, ASSERDICHTE HOCHGLAN efte mittel It! 10 O KONKURRE SA pulver är Rezepte Ble nur Hansa st Ihr Vorteil, ke HANSA en und alles ickzuweisen Jon Derk pen Su ông, l Seln, Betten, und Silbe ntiquitäten berger, mittelt reell F Wiesba hstrasse 551 Hause macht! ude machts an man spara im Haus Na richtig bra alles schneiden nehmen Toilet che u. zum e wenn man Favori Intern. Sch Dresden- N Hunderttaus chen sie eben orithandarbe rospekt N. nleitung d ig ausgestat odenalbum end- Modenal , Favorit- Ha m( nur 50 P Altlich bei: & Co., Schals Slätte r und Ki M 3- gen und nerir. 41 His- Probe München der Redakti Intereflante R Bendorfer- Bla anin frei! Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. - - der Großherzoglichen Erscheint Bürgermeisterei jeden Werktag früh.- Die„ Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer. Nr. 70. Telephon: Nr. 362. den Zur Stichwabl in Giessen- Didda schreibt das hessische Regierungsorgan, die„ Darmstädter 3tg.": Es ist ohne Zweifel festzustellen, daß nicht nur die Nationalliberalen, sondern auch ein sehr beträchtlicher Teil der Wähler der Fortschrittlichen Volkspartei der Parole für den bürgerlichen Kandidaten gefolgt sind. Die Wähler haben sich hier einsichtsvoller gezeigt als ihre fanatisierte Parteilei tung und die„ Frankfurter 3tg." mit ihrem Anhang, die sie absolut in die Arme der Sozialdemokraten treiben wollten. Die Wähler des Freisinns in Gießen, die mit ihrer Stellungnahme für Dr. Werner so aufrecht ihre bürgerliche und staatserhaltende Gesinnung gegen Ansturm gewisser zersetzender Elemente in ihren eigenen Reihen verteidigten, haben auch ihrer Gesamtpartei einen großen Dienst geleistet. Die rechtsstehenden Blätter drohten bereits, wenn die in Gießen von der fortschrittlichen Barteileitung ausgegebene Parole für die Sozialdemofratie wirklich befolgt werden würde, in Zukunft den Freisinn nicht mehr als zu den bürgerlichen Parteien zäh= lend ansehen zu wollen. Das heißt mit anderen Worten, die Rechte würde die Kandidaten des Freisinns in Zukunft nicht mehr unterstützen. Was das aber für die fortschrittliche Volkspartei bedeutet hätte, zeigte eine Aus' lassung der liberalen„ Leipz. N. Nachr.", die einige Tage vor der Stichwahl in Gießen schrieb:„ Wenn die Parteien der Rechten aus der Haltung des Freisinns in Gießen die natürlichen Folgerungen ziehen, dann wird aus dem fünftigen Reichstag Herr Dohrn verschwinden, dem die Stettiner Antisemiten das Mandat verschafften, dann die wird Herr Mommsen niemals wiederkehren, dem Konservativen den Weg bahnten, dann ist auch Herr Heckscher verloren, dem die Deutsch- Sozialen in dem Entscheidungskampfe Wahlhilfe brachten. Niemals wieder wird dann Herr Bruno Ablaß, niemals Herr Mugdan durch die Wandelhalle ziehen, Herr Buddeberg wird vergebens um die Palme ringen, und Herr Carstens seinen Pinneberger Kreis den Genossen überlassen. Fern bleiben werden dem Reichstag auch die Herren Eickhoff, Günther, Gyßling, Hormann aus Bremen, Kaempf, der bisher den ersten Berliner Wahlkreis hielt, Manz, der Vertreter von Erlangen, Enders aus Sonneberg, Pfundt ner aus Breslau. Mit der Hilfe der Antisemiten eroberte der Volksparteiler Deser die Stadt Frankfurt am Main, mit Hilfe des Bundes blieb Christian Storz der Sieger von Ulm- es würde eine stattliche Anzahl von Toten auf dem Schlachtfelde bleiben, wenn Gießen Schule macht, und fast immer würden in diesem Streite der beiden Löwen um die Beute die roten Füchse das Fleisch davon tragen." Wir begrüßen den Sieg des bürgerlichen Kandidaten auf das freudigste. Er zeigt, daß bei Einigkeit der bürgerlichen Parteien, bei Befolgung der Sammlungsparole des Reichskanzlers, die wir immer als das beste Mittel zur Bekämpfung der Sozialdemofratie befürwortet haben und weiter befürworten werden, die sozialdemokratischen Bäume nicht in den Himmel wachsen. Der„ Vorwärts" schreibt dagegen unter der Ueberschrift" Liberale Schande":" Wir bedauern keinen Moment den Verlust dieses Mandates, das uns sicher hätte zufallen müssen, wenn die Liberalen ihre Pflicht ebenso erfüllt hätten, wie die Sozialdemokraten es getan haben, wo immer Liberale im Kampf gegen den schwarz- blauen Betrachten wir doch Reichs Block gestanden haben. tagsmandate nur als Symptom unserer Stärke und schätzen sie nur dann voll ein, wenn sie aus eigener Kraft errungen sind. Aber wir begrüßen die Klärung. Der Ausgang dieser Wahl wird den Genossen im Lande eine gute Mahnung sein, die Wahlhilfe der Bürgerlichen so einzuschätzen, wie sie es verdient und den Kampf gegen den schwarz- blauen Block, wie ihn die Herren so laut mit Worten führen, nicht allzu tragisch zu nehmen. Der schwarz- blaue Block hat einen Erfolg, die Liberalen die Schande und wir, nur wir, die Geschlagenen, sind die einzigen, die mit Befriedigung aul die geleistete Arbeit und die Resultate des Wahlkampfes zurückblicken fönnen." Wer lacht da nicht? des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) sowie vieler anderer Donnerstag den 23. März 1911 sekretär des Innern nachher konstatierte, daß er„ eine so tief in die Grundsätze unseres Gewerbereichs eingreifende Rede lange nicht gehört habe". Die Abgeordneten der Rechten fargten nicht mit ihrem Beifall. „ Sehr wahr“,„ Sehr gut",„ Ganz vorzüglich"," dieselbe Rede habe ich" ja gehalten", rief Abg. Dr. Hahn ein über das andere Mal unter„ Zustimmung rechts und in der Mitte". Die Freisinnigen machten recht verdutzte Gesichter und verharrten in eisigem Schweigen. Nach dem Staatssekretär erhob sich der freisinnige Dowe, um die Rede seines Fraktionskollegen Deser wieder einzurenken, was ihm aber nicht gelang. Der Zentrumsabgeordnete Dr. Pfeiffer sah ob der lebhaften Zustimmung des Dr. Hahn schon eine„ Fusion" zwischen Frankfurfer 3eitung" und„ Deutscher Tageszei= tung". Abg. Behrens, der nach d. Abg. Dowe das Wort nahm, berührte die Deser'sche Rede kurz, um dann über die Angelegenheiten der deutschen Textilindustrie zu sprechen: Abg. Behrens führte aus: „ Die Mohrenwäsche, die eben Herr Kollege Dowe an der Rede des Herrn Kollegen Deser vorgenommen hat, hat den Eindruck nicht zerstört, der durch die Rede des Kollegen Deser hier im Hause erweckt ist, nämlich, daß Herr Deser zum Schutze der Gewerbefrei= er= ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. Aus Stad: und Cand. Gießen, deu 23. März 1911. *) Gießen. Der bisherige Kommandeur unseres Kaiser- Regiments, Oberst von Müller, ist zum Generalmajor befördert worden und hat die Führung der 21. Infanterie- Brigade( Sitz Schweidnitz) übertragen bekommen. An seine Stelle ist Oberstleutnant v. Trotta gen. Trey den unter Ernennung zum Obersten avanziert. - Gießen. Die Aufnahme der schulpflichtigen Knaben in die hiesige Volksschule erfolgt am Donnerstag, den 30. März, und der Mädchen am folgenden Freitag, den 31. März. -0- Gießen, 23. März. Morgen Freitag, abends 8 Uhr, hält der Bezirksverein Nordost seine Generalversammlung im Hotel Einhorn ab. heit die Beschränkung der Gewerbefrei heit gefordert hat, also ungefähr die