Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 40 pfg. monatlich Enthält alle amil. Bekanntmachungen - - oierteljährlich 1,20 r., vorauszahlbar, frei ins Haus. #bgeholt in unserer Expeditten oder in den Zweigansgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Erscheint Dienstags, Donnerstags, Samstags. Redaktion: Beliersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wirb nicht garantiert. Berlag der ,, Gießener Zeitung" 6. m. b.§. Nr. 190. Telephon: Nr. 362. Marokko. - Geschäfte sollte man mit Verstand und mit Gefühl abschließen, weil jeweils der hineingelegt wird, dem der andere an Ruhe und Kaltblütigkeit überlegen ist. Uns scheint, als ob der Deutsche sich diesmal in der Rolle dieses Ueberlegenen befinde, und daß man deshalb auch das Nerböswerden getroft den Nachbarn jenseits der Vogesen überlassen sollte. Was fümmert's uns, wenn drüben die Generalräte mit glorreichen Ver. gangenheiten und ähnlichen wertlosen Erbschaftsgegenständen hausieren gehen, um Patriotismus zu erzeugen, und was fann uns daran liegen, wenn Herr Monis von dem Ernst der Situation und dem Stolz der Nation redet: Für uns besteht lediglich die Frage, in welchem Umfange wir uns dafür entschädigen wollen, daß sich Frankreich entgegen der Abwachungen in der Algecirasakte anschickt( seit Jahren anschickt), das blühende marokkanische Reich unter sein Protektorat zu bringen, d. h sich so festzusetzen, daß es, von feiner Seite gestört, darin nach Belieben schalten und walten fann. Da wir aber anerkanntermaßen ein bedeutendes Interesse daran haben, daß Frankreich nicht zur unum schränkten Herrschaft in Marokko gelangt, wird es fich für uns darum handeln, in aller Ruhe die Garantien festzulegen, die wir im Interesse unseres Handels und unserer sonstigen Intereffen in Südwestmarokko von Frankreich fordern müssen. Ferner werden wir auch als Entschädigung für den Verzicht auf territoriale Ansprüche in Marokko die Grenzen der Gebiete zu umschreiben haben, die aus dem französischen Kolonialbesig in unsere Hände übergehen sollen. - Herr von Kiderlen- Wächter hat diese Forderungen dem französischen Unterhändler schon in der vergange nen Woche klar formuliert übergeben, und Herr Cambon hat sich bereits mit dem Ministerpräsidenten, den verschiedenen Ministern, Botschaftern und anderen maß gebenden Persönlichkeiten über die Möglichkeit der Fort setzung der Verhandlungen ins Benehmen gesetzt, um die Vorschläge zu formulieren, die man bis zur Grenze der möglichen Zugeständnisse Deutschland unterbreiten will. Nach allem, was man von halbwegs zuberläffiger Seite zu hören bekommt, scheint man sich im Ministerrat auch bereits über die an Deutschland zu leiftenden Kompensationen geeinigt zu haben und beschäftigt sich in der Hauptsache nur noch mit den Ga rantien, die man von Deutschland dafür verlangt, daß Frankreich in Marokko für die Zukunft frete Hand be hält. Am nächsten Dienstag oder Mittwoch wird dann Herr Cambon mit einer großen Aftenmappe, gefüllt mit Vorschlägen, nach Berl n zurückkehren, um Herrn bon Kiderlen- Wächter die Wünsche und Zugeständnisse seiner Regierung zu unterbreiten. Dann wird es an uns sein, zu bestimmen, ob der Handel endlos weiter gehen oder ein Ende nehmen soll, und zwar in Form eines Ultimatums, das der französischen Regierung die deutschen Ansprüche endgültig vor Augen hält. Oder sollen die Verhandlungen dann von neuem beginnen? Wir meinen, es wäre dann an der Zeit, zu sagen:„ Der Worte sind genug gewechselt.." Aus Stadt und Cand. Gießen, den 29. August 1911. In den Ruhest and versetzt wurde auf sein Nachsuchen der Lehrer an der Gemeindeschule zu Vonhausen, Kreis Büdingen, Christian Schwalm. Aus diesem Anlaß ist ihm das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen worden. Landesuniversität. Der ordentliche Professor an der philosophischen Fakultät der Landes= universität Dr. Karl Groos wird auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Oktober 1911 ab aus dem Staatsdienst entlassen. der Großherzoglichen Bürgermeisterei des Großherzoglichen Polizei- Amtes sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. Von der Eisenbahn. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat folgenden Erlaß an die preußischhessischen Eisenbahndirektionen gerichtet: In der Preſſe wird darüber Klage geführt, daß es in den Zügen oft an den erforderlichen Plätzen für Raucher fehle, während die Nichtraucher und Frauenabteile nur mäßig besetzt sind. Insbesodere wird hervorgehoben, daß viele Frauen in den Raucherabteilungen zum Nachteil der Raucher Platz nehmen. Wenn auch nicht in Frage kommen kann, die Vorschriften für die Bezeichnung der Abteile in den Zügen abzuändern, so sind die Zugbeamten doch anzuweisen, in höflicher Form darauf hinzuwirken, daß einzelreisende Frauen und Kinder möglichst in den Fraueu- und Nichtraucher- Abteilen Platz nehmen. ( Haus Brüder Schmidt.) Dienstag, den 29. August 1911. )*( Der neugegründete Automobilklub Gie-| Ben, der sich dem„ Allgemeinen Deutschen Automobilflub"( früher D. M. V.) angeschlossen hat, unternahm am Sonntag seine erste gemeinschaftliche Fahrt nach der Saalburg, wo im Saalburg- Restaurant der außeror dentliche Gautag des Gaues 3 d. A. D. A.-Cl. tagte. Die Fahrt ging von dem Startplatz Hotel Schütz mor= gens 8% Uhr über Wetzlar, Braunfels, Weilburg, Usingen und Wehrheim nach der Saalburg. Die Rückfahrt wurde nachmittags 4 Uhr über Homburg, Friedberg, Bad- Nauheim, Butzbach angetreten; in Homburg und Bad- Nauheim wurde längere Zeit gerastet. Gegen 7 Uhr trafen die mit Fähnchen geschmückten Fahrzeuge im ganzen 5 an der Zahl wohlbehalten wieder ein. Sämtliche an der Fahrt beteiligten Wagen errangen den silbernen„ Saalburgbecher", der vom Gau 3 d. A. D. A.-Cl. gestiftet ist. - - Gießen, 28. Aug. Im„ Felsenkeller" fand am Freitag eine Versammlung von Landwirten aus Gießen und Umgegend statt, die sich mit der Milchypreisfrage und einem Zusammenschluß genannter Landwirte beschäftigte. Direktor Hirschel- Friedberg und Landwirt Adolf Hensel- Dortelweil referierten über die diesjährige Lage des Milchmarktes, den Milchpreis in der Provinzialhauptstadt und über einen Zusammenschluß der milchproduzierenden Landwirte in Gießen und dessen Umgebung. Eine anregende Aussprache knüpfte sich an die Referate. Die Redner waren der Ansicht, daß ein Zusammenschluß der Milchproduzenten, in dem nordwestlichen Teil der Provinz Oberhessen geboten sei. Zehn Landwirte aus verschiedenen Orten wurden gewählt, die die vorbereitenden Arbeiten in die Wege leiten sollen für eine am 3. September in Gießen stattfindende konstituierende Versammlung. * Das Dünsberg- Turnfest der Turnvereine des Gaues Hessen am Sonntag erfreute sich wiederum eines sehr starken Zuspruchs seitens der Turner. Es traten 232 Wetturner an. Als Festplatz hatte diesmal nicht den Gipfel des Berges, sondern eine schöne gelegene Waldwiese am Forsthaus bet Bieber gewählt. Nach furzen Begrüßungsworten des 1. Gauvertreters, Stadt rat Helm Gießen, begannen um 11 Uhr die Fretübungen, an die sich dann das Einzelwetturnen schloß. Von den 232 Wetturnern wurden 152 als Steger ge frönt. Die Zahl der verteilten Preise betrug 50. Preise erhielten: 1. 