piphanias. tthäus- Ge r. en männli 4 Uhr im Ihr: Ver d der Mar 8 Uhr in Apostelge 10% Ubr r Feier des er. Ausfeld Easgemeind eimer. nierten weil Verjam gend der J Uhr: Bibe olsheimer. 4 Uhr: Ve Lukas- 6 der kom meinde. 8 Uhr: 6 ie. hl. Beicht. mmunion. Festandacht teigerm urg bei f * 3ufammenh Jägerpfad) w zberg verfti Durchmesser ( 34-64 cm 22-47 cm 46 fm( 29-3 6 Buche= 0,2 el- und Weid olg. msburg, Poft m Ausgebot rauen ernwolle Sockengan Maschine! Sternwollen Sternwellen Il sind er Anzeige gena Bahrenfeld Kreuzplay, h. Herm. E Ne tlich geschi and Back aschine zu sehen! ch Hey x, Kessel. 1 rschmiede nkfurterstr.128 t, famil. in 6 Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den ZweigErscheint ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. jeden Werktag früh.- Die„ Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer. Nr. 19. - Tele phon: Nr. 362. Ein gemeinsamer Parteitag der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer des Großherzoglichen Polizei Amfes = Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Montag den 23. Januar 1911 F der Cbriftlich- und Deutsch- Sozialen Frankfurt a. M. und andere. fand gestern am Sonntag, den 22. Januar, in Frank furt a. M. statt. Derselbe war sehr gut besucht. Außer sämtlichen hessischen Wahlkreisen waren einige badische, nassauische Wahlkreise und der Kreis Wetzlar Altenkirchen vertreten. Zu Vorsitzenden wurden die Herren Großh. Oberbibliothekar Dr. He use r- Gießen und Oberlehrer Dr. Werner= Butzbach gewählt. In einer vortrefflichen Eröffnungsrede gedachte Dr. Werner des verstorbenen Abgeordneten Köhler- Langsdorf. Die Versammlung hatte sich von den Plätzen erhoben zum ehrenden AndenFerner sprachen noch der Arbeiter- Sekretär Sch I a= bach- Wetzlar, Oberpostsekretär ReinemuthEs wird darauf folgende Resolution angenommen: " Der gemeinsame Parteitag der Deutsch- u. Christlich- Sozialen in Frankfurt a. M. billigt die schließung des Gesamtvorstandes in der Sitzung der Parteien vom 11. Dezember und betont vor allem den Hauptpunkt, daß bei einer Wahlunterstützung anderer bürgerlichen Parteien nur der Grundsatz Leistung und Gegenleistung in Betracht kommen darf." Nach einer kleinen Pause nimmt lebhaft begrüßt von der Versammlung der Reichstagsabgeordnete Binde= wald( Alsfeld- Lauterbach) das Wort зи einem großzügigen Vortrag über die politische und wirtvon des Hansabundes und die entgegengesetzten Interessen ern- Bundes.( Brausender Beifall.) des Mittelstandes, sowie die Politik des liberalen BauDarauf nahm, ebenfalls freudig begrüßt, Reichstagsabgeordneter Behrens das Wort zum Vortrag über die wirtschaftliche und politische Entwickelung von der Reichsgründung bis in die Gegenwart". Besonders sprach Abg. Behrens über die im Wirtschaftsleben der Gegenwart wirkenden Kapitalkräfte. Lang anhaltender Beifall wurde dem Redner. Nach Schluß der Sitzung fand noch eine gesellige Zusammen funft im Kölner Hof statt. fen an den heimgegangenen tapferen Volksvertreter. Nachschaftliche Lage. Der Redner berührt dabei die Tätigkeit einem Rundblick über die Parteibewegung im Allgemeinen und in besonderer Berücksichtigung der hessisch en Verhältnisse, forderte Dr. Werner, auf die Organisation weiter auszubauen und vor allem die Parteipresse und die der Wirtsch. Vereinigung nahestehenden Zeitungen zu verbreiten. Unter den empfohlenen Zeitungen wurden ebenfalls die„ Gießener Zeitung" und die Wetzlarer Zeitung" genannt. Stadtverordneter RippelHagen nahm darauf das Wort zu einigen grundsätzlichen Ausführungen zu den anderen Parteien. Bisher haben die liberalen Parteien Gegensätze zwischen Deutsch- und Christlich- Soziale hervorzurufen versucht, um so im Trüben zu fischen.( Sehr richtig.) Wir aber gehören zusammen. Auch hat man bisher liberalerseits auf unsere Gutmütigkeit gerechnet, tut man das fernerhin, so verrechnet man sich.( Sehr richtig.) Wir werden in allen hessischen Wahlkreisen Kandidaten aufstellen.( Bravo.) Auch in Wiesbaden werden wir selbständig vorgehen. Arbeiten und nicht verzweifeln, dann werden wir auch Erfolge haben. er In der Diskussion sprachen Kaufmann Wege- Offenbach über die Stellung zu den Nationalliberalen in dem Wahlkreise Offenbach- Dieburg. Der Kandidat der Wirtsch. Vereinigung im Kreise Offenbach- Dieburg, Lehrer Dern, sprach darauf über seine politische Stellung= nahme bei der letzten Wahl als Kandidat der nat.lib. Partei und der anderen bürgerlichen Parteien. Die falsche Haltung der Liberalen bei der Finanzreform habe ihm zu der Ueberzeugung gebracht, daß ihm als na= tionalen Mann, diese das Vaterland in der Zeit der Not im Stiche lassenden liberalen Parteien nicht genügen. Die wahrhaft nationale Haltung der Wirtsch. Vereinigung, die zugleich eine richtige Mittelstandspoli tik treibe, habe ihn veranlaßt, sich der Politik der Wirtschaftlichen Vereinigung anzuschließen. Er habe die ihm angetragene Kandidatur gerne übernommen und werde gerne für eine christliche und nationale Politik eintreten.( Großer Beifall.) Oberpostschaffner Noll= Gießen sprach über die Parteiverhältnisse im Kreise Offenbach Dieburg. Pfarrer Schuster= Heeringen ( Kreis Erbach- Bensheim) hielt darauf einen großartigen historischen Rückblick über die Entwickelung des politischen Parteiwesens in Hessen und über die gegenwärtige Politik der Nationalliberalen im Reichstage und im Hessischen Landtage. Nachdem die Nationalliberalen stark von den Jungliberalen an die Seite der Freisinnigen gedrängt waren, sind sie jetzt auf einem Zug nach rechts begriffen. Denn mit den Nationalliberalen ist's schwach im Lande. Ihre einzigste Rettung soll der Bund der Landwirte sein, deshalb der Zug nach links. Den Jdiologen erscheint jetzt der Korell'sche Freisinn als Morgenröte. Unsere christlich nationale Volksbe= wegung aber gründe sich auf die schaffenden Bauern, Bürger, Arbeiter und alle anderen klarblickenden Männer im Lande. Wir müssen aber auch den Konservativen gegenüber hier im Westen eine flare Grenzlinie ziehen. ( Großer Beifall.) - = Herr Grüme- Frankfurt a. M. spricht über den Wandel der nationalliberalen Fraktion im Reichstag, die das Heidelberger Programm verließ und antinational bei der Erledigung der Reichsfinanzreform handelte.( Beifall.) Generalsekretär Hennigsen- Hamburg überbrachte die Grüße der deutsch- sozialen Parteileitung. Er mahnte besonders, nicht auf die Unwahrheiten und Verläumdungen der Gegner hereinzufallen. Es sei ein beliebter Wahltrik der Liberalen bewußt, Falsches zu verbreiten und dann den moralisch Entrüsteten zu spie len. Die Kampfesweise unserer Freunde sei stets loyal. Wenn das Gegenteil behauptet würde, so sei das eine be= Unwahrheit. Gerichtsurteile haben das zahlreich wiesen. Dann solle man den Nachrichten über„, E r- folge" der Gegner gegenüber stets skeptisch und gläubig begegnen. In der Regel seien diese„ Erfolge" grober Schwindel. Redner führt eine große Anzahl Beispiele dafür an. un= Aus dem Parteileben. Sozialdemokraten und Pfarrerwahl. Vor einem halben Jahre fand eine gar bewegliche öffentliche Volksversammlung in Thale a. Harz statt. Der Reichstagsabgeordnete Franz Behrens sprach mit durch aber schlagendem Erfolge; besonders bedeutungsvoll war, daß in der folgenden Aussprache zwei Füh rer der dortigen Sozialdemokratie in I a rheit und Wahrheit ihren Ueber= tritt zur nationalen Arbeiterbeweg= ung vollzogen. Jeder solcher Erfolg hat seine Vorgeschichte. Nächst Gott war es ein junger Domkandidat Riem, dessen treuer sellsorgerischer Arbeit und dessen klarem und wuchtigem Eintreten