essen ad ten bier tel. n il Wäsche rankenwäsche, wird gründlich ereinigt durch rsil. Original- Paketen. inige Fabrikanten der weltberühmten Soda. Snftitu Dermachen g. wefte zu Verfüg geb.Lehrer eft- Anlage.( 8. beiten wird die iteres für jegli Derrt. t. echnikum f. Maschb. Autom bau, Schiffsmaschi bau, Werkzeugma Elektrotechn., Hel u. Lüftung, Elsenb Eintritt Jan., Apr. Oktb. Direktor P Graf und Inge Lohmar odenbachad Suverläſſige Tungsträgeri gefacht. Ibungen bei ber Belle ber chener Bettung" Seltersweg 83 beibe in Gießen Ueberall zu haben. [ 284 Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Erscheint Mittags 3 Uhr. Die„ Illuftr. Weltrundschau" Redaktion: liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Nr. 119. - Telephon: Nr. 362. Deutsche Kleinsiedelungen im Olten. In der„ Nat.- 3tg." schreibt Hauptmann a. D. Genz: Verschiedene Blätter bringen die Nachricht, daß das preußische Staatsministerium beabsichtige, den Ankauf größerer Herrschaften im ganzen Königreich Preußen zwecks Parzellierung und Besiedelung mit Bauern zu unterstützen. Wenn sich die Nachricht bestätigt, so würde dieser Entschluß für die östlichen Provinzen gleichzeitig eine weitere Förderung des Deutschtums bedeuten. An dieser Tatsache ändert nichts der Widerspruch, der sich aus den Kreisen der Großgrundbesitzer im Osten gegen die Aufteilung großer Güter in fleine Bauernwirtschaften erhebt. Es ist nichts außergewöhnliches mehr, daß der Großgrundbesitz im Osten seine persönlichen Interessen den nationalen Rücksichten voranstellt. Es kommt bei der Verdeutschung polnischer Landesteile im Osten gar nicht so sehr darauf an, ob einige tausend Hektar mehr oder weniger in polnischem oder deutschem Besitze sind. Viel wichtiger ist es, daß die absolute Zahl der deutschen Bevölkerung im Osten gegenüber der polnischen vermehrt wird. Eine solche Vermehrung ist aber nur zu erreichen durch Aufteilung eines Teils der großen Güter und ihre Besiedelung mit Bauern. Eine nach Hektaren berechnete Vermehrung des in deutschen Händen befindlichen Großgrundbesitzes bedeutet noch lange nicht eine Stärkung des Deutschtums in jeder Beziehung. Auf dem gesamten deutschen FideiTommiß in der Provinz Posen z. B. wohnen 3803 Deutsche und 20 460 Polen. Oder nach Prozenten ausgedrückt: 84 Prozent der Bevölkerung dieses in deutschen Händen befindlichen Besitzes sind Polen, nur 16 Proz. Deutsche. Mit Recht sagt daher Dr. Böhme in seinem Buche„ Deutsche Bauernpolitik"( Memmingers Verlagsanstalt in Würzburg, 1911), dem die angeführten ZahIen entnommen sind: „ Ein Großgrundbesitz, der nur aus Kosten der deutschen Nationalität besteht, der sich nur durch slawische Arbeitskräfte halten kann, ist kein deutscher Großgrundbesitz mehr, sondern ist mehr oder weniger abhängig von dem Willen der nichtdeutschen Unterschicht." Das trifft besonders für die Wahlen zu.„ Die Nationalität der Masse", heißt es dann weiter,„ entscheidet im Völferringen". In den schweren wirtschaftlichen Kämpfen die Masse deutsch zu erhalten, ist deshalb die Aufgabe der Gegenwart. Die Zeiten sind vorüber, wo ein fleiner Ritterposten wichtiger war, als die große Masse der ihn umwohnenden Bevölkerung. Auch das Polentum hat sich der Erkenntnis, daß es seine Stellung nur durch Kolonisation behaupten kann, nicht verschlossen. Es hat bewußt die Schaffung landwirtschaftlicher Kleinbetriebe in den Vordergrund seiner wirtschaftlichen Maßnahmen gestellt und von der Förderung des Großgrundbesitzes abgesehen. Das gleiche muß für das Deutschtum maßgebend werden. Ist die große Masse der Bevölkerung polnisch- slavischer Nationalität, dann vermag auch das redlichste Streben der wenigen Gutsbesitzer in Zeiten einer nationalen Krisis diese weiten Gebiete der deutschen Herrschaft nicht zu erhalten. Es wird ihnen gehen wie den Deutschen- Balten: man wird sie schlagen.... Es ist eine unglaubliche Verkennung der Tatsachen, wenn im Deutschen Landwirtschaftsrat einer Seite die Zulassung slavischer Arbeiter damit begründet wurde, daß die nationalste Tat unter Umständen die Bebauung des heimischen Grund und Bodens sei. Mit Recht entgegnet in seinem ausgezeichneten Briefe über Landflucht und Polenfrage demgegenüber der praktische Arzt Dr. Schiele:„ Eine Landwirtschaft ohne deutsche Arbeiter ist keine deutsche Landwirt schaft mehr." ertotvon allen Wie aber indirekt der Großgrundbesitz mit einer Ursache zur Schwächung des Deutschtums im Osten ist, zeigen folgende Zahlen: Im Jahre 1905 betrug die Zahl der ausländischen( slawischen) Arbeiter in der Landwirtschaft 207 000. Im Jahre 1908 bereits Mark 309 000. Wohin schließlich im Nationalitätenkampf in seinen letzten Konsequenzen der Zustand führen kann, daß einer dünn gesäten Zahl von Großgrundbesitzern in der Unterschicht die große Maße einer anderen Nationalität ge genübersteht, dafür ist ein Beispiel der Verrat, den der deutsche Adel in Desterreich in seiner Abhängigkeit vom Tschechentum am deutschen Volkstum begangen hat. Die Parzellierung eines möglichst großen Teils des Großgrundbesitzes mit direkter oder indirekter Unterstützung des Staates, die Vermehrung der bäuerlichen Betriebe, die allein eine Vermehrung des Deutschtums in der Kopfzahl garantiert, ist die Bedingung, ohne welche eine der Großherzoglichen Bürgermeisterei des Großherzoglichen Polizei Amtes Behörden Oberhessens sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Montag, den 22. Mai 1911. dauernde Stärkung des Deutschtums im Osten nicht mög lich ist. Deshalb sind die konservativen bezw. bündlerischen Forderungen auf Erhaltung von Restgütern im Gebiete der Ansiedelungskommission und ähnliche Bestrebungen entschieden zu verwerfen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 22. Mai. Eine Sonntagsfahrt. Um alte Freundschaftsbande zu erneuern, lautete die Parole am gestrigen Sonntag: Nach Wetzlar! Mein Freund Teophil mit der Stachelweste erwar= tete mich am Bahnhof; groß war die Freude des Wiedersehens. Unter munterem Geplauder gingen wir die Bahnhofstraße entlang der alten Lahnbrücke zu, erkletterten die 55 Stufen an der Schnitzler'schen Buchdrucke rei, auf dessen Zinne stolz der Weisheitsvogel prangt, und stießen auf einen„ musikalischen" Laden, aus dem uns ein großes rotes Fragezeichen entgegenschaute.„ ,, Wer kann dafür?", Lied aus der Operette:" Polnische Wirtschaft", so lautete der Titel des Musikstückes.„ Kannst Du etwas dafür, Teophil?" Nein!