2334 Zeugnisse kunde bis Anfang September 1910 Bei Magenleiden Getrieben von dem Gefühle der Hochachtung teile ich Ihnen heute einem Magenleiden vollständig geheilt bin. Viele Lüdenscheid, den 11. Mai 1911. Bei Asthmaleiden Dr. med. H, Schröder, G. m. b. H., Berlin 35, m. II. Ich habe seit Januar In der Zeitung habe ich gelesen über das„ Renascin" von Herrn Burkartshain, den 7. Mai 1911. Bei Blasenleiden Ihr vorzügliches Renascin", Hierdurch sende Ihnen meinen sowie an meinen Bekannten en Dank für die Hilfe durch Cottbus, den 3. Mai 1911. herzlichsten Wunder gewirkt. Ich bin 64 Jahre alt, war vollstandrang nach dem an mir, sowie lebensmüde, seit , Berlin enasci Kostenlos e chtend J. If der Firma Berlin 35 n Gießen Laut notarie beglaubigte VOI Gießener Zeitung Bezugspreis 50 Pfg. monatlich ( Neueste Nachrichten) oierteljährlich 1,50 Mr., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt.- Erscheint Mittags 3 Uhr. Die„ Illuftr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung ,, G. m. b. H. Nr. 146. - - Telephon: Nr. 362. Reichstagswahlvorbereitungen. = d= Büdingen, 23. Juni. Wie verlautet, soll für den Wahlkreis Friedberg- Büdingen als gemeinsamer bürgerlicher Reichstagskandidat Amtsrichter Strad Gießen( früher Friedberg) aufgestellt werden. * Mainz, 23. Juni. Hier tagte am Mittwoch unter dem Vorsitz des Landtagsabgeordneten Justizrat Dr. Schmitt das Landeskomitee der Hessischen Zentrumspartei. Es sollen bei den Landtagswahlen, wenn nicht ganz besondere Gründe dagegen sprechen, in fast allen Wahlkreisen Kandidaten aufgestellt werden. Auch über die Taktik bei den Reichstagswahlen wurde Uebereinstimmung erzielt. Oberstein, 24. Juni. Die Vertrauensmännerversammlung des Bundes der Landwirte für den Wahlkreis St. Wendel- Ottweil- Meisenheim beriet hier über die von nationalliberaler Seite geforderte bündlerische Wahlhilfe für den Kandidaten v. Schubert. Die Bitte wurde einstimmig abgelehnt. * Neuwied, 23. Juni. Durch die Presse ging in diesen Tagen die Notiz, daß im Wahlkreise Neuwied seitens der nationalliberalen Partei der Pastor Schmidt aus Engers als Kandidat der„ vereinigten nichtultramontanen- nationalen Parteien dem Zentrumskandidat Krings entgegentreten werde. Diese Nachricht ist, soweit die Christlich- Soziale Partei in Frage kommt, nicht zutreffend. Jm Gegenteil hat die Christlich- Soziale Par tei schon lange die Absicht im Wahlkreise Neuwied mit einer eigenen Kandidatur vorzugehen und wird deren Proklamierung demnächst erfolgen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 24. Juni. * Trabert- Hungen ⚫ Oberpostassistent Traber t- Hungen wurde nach hier versetzt. == Meister prüfungen. Seit vier Wochen haben die Meisterprüfungen begonnen. Die theoretischen Prüfungen finden voraussichtlich im September in Berbindung mit der Verleihung des Meistertitels statt. Die Beteiligung an der Prüfung ist groß. Der Turnverein von 1846 feiert am Samstag und Sonntag, 1. und 2. Juli, sein 65jähriges Stiftungsfest durch einen Festkommers in der Turnhalle und ein Sommerfest im Philosophenwald, wo kin Schauturnen der gesamten aktiven Turner und ein Wetturnen der Schülerabt. stattfindet. Bei dem Kommers wird einer außerordentlich stattlichen Anzahl von Jubilaren eine Ehrenurkunde für 25jährige Mitgliedschaft überreicht werden können. * Unteroffizier und Student. Am Abend des 11. Dezember v. Js. gerieten in einer Wirtschaft Mitglieder des Fußballklubs„ Merkur" und Studenten in Streit. Der Unteroffizier Wilhelm Reibeling von der 2. Kompagnie des hiesigen Regiments setzte sich mit seinem Bruder zu dem Fußballklub und sagte, er habe mit den Studenten auch noch Hühnchen zu pflücken. Als der Wirt Feierabend bot und beide Parteien das Lokal verließen, nahmen die Sportsmänner die eisernen Schürhaken mit heraus. Draußen kam es dann zu einer Rauferei, bei der die Musensöhne mit dem Schürhaken bearbeitet wurden. Einer von diesen trug eine Wunde davon, die unmöglich von einem Schür haken herrühren konnte. Es lagen vielmehr zwingende Verdachtsmomente vor, daß Unteroffizier Reibeling dem Studenten die Wunde mit dem Seitengewehr beigebracht habe. Das Kriegsgericht gewann auch trotz seines Bestreitens die Ueberzeugung von seiner Schuld und verurteilte ihn wegen schwerer Körperverletzung unter rechtswidrigem Gebrauch der Waffe zu der geringsten zulässi einen gen Strafe von 43 Tagen Gefängnis. Weil er Revolverschuß in die Luft abgefeuert haben sollte, wurde der Unteroffizier ferner zu 5 Tagen Haft verurteilt, obwohl sein Bruder angab, er habe den Schuß abgegeben. Das Oberkriegsgericht als Berufungsinstanz erkannte bezüglich des Schusses auf Freisprechung, erhöhte aber die Strafe für den Säbelhieb auf 7 Wochen Gefängnis. * Die Einstellung der Rekruten erfolgt in diesem Jahre in der Zeit vom 11. bis einschließlich 14. Oktober. Bei der Kavallerie, der reitenden Feldartillerie, dem Train erfolgt die Einstellung möglichst bald nach dem 1. Oktober. Die Rekruten für die Bezirkskom mandos, für die Unteroffizierschule sowie Dekonomie handwerker haben am 2. oder 3. Oktober in ihren Garnisonen einzutreffen. Enthält alle amfl. Bekanntmachungen der Großherzoglichen Bürgermeisterei des Großherzoglichen Polizei Amtes sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Samstag, den 24. Juni 1911. | feier mit folgendem Programm: Fackelzug, Gemeinsa= mes Lied:„ Stimmt an mit hellem hohen Klang", Festrede, Entzündung des Holzstoßes, Feuersprüche, Gemeinsames Lied:„ Die Wacht am Rhein", Akademische Feier im Gasthause„ Zur Walküre". Trompetensignale verkünden den Beginn. der sich in einer Ausdehnung von bald zwei Stunden *) Lich, 23. Juni. Auf dem großen Wiesengrunde, im Wettertal bis nach Ober- Bessingen hin erstreckt, herrscht jetzt geschäftiges Leben, denn die Heuernte ist jetzt in vollem Gange. Ueberall sind Buden und Zelte aufgeschlagen, die den zahlreichen Heumachern aus der Umgebung Erfrischung und Aufenthalt gewähren. Die Ernte ist im Vergleich zu den Vorjahren schlecht, aber immer noch reichlich. Der Licher Wiesgrund versorgt die weite Umgebung mit Winterfutter. -5= Alsfeld, 24. Juni. Die diesjährige Pro= vinzial- Geflügelausstellung für Oberhessen findet vom 18. bis 20. November hier statt. == Hungen, 24. Juni. Auf der Landwirtschaftihrer ausgestellten Butter den 1. Preis mit 19 Wert lichen Ausstellung in Kassel hat die hiesige Molkerei mit erreichbare bei der Beurteilung der Butter. malen errungen. 19 oder 20 Wertmale sind das höchst = Ober Mörlen, 24. Juni. Von einer ZiMörlen ein Handwerksbursche und derartig mißhandelt, geunerbande überfallen wurde in der Nähe von Niederdaß er blutüberströmt mit mehreren tiefen Wunden am Kopfe aufgefunden wurde. Offenba ch, 24. Juni. Der Tarifvertrag für die Lederwarenindustrie wurde mit 99 Stimmen bei zirka 500 Stimmenenthaltungen angenommen, ebenso in Stuttgart mit 180 gegen 36 Stimmen. bursche Kämmerer, der bei der Baufirma Phil. Forster * Offenbach, 23. Juni. Der 30jährige Hausbursche Kämmerer, der bei der Baufirma Phil. Forster und Söhne in Diensten stand, hatte im Auftrag seines Herrn 3000 Mt. erhoben, die er bei einem Bankhause einzahlen sollte. Er suchte jedoch mit dem Gelde das Weite. In Fulda ereilte ihn gestern das Schicksal. Auf der Straße wurde er von hiesigen Kriminalschutzleuten erkannt und festgenommen. Bei ihm fand einen großen Teil des Geldes versteckt hat. nur noch 517 Mark vor, doch nimmt man an, daß er man vor der Zweiten Kammer setzte gestern seine Beratungen fort. *) Darmstadt, 23. Juni. Der Finanzausschuß Mitteilung, daß zu der für nächsten Montag einberu Der Finanzminister machte zu Beginn der Beratung die fenen gemeinsamen Sitzung der Finanzausschüsse beider Ständekammern bezüglich der Differenzpunkte zwischen denselben hinsichtlich des Gesezentwurfs über die Gemein deumlagen von der Regierung weitere Vermittlungsvorschläge vorgelegt werden würden. Im Verlauf der Sitlage betr. die Nachtragsforderung von 12 000 Mt. zu zung wurde dann noch einmal über die Regierungsvor den Kosten der hessischen Gesandtschaft und Bundesratsvertretung in Berlin beraten und schließlich die Vorlage abgelehnt. Der Ausschuß glaubt in seiner Mehrheit, daß es nicht angängig sei, jetzt unmittelbar dem Abschluß der Tagung und außerhalb des Budgetrahmens eine solche Forderung zu genehmigen. In einem Jniativantrag von 19 Mitgliedern der Ersten Kammer war eine Abänderung des Gesetzes betreffend das Besteuerungsrecht der Kirchen- und Religionsgesellschaften in dem Sinne beantragt worden, daß hinter eingefügt wird, wonach auch Aktiengesellschaften 2c. zur Artikel 6 dieses Gesetzes als Art. 6a eine Bestimmung Kirchensteuer herangezogen werden sollen. Die Antrag steller erachten es bei der steigenden Tendenz, welche die Kirchenumlagen zeigen, als ein Gebot der Gerechtigkeit, den selbständigen gewerblichen Mittelstand durch Heran ziehung des Einkommens aus Aktiengesellschaften 2c. zu entlasten, wie dies auch in anderen Staaten geschieht. tiativantrages zuzustimmen. Der Finanzausschuß beschloß, die Forderung dieses Jni- Darmstadt, 24. Juni. In der gestrigen Verfammlung der Stadtverordneten wurde die Genehmigung erteilt, daß auf dem Grundstück der Techn. Hochschule eine Halle für friegstechnische Sammlun= gen und ein Anbau zur Unterbringung von Papier maschinen errichtet werden. * Marburg, 24. Juni. Das Landgericht verurteilte einen ländlichen Handwerksmeister wegen Vergehens gegen das Krankenversicherungsgesetz unter Zubilligung mildernder Umstände zu 75 Mk. Geldstrafe oder 15 Tagen Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte gegen den Mann, der einen Gehilfen nicht vorschrifts= veranstaltet der Alldeutsche Verband, Ortsgruppe Frank- mäßig zur Krankenkasse angemeldet, 6 Wochen Gefängfurt a. M., auf dem Feldberge eine SonnwendSonnwend Feier. Heute abend 11 Uhr = nis beantragt. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Inseratenzeile.