B1486/ 10 fol. max.Gießener Zeitung Bezugspreis 40 pfg. monatlich ( Neueste Nachrichten) vertehjährlich 1,20 Mtr., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Gepebitten oder in den Zweigausgabestellen viertelfährlich 90 Pfg.- Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Seliersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuftripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Nr. 1. Telephon: Nr. 362. Reichstagswahlen 1912. Wetzlar. Die konservative Partei unseres Wahlkreises stellte für den zurückgetretenen Kandidaten v. Eichel den Landwirt Theodor Schindler aus Schöneberg auf. - Karlsruhe. Die Stichwahlen sind in Baden auf den 20. Januar anberaumt. Rus Stadt und Cand. Gießen, den 3. Januar 1912. Am 1. Januar 1912 ist, wie aus dem Inseraten teil der heutigen Nummer zu ersehen ist, der Deutsche Buchdrucker- Tarif wesentlich erhöht worden. Wir werden infolgedessen unsere Zeitung von heute ab wöchentlich nur zwei Mal herausgeben, dafür aber den „ Illustr. Wochen- Anzeiger" je de Woche ein Mal gratis mit beilegen. Der Verlag. n Gießen. Die hiesige Freiwillige Feuerwehr hält Montag, den 8. Januar, abends 8% Uhr im Cafe Ebel, eine außerordentliche Hauptversammlung ab zwecks Beratung und Genehmigung einer neuen Satzung. n Gießen. Prof. Biermann wird dem Ruf an die Universität Halle Folge leisten. - Gießen. Zum Wahlkommissär für den Wahltreis Gießen Grünberg- Nidda wurde Provinzialdirektor Geheimerat Dr. Usinger bestimmt. n Gießen. Diesen Samstag wird in öffentlicher Versammlung im Kolosseum der Präsident des Hansabundes Dr. Riesser einen Vortrag halten über die Befreiung des Bürgertums". Der Beginn ist auf 8½ Uhr angefeßt. Samstags liegt der Universitale Illustrierte Wochen- Anzeiger gratis bei. GIESSEN Expedition: Seltersweg 83. Mittwoch, den 3. Januar 1912. genommen. Privatdozent Dr. A. Wirth, der unserer Stadt durch seinen Vortrag über Marokko tm September vorigen Jahres bekannt wurde, wird die Festrede halten. n Gießen. Die mehrmals verschobene Aufführung der Frösche" des Aristophanes unter Mitwirkung von Kräften vom Darmstädter Hoftheater findet nun be stimmt am Montag, 8. Januar, statt. Der Vorstellung dürfte das größte Interesse entgegengebracht werden. n Gießen. Der Verein zur Förderung eines Saalbaues hat heute im Restaurant Großherzog seine Hauptversammlung. -B ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 20 pig. die 44 mm breite Inseratenzeile.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pho Extrabetlagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Beberschreitung des Bahlungs. #zieles( 30 Tage), bei gewichtlicher Betreibung oder bet Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften olme Berbindlichkeit. Druck der Gießener Berlagsdruckerei. Telephon: Nr. 362. 500 Tonnen in Kraft. 24. Jahrg. r Wetzlar. Heinrich Uhl zu Oberwetz, Heinrich Sänger zu Niederquembach, Wilhelm Bangel zu Kröffelbach, Konrad Kunz 2. zu Nauborn, Heinrich Bender zu Neukirchen und Johannes Wagner zu Oberquembach wurden zu Gemeindevorstehern in den betreffenden Gemeinden vom Landrat bestätigt. r Wetzlar. Vom 8. bis 11. Januar wird in Groß- Rechtenbach ein Unterrichtskursus im Obstbau unentgeltlich abgehalten werden. r Wetzlar. In der Nacht vom Samstag zum Sonntag wurde in das Herrengarderobegeschäft von n Gießen. Es wird von privater Seite geplant, Stern in der Brückenstraße eingebrochen und Kleidungsdurch kleine Sammlungen die Mittel für einen Musikstücke im Werte von ungefähr 1000 Mark geraubt. tempel aufzubringen, um die Süd- Anlage- Konzerte der hiesigen Militärkapelle den Störungen durch die Witterung zu entziehen. n Gießen. Die Neujahrsnacht ist leider nicht ohne Blutvergießen vorübergegangen. Der Instituts diener Stork geriet auf dem Heimwege in der Bahnhofstraße in Begleitung seiner Frau und Bekannten mit zwei Burschen in Streit, in dessen Verlauf er einen lebensgefährlichen Stich in die Lunge erhielt. Die beiden Attentäter, der 25jährige Spenglergehilfe Peter Erb und sein Stiefbruder Heinrich Wernec, der den Stich ausgeführt hatte, wurden nach längerer Treibjagd im Gestrüpp der Wieseckufer verhafftet. Der Begleiter Storks erlitt leichtere Verletzungen. Die Aerzte hoffen, den lebensgefähr lich Verwundeten am Leben zu erhalten. o Ettingshausen. Unsere Gemeinde hat Arbeiten und Lieferungen zur Drainierung der Gemarkung für 11 500 Mt. vergeben. o Lich. Das seltene Fest der diamantenen Hochzeit feierten gestern das Ehepaar Dr. Kreuder und n Gießen. Der Großherzog empfing am Sylve- Frau Clife geb. Gantgerich in voller geistiger und för stertage den Kommerzienrat Klingspor, Mitglied perlicher Frische. der Handelskammer von Gießen. n Gießen. Das 1812 begründete Seminar für tlassische Philologie an der hiesigen Universität gedenkt im Sommer 1912 seine Hundertjahrfeier u. a. durch eine Aufführung von Aristophanes'„ Vögeln", Musik v. Meier- Gschren, festlich zu begehen. n Gießen, 3. Jan. Heute vormittag scheuten die Pferde eines Fuhrwerks in der Bleichstraße, rannten im schnellsten Tempo der Südanlage zu und überfuhren dort einen Mann namens August Diebel. Derselbe erund litt schwere innere Verletzungen, einen Beinbruch andere Verletzungen am Kopf. Die Sanitätskolonne verbrachte den Bedauernswerten nach seiner Wohnung. n Gießen. Reichsgründungs- Feier. Unsere Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes hat für Donnerstag, den 18. Januar, die Veranstaltung einer Reichsgründungsfeier in Steins Garten in die Hand Ein Triumph der Wissenschaft. Beseitigung der chronischen Stuhlverstopfung ohne Abführmitttel. Der einzig richtige Weg zur Blutreinigung". Blut ist Blut ist ein ganz besonderer Satft", sagt Goethe. flüssiges Leben", sagt der Arzt. Blue ist das Oel der Lebensflamme, der Bekämpfer, aber auch dr Urheber zahlreicher Erfrankungen. Wie bekannt, liegt die Quelle des Blutes im Darm. Von dorther stammen mithin schon die Krankheitskeime, die von dem Blut durch den ganzen Körper verschleppt werden. Wenn daher der Darm nicht richtig funktioniert, ist auch der ganze Organismus in Unordnung. o Lich. Unser hochbetagter Türmer Johann Adam Schmidt konnte am Neujahrstage das 50jährige Türmer- Jubiläum begehen. ):( Nassau. Der Zwangsvergleich in dem Konkurs des Vorschuß- und Kreditvereins in Nassau ist nunmehr gesichert. Von den zur Befriedigung der Gläubiger erforderlichen 50 000 Mark sind 46 000 Mt. durch freiwillige Zeichnungen von den Vereinsmitgliedern aufdie gebracht. Die noch fehlenden 4000 Mark werden Gläubiger an ihren Forderungen nachlassen. ):( Stockstad t. Einem Schäfer aus Groß- Ostheim wurden 54 Schafe im Werte von ungefähr 2000 Der Mark vergiftet. Die Tiere gingen sämtlich ein. gleiche Streich wurde an einer größeren Anzahl Hühner verübt. ):( Weilburg. Die Errichtung einer städtischen Elektrizitätsanlage ist nunmehr beschlossen worden. Die Kosten dafür sind auf 112 000 Mark veranschlagt. ):( Frankfurt. Die Arbeiten an der Erdbebenwarte auf dem 825 Meter hohem Gipfel des Kleinen Feldbergs sind für dieses Jahr beendet. Das Institut soll am 21. Juli d. Js. bezogen werden. ):( Frankfurt. Jm Bodenheimer Gelegenheitsfaufhaus entstand durch unvorsichtiges Santieren mit Feuerwerkskörpern Feuer. Der Schaden wird auf 13 000 bis 14 000 mt. geschätzt. ):( Wiesbaden. Um den Besuch der Bäder Schlangenbad und