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Abgeholt in unserer Expedition oder in den ZweigErscheint ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Mittags 3 Uhr. Die„ Illuftr. Weltrundschau" Redaktion: liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Nr. 126. - - Telephon: Nr. 362. Ein Weg zur Selbstbilte tür das Handwerk. der Großherzoglichen des Großherzoglichen Bürgermeisterei Polizei Amfes Behörden Oberhessens sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Mittwoch, den 31. Mai 1911. | den Krebsschaden des ganzen Standes. In der Stadt verordnetenversammlung hat man bisher praktische Vorschläge freilich noch kaum gehört, vielleicht ist der Weg, der in Mannheim und Heidelberg beschritten wurde, auch hier gangbar. Wer unternimmt an maßgebender Stelle die ersten Schritte? Reichstagswahlvorbereitungen. Neue Reichstagskandidatur. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, wurde am Sonntag in Altenkirchen anstelle des zurückgetretenen Dekonomierats Kreuz aus Bonn der Legationsrat vom Rath, Landtagsabgeordneter für den Kreis Wetzlar, als nationalliberaler Reichstagskandidat für die kommende Wahl aufgestellt. Aus Stadt und Land. Gießen, den 31. Mai. Berkaufstag der Großherzogin. Der am 13. Juni hier in Steins Garten stattfindende Verkaufstag der Großherzogin ist die 4. Veranstaltung dieser Art in Hessen, deren Ertrag unterstützungsbedürftigen Lungenleidenden gilt, für die von Krankenkassen, Versicherungsanstalten 2c. zurzeit noch nicht gesorgt ist. Wer die unendliche Not kennt und das Elend, das meist unverschuldet bei vielen dieser Kranken ein gekehrt ist, kann es nur mit freudigem Dank begrüßen, daß unsere Großherzogin sich wiederholt in den Dienst der Sache stellt und dadurch den weitesten Kreisen ein leuchtendes Vorbild gibt im Dienste edelster Menschlichkeit zur Linderung der Not jener armen Kranten tätig zu sein. Die großen Mühen, die sich die Herrschaften durch diese Veranstaltung auferlegen, werden am besten durch eine rege Beteiligung am Verkaufstage anerkannt. Der Eintrittspreis zum Verkaufsstag ist, um allen Kreisen der Bevölkerung den Besuch zu ermöglichen, auf 1 Mark festgesetzt; und der Verkauf der Gegenstände so billig als möglich angeordnet worden. Es wird Gelegenheit geboten sein, für geringes Geld eine wertvolle Kunstsache oder einen praktischen Gegenstand zu erwerben, die gleichzeitig dauernd ein Andenken an die Feier bilden werden. Mit der Ausgabe der Eintrittskarten wurde bereits begonnen. Es wird gebeten, von dem Vorverkauf recht zahlreich Gebrauch zu machen, damit am Verkaufstag selbst der Andrang zu den beiden Kassen möglichst erleichtert wird. Die Vorverkaufsstellen werden auf den Plakaten bekannt gegeben. Wenn auch auf Grund der letzten Berufszählung als feststehend anzusehen ist, daß der Stand der Handwerfer und Kleingewerbetreibenden im Deutschen Reiche an Mitgliederzahl nicht verloren, sondern eher noch gewonnen hat, so ist doch auch über die schwierige Erwerbslage dieser Bevölkerungsgruppe, über die Schwere des Daseinskampfes, den die Handwerker und Gewerbetreibenden seit Jahren zu bestehen haben, kein Zweifel möglich. Das unaufhörliche Wachstum der Großbetriebe, die fortschreitende Konzentration im Geschäfts- und Kreditwesen, die Teuerungsverhältnisse in den großen Städten, die den mittelständischen Geschäftsmann immer mehr an die Peripherie, in die ärmeren Stadtteile, oder gänzlich aus der Stadt herausdrängen, überhaupt der Zug der Zeit mit seinem im Vergleich zu früher wesentlich veränderten Angebot- und Kaufsystem alles das hat den deutschen Handwerker schwer geschädigt und die zu ihm gehörigen oder ihm nahestehenden Mittelstands= freise an dem allgemeinen Aufschwung der Lebenshaltung und Verdienstmöglichkeit, der sonst überall in unserem Vaterlande zu beobachten ist, mindestens nicht in dem Maße wie alle übrigen Berufsstände und Volksschichten teilnehmen lassen. Die Hilfe, die hier not tut, tann nicht allein von außen kommen. Viel vermag die Selbsthilfe, wenn sie am rechten Ort und in der rechten Weise angewendet wird. Daß dies möglich ist, beweisen die Abmachungen zwischen dem Stadtrat in Heidelberg und der Handwerkskammer in Mannheim über die Mitwirkung von Handwerkssachverständigen bei der Vergebung städtischer Arbeiten und Lieferungen. Ihr Inhalt ist im wesentlichen der folgende:„ 1. Die Handwerkskammer ernennt zur Mitwirkung bei der Vergebung städtischer Arbeiten und Lieferungen für die einzelnen Gewerbe auf die Dauer eines Jahres je einen Sachver: ständigen. Letztere sind für die Dauer dieser ihrer Tätigkeit von der Beteiligung an städtischen Submissionen ausgeschlossen und erhalten keine Vergütung. 2. Vor der Ausschreibung von Arbeiten aus solchen Gewerbsarten, für die von der Handwerkskammer Sachverständige ernannt sind, ist von dem ausführenden Amt dem betreffenden Sachverständigen Gelegenheit zu geben, von dem Entwurf des Anschreibens und den Verdingungsunterlagen nicht jedoch auch von dem Kostenvoranschlage Einsicht zu nehmen, damit er etwaige Wünsche inbezug auf das Ausschreiben oder die Verdingungsunterlagen äußern kann. Von dem Termin zur Deffnung der Angebote ist der betreffende Sachverständige zu benachrichtigen. Auf Erscheinen kann er an einem besonderen Tische der Verhandlung anwohnen und sich nach Belieben Notizen machen. 3. Von dem Submissionsergebnis, wie es sich nach erfolgter Prüfung der Angebote ergibt, ist ohne Gegenüberstellung der berichtigten Zahlen dem Sachverständigen und dem Gewerbe- und Hand= werkerverein von dem die Arbeit ausführenden Amt Kenntnis zu geben. 4. Aufgabe des Sachverständigen ist es, die Angebote auf ihren Preis, sowie besonders auch daraufhin zu prüfen, ob die Selbstkosten des Anbieters gedeckt werden. Wird von einem städtischen Amt der Zuschlag an ein Angebot beantragt, das nach Ansicht des Sachverständigen die Selbstkosten des Anbie- kirche und Beisammensein auf der Landskrone veranters nicht deckt, so hat das Amt in seiner Vorlage an die Kommission für städtische Beamten ausdrücklich darauf hinzuweisen. 5. Die Sachverständigen sind befugt im Benehmen mit dem betreffenden Amt die Arbeiten während und nach der Fertigstellung zu besichtigen. Etwaige Anstände sind zur Kenntnis des Amtes oder des Stadtrats zu bringen. 6. Die bestellten Sachverständigen sind auch zu den engeren Submissionen über Arbeiten und Lieferungen, deren Anschlag mehr als 2000 Mark beträg ,, zuzuziehen. Der Beizug hat in solchen Fällen in sinngemäßer Anwendung der für die öffentlichen Submissionen geltenden Bestimmungen zu erfolgen." Von solchen Abmachungen wird man sich segensreiche Wirkungen versprechen dürfen. Es ist bekannt, wie von Handwerkern, die nur erst einmal in das Geschäft hineinkommen" wollen, bei Submissionen Angebotenlauf( 5 Turner) auf dem Bergesgipfel abgehalten. bote gemacht werden, deren geringe Höhe auf den ersten Blick erkennen läßt, daß derjenige, der die Lieferung zu solchen Preisbedingungen übernimmt, mit Verlust arbeiten muß. Indem solche Vorkommnisse durch Sachverständigen- Gutachten verhindert werden, ist ein Weg zur Selbsthilfe gewiesen, auf dem das Handwerk, wenn auch zunächst nur auf einem Gebiete, zu innerer Gesundung und Kräftigung gelangen kann. - In den Kreisen der Frankfurter Handwerker flagt man seit langer Zeit über das Submissionswesen als * Der Verein für das Deutschtum im Ausland hält seine diesjährige Hauptversammlung vom 6.