für eine christlich- nationale Arbeiterbewegung dieser Erfolg zu danken ist. Sohn eines alten und treuen Mitarbeiters von Johann Hinrich Wichern und Bruder des bekannten Astronomen Dr. Riem- Berlin hat Pastor Riem mit klarer Entschiedenheit in Thale auf christlich= sozialer Linie gewirkt. Drei Kursisten des Betheler Ausbildungskursus stammen aus Thale und der neu gründete evangelische Arbeiterverein geht fröhlich auf wärts. ge= daß Bei solcher Arbeit fühlt die Sozialdemokratie, es ernst wird. Sie hat den Christlich- Sozialen stets die Ehre besonders tatkräftiger Gegnerschaft erwiesen. Wie sie im großen alle Minen gegen einen Adolf Stoecker springen ließ, so tat sie es im kleinen wider Riem. Sein Seelsorgebezirk wurde selbständige Pfarrstelle. Der Führer der Sozialdemokratie, der längst aus der Landeskirche ausgetreten ist, leitete die Gegenagitation; ein auswärtiger Prediger namens Delze wurde zum offiziellen Kandidaten der Sozialdemokratie und erhielt 388 Stimmen, während auf Pastor Riem 236 Stimmen entfielen. Fürwahr eine ehren volle Niederlage. Die evangelische Kirche hat längst vor Bismarck dem Volke das gleiche und geheime Wahlrecht gegeben. Es ist unsere Freude, daß sie keinen Zensus kennt. Welche Gefahr aber darin liegt, daß das Wahlrecht ohne Qualifikationsbestimmungen gegeben wird, zeigt der Kampf in Thale, dem viele ähnliche folgen werden. Soweit die Sozialdemokratie revisionistisch gesonnen ist, wird sie sich mühen, das kirchliche Leben auszusaugen, charaktervolle und tüchtige Seelsorger zu Fall zu bringen und so das kirchliche Leben zu schädigen, so gut es mit Ausnutzung firchlicher Rechte möglich ist. = Lokal- Nachrichten. Gießen, den 23 Januar. * Eine Reichslebens- Versicherung für Arbeiter? Kommerzienrat Wilhelm Langenbach Darmstadt, der für die oberen Lohnklassen der Arbeiterschaft eine Reichslebensversicherung erstrebt und damit zugleich die Mittel gewinnen will für die Errichtung von Arbeiterwohnhäusern, hat It. Fr. 3tg." nunmehr zur Förderung seiner Ideen ein Komitee gebildet, dem Mitglieder der verschiedensten Interessengruppen angehören. Das Problem der„ Hypothekentilgung durch die Lebensversicherung" soll damit auch für die Arbeiterschaft seiner Lösung näher gebracht werden. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Ausschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. -n Gießen. In der Turnhalle an der Nord- Anlage führte gestern Sonntag abend der Evangel. Arbeiterverein das Volksstück„ Der Leiermann und sein Pflegekind" aul. Die Halle war bis auf den letzten Platz besetzt. Man muß dem Verein Dank sagen, daß er ein so umfangreiches Theaterstück geboten hat, dessen tiefer Sinn: Schäden des Alkohols und Wertschätzung der Treue und der Pflicht, auf das Publikum nicht ohne Eindruck geblieben ist. Allen Mitwirkenden aber besonderer Dank für ihre große Mühe, der sie sich unterzogen haben; der Evangel. Arbeiterverein kann sich zu diesen seinen für's Theaterspiel talentvollen Mitgliedern gratulieren. Recht nett und packend gegeben wurden die Hauptrollen: der Leiermann, das Pflegekind, die Bäckermeisterin und deren Neffe Wilms; originell war der Vagabund Fabian, frisch gegeben der Bäckermeisterin ihr Ladenmädchen Jette, wie auch die Bäckergesellen Knöllhammer und Striegelmeier. ** Gießen. Es sei an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht, daß für die Folge die Namen der Dienstboten nicht mehr auf den Qnittungen der Klinikbeiträge aufgenommen werden und die 3ahlung für das betreffende Vierteljahr ohne Rücksicht, ob ein Dienstbotenwechlel stattgefunden hat oder nicht, von der Herrschaft zu leisten ist. Auf Grund der so im Besitze der Herrschaft befindlichen Vierteljahrs- Quittung hat ein Dienstbote in einer der Kliniken freie Behand= lung und Verpflegung im Krankheitsfalle. Herrschaften, welche ständig zwei und mehr Dienstboten halten, haben auch dementsprechenden Beitrag zu leisten. -n Gießen. Heute Montag abend 8½ Uhr findet im„ Löwen" die Hauptversammlung der hiesigen Steinkohlen Bezugsgesellschaft, statt. Den Mitgliedern ist der Besuch der Versammlung sehr zu empfehlen. *) Wetzlar. Landgerichtsrat Staubing wurde zum Vorsitzenden der am 13. Februar bei dem Landgericht Limburg beginnenden Schwurgerichtsperiode ernannt. es )( Wetzlar. Die bloße Beschäftigung in einem Gewerbe bedinge noch nicht die Verpflichtung zum Besuche der gewerblichen Fortbildungsschule, sondern gehöre der ausdrückliche Wille des Vaters dazu, seinen Sohn auch das betr. Gewerbe lernen zu lassen. Diesen Standpunkt hat das hiesige Schöffengericht eingenommen. Bei einer Verhandlung gegen den Klempnermeister W. von hier, der gegen eine ihm gewordene Geldstrafe von 1 Mark, weil er seinen Sohn vom Besuche der Fortbildungsschule ferngehalten hat, Einspruch erhoben hat. (*) Groß- Rechtenbach. Ein aus Darmstadt gebürtiger Former B. hatte hier vor einiger Zeit gebettelt. Das Schöffengericht hat ihn dafür zwei Wochen Saft auferlegt. *)(* Kinzenbach. Vom Januar 1909 bis zum September desselben Jahres hat der hier wohnhafte Weißbinder Johannes Pfaff mit dem Zigarrenhändler St. aus Laubach( Hessen) eine Zigarrenfabrik betrieben. Der letztere hat Geschäftsgelder zur Deckung von Privatschulden verwendet, wozu er sich auf Grund der Abmachungen berechtigt glaubte. Eine gegen ihn erhobene Anklage am Schöffengericht Wetzlar brachte für den St. ein freisprechendes Urteil. * Das Kriegsgericht der 25. Division verurteilte den 21 Jahre alten Musketier des Inf.- Regts. Nr. 116 in Gießen, Georg Schmidt 5. von Hahn, wegen Körperverletzung, Falschmeldung, Belügens eines Vorgesetzten und Urlaubsüberschreitung zu 3 Wochen strengem Arrest. Schotten. Nach dem Arbeitsplan der Land' wirtschaftskammer und nach den Beschlüssen des Verbandes der oberhessischen Geflügelzuchtvereine wird im Laufe dieses Jahres hier eine Bezirksgeflügelausstellung für die Bezirke Schotten und Eschenrod stattfinden. Als Zeitpunkt ist Mitte Mai in Aussicht genommen. * Darmstadt. Die Erste Kammer der hessischen Landstände wird voraussichtlich vom Mittwoch, den 1. Februar, ab mehrere Plenarsizzungen abhalten und sich in erster Lesung mit der Beratung der Wahlrechtsvorlage beschäftigen. * Worms, 19. Jan. Bei der hiesigen Gewerbegerichtswahl hat sich die nationale Arbeiter= schaft glänzend geschlagen. Die in Worms noch ganz junge christliche Gewerkschaftsbewegung hat vor allen Dingen dazu beigetragen, daß ein solch schönes Resultat zustande kam. Von 3800 Wahlberechtigten haben 3036 abgestimmt. Es fielen auf die Liste der nationalen Arbeiterschaft 1629 Stimmen, auf die lozialdemokratische Liste 1407 Stimmen. Die nationale Liste hat demnach gesiegt. Von Arbeitgebern sind 64 wahlberechtigt; die 52 abgegebenen Zettel fielen auf die vorgeschlagene Listé. Trauertage unserer Marine. Aus Anlaß der Unterseebootskatastrophe, die bei uns die erste ihrer Art war, sind bisher nur die Unterseebootsfatastrophen anderer Länder verzeichnet worden. Da es sich aber um ein Unglück in unserer Marine handelt, so wird vielleicht auch eine Uebersicht über die bisherigen deutschen Marinekatastrophen von Interesse sein. Die erste große Katastrophe nach dem Kriege 1870/71 war das Unglück des Pauzerschiffes Großer Kurfürst", der im Jahre 1878 im Kanal von Dover zu Grunde ging. Es kamen dabei 21 Mannschaften um. Das Schiff wurde durch ein anderes Schiff angerannt. Sieben Jahre später wurde die„ Augu= st a", die sich auf einer Reise nach Australien befand, das Opfer eines furchtbaren Sturmes in der Nähe von