Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen oterteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig. ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Erscheint Mittags 3 Uhr. Die„ Illuftr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83.- Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung ,, G. m. b. H. Nr. 147. - - Telephon: Nr. 362. Der Sommer 1911 wird an politischen Ereignissen reich sein und dürfte seinem Vorgänger umsoweniger etwas nachgeben, als er der letzte Sommer vor den der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer des Großherzoglichen Polizei Amfes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Montag, den 26. Juni 1911. | Gastwirt Schlierbach- Bieber bewirtete die erschienenen| Gäste aufs beste. * ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Inseratenzeile. Stellen gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" 6. m. b. H. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. *) Klein Karben, 26. Juni. Der Müller Schudt will, um seine Wasserkraft besser ausnutzen zu Hess. Verein für Luftschiffahrt. Auf können, einen beweglichen Wehraufsatz anbringen und Antrag der neugegründeten Ortsgruppe Gießen wurde damit bei niedrigem Wasserstand stauen. Der Kreisausauf der in Marburg stattgefundenen Vereinsversamm- schuß des Kreises Friedberg gab dem Gesuch statt. Es lung die beschlossene Namensänderung in„ Hessischer V. f. L." genehmigt. Für den deutschen Rundflug hat der Verein zu dem Streckenpreis( Kassel) bezw. zu Ortsflügen einen Beitrag bewilligt. Die Vereinsmitglieder erhalten auf den Zuschauertribünen Plätze zu ermäßigten Wahlen zum deutschen Reichstage Breisen. ist. Unsere Zeitung wird immerfort bemüht sein, über alles Wissenswerte in der Politik sowie über alle wichtigen Vorkommnisse in und außerhalb der rot- weißen Grenzpfähle zu berichten; ganz be= sonders aber wird sie die Leser über die Vorgänge in unserer näheren Heimat auf dem Laufenden erhalten. Da das alles in knapper, übersichtlicher Form geschieht, wird auch der in dieser Periode so außerordentlich in Anspruch genommene Landmann die Zeit finden, um unser Blatt weiter zu lesen und sich darüber zu unterrichten, was jed. Staatsbürger wissen muß. Zur Vermeidung von Unregelmäßigkeiten in der Zustellung beim Quartalswechsel bitten wir das Abonnement gefl. sofort zu erneuern, auch sind wir für Empfehlung in Freundes- u. Bekanntenkreisen dankbar. Verlag und Redaktion. Aus Stadt und Land. Gießen, den 26. Juni. * Erledigte Lehrerstelle. Die mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde schule zu Wernges, Kr. Lauterbach. Mit der Stelle ist Organisten- und Lektordienst verbunden. Aus dem Militärwochenblatt. Unterapotheker Schreiber wurde zum Oberapotheker befördert. * Ueber die hessisch preußische Eisenbahngemeinschaft spricht am Mittwoch im " Jungliberalen Verein" zu Darmstadt Universitätsprofessor Dr. Biermer. * Der Gau 3 der deutschen Motorfahrer= Vereinigung hält am 2. Juli, mittags 12 Uhr, im Hotel Schütz zu Gießen einen außerordentl Gautag ab. Tagesordnung: 1. Bericht über den 8. D. M. V.- Tag in Naumburg. 2. Die neuen D. M. V.- Satzungen und die erforderlichen Abänderungen unserer Gausatzungen. 3. Die Pflasterzollfrage. 4. Wahl des Beisitzers zum D. M. V.- Gesamtvorstand. 5. Verschiedenes. Am. 2. Juli, vorm. 10 Uhr: Gauvorstandssitzung. Tagesordnung: 1. Festsetzung der Preise für die Gesellschaftsfahrt. 2. Besprechung verschie dener interner Gauangelegenheiten. 3. Besprechung etwaiger nachträglich eingegangener Anträge zum Gautag. Die Reineinnahmen aus Oktroifür Kohlen und Getränke für das abgelaufene Rechnungsjahr beträgt 87 618 Mark und ist um 5000 Mark gegen den Voranschlag zurückgeblieben. Der Bierkonsum 1910 bis 1911 beträgt 44 700 Hektoliter. = -h Sonnenwendfeier. Gestern veranstaltete der Dünsberg Verein auf der Höhe des Dünsberges eine Sonnenwendfeier. Leider war die Beteiligung von Gießen und Wetzlar gering. Doch entwickelte sich gegen 5 Uhr ein munteres Treiben. Nach den Klängen einer Musikkapelle huldigte die Jugend auf dem grünen Rasen dem fröhlichen Tanze. Gegen 6 Uhr hielt Herr Lehrer Feix- Fellingshausen auf Veranlassung des Vorstandes vom Dünsbergverein eine Ansprache, in welcher er die vielen wertlosen Feste in unserer Zeit einer scharfen Kritik unterzog. Redner schilderte dann die Schönheit der altdeutschen Feste und forderte den Dünsbergverein auf, dazu beizutragen, daß die volkstümlichen Feste wieder zu Ehren kommen. Hoffentlich ist die Beteiligung des über 300 Mitglieder 3öhlenden Vereins an der Feier im nächsten Jahre besser. * Vermißt. Am Abend des 2. Pfingstfeiertags verschwand der Verwalter Ernst 3ollmann, der bis dahin auf dem Hofgut des Herrn Kaz in Ofarben bedienstet war. Es wird befürchtet, daß ihm ein Unglück zugestoßen oder er einem Verbrechen zum Opfer gefallen sei. Wer Auskunft über seinen Verbleib geben kann, oder ihn nach dem Abend des 2. Pfingstfeiertags gesehen hat, wird gebeten, dies der Staatsan= waltschaft in Gießen direkt oder durch die Ortspolizeibehörde mitzuteilen. t Dutenhofen, 26. Juni. In dem breiten Lahnbecken von Gießen abwärts ist die Heuernte soweit glücklich beendet. Viele Gemeinden, so auch Dutenhofen, besitzen zu beiden Seiten des Flusses große Wiesenflächen. Früher war daselbst noch keine Brücke und die Bewohner fuhren im Kahn zur Heuernte, was bei hohem Wasserstand oft gefährlich war. Im Jahre 1871 stürzte zur Zeit der Heuernte der Fährkahn um; 32 Personen fielen in das Wasser und kämpften mit den Fluten, 7 davon ertranken. *) Bad Nauheim, 24. Juni. Der engl. Krönungstag, zu dem die Vorbereitungen von der Großh. Bade- und Kurverwaltung mit einem von den zahlreichen englischen Kurgästen gewählten Festkomitee getroffen waren, nahm bei herrlichstem Wetter einen glänzenden Verlauf. Am Nachmittage fand auf dem Golfplatz ein 5 Uhr- Tee mit Militärkonzert statt. Hieran schloß sich das Festessen auf der Terasse. Die Festrede auf das englische Königspaar hielt Sir Lander Brunton; Mr. Gambell brachte das Hoch auf Kaiser und Großherzog aus. Im neuen Konzertsaale fand ein außerordentlich stark besuchter Blumenball statt, während Bark und Terasse bei Eintritt der Dunkelheit im feenhaften Märchenzauber der italienischen Nacht erglänzten. Bad Nauheim, 26. Juni. Herzogin Max von Württemberg ist am Samstag mit Gefolge und Dienerschaft zu längerem Kur- Aufenthalt hier eingetrof fen. Ebenso ist der ungarische Staatsminister a. D. und Ministerpräsident Exz. v. Kossuth eingetroffen und im Park- Hotel abgestiegen. *) Nieder- Mörlen, 26. Juni. Vor der Gießener Straffammer hatten sich der Taglöhner L. und seine Stieftochter wegen Blutschande zu verant= worten. Mangels ausreichender Beweise wurden die Angeklagten freigesprochen. In der Begründung des Urteils heißt es: Die mitangeklagte Stieftochter gibt den strafbaren Verkehr unumwunden zu. Sie ist aber in ihrer Aussage vielfach schwankend und hat aus Rache und Gehässigkeit Anzeige erstattet. Sie hat außerdem im Jahre 1906 als Mutter eines unehelichen Kindes