5. Thöt- Gießen 84, P., 2. W. 2008Gießen 83 P., 3. H. Blank Weylar 76 P., 4. J. Ihle. feld Friedberg 74, P., 5. H. Oberheim Gedern 72%, P., 6. W. Koch- Friedberg 72 P., 7. E. Element- Buzzbach 71% P., 8. G. Schaab Buzbach 71 P., 9. H. Schimpf Marburg 69 P., 10. H. Schirmer- Gießen 68 P., 11. J. Mathäus Niederweisel und H. Röhrsheim- Krofdorf 66, P, M. Textor- Marburg und T. Hauptvogel- Marburg 651/2 P., 13. Ph. Schwab Gieken und F. Schmidt Marburg 65 P., 14. W. Schulte Großenlinden, G. Albold Gießen und H. Leidorf- Naunheim 64 P., 15. A. Schmidt Heuchelheim, H. Schneider Weglar, H. KämpferWeglar und H. Dechert- Gießen. Im Gilbotenlauf erhielten Preise: 1. Männerturnverein Gießen 66 Sef., 2. Turnverein Gießen 67 Set., 3. Krofdorf 682 Set., Der 1. Gauturnwart Will Gießen schloß das Turnen mit einem Gut Heil auf die Steger. ) Gleiberg, 29. Aug. Nachdem der Gleiberg: verein in den letzten Jahren mit Unterstützung des Preußischen Staates, der Rheinprovinz, des Hessischen Staates, der Kreise Wetzlar und Gießen, sowie der Stadt Gießen die gesamte noch vorhandene Nuine der Bleiburg gründlich gegen weiteren Verfall gesichert hat, soll nun eine genaue Aufnahme und Kartierung der Burg vorgenommen werden; dabei sollen umfängliche Aufdeckungen noch vorhandener Grundmauernrester borgenommen und besonders das Fundament des vor handen gewesenen zweiten und ältesten Bergfrieds einer wissenschaftlichen Durchforschung unterzogen werden. Man glaubt, das dieser ehemalge Wehrturm überhaupt den ersten baulichen Anfang der Gleiburg gebildet hat und daß dies der Bau ist, dem vor nunmehr tausend Jahren Otto der Salier, der Bruder des ersten konca diner, errichtet hat.. * Lollar. Hier hat sich Sonntag nachmittag die bei ihrem Vater zu Besuch weilende Frau Euler aus Gießen auf dem Boden erhängt. Sie hinterläßt 4 unmündige Kinder. * Bad Nauheim, 29. Aug. Wie man uns mitteilt, hat den Kartenverkauf für das unterm Protektorate des Großherzogs von Hessen am 4. Sept. in Bad- Nauheim stattfindende Konzert für Gießen die Musikalienhandlung von E. Challier übernommen. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Juseraten zeile. Stellen gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Neflameteil 50 fsExtrabeilagen worden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Sahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Betreibung oder bel Konkurs in Wegfall. Pasvorschriften ohue Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" 6. m. b. 6. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. Bad Nauh- e.i m. Bis zum 17. August 1911 sind 30 146 Kurgäste angekommen. Bäder wurden 381 253 abgegeben. * Obbornhofen, 28. Aug. Gegenwärtig schweben Verhandlungen zwischen der Rentkammer zu Laubach und unserer Gemeindeverwaltung wegen Verkauf des hiesigen Gutes. Später gedenkt man das Gelände zu parzellieren und an einzelne Ortsbürger zu verkaufen, die Gebäude aber zu einer Zuckerfabrik anzulegen. * Schotten, 28. Aug. Der Vertrag mit der Provinz Oberhessen wegen Anschluß an die Elektrische Ueberlandzentrale in Wölfersheim wurde genehmigt. -r- Alsfeld, 28. Aug. Für jeden früheren Schüler der hiesigen Realschule, der an der Jubiläums Feier hat nicht teilnehmen fönnen, dürfte es von Intresse sein, zu erfahren, daß eine ausführliche Festzeitung ( Preis 20 Pfg.) von Adolf Rühl Alsfeld versendet wird. Aus dem Rheingau. Am Freitag gingen mehrere Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen nieder. Mit einem der letzten war ein schwerer Hagelschlag verbunden. Der Schaden wird auf viele Tausend Mark geschätzt. * Rüsselsheim. Die Nachforschungen nach der Ursache des Feuers lassen den Verdacht auf Brandstiftung zu. In dem Gebäude, in dem das Feuer seinen Herd hatte, fehlte unerklärlicherweise das Strahlrohr am Hydranten, wie die Löschmannschaften gleich feststellten. Vom Brandherd mußte sich das Feuer notwendigerweise allen umliegenden Bauten mitteilen. * Main 3, 28. Aug. Der Obermonteur der Zellulosefabrik in Kostheim geriet in die Starkstromleitung der elektrischen Anlage und wurde sofort getötet. Worms, 27. Aug. Ein Wolfenbruch mit Gewitter richtete vorgestern in den rheinhessischen Gemeinden Gundersheim, Mölsheim und Hangenweis= heim großen Schaden an. Das Wasser stand teilweise meterhoch in den Ortsstraßen. In den Feldern und Weinbergen sind die Verheerungen groß. Der Blitz richtete verschiedentlich Schaden an. * ver= Bingerbrüd, 29. Aug. Sein 92. Lebensjahr vollendet heute am 29. Aug. Herr J. F. Herter, der Ehrenbürger von Bingerbrück. Wer den 92jährigen sieht, wird ihn höchstens für einen Siebziger schätzen. Die Maul- und Klauenseuche hat trotz Schärfter und ausgedehnter Vorsichtsmaßregeln auf dem Lande eine Ausdehnung genommen, wie sie, kaum für möglich gehalten wurde. Die sämtlichen Viehmärkte des Hunsrücks wurden gänzlich gesperrt. * Worms, 28. Aug. In einer Versammlung des Alldeutschen Verbandes erklärte der Vorsitzende Dr. Göbel, Deutschland habe 1866 eine starke Regierung, aber ein schwaches Volk gehabt, jetzt sei es umgekehrt, wir hätten ein starkes Volk, aber eine schwache Regierung. Bei diesen Worten erhoben sich sämtliche anwesenden Offiziere, der Oberst des 118. Infanterie- Regiment an der Spitze, und verließen demonstrativ den Saal, Wetzlar. Die 70jähr. Jubiläumsfeier des Männergesangvereins findet am 2. und 3. September unter freundlicher Mitwirkung sämtlicher Männerchöre aus Wetzlar und Wezlar- Niedergirmes, des Turnvereins und der städt. Kapelle statt. Der LahntalSängerbund unternimmt an diesem Tage eine Sänger= fahrt nach hier, um durch seine Anwesenheit das Fest zu verſchönen. Infolge der anhaltenden Dürre dieses Jahres könnte die Meinung entstehen, daß es richtiger wäre, für die anzuwenden, die wafferlösliche Phosphorsäure an seine Herbftsaaten, da wo man gewohnt ist, Thomasmehl Stelle zu sehen. Dengegenüber sei darauf hingewiesen, daß auch bei den ausgetrockneten Böden in diesem Jahre die Wirkung des Thomasmehls für Wintergetreide feinesfalls in Frage geftellt ist. Es liegt daher keine Veranlaffung bor, bon der Anwendung des auch im Preise billigeren Thomasmehls abzugehen. Bei zahlreichen vergleichenden Versuchsdüngungen hat sich die Thomasmehlphosphorsäure bet langanhaltender Dürre als die mildere, zugleich aber auch andauernder wirkende und infolgedessen geeignetere Phosphorsäureform erwiesen gegenüber anderen, welch legtere bei trockener Witterung nicht selten mehr oder weniger bersagten. Cn drei Tagen geht's heim! Der Sommer will scheiden, schon Die Deimfebr Die Heimkehr. Allein er hat selbst keine rechte Ruh, die Kinder rennen zu essen Die Seimtebr Eine Befteigung bes Fuji- no- Bama. una