Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen - oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Erscheint Mittags 3 Uhr. Die„ Illuftr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Nr. 124. - Telephon: Nr. 362. Ueber die Vererbung der Jmmunität. Von Geh. Ober- Med.- Rat Prof. Dr. Paul Ehrlich, Frankfurt a. M. Das Problem der Vererbung hat seit jeher einen großen Reiz auf die naturwissenschaftlichen Forscher ausgeübt. Die Bearbeitung dieses sowohl theoretisch hoch interessanten als auch praktisch außerordentlich bedeutsamen Forschungsgebietes trat mit der Auffindung der Antikörper, d. h. der im Organismus sich bildenden Schutzstoffe, in eine neue Phase. Schien doch hier ein aussichtsreiches Feld eröffnet zu sein, auf dem sich die grundlegende Frage nach der Vererbung erworbener Eigenschaften bearbeiten ließ. Denn die Antikörper sind Stoffe, die der tierische und menschliche Organismus in mehr oder minder hohem Grade für kurze oder längere Zeit produziert, wenn er 3. B. von einer Infektionsfrankheit befallen war. Den Zustand, in dem sich ein solcher Organismus dann befindet, bezeichnet man bekanntlich als den der Immunität. Diese Immunität läßt sich durch das Blutserum der immunen Individuen auch wieder auf andere übertragen und erzeugt bei diesen ebenfalls eine wenn auch nur passagere Immunität, ja, man fann mit den immunisierenden Schutzstof auch Heiiwirkungen erzielen. fen Das Diphtherieheilserum ist der bekannteste und anerkannteste Typus dieser Antikörper. Ich konnte aber nachweisen, daß sich die Schutzstoffe nicht nur im Blute, sondern auch in der Milch immunisierter Tiere finden. Die Erkenntnis dieser Tatsache hat nun Licht in die Frage der Vererbung der Immunität von Vater oder Mutter auf die Nachkommenschaft bringen fönnen. Es ist hier nicht der Plaz, auf die Möglichkeiten einzugehen, durch welche die Immunität der Kinder, die von immunen Eltern stammen, bedingt werden kann. der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer des Großherzoglichen Polizei Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Montag, den 29. Mai 1911. Aus Stadt und Land. Gießen, den 29. Mai. Die Fortschrittliche Volkspartei für das Großherzogtum Hessen hielt am Samstag im Englischen Hof in Bingen unter dem Vorsitz von Juab. Zu der Landesausschußsizung wurden die Vorarstizrat Gallus( Darmstadt) ihren dritten Parteitag beiten für die hessischen Landtagswahlen und die Reichstagswahlen beraten. Am Sonntag beginnt die öffentliche Landesparteiversammlung. Die Vertreter der Berliner Parteizentrale und die Landesverbände von Baden, Württemberg, Pfalz und Hessen- Nassau sind eben falls vertreten. 3ehn Gebote für die schöne Jahres3 eit. 1. Du darfst keine Aeste und Zweige, keine Blätfer und Blüten von Bäumen und Sträuchern abreißen, abschneiden oder mit einem Stock abschlagen. 2. Du darfst die Rasenplätze in den Anlagen, die Wiesen und Getreidefelder nicht betreten. 3. Du darfst in den Anlagen der Gärten, auf Wiesen und Feldern keine Blu men pflücken, um sie dann wegzuwerfen. 4. Du darfst nicht im Walde die Heidel- und Preißelbeersträucher, die Heide- und Farrenkräuter oder andere Waldpflanzen Herausreißen, abbrechen oder abschneiden. 5. Du darfst nicht den neuangepflanzten Waldbäumchen die Köpfe der oberen Triebe abbrechen, abschneiden oder abschla= gen; denn diese Pflanzen sterben dann ab und werden Straßen und Plätzen Obstschalen, Kirsch und Pflaumen früppelhafte Bäume. 6. Du darfst nicht auf Wegen, ferne, Papierstücke, Brotreste 2c. wegwerfen. 7. Du darfst nicht die aufgestellten Bänke in den Anlagen durch EinSchneiden von Buchstaben und Namen, durch Beschrei ben und Beschmieren beschädigen. 8. Du darfst die Quellen in den Anlagen nicht verstopfen oder auf anPlätze mit den sprudelnden Quellen kostet sehr viel Geld. dere Weise beschädigen; denn das Herrichten dieser 9. Du darfst die Singvögel nicht fangen und sie nicht beim Nisten und Brüten stören. 10. Du darfst auch anAbrin verfütterte, und die Tiere durch langsame Steidere nützliche Tiere, wie Eidechsen, Blindschleichen, Maulgerung der Menge auf einen hohen Grad der Immu- würfe 2c. nicht töten oder quälen; denn diese Tiere vernität gebracht habe. Ich habe nun Männchen von hoher Immunität mit normalen Weibchen gepaart, und umgekehrt hochimmune Weibchen mit normalen Männchen. Während nun die Nachkommenschaft der ersteren Gruppe feine Immunität aufwies, woraus erhellte, daß die Keimstoffe des Vaters eine Immunität zu übertragen nicht imstande sind, konnte an den Jungen der immuniesierten Mütter Jmmunität nachgewiesen werden. Diese Jmmunität hielt während der ganzen Säugungsperiode und noch einige Zeit darüber hinaus an. Wurden die von der immunen Mutter geborenen Jungen von einer normalen Mutter gesäugt, so trat keine Immunität ein, und umgekehrt konnten normale Junge durch Säugung an einer immunen Mutter sich eine Immunität ersäugen. Durch diese Versuche war konstatiert, daß weder die väterliche noch die mütterliche Keimzelle eine erheb= liche Uebertragung der Immunität bewirkt, sondern, daß die Milch der immunisierten Mutter die Schutzstoffe auf die Nachkommenschaft überträgt. Ich habe vor langen Jahren die Lösung der Frage in Angriff genommen, dadurch, daß ich an Mäuse Giftstoffe, die aus dem Rizinussamen und der Jequiritybohne gewonnen waren, das sogenannte Ricin und Diese im Tierexperiment gewonnenen Erfahrungen müssen auch für die menschliche Praxis von großer Bedeutung sein. Ich wies schon in meiner Arbeit darauf hin und betonte, daß die stillende Mutter ihrem Kinde zweifellos eine wenn auch nicht exakt nachweisbare Menge von Schutzstoffen mit auf den Weg gibt; denn anders können wir uns die Tatsache nicht erklären, daß die Brustsäuglinge von gewissen Krankheiten während der Säugungsperiode verschont bleiben. Neuerdings hat die Uebertragung von Schutz- und Heilstoffen durch die Muttermilch bei der Behandlung syphilitisch geborener Kinder eine besondere Bedeutung gewonnen. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß die Milch von mit Salvarsan behandelten Müttern, vorausgesetzt, daß diese selbst Zeichen der Erkrankung darboten, einen heilsamen Einfluß auf die Krankheit des Kindes ausübt. Die Frage ist jedoch noch im Fluß und muß noch näher studiert werden. Jedenfalls dürfen wir annehmen, daß die Natur, die ja mit so großen Finessen arbeitet, wenn dies Wort hier erlaubt ist, der Muttermilch Eigenschaften verleiht, die schützend auf den kindlichen Organismus wirken und die es der Mutter zur Pflicht machen, ihr Kind, soweit auch nur irgend angängig, selbst zu stillen. Wir entnehmen diesen interessanten Aufsatz der Frankfurter Sondernummer der Zeitschrift„ Unser Weg", Blätter für Gesundheit von Mutter und Kind. Verlag Elsner& Dr. Salomon, Berlin S. 42. tilgen viele schädliche Insekten. ** Jüdische Feiertage und die Armee. Der höchste jüdische Feiertag, das Versöhnungsfest, dauert in diesem Jahre von Sonnenuntergang des 1. bis zum Sonnenuntergang des 2. Oktober. Aus diesem Grunde hat die Militärbehörde angeordnet, daß etwaigen Wünschen jüdischer Einjährig- Freiwilliger, erst am 3. Oktober eingestellt zu werden, zu entsprechen sei. Es wird aber besonders darauf hingewiesen, daß die aktive Dienstzeit vom Tage des Diensteintritts rechnet und der Entlassungstag sich dementsprechend