beschworen, daß sie mit keinem anderen Manne als mit einem jungen Burschen geschlechtlich verkehrt habe. * Friedberg, 26. Juni. Dem Friedberger Muſeum steht eine große Erweiterung seines Bestandes bevor. Die seinerzeit auf der Kapersburg gemachten Funde wurden, da die Untersuchung durch den Baurat Jakobi- Homburg geschah, auf der Saalburg aufbewahrt. Der Vorsitzende des hiesigen Geschichtsvereins hat nun wiederholt in schriftlicher und mündlicher Form bei den maßgebenden Behörden darauf hingewiesen, daß die Ausstellung auf hessischem Boden erhobener Altertümer auf der Saalburg in keiner Weise berechtigt sei. In anerkennenswerter Weise hat sich das Ministe rium der Sache angenommen; die Verhandlungen gingen hin und her, ohne daß es jedoch zu einer Entscheidung kam. Schließlich wurde dann eine Entscheidung in der Weise getroffen, daß der Großherzog seine Zustim mung dazu gab, daß die Kapersburgfunde der Saalburg als dauernde Leihgabe zugewiesen wurden. Aber Hessen hat den Vorbehalt gemacht, daß alle wichtigen Stücke, besonders die Inschriften und Altäre, naturgetreu nachgebildet und diese Nachbildungen an Hessen abgeliefert würden. Die Herstellung der Nachbildungen und die Sichtung der Funde ist bereits im Gange, und sie sollen auf Antrag des hiesigen Geschichtsvereins dem Museum der Stadt Friedberg zugewiesen werden. liefen aber Reklamationen von drei Gemeinden und 2 Müllern ein. Die Gemeinden befürchteten eine Erhöhung des Grundwasserspiegels und damit eine Versumpfung ihres Geländes, während die beiden Müller behaupteten, in ihrem Betrieb gehindert zu sein. Gegen das Urteil des Kreisausschusses erhoben die Genannten Rekurs beim Provinzial- Ausschuß. Auf Grund einer Lokalbesichtigung beschloß der Provinzial- Ausschuß den Refurs der Einsprucherhebenden kostenpflichtig abzuweisen. * Ofarben, 26. Juni. Mehrere Mitglieder cines Vereins aus Griesheim hatten am preußischen Bußhörig dem Alkohol zugesprochen. Als sie mit dem Abendtage einen Ausflug nach hier unternommen und ge= zuge die Heimreise antraten, fügten sie dem Bahnvorsteher und dem Bahnsteigschaffner schwere Beleidigungen zu. Die Ausflügler kehrten, nachdem sie Fahrkarten gelöst hatten, in eine nahegelegene Wirtschaft ein. Inzwischen nahte der Zug und die Schranken wurden schriftsmäßig geschlossen. Die Ausflügler glaubten nun, sie seien mit Absicht ausgesperrt worden. Mit Stöcken und abgerissenen Latten schlugen sie nun auf den diensttuenden Beamten ein. Erst als der Bahnsteigschaffner, der durch ein Fenster geflüchtet war, Hilfe herbeiholte, nahm die Mißhandlung ein Ende. Zwei Attentäter erhielten von der Strafkammer Gießen drei Monate, der dritte a cht und der vierte neun Monate Gefängnis. vor= * Büdingen, 26. Juni. Auf dem Rouselle'schen Basaltwerke in Breitenborn sind unter zwei italienischen Arbeitern die schwarzen Pocken ausgebrochen. Vorsichtsmaßregeln sind getroffen. * Alsfeld, 26. Juni. In einer Sandgrube bei Brauerschwend wurde ein Landwirt von einer Sandheraus, aber er starb an einer erlittenen schweren Schäschicht verschüttet. Andere Personen zogen ihn schnell delverletzung. -m- Lauterbach, 25. Juni. Der nächste Gottesdienst für Taub stumme in Lauterbach findet am Sonntag, den 2. Juli, und zwar diesmal vormit= tags um 11 Uhr statt. Daran anschließend ist ein gemeinsames einfaches Mittagessen und nachmittags ein Ausflug nach dem schön gelegenen Schloß Eisenbach geplant. Unbemittelte Taubstumme mögen sich zwecks Erlangung von Fahrpreisermäßigung alsbald durch eine Postkarte an Oberpfarrer Müller- Lauterbach wenden, unter Angabe der Bahnstation, von der sie abfahren. *) Lauterbach, 26. Juni. Der Seifenfabrikant Karl Sandmann hatte beim Kreisausschuß um die Erlaubnis zur Aufstellung eines Dampftessels nachgesucht und erhalten. Dagegen erhob H. Zinn Rekurs, weil in der Seifenfabrik des S. wissentliche Aenderungen eingetreten seien. Nach Anhörung der Gewerbeinspektion und einer Reihe Zeugen entschied schließlich der Kreisausschuß, daß die nachgesuchte Genehmigung unter gewissen Bedingungen zu erteilen sei. Zinn verfolgte Refurs an den Provinzial- Ausschuß. Dieser entschied, daß dem Rekurs stattzugeben und unter teilweiser Aufhebung der Entscheidung des Kreisausschusses die Genehmigung zur Aufstellung eines Dampftessels zu erteilen sei, daß dagegen die Genehmigung zur Abänderung einer Seifensiederei und Fettschmelze zu versagen sei. == Marburg, 24. Juni. Ein schweres Geschick ereilte zwei Landwirte beim Streuen von Superphos= phat und Kainit. Beide zogen sich durch an den Händen befindlichen Schrunden, welche nicht mit Sorgfalt ausgewaschen waren, Blutvergiftungen zu. Während der eine durch Amputation des Armes in der Marburger Klinik gerettet werden konnte, büßte der zweite sein Leben ein. *) Limburg, 24. Juni. An folgende Eisenbahnbeamten wurden Auszeichnungen überreicht: Für und Bahnwärter Müller. Für 25jährige Dienstzeit an 40jährige Dienstzeit: An Zugführer J. Busalt Oberbahn- Assistent Kuns, Zugführer Thomas, Seelbach und Fischer, den Schaffnern Weber, Schermuin, Heinrich Müller und Schmidt, sowie dem Weichenſteller Pfaff. *) Frankfurt, 26. Juni. Die Vorarbeiten zur der Eckenheimer Landstraße sind so vorgeschritten, daß Errichtung eines Krematoriums auf dem Friedhof an man mit der Leichenverbrennung schon im kommenden Winter beginnen zu können glaubt. Meine Dampfmaschine. Meine Dampfmaschine. Skizzen aus Marokko. Flinte im Arm, auf dem einzigen, dem Elmfallen Maultiere naben, mageren en er ist nla oder kleinen Esel sigend, seine Ehehälfte begleitet. Seine Frau hat Der Krönungsfubel in London. Die Krönungsfeier ist vorüber. Die Zeremonien in der Westminsterabtei waren dieselben wie bet vielen anderen Krönungen englischer Könige, aber niemals sind zu folchen Krönungsfesten so zahllose Völker zusammengeströmt wie bet diesem. Niemals, seitdem Weltgeschichte geschrieben wird, waren auf einem so verhältnismäßig engen Raume so ungeheure Menschenmassen versammelt wie an diesem Krönungstage. Nirgendwo auf dem Erden= rund wird man sich einen Begriff davon machen können, weil es eben nie dagewesen ist weder beim Jubiläum der Königin Viktoria noch bei der Krönung Eduards VII. noch bei dessen Begräbnis. Die Mehrzahl der Londoner haben alle diese Ereignisse miterlebt, aber so etwas haben fie nie gesehen. Zu Millionen waren die Menschen herbeigeeilt. Man hatte da gegen sechstausend Polizisten aufgestellt, um Ordnung zu halten, aber wenn ihrer sechzigtausend gewesen wären, hätten sie nichts gegen diese Maffen vermocht, wären diese anders als guten Willens gewesen. Ein ungeheurer Akkord der Festfreude ging von dieser flutenden Menschheit aus. Man fang, man blies in bunte Hörner, man schrie„ Hurra" und lachte lachte über alles, über den tollen Mummenschanz, den mit abenteuerlichen Gewändern angetane Jünglinge verübten, lachte, wenn man sich gegenseitig auf die Zehen trat, und vertrieb sich die Zeit mit Scherzen, wenn, wie das am Strand sehr häufig geschah, die Flut minutenlang sich staute, die Massen mit solcher Wucht aufeinanderdrückten, daß