escheiteres tun, Regen flappert noch immer eintönig und trinken gibt's nichts mehr, die Kinder schlafen, der Frau Niederhuber suchen denn auch bald ihr Lager auf: ala gegen das Fenster; was schlafen legen. Herr einschlummert: und an, die ganze sie selbst und fort geht's nach Hause. Niederhuber- Familie anderen Tag lacht die Sonne am woltenlos blauen Simmel, lacht, die Wagen ziehen Am meisten aber lacht der Hamburg- Altonaer Kaisertage. Den Abschluß der Festlichkeiten aus Anlaß des RatJerbefuchs in Altona bildete am Sonnabend die Baradetafel für das 9. Armeekorps. Beim Einzuge der Majestäten ließ die Kapelle des Infanterieregiments Hamburg Fanfaren für altdeutsche Trompeten und Bauten ertönen. Der Statser toastete auf das 9. Armeekorps, wobei er dem fommandierenben General von Plettenberg seinen Glückwunsch aus Sprach fir die vorzügliche Verfassung des Korps. Die Parade set das Resultat harter, anstrengender Arbett gewesen und zeugte von Hingabe, Disziplin und Manneszucht. Der Kaiser schloß: Daß das Korps, seinen Traditionen entsprechend, im Frieden und im Striege fich so betätigen wird, wie ich es von ihm erwarte, daraufhin will ich mein Glas leeren." Nach der Tafel begaben sich die Majestäten nach dem Altonaer Rathause, von einer ungeheuren Menschenmenge mit Jubel em pfangen. Der Staiserplatz war mit buntem Feuer be leuchtet, farbig illuminierte Fontänen sprangen, die Beete waren mit leuchtenden Blumengewinden burchzogen und sämtliche anliegenden Häuser waren überreich illuminiert. Die Spielleute mit Sobotsten des 9. Armeeforps, denen sich die Kapelle des 1. Seebataillons angeschlossen hatte, marschterten mit Magnesiumfaceln zum großen Zapfenstreich an. Die Majestäten hörten ben Bapfenſtretch vom Balkon des Rathauses und fehrten dann zu der Hohenzollern zurück. Am Sonntag vormittag 11% Uhr war Feldgottesdienst auf dem Heiligen Geiftfelde darstellt. Wenn ich den Ausdrua der Begeisterung der Hamburger richtig verstanden habe, so glaube ich annehmen zu können, daß es ihre Absicht ist, unsere Flotte auch fürderhin zu verstärken, so daß wir sicher sein können, daß uns niemand den uns zustehenden Platz an der Sonne strettig machen werde. Rundschau vom Tage. Politisches. Bom Krankenlager des Prinzregenten Luitpold. Bayrische Zeitungen melden, daß die offiziell zugegebene leichte" Erkrankung des Brinaregenten ernste Befürchtungen erregen müsse. Die rheumatischen Schwellungen felen bereits vor Wochen aufgetreten und Inzwischen nur durch Anwendung ärztlicher Mittel zurückgegangen. Ihr Wiederauftreten werde von ärztItcher Sette als bedenklich angesehen, weshalb man zu der bisher hartnädig abgelehnten Ausgabe eines amitItchen Bulletins sich gezwungen gesehen habe. überraschend gekommene Bulletin habe den Zweck, die Deffentlichkeit auf weitere Nachrichten vom Krantenlager des greisen Prinzregenten vorzubereiten. in Hamburg. In der Mitte des Feldes war der Altar errichtet, der mit militärischen Emblemen geschmückt war und um den die Feldzeichen des Armeekorps aufgestellt waren. Die Truppen hatten im Halbkreis Aufstellung genommen, ein Teil bildete Spalter vom Liege= platz der Hohenzollern bis zum Felde. Außer der Generalttät des 9. Armeekorps und den Offizieren des Standorts waren erschienen die anwesenden Generalfeldmarschälle, die fremden militärtfchen Gäste und das Kaiserliche Hauptquartier. Als das Kaiserpaar eingetroffen war, wurde die Feter mit dem Niederländischen Dankgebet eröffnet. Die Ansprache hielt der Militäroberpfarrer des 9. Armeekorps Konsistorialrat Wiehe. Es folgte der Ambrosianische Lobgesang, und nach Gebet und Segen schloß die Andacht mit dem Choral: Ich bete an die Macht der Liebe. Der Kaiser nahm den Borbetmarsch der beteiligten Truppentetle in Zügen ab und tehrte dann mit der Kaiserin zur Hohenzollern zurück. Nachmittags besuchte das Kaiserpaar die Rennbahn in Großborstel, wo der Hamburger Sport- Club ein Kaiser- Parade- Jagdrennen Das Kleine Nachrichten. Die Tenerung der Lebensmittel bat den Landrat des naffauischen Kreises usingen veranlaßt, auf die Einschränkung der Vereinsfestlichkeiten hinzuweisen Die Erlaubnis zu Tanzbelustigungen soll nur beschränkt erteilt werden. Eine 1000jährige Linde, die bei Schieming am Ufer des Chiemsees stand, ist einem Orfan zum Opefr ge fallen. Die unter dem Baume stehende Kapelle blieb wunderbarerweise unversehrt. Neuen Steuerhinterziehungen in Bayern auf der Spur. Im Anschluß an die Bekanntgabe der Summe der von dem verstorbenen Reichsrat August von Elemm Hinterzogenen Steuerbeträge teilt die Fränkische Ta gespost" mit, daß man den Steuerhinterziehungen eines anderen sehr bekannten Reichsrats augenblicklich auf der Spur set. Staatssekretär v. Kiderlen- Wächter hielt sich am Sonnabend auf französischem Boden, nämlich in Chamonix am Fuße des Montblanc, auf und ist abends nach Genf abgeretst. Vor seiner Abreise hatten Vertreter verschiedener französischer Blätter die Gelegenheit benußt, um den Staatssekretär auszufragen über den gegenwärtigen Stand der Marottoverhandlungen. Dabei soll Herr v. Kiderlen- Wächter dem Vertreter des Excelsior" folgende Erklärung abgegeben haben:" Ich bente, daß alles arrangiert werden fann. Wir werden die Unterhandlungen auf neuer Grundlage fortsetzen. Es sind Aussichten vorhanden, die Unterhandlungen zu einem guten Ende zu führen und einen Krieg zu vermeiden. Weder Frankreich noch Deutschland wünschen einen solchen. Wir haben nur unsere wirtschaftlichen Intereffen in Marokko im Auge und wünschen keine Gebietserwerbung. Wenn Frankreich das Abkommen von Algeciras mehr beachtet hätte, so wäre alles vorzüglich verlaufen." Auch dem Vertreter des„ Echo de Paris" erklärte Herr v. Kiderlen- Wächter angeblich, daß er gute Hoffnung habe, die Unterhandlungen zu einem guten Ende zu führen und versicherte ihm, daß die biplomatischen Verhandlungen eine friedliche Lösung erwarten Iteßen. angesetzt hatte, für welches der Kaiser einen Ehrenpreis, bestehend aus einer Garnitur von Manövergebrauchsgegenständen für einen Offizter, gestiftet hatte. Bet dem sehr schönen Wetter war die Rennbahn übervoll besucht. Um 3 Uhr nach dem zweiten Rennen erschienen der Kaiser und die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise im Automobil, von stürmischen Hochrufen begrüßt. Gegen 4 Uhr fehrten der Kaiser und die Kaiserin wieder nach der Hohenzollern zurück. Abends begaben sich die Majestäten im Automobil nach Hamburg, um der Einladung des Hamburger Senats zu einem Festmahl im Rathause zu folgen. Bet dem Festmahl brachte der Präsident des Senats Bürgermeister Dr. Predöhl einen Trintspruch auf die Majestäten aus, worauf der Katser mit einem Toast auf Hamburg erwiderte. Nach der Tafel trug der Hamburger Lehrergesangverein einige Pteder vor. Eine Kaiserrede in Hamburg. Schredliche Folgen eines Scherzes. In dem koburgischen Dorfe Stoppach legte der Steinbruchbefizer Getger im Scherz auf eine Schar Kinder an. Das