- Jch auch nicht". Also weiter! Aber wohin? Kurze Beratung. Resultat: Kalsmunt. Nach 15 Minuten Wanderung war das Ziel erreicht. Wir kletterten die eiserne Wendeltreppe empor und hielten Umschau. Welch' köstliches Panorama! Da liegst du nun im Sonnenglanz, Schön, wie ich je dich sah, In deiner Berge grünem Kranz, Mein Wetzlar wieder da. Liegst da, vom Abendgold umflammt, Jm Tale hingeschmiegt, Gleich wie gefaßt in grünem Samt Ein güldenes Kleinod liegt. So improvisierte ich frei nach Gerock. Trunken hing der Blick an dem einzig schönen Bilde. ben! Nicht daheim in Büchern lesen, wenn es draußen Ja, hinaus müssen wir jetzt aus den dumpfen Stunach Leben drängt. Die alte Sehnsucht nach dem heiß pulsierendem Leben weist uns den Weg, und es iſt nicht schwer, ihn in Wetzlar zu finden. Wähle ihn auf gut Glück, nur aufwärts muß er führen, und bald kannst du durch des Frühlings Wundergarten schreiten. Die grünen Kronen schütteln zum Gruß ihre Wipfel und flüstern dir zu, was sie geträumt in langen Wintertagen: Nun, armes Herz vergiß die Qual, Nun muß sich alles, alles wenden! Langsam stiegen wir die Stufen hinab; aber noch lange saßen wir auf der steinernen Bank zwischen den verwitterten Ueberresten der ehemaligen Burg und dachten vergangener Zeiten. * Der Großherzog empfing am Samstag den Direktor der Landesirrenanstalt, Medizinalrat Dr. Oßwald. in * Geschworenenliste für Oberhessen. Für die am 12. Juni 1911 in Gießen beginnende Sizungsperiode des Schwurgerichts für das 2. Vierteljahr 1911 wurden die Namen nachstehender Hauptgeschworenen ausgelost: 1. Aug. Jochem, Landwirt Laubach; 2. Christian Jokel, Beigeordneter in Hungen; 3. Karl Schmidt 5., Mezgermeister in Hungen; 4. M. Dörr, Schlossermeister in Gießen; 5. Alfr. Korte, Professor in Gießen; 6. Georg Adam Philipp Pflug, Rentner in Nieder- Wöllstadt; 7. Gust. Krüger, Geh. Kirchenrat in Gießen; 8. Hch. Flach 3., Schreinermeister in Crainfeld; 9. Konrad Stegt, Pächter zu Hof- Ringels= hauſen; 10. Wilh. Reuß, Landwirt in Echzell; 11. K. Schneider, Landwirt in Berstadt; 12. Peter Fr. Möbs 1., Rentner in Nieder- Mörlen; 13. Theodor Jckes, Gemeinderechner und Landwirt in Bellmuth; 14. Adam Binding 6., Landwirt in Unter- Widdersheim; 15. Karl Hesse, Gutspächter in Otterbach; 16. Hch. Döpfer 2., Landwirt in Röthges; 17. Alfr. Bock, Fabrikant in GieBen; 18. Hch. Größer 2., Rentner in Großen- Buseck; 19. Karl Schweitzer 1., Landwirt in Ober- Mörlen; 20. Gg. Rockemer, Kaufmann in Schotten; 21. Adam Hof mann, Metzger in Schotten; 22. Karl Vorbach, Mühlenbesitzer in Ofarben; 23. Otto Lenz 1., Landwirt und Beigeordneter in Effolderbach; 24. Heinrich Mäser, Landwirt in Ruppertsburg; 25. Karl Nicolay 3., Bürger meister in Blofeld; 26. Dan. Jung 4., Beigeordneter in Freienseen; 27. Ludwig Dorfeld 1., Wirt in Staufen ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Inseratenzeile. Stellen: gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pig.- Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Telephon: Nr. 362. Jahrg 23. | berg; 28. Karl Dorfeld 1., Bauunternehmer in Wieseck; 29. Karl Steller, Rentner in Gießen; 30. Karl Keßler 1., Landwirt in Großen- Linden. *) Vor den Schöffen. Der Kaufmann E. hierselbst hatte von der Etsenbahndirektion einen Strafbefehl in der Höhe von 3 Mark erhalten, weil er unberechtigter Weise zwischen den Stationen Lollar und Wißmar neben dem Bahngeleise hergegangen war. Er hatte sich deshalb vor dem Schöffengericht in Wetzlar zu verantworten. Der Angeklagte gibt an, er habe gemeint, dazu berechtigt gewesen zu sein. Da ein Warnungszeichen nirgends angebracht ist, wurde auf Freisprechung erkannt. * Die dämmernde Nacht. Von Mitte Mai bis Mitte Juli herrscht eine immerwährende Dämmerung, da die Sonne nie so tief unter den Horizont sinkt, um nicht noch den Nächten ein Dämmerlicht zu verleihen. Erst von Mitte Juli ab herrscht des Nachts wieder tiefe Dunkelheit, weil die Erdstellung inzwischen eine andere geworden ist. *) Leihgestern, 22. Mai. Der Viehhändler W. hatte sich der Uebertretung des Viehseuchengesetzes in 2 Fällen schuldig gemacht. Wegen des ersten Falles erhält er vom Schöffengericht in Wetzlar 1 Tag Gefängnis, wegen des zweiten 5 Mark Geldstrafe. -h- Wetzlar, 22. Mai. Einbruch. Bei der Firma Kahn& Co. in der Brückenstraße ist in der Nacht vom Samstag zum Sonntag ein schwerer Einbruch verübt worden. Die Diebe drückten im Hinterhause eine Scheibe ein, schoben den Fensterriegel zurück und stiegen in das Bureau ein. Hier öffneten sie eine Kassette, in der sich jedoch kein Geld befand. Den Geldschrank ließen sie unberührt, und zwar wohl aus dem Grunde, weil ihnen zur Deffnung desselben das nötige Handwerkszeug fehlte. Sie wandten sich darauf dem Laden zu. In die Tür sägten sie ein Loch und schlos= sen dieselbe mit dem sich auf der Innenseite des Schlos= ses befindlichen Schlüssel auf. Jm Laden kleideten sie sich neu an und ließen außerdem noch Touristenanzüge, Rucksäcke 2c. mitgehen. Die Polizei nahm die Spur der Attentäter sofort nach erstatteter Meldung mit Polizeihunden auf; die Hunde schlugen den Weg nach Garbenheim ein. In Dutenhofen sollen junge Leute beobachtet worden sein, wie sie sich am Brunnen die Hände von Blut reinigten. Da an der zerbrochenen Fensterscheibe Blutspuren entdeckt wurden, so nimmt man wohl mit Recht an, daß es sich hier um die Uebeltäter handelt. Hoffentlich gelingt es bald, die Burschen hinter Schloß und Riegel zu bringen. Der Schaden der Firma Kahn& Co. soll rund 900 Mark betragen. Offenbach, 22. Mai. Jm Begriffe, den an der Kaimauer verlorenen Hausschlüssel zu suchen, glitt der 6 Jahre alte Sohn eines Fabrikarbeiters aus, stürzte in den Main und ertrank.- Ebenso ertrank ein Knabe des Gastwirts Ewald. Er war damit beschäf= tigt, seinen Hund zu baden und hatte sich die Leine um die Hand festgeschlungen. Der Hund zog nun so stark an, daß der Junge auf der glatten Ufermauer ausrutschte und in den Main stürzte. - un= Homberg a. d. Ohm, 22. Mai. Hier herrscht eine ungewöhnliche Wohnungsnot. Infolgedessen sind enorme Mietspreise zu zahlen. Der versetzte verheiratete zweite Amtsrichter mußte durch einen Assessor ersetzt werden, da eine Wohnung für einen verheirateten Beamten nicht aufzutreiben ist. Desgleichen soll das Kgl. Bauamt nach Frizlar verlegt werden, weil der letzte Stelleninhaber in Pension gegangen ist und die bis dahin dienstlich verwendeten Räume zur Pribatwohnung hinzugemietet hat. Sein Nachfolger ist also obdachlos, ebenso sein Bureau. Um den Ort von Beamten zu entlasten wird jetzt die Wegverlegung der Kgl. Spezialkommission befürwortet, da man die Beseitigung der Wohnungsnot durch eine unter städtischer Garantie zu gründende Baugenossenschaft nicht für möglich hält. -g- Grebenhain, 22. Mai. Beim Holzsägen verunglückte der Maschinenbesitzer Karl, indem ihm ein Stück Holz von der Zirkelsäge gegen den Leib geschleudert wurde. Der Verunglückte wurde in die Klinik nach Gießen überführt. - Mainz, 22. Mai. Bei dem letzten Gewitter schlug ein Blizz in die Stromleitung der elektrischen StraBenbahn. Der Blitz sprang von der Stromleitung auf einen in Fahrt befindlichen Motorwagen über und brachte ihn sofort zum Stehen, da die Sicherung durchbrannte. Die Fahrgäste blieben völlig unbeschädigt. Nach Einschaltung eines neuen Motors fonnte der Verkehr wieder aufgenommen werden. Deutscher Reichstag. Die staatlichen gewerbegerichtlichen Einigungsämter dürften wohl in erster Linie berufen sein, bei eintretenden Differenzen, insbesondere vor Erneuerung bestehender Tarifverträge vermittelnd zu wirken. Die von den Organtsationen selbst geschaffenen Einrichtungen zur Wahrung des Friedens sollen durch das Amt weder beseitigt noch ge= schwächt werden. Dieses darf erst eingreifen, wenn die Verbände erwiesenermaßen ihren Zweck nicht zu erreichen vermögen. Die Erzwingung der Annahme eines Schiedsspruches möchte man aber nicht empfehlen, weil die freie Entwicklung dadurch gehemmt würde. Je gewaltiger Industrie und Gewerbe in Deutschland emporwachsen ,, um so mehr ist zu erwarten, daß