- Stellen: gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. Oeffentlicher Sprechsaal. und des Jammers bieten zur Stunde die nationalen Ein Bild der 3erissenheit Parteien der Provinz Oberhessen. In Alsfeld- Lauterbach bekämpfen sich die Nationalliberalen und die Anhänger des Reichstagsabgeordneten Bindewald bis aufs Messer. Die ersteren halten sich für etwas Besseres und Höheres, halten in ihrem Parteidünkel nur sich alder Landbevölkerung gestatten sie nur gnädigst, mitzulein für maßgebend, einen Kandidaten aufzustellen, und wählen. Daß die es gewagt hat, ein Wort mitzuspre= chen und einen besonderen Kandidaten aufzustellen, der nicht auf die nationalliberale Fahne schwört, ist ein nie wieder zu fühnendes Verbrechen. Man arbeitet so den Demokraten in die Hände. Jm Kreis Friedberg wagten es die Bauern, bei der vorjährigen Wahl einen besonderen Kandidaten zu präsentieren. Wer dagegen am meisten protestierte, waren die Nationalliberalen, vor allen ein oder zwei daß als Vertreter der gesegneten Wetterau ein SozialFührer. Sie tragen die Schuld und niemand anderes, doch das eine Gute, daß Klarheit über die Stärke der demokrat im Reichstag sitzt. Diese Wahl hatte aber einzelnen Parteien geschaffen wurde. Die Mittelständler verfügen über 6-7000 Stimmen, die Sationalliberalen über 2000 und die Demokraten( früher Freisinnigen) über 2000 Stimmen. Nun hat man den lieblichen Entschluß gefaßt, die bürgerlichen Parteien zu einigen. Allenthalben fand dies Anklang mit Ausnahme bei den Freisinnigen. Trotzdem standen die Sterne günstig. Man hatte vor einigen Wochen endlich einen gemeinsamen alten nationalen, bürgerlichen Kreisen genehmen, Kandidaten gefunden, den Landgerichtsrat Strack in Gießen, einen über die Maßen in jeder Richtung passende Persönlichkeit, und nun wird wieder Zwietracht von den Nationalliberalen im Kreis Gießen gesät. Hier vertritt ein nationalgesinnter Mann zur Zeit den Wahlkreis. Ihm und seinen politischen wie wirtschaftlichen Anschauungen stehen die Nationalliberalen in ihrer übergroßen Mehrheit tausendmal näher als die Linksliberalen oder Demokraten. Tut nichts. Aus Parteieigensinn oder Aerger über den Ausgang der letzten Wahl beschließt dieser Tage die nationalliberale Vertrauensmänner- Ver= sammlung, bei der nächsten Reichstagswahl wieder einnicht in der Zeitung gestanden hätte, würde so etwas mal nach links Fühlung zu nehmen. Wenn's ist fein vernünftig denkender Mensch glauben aber es Gott sei es geflagt wirklich Tatsache. Und die einfache Folge? Jm Kreis Friedberg wollen nun mehr die Deutsch- und Christlich- Sozialen ihre Zustimmung zur gemeinsamen Kandidatur Strack zurückziehen. Wahrlich ein Bild des Jammers. Unwillkürlich fragt man sich, gibts denn in der nationalen Partei nicht eine Anzahl entschlossene, ernstgesinnte Männer, die gegen die unbegreifliche Grundsazlosigkeit in ihren Parteireihen endlich einmal mutig und mannhaft auftreten und gehörigen Wandel schafft? Zeit ist es, höchste Zeit! - - - = r= Ein schöner Ausflugsort ist der nahe gelegene Windhof. Selbst bei trübem Wetter ist er bald erreicht und man kann sich wirklich gütlich tun in den schönen Räumen. Schöne Nebenzimmer, großer Saal für Festlichkeiten und vor allem auch der Turm. Wer die Mühe nicht scheut, die vielen Stufen zu ersteigen, die auf den Turm führen, wird durch schönen und weiten Ausblick belohnt. Jm großen Saal fann man die württembergischen Burgen betrachten wie Lichtenstein, Hohenzollern, Staufen, Rechberg und wie sie alle heißen, alle naturgetreu, locken sie uns. Der sehr schöne und große hin. Ist man zu müde, um die kurze Strede per pedes Garten ist geschützt durch eine Mauer nach der Straße apestolorum zurückzulegen, so kann man die Biebertalbahn benüßen, für 15 Pfg. ein billiges Vergnügen. Auf zum Windhof! Es lohnt sich gewiß! Fahren Sie SUPERIOR musterhaft in Bayu Ausstattung, grösste Stabilität, vorteilhafteste Preislage! Fordern Sie illustrierte Preisliste auch über Nähmaschinen Haushaltungsgegenstände, Waffen, Uhren Musikwaren, sowie sonstige o Radfahrer- Bedarfs artikel gratis u.franko. HANS HARTMANN A: G.EISENACH 5 GROSSTES FAHRRADHAUS MITTEL- USUDDEUTSCHLA Rötger contra Riesser. Die Differenzen im Präsidium des Hansabundes. Im Zusammenhang mit dem gemeldeten Ausscheiden des Vorftzenden des Zentralverbandes Deutscher Indu Arteeller, Landrat a. D. Rötger, aus dem Präsidium hat bes Hansabundes und aus dem Bunde überhaupt, wischen Rötger und dem Präsidenten des Hansabundes, Dr. Riesser, ein Briefwechsel stattgefunden, den wir bei dem Aufsehen, welches die Sache erregt hat, unseren Lesern glauben nicht vorenthalten zu dürfen. Tautet: Das Schreiben Rötgers Berlin, den 21. Juni 1911. Herrn Geh. Justizrat Dr. Riesser, Berlin NW. 7, Dorotheenstraße 36. Sehr geehrter Herr Geheimrat! Meine in den an Sie gerichteten Schriftstücken vom 14. und 16. Junt enthaltenen deutlichen Hinweise darauf, daß ich nicht gewillt bin, die Verantwortung für Ihre von Ihnen als persönliche Bemerkungen" bezeichneten hochpolitischen Schlußdarlegungen auf dem ersten allgemetnen Hansatage mit zu übernehmen, haben zu meiner Ueberraschung nicht verhindert, daß ein wesentlicher Teil Ihrer Ausführungen ohne vorherige Besprechung im Präfidium des Hansabundes in der Form eines Aufrufs zur Werbung neuer Mitglieder gekleidet worden ist. Dadurch find Ihre Ausführungen unzweideutig thres persönlichen Charakters" entkleidet und als Ansicht des Hansabundes und damit seines Präsidiums hinausgesandt worden, trotzbem ich in meinem zweiten Schreiben deutlich darauf hinwies, daß über die Einpassung Ihrer Darlegungen in die satzungsgemäßen Ziele des Hansabundes die Ansichten auch innerhalb des Hansabundes von einander abweichen dürften." Ich gehe über die in diesem Vorgehen enthaltene Nichtachtung der Rechte des Präsidiums des Hansabundes hinweg; es fann jetzt nur noch darauf ankommen, festzustellen, daß der von Ihnen persönlich ohne Vorwissen Ihrer Kollegen im Präsidium geforderte poltttsche Kampf ge= gen Rechts als sabungsmäßiges Ziel des Hansabundes nun auch, wiederum ohne vorherige Beratung, zur Losung des Hansabundes gemacht worden ist. Aktionskraft und Geschlossenheit wird durch Ihren Schritt nicht gemindert. Nachdem Sie gestern Ihr Schreiben vom 21. d. M. der Deffentlichkeit übergeben haben, bin ich genötigt, mit diesem meinem Schreiben gleicherweise zu verfahren. In vorzüglicher Hochachtung! Ihr sehr ergebener gez. Dr. Riesser. Danach verharrt Herr Riesser ebenso wie Herr Rötger auf seinem Standpunkt, und die politischen Gegensätze, die sich in ihnen verkörpern, werden eben in den kommenden Wahlkämpfen ausgetragen werden müssen. Das widerspricht nach meiner pflichtmäßigen Ueberzeugung, wie ich wiederholt zu erkennen gegeben habe, dem Geiste der Sazungen und der Richtlinien des Hansabundes und meiner Stellung als Vorsitzender des Zentralverbandes deutscher Industrieller, eines wirtschaftlichen Verbandes, in dem alle bürgerlichen politischent Parteien, sowohl links- wie rechtsstehende, vertreten find. Der Vorstand des Bundes deutscher Industrieller hat dem Vorsitzenden des Hansabundes aus Anlaß des Austritts des Landrats Rötger aus dem Bund sein Vertrauen ausgesprochen. Aehnliche Vertrauenskundgebungen wurden nach Meldungen Berliner Morgenblätter von verschiedenen Vereinigungen des Hansabundes beschlossen, u. von dem geschäftsführenden Vorstand des Landesverbandes Nassau und von der Ortsgruppe Mannheim. Ueber die zwischen Ihnen und Ihrer Gefolgschaft etnerseits und mir und meinen Freunden andererseits in diesem ausschlaggebenden Punkte bestehenden Meinungsverschiedenheiten eine Verständigung, etwa durch AusSprache im Direktorium des Hansabundes, zu versuchen, erachte ich für zwecklos. Nach langer, reiflicher Ueberlegung finde ich für eine solche Verständigung keinen Weg. Das deutsche Telegraphennetz. a. In welche die Berechtigung zum Einjährig- freiwilligen Hee resdienst besitzen oder welche nach dreijähriger Lehrzeit die Gesellenprüfung bestanden haben, sind zum Besuche der Pflichtfortbildungsschule nur insoweit verpflichtet, als dies durch statutarische Anordnung bestimmt wird." Dieser neue Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. der Sigung, die sich bis nach Mitternacht hinzog, wurde die Vorlage schließlich mit erheblicher Majorität angenommen, und zwar sprach sich letztere für die gleichzeitige Zuständigkeit des Kultusministeriums aus. Nach der Abstimmung erklärte der Handelsminister, für ihn sei die Vorlage in dieser Gestalt unannehmbar. Die Telegraphie des Deutschen Reiches mit Einschluß von Bayern und Württemberg verfügt nach der neuesten Statistik über ein Netz von 210 269 kilometer Län= ge. Dazu kommen noch 48 181 kilometer Telegraphenlinien der Eisenbahnen. In den deutschen Schutzgebieten und in China verfügt das Reich außerdem noch über 6293 Kilometer Linien. Von den Linien ist die große Masse mit 196 069 Kilometer Luftlinien. 9669 werden uner der Erde und 4531 Kilometer unter dem Meer geführt. Die Länge der einzelnen Leitungen beträgt 1 537 523 Kilometer, die der Lettungen bei den Eisenbahnen 211 561 Kilometer, in den Schutzgebieten 8814 Kilometer. Mit diesen 1757 898 Kilometern könnte man fast fünf Telegraphenleitungen von der Erde zum Monde legen. Von den einzelnen Leitungen werden 1255 738 in der Luft, 271 099 Kilometer unter der Erde und 10 686 Kilometer unter See geführt. Die Zahl der Telegraphenämter beträgt 41 276, wozu noch 118 in den Kolonicu und in China kommen. Von diesen Aemtern find 35 662 Reichs- oder Staatsanstalten, 5604 Bahntelegra= phenämter und 10 Seetelegraphenanstalten. Ununterbrochenen Dienst haben 446 Aemter, vollständigen oder verlängerten Tagesdienst 17 626, beschränkten Tagesdienst 23 194. Zweigstellen gibt es 12 199. Außerdem nehmen alle Bahnposten, alle Telegraphenboten und Landbriefträger Telegramme an. Die deutsche Telegraphie verfügt über 51 422 Telegraphenapparate. Unter diesen Umständen sehe ich mich genötigt, auf die Mitarbeit am Hansabund zu verzichten. Ich lege demgemäß und in Uebereinstimmung mit der Anschauung des heute versammelten Direktoriums des Zentralverbandes mein Mandat als Mitglied des Direktoriums und Prästdiums im Hansabund nieder. Ich tue dies im Bewußtsein, alles darangesetzt zu haben, um an einer der Satzungen und Richtlinien des Hansabundes entsprechenden Führung desselben auf der mittleren Linie mitzuarbeiten. In vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebenster Die Antwort Riessers hat folgenden Wortlaut: Sehr geehrter Herr Landrat! Rötger. Rundschau vom Cage. Politisches. Eine Vergünstigung für die Grenzgarnisonen. Nach einer Kabinettsorder sollen, wie die„ Tägl. Rdsch." hört, in Zukunft Leutnants, Oberleutnants und Hauptleute der Grenzgarnisonen, die sich in geordneter petuniärer Lage befinden und die sich durch gediegene Charaktereigenschaften auszeichnen, soweit angängig, nach gewissen Zeitperioden in größere Standorte versetzt werden. Der Kaiser empfing gestern an Bord der„ Hohenzollern" den Vorstand des Flottenbundes deutscher Frauen. Vertreten waren Hannover und die Landesverbände Bayern, Sachsen, Thüringen und Baden. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amts v. Kiderlen- Wächter ist, wie die„ Nordd. Allgem. 