Gewehr entlud fich. Das einjährige Kind eines Arbeiters wurde sofort getötet und ein anderes Kind schwer verlegt. Get ger erschoß sich nach der Tat mit seinem eigenen Gewehr. Opfer der Volkswnt. In Paris versuchte eine wit tende Boltsmenge zwei Männer zu lynchen, die verdäch tig sind, einen achtjährigen Knaben ertränkt zu haben. Der eine war der Bater des Kindes, der andere fein Better. Den Gerichtspersonen und der Polizei wurde dabei übel mitgespielt. Zwischenfall in einer alldeutschen Versammlung. In einer Versammlung des Aldeutschen Verbandes in Worms, in der ein Redner über das Thema„ Marokko eine deutsche Macht- und Ehrenfrage," sprach, erklärte der Vorsitzende, Deutschland habe 1866 etne starte Regterung, aber ein schwaches Bolt gehabt, tett fet es umgekehrt. Wir hätten ein starkes Bolt, aber eine schwache Regierung. Bet diesen Worten erhoben sich sämtliche anwesenden Offiziere, der Oberft des 118. Infanterieregiments an der Spizze, und verließen den Saal. Auf dem Sonntag abend zu Ehren des Kaisers ge= sebenen Festmahl des Hamburger Senats führte der Raiser u. a.aus: Hat die Stadt Hamburg am vergangenen Tage mit Begeisterung einen Teil des Heeres begrüßt, der nun schon lange hat den Frieden erhalten helfen, so hat sie recht daran getan, denn sie weiß, daß unter des Friedens Schirm sie ihrer Arbeit nachgehen kann. Für eine Nation ist es so notwendig, wie für den menschlichen Körper zu atmen, um zu leben. Wir dürfen uns nicht darüber wundern, daß das Au f= streben des Handels in unserem jung geeinten Vaterlande manchem in der Welt unbequemlich= fetten macht. Ich meine jedoch, die Konkurrenz ist auch auf kommerziellem Gebiete gesund, sie ist für Staaten und Völker notwendig, um anzuspornen und zu neuen Leistungen anzuregen. Die Konkurrenz der Nationen unter sich, vermag im Frieden ausgedehnt zu werden. Der Schutz für Handel und Seefahrt tst durch das deutsche Volk in den letzten Jahrzehnten geschaffen worden, in der mächtig sich entwickelnden und allerwärts durch ihre Manneszucht und Disziplin sich auszeichnenden deutschen Kriegsmarine. Ste ist es, welche den Willen des deutschen Volkes zur Seegeltung 6) Wefferwolken. Roman von M. v. But ch. ( Nachdruck verboten.) Ein furchtbarer Brand hat die Kleinasiatische Stadt Aidin verheert. 1500 Häufer, 250 Kaufläden, zwei Mo scheen, drei israelitische Tempel und zwet Schulen find ein Raub der Flammen geworden Auch mehrere Menschen sind bei dem Brande ums Leben gekommen. Die Marokkofrage vor der Lösung. Die gesamte Wiener politische Presse bespricht in längeren Artikeln den gegenwärtigen Stand der Marokkofrage. Einstim mig wird der Ansicht Ausdruck gegeben, daß, wenn auch noch immer Differenzen zu beseitigen sind, doch konsta Hert werden könne, daß Angebot und Forderung nicht mehr weit auseinandergingen und daß, wenn keinerlet neue Zwischenfälle cintreten, die Marokkofrage vor einer friedlichen Lösung stehe. Ond gi alle it ber ent Bran ren 43 fidh au Belben jer Bei Dr Bon I ume infall. dorfer die vo Ele rif einem Lotomo verlegt Fa tein e Straße Dann f ibn Teb milliend Des St Frau d Hörung fabl thi morauf bleb. Lat. Hager Hafiern welde Lochter Flucht. fich da fall vo De Berline einem Unterfu Schiema Graf de machte verhafte man vo gebroche rung, 6 ving fet Erfenn morgen hafteten bächtige Die meldet, Bugeteil giment Offister wurde t bald ett ben ber tere in vilkleidu Gin ten Schl nern de es dort einiger Katastrophe in einem amerikanischen Kinematos graphentheater. In Cannonsburg( Pennsylvania) ereignete fich während einer Vorstellung finematographi scher Bilder eine Explosion. Die Menge feilte fich auf der zur Straße führenden Treppe fest, viele Personen wurden niedergetreten, andere erstickten im Gedränge. Die Zahl der Toten beträgt 25, außerdem kamen zahl reiche Verletzungen vor. Unseres Ansehens willen. Der Leiter der SaaleBettung berichtet in seinem Blatte über ein Interview, das ihm kürzlich ein inaktiver Staatsmann( in dem unschwer Graf Posadowsky aut erraten ist) gewährt hat. Die Schlußfäße dieses Berichts sind von großem allgemeinen Interesse. Der Ausfrager fragte am Schlusse der Unterhaltung: Sollen wir Maroffo wegen- Krieg führen? Der Gefragte zögerte einen Augenblick mit der Antwort; dann antwortete er ruhig und fest: Marokkos wegen nicht, aber um unseres Ansehens und unserer Zukunft willen vielleicht doch!" Die erlauchte Erzellenz sah vor sich hin. " Und ich glaube doch, daß er sie liebt," meinte er. Wenn man nur witßte, wie man thn an sie fesseln könnte. Denn ist er gefesselt, schweigt er, und muß er schweigen. Der Preuße hat eine so feine Nase," fuhr er fort. Hin und wieder hat doch wohl auch einer der Sekretäre von den Aften, die in dem Geheimarchiv Ite= gen, Wind bekommen. Das ists, was mich ein wenig beunruhigt." Aus den Gerichtssälen. Aus Sehnsucht nach dem tranfen Bater zum Diebe geworden. Mit einer fragischen Diebesaffäre hatte sich Bas Kriegsgericht der 1. Garde- Division in Berlin zu beschäftigen. Der Füsilter Offenkopf von der 9. Kompante des 4. Garde- Regiments hatte die Nachricht er halten, daß sein Vater bedenklich erkrankt set. Er wollte ihn nun gern besuchen, doch fehlten ihm die Mittel zur Reise. Da sah er eines Nachmittags, wie das Spind eines Kameraden offen stand. Er stahl daraus 20 Mt. Obwohl der Diebstahl bald darauf bemerkt wurde, ver ließ der Angeklagte die Kaferne und fuhr heim. Nach dret Tagen traf er wieder ein und händigte dem Kame raden den Rest des Geldes aus. Die Anzeige war aber inzwischen bereits erstattet, und so hatte sich D. wegen Diebstahls und wegen unerlaubter Enfernung vor dem Kriegsgericht zu verantworten. Mit Rücksicht auf die Begleitumstände erkannte das Gericht nur auf 25 Tage Mittelarrest. Von der Verhängung der Ehrenstrafe der Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes wurde Abstand genommen. Ein Strafverfahren gegen Liebknecht. Auf Grund der von der Staatsanwaltschaft eingeforderten Ausfagen von Versammlungsteilnehmern an der letzten fozialdemokratischen Versammlung in Karlsruhe, in der der Abgeordnete Liebknecht eine die höchsten Retchsstellen scharf angreifende und die Passivität des Volkes in einem etwaigen Kriege fordernde Marokkorede hielt, ist nunmehr gegen den Abgeordneten Liebknecht etn Strafverfahren eingeleitet worden. Voraussichtlich gehen dte Aften der Untersuchung an das Reichsgericht. Gastro wieder in Venezuela? Ein Brüsseler Blatt erhält von dem früheren venezolanischen Generalkonsul in Belgien, der Beziehungen zu Gastro unterhält, die Nachricht, daß Castro auf der Halbinsel Goajira gelandet fet und daß er die Festung St. Christobal nahe der columbtschen Grenze ohne Widerstand eingenommen habe. Castro rücke nunmehr auf die venezolanische Hauptstadt Caracas vor. „ Mein Freund, ich rate Ihnen gut, halten Sie sich die Nervosität vom Leibe," rief die Gräfin. Sowie Sie nervös sind, ist Ihre Herrschaft zu Ende," und sich in einen Sessel werfend und mit einem Spizenfächer Keith lung zuwehend, fuhr sie fort:„ Nehmen Sie sich ein Betspiel an mir. Niemand hat es mir angesehen oder an gemerkt, was für einen unangenehmen Auftritt ich vor her im Garten mit dem Sekretär Menzel hatte. Unglücklicherweise hat die kleine Gartenpforte von der Fischergasse her offen gestanden," schaltete sie ein.