hinausschiebt. *„ Eigene" Sachen beim Militär. Der kommandierende General des 18. Armeekorps hat an die ihm untergebenen Stellen einen Erlaß gerichtet, in dem es heißt:„ Ich habe Veranlassung, auf die Mißstände hinzuweisen, die das Tragen eigener Sachen seitens der Mannschaften im Gefolge hat. Wohlhabende Eltern wird es nicht bedrücken, wenn sie ihre Söhne mit Extrauniform je nach Wunsch ausstatten. Arme solide Jungens müssen sich bescheiden, wenn ihre reichen Kameraden Sonntags Staat machen. Unsolide Elemente wollen es diesen dann gleichtun und stürzen sich in Ausgaben, deren Deckung die Eltern empfindlich schädigt. Eine Einschränkung des Tragens eigener Sachen erscheint mir daher sehr erwünscht, auch im kameradschaftlichen Interesse. Die für den Sonntag ausgegebene Bekleidung darf dann freilich nicht so unansehnlich sein, daß ein Mann, der auf sein Aeußeres hält und das gehört zum Soldaten ungern auf die Straße geht und dann auf den Ausweg verfällt, sich eigene Sachen zu kaufen." * Trübe Zeiten für Militäran wär ter. Der„ Reichszollbeamte" bringt in seiner letzten Nummer eine Notiz, nach der wirklich trübe Zeiten für Militäranwärter herrschen. Die drei größten deutschen Verwaltungen, Staatsbahn, Post und Zoll, nach denen sich bisher alljährlich der Hauptstrom der Militäran= wärter richtete, haben ihre Pforten zeitweise geschlossen oder sind im Begriff, dies zu tun. Die mittlere Laufbahn bei der preußischen Staatsbahn ist bereits längerer Zeit gesperrt; nur auf dem Wege über Unterbeamtenstellen, wie Schaffner 2c. ist dort ein Einrücken in mittlere Stellen möglich. Bei der Reichspost steht die zeitweise Sperrung unmittelbar bevor und auch bei der 3ollverwaltung soll eine zeitweise Sperrung der Anmeldelisten wegen allzu großen Andrangs zu erwarten sein. - seit ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. Stellen: Die die 44 mm breite Inseratenzeile. gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg. 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg.- Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Berbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. Feriensonderzüge von Frankfurt a. M. nach Hamburg und Bremen werden im Monat Juli zwei gefahren und zwar 7. Juli nachmittags 9 Uhr ab Hauptbahnhof Frankfurt und 9. Juli nachmittags 9.09 Uhr ab Bockenheim. Ausgabestationen für Fahrkarten sind Frankfurt, Bockenheim und Gießen. * schen Schrifttums hat wegen des hohen erzieherischen Eine Bücher stiftung. Ein Freund deutWertes, den das Lebenswerk des durch seine„ Nibelunge" bekannten Dichters Wilhelm Jordan darstellt, 4000 Stück der jüngst erschienenen ersten vollständigen Biographie Jordans von Maurice Reinhold v. Stern gestiftet. Die Exemplare sollen Schul-, Vereins- und öffentlichen Lesehallen und Büchereien jeder Art zur Verfügung gestellt werden. Gesuche um Ueberlassung von Exemplaren sind an die Verlagsbuchhandlung von Moritz Diesterweg in Frankfurt a. M., Hochstraße 29, zu richten. * Vorsicht beim Einernten von Baum= früchten. Beim Einernten von Baumfrüchten in der Nähe oberirdischer Telegraphen- und Fernsprechanlagen wird häufig nicht mit der erforderlichen Vorsicht verfahren; dies hat zur Folge, daß Berührungen und Verschlingungen der Leitungsdrähte hervorgerufen werden. Dadurch wird der Telegraphen- und Fernsprechbetrieb gestört. Im Hinblick auf die bevorstehende Kirschenernte wird deshalb darauf hingewiesen, daß nach§ 318 des Str.-G.-B. derjenige, welcher fahrlässigerweise den Bephenanlage hindert oder gefährdet, mit Gefängnis bis trieb einer zu öffentlichen Zwecken dienenden Telegrazu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 900 Mark bestraft wird. * Notzuchtsversuch. Am Freitag morgen gegen 7 Uhr versuchte der Bergmann R. aus Garbenteich ein im Walde beim Forstgarten arbeitendes Mädchen aus Wagenborn zu vergewaltigen. Durch das Schreien des Mädchens wurden Leute aufmerksam, worauf sich der Bursche entfernte. Er wurde von der Gendarmerie ermittelt und der Staatsanwaltschaft zugeführt. ** Schotten, 29. Mai. Medizinalrat Dr. Krüger wurde am Samstag vom Großherzog in Audienz empfangen. =)(= Wölfersheim, 27. Mai. Dem Landwirt H. gingen gestern am Bahnübergang die Pferde durch. Sie rasten durch das Dorf und rannten einen Kinderwagen an, worin sich ein ½ jähriges Kind befand. Das in dem Wagen liegende Kind war sofort tot, während das 4jährige Schwesterchen, welches neben dem Wagen stand, schwere Verletzungen erlitt, denen es wahrscheinlich erliegen wird. Der Fuhrmann selbst kam unter den Wagen und erlitt einen Arm- und Beinbruch. * Darmstadt, 28. Mai. Prinzessin Heinrich von Preußen ist Samstag vormittag 10 Uhr zum Besuche am großherzoglichen Hofe im Jagdschlosse Wolfsgarten eingetroffen. * Darmstadt, 29. Mai. Morgen Vormittag wird der vierte Ausschuß der Zweiten Kammer tagen. Nachmittags tritt der fünfte( Sonder)-Ausschuß für die Beratung der Verwaltungsgesetze zusammen. Zu derselben Zeit wird auch der Gesetzgebungsausschuß einige Gegenstände erledigen. Der Finanzausschuß hat für kommenden Freitag vormittag eine Sigung vorgesehen. Frankfurt, 28. Mai. Der Magistrat hat sich grundsätzlich mit der Ueberlassung eines öffentlichen Plazzes für ein Heine- Monument einverstanden erklärt. Das Komitee betrachtet damit das Denkmal als gesichert. Die Sammlungen haben bisher die Höhe von 20 000 Mark erreicht; größere Spenden, auch vom Auslande, London, Paris und anderen Orten, sind eingeflossen. Frankfurt a. M., 29. Mai. Ein flinker „ Krüppel" ist der 33jährige Arbeiter Schumann. Er bettelte auf der Kaiserstraße, und es sah so aus, als habe er nur einen Arm und keine Füße. Schumann hatte sich so geschickt hingesetzt, daß man die Beine nicht wahrnehmen konnte. Als aber ein Schuhmann fam, erhob er sich flink und wollte davoneilen, was ihm aber nicht gelang. Auf dem Revier fand sich dann auch der zweite Arm wieder. -g Frankenberg, 27. Mai. Das 3jährige Söhnchen des Schlossermeisters Stuppart in Bestwig trank heißen Kaffee aus der Röhre der Kanne, brühte sich und starb. Der verzweifelte Vater beging Selbstmord. ver= Von Georg Busse- Palma. Der alte Landsknecht. Armenhaus. All die Jahre schon ist es ihm sauer gewesen, hier sein Ein Tag in Athen. Bon Paul Elsner. halt in Athen, der Metropole Griechenlands, die, Trümmerhaufen phne Leben, wie ein 3um Programm einer mittelmeerfahrt gehört ein alufent Deutscher Reichstag. Die elsaß- lothringische Verfassung angenommen. Die elsaß- Iothringische Verfassungsre form ist in der gestrigen Freitagssigung nach kurzer De batte in dritter Lesung angenommen worden. Anfangs wußte man nicht, ob die Vorlage glatt durchgehen werde oder ob nicht noch in letzter Stunde unerwartete Schwierigkeiten erstehen. Der Reichskanzler war zur Stelle, um nötigenfalls einzugreifen, aber er fand keinen Anlaß dazu. Die Generaldebatte nahm einen ruhigen Verlauf und beseitigte jeden Zweifel über das Zustandekommen des Verfassungs- und des damit zusammenhängenden Wahlgesetzes. Ueber den Verlauf der Sizung ist folgendes zu berichten: Zunächst wurde die Vorlage betreffend die Gewährung von Diäten an die Reichstagsmitglieder für die Herbstsession ohne wesentliche Debatte erledigt und darauf die Novelle zum Zünd warensteuergesetz, die die Geltungsdauer der bisherigen Bestimmungen über die Kontingentierung