Irisch Pfg., sicht. igung. er. fenthalt Herr 1. Rube brüchen et. Für fen von ige An [ 21/8 m; gute [ 22/1 mitt. rort Neuer : Oskar endörfer; ( 25/6 en 1 e nd ch Te en en, en lie rd tegen Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen - vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Erscheint Mittags 3 Uhr. Die„ Illustr. Weltrundschau" Redaktion: liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. - Verlag der ,, Gießener Zeitung ,, G. m. b. H. Nr. 151. Telephon: Nr. 362. der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Freitag, den 30. Juni 1911. rechtsantrag ab. Die ganze erste Seite des sozialdemoDer preussische Landtagsschluss und tratischen Barteiorgans war gestern mit einem Aufruf an die Wähler und mit Betrachtungen über das Wahlrecht ausgefüllt. die Presse. an von Das Wolffsche Telegraphenbureau verbreitet folgende, allem Anschein nach offiziöse Mitteilung: Der Schluß des Landtages war, wie bekannt, für Ende dieses Monats in Aussicht genommen. Die nähere Bestimmung dieses Zeitpunktes hing für die Staatsregierung von dem Fortgange der parlamentarischen Arbeiten ab. Das Fortbildungsschulgesetz erhielt in der Kommission für die Regierung eine unannehmbare Fassung, und es bestand feine Hoffnung, daß hierin im Plenum noch eine Aenderung eintreten könne. Auch die Aussicht, noch mehrere andere Gesetze zu verabschieden, wurde durch den Verlauf der letzten Sitzungen des Abgeordnetenhauses zer stört. Infolgedessen sah die Staatsregierung trotz des anlaßt, von der erteilten Allerhöchsten Ermächtigung, den glatten Fortgangs der Geschäfte im Herrenhause sich verLandtag zu schließen, unverzüglich Gebrauch zu machen. * Aus Stadt und Land. | Der schrille Mißllang bei dem Schluß der preußischen Landtagsverhandlung hat eine leidenschaftliche Stimmung in die Lager aller Parteien getragen. Am schärfsten äußern sich die Organe der Linken, aber auch mittelparteiliche Blätter, wie die„ Tägl. Rundschau", wenden sich mit nachdrucksvoller Kritik gegen die Politik des Uebermutes und der Mißachtung von Rechten, die von den Mehrheitsparteien in der letzten Zeit getrieben worden ist. Besonders scharf ist auch das Urteil über den seitherigen Präsidenten Jordan von Kröcher, der allmählich immer mehr, statt ein Hüter der Minderheit zu sein, ein Vollstrecker des Mehrheitswillens geworden sei. Nachdem er gestern aus eigener Machtvollkommenheit die Tagesordnung geändert und dadurch den Landtag förm lich gesprengt habe, werde man ihm kaum ein Unrecht tun, wenn man ihm auch den urheberischen Anteil der eigenartigen Abstimmungsordnung bei der Beratung des freisinnigen Wahlrechtsantrages beimißt. Nach der bisher geltenden Uebung müsse bei der Vorlage mehreren Anträgen immer über den weitestgehenden abgestimmt werden, weil die Entscheidung darüber vielfach die weitere Abstimmungstätigkeit überflüssig macht. Wäre nach diesem Brauch verfahren worden, dann hätten die Konservativen nicht bei der Abstimmung über den nationalliberalen Antrag auf Einführung des abgestuften Wahlrechts und das Zentrum nicht bei der Abstimmung über die Wahlkreiseinteilung die mutwilligen und necki schen Scherze einer Isolierung der Antragsteller treiben fönnen. Durch die Ablehnung des freisinnigen Antrages überhaupt fet der nationalliberale Antrag ebenfalls erledigt gewesen. Das Urteil gegen die Haltung des Herrn v. Kröcher in der letzten Schlußsizung des Abgeordnetenhauses verschärfe sich noch dadurch, daß ihm das Bewußtsein des Verstoßes gegen die Geschäftsordnung einwandfrei nachgewiesen werden könne, und zwar trete gegen den Präsidenten kein anderer als Se. Exzellenz Jordan von Kröcher selber auf. Vor etwa 6 Wochen habe der zweite Vizepräsident des Abgeordnetenhauses angeregt, zur Abstimmung über das Feuerbestattungsgesetz eine zweite Sizung auf den Nachmittag anzuberaumen, wogegen Präsident v. Kröcher Widerspruch erhoben habe, der dadurch den Herren präjudiziert werde, welche aus irgendwelchen Gründen heute nicht an der Sitzung teilnehmen können und vielleicht morgen da sein würden." Als der Vizepräsident trotzdem seinen Wunsch Wunsch wiederholte, habe Präsident v. Kröcher geltend gemacht, daß sein Standpunkt hiermit als ausdrücklicher Widerspruch angemeldet sei, und es könne bekanntlich eine zweite Sitzung nicht angesetzt werden, wenn ein Widerspruch aus dem Hause erfolgt. Auf Grund dieser Auffassung, womit er sich selbst für alle Zeiten präjudiziert p- Schutzhütten im Vogelsberg. Als habe ,, fonnte und durfte er den gestrigen Fehler überein besonder Uebelstand für Touristen und sonstige Gehaupt nicht machen. Aber die Geschäftsführung des Herrn sellschaften, welche den Taufstein und Hoherodskopf bev. Ströcher habe, seitdem die Sozialdemokraten ihren Einsuchen wollen wird sehnlichst das Bestreben von Schutzzug in das Abgeordnetenhaus gehalten haben, allmäh- hütten mit Ruhebänken vermißt, wenn solche von einem lich immer mehr den Eindruck der Unparteilichkeit verGewitter, oder plötzlich eintretendem Regenwetter überloren. In einem Punkte allerdings müßten die Mehr- rascht werden, und überhaupt keinen Schutz vor dem heitsparteien in Schutz genommen werden. Der frühe Unwetter finden können wenn kein Baum und fein Strauch mehr davor schützt, und durchnäßt unverrichte Frage Gießen, den 30. Juni. Unsere Regimentstapelle erzielte gestern abend mit dem 3. Abonnementskonzert einen durchschlagenden Erfolg. Eine respektable Leistung war die Ouverture 3. Oper„ Der Nordstern" von Meyerbeer und das launenhafte, aber sehr gefühlvolle italienische Tonstück von Tschaikowsky. Auch die große Fantasie a. d. Oper„ Tiefland" von d'Albert fand ungeteilte Anerkennung. Unter den Kompositionen des zweiten Teils war von besonderem Interesse ein Wa Izer aus Der neuesten Neuzeit, der aus Motiven des Richard Strauß'schen„ Rosenkavalier" zusammengestellt war. Man war erstaunt, von diesem allermodernsten Komponisten, der seine Noten gewöhnlich auf einen Haufen schüttet, einen Walzer zwar von unverkennbarer Eigenheit in altfränkischer entzückender Nippsachen feinheit der Rokokozeit zu vernehmen. Der Vortrag des gerade nicht sehr leichten Musikstückes stellte der Leistungsfähigkeit unserer Regimentskapelle ein gutes Zeugnis aus. Der dritte Teil enthielt das umfangreiche Schlach tenpotpourri von Saro: Deutschlands Erinnerungen an die denkwürdigen Kriegsjahre von 1870-71, dessen treffliche Wiedergabe starken Beifall auslöste. Mit einem flotten Marsch schloß der genußreiche Abend. Schluß sei von der Regierung nicht mit den Parteien, geschweige denn einseitig mit den Mehrheitsparteien vereinbart worden. Da keine Aussicht bestanden hätte, daß das Fortbildungsschulgesetz in dem Plenum eine andere Fassung erhalten würde, und da andererseits auch die Regierung jede Auseinandersetzung über diese vermeiden wollte, sei