sich allmählig eine Unternehmerund Arbeiterdiplomatie ausbildet, die die Kunst des richtigen Verhandelns untereinander erlernt. Die zwette Lesung der Reichsversicherungsordnung wurde am Freitag beim 4. Buche Invaliden- und Hinters bliebenenversicherung" fortgesetzt. Aus der Debatte, die Aenderungen der Kommissionsfassung nicht ergab, ist hervorzuheben, daß von sozialdemokratischer und freisinniger Seite versucht wurde, die Frage der Privatbeamten- Benfionsversicherung im Rahmen der Reichsversicherungsordnung mitzuregeln. Namens der Nationalliberalen erklärte Abg. Stresemann, daß sich seine Fraktion auch auf diesen Weg gedrängt sehen würde, wenn nicht eine bestimmte Erklärung der Verbündeten Regierungen abgegeben würde, daß das Sondergesetz alsbald dem Reichstage vorgelegt wird. Staatssekretär Delbrück machte darauf die mit allsettigem Beifall aufgenommene Mitteilung, daß der Entwurf dem Reichstage in den allernächsten Tagen zugehen werde. Weiterhin spielte die von freisinniger und sozialdemokratischer Seite beantragte Herabsetzung der Altersgrenze vom 70. auf das 65. Lebensjahr eine wesentliche Nolle während des letzten Teils der Sizung. Staatssetretär Delbrück hob die großen Neubelastungen hervor, die die Reichsversicherungsordnung bringe, die ziffernmäßig berechenbaren und die indirekten. Die Herabsetzung der Altersgrenze würde Ausgaben zur Folge haben von 9 Millionen für das Reich und 45 Millionen für die Versiche= rungsträger, nachdem die Kommissionsbeschlüsse schon rund 135 Millionen, davon 27 Millionen für das Reich ergeben. Zu den Folgen der Herabsetzung würde die Verkürzung der Beitragsdauer während der Zeit vom 65. bis 70. Lebensjahre gehören. Die Frage fiele immer weniger ins Gewicht, da die meisten, wenigstens die industriellen Arbeiter in den Genuß der Invalidenrente kämen, bevor sie Altersrente erhalten würden. Der Staatssekretär verlieh seinen Erklärungen besonderen Nachdruck und Bedeutung durch die Mitteilung, daß sie das Ergebnis einer eben stattgehabten Konferenz mit dem Reichskanzler seien. Schatzsekretär Wermuth erläuterte dann die Undurchführbarkeit der Herabsetzung noch eingehend vom finanziellen Standpunkt. Auch in der anschließenden Besprechung hob Ministerialdirektor Caspar die Unabänderlichkeit des Beschlusses der Verbündeten Regterungen hervor. Vertreter der anderen bürgerlichen Parteien stellten sich im Einklang Hiermit auf den Boden des Kommissionsbeschlusses. Die Herabsetzung der Altersgrenze wurde dann mit 160 gegen 146 Stimmen bei 4 Enthaltungen abgelehnt. Man hat ge= rade 80 Paragraphen erledigt, so daß, wenn wirklich am Sonnabend die zweite Lesung zu Ende geführt werden soll, für diesen Tag ein Arbeitspensum von über 500 Paragraphen übrig bleibt. Der drohende Berliner Bäckerstreik. Aus Berlin wird uns geschrieben: Rundschau vom Cage. Politisches. Keine preußische Wahlrechtsreform. Eine Berliner Nachrichtenstelle verbreitet die angeblich gut verbürgte Meldung, daß die preußische Regierung beabsichtige, im Januar eine neue Wahlreform im Landtage einzubringen. Bon anderer Seite wird dagegen versichert, daß diese Nachricht völlig unbegründet sei. Jedenfalls bestand vor furzem nicht die Absicht, vor Zusammentritt des neuen Reichstages irgendwelche Schritte in dieser Angelegenheit zu tun. Die Reichstagskommission für den elsaß- lothringischen Verfassungsentwurf erledigte am Freitag in zweiter Lesung das Wahlgesetz unter Einführung der gleichen Wahl und nahm dann das Verfassungsgesetz mit zwei von der Reichspartei beantragten Paragraphen über die Freiheit des religiösen Bekenntnisses und die Sprache mit 19 Stimmen der Reichspartei, des Zentrums, der Nationalliberalen, der Volkspartei und Sozialdemokraten an. Dadurch erscheint die reichsländische Verfassungsreform gesichert. Das nahende Pfingstfest ist von der schlimmen Aussicht bedroht, daß der Brotkorb höher gehängt werden muß. Von den fast vier Millionen Bewohnern Groß- Berlins werden bet Ausbruch des Bäckerstreiks mindestens dreieinhalb Millionen Menschen in Mitleidenschaft gezogen werden, denn nur in drei Vororten ist eine Einigung im Bäckergewerbe erzielt worden. Streit und Boykott erheben ihr dräuendes Haupt, und ein Kampf von ungeheurer Ausdehnung wird den sozialen Frieden in bitterster Weise stören, wenn es nicht noch gelingt, eine Vermittlung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern herbeizuführen. Die staatlichen Behörden find in Ansehung der Schwere eines Notstandes, wie ihn die Arbeitseinstellung im Bäckereibetriebe hervor rufen würde, auf indirektem Wege in eifrigster Weise bemüht, den Zwiespalt zu schlichten, aber die Hoffnung auf ein Gelingen ist recht gering, zumal die großen Innungsverbände der Meister die Forderungen der Gesellen durch= weg ablehnen, weil die Grenze der Nachgiebigkeit längst erreicht set. Da eine Teuerung des Brotes bei dem Eintritt des Streifs zu erwarten steht, indem mit einer Einfuhr von auswärts gerechnet werden muß, so werden die weniger bemittelten Hausstände am härtesten betroffen werden. Durch die kritische Sachlage wird erklärlicher Weise die Frage wieder aufgerollt, wie den Lohnkämpfen durch Schiedssprüche Einhalt getan werden kann, denn durch die Erschütterungen des Arbeitsmarktes leidet die gesamte Volkswirtschaft schweren Schaden. für Spanisch- Nordafrika und Spanisch- Guinea für zuläß fig erklärt wird. Die Gefahren der portugiesischen Republit. Nach Mitteilung der portugiesischen Regierung ist ein bis ins fleinste ausgearbeiteter Plan zur Wiederherstellung der Monarchie aufgedeckt worden. Die Bischöfe sollten unter dem Vorwande der durch die Kirchentrennung geschaffenen Lage alle Kirchen schließen und so zunächst eine religiöse Bewegung hervorrufen. Die Regierung trifft Vorbereitungen, die Bewegung im Keime zu erstiden. Eine Erklärung des Zentralverbandes deutscher Industrieller. Die„ Berliner Politischen Nachrichten" schreiben:„ Die schon bei früherer Gelegenheit aufgestellte und auf das bündigste widerlegte Behauptung, als ob Berufsgenossenschaften, die Mitglieder des Zentralverbandes Deutscher Industrieller sind, Beiträge für den Agitationsoder Wahlfonds des Zentralverbandes gegeben hätten, ist neuerdings im Reichstage wieder zur Sprache gekommen. Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß von den Berufsgenossenschaften niemals auch nur ein Pfennig für den Agitations oder Wahlfonds des Zentralverbandes zur Verfügung gestellt worden ist." In der Gesellschaft für soziale Reform hat jüngst der frühere Staatsminister Frhr. v. Berlepsch über die Be= gründung eines Reichseinigungsamtes bemerkenswerte Ausführungen gemacht. Er erblickte in den Kämpfen zwischen Arbeitern und Arbeitgebern die Ursache schwerer, unserem Wirtschaftsleben zugefügten Schädigungen, die mit der fortschreitenden Ausgestaltung der beiderseitigen Organisationen an Größe und Verderblichkeit zunehmen. Ge= schädigt würden nicht nur die unmittelbar Beteiligten, sondern weite andere Kreise, selbst die Allgemeinheit. Daher set es erforderlich, daß Zwistigkeiten zwischen Arbeitern und Arbeitgebern geschlichtet werden, bevor es zum Kampfe kommt. Am wirkungsvollsten hätten sich bisher die Ta= rifverträge mit ihren paritätischen Einrichtungen erwiesen, deren fortschreitende Ausgestaltung und Ausbrettung Dr. v. Berlepsch warm befürwortete. 