die Väter ängstlich ihre Kinder auf die Schultern hoben, um sie vor Schaden zu bewahren. Am Nachmittag, als das Gedränge am stärksten war und die Menge stürmische Ovationen ausbrachte, erschien, wie berichtet, der König im vollen Festgewand und mit der Krone auf dem Haupte, begleitet von der Königin, auf dem Balkon des Palastes. Unten im Hofe, zu Pferde sitzend, befand sich eine Anzahl Generale, hinter ihnen hielt eine starke Abteilung Kavallerie, eine Abteilung Matrosen und ein Regiment Infanterie. Wohl 5000 Zuschauer drängten sich vor den Gittern. Als der König sich verbeugte, brach ein mtnutenlanger Sturm des Beifalls aus, in den auch die Soldaten mit einstimmten. Die Offiziere schwangen ihre Säbel und die Soldaten schrien" Hurra". Die Fahne des Infanterieregiments flatterte auf und nieder. Drei Minuten stand das königliche Paar auf dem Balkon und dankte immer und immer wieder für diese von Her zen kommende Huldigung seines Volkes und seiner Soldaten. Obwohl der König, den man mehrmals husten sah, fich offenbar nicht in bester Gesundheit befand, wickelte das ungemein komplizierte Programm sich erstaunlich glatt ab. Es brachte überdies mehr als einen Moment, wo man inne wurde, daß hier doch nicht bloß ein in wnchenlangen Proben einstudierter Festakt vor sich ging. So namentlich als der König seinen als erster seiner Untertanen durch Kniefall ihm huldigenden ältesten Sohn, den jungen Prinzen von Wales, ans Herz schloß, und als die Königin, von der Erregung der Stunde bleich bis in die Lippen, im Krönungsornat ebenfalls huldigend vor ihren Gemahl hintrat und die Blicke des Herrscherpaares sich begegneten. Feter war kaum zu Ende, die Prozession hatte sich noch nicht wieder zur Rückkehr nach dem Buckingham- Palast formiert, als der gekrönte Herrscher in dem für ihn eingerichteten Umkleidezimmer der Abtei seine erste Regtrungshandlung vollzog. Sie bestand in einem Fingerdruck auf einen elektrischen Knopf, dessen Leitung in Neufundland den Grundstein zu einem königlichen Seemannsheim auf die dafür bestimmte Stelle fallen ließ. Ein Sinnbild sowohl für die Vermählung von Aeltestem und Neuestem in dieser Krönungsfeter, wie für die erdumspannende Bedeutung der britischen Krone. Das königItche Paar brachte den Nachmittag in stiller Zurückgezogenheit zu. Zum Diner war nur der deutsche Kronprinz, feine Gemahlin und einige andere im Buckingham- Palast untergebrachte Gäste geladen. Keine Begnadigung der englischen Spione. Die Wie eine Berliner Korrespondenz gehört haben will, ist dem Kaiser der Vorschlag gemacht worden, anläßlich der Krönung des englischen Königspaares die englischen Spione Trench und Brandon, die augenblicklich auf den Festungen Glaz und Wesel wegen der Borkumer Spionageaffäre ihre Strafe abbüßen, zu begnadigen. Der Kaiser hat die Begnadigung der englischen Spione a b= gelehnt. Wie verlautet, war der Vorschlag dem Kaiser von einer ihm sehr nahestehenden Seite gemacht worden. Von irgend einer amtlichen Stelle ist der Vorschlag nicht angeregt worden.- Der Prozeß gegen Trench und Brandon hat die Ausdehnung und Bedenklichkeit der englischen Spionageversuche an unserer Küste vollständig klargelegt; ein neuer Prozeß gegen einen englischen Spion ist gegen wärtig wieder beim Reichsgericht anhängig. Unter diesen Umständen wäre die Begnadigung doppelt bedenklich ge wesen, denn sie hätte geradezu zu neuen Spionageaften ermuntert. Den beiden Engländern wurden seinerzeit vom Reichsgericht mildernde Umstände bewilligt; das war das Aeußerste, was an Nachsicht geübt werden konnte. 8) Und dennoch. Novelle von Ernst Busolt. ( Nachdruck verboten.) Ich habe Dir jetzt alles auseinandergesetzt!" und die Scharfen, stechenden Augen des Alten bohrten sich fest in die Virginiens, während er fortfuhr:„ Sie ist gestorben; ich kann Dir die Papiere vorlegen, und Du siehst mich bereit, Dich zu rehabilitieren, Dir eine Stellung zu geben. Ich bin alt, neue Verbindungen mag ich nicht mehr schlieBen, umsoweniger, als ich fühle, was ich Dir schuldig bin." Er hielt einen Augenblick inne, dann meinte er:„ Ich habe Dich lieb, Virginie; es hat mich unendliche Mühe ge= tostet, Dich hier zu finden." Wieder trafen Virginie seine Augen. Sie vermochte den Blick nicht zu ertragen und wandte sich zur Seite. - „ Ich wußte es lange, daß Du hier lebst; ich ließ Dich ruhig, da ich doch die letzte Zeit mit ihr zubringen wollte. Sie ist im Herbst gestorben. Doch wollen wir uns nicht mit geschehenen Dingen befassen, sondern mit der Zukunft. Ich habe mir" hier schlug er ein häßliches Gelächter an ein ganz. ansehnliches Vermögen verdient; wer anders als Virginie Barinoff sollte es mit mir teilen? Du lebst ja hier, wie ich sehe, sehr bürgerlich. Das sind die alten russischen Mahagonimöbel vom Onkel. Es wird Dir nicht auf die Länge behagen. Ich habe jetzt mein Domizil in London. Wenn man solide leben will, ist OldEngland der richtige Ort. Ich werde nun als englischer Gentleman meine Tage verbringen; hin und wieder ein Abstecher nach Paris, Spa, Monako- wir wollen es uns schon einrichten. Nun?" Es lag eine Betonung in dem kleinen Wort, die Adrian beben machte. Der Alte erhob sich langsam, sah sich nach fast allen Setten um, und sich an Virginie lehnend, flüsterte er: Komm!" Virginie, die bis jetzt regungslos gestanden, blidte Rundschau vom Cage. Politisches. Kaiser und Kanzler. Wie der„ N. P. C." aus Kiel geschrieben wird, erwartet man dort in den nächsten Tagen den Besuch des Reichskanzlers, der, bevor der Kaiser die Nordlandreise antritt, von dem Monarchen zum Vortrag empfangen werden wird. Eine angebliche Aeußerung des Kaisers über die Sozialdemokraten. In politischen Kreisen Berlins kursiert augenblicklich, der„ N. G. C." zufolge, ein Wort, das der Kaiser vor einiger Zeit geäußert haben soll. Es soll ge= lautet haben:„ Meine Sozialdemokraten sind gar nicht so schlimm!" Man wird abwarten müssen, ob die genannte Korrespondenz richtig unterrichtet ist. Der türkische Thronfolger als Gast bei den Kaisermanövern. Nach einem Telegramm der„ Frkf. 3tg." aus Konstantinopel nahm der türkische Thronfolger eine Einladung des Kaisers zur Teilnahme an den Kaiserparaden und dem Schluß der Herbstmanöver an. Der türkische Thronfolger wird sich Ende August mit großem Gefolge zunächst nach Stettin begeben. Die Beratungen im Reichsamt des Innern zwischen den Referenten der sozialpolitischen Abteilung und den Ministerialreferenten sämtlicher gegen 224 Stimmen angenommen wurde, verweigerte, gilt das gesamte Ministerium als gestürzt. Verschiedene Mis nister sollen dem Justizminister einen Vorwurf darüber gemacht haben, daß er sich nicht mit der einfachen Tagess. ordnung begnügt habe. Inzwischen hat das Kabinett seine Demission gegeben. Wiederaufleben der Winzerunruhen. Die Agitation der Winzer im Marnegebiet setzt wieder mit voller Heftigkeit ein. In verschiedenen Ortschaften wurden rote Fah nen gehißt und das Bild des Ministerpräsidenten Monis verbrannt; man hegt ernste Befürchtungen für den kom menden Sonntag. Die Türken haben in Arabien eine schwere Niederlage erlitten. Das Reutersche Bureau meldet aus Hodeida vom 17. d. M.: Eine starke Abteilung Aufständischer übers raschte die türkische Vorhut, die aus vier Bataillonen und vier Kanonen bestand. 