Indien. Bet Samoa wurde der kleine Kreuzer Eber" im Jahre 1889 von einem Sturme an die vielen dort befindlichen Riffe geschleudert und ging mit der ganzen Besaßung zu Grunde. Diese Katastrophe forderte 12 Menschenleben, darunter einen Offizier. Einen größeren Menschenverlust hatte die Katastrophe des kleinen Kreuzers Adler" im selben Jahre, bet der 20 Menschen den Tod fanden. Im Jahre 1895 starben 13 Mann bei dem Untergang des deutschen Torpe= dobootes S. 41". Sechs Mann wurden gerettet. Ein Jahr später hatte unsere Torpedoflotte ein neues Unglück zu Beklagen, da das Torpedoboot S. 48" untersank und sechs Mann mit sich in das nasse Grab hinabzog. In aller Angedenken wird noch die vielbeschriebene und gerühmte Katastrophe des deutschen Kanonenbootes„ JItis" sein, die sich gleicherweise im Jahre 1896 ereignete. Das Kanonenboot wurde von dem Kapitänleutnant Braun kommandiert. Als es an der chinesischen Küste von Schantung untersank, brachte bekanntlich der Kapitänleutnant Braun drei Hurras auf unseren Kaiser aus, in die die Mannschaft begeistert einstimmte. Unter Absingung des Flaggenliedes gingen dann 5 Offiziere und 66 Mann unter und starben den Heldentod für das Vaterland. Ein Jahr später ist wieder ein schwerer Verlust zu beklagen, der noch durch die Persönlichkeit eines dabei zu Grunde gegangenen Offiziers Aufsehen erregt hat. Es handelt sich um das Tor= pedoboot S. 26", das im Jahre 1897 sank, und bei dem der Leutnant Herzog Friedrich Wilhelm zu MecklenburgSchwerin mit 8 Mann seinen Tod fand. Drei Jahre später wurde das Schulschiff Gneisenau" ein Opfer der Wellen bei Malaga, und der Korvettenfapitän Kretschmar fand dabei mit einer großen Anzahl Seekadetten und Mann der Besatzung seinen Tod. Von den letzten größeren Marinekatastrophen sind noch dret als schwer zu nennen. Das Kriegsschiff, a cht" sank im Jahre 1901 während einer Manöverübung in der Ost= fee. Die Rettungsvorrichtungen und der Heldenmut der Ka= meraden machten es möglich, daß nicht ein einziger Mann des Schiffes sein Leben verlor. Diese Rettungstaten werden gleicherweise wie die Rettungsarbeiten bei dem Unterfeeboot U. 3" mit goldenen Lettern in das Buch der Marinegeschichte sämtlicher Völker eingetragen werden. Neben einer Explosion auf dem Kreuzer Blücher" ist noch ein großes Unglück aus dem Jahre 1906 zu nennen, wo das Torpedoboot S. 126" zu Grunde ging. Der Unglücksfall, der sich im Dezember ereignete, wurde durch ein furchtbares Schneegestöber hervorgerufen, das eine Uebersicht nicht er= möglichte. Ein Panzerschiff, welches das Torpedoboot nicht sah, überrannte es, und dadurch wurde eine Kesiclerplofion erzeugt, die den Verlust der gesamten Mannschaft und des Torpedobootes zur Folge hatte. An Materialfehlern ist bisher noch kein deutsches Schiff zu Grunde gegangen, ebensowenig an Fehlern in der Leitung. Dafür aber haben gerade Schiffstatastrophen den Heldenmut unserer blauen Jungen im herrlichsten Lichte gezeigt. Schneckentempo in der Beratung der Zuwachssteuer. Die zweite Lesung des Zuwachssteuergesetzes erweist sich doch als zeitraubender, als man ursprünglich angenommen hat. Zwei Tage waren vorgesehen, aber schon den vierten Tag unterhält man sich über den Gesetzentwurf, der in seinem Grundgedanken so einleuchtend und klar, zugleich aber ein Beispiel für die Schwierigkeit ist, einen solchen Gedan= fen ohne Beeinträchtigung irgendwelcher berechtigter Interessen und unter Sicherung eines lohnenden Ertrages gesetzgeberisch auszugestalten. Hatte man unter Verzicht auf die Kommissionssitzung am Freitag auch schon um 11 Uhr vormittags begonnen, so ist man doch noch recht weit vom Ziel, und der Hindernisse sind mancherlei. ner der Linken bemühten sich, den Kommiffionsbeschluß aufrecht zu erhalten, Reichsschatsekretär Wermuth und der preußische Finanzminister Lenge, der das erste Mal im Reichstage auftrat, verwandten sich wiederholt und mit Nachdruck für die Aufrechterhaltung dieses Privilegs. Sie wiesen darauf hin, daß die Ausnahme der Landesfürsten aus staatsrechtlichen Gründen überall anerkannt würde, auch da, wo sie nicht geseglich festgelegt set, daß die Frage nicht vom vermögensrechtlichen Standpunkt betrachtet werden könne. Vom Zentrum schloß man sich dieser Auffassung an. Unmittelbar vor der Abstimmung verließen die Polen, die vorher eine erregte Aussprache in einer Ecke des Saales gehabt hatten, den Saal. Bei der Abstimmung erhoben sich für die Wiederherstellung der Steuerfreiheit des Landesfürsten und der Landesfürstinnen die Konservativen, die Reichspartei und die Reformpartei, das Zentrum mit einziger Ausnahme des Abg. Müller- Fulda, und der kleinere Teil der Nationalliberalen. Für den Kommissionsantrag stimmten die Sozialdemokraten, die Volkspartet, die Mehrheit der Nationalliberalen und die wirtschaftliche Vereinigung, sowie Abg. Müller- Fulda. Das war die Mehrhett. Die Stenerfreiheit des Landesfürsten und der Landesfürstin ist also abgelehnt. Schon bei Beginn der Sitzung drohte ein Zwischenfall. Es sollte geschäftsordnungsgemäß die Abstimmung über einen Antrag wiederholt werden, der gestern nur handschrift= lich vorgelegen hatte. Mehrheit und Minderheit hielten sich in dem vorläufig noch kaum besetzten Hause die Wage und es hätte die Auszählung des Hauses erfolgen müssen, die unzweifelhaft Beschlußunfähigkeit ergeben hätte, wenn das. Bureau sich nicht noch im letzten Augenblick einig gewor= den wäre. So wurde der Antrag, während er am Donnerstag angenommen war, gestern verworfen. Etwas lebhaft gestaltete sich die Situation sodann bei der Beratung der Steuerbefreiungen. Hier hatte die Kommission diejenige der Landesfürstinnen und Landesfürsten beseitigt. Ein konservativer Antrag, der vom Grafen v. Carmer begründet wurde, wollte sie wieder herstellen. RedDer Familienschmuck der Wallutjeffs. Kriminalroman von Freifrau G. v. Schlippenbach. ( Nachdruck verboten.) 12) „ Ich werde aber die Polizei auf ihn aufmerksam machen, ehe ich abreise," erklärte Clairon. Sie soll ein wachsames Auge auf den Kerl haben, der sehr berüchtigt ist. Ein wahrer Blutsauger, der die armen Leute prellt; auch Meunier mag ihn von dieser Seite kennen gelernt haben. Hiernach griff wieder die trockene Sachlichkeit Plaz, die sich am besten dadurch kennzeichnete, daß der Saal ziemlich verödet war und sich nur, wenn die Glockenzeichen zur Abstimmung riefen, wieder füllte. Vorübergehend war die Besehung so schwach, daß Vizepräsident Schult die einfache Abstimmung über einen Antrag kaum vornehmen konnte. Dann gab es wieder eine Geschäftsordnungsdebatte, bet der es etwas lebhaft wurde, weil an dieselbe eine Abstimmung anzuschließen pflegt, sich der Saal deshalb wieder füllt und sich bei Geschäftsordnungsfragen überhaupt die Gemüter leicht zu erhitzen pflegen. Meist wurden die Kommissionsbeschlüsse bestätigt und meist beteiligten sich wie schon an den vorhergegangenen Tagen fast immer dieselben Redner an der Debatte. Für die breite Oeffentlichkeit sind die Verhandlungen fast ohne Interesse. Die Kosten der Steuererhebung wurden nicht, wie der Abg. Bürgermeister Enno gewünscht hätte, den Einzelstaaten, sondern den Gemeinden auferlegt; einem Antrag Gröber gemäß wurde für Streitigkeiten das Reichsgericht als oberste Instanz über die Verwaltungsgerichte gesezt. Man kam bis zum Paragraph 49, der von dem Anteil der Gemeinden handelt. Dann war das Haus erschöpft und vertagte sich auf Dienstag, wo man endlich hofft, die zweite Lesung der Zuwachssteuer zu beenden. ,, Glauben Sie nicht, daß Meyer die Steine aus un