anzunehmen, daß die Entscheidung über den Schluß des Landtages von dem Ausgang der Kommissionsverhandlungen abhängig gemacht wurde, und daß die Regierung eine zwecklose politische Auseinandersetzung ohne ein tatsächliches gesetzgeberisches Ergebnis zu vermeiden suchte. Eigentümlich ist bei Besprechung der gestrigen Vorgänge der Ton der Zenaus den trumspresse. Hier verschwindet vollständig Erörterungen die Tatsache, daß mit einem offenkundigen Bruch der Geschäftsordnung die rheinische Landgemeindeordnung von dem Tisch gefegt werden sollte, daß aber die Mehrheit bestrebt war, in Verschärfung der Geschäftsordnung den bekannten Antrag Brandenstein durchzusetzen. Die liberalen Parteien und die Sozialdemokraten nehmen für ihre Haltung in Anspruch, daß sie ein geltendes Recht verteidigt und sich, wie nunmehr nachgewiesen sein dürfte, gegen eine bewußte Gewalttat zur Wehr gesetzt haben. Die Sozialdemokraten halten am nächsten Dienstag in Berlin und in den Vororten Versammlungen gegen die Mehrheitsparteien des Preuß. Abgeordnetenhauses wegen ihrer Haltung zum Wahl* Morgen nachmittag wird der bekannte Gesundheitsprediger Schneider aus Weimar zwei Vorträge auf dem Jurplatz abhalten. In Nauheim und Friedberg sowie in den Taunusbädern hielt Herr Schneider vor zahlreichen Zuhörern bereits Vorträge. Jedenfalls dürfte es sich lohnen, den Vorträgen beizuwohnen. Näheres s. Inserat. ter Sache wieder umkehren müssen. Möchte doch der Vorstand des Vogelsberger Höhenklubs bald für Anlegung solcher Schutzhütten wie diese in anderen Gebirgsgegenden schon längst bestehen, bald besorgt sein. * ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 pfg. die 44 mm breite Inseratenzeile. Stellen gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 PigExtrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. * Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. maliger Schüler zur Beteiligung an der Feier ist eine außerordentlich große. Offenbach, 30. Juni. Zur Verschönerung des Schulgebäudes der technischen Lehranstalten soll ein Brunnen errichtet werden, für den der Geheime Kommerzienrat Mayer einen Betrag bis zu 100 000 M. zur freien Verfügung gestellt hat. Offenbach, 27. Juni. Ein schwerer Unfall eignete sich im nahen Froschhausen. Ein Landwirt fuhr mit seinem mit Klee beladenen Wagen in den Hof. Als die auf dem Wagen sitzende Frau und Tochter von dem Wagen absteigen wollten, zogen die Kühe an und Frau und Tochter stürzten ab. Während das Mädchen mit dem Schrecken davonkam, blieb die Frau tot am Platze. * Offenbach a. M., 28. Juni. Mit dem Abbruch der alten katholischen Notkirche in der Biebererstr. wurde am Montag begonnen. * Marburg, 29. Juni. Die Landtagsersatzwahl lein, ergab den Sieg des freikonservativen Prof. Bredtfür den verunglückten Abgeordneten, Landrat v. NegeMarburg, der 148 Stimmen erhielt, während auf Lauer ( B. d. L.) 18 und Prof. Schücking( Fortschr. Volksp.) 16 Stimmen fielen. *) Darmstadt, 29. Juni. Auf Veranlassung des Jungliberalen Vereins hielt gestern Abend der Gießener Staatsrechtslehrer Prof. Dr. Biermer einen Vortrag über die hessisch- preußische Eisenbahngemeinschaft. Die Versammlung war namentlich auch von höheren Beamten aller Kategorien zahlreich besucht. Unter anderem war Finanzminister Braun erschienen. Die Ausführungen Biermers bewegten sich in der Hauptsache im Rahmen seiner kürzlich veröffentlichten Broschüre über den gleichen Gegenstand. Das mehr oder weniger fachwissenschaftliche Thema, so legte der Redner dar, eigne sich nicht zu einer parteipolitischen Behandlung. Man habe darauf hingewiesen, daß er als großherzoglich- hessischer Ordinarius der Staatswissenschaften den hessischen und nicht den preußischen Standpunkt zu vertreten habe. Einen einheitlichen hess. Standpunkt gebe es nicht. Nur das eine sei zu konstatieren, daß eine gewisse Unzufriedenheit mit dem stehenden vorhanden sei. Trotz des freundlichen Beifalls, so schreibt die„ Kl. Pr.", den der Redner für seine geschickt vorgetragenen Darlegungen fand, war der Vortrag Biermers alles in allem eine Enttäuschung, und diese wurde noch dadurch vergrößert, daß eine ange= kündigte Diskussion abgeschnitten wurde, weil der Vortragende alsbald nach seinem Vortrag abreisen mußte. Der als Gegenredner gemeldete Stadtverordnete Henrich sah sich infolgedessen genötigt, auf das Wort zu zichten. Es soll nun in einer von der Fortschrittlichen Volkspartei" auf Dienstag, den 4. Juli, einberufenen Versammlung das nachgeholt werden, was gestern leider nicht möglich war, nämlich die notwendige Ergänzung und Berichtigungen der Biermer'schen Ausführungen. Be= ver* Frankfurt, 30. Juni. Ein Unbekannter betrat am Dienstag abend gegen 10 Uhr die Mansarde eines an der Wittelsbacher Allee bediensteten Mädchens, stellte sich als Kriminalkommissar vor und gab an, das Mädchen verhaften zu müssen. Der angebliche Kommissar raunte ihr aber zu, daß er von der Verhaftung abstehen wolle, wenn sie ihm zu Willen wäre. Sie widerein ver= stand dem Ansinnen. Der„ Kommissar" 30g nun Messer, drohte ihr, den Bauch aufzuschlitzen und gewaltigte sie, worauf er sich entfernte. Ein gleicher Vorfall trug sich am Abend vorher in einem Hause Sandweg zu. am *) Frankfurt, 30. Juni. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte in ihrer Sitzung der Errichtung einer Stiftungsuniversität nach Maßgabe der Magistratsvorlage und der diese ergänzenden Anträge der bürgerlichen Fraktionen mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokratie zu. Oberbürgermeister Adickes gab im Laufe seiner bemerkenswerten Rede befannt, daß die seit Drucklegung der Denkschrift neu hinzugekommenen Stiftungen den Betrag von 1 Million 200 000 Mark erreicht haben. Friedberg. Die Beeren- u. Früh obstverwertung hat jetzt eingesetzt. Die Hausfrauen haben die Hände voll zu tun, um die reichen Ernten der genannten Obstarten zu verwerten. Ist aber doch gerade das Beerenobst dasjenige, welches am schwierigsten zu behandeln ist. An unserer Gr. Obstbauschule ist deshalb ein besonderer Kursus eingerichtet worden, in welchem alle Verwertungsarten des Beerenobstes und zwar sämtlicher zur Zeit reifenden Arten praktisch und theoretisch durchgearbeitet wird. Säfte, Gelees, Marmeladen, Dunstobst, Liköre und Weine werden hier behandelt. Es ist dieser Kursus ein Ergänzungskursus zu den im Probenummern Herbst stattfindenden Hauptkursen. Jede Hausfrau und die, die es werden wollen, sollten nicht versäumen, daran teilzunehmen. Der Kursus findet am 4.