1000 türkische Soldaten wurden getötet, 500 verwundet. Die Truppen flohen, von den Rebellen verfolgt, in Unordnung nach Djisan. In der Verwirrung bombardierte das türkische Kanonenboot Djis san und tötete und verwundete einige hundert Soldaten. Die Araber erbeuteten vier Kanonen, zwei Maschinenges wehre, 2000 Gewehre und eine große Menge Munition und Borräte und zogen sich dann zurück. Miniſterier Reichsversicherungsordnung haben keine Enſtbarkeitsteuer für Berlin. Nach dem Vera ihren Abschluß gefunden. In den Beratungen wurde u. a. festgestellt, daß die Versicherung erst an einem späteren Zeitpunkt zur Durchführung gelangen kann, weil noch vorher umfangreiche Vorarbeiten zu bewältigen sind, wie 3. B. für die Versicherung der unständigen Arbeiter und der Hausgewerbetreibenden. Gegen die neuen preußischen Schulreformpläne. Wie die„ Post“ hört, bereiten die preußischen Universitäten eine Eingabe vor, die sich gegen jede Verkürzung des altsprachli= gen Unterrichts wenden will. Unter den sehr zahlreichen Gymnasialfreunden schweben im Abgeordnetenhause Erwägungen, ob die Regierung wegen dieser Angelegenheit zu interpellieren sei. Ueber die Stichwahlparole der konservativen Partei liegt heute eine bemerkenswerte parteiamtliche Aeußerung vor. Graf Schwerin- Löwiß, der Präsident des Reichstags, hatte in einer vor seinen Demminer Wählern gehaltenen Rede kürzlich betont, daß er für den Fall einer Stichwahl immer und unter allen Umständen auch den schlimmsten bürgerlichen Demokraten doch noch mit aller Entschiedenheit( als das kleinere Uebel) gegen jeden Sozialdemokraten zu unterstützen bitten" würde. Demgegenüber wurde betont, daß die Mehrzahl der bei der Leitung der konservativen Partei beteiligten Herren in diesem Punkte vom Grafen Schwerin- Löwiz abweicht und der Ansicht ist, man müsse von Fall zu Fall entscheiden und direkte Bundesgenossen der Sozialdemokratie genau wie diese selbst behandeln. Diese Auffassung wird jetzt von dem amtlichen Parteiorgan der Konservativen im Namen der Parteileitung ausdrücklich bestätigt:„ Wir vermögen einen Unterschied zwischen Sozialdemokraten und deren Helfern nicht gelten zu lassen und müssen im übrigen die Entscheidung über die in den einzelnen Wahlkreisen zu beobachtende Stellung zur Stichwahl lediglich von taktischen Gründen unseres Parteinteresses abhängig machen." Die gestrige Verhandlung gegen den Cölner Pfarrer Jatho vor dem damit beauftragten Spruchkollegium dauerte von 10 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags und wurde sodann nach zweistündiger Pause wieder aufgenommen. In seinem Verhör, das drei Stunden dauerte, soll der Angeschuldigte seinen religiösen Standpunkt vollkommen aufrecht erhalten und diesen als in der evangelischen Landesfirche durchaus gleichberechtigt bezeichnet haben. Als einziger Zeuge wurde der Landtagsabgeordnete Dr. Hinzmann- Elberfeld vernommen. Die übrigen Zeugen wurden vom Spruchkollegium abgelehnt, wogegen die Verteidiger protestierten. Um 8 Uhr abends wurde die Weiterverhandlung auf Sonnabend vormittag vertagt. Frankreich hat wieder einmal eine Kabinettskrise zu überstehen. Es wird darüber aus Paris gemeldet: Die Kammer verhandelte am Freitag über die Interpellationen, welche sich auf die Aeußerung beziehen, die der Kriegsminister General Goiran vor einigen Tagen im Senat bei der Beratung des Kriegsbudgets machte. Der Minister hatte im Senat gesagt, es gebe im Falle des Krieges keinen Generalissimus; die Leitung der Operationen würde vom Kriegsminister unter Verantwortlichkeit der ganzen Regierung abhängen. Da in der Debatte der Justizminister im Namen der Regierung sein Einverständnis zur einfachen Tagesordnung, die von der Kammer mit 248 - auf. Es schien, als wolle sie sich aus unsichtbaren Ketten, die man ihr angelegt, befreien. Tief aufatmend sagte ste mit fester Stimme: ,, Nein, ich folge Ihnen nie mehr, Graf Wlodawa. Das Unrecht das Verbrechen, das Sie mir gegenüber begangen, ist so ungeheuer, so himmelschreiend, daß ich mich nur wundere, wie Ste glauben können, ich hätte es vergessen. Ich spreche nicht davon, wie Sie den Geisteszustand meines schwachen Oheims zu benutzen verstanden haben, ihn und mi chzu täuschen. Was rede ich? Jedes Wort einem Manne wte Sie gegenüber ist verschwendet!" Das Letzte sagte sie mit unsäglicher Verachtung.„ Will das Kätzchen zeigen, daß es Krallen hat? Noch im vorigen Herbst während ihrer Krankheit habe ich eine Eroberung gemacht. Eine Dame aus der Gesellschaft von strengsten Grundsätzen. Weißt Du, daß ich eine Einladung zu einer fürstlichen Hofjagd hier in der Tasche trage?" „ Graf Wlodawa" Virginie schien ungeduldig zu werden ,, Sie haben es mir unmöglich gemacht, in der Gesellschaft, in die ich durch meine Familie und Erziehung gehöre, zu verkehren. Sie haben," hier zitterte ihre Stimme ,,, mich auf alle Zeit von dem Glück der Frau ausgeschlossen. Verlassen Sie mich!" - - - „ Phrasen! Du siehst aus der Geduld, mit der ich Dich angehört, daß ich Dich wirklich lieb habe, jetzt aber hat die Sache ein Ende. Weißt Du, daß Du in meiner Macht bist? Ja, in meiner Macht!" Virginiens Augen füllten sich mit dem Feuer eines Hellauflodernden Zornes, der Alte, sie mit eiserner Gewalt festhaltend, beugte sich zu ihr nieder, Virginie schrie auf. Adrian trat ein. Berzeihen Sie die Indiskretion, Gräfin!" sagte er, so ruhig er es vermochte, dann zu dem Fremden:„ Die Art und Weise, mein Herr, wie Sie sich soeben einer Dame gegenüber benommen, ist eines Kavaliers nicht würdig; man fann in England leben, ohne darum Gentleman zu sein. Hier ist meine Karte. Ich stehe zu Ihren Diensten." ,, Nicht so rasch, mein Herr!" sagte der Alte, vor Wut lauf der letzten Berliner Stadtverordnetenfißung, der ein sehr stürmischer war, darf die Luftbarkeitssteuer für Berlin als abgelehnt betrachtet werden. Ein Dorf in Flammen. Seit gestern mittag steht die Ortschaft Waidmannsdorf bet Klagenfurt in Flammen. Die Feuerwehren sind wegen Wassermangel machtlos. Sieben Gehöfte mit den Nebengebäuden sind bereits niedergebrannt. Den Besitzern i stalles Vieh und alle Habe ver brannt. Drei türkische Offiziere, Mitglieder der zurzeit in der Reichshauptstadt weilenden Studienkommission, legten ge stern auf dem Grabhügel des vor einigen Monaten von einem Albanesen in Konstantinopel erschossenen OberstIeutnants von Schlichting einen großen Lorbeerkranz nieder. Sprengpulver als Ofenfeuerung. In Abbach( Niederbayern) ist die Frau eines Steinmetzea, die mit Zeitungspapter ihren Ofen anheizen wollte und eine Düte Sprengpulver, die darunter lag, ahnungslos mit in den Ofen geworfen hattet, durch die Explosion getötet worden. Die Wohnung wurde demoliert. Von einem umstürzenden Postpaketwagen erschlagen wurde in Salzwedel der Postschaffner Neuling; er war sofort tot. Der Postillon des Wagens wurde schwer verlegt. Das