von 5 auf 10 Jahre verlängert. Darauf folgte in Anwesenheit des Reichskanzlers, des Staatssekretärs für Elsaß- Lothringen Zorn v. Bulach und einer großen Zahl von Regierungsvertretern die dritte Lesung der elsaß- lothringischen Verfassungsgesetze. Sie verItef im ganzen sehr sachlich. In der Generaldiskussion rechtfertigte zunächst der Abg. Windler( konf.) nochmals eingehend die ablehnende Haltung der Konservativen. E8 folgten hierauf zustimmende Reden der Abgg. Dr. Zehnter ( 3.), Dr. Frank- Mannheim( Soz.), Dr. Müller- Meiningen ( fortschr. Vp.) und Beck- Heidelberg. Von der Reichspartei sprach zunächst der Abg. Schulz im Namen derjenigen Mitglieder, die der Vorlage ihre Zustimmung hauptsächlich aus Rücksicht auf die Gewährung der Bundesratsstimmen versagen. Auch das Wahlrecht errege Bedenken. Redner verwies auf die Folgen, die die Aufhebung des Diktaturparagraphen entgegen den auf sie gesetzten Erwartungen ge= bracht habe. Er befürchtete, der Landesausschuß und die Vorgänge in ihm würden nur ein Kinderspiel setn gegen das, was im späteren Parlament sich ereignen werde. Im deutschen Osten sei die Haltung der Regierung in der elsaß< lothringischen Frage ein Barometer für ihre Haltung in allen übrigen politischen und nationalen Fragen. Nach dem Grafen Miclzynski, der die Gründe für die ablehnende Haltung der Polen nochmals zusammenfaßte, sprach Abg. Dr. Höffel für die größere Mehrheit der Reichspartei. Er begrüßte den Fortschritt, der durch die Vorlage endlich gemacht werde, und erklärte die schweren Bedenken gegen die Gewährung der Bundesratsstimmen und gegen das Wahlgesetz für hinfällig. Er sei fest davon überzeugt, daß die Berfassungsreform: wirtschaftlich und politisch zu einer engeren Verschmelzung Elsaß- Lothringens mit dem Reich führen werde. Bald werde eine größere Rufriedenheit im Reichsland festgestellt werden können. Es kamen noch elsaß- lothringische Abgeordnete zum Wort, deren Stellung bekannt ist: Abg. Dr Ricklin, die Abgg. Preiß, Gregoire und Vonderscheer, letzterer im Sinne der Zentrumsmehrheit. In der Gesamtabstimmung wurden sodann die beiden Vorlagen, das Verfassungsgesetz und das Wahlgesetz, mit 211 gegen 93 Stimmen endgültig angenommen, 7 Mitglie= der enthielten sich der Abstimmung. Hierauf folgte die dritte Lesung der Reichsversiche rngsordnung. In der Generaldebatte sprachen zu= nächst die Abgg. Trimborn( 3.) und Schickert( kons.), indem ste ein Bild der mit der Reichsversicherungsordnung erziel ten Vorteile entwarfen. Kurz vor 6 Uhr vertagte sich dos Haus auf Sonnabend. Rundschau vom Cage. Politisches. Zu Bundesratsbevollmächtigten sind dem Reichsanzeiger zufolge der Präsident des Reichsmilitärgerichts General Graf von Kirchbach und der braunschweigische Staatsministe Hartwieg ernannt worden. Die Budgetfommission des Abgeordnetenhauses beriet über den Antrag der Abgg. Lüders und Spinzig( freikonJervativ), betr. Förderung der Ziegenzucht. Die Kommisston nahm den Antrag dahin an, daß die Regierung erwägen möge, weitere Mittel für die Förderung der Ziegenzucht bereitzustellen. Der Antrag Lieber und Gen. betref= fend Revision des Gebührentarifs für die Katasterämter wurde gleichfalls angenommen. Die Handelsvertragskommission des Reichstags hat dem Gesezentwurf betr. die Erneuerung des Handelsvertrags mit Japan zugestimmt. Die Kommission für den schwedischen Handelsvertrag hat dem Vertrag mit 11 gegen 5 Stimmen zugestimmt. Dagegen waren 3 Zentrumsabgeordnete, 1 Nationalliberaler und 1 Vertreter der Wirtschaftlichen Vereinigung Der Entwurf einer neuen Eisenbahnzollordnung, der zurzeit dem Bundesrat zur Aeußerung vorliegt, ist im Reichsschazamt ausgearbeitet worden. panzerschiffe, 17 große Kreuzer, 39 fleine Kreuzer, 7 Kanonenboote, 3 Flußkanonenboote, 10 Schulschiffe, 12 Spe= zialschiffe und 2 Hafenschiffe. Die Torpedobote sind natürlich in der Liste nicht enthalten. Von den 128 Kriegsschiffen gehören 70 zur Marinestation der Ostsee und 58 zur Marinestation der Nordsee. Der Werft in Wilhelmshaven sind 53, der Werft in Kiel 48 und der Werft in Danzig 27 Schiffe zugeteilt. 128 Kriegsschiffe führt die neue amtliche Schiffsliste der Marine auf. Darunter sind 30 Linienschiffe, 8 Küsten16 3wei Kirschen an einem Stengel. Roman von A. von Liliencron. ( Nachdruck verboten.) Eine neue deutsche Kolonialbahn. Am 25. Mai wurde die Manengubabahn in Kamerun ihrer Bestimmung übergeben. Die neue 160 Kilometer lange Eisenbahnlinie nimmt ihren Anfang am rechten Ufer des Kamerunflusses und ist besonders darum beachtenswert, weil sie ein recht schwieriges Gelände durchquert. In der Nähe der Küste führt der neue Bahndamm durch ausgedehnte Sümpfe; weiter im Innern des Landes werden dichte Urwälder durchquert. Die Spurweite der Bahn beträgt 1 Meter. Der Bau wurde im Jahre 1906 der Kamerun- EisenbahnGesellschaft bewilligt, der eine Konzession von 90 Jahren zugestanden wurde. Das Deutsche Reich leistet der Gesellschaft eine laufende Garantie. Der deutsche Staat ist an der Bahn mit einem prozentualen Gewinn beteiligt, und hat ferner das Recht, in späteren Jahren die Gesamtanlage anzukaufen. Kathi nichte.„ Ich glaub selbsten, daß ich mich ganz närrisch hab, aberst es fam halt so über mich!" Die Mutter sah sie mit unverhohlenem Erstaunen an. ,, Und so fein bist, so städtisch!" Da redten bei dem Mädel schon wieder die Eitelkeitsteufel ganz vorsichtig die Köpfe. Sie griff den Muff auf, drehte sich nach rechts und dann wieder nach links und fragte:„ Gefall ich Dir so?" Eine offiziöse zurechtweisung. Die„ Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: In der Mittwochsitzung des preußischen Abgeordnetenhauses sind von einem sozialdemokratischen Abgeordneten( gemeint ist Liebknecht) schwere verlegende Ausfälle gegen ein Mitglied einer auswärtigen Botschaft gemacht worden Der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses ist diesem Mißbrauch der Tribüne entgegengetreten, indem er dem betreffenden Abgeordneten einen Ordnungsruf erteilt hat. Es widerspricht den internationalen Gepflogenheiten, auswärtige Diplomaten überhaupt in die Debatte zu ziehen. Im vorliegenden Falle handelt es sich um einen sehr schweren und besonders bedauerlichen Bruch des internationalen Herkommens. Die Bemerkung würde daher regierungsseitig mit derselben Schärfe, mit der es hier geschieht, sofort zurückgewiesen worden sein, wenn ein Vertreter der Regierung im Hause anwesend gewesen wäre. Frau Amrum antwortete nicht gleich, dann sagte ste: Ganz reputierlich siehst aus, aberst wann ich Dich so anchauen tu, stiehst gar nit aus wie meine Tochter. In Dein Bauernkleid gefallst mir viel besser." Das war eine Antwort, die dem Mädchen nicht gefiel. Wannst mal nach Berlin fummst, dann wirst anders spre= che," belehrte sie ihre Mutter." In der Stadt, da lernt man erst, wie man sich nobel behabe muß, und was noble Kledage ist." Auf die Freude der Mutter senkte sich ein Schatten. Ich mein, daheim in uns' Dorf weiß man of, was sich schide tut, und daß man sin Kledage sauber und akkurat halte muß." Auch für Kathi hatte das Gespräch eine Wendung ge= nommen, die ihrer Freude einen Dämpfer auffezte. ,, Kann chon fin, Mutterle, aber allweil gehts in die Stadt doch anders zu als hier, und man muß halt mitmache." Der neue französische Kriegsminister. General Goiran, Kommandeur des 