3tg." mitteilt, von seinem Urlaub zurückgekehrt und hat die Amtsgeschäfte übernommen. In Ihrem Geehrten vom 21. d. M. gehen Sie davon aus, daß in den letzten Tagen ein Werbeaufruf des Hansabundes erschienen sei, welcher ohne Zustimmung des Präfidiums einen wesentlichen Teil meiner persönlichen Ausführungen auf dem Hansatage unzulässigerweise wiederholt habe. Demgegenüber stelle ich zunächst formell fest, daß mir seitens des verstärkten Präsidiums ausdrücklich die Genehmigung zu derartigen Werbe- und Wahlfondsaufrufen generell erteilt worden ist. Sachlich aber fordert jener Aufruf, in Gemäßheit der Richtlinen des Hansabundes, lediglich den Kampf gegen die„ Ueber agrarier", also speziefi gegen den Bund der Landwirte, einen Kampf, den auch Sie stets als das Ziel des Hansabundes bezeich net und bisher auch immer Ihrerseits mit Entschiedenheit vertreten hatten. Hiernach kann Ihr Austritt nur den Sinn haben, daß Sie jetzt aus Gründen politischer Taktit wünschen, daß der Hansabund nicht mehr sezungsmäßigen wirtschaftspolitischen Kampf gegen die lebergriffe des Bundes der Landwirte führe, sondern einen sabungswidrigen Kampf gegen alles, was Iinks steht, aufnehme. Ein solches Verfahren widerspricht nach meiner Ueberzeugung den dauernden Lebensinteressen des gesamten deutschen Gewerbestandes. Der Hansabund wird, gestützt auf die begeisterte Zustimmung weiter Kreise des deutschen Gewerbestandes, sein Programm unbeirrt fortseßen und durchführen. Seine 7) Und dennoch. Novelle von Ernst Busolt. den ( Nachdruck verboten.) Die Arbeitszentrale für die Privatbeamtenversiches rung, der sich eine Reihe führender Organisationen, wie die Vereinigung der deutschen Privatversicherung", der „ Zentralausschuß der Prinzipalsverbände in Sachen Pensionsversicherung der Privatangestellten" usw., angeschlossen haben, tritt am 30. Juni in Berlin zu einer Sigung zu sammen, um Grundzüge für die Aufstellung eines Gegenentwurfes, betreffend die Privatbeamtenversicherung, zu vereinbaren. Der Schluß des preußischen Landtags wird nach Vereinbarungen zwischen der preußischen Regierung und den preußischen Landtagspräsidien am 1. Juli eintreten. Auf die Verabschiedung des Pflichtfortbildungsschulgesetzes ist seitens der Regierung Verzicht geleistet worden. Bezüglich der Zweckverbandsgesetze, die ans Abgeordnetenhaus verwiesen wurden, nimmt man an, daß ste dort beide in der Fassung des Herrenhauses Annahme finden. Der Riß im reichsländischen Zentrum erweitert sich. Eine Vertrauensmännerversammlung des Wahlkreises Hagenau faßte eine Resolution, welche die ablehnende Haltung des Reichstagsabgeordneten Hauß gegenüber der Verfassungsreform scharf verurteilte. Bei der nächsten Wahl wird von seiner Aufstellung als Kandidat abgesehen. Der neue Kandidat muß ein entschiedener Anhän ger des deutschen Zentrums sein und gemäßigte Politit treiben. Man spricht davon, daß Dr. Spahn als Kandidat ausersehen sei. Als Termin der Reichstagsersagwahl in Düsseldorf, die durch den Tod des Zentrumsabgeordneten Kirsch notwendig geworden ist, ist der 15. September in Aussicht genommen. Der Whalkreis ist seit 1883 ununterbrochen im Besitze des Zentrums. Frankreich und seine Eisenbahner. Die Eisenbahnerfrage bereitet der französischen Regierung neue Verlegenheiten. Der Arbeitsminister Dumont wird wahrscheinlich aus dem Ministerium ausscheiden, da er die geplanten Zwangsmaßnahmen gegen die Gesellschaften nicht durchzusetzen vermag. Ueber 3000 der Streifenden bleiben stellenlos, nachdem die Eisenbahngesellschaften erklärt ha ben, unter keinen Umständen nachgeben zu wollen. Nachdem das Feuerbestattungsgeseh in Preußen Geset geworden ist, werden außer den Groß- Berliner Gemeinden auch andere größere preußische Städte Anträge zur Errichtung von Krematorien stellen. Die Staatsregierung beabsichtigt, wie verlautet, Krematorien vorläufig nur in den großen Städten zu genehmigen und will auf Grund des Zweckverbandgesezes dahin wirken, daß auch die den großen Städten benachbarten Vororte von den Einrichtungen der zu errichtenden Krematorien Gebrauch machen fönnen. „ Ja, ich bin frei!" Virginie hatte lange mit der Ants wort gezögert. Allein, mißverstehen Sie mich nicht! Nie darf ich die Werbung eines Mannes annehmen! Und das ist ein Geheimnis, von dem ich nicht möchte, daß es dereinst die zitternden Salme meines Grabes flüsterten." Sie neigte den Kopf, und einen Augenblick schien es, als wolle ihre ganze Selbstbeherrschung sie verlassen. Dann, indem sie ihm ihre Hand reichte, flog es wie der Schimmer eines Lächelns über ihr lieblich ernstes Gesicht, und leiser als zuvor sagte sie:„ Ich wußte von Ihrer Neigung seit dem ersten Augenblicke, da ich Sie sah!" Cine des Juni ler ber be Gin& Angestellte richtet. G Innen wer toftenlos v Große Kommerzie und Meiste faffe der Die 3 fabrikanten den Verein hen weiter Anz. soll 356 000 M ten Staate Die D fängnis, Fröhling f Schweben ge jeher Ermit falle Kaffib Die Ty Erfrankung Mittwoch w der Kleinkin nen Kinder Krankenhaus Ein ent tag in der Mannheim, Schloffer As erfaßt, gegen Beitraum v fleischt. Die und mit and dert. Dürr Lärmszenen im bulgarischen Parlament. König Ferdinand von Bulgarien eröffnete am Donnerstag in Anwesenheit der Königin Eleonore und des Prinzen Kyrill in feierlicher Weise die Session der großen Sobranje. Beim Betreten des Saales wurde der König von den Abgeordneten der Regierungspartei stürmisch begrüßt. Dann fam es zu einem unerhörten Skandal. Ein Mitglied des oppositionellen Bauernbundes, Stambolinsti mit Namen, er hob sich und wandte sich im Auftrage der gesamten Oppo sition an die Minister mit den Worten: ,, Was hat der König hier zu suchen? Sein Platz ist draußen! Wir hier werden über ihn zu Gericht sizen!" Von den Oppositionsbänken vernahm man sodann Rufe:„ Nieder mit dem König!" Die Regierungsmehrheit antwortete mit Hurrarufen und mit dem Rufe:„ Es lebe der König!" Bor Verlesung der Eröffnungsrede durch den König versuchte der Führer der Bauernbündler nochmals unter Hinweis auf den strittigen Artikel der Verfassung gegen die Eröffnung der Sobranje durch den König zu protestieren, wurde jedoch durch stürmische Hurrarufe der Majorität daran gehindert. Nach der Verlesung der Thronrede wurden dem König beim Verlassen des Saales wiederum Huldigungen dars gebracht. Das preußische Pflichtfortbildungsschulgeset wurde am Donnerstag in der Kommission weiter beraten. Paragraph 4, der die Dauer der Schulpflicht betrifft, wurde angenommen und dabei konstatiert, daß ihr auch die im Betriebe threr Eltern Beschäftigten unterworfen sind. Bei Paragraph 5 wurde der Antrag wiederholt, allgemein die zum Einjährig- freiwilligen Dienst Berechtigten von der Schulpflicht zu befreien. Der Gedanke wird von vielen Seiten grundsäglich gebilligt, dann aber durch einen neuen Antrag aufgenommen, der folgendermaßen lautet:„ Personen, Und Adrian hätte ihr zu Füßen stürzen, ihre Knie umflammern, ihr zuflüstern mögen, daß er sie nicht vergessen könne, daß er sie so lange gesucht und zuletzt gezweifelt hätte, sie wieder zu finden und daß er sie nie mehr verlassen werde, jetzt, da er sie gefunden. Ein bisher nicht gekanntes ungestümes Gefühl von Kraft und Stärke durchströmte ihn, leuchtete aus seinen Augen. Er wußte, daß er den Mut haben würde, alles für sie zu wagen. In ihrer inneren Bewegung hatten beide auf das wiederholte Pochen an der Tür nicht acht gegeben. Endlich trat Bonifaz ein, um seiner Herrin ein Billett zu überreichen. Virginia erbleichte. Wenn Sie mich nicht sofort verbannen wollen," be= eilte sich Adrian zu versichern, so lesen Sie, bitte, ungestört!" " auf das Sofa gesunken, halb ohnmächtig, das Blatt in der Hand. Ihre Augen waren geschlossen. Adrian sank ihr zu Füßen und füßte ihre Hände. Er redete kein Wort. Plötzlich erhob sie sich. Ihre sanften Züge nahmen einen herben Ausdruck an.„ Verlassen Sie mich, bitte!" stammelte sie. Wie geistesverwirrt starrte Virginie auf die Zeilen. Dann sich erinnernd, daß sie nicht allein sei, murmelte sie „ Pardon!", und während Adrian sich eine Tasse Tee auf Ber Loggia eingoß, trat Virginie ins Zimmer zurück. Abrian nahm seinen Tee und wartete lange. Endlich ging er zu ihr hinein. zögernd, ängstlich. Virginie war ,, Morgen?" tam es hörbar von seinen Lippen. " Nein," wandte sie sich mit ungewohnter Heftigkeit zu ihm ,,, nein ich muß morgen allein sein. Versprechen Sie mir!" Adrian merkte, daß sie an allen Gliedern zitterte. ,, Wie Sie wünschen," sagte er beruhigend, als spräche er zu einem Kinde. Dann verließ er sie, ein Gefühl streitender, süßer und trauriger, Empfindungen im Herzen. Kleine Nachrichten. Die preußischen Landwirtschaftskammern haben eine beffere Ausbildung der jüngeren Juristen in Landwirtschaftlichen Dingen angeregt. Es sollten besondere Kurse an landwirtschaftlichen Hochschulen eingerichtet und den Rea ferendaren die Beschäftigung an Landwirtschaftskammern freigestellt werden. Eine Konferenz der Oberpostschaffnervereinigung Deutschlands, die in Breslau tagte und zu der zahlreiche. Delegierte aus allen Städten erschienen waren, beschloß, einen Bund deutscher Postschaffner zu gründen, der sich über das ganze Reich erstrecken soll. Der Leipziger Verband deutscher Aerzte ist gestern in Stuttgart zu seiner diesjährigen Generalversammlung zusammengetreten. In Aerztekreisen sieht man der diesmaligen Tagung mit ganz besonderem Interesse entgegen, da es gilt, Stellung zu nehmen zu der durch die Reichsversicherungsordnung neu geschaffenen Situation im AerzteDie letzten purpurroten Säume am Horizont leuchteten von der See herüber; in stiller Abendruhe lag Buchenau da, als Adrian sich dem Dorfe näherte. Die alten Fischer saßen auf den Staketen, die Weiber strickten Nege, die Jugend tummelte sich fröhlich herum. Adrian war so in Gedanken versunken, daß er eine anscheinend muntere Gesellschaft nicht bemerkte, die ihm in den Weg fam. In einiger Entfernung sah er drei Damen. Wäre es möglich? Adrians Mutter und Fräulein Konstanze von Grimmen in freundlicher Unterhaltung! stand. Eine vor ihren Blicken verlegen, schützte Kopfweh vor, um seine Einsilbigkeit wenigstens einigermaßen zu entschuldigen und zog sich zurück. Ein durchdringender Nebel stieg auf. Ueberall schien eine unheimliche Trübe zu lagern. fast übermäßige Gewalt zog Adrian nach Virginiens Hause. Er fühlte es, daß ihr Gefahr drohte. Wer mochte das Billett geschrieben haben? Eine in einen Mantel gehüllte Männergestalt ging ruhig an ihm vorüber, auf Virginiens Haus zu.„ Was ist das?" sagte er laut zu sich selbst. Auf die Gefahr hin, Virginien zu erzürnen, läutete er leise. Das heftige Verlangen, sie wiederzusehen und eine Vermutung bestätigt zu finden, die ihm das heiße Blut ins Antlitz trieb, hatte alle anderen Regungen seiner Seele niedergedrückt. Nach der ersten Begrüßung legte Frau van der Landen ihren Arm in den des Sohnes.„ Du bist überrascht, nicht wahr? Ich bin die Frau nicht, derartige Geniestreiche zu machen. Der Vater hat mich hergeschickt, Du hast ihm so sehr durch die prompte Regulierung jener widerwärtigen Angelegenheit erfreut, daß er Dich bald sehen möchte, um Dir zu danken. Mich hat er abgesendet, um den Deserteur, der uns seinen ohnehin schon knappen Urlaub so verkürzen will, wieder einzufangen. Und Konstanze ist so lieb ge= wesen, mich zu begleiten." Adrian erwiderte mit einigen höflichen Phrasen, die fühl flangen. Konstanze beobachtete ihn genau. Er wurde Der alte Bonifaz öffnete. Er erschien Adrian noch welfer, greisenhafter als zuvor; oder war es der Ausdruck heimlicher Angst, der seine Züge so entstellte?„ Die Gräs fin zu Hause?" " Ja, Herr Konsul!" und der Alte legte zwei Finger seiner linken Hand auf die Lippen- ,, es ist Besuch da, wenn Sie warten wollen"- es flang wie eine Bitte. der. Bergman dreh bei Ef zeitiges Los entfeßlich ve Das Be in den Fol im Neuen in seinem Jeines Leibo fich aber ba widerstandsf brochen wer malen Verl Adrian nickte und wurde von dem Alten in ein als Bibliothek eingerichtetes Kabinett geführt, das von dem Wohnzimmer durch ein kleines Speisezimmer getrennt war. Adrian bemerkte peinlich verlegen, daß die Tür zwischen beiden Zimmern halb offen stand, so daß er durch einen Spalt des Kabinetts direkt ins Wohnzimmer blicken konnte. Ein leichtes Feuer mußte im Kamin des Wohnzimmers brennen, denn Virginiens schönes, blasses Gesicht erschien vom warmen Hauch der Flammen rosig ebleuchtet. Sie stand vor dem Sofa, die Hand auf das Herz ges drückt, die feinen Augenbrauen zusammengezogen, als fühle sie Schmerz. Auf dem Sofa saß, wie Adrian geahnt, der Alte mit der unheimlichen Physiognomie, wie immer strah lend von Eleganz und augenscheinlich bei guter Laune. Virginie war also nicht Witwe, nicht geschieden, denn wie fäme sie sonst Adrian horchte auf.