„ Doch sprechen wir nicht mehr davon. Ich habe genug von dieser rithrseltgen Familienkomödie." Garten zu einem ungezwungenen Tete- a- tete verhelfen müssen, und die Sache hätte sich am Ende doch arrangiert. Ich gebe Ihnen den Rat, sich Stesen preußischen Baron als Schwiegersohn einzufangen, meine Liebe, es lohnt sich wahrlich der Mühe." " Apropos!" rief Brühl, Sr. Majestät bat die Aalpastete vortrefflich gemundet, und als ich ihm sagte, daß mir mein österreichischer Lakat nicht nur dieses, sondern auch noch andere Rezepte aus der kaiserlichen Hoffütche in Wien geliefert, schien er nicht übel Lust zu habent, den Burschen in seinen Dienst zu nehmen. Ich habe bies natürlich ganz dem Ermessen Seiner Majestät anheimgestellt. Doch, um noch einmal auf die Affäre mit Malzahn zurückzukommen, meine Liebe, so darf ich Ihnen einen kleinen Vorwurf nicht ersparen. Sie hätten Ihre Tochter zwingen milssen, zur heutigen Tafel zu erscheinen. Donn hätte man den tunaen Leuten im Die Gräfin seufzte. Vermischtes. Ein peinliches Versehen passierte am Donnerstag, wie aus Bernburg gemeldet wird, in einem Bernburger Krankenhause. Als die Angehörigen eines verstorbenen Obereisenbahnassistenten in der Leichenhalle versammelt waren, und sich den Sarg noch einmal öffnen ließen, bemerkten sie zu ihrem Schrecken, daß der im Sarg befind liche Leichnam nicht der ihres Angehörigen war. Er war von einem Krantenwärter versehentlich mit einer nach Magdeburg zu überführenden Leiche verwechselt worden. Nach telegraphischer Reklamation wurde die Leiche des Eisenbahnassistenten in einem Automobil nach Bernburg zurückgebracht und dann beerdigt. ,, Beate hat mir immer Sorge gemacht. Als Kind war sie beständig leidend, und jetzt als junges Mädchen besitzt sie keine Spur von Koketterie. Sie hat wenig Erfolge im Ballfaal, und ehrgeizig ist sie auch nicht." „ Um so notwendiger ist es, daß Ste für das Kind sorgen," meinte der Graf, sich von seiner Gemahlin verabschiedend und ihr die Fingerspitzen füffend.„ Aut revoir. Sehen Sie sich jetzt nach Ihrer Tochter um." Drama in einem Ostseebade. In dem fleinen etwa 3 Meilen von Kolberg entfernten Ostseebade Deep hat sich Freitag frith beim Baden ein entsetzliches Unglüd zugetragen, dem die in Berlin wohnende Witwe des Oberpfarrers Herold, thr erwachsener Sohn und ihre Tochter zum Opfer gefallen find. Von der Familie blieb nur ein 12jähriger Knabe übrig. Frau Herold besuchte in Begleitung ihrer etwa 20 Jahre alten Tochter das Damenbad, während der Sohn gleichzeitig nach dem Herrenbade ging. Plötzlich hörte der Sohn Hilferufe seiner Mutter und schwamm unverzüglich in das Damenbad hinüber. Er kam gerade in dem Augenblick an, als feine Mutter in den Wellen verschwand, und tauchte sofort, um sie zu retten. Ohne Zweifel hat in der Tiefe ein erbitterter Kampf zwischen belden stattgefunden, der damit endete, daß beide untergingen und nicht wieder an die Oberfläche famen. Während dieses Vorganges befand sich die Tochter halb angekleidet in der Badekabine. Mit einem lauten Aufschret stitrate fie sich ins Wasser, um ihrer Mutter zur Hilfe zu eilen, Durch den stillen Park, der vorhin den Auftritt ge seben, der die Gräfin in höchst unangenehmer Weise echauffiert, wandelte jetzt ein junges Paar. Franz Glasau und Annchen Menzel. Der Mond leuchtete, die Augen der beiden Menschenkinder glänzten. Annchen hatte sich in den Arm des jungen Mannes geschmiegt, der sie mit heißen Lippen füßte. Sie aber attterte am ganzen Körper. Ihr Atem fam und ging heftig. " Franz," flüsterte sie mit angstvoller Stimme, " Franz, was soll werden?" Da lachte er frivol auf. ist nicht mein Fall. Schau, ich habe gesehen, wie die großen Herrn es treiben. Sie sind nicht flüger, nicht besser als ich. Was sie können, kann ich am Ende auch. Was gehört dazu? Geld, nichts als Geld! Und darum will ich es erwerben, das ist mein ganzes Bestreben. Wenn ich reich bin, tue ich es den Vornehmen nach." " Bist Du ehrgeizig?" fragte sie erschreckt. Er pfiff durch die Zähne. „ Kind, wie soll ich das wissen? Ich liebe Dich, was weiter? In Wien gab es genug Mädchen, die mich ins Ehejoch spannen wollten. Ihnen bin ich noch glütdlich entschlüpft. Nun fängst Du das Spiel von neuem an. Närrchen, Du! So haben wir doch nicht gewettet." " Franz", schluchate fie, mein Vater, ich bin sein einziges Kind. Wenn Du ihm alles gestehst... er hat ein bißchen gespart „ Schon gut," machte er, sie streichelnd, Deinen Baier in Ehren, aber ein armer Schlucker ist er doch. Das „ Ein bissel ehrgeizig müssen wir halt alle sein." " Und wenn Du daran zugrunde gehst?" Er zuckte die Achseln. " Bugrundegehen oder vorwärtskommen, ein Drit tes gibt es für mich nicht." 3. Kapitel. Beate von Brühl stand in threm Zimmer und schaute über die blauschimmernde Elbe, über die es wie Abendduft schwebte. Und je mehr der Duft wuchs und fich au feinen grauen Schleiergespinsten verdichtete, je größer, je shensüchtiger wurden die Augen des jungen Mädchens. Die Komtesse war eine anmutige Erscheinung, groß und schlank gewachsen, dunkelhaarig und dunkeläugig, dazu ein Gefichtchen, das mit seinen zarten weißen und roten Farben an eine Apfelblüte erinnerte. Vielleicht waren die Farben so zart, weil das Blut, das die Wangen malte, gar zu schnell zum Herzen strömte und drängte. Und dann war noch eins, was Erwähnung verdient, glücklich sah die junge Komtesse nicht aus. Plötzlich pochte es an die Tür, und dann öffnete sich diese, und ein schwacher Lichtschein fiel in das dunkle Zimmer. Gleich darauf wurde der Leuchter, der auf dem Tische stand, entzündet. Beate drehte sich herum. Bist Du es, Martha?" fragte sie. Nein, Martha war es nicht, die Lichtbringerin war Annchen, die Jungfer ihrer Mutter. Männer der Sta verübt. fie fich pertreib ben me griffen eine reg lower t ftellung Car dreas T nifchen wieder Mordta von ein feine häftigt Bhilant getomm Berurte Da gletterfo würfe fon au auf der griffen Uhr ab fragt," auffiel fich de Di Band Damme Abe J Blang di nicht wi So fragte 2 Reinun fort. „ Nu Telfeften Herr V Bea Er Glild? recht gil Dich dri um Det Die ని nicht be Du Heben?" Nur D abcher Landral auf die Bumetjen beschränt am Ufer Opeft ge elle blieb auf der Summe Elemm tiche La gen eines dlich auf m tobur iber Gel Gewehr r8 wurde Test. Geb Gewehr. eine wil e verdäch zu haben. dere fein et wurde de Stadt ivet Mo ulen find mehrere etommen. inemato ania) er tographt e fich auf Perfonen Bedränge. men zahl tm Diebe hatte sich Berlin But 9. Kom hricht er Er wollte tittel zur 18 Spind 8 20 M irde, ver im. Nach m Kame war aber D. wegen vor dem t auf die 25 Tage Strafe der enstandes Onnerstag, ernburger rstorbenen ersammelt ießen, be rg befindwar. 