elt ädchen! lenstmädde chte, Rödhin berl. Prof " Heiligen gef. gefc.) 92. ng! rz empfieh mon Ratten , Wanzen, Art. Bitte 0 in der G erlegen. hinen ahlg. Illust Kirsch, Döbel it im Haufe pett frei. Hamburg 36 Mark Jeber, aud Bliche Schrift Vorkennt lich.- Pro Fischer, Abt Denderftr. 11A Werke erricht. schule, iwilliges g. rand. er- Prüt. aufmann. nwärter, eamte. atorium. den Besuch Ezen; 2. eine auf Examen s der Unter Sorgfältigste infacher und ehrstoff ver fortgesetzte nte dauernd auf die Ver ommen wird. ben kostelos, willigst. DAM. SO egelei efon 84. schluss itter and Kun 3. and robe. 7.47 nchen Redaktion, Tante Ausrfer- Blätter frei! R4 Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen oierteljährlich 1,50 Mr., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Erscheint Mittags 3 Uhr. Die„ Illuftr. Weltrundschau" Redaktion: liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Seltersweg 83.- Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Nr. 97. Telephon: Nr. 362. Die politische Lage in Hessen. - des Großherzoglichen Polizei Amtes = der Großherzoglichen Bürgermeisterei Behörden Oberhessens sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83. Schotten ( Haus Brüder Schmidt.) Mittwoch den 26. April 1911 - ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Inseratenzeile.- Stellengesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg.- Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. Mandat erobern. In den anderen Wahlkreisen kommt fange nötig werden. Die Nachrichten über den Stand es nur als Minoritätspartei in Betracht, die Zahl seiner der Wintersaaten lauten im großen und ganzen nicht 3. B. in Darm- besonders günstig. Auch Futterkräuter Klee und Luzerne Anhänger ist in einigen Wahlkreisen stadt- Groß- Gerau, in Gießen- Nidda, Alsfeld- Lauterbach- finden bis jetzt im allgemeinen nur mittelmäßige Beurteilung. Sie sind infolge der Aprilkälte in der Entnicht von großer Bedeutung, dagegen bilder det es in anderen Wahlkreisen das Zünglein an wickelung weit zurückgeblieben oder auch abgefroren oder Wage. In Alzey- Bingen hat das Zentrum bereits be- auch stark von Mäusen zerfressen. Es müssen daher, beschlossen, für die Nationalliberalen( Dr. Becker- Sprend- sonders beim Klee, viele Felder umgepflügt werden. Auf den Wiesen ist der Graswuchs noch ganz gering;" lingen) einzutreten, in Friedberg- Büdingen scheint hierzu ebenfalls Neigung zu besitzen. In Offenbach sie stehen teilweise noch unter Wasser. Dieburg hat es die Entscheidung darüber in der Hand, ob der Kandidat der Wirtschaftlichen Vereinigung oder der der Liberalen mit den Sozialdemokraten in die Stichwahl kommt. Aehnlich ist es in Erbach- Bensheim. Für die Stärke der Fortschrittlichen Volkspar. tei besteht zur Zeit kein Maßstab. Denn die Wahlen von 1907 lassen keine Schätzung der jetzigen Anhängeres Die Aenderung des Landtagswahlrechts für das Großherzogtum Hessen ist infolge des Zusam menwirkens der Nationalliberalen, der Fraktion des Bauernbundes und des Zentrums gegen die Fortschrittliche Volkspartei, die Sozialdemokratie und drei Stimmen zweier rechtsstehender Wilder und eines linksgerichteten Nationalliberalen vor einigen Tagen erfolgt. Dadurch ist die bisherige Parteigruppierung auf der einen Seite Nationalliberale, Bauernbund und Zentrum, auf der anderen Fortschritt und Sozialdemokratie zunächst für die hessische Landespolitik wieder befestigt worden. Bereits im Jahre 1908, wo der Kampf um das direkte Wahlrecht im Mittelpunkt der Landtagswahlbewegung stand, gab es diese Koalitionen. Den rechtsstehenden Parteien gelang es dank ihres Zusammenwirkens, die beiden Landtagsmandate in Mainz den Sozialdemo- zahl der Linksliberalen zu. Sie haben zweifellos Fort fraten abzunehmen und mit einer Ausnahme den bisherigen Besitz zu behaupten. Die Fortschrittlichen hielten durch ihr Bündnis mit den Sozialdemokraten das stark bedrohte Friedberg und eroberten das Mandat von Mombach- Ober- Ingelheim. Den Sozialdemokraten endlich gelang es, lediglich durch freisinnige Hilfe, die Landtagsmandate von Offenbach- Stadt( Ulrich) und von Offenbach- Land vor dem gemeinsamen Ansturm der Nationalliberalen und des Zentrums zu retten. Die Landtagswahlen im Herbst 1911, durch die die Hälfte der Mandate erneuert werden, werden ein Nachspiel zu den Kämpfen um das direkte Wahlrecht für den hessischen Landtag bilden. Diese Tatsache wird dafür bestimmend sein, daß die Parteien sich in der bisher üblichen Weise auch bei den kommenden Landtagswahlen gruppieren werden. Damit sind auch die Bahnen vorgezeichnet, in denen sich in Hessen der Aufmarsch der Parteien zur Reichstagswahl vollziehen wird.„ Hie rechts, hie links!" wird auch bei den Reichstagswahlen die Losung sein. Daran, daß für ganz Hessen eine Einigung der Nationalliberalen und Freisinnigen erfolgen wird, ist nicht zu denken. Es mag vielleicht sein, daß in einzelnen Wahlkreisen, wo es gegen einen Antisemiten geht, der Freisinn mit dem Nationalliberalismus gemeinsame Sache macht, zu einer liberalen Einigung, die das ganze Land umfaßt, wird es jedenfalls nicht kommen. Der Führer der Nationalliberalen in Hessen, Reichstagsabgeordneter Dr. Osann, legt Wert darauf, die Brücken nach rechts hin nicht abzubrechen. Auch hierfür ist der Grund auf dem Gebiete der Landespolitik zu suchen, denn die Landtagsfraktion der Nationalliberalen ist mit dem Bunde der Landwirte eng verwachsen, ein sehr großer Bruchteil der nationalliberalen Abgeordneten ist Mitglied des Bundes der Landwirte. Würde die Gesamtpolitik der hessischen Nationalliberalen nach links hin gravitieren, dann würden die ländlichen Abgeordneten fast ohne Ausnahme der nationalliberalen Fraktion den Rücken kehren und sich der Fraktion des Bauernbundes, in der reinagrarische Abgeordnete sizzen, anschließen. Eine solche Spaltung der Partei will Dr. Osann vermeiden, deshalb seine Zurückhaltung in der Frage des Zusammenwirkens aller Liberalen, das die Spizze gegen den in Hessen stark organisierten Bund der Landwirte richten werde. Ferner wäre es auch nicht denkbar, daß die Parteikonstellation, die im Herbst 1911 für die Landtagswahlen vorhanden sein wird, bereits bei den Reichstagswahlen im Januar 1912 sich schieben wird. Auch aus diesem Grunde darf man nicht auf ein gesamtliberales Bündnis rechnen. Im wesent= lichen werden die Parteien der Rechten( zu denen in Hessen auch die Nationalliberalen gehören) auf der einen Seite und die Parteien der Linken auf der anderen Seite zusammenwirken. ver= Der Bund der Landwirte tritt in feinem In Wahlkreise mit einer eigenen Kandidatur hervor. Offenbach- Dieburg, Erbach- Bensheim, Gießen- Nidda und Alsfeld- Lauterbach- Schotten wird er die Kandidatur der Wirtschaftlichen Vereinigung, in Worms- Heppenheim, Alzey- Bingen, Friedberg- Büdingen, Darmstadt- GroßGerau unterstützen. Was der Bund in Mainz- Oppenheim machen wird, ist schwer zu sagen. Die Natio nalliberalen dürften vielleicht zu einer Einigung in Gießen- Nidda, Offenbach- Dieburg und Mainz- Oppenheim mit den Freisinnigen kommen, in den anderen Wahlkreisen gehen sie allein vor, in verschiedenen( Offenbach- Dieburg, Darmstadt- Groß- Gerau und Bingen Alzey Pfarrer Korell-) haben sie bereits eigene Kandidaturen aufgestellt. Das 