- 8. Juni in Koblenz ab, womit eine kurze Feier seines 30jährigen Bestehens verbunden ist. * Die Tagung des Bundes deutscher Verkehrsvereine findet in Worms in der Woche nach Pfingsten vom 6.- 9. Juni statt. Neben zeitgemäßen Vorträgen wird den Gästen auch eine mannigfache und genußreiche Unterhaltung geboten werden. Am 8 Juni wird nachmittags eine Rheinfahrt nach Oppenheim mit Ehrentrunk, Besichtigung der Katharinen staltet. Abends geht es per Dampfer zurück nach Worms, dort zwangloser Abend am Rheine mit Brückenbeleuchtung. Der letzte Tag bringt einen Ausflug ins malerische Neckartal. * Der hiesige Schach klub wird am 18. Juni mit den Mitgliedern des Nauheimer Schachvereins ein Tournier im Tennis- Cafe in Bad- Nauheim abhalten. * Feldbergfest. Am Sonntag, 18. Juni, findet das 58. Feldbergfest statt. Der diesmalige Fünf lampf sieht Hochspringen, Weitspringen, Kugelstoßen mit Anlauf( 20 Pfund), Laufen über 100 Meter und eine Freiübung vor. Zum erstenmale werden auch Mannschaftskämpfe im Tauziehen( 6 Turner) und im EilEin Hypothekenschwindler trieb in letzter Zeit sein Unwesen in Elberfeld. Durch Inserate in einer Tageszeitung gab er bekannt, daß er als Selbstdarleher Mt. 80 000 auf 1. und 2. Stelle auszugeben habe, und daß auch Agenten nicht ausgeschlossen seien. Mit 3 Geldsuchenden trat er dann in Verbindung und stellte sich als Amtsrichter E. Lorent von Dortmund vor. In einem Falle gelang es ihm eine angebliche Gebühr von Mt. 40 zu erschwindeln. Der Betrüger hat ein sicheres Auftreten und wird wie folgt beschrieben: ( Gießerer Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Inseraten zeile.- Stellen: gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. | Familienname E. Lorent, zirka 40 Jahre alt und angeblich in Dortmund, Wilhelmstraße 3, wohnhaft. Größe 1.70 bis 1.72; schlank, etwas hochgezogene Schultern, schwarzes Haar und engl. gestuzten schwarzen Schnurrbart. Aussehen blaß, schmales Gesicht. Spricht teilweise kölnischen Dialekt und trägt einen Kneifer mit schwarzer Einfassung. Es sei nachdrücklich vor dem Schwindler gewarnt. * Pfingst wetteraussichten. Nach allgemeinen Wetterlage nehmen die Meteorologen an, daß für die Pfingsttage warme und vorwiegend heitere Hochdruckwitterung zu erwarten ist. * Der Roggen blüht. Der Roggen hat sich in den letzten Tagen durch die warme Temperatur und die anhaltende Feuchtigkeit dort, wo er vom Unwetter verschont blieb, sehr gut erholt. Die Halme sind schon über mannshoch und versprechen einen guten Strohertrag. Auch die Aehren haben sich gut entwickelt; sie hängen jetzt dicht voll Blüten. Wenn nicht noch schädliche Naturereignisse eintreten, so ist eine gute Roggenernte zu erwarten. Friedberg, 31. Mai. Montag nachmittag ging in der Umgebung von Büdingen ein Wolkenbruch nieder. Die anschwellenden Fluten des Seemenbaches rissen den Bahndamm der Strecke Gießen Geln= hausen nieder. Der Zug, der gestern abend um 10 Uhr die Strecke passieren wollte, mußte auf offener Strecke zurückdirigiert werden, sodaß die Passagiere, welche nach Frankfurt wollten, über Friedberg fahren mußten. Offenbach, 30. Mai. Ein wolkenbruchartiger Gewitterregen ging Montag nachmittag über unsere Stadt hernieder. Die Straßen wurden von den heftigen Regengüssen momentan völlig überflutet, bis ein starkes Hagelwetter einsetzte, das in den Fluren viel Schaden anrichtete. == Offenbach, 30. Mai. Die hiesigen Rahmenmacher und Glasergehilfen haben gestern die Arbeit nicht aufgenommen, weil die Unternehmer die Unterzeichnung des vereinbarten Vertrages hinausgezogen haben. Falls die sofort eingeleiteten Verhandlungen zu einer Einiproflamiert werden. gung nicht führen werden, soll unverzüglich der Streik Wetzlar. Das preußische Abgeordnetenhaus vertagte sich gestern auf unbestimmte Zeit, wahrscheinlich bis zur zweiten Hälfte des Juni. Das Eisenbahnanleihegesetz war vorher in dritter Lesung angenommen worden. Der Regierung wurden Petitionen um Erbauung einer Bahn von Nauheim nach einer Station der Aar- Bahn, wie um Weiterführung der Wester= waldbahn als Material überwiesen. * Weilburg, 31. Mai. Die Eisenbahnfrage nach dem Kaltenbachtale ist dadurch in ein anderes Stadium getreten, daß sich auch die Hannoversche BahnbauAktien- Gesellschaft für die Strecke Niedershausen- Obershausen- Arborn- Rennerod ausgesprochen hat. -sch Limburg, 31. Mai. Mit dem zweigeleisigen Ausbau der Eisenbahnstrecke FrankfurtNiedernhausen- Limburg wird jetzt energisch begonnen. Dem Vorstand der in Höchst errichteten Bauabteilung ist ein besonderer Ingenieur mit dem Wohnsitz in Niedernhausen von der Eisenbahnverwaltung beigegeben worden. Die Arbeiten sollen nach Möglichkeit beschleunigt werden. Marburg, 31. Mai. Jm Burgwalde bei Marburg findet man eine Warnungstafel mit folgender eigenartigen Inschrift:„ Dieser Weg ist gein Weg. Wer es doch dud, wird bestrafd." Frankfurt, 31. Mai. Montag nachmittag 30g ein schweres Gewitter über Frankfurt. Es richtete hauptsächlich in den nördlichen Stadtteilen und in den Ortschaften nach dem Taunus zu schweren Schaden an. Im freien Feld nahm der Hagel die Obstbäume schwer mit. Zerfetzte Blätter, abgeschlagene Blüten und Zweige liegen am Boden. Die Kirschen, die schon Früchte angesetzt hatten, sind entsetzlich zugerichtet. Auch in der weiteren Umgebung hat das furchtbare Unwetter großen Schaden angerichtet. * Aus Rheinhessen, 31. Mai. Wenn man durch die Fluren der Felder schreitet, so kann man die Wahrnehmung machen, daß alles schön und üppig gedeiht. Die Aehren der Kornfelder stehen bereits schon in Mannshöhe, die Weinberge entwickeln sich prächtig, so daß blühende Stöcke feine Seltenheit mehr sind. Auch die Kirschenbäume hängen voll von Früchten, so daß man stützen muß, um das Brechen zu verhindern. Ueberhaupt scheint es dieses Jahr ein reiches Obstjahr zu geben. Deutscher Reichstag. In der Sonnabendstßung konnte nur die Generaldiskussion über die Reichsversicherungsordnung in dritter Lesung beendet werden. Staatssekretär Delbrück fühlte sich, wie die Redner der Parteien aus dem Hause, veranlaßt, vom Standpunkt der Verbündeten Regterungen das Fazit der sich ihrem Ende nun zuneigenden Verhandlungen zu stehen und zu betonen, daß organisatorisch zwar manches nicht nach den Wünschen der Regierung seine Regelung gefunden hat, daß aber, was die Leistungen betrifft, die Wünsche sich erfüllt haben und daß dies die eingeräumten Konzeffionen als berechtigt erscheinen läßt. Er erkannte in dieser abschließenden Rede, der eine programmatische Bedeutung im gewissen Sinne nicht aberkannt werden kann, an, daß