Langenschwalbach zu heben und ihre Modernisierung durchzuführen, sind sie an die Gesellschaft für Verwertung fiskalischer Bäder m. b. H. vero Schlitz. Der Erbgraf Karl von Schlitz gen. von Görtz ist in Kristiania, wo er seit anderthalb Jahren zuerst Legationssekretär und später deutscher Geschäftspachtet worden. träg Er war, im Alter von 34 Jahren gestorben. wait 1905 mit Amelie, Prinzessin von Thurn und Tazis vermählt. Der Ehe sind zwei Töchter, Gräfin Sophi, geb. 1906 und Gräfin Margareta, geb. 1909, entsprossen. Der Tod des Erbgrafen Karl wird besonders im Schlitzerland herzliche Anteilnahme erwecken. r Wetzlar. Für die Zeit vom 1. Januar 1912 bis 31. Dezember 1914 tritt ein besonders ermäßigter Ausnahmetarif für Eisenerz von Stationen des Sieg-, Lahn- und Dillgebiets nach oberschlesischen Hochofen stationen bei' geschlossenen Sendungen von mindestens hat ):( Wiesbaden. Beim Sylvesterschießen sich der Kaufmannslehrling Stroh ein Auge ausge schossen, das 24jährige Mädchen Zwinkau hat sich eine schwere Verletzung an der Hand zu gefügt. ! Biebrich a. Rh. Bei dem Neujahrsanschießen I am Sylvesterabend schoß ein 15jähriger Junge mit dem Terzerol seinem 16jährigen Kameraden versehentlich eine Kugel in die Brust. s Darmstadt. Der flüchtige Rechner Adam von Nieder- Modau ist im Staate Ohio verhaftet worden und wird hierher ausgeliefert werden. uns zu den Desinfektionsmitteln. Durch sie muß der Nährboden|( Durchfall, Brechdurchfall, Blähungen, Verdauungsschwäche, Häder Mikroben, der doch ihr Wachstum und ihre Vermehrung| morrhoiden), an einem Leberleiden( Anschoppung), Gallenleiden allein ermöglicht, so beeinflußt werden, daß ihre Lebensbe dingungen aufhören. Als ein solches Mittel, das eine ganz enorme Darmdesinsektion ohne jede schädliche Nebenwirkung ermöglicht, empfiehlt der Direktor des weltberühmten Pasteur- Instituts zu Paris, der für seine genialen Forschungen mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Bakteriologe und Arzt Profeffor Dr. E. Metschnikoff, die Dieses seit Jahrden Yoghurt. bulgarische Sauermilch hunderten im Orient als lebenverlängerndes Mittel in hohem Ansehen stehende Milchpräparat, das ähnlich wie Kefir zubereitet wird, enthält ein hefeartiges Ferment, Majamia genannt, das die merkwürdige Eigenschaft besitzt, erst im Darm große Mengen Milchsäure zu erzeugen. Und Milchsäure in ihrem Entwickelungsstadium ist der grimmigste Feind der schädlichen Darmbakterien, weil durch sie deren Nährboden so versäuert" wird, daß ein Weiterwachstum aufhört. Mit Hilfe von Majamin, welches wir unter der ständigen Kontrolle des Bakteriologischen Instituts Dr. Piorkowski in Berlin aus bulgarischer Yoghurt- Milch isolieren lassen, ist heute jeder in der Lage, nach einem ganz einfachen Rezept sich Yoghurt für wenige Groschen selbst herzustellen. Neuerdings lassen wir aber auch aus Majamin ein äußerst wohlschmeckendes Dessert- Gebäck, Majapan genannt, herstellen und geben so denjenigen Patienten, denen die Zubereitung des Yoghurt zu umständlich sein sollte, oder die fürchten durch längeren Genuß von Yoghurt an Gewicht zuzunehmen, eine neue Darreichungsform des Majamin- Fermentes für sich allein. Der Gehalt eines einzigen Stückchens Majapan an wirksamer Yoghurt- Substanz entspricht dem einer großen Tasse Yoghurt; es besitzt mithin die gleiche darmdesinfizierende Wirkung und ist dabei noch wesentlich billiger. Bequemer fann man dem Menschen, der Yoghurt anzuwenden genötigt ist, aber aus dem einen oder anderen Grunde Milch nicht gerne nimmt, seine, Bille", in diesen Falle ein feines Dessert, gar nicht verabreichen, Neuere Forschungen haben nun nachgewiesen, daß die bei mangelhafter Darmfunktion sich bildenden Krankheitskeime sehr häufig von gewissen in Darm schmarotze den Kleinlebewesen ( Bakterien) herrühren, und in diesen letzterennsieht jetzt die Wissenschaft die Hauptursache zahlreicher schwerer, sowoh I afuter wie chronischer Leiden. So, um nur eines der wichtigsten herauszugreifen, die der chronischen Stuhlverstopfung in zahlreichen Fällen. Mit der Erkenntnis der wahren Ursache dieses Allerweltleidens sind natürlich jetzt auch die Wege zu seiner radikalen Beseitigung gegeben. Wenn man die chronische Stuhlverstopfung bislang mit Abführmitteln zu beseitigen suchte, so war man dabei, wie dies jeder bestätigen kann, der schon einmal längere Zeit daran gelitten, ganz und gar auf dem Irrwege. Mit Abführmitteln läßt sich wohl das Leiden für den Augenblick, nicht aber seine Ursache bekämpfen. Im Gegenteil, je länger Abführmittel genommen werden, desto schlimmer wird die Sache. Die Ursache des Uebels liegt eben sehr häufig in den genannten Fäulnisbakterien, und erst dadurch, daß man diese unschädlich macht, fann man das Leiden mit seinen oft furchtbaren Folgen mit der Wurzel ausrotten. Bakterien lassen sich nun aber nicht durch Abführmitel aus dem Darm vertreiben. Zu ihrer Vernichtung müssen ganz andere Wege eingeschlagen werden, dun die führen| Stuhlverstopfung leiden, oder die an einem anderen Darmleiden Ju Majapan ist jetzt endlich das Ideal eines ebenso unschädlichen, wie angenehm zu nehmenden Mittels zu einer gründlichen Desinfektion des Darmes geschaffen worden, das auch dann noch hilft, wenn Abführmittel versagt haben. Dabei besitzt Majapan keinerlei abführende Wirkung und kann auch Kindern, die es gerne nehmen, monatelang als Dessert zu den üblichen Mahlzeiten gegeben werden. Es sollen Majapan nicht nur Patienten nehmen, die an chron. ( Gallensteinen), Nierenleiden( Eiweiß, Zucker, Wassersucht, Nierengries und Blasensteinen), an Gicht oder Rheumatismus erfranft sind, oder die eine Disposition zur Vlinddarmentzündung be sitzen, sondern auch Bleichsüchtig, Nervöse, Korpulente usw. Alle diese Leiden haben eben mehr oder weniger ihren Ursprung in einer ungeregelten Darmtätigkeit. Dann soll aber auch Ma japan bei feiner Mahlzeit jener Patienten fehlen, bei denen die im Blut zirkulierenden schädlichen Stoffe sich als Hautausschlag, Flechten, Pusteln, Geschwüre, Furunkel usw. abzulagern pflegen. Hier wirkt Majapan ganz anders als die sogenannten Blutreinigungstees, als Seifen usw., mit denen immer nur ein Symptom des Leidens, niemals aber dieses selbst getroffen wird. Wer sich für den Gegenstand interessiert, lasse sich von uns eine Probe kommen, die wir bereitwilligst kostenlos und franko jedem zusenden, der uns den hier angehängten Bestellzettel aus gefüllt einsendet und ihm 20 Pfennig für Porto usw. beifügt Wir legen der Sendung eine, aus der Feder eines praktischer Arztes stammende, hochinteressant geschriebene Broschüre bei, in der zahlreiche Aeußerungen hervorragender Professoren und Mediziner über die darm- und blutreinigende Wirkung des Yog hurt und des Majamin- Fermentes abgedruckt sind. Morgenländische Drogen: Import: Gesellschaft Berlin W. 15 Senden Sie mir eine Probe ,, Majapan" kostenlos nad portofrei zu. Name: Beruf oder Stand:. Ort: Nähere Adresse: Neujahr am Kaiserhofe. Den Beginn der Neujahrsfeter am Kaiserlichen Bofe bildete auch in diesem Jahre das große Wecken. Während auf dem Königlichen Schloffe zu Berlin dte dret Standarten gehißt wurden, traten die SpielLeute auf dem inneren Schloßhofe gegen 8 Uhr an und festen nach dem Anschlagen der Tambours mit dem Niederländischen Dankgebet ein, dessen zweiten Vers bie