3entrum kann von den Reichstagswahlbezirken höchstens in Mainz das = " schritte gemacht, denn sie haben fleißig in den letzten 6 Jahren agitiert und ihre Organisation, die vorher arg in Verfall geraten war, ausgebaut und vergrößert. Die Sozialdemokraten besitzen zurzeit die Mandate von Friedberg- Büdingen, Mainz- Oppenheim und Offenbach- Dieburg. Sicherer Besitz sind alle drei Wahlkreise nicht. Dagegen ist es nicht ausgeschlossen, daß sie noch Darmstadt- Groß- Gerau erobern. Auf jeden Fall gehen im ersten Wahlgange die Sozialdemokraten allein vor und stellen in allen Wahlkreisen eigene Kandidaten auf. Bei den Landtagswahlen und bei den Stichwahlen ist mit einem Zusammenwirken mit den Freisinnigen zu rechnen. * Aus Stadt und Land. Gießen, den 26. April 1911 Preußische Klassenlotterie. Die Erneuerungs- und Freilose 5. Klasse können gegen Vorzeigung der Vorklassen- und Gewinnlose in Empfang genommen werden. == Gießen, 26. April. Gestern vormittag fand die Besichtigung unseres Regiments durch den kommandierenden General v. Eichhorn statt. Um 1 Uhr kehrte die Truppe in die Kaserne zurück. Die Besichtigung ist die erste unter dem neuen Obersten. - Gießen. Der 6. Mai soll im ganzen Hessenlande ein Tag der Freude aller Bevölkerungsfreise für unsere kleinsten Erdenbürger sein. Wer das helle Kinderlachen recht versteht, wer da mitfühlen kann, wie selbst in der armen Hütte um das gute Gedeihen des Säuglings über die Kräfte hinaus gesorgt wird und wer da weiß, daß oft unverschuldet das Notwendigste für das Neugeborene nicht vorhanden ist, der möge am 6. Mai sein Scherflein mit beisteuern zur Milderung der Not und des Elends unserer Säuglinge und deren Mütter. Familienunterstützung für Reservisten. Die zu einer Landwehr- und Reserveübung einberufenen Mannschaften, welche für ihre Familie eine Unterstützung zu beanspruchen gedenken, können auf eine solche nur dann rechnen, wenn der Antrag nach§ 1 Absatz 3 des Gesetzes, betreffend die Unterstützung von Familien der zu Friedensübungen einberufenen Mannschaften vom 10. Mai 1892 innerhalb vier Wochen nach Beendigung der Uebung gestellt ist. Spä= tere Anträge werden fortan stets abgelehnt werden. Es ist auch gestattet, schon vor Antritt der Uebung um Bewilligung der Unterstützung zu bitten, damit diese während der Uebungszeit zur Auszahlung an die Familie des Uebungspflichtigen gelangen kann. * Einen großen Fortschritt in der Cholerabehandlung hat der englische Arzt Leonard Rogers erzielt. Bisher starben in dem Choleraherd Kalkutta, trotz sorgfältigster Behandlung, etwa 61 Prozent der erkrankten Patienten; von Europäern sogar 80 Prozent. Der Krankheitserreger ist seit Jahren bekannt; seine Lebensweise, die in ihm produzierten Gifte und die Erzeugung von Gegengiften im Tierorganismus sind zum Gegenstand sorgfältiger Unter= suchungen gemacht worden und trotzdem das enttäuschende Resultat in der praktischen Bekämpfung der Krankheit! Erst die eminent fleißigen systematischen Versuche Rogers haben eine Wendung zum Besseren herbeige= führt; die Sterblichkeit ist unter den nach seiner Vorschrift behandelten Fälle auf 23,3 Prozent, also auf beinahe nur ein Drittel der früheren, heruntergegangen. Und es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die weitere Forschungsarbeit Rogers noch weitere Verbesserungen bringen wird. Diese in Europa noch unbekannte Behandlung der Cholera beschreibt Dr. H. Jinck, Arzt des K. Generalkonsulats in Kalkutta, in der neuesten Nummer der Umschau, Frankfurt a. M.( Wochen= schrift über die Fortschritte in Wissenschaft und Technik). Die Arbeit des Herrn Dr. Jind wurde mit Rücksicht auf die große Wichtigkeit, welche alle therapeutischen Bestrebungen bei Cholera besitzen, und auf die bedeutungsvollen Ergebnisse der Rogerschen Maßnahmen mit dem halben Umschaupreis für Medizin prämiiert. Weilburg, 25. April. Der 29jährige Holzhauermeister Müller aus Cubach stürzte mit dem Rade und starb an dem erhaltenen Schädelbruch. Berghausen, 24. April. Ein Brauer hatte auf dem Acker Reisig und Abfälle zum Verbrennen aufgeschichtet. Ein 8jähriges Mädchen wurde von den Flammen erfaßt und starb nach kurzer Zeit an den erlittenen Brandwunden. Klein Linden, 25. April. Jm nahe ge= legenen Hörnsheim zündete ein dreijähriges Kind eine Scheune des Landwirts Bopp an. Der Friedberg, 25. April. In der letzten Stadtverordnetensitzung verursachte eine Mitteilung des Vorsitzenden Bürgermeister Stahl unter den Stadtverordneten eine große Sensation. Als der Stadtverordnete Langsdorf eine Anfrage wegen eines Beschlusses der Versammlung wegen Bereitstellung von Baugelände erinnerte und eine diesbezügliche Frage an den Bürgermeister richtete, erklärte der Bürgermeister folgendes: von mir ausgearbeitete Ortsbauplan für die Gegend vom neuen Bahnhof, der über das Kreisamt dem Ministerium zur Genehmigung übersandt wurde, zeigte deutliche Spuren, daß an ihm unterwegs von dritter Seite herum hantiert worden ist. Sogar Veränderungen wurden in frivolster Weise daran vorgenommen. Die Art der Veränderungen, sowie die gesamten Vorgänge in dieser Art, lasse auf die Urheber, bezw. deren Auftraggeber schließen. Sie sind nur in den Kreisen der Grundstücksspekulanten, welche in der fraglichen Gegend be= gütert sind, zu suchen. Er habe deshalb ein Schreiben an das Ministerium gerichtet, des Inhalts, daß er nur dann noch weiter der gesetzlichen Vorschrift genügen könne, wenn er die Garantie habe, daß seine Pläne nicht in die Hände Unberufener gelangen. Diese AusKarl Schönherr, der Dichter von„ Glaube und Heimat", will gegen die Romanschriftstellerin Baronin Handel- Mazetti und gegen den Pater Schmidt Beleidigungsflage erheben, falls sie nicht durch umfassende Ehrenerklärungen ihre Plagiat- Beschulführungen riefen natürlich in der Versammlung die größte digungen zurücknehmen. Der Stand der Saaten. Nach der soeben veröffentlichten Zusammenstellung des faiserlichen statistischen Amts betrug der Saatenstand im Deutschen Reiche Mitte April, wenn 1 sehr gut, 2 gut und 3 mittel bedeutet, für Winterweizen 2,7, Winterspelz 2,9, Winterroggen 2,8, Klee 3,0, Luzerne 2,9, Bewässerungs wiesen 2,6 und andere Wiesen 2,9. In den Bemerkungen zum Saatenstand heißt es: Die Witterung des Winters 1910-11 war im allgemeinen recht mild. Der Frühling setzte zeitig ein. Umso ungünstiger wirkte der in den ersten Tagen des April plötzlich eintretende Wettersturz. Eine unangenehme Folge des milden Winterwetters bildeten die ungemein zahlreich auftretenden Feldmäuse. Umpflügungen dürften infolge des Mäusefraßes und der scharfen Aprilfröste in ziemlich erheblichem UmAufregung hervor. Die Beschwerde des Bürgermeisters wurde von den Stadtverordneten einstimmig gebilligt. Die Angaben des Bürgermeisters, welche nach Bekanntwerden auch unter der Bürgerschaft große Erregung hervorriesen, sind so schwerwiegender Natur, daß die Bürger Friedbergs hoffen, volle Aufklärung in der Deffentlichkeit über diese Affäre zu erlangen. () Den Breslauer Bahnrekord hat R. Scheuermann, welcher bekanntlich erst neulich auf seinem schnellen Brennaborrade einen neuen Weltrekord über 50 Kilometer aufstellte, am letzten Sonntag geschlagen und vor H. Przyrembel und Mauß beide Läufe des 30 und 50 Kilometer- Rennens