3wei Kirschen an einem Stengel. 11) Roman von A. von Liliencron. Nachdruck verboten.) König Peters Reise nach Paris. Am Freitag vormittag ist König Peter von Serbien in Begleitung des Ministers des Auswärtigen und zahlreichem Gefolge zum Besuch des Präsidenten Fallieres über Wien nach Paris abgereist. In Basel, wo er die Reise für zwei Nächte und einen Tag unterbricht, wird der König in einem Hofsonderzug des Präsidenten Frankreichs die Reise fortsetzen. Bei der Abreise beglückwünschten am Bahnhof die ganze Stupschtina, die Minister, die Staatswürdenträger und eine sehr große Volksmenge den König lebhaft. Sieg der deutschen über die englische Industrie. Wie dem Londoner ,, Daily Chronicle" aus Konstantinopel ge= meldet wird, hat sich der Einfluß Deutschlands, der in der türkischen Armee und Verwaltung schon start vorherrscht, nunmehr auch auf die türkische Marine ausgedehnt. Der türkische Marineminister soll die Armierung für die noch zu bauenden türkischen Dreadnoughts der Firma Krupp in Essen übertragen haben. Der Vertreter der englischen Firma Armstrong, die die technische Kommission vorge schlagen hatte, ist aus Konstantinopel nach London zurückgefehrt. Kathis Augen gingen suchend durch den Saat, sie entdeckte die beiden nicht.„ Aberst hüt kumme sie nit her zu Tanz?" fragte sie. ,, Na, freilich," gab er ihr zur Antwort, die Rosemarie danzt für ihr Lebe gern, sie hupft so munter wie a Bachstelz und fühlt sich im Arme so lichte wie a Feder." Kleine Nachrichten. Der Präsident der Reichsbank Havenstein hat sich in Berlin einer Blinddarmoperation unterziehen müssen. Die Operation ist gut verlaufen. Sein Befinden hat sich daher gebessert. Berufung eines deutschen Gelehrten an die Reichsuniversität Peking. Dr. Ernst Becker, der bisherige Assistent am Mineralogischen Institut der Universität Heidelberg, ist zum Professor für Mineralogie an die Reichsuniversität in Peking berufen worden. Deutschlands und Japans Werdegang. Die offiziöse Japan Times" vergleicht in einem offenbar inspirierten Leitartikel aus Anlaß der Rede des deutschen Reichsfanzlers in Heidelberg Japan mit Deutschland. Aus der Aehnlichkeit der jetzigen politischen und kommerziellen Lage Japans mit der Deutschlands im Jahre 1870 zieht sie die Hoffnung auf einen gleichen Aufschwung für Japan. Das Blatt führt dann weiter aus: Es gäbe feine Reibungsfläche mit Deutschland, der Handelsvertrag biete eine gute Aussicht auf eine sichere Zukunft und auf ein gutes Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler. Häst allweil probiert mit ihr?" Kathi drehte sich Scharf zu ihm hin. Ju doch, hüt nachmittag uf de Wiese. Der Peter hätt gepfiffe, und wir zwei hätt getanzt." Wenn Dirs so gut gefalle hätt, funnst ja hernach noch immerzu mit ihr hüpfe!" Werd ich ök!" Rasch waren sich Rede und Gegenrede aufeinander gefolgt, wie Sprühteufelchen platzten die Worte aneinander. Massenaussperrung westfälischer Textilarbeiter. Für etwa 12 000 christliche Textilarbeiter in Emsdetten wird die Generalaussperrung heute perfekt. Die Unternehmer verlangen schriftliche Mitteilung, daß die Arbeit bedingungslos wieder aufgenommen wird, was die Arbeiter für unmöglich erklären. Ein Distanzritt Danzig- Konstantinopel wurde Frettag vormittag von Langfuhr bei Danzig von dem Leutnant v. Braun vom 1. Leibhusarenregiment Nr. 1 angetreten. Der Offizier will den ganzen Dauerritt auf einem fünfjährigen Halbblutwallach zurücklegen. Sein Weg führt ihn über Bromberg, Ratibor, Budapest und Belgrad. Leutnant v. Braun ist seit Februar 1906 Offizier. Ein Friedensfest wurde am Donnerstag in allen Schulen Brüssels abgehalten, um den Jahrestag der Gründung des Haager Schiedsgerichts zu feiern. Die Kinder brachten Blumen mit in die Schule, und Lehrer und Lehrerinnen hielten Vorträge über den Frieden. Schüler und Schülerinnen sagten Gedichte auf und Lieder wurden gesungen, die den Frieden verherrlichten. Die Geburtstagsfeier des Zaren. Dem Gottesdienst aus Anlaß des Geburtstages des Zaren in der Palaisfirche zu Zarskoje Selo wohnten der deutsche Kronprinz und die Kronprinzessin bei. Darauf fand im Hauptsaale des Großen Palais eine Frühstückstafel zu 500 Gededen statt. Der Kaiser nahm den Mittelplatz der Tafel ein. Ihm gegenüber saß die Kaiserin Alexandra, zu seiner Rechten die Kaiserinmutter und links von ihm die Kronprinzessin, der Kronprinz saß neben der Kaiserin Alerandra. Der Kaiser trank auf das Wohl des kronprinzlichen Paares. Die Musik spielte die deutsche Nationalhymne. Am Abend fand Diner statt. Ruland, in der richtigen Erkenntnis, daß der liebe Brausetopf an seiner Seite sich noch nicht zufrieden geben würde, wollte ihr das Wort abschneiden, faßte sie bei setner letzten Erwiderung um die Taille und wirbelte mit ihr fort. Das geschah so plötzlich, und das Tempo, das Hans angeschlagen, war so stürmisch, daß dem Mädchen beinahe der Atem verging, und ihr jede weitere Bemerkung für den Augenblick unmöglich gemacht wurde. Eine spanische Fremdenlegion? Aus Madrid wird gemeldet, daß die mit der Fassung des Gesetzes über den obligatorischen Militärdienst beauftragte Kammerkommission den Entwurf auf Errichtung eines Kolonialforps an= genommen habe, für das die Anwerbung von Ausländern Als Ruland endlich innehielt, hatte er den vorhin in thm aufsteigenden Aerger so ziemlich überwunden; nicht so die Kathi, deren eifersüchtige Regung von neuem angefacht wurde, als Rosemarie mit ihrem Bruder jetzt in den Saal trat und sie bemerkte, wie die drei einen freundlichen Gruß miteinander austauschten. Hans wandte sich an sie. Der zweite Kirmestag soll morge nachmittag uf de Wiese im Walde gefeiert werde," sagte er ,,, de Pfefferküchler aus de Stadt, de Schlachter mit Ein gewaltiger Heidebrand wütete gestern in dem HoHen Moor bei Lehe( Hannover). Mehr als 1000 Morgen fielen ihm zum Opfer, darunter ein junger Nadelforst. Die Bewohner der ganzen Umgegend wurden zum Ret tungswerke aufgeboten. Der Schaden, der nur teilweise durch Versicherung gedeckt ist, beläuft sich auf Hunderttausende. Es wird böswillige Brandstiftung vermutet. de Wurstvergnüge und de Gastwirt mit a gute Trunk, die werde Bude da aufschlage. Die Musik fummt of, und wenns Wetter so bliewt, fanns ganz lustig werde." Wieder ein Flieger abgestürzt. In der Umgegend Lon dons stürzte der Flieger Hucks mit einer Flugmaschine Eine ab, nachdem er wenige Meter zurückgelegt hatte. Schraube des Propellers hatte sich gelöst, infolgedessen fippte der Apparat nach vorn um und stürzte mit voller Wucht zur Erde. Hucks erlitt lebensgefährliche Verlegungen. Sie spielte mit den langen Enden ihre sBlondzopfes. " Da wünsch ich Di und Din Bekannte viel Pläsier dazu," meinte sie, ohne ihn anzusehen. Die Rosemarie und ihr Bruder seien morge nit dabi, die kriege selbst Besök," antwortete er ihr,„ aberst Du, Kathi, bist doch allweil dabi!" Dem älter geordneter mung ein eine Art Hinterzim Beuge bet teil am verloren. Hundertma fcheln"," Deine" U ten, befand nicht einm es für ang gefeht wer Lehrling e daß er jeg redete dem fen, nunm Ein Kind an einem Maikäfer erstickt. In einer Wohnung in Münster( Westfalen) beaufsichtigte ein etwa siebenjähriger Knabe sein kleines Brüderchen, ein Kind im Alter von sechs Monaten. Er setzte dem Kinde einen Maikäfer an die Lippen, den das kleine Wesen dann in den Mund schob. Als Hilfe kam, war es bereits zu spät und das Kind erstickt. Ein herbeigerufener Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Sie zuckte die Achseln.