Unglück ereignete sich dadurch, daß der sehr ellig fahrende Postwagen bei einer Biegung, die zu rasch und furz genommen wurde, umschlug. Dem Freund in den Tod gefolgt. Am vorigen Sonntag war der Sohn des sächsischen Ministerialdirektors Rumpelt in der sächsischen Schweiz tödlich abgestürzt. Ein Freund des Toten, der Assistent Conradi an der Dresdener Technischen Hochschule, hat sich den Todessturz seines Freun des so zu Herzen genommen, daß er sich an der Unglücksstelle vergiftet hat. In die Sense gestürzt. In Grafenwöhr in der Oberpfalz ist ein radfahrender Bauer in seine Sense gestürzt, die er auf dem Rücken trug. Dabei wurde ihm die Leber durchbohrt. Militärärzte vom nahen Truppenübungsplatz leisteten alsbald Hilfe, der Mann starb aber bald. Untergang einer Fähre. In Mecheln bei Antwerpen ist gestern eine Färe mit 20 Passagieren gesunken. Acht sollen ertrunken sein, jedoch ist eine genaue Feststellung bisher nicht möglich gewesen. Die Typhusepidemie in Schneidemühl. Am Donnerstag wurden 24 neue Typhusfälle angezeigt. Ein neuer Todesfall ist nicht eingetreten. In den beiden Krankenhäusern Itegen jetzt 34 Kranke. Die Erkrankungen sind meist leich= ter Natur. Aus den Gerichtssälen. Zum Tode verurteilt. Das Schwurgericht in Gleiwit verurteilte nach zweitägiger Verhandlung den Schneider Josef Kupka aus Zabrze wegen Mordes zum Tode. Kupka hatte eine galtzische Handelsfrau am 15. Februar mit Hammerschlägen betäubt, beraubt, mit Petroleum begossen und sie, nachdem er sie angezündet hatte, in den Schornstein gezwängt. Seine Ehefrau wurde wegen Begünstigung zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Schwurgericht in Frankfurt a. D. verurteilte den Baugewerfsschüler Schmidt aus Breslau wegen Ermordung des Briefträgers David aus Bieberteich zum Tode. Zengengebühren für Geschäftsreisende. Eine namentItch für Geschäftsreisende wichtige Entscheidung fällte das Karlsruher Landgericht. Ein Geschäftsreisender, der sich auf der Tour befand, erhielt an seinem eigentlichen Wohnort etne 3eugenvorladung zugestellt, die ihm von seiner Frau nachgesandt wurde. Er erschien auch zum Termin schäumend.„ Ich spreche sofort mit Ihnen!" Er wandte sich nach Virginie um:„ Also steht's mit Dir? Das ist mir allerdings neu. Es amüsiert mich und Sie, mein und Bet Can von und Auf Ger gefe faha Lefer Fall zuzu tägt fein Kilo viere debu Riel von Han ( 8w bung Caffe 13m umfo aufft Gesta Nam dem und lich unter ftrop anbe Breif waltt ner ben ten bet S zu g bung zu m Itchen pflich der a Tasd nende Amts fenba richts Eft und Ungl Hert, gen breche dorf große räder nen hinzu Männ den. Meffe Währ Einb folgen loszu Fahr Bamb zum fahre schen alsba Dam Hafer Wein wurd teil i heim, Die auf Folge trachte mit in zeitig großhe fich un Don D G 38fähr hat t Don T bebent Selbst Schwer glüdli Nach nach Geit wieder wegija deuten wohne Starb öffnun Höhe hatte, halten getrie Deffen ameri Gunit Fernf Bewer Sirth gebroc Beitim erhalt Herr, ich habe ein außerordentliches Physiognomiengedächtnis, wären Sie nicht fener junge Herr aus Spa, der meine Tochter heiraten wollte? Mit welchem Rechte werfen Sie sich als Ritter für diese Dame auf?" ,, Mit dem Rechte, das ein jeder Mann hat, wenn es gilt, eine wehrlose Dame zu schüßen. Und jetzt"- Adrian machte eine nicht mißzudeutende Bewegung nach der Tür. Seine mächtige Gestalt schien zu wachsen. Sein graues Auge blitte; Hoheit, Stolz und Kraft lagen in jeder Bewegung. Der Graf ergriff seinen Hut und verließ das Zimmer. Lange Zeit sprach keines von beiden ein Wort. Virginie lag vor dem Sofa auf der Erde, das Gesicht in die Kissen gedrückt. Adrian ging mit beschleunigten Schritten auf und nieder. Dann hob er sie mit sanfter Gewalt auf. Halb mechanisch, als wäre ihr alles gleichgültig, sank sie in eine Sofaecke, das Tuch vor die Augen gedrückt. nie!" ,, Virginie," flüsterte Adrian,„ meine geliebte Virgi" Ich bin vor ihm geflüchtet," schluchzte ste, und er hat mich doch gefunden! Jetzt ist alles aus für mich, keine Rettung möglich!" Mehr war in den ersten Minuten nichts vor thr herauszubringen. Dann, sehr allmählich, nach sanftem 3ureden erfuhr Adrian das Geheimnis ihres Lebens. Virginie Alexandrowna Barinoff war die Tochter eines russischen Gutsbesitzers, der durch die Aufhebung der Leibeigenschaft zu Grunde gegangen war. ( Fortsetzung folgt.) tgerte, gilt edene Mi f darüber en Tages inett feine Agitation Ter Heftig rote Fabs Een Monis den toma Niederlage Sobelba cher über Mlonen und en wurden von den In der nboot Dji Soldaten, aschinenges Munition dem Vera g, der ein für Berlin g steht die Flammen. htlos. Sie its nieder Habe ver Zeit in der legten ge naten von en Oberst rbeerkranz ( NiederBeitungs te Sprengden Ofen Orden. Die erschlagen ; er war chwer versehr ellig rasch und gen Sonntors Rumürzt. Ein Dresdener nes Freun Unglüdsder Obers se gestürzt, die Leber ibungsplat Sald. Antwerpen nfen. Acht Feststellung Donnerstag uer Todes fenhäusern meist leichin Gleiwit Schneider Code. Kupka ebruar mit im begoffen Sen SchornBegünsti as SchwurSaugewertsdes Briefne namentfällte das er, der sich ichen Wohnvon seiner um Termin Er wandte Das ist mir Sie, mein ogilomienge us Spa, ber Rechte werat, wenn es ach der Tür. " Adrian Sein graues in jeder Be das Zimmer. rt. Virginie in die Kissen Schritten auf Gewalt auf. Itig, sant fie üdt. Liebte Virgi fie,„, und er ir mich, teine vor ihr her fanftem 3u bens. die Tochter ufhebung der und liquidierte für Reisekosten und Zeitversäumnis einen Betrag von 17 Mart. Das Gericht erkannte ihm aber nur Mark zu. Hiergegen beschwerte fich der Reisende beim Randgericht, wurde aber abgewiesen. Das Landgericht ging von der Ansicht aus, der Reisende hätte dem Gericht von der unverschieblichen Reise und dem in Frage kommenden Aufenthaltsorte Mitteilung machen müssen; dann wäre das Gericht in der Lage gewesen, entweder die Vernehmung dort zu veranlassen oder solange zu warten, bis er wieder zurüdgekehrt sein würde. Das Gericht nehme an, daß ein Geschäftsreisender die gerichtliche Aufforderung auch richtig lesen und deren Sinn erfassen könne; wenn das nicht der Fall sein sollte, so habe der Reisende sich die Kosten selbst zuzuschreiben. Vermischtes. Der deutsche Rundflug 1911 hat am Freitag nach fünftägiger Unterbrechung durch die vom Verein für MotorIuftschiffahrt in der Nordmark veranstaltete Kieler Woche feinen Fortgang genommen. Mehr als% der rund 1850 Kilometer langen Strecke des Flugs sind noch zu absolvieren. Die ersten 4 Etappen Berlin- Magdeburg, Magdeburg- Schwerin, Schwerin- Hamburg und HamburgRtel führten über 527 Kilometer. Die 9 weiteren Etappen von Kiel über Lübeck( Zwangszwischenlandung), Lüneburg, Hannover, Bielefeld( 3wangszwischenlandung), Minden ( 8wangszwischenlandung), Münster( Zwangszwischenlan bung), Neuß( 3wangszwischenlandung), Cöln, Dortmund, Cassel, Nordhausen( Ueberharzflug), Halberstadt, Dessau ( 8wangszwischenlandung) führen nach Berlin zurück und umfaffen 1827 Kilometer. Das Passagierluftschiff„ Deutschland", das demnächst aufsteigen soll. wird, wie der