um den großen Frühjahrspreis als Erster beendet. Br. Wegener, der gleichfalls Brennabor fährt, gewann das Hauptfahren, das Prämienfahren und das Handicap. Schwüle über dem Reichstag. Die parlamentarischen Osterferien nähern sich ihrem Ende, und aus dem blühenden Lenz heraus müssen die Reichsboten wieder in die Kommissionszimmer und den großen Reichstagssaal, um die unvermeidlichen Entscheidungstämpfe zum Austrage zu bringen. Zwischen Ostern und Pfingsten, so hieß es jüngst in einer offiziösen Kundgebung, wird es sich entscheiden, wie die Regierung der Bundesstaaten sich zu der ferneren Tätigkeit des Reichstages und zu der Beendigung derselben stellen wird. Es wird immer wahrscheinlicher, daß noch vor dem Pfingstfest Entschließungen gefaßt werden, ob das Parlament nochmals zu einer Herbsttagung zusammentreten soll, oder ob nach der vorausfichtlichen Ergebnislosigkeit der Beratungen auf eine Wettertagung verzichtet wird. Eine begreifliche Schwüle lastet auf der Regierung und der Volfsvertretung, denn auch nicht eine der Vorlagen, die noch auf die Tagesordnung gelangen, bietet die Aussicht auf eine ganz sichere Mehrheit. Von einer Arbeitsfreudigkeit fann unter solchen Umständen keine Rede mehr sein, und Verdrossenhit über die eigene Tätigkeit vermag weder im Einzelleben noch in der Gefamtheit Erfolge zu zeitigen. - Rundschau vom Cage. Politisches. Doch eine Herbstsession des Reichstags? Die ,, Münchener Neuesten Nachrichten" kommen nochmals auf ihre Meldung zurück, daß der Plan bestehe, dem Reichstag auch noch das Budget für 1912 vorzulegen. Man täuscht sich" - so schreibt das Blatt, über den Ernst der Lage, wenn man glaubt, unsere Meldung, die aus vorzüglicher Quelle stammt, als unmöglich oder schlecht informiert abtun zu fönnen. Dasselbe hat man vor einigen Monaten auch mit der Ankündigung der Herbstsession getan, und daß der Wille hierzu sowohl bei der Regierung wie bei der Mehrheit jetzt besteht, darüber herrscht wohl kein Zweifel mehr. Etwas anderes ist es freilich, ob der Plan ausführbar sein wird." Der Audeutsche Verband hat in seiner soeben in Berlin abgehaltenen Vorstandssitung bezüglich Marokkos eine Resolution gefaßt, in der es heißt:„ Für die Verhandlungen mit Frankreich wiederholt der Vorstand die Forderung des Alldeutschen Verbandes, Marokko zwischen dem Deutschen Reiche und Frankreich zu teilen, wobei das ganze atlantische Marokko dem Reiche zufallen müßte, und er weist darauf hin, daß die Erkenntnis von der unbedingten Notwendigkeit der Gewinnung einer deutschen Siedelungsfolonie jetzt in weitesten Bevölkerungskreisen geteilt wird." In derselben Sigung wurde nach einer Rede des Generals v. Liebert eine Entschließung über die Fremdenlegion angenommen, die verlangt, daß 1. die Reichsregierung jede weitere Werbetätigkeit für den Eintritt in die Legion unmöglich macht, 2. daß, um die Rückkher solcher aus dem Reiche stammender Legionäre, die der Armenpflege zur Laft fallen würden oder sonst unerwünscht wären, unmög lich zu machen, in das Gesetz über den Erwerb und Verlust der Reichs- und Staatsangehörigkeit eine Bestimmung aufgenommen wird, wonach die Verwaltungsbehörden befugt sind, nach ihrem Ermessen gewesenen Angehörigen der Fremdenlegion oder ähnlicher fremder Truppenkörper die Reichsangehörigkeit zu entziehen. Sommertagungen stehen an und für sich schon unter dem Zeichen der Leere im Parlamentssaale, und die Nervosität pflegt dort zu wachsen, wenn unter Hochdruck ge= arbeitet werden soll. Ein Rückstand in der Erledigung gesetzgeberischer Arbeiten, wie er sich heute zeigt, ist wohl noch nie vorhanden gewesen. Da sich nicht einmal in den Kommissionen eine Einigung über die wichtigsten Gesetzesvorlagen herbeiführen ließ und sogar zwischen der Regierung und den Mehrheitsparteten tiefe Selüfte gähnen, so ist nur geringe Hoffnung vorhanden, daß im Plenum tragfähige Brücken zwischen den Parteien und dem Bundesratstisch gebaut werden können. Arbeitskammerge= set, Kurpfuschergeseß und Aenderung der Fern= sprechgebühren scheint man im Reichskanzleramt für den Rest der Reichstagsdauer gänzlich verloren gegeben zu haben. Um die Verfassungreform für Elsaß- Lothrin= gen steht es nicht gut und die Verabschiedung der Straf= prozeßreform würde eine Arbeitskraft erfordern, der dieser Reichstag nicht mehr gewachsen sein dürfte. Eine " Durchpeitschung" muß im Gesamtinteresse des deutschen Volkes gerade auf dem Gebiete der Rechtspflege, der wundesten Stelle am ganzen Reichskörper, vermieden werden. Es bleibt nur eine große Vorlage bestehen, für die eine Mehrheit wahrscheinlich ist, nämlich die Reichsver= sicherungsordnung. Rechte, Zentrum und Nationalliberale haben den entschiedenen Willen bekundet, die Reichsversicherungsordnung zu schaffen. Bekanntlich droht die Sozialdemokratie mit der Obstruktion. Das Zentrum will zur Niederhaltung derselben die Geschäftsordnung einbringen, die Vorlage kapitelweise zu beraten, damit die 1754 Paragraphen nicht zur Einzelberatung gelangen und der Obstruktion die Gelegenheit zur Entwicklung geben. Ueberblickt man die bevorstehenden Entscheidungsfämpfe im Reichstage, so kann man nur sehen, daß das Bild kein sonderlich gutes ist. Ein Jubiläumstag unserer Marine. gen über den Ausgang dieser Politit. Sie fordert, daß zum mindesten vorher ein völliges Einvernehmen mit den Unterzeichnern der Algecirasakte herbeigeführt werde. Es heißt weiter, daß darüber Verhandlungen zwischen Paris und Berlin schweben. Englische Kreise warnen die Res gierung vor jeder Ueberstürzung in der Maroffofrage. Sie fordern insbesondere ein bestimmtes Versprechen der Res gierung, daß das Vordringen der Franzosen in das Innere von Marokko keine Annexion des Landes nach sich ziehe. Der ge werter Dimer Iings nach war น wurde brieftr und Le wurde Geldb Radfa gewar fich de einem zwei träge die Geldt fein R fuhr, find n G ans Aus dem fernen Osten wird gemeldet, daß die Agk tation gegen die Russen in der Mandschurei stetig zunimmt. Der chinesische Kriegsminister soll die Bildung eines Fret willigenforps für einen eventuellen Krieg sehr fördern. Die chinesischen Lehrer wirken ebenfalls in diesem Sinne unter der Bevölkerung. Kleine Nachrichten. Der jüngste Gefreite der deutschen Armee ist augenblicklich der Erbgroßherzog von Mecklenburg- Schwerin, der am 22. d. M. ein Jahr alt wurde. Der Großherzog empfing an diesem Tage den Kommandeur des Grenadierregiments Nr. 89, der die Gefreitenabzeichen für den kleinen Erbgroßherzog überbrachte. Zu dem Gesetzentwurf betr. die Errichtung von gewerblichen Pflichtfortbildungsschulen in Preußen, deren Beratung in der Kommission des Abgeordnetenhauses am 1. Mai beginnt, ist eine Reihe von Abänderungsvorschlägen aus Interessentenkreisen eingegangen. Der Verein der deutschen Kaufleute in Berlin wünscht die Errichtung dieser Fortbildungsschulen in allen Gemeinden über 5000 Einwohner für die männliche und weibliche Jugend, die Handelskammer in Schweidnik tritt für eine Beibehaltung der Fortbildungsschulen als Fachschulen ein und will einen Sonntagsunterricht bis zu zwei Stunden zulassen. Eine Reihe von Frauenvereinen bittet, die gewerblichen Pflichtfortbildungsschulen auf die weiblis Jugend auszudehnen. Der Verband katholischer kaufmännischer