die Gegner der Reichsversicherungsordnung mit ritterlichen Waffen gekämpft und der Verabschiedung keine unüberwindliche Schwierigkeit in den Weg gelegt haben. Man konnte in der Montagssitzung zweifelhaft werden, ob dies Anerkenntnis des Staatssekretärs nicht etwas ver= früht war; denn die Sozialdemokraten fielen wieder in ihre frühere Praxis zurück, mit längeren Reden aufzuwarten und gegen die Mehrheitsparteten den Vorwurf der Schweigsamkeit zu richten. Den letzteren ist es gelungen, mit den Verbündeten Regierungen ein Kompromiß zu ver= einbaren, nach welchem die Grenze für die Versicherungspflicht der Betriebsbeamten, Werkmeister, Handlungsgehil= fen usw. von 2000 auf 2500 M jährliches Einkommen erhöht wurde, das höchsterreichbare Ziel nach Lage der Situation und der Leistungsfähigkeit der Beteiligten. Auch gegen diesen Antrag, der kurz und treffend von dem Abg. Dr. Thoma( natl.) begründet wurde, erhob sich auf Seiten der Linken Widerspruch, der zu längerem Aufenthalt führte. Die Sozialdemokraten vertraten einen Antrag auf 3000 M Jahresverdienst in wiederholten Ausführungen der Abgg. Hoch und Molkenbuhr. Ihr Antrag fiel jedoch in nament licher Abstimmung gegen eine geringe Minderheit, während der Kompromißantrag darauf fast einstimmig angenommen wurde. Sodann gab es eire ziemlich erregte Aussprache über die Wochenhilfe. Hier bezweckte der Antrag Schultz einen Busaß, wonach für Mitglieder der Landkrankenkassen, die nicht der Gewerbeordnung unterstehen, die Satzung die Dauer des Wochengeldbezuges auf mindestens 4, höchstens 8 Wochen bestimmen fanm Die Abgg. Ablaß und Gen. ( f. V.) wollten die Gewährung der Geburtshilfe und des Schwangerengeldes obligatorisch machen. Hier schlugen der Abg. Dr. David sowie die Abgg. Fegter und Bebel die schärfsten Töne gegen die Antragsteller an. Abg. Frhr. v. Gamp ( Reichspartei) erst führte die Debatte in ruhigere Bahnen, indem er auf den Kernpunkt der Frage einging, wie ste in diesem Zusammenhang betrachtet werden muß. Er hob besonders hervor, daß die Frauen in der Landwirtschaft nur 4 bis 6 Wochen bei der Ernte und auch dann nur einen halben Tag beschäftigt werden, und daß durch die Reduzierung der Beihilfe von 8 auf 4 Wochen die Mittel für die obligatorische Hebammenfürsorge disponibel werden. Die Auseinandersetzungen spannen sich noch eine Zeitlang weiter und endeten, wie vorauszusehen, mit der Annahme des Antrages Schulz. Ein Ende der dritten Lesung der Reichsversicherungsordnung ist einstweilen noch nicht vorauszu= fehen. Winke für Invalidenmarken- Kleber. Es kommt noch immer sehr häufig vor, daß Invalidententenbewerber aus Unkenntnis der grundlegenden Bestimmungen des Invalidenversicherungsgesetzes vom 13. Juli 1899 der Wohltaten dieses Ges- bes verlustig gehen. Im allgemeinen wird viel zu spät, namentlich von landwirt= schaftlichen Arbeitern oder Selbstversicherten, mit Verwendung von Quittungsmarken angefangen, vielfach erst dann, wenn sich Alters- oder sonstige Beschwerden fühlbar machen. Dann ist es meist bis zur Invalidität zu spät, die erfor= derlichen Beitragswochen nachzuweisen. Hierauf dürfte erneut immer wieder hinzuweisen sein. Bet jeder lohnpflichtigen Arbeit empfiehlt es sich, sich vom Arbeitgeber gleich eine Bescheinigung über die geleistete Arbeit, die Höhe des Lohnes und darüber ausstellen zu lassen, daß die Arbeit dem ortsüblichen Lohne auch wirklich entsprach. Die Bestimmungen über den Kreis derjenigen Personen, auf die sich die Pflichtversicherung und die freiwillige VerSehr ficherung erstreckt, sind viel zu wenig bekannt. häufig wird die Anwartschaft dadurch verloren, daß während zweier Jahre keine Arbeitswochen nachgewiesen sind aber auch nicht geklebt worden ist. Dabei ist es unter Umständen einfach, die Anwartschaft nicht zu verlieren. Zum Bet= spiel, wenn 100 Pflichtmarken nachgewiesen worden sind, ist es gestattet, freiwillig weiter zu kleben, ohne den Nach-= weis lohupflichtiger Arbeit. 20 Marken innerhalb der be= zeichneten 2 Jahre genügen, um die Anwartschaft nicht zu verlieren. Wenn ein Versicherter die Anwartschaft auf Rente verloren und nach dem Erlöschen wieder Marken entrichtet hat, so kann er, wenn durch die Nachbringung der Marken die Anwartschaft wieder auflebt, für ein Jahr zurück freiwillig Marken nachkleben. Sonst darf er nur von dem Tage ab Beitragsmarken verwenden, wo er den Entschluß gefaßt hat, sich freiwillig weiter zu versichern. Diejenigen Personen, welche sich freiwillig versichern, könen Beitragsmarken einer beliebigen Lohnklasse verwenden. 18) 3wei Kirschen an einem Stengel. Roman von A. von Piltencron. ( Nachdruck verboten.) Beileibe nit," entfuhr es ihr. Er betrachtete sie mit einem warmen Blicke.' s ist a dumme Geschicht, daß just hüt die Beratung ist, wo ich bi sin möt, und das duert bis spät, sonst kunnt wi hüt blsamme bliewe." Kathi begriff das, aber ein Beisammensein mit Hans wollte sie sich unter keinen Umständen entgehen lassen. Es fuhr ihr durch den Sinn, daß sie den Verwandten schreiben könne, sie müsse noch ein oder zwei Tage länger bleiben, und so schlug sie dann schnell entschlossen vor: Kunnst morge nach der Arbeit zu uns fumme." ,, Kann ich nit!" Aberst dann übermorge!" drängte sie. Er schüttelte den Kopf.„ Geht nit, hab mi allwell schonsten versagt." Kathi wurde ungeduldig.„ Wer is denn, dem Du Dich zusage tätst?" Und da er keine Antwort gab, fuhr sie fort: „ Kunnst Dich allweil schon da losmache und zu uns fumme!" ,, Geht nit," wiederholte er noch einmal und bohrte den Knotenstock, den er in der Hand hielt, tiefer in die Erde.„ Aberst, Mädel, so hitzig brukts doch nit sin, next Sünntag funne wie allemal zusamme gahn." „ Das geht doch nit," platzte sie jetzt heraus ,,, da bin ich wieder zurück in Friedenau!" Der Bursche sah sie an, als hätte er nicht recht gehört. ,, Was was redst?" " Jetzt galt es, ihre Sache zu vertreten, und lebhaft sprudelte sie los. Auf in Jahr hab ich mich verdingt bt de Verwandte, und die dreihundert Mark, die ich dafür friegen tu, schau, das is min Heiratsgut, die trag ich auf Die Sparkass." Sie hatte so eilig gesprochen, das Herz flopfte ihr dabei so gewaltig, daß ste nun einen Augenblid innehalten mußte, um Atem zu schöpfen. Je höher jedoch die Beiträge sind und je mehr Beitragsmarken verwendet werden, desto höher wird später die Rente sein. Die Bestimmungen über die Entwertung der Marfen werden noch sehr häufig nicht beachtet. Jede Marke muß mit dem Verwendungsdatum versehen sein. Sehr häufig werden noch nach Eintritt der Invalidität Marken geklebt. Das ist immer aussichtslos zur Erlangung der Invalidenrente. slo od Rundschau vom Cage. Politisches. Der Kaiser hielt gestern auf dem Truppenübungsplat Döberitz die alljährliche Uebung mit der 2. Garde- Infanteriebrigade, der sogenannten Kaiserbrigade, ab. Prinzregent Luitpold schonungsbedürftig. Nach einer amtlichen Mitteilung aus Berchtesgaden wird der Prinzregent seinen Aufenthalt in Berchtesgaden über die Pfingstfeiertage hinaus verlängern. Die