ten Br hr: mm. ensitz Sitz0,60, bis 0 Mk. Uhr. ungen markt. ion! beste Chauffent 0 Leute je en Chauf bestanden uadre er fort Anstel Le Prospekt urschule, 39. ficht.) FENT Putzen NUR MU NNIA E OFFENBACK Bießen. Sohn, Jo r, Anna o Auguft. Gustav. n Sohn, furt a. M., in Gie erife Pfeil nberg, mil 1. Maria Jo ch a. M. milie Jün Bahlmeifte na Fried fifer, mit Gießen, mi Anna Ho Jahre all e alt. 7 Jahr all Jahre all or alt. alt. 9, 77 Jahr ahre alt. Jahre alt nate alt in Gießen. Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amil. Bekanntmachungen vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den ZweigErscheint ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. jeden Werktag fri. Die„ Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seliersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Nr. 74. - Telephon: Nr. 362. Unseren lieben Lesern und Mitarbeitern, sowie der geehrten Geschäftswelt machen wir hiermit die ergebene Mitteilung, daß der Verlag der ,, Gießener Zeitung" ( nicht zu verwechseln mit der Gießener Morgen- Zeitung) in eine Gesellschaft m. beschr. Haftg. umgewandelt ist. Hochachtungsvoll Der Verlag der Gießener Zeitung B. m. b. H. der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer des Großherzoglichen Polizei Amfes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Dienstag den 28. März 1911 stört, wenn er in die Nähe des Nestes kam. Und schließlich ist seine Wildheit nur immer eine Folge des Untverstandes der Menschen, die den Fuchs nicht im Hause dulden wollten und ihn dadurch zwangen, ein Räuber zu werden. Ich werde der Entwicklung der Dinge mit der strengsten Neutralität zusehen. Im übrigen muß man die Hühner auf die Selbsthülfe verweisen...." „ Bravo, bravo", sagte der Fuchs, der das Gespräch mit angehört hatte.„ Bauer, ihr seid ein wahrhaft erleuchteter Mann; und es ist ein gutes Zeichen der Zeit, daß die Bildung auch auf dem Lande so große Fortschritte macht. Der Geist des Mittelalters beginnt zu weichen, und die Sonne der Aufklärung steigt rotleuchtend empor. Erst wenn die wahre Toleranz überall ihren Einzug gehalten hat, wird der Fortschritt der Kultur ins Phänomenale wachsen, und zwischen Füchsen, Menschen und Hühnern wird ein Bund des ewigen Friedens gelchlossen werden....“ So redete der Fuchs noch lange weiter und der Bauer hörte gerne zu, denn genau so stand es in seiner Die Fortschrittliche Volkspartei und Beitung, die zudem noch den Vorzug hatte, daß sie auch die Hirsch- Dunker'schen. In der„ Freisinnigen Zeitung"( Nr. 60) war dem 3entrum eine zurücksetzung der christlich organisierten Arbeiter bei der Aufstel lung der Reichstagskandidaturen vorgeworfen worden. Das fortschrittliche Blatt hatte sich eine Auslassung der sozialdemokratischen„ Münchener Post" zu eigen gemacht und bemerkt, die christliche Arbeiterorganisation wolle diese Zurücksetzung nicht ruhig hinnehmen, sondern habe deshalb in Bayern über die 3entrumspartei ein Fehmgericht abgehalten. Demgegenüber schreibt der„ Gewerkverein", das Organ der zum Linksliberalismus schwörenden Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereine unter der Ueberschrift:„ Vom Balken im eigenen Auge: „ Der Zweck dieser Notiz( der„ Freis. 3tg.") fann doch nur sein, die christlichen Arbeiter gegen das Zentrum scharf zu machen. Die„ Freis. 3tg." aber ist unjeres Erachtens dazu in keiner Weise befugt. Denn gerade die Fortschrittliche Volkspartei, deren führendes Organ die" Freisinnige 3tg." ist, hat in feinem einzigen auch nur einigermaßen sicheren Wahlkreise sich dazu verstehen können, einen Arbeiter als Kandidaten aufzustellen. Wer aber selbst im Glashause sitzt, soll nicht mit Steinen werfen." Das Werfen mit Steinen in anderer Leute Garten ist aber die Hauptbeschäftigung der Fortschrittspresse und besonders ihres führenden Organs. Es ist deshalb ganz gut, daß nun auch einmal im eigenen linksliberalen Lager sich eine Stimme erhebt, die darauf aufmerksam macht, daß der Linksliberalismus gut daran täte, zuerst auf den Balken im eigenen Auge zu achten. Aber auf einen Erfolg ihrer Vorstellung werden die HirschDunckerschen Gewerkvereine bei der Fortschrittlichen Volkspartei nicht rechnen dürfen. Einmal hat diese Partei ja tatsächlich selbst einigermaßen sichere Wahlkreise nicht zu vergeben, sie hängt vielmehr überall von der Mitwirkung anderer Parteien, namentlich der Sozialdemokratie, ab. Dann aber ist sie bei der Kandidatenaufstellung durch das Veto des Hansabundes beschränkt, und dieser scheint zwar die Vertretung der kommerziellen und industriellen Interessen durch Stadträte, Bankdirektoren, Juristen, ja selbst durch liberale Paſtoren für zweckent sprechend zu halten, aber für Kandidaten aus den Kreisen des Mittelstandes, der Angestellten und natürlich auch der Arbeiter nichts übrig zu haben. Eine Fabel für aufgeklärte Leute. Der Fuchs war in den Hühnerhof eingebrochen und würgte nach Herzenslust. Schreiend rannte die Bäuerin über den Hof und rief den Bauer, der am Torpfeiler lehnte und seine Pfeife rauchte, zu:„ Aber Mann, siehst Du es denn nicht? Jag' ihn doch hinaus!" Der Bauer aber rührte sich nicht vom Fleck:„ Ich bin ein liberaler Mann" sagte er,„ man darf nicht gewaltsam in den Gang der Dinge eingreifen; man darf der Entwickelung keine Hindernisse in den Weg legen, ich bin für Freiheit und Fortschritt!" - - ,, Aber er bringt ja alle Hühner um!" schrie die Bäuerin entsetzt.„ Es ist das Recht des Stärkeren," sagte der philosophische Bauer kühl;„ es gehört so zur Entwickelung, zum Fortschritt. Ein jedes Wesen hat das Recht sich auszuleben, und der Fuchs ist auch ein Geschöpf, und ist nun einmal auf Geflügel angewiesen". Die Bäuerin brummte etwas, das nicht wie Schmeichelei klang.„ Aber die Hühner legen uns doch Eier „ Man muß und der Fuchs nicht", meinte sie. abwarten", erwiderte der Bauer,„, vielleicht wenn ihn ruhig gewähren läßt, bringt es der Fuchs auch noch gezum Eierlegen. Man hat ihn bisher nur immer - es man von den grundgescheiten Herren in der Stadt gelesen wurde. Die Bäuerin aber ging weinend von dannen, denn sie wußte genau, wie die Herrlichkeit dieser Kultur in der Wirklichkeit sich ausnehmen und wie die freie natürliche Fortentwickelung" enden würde. Aus Stadt und Land. den Gießen, den 28. März 1911. Postausweiskarten. Die in Deutschland ausgestellten Postausweiskarten erhalten zufolge einer zwischen der deutschen und der französischen Postverwaltung getroffenen Vereinbarung vom 1. Mai ab auch in Frankreich Gültigkeit, so daß sie von da ab von französischen Postdienststellen bei der Aushändigung von Postsendungen als vollgültige Ausweispapiere behandelt werden. Ebenso gelten die von französischen Postdienststellen ausgestellten Identitätsbücher vom 1. Mai ab den deutschen Postanstalten gegenüber als vollgültige Ausweise. In den Geltungsbereich der im Reichspost gebiet ausgestellten Post- Ausweiskarten waren schon bisher einbezogen: Bayern, Württemberg, Belgien, Dänemark, Italien, Luxemburg, Norwegen, Desterreich, sowie Schweden und die Schweiz. * Gießen, 24. März. Professor Dr. Ludwig Schlesinger in Budapest, der als Nachfolger des Geh. Hofrats Prof. Dr. M. Pasch als Ordinarius der Mathematik an die Universität Gießen berufen wurde, ist, wie die„ Darmst. 