Vereinigungen in Essen bittet, den Religionsunterricht einzuführen, die Schulpflicht auf weibliche Personen unter 18 Jahren auszudehnen und Lehrlinge, die eine Fortbildungsschule nicht besucht haben, zur Ablegung einer Prüfung an einer solchen zuzulassen. Wenn nach einem bekannten Ausspruch des Kaisers Deutschlands Zukunft auf dem Wasser liegt, so ist die Grundlage für diese Zukunft zweifellos seinerzeit durch die Begründung des preußischen Marineministeriums gelegt worden. In diesen Tagen ist ge= rade ein halbes Jahrhundert vergangen, seit sich das be= deutungsvolle Ereignis vollzog. Bekanntlich hat die preußische Marine ihren bescheidenen Ausgang genommen von dem Ankaufe einiger Kanonenboote bei der Versteigerung der so unrühmlich verkrachten deutschen Reichsmarine von 1848. Für die paar Fahrzeuge genügte in den fünfziger Jahren, wo Prinz Adalbert von Preußen als Oberbefehlshaber der Marine fungierte, eine Marine fommission unter seinem Vorsitz, die dem Kriegsministerium unterstand. Die fleine Flotte war in ihrem Entstehen dem Gespött der seegewaltigen Nachbarvölfer, nicht nur der meerbeherrschenden Briten, sondern auch des spanischen Inselvolfes ausgesetzt. Aber sie bestand ihre Feuerprobe in Gefechten gegen die Rifpiraten von Marokko bet Tres Forcas und bildete ihre Offiziere und Mannschaften zu tüchtigen Seeleuten aus. So konnte denn im April 1861 ein besonderes Marineministertum gebildet werden, das zunächst dem Kriegsminister von Roon unter gleichzeitiger Ernennung zum Marineminister zur Leitung übertragen wurde. Welchen in der Geschichte der Völker unvergleichlichen Aufschwung settdem unsere Marine genommen hat, während und weil Deutschlands Welthandel sich gleichzeitig in ähnlichen Dtmensionen entwickelte, ist allbekannt. Das halbe Jahrhundert hat Deutschlands gewaltigste Zeit gesehen, und nach dem Zeitalter Wilhelms I. und Bismarcks, das der Zukunft freie Bahn schaffte, ist die Entwicklung der deutschen Marine zu einer Seemacht ersten Ranges eins der erfreulichsten Hauptercignisse unserer Geschichte geworden. 23) Des Rätsels Lösung. Roman von Ludwig Blüm ck e. ( Nachdruck verboten.) Das Festmahl der Berliner Fleischerinnung aus Anlaß des 600jährigen Bestehens der Innung ist das größte Festessen, das Berlin seit langem gesehen hat. Es wurden bet den etwa 1700 Gedecken 160 Hühner zur Suppe, 15 3entner Steinbutt, drei Zentner Krebsschwänze, 8 Zentner Kartoffeln, 1% Zentner Champignons, 18 Zentner Prager Schinken, 3 Zentner Gemüse und gegen 400 Gänse verbraucht. Zur nötigen Anfeuchtung dienten 380 Flaschen Rhein bezw. Moselwein, 190 Flaschen Burgunder, 200 Fla schen Champagner, Selter, Limonade usw. 60000 Pestopfer. In einem Edikt der chinesischen Regierung wird verkündet, daß die Pest erloschen set. Die Gesamtzahl der Opfer wird auf 60 000 angegeben. Infolge Genusses von verdorbenem Hackfleisch frankten in Hildesheim zirka 30 Personen zum Teil sehr schwer. In einer Bäckerfamilie Itegen sieben Personen schwerkrank darnieder. Die Erkrankten wurden dem Krankenhause zugeführt. Die Untersuchung ist eingeleitet. Das gefährliche Spiel mit Schußwaffen. In Pitterlen entlud sich, wie aus Bern gemeldet wird, als ein Schüler des Technikums mit einem Revolver spielte, die Waffe. Ein 16jähriger Kamerad wurde getötet, einem zweiten der Arm durchbohrt. Der Besitzer des Revolvers ist entflohen und man vermutet, daß er sich ein Leid angetan hat. Wo die französischen Staatsgelder geblieben find. In Paris ist, wie gemeldet, der Architekt Chedanne, der die Bauten des Ministeriums des Auswärtigen zu beaufsichtigen hatte, verhaftet worden. Gegenüber dem Einspruch, der von vielen Künstlern, insbesondere Malern und Bildhauern, gegen die Verhaftung erhoben wurde, erklärte ein Beamter des Ministeriums des Aeußern einem Berichterstatter: Die Urheber des Protests scheinen von dem Gefühl der Dankbarkeit beseelt zu sein. Chedanne ließ ihnen viele Bestellungen zukommen. Er hat in der tollsten Weise mit Staatsgeldern gewirtschaftet. Von allen Ausgaben sind fünf Prozent in seine Tasche geflossen. Es sind ganz unglaubliche Fälle vorgekommen. So verlangte der französische Gesandte in Christiania Vorhänge und beantragte, diese in Norwegen zu kaufen. Chedanne berief sich auf die Pflichten des Patriotismus und kaufte die Vorhänge in Paris. Als sie in Christiania eintrafen, stellte der Gesandte fest, daß sie noch die deutsche Fabrikmarke trugen. Der Gesandte in Cetinje brauchte Bäume für seinen Garten und wollte sie in Montenegro kaufen. Chedanne protestierte und kaufte für 6000 Franken Bäume in Frankretch. Als sie in Cetinje ankamen, waren ste verdorben. Natürlich bezog Chedanne auch hier eine Kommissionsge= bühr von fünf Prozent. ,, Aber jetzt bin ich wieder ein freier Mann!" rief Hardi aus. Pomme, da ist Wein! Stoßen wir an, alter Hans. Es lebe das Leben und was wir lieben!" ,, Merkwürdiger Mensch! Man sollte wahrhaftig meinen, Du wärest schon wieder verschossen." „ Schon wieder? Vielleicht noch immer. Aber lassen wir das jetzt! Später, später vielleicht mehr davon." ,, Nun, das finde ich nicht gerade freundschaftlich von Dir, mich so auf die Folter zu spannen." Hardi lachte nur und schlug dem Neugierigen auf die Schulter, daß er ächzte, und wußte das Gespräch sehr geschicht von diesem Thema abzulenken. Unmöglich konnte er Hans ja doch heute schon sagen, was ihn so freudig machte, daß Ernas hehre Gestalt wieder vor seiner Seele stand und ihm zurief:„ Wir werden dennoch glücklich mit einander werden." * fchäfte einem auf d feinen es, da Besize Er sch Haus wo G hat li er= bracht fterlä Besig dem G Borde unifor wegs grüßt fich na bigen trug. habend bie W U wird len br melan Tienge worbe angele dörren Trodn Entzü Freita absehb $ 1 20 J Jei ta bie fi ber G lich e Eine Falschmünzerbande wurde unweit der Grenze auf galizischem Boden verhaftet. Große Mengen gefälschter Fünfmárkstücke wurden beschlagnahmt. Aus den vorgefundenen Korrespondenzen ging hervor, daß die Gauner im In- und Ausland lebhaften Verkehr unterhielten. Die französischen Rüstungen für einen Marokkofeldzug werden so eifrig fortgesetzt, daß Frankreich in Marokko bald über 25-30 000 Mann verfügen wird. Die Ansich ten über die Notwendigkeit und den Nugen dieser Politik gehn sehr auseinander. Außer der nationalistischen Presse hegt die gesamte republikanische Presse starke BefürchtunNoch ehe der General zurückgekehrt war, hatte seine Schwiegertochter,„ die Gesandtenfrau", wie man diese überaus vornehme Dame nur zu nennen pflegte, mit ihren beiden Jungen und dem ganzen Hofstaat wieder, wie alljähr= lich, ihren Einzug in Schloß Wedelstein gehalten. Ihrer Nerven wegen pflegte sie die Sommermonate hier zu verbringen. Das gab denn immer ein Leben in dem stillen, grauen Schloß. Da wimmelte es von Dienern und Zofen, da rasselten die Equipagen und der Besuche und Festlichfeiten war kein Ende. Die Gattin des Gesandten stammte nämlich aus einer der vornehmsten und reichsten Adelsfamilien im Lande und galt gegen einfach bürgerliche Leute in ihrem maßlosen Stolze für unnahbar. Jm Grunde ihres Herzens sollte sie freilich recht gutmütig und mildtätig sein. Auch hing sie an ihren beiden Söhnen Siegfried und Eberhard, einem fidelen Zwillingspaar von