Korrespondenz Heer und Politit" aus Luftschifferkreisen geschrieben wird, in der neuen Gestalt auch einen neuen Namen tragen. Der allbekannte Name Deutschland" hat aufgehört zu bestehen und weicht dem Namen der engeren Heimat des Grafen Zeppelin und wird darum in Zukunft Schwaben" heißen. Hoffent lich hat es unter diesem neuen Namen mehr Glück, als unter dem bisherigen aufzuweisen, der schon zwet Kataftrophen erlebt hat. Die Gründe der Namensänderung sind unbekannt. Die Berliner Schuhleute dürfen sofort zur Schußwaffe greifen. Aus Anlaß der immer mehr zunehmenden Gewalttätigkeiten gegen Schußleute im Dienst hat der Berlt ner Polizeipräsident von Jagow neue Bestimmungen über ben Gebrauch der Waffen erlassen. Es ist den Schußleuten gestattet, bet Gewalttätigkeiten, die gegen ihre Person bet Ausübung des Dienstes begangen werden, in den dazu geeignet erscheinenden Fällen ohne vorherige Anwen bung der Hiebwaffe sofort von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Bisher durften sich die Schußleute der gefähr Itchen Schußwaffe nur dann bedienen, wenn nach ihrer pflichtgemäßen Ueberzeugung die von ihnen geführte minder gefährlichen Hiebwaffe nicht genügte. Selbstmordverfuch aus Furcht vor dem Eide. Die in Tasdorf bei Rüdersdorf in der Mark Brandenburg wohnende Witwe Geritz war für gestern vormittag vor das Amtsgericht Kaltberge- Rüdersdorf zur Ableistung des Of= fenbarungseides geladen worden. Kurz vor dem Amtsgerichtsgebäude brach sie plötzlich besinnungslos zusammen. Es stellte sich heraus, daß sie sich mit Lysol vergiftet hatte, und zwar aus Angst vor dem zu leistenden Eide. Die Unglückliche wurde nach ihrer Wohnung zurücktransporttert, wo sie sehr bedenklich darniederliegt. Eine aufregende Verbrecherjagd spielte sich gestern morgen in Friedenau bei Berlin ab. Dort wurden zwei Einbrecher bei einem Bodendiebstahl von einer Frau Löwendorf überrascht und von dieser, ihrem Ehemann und ihrem großen Hunde verfolgt. Die Täter flüchteten auf Fahrrädern in der Richtung nach Wilmersdorf. Einer von ihnen wurde durch den Hund zu Fall gebracht und von dem hinzukommenden Wäschereibefizer Klonuf gestellt. Beide Männer gerteten in einen Ringkampf und stürzten zu Bo= den. Dabei wurde Klonuf von dem Einbrecher mit einem Messer am Kopfe oberhalb des Auges erheblich verletzt. Während die beiden miteinander rangen, kam der zweite Einbrecher zurück und feuerte einen Schuß auf seine Verfolger ab. Es gelang jezt dem anderen Einbrecher, sich loszumachen. Er sprang auf, stellte sich hinten auf das Fahrrad seines Komplizen und beide entfamen. Schiffskatastrophe an der belgischen Küste. Der von Hamburg kommende Dampfer Rheinfeld" ist in der Nacht zum Freitag mit dem von Antwerpen nach Schottland fahrenden englischen Dampfer„ Redwoon" an der belgt= schen Küste zusammengestoßen. Das englische Schaff sank alsbald, doch wurde die Mannschaft gerettet. Der deutsche Dampfer erlitt gleichfalls Beschädigungen, konnte aber den Hafen von Antwerpen noch erreichen. Die Ehe des früheren Prinzen Hermann von SachsenWeimar geschieden. Vor der Pariser vierten Zivilkammer wurde, Blättermeldungen zufolge, am Donnerstag das Urteil im Ehescheidungsprozeß des Grafen Hermann von Ostheim, des früheren Prinzen von Sachsen- Weimar, gefällt. Die Gemahlin des Grafen, Wanda Paola Lottero, hatte auf Ehescheidung geklagt. Das Gericht gab der Klage Folge, indem es den Grafen als den schuldigen Teil betrachtete. Der Graf hatte die kinderlos gebliebene Ehe mit ihr am 29. September 1909 geschlossen und dabei gleichzeitig auf Namen, Rang und Titel eines Prinzen des großherzoglich sächsischen Hauses verzichtet, wofür er für fich und seine Nachkommen den Namen und Rang als Graf von Ostheim erhalten hatte. Die Selbstmord einer Ueberlebenden von Messina. 38jährige Gattin Rosa des Zollbeamten Grasso in Riva hat sich, wie aus Triest gemeldet wird. in einem Anfall von Trübsinn erhängt. Frau Grasso hatte bei der Erdbebenkatastrophe in Messina ihr Kind verloren und war selbst von den Trümmern begraben worden, wobei sie schwere Verletzungen erlitt. 70 Stunden hatte die Unglückliche unter dem Schutt verbracht, ehe sie gerettet wurde. Nach ihrer Genesung übersiedelte ste mit ihrem Gatten nach Riva, wo dieser Anstellung beim Zollamte erhielt. Seit der Katastrophe litt sie an Trübsinn und äußerte wiederholt Selbstmordabsichten. Das Vermögen eines Geigers. Der weltberühmte norwegische Geiger Ole Bull hatte bei seinem Tode ein bedeutendes Vermögen hinterlassen, das seiner in Amerika wohnenden Familie anheimfiel. Vor einigen Monaten starb nun auch Bulls Witwe, und bei der Testamentser= öffnung stellte sich heraus, daß sie ihr ganzes Vermögen in Höhe von 500 000 Dollars einer religiösen Sekte vermacht hatte, die im Heim Frau Bulls mystische Seancen abgehalten und die Frau systematisch dem Wahnsinn entgegengetrieben hatte. Die Tochter der Verstorbenen hat infolgedessen das Testament angefochten, und nach der Ansicht der amerikanischen Presse wird das Gericht sicherlich zu ihren Gunsten entscheiden. Der Kathreinerflugpreis von 50 000 Mart für einen Fernflug von München nach Berlin hat bereits den ersten Bewerber gefunden. Der bedeutende deutsche Flieger Sirth, der vorgestern in Kiel den deutschen Höhenrekord gebrochen hat, wird sich um den Preis bewerben. Nach den Bestimmungen soll derjenice deutsche Flieger den Preis erhalten, der als erster den Weg von München nach Berlin über Nürnberg, Leipzig, 550 Klm. Luftlinie, zurücklegt. Der Flug München- Berlin muß innerhalb 36 Stunden zurüdgelegt werden. Gestattet sind drei Zwischenlandungen in Nürnberg, Leipzig( Flugplatz Lindenthal) und eine dritte an einem vom Flieger beliebig zu wählenden ungesagtem Orte. Der Bewerber muß also nicht landen, er tann ohne Zwischenlandungen versuchen, Berlin zu errei chen. Er kann auch nach Belieben landen, muß aber, wenn er zwei oder drei Mal landet, in Nürnberg oder Leipzig niedergehen. Der Krimtrieg im Kinematographentheater. Verschie= dene Episoden aus der Verteidigung Sebastapols werden, wie aus Petersburg gemeldet wird, demnächst im Kinematographentheater zu sehen sein. Es ist die Erlaubnis erteilt worden, die im Museum von Sebastopol aufbewahrten Gegenstände zu benutzen, um Szenen der wichtigsten Ereignisse während der Belagerung in den Originaluniformen und sonstigen Sachen darzustellen und zu photographieren. Außerdem hat die Militärverwaltung noch ihre Einwilligung dazu gegeben, daß Soldaten die KampfSzenen darstellen dürfen und eine ganze Infanteriedivision mit Festungs- und Feldartillerie wird für diesen Zwed in Bewegung gesetzt. Verschiedene tausend Granaten und noch andere Explosivstoffe sind bestellt worden und eine Abteilung von Sappeuren wird in nächster Zett damit beschäftigt werden, die notwendigen Laufgräben, Verhaue usw. zu graben und die Minen zu legen. Die an dem Kampf beteiligten Mannschaften werden die Uniformstücke der damaligen Zeit und der verschiedenen Nationen, der Russen, der Engländer, der Franzosen und der Türken tragen. Die Seekämpfe werden ebenfalls