Fortungsstück„ Der Rivale des Satans". Eine geradezu derung, die wir zum Schutze des Mittelstandes heben. Die Fortschrittspartei macht also ganz gute Fortschritte, um zu einer von unserem Standpunkte aus zweckmäßigen Mittelstandspolitik zu kommen. Auf diese inneren revolutionierenden Vorgänge in der Fortschrittspartei will ich aber nicht weiter gehen; ich wollte nur feststellen, was wir empfunden haben. einvor= Ich will noch einiges zu der Resolution Nr. 841, die uns vom Herrn Kollegen Schiffer zur Förder ung der heimischen Textilindustrie gelegt worden ist, sagen. Wir werden dieser Resolution zustimmen; denn wir halten eine solche Zentralstelle zur Hebung und Förderung der heimischen Textilindustrie, die von einer großen Anzahl nennenswerter Industriel ler gewünscht wird, für angebracht, und ich empfehle sehr, daß der Herr Staatssekretär dieser Sache wohl wollend näher tritt. Um den von Berlin entfernter liegenden bedeutenden der Textilindustriegebieten, insbesondere in Rheinland, Westfalen und Süddeutschland, eine solche Prüfungsstelle nutzbarer zu machen, dürfte es sich empfehlen, in Süddeutschland und in Westdeutschland Nebenstellen der Zentralprüfungsstelle zu errichten. Dem zweiten Teil Resolution, der verlangt, daß die zur Hebung der Produktion von Textilrohstoffen in den deutschen Schutzgebieten geeignete Maßnahmen getroffen werden sollen, stimmen wir gern zu; denn außer mit Weizen, Petroleum, Kupfer, Zucker treiben die amerikanischen Börsenleute wohl kaum ein für unser Wirtschaftsleben schlimmeres Spiel als gerade mit Baumwolle. Amerika ist der eigentliche Hauptproduzent von Baumwolle. Unsere deutsche Textilindustrie, die ein außerordentlich erheblicher Verbraucher der amerikanischen Baumwolle ist, befindet sich in ziemlicher Abhängigkeit von Amerika. Die Baumwollproduktion der Welt, wie in der uns vom Kolonialamt überreichten vortrefflichen Denkschrift über die Baumwollfrage dargelegt ist, reicht ja überhaupt nicht mehr für den Weltbedarf aus. Wir können zur Sicher ung unserer deutschen Textilindustrie und der mehr denn eine Million Menschen, die direkt und indirekt von der Textilindustrie leben, nicht anders aus der Abhändigkeit von Amerika herauskommen, als daß wir in unseren deutschen Schutzgebieten möglichst die nötigen Textilrohstoffe zu erzeugen. Erfreulich ist, daß zu diesem Zwecke im Kolonialwirtschaftlichen Komitee nicht nur direkte Interessenten, sondern auch solche Kreise sich zusammengefunden haben, die ein indirektes Interesse an der Baumwollproduktion haben. Ich möchte hier hervorheben, daß auch in den christlich- nationalen Arbeiterkreisen dieser äußerst wichtigen Frage die aller größte Aufmerksamkeit gewidmet wird, und besonders darauf hinweisen, daß der christlich- nationale Textilarbeiterverband bereits seit 8 Jahren durch seine Mitglied- schaft zum Kolonialwirtschaftlichen Komitee sein Interesse an den Bestrebungen zur Beschaffung von Rohbaumwolle durch Förderung der Baumwollkultur in unseren deutschen Kolo nien gezeigt hat. Es ist hiermit der christliche Die Fortschrittspartei erlebte bei Beratung der Titel Textilarbeiterverband dem Vorbild der englischen Textil18 und 19( Förderung von Handel, Gewerbe u. Landarbeiterverbände gefolgt, die im Laufe der letzten Jahre wirtschaft) im Reichstag einen unerwarteten„ großen" Erfolg. Der freisinnige Vertreter für Frankfurt a. M., fast 1 Million Mark für denselben Zweck an das engAbg. Deser, hielt eine Rede über die elektrische Indulische Kolonialwirtschaftliche Komitee gezahlt haben. Also, wir empfehlen diese Resolution zur Annahme. strie und die Lage der Installateure, von der der StaatsAus dem Reichstag. ( Spezialbericht der Wetzlarer Zeitung".) Gewerbefreiheit Textilindustrie. **) Gießen, 23. März. Die neueste Bilderserie der„ Lichtspiele" im Kolosseum ist wieder mit groBem" Geschmack zusammengestellt. Sie beginnt mit dem äußerst wirkungsvollen Film:„ Großen Brand in Mosfau". Hierzu steht im wohlerwogenen Gegensatz die urkomische Liebesgeschichte:„ Tontolini in den Wolken". Es folgen dann„ Der Meister des Dietrichs"," Kompromittierende Briefe"," Der Mann in Texas", und die„ NewWorker berittene Polizei". Die Glanznummer des Programms ist zweifellos das große fantastische Ausstatmärchenhafte Farbenpracht tut sich vor den Blicken des überraschten Zuschauers auf. Den Abschluß des interes- dessen Besichtigung wir jedersanten Programms mann empfehlen- bildet das heitere„ Drama beim Nachbar". Gießen, 23. März. Hausierer mit„ ,, R est e r- stoffen" überfluten jetzt vor Ostern wieder alle Gegenden. Da aber gewisse Leute trotz aller Warnungen in Wort und Schrift„ nicht alle" werden, fallen immer wieder vertrauensselige Menschenkinder herein. Die Sucht, heutzutage billig zu kaufen, hat so blind gemacht, daß alle Warnungsrufe umsonst sind. Die Stadt macht in dieser Sache vom Lande wenig Ausnahme. Wir weisen noch einmal darauf hin, sich mit diesen„ fliegenden Händlern" nicht einzulassen, sondern in den bekannten reellen Geschäften einzukaufen. - -n- Weilburg, 22. März. Bei einem gefallenen Ochsen des Fruchthändlers Wilhelm Gottlieb Zanger in Schupbach ist Milzbrand amtlich festgestellt worden. durch das Lahntal ist der Anfang gemacht worden. In Zukunft wird eine direkte Straßenverbindung von Limburg über Nassau, Bad Ems bis zum Rhein bestehen, sodaß das romantische und an Naturschönheiten so reiche Lahntal dann bequem befahren werden kann. Limburg. Mit dem Bau einer neuen Straße * Darmstadt. Die Klage gegen den Großherzog, welche von Seiten eines Gutsbesitzers in Holstein eingereicht worden war, dessen Hund angeblich durch Verschulden des Großh. Chauffeurs s. 3. in Kiel überfahren worden war, wurde abgewiesen, da nach der Beweisaufnahme der Hund, der einen Wert von 300 Mt. hatte, selbst unter das Auto lief und der Chauffeur nicht unvorsichtig gefahren ist. * Aus Rheinhessen. Ein Mutterschwein eines Landwirts in Wallertheim warf unter mehreren Jungen eine Mißgeburt, deren Kopf Menschen- bezw. Affenzüge zeigte. Der Landwirt wußte nicht recht, wie er das Geschöpf ernähren solle, und ließ es verhungern. Vom Landesmuseum wurden ihm für das tote Wesen noch 5 Mark vergütet. - Es gibt keinen besseren und im Gebrauch billigeren Metallputz als Globus- Putz- Extrakt, das seit Jahren bewährte und in Millionen Haushaltungen ständig gern benutzte Präparat von der Frizz Schulz jun. Aktiengesellschaft, Leipzig. Globus- Putz- Extrakt verleiht allen Gegenständen aus Gold, Silber, Nicel, Kupfer, Messing 2c. schnell und mühelos einen herr= lichen, langandauernden Hochglanz; er ist frei von schädlichen Bestandteilen, kratzt nicht und hinterläßt feine Schrammen. Globus- Putz- Extrakt verliert nie seine Puzzfraft, schmiert nicht wie Puzzpomade und ist bedeutend besser und sparsamer als die meisten im Handel befindlichen flüssigen Pugmittel. Kurzum: Globus- Putz- Extrakt ist und bleibt der beste Metallputz, der in Amer= fennung seiner hervorragenden Güte und Putzkraft schon mehrfach hoch prämiiert, so