etwa 10 JahEin großer Wolkenbruch hat zwischen Moosbach und Maiburg in Oberbayern 11 Ortschaften überschwemmt. Viel Vich ist ertrunken. ren mit einer hingebenden, rührenden Liebe. Wer ihrer Jungen Freund war, durfte auch ihrer Gunst gewiß sein. Schwere Ausschreitungen von Zigeunern fanden Montag früh in einem Restaurant am Gesundbrunnen in Berlin einer Frau wegen statt, bei denen das Restaurant vollständig demoliert und viele Personen zum Teil schwer verlegt wurden. Vermischtes. Der Berliner Defraudant Wölfer im Sanatorium. Der Schatzmeister Wölfer, der bei dem Deutschen Frauenverein für die Kolonien Unterschlagungen in Höhe von 271 000 begangen hat, leidet an einer so schweren Gehirnerkrankung, daß er im geschlossenen Teile der Anstalt Lankwitz untergebracht werden mußte. Er ist derzeitig wenigstens strafrechtlich nicht verantwortlich zu machen. Seine Erkrankung, die schon längere Zeit zurückliegt, wird in absehbarer Zeit nicht geheilt werden. Es erscheint deshalb ausgeschlossen, daß Wölfer verhaftet und wegen setner Defraudationen strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden könne. Eine andere Frage ist die, inwieweit der Schaden, den Wölfer dem Roten Kreuz zugefügt hat, wenigstens teilweise wird gutgemacht werden können. Bei seinem fostspieligen Leben dürfte Wölfer zumindest den größten Teil der defraudierten Summen verbraucht haben. Man hält aber immerhin die Möglichkeit nicht für ausgeschlossen, daß Wölfer einen Teil der Summe beiseite gebracht hat, um nach Entdeckung der Defraudationen noch über ein gewisses Kapital verfügen zu können. Diese beiden Knaben waren in ihrer Wildheit der Schrecken aller Wedelsteiner. Jeglicher Etikette zum Trozz suchten sie die ärgsten Gassenbuben in tollen Streichen zu überbieten und lehrten dieselben jedes Jahr neue Schelmenstücke. Kam dann zum Herbst der gestrenge Papa, so wurde demselben gewöhnlich ein ganzes Sündenregister vorgelegt, und gar oft hielt er ein feineswegs mildes Strafgericht ab. Auch vor dem Großvater fürchteten sie sich, doch liebte dieser keine Angeberei und erfuhr darum weniger von seiner braven Enkel Streichen. Der alte Raben war auf seinen abendlichen Spaziergängen, die er mit ziemlicher Regelmäßigkeit in Ernas Begleitung zu machen pflegte, wiederholt von Siegfried und Eberhard belästigt worden, so daß jene sich erst ge= stern veranlaßt gesehn, den Burschen ein paar gehörige Ohrfeigen zu verabreichen, trotzdem sic Hardis Neffen waren. Ein herrlicher Juniabend war das heute. Die ganze Erde schien in einen lieblichen Blumengarten verwandelt, so dustete und prangte es in Gärten, in Wald und Flur. ,, Heute machen wir eine recht, recht weite Spazierteur, Väterchen, nicht?" fragte Erna, dem alten Herrn tie Sorgenfalten mit ihrer zarten kleinen Hand von der Stirn streichend. Papierschnigel statt 4000 art. Ein Bankinstitut in Mainz erhielt fürzlich einen Geldbrief, der laut Avis 4000,89 Mark enthalten sollte; als Absender war ein Notar in Nieder- Olm( Rheinhessen) angegeben. Als man den Bries, dessen Siegel unverlegt waren, geöffnet hatte, fand man, daß statt der 4000 Mark Papierschnitzel eingefügt und nur 89 Pfennig beigelegt waren. Der ,, Geldbrief" wurde der Polizei übergeben, die sofort eifrige Nachforschungen anstellte, ohne indes bisher eine Aufklärung ,, Wenn nur nicht so viele Menschen Secußen sind," antwortete der Rentmeister mit einem tiefen Seufzer. Du weißt, daß ich den Leuten aus dem Wege gehe, denn ich bin ein Geächteter." ,, Wir treffen keine Seele, Herzensväterchen. Den Baldweg zum See werden wir einschlagen. Da muß es herrlich heute sein. Horch, dort die Nahtigall!" „ Ich höre nur das Quaken der Fröschen", erwiderte er mit ironischem, bitterem Lächeln. Aber er gab den Bitten seiner Tochter nach und machte sich reisefertig. So still und friedlich lag die Erde da im matten Mondenschein, als gäbe es auf ihren prangender Lenzes= gefilden keine Sorge, feinen Gram. Vater und Tochter gingen ganz allein auf dem über Ackerland dem Walde zu führenden Pfad. Und dem eige nen Zauber des Abends vermochte sich auch des alten Mannes Herz nicht zu verschließen. Tief Atem schöpfend, rief er aus:" Ja, heute ist es schön, wir wollen ein gutes Stüd gehen!" Wie das märchenhaft und geheimnisvoll gligerte und funkelte auf den Wellen des Sees! Gold und Silber schienen Feenhände in unerschöpflicher Fülle hineinzustreuen in das tiefdunkelblaue Wasser. Vater und Tochter blieben stehen und staunten dieses Wunder an, als hätten sie etwas ähnliches noch niemals gesehen. Und wie das geheimnisvoll rauschte in den Wipfeln der Erlen, die den See umfaßten! „ Wir wollen hier auf dem Stein ein wenig ruhen und träumen," sagte der alte Herr, sich auf einem mächtigen Granitblock niederlassend. Erna aber starrte hinein in die beginnende Nacht und ihre Phantasie umgaufelten Feengsiteiten der Kindheit, ihr liebliche Lieder singend vom Glück, das so tief verborgen liegt und das nur Sonntagskinder finden können, 9. Kapitel. Tie Gesandtenfrau" hatte sich heftiger Kopfschmerzen wegen sehr früh in ihr Schlafgemach zurückgezogen. Das pakte ihren beiden Knaben recht gut, denn der heutige Abend schien ihnen so recht für ein neues Abenteuer geeignet. Der Herr Kandidat und die Zofe lustwandelten im Pari und dachten, da ihre Herzen von Lenz und Liebe träumten, an nichts weniger als an die beiden ihrer Für sorge anvertrauten Rangen. Schnell waren diese denn aus threm Schlafzimmer entwischt und suchten ihren treuesten Spielgefährten, des Schäfers Otto, auf, um mit demselben zu beratschlagen, was man vornehmen könnte. 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Um Porto zu ersparen, war der Brief jedoch nur auf 600 Mart deklariert. Ueberfall auf einen Geldbriefträger. In Dresden wurde Montag vormittag ein Ueberfall auf einen Geld= briefträger verübt, der lebhaft an die bekannten Berliner und Leipziger Fälle erinnert. Wie darüber gemeldet wird, wurde furz nach 8 Uhr im Hause Christianstraße 28 der Geldbriefträger Einert von einem etwa 28 Jahre alten Radfahrer, der schon einige Zeit auf den Geldbriefträger gewartet hatte, überfallen. In dem dunklen Flur stürzte sich der Räuber auf den Beamten und versetzte ihm mit einem großen Holzhammer, wie sie Klempner verwenden, zwei Schläge auf den Kopf. Der blutüberströmte Brief= träger wehrte sich und schrie u mhilfe, so daß der Räuber die Flucht ergriff, bevor es ihm gelungen war, die volle Geldtasche zu brauben. Da der Verbrecher sich sofort auf Sein Rad geschwungen hatte und in schnellem Tempo davonfuhr, ist er entkommen. Die Verlegungen des Briefträgers find nicht lebensgefährlich. Gottlieb weiß sich zu helfen. Ein schlichtes Bäuerlein ans Thüringen hatte in Blankenburg in Thüringen Geschäfte zu besorgen und kehrte bei dieser Gelegenheit in einem Gasthof ein. Im Drang der Reise bemerkte er erst auf der Rückfahrt im Eisenbahnfoupee, daß er im Gasthof seinen Rudsad liegen gelassen hatte. Das Unglück wollte es, daß er weder den Namen des Gasthofs noch den des Besitzers fannte, aber der Waderer wußte sich zu helfen. Er schrieb eine Postkarte mit der Adresse:„ An das große Haus mit den grünen Fensterläden über der Brücke drüben, wo Gottlieb Heumann aus Schwarzenburg seinen Rudsad hat liegen