( Forts. folgt.) - mene Röntg tung des A Scheibe bei d fedelt der toria Luise Eine K Pfalz trieb Wesen. Er prellte eine den. Wie f Heinrich Wi Berlin eine men lassen Bezirke unfi gab dem Qu natlich, da e lonialamt h cherheit von Kreistaje G als Invalide zugehe. Die tigt worden. 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Eine amtliche Stenographiekonferenz soll noch im Laufe des Juni in Berlin abgehalten werden, an der die Vertreter ber bedeutendsten Stenographiesysteme teilnehmen. Ein Ferien und Erholungsheim für ihre weiblichen Angestellten hat die Firma Bernhard Ties in Cöln eingerichtet. Es bietet Raum für 46 Personen. Die Besucherinnen werden mehrere Wochen bei Fortbezug des Gehalts fostenlos verpflegt. Große Stiftungen. Der in Magdeburg verstorbene Kommerzienrat Polte hat 100 000 Mart für die Beamten und Meister und ebensoviel für die Arbeiterunterstützungskaffe der Fabrik vermacht. Die Zollhinterziehungen gegen Solinger. Stahlwarenfabrikanten, dte bet der Einfuhr von Schmiedewaren in den Vereinigten Staaten begangen worden sein sollen, ziehen weitere Kreise. Nach Mitteilungen des Solinger Gen.< Anz. soll eine Solinger Firma zu einer Geldstrafe von 356 000 M verurteilt worden sein, die sie an die Vereinig ten Staaten zahlen muß. Die Durchstechereien im Moabiter Untersuchungsge= fängnis, die zur Verhaftung des Gefangenenaufsehers Fröhling führten, ziehen jetzt weitere Kreise. Zurzeit schweben gegen eine ganze Reihe weiterer Gefangenenauffeher Ermittelungsverfahren, da sie verdächtig sind, gleichfalls Kaffiber- Durchstechereien begangen zu haben. Die Typhusepidemie in Schneidemühl. Die Zahl der Erkrankungen an Typhus ist auf über 150 gestiegen. Am Mittwoch waren die ersten Todesfälle zu verzeichnen. In der Kleinkinderschule wird ein Heim für diejenigen kleinen Kinder eingerichtet, deren Mütter wegen Typhus im Krankenhaus Aufnahme gefunden haben. Ein entsegliches Unglückt ereignete sich gestern vormittag in der alten Fabrikanlage der Firma Benz u. Co. in Mannheim, in der Gasmotoren hergestellt werden. Der Schlosser Adolf Dürrwang wurde von der Transmission erfaßt, gegen eine Wand geschleudert und zerquetscht. Im Zeitraum von Setunden war der Körper förmlich zer= fleischt. Die beiden Unterschenkel wurden ihm abgerissen und mit anderen Fleischteilen zum Fenster herausgeschleu dert. Dürrwang ist verheiratet und Vater dreier Kinder. Bergmanns Los. Auf der Zeche„ Vittoria" in Kupferdreh bei Essen verunglückten zwei Bergleute durch frühzeitiges Losgehen eines Sprengschusses. Beide wurden als entseßlich verstümmelte Leichen zutage gefördert. Vermischtes. Das Befinden des Prinzen Joachim. Der noch immer an den Folgen des Sturzes leidende Prinz Joachim, der im Neuen Palais die Fürstenzimmer bewohnt, hat gestern in seinem Appartement zum ersten Male unter Aufsicht seines Leibarztes Gehversuche unternommen. Es stellte ich aber bald heraus, daß das Knie noch nicht genügend widerstandsfähig ist, sodaß die Gehversuche wieder unterbrochen werden mußten, obwohl die Heilung einen nor= malen Verlauf nimmt. Die vor einiger Zeit vorgenommene Röntgendurchleuchtung des Knies hat die Bermutung des Arztes bestätigt, daß keine Verlegung der KnieScheibe bei dem Sturze eingetreten ist. Am 7. Juli übersiedelt der Prinz mit der Kaiserin und der Prinzessin Viktoria Luise nach Schloß Wilhelmshöhe bei Cassel. Eine Köpenidiade. In der Rheinprovinz und in der Pfalz trieb ein geriebener Schwindler eine Zeitlang sein Wesen. Er gab sich als Schuztruppenwachtmeister aus und prellte eine Anzahl Wirte. Jetzt ist er festgenommen wor den. Wie festgestellt wurde, handelt es sich um den Maler Heinrich Wilhelm aus Kaiserslautern. Er hatte sich von Berlin eine Uniform als Schuttruppen- Wachtmeister kommen lassen und machte dann als solcher die genannte Bezirke unsicher. In Niederburg quartierte er sich ein; er gab dem Quartterwirte an, er bezahle sein Kostgeld monatlich, da er seine Pension monatlich erhalte. Das Kolonialamt habe ihn beurlaubt. Der Wirt verlangte Sicherheit von ihm. Er zeigte nun Bescheinigungen der Kreistasse St. Goar vor, nach denen seine hohe Pension als Invalide ihm in den nächsten Tagen durch die Post zugehe. Diese Schriftstücke waren von ihm selbst angefertigt worden. Er hatte sie dann von St. Goar aus an sich selbst geschickt. Seinen Niederburger Kostgeber betrog er um 75 Mark. Die Untersuchung, die gegenwärtig im Gange ist, wird wohl noch weitere Heldentaten dieses Pseudowachtmeisters zutage fördern. Der angebliche Mörder der Witwe Hoffmann in Berlin, der Kellner Rummler, der in Leipa in Böhmen verhaftet wurde, hat inzwischen, wie die ,, B. 3. a. M." meldet, sein Geständnis bereits widerrufen. Die Ermittelungen der österreichischen Behörden gegen Rummler haben ergeben, daß R. ein bereits vorbestrafter Hochstapler ist, und daß er sich trotz seiner Jugend schon viel in der Welt herumgetrieben hat. Auch die österreichischen Behörden stehen den Angaben Rummlers sehr skeptisch gegenüber. Man gewinnt den Eindruck, daß es Rummler nur darauf antomme, auf Staatsfosten nach Berlin befördert zu werden. Vermutlich weiß auch Rummler, daß er, wenn seine Selbstbezichtigung wahr wäre, nicht nach Deutschland ausgeliefert werden könnte, weil er österreichischer Staatsan= gehöriger ist. Dagegen würde man wohl Wert darauf Tegen, Rummler am Tatorte selbst zu vernehmen, so daß sein Transport nach Berlin wünschenswert wäre. Ein Riesenbankett. Ein Bankett von solchen Dimen sionen, wie es gestern die Stadtvertretung von Kecskemet ( Ungarn) zu Ehren der dort versammelten Landwirte veranstaltet hatte, fand wohl noch nie in Ungarn statt. Auf 73 Tischen wurde teils im Freien, teils unter Zelten für 4328 Personen gedeckt. Seit 5 Uhr früh wurde in 43 Kesseln Gulasch gekocht, für das man 14 Meterzentner Rindfleisch verwendete. Den Gästen standen ferner zur Verfügung: 2000 Laib Brot im Gewichte von 62 Meterzentnern, 280 Hektoliter Wein und 300 Flaschen Mineralwasser. Die Bedienung der Gäste besorgten 120 Bauernmädchen, 28 Burschen und 70 städtische Angestellte. Das argentinische Fleisch in Wien hat einen endgültigen Mißerfolg zu verzeichnen: 400 000 Kilogramm der zuletzt in Wien eingetroffenen Sendung werden demnächst wieder nach Triest zurückgesandt, um von dort nach England zum Verkauf befördert zu werden. Die etwas verwöhnten Wiener wollen sich an den Geschmack des argentinischen Fleisches nicht gewöhnen. Damit wird die Einfuhr argentinischen Fleisches nach Oesterreich überhaupt ihr Ende gefunden haben. Eine tragilomische Diebesgeschichte hat sich in Schonach im badischen Schwarzwald zugetragen. Dort war ein alter Bauer von einem Nachbarn des Haferdiebstahls bezichtigt worden, und der Gendarmeriewachtmeister und ein Gemeinderat mußten Haussuchung bei dem Beschuldigten abhalten. Sie fanden nichts, worauf der Verdächtige in feiner Stube gewaltig zu schimpfen anfing. Seine Ehre müsse ihm wiedergeben werden, so schrie er ein über das andere Mal und schlug mit den Fäusten auf den Tisch, daß die Wände zitterten und die 3immerdecke, aus deren then plötzlich einige Haferkörner auf den Tisch herabfielen. Der Bauer wurde fäseweiß, der Wachtmeister und der Gemeinderat aber gingen hinauf auf den Boden und hoben die Dielen ab, unter denen der ganze gestohlene Hafer fein säuberlich ausgebreitet lag. Im Kampf mit Zigeunern. Zu einem folgenschweren Zusammenstoß zwischen einem Polizeibeamten und einer Zigeunerbande kam es bei Altena in Westfalen. Ein weibliches Mitglied der Bande, das seit einigen Tagen die Umgegend von Altena unsicher machte, sollte wegen verschiedener Diebstähle festgenommen werden. Der Beamte begab sich in einen der Wohnwagen. Hier fielen drei Zigeuner über ihn her und suchten ihn zu erdrosseln. In der Notwehr griff der Beamte zum Revolver und tötete einen der Zigeuner durch einen Schuß in den Kopf. Die übrigen Zigeuner flohen, wurden aber ergriffen und in Haft genommen. Der Ballon Berlin" im Kugeiregen. " Der bekannte Berliner Luftschiffer Ingenieur Hans Geride war Dienstag abend von Schmargendorf aus mit dem Ballon„ Berlin" in Begleitung des Ballonbauers Zetely aufgestiegen. Die Fahrt verlief während der Nachtstunden trotz des ungünstigen Wetters ziemlich glatt. Gegen 8 Uhr morgens passierte der Ballon am Mittwoch Thorn und näherte sich dem russischen Grenzorte Lubicz. Als der Ballon in 800 Meter Höhe die Grenze passierte, hörten die beiden Insassen plötzlich mehrere Gewehrschüsse, und einige Kugeln pfiffen dicht über den Köpfen der beiden Luftschiffer hinweg. In wenigen Minuten folgte Schuß auf Schuß. Die russischen Grenzwachen gaben etwa 60 Schüsse auf den Ballon ab, so daß sich die beiden Insassen schließlich im Korb zusammenkauern und hinter den Sandsäden Deckung suchen mußten. Sobald einer der Herren den Kopf über den Ballonrand emporhob, um die Registrierapparate zu beobachten, fuhren neue Kugeln vorüber. Unglücklicherweise war der Ballon in eine Luftströmung hineingeraten, die ihn dicht an der Grenze entlang führte, so daß die beiden Luftschiffer nicht weniger als fünfmal die Grenze passieren mußten, wobei sie jedesmal von den Grenzwächtern beschossen wurden. Ingenieur Gehrice stellte schließlich fest, daß in einer Höhe von über 5600 Metern eine nach Westen führende Windströmung herrsche, die den Ballon aus der Nähe der Grenze nach Deutschland treiben mußte. Durch Ballastabgabe stieg der Ballon schnell bis auf 5600 Meter empor. So trieben die Luftschiffer einige Zeit, bis sie in ein Wolfenmeer von unübersehbarer Größe hineingerieten. Gegen 12 Uhr mittags beschlossen sie schließlich zu landen, da sie in bedrohliche Nähe der elektrischen Entladungen eines Gewitters tamen. Die Landung vollzog sich glatt bei der Ortschaft Nicolaiken bei Sensburg in Ostpreußen. Von dort aus wurde der Ballon 30 Kilometer weit bis zur nächsten Bahnstation gebracht und dann verladen. Die Luftschiffer haben während der 17 Stunden dauernden Fahrt etwa 700 Kilometer in der Fluglinie zurückgelegt. Der Krönungstag in London. Am Donnerstag wurden in der altehrwürdigen Westminsterabtet König Georg von England und seine Gemahlin mit den alten englischen Krönungsinsignien geschmückt und erhielten damit die offizielle Weihe. Der Krönungsakt verlief programmäßig unter Entfaltung märchenhafter Pracht. Gegen 9% Uhr verließ der Zug der fremden Fürstlichkeiten und der Vertreter der fremden Staaten den Buckinghampalast und begab sich nach der Westminsterabtei. Um 10% Uhr kündete die Artillerie im Hydepark durch 21 Schuß an, daß sich der Zug der Majestäten in Bewegung gesezt habe. Voran schritten in mittelalterlichen Kostümen die königlichen Schiffsknechte, hinter ihnen dte Adjutanten des Königs; es folgte die Generalttät. Unterwegs wurden die Majestäten von der zahlreichen Menge mit stürmischen Burufen begrüßt. Bei der Ankunft in der Abtei wurde das Königspaar von der Geistlichkeit empfangen. Die Schüler von Westminster begrüßten die Mafestäten mit dem traditionellen Zuruf„ Vivat Regina, Vivat Rer." Ehe der König und die Königin ihre Thronsessel einnahmen, knieten sie zum Gebet nieder. Dann folgte der Akt der Krönung mit dem althistorischen Beremontell, und zwar die feierliche Anerkennung des