- 6. Juli also kommende Woche statt. Anmeldungen sind an die Direktion der Großh. Obstbauschule umgehend zu richten. * Alsfeld, 30. Juni. Die Alsfelder Realschule, jetzt Oberreallchule, feiert vom 30. Juni bis 3. Juli d. Js. ihr 50jähriges Jubiläum. Die Anmeldung eheder„ Gießener Zeitung" stehen unseren Lesern in beliebiger Anzahl jederzeit kostenlos und portofrei zur Verfügung. Wir bitten unsere Leser und alle Freunde unseres Blattes wo nur möglich für dasselbe zu werben, solches in Bekannten- und Freundeskreisen zu empfehlen und uns freundl. Adressen aufzugeben, welche sich für unsere Zeitung interessieren dürften. Eine Kundgebung des Hansabundes. Die schweren nationalen Aufgaben. Am Mittwoch war das Präsidium des Hansabundes in Berlin zusammengetreten, um zu der durch den Austritt des Landrats Nötger geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. Als Ergebnis der Beratungen veröffentlicht das Präsidium folgenden Beschluß: Rundschau vom Cage. Politisches. Ein neues Kaiserschloß in Wiesbaden? Ueber das schon einmal erwähnte Projekt der Erbauung eines neuen Katserschlosses in Wiesbaden meldet der Wies= badener Korrespondent des„ B. T." jetzt allerlei Einzelheiten. Danach will man nicht nur, wie anfänglich geplant, das Terrain des Paulinenschlößchens für den Neubau verwenden, sondern es sollen fünf große Villen angekauft, niedergelegt und ihr Terrain zu Barkanlagen verwendet werden. Das Terrain des Paulinenschlößchens, wie es jetzt ist, soll die Stadt Wiesbaden den Katser unentgeltlich zur Verfügung stellen. Die Kosten für die Erwerbung der fünf Villen mit Zubehör, die nach der Berechnung auf 2 Minionen Mark zu stehen kommen wird, sowie das Geld für den ganzen Schloßneubau sollen durch Privatmittel aufgebracht werden. vtertausend Hafenarbetter in den Ausstand. Ste for dern Anerkennung thres Verbandes und die Busiche rung, daß weiterhin nur Mitglieder des Verbandes be schäftigt werden. 150 Polizeibeamte gingen gestern von Birmingham nach Hull ab. Die Unmöglichkeit, die an Bord der Schiffe befindlichen großen Vorräte an But ter, Eiern und Schinken in Hull und in den anderen Häfen an Land zu bringen, ist besorgniserregend. Die Lage in Hull wird stündlich ernster, da die Ausstän digen die Schiffahrt vollstärbtg lahmlegen. Auch in Grimsby sind alle Hafenarbetter in den Ausstand ge treten. Zur Einleitung von Vorarbeiten für die Durchfüh rung der hausgewerblichen Krankenversicherung werden sich Ende dieser Woche höhere Beamte aus dem Reichsamt des Innern und dem preußtschen Handelsministerium in die Hauptsächlichsten Gebtete der Hausindustrie begeben. Die Kommission besucht Hamburg, Bünde, Herford, Bielefeld, Crefeld, Elberfeld, Cöln, Offenbach, Lichtenfels, Kronach, Sonneberg, Plauen, Dresden, Breslau und Reichenbach. Es wird sich da= rum handeln, in diesen Orten die Verhältnisse der Hausarbeit in der Zigarren-, Leinen-, Spizen-, Lederwaren-, Spielwaren-, Korbwaren-, NahrungsmittelIndustrie und der Konfektion zu untersuchen, sowett fie für die Krankenversicherung in Frage kommen. „ Das am 28. Juni 1911 zusammengetretene Gesamtpräsidium des Hansabundes gibt zunächst seinem Bedauern über den Austritt des Landrats a. D. Rötger Ausdruck. Zu diesem verantwortungsvollen Schritt war nach Ansicht des unterzeichneten Präsidenten und Vizepräsidenten ein Anlaß nicht gegeben. Die Prüfung der Sachlage und des Briefwechsels zwtschen Herrn Landrat a. D. Rötger und Herrn Geheimrat Rießer ergibt, daß begründete Zweifel über Inhalt und Tragwette des einstimmigen Präsidialbeschlus= ses betr. der Stellungnahme des Hansabundes zu den Wahlen und Stichwahlen nicht bestehen konnten, und zwar sowohl nach dem Wortlaut des Beschlus= ses wie nach den seiner Fassung voraufgegangenen Verhandlungen im Gesamtpräsidium. Dieser Beschluß, der mit Ermächtigung des Präsidiums in den Mittetlungen des Hansabundes vom 24. November 1910 und seitdem wiederholt öffentlich bekanntgegeben worden ist, hat das Prinzip festgestellt, daß der Hansabund die Ausgabe von Stichwahl parolen in allen Fällen den politischen Parteten zu überlassen hat, zu deren ausschließlicher zuständigkeit sie gehört. Eine wirtschaftliche Vereinigung, die Mitglieder aller birgerlichen Parteien umfaßt, darf sich unter keinen UmStänden zur Ausgabe von Stichwahlparolen drängen laffen, falls sie nicht ihr Lebensinteresse gefährden will. Eine Ausnahme von diesem Prinzip zuzulassen, ist denn auch, wie hiermit festgestellt wird, settens des Herrn Landrat a. D. Rötger weder bei der Beschlußfassung selbst noch in den mehr als sechs Monaten, die feit jenem Präfidialbeschluß vergangen sind, beantragt worden. Die von Herrn Rötger beanstandete Veröf= fentlichung des im Anschluß an den Hansatag verbreiteten Werbeaufrufs entspricht zunächst formell dem Recht und der Pflicht des geschäftsführenden Vorsitzenden und überdies einer ihm durch einstimmigen Präsidialbeschluß vom 29. September 1910 ausdrücklich erteilten Ermächtigung. Inhaltlich aber enthält dieser Werbeaufruf, der lediglich die Bekämpfung der„ einseitigen demagogischen Agrarpolitit" und die Durchsetzung einer besseren Würdigung der gewerblichen Arbelt zum Gegenstande hat, nicht die geringste Abwetchung von dem bis dahin auch von Herrn Landrat a. D. Rötger vertretenen Programm des Hansabundes. Das Präsidium ist sich bewußt, seine schweren nattonalen Aufgaben, die Gesamtinteressen aller Kreise der Industrie und gleichermaßen des Handels, des Gewerbes, Handwerks und der Angestellten nach Maßgabe der Sabungen zu vertreten, bisher auch durchgeführt zu haben und wird dieser Pflicht bis zur endgültigen Erreichung ihrer Ziele auch in der Folge unbedingt nachkommen." König Georg und Kronprinz Wilhelm. Die Hoffähigkeit" der englischen Sozialisten. Die Tatsache, daß der sozialistische Führer und Parlamen tarter Macdonald an dem Diner bet dem Kriegsmints ster Haldane tetlgenommen hat, bet dem der Deutsche Kaiser erschien, hat füngst zu einem Beschluß einiger Gruppen der unabhängigen Arbetterpartet geführt, in dem Macdonalds Verhalten verurteilt wird; es set nicht angängig, zusammen mit einem Feinde des Sos zialismus zu spetsen. Macdonald hat darauf eine res solute Antwort gegeben.„ Wenn", so schreibt er, eine solch alberne Bestimmung aufgestellt würde, so könn ten einige Soztaltsten nicht mehr mit ihren Frauen speisen und auch die Schwelle des Hauses von Mits gliedern ihrer eigenen Familien nicht mehr überschrets ten. Man kann mit dem Kaiser gerade so gut wie mit den Herren Balfour und Asquith den Sozialismus erörtern. Solange die Gegner des Sozialismus sich an die Regeln der Vernunft halten und gesetzmäßig vorgehen, müsse man auch mit ihnen argumentieren dürfen." Zur Revision der Anwaltsgebühren hat das RetchsJustizamt die Anwaltskammern um statistisches Material ersucht. Die Anwaltskammern lehnten jedoch dies Ansinnen ab. Jetzt hat, wie der„ Lok.