u. a. auf der Weltausstellung in St. Louis 1904 mit dem„ Grand Prix", der höchsten Auszeichnung der Branche, bedacht wurde. Man benutze darum nur dieses Metallputzmittel, achte aber besonders darauf, daß viele wertlose Nachahmungen eristieren und verlange immer den echten Globus- Putz- Extraft in Dosen mit Schutzmarke Globus im roten Streiusw. Handlungen erhältlich. fen. Derselbe ist in fast allen Kolonialwaren-, Drogen Deutscher Reichstag. Am 21. März 1871 wurde die erste Stzung des Deuts schen Reichstags abgehalten, am Dienstag, nach 40 Jahren die 3425. Darauf nahm Präsident Graf Schwerin- Löwit in seinen Eröffnungsworten Bezug. Die Vertreter der Regierungen und die Mitglieder des Hauses erhoben sich, aber eine weitere Kundgebung erfolgte nicht. Dann wurde bte Abänderung des Paragraphen 15 des Zolltarifgesetzes, Hinausschiebung des Inkrafttretens der lex Trimborn, betr. Witwen: und Waisenversicherung bis 1. Januar 1912 in erster und zweiter Lesung erledigt. Die Abg. Mugdan( fr. Vp.) und Ledebour( Sz.) erhoben Vorwürfe gegen die Mehrheitsparteien, daß es ihnen nicht ernst set um das Zustande= kommen dieses sozialen Werkes. In der Debatte, an der sich auch Staatssekretär Delbrück beteiligte, wandten sich Redner der Nationalliberalen, des Zentrums und der Rechten gegen ihre Auffassung. Darauf begann die mit Spannung erwartete Kalidebatte. Vorläufig war freilich wenig von einer Spannung zu merken, denn das Haus war sehr schwach besetzt. Den Kommissionsbericht erstattete Frhr. v. Richthofen, dann sprach der Abg. Speck( 3tr. ausführlich über die Kalipropaganda, die im Interesse der Kaltindustrte durchaus notwendig set. Nicht nur wissenschaftliche Untersuchungen, auch praktische Versuche, Ausstellungen und Vorträge seien notwendig. Bei der Verteilung der Gelder solle man nicht nur die großen, sondern auch die kleinen Organtsationen berücksichtigen. Der Redner empfahl die von der Kommission beschlossene Verteilung der Propagandagelder. Nach den Erklärungen des Unterstaatssekretärs Richter hat fich die Regierung mit diesen Beschlüssen abgefunden. Ueberdies sei eine Vorlage über eine Staffelung der Tarife zugunsten der kleinen Verbände in Vorbereitung. Anstelle des Abg. Roeficke, der erst später sprechen will, erhielt der Abg. Hne( Soz.) das Wort. Er erkannte zwar die große wirtschaftliche und nationale Bedeutung dieses Naturschatzes an, sieht aber in dem Kalisyndikat, das trotz der Pretsherabsetzung noch Riesengelder verdiene, den kapitalistischen Pferdefuß. Die Sozialdemokraten wollen die ganzen Kaligelder für sozialpolitische Zwecke verwendet wissen, sie lehnen also die nach ihrer Ansicht parteiltche Verteilung der Propagan= bagelder, bei der die Kleinen zugunsten der Großen benachteiligt werden, völlig ab. Gegen Ende seiner langen Rede fam Herr Hue auf die Wohnungsverhältnisse der Arbeiter in den Kalibergwerken zu sprechen, die er als sehr schlechte bezeichnete. Nach einer Erwiderung des Unterstaatsserettärs wurde die Debatte abgebrochen. Der Kronprinz über seine Studien auf der Weltreise. Der Kronprinz hat nun selbst zu den mannigfachen Zeitungsäußerungen, daß er auf seiner Reise zu wenig Studten treibe und sich zu viel dem Sport und der Jagd widme, Stellung genommen. Wir haben schon früher betont, daß der Schein trüge, da die Telegramme über den Aufenthalt des Kronprinzen nur kurze Augenblicksbilder wiedergaben, aber den Inhalt seiner Reise nicht erschöpften. Der bekannte Forschungsreisende Dr. Oskar Bongard veröffentlicht jezt im„ Leipziger Tageblatt" persönliche Aeußerun= gen des Kronprinzen über seine Studien. Der Kronprinz sagte:„ Man hat es mir verübelt, daß ich nicht Tag für Tag von Tempel zu Tempel, von einem Museum In das andere gelaufen bin, und hat es so darzustellen versucht, als hätte ich nur für Jagd, Golfspiel und Polo Sinn gezeigt. Das ist unwahr! Sie, Dr. Bongard, kennen Str Harold Stuart, der mir beigegeben war; es ist einer der Höchsten Beamten des Landes mit dreißigjähriger indischer Erfahrung. Er war Tag für Tag von meiner Ankunft in Indien bis zur Abreise um mich und die Unterhaltung mit thm war eine nie verstegende Quelle der Belehrung, gleichgültig, ob wir in der Etsenbahn zusammensaßen oder zur Jagd fuhren. Aehnlich war es mit dem höchsten Richter Indiens, Lord Jenkins, und den anderen hohen Beamten und Offizieren, mit denen ich in Berührung fam. Sie fönnen sich doch denken, daß die Engländer mis gerade ihre bedeutendsten Männer, die sie in Indien haben, zuführten. Von der Unterhaltung mit diesen hatte ich in einer halben Stunde mehr Gewinn, als der tagelange Verkehr mit Durchschnittsmenschen bringen kann. Informierte mich der Umgang mit diesen Männern über die wichtigen Fragen, die Indien betreffen und die Wirtschaftspolitik der Völker be= einflussen, so lernte ich beim Sport, dem ich mich gern hingebe, etnen Teil englischen Volkslebens fennen. Bei den Spielen waren Kaufleute, junge Beamte, Offiziere, furz alles vertreten, was an Engländern in Indien lebt. Es waren prächtige Menschen in ihrer ungezwungenen, männ= lichen Art, die nicht ein einziges Mal taktlos wurden. Durch die Unterhaltung mit ihnen habe ich Einblicke in das englische Leben gewonnen, die mir wertvoll sind, und die der Erbe eines Kaiserthrones sonst nicht so leicht erhält. Nicht minder wertvoll war es für mich, unsere deutschen Kaufleute und ihr Wirken kennen zu lernen. Es hat mich mit Stolz erfüllt, zu sehen und auch von englischer Seite unparteiisch zu hören, welch geachtete und bedeutende Stellung fie einnehmen." Die englischen Spione wieder Offiziere. Der verhaftete englische Spion gab an, daß er wetter nichts sei, als ein Händler mit altem Eisen und nur zu 22) Das Familiengeheimnis. Roman ven L. Walter. ( Nachdruck verboten.) ,, Alle? Alle?" fragte Selma, deren Augen glühten. " Alle Geschäftsbücher." ,, Gut, mein Rechtsanwalt mag sie prüfen." ,, Du hast nun Deine Stellung mir gegenüber eingenommen. ich werde die meinige einnehmen." " Ich bleibe so lange im Hause, bis die Angelegenheit geordnet ist." Karl verneigte sich und ging. Eine Stunde später befand er sich mit dem Kassierer in seinem Kabinette allein. Er erzählte genau die Unterredung, die er mit Selma gehabt. ,, Sie haben recht gehandelt," sagte der Greis. ,, Was halten Ste von der Tante?" " Jch bleibe dabei: ste beabsichtigt einen Betrug." Aber das Geheimbuch!" " Ist gefälscht!" rief bestimmt der Kassierer. " Horn, wie soll ich das beweisen?" Sie beweisen nichts, die Klägerin soll ihre Ansprüche beweisen." " Und wenn man einen Eid darüber fordert, daß mir die Angelegenheit fremd ist... Gott im Himmel, ich tenne ja das Geheimbuch. Warten wir bis dahin! Es kommt alles darauf an, wie Fräulein Selma sich benimmt. In meiner Brust regt sich ein Gefühl, das mir sagt: hier ist ein Bubenstück verübt worden! Die plötzliche Krankheit, der rasche Tod Ihres Vaters, die Verwirrung im Hause... Geduld, wir Tommen schon dahinter!" Horn ließ sich noch einmal das Geheimbuch vorlegen; er betrachtete