Mannschaften sangen. Gleichzeitto bliesen die Trompeter den Choral" Nun danket alle Gott" von der Galerte der Schloßkuppel in den trüben, neblig- feuchten Neujahrsmorgen. Im Schlenderschritt marschierten dann die Musiker zum Brandenburger Tor hinunter. Biele Hunderte von Schaulustigen zogen nach den Kläntgen des alten Liedes Freut euch des Lebens" mit die Straße Unter den Linden entlang. Viele andere nahmen am Lustgarten Aufstellung, um die Anfahrt der Mafestäten, der Fürstlichkeiten und der Hof- und Staatsjwürdenträger zu sehen. Der Kaiser und die Kaiserin hatten um 8% Uhr das Neue Palais mit Automobil verLassen und trafen um 9% Uhr in Berlin ein, vom Publitum mit Hurrarufen begrüßt. Ungefähr gleichzeitig endete das große Wecken wieder auf dem inneren Schloßhofe mit dem Choral Ein feste Burg". In den Sälen und Galerten des Schlosses nahmen die Galawachen Aufstellung. Auch die Abordnung der Halloren in threr historischen Tracht fand sich im Schlosse ein. Der Kaiser empfing um 9% Uhr den kommandierenden General des 18. Armeekorps General der Infanterie von Etchhorn und den General- Kapitän der Haustruppen General der Kavallerie v. Scholl im Sternfaal. Beiden verlieh der Kaiser den Schwarzen Adlerorden. In der Schwarzen Adlerkammer nahmen die Majestäten die Glückwünsche des Königlichen Hauses entgegen, im Kapttelfaal diefenigen der Hofstaaten. Um 10 Uhr begann In der Schloßkapelle der feierliche Gottesdienst. nach dem Zenghans. Vor diesem stand eine Ehrenkompanie vom 2. Garde- Regiment. Das Publikum begrüßte den Kaiser mit andauernden Hochrufen. In der Ruhmeshalle des Zeughauses wurde die Nagelung der Fahne des 2. West= preußischen Fußartillerieregiments Nr. 17( Danzig und Pillau) vorgenommen, der die feierliche Fahnenweihe im Lichthofe folgte. Die Parole lautete wie immer „ Königsberg- Berlin". Der Katser nahm im Zeughaus noch die Rapporte der Leibregimenter entgegen, sowie militärische Meldungen. Gegen 2 Uhr nahm der Kaiser vor dem Zeughaus den Vorbetmarsch der Ehrenfomvante und der Salutbatterte entgegen. Darauf fand Frühstückstafel bei den Majestäten im Königlichen Schloß statt. Später fuhr der Kaiser bet den Botschaf= tern vor. Hier versammelten sich die Mitglieder des hohen Adels, der Reichskanzler von Bethmann Hollweg, die Bevollmächtigten zum Bundesrat, die Generalfeldmarschälle und Generalobersten, die Generalität und Admiralität, die Ritter des Schwarzen Adlerordens, dte Kommandeure der Leibregimenter, die aktiven und inattiven Staatsminister, die Staatssekretäre, die Präfidien des Landtages und die Räte der obersten Klassen. Am Altare stand die Hofgeistlichkeit. Der Domchor stimmte beim Einzug des Hofes den Psalm 98, Singet dem Herrn ein neues Lied" an. Unter Vorantritt der Bagen und der Herren des großen Vortritts nahte der Kaiser, in Generalsuniform, mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens und der Kette des Hausordens von Hohenzollern. Er führte die Kaiserin, welche eine violette Robe und einen Hut mit gleichfarbigen Federn Irug. Es folgten die übrigen Fürstlichkeiten, die alle vor dem Altar Platz nahmen. Nach Gemeindegefang und Liturgie predigte Oberhofprediger D. Dryander aber den Text Buch Josua 3, V. 10: Ihr sollt merken, daß ein lebendiger Gott unter euch ist" usw. Den Spruch hatte der Kaiser selbst ausgewählt. Die Jeter wurde mit dem Niederländischen Dankaebet beschlossen, das Domchor und Gemeinde unter Begleitung des Bläserchors sangen. Nach dem Gottesdienst Rundschau oom Cage. Politisches. Die Glückwünsche der Dreibundminister. Aus Anlaß des Jahreswechsels sind zwischen dem Reichs kanzler von Bethmann Hollweg und den Ministern des Aeußern Grafen Aehrenthal und Marquis di San Giultano herzliche Glückwunschtelegramme ausgetauscht worden, in denen der deutsche Reichskanzler und Graf Aehrenthal den wärmsten Wünschen für den König von Italien und der Marquis di San Giuliano ebensolchen Wünschen für Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef Auskunft gaben. Das Befinden Kaiser Franz Josefs tst andauernd gut und kann als normal bezeichnet werden. Der Monarch hat Appetit, schläft ruhig und ohne Störung und ist von seiner Indisposition wieder ganz hergestellt. Am Neujahrstage empfing der Kaiser zunächst den Thronfolger allein und darauf die Erzherzöge zur Entgegennahme ihrer Glückwünsche zum Jahreswechsel. Infolge der Flucht des französischen Hauptmanns Lux aus der Glazer Festung, worüber mehrfach berichtet wurde, werden demnächst für sämtliche Festungsgefängnisse verschärfte Bestimmungen über die Beauffichtigung der Gefangenen erlassen werden. begaben sich die Majestäten in feierlichem Zuge unter den Klängen des„ Wilhelmus von Nassauen" nach dem Weißen Saal zur Entgegennahme der GratulationsDefiltercour. Die Leibpagen traten neben die Thronseffel, die anderen Pagen bildeten Spalier, die Schloßgarde- Kompanie präsentierte. Die Majestäten nahmen hren Platz vor den Stufen des Thrones, die Prinzen rechts, die Prinzessinnen links neben dem Thronhimmel. Ein Marsch ertönte, vom Königsplatz her scholl ber Neujahrssalut der Leibbatterie des 1. Garde- Feldartillerie- Regiments und unter Leitung des Oberstfämmerers Fürsten Solm- Baruth und des Oberhofmarschalls Grafen zu Eulenburg begann die Cour. Der Kaiser reichte hierbei dem Reichskanzler und den anwefenden Präsidenten bezw. Vizepräsidenten des Herrenhauses und des Abgeordnetenhauses die Hand. Kaiser nahm dann nach der Cour im Marinesaal die Glückwünsche der Botschafter entgegen, die in ihren Brunkwagen zum Schloß gefahren waren, darauf diesenigen des Staatsministeriums und empfing im Ritlersaal die kommandterenden Generale und Admirale, mit denen sich die Generalfeldmarschalle und GeneralInspekteure, der Kriegsminister, der Cef des Generaltabes, der Staatssekretär des Reichsmarine- Amts und ber Chef des Admiralstabes u. a. vereinigt hatten. Die Raiserin empfing im Königinnenzimmer die Botschafter und später im Pfeilersaal die Fürstinnen. Um 12% Uhr begab sich der Kaiser, begleitet von den Prinzen Ettel Friedrich, August Wilhelm, Oskar und Joachim und Ben Herren des Hauptquartiers zu Fuß Der Die Herren von Dieskaut. 4) Original- Roman von Franz Treller. ( Nachdruck verboten.) Zwei neue Landesverratsprozesse werden in allernächster Zeit vor dem Reichsgericht in Leipzig verhandelt werden. Zunächst handelt es sich um den ungarischen Leutnant der Reserve von Cerno und seinen Helfershelfer, den russischen Marineleutnant der Reserve von Winogradow. Beide haben militärische Geheimaften an Rußland verkauft. Weiter wird gegen den früheren Polizeikommissar Reich aus Straßburg verhandelt, der beschuldigt wird, militärtsche Geheimakten an England verkauft zu haben. Die Anklageschrift ist allen Angeklagten bereits zugestellt worden. Rene Kämpfe in China. Der Waffenstillstand ist am Sonntag abgelaufen. Die Republikaner haben von Wutschang aus ein Gewehrfeuer gegen Hanjang eröff= net, womit die Kämpfe von neuem begonnen haben. Wie die chinesische Regierung bekanntgibt, haben 4000 Revolutionäre Sonntag abend Hanfau angegriffen. Der Kampf dauert an. Die Kaiserlichen sind erfreut darüber, daß der Abschluß der Verhandlungen, der, wie man annimmt, unzweteflhaft einen Steg der Republtfaner bedeutet hätte, vermieden wird. Nur ein Wesen befand sich auf Dieskau, dem die Achtung und