lassen, in Blankenburg." Und die findige Post brachte richtig die Karte in das Haus mit den grünen Fensterläden und am nächsten Tag war Gottlieb wieder im Besitze seines Rucsaces. Der„ Leutnant" von Bordeaux. Ein Seitenstück zu dem Streich des Schuhmachers Wilhelm Voigt lieferte in Bordeaux der Kaufmann Gratereau. In einer Leutnantsuniform promenierte er durch die Straßen, hielt unterweas einen Korporal an, der nicht vorschriftsmäßig gegrüßt hatte, machte ihm strenge Vorhaltungen und begab fich nach der Kaserne, wo er sich die Urlauberliste aushänbigen ließ, und in die Register eine Randbemerkung eintrug. Auf Grund dieser Bemerkung erstattete der wachthabende Sergeant Rapport beim Hauptmann, und so fam bie Unechtheit des schneidigen Leutnants an den Tag. Ungeheurer Moorbrand in England. Aus London wird geschrieben: Ueber sieben Meilen lang und fünf MeiIen breit erstreckt sich in der schönen Provinz Yorkshire ein melancholisch- malerisches Torfmoor. Eine holländische Aktiengesellschaft hatte eine Konzession zur Ausbeutung erworben und große Kolonien holländischer Arbeiter dort angelegt. Während der letzten Wochen mit ihrem ausdörrenden Ostwind und Sonnenschein sind die riesigen zum Trodnen aufgespeicherten Torfvorräte zwar sorgsam vor Entzündungen bewacht worden, trotzdem gerieten sie am Freitag aus unbekannter Ursache in Brand, und eine unabsehbare Fläche steht in Flammen. Molttes berühmteste Zigarre. Am 24. April sind es 20 Jahre her, daß Moltke seine Augen geschlossen hat. Es Jei darum aus Anlaß dieses Tages an eineEpisode erinnert, bie sich zwischen Moltke und Bismard im Kriege 66 vor ber Schlacht von Königgräz abspielte. Moltke war bekanntlich ein leidenschaftlicher Raucher. Eine Zigarre Moltkes darf aber den Anspruch machen, als historisch angesehen zu werden. Bismard selbst erzählte bei einem Diner, an bem auch Moltke und Roon teilnahmen, im Rauchzimmer mehreren Parlamentariern und Generälen die Geschichte dieser berühmten Zigarre. Es war am Tage von Königgrät, in jenen Stunden, in welchen die Schlacht stillstand, und die Preußen nicht vorwärts und nicht rüdwärts fonnten. Ein Adjutant nach dem anderen ging ab und feiner fehrte zurück. Auch wurde keine Nachricht von dem Herannahen des Kronprinzen gebracht. Bismard erzählte, daß ihm jetzt heillos schwül zu Mute wurde. Dabei wandte er sich zu dem dabeisitzenden Moltke und sagte:" In diesem gefährlichen Augenblick suchten meine Augen Sie, mein lieber Moltke, da ich sehen wollte, von welcher Stimmung Sie beherrscht seien. Auf Ihrem Gesicht wollte ich das Schicksal des Tages ablesen. Ich drehte mich um und sah Sie tatsächlich wenige Schritte von mir auf dem Pferde halten. Mit dem gleichgültigsten Gesicht von der Welt sahen Sie in das Schlachtgetümmel und rauchten dabei fehr zufrieden einen Zigarrenstummel. Das heiterte mich fofort auf. Denn ich sagte mir, wenn Moltke mit solcher Seelenruhe seinen Stummel raucht, dann ist es sicher mit uns noch nicht so ganz schlecht bestellt. Sie taten mir aber leid, daß Sie sich mit ihrem Stummel so abquälten. Ich ritt auf Sie zu und bot Ihnen meine Zigarrentasche an, in der sich zwei Zigarren befanden, eine gute und eine Schlechte. Sie nahmen mit dem Feldherrnblick, der Sie auch hierin auszeichnete, die gute. Ich selbst habe am Abend die schlechte Zigarre geraucht. Ich kann Ihnen aber, meine Herren, versichern, daß mir noch nie eine Zigarre in meinem Leben geschmeckt hat wie diese." Moltke konnte sich anfangs an diese Geschichte nicht erinnern. Erst, als Bismard mit großer Lebhaftigkeit alle Einzelheiten wiedergab, fam ihm die Erinnerung daran wieder. Bismard aber erklärte, daß er Moltkes berühmten Zigarrenstummel niemals vergessen werde. Die Kaiserbroschen der Brüsseler Blumenhändlerinnen. Ein hitziger Streit unter den Brüsseler Blumenhändlerinnen ist jetzt durch gerichtliche Entscheidung zu einem vorläufigen Abschluß gekommen. Man erinnert sich, daß bei dent Besuch des deutschen Kaiserpaares im alten Brüsseler Rathause die Blumenhändlerinnen, die auf dem schönen alten Plaze ihren historischen Standplay haben, der Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise Blumensträuße überreichten. Die beiden Frauen erhielten als Dank- und Erinnerungszeichen zwei schöne Broschen mit dem perlengeschmückten Widmungszuge der Kaiserin. Leider erregte bas Geschenk den Neid der übrigen Brüsseler BlumenhändTerinnen so sehr, daß sie zum Kadi liefen und den beiden Frauen, die im Auftrage aller Blumenhändlerinnen ge= handelt hatten, das Recht auf die Broschen abstritten. Man wollte, daß die Schmuckstücke verteilt oder zurückgegeben werden. Die beiden Glücklichen fämpften energisch um thren Besitz und boten einen entsprechenden Geldbetrag als Ersay an. Darauf gingen die anderen nicht ein, denn thnen war es nicht um Geld zu tun, sondern um die Ehre. Der Richter legte den beiden Beklagten den Eid auf, daß teine Abmachungen bestanden haben, wonach sie den übrigen Blumenverkäuferinnen gegenüber verpflichtet gewesen Jeien, etwaige Belohnungen zu teilen. Da dieser Eid geleistet wurde, so wies der Richter die Klägerinnen ab, und die beiden Frauen bleiben im Besitz ihrer Broschen. Doch ist bei der Prozeßleidenschaft der Marktfrauen sicher zu erwarten, daß die Angelegenheit auch die zweite Instanz beschäftigen wird. Bestrafte Leichtgläubigkeit. Seine Leichtgläubigkeit hat ein Landwirt aus einem Dorfe bei Wittstock in der Mark Brandenburg schwer büßen müssen. Vor etwa einem halben Jahre kam zu ihm ein Mann, der in seinem Aussehen vollständig einem Bummler glich. Er trug ganz zerrissene Klei= dung und besaß keine Stiefel. Dieser Bummler redete nun dem Landwirte vor, das Reisen nach Art der Handwerksburschen mache ihm Vergnügen, obwohl er das gar nicht nötig hätte; denn er besitze ein Vermögen von 20 000 Mark, das auf der Kreiskasse in Pritwalk liege. Im Laufe der weiteren Unterhaltung erklärte sich der Landwirt bereit, den reichen Handwerksburschen auf Lebenszeit zu sich zu neh= men, wofür er die 20 000 Mark erben sollte. Der Handwerksbursche erhielt nun auf Kosten des Landwirts neue Kleidung und lebte ein halbes Jahr lang herrlich und in Freuden. Da kam dem Landwirte der Wunsch, die 20 000 Mark wenigstens einmal zu sehen. Man pilgerte also ge= meinsam zur Sparkasse, in die der Handwerksbursche auch hineinging, während der Landwirt sich draußen postierte. Er wartete und wartete, aber sein Schüßling kam nicht wieder; er hatte einfach die Kaffe auf der entgegengesetzten Seite wieder verlassen, und der Landwirt war um die Kosten für die Kleidung und den halbjährigen Unterhalt des Strolches geprellt. Die verwechselten Osterbräute. Wie alljährlich haben auch im letzten Osterfest zahlreiche Trauungen im Osten und Südosten Londons stattgefunden. Seit langer Zeit feiern die Bewohner jener Stadtteile mit besonderer Vorliebe ge= rade zu Ostern Hochzeit. In einigen Kirchen wurden am Ostersonntag in der kurz bemessenen Pause zwischen dem Vor- und Nachmittagsgottesdienst mehr als 40 Paare ge= traut. Natürlich mußten immer sechs bis zehn Paare auf einmal antreten. In einer dieser so sehr in Anspruch genommenen Kirchen ereignete sich nun, wie jetzt bekannt wird, am 1. Osterfeiertag eine etwas peinliche