lange die Züge, die für die des verstorbenen Halling gelten sollten. Nun blätterte er zurüc Mein junger Freund," murmelte er nach kurzer Bause ,,, Sie haben nicht alles geprüft." diesem Zwecke mit den Werftarbeitern in Verbindung getreten sei. Es scheint aber, wie aus Marinekreisen mitgeteilt wird, festzustehen, daß sowohl der verhaftete Spion als auch der leider entflohene zu den englischen Offizieren zu rechnen ist. Es erscheint eigentümlich, daß der Mann, der angeblich mit altem Eisen handelt, sich so intensiv um unsere neuen Kriegsschiffe bekümmert hat, die er doch kaum zu dem alten Eisen wird rechnen wollen. Die Behörden stehen darum diesen Angaben mit Recht sehr ungläubig ge= genüber. Das planvolle Vorgehen und die Sachkenntnis Ser Spione rechtfertigt vielmehr die Annahme, daß es sich tatsächlich, gleicherweise wie bei den beiden vor einigen Monaten Abgeurteilten, um Offiziere handelt. Wenn auch über die Einzelheiten nichts näheres aus Interessen der Landesverteidigung bekannt gegeben wird, so weiß man doch, daß das Hauptinteresse der Spione sich auf die Einrichtungen der Panzer konzentrierte. In Marinekreisen ist die Empörung über diese fortgesette Spionage sehr groß. Man nimmt wohl mit Recht an, daß es sich um ein lange vorbereitetes und weit ausgesponnenes System handelt, und daß jedem Spion sein Arbeitsfeld zugeteilt ist. Die beiden Spione French und Brandon haben bekanntlich sich um die Schiffsbauten fast gar nicht gekümmert, sondern ihr ganzes Augenmerk auf die Küsten befestigung gerichtet. Es wurden bei ihnen bekanntlich 19 Zeichnungen gefunden, die aber nur Einzelheiten über den Entwurf der Festungsanlagen von Friedrichsort, Kiel, Helgoland und Wilhelmshaven enthielten. Aufzeichnungen über Schiffe wurden dagegen nicht gefunden. Die Borkumer Spione wurden auch bei Besichtigung einer Festungskanone verhaftet. Die Hamburger Spione sind wiederum bei der Ausspionierung unserer neuen Kriegsschiffe ertappt worden. Es erscheint darum ausgeschlossen, daß hier nicht ein System oder eine Arbeitsteilung vorliegt. Ermutigt dürften die Hamburger Spione zu ihrem Tun wohl auch durch die geringen Strafen worden sein, von denen die Borfumer Spione getroffen worden sind. Es ist aber zu hoffen, daß ihnen das Handwerk diesmal gründlich gelegt wird. Die Beteiligung von Deutschen an fremder Spionage ist übrigens äußerst selten. Einer der letzten aufsehenerregenden Fälle, bei denen ein Deutscher wegen Spionage verurteilt wurde, ist der des preußischen Leutnants Hoensch, der 9 Jahre Zuchthaus für seinen Verrat erhielt. Er verbüßte aber nur ein Jahr in Halle von seiner Strafe, da ihn der Tod ereilte. Die Rechtsprechung gegen deutsche Spione ist mit Recht be= sonders scharf. Bei dem Prozeß des Leutnants Hoensch erhielt ein anderer Spion, ein Pole, nur 5 Jahre Festung, weil das Reichsgericht anerkannte, daß es sich um einen Feind der deutschen Nation handelte, und daß darum die Strafe milder ausfallen dürfe. Rundschau vom Cage. Politisches. Das Kaiserpaar trifft Donnerstag den 23. März nachmittags 3 Uhr von Kiel in Berlin ein und reist abends um 6 Uhr 26 Minuten mit Sonderzug vom Bahnhof Friedrichstraße nach Wien ab. Die Ankunft erfolgt Freitag vormittag 11 Úhr. Abends setzt das Kaiserpaar seine Reise nach Venedig fort. Die Ankunft dort erfolgt Sonnabend mittags 12 Uhr 50 Min. In Venedig begibt sich das Kaiserpaar sofort an Bord der„ Hohenzollern", um hier auf einige Tage Wohnung zu nehmen. Die Abreise nach Korfu erfolgt voraussichtlich am 28. März, wenn nicht durch den Besuch des Königs von Jtalien das Kaiserpaar andere Dispositionen trifft. Ueber das Befinden der Kaiserin werden der„ Kreuzzeitung" von besonderer Seite Mitteilungen gemacht, in denen es u a. heißt, daß die Kaiserin unter der Ungunst der Witterungsverhältnisse des verflossenen Winters mehrfach Influenzaanfällen ausgesetzt war, die ihr Befinden ungünstig beeinflußt haben. Daß man jedoch von einem Leiden nicht sprechen kann, beweisen die Teilnahme an der Reise nach Korfu und der Besuch beim Kaiser Franz Joseph zur Genüge. Immerhin aber läßt das Befinden der Kaiserin den Aufenthalt in dem südlichen Klima Korfus als erwünscht erscheinen. Der Dank des Prinzregenten an sein Ministerium. Der bayerische Prinzregent hat ein Handschreiben an den Ministerpräsidenten Grafen v. Podewils gerichtet, in dem er dem Gesamtministerium und den Mitarbeitern in den einzelnen Ressorts für die Glückwünsche zu seinem 90. Geburtstag den wärmsten Dank ausspricht. Das Handschreiben schließt:„ Wenn mir am 12. März aus allen Teilen des Landes Herzliche Liebe und innige Verehrung entgegengeklungen haben, so danke ich dies nicht zuletzt den Männern, die mir nach der Verfassung als erste Ratgeber zur Seite stehen und denen gleich mir das Wohl des Landes oberstes Gesetz ist." Die Stichwahl im Reichstagswahlkreise Gießen- Grünberg- Nidda hat am Dienstag stattgefunden. Es wurden insgesamt 24 191 Stimmen abgegeben. Davon erhielten Oberlehrer Werner( Wirtschaftliche Vereinigung) 12 568 " ,, Was gibt's?" fragte Karl erschreckt. „ Lesen Sie diese Zeilen!" Und Karl las: Freund Rudolphi hat mich betrogen, der brave Mann, dem ich so überaus großes Vertrauen geschenkt. Nun ist er tot... ich konnte ihn nicht zur Rechenschaft ziehen. Die Anweisung seines Schwiegervaters ist verschwunden; ich muß schweigen." „ Ich habe diese Anerkennung schon gelesen, fügte er, hinzu.„ Es mag sich wohl um eine kleine Differenz ge= handelt haben." ,, Nein, nein!" rief Horn. Nun wird mir manches flar. Sie glauben an eine kleine Differenz zwischen den beiden Freunden? Es handelt sich um einhundertzwanzigtausend Taler, die, wie ich sehe, damals dem Geschäfte Ihres Vaters entzogen wurden. Daher kommt der gegenwärtige Stand. Und diesen Verlust hat Jhr Vater schweigend ertragen, er hat ihn selbst zu verbergen gewußt. Ich bewundere den Mann! Rudolphi war ein Bankier; er unternahm die gewagtesten Spekulationen und ghatte Glück. Man hielt ihn für den schlauesten Spekulanten in der Stadt und der Provinz. Als Jugendfreund Ihres Vaters fam er fast täglich in unser Haus. Um jene Zeit grasierte die Wut, Zuckerfabriken anzulegen. Rudolphi überredete Herrn Halling zu einem solchen Unternehmen Man baute die große Fabrik, die jetzt noch vor dem S. Tore steht und reichen Gewinn liefert. Dem Bruder Rudolphis, der die Zuckerfabrikation eingehend studiert haben sollte, übertrug man die Leitung. Ich kenne die näheren Verabredungen weiter nicht, ich weiß nur, daß Ihr Vater mit der genannten Summe beteiligt war. Jm zweiten Jahre des Betriebes zeigte Rudolphi den Konfurs an. Das war ein Donnerschlag für Halling, der das Vermögen seiner Frau gewagt hatte. Der jüngere Rudolphi, der eigentliche Fabrikant, hatte nicht zu verlieren; der ältere aber, der Bankier, zog sich mit einem kleinen Verluste zurück. Halling wandte sich an den SchwiegerStimmen, Krantentassentontrolleur Bedmann( Sozialdes motrat) 11 622 Stimmen. Werner ist somit gewählt. Die Zentrumsfrattion des