Liebe der Menschen in vollem Maße zutell wurde, das war des Fretherrn Töchterchen Hilda. Hilda von Dieskaut verlebte mit einer alten Anberwandten der Familie, Frau von Herstell, den größen Teil des Jahres auf Schloß Dieskaut, so einsam es bort im Winter auch wurde. Kleine Nachrichten. starb. Infolge der Aufregung hierüber ist der Kauf mann schwer erkrankt. Ein granfiger Fund wurde gestern in einer Pension in der Luisenstraße in Berlin gemacht. Man fand dort t einer Kommode die Leiche eines mehrere Tage alten Kindes, der Arme und Beine abgeschnitten waren. Als Mutter tommt ein neunzehnjähriges Mäd chen in Frage, das verhaftet wurde. Eine Liebestragödie spielte sich gestern in et nem Hause der Bastianstraße in Berlin ab. Ein Dienstmädchen, das von ihrem Geliebten verlassen worden war, war in das Haus eingedrungen, um diesen und sich selbst zu erschießen. Als ein Schuhmann, der von dem Vorhaben unterrichtet worden war, erschien, krachte in Schuß. Der Beamte glaubte, daß auf ihn ge schossen worden war und feuerte gleichfaus einen Schuß ab. Später fand man das Mädchen tot vor. Es hatte sich durch einen Schuß in den Mund selbst getötet. Dte Kugel des Schußmanns war fehl gegangen. Schwere Folgen eines Versehens. In Strasburg ( Westpreußen) erhielten zwet Töpfer in einem Lokale versehentlich statt Schnaps Baldrianessenz. Beide Töpfer sind gestorben. Bergiftung durch Wasserschierling. In dem Orte Krickenbeck bet Kaldenkirchen aßen mehrere Knaben auf einem Spaziergange von den Knollen des Wasserschierlings. Einer der Knaben starb bald darauf, ein anderer liegt in Lebensgefahr darnieder. Aber das zarte sinnige Wesen vermochte Ste Gesellchaft zu entbehren, es trug eine Welt in sich, die thr pollkommen genügte. Nur im Herbste, wenn die männ= ichen Mitglieder der Familie mit ihren Gästen erschteten, zog sie sich mit ihrer mütterlichen Freundin nach er Stadt zurück, was die Herren, denen ihre Anwesenjett doch immerhin Rücksichten auferlegt hätte, gar nicht o ungern fahen. Auf einer Bootsfahrt ertrunken. Dret junge Leute aus Lehe, die am Sonntag eine Segelbootfahrt nach Strander Bucht unternahmen, sind beim Kentern ihres Bootes ertrunken. Die Leichen sind noch nicht ge= funden. Folgenschwerer Einsturz eines Eisenbahntunnels. In Serbten ist am Sonntag ein im Bau befindlicher Tunnel an einer neu projektterten Eisenbahnlinie ein gestürzt. Neunzehn Arbetter sind verschüttet worden. Die Rettungsarbeiten wurden sofort in Angriff genom men, es fonnte aber noch nicht festgestellt werden, ob sich die Verschütteten am Leben befinden. Drama am Meeresstrand. In der vergange= nen Nacht sind große Massen der historischen weißen Klippen bei Doger abgebrockelt und in die See gestürzt. Das durch den Absturz verursachte Getöse war meilenweit zu hören. Eine mächtige Flutwelle erreichte Foltestone. Die außeralb des Hafens liegenden Kohlenschiffe wurden um mehrere Fuß gehoben, sodaß die Ankerketten riffen. Die Fischerboote tanzten auf dem Wasser wie Korke. Ein deutsch- nordischer Touristenverband nach dem Muster des deutsch- österreichischen Alpenvereins ist am Sonntag in Berlin ins Leben gerufen worden. Der Verband bezweckt, den Touristenverkehr nach den Ländern des Nordens, Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland zu fördern. Der Briefträger als Lebensretter. Durch einen Briefträger wurden am Neujahrstage in Berlin dret fleine Kinder bei einem Brande in der neuen Königstraße gerettet. Der Beamte bemerkte beim Bestellen von Briefen, daß aus einer Wohnung Rauch herausquoll. Kurz entschlossen drang er in die Wohnung ein und brachte noch vor Ankunft der Feuerwehr die in Lebensgefahr schwebenden Kinder in Sicherheit. Opfer eines Mühlenbrandes. In dem ungarischen Dorfe Bajecze wurde eine große Mühle durch Feuer vollständig eingeäschert. Das Feuer überraschte die Familte des Mühlenbesizers. Zwei seiner Kinder fanden den Tod in den Flammen, das dritte wurde gerettet. Der Mühlenbesitzer erlitt lebensgefährliche Verlegungen. Die Tochter des Freiherrn war ein eigentümliches Wesen, das weder äußerlich noch innerlich in die Geellschaft der auf Dieskaut zu passen schten. Ihre Gestalt var zart, und ein in der Jugend erlittener unfall wang ste, ein wenig zu hinfeit. Es fiel dies zwar nicht besonders viel auf, doch gab thr dieser Zustand etwas Bülfloses, Rührendes, ein Eindruck, der durch die sanfen Gesichtszüge noch verstärkt wurde. Dennoch war hr Aeußeres von großer Anmut und besonders zit Pferde nahm sich Hilda von Dieskau sehr vorteilhaft mis, sie war eine gute Retterin. Das Antliv, findlich mädchenhaft, entzückte mehr durch Lieblichkeit des Ausbrucks und zarte Farben, als durch Regelmäßigkeit der Btnien. Das sanfte braune Auge aber zeigte jene echte Schönheit, die reines, tefes Fühlen, oder besser gesagt, en gittiges Herz diefem Spiegel der Seele letht. Das Spiel mit dent Revolver. Der Kaufmann Fuchs in Karlsbad wollte einem Kunden einen Revolver erklären. Dabei entlud sich die Waffe und die Kuz gel traf seine eigene 27jährige Tochter, die kurz darauf Die Bewohner des Dorfes, das unweit des Schloss Der Generalstreit von 50 000 Kohlenarbeitern droht in Belgien auszubrechen. Die Grubenarbeiter bestehen auf einer Aenderung des Zahlungsmodus. Die Einta gungsverhandlungen sind gescheitert. Etn Referendumt der Arbetter wird über den etwaigen Beginn des allgemeinen Ausstandes entscheiden. Vermischtes. „ Fener im Neuen Palais!" Dieser Ruf alarmierte Sonnabend abend furz nach 6% Uhr die Potsdamer Feuerwehr. Da Brände im Kaiserschloß stets als„ Großfeuer" angesehen werden, so rückte die Wehr in ganzer Stärke aus. Das Feuer war im Heizraum unter der Automobilgarage des Marstalles am Neuen Palats ausgekommen; es wurde in Turzer Zeit durch eine Hauslettung von den Schloßbeamten erstickt. Als die Feuerwehr unter Führung des Brandinspektors Edel heranfuhr, war die Gefahr schon beseitigt, und die Löschmannschaften konnten ihre Tätigkeit auf die Aufräumungsarbeiten beschränken. Hauptmann Lur spurlos verschwunden. Von dem entsprungenen französischen Spion, Hauptmann Lug, fehlt bts zur Stunde fede Spur. Man nimmt selbst in militärischen Kretsen der Festung Glaz nicht mehr an daß Lur noch gefaßt werden könnte. Von Interesse ist noch, daß Lux sich bet seiner Flucht mit Lebensmitteln versehen hat, die er dann unterhalb der Festung zurückIteß, anscheinend, weil er durch ein Geräusch gestört wor den war. Die Untersuchung hat ergeben, daß Lux bet Ausführung seiner Tat Helfershelfer aus Glaz nicht gehabt hat. Während seiner Haft hatte Lux mit deut schen Offizieren, die auf Festung waren, sehr kamerad schaftlich verkehrt. Wie heute der Draht aus Parts meldet, ist Hauptmann Lux am Sonntag abend über dte Schweiz in Paris eingetroffen. Wie es hetßt, wird er vom Kriegsminister in Audienz empfangen werden. Er verweigerte Interviewern gegenüber jede Auskunft über seine Flucht. ses lag und den gleichen Namen führte, verehrten thr Schloßfräulein wie ein höheres Wesen. Ste nahm auch aufrichtigen Anteil an den Freuden und Leiden der Dorfbewohner, ste kannte die Armen und Kranken und diese fühlten ihre stille Fürsorge. Oft schützte sie auch die Armen gegen die Härte der Förster oder gegen die Uebellaunigkeit oder Rohett ihrer Brüder. Mit einem Wort: Hilda von Dieskau war der gute Engel der Gegend und