6. Armeekorps, hat das ihm vom Ministerpräsidenten angebotene Portefeuille des Krieges angenommen. Der russisch- türkische Konflikt. Nach Informationen der Pforte hat sich Rußland auch an andere Großmächte mit dem Ersuchen um Beteiligung an dem Schritt bei der Pforte gewandt. Sämtliche Mächte hätten sich indes ab= lehnend verhalten. Einige hätten den Schritt für unangemessen, erklärt, da die Türkei ein unabhängiger Staat sei und im übrigen aus der bisherigen Haltung der Pforte nichts festzustellen sei, was den Schritt rechtfertigen könne. Schließlich hätten die Mächte erklärt, Montenegro müsse strengste zurückhaltung und Neutralität beobachten. Wie die ,, Neue Freie Presse" aus Uesküb meldet, hat bei Rafoviga ein zusammenstoß zwischen einem türkischen Bataillon und Malissoren stattgefunden, die mit bedeutenden Verlusten zurückgeworfen wurden. Der Verlust des türkischen Bataillons betrug 30 Tote und 15 Verwundete. Der Großwesir wird nach den neuesten Meldungen bei einer Reise nach Europa Wien, Berlin und London besuchen. „ Kind, Kind, das gefallt mir nit, wie Du sprichst! Bist viel länger weg bitewe, als zuerst wullst! Bist denn gar so gern da west?" Es lag eine gewisse Unruhe in Ser Frage der Mutter. Vor Kathis Augen trat ihr hübsches Stübchen von Friedenau, und da wollte ihr mit einmal die altgewohnte Stube in Hennigbach so entseglich niedrig und dürftig erScheinen. Vor thren Ohren schwirrten die lobenden Worte Nach Diaz Abdantung. De la Barra hat den Eid auf die Verfassung geleistet Er wird die Präsidentschaft bis zu den nächsten allgemeinen Wahlen führen. Der Expräsident wird sich im Juni auf einem deutschen Schiff nach Europa begeben. Kleine Nachrichten. Aus Anlaß der gestrigen Grundsteinlegung zum Schöneberger Rathaus wurde der neue erste Bürgermeister Dominicus zum Oberbürgermeister ernannt. Streit der Berliner Bäcker. In einer von mehreren tausend Bäckergesellen besuchten Versammlung wurde gestern einstimmig beschlossen, in allen Bäckereien, welche die Forderungen der Gesellen bisher nicht bewilligt haben, die Arbeit sofort einzustellen. Es wurde mitgeteilt, daß 1122 Kleinmetster und mehrere Großbäckereien, die insgesamt 700 Gesellen beschäftigen, die Forderungen bewilligt haben. Ein Theatersfandal in Braunschweig. Bei der Abschiedsvorstellung, die gestern im Braunschweiger Hoftheater zu Ehren Fräulein Roeders veranstaltet wurde, wurden von einer Dame im Parkett fortwährend schrille Pfiffe abgegeben, so daß der Intendant dte Vorstellung abbrechen lassen mußte. Nachdem die Dame aufgefordert war, das Theater zu verlassen, konnte die Vorstellung weitergehen. Im Publikum herrschte große Bewegung. Streif in einer sozialistischen Gründung. Wie der Draht aus Brüssel meldet, streiken in der sozialistischen Weberet„ Vooruit in Gent 200 Weber, die bessere Be handlung und andere Arbeitszeit verlangen. Verunglückte Fliegerin. Bei dem Flugmeeting von Gaillac sur Tarn stürzte die Fliegerin Madame Ntel nach einem wohlgelungenen Fluge über die Bahn. Der Appa rat tippte beim Landen über und zerbrach, wobei die Fliegerin etwa acht Meter weit geschleudert wurde. Sie erlitt erhebliche Verlegungen, besonders an der Stirn, und mußte nach dem Spital geschafft werden. Vom elektrischen Strom getötet. In der Zentrale der Wiener städtischen Elektrizitätswerke wurde der 40jährtge Schlossergehilfe Konecnik infolge eigener Unvorsichtigkeit durch einen elektrischen Strom von 5000 Volt getötet. und schmeichelnden Redensarten, mit denen sie die Verwandten und Gäste des Hauses futterten, und da geschah es, daß ihr der Mutter Worte und Fragen gar nicht paßten. Sie war anderes in den letzten Wochen gewohnt gewesen, und hastig antwortete ste:„ Ganz erschrecklich gern bin ich da gewest, und so gut hats mir gefalle, daß ich noch a Weile dableibe will." Durd rige Arbe Berlin. & Co. die nen; burd Maffe her trafen. M Areistrant qualvollen verheiratet Unter Shenmenge fahrt rund den Radfa auf eine in Stürzte pla eine große tot hervorg nach dem nen schwere wundungen Ein tr Tödlicher Unfall im Bergwerksschacht. Im Petersenschacht bei Sondershausen wurde der Arbeiter Laue, der in den Schacht hinab sah, von einem niedergehenden Förs derkorbe abgerissen. In der Jauchegrube ertrunken. In Schkeitbar bet Lüzen war der Gutsauszügler Karl Friedrich Merenz mit Jaucheschöpfen beschäftigt. Er glitt dabei aus und stürzte in die Jauchegrube; bald darauf wurde er tot aufgefunden. Ein Tanzvergnügen mit blutigem Ausgang. Bei einer ländlichen Festlichkeit in Felfö- Szucs in Ungarn forderte die Gendarmerie die Leute auf, ihr Tanzfest nicht auf der Straße, sondern auf dem Hofe des Wirtshauses abzuhalten. Ein Unteroffizier, der sich dem widersetzte, wurde festgenommen. Darauf bewarf die Menge die Gendarmerie mit Steinen und verletzte einen Gendarmen schwer. Infolgedessen gaben die Gendarmen Feuer. 3wet Personen wurden getötet, ein Mädchen leicht verletzt. ,, Bis Du das Dörfle und Dein Mutterle vergesse tust," murmelte Frau Amrum. Nun war aber auch bei Kathi wieder die weiche Seite ihres leicht beweglichen Herzens berührt. Das glaubst ja selbst nit, daß ich Dich vergesse funnt und das Dorfel, unser liebes Häusel und..." Sie hatte Hans sagen wollen, stockte aber, und statt aller wetteren Worte füßte ste ihr Mutterchen herzhaft. Dann meinte sie vergnügt:„ Nu wüll ich mal rasch in min Kammer' nauf hüpfe und den feine Staat runterziehe. Wannst ich mein Alltagskleid anhab, dann helf' tch Dir schuften und sullst sehe, da wirds wieder federn wie sunsten." Und als sie von oben wieder herunterkam, da wars ganz die Kathi von ehedem, die ihrem Mütterlein die Arbeit abnahm, und der es so flink von der Hand ging, daß es eine Lust war, ihr zuzuschauen. Aus den Gerichtssälen. Die Affäre des Einjährigen Feith vor dem Kriegsge richt. Das Cölner Kriegsgericht befaßte sich gestern mit der bekannten Affäre, die sich am 26. Junt 1909 in Bonn abspielte, wobei der Einjährigenunteroffizier Feith von einer Anzahl Borussen und Husareneinjähriger in seiner Woh nung überfallen und die Möbel zertrümmert wurden. Angeklagt waren Leutnant Frhr. v. Kapp- Herr, Leutnant Frhr. Wild v. Hohenborn, Unteroffizier der Reserve von Plessen weget gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs. Ersterer war vom Erscheinen entbunden, gegen letzteren, der wegen Krankheit nicht erschienen war, wird später verhan delt. Nach 6½ stündiger Verhandlung wurde der erste Angeflagte freigesprochen, da nicht erwiesen war, daß er die Wohnung betreten hat, während der Angeklagte Frhr. von Plessen zu 8 Tagen Gefängnis verurteilt wurde. Behaglich saßen die beiden dann beim Abendbrot. Die Kathi hatte so viel zu erzählen, das Mäulchen stand ihr nicht einen Augenblid still, sie ließ sich kaum Zeit zum Essen. Frau Amrum hörte ihr staunend zu, manchmal erfreut, manchmal mit leisem Kopfschütteln. Weißt, so recht fenn ich mich gar nit aus in alle dem bunten Krimskrams, den Du da schwäge tätst," ge= stand sie endlich,„ es raspelt mir ordentlich im Kopfe herum." Ein Zahnarzt wegen Kuppelei verurteilt. Von der Nürnberger Straffammer wurde ein Zahnarzt wegen Kuppelet zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. In die Angelegenheit waren 24 Herren und 22 Damen der besseren Gesellschaftskreise verwickelt. " Wills schon meine," gab die Kathi zu,„' s ist mir