Reichstages, die am Diens tag gleich dem Reichstage auf ein 40jähriges Bestehen zurüdblicken konnte, feierte den Tag durch ein Festmahl in der Wandelhalle des Reichstages. Zur Teilnahme an der Feier waren auch führende Männer aus den Bundesstaaten in Berlin eingetroffen, darunter der bayerische Kammerpräsident von Orterer, der den Reichstagsverhandlungen von der Tribüne aus beiwohnte. nig eine gabtreich der Wid fenverfic eingeflif der Mi gent. D hältniffe fächsische faffe fil wohnend Jahre n genes o erworbe als 2500 Monate folgende dauert, alfo 6 nengeld Beitrag Jährige ter, Ste nengelde eigenen lichen 8 tungsge Unter dem Titel„ Kapital und Staatsaufsicht" erscheint in diesen Tagen in einem Berliner Verlage eine finanzpolitische Studte des früheren Staatssekretärs des Reichskolonialamtes Dernburg, in der er zu den Debatten im Reichstag und preußischen Landtag über die Zulassung ausländischer Wertpapiere in Deutschland Stellung nimmt. Da Dernburg in dieser Studie einen Standpunkt vertritt, der zu der Auffassung unserer amtlichen Stellen in scharfem Gegensatz steht, dürfte seine Schrift Anlaß zu er= neuten Erörterungen der Frage geben. Der Vertrag der Türkei mit der Bagdadbahn- Gesellschaft über den Weiterbau der Bahn bis Bagdad und eine Zweiglinie bis Alexandrette ist am Dienstag unterzeichnet worden. Das Uebereinkommen wird von der Pariser Presse als ein unleugbarer Erfolg der deutschen Politik be= zeichnet. Das müsse Frankreich anspornen, von der Türkei die„ Internationalisierung" des letzten Bahnabschnittes, der zum Persischen Busen führe, zu verlangen. Denn man müsse fürchten, daß die Türkei und Deutschland nunmehr gemeinsame Sache machten, und daß Deutschland auch hinsichtlich des letzteren Bahnabschnittes sein Uebergewicht zur Geltung bringen werde. Das Verhalten der Türkei in diesem Punkte werde ein Prüfstein für ihre Gefühle gegenüber den Westmächten sein. Ein neues Kabinett in Rußland ist, nachdem der Zar den Ukas über Stolypins Rücktritt unterzeichnet hat, gebildet worden. Der bisherige Finanzminister Kokowhow wird Ministerpräsident. Das neue Kabinett bedeutet eine scharfe Schwenkung nach rechts. Stolypins Rüdtritt kam völlig überraschend; niemand glaubte, daß der Zar den verdienstvollen Staatsmann gehen lassen werde. Es ruft Befriedigung hervor, daß der politisch gemäßigte Kokowhow zum Kabinettschef ernannt wurde. Die Nachrichten aus dem fernen Osten besagen, daß die Kriegsstimmung in China zunimmt. Die Grenzbezirke sind voll von Truppen und ständig treffen neue ein, die von dort aus nach der Grenze dirigiert werden. Ueberall stellen sich Freiwillige bei den Regimentern. Das Gerücht von einer Ermordung des russischen Gesandten in Pefing hat sich als unbegründet herausgestellt. Kleine Nachrichten. Zu dem gemeldeten Verlust au deutschem Boden in der Ostmart teilt Gräfin Schlieffen in Groß- Lichterfelde mit, daß die Meldung über den Verkauf ihrer posenschen Güter unwahr sei. Ein Pole Mielzynski sei thr und ihrem Inspektor unbekannt. Die erste Telephonverbindung in Zentralafrika soll in der belgischen Kongokolonie eingerichtet werden. Die Kosten für ein einfaches Gespräch werden in Anbetracht der Schwierigkeiten, die mit der Anlage und Instandhaltung der Leitung verbunden sind, wohl die höchsten sein, die bis jetzt für Telephongespräche berechnet wurden. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch wird die anständige Höhe von 150 Francs betragen. Bei einer Geschoßerplosion in Tsingtau getötet ist nach einer behördlichen Meldung an die in Gladbach lebenden Eltern der Matrosenartillerist Hoeninger. Der Getötete stand vor der Heimkehr und war der einzige Sohn des Friseurs Hoeninger in Gladbach. In den Ausstand getreten sind in der Chemnitzer Metallindustrie über 3000 Gießer und Former. Die Aufforderung der Arbeitgeber, bis zum Montag die Arbeit wieder aufzunehmen, blieb unbeachtet. Infolgedessen wurden am Montag 50 Prozent sämtlicher Metallarbeiter ausgesperrt, so daß etwa 10 000 Metallarbeiter feiern. Ein folgenschweres Unglück ereignete sich bei einer Reparatur an einem Hochofen der Düdelinger Hütte bei Trier. Aus einer Höhe von 20 Metern stürzte eine Platte mit den darauf stehenden Arbeitern ab. Einer der Verunglückten wurde getötet, drei wurden lebensgefährlich verletzt. Weil ihm gekündigt worden war, schoß am Dienstag auf dem Paulinenschacht der Hohenlohewerke in Kattowih der Steiger Eger auf den Bergverwalter Gersberg und ver= lehte ihn schwer. Darauf erschoß er sich selbst. Volkswirtschaftliches. Die erste kommunale Mutterschaftskasse. In der kleinen Industriestadt Sebnitz in der sächsischen Schweiz ist vor kurzem die erste kommunale Mutterschaftskaffe in Deutschland ins Leben gerufen worden. Es gibt in Sebpater des Bankiers, einen steinreichen Rentier, der sein Vermögen in dem Bankhause seines Schwiegersohnes ste= hen hatte. Dieser händigte Halling eine Anweisung ein, wonach er, Halling, hundertzwanzigtausend Taler von Rudolphi zu erheben hatte, sobald der Rentier mit Tod abgegangen. Der brave Mann wollte Hallings Verlust nicht; er wollte aber auch seinem Schwiegersohn nicht sofort schaden, trotzdem er mit diesem in Feindschaft lebte. Kurz darauf starb der Rentier. Ich habe nichts mehr über die Angelegenheit gehört. Auch der Bankier Rudolphi ging heim und seine sehr reiche Tochter, sein einziges Kind, verheiratete sich mit einem Offizier. Ihr Vater trieb ruhig sein Geschäft. heute ersehe ich aus dem Geheimbuch, daß Rudolphi seinen Freund schmählich betrogen hat. Also die Anweisung des Schwiegervaters ist verschwunden."„ O, o, rief Horn,„ das sin dseltsame Ereignisse! Ich weiß nicht mehr, was ich davon denken soll. Madame Junker, so heißt die Tochter des verstorbenen Bankiers, besitzt das ungeschmälerte Vermögen ihres Vaters, lebt mit dem nichtstuenden Gemahle in Saus und Braus, und hier, wo man das Vermögen gestohlen... es ist himmelschreiend! Verschließen Sie das Hauptbuch sorgfältig. vielleicht können wir noch einmal Bezug auf diese Notiz nehmen." ,, Wie aber benehme ich mich der Tante gegenüber?" Warten! Warten! Sehen wir zu, wie sie angreift!" Der junge Kaufmann sollte nicht lange warten. Schon amfolgenden Tage fündigte ihm ein Rechtsanwalt an, daß er von Fräulein Selma Halling beauftragt sei, die Schuldforderung der Dame an die Firma geltend zu machen; er hoffe jedoch, schloß der Brief, daß durch gütliche Vereinbarung einem Prozesse vorgebeugt werde, den die Gläubigerin gern vermieden wissen wollte. Karl zeigte den Brief dem Kassierer. ,, Was beginne ich?" fragte er. " Sie lassen Ihren Advokaten mit der Tante unterHandeln." Der prozeffe bräufell fchen& ficht auf gegen a ftrafe v oder w fellner Außerde lautete Geldstra Die vie ciner b Die Sajenhe Schüler verfam und zog mer gr Play, zurichte Oberfor Silfe u den er räten u bot abe außerha men. 