realistisch mit Hilfe von Unterseebooten dargestellt, die die Aufmachung einer Anzahl der damaligen russischen Schiffe erhalten sollen, die im Laufe des Krimkrieges versanken. Ein Ehemann als Hauptgewinn. Ein großes Kaufhaus von Tokio ist es, das den sinnreichen Einfall gehabt hat, seinen Kunden einen Ehemann als Hauptgewinn anzufündigen. Jeder Käufer, der für wenigstens 16 Mart Waren einkaufte, bekam eine kleine Karte überreicht, auf der man die Photographie eines nach der letzten Mode gekleideten jungen Herrn sah, mit der Unterschrift:„ Ein Ehemann für 16 Mark!" Diese Karte stellte ein Los für eine Lotterie dar, die jenes Geschäft für seine Kunden veranstaltete und deren Hauptgewinn bei der Ziehung der jüngste Direktor des Hauses bildete. Ueberflüssig zu sagen, daß die Lotterie einen Riesenerfolg hatte aber es ist nicht bekannt geworden, ob der junge Gatte mit der vom Glück begünstigten Frau zufrieden geworden ist. Hier kann man also wirklich mal von einem Lande sprechen, in dem die Ehe ein Lotteriespiel ist. Das Johanniskraut spielt auf dem Lande am Johannistage immer noch eine große Rolle. Um die Mittagsstunde stehlen sich in vielen deutschen Gegenden Frauen und Bauernmädchen aus dem Hause, um ein Sträußchen von den dunkelgelben Blüten des Johanniskrautes zu pflüden. Das muß freilich vorsichtig geschehen. Still schweigend und lautlos und ohne sich umzusehen muß der Strauß gepflückt werden. Zu Hause wird der Johannisstrauß dann an den Balken in die Wohnstube gehängt, da= mit er gegen Unglücksfälle schütze. Wenn er das ganze Jahr bis zum nächsten Johannistage grün bleibt, so tritt ein besonderes Glück ein, eine Erbschaft oder Hochzeit, oder ein Lotteriegewinn. Die jungen Mägde nehmen den Johannisstrauß in der Silvesternacht, genau beim Anbruch des neuen Jahres, gehen ganz allein und ungesehen in eine leere Dachkammer und rufen dreimal laut ihren Namen. Hierauf suchen sie eiligst die Schlafkammer auf und im Traum erscheint ihnen dann ihr Zukünftiger. Es gibt bei uns mehrere Johanniskrautsorten, deren gewöhnliches das punktierte, auch Hartheu genannte, eigentliche Johanniskraut ist. Es erhebt sich bis zu fußhohen Büschen und ist an seinen Blättchen zu erkennen, die, gegen das Licht gehalten, regelmäßig punktiert erscheinen. Die dunklen, goldgelben Blüten finden wir auch am niedrigen Johanniskraut und am Berg- Hartheu. Alle drei Arten wachsen auf trockenen Rainen und in Kieferngebüschen. In früheren Zeiten wurde aus dem Johanniskraut ein Del gezogen, das zum Heilen von Wunden benutzt wurde. Russische Bauernausschreitungen. In dem sibirischen Dorfe Pawlowsk in der Nähe von Nikolajewsk sind Bauernunruhen ausgebrochen, weil die Bauern mit der geringen Landbelehnung unzufrieden sind, die vom Chef des Bezirkes vorgenommen wurde. Die Bauern drangen in die staatlichen Gebäude und in die Wohnung des Chefs ein, verbrannten alle Papiere und Dokumente und zerstörten die Einrichtungen. Sie sprengten auch die Geldschränke und brannten die Wohnung des Chefs nieder. Als die Polizei erschien, wurde die Sturmglocke des Dorfes geläutet. Alle Bauern bewaffneten sich und griffen die Polizei und die hinzugezogenen Soldaten an. Erst nach dem Gebrauch der Feuerwaffe, der den Tod mehrerer Bauern herbeiführte, wurde die Revolte niedergeworfen. Eine kühne Vermessungsarbeit. Man schreibt der Frkf. 8tg. aus Winnipeg( Kanada): Eine der gefährlichsten Grenzvermessungen wird binnen kurzem durch die fanadische Regierung unternommen werden; eine Anzahl ihrer Landmesser wird unter Leitung des Geologen Ogilvie in Begleitung von Indianern von Vancouver nach dem Norden abfahren, um die Feststellung der Grenze zwischen dem amerikanischen Alaska und dem kanadischen Yukon- Territortum nach Möglichkeit herbetzuführen. Ogilvie soll diese Grenze von einem Punkte inlands der Yalcutat- Bay bis zum 141. Längegrade definitiv feststellen, eine schwierige Aufgabe, denn der Marsch von der Bay bis zum Fuße des 5950 Meter hohen Eliasberges ist über 40( englische) Meilen lang, und geht an dem großen Malespina Gletscher entlang, immer bergan über Eisfelder; er wird die Ausdauer der Leute auf eine harte Probe stellen. Die Vermessungsgesellschaft wird sich in kleinere Partien teilen und, aneinander gefeilt, die zahlreichen gefährlichen Spalten in dem Gletscher passieren; da es in dieser Region fein Holz zum Heizen gibt, so werden eine Anzahl Delöfen mitgeführt werden. Nach dreißig Jahren aus dem Irrenhaus befreit. Vor dem Gericht in Barcelona hat in diesen Tagen ein Prozeß begonnen, der umso lebhafteres Interesse erregt, als in ihm eine Anzahl bekannter Persönlichkeiten der Stadt verwickelt sind. Der Kläger ist der angesehene Barcelonaer Advokat Francesko Andeyro, der gegen mehrere Mitglieder der Familie die Anschuldigung erhebt, seine Kousine Matilda Andeyro ins Irrenhaus gebracht zu haben, um sich in den Besitz ihres reichen Erbes zu setzen. Das Mädchen lebte bis zu seinem 14. Jahre in Granada, als sein Vater, der als General der spanischen Truppen auf den Philippinen weilte, mit Hinterlassung eines enormen Vermögens und eines Testaments starb, das zwei seiner Verwandten zu Vollstreckern seines letzten Willens einsetzte. Nach der Behaup tung des Klägers haben die Testamentsvollstrecker die Tochter des verstorbenen Generals in einem Kloster untergebrecht und bis zu ihrem 21. Lebensjahre dort festgehalten. Als sie sich dann weigerte, den thr augedachten Bräutigam zu heiraten, ließen sie das Mädchen auf Grund gefälschter ärztlicher Gutachten für unzurechnungsfähig erklären und im Irrenhause von Barcelona internieren. Hier hat die Unglückliche mehr als dreißig Jahre verbracht. Erst jetzt ist es ihrem Vetter gelungen, den Aufenthaltsort der VerscholIenen zu entdecken und nach Beibringung eines von dem berühmtesten spanischen Psychiater ausgestellten Zeugnisses das die ungetrübte geistige Gesundheit Matilda Andeyros fonstatiert, die Freilassung der seit einem Menschenalter im Irrenhause schmachtenden Erbin zu bewirken. Ein teuflischer Druckfehler findet sich in einem Leipziger Blatt. Es berichtet vom Aerzteverband in Markran städt und von den Bestimmungen, die er für den Sonntagsdienst getroffen hat. Da heißt es gleich in Paragraph 2: ,, Bestellungen zu Besuchen sollen möglichst bis 9 Uhr vormittags bei dem gewünschten Arzt abgegeben werden, der seinerseits für Erkrankung( gemeint ist Vertretung) forger wird." Der opferwillige Ehemann. Aus Neuyork wird folgende, etwas seltsam klingende Geschichte gemeldet: Se nator Lea( Tennessee) hat durch seinen Opfermut im Hospi tal zu Georgetown seiner Gemahlin das Leben gerettet. Er hat sich durch eine Operation ein Viertel seines Körperblutes entziehen lassen, damit es seiner schwererkrankten Gemahlin eingeführt werden konnte. Die Operation ist für beide Teile gut verlaufen. Aus dem Gerichtssaal. Richter( als die Angeklagte zögert, ihr Alter anzugeben, zum Schreiber):„ Bemerken Sie bei dem Geburtsdatum: Kann sich nicht mehr erinnern!" Offenherzig. Fremder( in einem Restaurant, das wegen der kleinen Portionen bekannt ist):„ Also einen Kalbsbraten, aber eine kleine Portion bitte!" Kellner: „ Eine kleine?... Na, da werden Saber schau'n!" Die ärmsten Millionäre der Welt. Eines Tages steht John J. Blair, einer der reichsten Männer Amerikas, vor Gericht. Er ist verklagt, und das Objekt, um das es sich handelt, beträgt 2. Mill. M. Blair bittet um Vertagung, doch der Richter erklärt, er könne ihn nur aus der über ihn verhängten Haft entlassen, wenn er für dasDoppelte der fraglichen Summe gültigeSicherheit beibringe.