- Anz." erfährt, die Reichsjustizverwaltung sich an die Einzelregierun= gen und die Oberlandesgerichte mit dem Ersuchen um gutachtliche Aeußerungen darüber gewandt, ob entspre= chend der Preissteigerung aller Lebensbedürfnisse eine allgemeine Erhöhung der Anwaltsgebühren erforder= lich scheine. Vom Ausfall dieser Gutachten wird es abhängen, ob die fragliche Revision in Angriff genommen wird oder nicht. Kleine Nachrichten. Professor Wallot, der Erbauter des Reichstagsgebäudes beging in Dresden seinen 70. Geburtstag. Die städtischen Kollegien zu Dresden haben ihm die goldene Ehrendenkmünze der Stadt verliehen. Der Verband deutscher Lokomotivführer und Heizer htelt in diesen Tagen in Mülhausen seinen 27. Verbandstag ab. Der Verband, der vor 40 Jahren ins Leben gerufen worden ist, zählt gegenwärtig in ganzen Reiche rund 19 000 Mitarteder und besitzt ein Vereinsvermögen von 2700 000 Mart. Der dritte Verhandlungstag des Deutschen Ge= werkschaftskongresses, der Mittwoch, brachte zunächst noch eine Erweiterung der Aussprache über das am Tage zuvor verhandelte Thema betr. Arbeiterschutz und Arbeiterversicherung, wobet sich mehrere Redner eingehend über die Forderungen der Arbeiter inbezug auf den Schutz der Heimarbeiter, die Versicherung der Privatangestellten, das Verbot der Kinderarbeit, die Einführung des Marimalarbeitstages usw., äußerten. Die vorgelegten Resolutionen wurden einstimmig angenommen. Das Koalitionsrecht in Deutschland und der Vorentwurf zu einem deutschen Strafgesetzbuch hil= dete das folgende Thema. Der Referent legte dar, daß das Koalitionsrecht, das Sozialpolitiker der verschiedensten Richtungen als eine Waffe erklärt hätten, die die Arbetter im Dienste der guiltfatton, der Menschheit führten, im Deutschen Reiche zwar theoretisch anerkannt wäre, daß jedoch die praktische Ausübung dieses Rechtes durch die Gesetzgebung und die Rechtsaus= legung erschwert würde. Der Vorentwurf zu einem deutschen Strafgesetzbuche enthalte keinerlet Vorschrift zum Schutze der Koalitionsfrethett. Werde der Entwurf Gesetz, dann bleibe den Arbeitern nichts wetter übrig als zum schärfsten Mittel, zum Streik, zu greifen. Es ist in London allgemein angenehm aufgefallent, wie intim sich das Verhältnis zwischen dem englischen Königspaar und dem deutschen Kronprinzenpaar gestaltet. Das Königspaar erscheint stetig in Begleitung der deutschen Verwandten bet den Hoffesten und in der Deffentlichkeit. Namentlich wurde das bei dem Gar tenfest im Buckingham- Palastgarten bemerkt, wo der Röntg wieder die Kronprinzessin und der Kronprinz die Königin führte. Selbst bei dem Empfang besonders vom König ausgezeichneter Herren und Damen blieben das englische Herrscherpaar und der deutsche Kronprinz und seine Gemahlin in einer dichten Gruppe vereint. Im englischen Publikum wird das Kronprinzenpaar täglich populärer. Man berettet ihm Ovationen. In den Kinematographentheatern, wo die Bilder vom Krönungsfest natürlich die Hauptanziehungskraft bilden, wird die Erscheinung des Kronprinzen stets mit großem Beifall begleitet, namentlich aber ein Bild, das die Landung des Kronprinzenpaares in Dover darstellt. In einem Artikel über den Aufenthalt des Kronprinzen in England sagt der„ Daily Expreß" unter anderem:" Der Kronprinz liebt es schr, eine Einfaufstour im Automobil oder zu Fuß zu unternehmen. Er und seine Gemahlin haben viele Läden besucht und Taufen Spielzeuge für ihre dret kleinen Söhne. Die Wallace- Kollektion hat der Kronprinz gleich in den ersten Tagen besucht und dort ein wunderbares Porträt seiner Großmutter, der verstorbenen Kaiserin Friedrich, gefunden. Eins haben der Kronprinz und die Kronprinzessin inmitten der rauschenden Festlichkeiten fetnen Augenblick vergessen: die kinderstube in Potsdam. Jeden Tag, seit er in London tst, telegraphiert der glückliche Vater dreier gesunder Söhne Anfragen nach Botsdam und ist nicht eher zufrieden, Sis die Antwort eingetroffen tst." 2) Jugendfreundschaft. Roman von G. v. Schlippenbach. ( Nachdruck verboten.) Auswanderung ostdeutscher Kolonisten? Im Kretse Bnin( Posen) sollen nach Blättermeldungen die Söhne von Ansiedlern nach Kanada auszuwandern beabsichtigen, well ste tetn Siedlungsland bet uns mehr finden können. Die Errichtung eines Kaufmannserholungsheims, des ersten in Deutschland, in Bad Salzhausen in Oberheffen soll, wie verlautet, gesichert sein. fart mißhar etnem Morge fprechu frage, gen w gewefe lich ge Gi ein 42 Schwin Augsb mit gr Augsb Schwin eine vo 300 000 ftantin und w Fabrit hielt u abfand wegen und we Die sportlichen Leiter des deutschen Rundfluges haben beschlossen, wegen des ungünstigen Wetters in Cöln einen Ruhetag einzulegen und bestimmt, daß an diesem Ruhetag teine örtlichen Wettbewerbe stattfinden sollen. Der Wetterflug von Cöln findet also nicht am Freitag, sondern voraussichtlich am Sonnabend statt, sodaß sich das ganze Programm um einen Tag verschiebt. Goldgruben in Oberfranken. Die im vorigen Jahr hundert mit Erfolg betriebenen Golderzgruben bet Goldkronach, die seit längerer Zeit stillgelegt sind, sollen wieder in Betrieb genommen werden. In den Gutach ten bei Suchverstanorgen wiro ein uverrajeno großes Golderzlager in Aussicht gestellt. Die Programmerklärung des neuen französischen Kabinetts wird sehr kurz sein und scharf den Willen betonen, zu regieren, und dabet alle Vorrechte in Anspruch nehmen, die mit der Ausübung der Regierungsgewalt verbunden sind. In erster Rethe wird es bemüht sein, die Wahlreform durchzuführen in einer Gestalt, die der gesamten republikanischen Partet ihre Annahme möglich macht. Weiter wird das Kabinett die Steuerreform und das Beamtenstatut durchführen und das Budget ohne Verzug beschließen lassen. Sodann wird das Kabinett einen Gesezentwurf einbringen, der die Frage der Abgrenzung der Weingebiete regelt, und in kurzer Frist der Kammer das Budget für 1912 unterbreiten. Endlich wird das Kabinett bemüht sein, die Wiederanstellung der entlassenen Etsenbahner zu erreichen. Ich gehe mit dem Plan um, eine dritte Villa zu faufen, um ein Krankenhaus zu gründen, das hier fehlt; ich danke Gott, der mich mit den dazu nötigen Mitteln gesegnet hat. Nun habe ich Dir viel erzählt, liebe Thekla und bitte Dich, mir bald zu antworten und mir recht genau über Euch zu berichten. Ich sah nur Deine beiden ältesten Kinder, die jetzt schon erwachsen sind, von den jüngeren weiß ich nichts. Könnte ich Dich und die Detnen hier zum Sommer haben, hier atmet man freier als in der Stadt und erholt sich an Leib und Seele. Karla grüßt unbekannterwetse Deine Töchter, sie hai den lebhaften Wunsch, sie bald kennen zu lernen. Viel Liebes Deinem guten Mann und Deinen Kindern! In alter treuer Freundschaft Der Ausstand der englischen Seeleute hat schärfere Formen angenommen. In Liverpool traten gestern Deine Anna Hatdeck. Es war an einem regnerischen Märztage, als dieser Brief in die Hände Frau Grotenbachs gelangte. ** Ein Flug über den Niagarafall. Der Aviatiker Lincoln Beachey flog am 27. Junt mit seinem zwetdecker über den Hufeisenfall des Ntagara und landete