Königs, die Salbung des Königs und die eigentliche Krönung. Als der Erzbischof von Canterbury dem König die Krone aufs Haupt setzte, setzten alle Peers ihre Kronen auf. Die Versammlung brach in den lauten Ruf aus: Gott schüße den König! Die Trompeten schmetterten, die Kanonen in den Parks gaben Freudenschüsse ab und alle Glocken der Stadt läuteten. Auf die Krönung folgte die Huldigung. Als erster huldigte der Thronfolger Prinz von Wales, es folgten die übrigen Beers nach ihrem Range. Nunmehr folgte die Krönung der Königin. Der Erzbischof übergab ihr den Ring und setzte ihr die Krone aufs Haupt. Nach der Spendung des Abendmahls sang der Chor das Tedeum und die Majestäten zogen sich in die Kapelle hinter dem Altar zurück. Als sie in die Kirche zurückkehrten, ertönte wieder der brausende Ruf: Gott schüße den König! bis das Königspaar die Kirche verlassen hatte. Der Königszug begab sich nach dem Buckinghampalast zurück, auf der ganzen Feststraße von der versammelten Menge auf das lebhafteste begrüßt. Nach der Krönung. Die Wagen mit den fremden Fürstlichkeiten fuhren auf der Fahrt vom Buckinghampalast nach der Westminsterabtei am Publikum ziemlich schnell vorüber. Die Zuschauer waren bestrebt, die fürstlichen Insassen zu erkennen, aber dies war meist unmöglich, außer wenn es sich um ganz besonders hervorstechende Persönlichkeiten handelte, wie die Prinzen von China und Ägypten und die Vertreter von Aethiopien. Mehrere Prinzen trugen über ihren Unt formen die Mäntel ihrer britischen Orden. Der deutsche Kronprinz, Prinz Heinrich von Preußen und der Großherzog von Hessen hatten die Roben der Ritter des Hosenbandordens angelegt. Das Schauspiel in der Abtei war von wunderbarem Glanz. Die Pracht der Roben des Adels, die Toiletten der Damen, die vielen militärischen und Hofuniformen, das alles vereinigte sich zu einem eindrucksvollen Bild von vollkommener Schönheit. Im Chor des südlichen Langschiffes saßen die Mitglieder des diplomatischen Korps, unter ihnen Botschafter Graf Wolff- Metternich in der Rohe des Viktoria- Ordens mit dem Großfreuz dieses Ordens. Gegenüber befanden sich die Plätze der fremden Fürstlichkeiten. Nach dem Einzug der Mitglieder des königlichen Hauses war die Abtei bis auf den Raum vor dem Altar völlig gefüllt. Bewundernswert war die Leitung der Feier und die Ordnung, in der sich alles vollzog. Jeder Teil des Aftes kam so zur vollen Geltung. In würdevoller Weise gestaltete sich die Handlung der Krönung und der Huldigung. Sichtlich bewegt war der König, als der Prinz von Wales als erster Peer des Reiches die Huldigung leistete. Er drückte dem Sohn die Hand und füßte ihn. Tiefen Eindruck machte die vollkominene Würde des Königs und der Königin während der feierlichen Handlung. Als der königliche Zug die Abtei verließ, durchbrausten mächtige Hurras für den König und die Königin und den Brinzen von Wales die Kirche. Eine ähnItche Begrüßung wurde ganz spontan dem deutschen Krons prinzen zuteil. Nach der Rückkehr in den Buckinghampalast erschienen der König und die Königin noch im Krönungsornat auf dem Balkon des Schlosses, von der Menge mit brausendem Jubel begrüßt. Die Truppen schlossen sich spontan den Freudenkundgebungen der Menge an, indem sie die Waffen in der Luft schwenkten. Die Feierlichkeiten verliefen bis her, ohne daß die Polizei einzuschreiten brauchte. Der Ambulanzdienst und alle militärischen Vorkehrungen funt tionierten ausgezeichnet. Es ereigneten sich nur wenige Ohnmachtsanfälle. Am heutigen Freitag findet der feierliche Umzug durch die Stadt stattt. Der König und die Königin werden dabei eine Strecke von sieben Meilen durchfahren. Die Flottenrevue vor Portsmouth. Während London im Zeichen der Krönungsfeierlichkei ten steht, haben sich Schiffe aller Nationen und Englands gesamte Heimatliche Seestreitkräfte, mit nur geringen Aus nahmen, au einer großartigen Flottenrevue auf der Reede von Portsmouth gesammelt. Nicht weniger als 180 Kriegsfahrzeuge, 57 große Passagierdampfer und Hunderte von Privatjachten und Fahrzeugen liegen in den Tagen vom 20. bis 27. d. M. bei Spithead. In der Tat eine friegerische Machtentfaltung und ein Gewimmel von Schiffen, wie sie faum ein Hafen der Welt erblickt, eine feierliche Veran lassung gezeitigt hat. Vor Monden schon war an alle seefahrenden Nationen die Einladung ergangen, je eins ihrer Schiffe zu einer Flottenrevue nach der Reede von Portsmouth zu entsenden, und siebzehn Länder haben ihr Folge gegeben. Zur Krönung selbst sind in London 32 Vertreter fremder Souveräne oder Staaten anwesend. Ein Stein zum Friedenstempel der Welt mehr, werden die Friedensapostel und die Kriegsverdammer unserer Zeit frohlocken! Denn während der König in der Westminsterabtei schwört, den Frieden des Landes zu wahren und ist der Friede Altenglands nicht der Friede der Welt? stimmen demt König alle Nationen mit dem Ehrensalut ihrer Kriegs schiffe bei und bekräftigen auch ihrerseits das Friedensversprechen. Unfälle während der Feierlichkeiten. Bei den zahlreicher Festveranstaltungen, die aus Anlaß der Königsfrönung in ganz England stattfanden, ist es nicht ohne Unfälle abgegangen, von denen einige schwe rer Natur waren Darüber meldet der Draht: London, 28. Juni. Beim Zug der königlichen Prozession nach der Westminsterabtei stürzte ein Rittmeister von der Leibgarde von seinem scheu gewordenen Pferde und erlitt einen Schädelbruch. In Lyme Regis, Grafschaft Dorset, barst eine zur Feier der Krönung abgeschossene Kanone und richtete furchtbare Verheerungen an. Ein hervorragender Bürger namens Badford erhielt gräßliche Verlegungen, an denar er nach kurzer Zeit verstarb. In Barustable stürzte ein zu den Dekorationen gehöriger Triumphbogen ein. wobei eine Frau erschlagen und mehrere Personen schwer verletzt wurden. Drabtnachrichten und neuestes. Der Kaiser auf der Kieler Woche. Kiel, 23. Junt. Der Kaiser begab sich heute mor gen 8 Uhr an Bord des Meteor, um an der heutigen Wettfahrt des kaiserlichen Jachtklubs teilzunehmen. Fortsetzung des Deutschen Rundfluges. Kiel, 23. Juni. Für die fünfte Tagesstrecke des Deutschen Rundfluges Kiel- Lüneburg starteten heute früh von 4 Uhr ab Büchner, Lindpaintner, Reichardt, Thelen, Schauenburg, Vollmöller und König. Lüneburg, 28. Juni. Von den Fliegern sind bisher angekommen Lindpaintner um 6,10 Uhr, Büchner um 6,16 Uhr, Vollmöller um 6,50 Uhr und Thelen um 7,33 11hr. Im Flugapparat über den Kieler Hafen. Kiel, 23. Juni. Gestern abend gegen 8% Uhr stieg Kapitän z. S. Pustau mit dem Flieger Hirth zu dem ausgesprochenen Zweck eines militärischen Erfundigungsfluges auf. Das Flugzeug ging etwa 900 Meter hoch über den Kriegshafen, wo es Pustau gelang, sämtliche dort liegenden Kriegsschiffe mit Sicherheit zu bestimmen und die genaue Lage in die Karte einzuzeichnen. Tödlicher Unfall beim Spagenschießen. Erfurt, 23. Juni. Auf dem Hofe der Mainzer HofKaserne, in der sich ein Teil des Feldartillerieregiments Nr. 19 befindet, wurde gestern abend beim Schießen nach Spazen der Kanonier Schmidt von der. 2. Batterie so unglücklich in die Brust getroffen, daß er bald darauf starb. Berliner Getreide und Schlachtviehmarkt. Die Witterung ist in der am 21. Juni abgelaufenen Berichtswoche im allgemeinen recht fruchtbar gewesen, dürfte aber schwerlich noch die bereits eingetretenen Beschädigungen der Saaten in großem Umfange wieder gut gemacht haben. Man ist vielmehr in Börsenkreisen überzeugt, daß die deutsche Ernte an Roggen und Sommergetreide mangelhaft ausfallen wird. Wenn diese Ansicht besonders bet den Preiser von Roggen nicht zum vollen Ausdruck gekommen ist, so Itegt das hauptsächlich an zwei Umstän= den. Erstens haben einige Gebiete Deutschlands einen recht befriedigenden Ertrag zu erwarten, und von dort her mehrt sich das Angebot für Abladung aus neuer Ernte und zweitens zeigt sich Rußland, das wiederum eine reiche Ernte erwarten fann, ziemlich verkaufslustig. Die Roggennotierungen stellen sich infolgedessen für spätere Termine gegen die vorhergehende Woche sogar etwas niedriger. Für Wetzen haben neuerliche Klagen aus einigen Bezirken der nordamerikanischen Fruchtarten über Schädigung der Saaten durch Dürre sowie Käufe für Budapester Rechnung auf Grund von Ernteschäden den Preisen eine mäßige Befferung gebracht. Hafer wurde ziemlich rege gekauft und zog im Preise an auf die ungünstige Beurteilung der heimischen Ernteaussichten. In Mais war das Geschäft ruhig. Am letzten Tage der Berichtswoche stellten sich die Preise für den Septembertermin wie folgt: Weizen 199,25 M, Rog gen 167,75 M, Hafer 164,25 M, Mais 141,50 M. Preise des städtischen Schlachtviehmarktes. 1. Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwertes, ungejocht 79-84 M, F) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 73-80 M, c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 66-74 M. 2. Bullen: a) vollfleischige, ausgewachsene höchsten Schlachtwertes 73-77 M, b) vollflei schige jüngere 71-76 M. c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 60-78 M. 3. Färsen und Kühe: a) vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes bis M, b) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes, bis zu 7 Jahren 68-72 M, c) ältere auss gemästete und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 62-67 M, d) mäßig genährte Kühe und Färsen 57 bis 62 M, e) gering genährte Kühe und Färsen bis 64' M, f) gering genährtes Jungvieh( Fresser) 56-66 M. 4. Stäl ber: a) Doppellender feinster Mast 107-136 M, 6) feinste Mastfälber 93-100 M, c) mittlere Mast- und beste Saugfäl ber 83-92 M, d) geringere Mast- und gute Saugfälber 74-84 M, e) geringere Saugfälber 55-75 M. 5. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthämmel 76-84 M, b) ältere Masthämmel, geringere Mastlämmer und gut ge nährte junge Schafe 70-76 M, c) mäßig genährte Hämmel und Schafe 57-72 M. 6. Schweine: a) Fettschweine über 3 3tr. Lebendgewicht' M, b) vollfleischige Schweine 240 bis 300 Pfd 54-56 M, c) vollfleischige 200-240 Pfd. 54-55 M, d) vollfleischige Schweine 160-200 fb. 52-55 M, e) vollfleischige Schweine unter 160 Pfd. 50-52 M, f) Sauen 48-49 M. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Straßenarbeiten wird die Goethestraße zwischen Südanlage und Wieseckbrücke von heute an bis auf weiteres für jeglichen Fuhr- und Radfahrverkehr gesperrt. Gießen, den 21. Juni 1911. Großh. Polizeiamt. Gebhardt. Vergebung von Maurerarbeiten. 