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Als Ergänzung Der Wöchnerinnen- Unterstützung durch die staatliche Stran tenversicherung hatte man schon vor Jahren Stillprämien eingeführt, trotzdem gab es jedoch nur 55 Prozent stillender Mütter, und die Säuglingssterblichkeit betrug 20 Progent. Die Gemeinde hielt daher zur Besserung dieser Verhältniffe, die übrigens günstiger sind als in vielen anderen fächsischen Industrieorten, die Gründung einer Mutterschaftstaffe für notwendig: Der Kasse können alle in der Stadt wohnenden weiblichen Personen beitreten, wenn deren etgenes oder anderes Familieneinkommen 1900 Mart im Jahre nicht übersteigt. Ist die Mitgliedschaft jedoch einmal erworben, so erlischt sie erst, wenn das Einkommen mehr als 2500 mt. beträgt. Die Mitglieder zahlen 50 Pfennig Monatsbeitrag und erhalten dafür bei einem Wochenbett folgende Unterstützung: Hat die Mitgliedschaft ein Jahr gedauert, so zahlt die Kaffe die geleisteten Monatsbeiträge, also 6 Mart, zurück, außerdem gibt sie 14 Mark Wöchnerin nengeld; zwetfährige Mitgliedschaft hat Anspruch auf 12 M. Bettragsrückzahlung und 18 Mart Wöchnerinnengeld; dret Jährige auf 18 und 22 Mart. Unbemittelte stillende Müte ter, die der Kasse angehören, haben außer dem Wöchnerin nengelde noch Anspruch auf ein Liter Milch täglich, aut threr etgenen besseren Ernährung. Die Stadt zahlt einen jähr lichen Zuschuß zu der Kasse, außerdem sind städtische Stif tungsgelder für ihren Zweck herangezogen. Aus den Gerichtssälen. Der Kampf um die volle Maß. Im Münchener Strafprozesse gegen den Pächter Erwin vom Münchener Löwenbräufeller und sechs seiner Schankfellner wegen betrügertschen Einschenfens beantragte der Staatsanwalt mit Rückficht auf die Gewinnsucht Versagung mildernder Umstände gegen alle Angeklagte und gegen Erwin eine Gefängnis Strafe von vier Monaten und eine Geldstrafe von 3000 M oder weiteren 300 Tagen Gefängnis, gegen die Schankfellner Gefängnisstrafen von drei bis sechs Wochen und Das Urtell außerdem Geldstrafen von 300 bis 500 M. lautete für Erwin auf sechs Wochen Gefängnis und 8000 M Geldstrafe, sowte eventuell weitere 300 Tage Gefängnis. Die vier Schankkellner wurden zu Gefängnisstrafen von einer bis drei Wochen verurteilt. Vermischtes. Die Geschichte des ersten deutschen Turnplazes auf der Hasenheide bet Berlin. Nachdem schon 1810 Jahn öfter mit Schülern in der Hasenheide gespielt und geturnt hatte, versammelte er im Frühjahr 1811 wieder viele Schüler und zog hinaus in die Hasenheide. Da nun die Schar immer größer wurde, sah er sich gezwungen, einen geeigneten Play, der als Sammel- und Turnplag dienen sollte, einzurichten. Der damalige Forstaufseher Christoph und der Oberforstmeister von Schenk tamen Jahn wohlwollend zu Hilfe und gestatteten, daß er einen passenden Platz wählte, den er nun mit seinen Schülern einfriedigte und mit Geräten und einer kleinen Hütte ausstattete. Zum Spielen bot aber der Platz nicht genug Raum, darum wurden diese außerhalb des Turnplages, in den Rollbergen, vorgenommen. Bei diesem Turnen, Spielen und Herrichten des Plazes verging der Monat Mai, die Zahl der Schüler mehrte sich wieder, zumal der Herodotübersetzer Friedrich Lange, Jahns Freund, ihm viele Jünglinge zuschickte und die Knaben des Schindlerschen Waisenhauses auch kamen. Selbst Erwachsene, Studierende und Offiziere fanden sich als Gäste ein. So war es die höchste Zeit, daß die Einrichtung des Plages beendet wurde, und Anfang Juni 1811 wurde nun der erste Turnplatz in der Hasenheide eröfffnet. Diesen Namen erhielt die neue Anstalt, und am 19. Juni 1811 war der erste allgemeine Turntag. Eine Rabenmutter. Die Frau des Kellners Ernst Heiße in Mannheim erschlug am Samstag abend in ihrer Wohnung ihr sechs Jahre altes Kind im Bette und stellte sich gestern früh selbst der Polizei. Die Frau konnte das Kind, ein Mädchen, das sie mit in die Ehe brachte, nicht leiden und mißhandelte es bei jeder Gelegenheit. Nachbarsleute veranlaßten am Samstag das Einschreiten der Polizei. Ein Schuhmann untersagte der besttalischen PerSon jede fernere Mißhandlung. Kaum hatte sich der Schutzmann entfernt, da übermannte die Frau die Wut über das Einschreiten des Schuhmannes und sie schlug mit einem Schemel und einem Schrubber wie wahnsinnig auf das im Bett liegende Kind ein. Als sie merkte, daß das Kind sich nicht mehr rührte, verließ sie das Haus und fuhr zu ihrem Manne nach Frankfurt. Dieser veranlaßte sie, mit ihm zurückzukehren und sich der Polizei zu stellen. Die Untersuchung der Leiche des Andes ergab, daß die Schädeldecke eingeschlagen war. Eine gewaltige Mäuseplage herrscht gegenwärtig in verschiedenen Häusern des Amts Hütten( Kreis Edernförde), wohin sich die kleinen Nager in schier unendlichen Massen aus den benachbarten umfangreichen Waldungen gezogen haben, vertrieben durch die außergewöhnlich starTen Niederschläge der letzten Zeit. Ganz besonders wird von den unwillkommenen Gästen das Forsthaus Hütten heimgesucht, wo deren Zahl nicht abzunehmen scheint, obgleich Hunderte der Schädlinge durch Gift getötet oder durch Kazen und Fallen gefangen wurden. Bei einer ähnItchen Mäuseplage im Jahre 1899 wurden in demselben Hause in furzer Zeit zwischen 1500 und 2000 Stück ge fangen oder vergiftet. Das„ Einfüchenhaus" wird Mehrküchenhaus". Das System des Einfüchenhauses in Groß- Lichterfelde hat sich so wenig bewährt, daß ein großer Teil der Mieter auszieht, da die Klagen über die gemeinsame Küchenleitung, dessen Personal wiederholt gewechselt hat, nicht verstummen. Die Schwierigkeiten, es allen Parteien des Hauses es gibt deren 20- bezüglich der Verpflegung recht zu machen, fonnten nicht behoben werden. Es ist nicht gefungen, die verschiedenen Geschmacksrichtungen einheitlich abzustimmen. Aus diesen Gründen hat der Besitzer, Herr Gossow, beschlossen, das Prinzip des Einküchenhauses endgültig zu verlassen und für jede einzelne Wohnung eine besondere Küche einbauen zu lassen. Der Dieb als Teufel. Aus Fiume wird gemeldet: Vor einigen Tagen drang in Castua in die Wohnung eines Bauern ein Teufel ein. In der Wohnung war nur ein 13jähriger Knabe anwesend. Der Teufel befahl, ihm die Schlüssel zum Geldschrank zu geben, sonst würde er ihn in Die Hölle tragen, und durchstöberte dann den Schrank. Der/ Anabe aber saß voll Furcht in einer Ece. Schließlich faßte er jedoch Mut, griff nach einem über ihm hängenden Gewehr und feuerte einen Schuß auf den Teufel ab, der tot zusammenbrach. Man erkannte in thm den Mechaniker Des Ortes. Die Bombe als Wohnung. Ganz einzigartig ist wohl eine Wohngelegenheit, die sich in Jdstedt ein Starenpaar erloren hat, und seit einer Reihe von Jahren regelmäßig benutzt. Es handelt sich um eine aus den Jahren 1848/50 #tammende, und im Garten der Jdstedter Waffenkammer an der Erde liegende große Bombe. Wenn im Frühling die Stare ihre alte Behausung aufsuchen, erscheinen auch die kleinen Bombenbewohner, um zuerst ihre Wohnung von den Ueberresten des alten Nestes und den Blättern zu reinigen, die der Sturm hineingeweht hat, und sich von neuem darin häuslich einzurichten. So bot sich den Besuchern der Waffentammer im vorigen Jahre ein reizendes Tieridyll, als vier Junge in