wohlbehalten auf kanadischem Gebiet. Er erklärte, der Flug habe seine Nerven in furchtbarer Weise auf die Probe gestellt. An hunderttausend Menschen sahen dem Wagestück zu. Eine fechstöpfige Familie ertrunken. Der Schiffer Sulschus aus Memel wurde auf der Fahrt von Memel nach Königsberg im Kurischen Haff von einem schweren Unwetter überrascht. Der Reisekahn sant und die ganze an Bord befindliche Familie, Eltern und vier Kinder, fand den Tod in den Fluten des Haffs. Weib. Ihre Kinder wuchsen frisch und fröhlich heran, nte hörten sie Klagen, nie sahen ste finstere Gesichter. Ste wußten, daß sie sehr arm waren und daß sie einst auf eigenen Füßen stehen mußten; sie entbehrten manches, was thre jungen, wohlhabenden Freunde besaßen, trozdem waren die Grotenbachs ein zufriedenes hetteres Völkchen, sieben an der Zahl. Sie waren bei der einfachen Kost rotbäckig und gesund, die abgetragenen Kleider, von der Mutter kunstvoll geflickt, saßen auf schlanken, wohlgebauten Körpern. Nur die kleine Irma war das Sorgenkind der Familie. Dreißig Bauern ertrunken. In dem an der Wolga gelegenen Dorfe Krasnoje fand ein großes Volksfest statt. Als ein plößliches Unwetter losbrach, drängte alles nach der Fähre; das überladene Fahrzeug schlug um und dreißig Bauern ertranfen. Ein Perlenhalsband im Werte von 300 000 Mart ist bei der Galavorstellung im Coventgarden- Theater in London einer Dame abhanden gekommen. Sie will dem ehrlichen Finder eine Belohnung von 10 000 M zahlen. anweif famige W Die bindun gen, de geftimm logische 3tg. m fer Ta drahtlo Erricht Beobac führen. grapher wie di gen in Wetter titut& fche Be gelange Bungen 3weife fir dag nose in Die Prof. am Mi zarett. vom K Sigung neue S starben und St gefamt Ei Der M Großtigen der Bl ntent wo schieden trolleur füllten Der Sc Hände Gin in Wo „ Klara Ber Br 100 M droht. Dampfi Stunde stand 3 80 Min Stre Staatsi daß neu dienstve Das Bige Ar nommer behörder Aus den Gerichtssälen. Freispruch wegen sinnloser Betrunkenheit. Schwurgericht in Osnabrück verhandelte gegen einen Arbeiter, der in totaler Trunkenheit seinen ebenfalls Als sich der Postbote entfernt hatte, blickte Frau Thekla neugierig auf die Schriftzüge des Briefes nieder. Sie öffnete den Umschlag und sah nach der Unterschrift. Ein leises Rot der Freude färbte ihr noch immer hübsches, bleiches Gesicht, als sie den Namen der Jugendfreundin las. Ste fah ste plötzlich vor sich, die zierliche Gestalt, die klugen, braunen Augen, das schwarze, lockige Haar und das edelgeschnittene Profil; das trat deutlich aus dem Schatten der Vergangenheit hervor. Es ist doch etwas Wunderbares um solche alte Freundschaft, sie überdauert Zett und Wechsel. „ Ich bekomme dreißig Pfennig Strafporto," sagte der Postbote. Ucber das Gesicht der Empfängerin glitt ein flüchtiger Schatten, sie bezahlte das Geforderte. Dreißig Pfennige! Eine kleine Summe zwar, aber immerhin eine Ziffer für diejenigen, die mit jedem Nickel rechnen müssen, und Thekla Grotenbach gehörte zu hnen. Die Familie war groß und der Ernährer befleidete eine schlecht bezahlte Stelle an der Bank in Memel. zu viel zum Verhungern und zu wenig zum Leben", dachte er oft sorgenvoll, wenn es überall fehlte. Die Ehe war eine glückliche, das schöne Wort: Die Liebe trägt und duldet alles," paßte auf Mann und „ Aus der Jugendzett, aus der Jugendzeit Klingt ein Lied mir immerdar! O! wie Itegt so wett, pl wie liegt so weit, Was mein einst war!" am größten, hier steht der Schreibtisch des Vaters, denn der Vielbeschäftigte hat kein Arbeitszimmer, in das er sich zurückziehen kann, um meist bis Mtiternacht seine Rechnungen durchzusehen. Das weiße Haupt des Ernährers der Familie beugt sich über die Arbeit, er darf nicht fetern, muß er doch den Wolf von der Tür fernhalten, den grimmen Wolf, der Mangel heißt. So murmelten Theklas Lippen, dann Itest sie dte drei dichtbeschriebenen Bogen. Und währenddessen sitzt ein treues Weib, die Mutter seiner Kinder, neben ihm am Nähttsch und bessert beim Schein der Studierlampe die Wäsche und Kleider der jungen Schar aus. Zuweilen streicht sie mit der Hand leise liber sein spärliches Haar, dann sieht er von seiner Arbeit auf und nickt ihr freundlich zu. Das Haus, in dem die Familie wohnt, ist klein und niedrig, es liegt ganz am Ende der Stadt in einer Wintelgasse, aber es ist warm und bequem und vor allen Dingen: es ist billig. Ein blasser Strahl der März= sonne fällt in das Zimmer und trifft den alten Nähtisch, an dem Thekla Grotenbach Blatz genommen hat. Die große Familie hat wenig Raum in den stark verwohnten Stuben, da heißt es, zusammenrücken, aufeinander Rücksicht nehmen. Der sogenannte Saal tst - „ Meine liebe, gute Anna," sagt Grotenbach, und es Itegt eine Welt von Liebe in diesen Worten. Ist der letzte Federstrich getan, dann fizzen sie noch ein Weilchen auf dem alten Sofa mit dem verblichenen Damast, die fleißigen Hände ruhen ineinander und sie sprechen vom Herzen zum Herzen. Das ist für sie die schönste Stunde des Tages, auf die sie sich freuen und wo sie sich„ das Beste in der Welt" geben. Sorglich löscht Frau Thekla die große Lampe aus, die verbraucht so viel Petroleum. und sie darf nicht mehr als ein gewisses Quantum im Monat kaufen. Ein Licht erhellt bet der Zwiesprache, der Gatten das. Zimmer, die Gesichter des Paares allein sind deutlich zu sehen, ste lächeln sich an und fühlen sich glücklich in ihrer trenen Liebe, die sie vor langen Jahren einander zuführte. Wie rücksichtslos die Märzsonne durch die schadhaf= ten, mühsam ausgebesserten Gardinen schlüpft, man fieht die geflickten Bezüge der Möbel, die Flecken auf der Tischdecke, den farblos gewordenen Teppich, die häßliche billige Tapete, den schlechten Fußboden. Und doch sieht man es der Einrichtung an, daß sie aus einer besseren Zeit stammt, einer Bett, da Frau Sorge noch fern war. ( Sortiebung folgt.) Jult ge Anerken gemacht. thre vo trages g und aud nicht be fer der befchloffe ihre Un die gefii lung en band be über die hängen. Der eingefith bung ra Steuer Stadtfäc Krankhe Frauen fofen, un manche men ger Gin int Brest fur ftatt, mannscha fibers, a Hervortre And auch abgeschlag nähte th mun, so werden, gefunden mer start nabme me 3 It 13 t g f I F t I I it e e start bezechten Bruder mit einer Schaufel so schwerwundete an Blutvergiftung gestorben. Da nun auch mißhandelt hatte, daß dieser, der während der Nacht in einem Chauffeegraben Itegen geblieben war, am andern Morgen starb. Die Verhandlung endete mit Fretsprechung. Die Geschworenen verneinten die Schuldfrage, weil die Tat in sinnloser Betrunkenheit begangen worden, der Täter also seiner Sinne nicht mächtig gewesen sei und deshalb strafrechtlich nicht verantwortItch gemacht werden könne. Ein Schwindelpafcha vor Gericht. Mustapha Stouft, ein 42jähriger, in Aegypten mehrfach vorbestrafter