alleweil auch so gange die erste Zeit, aberst nu bin ich gescheit worde." Leb haft fuhr ste fort, fannst Dich befinne, Mutterle, wannst ich noch in die Schule ging, da haft mal vom Jahrmarkte für mich solch furioses Ding mitbracht. folch' ne lange, runde Klöterbür. Wenn man Aus dem Reiche der Technit. Die größte Brücke der Welt. Die kanadische Regierung hat die Pläne für den Bau der neuen Brücke über den St. Lorenzstrom genehmigt. Diese wird die größte Brücke der Welt sein und die berühmte schottische Brücke noch um 90 Fuß übertreffen. Die Bauzeit ist auf 4 Jahre berechnet. Die neue Brücke wird 3228 Fuß long sein bei einer Breite von 88 Fuk. Sie wird sich 150 Fuß über dem Wasserspiegel erheben. Das Gewicht der Riesenbrücke wird 100 000 Tonnen betragen, wobei das Mauerwerk nicht mit einbegriffen ist. Die Kosten belaufen sich auf rund 50 Millionen Mark. Jm 3eichen der Luftschiffahrt. Eine Sammelstelle für Luftschifferlandkarten. Eint ungemein nußbringende Einrichtung wurde vor einigen Tagen wie de„ Tägl. Korr." von gutunterrichteter Seite erfährt, in der Königlichen Bibliothek zu Berlin geschaffen, In der Kartensammlung der Bibliothek ist eine Sammel. stelle für Photographien errichtet worden, in der alle Aufnahmen, die von Ballons oder Flugapparaten aus gemacht worden, zusammengetragen werden. Es wird beabsichtigt, alle von Flugfahrzeugen aus gemachten photographischen Aufnahmen zu sammeln, um sie dann auf ihren Wert hin gegeneinander prüfen zu können. In den Kreisen der Flugzeugführer wird die Einrichtung dieser speziellen Sam. melstelle in einem Staatsinstitut lebhaft begrüßt. Die zu sammengetragenen Photographten bleiben so auch der Nach welt erhalten. Vermischtes. Der Mutter in den Tod gefolgt. Ein erschütternder Vorgang spielte sich gestern in einem Haufe der Admiral straße in Berlin ab. Dort wohnt das etwa 50 Jahre alte Fräulein Schäfer, dessen Mutter vor einigen Wochen gestorben ist. Seit dieser Zeit war Fräulen Schäfer schwermütig, und ihre Gemütsverfassung verschlimmerte sich derart, daß man sie schon in eine Anstalt bringen wollte. Gestern verriegelte sie die Tür zu ihrer Wohnung und stürzte sich vom dritten Stock aus auf die Straße. Sie erIttt so schwere Verletzungen, daß sie nach kurzer Zeit starb neingude tät, dann is da solch feines Bild gewest von lauter bunte Steinche. Und wenn man das Ding schütteln tät, dann wars weg, und glir fummt ein andres, das war ebenso bunt und ebenso schin. Man bloß zu schütteln brukt man, und ins selbe Moment is was Neues dagewest, ins bunter und schiner als das andere. Die olle Klöterbür funnt ich gar nit aus der Hand gebe, immer wieder mußt ich rinkiefen, weilst ich meine helle Früd dran haben tät. Afturat so gehts mir nu in Berlin, das fümmt mir auch für, wie dazumalen min Klöterbür mit die vielen bunte Steinche." Frau Amrum kehrte gedankenvoll mit der Hand die Brotfrumen vom Tische zusammen.„ Die olle Klöterbür brach in Scherben, und dann war der Spaß vorbi!" Ste schwieg, und auch Kathi verstummte. Nach einer kurzen Pause aber fragte die Mutter: „ Hast aber auch nit über all dem Niesen und Schinen in der Stadt vergesse, abends ins liebe Bibelbuch zu Tese?" Das Mädchen gab nicht gleich Antwort, dann sagte ste:„ Ich hab schon lest, nur allmal nit, wenn ich zu müd war!" Daß sie die letzten Wochen fast jeden Abend zu müde oder zu zerstreut gewesen war, fiel ihr dabei ein, tarum sah sie auch die Mutter nicht an, sondern machte sich z schaffen mit dem Abräumen des Tisches. Nachher saßen Mutter und Tochter auf der Ofer bank. Erstere hatte die Brille auf und las halblaut voll großer Umständlichkeit den Brief der Schwester mit dem Vorschlag, ihr Kathi auf ein Jahr hinzugeben. Alle von der Tante ins Treffen geführten Beweisgründe für die Nützlichkeit dieses Planes unterstützte das Mädchen in warmer Lebendigkeit, immer mit dem brennenden Verlangen, die Zustimmung der Mutter zu erreichen. ( Fortsetzung folgt.) wie erinne von einem überfahren des Lokom tiefe Gam feine Schu fallen, daß den Tod e Bug der G Gin S breiten De allgemeine gehört an Sungsblatt" ten besitzt, ringen Bre für die Ber An Stele nen Bundes derterritoriu erscheinen, u alle zur Jagi gen aufzune Fall, daß es Geldschrankf ringen eines Dugend Klei lizeipräsidium Bundesstaater der von ihne verteilen, ist von mehr als lich an eine und Auslande plaren auch Staaten gelang herausgegeben in Kunstdruckp die Reprodukt fährlichen Ver Begelagerer a am Schluß des der bis dahin Veröffentlichun gang des Fah Studiert sein wi album für die Ein deutsch Rorr." von zur Absicht, auf Ja frankte Beamte finden können. ren ist, so muß Der Aufenthalt besitzungen ist genen Beamten fen und dann Biederhersteliur zukehren. Dur auf Java würd fpielige Urlaub werden. Die G den Sanatorium den, ohne die intereffierten J Berwirklichung nach einem tüd schau gehalten. Ein nobler ron Erlanger, den Mitwirken Form verschiede erhielt die Vert dem Studium gewidmet hatte Smudgegensta Die übrigen M dene Uhren un Baron Erlange Nationaltheater und dem Pensi Je 1000 Stronen mit der Begrün erfüllung feine Komponist die Juwendete. Ein Radita Oppeln geschrie die Zigeunerpl besonders durch Dörfern oft red der Landrat de nem Gewaltmit Annäherung de Dann gemeinsch Die wenigen G wejen fait ma großen Entfern nicht gerechnet heimgesuchten S Ueber ein Tägi. Korr James Doty w auch dem edlen fr bie Jagd lein neues Ger Abergegangen. C Shetdungsproz grundung, daß Stinttieren ric bung vor und Heber Mi aus Kopenhage die beffere Be ugmeeting von Same Niel na hn. Der Appa mobet die flie rde. Sie erlitt Hirn, und mußte er Bentrale der eder 40jährige Unvorsichtigtet Bolt getötet. Im Petersen eiter Laue, der rgehenden For Schfeitbar bel ich Merenz mit us und stürzte ot aufgefunden. ang. Bei einer Ingarn forderte st nicht auf der fes abzuhalten. wurde festge endarmerie mit wer. Infolge Personen wur 1. dem Kriegsge gestern mit der 9 in Bonn ab Feith von einer En seiner Woh wurden. An Serr, Leutnant r Reserve von ensbruchs. Er n letzteren, der später verhan e der erste Anar, daß er die agte Frhr. von urde. It. Von der hnarzt wegen irteilt. In die en der besseren chnit. ische Regierung über den St. ßte Brücke der de noch um 90 Yahre berechnet. Sei einer Breite m Wasserspiegel rd 100 000 Tons nit einbegriffen Millionen Mark. fahrt. dfarten. Eint Se vor einigen rrichteter Seite erlin geschaffen, eine Sammel nder alle Auf en aus gemacht ird beabsichtigt, photographischen ihren Wert hin en Kreisen der speziellen Sam grüßt. Die zu auch der Nach nerschütternder eder Admiral 50 Jahre alte en Wochen ge Schäfer schwer nmerte sich der ringen wollte. Wohnung und Straße. 