarüdgegangen, die Zahl der weil mpfänger von 324 000 auf 317 000. trägt 2,9 Prozent. * Die gefährlichen Obermusitmeister a. D. R abend des französischen Natio Festhallengarten in Koblenz, m Franzosen vorbeikam, Märsch wurde vom französischen Mili Geldstrafe und einem Monat C Deutscher Landge Die deutschen Landgemeinden gliederversammlung im Rahmen d ings am 28. und 29. August im S Bordergrund der Verhandlungen st Gemeinden wichtigen Fragen übe die Selbständigkeit der Gemeinden, nische Gestaltung des Zuschlagsrech Gemeinden bei der Gesetzgebung. * Zum Reichsthe Die Konzessionsbehörden werden im Oktober in Weima auf der der im Reichsinnenm Entwurf eines Reichstheaterge und endgültige Fassung erhalte Na also Paris, 26. August. Der französ tard gibt heute im„ Quoditien" 31 Ralmedy Anspruch hatte, weil de töllerung lebe, feinesfalls aber au cusschließlich Deutsche wohnen. Di die Nachricht, daß dieses Gebiet c Derden solle, ohne jede Erregung Hejes Gebiet in Belgien überhaup Vier Todesurteile im türkis Konstantinopel, 26. August. I jora wurden Dichavid Ben, Nazim Beam Tode verurteilt. Thre lode eripigen. Desterreich auf der Ka Köln, 26. 8. Die Kölner Mess Aufgabe gemacht, die deutsch- österre gen zu pflegen. Die Verbindungen Rheinland und Desterreich bestand furzem durch die Kundgebungen de Köln ihren Ausdrud fanden, sollen at die Kölner Messe gefördert mid fich Desterreich an der tom 15. September) mit einer sehr b Sonderausstellung beteiligen. Berigtigung. In der Nr. 34 muß es in dem Bericht über den in der legten Zeile heißen: auf ru