3tg." schreibt, 1864 zu Tyrnau in Ungarn geboren. Er studierte von 1882 bis 1884 in Heidelberg, dann bis 1887 in Berlin und promovierte 1887 mit einer Abhandlung über lineare homogene Differentialgleichungen 4. Ordnung. Zwei Jahre darauf habilitierte er sich in Berlin, wurde 1893 Extraordinarius in Bonn, 1897 ordentlicher Professor der höheren Mathematik in Klausenburg und 1905 in Budapest. Schlesingers Hauptarbeitsgebiet ist die Theorie der Differentialgleichungen, die er durch mehrere gediegene zusammenfassende Werke und eine große Zahl von scharfsinnigen Einzeluntersuchungen bereichert hat. - Gießen.( Für die Veteranen.) Um bei den entstehenden bedeutenden Unkosten gelegentlich der vom Offizierkorps geplanten Aufführung der Quizows eine einigermaßen lohnende Einnahme für den guten Zweck zu gewährleisten, muß die Veranstaltung wegen des angesetzten Blumentages und kurz darauf stattfinden den Verkaufstages J. K. Hoheit der Großherzogin, welche die Wohltätigkeit in erhöhtem Maße in Anspruch nehmen, bis auf weiteres verschoben werden. * Gießen, 26. März. Die Schlußprüfung für Handarbeitslehrerinnen an der Aliceschule fand gestern statt. Die 15 Schülerinnen bestanden sämtlich. *) Gießen. Der Zweigverein des Vogelsberger Höhenklubs hat von hier aus einen neuen Touristenweg geschaffen, um eine direkte Verbindung zwischen Gießen und dem Vogelsberg zu schaffen. Er geht vom alten Friedhof aus über die Hohewart nach Annerod, Albach, Münster, Wetterfeld und Laubach. * Bad Nauheim. Veranlaßt durch das schöne Wetter der letzten Tage, ist der Verkehr von Kurgästen schon recht ansehnlich. * Friedberg. Im Predigerseminar findet am nächsten Mittwoch, vormittags 11 Uhr, die feierliche Entlassung der in diesem Frühjahre abgehenden Kandidaten statt. * Ober- Mörlen. Bürgermeister Geibel hat bei der Oberpostdirektion Darmstadt den Antrag gestellt, eine Automobilfahrpost einzurichten, die, von Bad- Nauheim ausgehend, die Orte Nieder- Mörlen, Ober- Mörlen, Langenhain- 3iegenberg, Fauerbach, Ostheim und len, Langenhain- Ziegenberg, Fauerbach, Ostheim vielleicht auch Nieder- Weisel berühren soll. Die Handels( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Naum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Re flameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" 6. m. b. H. Telephon: Nr. 362. 23. Jahry. fammer Friedberg hat sich diesem Antrage befürwortend angeschlossen. == Lollar, 28. März. Bei der hier am Sams= tag stattgefundenen Beigeordnetenwahl erhielten Gemeinderat Gerlach 69, Schreinermeister Geißler 7. 69, Schuhmachermeister Pfaff 45, Fabrikant Schie= mang 44, Gemeinderat Hofmann 5. 36, Landwirt Geißler 31 und die drei weiteren Kandidaten zusammen 11 Stimmen. Es findet Stichwahl zwischen Gerlach und Geißler statt. == Lich, 27. März. Bei der Wahl eines Bezirksvorsitzenden der Landwirtschaftskammer für den Kreis Lich Hungen wurde einstimmig Bürgermeister Dörmer- Lich, als sein Stellvertreter der Bürgermeister Nicklas von Steinheim bei Hungen ebenfalls einstimmig gewählt. besuchte gestern vormittag das Hofmännische Institut. such im Neuen Palais ein. Die Großherzoglichen Herrschaften begaben sich nachmittags. im Auto nach Schloß Seeheim und nahmen dortselbst den Tee. * Darmstadt, 24. März. Die Großherzogin *) Darmstadt. Der Großherzog hat am 8. März 1911 dem ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Landesuniversität Geheimen Hofrat Dr. Moriz Pasch in Gießen, anläßlich seiner Versetzung in den Ruhestand das Komturkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Mainz, 28. März. Ein Unteroffizier des Infanterie- Regiments Nr. 117 sollte wegen Mißhandlung von Untergebenen und wegen Mißbrauchs der Dienstgewalt von seinem Vorgesetzten gemeldet werden. Als ihm dieses mitgeteilt wurde, eilte er auf seine Stube und jagte sich mit seinem Dienstgewehr eine Kugel in die Brust. Das Geschoß ging durch den Körper und drang oben in die Stubendecke ein. Im Lazarett verstarb er nach kurzer Zeit. * Mainz. Durch die Entwässerung der Stadt von Grundwasser und durch das immer wiederkehrende Stauwasser sind die großen Grundpfeiler des Domes unterspült, und es ist notwendig geworden, im Interesse der Erhaltung des denkwürdigen Bauwerkes die Grundpfeiler neu zu unterfangen. ** Mainz, 27. März. Am Samstag fanden sich die Schlossermeister des Großherzogtums Hessen in den Räumen der Liedertafel zulammen und haben eine Vereinigung im Interesse ihres Handwerks unter dem Namen„ Hessische Schlossermeister- Vereinigung“ gegründet. Als Vorort wurde auf drei Jahre Darmstadt gewählt, an welchem Ort auch der geschäftsführende Vorstand wohnen muß. In diesem wurden einstimmig gewählt: Schlossermstr. Geist 1. Vors., Schlossermstr. Heinzerling 2. Vors., Schlossermstr. Jakobi Schriftführer, Schlossermeister Roth Rechner, sämtlich in Darmstadt. Als weiterer Vorstand wurden ebenfalls einstimmig gewählt für Oberhessen: Schlossermeister Kreiling- Gießen, Schlossermeister Snipp- Bad- Nauheim, für Rheinhessen Schlossermeister Schwarz- Mainz, Schlossermeister Hammerstein= Worms, für Starkenburg Schlossermeister Steinert- Offenbach a. M. * Oppenheim, 28. März. Die Haupt- Versammlung des Tierschutzvereins für Hessen findet Mittwoch, 3. Mai, auf der Landskrone unter Vorsitz des Geh. Oberschulrats Dr. Scheuermann statt. Prof. Dr. Heineck aus Alcen wird einen Vortrag über„ Brutpflege im Tierreich" halten. * Kassel. Der Lokomotivenfabrik Henschel u. Sohn ist von der französischen Regierung abermals ein bedeutender Auftrag zuteil geworden. Es han delt sich um die Ausführung einer größeren Anzahl Schnellzugslokomotiven für die Ost- und Nordbahnen. Infolgedessen konnten in den letzten Wochen fortgesetzt Arbeiter in den Kasseler Werken der Firma neu eingestellt werden. * München. Der im vorigen Jahre von der Firma Kathreiners Malzkaffee- Fabriken ausgesetzte Preis von 50 000 Mt. für denjenigen deutschen Flieger, der auf einem in Deutschland erbauten Flugzeug den Weg München- Berlin durch die Luft zurücklegt, ist soeben neu ausgeschrieben worden. Nach den vom Kgl. Bayerischen Automobilklub, Abt. für Luftschiffahrt München, Briennerstraße 5, zu beziehenden Bewerbungsbedingungen, die vom Deutschen Luftschifferverband genehmigt wurden, muß der Weg München- Berlin innerhalb 36 Stunden zurückgelegt werden, wobei je eine Zwischenlandung in Nürnberg und Leipzig, und eine dritte an einem vom Flieger zu wählenden Ort gestattet ist. Die Flüge müssen in der Zeit zwischen dem 1. Mai und 30. Nov. 1911 stattfinden. * Trier, 26. März. In der Eifel, im Hunsrück und im Moseltal schneite es gestern und heute bei hef= tigem Sturm ohne Unterlaß. Die Schneehöhe beträgt im Gebirge 30 3entimeter. Diebstahl diplomatischer Schriftstücke? Der Hamburger Spion und der Diebstahl beim Reichskanzler. Eine überraschende Nachricht geht der„ Berl. Morgenpost" zu, die, wie das Blatt erklärt, auf ihre Richtigkeit bin nicht nachgeprüft werden konnte, aber infolge des Dunels, das noch immer über dem Juwelendiebstahl im Reichsfanzlerpalais schwebt, und durch die verschiedenen Versionen, die über den Diebstahl in die Oeffentlichkeit gedrungen Rind, nicht jeder Wahrscheinlichkeit entbehrt. Die Meldung lautet: Die Verhaftungen in der Hamburger Spiona= geaffäre, die die Polizei von Anfang an nicht wahr haben wollte, und über die sie die Oeffentlichkeit in völligem Dunkel hielt, scheinen auf ganz anderer Grundlage erfolgt zu sein, als man zuerst annahm. Es soll sich nämlich herausgestellt haben, daß die Verhaftung des englischen Schiffsmaklers Schulz nichts mit Werftspionage zu tun hat, daß sie vielmehr mit dem am 10. März entdeckten Juwe= lendiebstahl im Berliner Reichskanzlerpas Y'a'i's im Zusammenhang steht. Bei dieser Gelegenheit sol= len Schriftstücke von hohem diplomatisch e m Wert en t'w'e'n'd'et worden sein. Schulz, der aus einer norddeutschen Familie stammt, ist, wie bereits gemeldet, naturalisierter Engländer. Er unterhielt mit vielen deutfchen Marineoffizieren gesellschaftliche Beziehungen. Dadurch ist wahrscheinlich der Verdacht entstanden, daß die VerHaftung wegen Spionage auf den Werften erfolgt set. Von einem Diebstahl im Reichskanzlerpalais erfuhr die Deffentlichkeit zuerst am 10. März. Damals hieß es, der Diebstahl set schon vor einigen Tagen verübt worden. Die gestohlenen Schmuckgegenstände hätten nur den ge= ringen Wert von 2000 Mart gehabt und wären das Eigentum der Schwägerin des Reichskanzlers, man sei auch schon dem Täter auf der Spur. Später, als der verhältnismäßig geringe Wert der Schmucksachen auffiel, hörte man, das geftohlene Gut gehöre einem Bediensteten im Reichskanzlerpalais. Dann hörte jede Nachricht über die polizeilichen Ermittlungen auf. Rundschau vom Cage. Politisches. Ueber den Aufenthalt des Kaiserpaares in Venedig meldet uns der Draht: Seine Majestät der Kaiser hielt Sonntag vormittag den Gottesdienst an Bord der Hohenfollern ab. Mittags folgte der Kaiser in Begleitung des Fürsten Fürstenberg und des Oberhofmarschalls Grafen zu Eulenburg einer Einladung des Grafen und der Gräfin Papadopoli zur Tafel. Prinzessin Viktoria Luise besichtigte Sonntag mittag einige Sehenswürdigkeiten in der Stadt. Im Gewerkschaften erstattet in deren Zentralblatt den Bericht für das Jahr 1910. Danach haben die christlichen Gewerkschaften dieses Jahr mit einem Zuwachs von 30 000 bis 35 000 Mitgliedern abgeschlossen. Die Einnahmen des Gesamtverbandes stellten sich auf rund 118 000 M, die Ausgaben auf rund 100 000 M, sodaß ein Bestand von rund 18 000 verbleibt. Der Ausschuß legt in dem Bericht ein lebhaftes Bekenntnis zugunsten der Tarifverträge zwischen Unternehmern und Arbeiterorganisationen ab. Einen Gesegentwurf für das Verdingungswesen im Deutschen Reich hat ein Ausschuß des Hansabundes ausge= arbeitet. In private Rechsbefugnisse will die Vorlage nicht eingreifen. Freihändige Vergebungen sind darin an eine Grenze von 5000 M( bei Arbeiten für nicht handmertsmäßige Betriebe), von 1000 M bei anderen geknüpft. Auch das Zuschlagswesen soll zugunsten der Gewerbetreibenden reformiert und namentlich die Vertragsstrafen festgesetzt werden. Zur Verleihung des Generalsranges an den Reichsfanzler von Bethmann Hollweg dürften folgende Angaben von Interesse sein: Der Reichskanzler bekleidete bisher den Rang eines Majors und trug als solcher die Uniform des 1. Gardedragonerregiments. Herr von Bethmann Hollweg hat seiner Dienstpflicht bei dem 1. Gardedragonerregiment genügt, war dann kurze Zeit Reserveoffizier dieses Regiments, später als Landrat des Kreises Oberbarnim und Präsidialrat in Potsdam Premierĭeutnant der Gardelandwehrkavallerie 2. Aufgebots. Jahre 1900, nach der Ernennung zum Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg, wurde er als Rittmeister unter Verleihung der Berechtigung zur Tragung der Landwehruniform verabschiedet. Daß Herr von Bethmann Hollweg jemals eine Kavalleriebrigade kommandiert, ist natürlich ausgeschlossen, ebenso wenig wie Fürst Bismarck, der als Einjähriger bei den Gardejägern in Potsdam gestanden hatte, militärisch jemals die Halberstädter Kürassiere befehligt hat, deren Uniform er trug. Die Verleihung des Generalsranges an Reichskanzler erfolgt lediglich deshalb, um ihnen, wenn sie bei gewissen Gelegenheiten in Uniform zu erscheinen haben, die ihrer Würde entsprechende Stellung innerhalb der Etikette zu geben; der leitende Staatsmann fann nicht gut vor irgend einem Flügeladjutanten die Hacken zusammenschlagen. Die Errichtung einer Zentralstelle für die Begutach= tung von Nahrungs- und Genußmitteln in Berlin hat das Reichsamt des Innern beschlossen. Damit ist einem in Interessentenkreisen lange gehegten Wunsche entsprochen werden. Die Lage an der russisch- chinesischen Grenze soll nach Pelinger Meldungen sehr ernst sein. Man glaubt, wenn China sich nicht innerhalb der festgesetzten Frist bedingungslos auf der Standpunkt der russischen Note vom 16. Februar stellt, werde Rußland Zwangsmaßnahmen ergreifen, die bereits vorbereitet seien. In der Petersburger Presse heißt es, die russische Diplomatie habe endlich das längst notwendige Wort gesagt. Jetzt sei die Reihe an der chinesischen Regierung, auf der die letzte Verantwortung liege. Rußland könne nur sagen, daß seine Sache gerecht sei. Die Presse gibt ferner der Hoffnung Ausdruck, daß Entschlossenheit schneller zum Ziele führe als das Lallen der Diplomatie. Krieg im Sinne einer Revanche liege nicht im russischen Interesse, wenn der Krieg aber ausbreche, so müsse der Schlag gegen China schnell und energisch sein. Zur Ausführung des Zuwachssteuergesetzes bringt die „ N. A. 3." eine offiziöse Mahnung an die Gemeinden: " Mehrere der Gemeinden, die nach§ 60 Abs. 2 des Zuwachssteuergesetzes vom 14. Februar d. J. befugt sind, die Belassung ihrer bisherigen Zuwachssteuersatzung beim Reichskanzler zu beantragen, halten mit der Stellung solcher Anträge zurück, bis sie die Ausführungsbestimmungen zum Geseze oder die Festsetzung des Durchschnittsertrags durch den Bundesrat erfahren oder ihre Gemeindevertre= tungen befragt haben. Diese Gemeinden gehen von unzutreffenden Voraussetzungen aus. Anträge auf Belassung der bisherigen Sagung fönnen, soweit ste überhaupt aussichtsvoll erscheinen, nur dann berücksichtigt werden, wenn sie vor dem 1. April d. J. vorbehaltlos gestellt und bei dem Reichskanzler eingegangen sind." Der Ausschuß des Gesamtverbandes der christlichen Das Familiengeheimnis. Schluß. Roman von L. Walter. ( Nachdruck verboten.) Die„ Freundschaft" zwischen Amerita und Japan ist in einem Depeschenwechsel zwischen dem Präsidenten Taft und dem Kaiser von Japan betont worden. Aus Washington wird nämlich gemeldet: In Beantwortung einer Mitteilung des Präsidenten Taft an den Kaiser von Japan, in der Taft versichert, daß er den wilden Gerüchten, die über die Absichten Japans inbezug auf Mexiko zirkulierten, feinen Glauben beimesse, ist eine Depesche des Kaisers von Japan eingegangen, die besagt, daß der Kaiser bereits überzeugt gewesen sei, daß Taft diesen bösen falschen Ge= rüchten über Japan feinen Glauben geschenkt habe und in der er seinerseits die Versicherung der Freundschaft zwischen den beiden Nationen aufs wärmste erwidert. Und so geschah es auch. Als Horn von der wunderbaren Fügung der Dinge hörte, brach er in Tränen aus. Es gibt doch ein Gewissen," rief er„ und das Gewissen ist das Werkzeug der Vorsehung. Später habe auch ich Ihnen Eröffnungen zu machen." Der