Verlängerung des Aufenthalts in Berchtesgaden geschieht auf ärztlichen Rat. Der Prinzregent ist seit einigen Tagen leidend und muß sich Schonung auferlegen. Zu Besorgnissen irgendwelcher Art über das Allgemeinbefinden des Prinzregenten ist jedoch kein Anlaß. Das Befinden des Kaisers Franz Joseph. Der Katarrh des Kaisers ist geschwunden. Sein sonstiger Gesundheitszustand ist befriedigend und erfordert keine therapeutische Behandlung. Alle Minister und hohen Würdenträger wurden verständigt, daß der Kaiser von 1. bis 15. Juni feine Vorträge entgegennehmen und keine Audienzen erteilen wird. Die dringlichen Regierungsgeschäfte, soweit sie eine persönliche Inanspruchnahme notwendig machen, werden in dieser Zeit vom Erzherzog- Thronfolger Franz Ferdinand erledigt. Die Gerüchte über den Rücktritt des preußischen Landwirtschaftsministers v. Schorlemer entbehren der Begründung. Zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Landwirtschaftsminister besteht in der Ostmarkenpolitik völlige Einigkeit. Der Landtagsschluß. Wie der„ Inf." mitgeteilt wird, fann erwartet werden, daß der Landtag spätestens am Sonnabend, den 1. Juli geschlossen werden wird. Eine Tagung bis in den Juli hinein kann als ausgeschlossen gelten, da die Abgeordneten sich zum Beginn der Reisezeit nicht mehr zusammenhalten lassen. Die Abgeordnetenhauskommission zur Beratung des Ausführungsgesetzes zum Viehseuchengeset hat ihre erste Lesung beendet. Nach§ 23 können die Verbände beschließen, daß auch in anderen Fällen als den im§ 66 des Viehseuchengesetzes und im§ Abs. 1 des gegenwärtigen Gesetzes vorgesehenen eine Entschädigung für Verluste durch übertragbare Seuchen der Pferde, Esel, Maultiere, Maulesel und des Rindviehs oder durch Milzbrand bei Schafen zu gewähren. Hierzu wurde ein nationalliberaler Antrag angenommen, nach dem diese Bestimmungen ausgedehnt auf die durch übertragbare Seuchen für Schweine, Schafe und Ziegen erwachsen sind. Weiter wurde ein Antrag der Konservativen angenommen, wonach denjenigen Viehbesitzern, die durch die Durchführung der Schutzmaßregeln wirtschaftlich geschädigt sind, Beihilfen gewährt werden können. Diese Beihilfen sollen aus allgemeinen Staatsmitteln den Verbänden zur Hälfte zurückerstattet werden. Die Handels- und Gewerbekommission des Abgeord= netenhauses hat eine Petition des Bundes deutscher Buchbinderinnungen über den Wettbewerb der Gefangenenanstalten und das Unterbieten der freien Arbeit durch Gefängnisarbeit der Regierung zur Erwägung überwiesen. Regierungsseitig wurde bestritten, daß die Gefängnisse dem freien Buchbindergewerbe nennenswerte Konkurrenz machten, da größtenteils die Buchbindereien der Gefängnisse ihre Produkte nur an Staatsbehörden lieferten. Die Konfurrenz der Gefängnisarbeit werde erheblich überschätzt. Das Pflichtfortbildungsschulgesetz, das dem Abgeordnetenhause zur Beratung vorliegt, dürfte, wie man in parlamentarischen Kreisen annimmt, kaum zustande kommen. Nachdem die Kommission den Religionsunterricht als Unterrichtsfach für die gewerblichen Fortbildungsschulen angenommen und beschlossen hat, in den Schulvorstand auch die Geistlichen wählen zu lassen, ist die Vorlage gefährdet, da die Regierung sich diesen Beschlüssen nicht unterwerfen will. Eine Entgleisung des französischen Kriegsministers. Der neue Kriegsminister Goiran hielt am Sonntag an die Pariser Korrespondenten italienischer Zeitungen, die thm auf dem Flugplatz bei dem Start Paris- Rom vorgestellt wurden, eine Ansprache, in der sich folgende Stelle findet:„ Meine Herren, unsere fliegenden Helden sind be= rufen, die Alliance, pardon, ich will sagen: das natürliche ,, Das wirst nit tun," hörte sie ihn sagen, ganz ruhig, aber fest und finster, und dabei schloß sich seine Rechte zu einem eisernen Druck um ihre Hand. ,, De Mutter hätt nix darwidder," murrte ste. ,, Das wirst nit tun," wiederholte er lauter, so daß es fast wie eine Drohung Klang.„ Verstehst nit? Jch, der Hans Ruland, leid so was nit!" Trozig sah sie ihm in die Augen. Ich mein, daß es a gut Ding is um die dreihundert Mark, und daß ich so a Stück Heiratsgut nit wegschmiete bruk, drum nehm ich die Stelle an, auch wannst brummen tust." ,, Auch wann ich Dirs verbiete tu?" Seine Hand preßte die ihre bis zum Schmerze. - Das brachte ihren mühsam zurückgehaltenen Zorn zum Auflodern.„ Ju ju, dausendmal ju!" rief sie ihm zu. „ Mit was for Recht wüllst mi fommandiere?" Da schleuderte er ihre Hand weg. Weilst zwei Kirschen an oinem Stengel of ein Will habe mußt!" " „ Und Din Will füllt allemal kummandiere," murmelte sie ,,, schau, das paßt mi of nit!" Sie war blaß ge= worden, aber einlenken wollte sie doch nicht. ,, De Stengel is allweil zerrisse, an dem de zwei Kirsche baumeln tät," lautete seine Antwort. Brauchst nit mehr nach de Hans sin Didkopp zu frage, funnst nu dun und lasse nach Din Pläsier, mich scherts nit mehr." Stumm standen sie nebeneinander. Ueber ihren Häuptern freiste schreiend eine Krähenschar, und das sanfte Schneegeriesel, das vor kurzem eingesetzt, hatte sich verstärkt, so daß dichte Flocken auf sie niederfielen. Von alle dem merkten die beiden nichts, sie hatten zu viel mit sich selbst zu tun. ,, Tu's Dir bedenken, Kathi," sagte er jetzt, sollts ut sin mit uns, oder willst dahem bleibe?" ,, Nein, ich geh," gab sie eigensinnig zurüd. „ Na, denn adjüs! Merk Dir's, nu is vorbi! Ganz vorbi!" Ohne sich auch nur einmal umzusehen, hastete er mit großen Schritten davon. Band, das Frankreich und Italien umschließt, noch) enger zu knüpfen. Ich hoffe, daß die französischen Flieger die richtigen Interpreten unseres Empfindens sein werden." Die Algecirasatte bleibt die Grundlage? Der„ Matin" bringt eine anscheinend offiziöse Note, in der es heißt: Das Ansuchen Mulay Hafids um das Protektorat Frant reichs ist nicht neu. Die Regierung, die auf den, den leitenden Grundsäzen der Algecirasatte und der anderen tenden Grundsätzen der bestehenden Verträge zuwiderlaufenden Gedanken nicht eingehen konnte, hat ausweichend geantwortet. Die Alges cirasakte bleibt die Grundlage der Morokkopolitik Frant reichs. Ebenso selbstverständlich ist es, daß man dem Ansuchen Mulay Hafids, die Zahl der vor Fez stehenden Trupa pen auf 50 000 Mann zu erhöhen, nicht nachkommt. Die türkische Deputiertentammer hat nach Erklärungen des Ministers des Auswärtigen über das Vorgehen Rußlands und nach Mitteilungen des Großwesirs über den Malissorenaufstand der Regierung mit 135 Stimmen das Vertrauen ausgesprochen. 47 Abgeordnete enthielten sich der Abstimmung. Kleine Nachrichten. Der gestrige Unfall des Prinzen Joachim von Preußen auf dem Döbertzer Grerzierplab ist darauf zurückzuführen, daß der Prinz im Laufe der militärischen Uebung in eine Bodenvertiefung getreten und zu Fall gekommen ist. Die ärztliche Untersuchung hat einen Bluterguß ins rechte Kniegelenk ergeben. Ein neuer Riesendampfer der Hamburg- Amerika- Linie. Die Hamburg- Amerika- Vinie bestellte bet der Werft von Blohm& Voß ein Schwesterschiff zu dem auf der Vulkanwerft in Hamburg im Bau befindlichen Turbinenschnelldampfer von 50 000 Tonnen für die Neuyorker Fahrt. Der auf der Vulkanwerft im Bau befindliche Dampfer soll den Namen Imperator" erhalten. Verschiebung der landwirtschaftlichen Wanderausstellung. Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft hat mit Rücksicht auf den bedeutenden Umfang der Maul- und Klauenseuche die auf 1913 in Breslau geplante Wanderausstellung ausfallen lassen und sie auf das Jahr 1915 verschoben. Eine neue Rheinbrücke. Die preußische Regierung plant eine Ueberbrückung des Rheins zwischen Bingerbrück und Rüdesheim als Verbindung der strategischen Bahn Bingerbrück- Münster a. Stein mit dem rechtsrheinischen Eisenbahnnetz, da auf der Strecke von Koblenz- Mainz( etwa 100 Kilometer) keine Rheinbrücke vorhanden ist. Die Brücke soll nur strategischen Zwecken dienen, wahrscheinlich ist aber, daß sie später auch den Verkehr übergeben wird. Ein Krematorium für Magdeburg. Der Magdeburger Magistrat plant auf dem Friedhof die Erbauung eines Ofens für Leichenverbrennung und hat bereits eine größere Summe für die Vorarbeiten verlangt. Der sozialdemokratische Bergarbeiterführer Schröder, der erst Anfang dieses Jahres vom Meineid gereinigte ,, Kaiserdelegierte", der vor einigen Tagen, wie gemeldet, einen leichten Schlaganfall erlitt, sodaß er das Präsidium des Bergarbeitertages abgeben mußte, ist jetzt infolge eines zweiten stärkeren Schlaganfalles vollständig zusammengebrochen. Sein Zustand ist bedenklich. Der Direktor des Berliner Sportpalastes in der Potsdamerstraße, Rostin, der, wie gemeldet, verhaftet war, wurde vom Untersuchungsrichter gegen Stellung einer Kaution von 25 000 M wieder auf freien Fuß gesetzt. 12 000 Mark verbrannt. Am Sonntag brach in der Bürstenfabrik von Ernst Kittel in Bärenwalde in Sachsen Feuer aus, dem das Wohnhaus und die Seitengebäude zum Opfer ficien. 36 Maschinen wurden vernichtet; 12 000 Mark Bargeld verbrannten. Die Ursache des Brandes wird auf Blitzschlag zurückgeführt. Von einem Eisenbahnzug überfahren und getötet wurde gestern früh in Köpenick bei Berlin der 16 Jahre alte Handschuhmacherlehrling Paul Hübner. Als der Wärter die Strecke abpatrouillierte, fand er auf dem Bahnkörper eine Leiche, welcher der Kopf vom Rumpfe getrennt war. Die Polizei stellte fest, daß H. sich auf die Schienen warf, als gerade ein aus Berlin kommender Zug herangebraust fam. Drei Kinder verbrannt. In der ostpreußischen Ortschaft Schillgaren brach gestern mittag ein Brand aus, dem 10 Häuser zum Opfer fielen. Drei Kinder sind verbrannt; zwei Personen wurden verletzt. Opfer der Berge. Der russische Student Rottmann aus, Müncher stürzte durch Seilbruch von der Gamshalt im Wilden Kaiser in Tirol ab und wurde getötet. Juwelendiebe drangen gestern in der Hauptstraße in Kopenhagen durch ein in den Fußboden gebohrtes Loch in, einen Juwelenladen, wo sie Juwelen und Goldsachen im Werte von 50 000 M stablen. opple Caruso wegen gebrochenen Gheversprechens verklagt. Einer Blättermeldung zufolge flagt eine Verkäuferin in einem Geschäft in Mailand gegen Caruso auf 200 000 M Schadenersatz wegen Bruchs des Eheversprechens.d Mord und Brandstiftung? Bei dem Brande des Wohnhaufes des 50jährigen Fräuleins Kuhlmann in Olfen in, Westfalen fand man die e Besitzerin erwürgt im Bette. Der Kathi starrte ihm nach, in dem dicken Schneegestöber entschwand er rasch ihren umflorten Blicken. Als der lette, nebelhafte Umriß seiner Gestalt in den wirbelnden Flocken unterging, schluchzte sie laut auf, und heiße Tränen rannen ihr über die Backen, ob vor Zorn oder Schmerz, das wußte sie selbst nicht, und wann sie endlich nach Hause gegangen, das hätte sie nicht sagen können. „ Jemersch, Kind, Du bist ja so naß wie a gebadet Katz," begrüßte Frau Amrum ihre Tochter ,,, und ganz fäfig stehst ut, wenn Du Dir nur nit verkühlt häst!" Kann sein," meinte das Mädchen gleichgültig, ließ sich's aber von der Mutter gefallen, daß sie ihr half, die nassen Kleider ausziehen, und ihr Fliedertee tochte. Ste trank ihn ohne Widerrede, trotzdem sie erklärte:„ Ich weiß nit, wie mich das wieder zurechtkriege sullt." Am andern Morgen hatte Kathi ihren Entschluß gefaßt. Die Reue war über sie gekommen, sie wollte zur Frühstückszeit in den Bruch und noch einmal mit Hans reden; was dann werden sollte, das wußte sie selber noch nicht. Sie hatte eins ihrer Dorfkleider angezogen und das Tuch um den Kopf geknüpft. In der Haustür trat ihr der Briefträger entgegen, er hatte das" Sonntagsblatt" für, Frau Amrum abzugeben und händigte es Kathi ein. Die Mutter war auf Arbeit, und das Mädchen legte es auf den Tisch. Dabei rutschte ein Brief heraus und fiel zur Erde. Sie bückte sich danach und las „ Herrn Hans Ruland, Spreewig." Der Brief mußte sich aus Versehen in das Blatt eingeklemmt haben. Nun konnte sie ihn ja gleich dem Hans bringen. Da las sie den Poststempel ,, Merkenheim", und wie ein Blizz durchzuckte sie der Gedanke da ist die Rosemarie in Dienst! Ist der Brief von ihr? Was kann sie meinem Hans zu schreiben haben?- - ( Fortsetzung folgt,> Berdacht, den u haben, richte 10 Jahre alten Wieder ein vormittag brach isto ein große Ausnahme eines drei Leichen geb Aus Ein auffeher dem Münchener Wegen Anfertig Münchener Kün angeklagt. B. m dern fandte ein Der Staatsanw bie Beschlagnahr lichen Vermöger Staatsanwalts Entschuldigung halten des Ange ins Ausland v im Reichsanzeige ren fechzehn den gehörende Perfo Aus Die schwerf baut wurde, et tomotive, hat J. A. Maffei t auf die interna in Turin gehen hoher Stufe de nenbanindustrie großen bayerisch fünffach gefuppe tive, die besonder wendet werden gen besitzt als d schinen. Ste ift einer Geschwind noch auf einer bewältigen. Der mosphären aus. Neuerungen der ficherlich ein inte Der einstige Botenmeister im feierte am Sonn Der Kaiser zeid webel aus seiner Regiment zu F Standuhr aus. ordnetenhauses er volle Angebinde. Ein falscher Charlottenburg nungslose Joseph Hauptmannsunifo in Begleitung ein Juweliers in der hier eine größere laffen und hierbei jedoch nicht zur A feiner nicht recht izes und der nicht Säbelscheide einem die Festnahme des Schuhmann veran formträger dann J. festgestellt. 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Denn mit D noch enger Flieger bi n werden er, Matin es heißt: rat Frant en, den le er anderen nten nig Die Alge Citit Frank n dem An nden Trup mt. Erklärun Vorgehen s über den immen das Chielten fig n Preußen dzuführen, ng in eine en ist. Die ins rechte erifa- Linie. Werft von er Vulkan inenschnell Fahrt. Der Fer soll den derausstel mit Rüd nd Klauen. ausstellung schoben. erung plant rbrüd und in Binger hen Eisen ( etwa 100 Die Brüde lich ist aber, Jagdeburger tung eines S eine grö = Schröder, gereinigte e gemeldet, äsidium des folge eines immengebro n der Potswar, wur ter Kaution rach in der in Sachsen itengebäude chtet; 12 000 randes wird getötet wur Jahre alte der Wärter Bahnkörper trennt war. Sienen warf crangebraukt en Ortschaft us, dem 10 verbrannt; ottmann aus Samshalt im uptstraße in rtes Loch in oldfachen im 8 verklagt rfäuferin f 200 000 18. e des Wohn in Olfen in Bette. 