„ Wer weiß, es war halt die Red davon, daß wir morge anderwärts hinfahre wüllt, der Better wüllt die Glaskutsch bestelle." Er war aufs äußerste erstaunt:„ Mädel, Du wüllst weg, wenn in Din egen Dorf hier Kirmes gefeiert wird? Jch säg Di, das paßt sich partu nit, das geht nit!" Nun kam der Troß über sie.„ Es wird mich doch keiner hier festbinde wulle." Ein schweres Eisenbahnunglück hat sich bei Tissul im sibirischen Gouvernement Tomsk ereignet. Dort fuhr ein Schnellzug infolge falscher Weichenstellung in einen Güterzug und zertrümmerte 22 Wagen. Eine große Anzahl Personen erlitten schwere Verlegungen. Der schuldige Weichensteller erhängte sich und der diensthabende Stationsbeamte verlor vor Schreck den Verstand. Er war ernst geworden." Nein," sagte er, wen's eigne Herz und Wille nit hält, den möcht keiner festbinde wulle, auch wenn ers fünnt." über den Einsturz der Landungsbrücke in Lome( Togo) sind bei Hamburger Exportfirmen weitere Meldungen eingegangen. Danach sind der mittlere Teil der Brücke in einer Länge von 150 Metern, drei Krane und 13 beladene Güterwagen in die See gestürzt. Sie schwieg, und auch er sagte kein Wort mehr. ,, Tia tia tiati", quieften die Violinen und der Brummbaß warf seine Grundtöne dazwischen. Die Paare drehten sich und stampften an ihnen vorbei. Dem Mädchen erschien mit einem Male alles so wunderlich und närrisch, sie war doch eben noch so vergnügt gewesen, und nun hätte sie am liebsten geheult. Aus den Gerichtssälen. Die f ber Hunst Ueberschwe hatten. Blikschlag Ausschreit leistete de höllen, zu feine Fo Danach w abgestellt meifter er verhaften fallen und Ueber graphische folgende i Der Spielklub der Lehrlinge. Ein eigenartiges SpieTermilien" entrollte eine Verhandlung, die gestern vor der zweiten Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts stattfand. Gegenstand des Prozesses war die Klage des Kaufmanns K. für seinen minderjährigen Sohn Friß auf Fortsetzung des Lehrverhältnisses bei der Schal- und Tücherhandlung von F. Der junge K. Hatte bereits 2% Jahre bei der Firma gelernt, als er plötzlich entlassen wurde. In der Verhandlung machte der Beklagte geltend, Frizz K. set zu Jetzt bemerkte sie den Vetter, wie der sich durchdrängte. Das war also das feine Kleidungsstück, der Frack! Wie zwei Schwalbenschwänze sahen die Dinger aus, die hinten baran hingen. Es zudte um ihren Mund, aber zum Lachen fam's nicht, ihr war so gar nicht lustig zu Sinn. Die wunderlichen Schwalbenschwänze, die ste sonst zur größten Heiterfeit gereizt hätten, ließen sie jetzt gleichgültig. Die Musik verstummte, der Tanz war zu Ende. Der feine Stadtherr, den die dörfliche Jugend einigermaßen befremdet betrachtete, hatte sich bis zu Kathi durchaearbeitet und rief ihr winkend zu:„ Jetzt komme ich an die Reihe und hole mir mein versprochenes halbes Duzend Tänze!" Ruland recte sich sehr gerade.„ Aha! De Vetter mit de Glaskutsch! Er dät sich ja a gut versorge!" Ohne ein weiteres Wort von den beiden abzuwarten, drehte er sich um und verschwand in dem Nebenraume. Der feine Jultus hatte freilich zuerst mit einer ge= wissen Befremdung Kathi in ihrem Bauernanzug ange= sehen, aber die bis zum Knie herabhängenden dicken Zöpfe, das frische Gesicht, von den krausen Löckchen umrahmt, das alles paßte so harmonisch zusammen, wirkte so anziehend, daß er bei sich feststellte, so, genau so müsse das Cousinchen ihres Amtes in Friedenau in der noblen Restauration von J. Grüßner walten; auf der Straße aber, oder wenn sie sich wo anders sehen ließe als in jenen vier Wänden, dürfe sie nicht anders gekleidet erscheinen, als richtig städtisch und ganz modern. In aller Eile hatte er in Gedanken diesen Ueberschlag gemacht und sich noch einmal vorgenommen, alle Liebenswürdigkeit, über die er gebot, ins Treffen zu führen, um das Mädchen für einen Besuch in allernächster Zeit zu gewinnen. An diesen ersten Blick in das Treiben der Großstadt, den sie ihr so verführerisch wie möglich gestal ten wollten, sollte sich dann ihre Zustimmung schließen, die Stelle am Büfett anzunehmen. Am besten wäre es, so stellte er fest, das hübsche Kind gleich mitzunehmen. Don 36 6 dedung be Grad, der zen Sut 33 Filzhut 30 Panamahu Die merikanische einer Jean die neue R Telegramm nora- So viele Bewei Stege davon fie die Jean Witwe eines rungstruppe und zwei S bitterte sie d Seinen vorgenommenen Bestrebungen gemäß sprudelte er über von lustigen Geschichten und von Aufmerkſamfeiten für das Cousinchen. Diese Rolle ihr gegenüber wurde ihm auch nicht schwer, denn es lag in seiner Natur, mit hübschen Mädchen gern Scherz zu treiben. Dazwischen flog er mit ihr durch den Saal und führte sie sicher durch alle die einander stoßenden und drängenden Paare hindurch. Kathi, wie ihrem Tänzer, entgingen nicht die Bemerfungen, die über sie gewechselt wurden.( Forts. folgt.) Lieben zu r zu stellen. eine noch i einer reichen Aufstand im und seine be dieses Batai von dem Of gesetzten Kor Der Oberst dret Offizier Tode verurt erschoffen. entfernt, ale fern, die in fie selbst übe und griff mi wachen der Obersten hat will, wenn Hand töten, hat. Die vo te haben jet wonnen; de nicht in ihre Heirat Fachzeitung nonce: Sa rat zur Er Sollte die Hand auch das Nachie die Wertz von dem würde sich chen. Auch Tochter ver trägt, ist fe Vier B Wangten in rithmen da ten. Stellm Vater der 1870-71 und fchiedenen S unter den T dampfer na Kämpfen da einer andere fleinen Gefe in der Nähe der Frizz lich nad Kiautid wurde er ve den Tropend litäranwärter anfangs auf er Gelegenhe Hereros und nach Kameru als Polizeim Brüdern nich Mutterlande China. 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Die Vernehmung eines Beugen ergab die überraschende Tatsache, daß sich etne Art von Spielervereinigung gebildet hatte, die in dem Hinterzimmer einer Konditorei Nächte durch„ tagte". Der Beuge befundete, daß der Lehrling St. hervorragenden Anteil am Spiel nahm. In einer Nacht hatte. 