Advokat erschien zur verabredeten Stunde und begab sich mit seinem Klienten zu Junker. Sie fanden den jungen Mann bleich und abgehärmt in seinem Zimmer, dennoch hörte er ruhig den Vortrag des Rechtsanwalts an. Nun öffnete er die Tür des Nebenzimmers und ließ die Gäste eintreten. Apathisch zog er die Vorhänge des Betts zurück. Eine Leiche lag in den weißen Kissen... es war Cäcilie. Kleine Nachrichten. Prinz Adalbert von Preußen, der vor kurzem eine Blinddarmentzündung überstanden hat, hat sich zur völlt= gen Wiederherstellung seiner Gesundheit zu mehrwöchigem Aufenthalt nach St. Moritz begeben. Militäranwärter und Abiturient. Der aus Goslar gebürtige Sergeant Muhs von der ersten reitenden Batterie des Hannover. Feldartillerie- Reg. Nr. 10( v. Scharnhorst), der seine zwölfjährige Militärdienstzeit nahezu vollendet hat, bestand jetzt an der Oberrealschule zu Celle das Abiturienteneramen. ,, Meine Frau ist diese Nacht an den Folgen der schrecklichen Krankheit gestorben, die so viel Jammer und Elend angerichtet hat. Ihre lette Bitte war: Rette die Ehre meines Vaters! Du bist mein Universalerbe" Nachdem sie mein Versprechen empfangen, daß ich alles tun werde, was möglich sei, verschted sie, ein Lächeln der Dankbarkeit auf den Lippen. Meine Herren, ich bin Offizier gewesen, und werde es wiederum werden; ein Dffizier hält sein Wort... ich rette die Ehre meines Schwiegervaters. Erwarten Sie in den nächsten Tagen meinen Rchtsanwalt." Der Dichter Martin Greif, der im Kufsteiner Krankenhaus Aufnahme gefunden hat, ist so schwer an der Wasser= sucht erkrankt, daß die Aerzte an einem Aufkommen des Dichters zweifeln. Die beiden Männer verließen erschüttert das Haus her Trauer. Wilhelm Junker kniete nieder, bedeckte die ftarre, lilienweiße Hand seiner toten Gattin mit Küssen und fragte unter Schluchzen:„ Bist Du zufrieden, Cäcilte?" Kempen zur Laft gelegt. Sie beziehen sich auf Betrug, Unterschlagung im Amte, Urkundenfälschung und Konkursvergehen. Die von Guenter veruntreute Summe ist auf 277500 Mark festgesetzt worden. Das Krefelder Schwurgericht wird sich am 24. April mit dieser Angelegenheit beschäftigen. Eine Vier- Millionen- Stiftung hat der bekannte Milliardär Carnegie der japanischen Universität Wasada in Tokio vermacht. Diese Schenkung ist damit begründet, daß Graf Okama, der Gründer der Universität, wiederholt für den Frieden eingetreten ist. Der Kampf gegen die Hutnadel ist jetzt auch vom Stadtrat in Leipzig aufgenommen worden, aber nicht nur in Form einer wohlmeinenden Mahnung, sondern eines Verbots mit Strafandrohung. Ein verhängnisvoller Zwischenfall am Altar ereignete sich während eines Passionsgottesdienstes in der Schloßkirche zu Cüstrin. Der Schloßpfarrer Busse kam den Altarferzen mit seinem Talar zu nahe, so daß dieser auf dem Rücken zu brennen begann, ohne daß es der Geistliche selb wahrnahm. Nur durch das schnelle Eingreifen eines Man= nes, der in der Nähe stand, wurde ein schweres Unglück verhütet. V. erhielt nur leichte Brandwunden. Neuer Winter im Rheinland. Im gesamten mittelrheinischen Gebiet ist am Sonntag starker Schneefall eingetreten. Im bergischen Lande liegt der Schnee einen halben Meter hoch. Auch im Ruhrgebiet herrschte heftiger Schneesturm. Einen graufigen Fund machten Erdarbeiter beim Bahnbau der elektrischen Bahn Bonn- Honnef. Bei den Ausschachtungsarbeiten wurde eine Kiste ausgegraben, die ein menschliches Skelett enthielt. Wahrscheinlich hat man es mit den Ueberresten eines seit einigen Jahren vermißten Sattlers zu tun, der auf geheimnisvolle Weise plötzlich verschwand. Ein humorvoller Uhrendieb. Im neuen bayerischen Verkehrsministerium blieben kürzlich in allen Räumen die elektrischen Uhren stehen. Die Mutteruhr, die den Gang aller anderen treibt, war gestohlen worden. An ihrer Stelle prangte ein Bettel mit den höhnischen Worten:„ Dem Glücklichen schlägt feine Stunde!" Bei einem großen Fabrikbrande in Milwaukee( Nordamerita) stürzten vier Feuerwehrleute von einem Dache in die Tiefe und kamen in den Flammen ums Leben. Nur die verkohlten Leichname konnten geborgen werden. Vierzehn weitere Feuerwehrleute erlitten schwere Brandwunden. Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich am Sonnabend im Staate Georgia( Nordamerika). Bet dem Passie= ren einer Brücke entgleisten von einem Schnellzuge in der Nähe von Dcilla fünf Wagen. Vierzig Reisende wurden getötet. Ein Eisenbahnunfall, der leicht böse Folgen hätte haben können, hat sich am Sonnabend abend vor dem Duisburger Hauptbahnhof ereignet. Der Eilzug Berlin- Köln fuhr dem nach Mülheim- Ruhr ausfahrenden Personenzug in die Flanke. Beide Lokomotiven und ein Wagen entgleisten. Personen sind nicht verletzt. Die Ursache des Unfalls ist ein Signaldefekt infolge des herrschenden Sturmes. 128 strafbare Handlungen werden dem in Krefeld in Untersuchungshaft sißenden Notar Werner Guenter aus Vermischtes. mit ein ben, ba lehen I alle Fr einem 2 Ein nung vo Chirurg Biele g und tom völlig mothy Kopf a die furd germalm lofen in Auftom Martin Lebenst ob man wenigfte Aerzte gabe wo endlicher man ha bie Mu musteln fich sehr gefekten nuken, der zu Hauttra ist so au fidtshäl gifcher aber no wurde a Patiente des Gefi Nagel d nach au lung de Der fle bindung den die suchen, möglich bet, fog heillos Kle legten 3 rung pl dieser j helles S Kleide Frühjah rade ein auf, Ru der Frü Ende. gerin a Stadtra Vor der Fremdenlegion bewahrt. Auf dem Wege nach Frankreich wurde der 16 Jahre alte Gehilfe Stössin aus Rathenow in Berlin festgenommen. Der junge Mensch hatte schon immer den Wunsch ausgesprochen, in die Frem Senlegion einzutreten, und er wollte seinen Plan jetzt auch zur Ausführung bringen. Er entwendete seinem Vater 200 Marf und machte sich auf die Fahrt nach Frankreich. Aber bereits in Berlin sollte die Reise eine unliebsame Unterbrechung finden. Der junge Mensch wurde von der Polizei aufgegriffen und wieder nach Rathenow zurückgebracht. Ein frivoler„ Scherz". Aus Paris wird berichtet: Herr und Frau Ganthes, die in Antibes in einer Villa wohnen, erhielten vorgestern ein Telegramm, das mit ,, Carree"( dem Leiter der Pariser Komischen Oper) unterzeichnet war und lakonisch den Tod ihrer einzigen Tochter meldete, die Sängerin an diesem Theater ist. Von Schmerz ergriffen, machten sich die Eltern sofort nach Paris auf und begaben sich in die Wohnung ihrer Tochter. Zu ih rer maßlosen Ueberraschung trafen sie aber die junge Dame wohl und munter an. Es hatte sich also um eine gefälschte Depesche gehandelt, die irgend jemand aus Rache oder in anderer unlauterer Absicht abgeschickt hatte. Ganthes hat eine Klage wider Unbekannt eingereicht. Ein Bärenidyll fonnte man an einem der letzten Tage im Bärengraben in Bern beobachten. Einer der kleinen vorjährigen Mutzen hatte sich in Kletterübungen versucht und war auf einer der im Bärengraben eingepflanzten hohen Tannen fast bis zum Wipfel emporgeklommen. Der starfe Wind brachte den Baum zum Schwanken, und nun bekam unser junger Mutz Angst. Höher konnte er nicht, herunter wagte er sich nicht, und da hob er ein schauderhaftes Gebrüll an; denn ein Fehltritt beim Abstieg aus dieser Höhe hätte ihm auf dem harten Steinboden den sicheren Tod gebracht. Seine Bärenkameraden