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Wegen Anfertigung unzüchtiger Bilder war der bekannte Münchener Künstler Marquis Franz Wilhelm de Bayros angeklagt. B. war jedoch nicht zum Termin erschienen, sondern sandte ein ärztliches Krankheitsattest aus Innsbruck. Der Staatsanwalt beantragte hierauf einen Haftbefehl und bie Beschlagnahme seines gesamten in Deutschland befindlichen Vermögens. Der Gerichtshof hat dem Antrag des Staatsanwalts entsprochen mit der Begründung, daß die Entschuldigung de Angeklagten nach dem bisherigen Verhalten des Angeklagten wenig glaubwürdig sei und Flucht ins Ausland vorliege. Die Vermögensbeschlagnahme ist im Reichsanzeiger zu publizieren. Als Sachverständige waren sechzehn den höchsten Gesellschaftskreisen Münchens angehörende Personen geladen. Aus dem Reiche der Technik. Die schwerste Maschine, die bisher in Deutschland gebaut wurde, eine/ gekuppelte Schlepptender- Güterzuglotomotive, hat dieser Tage die Werkstätten des Eisenwerts J. A. Maffei in Hirschau bei München verlassen. Sie wirö auf die internationale Industrie- und Gewerbe- Ausstellung in Turin gehen und dort Zeugnis davon ablegen, auf welch hoher Stufe deutsche Ingenieurkunst und deutsche Mascht= nenbauindustrie stehen. Die Lokomotive, die im Typ den großen bayerischen Schnellzugslokomotiven ähnelt, ist eine fünffach gekuppelte Heißdampfvierzylinder- Verbundlokomotive, die besonders auf Strecken mit starken Steigungen verwendet werden soll und ein weit größeres Schleppvermögen besitzt als die bisherigen/ gefuppelten Güterzugma schinen. Sie ist imftande, 800 Tonnen( 16 000 Zentner) mit einer Geschwindigkeit von 25 Kilometern in der Stunde noch auf einer Steigung von 11 Meter auf 1000 Meter zu bewältigen. Der Kessel hält eine Spannung von 16 Atmosphären aus. Natürlich ist die Maschine mit allen Neuerungen der Maschinenbautechnik ausgestattet und wird ficherlich ein interessantes Stück der Ausstellung werden. Vermischtes. Der einstige Feldwebel des Kaisers. Der Sekretär und Botenmeister im Abgeordnetenhause Julius Hartmann, feierte am Sonntag das Fest seiner silbernen Hochzeit. Der Kaiser zeichnete seinen ehemaligen Kompaniefeldwebel aus seiner aktiven Dienstzeit beim Ersten GardeRegiment zu Fuß durch Uebersendung einer silbernen Standuhr aus. Auch die Beamten und Diener des Abgeordnetenhauses erfreuten den beliebten Mann durch wertvolle Angebinde. Ein falscher Hauptmann wurde von der Polizei in Charlottenburg verhaftet. Der 25 Jahre alte wohnungslose Josephsti taufte sich bei einem Trödler eine Hauptmannsuniform und begab sich in diesem Aufzuge in Begleitung eines Komplizen nach dem Geschäft eines Juweliers in der Kantstraße in Charlottenburg, um sich hier eine größere Auswahl von Goldsachen vorlegen zu Tassen und hierbei Diebstähle auszuführen. Der Plan kam jedoch nicht zur Ausführung, da der„ Hauptmann" infolge seiner nicht recht passenden Uniform, seines schiefen Helmsizes und der nicht mehr im Gebrauch befindlichen blanken Säbelscheide einem ihm begegnenden Offizier auffiel, der die Festnahme des verdächtigen ,, Kameraden" durch einen Schuhmann veranlaßte. Auf der Wache wurde der Uniformträger dann als der vielfach vorbestrafte Einbrecher J. festgestellt. Weitere Ermittelungen hatten ergeben, daß J. in die Wohnung einer Kontoristin, mit der er ein Liebesverhältnis angeknüpft hatte, eingebrochen war und deren goldene Uhr erbeutet hatte. Als die Bestohlene ge= stern auf dem Polizeipräsidium den wahren Charakter thres Postassistenten" erfuhr und ihm ihre Verachtung zum Ausdruck brachte, tröstete er sie mit den Worten: " Wenn Sie die Uhr nicht wiederbekommen, bin ich noch immer Kavalier genug, Ihnen den Schaden zu ersetzen." Am Verzweiflungstat zweier Wiener Studenten. Sonntag morgen kam der Student Worm aus Reichenberg auf ein Polizeikommissariat in Wien und meldete, er habe sich mit seinem Freunde, dem stud. jur. Baer in einem Borstadthotel vergiftet. Er( Worm) set nach tiefem vielstündigem Schlaf erwacht und habe seinen Freund tot aufgefunden. Die Tragödie hat die traurigste Vorgeschichte. Baer ist der Sohn eines Kavallerierittmeisters, der den Sohn für die militärische Laufbahn bestimmte. Mitten im Studium starb der Vater, weshalb Baer aus der Offizierschule austreten mußte. Er schlug sich ebenso elend wie sein Freund Worm durch. Beide litten beständig Hunger Sie wurden aus und wohnten meist im Männerasyl. Hunger und Not lebensüberdrüssig und beschlossen, gemeinsam zu sterben. Baer brachte Gift und trank dreiviertel davon, indem er Worm versicherte, der Rest werde genügen. Worm schlief bald darauf ein und fand beim Erwachen den Freund tot neben sich liegen. Worm hat die feste Absicht geäußert, sobald wie möglich dem Freund in den Tod zu folgen, weshalb er auf der psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses genau überwacht wird. Unter sicherm Geleit. Ein hübsches Geschichtchen, das fich vor kurzem in Mors am Niederrhein abspielte, erzählt der dortige„ Grafschaftler". Seine Helden sind ,, Mitglieder" des Mörser Amtsgerichtsgefängnisses, die in dessen stiller Abgeschlossenheit ihre Strafen verbüßen. Es sind zumeist verhältnismäßig harmlose Menschen, die nur we gen fleinerer Diebstähle und gegenseitiger Mißhandlungen für kurze Zeit der goldenen Freiheit beraubt sind. Sie empfinden die Haft während der guten Jahreszeit auch gar nicht so schmerzlich, da ste vielfach mit Garten- und Feldarbeit beschäftigt werden. So zog auch jüngst wieder ein folcher Trupp, begleitet von dem schwerbewaffneten Aufseher, zu einem der eingemeindeten Orte hinaus, um dort unter der gestrengen Aufsicht des Wärters tätig zu sein. Aber als gar zu gestrenger Herr erwies sich dieser nicht, der Dämon Alkohol in Gestalt einiger Flüssigkeiten, die ihm gereicht wurden, gewann Gewalt über thn, und so tam es schließlich, daß die Gefangenen ihren Wärter bewachen mußten, auf daß ihm kein Unheil widerfahre. Köstlich muß der Einzug in die Stadt gewesen sein, als sie ihn brachten" und im Gerichtsgefängnis ablieferten. Keiner pon ihnen hat übrigens die günstige Gelegenheit benutzt, bas Weite zu suchen. Die großen Hüte der Damen haben einem Berliner Kinematographenbestzer große Ungelegenheiten berettet. Denn mit der Berufung auf die Ungetüme, die die Damen auf den Köpfen tragen, ist ihm die Konzession für sein neu eingerichtetes Kinematographentheater versagt worden. Der Kreisausschuß hatte einen Ortstermin abgehalten und daraufhin wäre dem Antrag auf Erteilung der Schankkonzession Folge gegeben worden, wenn nicht in letzter Linie der Vertreter der beklagten Behörde die großen Hüte ins Feld geführt hätte. Bei besetzten Bänken, so meinte er, namentlich wenn Damen mit großen Hüten sich auf ihnen befinden, würden die Zwischenräume zwischen den Bänken sich als zu eng erweisen für den Kellner, der dann nicht zu den hinteren Plägen