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Unter Mauertrümmern begraben. Eine große Men[ chenmenge hatte sich gestern in Mailand am Ziel der Radfahrt rund um Italien angesammelt, um die eintreffenden Radfahrer zu begrüßen. Fünfzehn Personen waren auf eine in der Nähe befindliche Mauer gestiegen; diese stürzte plötzlich ein und begrub unter thren Trümme eine große Anzahl Menschen. Ein 15jähriger Knabe wurde tot hervorgezogen, zwei andere Personen wurden sterbend nach dem Hospital gebracht, außerdem erlitten 20 Personen schwere Verlegungen, während 50 mit leichteren Verwundungen davonkamen. Ein tragisches Schidjal. Vor einigen Monaten wurde, wie erinnerlich, Geheimrat Professor Wilmanns in Bonn von einem Zuge der Dampfstraßenbahn von Godesberg überfahren und getötet. Seit dieser Zeit zeigte die Frau des Lokomotivführers Besgen, der den Zug geführt hatte, tiefe Schwermut, obwohl festgestellt ist, daß ihr Mann feine Schuld hatte. Die Frau war von dem Wahn befallen, daß entweder sie oder ihr Mann auf gleiche Weise den Tod erleiden würden. Gestern warf sie sich vor einen Zug der Staatsbahn und wurde auf der Stelle getötet. Ein Schreden für die Verbrecherwelt. Zu den in der breiten Deffentlichkeit fast gänzlich unbekannten, für die allgemeine Sicherheit aber unentbehrlichen Preßerzeugnissen gehört an erster Stelle das„ Allgemeine Deutsche Fahndungsblatt", das wohl nur wenige nichtamtliche Abonnenten besitzt, obwohl es auch jedem Privaten gegen einen geringen Preis zugänglich ist, wegen seiner Aktualität aber für die Verbrecherzunft ein Gegenstand des Schreckens ist. An Stelle der einzelnen Fahndungsblätter der verschiede nen Bundesstaaten, deren Inhalt an der Grenze des Sonderterritoriums Halt machte, begann es im Jahre 1899 au erscheinen, um als einheitliches Organ für das ganze Reich alle zur Jagd auf Verbrecher angeordneten Bekanntmachun gen aufzunehmen und wirksam zu machen auch für den Fall, daß es den Hochstapler, Hoteldieb, Falschspieler oder Geldschrankknacker gelüften sollte, im länderreichen Thuringen eines Tages einen Spaziergang durch ein halbes Dußend Kleinstaaten zu unternehmen. Vom Berliner PoItzeipräsidium herausgegeben und gemeinsam von allen Bundesstaaten unterhalten, die die Kosten im Verhältnis der von ihnen zu leistenden Matrikularbeiträge unter sich verteilen, ist es bei täglichem Erscheinen in einer Auflage von mehr als 15 000 Exemplaren verbreitet, die unentgeltlich an eine lange Reihe von deutschen Behörden im Inund Auslande versendet werden, in vielen hundert Eremplaren auch an Polizeiverwaltungen von ausländischen Staaten gelangen, die sich durch Uebersendung der von ihnen herausgegebenen Fahndungsblätter revanchieren. Beilagen in Kunstdruckpapier enthalten in technisch vollendeter Form die Reproduktionen der Photographien von besonders gefährlichen Verbrechern, die ihr Gewerbe als internationale Wegelagerer auf beiden Hemisphären ausüben, und wenn am Schluß des Jahres ein Anhang erscheint, der die Liste der bis dahin noch nicht erledigten Steckbriefe und sonstigen Veröffentlichungen enthält, bleibt der abgeschlossene Jahrgang des Fahndungsblattes, das freilich auch eingehend studiert sein will, noch weiterhin ein wertvolles Verbrecheralbum für die Polizeibehörden. Ein deutsches Sanatorium auf Java. Wie dem„ Tägl. Korr." von zuverlässiger Seite geschrieben wird, besteht die Absicht, auf Java ein Sanatorium zu errichten, in das er= frankte Beamte der ungesunden Südseekolonien Aufnahme finden können. Obwohl offiziell hierüber nichts zu erfahren ist, so muß man diese Anregung doch lebhaft begrüßen. Der Aufenthalt in einer großen Anzahl unserer Südseebesitzungen ist derartig unzuträglich, daß die hinausgegan= genen Beamten nach verhältnismäßig furzer Zeit erkran= fen und dann gezwungen sind, auf mehrere Monate zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit nach Deutschland zurückzukehren. Durch den Bau eines deutschen Sanatoriums auf Java würde den Beamten die zeitraubende und kostspielige Urlaubsreise nach Europa in vielen Fällen erspart werden. Die Erkrankten können in dem leicht zu erreichenden Sanatorium in wenigen Wochen wieder hergestellt wer den, ohne die lange Reise unternehmen zu müssen. Die Interessierten Instanzen haben schon die ersten Schritte zur Verwirklichurg des Planes getan und wird gegenwärtig nach einem tüchtigen Organisator des Unternehmens Umschau gehalten. Ein nobler Komponist. Der Komponist Friedrich Baron Erlanger, dessen Oper„ Tessa" jüngst am Budapester Nationaltheater mit großem Erfolg aufgeführt wurde, hat den Mitwirkenden gegenüber seine Anerkennung in der Form verschiedener Angebinde zum Ausdruck gebracht. So erhielt die Vertreterin der Titelpartie Frau Szamossy, die dem Studium threr Aufgabe einen Teil ihres Urlaubes gewidmet hatte, ein Brillantkollier. Einen ähnlichen Schmuckgegenstand schenkte der Komponist der Frau Szofer. Die übrigen Mitwirkenden erhielten Brillantnadeln, goldene Uhren und ähnliche Wertgegenstände. Außerdem hat Baron Erlanger dem Chorpersonal, dem Arbeiterpersonal und dem Pensionsfonds des Orchesters den Betrag von fe 1000 ronen angeboten. Das Chorpersonal hat jedoch mit der Begründung, daß es für eine künstlerische Pflichterfüllung keine Geschenke annehme, abgelehnt, worauf der Komponist die Summe dem Pensionsfonds des Theaters zuwendete. Ein Radikalmittel gegen die Zigeunerplage. Wie aus Oppeln geschrieben wird, macht sich in der dortigen Gegend die Zigeunerplage wieder recht unangenehm bemerkbar; besonders durch Diebstähle werden die Landleute in den Dörfern oft recht empfindlich geschädigt. Kürzlich hat nun der Landrat des Kreises Oppeln in einer Sizung zu ei nem Gewaltmittel geraten. Er führte aus, man solle bei Annäherung der Zigeuner die Sturmglode läuten, um dann gemeinschaftlich die lästigen Besucher zu vertreiben. Die wenigen Gendarmerieposten stehen dem Zigeunerunwesen fast machtlos gegenüber; es fann oft, wegen der großen Entfernung ihrer Standorte, auf ihre Unterstügung nicht gerechnet werden, und so sind die Einwohner der heimgesuchten Ortschaften zur Selbsthilfe gezwungen. Ueber einen seltenen Scheidungsgrund wird dem Tägl. Korr." aus Buffalo geschrieben: Der 74 Jahre alte James Doty war vor einiger Zeit zu einem neuen Berufe übergegangen. Er besaßte sich mit Fallenstellen und ging auch dem edlen Weidwerk nach. Als Spezialität betrieb er die Jagd auf Stinktiere. Seiner Gattin schien aber lein neues Gewerbe nicht zu gefallen, denn sie hat einen Scheidungsprozeß gegen ihn anhängig gemacht mit der Begründung, daß er fürchterlich nach den von ihm erlegten Stinktieren rieche. Der Richter behielt sich die Entschei bung vor und riet dem Ehepaar, sich zu vertragen. Steber Mißstände im dänischen Gefängniswesen wird aus Kopenhagen geschrieben: Die Ueberfülluna der Gefäng nife und Zuchthäuser wird in Dänemark als eine immer ernstere Kalamität empfunden. Die Anzahl der Verbrechen nimmt fährlich zu; neue Strafanstalten wurden aber seit dose oder der Deder der goldenen Taschenuhr geben das Bild der Karte deutlich wieder. vielen Jahren nicht mehr gebaut. Wie unerträglich der Der Wettermacher Rodrian über schönes Pfingswetter. jetzige Zustand ist, geht daraus hervor, daß man vor furzem in einem Kopenhagener Gefängnis eine Zelle, die für drei Mann berechnet war, mit 14 Mann belegen mußte; der Plazmangel ist so groß, daß viele Verurteilte monatelang, nachdem ihr Urteil rechtskräftig geworden ist, weiter im Untersuchungsgefängnisse behalten werden müssen, weil in den Strafanstalten alles besetzt" ist. Vor einigen Tagen wurde in der Strafanstalt Bridsloese bei Kopenhagen ein Verurteilter aufgenommen, deffen Urteil auf 8 Monate lautete; der Mann war aber nach Eintritt der Rechtsfraft des Urteils so lange im Untersuchungsgefängnis geblieben, daß er in Wirklichkeit in der Strafanstalt nur noch 33 Tage zu verbüßen hatte! Eine sehr unangenehme Folge dieses Zustandes ist, daß der Unterschied zwischen Untersuchungshaft