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Und fürwahr, die schottischen Landschaftsbilder können getrost den szenischen Schönheiten der Schweiz oder des Felsengebirges zur Seite gestellt werden. Ergötzen schon die lieblichen Häfen und Täler sowie die romantisch gelegenen Seen das Auge, so gewinnt das Ganze an Reiz noch durch die historischen Überlieferungen, die mit jedem Orte verknüpft sind. In der Tat, man mag seine Schritte in Schottland lenken, wohin man will, überall wird man einen historischen Boden betreten. Bothwell Bridge, Killier. cronkie, Dunbar, Glencoe, Langside, Prestonpans, Culloden, Sheriffmur usw., sie alle verkörpern ein Stück von Schottlands Romantik. Heute ist Schottland ein friedliches Land ge= worden. Zwar legen die Ruinen der alten Schlösser noch ein beredtes Zeugnis von den einstigen unruhigen Zeiten ab, aber der ehemalige kriegerische Sinn der Bevölkerung hat eine Ablenkung in den Industrien gefunden, die das Land heute friedlich- groß gemacht haben. Von den schottischen Städten ist in erster Linie Edinburg zu nennen. Glasgow nennt allerdings eine größere Einwohnerzahl sein eigen, aber in Hinsicht auf Romantik und Schönheit gebührt Edinburg der Vorrang. Nicht mit Unrecht wird die Hauptstadt Schottlands das„ Athen des Nordens" genannt. Das alte Schloß ist Zeuge so manchen dramatischen Vorganges gewesen. Von einem seiner Fenster soll Maria Stuart ihren Sohn, den späteren König James VI., in einem Korb herabgelassen Das Schloß Stibo des amerikanischen Multimillionårs Garnegie. Schottische Energie und schottischer Unternehmungsgeist sind auch in den Vereinigten Staaten zu Ehren gekommen, denn nicht weniger als acht Präsidenten John Monroe, Andrew Jackson, James Polk, James Buchanan, Ulysses Grant, Rutherfort Hayes, Chester Arthur und William McKinley waren schottischen - haben, damit er ins Schloß von Stirling gebracht werden konnte. Der Anblick der im Schlosse befindlichen Kronjuwelen der schottischen Könige ruft die Erinnerung an Schottlands glänzendste Zeit wach. Heute dient das Schloß nur noch als Festung und Garnison eines der berühmtesten schottischen Regimenter, der sogenannten „ Highlanders". In der Nähe des Schlosses ist die wohlerhaltene Behausung des religiösen Reformators John Knor gelegen. Dicht dabei steht die St. Gila Kathedrale, in der Jenny Geddes einen Stuhl gegen das Haupt des Dekans warf, als dieser die vom König verordnete neue Liturgie verlesen wollte. Andere historische Plätze in Edinburg sind der alte Holybrood Palast mit der anstoßenden Abtei. Der Palast enthält außer den Porträts vieler schottischer Könige noch viele Reliquien an Maria Stuart, deren Zimmer in pietätvoller Weise konserviert worden sind.„ Holyrood Palace" liegt am" Arthur's Seat Ruge", der die kamp RECH nl m Niederrheid. nigs Wilhelm terlikör Boonekamp Gießen. vq6uyagpa we be a bad gag gun aga G 339 _15“ o 8vG on this s pop aq a new pu Jugo se ЕЧЕ! 1" при up bunbiqing афәтлә нашар uǝqva snv Jdung get G qun 10о) pas! : бuvjǝбqva u qun se que avui ләмәләрәп бул1 13) лиqип ләфәл нәти gopvu a poq' gaзugoaqquz ga p goat gag u G and O 2 Jm Lande der Romantik. Gestalt eines sprungbereiten Löwen hat. Das Oberlandesgericht war früher das Parlamentsgebäude, in dem die Schotten bis zum Jahre 1707 ihre eigenen Gesetze machten. Die alte Stadt bildet ein Labyrinth von engen Straßen, in denen heute die ärmere Bevölkerung haust. Einige der Häuser sind in der Front zehn, in den Rückwänden wegen der Hügel- jedoch nur drei bis vier Stockwerke hoch. Der neue Stadtteil steht im krassen Kontrast zu dem alten. Seine Straßen sind breit und gut gepflastert und werden von modernen Häusern flankiert. Bemerkenswert ist das Denkmal Walter Scotts und das unfertige National Monument auf dem Calton- Berge, eine Nachbildung des griechischen Parthenons. Auch die Umgebung Edinburgs weist interessante Punkte auf. So das Schlachtfeld von Prestonpans( wo der junge Kronprätendent Karl Eduard Sir John Pope besiegte) und Dunbar, wo Cromwell die Schotten schlug. In der Nähe von Edinburg befindet sich auch die weltberühmte 22 km lange ForthBrücke. Auf der Fife- Seite des Forth Flusses liegt die „ Königsstadt" Dunferm line. In der Abtei ruhen die Gebeine von Robert Bruce und anderer schottischer Monarchen. Nicht weit von hier stand einst der Palast, in dem Karl I. geboren wurde und wo Karl II. das bekannte Religions edikt unterzeichnete, das in Schott land so böses Blut erregte. In dieser Gegend erblickte auch der Multimillionär Andrew Carnegie das Licht der Welt. Nördlich von Dunferm line kommen wir nach St. Andrew, wo die Ruinen einer alten Kathedrale, sowie ein mittelalterliches Schloß und ein Dominikanerkloster unser Interesse erregen. Das MärtyrerDenkmal erinnert an die Leiden der hier dem Flammentode preisgegebenen Reformatoren. St. Andrew spielte im Mittelalter eine bedeutende Rolle. Außer der ältesten Stadt selbst bietet nicht viel Sehenswertes, ist aber historisch interessant, weil hier der berüchtigte Claverhouse( später Vicomte Dundee) sich mit den Stuarts gegen Wilhelm von Orange verband. In Dundee sammelte Claverhouse die Clans, mit denen er die königlichen Truppen bei Killiercronkie schlug. Er selbst fiel in dieser Schlacht. Dundee bildet auch das Rendezvous der schottischen Walfischfänger. Auf Dundee folgt zuerst der Geburtsort des Feldmarschalls Keith, Schloß Inverurgie in Rincardineshire, und dann die„ Granit- Stadt" Aberdeen, in der fast sämtliche Häuser aus rotem Granit gebaut sind. Aberdeen liegt zwischen den Flüssen Don und Dee. Über den letzteren führt eine im Jahre 1520 erbaute Brücke. Die schon seit 1366 bestehende St. Macharin- Kathedrale soll die einzige Granitkirche in der Welt sein. Aberdeen besitzt noch andere schöne Kirchen sowie prächtige öffentliche Gebäude und die die Universität umfassenden „ Old Kings=“ und„ Marishal Colleges". In der Umgebung von Aberdeen werden Topase gefunden. Ungefähr 80 km von Aberdeen ist das Schloß der verstorbenen Königin Viktoria, Balmoral, gelegen. Auf einem der Balmoral umgebenden Hügel steht ein Standbild des Prinzgemahls der Königin. Um das schottische Hochgebirge genauer kennen zu lernen, sollte ein Ausflug nach Inverneß unternommen werden. Dort spricht die Bevölkerung noch den unverfälschten gälischen Dialekt, so daß Englisch wie eine fremde Sprache klingt. In Inverneß, das früher die Hauptstadt der Könige der Pikten war, begegnet man interessanten gälischen Volkstypen, wie den Bergbewohnern und Schaf= hirten in ihren malerischen Trachten. Sir Walter Scott: Denkmal in Edinburg. In der Umgebung von Inverneß liegt das Schlachtfeld Culloden, auf dem der junge Thronprätendent Karl Eduard seine endgültige Niederlage erlitt. Wir machen nun einen Trip durch den Cale= donian- Kanal, an dessen Ostseite Inverneß gelegen, und bemerken zuerst den Glencoe- Paß, wo im Jahre 1692 die Mac Donaldschen Clans gänzlich vernichtet wurden. High Street in Aberdeen. schottischen Universität( gegründet 1441) kann es sich einer heilbringenden Quelle sowie eines ausgedehnten Golf feldes rühmen. Wir kreuzen nun die Tay- Brücke und gelangen zuerst nach Dundee, dessen alter vom Earl of Huntinston er bauter Schloßturm bereits in der Ferne sichtbar ist. Die Am westlichen Ende des Kanals ist das„ schottische Cowes", Oban, gelegen. Der kleine Ort erfreut sich einer idyllischen Lage und Umgebung. Nahebei befindet sich das Schloß Dunstaffnage. Weiter südlich kommen wir endlich Internationale Weltblige. 7 Internationale Weltblitze. zu dem die auf einem oberen Bilde abgebildete prachtvolle Marmortreppe führt, befinden sich der Empfangssalon, der Thronsaal, der Große Salon, der Statsballsaal und die Bildergalerie mit wertvollen Gemälden von Rembrandt, Rubens, van Dyck, Franz Hals u. a. Der Palast wurde im Jahre 1825 von Nash an Stelle des Sd losses des Herzogs von Buckingham- der Name Buckingham rührt von den Buchenhainen her, die ehemals die Grafschaft Buckinghamshire bedeckten erbaut. Als erster Graf von Buckingham wird Walter Giffard erwähnt, der von Wilhelm dem Eroberer mit der Grafschaft Buckinaham belehnt wurde, die aber, da Giffards Sohn ohne männliche Nachkommenschaft starb, der Krone wieder anheimfiel. Die Marmortreppe im Vestibül des Buckingham- Palastes. Zur englischen Krönungsfeier. Am 22. und 23. Juni findet in London die mit großen Festlichkeiten verbundene Krönung des englischen Königpaares statt. In der Millionenstadt wird sich an diesen Tagen eine ungeheure Fremdenmenge ein Rendezvous geben, um dem prächtigen Schauspiel beizuwohnen. Die größte Attraktion bildet immer der Königszug, die Fahrt des Königpaares vom BuckinghamPalast zur Westminster Abbey, wo die Krönung vor sich geht. Unsere Bilder gewähren einen Blick in das Innere des Buckingham Palastes, vor dem erst kürzlich in Gegenwart des deutschen Kaiserpaares das Denkmal der Königin Victoria enthüllt wurde. Der Buckingham- Palast ist am westlichen Ende des St. James Park, beim GreenPark gelegen. Im ersten Stockwerk, Der Empfangssalon im Buckingham- Palast. Der Ritter der Prärie. Eine noch romantischere Erscheinung und jedenfalls wilder und gefürchteter als der Indianer ist der Cowboy, der berittene Hirt, der im Dienste der amerikanischen Groß- Herdenbesitzer die frei über die Prärie schweifenden Rinder bewacht, und der für seine Person meist für 1500 bis 2000 Stück zu bürgen hat. Dieser Cowboy im Westen der Vereinigten Staaten ist zu einer vollständig mythologischen Figur geworden, die zu den tollsten Übertreibungen Veranlassung gibt. Er gilt als ein unbändiger Raufbold, dessen Gebet ein Fluch und dessen lobenswürdigste Taten Revolverschüsse sind, als Die Wohnhütte( ,, dugout") eines Gowboy in der Prärie. ein Unhold, dem die Rechte zuckt, wenn er einen zivilisierten Menschen sieht, und demgegenüber der Versuch, mit einer Rechnung für Koſt und Trank zu kommen, gleich bedeutend ist mit der Unterzeichnung des eigenen Todesurteils. In der Tat laufen häufig genug Berichte von Gewalttätigkeiten und polizeiwidrigen Schießübungen der Cowboys durch die Zeitungen. Und wenn man diese gebräunten Gesellen sieht, in ihren breitkrempigen spanischen Hüten, blauen Hemden, Lederwämsern und Buckskinhosen mit dem indianischen Troddelbesatz, mit riesigem Revolver an der Seite und Bowiemesser, so denkt man unwillkürlich an alte Landsknechte. Unser Bild zeigt den Cowboy vor seiner typischen Hütte, die im Jargon des wilden Westens„ dugout" genannt wird und halb im Erdboden gelegen ist. sama po -qV DQ)! IG แจง 390 Moula inv aq uaq n£ ut13418% uabab giapnio us hu pi( 33gulls Juuo а) тәрбифилә ләләлә ha e s t = 3G 8vG 340 aque 65 2021 az 6 Stizzen aus Marotto. Kleidung des wohlhabenden Mauren ist in Beschaffenheit ähnlich der des Landbewohners, doch je nach seinen Vermögensverhältnissen reicher und schöner. Er trägt bunte Unterkleider aus feinstem blauen Tuche, bestehend aus kurzem Beinkleide, in Gold, Silber und Seide, gestickter Weste und Rock und darüber in malerischem Faltenwurf und gefälliger Farbenharmonie zwei Manteltücher, den„ Soulhamm und den, Djilabba", die er vielfach noch mit feinen, weißen Gazen umschlingt. Im Zollmagazin oder als Raid in der Richterbude an öffentlicher Straße auf weichen Rissen zu liegen, sich fächelnd, den vor ihm auf der Erde knienden streitigen Parteien bedächtigen Wortes seine mehr oder weniger weisen Ratschläge und Urteilssprüche zu erteilen, gehört zu den höchsten seiner Wünsche. Es kommt dabei gar sehr sein Geldbeutel in Betracht, denn solche Stellen muß er pachten; dafür gibt's aber die schönsten Hühner, Eier usw. die Fülle, denn er nimmt von den Leuten, was gerade sein Herz begehrt, und dabei wird er dick und fett. Das Leibgericht jedes Marokkaners ist der sogenannte " Rouß- Rouß", welches er, um die Schüssel am Boden sitzend, mit der Hand zum Munde führt, da ihm Gabel und Tischmesser, wie auch Tisch und Stühle als unnütze Spielgegenstände der Europäer vorkommen. Selbst in meiner Pension, wo häufiger Araber besseren Standes von Freunden zu Tische geladen wurden, blieben die Eßbestecke unangerührt neben den Tellern liegen. Als treuer Anhänger des Korans verachtet er den