wenn sie abwesend war, fehlte sie allen. Während Hilda sonst mit Beginn der Jahreszeit nach der Stadt überzuſtedeln pflegte, war sie diesmal auf den Wunsch thres Vaters länger geblieben; schon waren einige Gäste, darunter ein österreichischer Baron Sakal, der schon zum zweiten Male auf Dieskau weilte, und auch ihr Bruder Harald, der zukünftige Majoratsherr, eingetroffen. Wo ist der Landesverräter Glauß? Ueber das Verbleiben des Wilhelmshavener Erschußmannes Glauß find die widersprechendsten Gerüchte verbreitet, die so ziemlich alle in das Reich der Fabel gehören. Neues Licht auf die Angelegenheit wirft eine zuschrift, die aus Parts stammt und die sich dahin ausspricht, daß Glauß sich wohl noch in Paris aufhält. Es wird nämItch vereinzelt vermutet, daß Glauß schon während setner Schußmannszeit Mitglied einer internationalen Gaunerbande gewesen fet, die ihm seinerzeit auch zur Flucht verholfen habe. Inwieweit diese Vermutung richtig ist, läßt sich nicht nachprüfen. Aber man wird, wenn man sich die einzelnen Umstände der Flucht des Glauß ins Gedächtnis zurückruft, die Ansicht als mindestens nicht unmöglich gelten laffen müssen. Ob fretItch eine andere Ansicht, zu der sich einzelne Kombina= tionsföpfe in der französischen Reichshauptstadt bekentforatsherr trotz seines frankhaften Ahnenstolzes doch in hohem Grade besessen hatte. Näher stand der Tochter des Hauses der jüngere Bruder Hugo, der tn der letzten Zeit von dem Treiben auf Dieskau sich zurückgezogen hatte und auch jetzt nicht erschienen war. Harald von Dieskaut hatte entgegen seinem Vater, der sich in den geschmeidigsten Formen zu bewegen verstand, etwas von der Nauheit und Bügellosigkeit seiner geharnischten Vorfahren geerbt und trotz seiner Jugend zetgte er sich dem Becher sehr zugetant. Diese Eigenschaften machten thn Hilda natürlich wenig sympathisch. Er hatte in einem Kütraffterregiment gedient. Seine rauhen Umgangsformen aber hatten thn bet den Kameraden in hohem Grade unbeltebt gemacht; dazu kamen seine Leidenschaft für Flasche und Karten und sein mehr als schroffes Benehmen den Mannschaften gegenliber. Dies alles wirkte zusammen, um das Regimentskommando zu veranlassen, thm nahe zu legen, setnen Abschled zit nehmen. Mit dem Ablegen der Uniform wurde Harald von Dieskaut aber kein anderer Mensch; jetzt fehrte er erst recht die üblen Setten seines Charakters hervor, lebte toll darauf los, befand sich nicht immer in der besten Gesellschaft und half dem Vater die Einfünfte Diestaus und noch etwas darüber zu verzehren. Zu einem Landedelmanne fehlte ihm wie setnem Vater der foltde Charakter, die fittliche Grundlage. die der frühere MaHilda von Dieskau ritt durch dte Dorfgasse, herzlich begrüßt von jedem, der ihr begegnete. Selbst der mitrrische Bauer machte ein freundliches Gesicht, wenn das gnädige Fräulein kam. Als sie das Dorf hinter sich hatte, zeigte das jugendliche Gesichtchen einen Ausdruck ernster Sorge. " Was soll ich denn noch hier?" flüsterte ste vor sich hin.„ Was wird man von mir wollen?" Kurze Zeit, nachdem Hilda das Schloß verlassen hatte, fuhr dort ein älterer Herr vor. Der Diener kannte den Rechtsbetstand der Familie, Justizrat Dr. Hunold, und meldete ihn sofort seinem Herrn, der thn auch alsbald in das Frühstückszimmer Bitten ließ, in dem er und sein Erstgeborener beim Lunch faßen. Der Besizer von Dieskau war eine aristokra tische Erscheinung von jener Art, der eine üppige Le bensführung thren Stempel aufgeprägt hat. Man sah es auf den ersten Blick, daß diefer Mann die Freuden des Daseins retchlich ausgekostet hatte. Das magere Gesicht mit den matten Augen verrtet zwar immer noch Spuren einstiger Schönhett, und der erfahrene geschickte Kammerdiener hatte bei der Anordnung des spärlichent grauen Haares und des Schnurrbarts nichts versäumt, diesen mumienhaften Resten die vorteilhafteste Sette abzugewinnen. Der einfache, elegante Morgenanzug Iteß nichts zu wünschen übrig. Neben dem alten Herrn saß, als der Justizrat eingeführt wurde, Harald. Seine nachläfftge Haltung und sein entschieden roher Gesichtsausdruck bildeten einen merkbaren Gegensatz zu dem Vater, der nen, ins Blauß unt als febr f der polizei gen Tagen Selbfi Selbstmord nafialoberle au den Fel getroffen, einen Befu feiner Bray funft nicht Hotel an, Deffnung dem Tisch dem er fein gleich dur Waffer, me den Weg b Um Mitter mole in de foll das M ner Laden, Die M penhagen n befindet sich handel". D Böhmen ei diefem Lade laufenen J funge" Ra Diefer jung Mann. Er es liege fei fich das klei berserbe fa Glashändle deren Hüter mögen auf fligt worder len flir Wo ges- Fond 1600 000 und dessen renden, be Künstlern des Glasha fortleben. Der T Griffiths. eine große york bericht Morgen to Aerzte neh Wunderbar die ihm da In Wirtlid gungen zu Folge hatt vier Jahre listen entde täglich und Tournee unterzog e Harvardworauf er aber dreht Brofefforer Gelehrten Der v tag vormi Marrer bullter To ften Auge Fürsten del befan ften Wir mission fe lenden K del in Ben über der Fried worden bterbet d fein tönn stellt, daf dene Sch Karageo Wen chenden feftgefter Erbräut Der Co Hge Ger besänftig darüber Folge i Alle Ger forgfälti Bar Herrn 1 männifa Minute Freund, Ste fich Der Heß fich „ Ne altere meiner Der gefchäfte aber nu brötchen St fachent mann 1 etn paa M lungspa der Su alles a wege fe ron Ha " I als me das Er in verd 3 Bett aut t t 五 8 t # th cer m re en مات ta en 18 on 6 t It t # t t nen, ins Bereich des Möglichen gehört, daß nämlich Blauß unter die- Apachen gegangen sein tönnte, muß Glauß hat sich also wohl als sehr fraglich gelten. der polizeilichen Kontrolle in Paris, von der vor eintgen Tagen berichtet wurde, zu entziehen verstanden. Selbstmord eines Oberlehrers vor der Hochzeit. Selbstmord verlibte in Stolpmünde der 39jährige Gymnasialoberlehrer Dr. Konrad Heym aus Görlig. Er war zu den Feiertagen mit seiner Braut in Stolpmünde eingetroffen, um bet seinen zukünftigen Schwiegereltern Als Dr. Heym zu einer mit einen Besuch abzustatten. feiner Brauf und deren Eltern verabredeten Zusammenfunft nicht erschien, stellte man Nachforschungen in dem Hotel an, wo er abgestiegen war. Nach gewaltsamer Deffnung des verschlossenen Zimmers fand man auf dem Tisch einen mit Bleistift geschriebenen Zettel, auf bem er seinen letzten Willen fundgegeben hatte und zugletch durch die beigefügte Bemerkung: Ich gehe ins Wasser, meine Braut fann ich nicht glücklich machen", den Weg bezeichnete, auf dem man ihn zu suchen habe. Um Mitternacht fand man seine Leiche unweit der Ostmole in der Nähe des Strandes. Ein Nervenleiden soll das Motiv zur Tat sein. Die Millionenstiftung des Glashändlers. Aus Kopenhagen wird geschrieben: In der hiesigen Destergade befindet sich schon über 150 Jahre ein bescheidener kletner Laden, über dessen Tür zu lesen ist„ Ronges Glashandel". Die Inhaber dieses Ladens waren einmal aus Böhmen eingewandert. Der" alte" Ronge wurde in diesem Laden 103 Jahre, und im Januar des eben abgelaufenen Jahres starb nun plötzlich auch sein Sohn, der junge" Range, drei Tage vor seinem 90. Geburtstage. Dieser jung- alte Ronge war aber ein merkwürdiger Mann. Er machte sich aus Geld gar nichts; er meinte, es liege fein Segen darauf. Inzwischen aber vermehrte sich das kleine Vermögen, das er ererbt hatte, ein Brutderserbe kam dazu, und schließlich