und Strafhaft unwillkürlich verwischt werden muß; die Untersuchungsgefangenen klagen bitterlich darüber, daß fie nicht anders als schon verurteilte Personen behandelt werden, und leider sind diese Klagen sehr oft berechtigt. Wie jetzt bestimmt verlautet, weiß sich die dänische Justizverwaltung nicht anders zu helfen, als durch eine in der nächsten Zukunft vorzunehmende Entlassung von etwa 100 Buchthäuslern aus dem Zuchthause zu Horsens. Es sollen etwa 100 derjenigen Insassen des Buchthauses ausgesucht werden, deren Strafzeit sowieso in nicht allzu langer Zeit vorbet sein würde und deren Führung im Zuchthause gut gewesen ist. Eine derartige Massenentlassung wird natürItch dem schlimmsten Plaßmangel etwas abhelfen und einige " Luft" auch in den Untersuchungsgefängnissen schaffen. Gleichwohl sieht man natürlich in Dänemark diesem Schritt, den die Justizverwaltung notgedrungen tun wird, mit nicht gerade angenehmen Gefühlen entgegen. Die Schnaps- Leibrente. Aus Münster wird der„ Nationalzeitung" folgendes Geschichtchen erzählt: Ein begets sterter Verehrer des Schnapses war ein vor kurzem in Delde verstorbener pensionierter Beamter. Der Mann hatte in wenigen Jahren nicht allein seine ganze Pension regelmäßig in Schnaps umgesetzt, sondern daneben auch noch 8000 Mark in Schnaps angelegt. Bessere alkoholische Ge= tränke nahm er nur bei besonderen Gelegenheiten zu sich. Schließlich war sein Vermögen auf etwas mehr als 4000 Mark zusammengeschmolzen. Aber der Alkoholfreund entsagte seinem Leibgetränk doch nicht. Allerdings machte Zu Pfingsten werden wir schönes Wetter haben, wenn wir.. ordentlich zahlen wollen; und zwar sind die Zahlungen an den bekannten Wettermacher" und Elektrotechniker Richard Rodriaa in Berlin zu richten. Herr Rodrian verspricht nämlich in einem Rundschreiben, daß er fraft seiner Befähigung, das Wetter zu beeinflussen, für die Pfingsttage schönes, warmes, vielfach bis ganz heiteres Wetter( wörtlich!), ganz ohne Regen oder nur mit Regen unter ½ Millimeter" herstellen werde, wenn er bis zum 30. Mat eine genügende Menge von Zusagen erhalten werde, für die Beeinflussung des Wetters flingenden Lohn zu be kommen. Nach Herrn Rodrian sind die Wetteraussichten für Pfingsten nach der jetzigen Wetterlage mit dem Magimum im Südwesten sehr schlecht, da bestimmt fühles, trübes und regnerisches Wetter zu erwarten ist. Herr Rodrian vermag aber nach seiner Erklärung das südwestliche Magimum oftwärts zu bringen und dadurch schönes Wetter herbeizuführen. Leider besitzt er aber nicht die Mittel, seine Wetterbeeinflussung ohne Entgelt ausüben zu können, da ihm selbst ganz beträchtliche Kosten durch Verbrauch von Kraft, durch Wetterdepeschen und Karten entstehen. Außerdem erfordert seine Wetterbeeinflussung die Tätigkeit von zwei Personen während der Zeit der Beeinflussung voll und ganz. Es müssen sich darum eine bestimmte Anzahl von Leuten verpflichten, für jeden der drei Pfingsttage eine beliebige Summe zu zahlen, wenn die Wettervorhersage Ro drians eintrifft. Ein Teil der zu zahlenden Summe muß schon bis zum 30. Mai an Herrn Rodrian geschickt werden, der Resttribut ist ein Tag nach Pfingsten, also am 7. Juni 1911, fällig. Herr Rodrian gibt aber auch bestimmte Garantien für den Fall, daß seine Wettervorhersage nicht eintrifft. In diesem Falle zahlt er nämlich die doppelte Summe des bis zum 30. Mot vorausgezahlten Betrages zurück. Jedoch gilt folgende Beschränkung: Findet innerhalb der Zeit vom 30. Mai bis 5. Juni 1911 in Europa oder an seinen Gren zen ein Erdbeben statt, oder erfolgt am 4., 5. oder 6. Juni ein Gewitter, so tritt in der Beeinflussung eine Störung ein. Vorausgezahlte Beträge gibt dann Herr Rodrian nur einfach zurück. Schließlich erinnert der Wettermacher noch daran, daß er zu Ostern trotz der schlechten Vorhersage das schönste Osterweter geschaffen habe. Darum.... zahlt! ihm der Gedanke schwere Sorgen, wie es wohl werden Junggesellen und Ehemänner im Kriege. würde, wenn das Geld vollständig in Schnaps aufgegangen sein werde. In dieser für ihn nicht gerade angenehmen Betrachtung verfiel er auf eine originelle Jdee. Er wandte sich an einen Wirt in Oelde und bot diesem den Rest setnes Vermögens in Höhe von 4500 Mark zum Geschenke an unter der Bedingung, daß der Wirt ihm, so lange er noch lebe, soviel Schnaps tostenlos gebe, als er wünsche. Der Wirt, der sich wohl denken mochte, daß der schon 60 Jahre alte Mann nicht mehr allzu große Lüden in den Schnapsvorräten des Kellers verursachen würde, erklärte sich mit der Bedingung einverstanden. Der Vertrag wurde geschlossen, und der Fuselfreund hatte ein sorgenfreies Dasein, weil er sich um die Lieferung seines Lieblingsgetränks nicht zu fümmern brauchte. Diese Freude dauerte aber nur sechs Wochen, denn eines Tages trant er feinen Schnaps mehr; er war in ein Land abberufen worden, wo es aller Wahrscheinlichkeit nach mit seinem geliebten Schnaps recht mager aussehen wird. Der Wirt sorgte für ein anständiges Begräbnis; denn er hatte einen guten Kunden verloren, dem er außerdem noch nach Abzug aller Kosten ein Kapital von über 4000 Mark zu verdanken hatte. Die Tricks der Falschspieler. Unter dem herkömmlichen Namen„ Grec" versteht man Falschspieler: die Bezeichnung soll von dem berüchtigten Falschspieler Apoulos, einem Griechen und Günstling Ludwigs 14. abgeleitet sein. Im großen und ganzen arbeiten Sie Grecs mit Helfern, und nur sehr geschickte Falschspieler besorgen thre Geschäfte allein. Eine Gruppe verbündeter Falschspieler heißt in der Gaunerwelt Philosophenklub"," Nomadenklub" oder„ Cagnothe"; die Zutreiber heiBen Schlepper" oder„ Parasiten", fene, die durch Zeichen den Spieler unterrichten, heißen Judas", und das System wird„ Maschine" genannt. Mangeur" ist der Gehilfe, der falsche Karten einzuschmuggeln hat,„ Colonel" und„ Tante" der Hausherr oder die Hausfrau, bei denen gespielt wird. So zahlreich die Tricks der Grecs auch sein mögen, sie verfügen doch über einen gewissen eisernen Bestand von Manipulationen, von denen die passendste tm richtigen Augenblick gewählt wird. Am beliebtesten ist das Kennzeichnen der Karten, die„ Maquillage". Dabet werden die Ränder bestimmter Karten mit einem scharfen Messer gestrichen, so daß sich der Rand rauh anfühlt.