serm Familienschmuck ausgebrochen hat, und sie einzeln zu verkaufen suchen wird?" fragte der Graf. ,, Nein, die Goldschmiedearbeit, die Fassung ist zu kunstvoll", versetzte der Juwelier stolz,„ der herrliche Schmuck würde viel an Wert einbüßen." „ Ich glaube aber, daß er die einzelnen Stücke zu verfaufen suchen wird," nahm Clairon das Wort ,,, das Perlentollier allein, die Diamantsterne einzeln und wahrscheinlich auch die Ohrgehänge." „ Aber wird es Ihnen möglich sein, das Geschmeide noch zu erkennen?" fragte Wallutjeff. Wieder lächelte Clairon überlegen, er wandte sich an den Juwelier mit den Worten:„ Bitte, sprich Du jetzt, Onkel." „ Ich will Ihnen ein Geheimnis verraten, Herr Graf," sagte Häuserling ,,, die Steine sind sämtlich gezeichnet von mir." ,, Wie?" rief Wallutjeff betroffen. " Ja, ich habe auf der Rückseite eines jeden ein Zeichen gemacht: zwei feine, übereinanderliegende Striche, die mit dem bloßen Auge nicht sichtbar sind. Nur durch eine haarscharfe Lupe sind sie zu erkennen, ich gebe diese Lupe meinem Neffen mit." Rundschau vom Cage. Politisches. Ein Wechsel im preußischen Kriegsministerium? Nach einer Berliner Meldung sollte Kriegsminister Frhr. von Heeringen amtsmüde und zu seinem Nachfolger der General v. Woyrsch in Breslau ausersehen sein. Er erklärte einem Vertreter des Breslauer„ Generalanzeigers" auf seine Anfrage, daß ihm in dieser Angelegenheit keinerlei Mitteilung zugegangen sei, und daß er die Meldung als auf Irrtum beruhend ansehen müsse. ,, Wie liebenswürdig Sie in der Fürsorge um unsern Talismann sind," sagte Wallutjeff warm. ,, Wußte meine Mutter darum?" Für die Kandidatur Bassermanns bei den nächsten Reichstagswahlen ist nach der„ Nationalztg." jetzt endgültig der Wahlkreis Saarbrüden ausgesucht worden, dessen nationalliberaler Vertreter Justizrat Bolt sich nicht wieder aufstellen lassen will. Er erhielt bei der letzten Wahl 21 334, der Zentrumskandidat 19 183 und der Sozialdemokrat 2922 Stimmen. In der Stichwahl siegte Bolt mit 22 668 gegen 21 220 Zentrumsstimmen. Bassermann war schon früher einmal für Saarbrüden in Aussicht genommen. Der aus dem großen Greifswalder Landratsprozesse bekannte Rittergutsbesizer Becker wird Pommern verlassen. Er hat sich nach Besichtigung verschiedener Liegenschaften im Hessischen entschlossen, sich in der Villa Meckendorf in Bensheim an der Bergstraße niederzulassen. Becker hat bereits den Umzug nach dem Süden angetreten und wird voraussichtlich dort bleiben, bis seine Prozeßsache entschie= den ist, die bekanntlich nach eingelegter Revision jetzt das Reichsgericht beschäftigen wird. anvertraut ist, die eine solche prinzipielle Geringschäzung der Frau öffentlich bekunden. So sehr wir an sich die gemeinsame Arbeit von Mann und Frau an der Mädchenerziehung wünschen, so überzeugt sind wir doch davon, daß Männer, die sich etwas zu vergeben fürchten, wenn sie die Leistungen einer Frau ohne Rücksicht auf ihr Geschlecht rein sachlich anerkennen, nicht berusen sind, die weibliche Jugend für die Erfüllung der Aufgaben tüchtig zu machen, die der Frau heute im Familien- und Volksleben zufallen. Die Regierung des Großherzogtums Hessen hat erklärt, daß an der männlichen Leitung der Mädchenschulen festgehalten werden soll. Diese Entscheidung wird auf eine Cingabe an das Ministerium zurückgeführt, die von sämtlichen Lehrern der höheren Mädchenschulen Hessens unterschrieben war. Der Hauptausschuß des Vereins für Sozialpolitik hat beschlossen, die diesjährige Generalversammlung des Vereins Ende September oder Anfang Oktober in NürnbergFürth abzuhalten. Themata für diese Tagung werden Referate über die Gemeindefinanzen und über Lebensläufe der modernen Industriearbeiter sowie ihre Anpassung an di eArbeitsbedingungen der neueren Technik sein. Der Unterausschuß für Volkssparwesen stellt in seinem Berichte für die nächste Zeit die ersten Arbeiten über die Bedeutung und die Bedingungen der Spartätigkeit des deutschen Volkes in Aussicht. Gegen die Petition aus Oberlehrer- und Lehrerkreisen, die sich gegen die Zulassung von Frauen zur Leitung von Mädchenschulen wendet, protestiert die organisierte Lehrerinnenschaft Preußens in einer Erklärung, in der es heißt: Wir bedauern, daß die Erziehung von Mädchen Männern ,, Nein, ich wollte es ihr selbst mitteilen, da fam das Unglück dazwischen. Aber sie sagten eben, der Schmuck sei ein Talisman. Wie soll ich dieses Wort deuten, Herr Graf?" Wallutjeff zögerte erst, den beiden in seinem Interesse tätigen Männern die alte Sage zu erzählen. Endlich tat er es doch. nur in ammerg New bourne rischen zuverlä Jahre 1 wurde. ( fieben nent be wurde erften Fü Hane inhaber follen Der experim geschichte Türkische Millionen in deutscher Verwaltung. türkische Finanzminister gab Anweisung, daß die zur Verfügung des Staates bei der Deutschen Reichsbank ruhenden Depots des abgesetzten Sultans im Gesamtbetrag von etwa dreizehn Millionen Mark, welche in deutschen, französischen und englischen Staatsfonds angelegt sind, an die Deutsche Bank übertragen werden, um dort für Rechnung des türkischen Staatsschatzes weiter verwaltet zu werden. ,, Sie werden begreifen, wie viel mir an der Wiedererlangung liegen muß," schloß er seinen Bericht,„ ich bin bereit, jeden geforderten Preis zu zahlen, wenn Sie in die Lage kommen, den Schmuck zurückzukaufen. Schon um meiner Frau willen, die, ich fürchte es, ungleich schwerer unter dem Verlust leiden wird. Sie war außer sich, als die Depesche ankam, die den Tod Andreis und den Verlust des Familienstückes meldete." Kleine Nachrichten. Ueber den ehemaligen Reichstagsabgeordneten Schack teilt der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband im Briefkasten seines Organs mit, daß Herr Schack nach seiner eigenen Erklärung sich demnächst selbständig machen wird." Danach hat Schack auf eine politische Betätigung für die Zukunft also verzichtet. Dem Carnegie- Institut hat der Begründer Carnegie weitere 10 Millionen Dollars gestiftet. Damit beläuft sich die Gesamtsumme seiner Stiftungen für das Institut auf 25 Millionen Dollars. Zu den Festlichkeiten in Peking aus Anlaß der Auwesenheit des deutschen Kronprinzen hat die Meißner fönigliche Porzellanmanufaktur das Tafelgeschirr geliefert. Ea ist in 16 Kisten verpackt fürzlich nach Beking abgegangen. Auch andere Gegenstände zur Tafelausstattung, wie Silbergerät, Glas und Leinen, sind vom Pekinger Hof aus Dresden und Berlin bezogen. „ Ich werde wohl einen gewiegten Detektiv zu Hilfe nehmen müssen, wenn ich erst weiß, wohin Meyer geflohen ist," sagte Clairon,„ einen Mann, der genau über die fremde Stadt und seine Bewohner unterrichtet ist. Ich selbst darf um alles in der Welt meine Rolle nicht verraten und muß überall als harmlose Privatperson auftreten. Ich bin zwar mit Meyer an jenem Abend flüchtig zusammengeprallt, hatte aber den Hut tief ins Gesicht gezogen und den Regenschirm aufgespannt, so daß er mich kaum betrachtet haben kann. Als der Diener fortfuhr, traten Häuserling und ich in die Ladentür. Ich stand zum Glück hinter meines Ontels breiter Gestalt, sodaß Meyer mich auch da nicht gesehen haben kann. Zur Not würde auch ich eine Verkleidung annehmen, die mich unfenntlich macht, selbst für Augen, die mich oft gesehen haben." Der Briefkasten des Dienstmädchens. Bei einer Münchener Herrschaft hat sich das neu eingetretene Dienstmädchen, ohne vorher zu fragen, einen besonderen Briefkasten an dem Korridor anbringen lassen für ihre umfangreiche Privatkorrespondenz. Die Maid erklärte, daß sie es bei ih> rer früheren Herrschaft auch so gehalten habe. Ich bitte Sie noch einmal, Herr Clairon, meine Börse nicht zu schonen," sagte Wallutjeff.