besaß der bescheidene Glashändler in der Destergade über zwei Millionen, als deren Hüter er sich betrachtete. Nun ist über sein Vermögen auf Grund der letztwilligen Bestimmungen verfügt worden, und es ist nach Abzug von allerlet Legaten für Wohltätigkeitsstiftungen ein„ Glashändler Ronges- Fond gegründet worden, der nicht weniger als 1 600 000 kronen oder rund 1% Millionen Mark umfaßt und dessen Zinsen Hilfsbedürftigen aller Art, Studterenden, besonders solchen der Musik, Musiklehrern, Künstlern usw. zugute kommen sollen. Das Andenken des Glashändlers wird auf diese Art in schönster Weise fortleben. Der Tod des„ Blizrechners". Zum Tode Artur Griffiths, der durch seine Vorstellungen in Amerika eine große Berühmtheit erlangt hatte, wird aus Neuyork berichtet, daß er in einem Hotel in Springfield am Morgen tot in seinem Bette aufgefunden wurde. Die Aerzte nehmen an, daß er, obwohl er bet seinen ans Wunderbare grenzenden Leistungen mit großen Zahlen, die ihm das Publikum vorlegte, nur zu spielen schien, in Wirklichkeit doch außerordentliche geistige Auftren= gungen zu überwinden hatte, die einen Schlaganfall zur Folge hatten. Griffith, ein Farmerssohn, wurde vor vier Jahren in Indiana von einem Chifagver Journa Itsten entdeckt. Der damals 27fähre arbeitete flir 2 M. täglich und die Kost, als er der Aufforderung, eine Tournee zu unternehmen, folgte. Im Februar 1910 unterzog er sich einer Prüfung durch die Professoren der Harvard- Universität, die ihm Rechenaufgaben vorlegten, worauf er ihnen sofort ble Lösungen mitteilte; dann aber drehte der Geprüfte den Spieß um und gab den Professoren verhältnismäßig leichte Aufgaben, die die Gelehrten vollständig zum Schweigen brachten. Der vermißte Schädel des Karageorgewitsch. Sonntag vormittag ist in einem versteckten Geblisch des St. Marrer Friedhofes in Wien ein in Zeitungspapier gehüllter Totenschädel gefunden worden, der nach dem ersten Augenschein wahrscheinlich der geraubte Kopf des Fürsten Alexander Karageorgewitsch ist. Bet dem Schädel befanden sich auch noch die beiden fehlenden obersten Wirbelknochen. Am Sonntag sollte durch eine Kommission festgestellt werden, ob es sich wirklich um den fehlenden Kopf handelt. Es wird vermutet, daß der Schädel in Zeitungspapier erst vor kurzer Zeit von autßen über die Friedhofsmauer geworfen worden ist, da der Friedhof gleich nach dem Gruftraub genau abgesucht worden war und es nahezu ausgeschlossent erscheint, daß hierbei das Baket mit dem Schädel übersehen worden fein könnte. Einer neueren Meldung zufolge ist festge= stellt, daß der am Sonntag in einem Gebüsch aufgefundene Schädel mit dem Schädel des Fürsten Alexander Karageorgievitsch identisch ist. Wenn Frauen ranchen. Die Rechtsstellung der rauchenden Frau wird jetzt in Chikago in einem Prozesse festgestellt werden, den Katherine Scott gegen ihren Erbräutigam Colonel Harry Sefton angestrengt hat. Der Colonel entdeckte eines Tages, daß seine zukünf= Hge Gemahlin bisweilen ihre Nerven durch Nikotin zut besänftigen pflegte, daß sie heimlich rauchte und er war barüber so empört, daß er die Verlobung auflöste. Die Folge ist jetzt eine Klage wegen Bruch des Eheveralle Gepflogenheiten des Aristokraten von altem Schlage forgfältigst zu wahren verstand. Baron Dieskau rief dem Justizrat, einem älteren Herrn mit klugem, durchgeistigtem Gesicht und weltmännischen Formen, artig entgegen:„ Ste haben die Minute für uns sehr gut gewählt, mein würdiger Freund, und sind darum doppelt willkommen! Sehen Ste sich und frischen Sie Ihre Lebensgeister auf." Der Justizrat dankte mit leichter Verneigung und ließ sich am Tische nieder. ,, Nehmen Sie sich ein Glas Portwein, er ist für ältere Mägen immer das beste am Morgen, glauben Sie meiner Erfahrung." Der Jurist, der selt einem Menschenalter die Rechtsgeschäfte der Majoratsherren auf Dieskau führte, nahm aber nur ein Glas Bordeaux und ein kleines Kaviarbrötchen. ,, Sie müssen mir schon gestatten, bei meinen einfachen Gewohnheiten zu bleiben, Herr Baron." „ Aber sans gene, Teuerster, auf Dieskau lebt jedermann nach seinem Belieben. Hoffentlich bleiben Ste ein paar Tage bet uns?" „ Meine Geschäfte gestatten mir leider keine Erholungspause." " Ja, diese Geschäfte," seufzte der Baron, sie sind der Kummer meines Daseins. Aber wir verschieben alles auf morgen, Justizrat, nicht wahr?" Ich muß in zwei Stunden wieder auf dem Rückwege sein und es trifft sich deshalb sehr gut, daß Baron Harald anwesend ist." „ Ich begehre noch weniger von Geschäften zu hören als mein Vater," äußerte Harald, dessen Laune durch das Erscheinen des Juristen keineswegs gebessert war, in verdrießlichem Ton. " Indessen ist es immer das Richtigste, die WahrHeit zu kennen und ihr kühn in das Auge zu sehen sprechens und ein Schadenersatzanspruch von 25 000 Doll. Der Rechtsstreit, dessen Ausgang mit lebhafter Spannung erwartet wird, bringt eine Streitfrage in Fluß, die schon seit Jahren die amerikanische Frauen= welt beunruhigt. Die Aufregung begann, als seinerzeit ein Neuyorfer Schußmann eine Dame ohne weiteres verhaftete, weil sie auf der Straße eine 3igarette rauchte. Die Antwort war damals, daß die Damen in den vornehmen Restaurants zu rauchen begannen, worauf die Restaurateure und Hoteliers übereintamen, ihren weiblichen Gästen das Rauchen nicht zu gestatten. Heute gibt es in Neuyork nur ein einziges vornehmes Restaurant, in dem Frauen nach dem Diner beim Kaffee rauchen dürfen, und es ist bezeichnend, daß dieses Restauant stets überfüllt ist. Kampf mit einem Bären. In einem Petersburger Blatte lesen wir: Am 24. Dezember stieß der Bauer Iwan Timoschin im Walde bei der Station Wyriza auf eine frische Bärenspur. Er begab sich nach wyriza und teilte den Bauern Peter und Ssemen Gorjunow seine Entdeckung mit. Die Bauern bewaffneten sich, tangfifcheret. Der Seetana wird nach Japan geschickt, um dort verarbeitet zu werden. An der japanischen Kitste gibt es nur begrenzte Gebiete, wo sich Seetang findet; diese werden von der Regierung öffentlich ausgeboten und erzielen gute Preise. Die Japaner nehmen den Seetang übrigens richtig in Kultur, um die Seetanggebiete nach besten Kräften ausnuten zu kön= nen. Es soll sich dabet um eine Industrie handeln, die mit einem Rapital von Millionen arbeitet. Nach dem bereits angeführten Fischeretberichte gab es im Jahre 1903 in Japan 500 Fabriken, die Seetang verarbeite ten und daraus ein fifchletmartiges Produkt, Kantent genannt, herstellten. Dieser Tang wird durch Taucher gesammelt, die zwischen Mat und Oktober den Seetang ernten. Die Seetangfischer trocknen selbst die Pflanzen in der Sonne, dann stellt die Fabrik daraus eine aelatineartige, weiße, durchscheinende Masse her, die zu Gelee- Suppen und Saucen in der seitche verwendet wird. Timoſchin mit einer linte, die beiden anderen mit Ursache der Berliner Maffenvergiftungen. etfernen Heugabeln und großen Küchenmessern. Lange trrten die Bauern im Walde umher, ohne den Bären zu finden. Schließlich trennten sie sich. Etwa fünf Mimuten später vernahm Timoschin einen herzzerreißen= den Schrei. Er lief in die betreffende Richtung und fand feinen Kameraden Gortunow auf der Erde llegend und neben ihm den Bären, aus dessen Brust ein Blutstrom quoll. Ohne Zeit zu verlieren, riß Timoschin das Gewehr an die Wange und schoß den Bären nieder. Dann