der Bombe von den Alten getreulich gefüttert wurden. ,, Bitte, mich nicht zu füssen!" Spaniens Königin Vittoria Eugenie, die mit dem König und ihren Kindern gegenwärtig in Sevilla weilt, hat eine recht lobenswerte Bewegung gegen das Küssen der Kinder ins Leben gerufen. Englischen Blättern wird telegraphiert, ste habe aufs strengste verboten, daß ihre drei Kinder vom auch noch so loyalen Untertanen gefüßt werden, da ste der Ueberzeugung ist, daß durch solche Lieblosungen häufig Krankheiten übertragen werden. Jede spanische Mama, die etwas auf sich und ihre Kinder hält, folgte natürlich sofort dem fönigItchen Beispiele, und jetzt läuft alles, was furze Röcke und furze Hasen trägt, mit fleinen eleganten Täfelchen auf dem Rüden herum, auf denen zu lesen ist: Bitte, mich nicht zu küssen!" Meulich wollte die Frau des Obergärtners bont Alcazar die kleine, jetzt zwei Jahre alte Infantin Beatrice in der Neberwallung ihre Gefühle in die Arme schließen und füssen, was nur im letzten Moment noch von Aber einer strengen Bonne verhindert werden konnte. da hatte die Bonne ohne das Prinzeßchen gerechnet, denn diese ließ sich trotz des königlichen Verbotes die Liebkosung der alten Andalusierin gern gefallen. - Ein dringendes Bedürfnts. Es ist zu befürchten, daß den Zeitungen ein altgewohnter Quell der Belustigung ihrer Leser versiegen wird: daß die komischen Schulentschuldigungsbriefe, deren Abdruck so manches Lächeln hervorgerufen, immer seltener auf die Redaktionstische flattern werden. Denn Errungenschaft unserer Zeit! man hat jetzt vorgedruckte Schulentschuldigungszettel hergestellt. Eine Berliner Firma hat, wie wir in der ,, Bosstschen Zeitung" leserk, diesem von manchem unbeholfenen Schreiber sehnsüchtig empfundenen Bedürfnis endlich abgeholfen und liefert Blocks zu 6 Stück für 10 Pfennig in der Hoffnung, daß sie von solchen Eltern gern gekauft werden, die nicht imstande sind, sachgemäße Entschuldigungsschreiben auszustellen. Die Zettel haben folgenden Wortlaut:„, Sehr geehrter Herr Lehrer! Bitte meinem Kinde sein Fernbleiben vom Unterricht. wegütigst entschuldigen zu wollen. Hochgen achtungsvoll 27 Jahre im Zuchthaus. Unter den vom Prinzregenten von Bayern begnadigten Sträflingen befindet sich auch ein Allgäuer, Sohn einer geachteten Familie, der als 20jähriger Bursche aus Eifersucht seine Geliebte ermordet hatte, zum Tode verurteilt, dann von Ludwig II. zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt wurde. Er ist jetzt ungebrochen an Gesundheit und Körperkraft, mit der ge= setzlichen Bewährungspflicht entlassen worden. Seine Verwandten haben ihm vor seiner Entlassung schon aus reichende Beschäftigung in der Landwirtschaft zugesagt. Für den Aufenthalt der drei Söhne des deutschen Kronprinzen in Wien ist ein besonderes Programm ausgearbeitet worden. Im Schönbrunnr Schloß wird eine große Kindergesellschaft versammelt sein. Nachmittags wird eine Fahrt durch den Part unternommen und den Prinzen dabei die Menagerie gezeigt. Es soll bei dieser Gelegenheit eine große Ueberraschung für alle fleinen Herrschaften in Vorbereitung sein. Der große weibliche Elefant, der die Menagerie schon um ein schönes Eremplar bereichert hat, sieht Mutterfreuden für die allernächsten Tage entgegen, und es wird erwartet, daß das Elefantenbaby am 24. von den kleinen Hoheiten besichtigt werden kann. Da ein Elefant bei der Geburt nur achtzig Zentimeter hoch ist und schon munter um die Mutter herumspringt, ist den fürstlichen Kindern damit ein drolliges Schauspiel geboten. Schwarz als Modefarbe. In der Londoner Gesellschaft find in diesem Jahre für die Salons schwarze Wandteppiche und Tapeten Mode; nicht mehr lebhafte Farben und zarte Konturen, sondern schwarze Stoffe mtt rosenroten oder blauen Blumenmustern bedecken die Stühle, die Sessel und die Wände. Die Vorhänge sind von schwarzem Satin oder Kaschmir, die Kissen von schwarzem Samt. Die Papiertapeten werden gleichfalls von der neuen Mode beherrscht, und man findet überall Tapeten mit schwarzem Grund. Die Eintönigkeit der Trauerfarbe wird hter und da gemildert; man nimmt z. B. Vorhänge und Möbelstoffe mit schwarzem Grund und lebhaften Blumenmustern und dazu helle Wandtapeten. Man findet die schwarze Farbe sogar am Fußboden als Rahmen für Tapeten und Wandteppiche, in welchen rot und blau vorherrschen. Im übrigen, so bemerkt ein englisches Blatt, ist auch diese Mode nicht neu. Vor einigen Jahren sette eine berühmte Bühnenschönhett ihre Bekannten durch ein ganz in Schwarz und Gold ge= haltenes Boudoir nicht wenig in Erstaunen. Der„ Roman" eines Gauners. Vor einigen Jahren betrat in Rom ein Herr in der Uniform eines königlichen Adjutanten in der großen Oper bie Loge des eben erst neuernannten russischen Botschafters. Er machte seine Reverenz und, legitimtert durch seine goldstrogende Uniform, erklärte er der Botschafterin, die Köni= gin habe von weitem ihr kostbares Armband beobachtet und hege den Wunsch, es einmal aus der Nähe zu betrachten. Die Dame gab ihm den Schmuck- und Armband und Adjutant sah sie niemals wieder. Der Held dieser Köpenickiade, die er mit Stolz selbst zum besten gab, hatte sich dieser Tage vor der Frankfurter Straffammer zu verantworten. Aus dem gräflichen Ge= schlechte derer von„ Halwyl" angeblich abstammend, stand seine Wiege im schweizerischen Kanton Solothurn. Im jugendlichen Alter von 17 Jahren bandelte er bereits mit einem Mädchen an. Als sein Vater davon erfuhr, gab er ihm auf offener Straße eine derbe Ohrfeige. Darüber entpört, ging der junge Mensch nach Frankreich, wo er sich mehr schlecht als recht als Buchhalter unter dem schilchten Namen Wyler durchschlug. Später ging er nach Italien und will hier in Bologna Literatur und Philosophie studiert haben. Die weiteren Wanderungen führten ihn nach Spanien und Portugal. In Lissabon war er eine Zeitlang Journa list. Bei einem Abstecher nach Monte Carlo hatte er Glück an der Spielbank. Mit dem gewonnenen Gelde fuhr er nach Afrika und begründete einen Handel mit Seidenwaren. Auch tauschte er Elfenbein und Kautschuk ein. Mit einem Kapital von 15 000 Fr. will er dann den europäischen Boden wieder betreten haben. Auf dem Schiffe, auf dem er nun nach Frankreich zurückkehrte, befand sich auch der Herzog der Abruzzen, dem sich Wyler als Führer und Dolmetscher verdingte, denn er rühmt sich, acht Sprachen zu sprechen. Er machte auch verschiedene Expeditionen mit dem Herzog, der ihn eines Tages Professor Lombroso vorstellte. Das aber war fatal; denn der berühmte Professor entdeckte Wyler als besonderes interessantes Studienobjekt und schickte ihn kurzerhand in die Irrenanstalt nach Mailand. Nach wenigen Monaten gelang es Wyler aber, die Flucht zu ergreifen. Er kam nach Bukarest, fernte dort eine Zirkuskünstlerin fennen, mit der er an der österrei chischen Riviera herumreiste, bis ihm die Schöne lästig wurde, und betrat auf dem klassischen Boden Roms mi dem oben erwähnten„ Scherz" in der großen Oper die Ver brecherlaufbahn. Anfang August logierte er dann