„ Es kommt mir nicht auf das Geld an. Honorieren Sie diejenigen, die Ihnen zur Erreichung Ihres Auftrages notwendig erscheinen, reichlich. Ihnen werde ich mich immer tief verpflichtet fühlen." Große Unterschlagungen sind bei der Kreissparkasse in Zell a. d. Mosel aufgedeckt worden. Vor einiger Zeit ist der Gegenbuchführer Johannis nach Entnahme von 25 000 Mark aus der Kasse geflüchtet. Der Rendant der Kasse, Müller, hat jetzt eingestanden, daß er früher selbst 30 000 Mark unterschlagen habe. Ein Grubenunfall, der noch einen ziemlich glimpflichen Ausgang genommen hat, hat sich auf der Grube„ Neue Hoffnung" in Pömmelte( Provinz Sachsen) ereignet. Durch Schlemmsand wurden sieben Arbeiter vom Rückweg abge schnitten. Der Rettungsmannschaft gelang die ungemein schwierige Rettung von sechs Personen. Ein Arbeiter war bei dem Eintreffen der Retter tot. Unfall eines französischen Unterseebootes. Aus Toulon wird gemeldet, daß das Unterseeboot Gayluffac" infolge eines verfehlten Manövers plöblich umtippte(?) und 20 Meter tief sank, aber dank der Geistesgegenwart des Kommandanten mit eigenen Mitteln wieder emporkommen fonnte. Einen Mordversuch gegen seine Braut unternahm ein Bergmann aus Essen, weil sie sich wegen seines schlechten Lebenswandels von ih mlosgesagt hatte. Er gab zwet Nevolverschüsse auf sie ab, ohne zu treffen, und tötete sich dann selbst durch einen Schuß in den Kopf. Von einem Signalmast erschlagen wurde in Barmen ein verheirateter Rangierer. Er stieß mit dem Kopf so heftig gegen einen Signalmast, daß ihm der Schädel zertrümmert wurde. Eine Dorstragödie spielte sich in der Nähe von Innsbruck ab. Eine Bäuerin erwürgte nachts ihre eigene fechzehnjährige Tochter, von der sie glaubte, daß sie mit ihrem Manne ein Liebesverhältnis unterhalte. Als die Mordtat entdeckt wurde, floh die Mörderin und beging Selbstmord. Die Schwester der Ermordeten wurde vor Schmerz wahnsinnig und mußte in eine Irrenanstalt gebracht werden. 443 Todesurteile haben die russischen Militärbezirksgerichte im Jahre 1910 gefällt. Von dieser Zahl ist der größte Teil in Zwangsarbeit und Deportation umgewandelt worden. Immerhin wurden noch 129 Urteile vollstreckt. Wissenschaft, Kunst und Literatur. Ein neues Passionstheater wird nach Beschluß des Theatervereins in schwäbischen Markt Waal bei Augsburg, dem Site des Fürsten von der Lenen, erstehen. In dem uralten Ort fanden schon lange Passionsspiele in einem steinernen Theater statt. Jeßt aber soll ein neues für 3000 Zuschauer gebaut, im Herbst 1913 bezogen und damit, zwischen den Mit einem gewinnenden Ausdruck reichte Wallutjeff dem Geheimpolizisten die Hand, die dieser warm drückte. ,, Noch eins bleibt mir zu tun übrig, sagte Clairon. „ Ich werde jetzt zum Bahnhof gehen, um den Fahrkartenverfäufer über die alte Dame, alias Meyer, auszufragen. Ich möchte wissen, bis wohin der Mörder zunächst die Fahrkarte genommen hat." „ Ich bitte Sie beide, morgen nachmittag zu mir zu kommen," sagte Wallutjeff ,,, wir wollen meinem armen, treuen Andrei das letzte Geleit geben." Häuserling und sein Neffe versprachen es. Dann trennte man sich. Wallutjeff schrieb einen langen Brief an seine Frau und schiderte ihr alles, was sich zugetragen hatte. Er suchte sie zu beruhigen und sprach seine Hoffnung aus, daß es Clairon glücken werde, den gestohlenen Familienschmuck wiederzufinden. Jegor bat Maria zum Schluß, das Beste zu hoffen. Ich denke, in einigen Tagen abreisen zu können," so schloß Wallutjeff seinen Brief.„ Ich bringe die Leiche unserer teucen Mutter nach Walkowa, dort soll sie in unserem Erbbegräbnis ruhen." Um fünf Uhr nachmittags bewegte sich am nächsten Tage ein Trauerzug nach dem Luzerner Friedhof; man brachte den armen Ermordeten zur Ruhe. Jegor Alexejewitsch ging hinter dem Sarge her; es folgten Häuserling, Jrinja und Clairon, mehrere Bedienstete aus dem Hotel National, die den Verstorbenen in der kurzen Zeit seines dortigen Aufenthaltes kennen und lieben gelernt hatten. Auch viele Fremde und Neugierige schlossen sich an. Lang= sam sank der lange, schwere Sarg in die Gruft, nassen Auges blickte Wallutjeff ihm nach. - ,, Ruhe im Frieden, du treuer Mann," dachte der Graf ,, ich will nicht eher rasten, bis ich an Deinem ruchlosen Mörder Gerechtigkeit geübt habe."- - Fortsetzung folgt.) Die Straßen wurde nis ver ein 161 je fechs iprochen. 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Hofrat Dr. Hans Meyer, der bekannte Forschungsreisende und Mitinhaber des Bibliographischen Instituts 150 000 Marf. Sie sollen Verwendung finden zum Ausbau der Institute für experimentelle Psychologie und für Kultur und Universalgeschichte. Aus den Gerichtssälen. Die Streiffrawalle in Bremen aus Anlaß des dortigen Straßenbahnerstreifs beschäftigten gestern das Gericht. Es wurde eine 17jährige Arbeiterin zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, ein 16jähriger Arbeiter zu drei Monaten, ein 16jähriger Arbeiter und ein 16jähriger Schreiber zu je sechs Wochen. Ein 15jähriger Schreiber wurde freige= sprochen. Vermischtes. Die Trauerfeier für die verunglüdten Offiziere des Unterseeboots, 3" hat Freitag nachmittag in der Kieler Garnisonkirche stattgefunden. Auch Prinz Waldemar von Preußen nahm daran teil. Die Särge der beiden Verunglückten waren vor dem mit Lorbeer und Balmen geschmückten Altar aufgebahrt. Zu Füßen lagen KranzSpenden des Kaiserpaares, des Prinzen und der Prinzes= sin Heinrich, des Staatssekretärs des Reichsmarineamts und vieler Marinebehörden. Nach einem Gesange der Gemeinde hielt der Militäroberpfarrer Konsistorialrat Gödel eine ergreifende Ansprache, in der er der bis zum letzten Atemzuge getreuen Pflichterfüllung der Helmgegangenen gedochte. Nach der Feier wurden die Särge von Unteroffizieren aus dem Gotteshaus getragen und auf vierspännige Leichenwagen gehoben. An dem Zuge nahmen teil eine Ehrenkompanie der ersten Matrosendivision mit der gesamten Musik, die ortsanwesende Admiralität, die dienstfreien Offiziere, Mannschaftsabordnungen sämtlicher in Kiel anwesenden Kriegsschiffe und Marineteile, Vertreter der Stadt-, Reichs- und Staatsbehörden, endlich Fahnenabordnungen aller Krieger- und Militärvereine aus Kiel und den übrigen Ortschaften an der Kieler Föhrde. In den Straßen, durch die sich der Zug bewegte, wehten viele Trauerfahnen. Die Kriegsschiffe hatten sämtlich halbmast geflaggt. Auf dem Bahnhof wurden bie Särge in einen Sonderwagen gehoben. Nach einem furzen Segensspruch und Gebet des Geistlichen trat die Ehrenkompanie vor und gab über den Särgen drei Salven als letzten Gruß der Marine ab. Neue Rodefunfälle. Auf einer steil abfallenden Rodelbahn in der Dresdener Vorstadt Plauen prallte die Ehefrau eines Gendarmen, die in voller Geschwindigkeit die Bahn hinabfuhr, mit solcher Gewalt gegen einen Pfahl, daß der Schlitten zerschellte. Die Unglückliche wurde entsetzlich zugerichtet und starb auf der Stelle. Der 45jährige Postassistent Paul König aus Dresden, der auf einer Rodelbahn bei Loschwitz schwer verunglückte, ist gestern seinen Verlegungen erlegen. Insgesamt sind in den letzten Tagen in Tresden und in der weiteren Umgegend etwa 100 mehr oder weniger schwere Rodelunfälle vorgekommen. Die Furcht vor dem Polizeihunde. In Elsterwerda wurde vor einigen Tagen ein Diebstahl begangen. Einem Geschirrführer wurde ein höherer Geldbetrag aus der Tasche gestohlen. Der Polizeihund„ Held" sollte kommen, doch leider ging dies nicht gleich. Immerhin pflanzte es sich von Mund zu Mund fort: Morgen früh um 9 Uhr tommt der Polizeihund! Alles war in großer Aufregung, am meisten vermutlich der Dieb. Denn am frühen Morgen fand der Bestohlene sein Geld wohlverwahrt wieder vor, und„ Held" brauchte nicht in Tätigkeit zu treten. Das Schicksal eines Prinzen. In Mailand wurde ein armer Teufel verhaftet, der seine Droschke nicht bezahlen konnte. Er wurde als Prinz Ferdinand Alfons de Lignori aus dem Hause des Fürsten Bresina in Lugano identifiziert. Man fand bei ihm eine leere Schnapsflasche und Briefe des päpstlichen Geheimsekretärs Bressan, in denen er dem Prinzen rät, sich mit seiner von ihm getrennt lebenden Frau auszusöhnen und inzwischen ins Kloster Montecassino zu gehen. Der Prinz wurde einem Temperenzlerinstitut übergeben. Zu den Goldfunden in der Eifel wird der Köln. Ztg. von einem Fachmann auf Grund der Resultate einer eingehenden Untersuchung über die Lagerstätten in der Eifel mitgeteilt, daß die Spekulation in sehr übertriebener Weise eingesetzt habe und in ihren Erwartungen weit über das Ziel hinausschieße. Auf Grund genauester Berechnungen fönne man annehmen, daß jetzt ein Arbeiter pro Tag 12 Gramm Gold zu Tage fördert. Eine genügende Ausdehnung der Lagerstätten sei vorhanden, aber dann ergebe sich auch wieder die bedeutungsvolle Frage, ob man mit genügend Wässern zur Abwässerei rechnen könne. Wenn man alles dies gebührend berücksichtige, so komme man zu dem Ergebnis, daß eine Rentabilität des Abbaues sich nur unter der Voraussetzung erhoffen lasse, daß sich späteruin ein größerer Goldgehalt des Gesteins herausstellt, als die bisherigen Mutungen zu Tage gefördert haben. Einen Aufruf zur Sammlung von Geldern für die Errichtung eines Alters- und Invalidenheims für deutsche Seeleute erläßt das Präsidium des Deutschen Flottenvercins. In dem Aufruf heißt es:„ Noch bleibt viel Not zu lindern übrig in der großen Menge der Seeleute, die im Frieden infolge unausgesetzter anstrengender Arbeit, im Kampfe mit Wind und Wetter und unter den verderblichen Einflüssen der Tropen ihre Gesundheit verloren haben und frühzeitig gealtert sind, die, während sie ihr Leben auf den Meeren zubrachten, zu Hause heimatlos wurden und nun einem trüben, einsamen Lebensabend in Not und Krankheit entgegengehen. Hier helfend einzugreifen ist eine Aufgabe, bei der mitzuwirken gewiß viele in unserem Verein bereit sein werden, und so haben wir es mit Freuden begrüßt, daß ein langjähriges, treues und besonders opferwilliges Vereinsmitglied uns durch lettwillige Verfügung eine erhebliche Summe als Grundstock für Sammlungen zugesichert hat, deren Ergebnis der Versorgung alter und invalider Seeleute der Kriegs- und Handelsmarine gewidmet werden soll. Wir wenden uns daher an alle unsere Mitglieder, besonders auch an die im Ausland lebenden, denen ja die Verdienste unserer waderen Seeleute am besten bekannt sind, mit der herzlichen Bitte um Beiträge nach Makgabe ihrer Mittel, um recht bald an die Ausführung des großen Werkes gehen zu können. Auch die kleinsten Gaben unserer weniger bemittelten Mitglieder sind uns willkommen, die gewiß nicht abseits stehen wollen, wenn es gilt, Not und Elend zu lindern." Eine wohlhabende Almosenempfängerin. Mitte Dezember v. J. starb in Berlin die 76 Jahre alte Witwe Kollinsti, die in der Lothringer Straße im Keller eine Wohnung innehatte. Seit dem vor einem Jahre erfolgten Tode ihres Mannes, der Pantoffelmacher gewesen war, erhielt sie Armenunterstützung. Die Frau lebte in den allerdürftigsten Verhältnissen, sie schlief in einem Waschfaz und ernährte sich nur äußerst mangelhaft; nur dem Schnaps war sie zugetan und hatte hierfür immer Geld übrig. Jn ihrem Keller sammelte sie ganze Berge von Lumpen an. Nachdem der Tod sie ereilt hatte und sie auf Kosten der Armendirektion beerdigt worden war, kamen ihre Erben, die vermuteten, daß die Verstorbene Geld zusammengebracht haben müsse, und durchsuchten die vor Schmutz starrende Kellerwohnung. Unter Lumpen und Schutthaufen fand man 1000 Mark in Gold, einen Beutel voll Fünfmarkstüde, und weiter in den Kleidern Papiergeld eingenäht. Die gesamten Lumpen wurden sodann für 10 Mark es waren gegen fünf Zentner an einen Produktenhändler verkauft. Als dessen Frau zufällig ein Keilkissen auftrennte, um dessen Füllung zu verwenden, fand sie darin ein Sparkassenbuch über 1700 Mark, die bei der Sparkasse in Pantow angelegt waren. Die Frau händigte das Buch den Erben aus, die ihr 100 Mark Finderlohn bezahlten. Im ganzen dürfte sich der Nachlaß der Verstorbenen auf etwa 4000 Mark belaufen. - Ein folgenschweres Grabenunglück hat sich zwischen Sosnovice und Granica an der schlesischen Grenze ereig net. Bei einem Brand in der Grube„ Casimir" sind, soweit bisher festgestellt werden konnte, über vierzig Bergleute in den Flammen umgekommen. Das Unglück ereignete sich auf der zweiten Sohle, in der an einer abgebauten Sohle das Feuer zu einer Zeit ausbrach, als über 40 Grubenleute dort arbeiteten. Der beißende Rauch drang an die Arbeitsstätte, und die Bergleute bemerkten entsetzt, daß ihr Leben in Gefahr sei. Laute Schreie ertönten. Alles stürzte nach dem Ausgang. Die Gefahr war sehr groß; die Leute warfen ihr Handwerkszeug und ihre Kleidung von sich, um schneller laufen zu können. Gleichzeitig ordneten Beamte die Absperrung des Brandherdes an. Sämtliche Opfer sind Familienväter. Die Grubenverwaltung vermeigert jede Auskunft über das Unglück. " Früh krümmt sich"! Wie alte Verbrecher arbeiten" zwei entsprungene Fürsorgezöglinge, die gestern von der Berliner Kriminalpolizei festgenommen wurden. Ein Max Zyballa und ein Karl Schüler entwichen am 11. November v. J. aus der Anstalt zu Strausberg, trieben sich seitdem in Berlin umher und lebten nur von Diebstählen. Die Burschen lagen den ganzen Tag auf der Straße und kundschaf= teten aus, wo ein Ding zu drehen" sei. Von ihren vielen Straftaten seien nur zwei erwähnt. Eines Nachmittags um 4 Uhr schlich sich Zyballa in einen kleinen Kleiderkeller, während der Geschäftsinhaber sich in einem Raum hinter dem Laden aufhielt. Er versteckte sich zwischen den Kleidungsstücken, die an den Riegeln hingen, bis nach Geschäftsschluß. Nachdem der Geschäftsmann weggegangen war, und seine anderswo gelegene Wohnung aufgesucht hatte, schraubte der Bursche die Tür von innen auf, nahm die Ladenkasse von 80 Mart an sich und ging mit seinem Spießgesellen, der draußen gewartet hatte, unangefochten davon. In einem Schuhmacherkeller der Neanderstraße sah Zuballa, wie die Kunden hinuntergingen und herauffamen, und hatte bald heraus, daß die dritte Treppenstufe beweglich war und mit einer Klingel im Wohnraum in Verbindung stand. Als der Laden wieder einmal leer war, sprang 3yballa über diese bewegliche Stufe hinweg in den Keller hinein, erbrach mit einer Schere, die auf dem Ladentische lag, die Kasse und steckte deren Inhalt ein. Als er damit gerade fertig war, kamen die Töchter des Meisters aus dem Wohnraum nach dem Laden, sahen, daß die Kasse erbrochen war, und er= hoben ein großes Geschrei. Der Bursche hatte gerade noch Zeit, hinter einen großen Karton zu kriechen, der in einer Ecke stand. In der Verwirrung blieb er unentdeckt. Eines der Mädchen trat sogar auf seine Füße, die unter dem Karton hervorragten, ohne es zu merken. Während man lief, um die Polizei zu holen, entschlüpfte der Dieb. Bei den Nachforschungen nach den jugendlichen Dieben sahen Krtminalbeamte sie in ein Haus der Andreasstraße