gelangen könne. Der Kreisausschuß hielt diesen Einwand für„ durchschlagend" und wies schließlich die Klage ab. So geschehen in der Sigung des Kreisausschusses für den Kreis Teltow zu Berlin. Ein schweres Karussellunglück hat sich in dem hart an der pommerschen Grenze gelegenen westpreußischen Dorse Brieseniz ereignet. Während sich das Karussell drehte, löste sich ein Teil des Unterbodens und flog, mit großer Kraft geschleudert, in die Zuschauermenge hinein, mehrere Personen unter sich begrabend. Hierbei wurden 3 Schulkinder schwer und eine Anzahl erwachsener Personen leichter verlegt. Zwei erwachsene Mädchen, die auf Pferden ritten, wurden ebenfalls in weitem Bogen in die Zuschauermenge geschleudert und gleichfalls schwer verletzt. Ein schauriger Fund wurde im Walde in der Umgegend von Schönheide i. Sa. von Spaziergängern gemacht. Sie fanden einen fast in Verwesung übergegangenen menschlichen Körper, von dem Raubtiere ein Bein vollstän stig abgenagt hatten. In dem Toten ermittelte man mit Hilfe seiner Taschenuhr den seit Jahr verschwundenen Postgehilfen Scheffler aus Rothenkirchen, der nach Unterschlagung von 600 Mark flüchtig geworden war. Er hatte sich aus Furcht vor Strafe im Walde erschossen. Die Entführung eines Deutschen von griechischen Räubern. Wie die„ Jenaer Volkszeitung" schreibt, ist der in den Balkanbergen entführte Reisende kein Jenaer Professor, sondern der technische Angestellte Franz Richter der Firma Zeiß, der die Besteigung des Olymp im Auftrage der geographischen Gesellschaft Thüringen unternommen hatte. Die letzten Nachrichten von ihm sind am Mittwoch bei seiner Familie eingelaufen und waren aus Saloniki datiert. Er spricht darin die Hoffnung aus, daß er bei normalem Fortgang seiner Arbeit am Donnerstag nach Pfingsten wieder in Jena sein würde. Zur Verfolgung der Räuber sind zwei Militärabteilungen aus Elassona abgegangen, ferner alle verfügbaren Gendarmen und einer aus früheren Bandenmitgliedern bestehenden Freiwilligenkompanie. Die Regierung gibt den Behörden die Schuld, weil sie Richter nur zwei Gendarmen mitgegeben haben. Die Leichen der beiden Gendarmen wurden in einem Gehölz bei Kokinaple gefunden. Der erste Postreferendar. Nach den jetzt geltenden Bestimmungen müssen sich die Anwärter der höheren Postlaufbahn einem akademischen Studium unterziehen. Die Elevenzeit beträgt mindestens vier Jahre, wovon ein Jahr auf die Erlernung des praktischen Dienstes und drei Jahre auf das Studium der Staatswissenschaften, Rechtswissen= schaft, Physik, Chemie und Elektrotechnik an einer Universität oder zum Teil an einer technischen Hochschule entfallen. Von den unter den neuen Bedingungen eingetretenen Posteleven hat sich jetzt der erste nach Beendigung des Studiums der vorgeschriebenen Prüfung unterworfen und ist nun zum Postreferendar ernannt worden. Die Prüfung zum Postassessor kann nach Ablauf der dreijährigen Referendarzeit vor dem beim Reichspostamt eingesetzten Oberprüfungsrat abgelegt werden. Der neue Postreferendar ist der Oberpostdirektion Stettin zur weiteren praktischen Ausbildung überwiesen worden. Ein Automobil von einem Expreßzug überfahren. Am Sonntag abend ereignete sich bei Evreux in Frankreich ein schwerer Automobilunfall. Der Oberst Guionie wollte mit seinem Auto, in dem sich außer ihm ein Chauffeur und seine Frau befanden, einen Eisenbahnübergang kreuzen. Das Auto erlitt in dem Augenblick, als es auf dem Gleise war, einen Motordefekt und der Wagen blieb stehen. Bevor er noch flott gemacht werden konnte, sauste mit rasender Geschwindigkeit der Pariser Expreßzug heran. Der Oberst, der noch beschäftigt war, den Defekt zu beseitigen, wurde vom Zuge erfaßt und völlig zermalmt, während die Frau und der Chauffeur Zuschauer der entseglichen Tragödie waren. Ein Kampf um die akademische Freiheit in Marburg vor 100 Jahren. In diesen Tagen waren es- so schreibt man dem Frankf. Gen.- Anz." aus Marburg 100 Jahre, daß die Marburger Studenten schon einmal, wie es vor einigen Jahren in etwas moderner Form der Fall war, in dte Lage versetzt wurden, die akademische Freiheit zu verteidigen. Es war zurzeit, als unser Hessenland unter französischer Herrschaft stand. Der Kommissar der Polizet, ein Elsässer, namens Wolff, brachte den Professoren und Studenten großes Mißtrauen entgegen und ließ sie dieses auch oft fühlen. Aus Anlaß einer Schlägerei zwischen Studenten und jungen Bürgern, welche am 24. Mat 1811 in der Vorstadt Weidenhausen stattfand, und bei der dte Studenten den kürzeren zogen, beschlossen sie, sich zu rächen. Ste bewaffneten sich mit Säbeln und Knüppeln und wollten vom Barfüßertor aus gemeinsam nach Weidenhausen ziehen, um die Prügelet fortzusehen. Als der Stadthauptmann von Dalwigt dies erfuhr, ließ er die Weidenhäuser Brücke mit Militär besehen und benachrichtigte auch den Polizeikommissar Wolff. Dieser machte kurzen Prozeß, er schickte Gendarmen nach dem Barfüßertor und ließ den ersten besten Studenten verhaften und, weil dieser seinen Namen zu nennen verweigerte, mit Landstreichern und Vagabunden zusammen aufs Schloß ins Gefänanis bringen. Die anderen Studenten eilten jezt zum Prorektor Brauer und beschwerten sich ob dieses Angriffs auf die akademische Freiheit. Ein Student gehöre nicht ins Gefängnis, sondern ins Universitätskarzer. Auch Brauer konnte beim Kommissar nichts ausrichten, und deshalb beschlossen die Studen ten in einer im nahen Ockershausen abgehaltenen Versammlung, über die Grenze nach dem damals Darmstädtischen Städtchen Gladenbach zu ziehen. Man sandte auch sofort Quartiermacher nach dort, und diesen folgte bald die gesamte Studentenschaft. In Gladenbach, wo sie gastfreundliche Aufnahme fanden, unterhielten die Studenten die Bürger mit allerhand Schaustellungen und festlichen Umzügen. Bereits am andern Tage kam ein Eilbote aus Marburg, der die Studenten bat, sofort zurückzukommen, der Streit sei beigelegt und der verhaftete Student sei bereits entlassen. Kurz darauf zogen die Studenten zum Bedauern der Einwohnerschaft unter den Klängen einer Mufifkapelle wieder ab. Vor den Toren von Marburg aber standen die Bürger und begleiteten sie in die Stadt zurück, wo sie mit großem Jubel empfangen wurden. Der Adoptionsschwindel. In Berlin bestehen jetzt nicht weniger als vier Adoptionsbureaus, die es auf die Taschen kinderloser Leute abgesehen haben. Ihre Inhaber standen früher miteinander in Verbindung, haben auch voneinander gelernt, Die Unternehmungen nennen sich Adoptionsund Pflegefrauenbureaus. Nach ihren großsprecherigen Ankündigungen arrangieren" fie Adoptionen", erledigen fie diskrete Angelegenheiten", besorgen ein„ diskretes Seim" und so weiter. Eines dieser Bureaus machte neuer dings in Leipzin eine Filiale" auf. Kaum hatte der Inhaber dort ein möbliertes Simmer bezogen, als auch schon täglich an die 1000 Briefe bei ihm einliefen. Dann schrieb er selbst sehr eifrig, und nun erschien bald auch der Geldbriefträger, der an einem Tage 100 Anweisungen brachte. Der Wirtin wurde unheimlich. Sie