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In der Nähe von unterbach bei Düsseldorf ereignete fich in der Nacht zum Sonnabend auf dem Bahngleis ein eigenartiger Unfall. Dort scheuten bet einer Nachtübung des Düffeldorfer Wlanenregiments 30 Pferde der 5. Schwadron, die von einigen Ulanen am Bügel gehalten wurden. Ste rissen sich los und galoppterten auf dem Bahnglets etnem Güterzug entgegen. Ein Pferd rannte sich an der Lokomotive den Schädel ein, 22 andere wurden schwer verletzt, sodaß sie getötet werden mußten. Familiendramen. In Nieferwitz bet Allenftetn erschoß der Arbeiter Krutti seine Frau auf der Straße. Ein zweiter Schuß auf seine Tochter ging fehl. Dann schoß sich Kruzki selbst eine Kugel in den Kopf, dte thn lebensgefährlich verlegte. Ein furchtbares Familtendrama ereignete sich in Chemnitz in der Familie des Schlossers und Chauffeurs Bleiel. Die 26jährige Frau des Bletel begab sich in einem Anfall von Geistesftörung mit ihrem Kinde nach dem Hausboden und befahl thm, fich hinzulegen und die Augen zu schließen, worauf sie mit einem Belle den Hals des Kindes durchhieb. Laut schretend bezichtigte sie sich dann selbst der Tat. In Plauen t. Vogtl. überfiel der Zimmermann Sager nachts seine Ehefrau und brachte thr mit einem Rasiermesser eine tiefe Wunde bet, so daß die Eingeweide bloßlagen. Dann versetzte er feiner 9jährigen Tochter einen tiefen Schnitt am Kopfe und ergriff die Flucht. Auf einem benachbarten Grundstücke schnitt er fich dann die Keble durch. Er hat die Tat in einem Anfall von Geistesstörung verübt. Der falsche Graf Passy. In einem Cafee in der Berliner Friedrichstraße hatte vorgestern ein Gast in einem dort ſizenden Herrn den aus dem Heilbronner Untersuchungsgefängnis ausgebrochenen Hochstapler Schtemangt zu erkennen geglaubt. Als der vermutete Graf das Lokal verließ, folgte ihm der Beobachter und machte einen Schußmann auf ihn aufmerksam. Dieser verhaftete den Vielgesuchten. Auf der Polizetwache war man von der Aehnlichkeit des Sistierten mit dem Ausgebrochenen überrascht. Man schenkte seiner Versicherung, daß er etn harmloser Netsender aus der Provinz set, feinen Glauben. Erst durch die Arbeit des Erkennungsdienstes der Kriminalpolizei wurde gestern morgen festgestellt, daß von einer Identität des Verhafteten mit Bassy teine Rede sein könne. Der Verbächtige wurde entlassen. Die gefährliche Pickelhaube. Aus Reims wird gemeldet, daß ein der Militärfliegerschule von Betheny zugeteilter spanischer Offizier, welcher die in seinem Regiment übliche Bickelhaube trug, mit einem französischen Offizter durch die Straßen promenterte. Der Spanter wurde trrtümlich für einen Deutschen gehalten und hatte bald eine laut fohlende Menge hinter sich. Auf Zureden der Sicherheitsorgane begaben sich die beiden Offtzlere in eine nahegelegene Kaserne, wo der Spanier Zt= vilkleidung anlegte. Eine Schlacht mit Zigeunern. Zu einer regelrechten Schlacht zwischen etner 8tgeunerbande und Bewohnern des portugiesischen Ortes Sao Bartholomäu ist es dort in den gestrigen Abendstunden gekommen. Seit einiger Bett hatte sich eine 3igeunerbande, die aus 250 Männern, Frauen und Kindern besteht, in der Nähe der Stadt niedergelassen und dort zahlreiche Einbrüche vertibt. Die Bewohner waren darüber so erregt, daß fie sich entschloffen, die Bigeuner aus ihrem Orte zu pertreiben. Ste umzingelten das Zigeunerlager und ga= ben mehrere Revolverschüsse auf dasselbe ab. Sofort griffen auch die Zigeuner zu den Waffen, so daß sich eine regelrechte Schlacht entspann. 30 3igeuner wurden schwer verletzt. Die anderen wurden von dem zur Herstellung der Ordnung herbeigeetlten Militär verhaftet. Carnegies Großmut. Ein Ungar mit Namen Andreas Toth, der 20 Jahre unschuldig in einem amerikanischen Zuchthaus verbringen mußte, wurde vor kurzem wieder freigelassen, weil es sich herausstellte, daß die Mordtat, wegen der er seinerzeit verurteilt worden war, von einem anderen verübt worden war. Toth war bis zu seiner Verhaftung in Carnegies Stahlwerken be= schäftigt gewesen. Als Carnegie, der Millionär und Philantrop nun hörte, daß er unschuldig ins Zuchthaus gekommen war, setzte er ihm eine lebenslängliche Benfion aus, da in den Vereinigten Staaten unschuldig Verurteilte keine Entschädigung erhalten. Das Sterben der Maulwürfe. Eine sonderbare Begleiterscheinung zeitigt der dürre Sommer. Die Maulwürfe fommen aus der„ Unterwelt" herauf und laufen auf der Erde herum, als wenn sie von einem Fieber ergriffen wären. Besonders in der Dämmerung von 7 ühr ab sieht man sie in Mengen durch Wiesen und Aecker " Frau Gräfin haben bereits nach der Komtesse ge= fragt," sagte das junge Mädchen. Es lag etwas in dem Tone der Stimme, das Beate aufftel. Ste verließ ihren Platz am Fenster und näherte sich dem Tische. " Was hast Dit nur?" fragte sie.„ Hast Du geweint?" Die Kleine schüttelte den Kopf und fuhr sich mit der Hand über die Lider. " Ich geweint? Onein, ich habe nur vorhin in der Dämmerung genäht, und das verdirbt die Augen." Aber Beate Iteß sich nicht beirren. ,, Anna, sag, warum hast Du geweint?" " Ich glaube, Komtesse können mich nicht verstehen," Klang die Antwort. Sie haben es so gut, daß Sie gar nicht wissen, wie unsereinem zumute ist." ,, So, meinst Du, ich hätte es so gut auf der Welt?" fragte Beate von neuem,„ kannst Du mir für Deine Meinung irgendeinen Grund angeben?" fuhr ste letser fort. „ Nun, Komtesse brauchen nur irgendeinen, nur den letfesten Wunsch zu äußern, so ist Seine Erzellenz der Herr Vater stets in der Lage, thn zu erfüllen." Beate lächelte. Erfüllte Wünsche sind also Deiner Ansicht mach Glück? Nun, ich glaube nicht, daß das Schicksal Dir recht gibt. Doch im Ernst, Annchen, gestehe mir, was Dich drückt. Kummer hast Du? Sorgst Du Dich etwa um Deinen Liebsten?" Die Kleine wurde dunkelrot. Ich will Komtesse mit meinen Angelegenheiten nicht belästigen." " Du meinst wohl, ich könnte Dich wieder nicht verstehen?" Nun war es an Anna, zu lächeln. D, was das betrifft, das verstehen die jungen Mädchen alle, also auch Komtesse." wühlen, wo sie meist den Landleuten und Jungen zum Opfer fallen. Auf meinem täglichen Gange zur Stadt", so schreibt der Rheinisch- Westfälischen geitung" ein Lefer, finde ich auf der Chauffee und in den Chausseegräben zahlreiche Leichen von Maulwürfen, die überfahren oder erschlagen worden sind. Ich glaube nicht, daß hier eine Krankheit vorliegt, sondern vermutlich treibt der Hunger die Tiere herauf. Infolge der langen Ditrre find die Würmer und Kerbtiere, von denen die schwarzen Gesellen leben, eingegangen und sie versuchen nun, über der Erde noch etwas zu erhaschen." Es wäre von Intereffe, zu erfahren, ob dieselbe Beobachtung auch an anderen Stellen gemacht worden ist. Das Drama in Rendel. In dem Orte Rendel im oberhessischen Kreise Friedberg hat, wie