sahen die Situation, fletterten einige Meter am Baume hinauf und wieder hinunter. Da wagte es die Bärenmutter, hinaufzuklettern, und es gelang ihr, ganz vorsichtig bis zu dem oben in Gefahr befindlichen Jungen zu kommen. Erst versuchte sie, den Kleinen mit den Tagen herunterzuholen, und als dies nicht gelang, zog sie ihn mit dem Maul herunter und brachte ihn unter lautem Jubel der Menschenmenge, die sich nach und nach angesammelt hatte, sicher aus der Gefahr, so daß er den Rest selber hinabklettern fonnte. Gleichsam als wollte sie den übermütigen Kletterer für seine Waghalsigkeit bestrafen, versetzte sie ihm am Boden einige Male recht derbe Tatenschläge. Die Szene war ergözlich und hätte eine gelungene finematographische Aufnahme gegeben. Nachmittags beschied Karl Halling den ersten Kommis in sein Kabineit. Das Geheimbuch lag vor ihm aufgeschlagen. Schwarz", sagte er streng,„ Sie sind ein Schurke!" Der Kommis erbleichte; doch wollte er auffahren. ,, Verteidigen Sie sich nicht," fuhr der junge Chef fort; ich bringe Ihnen einen Zeugen, der gesehen, daß Sie diese Notiz in das Geheimbuch meines Vaters ge= schrieben, um zugunsten meiner Tante einen Betrug zu begehen, daß Sie das Buch in jenen Schrank geschlossen, den Schlüssel in der Eile behalten haben, durch den Hof über den Hausflur zu dem franken Chef gegangen sind und ihm, der sie sterbend darum gebeten, den Schlüssel überreichten. Ihnen bleibt die Wahl zwischen offenem Bekenntnis und Gefangennahme... Im ersteren Falle werde ich schweigen aus Rücksicht auf meine Tante, der Sie die Ehe versprochen, obgleid ein armes, aber braves Mädchen, das Sie bereits durch Ihre Untreue unglücklich gemacht, der Erfüllung desselben Versprechens harrt Leugnen Sie hartnädig, so überliefere ich Sie rücksichtslos dem Kriminalgericht, das den Tatbestand sicher ermitteln wird. Bekennen Sie, und ich gebe Ihnen zugleich einen Brief zurück, den Sie an den Agenten Rudolphi geschrie ben und der den Beweis liefert, daß Sie Ihrem Wohltäter, meinem guten Vater, als Sie noch Lehrling waren, ein Dokument gestohlen und dafür einen Judaslohn von einigen Goldstücken erhalten haben, den Sie durch ausgesprochene Drohungen zu vervielfältigen gesucht. Ren= nen Sie diesen Brief?" Karl zeigte den Brief, den er in dem Taschenbuche Rudolphis vorgefunden hatte. Dieses corpus delikti schleu= derte er vor dem listigen Betrüger nieder; er griff zitternd nach dem Briefe, bekannte seine Frevel und bat um Verzeihung. Er war es also, der Halling das Dokument gestohlen, jenes Dokument, das Halling die - Ein verfrühter Aprilscherz. Der Inhaber eines 3igarrengeschäftes in der Oranienstraße in Berlin hatte sich selten eines so starken Besuches zu erfreuen wie gestern vormittag. Um 7 Uhr, kurz nach Oeffnung seines Ladens, famen die ersten Kunden und jeder brachte einen ganz sonderbaren Gegenstand mit ein Vogelbauer. Die Veranlassung hierzu war ein Inserat, nach dem in dem Zigarrengeschäft ein Papagei verschenkt werden sollte. Bedingung war: Bauer mitbringen." Die Reflektanten, alle mit einem mehr oder minder großen Käfig bewaffnet, waren so zahlreich, daß bald die Nachbarschaft darauf aufmerksam wurde, den Laden umlagerte und jeden, der sich Wiedererlangung der in demKonkurs Rudolphi verlorenen 120 000 Taler zusicherte. Zugleich versicherte er, daß Selma alle Geschäftsgeheimnisse ihres Bruders tenne und längst darauf gesonnen habe, sich einen Teil seines Vermögens anzueignen. Er fügte sich auch und gab auf Verlangen ein schriftliches Bekenntnis seine Schuld, das der Kassierer Horn mit unterzeichnete. Dann ward er auf der Stelle entlassen. Man hat nie wieder von ihm gehört. Horn übernahm es, mit Gelma zu verhandeln. Er legte ihr das Schuldbekenntnis des Geliebten vor, teilte ihr mit, daß er, der treulose Kommis, bereits eine Geliebte habe, und forderte sie auf, die Klage zurückzunehmen, da der junge Chef der Firma nicht beabsichtige, die Schwester seines verstorbenen Vaters, die doch nur aus Verblendung übel gehandelt, unglücklich zu machen. Selma war einer Ohnmacht nahe; sie fügte sich fast willenlos und bat unter Tränen den alten Kassierer des Hauses, er möge die Folgen ihrer Uebereilung vernichten, denn sie habe den schändlichen Schwarz wirklich geliebt. Horn fündigte ihr sofort an, daß der Neffe ihr eine kleine Pension zu zahlen bereit sei. Denselben Abend noch reiste sie zu einer Freundin, die auf dem Lande wohnte, und dort blieb sie. Die Pension, die regelmäßig gezahlt wurde, schützte ste vor Not und Entbehrung. Als das Trauerjahr vorüber war, führte Karl seine Braut heim. Frau Bauer, die rüstige Witwe, übernahm die Leitung des Haushalts. Die Firma Friedrich Halling" gedieh bald wieder zu der früHeren Blüte und der brave Sohn erfreute sich desselben Bertrauens in der Geschäftswelt, das der Vater genossen. Wilhelm Junker, der in den Militärdienst zurückgetreten, starb den Tod des Helden in Schleswig- Holstein. Sein immer noch beträchtliches Vermögen hatte er vor dem Feldzuge einer Offiziers- Witwenkasse vermacht. Ende. Stadt die Ent gebiet v angedro aus der türlich wurden in die Bogen in am neu weniger ten, uni Bürgern nachgebe 100 nis eine öffentlic in der veröffen ziellen S Zahl de nicht zu Selbstm Zuflucht Gelbilm die fleir wenden dung in darauf ins Wa den me ten der fammen Ein fannte Vortrag er sehr denen n Intere die Mi nicht lat diente. Namen dem N Ste Sud Iegiona Vorkom welche rige Ar Jünglin fonnte wieg. Menich, flucht g heimnin fonnte thn für tragen. Jahre 18 fangs m Mon her mern" d ofcht w lingen g Bapiere, Aber bie bent. 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Die der frü desfelben genoffen. zurüdge Solftein. er por acht. mit einem Bauer, Korb oder auch nur mit einer Tasche sehen ließ, stürmisch begrüßte. Es dauerte lange, bis sich alle Freunde von geschenkten Papageien überzeugen lieBen, daß fie ebenso wie der unglückliche Bigarrenhändler einem Wigbold zum Opfer gefallen waren. Ein Meisterstück der Chirurgie. Mit lebhafter Spannung verfolgt man gegenwärtig in Neuyork das Werk der Chirurgen vom St. Johns- Krankenhaus, die es sich zum Ziele gesetzt haben, einem Patienten durch langwierige und komplizierte Haut- und Muskeltransplantationen ein Der Patient, der Tivöllig neues Gesicht zu schenken. mothy Martin heißt, fiel vor einigen Monaten mit dem Kopf zwischen die Zahnräder einer Maschine und erlitt die furchtbarsten Verlegungen. Nase und Mund wurden germalmt und fortgerissen, und als man den Besinnungslosen ins Krankenhaus brachte, zweifelte man an seinem Aufkommen. Er konnte weder sprechen noch essen. Aber Martin trotte dem Tode und bewies eine so überraschende Lebenskraft, daß bei den Chirurgen die Frage auftauchte, ob man nicht versuchen solle, ihm auf fünstlichem Wege wenigstens die Menschenähnlichkeit zurückzugeben. Die Aerzte entschlossen sich zu dem Wagnis. Die erste Aufgabe war die Schaffung eines neuen Mundes. Mit un= endlicher Geduld begann die Arbeit, Stück um Stüd setzte man Haut- und Muskelstränge an die formlose Wunde an, bie Muskeln wurden mit den übriggebliebenen Gesichtsmuskeln verbunden. Der Prozeß des Anwachsens vollzog sich sehr langsam, aber nach und nach gewannen die angesetzten Muskeln an Kraft, der Patient