Schwindler aus Kairo, der im Februar d. J. in der Augsburger Maschinenfabrik als türkischer Minister mit großen Bestellungen auftrat, ist gestern von der Augsburger Straffammer abgeurteilt worden. Der Schwindelpafcha unterzeichnete der genannten Firma eine von ihr selbst ausgestellte Bahlungsanweisung von 300 000 Mark auf die kaiserliche Ottomanbank in Konstantinopel als Abzahlung für seine großen Bestellungen und wollte daraufhin eine Provision in bar von der Fabrik haben, die jedoch mit der Auszahlung zurückhielt und den Pascha nur mit einem splendiden Mahl absand. Mustapha Siouft wurde wegen Betruges, wegen einer Bechorelleret in einem Hotel in Augsburg und wegen der falschen Unterschrift auf jener Zahlungsanweisung wegen Urkundenfälschung zu einer Gesamtgefängnisstrafe von einem Jahre verurteilt. Wissenschaft, Kunst und Literatur. Die nördlichste Wetterwarte der Erde. In Verbindung mit der Radiotelegraphenstation auf Spitzbergen, deren Errichtung das norwegische Parlament zu= gestimmt hat, soll daselbst nunmehr auch eine meteorologische Station eingerichtet werden. Wie die Frankf. 3tg. meldet, wird die Ingenieurabteilung, welche diefer Tage nach Spizbergen abreist, um die Statton fitr drahtlose Telegraphie dort in Betrieb zu setzen, die zur Errichtung und zum Betrieb einer meteorologischen Beobachtungsstation erforderlichen Instrumente mitführen. Wenn es gelungen sein wird, die Radiotelegraphenstationen auf Spitzbergen und Hammerfest sowie die geplante meteorologische Stationt auf Spitzber= gen in Betrieb zu setzen, werden von dieser nördlichen Wetterwarte der Erde aus an das meteorologische Ju titut zu Christiania via Hammerfest täglich telegraphifche Berichte über die meteorologischen Beobachtungen gelangen, genau in derselben Weise, wie, man jest Meldungen von Island und den Farber- Infelit bekommt. Zweifellos werden die Meldungen aus Spitzbergen für das Studium des Wetters und für die Wetterprognose in ganz Nordeuropa von größter Bedeutung sein. Vermischtes. Die Typhusepidemie in Schneidemüht. Generalarzt Prof. Dr. v. Schjerning, Chef des Sanitätskorps weilte am Mittwoch in Schneidemühl und besichtigte das Lazarett. Auch der Geheime Oberregierungsrat Kirschner vom Kultusministerium weltlte in der Stadt, um einer Sitzung der Gesundheitskommission betzuwohnen. Zwet neue Todesfälle an Typhus sind zu verzeichnen. Es starben ein 15jähriges Mädchen und der Kaufmann und Stadtverordnete Erbgut, so daß also bis heute insgesamt dret Personen der Krankheit erlegen sind. Eine Schwindlerin beim Berliner Margaretentag. Der Margaretentag, der am Samstag und Conntag in Groß- Berlin abgehalten wurde, hat zu einem eigenartigen Schwindel Veranlassung gegeben. Zum Verkauf der Blumen waren zahlreiche junge Mädchen gewonnen worden. Im Laufe des Tages stellte sich bet verschiedenen Mädchen eine Dame vor, die angab, Kon= trolleurin zu sein. Ste forderte den Mädchen die ge= füllten Büchsen ab und gab ihnen leere dafür zurück. Der Schwindlerin muß eine ansehnliche Summe in die Hände gefallen sein. Eine Laufizer Kohlengrube in Flammen: In dem in Wolzow liegenden Tagschacht der Kohlengrube ,, Klara II" ist, wie gemeldet, durch Bitzschlag ein gro= ßer Brand ausgebrochen, der jetzt das gesamte zirka 100 Morgen umfassende Kohlenlager zu vernichten droht. Aus Senftenberg sind 7 Feuerwehren und eine Dampfsprite requirtert worden, denen es bis zur Stunde noch nicht gelungen ist, das Feuer zum Stillstand zu bringen. Der angerichtete Schaden wird auf 80 Millionen Mark beziffert. Streit der Marinetechniker in Kiel? Nachdem der Staatssekretär des Reichsmarineamts bestimmt hatte, daß neu einzustellende Techniker nur noch auf Privatdienstvertrag, also ohne Aussicht auf spätere etatsmäßige Anstellung und ohne Pensionsberechtigung, angenommen werden dürfen, haben verschiedene Marinebehörden den bet ihnen angestellten Technikern zum 1. Jult gekündigt und ihre Weiterbeschäftigung von der Anerkennung eines neuen Dienstvertrages abhängig gemacht. Zahlreiche Techniker haben in Eingaben an thre vorgesetzten Behörden um Abänderung des Vertrages gebeten. Im Hinblick darauf, daß ihre Gesuche und auch eine Bitte des deutschen Technikerverbandes nicht berücksichtigt worden sind, haben sämtliche Techntfer der Marineintendantur und der Bauämter in Kiel beschlossen, die Annahme der Verträge abzulehnen und ihre Unterschrift zu verweigern. Für den Fall, daß die gekündigten Techniker am 1. Jult aus ihrer Stellung entlassen werden, hat der Deutsche Technikerverband beschlossen, die Entlassenen zu unterstützen und über die Betriebe der Marine die Sperre zu hängen. ver= Der Erfolg der Katzenstener in München. Die neu eingeführte Kazensteuer hat in München und Umgebung rasch Nachahmung gefunden. Man findet diese Steuer vortrefflich, ganz abgesehen davon, daß ste dem Stadtsäckel neue Einnahmen verschafft, da kazen als Krankheitserreger für viele Krankheiten gelten. Viele Frauen haben die Angewohnheit, die Kazen zu liebfosen, und holen sich auf diese Wetse von den Tieren manche Krankheit, so daß man diese Steuer vollkommen gerechtfertigt findet. Ein Mensurunfall mit tödlichen Ansgange hat sich in Breslau ereignet. Dort sand etne studentische Mensur statt, an der auch ein Mitglied der Freien Lands= mannschaft Stglingia", Sohn eines Dampfziegeleibesizers, als Testant beteiligt war. Infolge zu weiten Hervortretens erhielt er dabei einen Hieb in die Wange und auch dret Finger der rechten Hand wurden ihm abgeschlagen. Der Pautarzt behandelte ihn und vernähte thm auch die Wunde an der Wange. Es muß nun, so schreibt man der B. M.-P." , angenommen werden, daß dabet eine Vergiftung der Wunde stattgefunden hat, da sie nämlich nicht heilte, sondern immer stärker in Etterung überging, trois Inanspruchnabme wetterer Aerzte. Vor einigen Tagen ist der Vervier andere Paukanten, die bet der Mensur Verlegungen davontrugen und denen der Paufarzt die Wunden vernähte, schwer frank darniederliegen, so tann man die Vermutung nicht abweisen, daß bei der Vernähung der Wunden eine Vergiftung stattgefunden hat. Als die Fäden aus der Wunde des Verstorbenen gezogen wurden, stellte man fest, daß sich ein großer Eiterfanal gebildet hatte. Granatenexplosion auf einem französischen Kreuzer. Während der Schießübungen des zu einer 24stündigen Probefahrt ausgelaufenen neuen 18 400 Tonnen gro= ßen Panzerkreuzers„ Mirabeau" ereignete sich, wie aus Toulon gemeldet wird, ein schwerer Unglücksfall. Beim Laden eines Geschüßes glitt die Granate von dem Ladegerüst und stürzte mitten in die Bedienungsmannschaft. Einer wurde lebensgefährlich, zwei weniger schwer verletzt. Die Schießübungen des Panzerkreuzers, dessen Indienststellung infolge verschiedener Zwischenfälle schon mehrfach verschoben werden mußte, wurden sofort abgebrochen. Ein