Verwechslung, die leicht unangenehme Folgen hätte haben können. Vierzig liebende Paare wollten durch Priesterspruch fürs Leben vereinigt werden und wie es in England Sitte ist harrten in der einen Sakristei die vierzig Bräute, in der anderen ihre zukünftigen Daseinsgefährten des weihevollen Augenblicks, da sie vor dem Altar den Treueschwur ablegen sollten. Eine der bräutlichen Jungfrauen in der ersten Gruppe fühlte plötzlich eine Ohnmacht nahen und um sich zu erholen, trat sie aus der Reihe und ließ sich auf einen Stuhl sinken. Die übrigen Bräute schlossen die Lücke und das Resultat war, daß mehr als 30 Männer in der Aufregung den falschen Bräuten angetraut wurden. Nach Beendigung der Beremonie suchte jedoch jeder der neugebackenen Ehemänner seine richtige Liebste heraus, und trotz der unleugbaren Tatsache, daß Mrs. Smith eigentlich Mrs. Brown geworden war, unterzeichnete man sich im Kirchenregister, als ob fein Irrtum vorgekommen wäre. Der von einem Zeitungsbe= richter befragte Küster meinte seelenruhig. das sei weiter nicht schlimm, ein solches Versehen könne schon einmal mit unterlaufen. Wahres Geschichtchen. Beim Appell wird auch der Befehl vom Herrn Oberst verlesen, dahin lautend, daß die Mannschaftszimmer gut geheizt und nicht unter 15 Grad haben sollen. Zwei Tage darauf revidiert der Oberstabsarzt dte Stuben. Gleich bei der ersten dröhnt ihm die in vorschriftsmäßiger Haltung abgegebene Meldung entgegen: Stube 16, 1 Gefreiter, 12 Mann, 1 Mann im Revier!" Wie viel Grad Wärme haben Sie hier?" fragte der ge= strenge Oberstabsarzt. 15 Grad, Herr Oberstabsarzt!" Wo ist das Thermometer?" ,, Wir haben keinen, Herr Oberstabsarzt!- 3um Donnerwetter, woher wissen Sie dann, daß es hier 15 Grad hat?" Ist Regimentsbefehl, Herr Oberstabsarzt!" war die lakonische Antwort des Gefreiten.( Aus der Münchener„ Jugend".) Vergnügungssüchtig. Dame( bei der Kaffeeschlacht): O, das können Sie mir glauben, was Vergnügungssüchtigeres als diese Meiers gibts nicht gleich wieder! Jebt wollten sie sich scheiden lassen da haben sie das Geld, was es kosten würde, genommen und zusammen wieder eine Autoreise nach Nizza gemacht." Auf dem Vergleichsweg. Dorfpolizist( einem ihm wieder entwichenen Stromer nachrufend):„ Geh, laff' Di' erwisch'ni zahl' Dir nacha a' Maß!" Aus dem Reiche der Technit. Das Telephonieren vom fahrenden Zuge. Die Schwierigkeiten, die sich bisher der Telephonte aus fahrenden Eisenbahnzügen entgegenstellten, scheinen jetzt durch die erfolg= reichen Bemühungen des Ingenieurs Hans von Kramer überwunden zu sein. Das von ihm erfundene System besteht im wesentlichen aus einem Rahmen elektrischer Drähte, der unter den Fußbrettern um den Eisenbahnwagen läuft. Bu gleicher Zeit sind längs der Schienenstrecke in angemessener Entfernung Drähte gelegt, die entweder auf niedrigen Posten in der Luft dahinlaufen oder einfach unterirdisch placirt sind. Diese Drähte find an den Leitungen der Signalapparate, der Telegraphendrähte und der Telephondrähte angeschlossen. Wenn man im fahrenden Zuge in den Apparat hineinspricht, überträgt sich der Schall von dem Drahtrahmen unter den Trittbrettern auf die neben der Schienenstrecke dahinlaufenden Drähte, die ihn an die gewöhnlichen Telegraphen- oder Telephonleitungen weitergeben, und so eine direkte Verständigung mit allen Telephonstellen des Landes ermöglichen. In der gleichen Weise werden eintreffende Gespräche oder Meldungen vom Zuge aufgenommen. Das System aber ermöglicht nicht nur eine Verständigung vom Zuge aus oder zum Zuge, sondern auch die Möges gewährt lichkeit, zwischen zwei fahrenden Züge Gespräche und Meldungen auszutauschen. Eine besonders sinnreiche Einrichtung gewährt sogar noch weitere Vereinfachungen: die Züge können automatisch den Stationen ihre Stellung mitteilen, wodurch man bei Nebel und Nacht eine wertvolle Beihilfe und Erleichterung des Signaldienstes erzielt. Eine kurze Eisenbahnstrecke ist bereits vor einigen Wochen in England mit diesem Telephonsystem ausgerüstet worden. Nun ist man dazu geschritten, auch auf einer größeren Eisenbahnstrecke den praktischen Beweis für die Zuverlässigkeit und Brauchbarkeit des Systems zu erbringen. Die von Stratford on Avon nach Kineton führende Bahnlinie ist mit dem Kramerschen Telephon ausgerüstet worden, und dieser Tage hat man die Einrichtung feierlich eingeweiht. Der Bürgermeister von Stratford nahm im Zuge Platz, während in einer Entfernung von mehreren Hundert Metern von der Bahnlinie auf offenem Felde in einem Zelte der andere Apparat aufgestellt war. Eine Anzahl hoher Eisenbahnbeamter und elektrotechnischer Fachleute wohnte der Eröffnung dieses telephonischen Verkehrs mit fahrenden Zügen bei. Es zeigte sich, daß die Verbindung gut funktionierte, und daß sowohl die vom Zug kommenden, als die zum Zug gehenden Meldungen und Gespräche an den betreffenden Empfangsstationen mit aller wünschenswerten Deutlichkeit und Klarheit aufgenommen werden konnten. Nach dem günstigen Resultate dieser Versuche wird voraussichtlich das Gros der großen britischen Eisenbahngesellschaf= ten dies Telephonsystem auf allen Hauptstrecken Englands einführen. Es müssen wohl doch noch beweiskräftigere Versuche angestellt werden, ehe man an die praktische Verwirklichung der Erfindung in großem Maßstabe denken fann. Der Kaiser als Archäologe. Zu den Ausgrabungen auf Korfu. Aus Hoffreisen wird der„ Inf." geschrieben: Der Kat ser hat durch Uebernahme der Kosten für die Ausgrabun gen auf Korfu aufs neue sein Interesse für die Archäologie bewiesen. Er hat schon früher mehrfach archäologische Aus grabungen eifrigst gefördert und durch Geldmittel unterstützt. So wurde auf Befehl des Kaisers vor zwei Jahren der Oberstleutnant von 3glinicki vom Großen Generalstabe, der einer unserer besten Topographen ist, nach Numantia in Spanien gesandt, wo große Ausgrabungen vorgenom men wurden. Oberstleutnant von 8glinicki hatte den Auftrag, dort nach den Grundsätzen des Großen Generalstabes eine Karte aufzustellen, die eine Uebersicht über die Aus grabungen bei Numantia gewähren sollte. Im Auftrage des Kaisers wurden die Ausgrabungen von dem Erlanger Archäologen Professor Schulten geleitet, und der Kaiser hat auch dafür Mittel aus seinem Dispositionsfonds zur Verfügung gestellt. Diese Ausgrabungen in Numantia hatten zugleich militärisches Interesse, da hier die Belagerungskunst der Römer um das Jahr 140 v. Christi durch viele Ueberreste anschaulich gemacht wurde. Bekanntlich befanden sich um Numantia die Lager des Scipio, der die Stadt ungefähr 10 Jahre lang belagerte. Es wurden eine große Anzahl Scipionischer Lager bereits zu Tage gefördert. In einer Tiefe von 2 bis 3 Metern wurden die Fundamente der Baulichkeiten, die innerhalb der Jahre während der Belagerung errichtet wurden, bloßgelegt, sodaß man sich ein vollständiges Bild von den Bauten machen kann. Für die Kenntnis der Kriegskunst der alten Römer find demnach diese Ausgrabungen von größtem Interesse. Man kann z. B. ganz deutlich zwischen den Wohnungen der Offiziere, den Lagern der Mannschaften und Intendanturgebäuden unterscheiden. Aehnlich wie in Korfu sind auch in Numantia eine große Menge feramischer Funde gemacht worden, denen ein großer Kunstwert innewohnt. Man konnte fernerhin