„ Pointiert" sind die Karten, wenn sie an gewisser Stelle mit einer zuerst in weißes Wachs gesteckten heißen Nähnadel fein gelocht werden. Das Wachs verklebt das Loch, so daß man dieses nicht fieht, aber fühlt. Auch die Muster auf der Rückseite werden in irgend einer Art„ gezinkt". Am bekanntesten ist das Anbringen eines Striches, eines Kreuzes mit einem in Wasser getauchten Hölzchen. Nach dem Trocknen bleibt auf ber glänzenden Rückseite das Kreuz z. B. als matte Beichnung zurück. Nur auf grobe Täuschung berechnet ist das ,, Biseautieren", d. h. das Beschneiden der Ränder, wozu es eigene Maschinen gibt. Große Gewandtheit erfordert das Transportteren der Karten, wobei entweder Karten weggenommen oder dazu gelegt werden. Das„ Salatmachen", d. h. das Falschmischen, besteht darin, mit den Karten so umzugehen, daß jeder Zuschauer darauf schwört, daß die Karten gut gemischt wurden; in Wirklichkeit hat sich jedoch feine Karte von der Stelle gerührt. Die falsche Coupe" hindert den Zweck des„ Abhebens". Hierbei gibt es zwei Mittel. Das eine soll bewirken, daß der Abhebende dort abhebt, wo es der Grec will. Er rechnet, wie der Kriminalist Prof. H. Groß betont, psychologisch richtig, daß auch hier jeder das tut, was am bequemſten ist, selbst beim Spiele; er schmuggelt in das Spiel eine Karte, die breiter ist als die andern, und diese bringt er wieder dahin, wo abgehoben werden soll. Geht das nicht, so preßt er den Teil der Karten, die eben genommen werden sollen, der Länge nach etwas zusammen, so daß dieser Teil der Karten hohl fiegt. Der Abhebende hebt gewöhnlich entweder an der breiten Karte oder dem hohlliegenden Bäckchen ab, wie es der Grec haben will. Tut er dies aber nicht, so ergreift der Grec unverfroren zuerst das abgehobene Päckchen und legt es auf das zurückgebliebene Päckchen, so daß die Sache wieder betm alten ist. Die Tätigkeit der Helfer eines Falschipielers läuft metstens darauf hinaus, daß fte entweder als Schlepper" fungieren oder den Falschspieler über die Karten seiner MitSpieler verständigen. Die Verständigungsmittel dürfen natürlich in feiner Weise auffallend sein. Zeichen mit den Händen sind daher wenig beliebt, besser ist die Verständigung z. B. mit einer Zigarre. Je nachdem der Gehilfe biese im Munde hält, den Rauch wegbläst oder einsaugt, durch beide oder nur durch ein Nasenloch ausstößt usw., fann er dem Grec alles Wissenswerte mitteilen. Um beim Abziehen das Bild der Karte sehen zu können, wird irgend ein zufällig auf dem Tisch stehendes blank poliertes Metallgefäß, eine filberne Zuckerbüchse, ein Leefessel als Spiegel benützt. Auch die spiegelnde Fläche der silbernen ZigarettenDie Friedensfreunde haben schlechte Zeiten. An vier verschiedenen Punkten der bewohnten und in Beziehung zu militärischer Organisation stehenden Erde kriegswittert es mehr oder weniger heftig; am Rio Grande( Mexiko), im Jli- Tal an der chinesischen Grenze, im Yemen und um Fez hat oder wird in absehbarer Zeit mancher Mutter Sohn ben blutigen Einsatz im Spiele der Kriegsgöttin leisten müs sen. Anknüpfend an manche Erfahrungen im Buren- und im russisch- japanischen Kriege hat ein englischer Major in vollem Ernste die Frage erörtert, ob die Junggesellen oder die Verheirateten im Kampfe tapferer find, und kommt da= bet rückhaltlos zu dem Schlusse, daß der Hagestolz sein Leben weniger gern in öte Schanze schlägt als der Mann mit der Kostprobe auf die Süßigkeiten des Ehestandes. Sicht man sich die Argumente des britischen Stabsoffiziers an, so scheint der Schluß naheliegend, daß er entweder ein ganz einseitiger Junggeselle, oder, was noch näher liegt, ein Mann ist, der außerordentlich üble Erfahrungen in der Ehe gemacht haben muß. Wenn der Herr Major auch die Gesetze der Psychologie, Soziologie, Psychiatrie und eines weiteren halben Dußend von Lehren für seine Argumentterungen heranzieht, so stützt er sich doch in der Schlußfolgerung gegen den minder fouragterten Freiherrn der The auf den fühnen Satz ,,, der Verheiratete sei schon deshalb der mutigere Soldat, weil das Leben ihm weniger füß und begehrenswert erschiene. Nichts wisse der Soldat mit dem Ring am Finger vom intellektuellen Frieden mit dem einzig dastehenden Reiz unbeweibten Glücks. Das Dasein bedeute für ihn nichts als ein Beiwort für Schmerz und Unruhe. Reich oder arm, set sein Leben nur ein fortgesetter Alpdruck der großen und kleinen Schrecken des verheirate ten Standes." ,, Wenn nun," so geht die geniale Deduftion weiter, solch Ehemann in Schlachtenfener kommt, so hat der Selbster haltungstrieb" bei ihm entschieden sehr viel geringeres Gewicht als bei dem glücklich unbeweibten. Vor sich steht der Ehemann die Möglichkeit eines schnellen und schmerzlosen Todes, mit der besonderen Aussicht, als Held gefeiert zu werden. Hinter ihm liegen all die fletnen und großen Letden der Häuslichkeit, von den Nadelstichen angefangen bis zu der gemütlosen Grausamfeit, deren allein das Weib fähig ist(!) Ist er also vernünftig, so geht er mutig vor, wird totgeschossen und die Geschichte verzeichnet ihn als Helden. Ganz anders der Junggeselle! Das Nirvana des Schlachtfeldes lockt ihn nicht. Wenn er angesichts der feindlichen Geschütze auf sein glückliches Leben zurückblickt und Ausschau hält auf das, was ihm an Sorglosigkeit, Unabhängigkeit und- Neid der Ehemänner die Zukunft verspricht, so wird er sich woh: bemühen, der todbringenden Kugel zu entgehen. Sein Zögern, sich dem Kriegsgotte zu opfern, mag ihm als der Tapferfeit geringerer Teil ausge legt werden. Die dem heimkehrenden Krieger und Junggesellen sich entgegenstreckenden Arme schöner Frauen werden aber den Lebenden bald über die Möglichkeit solcher Beurteilung durch törichte Mitmenschen trösten." Selbst für den Spleen eines Briten erscheint diese eigen. artige Beweisführung etwas arg gepfeffert. Und was sagen unsere deutsche Frauen zu dem angenehmen Richter über den weiblichen Charakter aus Old- England? Drabtnachrichten und neuestes. Schwerer Automobilunfall. Düsseldorf, 27. Mai. Ein mit vier Personen bes setztes Mietsautomobil stieß in der Rothstraße mit voller Wucht gegen einen Wagen. Der Anprall war so heftig, daß die Insassen herausgeschleudert wurden. Sie erlitten sämtlich schwere Verlegungen und mußten nach dem Hospital gebracht werden. Am schwersten verlegt sind eine 50 Jahre alte Dame und ein Herr, die Schädelbrüche davontrugen. Blutiges Gefecht der Franzosen in Marokko. Paris, 27. Mai. Ueber Tanger kommt die Meldung, daß die Kolonne des Obersten Gourand beim Ueber-, schreiten des Beht- Flusses von drei räuberischen Stämmen angefallen und am Weitermarsch gehindert wurde. Die Kolonne, die eine Stärfe von 2500 Mann hat und eine starke Proviantabteilung mit sich führte, mußte sich den Uebergang über den Beht- Fluß durch eine Attacke erzwingen. Die Kolonne hatte dabei fünf Tote; ein Unteroffizier und 22 Mann wurden schwer verwundet. Der Feind hatte 120 Tote; er ließ zahlreiche Waffen und Munition zurück. Nach dem Gefecht konnte die Kolonne ihren Marsch in der Richtung nach Fez fortsehen. Präsident Diaz Nachfolger. Newyork, 27. Mai. Aus Juarez wird gedrahtet: General Madero erließ ein Manifest, in welchem er die provisorische Präsidentschaft niederlegt und an die Mext=" faner den Appell richtet, de la Barra zu unterstützen. Er stellte diesem die Truppen der Aufständischen zur Verfüaning. Empfehle zu Pfingsten Gelegenheitsposten in Knaben-, Burschen- u. 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Der unterzeichnete Hauptausschuß möchte deshalb nicht unterlassen, auch seinerseits hiermit herzlichsten Dank für die Unterstützung auszusprechen, die ihm bei Lösung der ihm zugefallenen Aufgabe aus allen Kreisen geworden ist und damit die Bitte verknüpfen, daß dieser Danf an Stelle besonderer Danksagung insbesondere auch von denen freundlichst entgegengenommen werde, die über den Rahmen des eigentlichen Verkaufsgeschäfts hinaus, ihre Kräfte in uneigennützigster Weise in den Dienst der guten Sache gestellt haben. Gießen, den 25. Mai 1911. Der Hauptausschuß für den Blumentag: Dr. Usinger. Annerod. 18/10 ADLER Schreibmaschine Hervorragendes deutsches Fabrikat Zahlreiche Specialmodelle. Adlerwerke vorm Gec Mehrals 70.000 geliefert Man verlange Katalog Heinrich Kleyer.AG. Frankfurt a.M. FABRIKATION: SCHREIBMASCHINEN, AUTOMOBILE FAHRRÄDER. 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