in einem erstklassigen Hotel zu München als Marquis Rosetta und stahl einer Dame einen Scheck über 500 Mark und Juwe len im Werte von 80 000 Mark. Merkwürdigerweise ist der Münchener Polizei von diesem Falle nichts bekannt. Ferner steht fest, daß Wyler in München, Augsburg, Nürnberg und Frankfurt als Paletotmarder auftrat, wobei der Metalldreher Gries, den er in München fennen gelernt hatte, sein Kompagnon war. Bei einem Versuche, im Frankfurter Pfandhause Paletots zu versetzen, wurden die betden Spießgesellen festgenomnien. Das Gericht verurteilte Wyler wegen Diebstahls in elf Fällen zu 4% Jahren Gefängnis, nahm an, daß er geistig gesund sei, ließ aber dahingestellt, was von seinen phantasti schen Erzählungen wahr sei. Und damit hat es natürlich fehr recht getan. Drabtnachrichten und neuestes. Der Kaiser in Glaube und Heimat". Kiel, 22. März. Der Kaiser und die Kaiserin fuhren gestern abend kurz vor 7 Uhr in Begleitung des Prinzen und der Prinzessin Heinrich ins Stadttheater, wo Schönherrs Tragödie Glaube und Heimat" gegeben wurde. Der Kaifer folgte den Vorgängen auf der Bühne mit gespannter Aufmerksamkeit. Zum Schluß der Vorstellung Iteß der Kaiser den Dichter Schönherr in die Loge bitten. Er äußerte sich zu ihm in Worten des höchsten Lobes über sein Stüd und sagte ungefähr folgendes: Die Vorstellung sei außerordentlich lebendig und besonders die Kaiserin sei von der Aufführung wie selten von einem anderen Stück gepact worden. Alles in ihm set echt und wahr. Er habe einen wunderbaren Theaterabend erlebt. Besonders erfreut set er, daß alles, was mit Religionsstreitigkeiten zusammenhänge, vermieden set, und daß der Dichter Schwergewicht auf das rein menschliche gelegt habe. Es sei nichts Theatralisches an dem Stück, sondern alles aus dem Leben ge= griffen. Er erwarte in Schönherr den deutschen Dichter, der in Deutschland bis jetzt noch fehle. Schönherr sei der Mann, diese Hoffnung weitester Kreise zu erfüllen. Zum Andenken verlieh der Kaiser dem Dichter eine große Bronzeplakette mit seinem Bildnis. Die Kaiserin war von der Vorstellung tief erschüttert. Ihr standen noch die Tränen in den Augen, als sie das Theater verließ." Dem Theaterdirektor überreichte der Kaiser den Roten Adlerorden vierter Klasse. Die elsaßz- lothringische Verfassungsfrage. Berlin, 22. März. Die Reichstagskommission für die elsaß- lothringische Verfassungsfrage nahm heute einen Antrag auf erweiterte Zulassung von Arbeitervertretern zur ersten Kammer mit großer Mehrheit an, lehnte aber in der Gesamtabstimmung den§ 6 betr. Zusammensetzung der Kammer mit großer Mehrheit ab.Ein Begrüßungstelegramm an den deutschen Reichstag. Wien, 22. März. Der Deutsche Nationalverband hat gestern folgendes Telegramm an das Präsidium des deut schen Reichstages gerichtet:„ Der Deutsche Nationalverband des österreichischen Abgeordnetenhauses beehrt sich, den deutschen Reichstag anläßlich der Feter seines 40jährigen Bestandes aufs herzlichste zu begrüßen." Die Vereinigten Staaten und Mexiko. Washington, 22. März. Wie von zuständiger Seite gemeldet wird, beabsichtigt die Regierung der Vereinigten Staaten nicht, sich in die inneren Angelegenheiten Merikos einzumischen, wenn nicht besondere Umstände dies erforder= lich machen. Präsident Taft erklärte, die Dauer des Aufenthaltes der Truppen an der merikanischen Grenze werde von der Entwicklung der Dinge abhängen. Der Kassierer als Dieb. Halle, 22. März. Als Verüber des vermeintlichen Diebstahls von 25 000 Marf bei der Sächsisch- Thüringischen Aftiengesellschaft für Braunfohlenverwertung wurde deren langjähriger Kassierer Kühne verhaftet. Kühne hatte Unterschlagungen begangen und fingierte, da er infolge der Fusion seiner Gesellschaft mit Riebecks Montanwerfen eine Entdeckung befürchten mußte, den Diebstahl. Verheerendes Schadenfeuer. Trier, 22. März. In Berrescheed brach gestern ein Großfeuer aus, das die ganze Nacht andauerte und bis jetzt acht Häuser und die Kapelle in Asche gelegt hat. Das Feuer wütet noch fort. Brand in einem englischen Hospital. London, 22. März. In einem Flügel eines Grafschaftsratshospitals brach Feuer aus und besonders die Abteilung für Kinder befand sich in großer Gefahr, da das aus Eisen erbaute Haus schon rotglühend wurde. Die Pflegerinnen arbeiteten heldenmütig an der Rettung der kleinen Patienten, unter denen eine wilde Pani herrschte. Es gelang, alle Kinder unversehrt fortzuschaffen, doch wurde eine Pflegerin durch die Explosion eines Feuerlöschapparates schwer verletzt. Bandel und Verkebr. Frankfurt, 21. März. Viehmarktpreise vom 20. März. Preise für 1 Zentner: Rinder: A. Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt ( Lebendgew.) M 50-55,( Schlachtgew.) M 91-95, öte noch nicht gezogen haben( ungejocht)( Lebendgew.) M 50-3, ( Schlachtgew.) M 91-93, 6) junge fleischige nicht ausge mästete und ältere ausgemästete( Lebendgew.) M 46-49, ( Schlachtgew.) M 83-89,) mäßig genährte junge, gut ge nährte ältere( Lebendgew.) M 40-45,( Schlachtgew.) M 74 bis 83. B. Bullen: a) vollfleischige ausgewachsene, höchsteit Schlachtwertes( Lebendgew.) M 44-48,( Schlachtgew.) M 73 bis 80, 6) vollfleischige jüngere( Lebendgew.) M 40-43, ( Schlachtgew.) M 66-71. C. Färsen und Kühe: a) vollflet schige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes( Lebend gew.) M 43-47,( Schlachtgew.) M 77-84, b) vollfleisch. aus gemästete ühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren ( Lebendgew.) M 42-46,( Schlachtgew.) M 78-83, c) 1. wenig gut entwickelte Färsen( Lebendgew.) M 38-42,( Schlachtgew.) M 73-81, do. 2. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe( Lebendgew.) M 34-41, ( Schlachtgew.) M 63-76, d) mäßig genährte Kühe und Färsen( Lebendgem.) M 28-38,( Schlachtgew.) M 56-66, e) gering genährte Kühe und Färsen( Lebendgew.) M 22-26, ( Schlachtgew.) M 50-59. D. Kälber: a) Doppellender feinste Mast( Vollmilch- Mast) und beste Saugfälber( Lebendgew.) M 56-60,( Schlachtgew.) M 93-100, c) mittlere Mast- und gute Saugfälber( Lebendgew.) M 52-55,( Schlachtgew.) M 88-93, d) geringere Saugfälber( Lebendgew.) M 47-50, ( Schlachtgew.) M 80-85. Schafe: A. Stallmastschafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthämmel( Lebendgew.) M 40 bis 41,( Schlachtgew.) M 84-86, b) ältere Masthämmel und gut genährte Schafe( Lebendgew.) M-,( Schlachtgew.) M B. Weidmastschafe: Schweine: a) vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg. Lebendgewicht( Lebendgew.) M 48-51,( Schlachtgew.) M 62-64, 6) vollfleischige Schweine unter 80 kg. Lebendgewicht( Lebendgew.) M 48-50, ( Schlachtgew.) M 62-64, c) vollfleischige Schweine von 100 bis 120 kg. Lebendgewicht( Lebendgew.) M 48-51,( Schlacht gew.) M 61-63, d) vollfleischige Schweine von 120 bis 150 Kg. Lebendgewicht( Lebendgew.) M 48-50,( Schlachtgew.) M 60-63. Kaiser's Malz- Kaffee unübertroffen das Pfund nur 25 Pfg. Zu haben in allen Filialen und Niederlagen von Kaiser's Kaffee- Geschäft, G. m. b. H. IVO PUHONNY. 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