„ O, wenn das alles ist," sagt Mr. Blair vergnügt ,,, die fann ich geben." Und er greift in die weit auseinanderklaffende Tasche seines Roces und zieht- einen Apfel heraus. Alles lacht, und der bestürzte Krösus erklärt:„ Da habe ich mich vergriffen, das ist ja mein Frühstück" und entnimmt nun den Tiefen einer anderen Tasche ein Bündel Papiere, das Werte für 4 Mill. M enthält. Diese Szene ist typisch für die mehr als einfache, ja geradezu ärmliche Form, in der manche Dollarfönige ihr Dasein fristen. Ein Mann wie Blair, der jederzeit einen Scheck über mehrere Millionen ausstellen fann, begnügt sich des Mittags mit einem Apfel, ißt auch bei der Hauptmahlzeit nur spärlich und überlegt sich die zwei Penny, die die Fahrt mit der Straßenbahn kostet. Noch dürftiger verMillionären der Welt" gehört, Samuel Dunlap seine brachte ein anderer Krösus, der ebenfalls zu den„, ärmsten Tage, bevor er vor kurzem von seinem färglichen Erdendasein erlöst wurde. Vierzig Jahre lang wohnte er in dem dunklen Hinterzimmer eines fleinen Häuschens, nur von einer alten Wirtschafterin bedient. Jeden Monat schnitt die Dienerin dem Millionär die Haare, die dann auf seine Anordnung zum Ausstopfen seiner Matratze verwendet wurden. Vierzig Jahre lang soll er sich nur ein einziges Mal einen neuen Anzug gekauft haben, an den er nie eine Bürste kommen ließ, weil er ihn dadurch allzu sehr abzunutzen fürchtete. Ein anderer Sonderling, George T. Cline, der viele tausend Morgen Land in neun Staaten Nordamerikas be saß, und bei seinem Tode fünf Millionen Dollars hinterließ, verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in einem fleinen schmutzigen Raum, in dem seine einzige Gesellschaft seine geliebten Violinen waren. Wie eine englische Wo chenschrift von diesem Diogenes unter den Dollarföni gen berichtet, blieb er manchmal zwei oder drei Tage lang in seiner Kammer, ohne Nahrung zu sich zu nehmen. Dann schlich er nach einem billigen Restaurant, nahm sich den Tee, den er selbst bereitet hatte, mit und opferte widerstrebend 50 Pfennig für eine Mahlzeit. Dieser Mann, dessen jährliches Einkommen gegen 200 000 Mark betrug, hat in den letzten 20 Jahren seines Lebens nicht mehr als 10 Mart die Woche für seine Bedürfnisse ausgegeben. Mit Cline fann es an Sparsamkeit James Tyson aufnehmen, der der reichste Mann Australiens war und doch nicht besser lebte, als der geringste seiner Tagelöhner. Er trug stets mit Stolz die silberne Uhr, die er sich als junger Mensch für zwanzig Mark gekauft hatte, aß nichts anderes, als seine Arbeiter und ging noch schlechter gekleidet als fie. Sein Stolz war, daß er niemals ein Theater betreten, niemals berauschende Getränke zu sich genommen, niemals Seife gebraucht statt des Sandes, dessen er sich nach alter Gewohnheit beim Waschen bediente- und daß er niemals ein weißes Hemd oder Handschuhe getragen habe. - Drabtnachrichten und Deuestes. Vom Deutschen Rundflug. Lüneburg, 24. Juni. Zum Fluge auf der Strecke Lüneburg- Hannover stiegen heute früh von 4 Uhr ab Lindpaintner, Thelen, Büchner und Vollmöller auf. Hannover, 24. Juni. Thelen ist un 7,58 Uhr hie: gelandet. Lindpaintner, der bei Gelle wegen Ventilschaden niedergehen mußte, ist um 10 Uhr wieder ausgestiegen und um 11,15 Uhr glatt auf dem Flugfelde gelandet. Preußische Landtagsabgeordnete auf der oftdeutschen Industrie und Gewerbeausstellung. Posen, 24. Juni. Der Sonderzug mit den Mitgliedern des Abgeordnetenhauses traf um 10,25 Uhr auf dem hiesigen Bahnhof ein. Die Herren begaben sich sofort nach der Ausstellung, wo ein Rundgang angetreten wurde. Das amerikanische Geschwader in l. Riel, 24. Juni. Zu Ehren des hier weilenden amerikanischen Geschwaders fand gestern bei dem Chef der Marinestation der Ostsee Admiral Schröder große Tafel statt. Für die Unteroffiziere des amerikanischen Geschwaders fand im Etablissement Waldwiese ein Gartenfest statt. Die Einladung hierzu war von den Deckoffizieren und Unteroffizieren der deutschen Hochseeflotte ergangen. Stapellauf des ersten österreichischen Dreadnoughts. Triest. 24. Juni. Heute vormittag fand hier der Stapellauf des ersten österreichisch- ungarischen Dreadnougth statt. An der Feier nahm Erzherzog Franz Ferdinand als Vertreter des Kaisers Franz Josef teil. Die Baltanlage wieder einmal fritisch? Petersburg, 24. Juni. Russische diplomatische Kreise sehen die Balkanlage sehr besorgt an und befürchten, Montenegro könne der Kriegspartei und den hinter ihr stehenden dunklen Mächten nachgeben. Heute trifft der Spezialgesandte des Königs von Montenegro hier ein, über deffen eigentliche Mission amtliche Kreise angeben. nicht unterrichtet zu sein. Vergebung von Bauarbeiten für den Neubau eines Amtsgerichtsgebäudes zu Gießen. Nachdem auf die zur öffentlichen Submission bom 10. Mai 1. J. eingereichten Angebote auf Los I. Erdarbeiten, Betonarbeiten und Maurerarbeiten fein Zuschlag Einige erstklassige Stewards Schiffskellner.) Pianinos, Stein's Garten.. Giessen bob. Ginkommen erz, junge Bes. C. Stein Hotel Restaurant und 1. VergnügungsEtablissement mit großem Garten Fremdenpension Mittagstisch erteilt werden konnte, werden die Arbeiten in nadite hender Form unter Hinweis auf den Ministertalerlaß in und außer Abonnement. bom 16. Juni 1893 u. den Eclaß Gr. Staatsministeriums v. 24. Febr. 1911 nochmals auf dem Wege öffent lichen Wettbewerbs vergeben. Los I. Erd- u. Maurerarbeiten( etwa 2350 cbm Grundaushub, 1765 cbm Betonfundamente, 1020 qm Betonfußboden). Los II. Maurerarbeiten( 1050 cbm Bruchsteinmauerwerf, 3650 cbm Backsteinmauerwerk, 610 qm Sockelverblendung, 590 Ifdm. Treppen zu verlegen, 279 cbm Grausteine zu versetz n, 2290 kg Tiäger zu verlegen u. s. w). Die Bauleitung behält sich vor, die Lose I und II getrennt oder zusammen zu bergeben. Los III. Kalklieferung: Lieferung von 4700 Str. hydr. Sadfalt oder Stückfalk. Zur Erteilung eines Zuschlags auf Los III verpflichtet sich die Bauleitung nicht. Zeichnungen, Bedingungen u. Angebotsunterlagen liegen auf unserem Neubaubüro, Stephanstraße Nr. 18, I. Stock, während der Dienststunden zur Einsicht offen. Angebotsformulare u. Bedingungen werden, soweit Vorrat reicht, gegen Erstattung der Selbstkosten abgegeben. Die Angebote sind verschlossen, porto. und bestellgeldfret, mit entsprechender Aufschrift versehen, bis Donnerstag den 6. Juli 1911, vormittags 11 Uhr, bei uns einzureichen u. werden in Anwesenheit etwa erschienener Bewerber zur angegebenen Zeit eröffnet. ( 21/9 Zuschlagsfrist 4 Wochen. 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