lernte sie benuken, und nach einigen Monaten war er imstande, wieber zu sprechen. Von anderen Körperteilen wurden dann Hauttransplantationen vorgenommen, und die Operation ist so ausgezeichnet gelungen, daß man bei der unteren Ge= sichtshälfte nur an wenigen Narben die Spuren chirur gischer Arbeit erkennt. Die schwierigste Aufgabe stand aber noch bevor: der Bau" einer neuen Nase. Damit wurde am letzten Montag begonnen. Der linke Arm des Patienten wurde heraufgebogen und an der linken Seite des Gesichts befestigt. Die Aerzte entfernten dann den Nagel des fleinen Fingers, schlitten den Finger der Länge nach auf und setzten das freigelegte Fleisch auf die Höhlung des Gesichtes, in der früher die Nase gewesen war. Der kleine Finger soll hier festwachsen. Wenn die Verbindung start genug ist, wird er amputiert. Dann werden die Aerzte wiederum durch Hauttransplantation versuchen, die Form des angewachsenen Gliedes einer Nase möglichst ähnlich zu machen. So wird aus Neuyork gemeldet, sogar mehrfach, und vielleicht ist es auch so, aber heillos amerikanisch klingt die ganze Geschichte doch. Kleine Ursachen, große Wirkungen. Die friedliche Stadt Pupelo in Mississippi steht vor dem Ruin. In den letzten zwei Jahren ist mehr als die Hälfte der Bevölke rung plöglich fortgezogen. Warum? Was ist die Ursache dieser jähen Entvölkerung? Die Ursache ist ein reizendes helles Sommerkleid der Frau Bürgermeisterin. In diesem Kleide kam die Gattin des Stadtgewaltigen eines schönen Frühjahrstages vor drei Jahren in den Bahnhof, wo ge= rade eine Lokomotive manöverierte. Rauchwolken stiegen auf, Ruß schwirrte durch die Luft, und mit der Schönheit der Frühjahrstoilette der Frau Bürgermeisterin war's zu Ende. Ein Schadenersatzprozeß folgte, aber als die Klägerin abgewiesen wurde, setzte der Bürgermeister es im Stadtrate durch, daß eine Bestimmung erlassen wurde, die bie Entwickelung von Rauch, Ruß oder Funken im Stadtgebiet verbot. Die Eisenbahn verlegte schließlich, um den angedrohten schweren Strafen zu entgehen, den Bahnhof aus der Stadt. Dem Bahnhofsgebäude aber folgten natürlich die Verwaltungsgebäude und Werkstätten. Damit wurden die Arbeiter und Beamten wiederum gezwungen, in die Nähe zu ziehen; die Leute verließen Pupelo und zogen in die Arbeiterwohnungen, die die Eisenbahn dicht am neuen Bahnhof errichtet hatte. Heute zählt Pupelo weniger als die Hälfte der Einwohner von vor zwei Jahren, und die Auswanderung dauert noch fort, doch der Bürgermeister ist ein Trotzkopf und will au chjetzt noch nicht nachgeben. 10 000 Selbstmorde in fünf Jahren, das ist das Ergebnis einer Statistik, die die Petersburger Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege soeben über die Selbstmorde in der russischen Residenz für die Zeit von 1906 bis 1910 veröffentlicht hat. Diesen Mitteilungen sind nur die offi= ziellen Angaben zu Grunde gelegt, in Wirklichkeit ist die Zahl der Selbstmordversuche bedeutend größer, da viele nicht zur Registrierung gelangten. 5592 der Personen, die Selbstmordversuche begingen, nahmen zu einem Gift ihre Zuflucht, wobei Essigessenz bevorzugt wurde. Die meisten Selbstmorde werden in der falten Jahreszeit verübt und die fleinste Zahl entfällt auf den Sommer. Sehr häufig wenden die Selbstmörder verschiedene Mittel zur Erreichung ihres Zieles an: sie nehmen Gift und werfen sich darauf durch das Fenster auf die Straße oder stürzen sich ins Wasser. Die Ursache der Kinderselbstmorde hängt in den meisten Fällen mit grausamer Behandlung von seiten der Eltern oder Arbeitgeber und mit Heimweh zusammen. Ein deutscher Prinz in der Fremdenlegion? Der befannte Orientreisende Artbauer erzählte jüngst in einem Vortrage in Wien über die französische Fremdenlegion, die er sehr genau fennt, sehr viel interessante Einzelheiten, von denen manche mit Rücksicht auf die jüngsten Erörterungen Interesse erregen dürften. Von besonderer Bedeutung ist die Mitteilung, die als authentisch gelten darf, daß vor nicht langer Zeit ein deutscher Prinz in der Fremdenlegion diente. Er hatte natürlich nicht seinen alten fürstlichen Namen beibehalten, sondern hatte sich in die Listen unter dem Namen August Friedrich Nornemann als Fremdenlegionär einschreiben lassen. Ob ihn irgend ein dunkles Vorkommnis dazu zwang, in dieser furchtbaren Armee, welche in dem fieberschwangeren Boden Afrikas eine trau= rige Arbeit verrichtet, Dienst zu nehmen, oder ob es nur die Sucht nach romantischen Abenteuerr war, die viele Jünglinge zu dem unbesonnenen Schritt verleitet, das fonnte der Gelehrte nicht feststellen, da der Prinz darüber Schwieg. Ja, in der ganzen Fremdenlegion ahnte kein Mensch, wer dieser Nornemann eigentlich war. Man hielt thn für irgend einen desertierten Deutschen, der hier Zuflucht gesucht hatte. Trotzdem sollte der Schleter des Geheimnisses bald gelüftet werden. Der junge zarte Prinz fonnte die Strapazen und die Fieberatmosphäre nicht vertragen. 3wet Jahre hielt er mutig Stand, bis ihn im Jahre 1898 der Tod ereilte. Er starb in En- Sef- Ra. Anfangs wollte man ihn bestatten, wie alle anderen„ Nummern" der Fremdenlegion, dte bei dem Ableben einfach gelöscht werden. Ein primitives Grab wird diesen Flüchtfingen gegönnt, die zu einfachen Zahlen in der großen Legton herabgesunken sind. Durch Zufall fand man bei ihm Aber die hohe Abstammung dieses Fremdenlegionärs gaben. Der Kommandeur hielt es darum für richtiger, die Betche dieses Prinzen nicht dem Boden Afrikas zu übergeben, sondern file unter dem Gelette eines Offiziers und zweier Korporale nach Deutschland zu schaffen und sie seinen fürstlichen Eltern zur Beischung zu senden. In Hamburg nahm der Chef des Hauses die Leiche persönlich in Empfang und belohnte den Offizier und die beiden Soldaten reichlich. Das war das traurige Ende des Lebensromans eines Fürsten. Ein neuer Reklametrid. Eine Firma aus dem fashionabelsten Geschäftsviertel Londons, der New Bond Street, ist auf eine ganz neue Idee verfallen, thre Fabrikate unter dem fauffräftigen Publikum bekannt zu machen. Diese Firma läßt zwei ihrer schönsten Damen auf dem Ozean zwischen Europa und Amerika auf den großen Personendampfern hin und her fahren, und während der Fahrt können die weiblichen Passagiere des Dampfers die beiden Damen in den neuesten und fünstlerischsten Kostümen bewun dern und werden- wie es auch gar nicht anders möglich sein kann zum Kaufen bestimmt. Die Probierdamen aus der New Bond Street erklären die Preise und nehmen Maß. Die letteren werden drahtlos an die Firma gesandt, und wenn die Passagiere von Neuyork in London eintreffen, fönnen sie bereits ihre Kostüme fertig in th= ren Hotels in Empfang nehmen. Dieser Geschäftsfniff ist neu, ein wenig teuer, aber er soll sich doch bezahlt machen. - Eine gefahrvolle Ballonlandung. Der Ballon„ Altenburg" in die Fulda gestürzt. Dem Freiballon„ Altenburg" vom Luftschifferklub in Altenburg ist am Sonntag in der Nähe von Cassel ein eigenartiges Mißgeschick widerfahren. Da der Ballon bei dem herrschenden Sturm mit ungeheurer Schnelligkeit dahintrieb und die Insassen fürchteten, bis an die Nordsee getrieben zu werden, beschloffen sie im Fuldatal eine Landung, die aber nur mit größter Gefahr vor sich gehen fonnte. Der Ballon wurde bei