190 Mart verloren. Sein Portemonnaie sei aber auch oft voll von Hundertmarkscheinen gemesen. Gespielt wurden„ Mauscheln"," Gottessegen bei Cohn"," Podern" und" Meine Deine". Unter den 10 bis 15 jungen Leuten, die dort spielten, befanden sich nach Aussage des Zeugen viele, die er nicht einmal dem Namen nach fannte. Das Gericht hielt es für angebracht, daß die Lehre in diesem Falle nicht fortgesetzt werde, und auf seinen Vorschlag hin bekam der Lehrling ein Lehrzeugnis über die Dauer der Lehrzeit, so daß er jetzt als ausgelernt" gelten fann. Der Vorsitzende redete dem jungen Menschen aber eindringlich ins Gewissen, nunmehr ein anderes Leben zu beginnen. Vermischtes. Die streltende Feuerwehr. Donnerstag abend wurde ber Hunsrüd von schweren Gewittern heimgesucht, welche Ueberschwemmungen, Hagel- und Blikschläge im Gefolge hatten. In Ellern( Kreis Simmern) brannte infolge Blitzschlages etn Anwesen nieder, wobei es zu bedauerlichen Ausschreitungen tam. Die Mehrzahl der Pflichtfeuerwehr leistete der Aufforderung des Bürgermeisters von RheinFöllen, zu dessen Polizeiverwaltungsbezirk der Ort gehört, feine Folge, sondern entfernte sich von der Brandstätte. Danach wurden die Hydranten der Wasserleitung böswillig abgestellt und die Schläuche zerschnitten. Als der Bürgermeister einen der Beteiligten auf der Tat ertappte und verhaften wollte, wurde er von einer ganzen Rotte überfallen und schwer mißhandelt. Ueber die Wärmeftauung unter dem Hute gibt eine graphische Stizze auf der Hygiene- Ausstellung in Dresden folgende interessante Darstellung: Bei einer Außenwärme ron 36 Grad Celsius ist die Wärme unter der Kopfbe= deckung bei der Jachtklubmüze 37 Grad, dem Helm 36% Grad, der englischen Müze 34% Grad, dem steifen schwarzen Hut 33% Grad, dem Zylinder 32 Grad, dem weichen Filzhut 30 Grad, dem leichten Strohhut 26% Grad, dem Panamahut 25% Grad. Die Jungfrau von Merifo". Eine Abteilung der merikanischen Revolutionäre im Staate Sonora wird von einer Jeanne d'Arc geführt. Die ersten Nachrichten über die neue Kriegsheldin bringt die„ Daily Mail" in einem Telegramm aus Neuyork: Die Rebellen des Staates Sonora- so liest man dort führt eine Frau, die schon so viele Beweise von Tapferkeit gegeben, und schon so viel Siege davongetragen hat, daß die amerikanischen Zeitungen sie die Jeanne d'Arc von Meriko getauf. haben. Sie ist die Witwe eines Herrn Talamantes, und ist gegen die Regierungstruppen ins Feld gezogen, weil diese ihr den Mann und zwei Söhne kriegsgerichtlich erschossen Laben. Das erbitterte sie derart, daß sie sich sofort vornahm, den Tod ihrer Lieben zu rächen und sich an die Spitze der Insurrektion zu stellen. Die Talamantes ist eine Frau von 45 Jahren, eine noch immer elegante, stattliche Erscheinung, die aus einer reichen und einflußreichen Familie stammt. Als der Aufstand im Staate Sonora ausbrach, brachten Talamantes und seine beiden Söhne ein kleines Bataillon zusammen; dieses Bataillon wurde jedoch schon nach wenigen Tagen von dem Obersten Klappes, dem von der Regierung eingesetzten Kommandanten der Provinz, gefangen genommen. Der Oberst ließ ein Kriegsgericht zusammentreten, und die dret Offiziere des Bataillons aburteilten; sie wurden zum Tode verurteilt und an der Mauer ihres eigenen Hauses erschossen. Die Regierungstruppen hatten sich aber faum entfernt, als Frau Talamantes hunderte von Landarbettern, die in ihren Diensten standen, zu bewaffnen begann; sie selbst übernahm den Befehl über die Truppenabteilung und griff mit großer Zähigkeit alle Wachtposten und Streifwachen der Regierungstruppen an. Auf den Kopf des Obersten hat sie einen Preis von 40 000 Mark gesetzt. Ste will, wenn sie seiner Habhaft werden kann, ihn mit eigener Hand töten, wie er ihren Mann und ihre Söhne getötet hat. Die von der Witwe Talamantes geführten Streitkräf= te haben jetzt im ganzen Staate Sonora die Oberhand ge= wonnen; den Obersten aber hat die verwegene Frau noch nicht in ihre Gewalt bekommen. Heirat und Wertzuwachssteuer. In einer Berliner Fachzeitung fand sich dieser Tage folgende zeitgemäße Annonce: Hausbesiberin sucht Käufer für ihr Grundstück. Heirat zur Ersparnis der Zuwachssteuer nicht ausgeschlossen." Sollte die findige Hausbesitzerin Glück haben und mit der Hand auch ihr Grundstück loswerden, dann hat der Fiskus das Nachsehen, denn nach dem Gesetz kann in diesem Fall die Wertzuwachssteuer weder von der Verkäuferin noch von dem Käufer erhoben werden. Bet Millionenobjekten würde sich unter Umständen eine Hochzeit schon bezahlt machen. Auch wenn ein Eigentümer seinen Sohn oder seine Tochter verheiratet, und ein Grundstück als Mitgift überträgt, ist keine Zuwachsstener zu entrichten. Vier Brüder in der Kolonialarmee. Eine Familie in Wangten in Schlesien kann sich wohl des seltenen Falles rühmen, daß alle vier Brüder in der Schutztruppe dienten. Stellmachermeister August George in Wangten, der Vater der vier Brüder, ist Veteran des Feldzuges von 1870-71 und hat damals unter dem Kronprinzen an verschiedenen Kämpfen teilgenommen. Der älteste Sohn war unter den Truppen, welche seinerzeit auf dem Woermanndampfer nach Südwestafrika fuhren, um an den ersten Kämpfen daselbst sich zu beteiligen. Später zog er mit einer anderen Schuhtruppe nach China und kämpfte in fleinen Gefechten auch da. Jetzt hat er sich als Farmer in der Nähe von Grootfontein niedergelassen. Sein Bru der Frizz ließ sich auf 5 Jahre für die deutsche Schutztruppe nach Kiautschon in China anwerben. In einem Gefecht wurde er verwundet und kehrte als Halbinvalide und für den Tropendienst unfähig wieder zurück. Jetzt ist er Militäranwärter in Breslau. Der dritte Bruder, May, fam anfangs auf zwei Jahre nach Südwestafrika. Dort hatte er Gelegenheit, sich an den schwierigen Kämpfen gegen die Hereros und Hottentotten zu beteiligen. Später ging er nach Kamerun. Er ist augenblicklich in Knibi in Kamerun als Polizeimeister. Der Jüngste, Oskar, wollte seinen Brüdern nicht nachstehen und diente anfangs 3 Jahre im Mutterlande in der Sanitätskolonne, später 2 Jahre in China. Disziplin. Ein Mitarbeiter erzählt der Frankf. 3tg." folgendes fleine Erlebnis aus Südfrankreich: Daß der deutsche Soldat eine andere Disziplin hat wie sein Kollege in Frankreich, weiß ein jedes Kind. Wie breit aber der Spalt ist, der sie trennt, ist mir erst auf dem Festungsberge pon Nizza aufgegangen. Mein Freund und ich waren von der Rhone nach Nizza geradelt. Wir hatten noch einen freien Nachmittag im Reiseprogramm. Zur Wahl stand ein Sprung nach Monte Carlo hinüber oder eine Wanderung über den Höhenkamm von Nizza, dem Meer entlang. Diese Wanderung aber war schöner und sicher auch billiger als der Spielsaal in Monte Carlo. Darum stiegen wir den Festungsberg hinauf.... Auf dem Plateau übten hinter etnem Drahtgitter ein halbes Dutzend Artillerierefruten. Lafettenübungen oder so was ähnliches. Viele Mädchen mit Kinderwagen fahen zu. Der Unteroffizier schrie, die Rekruten klavoten nach und schossen Böcke. Jetzt wurde - die Kanone ein Stüdlein fortgerollt. Die sechs Soldaten mußten egerzieren. Das ging foso lala. Zwischendurch drehte sich der Unteroffizier herum, gegen das Drahtgitter zu, und sah zu uns heraus. Da es war Stillgestanden! fommandiert büdte sich einer der Rekruten im Rüden seines Vorgesetzten, hob ein kleines Kieselsteinchen auf und warf es ihm gut gezielt auf den aufgeklappten Kragen. Mein Reisekamerad gedienter Einjähriger und Gefreiter packte mich entsetzt am Oberarm. Ich glaube, wir hatten alle beide das Gefühl eines Alps im Traume und erwarteten eine Katastrophe, Blitz und Donner.... Aber da drehte sich der Unteroffizier mit mäßiger Geschwindigfeit herum und drohte mit erhobenem Beigefinger, väterlich und gütig. Die Soldaten grinsten, die Dienstmädchen lächelten, mein Freund aber verftel in einen tosenden Lachkrampf, so laut und überwältigend, daß Militär und Zuschauer uns ebenso besorgt wie verständnislos ansahen. Ich gestehe gern: wenn ich dies fleine Erlebnis irgendwo gelesen und nicht selbst gehabt hätte, würde ich's nicht glauben. Aber Deutsche, die schon lange in Frankreich waren, fagen mir, solche Dinge fämen gar nicht selten vor; und wenn ich's einem Franzosen erzählen würde, fände