Opfer feines Berufs. Der Wilmersdorfer Frauenarzt Dr. Hans Leyden, etn Neffe des berühmten Klinikers, tst einer Infektion zum Opfer gefallen, die er sich während seines Aufenthaltes in Spanien, wo er als Arzt bei der deutschen Botschaft wirkte, zugezogen hatte. Es herrschte damals in Madrid eine starke Diphtheritis- Epidemie. Dr. Leyden entfaltete eine eifrige, auch von der spanischen Regierung anerfannte Tätigkeit in den Hospitälern. Bet der Hingabe an seinen Beruf ließ er die nötige Vorsicht außer acht und zog sich eine Infektion zu; seit der Zeit hatte er fast jedes Jahr unter den Folgen zu leiden, aber seine fräftige Natur überwand immer wieder die Krankheit. Dieses Mal aber zeigte sich eine außergewöhnlich starke Eiterung, die auch das Gehirn in Mitleidenschaft zog, so daß er nach kurzem und schwerem Leiden der heimtückischen Krankheit erlag. Die Millionenbetrügerelen im Hafen von Neuyork. An den großen Zollbetrügereien, die, wie wiederholt berichtet, jahrelang von reichen, aus Europa zurückkehrenden Amerikanern verübt worden sind, sind etwa zwölf Millionäre beteiligt. Einer von ihnen, der für insgesamt zwei Millionen Dollar Pariser Waren einge= schmuggelt hat, darf als der geistige Urheber des ausge= dehnten Schmuggelsystems gelten. Er instruterte seine Freunde, wie sie es bet ihrer Ankunft im Hafen von Neuyork zu machen hätten. Er selbst hat besonders in Damenroben und Juwelen„ gearbettet". Das von ihm Bezahlte Bestechungsgeld belief sich durchschnittlich auf 100 Dollar pro ungeöffneten Koffer. Nach Aussage des Neuyorker Zollinspektors Loeb haben die Millionärsschmuggler kürzlich versucht, dte ungetreuen Zollbeamten wieder zu bestechen, damit sie nicht die Namen der Millionäre nennen. Durch dieses Intrigteren wird die Untersuchung äußerst erschwert; doch erklärt Loeb, daß er mit größter Rücksichtslosigkeit gegen die Schuldtgen vorgehen wird. Humor im Rathause. Als kürzlich in einer größeren Stadt des Bayerischen Waldes die Gemeindekolreglumsfizung zu Ende war, cryob sich ein alterer Herr und sagte:„ Ich hätte noch den Wunsch, daß die Presse, die uns immer in dankenswerter Weise ihre liebenswürdige Aufmerksamkeit schenkt, fünftightn in ihrem Sizungsbericht den Schlußsatz wegläßt. Unsere Versammlung ist immer schon um 9 Uhr zu Ende und da geht man noch ein Glas Bier trinfen; es werden auch manchmal zwei Glas. Einige Herren spielen Schafkopf und man klebißt ein Viertelstündchen, und so kommt man um 1 Uhr nach Hause. Am andern Tage sitzt man, nichts Böses ahnend, da und liest die Zeitung, und da hält einem dann die teure Gattin den Versammlungsbericht vor die Nase, wo in der letzten Zeile steht: ,, Schluß der Sigung um 9 Uhr." und Du bist erst um 1 Uhr aus der Versammlung heimgekommen?" Natürlich gibt es dann unangenehme Auseinandersetzungen. Was liegt der Presse daran, Schluß 9 Uhr zu schretben. Der Antrag fand allgemeine Unterstützung und der Vorsitzende übermittelte ihn unter großer Heiterkeit der Presse. Der Schimmel mit der Leibrente. Einen ergötzlichen Stretch hat ein alter Herr, der kürzlich in Berlin das Beitliche segnete, seinen Erben, entfernten Anverwandten, gespielt. Neben einem ansehnlichen Vermögen hinterließ er auch einen Schimmel, mit dem er früher zuweilen herumfutschtert war. Im Testament fand sich nun die Bestimmung, daß der Schimmel etnem langjährigen Freund des Verstorbenen in Pflege zu geben set. Für jedes Jahr solle der Pfleger bei Lebzeiten des Pferdes die Summe von 10 000 Mark erhalten. Um das Pflegegeld sicherzustellen, war der größte Teil des Vermögens auf einer Bank zu deponieren. Da der Schimmel noch gar nicht alt ist, so fann seine Pflege noch manche 10 000 Mark kosten wie man sich vorstellen kann, zum nicht geringen Aerger der„ lachenden Erben". Ueberhaupt tst es unergründet, ob nicht am Ende der alte Herr mit seinem Testament nur seine Verwandten ärgern wollte, oder ob er wirklich seinen Schimmel so lieb hatte. Lichtenhain ist hin, ist hin. Ein friedlicher Gebietsaustausch findet zurzeit in Thüringen, namentlich zwischen dem Großherzogtum Sachsen- Weimar und dem Herzogtum Sachsen- Meiningen statt. Dabet soll u. a. auch von der Regierung des lettgenannten Staates das alte Bierdorf Lichtenhain, das, ringum von weimarischem Gebtet umschlossen, hart vor den Toren Jenas Itegt, von seiner meiningischen Regierung an SachsenWeimar ausgetauscht werden. Die Minister Meiningens waren dieser Tage zu langen Beratungen mit der Gemeinde in Lichtenhain versammelt, und das Ergebnis der Konferenz ist, daß die Abtretung an Weimar beschlossen wurde. Aus dem Reiche der Technit. Die neue Schwebebahn zum Montblanc. Ueber ein werdendes Meisterwerk der modernen Technik, über die große Hängebahn, die von Chamonix bis hinauf zu den Firnen der Aiguille du Midi führen wird und damit allen Touristen die mächtige Gebirgskette des Montblanc bequem erreichbar macht, teilt Dr. Gradenwiz in der" Nature" einige interessante Einzelheiten mit. Die ersten beiden Abschnitte dieser groß angelegten Schwebebahn, die in einer Höhe von 1000 Meter über dem Meeresspiegel in Chamonix thren Ausgangspunkt hat, führen über La Plata und über den Gletscher von Bossons bis zu 2500 Meter Höbe empor. Die Drahtlänge des ersten Abschnittes beträgt 1870 Meter, auf welcher Strecke 750 Meter Steigung gewonnen werden; die zweite bringt bei 1190 Meter Horizontaler Länge die gleiche Steigung, sodaß auf 100 Meter Stets gungen von durchschnittlich 50-63 Meter überwunden werden. Der Bahnkörper", also die mächtigen Drahtseile, an denen die Waggons durch die Lüfte schweben, ist nach Kräften dem Gelände angepaßt; in Abständen von 40-90 Meter ragen die kunstvoll konstruierten Eisenpfeiler empor, auf denen die Pfeiler ruhen. Nur ant zwei Stellen sind die Tragepfeller 200 Meter von einander entfernt, sodaß man von einem Schwebetrajeft sprechen fann. Die dritte und vierte Sektion der Bahn führen bis zum Col du Midi in eine Höhe von 3500 Meter empor, und die fünfte und letzte Seftion hat als Endpunkt den Gipfel der Aiguille du Midi, womit die Bahn in einer Höhe von nicht weniger als 3843 Meter über dem Meeresspiegel anlangt. Bet Stesen letzten Sektionen hat man infolge der stellen Gebirgsformationen zu noch größeren seabelspannun gen seine Zuflucht nehmen müssen. Die Waggons dieser einzig dastehenden Schwebebahn, die 20 bis 24 Personen fassen, laufen auf dret verschiedenen Kabeln, einem großen, von 30 Meter Durchmesser, auf dem die Räder der Gestelle ruhen, an dem der Wagen hängt; darunter ist der eigentliche Aktionskabel der die Fortbewegung übernimmt; ein drittes Drahtseil erfüllt den Zweck einer Bremsvorrichtung, mit deren Hilfe die elektrische Kraft automatisch ausgeschaltet werden kann. Unmittelbar unter dem Gipfel der Aiguille du Midi, in 3800 Meter Höhe, wird zwischen den Bergfelsen