hineingehen, konnten sie aber dort nicht finden. Später ergab sich, daß sie am Torweg eine Platte hochgehoben hatten und dann durch einen Schacht in den Keller eingestiegen waren. Von unten aus hatten sie die Platte wieder zurecht gerückt. Die Burschen benutzten den Keller schon lange als Nachtlager. Als Zyballa ihn jetzt in der Frühe durch den Schacht verlaffen wollte, wurden er und Schüler ergriffen. Opfer der Fremdenlegion. Der Ulan Birkel von der ersten Eskadron des Rheinischen Ulanenregiments in Saarbrücken war im Sommer v. J. fahnenflüchtig geworden und ließ sich dann bei der Fremdenlegion anwerben. Durch die Anstrengungen und Strapazen im Marokkofeldzuge wurde er herzleidend, worauf wegen Dienstunbrauchbarkeit seine Entlassung erfolgte. Schwerkrank wurde er an die Grenze abgeschoben und stellte sich dann freiwillig bei seinem Truppenteil. Er mußte jedoch sofort dem Lazarett überwiesen werden. Jetzt ist Birkel zur Beobachtung seines Geisteszustandes der öffentlichen Frrenabteilung des Militärlazaretts in Straßburg zugeführt worden. Aus alten deutschen Hofordnungen. Der kulturgeschichtliche Wert der alten deutschen Hofordnungen darf ziemlich hoch angeschlagen werden, denn sie gewähren uns einen ziemlichen Einblick in das Leben und Treiben an deutschen Höfen in früheren Jahrhunderten. Aus einer von Herzog Ernst zu Sachsen- Gotha unter dem 1. Februar 1648 erlassenen Hofordnung ersieht man, daß das Mittagessen um 3/11, das Abendessen um 3/6 aufge= tragen wurde. Bei Androhung ernster Strafe wird den Bedienten verboten, verschlossene Gemächer und Behälter zu erbrechen, um Kleinodien, goldenes Geschmeide, goldene oder silberne Münzen, Perlen, Silbergerät und andere mit dem herzoglichen Namen und Wappen gezeichnete wertvolle Gegenstände zu entwenden. Niemand sollte sich gelüften lassen, von der Suppe und anderen Speisen zu essen und zu, flauen", bevor man sich bei Hofe zur Tafel gesetzt hätte. Gemäß einer Stolbergischen Hofordnung vom Jahre 1735 sollten sich die Pager und Kammerlafaien bei Strafe des spanischen Mantels alles Naschens aus den Schüsseln und Trinkens des übriggebliebenen Weines enthalten. Bei der Speisung an den Beitischen hatten sie sich still und sittsam aufzuführen und während der Mahlzeit alle unnützen, sündlichen und ärgerlichen Reden zu vermeiden. Eine hessendarmstädtische Hofordnung aus dem Jahre 1718 unterrichtet uns von hochschädlichen Konfusionen", die aus der Speisung des weiblichen Hofpersonals entsprungen seien. Der Kammerfrau der Erbprinzessin wird zum Vorwurf gemacht, sie habe sich zwischen den Mahlzeiten allerlei Viktualien zum Kochen und Backen verabfolgen lassen. Der Hoftonditorei wird eingeschärft, fernerhin naschsüchtigen Hoffräuleins nicht mehr nach deren Belteben Kaffee, Tee, Zucker und Konfitüren auszuhändigen. Mit den Frühsuppen für die adeligen Fräulein wäre es ebenio au halten wie früher: wenn eine die ihr geschickte Suppe nicht annehmlich" fände oder fle zurückschickte und eine andere begehrte, dann sollte ihr an demselben Tage überhaupt keine Suppe mehr ferviert werden. Dem Mundschenk wird bei Strafe der Kassation verboten, den Hoffavalieren nach ihrem willkürlichen Verlangen die großen Deckelgläser mit Wein füllen zu lass sen. Das starke Trinken und Vollsaufen, das dem Hofe nur zur Unehre gereiche, solle abgestellt werden. Eine Frauenzimmerordnung der Herzogin Sophie von Mecklenburg aus dem Jahre 1654 wirft auf die höfische Sittengeschichte jener Zeit helles Licht. Der Hofmeisterin wird hier anempfohlen, im Frauengemach gutes Regiment zu halten, die Jungfrauen zu guter Zucht und Ehrbarkeit zu ermahnen. Sie dürfe ihnen feine„ Wildheit" oder„ Frechheit" gestatten, und wenn die Junker sich im Frauengemach befänden, solle sie nicht zugeben, daß in Winkeln heimliche Gespräche geführt würden. Aller leichtfertigen Reden und Gebärden hätten sie sich gänzlich zu enthalten, sie dürften auch nicht vor der Tür und auf den Gängen mit den unfern, Knechten oder Jungen schwatzen. Beim Tanzen erwartete man von ihnen gesittetes Betragen, fein lautes Gelächter mit den Junkern, fein Heraustreten aus der Reihe, feine Aeußerungen, die mit der guten weiblichen Sitte im Widerspruch wären. In der Kirche sollten sie weder miteinander schwaben noch schlafen, sondern dem Prediger aufmerksam zuhören, beim Gesang sämtlich mitsingen und ihren Schöpfer loben. Wenn sie die„ Erbröde" der Herzogin anhätten, müßten sie die Gewänder schonen; verdürbe eine von ihnen ein solches Kleid mutwillig, dann wäre sie verpflichtet, ihrer Gebieterin ein neues machen zu lassen. Drahtnachrichten und neuestes. Der Kaiser besucht das Achilleion. Berlin, 21. Januar. Der Kaiser wird nach den vorläufigen Dispositionen im Frühjahr dem Achilleion auf Korfu einen Besuch abstatten. Dagegen wird die Behaup= tung eines Brüsseler Blattes, der Kaiser werde auf der Rückreise von Korfu Rom besuchen, offiziös als nicht zutreffend bezeichnet. Keine Erkrankung der Kaiserin. Berlin, 21. Januar. Die von einem hiesigen Blati gebrachte Nachricht, die Kaiserin sei an einem Augenleiden erfrankt und ein Wiesbadener Arzt set nach Berlin gerufen worden, entbehrt in allen Teilen jeder tatsächlichen Unter lage. Tod eines deutschen Admirals. Berlin. 21. Januar. Konteradmiral Grühler, beauf tragt mit der Führung des Kreuzergeschwaders, der seit ets niger Zeit an Typhus erkrankt war, ist gestern in Hongfong gestorben. Ein gemeingefährlicher Bursche. Berlin, 21. Januar. Gestern wurde ein Spitzbube vers haftet, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, Schulfnaben zu Ladenkassendieben auszubilden. Er ging in der Weise zu Werke, daß er mit einem Knaben wie zufällig gleichzeitig ein Geschäft betrat und etwas forderte, was im Las den nicht gerade vorrätig war. Während der Ladeninhaber dann ging, um den Gegenstand zu holen, schlich sich der Knabe hinter den Ladentisch und plünderte die Kaffe. Gestern raubten die Diebe in einem Falle etwa 80 Marf. Blutige Schlägerei zwischen Matrosen und Arbeitern. Bremen, 21. Januar. In der vergangenen Nacht fand eine blutige Schlägerei zwischen Arbeitern und Matrosen statt, wobei ein Matrose durch Stiche in die Lunge so schwer verletzt wurde, daß er bald nach der Einlieferung ins Krankenhaus starb. Auch zwei andere Matrosen wurs den schwer verletzt. Folgenschwerer Gerüsteinsturz. Kerpen( Eifel), 21. Januar. Infolge Einsturzes eines Baugerüstes wurden zwei Arbeiter getötet und meh< rere schwer verletzt. Grubennnfälle im Ruhrrevier. Effen( Ruhr), 21. Januar. Auf Schacht 3 und 4 der Zeche Matthias Stinnes in Horst hat sich gestern ein schweres Grubenunglück ereignet. Dort wurden drei BergLeute verschüttet. Einer ist tot, die beiden andern schwer verletzt. Auf der Zeche Julia bei Herne wurde ein Bergmann durch hereinbrechendes Gestein erschlagen. Auf der Zeche Viktoria stürzte ein Arbeiter ab und starb an einem Schädelbruch. Infolge Einatmens giftiger Gase erkrankt. Köln, 21. Januar. In den Wiesdorfer Farbwerken ers eignete sich ein folgenschweres Unglück. 