der nicht ein Körnchen Wit heraus. Ich frage mich noch heute, was wohl auf einem deutschen Kasernenhof geschehen wäre, wenn ein Soldat mit Steinchen nach dem Vorgesetzten geworfen hätte. Wird König Georg die Bürgermeisterin tüffen? Das ist die Frage, auf deren Lösung ganz London gespannt tst. Man muß nämlich wissen, daß König Georg sich ein paar Tage nach der Krönung unter großer Prachtentfaltung zur Guildhall begeben wird, um dort als Gast des Bürgermeisters zu speisen. Der erste Beamte der City wird ihm bei dieser Gelegenheit seine Gattin, die Lady Mayoreß, vorstellen, und es ist seit den Tagen der Königin Anna Sitte, daß die Dame bei der Vorstellung vom König gefüßt wird. Dieser schöne Brauch wurde nur einmal ge= brochen, und der ihn brach, war was als ein böses Omen gelten könnte, ein Georg, nämlich Georg 1. Als der Monarch die Guildhall betrat, streckte ihm die damalige Lady Mayoreß die züchtigen, verschämten Wangen zum Kusse hin. Ob der König in seiner Verwirrung das nicht Jah, oder ob er ungalant genug war, es nicht sehen zu wol= Ien, weiß man nicht: Tatsache ist, daß der erhoffte Kuß nicht gegeben wurde, und daß die Lady Mayoreß, die das als einen Schimpf betrachtete, dem verblüfften Herrscher den stolzen Nacken zeigte und die Tür zuschlagend, den Saal verließ. Georg 5. wird nicht ein Gleiches tun. Die Frage ist nur, ob er die Wange, die Stirn oder den Mund der Mady Mayoreß füssen wird. Eines aber ist gewiß: daß die Königin Maria nicht eifersüchtig werden wird, sintemal die Lady Mayores bereits Großmutter ist. Table d'hote in den Neuyorker Schulen. Die vor einiger Zeit in mehreren Neuyorker Schulen probeweise eingeführte Einrichtung, Kindern während der Mittagspause einen Jmbiß zum Selbstkostenpreise zu verabfolgen, hat sich bewährt und soll jetzt auf alle, im öffentlichen Schulsystem einbegriffene Institute, also auch die Hochschulen ausge= dehnt werden. Bei der Zusammensetzung des Speisezettels trägt die Schulbehörde nach Möglichkeit den Eigentümlichfeiten der verschiedenen Nationalitäten und Religionsgemeinschaften in Neuyork Rechnung. Wie Geschäftsgeheimnisse verraten werden. Ein für die Handelswelt lehrreicher Fall von geschäftlicher Spionage war in diefen Tagen in London der Gegenstand einer Gerichtsverhandlung vor der Berufungsinstanz in Straffachen. Zwei Männer, die von den Geschworenen in Newcastle zu sechs und vier Monaten Zwangsarbeit verurteilt waren, hatten Revision eingelegt. Sie waren be straft worden, weil sie durch Bestechungen von Angestellten einer älteren Konkurrenzfirma sich die Kenntnis fremder Fabrikationsgeheimnisse zu verschaffen suchten. Es handelte sich um die Gewinnung und Herstellung gewisser Arten von Kieselerde. Der Lord Oberrichter wies die Berufung nach kurzer Verhandlung zurück, das strenge Urteil wurde aufrecht erhalten. Der Fall ist nur ein Symptom für das ausgedehnte Spionagewesen, das bei den scharfen Formen des modernen faufmännischen Wettbewerbs immer mehr gewachsen ist und von dessen Existenz alle größeren Betriebsleiter wissen, ohne wirklich wirksame Abwehrmittel dagegen zu besitzen. Man erfährt von solchen Fällen geschäftlicher Spionage nur darum so wenig, weil es in den allerseltensten Fällen möglich ist, den Beweis für die Schuld der einzelnen Angestellten zu erbringen. Es gibt eine ganze Reihe von Leuten, die nur davon leben, Geschäftsgeheimnisse zu er= funden und weiter zu verkaufen, ja, diese kaufmännischen Spione können mit ihrem wenig rühmlichen Handwerk, wenn sie schlau sind und Glück haben, reiche Leute werden. Die meisten von ihnen unterliegen freilich mehr der Versuchung einer Gelegenheit, als einem bestimmten Systeme, aber es fehlt doch auch nicht an Individuen, die es sich zum Berufe gemacht haben, in großen Betrieben nur darum eine Anstellung anzunehmen, um während der Arbeit möglichst genau in die Geschäftsgeheimnisse der Brotherren einzuöringen und sie dann der Konkurrenz gegen schweres Geld zu verkaufen. Erst vor einigen Jahren erregte in der englischen Geschäftswelt die Aufdeckung eines solchen Spionagemanövers großes Aufsehen, ohne daß es möglich gewesen wäre, die Folgen abzuwenden oder auch nur den Täter zu bestrafen. Es handelte sich um ein großes Unternehmen von Holzund Steinschneidearbeiten. Die Firma besaß ein Geschäftsgeheimnis, durch das gewisse Artikel leichter, besser und billiger herzustellen waren als die Erzeugnisse der Konkurrenz. Der Inhaber der Firma hatte seit einem Jahre etnen Beamten engagiert, der durch seine Geschäftstüchtigkeit die vollste Zufriedenheit seines Chefs errang und schließlich auch in den inneren Betrieb des Unternehmens eingeweiht wurde. Eines schönen Tages bat er um seine Entlassung unter der Begründung, daß er in die Kolonien gehen wolle. Sechs Monate später brachte eine Konkurrenzfirma Waren auf den Markt, die ebenso gut und dabei billiger waren als die des Hauses, das bisher durch sein Geschäftsgeheimnis allen Wettbewerbern überlegen gewesen war. Die Nachforschungen ergaben mit aller Sicherheit, daß das Geheimnis verraten worden war, aber das Beweismaterial blieb zu dürftig, der ungetreue Beamte lebt heute als wohlhabender Rentter. Noch schlimmer ging es einem französischen Seidenfabrikanten, der ein Verfahren entdeckte, um seine Seidenstoffe in Aussehen und Wert mit unverhältnismäßig geringen Kosten zu verbessern. Er war ein vorsichtiger Kaufmann, und um keinen Angestellten ins Vertrauen ziehen zu müssen, führte er die Anwendung des von ihm ersonnenen Verfahrens in einem geschlossenen Raum eigenhändig und nur mit Hilfe seines einzigen Sohnes durch. Das ging auch eine Zeitlang sehr gut, bis der Sohn in Schulden geriet und in seiner Bedrängnis das Fabrikationsgeheimnis seines Vaters einem großen amerikanischen Seidensyndikat für eine Riesensumme verkaufte. Der Verräter ist seitdem verschwunden. Mulay Hafids Hofhalt. An der Spitze des marokkanischen Hofhalts steht der Hajib, der über ein kleineres Heer von höheren und niederen Hofleuten zu befehlen hat. Der innere Palastdienst setzt sich aus vier Abteilungen zusammen: den Leuten des Bades, den Leuten des Tees, den Leuten des Bettes und den Leuten der Matten. Die Leute des Bades, fünfatg an der Zahl, ausgesuchte Negersflaven, können wohl am beften als Kammerdiener bezeichnet werden. Die Leute des Tees, ebenfalls Negersklaven, deren Zahl sich auf zehn beläuft, haben nicht allein, wie ihr Name besagt, den Tee für ihren kaiserlichen Gebieter zu beretten, sondern auch das dazu nötige Wasser aus besonderen Brunnen zu be= schaffen und zu destillieren. Die Leute des Bettes rekru tieren sich ausschließlich aus denjenigen Stämmen, die ein erbliches Recht dazu haben. Es sind ihrer zwanzig; ihre hauptsächliche Verrichtung besteht darin, das Zelt des Sultans aufzuschlagen und für ihn einzurichten. Außerdem liegt ihnen noch die Pflicht ob, seinen Gebetteppich zu tragen, wenn er sich zum Gebet nach der Moschee begibt. Die vornehmsten von allen, die Leute der Matten, gewissermaßen Kammerherren, sind fast immer mit dem Herrscher verwandt. Für jeden Tag ist einer von ihnen dazu aus ersehen, vor ihm seine Gebetsmatte herzutragen und fie vorschriftsmäßig für ihn auszubreiten. Den kaiserlichen Harem zu Fez darf außer