dem Landungsversuch plötzlich vom Winde wieder emporgehoben und mit allen vier Insassen in die Fulda geschleudert. Nur mit großer Mühe gelang es, diese zu retten. Ueber das Unglück werden uns folgende Einzelheiten mitgeteilt: §§ Caffel, 27. März. Der Balloon war mit den Herren Fabrikbesitzer Richard Gerhardt- era( Reuß), einem bewährten Führer, der schon 30 Fahrten unternommen hat, Hofbuchdruckereibefizer Franz Geibel, Gutsbesizer Bret ting und Regierungsassessor Wandelt, sämtlich aus Altenburg, am Sonntag vormittag um 10% Uhr in Altenburg aufgestiegen. Er hatte unter Führung des Herrn Gebhardt zunächst eine günstige Fahrt. Bei stechender Sonne bewegte er sich hoch über den Nebel- und Regenwolken, und die Erkundigungen, die man wegen des Wetters bet den Sternwarten eingezogen hatte, schienen sich zu erfüllen, der scharfe Ostwind schien nachzulassen, während die Nebel- und Regenwollen an Stärke zunahmen, sodaß die überflogene Landschaft fast nirgends zu erkennen war. Der Ballon stteg bei der Wärme, die die Sonne ausstrahlte, immer höher, und als er nach etwa einstündiger Fahrt einem zweiten Ballon hoch oben in den Lüften begegnete, war er bereits so hoch gestiegen, daß man fürchtete, zu weit nach Westen getrieben zu werden, weshalb Anstrengungen gemacht wurden, weiter in die Tiefe zu kommen. Mit dem zweiten BalIon war eine Verständigung nicht möglich, da der starke Ostwind beide Luftschiffe mtt größter Schnelligkeit in westItcher Richtung trieb. Der andere Ballon verschwand den Insassen des Ballons Altenburg" in seitlicher Richtung aus dem Gesichtskreis. Da die Luftschiffer mit dem Ballon„ Altenburg" mittlerweile 240 Kilometer gefahren waren, be= schlossen sie, zu landen. Der Gasverlust var durch die stark entwickelte Wärme sehr erheblich, und da man schon sehr viel Ballas abgegeben hatte, fürchtete man, bis an die Nordfee getrieben zu werden, wenn der Ballon noch einmal in die hohen Regionen aufsteigen würde. Die Landung gestaltete sich ungewöhnlich schwierig, weil unterhalb der Regenwolken zunächst die Temperatur sehr niedrig war und der Ballon infolgedessen schneller in die Tiefe hinabgleiten wollte; es wurde, um diesen schnellen Abstieg zu mildern, viel Ballast ausgeworfen und dann der erste Landungsversuch bei dem Dorfe Wahnhausen gemacht. Dieser Ver= such mißglückte; die Luftschiffer vermochten nicht, auf der Wiese zu landen und die ihnen hier zu Hilfe eilenden Leute konnten sich mit den Insassen nicht verständigen, da der hef= tige Sturmwind den Ballon ziemlich schnell in südwestlicher Richtung forttrieb. Der Führer, Herr Gerhardt, ließ nun weiterhin Ballast abgeben, bis der Ballon den bewaldeten Kragenhofer Berg passtert hatte, und er versuchte nun, den Ballon in dem Fuldatal niederzubringen. Das war auch ganz gut gelungen; der Kragenhofer Berg und die Fulda waren bereits überflogen und auf dem WolfsangerIhringshäuser Wiesengebiet unterhalb der Kragenhöfer Brücke in nächster Nähe der Fulda sollte die Landung vor sich gehen. Schon hatte der Ballon einmal mit der Gondel den Boden erreicht, die Reißleine zwecks Deffnung des Gasventils war schon gezogen worden und man glaubte, jetzt nach einem zweiten, leichteren Stoß fest auf den Boden zu fommen, als plöglich der Sturmwind die Ballonhülle faßte, sie vom Erdboden riß und samt der Gondel mit allen vier Insassen in die Fulda schleuderte. Dabei wurde die Ballonhülle schwer beschädigt; die Gondel drehte fich in der Luft und tippte beim Aufschlagen auf das Wasser so um, daß Regierungsaffessor Wandelt- Altenburg unter die Gon del gequetscht und in das Wasser gedrückt wurde. Dabei erlitt er einen komplizierten Knöchelbruch am linken Fuß, der ihn vollends seiner Bewegungsfreiheit beraubte. Die übrigen Insassen mühten sich, ihrem verlegten Kameraden Hilfe zu bringen. Mit einer Hand an den Tauen sich haltend, versuchten sie, mit der anderen Hand den unter Wasser ge= brückten Regierungsassessor Wandelt aus seiner gefährlichen Lage zu befreien, wobei sie laut um Hilfe riefen. Hilfe war erfreulicherweise bald zur Stelle. Den Landungsversuchen hatte mit Interesse eine Anzahl Leute aus Wolfsanger und Spieckershausen zugefehen; der Schleusenmeister an der Kragenhöfer Schleuse, Immler, hatte schon vor der ersten Landung bei dem Hinübertreiben des Ballons über den Fluß die Befürchtung geäußert, daß der Ballon ins Wasser stürzen könnte; er hatte auf jeden Fall ein Fährboot flottgemacht. Er ruderte sofort zur Unfallstelle und hier gelang es, zunächst die unverletzten drei Luftschiffer und schließlich den bewußtlosen Regierungsassessor Wandelt in das Fährboot zu ziehen. Bei diesem machten sich bereits alle Anzeichen eines Erstickungstodes bemerkbar; das Gesicht hatte sich bereits verfärbt, die Zunge war stast angeschwolIen. Die sofort angestellten Wiederbelebungsversuche hatten indes Erfolg; unterdessen war ein Krankenautomobil zur Stelle gerufen worden, das den schwer mitgenommenen Luftschiffer zunächst nach Bad Wolfsanger brachte. Die drei anderen Luftschiffer famen mit dem Schrecken und dem fal-. ten Bad davon. Unter Anteilnahme der Dorfbewohner wurde nunmehr die Bergung des Ballons und der Gondel vollzogen. Der Ballon war so mit Wasser angefüllt wor den, daß es nur unter den schwierigsten Umständen möglich war, ihn zu bergen; es mußten mehrere Schnitte in die Ballonhaut gemacht werden, um das Wasser zum Entweichen zu bringen. Nachdem man ihn nach stundenlanger Arbeit an das Land gezogen hatte, wurde er nach dem Bahnhof Kragenhof gefahren, wo man ihn verpackte. Die drei unverletzt gebliebenen Luftschiffer begaben sich abends nach Taffel, von wo aus sie die Rückreise in die Heimat aptraten. Baviere, welche den erstaunten Kommandeuren Auskunft Furchtbares Brandunglück in Amerika. 148 Leichen geborgen. Die Stadt Neuyork ist am Sonnabend von einem furchtbaren Brandkatastrophe Heimgesucht worden, der eine aroße Anzahl Menschen zum Opfer gefallen sind. Der Draht meldet uns darüber: Neuyork, 26. März. In einem achtstöckigen Hause in dem sich eine Zelluloidfabrik befindet, brach Sonnabend nachmittag ein Brand aus, der zahlreiche Opfer forderte. Man schätzt die Zahl der Personen, die durch Herabsprin gen aus den Fenstern oder durch Feuer den Tod gefunden haben, meist junge Mädchen, auf weit über 100. In der Fabrik waren gegen 1500 Personen beschäftigt. Ein späteres Telegramm lautet: Newyork, 26. März. Der gestrige Fabrikbrand entstand in der siebenten Etage des zehn, nicht, wie zuerst gemeldet, achtstöckigen Gebäudes aus unanfgeklärter Ursache und pflanzte sich mit riesiger Schnelligkeit nach den oberen Stoda werken fort. Um 6 Uhr abends waren bereits 53 Leichen meist von jungen Mädchen auf der Straße zusammengetragen, die bei der großen Höhe durch Sinabspringen auf die Straße den Tod gefunden hatten. Auch in dem Luftschacht wurde eine große Zahl von Leichen gefunden. Mehrere Personen versuchten, sich an den über die Straße gehenden elektrischen Leitungsdrähten in Sicherheit zu bringen, stürzten aber ebenfalls auf die Straße, da die Drähte unter dem zu großen Gewicht rissen. Aus dem achten Stock wurden etwa 50 Leichen geborgen, sodaß die Gesamtzahl der Toten gegen 150 betragen dürfte. Eine große Zahl von Verletzten, die