15 Arbeiter, die in einem besonderen Arbeitsraum ihr Mittagsessen verzehrt hatten, fielen, als sie wieder ins Freie traten, be= sinnungslos zu Boden. Sechs mußten alsbald nach dem Mülheimer Krankenhaus geschafft werden, wo einer bereits gestorben ist. Die Vergiftung ist anscheinend durch Einatmen von. Wasserstoffgasen entstanden. Feuer in einer Schule. Paris, 21. Januar. In Cajarc brach in der Volksschule Feuer aus. Der Letter der Schule starb an seinen schweren Brandwunden. Sieben Schüler erlitten starfe Verletzungen. Dampferbrand auf hoher See. London, 21. Januar. Aus Albany( Australien) wird gemeldet, daß der britische Stahlschraubendampfer Parifiana auf der Fahrt von Neuyork nach Albany am 13. Dezember v. J. verbrannte. Nach vergeblichen Anstrengungen, den Brand zu löschen, verließ die aus 35 Köpfen bestehende Besatzung das Schiff und erreichte auf Rettungsbooten am 19. Dezember die St. Pauls- Inseln. Drei Mann starben unterwegs an Erschöpfung. Die Ueberlebenden fanden an der Küste ein Nahrungsmitteldepot, von dessen Vorräten sie lebten, bis sie von einem englischen Dampfer gefunden wurden, der sie nach Albany brachte. Amerikanische Räuberromantik. Neuyork, 21. Januar. Vier Räuber drangen in dit Wohnung eines Logierhauses ein und zwangen mit vorgehaltenen Revolvern sechs Gäste, ihr Geld und die Schmuck sachen auszuliefern. Dann verschwanden sie spurlos. Fünffacher Mord aus Geldgier. Petersburg, 21. Januar. In dem Orte Manyag hal sich ein furchtbares Verbrechen abgespielt. Ein Lehrer holte abends seinen Freund, einen Kaufmann, ab, um ein Wirtshaus zu besuchen. Als der Kaufmann seinen Laden abschloß, bemerkte der Lehrer, daß der Kaufmann eine größere Geldsumme in die Ladenkasse einschloß. Da erwachte in dem Lehrer die Begierde nach dem Geld. Er entfernte sich bald aus dem Wirtshaus unter einem Vorwande, worauf er sich zu der Frau des Kaufmannes begab und sie um den Ladenschlüssel ersuchte, da er in dem Geschäftslokal etwas vergessen habe. Ahnungslos folgte die Frau dem Freunde ihres Mannes den Schlüssel aus. Kurz darauf hörte die Frau einen dumpfen Fall im Laden. Sie begab sich mit dem Kinde auf dem Arm nach dem Laden, um nachzusehen. Hier fand sie den Geschäftsdiener in einer Blutlache liegen. Dieser hatte den Lehrer bek der Plünderung der Kasse überrascht und war von diesem mit einem schweren Instrument niedergeschlagen worden. Als der Räuber die Frau erblickte, schlug er auch diese samt dem Kinde zu Boden. Dann brachte er noch das Dienstmädchen und die Schwester eines Nachbarn um, die von dem Lärm herbeigelockt waren und stürzte endlich ins Freie. Den Gendarmen gelang es, den Mörder festzunehmen. IVO PUHONNY. Aus dem Gerichtssaal. Strafkammer. Gießen, 20. Januar 1910. Dem Viehtreiber Adolf Müller aus Bönstadt ging ein Strafbefehl über 6 Mark zu, weil er zwei Kühe mit einem Stock auf den Kopf geschlagen hat, worüber Passanten sich ärgerten. Infolge seines Einspruchs erhöhte das Schöffengericht diese Strafe auf 15 Mart. Der Angeklagte legte Berufung ein, die von der Strafkammer aber verworfen wurde. Bei einer Versammlung in Wenings wurde der Redakteur Thomas Reuther in Gießen von den Handelsleuten Nathan und Moritz Joseph von Wenings beschimpft, weshalb er beide wegen Beleidigung ver= flagte. Am Schöffengericht reichten die Beweise zu ihrer Verurteilung nicht aus, weshalb sie freigesprochen wurden. Infolge Berufung des Privatklägers wurden beide zu 60 Mark Geldstrafe verurteilt und dem Beleidigten die Publikationsbefugnis zugesprochen. Dem gräflichen Revierförster Hermann Adolph von Schlitz, der seither in Pfordt wohnte, ist Wilderei und unberechtigtes Verwenden von Wild zur Last ge= legt. Er bestreitet seine Schuld und behauptet, daß das von ihm verwendete Wild nicht zum Abliefern geeignet war, es könne sich nur um veraßtes Wild handeln, das nicht zur Ablieferung gelangt ist. Ein Verbot, Wild zu schießen, sei ihm nicht bekannt geworden. Die Beweisaufnahme bestätigte die Anklage sehr wenig. Nachdem die Staatsanwaltschaft nur bezüglich vier Fälle Bestrafung beantragt hatte, erkannte das Gericht auf Freisprechung. Deues vom Büchermarkt. Der Todes weg auf den Piz Palü. Roman von Richard Voß. In einsamer Gletscherwelt vollendet sich das Schicksal zweier Menschen, deren Wege sich schieden, obwohl die Natur selbst sie unauflöslich aneinander fettete. Der Graf von Wilding- Wild geht mit Edda Dafis vom steilen Grat des Piz Palü, des wolkenragenden Felsgipfels der Berninaalpen, in den weißen Tod, der die beiden für immer vereint. Unten im Tale aber reift ein junges Menschenkind, die Frau des Grafen, durch die schmerzvolle Liebe für ihn, der im tiefsten Innern einer anderen gehörte, zum Weibe, zur Mutter heran. „ Violet", der Roman einer Mutter von Kurt Aram. Der Kampf um ein Kind bildet den Inhalt dieses im besten Sinne spannenden Romans. Die Baronin Violet von Strehlen erzwingt die Scheidung von ihrem Gatten, einem harten und rücksichtslosen Willensmenschen, und nun entspinnt sich ein mit aller Bitterfeit geführter Kampf um den aus dieser Ehe stammenden kleinen Sohn. Ein behaglicher Humor durchzieht das Werk, dessen Heldin im Kampfe um ihr Kind sieg= reich bleibt und in einer neuen Ehe das Glück findet, das ihr in der ersten versagt blieb. Wie die bereits früher erschienenen Bände der Ullstein- Bücher sind auch diese beiden Werke für je 1 Mk. in allen Buchhandlungen und auf den Bahnhöfen erhältlich. er= A. Hartleben's Volks atlas, enthaltend 86 Karten in 125 Kartenseiten, nebst 84 Spezialkarten und Plänen. Mit Text und alphabetischem Namen- Register. Fünfte, vollständig umgearbeitete und neuerte Auflage. Groß- Folio- Format. Das Werk wird komplett in 25 Lieferungen zu 50 Pfg. In Halbfranzband gebunden 15 Mk. Lieferungen 16-20 sind so= eben erschienen. - Ueber die Erziehungssünden im Hause, und daß es überhaupt solche gibt, darüber sind sich die meisten Eltern nicht klar. Aber derartige Fehler können nachteilig auf das ganze spätere Leben der Kinder einwirken und auch das der Eltern auf ihre alten Tage verbittern. Daher sollte niemand, der seine Kinder lieb hat, versäumen, den überaus wichtigen Aufsatz zu lesen, der in der soeben erschienenen Märznummer des in leiner Art einzig dastehenden Spezialblatts „ Kindergarderobe", Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 57, zu lesen ist. Abonnements auf diese sehr empfehlenswerte Zeitschrift nehmen alle Buchhandlungen und Postanstalten entgegen. Gratis- Probenummern bei ersteren und dem Verlage John Henry Schwerin, Berlin W. 57. Bekanntmachung. Verein der Gastwirte von Giessen und Umgegend E.V. Montag den 23. Januar d. J8. nachm. 5 Uhr im Saale des Hotel Einhorn öffentliche Versammlung Tagesordnung: Die Nichtabhaltung der Vichmärkte in Gießen. Wir laden zu dieser Versammlung fämtliche Juteressenten, insbesondere unsere Mitglieder freundl. ein. Der Vorstand. Das Eindecken und Einschlämmen sowie das Wasserfahren bei den diesjährigen Walzarbeiten soll vergeben werden. Angebote sind spätestens bis Dienstag, den 31. Januar, vormittags 10 Uhr, auf dem Amtszimmer des Unterzeichneten einzureichen, woselbst auch die Angebotsunterlagen während der Dienstunden jederzeit zur Einsichtnahme offen liegen. Gießen, den 20. Januar 1911. Der Großh. Kreisbauinspektor des Kreises Gießen. J. V. Knöll. Soeben erscheint und ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen die fünfte Auflage von A. HARTLEBEN'S VOLKS ATLAS enthaltend 86 Karten mit 84 Spezialkarten und Plänen in 125 Kartenseiten Gross- Folio- Format mit erläuterndem Texte und alphabetischem Namensregister. Fünfte, vollständig umgearbeitete und erweiterte Auflage. Vollständig in genau 25 Lieferungen, enthaltend 125 Kartenseiten, nebst 84 Spezialkarten und Plänen. In dauerhaftem Halbfranzband gebunden für 15 Mk. A. HARTLEBEN'S VERLAG IN WIEN. IS! Eine wahre Goldgrube ist und bleibt der Verkauf von Fahrrädern Nähmaschinen und Zubehörteilen der ganz hervorragenden Marke Sturmvogel. 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