Alkohol; doch mancher ist schon von der „ Zivilisation" angetränkelt. Er verabscheut den Alkohol nur solange er sich in Gesellschaft eines Glaubensbruders befindet, zu Hause aber, in seinem Seim, wehe der Flasche Wermut oder gar scharfen Absinthes, welche sich in seinem Besitze befindet. Aber auch in öffentlichen Tavernen tann man beobachten, wie mancher doch den Alkohol seinem Kaffee oder grünen Tee vorzieht, jedoch nur heimlich vor sich auf dem Tische hat er eine Flasche kühler Limonade stehen, während er unter der Bank oder auch auf derselben, mit seinem weiten " Djilabba" verdeckt, ein großes Glas Wermut usw. versteckt hält, um es in unbewachten Augenblicken schnell zu leeren, während die Limonade nach Stunden noch fast unberührt dasteht. gemessenen Schrittes und mit ernſtem Grabgesang:„ La ilaha ill allah Mohammed rasul illah"( Gott ist Gott und Mohammed ist sein Prophet) klingt es dumpf aus rauhen Männerkehlen als letzte Suldigung. Den Armen aber schleppt man fast ohne Begleitung im Laufschritt zum Grabe. Marokkanische Regerin mit Brautgeschenken. Der Bräutigam selbst darf seine Erwählte erst am Hochzeitstage sehen. Von einem zeltähnlichen Kasten umschlossen, sitzt sie auf einem Maultier oder Esel. Die runzelige Schwiegermutter trottelt, sich am Schwanze des edlen Tieres haltend, als Brautführerin oder Anstandsdame mit ernster Miene hinterher, und unter ohrenzerreißender Musik schmetternder Holztrompeten wird die Englückliche nachts beim Zauberlicht des Mondes und flackerndem Kerzenschein ihrem zukünftigen Herrn und Gebieter zugeführt. Mit größter Spannung erwartet der Bräutigam die ersehnte Braut, die er noch nie gesehen und von der man ihm soviel Gutes und Schönes erzählt hat. Entspricht sie seinen Erwartungen, empfängt er sie mit feurigem Kuß, ist sie aber häßlich, so denkt er demütig: ,, In schaallah mectoub"-" So steht es geschrieben im Rate des Herrn", und behält sie ohne Murren bei sich. Der glückliche Fatalismus des Arabers kennt keine Grenzen. Alles, das Gute und das Böse, kommt von" Allah", und seines Gottes weisem Willen fügt er sich gerne als frommer Knecht. Der Tod ist eingekehrt in seine Familie. Tränen- und flagelos holt er die aus rohen Hölzern gezimmerte Bahre, hüllt den Leichnam in ein Tuch und ruft die Angehörigen und Freunde zusammen, und so bald wie möglich geht es auch schon hinaus in feierlichem Zuge, die Totenbahre auf den Schultern, Der Europa zunächst gelegene Hafen Marokkos ist Candja der Name wird je nach der Nationalität verballhornisiert in Tanger, Tangdsche und Teendschien, ob man nun Deutscher, Franzose oder Engländer ist. Wer die Reise von einem deutschen oder holländischen Hafen aus beginnen will, benutzt die Reichspostdampfer. Wer dagegen Marokko etwa auf der Seimreise von einem Ausflug nach dem Mittelmeer als Abstecher mitnehmen will, kann von Neapel, Genua oder Algier aus entweder die genannte Linie auf der Rückreise oder die Linie des Norddeutschen Lloyd von Genua- Neapel nach NewYork benutzen. Beide Linien legen in Gibraltar an, von wo aus man fast täglich Gelegenheit hat, nach Tandja hinüberzutommen. Tandja selbst! Der Dampfer ankert auf der Reede; zahlreiche Bartassen, von Eingeborenen gerudert, legen an. Agenten der diversen Hotels bestürmen den Ankömmling. Wer nicht vorher mit den Bootsleuten das Fährgeld vereinbart, hat im Kahn und beim Landen oder später im Hotel die größten Scherereien. Auf der hölzernen Landungsbrücke kostet es einen Brückenzoll. Die Benutzung der kleinen, auf der Brücke laufenden Lowris kostet ebenfalls eine Kleinigkeit Dann muß ein Eseltreiber engagiert werden, der das Gepäck nach dem Hotel bringt. Ist man nicht orientiert, und hat sich nicht von vornherein für ein Hotel entschieden, so belege man jedenfalls nicht eher, als man das Zimmer gesehen und den Preis ausgemacht hat. Feste Preise durchschnittlich 15 Mk. Pension pro Tag haben nur das englische Continental Hotel und die deusche Pension auf dem Monte. Auch das billigere Hotel am Soco chico gegenüber dem deutschen Postamt tann empfohlen werden. Grundsätzlich aber versäume man nicht- in teinem Hotel vorher den Preis zu akkordieren. Ein beliebter Trick ist der, daß der Pensionspreis- jagen wir zwölf Münzeinheiten dem Spanier oder jedenfalls Spanischsprechenden berechnet wird in Pesetas( ca. 60 Pf.), dem Franzosen in Francs und dem Deutschen und Engländer in Mark und Shillings. Vor allen Dingen versehe man sich möglichst schon in Gibraltar mit kleiner Münze. Ohne weiteres iſt in Tandja das spanische Geld Zahlungsmittel. Dieses ist in Tandja Kursmünze, speziell in den Hotels, auf den Dampferbureaus, in den Kaufläden. Wenn man dagegen mit Eingeborenen Geschäfte macht, versichere man sich ausdrücklich, ob spanisches Geld oder" Sassani", d. h. das von der marottanischen Regierung ausgegebene, mit arabischen Schriftzeichen versehene Geld, gemeint ist. Der Duro Hassani ist durchschnittlich 10% minder. wertiger als der Duro Alvonso" das spanische Fünfpesetenstück. Im Inlande und in den Säfen am Atlantischen Ozean versteht es sich ganz von selbst, daß das Bassanigeld gemeint ist, und nur besonders gerissene Schlauberger, namentlich die sich den Fremden anbietenden Führer und Dolmetscher, versuchen mit der Kurs. differenz einen Schnitt zu machen. Was nun in Tanger anfangen? Wer Zeit hat, möge sich getrost einem Eseltreiber anvertrauen und sich die Sehenswürdigkeiten zeigen lassen. Fez von der Vogelperspektive aus gesehen. nach Stirling, dem einstigen Buen retiro der schottischen Könige. Das Schloß klebt wie ein Adlernest auf einem hohen Felsen. In seinen Mauern birgt es den herrlichen gotischen Palast James V., und es war hier, wo James II. in einem Wutanfall den Earl of Douglas erstach. In unmittelbarer Nähe von Stirling liegen die Ruinen der Cambuskenneth- Abtei. Last not least- Glasgow, das die zweite Stadt des britischen Reiches genannt wird. Glasgow ist die industrielle und kommerzielle Metropole Schottlands. Abgesehen von seiner alten Kathedrale bietet die Stadt jedoch Im Lande der Romantit. 3 des Clyde und des Forth vordringen konnte, wo die tapferen Pikten und Schotten eine undurchdringbare Mauer bildeten. Die Geschichte Schottlands beruhte bis zum Mittelalter größtenteils auf den Legenden der gälischen Barden. Seitdem liegen jedoch authentischere Überlieferungen vor, die einen Begriff von den friegerischen Wirren im Lande bis zu der Mitte des 18. Jahrhunderts geben. Es seien hier nur die Namen von Macbeth, John Baliol, William Wallace, Robert Bruce und Maria Stuart erwähnt, um an Schottlands historische Romantik zu erinnern. Macbeth ist durch Shakespare unsterblich gemacht worden; das Geschick John Baliols, dem Schottlands Krone und Zepter auf dem Kirchhofe von Strathkedro entrissen wurde und der in den Tower von London eingesperrt St. Giles- Kathedrale zu Edinburg. keine historischen Sehenswürdigkeiten; sie ist in ihrem Äußern durch und durch modern geworden. Glasgow ist in erster Linie heute eine wichtige Hafenstadt mit bedeutenden Reedereien und einem großen Handelsverkehr. In Langside bei Glasgow verlor Maria Stuart ihre letzte Schlacht, ein Verlust, der mit ihrem Tode durch Henkershand endete. Von Glasgow können eine große Anzahl herrlicher Ausflüge nach den Seen und Buchten unternommen werden. Zu den beliebtesten Dampfertrips gehört die Tour nach Kyles of Bute". wurde, erregt zurzeit besonderes Interesse, weil nach seinem Sturze der schottische Krönungsdiamant von Scone nach London gebracht wurde und seitdem bei den Krönungen der englischen Monarchen eine Rolle spielt. Auch die Erinnerung des großen schottischen Nationalhelden William Wallace, dem ein prächtiges Denkmal in Stirling gesetzt wurde, wird fortleben. Der Name Stirling ist auch mit John Bruce eng verknüpft, da er in der Nähe des Ortes mit nur 40000 Clans das 100000 Mann starke englische Heer geschlagen hat. In der Umgebung von Stirlings befindet sich ferner das SchlachtDie weltberühmte 2 km lange Forthbrüde bei um etwa 40 km abfürzt. Queensferry, die den Weg von Edinburg nach) Dundee Sier auch einige Worte über den schottischen Charakter. Zwar herrscht im Äußern ein Unterschied zwischen den Nord- und Südschotten, aber im Grunde genommen stimmen die schottischen Charaktereigen schaften überein. Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Un= abhängigkeit und Gastfreundschaft lautet die allgemeine schottische Devise. Dem Fremden mag der Schotte zuerst abweisend erscheinen, aber bald wird er einsehen, daß dies nur auf einer gewissen vorsichtigen Reserve beruht und bald verschwindet. Schottland spielte bereits in den rö= mischen Zeiten eine Selyrood Palaft. bedeutende Rolle, als die Schotten erfolgreich den Legionen des Agricola gegenüberstanden, der nur bis zu den Ufern feld von Lauchseburn, wo James III. sein Waterloo fand. Und Maria Stuart, deren tragisches Schicksal eng in die deutsche dramatische Literatur übergegangen ist, sowie das traurige Los ihrer unglücklichen Nachkommen, James und Karl Eduard! im Schottland hängt Süden und Süd- Osten mit England durch einen 110 km breiten Isthmus zusammen, auf dem sich die Landesgrenze vom Solway- Firth und der Mündung des Esk nordostwärts des Tweed hinzieht. Wa gvat 4 Meine Dampfmaschine. Meine Dampfmaschine. Damals war ich noch so jung an Jahren und noch jünger an den Erfahrungen des Alltags, die den andern um mich geläufig waren. Ich war Lehrling und stand im ersten Jahre. Schraubenschneiden auf der Maschine, Gerüsthaken abfeilen am Schraubstock und Meißel schleifen auf dem Schleifstein waren neben andern Dingen, die noch weniger zum Handwerk eines Mechanikers gehörten, so ziemlich alles, was man mir anvertraute. Darum freute ich mich ungemein, als mir der Meister eines Tages eröffnete, daß ich von nun an für einige Monate die Dampf maschine bekäme Das klingt schon besser; und es flang auch mir gut in die Ohren. Aber so einfach ist das nicht; darunter verstand man när lich frühmorgens um vier Uhr aufstehen und den Kessel heizen, den ganzen Tag Refsel und Maschine überwachen und außerdem noch andere Dinge, die weniger mit der Maschine zusammenhingen, z. B. den Gesellen das Bier und Frühstück holen usw. Aber das war mir alles einerlei, denn um meiner Dampfmaschine willen nahm ich alles gern auf mich. Profane Menschen sehen in so etwas nur eine Arbeit, ich aber nicht, da muß man sich hineinzudenken versuchen. Vorher ein Lehrjunge im ersten Stadium, dem man meist nur Arbeit gab, um ihn überhaupt zu beschäftigen, den niemand weiter achtet, mit dem man nicht sprach und den man sehr merkwürdig ansah, wenn er einmal irgend etwas sagte, denn nach der Meinung der Älteren hat man in diesem Stadium nichts zu sagen, absolut nichts. Aber jetzt:„ Seizer" nannten sie mich, und da kam der Dreher von der großen Bank, wo die großen Schwungräder fertig gemacht wurden.