vermutete einen Schwindel und ging zur Polizei. Jebt verschwand der Mieter. Die Briefe, die er unter Beifügung einer Photographie verfandi hatie, sind sehr bezeichnend. Es heißt darin: Höflichst Bezug nehmend auf Ihr wertes Schreiben, aus dem ersichtlich ist, daß Sie auf ein Kind reflektieren, gestatte ich mir folgendes zur Kenntnis zu geben. Es han delt sich um ein zirka drei Jahre altes, hübsches, gesundes Mädchen, bester, diskreter Herkunft( obige Photographie). Dem Kinde werden 4000 Mark mitgegeben. Falls Sie auf das Mädchen reflektieren, ersuche ich um genaue Angabe Ihrer Verhältnisse usw. Die entstehenden Unkosten usw. müssen Sie aber tragen, falls Ihnen daran gelegen ist, das Kind zu erhalten, den Betrag von 6,50 Mark einsenden. Die Adoptionsvermittler zeigen bald in dieser, bald in Je ner Gegend an:„ Mädchen von( folgt Alter) guter Serfunft an Kindesstatt zu vergeben. Erziehungsbeitrag 4000 Mt." Daraufhin melden sich Tausende, die ein Kind annehmen möchten. Sie alle bekommen dann den heftographierten Brief und senden darauf an die angegebene Adresse die verlangten 6,50 Mark als Auskunftsgebühr ein. Weiter will der Vermittler nichts. Ein Kind bekommt kein Bewerber. Die Kriminalpolizei hat sich mit diesem Treiben schon wiederholt befaßt, sie kann aber nichts ausrichten. Verlangt sie Auskunft über das zu vergebende Kind, so wird sie verweigert, weil die Sache diskret set. Es hilft also alles nichts, wenn die Leute, die gern ein Kind an nehmen möchten, sich nicht selbst schützen. So lange sie ohne weiteres die Auskunftsgebühr" einsenden, erreichen sie nur daß sich die Vermittler auf ihre Kosten ohne viele Mühe die Taschen füllen. Ministerpräsident Monis über die Katastrophe von Iffy. Ministerpräsident Monis empfing am Sonntag, wäh rend sein Sohn auf dem Flugfelde von Buc die Honneurs für ihn machte, die Vertreter der politischen Presse an seinem Schmerzenslager. Der Präsident ist durch die Einschienung des gebrochenen Beines zur Unbeweglichkeit verurteilt. Seine Gesichtswunden sind aber fast ganz geheilt; ein weißer Stoppelbart hat seine Gesichtszüge aber wesentlich verändert. Monis erzählte seinen Besuchern genau seine Eindrücke von der Katastrophe am 21. Mai. Ich wollte," sagte er, dem französischen Flugwesen meine besondere Bewunderung bezeugen, und zugleich meine freundschaftliche Sympathie für Spanien, dessen Hauptstadt der Zielpunkt des Wettfluges war, durch meine Gegenwart in Issy bekunden. Die letzte Person, der ich draußen die Hand drückte, war der spanische Botschafter. Ich hatte ein Vorgefühl von dem, was fommen sollte. Ich fühlte die Gefahr. Ich hatte bemerkt, daß der Apparat von Train beunruhigend schwankte, daß sein Führer ihn nicht meistern konnte. Ich hatte es meinem armen Freunde Berteaux und Deutsch de la Meurthe, die mich und meinen Sohn begleiteten, gesagt. Alchtung!" rief ich.„ Wir sind in einer Gefahrzone! Er kommt auf uns zu!" So rasch wie möglich warf ich mich zur Seite. Ich wollte nicht hier sterben. Ehe ich erfaßt wurde, hatte ich noch die klare Empfindung, daß ich der Schraube und dem Motor entgehen, aber von einem Flügel gefaßt werden würde. Ich hatte mich nicht getäuscht. Berteaux, den ar= men Freund, sehe ich noch unbeweglich erhobenen Hauptes mit erhobenem Arm, als wollte er irgend etwas befehlen - dann nichts mehr... 3u Boden geschleudert, den Kopf wie eingegraben in ein Erdloch, wurde ich eine Strede weit geschleift, mein Gesicht gleichsam abgehobelt. Ich war in elendem Zustand, mein Körper schlimm zugerichtet. Die Augen voll Erde und Blut, die Gesichtshaut teilweise nb. gelöst. Glücklicherweise war der Schädel selbst heil geblie ben, und so bin ich heute relativ wieder wohlauf. Ich merfte nicht, daß ich den Schenkel gebrochen hatte. In dem Augenblic wäre mir das auch gänzlich gleichgültig gewesen. Mein erster Gedanke war, mich nach Hause schaffen zu lassen. Ich erinnere mich, allen, die mich umgaben, den Aerzten, die mich auf dem Plate operieren wollten, gesagt zu haben: Nicht hier, bringt mich nach Hause." Die lebhafte Art, wie der Präsident ohne sichtbare Ermüdung sprach, überzeugte die Besucher, daß er sich schon völlig in Genesung befinde. Drabtnachrichten und Deuestes. Großer Fabrikbrand. Nordhausen, 30. Mai. In der vergangenen Nachi ist die mechanische Weberei von J. S. Riemann abgebrannt. Vom Feuer verschont blieben nur die Weberei und zwei große Lagerräume. Der Schaden wird auf 700 000 Mark geschätzt. Todessturz eines Epileptikers. Zeit, 30. Mai. Der 28jährige an Epilepsie leidende Kaufmann Schmeißer wurde, als er die Treppe hinaufging, plöblich von einem Anfalle überrascht und stürzte Hinterrücks die Treppe hinab. Er war bald darauf tot. Rätselhafter Leichenfund. Weida, 30. Mai. Im Seifersdorfer Holze wurde der vollständig nackte Leichnam eines jüngeren Mannes erhängt aufgefunden. Die Leiche wies Stichverletzungen in der Brust auf und die Hände sollen dem Manne auf dem Rücken zusammengebunden worden sein. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen Die Persönlichkeit des Toten konnte auch noch nicht festgestellt werden. Schwere Eisenbahnunfälle. Breslau, 30. Mai. Bei der Station Sambowitz auf der Strecke Breslau- Brieg ist gestern nachmittag 5 Uhr aus bisher unbekannter Ursache ein Probezug zur Erprobung einer neuen Schnellzugsmaschine entgleist. Ein Heizer wurde getötet und drei Eisenb. hnbeamte verlegt. Neuvork, 30. Mai. In der Nähe von Mac Cook in Nebraska erfolgte ein Zusammenstoß zweier Züge, die aus entgegengesetzter Richtung famen. Neun Personen wurden getötet. Ein Millionendiebstahl. Rom, 30. Mat. Wie die Blätter aus Meffina melden, haben unbekannte Täter im erzbischöflichen Palast einen Diebstahl begangen und kostbare kirchliche Gegenstände im Wert von einigen Millionen Lire entwendet, u. a. einen goldenen mit prächtigen Steinen geschmückten Mantel, der einen wirklichen Wert von 100 000 tre befitt, dessen historischer Wert aber auf drei Millionen Lire geschätzt wird. Der Flug Paris- Rom. Nizza, 30. Mai. Der Flieger Beaumont ist gestern abend kurz nach 7 Uhr hier angekommen. Er erhält den Preis von 108 000 Mark. Folgenschwere Pulverexplosion. Montpellier, 30. Mai. In dem Hause eines Steinbruchbesitzers in Lunel in Südfrankreich explodierte der im Keller aufbewahrte Pulvervorrat. Zwei Personen wurden getötet; das Haus wurde vollständig zerstört. Riesiger Waldbrand in Japan. Tokio, 30. Mai. Im Norden von Hakodate ist ein rtefiger Waldbrand ausgebrochen, der eine ungeheure Ausdehnung angenommen hat. Fünf Städte sind von einem Feuermeer umgeben. Auch die Steinkohlengruben bren nen. 300 Quadratwerst Waldbestand sind bereits vernichtet. Mehrere Personen find umgekommen. Wissenschaftliche Stein's Garten:: Giessen Selbst- Unterrichts- Werke Bes. C. Stein Hotel Restaurant und 1. VergnügungsEtablissement mit großem Garten Mittagstisch Fremdenpension in und außer Abonnement. Elektr. Licht. Bad im Hause. Telephou Nr. 5. 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