wandte er sich dem besinnungslos daliegenden Kameraden zu. Gorjunom erzählte, nachdem er wieder zu sich gekommen war, daß er ganz plöblich auf den Bären gestoßen wäre, und daß das Tier sich sofort auf ihn geworfen hätte. Er habe dem Bären die Heugabel in die Brust gestoßen, dieser aber hätte sie zur Seite geschleudert und sich dann auf ihn gestürzt. Was weiter geschehen, wisse er nicht mehr. Man brachte Gorjunom ins Dorf, wo sich herausstellte, daß er nur verhältnismäßig leichte Fleischwunden davongetragen hatte. Die Spielleidenschaft in Frankreich. Neue Belege für die Tatsache, daß die Spielleidenschaft in Frankreich trotz aller gegen sie getroffenen Maßnahmen ständig im Zunehmen begriffen ist, Itefert ein Abgeordneter, der dieses Gebiet zu seinem Spezialstudium gemacht und der Kammer ein reiches Bahlenmatertal vorgelegt hat. Danach sind die Summen, die in den einzelnen Seebädern im letzten Jahre umgesetzt worden sind, aanz ungewöhnlich groß. So sind z. B. in Enghtest 9 Mill. Fr., in Nizza 8% Mill. Fr., in Vichy 4% Min. Fr., in Trouville 4 Mill. Fr. gewonnen worden. Entspre chende Summen sind auch an Trinkgeldern von den Spielern verausgabt worden, in Enghien 1737 000 Fr wovon der Ober- Croupier allein 55 000 r. innerhalb sechs Monaten verdient hat, in Vichy 782 000 Fr. und in Trouville 858 000 Fr. Der Abgeordnete beabsichtigt, der Kammer ein neues Gesetz gegen diese Sptelwut vorzulegen Explosionskatastrophe auf einem Bahnhof. Wie ein Telegramm aus Paris meldet, eretanete sich auf dem Bahnhof von Philippville ein schrecklicher Unglücksfall. Dort explodierte die Maschine eines Güterzuges in dem Augenblick, als der Zug nach Constantine abfahren folite. Die Lokomotive wurde durch die Explosion vollständig zerstört. Der Heizer und der Lokomotivführer wurden durch die Gewalt der Explosion 50 Meter weit von der Unglücksstelle fortgeschleudert, wo sie mit zer= schmetterten Gliedern tot Itegen blieben. Auch der Zugführer sowie mehrere Bahnhofsbeamte haben Verleẞungen davongetragen. Die ersten Wagen des Gutterzuges sind vollständig zerstört, und die Güter, die sich in ihnen befanden, verbrannt. Bergung von 280 Toten nach fünfzehn Jahren. In der Bevölkerung Oberschlestens ist die Erinnerung an die furchtbare Grubenkatastrophe. die vor fünfzehn Jahren auf dem Kohlenbergwerk Möbius" bet Myslowit stattfand, wieder wach geworden. Man erwartet, wie ants Breslau gemeldet wird, in den nächsten Tagen die Bergung der Letcher von 280 Bergleuten, die in der Grube tief im Schoße der Erde ruhen. Vier Wochen lang hatte man seinerzeit unermüdlich an ihrer Rettung gearbeitet. Vergeblich! Schließlich mußte das Bergwerk unter Wasser gesetzt werden. So blieb das Grab der Braven geschlossen, bis vor zwei Jahren die Gewerkschaft die Erlaubnis erhielt, den Betrieb wieder aufzunehmen. Jest sind die Arbeiten so weit, daß die Bergung der Leichen bevorstehen. Infolge des luftdichten Abschlusses sind sie wahrscheinlich aut erhalten. Seetang als Nahrungsmittel. Ein Bericht des amerikanischen Fischereibureaus weist darauf hin, daß in den Tangmassen des Meeres ungeheure Mengen von Nahrungsstoffen ungenußt vorhanden seten. An der amerikanischen Küste es handelt sich um die NeuEngland- Staaten wird allerdings beretts fett 1885 Seetang gefischt und für manche Zwecke, auch für die Verarbeituna zit Nahrungsmitteln, ausgenutzt. An der Kalifornischen Seltste treiben Chinesen und Japaner See= ,, um Gott, Iteber Justizrat, Ste haben eine Miene, die imstande ist, die beste Frühstücksstimmung zu verderben." „ Die eherne Notwendigkeit zwang mich, Ste aufzusuchen, Herr Baron, da mein Brief unbeantwortet blieb und ich doch Ihre Meinung kennen muß." ,, Aber Harald, tch hatte Dich doch gebeten, diese Sache zu erledigen." Diese Worte Klangen fast vor= wurfsvoll. ,, Wollte es auch, chere père- aber es kam allerlet dazwischen-" „ Es sind doch eigentlich Deine Geschäfte! Können wir es nicht auf den Nachmittag verschieben, Justizrätchen?" „ Herr Baron, meine Pflicht zwingt mich, den nächsten Zug zur Rückreise zu benutzen." - „ Na, dann schteßen Sie los, wenn es durchaus setn muß stecken Ste sich aber erst eine Zigarre an! Was war denn eigentlich mit dem Briefe, Harald?" ,, Weiß ich's?" brummte dieser und goß ein Glas Rheinwein hinunter. - - „ Ich habe mich bemüht, Herr Baron, in Ihrem und der Ihrigen Interesse Frist von Ihren Gläubigern zu gewinnen, um das Aeußerste abzuwenden aber nach einer von diesen gestern getroffenen Uebereinkunft steht die Katastrophe unmittelbar vor der Tür!" „ Ach, wie denn? Welche Katastrophe?" ,, Wie ich aus Ihrer Ueberraschung leider ersehe, haben Ste mein Schreiben nicht der wünschenswerten Beachtung gewürdigt. Es liegt nämlich der Antrag vor und derselbe wird zweifellos vor dem Richter durchgehen das Majorat Dieskaut port einem durch das Gericht zu ernennenden Gläubigerausschuß auf so lange verwalten zu lassen, bis sie darauf lastenden Schulden getilgt sind. Von einer Beschlaanahme und Versteige= - Zu der Vergiftungsaffäre im Städtischen Obdach in Berlin ist heute folgendes mitzuteilen: Nachdem man bereits am 27. d. M. festgestellt hatte, daß bei mehreren Asylisten außer den typischen Vergiftungserscheinungen wie Krampfanfällen, Vergrößerung der Pupille, auch Erbrechen und Durchfall eingetreten waren, erörterte man auch die Frage, ob nicht noch andere Ursachen hier im Spiele feten. Durch Umfragen stellte Kriminalkommissar Toussaint fest, wo die Obdachlosen ihren Schnaps und ihre Lebensmittel tauften. Er entnahm den Vors räten Probeit und übergab sie dem Vorsteher der Staats lichen Anstalt zur Untersuchung von Nahrungs- und Genußmitteln sowie Gebrauchsgegenständen, Regierungsrat Prof. Dr. Juckensc. Dieser stellte fest, daß der Schnaps aus einem Schanklokal in der Danziger Straße große Mengen von Methylalkohol enthält. Dort beschlagnahmte Kommissar Toussaint dret Ballons dieser Flüssigkeit. Als Lieferant wurde der Drogist Julius Scharmach in Charlottenburg, Wallstraße 42, ermittelt. Kommissar Toussaint begab sich Sonnabend mittag in das Scharmachsche Geschäft und sagte dem Inhaber auf den Kopf zu, daß er größere Mengen Methylalkohol als Schnaps verkauft habe. Scharmach leugnete so lange, bts man im Keller einige Ballons mit Methyl- Alkohol auffand. Er gab zu, Schnaps aus% Menthylalkohol und Eindrittel Sprit hergestellt und als Sprit verkauft zu haben. Als weiteren Verkäufer nannte er einen Gastwirt in der Frankfurter Allee. Auch bei diesem wurden größere Mengen des Getränkes beschlagnahmt, ebenso auf dem Güterbahnhof in Westend. Betont muß dabet werden, daß diese Gastwirte in gutem Glauben, retnen Sprit erhalten zu haben, ihn noch mit Wasser verfetzt haben. Die dret Lokale sind vorläufig polizeilich geschlossen worden, ebenso der Laden Scharmachs. Er selbst wurde festgenommen und der Staatsanwaltschaft übergeben. Er wird sich zunächst wegen Bergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz und wegen Betruges zu verantworten haben. Ob ihm auch fahrlässige Tötung zur Last gelegt werden kann, ist noch fraglich, da die Ansichten über den Grad der Schädlichkeit des Methylalkohols sehr weit auseinandergehen. In Aerztekretsen steht man ötesen angeblichen Vergiftungen mit Methylalkohol noch sehr ffeptisch gegenüber. Man ist hier vielmehr immer noch der Ansicht, daß