„ Seizer, heute mußt gehörig einbrennen, ich will polieren." Oder es tam der Schleifer: Heizer, Druck, Druck auf den Ressel, ich will noch den Schleifstein abdrehen." Oder der Schreiner:" Ich brauch die Bandsäge nachher, paß auf, daß nicht wieder die Karre stehen bleibt." Der Schreiner war ein roher Mensch. So nannte er nämlich meine Dampfmaschine. Sie war nicht übermäßig stark. Man sagte, fünf Pferde hätte sie, und wenn irgendeiner an einer großen Arbeitsmaschine etwas kräftig anhielt, so ging sie langsamer. Oder wenn in dem ziemlich kleinen Kessel der Druck nachließ, blieb sie auch wohl einmal ganz stehen. Das passierte mir aber nicht. Ich wurde rot vor Scham, wenn ich nur sah, daß sie nicht mittam. Das geschah besonders dann, wenn an der großen Stanze die schweren Refselbleche gestanzt wurden. Und die Kesselschmiede waren auch rohe Menschen, sie freuten sich, wenn das vorkam, und wenn ich dann in Angst und Sorge bald am Schwungrad, bald am Ventil drehte und dabei den Schweiß auf der Stirn hatte, so lachten sie mich aus. Das waren sehr rohe Menschen, ich verachtete sie. Auch den kleinen Pfeifer, der half an der großen Stanze mit; er mußte jedesmal den Hebel drücken, so daß die Kupplung einsetzte. Und wenn dann meine Maschine mit einem. Ruck langsamer ging, so rief er jedesmal: „ Jub! Jub!" Darum konnte ich ihn nicht leiden, er war auch sonst nicht der beste, und ich glaube, man nannte ihn ziemlich offen einen Lausbuben. An einem Tag im Februar, da mußten wieder schwere Bleche aestanzt werden. Es war höllisch kalt, aber schon um 1.4 Uhr war ich im Resselhaus ganz allein und machte ein Riesenfeuer und fuhr doppelt so viel Kohlen an als gewöhnlich, schmierte meine Maschine extra gut, sah die Riemen nach, die Lager an Maschine und Transmission, denn ich wollte nicht dem kleinen Pfeifer Gelegenheit geben, Jub", zu schreien. Schon um 6 Uhr tamen die Kesselschmiede, und wo sie mich sahen, riefen sie mir zu Einer ging an die Dampfmaschine und streichelte sie höhnisch, wie man ein altes Pferd streichelt, und meinte: „ Na, na, ob? ob?" Ich hörte es wohl und dachte:„ Ihr werdet heute euer Wunder erleben." Heimlich hatte ich nämlich die Sicherheitsventile beschwert, um den Druck im Kessel zu steigern. Und das wirkte. Die Maschine lief nicht schneller, dafür sorgte der Regulator, aber sie zog durch wie ein Pferd, dem man die doppelte Portion Safer zugeschoben hat. Sie zog durch, und die Kesselschmiede merkten bald, daß zu höhnischen Bemerkungen kein Anlaß war und auch keine Zeit blieb, denn die Stanze drückte die fingerdicken Stahlplatten durch, als wenn es Käsescheiben gewesen wären. Der kleine Pfeifer schrie aber trotzdem von Zeit zu Zeit " Jub! Jub!" wenn er den Hebel herunterdrückte, aber es klang schlecht, und er mußte außerdem bei dem schnellen Arbeiten seiner Maschine seine sieben Sinne beisammen haben, denn er hatte mit der einen Hand ein mächtiges Zahnrad zu bremsen, und da muße man aufpassen. Ich freute mich wie ein König, der gesiegt hat, und heimlich streichelte ich meine Dampfmaschine, niemand sah es, aber die Dampfmaschine fühlte es ganz gut, und sie ging immer so weiter korrekt und unbeirrt, wie sie sonst nie gegangen war. Ich hielt mich sehr viel bei der Maschine auf, ich war stolz auf sie, wie nie zuvor; jetzt konnte der kleine Pfeifer„ jub" schreien, soviel er wollte, das ärgerte mich jetzt nicht mehr. So stand ich wieder einmal, es war gegen elf am Vormittag, und drehte am Ventil; obwohl das gar nicht nötig war. Ich freute mich und mußte mich irgendwie betätigen. Da auf einmal tönte ein schauerlicher Schrei durch die Werkstätte. Einige Männer riefen, abstellen!" Hastig drehte ich das Ventil zu, sofort ging die Maschine langsamer, und schließlich stoppte sie. Alles stand und staunte, und jetzt war es ganz still, entsetzlich still. Noch wußte ich nicht was geschehen, auch die andern wußten es nicht, nur die Kesselschmiede an der Stanze wußten es, und die standen da, kreideblaß, und keiner sprach, keiner rührte sich, alle sahen auf den kleinen Pfeifer, der war ebenso blaß, und er trat wankend von der großen Stanze weg und kam auf mich zu, ganz langsam, und wie war das meriwürdig: mich faßte eine Höllenangst, und noch immer wußte ich nicht, was geschehen war. Da mit einem Male sah ich es: es war ihm der Unterarm bis hinter das Handgelenk abgequetscht. Das sah gar nicht so entsetzlich aus, es blutete nicht, man sah kein Fleisch, die Jacke war gar nicht zerrissen und ganz glatt und sauber abgeschnitten, und gerade darum war es vielleicht so gräßlich. Und er kam zu mir, und er sagte zu mir ganz anders als er sonst sprach: " Was soll ich jetzt machen?" Ich sagte nichts, niemand sprach ein Wort; auch andere hatten es gehört, aber es gab ihm niemand Antwort- Er konnte auch nicht mehr sprechen, er brach bewußtlos zusammen und wurde von den andern weggetragen. Niemand wußte mein Geheimnis, aber es hat lange, sehr lange gedauert, bis ich begriff, daß ich doch unschuldig war, und auch die Dampfinaschine war unschuldig. Ich sagte nie mehr meine Dampfmaschine" und bat, daß man mich davon wegtun möge. Warum wußte niemand, aber ich bat so, daß man es tat. Es wußte auch niemand, warum ich in der Folgezeit halbe Nächte nicht geschlafen, und es war nahe daran daß ich ernstlich krank wurde. Bis der kleine Pfeifer aus dem Krankenhaus kam und, obwohl er einen Arm weniger hatte, munter und vergnügt war. Ja, er war in der Folgezeit selbstbewußter als je, denn er wurde nun als Laufbursche eingestellt, man kaufte ihm gute Kleider, und später stand er so hoch über den schmierigen Lehrlingen und Gesellen, daß er sie garnicht mehr aniah. Wo immer ich im späteren Leben den Gang von großen Maschinen oder von Unternehmungen leitete, ich nannte sie nicht mehr meine Maschine",„ mein Unternehmen" und empfand auch nie mehr so, wie damals bei meiner Dampfmaschine. Des kann er doch net! Die Rosel laft zum Metzger vor, Schweinsohre soll se hole, Wo schon am Abend z'vor ihr Fra' Zu richte hat befohle. Der Metzger sagt:"' s sind keine do, Bis morge hen mer widder." Frizz Sänger. Doch d' Rosel drängt:„ Ich brauch se jetzt, Sonscht macht mer's d' Gnädig bitter." " Ihr müßt Euch," hot der Metzger g'meint, ,, Halt doch bis morge b'scheide, Ich kann doch die Schweinsohre net Mir do vom Kopf wegschneide!" Der große Sotto in Tanger. Dahinter Eingang zu der deutschen Gesandtschaft. Oben die Kasbah; unterhalb derselben das Judenviertel. Auf den nordafrikanischen Wetterwinkel, wie Marokko schon seit langem genannt wird, sind zur Zeit wieder einmal die Augen der gesamten Welt gerichtet. Frankreich hat bereits umfassende Kriegsvorbereitungen gegen die Marokkaner getroffen und aus diesem Grunde wollen wir auch uns heute mit den Marokkanern etwas beschäftigen. Stizzen aus Marotto... Skizzen aus Marokko. Bescheiden in seinen Ansprüchen, lebt der Dorfbewohner in Marokko äußerst einfach. Ein Stück grauen trockenen Brotes ( chobs), in Öl oder geschmolzene Butter getaucht, ist seine Hauptnahrung; Kaffee, grüner Tee mit Pfefferminzkraut, Milch, wohl auch nur Wasser bilden sein Getränk. Die Kleidung hat die uralte Form unverändert behalten: ein mit einer Kapuze versehener Mantel ,,, Djilabba" genannt, und der rote, Fez" oder Turban seine Kopfbedeckung. Die Füße stecken in gelben Schlappschuhen, sogenannten„ Babutschen"; sehr häufig, namentlich bei ärmeren Stämmen, sind sie ganz nackt. An seiner Seite hängt stets eine schöne, feste Provianttasche aus Ziegenleder, sowie ein langes Messer. Armselige Strohhütten, zu Dörfern vereinigt, die zum Schutze gegen Überfälle usw. stets mit einer sehr stacheligen Kaktushecke umpflanzt sind, dienen als Wohnung. Lesen und schreiben kann der Marokkaner vom Lande erklärlicherweise nicht. Ein Kind der Natur, weiß er über sein eigenes Alter nur dunkel, meistens gar keinen Bescheid; denn für ihn gibt es keine Zeit, er weiß nur, daß, wenn nach langen Monden trockener Sonnenglut der ersehnte Winterregen endlich, Sturzbächen ähnlich, die ausgetrocknete, rissige Erde tränkt, Mohammed ein Jahr länger tot ist. Den Regen sendet Gott, sein Name ist Allah, und Mohammed ist sein größter Prophet" ist der Inbegriff seines Wissens. Der Dorfheilige hat ihm mit vieler Mühe die wichtigsten Gebote und Sprüche des Islam beigebracht. Hieran hält er fest in unverbrüchlicher Treue. Er haßt den Christen und dessen Werke, und eher werden 100 Christen zu Mohammedanern als ein Araber zum Christen gemacht. Ein Europäer als vornehmer Stadtaraber. Mieter einiger Acker Land, arbeitet der Marrokkaner gerade so viel, als er für seinen täglichen Lebensunterhalt nötig hat, und läßt zudem die schweren Arbeiten durch seine Frau verrichten, deren absoluter Herr er ist. Wie ein Kamel beladen, in gebückter Saltung, schleppt die brave Alte die Produkte der spärlichen Landwirtschaft, Gras, Heu, Stroh und Holzkohlen, zur Stadt, indem ihr Gebieter in aller Seelenruhe, die lange, geliebte 5 Flinte im Arm, auf dem einzigen, dem Umfallen nahen, mageren Maultiere oder kleinen Esel sizzend, seine Ehehälfte begleitet. Er selbst trägt keinen Korb, denn er ist stolz. Seine Frau hat sozusagen das Los eines Haustieres; doch zu des Tyrannen Lobe sei's erwähnt, er schlägt sie nie. Gegen alle Witterung abgehärtet, ist sie nur mit einer Jacke und kurzem Rocke( einer Art Handtuch) bekleidet. Die nackten Beine sind gewöhnlich mit rauhem Ziegenleder umwickelt. Gegen die heißen Sonnenstrahlen schützt sie ein weißes Kopftuch und darauf ein hoher Strohhut, dessen gewaltiger Rand( von zirka 70 cm Durchmesser) mit von oben herunterhängenden Schnüren wagerecht gehalten werden muß. So sigt sie den ganzen Tag geduldig in der Sonnenglut des wogenden Marktes, um ihre Erzeug25 Centimes, einzutauschen, nisse gegen einige„ Billous" womit sie dann wiederum gleich die Einkäufe für den spärlichen Haushalt besorgt. Zuweilen reicht ihr der Wasserträger, meistens stämmige Neger aus dem Sudan, in einer blitzenden Messingschale für ein kleines Entgelt einen Trunk frischen Wassers, welches er in einem Ziegenfelle auf dem Rücken trägt. Wenn nun der Tag zur Neige geht, dann erscheint der besorgte Gatte aus der fühlen Kaffeehalle, und sie kehren heim zur fernen Hütte. Furchtbar ist es, in den Gefängnissen, in ihren verpesteten, dunklen, nie gereinigten Räumen voller Unrat, Nacht für Nacht zu liegen, auf kalten, feuchten Steinen, von Hunger und Durst gequält, wenn nicht ein Freund oder die fremden Touristen bei Besichtigung der Gefängnisse hier und da ein Stück Brot und einen Krug Wasser durch das Ochsenauge der Kerkertüre reichen lassen. Der schlimmste Verbrecher kann, wenn seine wohlhabende Familie einige 20 Duro à 5 Mt. als Lösegeld bezahlt, sich gleich wieder in Freiheit befinden, während der arme Unglückliche, oft schuldlos, elendig verhungert. Doch wieviel schrecklicher noch sind die Jammergestalten, an den Stadtmauern hingekauert, die das Licht der Sonne nicht mehr sehen. Im Verein bitten sie mit tlagendem Gesang im Namen ,, Allahs" um ein Almosen. Sie hatten irgendeine Missetat mit dem Verlust der Augen büßen müssen. Der arabische Stadtbewohnerunterscheidet sich sehr von seinem Bruder auf dem Lande. Er ist des Lesens und Schreibens kundig, kann auch ein wenig rechnen und gilt deshalb auch als Gelehrter. Versteht er ein Handwerk, so nennt man ihn„ Meister", und als glück. licher Inhaber einer kleinen Krämerbude bekommt er den wohlklingenden Titel Kaufherr ,, Sidi el Tascher". Die Arabische Reiterphantasie am Strand von Tanger. ev. Leb Schule ist Org terapot fördert. senb „ Jungli for Dr. * Verei im Hot Gaut D. M. V.- Sak ferer G des Bei Schiedene stand Preise f Dener in waiger berges gung v widelte den Kla dem gr Uhr hie