feststellen, daß sich im siebenten Lager, das als das umfangreichste und bedeutendste anzusehen ist, das Hauptlager Scipios befand, in dem er und seine Offiziere Unterkunft fanden. Auch bei anderen archäologischen Forschungen hat sich der Kaiser vielfach betätigt, und entweder selbst Mittel dazu hergegeben, oder er hat es verstanden, von Kunstken= nern und Förderern Mittel zu beschaffen. Es sei nur an die umfangreichen Studien des Professors Delitzsch erinnert. die ihren Niederschlag in den Schriften üben Babel und Bibel" fanden. Es ist noch in aller Erinnerung, daß durch diese Schriften das Interesse der Allgemeinheit in Deutschland und in anderen Kulturstaaten für die alten asiatischen Kulturstätten aufs neue geweckt wurde. Drabtnachrichten und neuestes. Die Nachwahl im 4. Berliner Landtagswahlbezirk. Berlin, 25. April. Bei der gestrigen Nachwahl im vierten Berliner Landtagswahlbezirk sind insgesamt 275 freisinnige und 215 sozialdemokratische Wahlmänner gewählt worden. Die Sozialdemokraten haben in der zweiten Abteilung 16 und in der dritten Abteilung fünf Wahlmännerstimmen gewonnen. Der freisinnige Kandidat Kreitling wird demnach mit einer Mehrheit von etwa 50 Stimmen gewählt werden. Kriegsstimmung im fernen Osten. Petersburg, 25. April. Nachdem am Sonnabend eine wichtige Sitzung des Ministerrats in der chinesischen Angelegenheit stattgefunden und Stolypin gestern dem Zaren Vortrag gehalten hat, verlautete abends, der Kriegsminister und der Marineminister würden Sonnabend mit Generalstabsoffizieren zur Besichtigung der Truppen nach Sibirien, dem Amur- und Küstengebiet abreisen. Die Lage wird als ernst angesehen. China dränge zum Krieg, beschleunige seine Vorbereitungen und überſtürze die russenfeindliche Bewegung. Rußland könne dem nicht weiter in Ruhe zusehen. Entfeßliche Mißhandlungen eines Kindes. Berlin, 25. April. Grauenhafte Einzelheiten aus der Leidensgeschichte eines Kindes famen gestern in einer Strafkammerverhandlung zur Sprache, die zur Verurteilung ei= ner Arbeiterfrau zu neun Monaten Gefängnis führte. Als die Mißhandlungen der Mutter damals bekannt geworden waren, hatte sich vor dem Hause eine gewaltige Menschenmenge angesammelt, die sie lynchen wollte. Die empörte Menge hatte die Türen eingeschlagen und die Frau verprügelt. Der Staatsanwalt hatte eine Gefängnisstrafe von neun Monaten beantragt. Zum Dresdener Ballonunglüc. Dresden, 25. April. Die Leiche des Hauptmanns von Didtmann, der am Ostersonntag bei dem verunglückten Aufstieg des Ballons Nordhausen tödliche Verletzungen erlitt, ist jetzt ſeziert worden. Neben einem ausgedehnten Schädelbruch und zahlreichen Blutergüssen in die Schädelhöhle und Gehirn war der rechte Stirnlappen des Gehirns an seiner Basis in großer Ausdehnung mehrere Bentimeter tief vollständig zerstört. Wäre der Offizier auch am Leben geblieben, so hätte er doch einen geistigen Defekt zurückbehalten. Abermals ein Waldbrand in Westfalen. Essen, 25. April. In Holzhausen brach ein Waldbrand aus, bei dem tausend Morgen vernichtet wurden. Furchtbarer Selbstmord. Elberfeld, 25. April. Eine Arbeiterfrau übergoß sich mit Petroleum und zündete sich an, nachdem sie ihre Kinder zu Besorgungen fortgeschickt hatte. Sie starb an den Brandverlegungen. Eine Mutter mit ihren drei Kindern in den Tod gegangen. Paris, 25. April. In Gleden bei Brest ertränkte sich eine Frau, die des Kindesmordes verdächtig war, mit ihren drei Kindern, zwei Mädchen von 16 und 14 Jahren und einem Knaben von 7 Jahren. Angriff auf einen französischen Bischof. o Paris, 25. April. Als der Bischof Agen sich nach der Ortschaft Blume begab, wo er predigen wollte, wurde sein Wagen mit einem Steinhagel überschüttet. Die Glasscheiben wurden zertrümmert und der Diener des Bischofs erheblich verletzt. Der Bischof setzte seine Reise unter Gendarmeriebegleitung fort. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet. Drei Begleiter König Alfons bei einem Antomobilunfall tödlich verlegt. Madrid, 25. April. Bei der Rückkehr von Carabandchel, wo König Alfons eine drahtlose Telegraphensta= tion eingeweiht hatte, wurden der General Marva und zwei Offiziere, die den König begleiteten, durch einen Automobilunfall tödlich verletzt. Caruso und seine Stimme. London, 25. April. Caruso ist mit dem Dampfer Kaiser Wilhelm II. Hier angekommen und klagt über Stimmbänderlähmung, die ihm 300 000 Mart foste. Er will angeblich den Sommer über in Florenz ausschließlich der Wiederherstellung seiner Stimme leben. Grubenkatastrophe in Amerika. Elfgarden( Wstvirginia), 25. April. Durch eine Explosion sind in der Ott- Rohlenzeche 28 Bergleute eingeschlossen. Man vermutet, daß alle umgekommen sind. Dampferkatastrophe in den chinesischen Gewässern. Shanghai, 25. April. Sonntag nachmittag follidierten 100 Meilen südlich von Schanghai die beiden chinesischen Dampfer Awanglee und Meefoo. Der Meefoo wurde buchstäblich in zwei Teile zerschnitten und sank innerhalb weniger Minuten. Ueber 40 Chinesen sind ertrunken. Alle ausländischen Passagiere des Dampfers find aerettet. Blumentag 6. Mai. Unter dem Vorsiz des Herrn Reg.- Assessor Wolf fand gestern Abend bei zahlreicher Beteiligung eine Versammlung hiesiger Ladeninhaber statt. Nach erfolgter Anregung wurde einstimmig beschlossen zu dem Blumentag die Schaufenster festlich festlich zu dekorieren unter möglichster Verwendung von Blumenschmuck, dem Charakter des Festes entsprechend. Die Wahl der Blumen soll den einzelnen Ladeninhabern überlassen bleiben. Wir bitten diesem Beschlusse allseitig zu entsprechen und dadurch mit zuhelfen der Stadt Gießen ein festliches Gepräge zu geben. Das unterzeichnete Kommitee ist gerne bereit im Zweifelfalle nähere Auskunft zu erteilen. Röhr.. E. H. Sack. Fr. Helm Karl Röhr Sprachschule für Giessen. Engl. und französ. Unterricht durch akadem. gebild. und geprüfte nationale Lehrkräfte. Die The Linguist School ( Mainz, Wiesbaden etc.) beabsichtigt in Giessen eine Nebenschule zu errichten. Es wird am Montag, 1. Mai, abends 84 Uhr im Café Metropol, Plockstrasse, eine Engl. Gratisprobestunde abgehalten werden, um dem Publikum eine Idee des Unterrichts nach The Lingulst erfolgr. Methode zu geben. Gleichzeitig wird Mr. A. R. Cusden( von der Universität in London) einen englischen Gratis- Vortrag über ,, The Evolution of the Modern Method of Teaching Languages" abhalten. ( 220) Das verehrl. Publikum wird hierdurch höflichst eingeladen. Bund der VersicherungsVertreter Deutschlands E. V. Persi! eignet sich hervorragend für Kinderwäsche, deren oft scharfen Geruch es beseitigt, ebenso für Krankenwäsche, da es stark desinfizierend wirkt, Blut, Eiter und sonstige hartnäckige Flecken beseitigt. Garantiert unschädlich. Erhältlich nur in Original- Paketen. HENKEL& Co., DÜSSELDORF Alleinige Fabrikanten auch der weltberühmten> Henkel's Bleich- Soda Ein ruhiger cand. jur. sucht od. 2 fein möbl. Zimmer Zwecks Gründung eines Verbandes Gießen mit Anschluß an den Bund der Versicherungs- Vertreter( 3. 3. 1 schon 40 Verbände im ganzen Reiche) zur Förderung und Wahrung der Standesinteressen, werden die Vertreter in vorn. Geg.( Anlagen, Moltke, des Versicherungs- Wesens zu einer Zusammenkunft am Gr. 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