dem Gebieter und den Eunuchen natürlich niemand betreten. Mit Schönen ist er immer reichlich versehen, denn die ergebenen Häuptlinge wetteifern miteinander, ihrem Herrn hübsche Mädchen zum Ge schenk zu übersenden, und die östlichen Länder werden auch in Anspruch genommen, um die im Orient schnell verblühenden weiblichen Reize durch frische zu ersetzen. Von den Bewohnern der Hauptstadt wird die Wache des kaiserlichen Harems mehr gefürchtet, als irgend eine andere bewaffnete Schar, besonders nach Eintritt der Dunkelheit, wenn die verschleierten Damen auf retchgeschirrten Mauleseln zur Erholung spazieren geführt werden. Webe dem, der nicht so schnell wie möglich der Kavalkade weit aus dem Wege geht! Ungestraft darf die bewaffnete Begleitmannschaft im Namen des Sultans über ihn herfallen und ihm auf der Flucht soviel Kugeln nachsenden, wie es ihr gerade beliebt. Londoner Kaisertage. Vom Aufenthalt des Kaiserpaares in London sind heute wieder allerlei interessante Einzelheiten zu melden. Bunächst sei mitgeteilt, was der offiziöse Draht über das Freitag- Programm meldet: Der Kaiser stattete Freitag früh, nachdem er den Vortrag des Gesandten v. Treutler entgegengenommen hatte, eine Reihe von Abschiedsbesuchen ab, die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise besuchten einige Sehenswürdigfeiten. Nachmittags fuhren der König und die Königin mit ihren hohen Gästen, dem Kaiser, der Kaiserin und der Prinzessin Viktoria Luise, mit dem Prinzen von Wales und der Prinzessin Mary in offenen Wagen nach Kensington zu den See und Landkriegsspielen. Nachdem die Herrschaften in der Hofloge Platz genommen, spielten die Musikhöre die Nationalhymne unter den stürmischen Hochrufen der Zuschauer, die sich wiederholten, als der Kaiser die Ehrenwache besichtigte. Der Kaiser und der englische Sozialistenführer. Der Londoner Korrespondent der Wiener Neuen Freten Presse" berichtet über eine Unterhaltung, die der Kaiser in London mit dem Sozialistenführer Macdonald bei dem Frühstück beim Kriegsminister hatte. Aus begreiflichen Gründen könne über den Inhalt des Gesprächs nichts mitgeteilt werden, es set aber höchst interessanter Natur und jedenfalls kein alltägliches Ereignis, daß der Deutsche Kaiser mit einem Sozialistenführer angeregt konverfierte. Die Kaiserin im deutschen Waisenhause. Mit besonderer Liebe beschreiben die englischen Blätter den Besuch der Kaiserin im deutschen Waisenhause und deutschen Hospital in Dalston. Die mütterliche Art der Kaiserin, ihre Geduld mit den kleinen, ihre Freude an der Freude anderer und ihre gütige Anteilnahme an den Leiden der Kranken hat ihr alle Herzen gewonnen. Wie die fleinen deutschen Waisenkinder seit Wochen auf diesen ho= hen Besuch gespannt waren, welche Sorge die Lehrer hat= ten, daß das Lied Deutschland, Deutschland über alles" auch richtig klappte, wie sich die Verwalterin und ihre weiblichen Hilfstruppen sorgten, die Kaiserin könnte vielleicht einen Fleck auf dem Boden oder eine Stelle entdecken, wo nicht Staub gewischt" war, das kann man sich kaum denken. Was die kleinen Mädchen am meisten interessierte, war die Frage, ob die Kaiserin mit einer Krone auf dem Haupte erscheinen werde. Die Kaiserin kam und trug einen Hut. Ein freundliches Lächeln wich fast nie von ihrem Gesicht, und sie sah weder ungewischten Staub, noch sonst irgend welche Fehler. Den Gesang der Kinder fand sie reizend, obwohl sie davon ein wenig reichlich zu hören bekam. Statt des„ Heil dir im Siegerkranz" wurde nach derselben Melodie folgender Vers gesungen: Heil unsrer Kaiserin! Erste im schönsten Sinn der deutschen Frou'n. Hoheit und Weiblichkeit, Treue, Barmherzigkeit, so lebt im Volk bein Bild, Heil, Kaiserin!" Die Kaiserin sprach mit den Waisenfindern wie eine Mutter, sodaß die Kleinen bald alle Scheu verloren, nur einer nicht: Gustav Müller, der der Kaiserin als Jüngster im Waisenhause vorgestellt wurde. Wie alt bist du, Gustav?" fragte die hohe Frau. Gustav wurde feuerrot im Gesicht, hob bald das eine, bald das andere Bein, aber eine Antwort brachte er nicht hervor. Die Kaiserin streichelte dem verlegenen kleinen Burschen das Haar und ging weiter, ohne auf einer Beantwortung ihrer Frage zu bestehen, und Gustav Müller sah ihr stumm und mit offenem Munde nach. Rückblicke der Londoner Presse auf die Kaisertage. London, 20. Mai. Am Ende der Kaisertage äußert sich die Londoner Presse wiederum sehr sympathisch über den Besuch des deutschen Kaiserpaares und stellt fest, welch hohe Frende der Besuch dem Gastgeber bereitet und welche Herzliche Anteilnahme die Hauptstadt daran genommen habe. Die alte Volkstümlichkeit des Kaisers bei den Londonern habe sich aufs neue bewährt und auch die Kaiserin und die Prinzessin haben einen tiefen Eindruck hinterlassen. Drabinachrichten und Deuestes. Die Abstimmung über das preußische Feuerbestattungsgeseh. Berlin, 20. Mai. Das Abgeordnetenhaus hat heute das ganze Feuerbestattungsgesetz in namentlicher Abstimmung mit 156 gegen 155 Stimmen angenommen. Dafür stimmten die Nationalliberalen, Freisinnigen, Sozialdemo= fraten, Freifonservativen und ein Teil der Konservativen, dagegen das Zentrum und der größte Teil der Konser= vativen. Der französische Vormarsch auf Fez. Paris, 20. Mai.„ Eclair" teilt mit, daß in Kürze weitere 15 000 Mann an die marokkanische Westküste entsandt werden sollen. Sie sollen dazu verwandt werden, den Weg nach Fez freizuhalten. Dem„ Echo de Paris". zufolge sollen die französischen Truppen vor Fez eingetroffen sein. Unwetterfatastrophe in der Schweiz. Zürich, 20. Mai. Ueber die Schweiz sind in den letzten Tagen große Regenmengen niedergegangen, die die Flüsse zum Steigen brachten und stellenweise gewaltige Ueberschwemmungen verursachten. Das Städtchen Wallenstadt, einer der ersten Waffenplähe der Schweiz, ist zur Hälfte unter Wasser. Unter den überschwemmten Stadtteilen befindet sich auch das Bahnhofsviertel. Der Rettungsdienst wird durch Kähne besorgt. Auch die Umgebung wurde durch die Kanäle überschwemmt. Die letztjährige Katastrophe ist an Ausdehnung bereits überholt und ein Ende der Wassersnot noch nicht abzusehen. Achtung! 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Heinrich Schott, Spediteur, mit Margarete Klös, geb. Sann, beide in Gießen. rische Arist erbt hat, " " " 17. Friedrich Wilhelm Carl Kaufmann, Musiker, mit Elisabetha Rechitte Kaiser, beide in Fried berg( Hessen). , 18. Heinrich Müller 3., Taglöhner in Alten- Bu seck, mit Maria Hainbach in Gießen. 19. Franz Günther, Eisenbahn- Packmeister in Gie Ben, mit Berta Schneider in Frankfurt a. M. Eheschließungen. Mai 13. Karl Müller, Postschaffner in Gießen, mit Ka tharine Brock in Holzheim, Kreis Gießen. Elektr. Licht. - Bad im Hause. Telephon Nr. 5. " Geschäfts- Empfehlung. " 17. Mathias Bukovac, Fabrikarbeiter in Wetzlar mit Marie Langzettel, geb. Weigel in Gießen 18. Heinrich Schättler, Technischer Eisenbahn- Prat tikant in Kassel, mit Luise Schiffnie in Gießen. Gestorbene. Dem geehrten Publikum von Gießen und Umgegend zur Mai 14. Wilhelm Orbig, Rentner, 69 Jahre alt. gefälligen Kenntnis, daß ich mich als [ 290 14. Emilie Seitz, Dienstmädchen, 36 Jahre alt. Dekorations- Maler u. 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