es sich nur um Fischvergiftunaen handelt. Während in Ungarn und Rußland Todesfälle infolge Methylalfoholvergiftune bekannt geworden stud, hat die deutsche medizinische Literatur keine derartigen Fälle zu verzeichnen. Die Zahl der unter Vergiftungserscheinungen Erfrankten betrug bis zum Vormittag des Neujahrstages 161, von denen 71 gestorben sind. Nachdem die Lofale geschlossen find, in denen die Scharmachsche Mischung verkauft worden war, ist ein Rückgang, wenn nicht ein Stilstand er Vergiftungsfälle zu verzeichnen. Grausamfeiten an Russen in Bersien. Die Petersburger Telegraphenagentur berichtet folgende Einzelheiten über Grausamkeiten, die an russischer Soldaten in der Umgebung von Täbris verübt wurden: Am Donnerstag find in Täbris drei von Perfern entfehlich verstümmelte Leichen von Grenadieren des Mingrelregiments aufgefunden worden, ferner in einigen Häufern die Ueberreste verbrannter Leichname russischer Soldaten. Vorgestern wurde auf dem Hofe des Gebäudes des Generalgouverneurs ein russischer Solhat tot ausgegraben, der augenscheinlich lebend begra: ben worden var. Der Körper wies feinerlet Spuren einer Verwundung oder Erdrosselung auf. In die Let chenkammer des russischen Detachements in Läbris sind aus verschte Senen Stadtteilen insgesamt neun Leichen yon russischen Grenadieren eingeliefert worden, von denen drei heute aus dem Hofbrunnen der Polizeiver= waltung neben dem Gebäude des Generalgouverneurs herausgezogen worden waren. rung der Möbel und Kunstwerke usw. hat man auf meinen Antrag vorläufig Abstand genommen." Der Jurist hatte diese Ausführungen ruhig und geschäftsmäßig gemacht. Die beiden Dieskaus saßen schweigend da. Der Baron starrte den Justizrat mit unverkennbarem Staunen an. - „ Ja aber Iteber Justizrat ich verstehe nicht Gläuberausschuß, Verwaltung Versteigena, was soll das alles?-Dieskau ist doch unantastbares Majorat-" ganz rung „ Unzweifelhaft, Herr Baron, die Gläubiger können darum auch nur aus dem Reinertrag der Liegenschaften befriedigt werden." „ Ja, wie denn? Zum Henfer, haben wir denn mehr Schulden, als wir bezahlen können?" Ein leichtes Lächeln spielte um des alten Justizrats Lippen bei dieser natven Frage des Majoratsherrn. Ich werde Dir das auseinandersetzen, Papa," warf Harald ein. „ Nein, bitte, unser Freund Justizrat wird wohl eine vornehme Handbewebeffer unterrichtet sein," gung seines Vaters brachte ihn zum Schweigen. „ Nach der Aufstellung der Gläubiger beläuft sich die Schuldenlast des Majoratsherrn von Diestait auf nahezu achthunderttausend Mark." AH hm- so-" Der alte Herr sah aus wie jemand, der plößlich wahrnimmt, daß er an einem gefahrdrohenden Abgrund steht, so lebhaft malten sich peinliche Ueberraschung und Angst auf seinem Gesicht. Harald faute mit finsterem Gesicht an seinem Schnitrrbart. ( Fortfehung folgt.) ! Niederroden. Hier erschoß der Nachtwächter in der Notwehr einen Gelegenheitsarbeiter, der schon vor längerer Zeit einen Nachtwächter erschossen hatte. s Darmstadt. Am Bescherabend brach hier in der Villa des Prinzen Solms- Braunfels in der Wilhelmstraße durch Explodieren einer Spirituslampe, die in der Nähe des geschmückten Christbaumes stand und unter dem die Weihnachtsgeschenke für die Familie und das Personal ausgebreitet lagen, Feuer aus, das casc um sich griff und sowohl die Christgeschenke, wie den Baum selbst in kurzer Zeit der Vernichtung preisgaben. Durch energisches Eingreifen des Personals konnte die weitere Ausdehnung des Feuers verhindert werden. ):( Kirchhain. In der Sylvesternacht wurde hier ein 20jähriges Dienstmädchen beim Neujahrsschießen von einem jungen Manne aus Unvorsichtigkeit erschossen. o Oberursel. Zu dem Familiendrama Sauer Oeffentliche Versammlung Samstag, den 6. Januar 1912, abends 8 Uhr, im großen Saale des Cafè Leib ( Kolosseum) zu Gießen. Vortrag des Herrn Geh. Justizrat Prof. Dr. Riesser aus Berlin Präsident des Hansabundes über" Die Befreiung des Bürgertums ift noch zu berichten, daß der älteste Sohn Hermann Mitglieder und Freunde des Hansabundes in Stadt und Land- auch Damen- sind willkommen. seinen Verletzungen nun auch erlegen ist. ):( Kassel. Hier kam ein 11jähriges Mädchen dem brennenden Christbaume zu nahe, so daß die kleider des Kindes im Nu in Flammen standen. Das Kind erlitt so schwere Brandwunden, daß es seinen Verletzungen erlag. ):( Bacha. Hier ist die Herberge abgebrannt. Es tamen dabei zwei Töchter des Herbergsvaters in den Flammen um. § Offenbach a. M. Jm 17. hessischen LandOrtsgruppe des Hansabundes für den Kreis Gießen. An die Auftraggeber des deutschen Buchdruckgewerbes! tagswahlkreis( Offenbach- Land) war anstelle des bis- Im m deutschen Buckdruckgewerbe tritt nach abermaligem Ablauf der jeweils fünfjährigen Tarifperioden am 1. Januar am 1. Januar 1912 der von Arbeitgebern und Arbeitnehmern neu revidierte Buckdrucker- Lohntarif in Kraft, der herigen verstorbenen Mandatsinhabers, des Landtags= abgeordneten Johannes Orb, der Parteisekretär Rink wiederum für fünf Jahre gilt. Mit der Einführung desselben ist eine je nach den örtlichen Verhältnissen auf 10 bis Offenbach mit 8 gegen 3 Stimmen als Kandidat für 15 Prozent festgesetzte Lohnerhöhung verbunden, die den Arbeitern als Ausgleich der verteuerten Lebenshaltung gedie am 25. Januar stattfindende Ersatzwahl aufgestellt währt worden ist. Die Buchdruckereibesitzer sind nicht in der Lage, diese Mehrbelastung selbst zu tragen und sehen worden. Die Kandidatur Rink führte zu einem 3wie sich infolgedessen genötigt, ab 1. Januar die Druckpreise entsprechend zu erhöhen. spalt in der Partei. Jetzt ist nunmehr als Landtags= kandidat der frühere Landtagsabgeordnete und Stadtverordnete Redakteur Adelung- Mainz mit 8 Stimmen gewählt, während Rink nur 7 Stimmen erhielt. Gra teref es zeln diese dern der trete jagt Die geehrten Auftraggeber des Buchdruckgewerbes bitten wir, hiervon Kenntnis zu nehmen und die um das notwendigste Maß zu erhöhenden Preise zu bewilligen. Leipzig, im Dezember 1911. als tur ein gez des der Cr Mit Milf guloiftnes Der Vorstand des Deutschen Bugdruder- Bereius. Dr. Petersmann- Leipzig, Vorsitzender - - Wilhelm Bär- Leipzig L. Bal- Berlin- M. Bauchwih Stettin Albert Broschek- Hamburg Geh. Kommerzienrat Georg Bürenftein- Berlin Otto Edler- Hannover J. B. Graßl- München- Ernst Haberland Leipzig Wilhelm Bartas- Halle Dr. Viktor Klinkhardt- Leipzig- Eugen Mahlan- Frankfurt a. M. Mar Heusch- Breslau. Neven Eugen Bieger- Stuttgart-Georg Wagner- Posen. - Kathisminnis Malghaffan Mont- Köln- Geh. Kommerzienrat Dr. J. Neven Dulent- Straßburg- Kommerzienrat Hans Oldenbourg- München- ist dem Kindmen befondens zuträglich. Warnung vor Ankauf. Deutscher Schäferbund, filberwol sgtau, bunfler Rücken, 64 cm Schulterhöhe, auf den Namen ,, Noland" hörend, vom Bahnhof Wetzlar aus entlaufen. Das Gehalt mocht 6! unter guter Belohnung Literarisches. )( Bei Gelegenheit der Verleihung des diesjährigen Nobel Friedenspreises an Alfred H. Fried sei auf dessen kürzlich bei Alfred Kröner in Leipzig erschienenes Buch:„ Der franke Krieg" hingewiesen, das zum Preise von 1 Mark durch jede Buchhandlung zu beziehen ist. Geschäftliches. )( Die zunehmende Verteuerung der Lebenshaltung macht die Empfehlung gesunder und billiger Genußmittel besonders wertvoll. 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