gemeldet, am Sonnabend morgen der 27jährige Landwirt Wilhelm Gunderloch mit einer Jagdflinte seine Schwiegereltern, den 56 Jahre alten Friedrich Eberhard und dessen 55jährige Frau Marie, bte 37jährige Tochter des Eberhard, Johanna, deren 27 Jahre alte Schwester Elise, mit welcher der Mörder felt fün fahren verheiratet war und seinen Schwager, ben 44jährigen Karl Wiesenbach, erschossen. Seine- betden Knaben von 4 und 3 Jahren, die am Ort der Tat waren, ebenso ein Mädchen seines Schwagers Wiesenbach, verschonte der Mörder. Ueber die furchtbare Tat machte der Bürgermeister von Rendel etnem Vertreter der Frankfurter Kleinen Presse folgende ausführliche Angaben: Ein verkommener, vom Alkohol verseuchter Mensch war nach planlosem Umberirren in der Welt, auch eine Beitlang von der Staatsanwaltschaft gehest, in sein Heimatsdorf zurückgekehrt und bat dort seine ganze Fa milie in wenigen Minuten getötet. Der Mörder war 27 Jahre alt und früher Landwrit und hat vor etwa fechs Jahren auch seinen Bruder Heinrich im Strett erschossen. Die Tat wurde ihm damals als Notwehr ausgelegt und er ging straffret aus. Da er sehr vermögend war, fonnte er all senten Passionen frönen er trant viel und lebte sehr verschwenderisch. Einige Zeit nach dem Morde an seinem Bruder Heinrich heiratete er Elise Eberhard. Der Ehe entsprossen zwet Knaben, die erst vier und zwei Jahre alt sind. Die Ehewar nie glücklich; die Frau hatte ihn nur des Geldes wegen genommen. Er ging feine eigenen Wege, so daß 3 wist und Hader im Hause an der Tagesordnung waren. Es tam auch oft zu Tätlichkeiten, Gunderloch mißhandelte seine Frau. Vor 1% Jahren verließ er den Ort, weil die Staatsanwaltschaft thn verfolgte. Bei dieser Flucht nahm er 56 000 Mart mit. Die Familie hörte nichts mehr von ihm, bis er Sonnabend nacht vollkommen unvermutet in einem Automobil wte= der in Rendel eintraf. Als der Schwiegervater des Mörders, der 56 Jahre Landwirt Friedrich Eberhard, in den Stall gehen wollte, gab der Mörder den ersten Schuß auf thn ab. Gunderloch, der ein ausgezeichneter Schüße gewesen sein muß, traf seinen Schwiegervater mitten in die Brust, so daß dieser sofort tot zu= fammenbrach. Der Mörder rannte nun in den Hof und gelangte durch ein schmales Pförtchen ins Haus. Auf Bem Vorplaze traf er seine 55 Jahre alte Schwiegermutter Marte Eberhard, die ihm entgegenkam. Ste wollte offenbar threm erschossenen Mann zu Hilfe kommen, da aber ereilte sie auch schon das todbringende Ge schoß. Nach der zwetten Tat rannte Gunderloch durch den Hauseingang und schoß seinen Schwager, den 44jährigen Karl Wiefenbach, der flitchten wollte, mitten auf der Straße tot. Seine Frau, Elise Gunderloch, die 27 Jahre alt war, und die Frau des auf der Straße getöteten Wiesenbach hatten sich im Zimmer eingeschlossen, aber auch ste sollten dem Mörder nicht entgegen. Durch ein Fenster schoß Gunderloch die Frau des Wiesenbach von der Straße aus tot, und jetzt fahdete der Mörder nach dem fünften Opfer, seiner eigenen Frau. An der Leiche der Schwiegermutter vorbet stürmte er in den ersten Stock, sprengte die Tür auf und schoß auf seine Frau, die auch sofort tot war. Seine beiden Kinder und ein ein Vierteljahr altes Töchterchen seines Schwagers Iteß er ruhig im benachbarten Bimmer wetter schlafen und entfernte sich gelassen aus dem Hause. Durch die Schüsse geweckt, eilten Nachbarn herbet, um den Mörder dingfest zu machen. Da dieser aber federzeit schußbereit war, wagte es teiner, an ihn heranzukommen. Er entfernte sich rasch in der Richtung nach Gronau. Inzwischen war die Staatsanwaltschaft in Gießen benachrichtigt, die alsbald mit zahlreichen Polt= zeibeamten und einem Boltzethunde eintraf und die Verfolgung des Mörders aufnahm. Mitten in einem Felde auf einem Strohhoufen entdeckte der Hund Spuren des Mörders. Da die Gefahr bestand, daß Gunderloch abermals schießen würde, machte sich ein Gendarmeriewachtmeister schußbereit. Plöglich sprang der Hund avon und auf eine im Feld Itegende Masse zu. Es war der Mörder, aber tot. Mit seiner Waffe hatte er sich in den Mund geschossen und den ganzen Kopf auseinandergesprengt. In der Ortslchaft herrscht furcht= bare Erregung über die grausige Tat. ,, Nun, so beichte einmal, wer ist denn Dein Liebfter?" Annchen konnte nun wirklich nicht anders, als th= ren Kummer zu gestehen. Der österreichische Lakat, der, ehe er in den Dienst Sr. Majestät des Königs trat, hter tm Schlosse gedient, hatte es thr angetan. Beate lauschte dem Berichte. Ste begriff das Mädchen, das von ihrem Liebsten entzückt war, vollkommen. Allein sie begriff nicht, warum diese sich zugleich grämte. Das Königliche Schloß und das des Grafen von Brühl lagen nicht so wett auseinander, daß sich die Liebenden nicht zuweilen sehen konnten. Die Entfernung konnte fie nicht kränken; was war es, das sie drückte? Endlich tam es heraus. Anna war eifersüchtig, sie zweifelte an der Treue des Geltebten... Er hatte thr zwar die Ehe versprochen, allein etn Bursch' wie er, flott und ehrgeizig, schten er sich von seiner Zukunft ohne die Fessel der Ehe mehr zu versprechen. Er machte nicht miene, sein gegebenes Wort einzulösen, und das war wohl der Kummer des Mädchens, wenigstens legte es sich Beate so aus. Als die Kleine gegangen war, verließ Beate das Bimmer. Der Salon ihrer Mutter war leer, der Besuch mußte sich beretts entfernt haben. Sie fragte den Türhüter und erfuhr, daß Frau Gräfin in Gesellschaft der Frau von Einsiedel das Palais verlassen hatte. Er hatte die Wetsung erhalten, zu bestellen, daß Erellenz das Souper nicht im Hause einnehmen würden. As sich Beate nach threm Vater erkundigte, wurde ihr berichtet, daß dieser zum Könige befohlen sei und bereits sett Stunden im Schlosse wetle. Das junge Mädchen blieb in der Halle stehen. Ste befand sich heute in ganz eigentümlicher Stimmung. Ihr erschten das Haus, trotz seiner Unzahl von Lakaten und Dienern, die man auf der Treppe gewahrte, heute feltsam öde und verlassen. Ganz anders denn sonst. In Die Abenteuer eines Bankdirektors, In Treptow bei Berlin ist der 38jährige Bankdirektor" Max Dost wegen zahlreicher Schwindeleten verhaftet worden. Dost, dessen Geschäftstätigkeit sich faft auf das ganze Reich erstreckte, befaßte sich in der Hauptfache mit der Vermittlung von Hypotheken und Dar lehen, doch fam es ihm nur darauf an, die Provt stonen einzustecken. D., der zu Thun in Böh men gebürtig ist, betrieb ursprünglich eine Seneipe mit Mädchenbedienung. Dann wurde er Darlehnsvermitt Ter. Am 1. Oktober vorigen Jahres machte er in Treptom ein Banfgeschäft auf- und ernannte sich selbst zu dessen Direftor". Er verkündete pomphaft, daß sein Unternehmen mit 14 Millionen Grundkapi* tal" arbeite und englische Großbanken vertrete. Er mietete für einen erheblichen Preis drei Räume und stattete fie fehr elegant aus. Ein Laden diente als Kaffenraum; in dem einen der beiden Zimmer, die sich daran anschließen, arbeiteten vier Maschinenschreiberint