teilweise sehr schwere Brandwunden aufweisen, wur den durch die Ambulanzen nach den Spitälern gebracht. Wie es heißt, soll vor dem Ausbruch des Brandes eine Exploflon stattgefunden haben. Die Brandstätte zeigt furchtbare Bilder. Ganze Reihen von Leichen junger Mädchen und Männer liegen auf den angrenzenden Straßen. Die Nachricht von der Katastrophe verbreitete sich mit Bligesschnelle, sodaß Scharen von Angehörigen der Toten den jetzt um die Brandstätte gezogenen Polizeifordon bestürmen. Viele. der Opfer sind dadurch umgekommen, daß sie bei dem Sprung aus der großen Höhe die von der Feuerwehr ausgebreiteten Sprungnezze durchschlugen. Weitere Telegramme melden über die furchtbare Katastrophe: Nenyork, 26. März. Vis Mitternacht find aus der abgebrannten Zelluloidfabrik 148 zumeist gräßlich verstüm melte Leichen geborgen worden. Die Feuerwehrleute erklärten den Berichterstattern, daß die Treppen mit erstickten Menschen voll gewesen seien, so daß sie die größte Mühe gehabt hätten, die Leichen auseinanderzubringen. Gegen Mitternacht wurde ein halb irrsinniger Ueberlebender im Souterrain gefunden, wo er in Gefahr schwebte, zu ersticken, da die Feuerwehrleute große Wassermassen in das Gebäude gepumpt hatte. Um Mitternacht waren die Toten aufgebahrt, worauf die Angehörigen zugelassen wurden. Herzzerreißende Szenen spielten sich da ab. Fast alle Mädchen hinterlassen Eltern, Geschwister und Verlobte. Von den Umgekommenen ist ziemlich die Hälfte russisch- jüdischer Herkunft, die anderen find Deutsche und Italiener. Neuvork, 27. März. In der Leichenhalle, die infolge des ungeheuren Volkszudrangs mit einem doppelten Polizeikordon umgeben ist, wurden 123 nicht identifizierte Frauen- und 13 Mäunerleichen, alle numeriert, mit den bei ihnen gefundenen Habseligkeiten zur Schau gestellt. Man hofft so die Joentifizierung durch die Angehörigen zu er leichtern. Fast alle Leichen sind infolge des Sprunges in dte Tiefe in eine formlose Masse verwandelt oder, wenn sie im Gebäude gefunden wurden, halb verkohlt. Zwei Mädchen, die in den Trümmern in inniger Umarmung gefun= den wurden, legte man so zusammen in einen Sarg. 0 Renyork, 27. März. Es bestätigt sich, daß während des Brandes der Celluloidfabrit über 150 Personen ihr Leben eingebüßt haben. Es sind meist ausländische Mädchen. Das Feuer soll infolge Defektes der Dynamomaschine entstanden sein. Nach neueren Meldugnen brach der Brand beim Geschäftsschluß während der Lohnzahlung aus. 80 Mädchen befanden sich im 8., 9. und 10. Stock. Die Mädchen frochen um die schmalen Vorsprünge und Simse und spran= gen, sobald die Kleider Feuer fingen, auf die Straße hinab. Die Rettungsnetze erwiesen sich als wertlos, weil einige gleichzeitig sprangen. Ueber Hundert Leichen lagen in langen Reihen längs der Straße mit zerschmetterten Gliedern. Von der Rückseite des Gebäudes ließ man Leitern anlegen, wodurch die Rettung von etwa 60 Mädchen ermöglicht wurde. Drabtnachrichten und Deuestes. Die Jubelfeier in Italien. Nom, 27. März. Die Feiern zum 50jährigen Jubelfeste des vereinigten Königreichs begannen heute mit einer Festsitzung im Senatspalast in Anwesenheit der Majestäten und der Spitzen der Behörden.. Die Präsidenten des Se nats und der Kammer sowie der Bürgermeister hielten Ansprachen. Venedig, 27. März. Aus Anlaß der italienischen Jubelfeier hatten die Hohenzollern und die Königsberg geflaggt. Bei der Flottenparade um 8 Uhr gab die Königsberg einen Salut von 21 Schüssen ab. Um 8% Uhr begaben sich im Auftrag des Kaisers einige Herren des Gefolges von der Hohenzollern an Land und legten am Dentmal Viktor Emanuels einen Kranz mit weiß- roter Schleife nieder. Friede in Mexiko. Neuyork, 27. März. Die„ Tribune" meldet aus der Stadt Merito, es sei eine Vereinbarung zwischen der Regierung und den Insurgenten getroffen worden, wonach letztere die Waffen niederlegen würden. Das neue Kabtnett würde vollständig unbeeinflußte Wahlen und eine allgemeine Amnestie gewähren. China gibt nach. Vefing, 27. März. Das auswärtige Amt hat nach langen wichtigen Beratungen dem hiesigen russischen Ge sandten die Versicherung gegeben, daß China heute rückhaltlos die Forderungen Rußlands bewilligen werde. Man ist hier allgemein der Ansicht, daß China feine andere Wahl hat, weil es auf einen Krieg völlig unvorbereitet ist. Schwere Ausschreitungen Streifender. 0 Bamberg, 27. März. Im benachbarten Bischberg fam es in der vergangenen Nacht zu schweren Ausschrei tungen streifender Arbeiter der Ton- und Zementwerfe. Sämtliche Fensterscheiben der Fabrikgebäude wurden zertrümmert und Steine in die Wohnung des Direktors geworfen, der sich mit seiner Familie nach Bamberg flüchten mußte. Die ganze Gendarmerie der Umgegend wurde zusammengezogen. Sie gab, als man sie mit Steinwürfen empfing, blinde Schüsse auf die Menge ab. Heute früh wurden die elektrischen Bogenlampen der Fabrik durch Steinwürfe zertrümmert. Schneestürme in Frankreich. Paris, 27. März. Aus Nord- und Ostfrankreich werden heftige Schneestürme gemeldet. Bei Belfort haben die Schneestürme zahlreiche Telegraphendrähte zerrissen. Die Verbindungen mit Deutschland sind teilweise gestört. Angriff auf eine Straßenbahn. Barcelona, 27. März. Eine große Volksmenge griff während der Nacht die Angestellten der Straßenbahn an, well ein Arbeiter beim Ueberschreiten der Straße überfahren worden war. 3wei Straßenbahnwagen wurden um geworfen. Erst in später Nacht wurde die Ruhe durch Militär und Polizei wiederhergestellt. Handel und Oerkebr. Cassel, 25. März. Weizen( 100 g.) 19.00-19.50 M. Roggen( 100 g.) 15.50-16.00 M. Gerste( 100 g.) 15.50 618 17.00 M.- 2.50-3.30 M. - - Hafer( 100 Kg.) 16.00-18.00 M. Stroh( Str.) 1.60-2.40 M. - Hen( 3tr.) HO logan B Lichtspiele Walltorstr. Kolosseum Walltorstr. Giessen. Programm vom 25. bis 28. März 1911 1. Eine Elektroseilbahn zur Speisung der Hochöfen. Hochinteressante Aufnahme aus dem Gebiete der modernen Technik. 2. Müllers Geschenk. Eine Posse im Bilde. 3. Der ehrliche Finder. Rührendes Drama aus dem Leben. 4. Eine doppelte Entführung. Lustspiel in 12 Bildern 5. Der Tod des Don Juan. Grosses Schauspiel nach der bekannten Oper. Reihenfolge der Bilder. Der 1) Don Juan verführt Donna Anna. Kommandeur und er duellieren sich; der Kommandeur wird getötet. 2) Don Juan begegnet Elvira. 3) Don Juan bepfiehlt Syanarello, die Statue des Kommandeurs zu Tische zu bitten. 4) Don Juan langweilt sich mit seiner Frau. 5) Der Kommandeur kommt zum Rendez- vous und nimmt Don Juan in die Unterwelt mit. Unter luxuriösester Ausstattung wird uns das vielseitige Leben Don Juans vor Augen geführt, der schliesslich doch auch den Weg zum Hades- Aufenthalt der Toten findet. Selbst hier bereitet man ihm stürmische Empfangscenen und die reichlich versammelte Weiblichkeit ist unglücklich über den Tod dieses Geliebtesten aller Geliebten. 6. Wildfütterung. Herrliche Naturaufnahme. 7. Das ewige Märchen. Humoristisch. 8. Der Verleumder. Sittenroman von ersten Parisern Künstlern gespielt. Farbenkinematographie. Täglich Vorstellung ununterbrochen von nachmittags 3 Uhr bis abends 11 Uhr. TT Neubau der Irrenanstalt bei Gießen. Liefern und Aufmachen von Vorhängen u. Spiegeln. 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