ein prachtvolles modernes Hotel eingerichtet. Hier soll auch ein kleiner Aufzug gebaut werden, der zu dem Gletscher= felde des„ Weißen Tales" führt, das bisher im Winter überhaupt unzugänglich und im Sommer nur durch einen langen, schwierigen Aufstieg zu erreichen war. Ein Laboratorium für- Schlangengifte. Die Schlangen sind in Brasilien, wenn sie auch aus den bewohnten Orten fast gänzlich verschwunden sind, nach wie vor eine furchtbare Gefahr für die Arbeiter auf den Zuckerrohr- und Kaffeeplantagen. Die gefährlichsten Arten sind die Klapperschlange und Brillenschlangen( Cobra). Nach den Statistiken starben bis zum Jahre 1905 allein im Staate St. Paul mehr als 240 Menschen infolge von Schlangenbiffen. Seitdem gibt das serotherapeutische Institut in Botantan seine Präparate an die Bevölkerung ab, und die Zahl der Todesfälle hat sich ganz bedeutend verringert. Eine französische Zeitschrift bringt über das Institut interessante Angaben von Professor Pozzi, der kürzlich von einer wissenschaftlichen Reise nach Brasilien und Argentinien zurückgekehrt ist. Das ferotherapeutische Institut in Botantan, in der Nähe von St. Paul, ist ein großartiges, vor allem zur Bekämpfung der Schlangengifte errichtetes Laboratorium; es besteht aus einer ganzen Rethe von Gebäuden; außerdem ist für die Schlangen eine vollständige Anlage vorhanden, nach Art eines zoologischen Gartens, in dem die Tiere in voller Freiheit leben. Der Komplex ist von einer mäßig hohen Mauer umgeben und um diese läuft ein Wassergraben, um den Schlangen die Möglichkett, ins Gelände zu entweichen, zu nehmen. Der Genannte hat zunächst die Wirkung der Schlangengifte eingehend im Laboratorium studiert. Das Gift der Klapperfchlange tötet eine Taabe bereits bei einer Dofis von einem Millionstel Milligramm, und zwar bei der Einspritzung in die Adern. Die tödliche Wirkung kommt durch den paralyfierenden Einfluß auf das Blut zustande. Es treten schwere Störungen der Atmung, des Kreislaufs und des Sehver mögens ein. Merkwürdig ist, daß die Bißstelle fast gar feine Reaktion zeigt. Beim Menschen tritt der Tod meist nach 24 Stunden ein. Das antitorische Serum nun gewinnt man aus dem Blut von Pferden, die längere Zeit mit dem Gift behandelt worden sind. Die Gewinnung geschicht in der Weise, daß dem Tier zuerst ganz geringe Dosen des Giftes eingespritzt werden. Allmählich steigt man mit der Größe der Gaben. Sobald sich das Tier einigermaßen an das Gift gewöhnt hat, befindet es sich sehr wohl und nimmt an Gewicht zu. Setzt man dann plötzlich die Einspritzung aus, so wird es sehr elend, ganz wie ein Morphiumsüchtiger. Ist die Immunität vollendet, so wird das Serum dem Blute entnommen und ist gebrauchsfertig. Solch ein immunisier= tes Pferd kann sehr lange Zeit hindurch Serum liefern. Bet Menschen wird in den ersten 12 Stunden nach dem Biß eine Einspritzung unter die Haut gegeben. Der Preis des Präparates ist ein sehr niedriger. Es wird vom Institut sogar gratis an Hospitäler und Behörden abgegeben. Arme Bauern bekommen es mit Spriße und ausführlicher Gebrauchsanweisung umsonst. Als Gegengabe wird höchstens eine Schlange genommen oder verlangt. Drabtnachrichten und neuestes. Keine Aussperrung der fächsisch- thüringischen Färbereiarbeiter. Greiz, 29. Juni. Die von der Konvention der sächsisch- thüringischen Färbereien geplante Aussperrung von 10000 Färbereiarbeitern findet nicht statt. Gestern ist es in Meerane zu einer Einigung gekommen, auf der Basis, daß den Arbeitern zugestanden wurde, in den Betrieben von Batty und Bornemann statt des Sonnabends um 6, schon um 5 Uhr die Arbeit zu be= enden. Ein neuer wiledi- Prozeß. Posen, 29. Junt. Mit Genehmigung des kaiserItchen Bezirksgerichts in Krakau und des zum Vormund des jungen Grafen wileckt ernannten Krakauer Advokaten wird die Bahnwärtersfrau Meyer in den nächsten Tagen beim Landgericht Posen eine neue Klage, die sich nach der Entscheidung des Reichsgerichts gegen den Grafen Kwileckt und gegen den als seinen Sohn im Standesamtsregister eingetragenen Knaben richten muß, einreichen. Erfolg eines Polizeihundes. Danzig, 29. Junt. Bet wizno in der Nähe von Preußisch- Stargard wurde gestern die Leiche eines ermordeten Mädchens von Arbeitern gefunden. Die aus dem Dorfe herbeigeholten Bewohner erkannten in der Toten die 20jährige Tochter des verstorbenen Schneiders Orsowski. Man benachrichtigte sofort die Staatsanwaltschaft und die Polizei in Preußisch- Stargard. Lettere erschien mit einem Polizeihund am Tatort. Der Hund nahm Witterung an der Leiche und verfolgte die Spur des Mörders, die auf Umwegen in das Dorf führte. Der Hund lief direkt auf das Gehöft eines Kätners, des Stiefvaters der Ermordeten, zu. Dieser wurde verhaftet, da mehrere Verdachtsmomente gegen ihn vorliegen. Eine franzöfifche Spionageaffäre. Baris, 29. Juni. Den Blättern zufolge wurden bei dem in Chalons sur Marne verhafteten Spion Lebrecht ein Modell der 75er Kanone, eine Anzahl Gewehrpatronen und von deutschen Generalstabsoffizieren hergestellte Schriftstücke gefunden, die alle Angaben über die Befestigung der Grenzstädte enthalten. Streif der Straßenbahner in Oporto. Oporto, 29. Juni. Der Verkehr auf der elektrischen Bahn ist infolge des Streifs der Angestellten Lahingelegt. Die Stadt hat den Betrieb übernommen, der mit Hilfe von Gentesoldaten aufrecht erhalten wer den soll. 97 批 er ne t= rf 11= ttert Der Der er es Der Sen die om бе Sas fla im. tm che ein Ten gen Jaf han auf Die und aus orge Bekanntmachung. In der Zeit vom 12. bis 28. Juni 1911 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 Maulkorb, 1 Armband, 3 Damenschirme, 5 Paar Handschuhe, 1 Pelzkragen, 1 Zwicker, 1 Paket Schrotband, 3 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Armband, 1 Damenuhr, 1 Uhrkette; verloren: 1 goldene Damenuhr mit Kette, 1 Jurplay. Samstag, den 1. Juli, nachmittags 4 b und abends 712 Uhr Vorträge Schmitten im schönen Taunus. [ 22/10 Düngemittel.| Brennabor- Auto Tüchtige Reisende gegen hohe Brovision sucht Röber& Co, Düngemittel( Mej. 111. bH Frankfurt a. M. Mittelweg 27.[ 280/2 Sofort gesucht nicht unter 18 Jahren, welche al Chauffeur in Stellung geben wollen. Gates Gehalt.[ 22/9 Näher 8 unter: Automobil schwarzes Handtäschchen mit 1 Portemonnaie und zirka des Gesundheitspredigers Schneider aus Weimar. mehrere junge Leute, 2 Mark Inhalt, 1 goldener Ring mit blauem rundgeschliffenem Stein, 1 Brieftasche mit Inhalt, 1 schwarz= seidener Damenregenschirm mit silbernem Griff, 1 Handtasche mit 1 Portemonnaie und zirka 3 Mk. 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Anmeldungen bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Eigentum u. Berlag der Gießener Zeitung 6. m. 5. S. Berantwortlich für die Schriftleitung Otto Heinede, für Reflame und Anzeigen Robert Roller, beide in Gießen.