nen, das andere war das Privatkontor des Herrn Dis reftors, der als„ nervöser Mann" wenig gestört sein wollte. Diesen Privatraum hatte Dost ganz besonders ausgeschmückt. Hier hingen die Embleme eines Fret maurerordens, dem er angeblich angehörte, die untritg Itchen Zeichen, daß man es mit einem anständigen und redlichen Manne zu tun habe. An Leute, die etwas unternehmen wollten, sandte Dost Offerten seiner Bank, die stets schon vorgeschrieben waren und nur noch aus gefüllt zu werden brauchten. Für die stets erforderliche Besichtigungsreise sowie für ein für die Transaktion notwendiges Gutachten stellte er im allgemeinen folgenden Spesenanschlag auf, für den er zunächst eine Mart Schreibgebühr berechnete. Dann folgten Reisefpefen 25 M, Tagesdtäten fitr einen halben Tag 75 M, Gutachtengebühren, zusammen 101. Eine Postanweisung lag zur Bequemlichkeit des Absenders gleich bet. Einige offensichtliche Betrügereten, deren fich der Verhaftete in der Provinz Posen schuldig gemacht hat, haben zu seiner Festnahme geführt. Automobilkatastrophe in Irland. Zehn Personen getötet, mehrere schwer verletzt. Eine folgenschwere Automobilkatastrophe hat sich am Sonntag nachmittag in Irland ereignet. Ein Motoromnibus mit 33 Insassen rannte in Consett, wahrscheinlich infolge Versagens der Steuerung, gegen einen Baum und wurde vollständig zertrümmert. Zehn Personen wurden getötet, mehrere andere schwer verwundet. Eine spätere Meldung bringt folgende Einzelheiten über die Katastrophe:. Das Automobil war mit 33 Touristen besetzt und fuhr mit der normalen Geschwindigkeit von 15 engItschen Meilen. Plötzlich versagte an einer abschüssigen Stelle die Bremse. Schließlich rannte das Automobil gegen einen Baum. Sämtliche Insassen flogen in wettem Bogen auf die Straße und zehn blieben sofort tot liegen. Die 22 anderen Infaffen waren meist schwer verlegt. Bei einigen ist teine Hoffnung auf Erhaltung des Lebens vorhanden. Der Führer des Automobils fam mit leichten Verlegungen davon. Der Chauffeur forderte die Passagiere auf, abzuspringen, aber nur der Kontrolleur folgte dieser Mahnung und blieb unverletzt. Die Passagtere hielten sich in ihrer Angst an den Sitzen feft. Der Wagen stürzte in eine tiefliegende Baumschule und begrub die Passagiere unter sich. Drabtnachrichten und neuestes. Das Kaiserpaar in Stettin. Stettin, 28. August. Das Kaiserpaar mit der Prinzessin Vittoria Luise traf heute vormittag um 10,30 Uhr im Sonderzuge hier ein. Auf dem Bahnhofe hatten sich u. a. eingefunden der Kronprinz, die übrigen faiserlichen Prinzen sowie die Spitzen der Militär- und Zivilbehörden. Nach der Begrüßung erfolgte der feierliche Einzug in die Stadt. Wo hält sich Richter auf? Saloniti, 28. August. Der türfifche Geschäftsträger von Glassona hat heute telegraphisch hierher gemeldet, Ingenteur Richter habe die Reise über Serfidsche nach Saloniti angetreten, wo er voraussichtlich Montag abend eintreffen wird. Tollwutepidemie in Russisch- Polen. Warschau, 28. August. Im russisch- polnischen Industriegebiet herrscht die Tollwut in bedenklichem Umfange. Während vorgestern bei Sielce allein 52 von einem tollen Hunde gebissene Personen nach Warschau geschafft wurden, hat man gestern 50 Personen aus Sosnowice dorthin überführt. In Salefowice wurde ein Mädchen von einem tollen Hunde gebissen. Nach einigen Tagen stellte sich bei ihm Tollwut ein und es starb unter furchtbaren Schmerzen. Während der Krankheit biß das Mädchen die Mutter und einige an= dere Personen. den Räumen des Erdgeschosses, wo die Wirtschafts- und Domestikenstuben lagen, herrschte freilich Leben genug; doch wunderbar, sie fand das alles so unheimlich, so getsterhaft, fast, als gehöre sie nicht hierher.. Ste strich sich mit der feinen Hand leise über die weiße Stirn. Es war törtcht; derartigen Stimmungen durfte sie sich nicht hingeben; fort mit allen Träumen und Hirngespinsten! Langsam erstieg sie die brette Treppe. Wieder überkam sie jenes seltsame Gefühl der Unsicherheit, es war, als schwankte es unter ihren Füßen, als set nirgends fester Boden zu finden. Mechanisch ging sie wetter, hinüber in die Gesellschaftsräume, die, da man sie nicht benutte, heute nur schwach erhellt waren. Nur die Appartements, die speziell zum Gebrauche ihrer Mutter bestimmt waren, glänzten im Schimmer unzähliger Wachskerzen. Das eine Bimmer war der Empfangsraum der Gräfin, das andere der gelbe oder kleine Musiksalon, so genannt zum Unterschtede von dem großen Konzertsaale. Das gräfliche Haus war sehr musikllebend und musitverständig, die Gräfin selbst eine Meisterin auf der Laute, während ihre Töchter das moderne Klavier bevorzugten. Als die junge Komtesse in den prachtvollen Salon und an das offene Klavier trat, auf dessen Notenhalter ein Bachsches Stück lag, fühlte sie sich so unwiderstehlich davon angezogen, daß sie sich auf den kleinen Seffel falIen Iteß und in die Tasten griff. Die Musik übte den wohltätigsten Einfluß auf ste aus, sie wurde ruhiger, die Spannung in thren Zügen wich. Wie Sonnenschein huschte es darüber. Fortsetzung folgt.) Bekanntmachung. Das Rasieren, Haar- und Bartschneiden soll alsbald bergeben werden. Reflektanten wollen ihre Angebote bis spätestens 1. September d. Js. bei uns einreichen. In den Angeboten sind die Bedingungen, die bei uns zur Einsicht offen liegen, anzuerkennen. Gießen, den 24. Auguft 1911. Großh. Direktion der Landesirrenanstalt bei Gießen. Persil wäscht mühelos ganz von selbst, ohne Zusatz von Seife und Waschpulver, ohne Reiben und Bürsten, nur durch einmaliges 1/ 4-1/ 2 stündiges Kochen. Persil ist das beliebteste selbsttätige Kirchendienerstelle. Waschmittel Die Stelle eines Stirchendieners an der Johannesfirche ist neu zu besetzen. Neben großer persönlicher Zuverlässigkeit wird besonders auch gute Handschrift und einige Erfahrung und Gewandheit in schriftlichen Arbeiten erfordert. Bewerbungen sind an den unterzeichneten Vorfizzenden zu richten, von dem auch nähere Angaben über dienstliche Obliegenheiten, sowie über Gehalts- und Pensionsverhältnisse zu erfahren sind. Persönliche Vorstellung ist auch auf besondere Anforderung dazu er wünscht. Gießen, den 25. August 1911. Evangelische Gesamtkirchenvorstand: D. Schlosser. Wissenschaftliche [ 29/22 Selbst- Unterrichts- Werke verbunden Methode Rustin mit briefl Fernunterricht. Der wissenschaftlich gebildete Mann. Das Gymnasium. Das Realgymnasium. Die Oberrealschule. DasAbiturientenexamen Die Höh.Mädchenschule. Die Studienanstalt. Das Lyzeum Die Handelsschule. Einjährig FreiwilligePrüfung. Der Präparand. Mittelschullehrer- Prüf. Der gebildete Kaufmann. Der Militäranwärter. Der Bankbeamte. Das Lehrerinn.- Seminar Bas Konservatorium. Diese ausgezeichneten Werke bezwecken: 1. den Besuch wissenschaftl. Lehranstalten vollständig zu ersetzen; 2. eine umfassende gediegen Bildung zu vermitteln; 3. auf Examen vorzubereiten. 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