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Verlag der ,, Gießener Zeitung ,, G. m. b. H. Nr. 143. - - - Telephon: Nr. 362. Reichstagswahlvorbereitungen. des Großherzoglichen Polizei Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. sowie vieler anderer ( Haus Brüder Schmidt.) Mittwoch, den 21. Juni 1911. Die hess. 3entrale für Säuglings und Mutterschutz hielt heute ihre diesjährige VerEine stark besuchte Vertrauensmänner- Versamm- sammlung im Saalbau zu Darmstadt unter Vorsitz des Filung der Volkspartei des 10. württembergischen Reichstagswahlkreises Göppingen Gmünd Schorndorf Welzheim, der durch das liberale Wahl= abkommen der Volkspartei zugewiesen ist, hat den Gemeinderat Gunßer als Reichstagskandidaten aufgestellt. Der Berliner Zeitungsstreik. Solidaritätserklärung der Berliner ZeitungsverlegerBeendigung des Streiks. nanzministers Dr. Braun ab. Der Vorsitzende, sowie der Verwaltungsdirektor gaben ein ausführliches Bild über die Tätigkeit im letzten Jahre; es konnte ein erfreulicher Fortschritt konstatiert werden. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Inseratenzeile. Stellen: gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. | wieder aufzustellen, da es nur die Persönlichkeit Leuns war, die den seitherigen, äußerst gefährdeten Wahlkreis vor dem Ansturm der Sozialdemokraten gehalten hatte. Leun wird sich im Falle seiner Wiederwahl der wirtschaftlichen Vereinigung anschließen. == Lollar, 21. Juni. Die Buderus'schen Eisenwerke Wetzlar beabsichtigen die Leitung einer Ueberlandzentrale Wetzlar- Lollar zu legen. Es wurde 7 beteiligten Gemeinden ein Vertrag vorgelegt, der die AbMaste ist von sämtlichen Gemeinden genehmigt, die Lichtabnahme bis auf weiteres zurückgestellt. * Aus dem Militärwochenblatt. Nach genannte Veterinärbeamte und Unterveterinäre aus GieBen sind zu Veterinäroffizieren ernannt: zum Stabsnahme von Licht und Kraft vorsieht. Das Aufstellen der veterinär der Reserve: der Oberveterinär Dr. Knell; zum Stabsveterinär der Landwehr 1. Aufgebots: der Stabsveterinär Blume. Zum Oberveterinär der Garde- Reserve: Dr. Schweickert; zu Veterinären der Reserve: die Unterveterinäre der Reserve: Lüs senhop und Heine. *) Rodheim a. d. Bieber, 21. Juni. Die vereinigten Kirchengemeinden nahmen am Sonntag im Vormittagsgottesdienst die Einweihung einer Ehrentafel für die Kriegsteilnehmer von 1866 und 1870-71 vor, zu der die Kriegervereine Bieber- Rodheim vollzählig erNamen von 50 Kriegsteilnehmer( Bieber 12, Vetzberg 11 und Rodheim 27) zu lesen. An der Spitze steht der Name des 1866 gefallenen Leutnants van der Hoop und Veteran Ph. Becker- Bieber. Oberhessische Superintendenturkonferenz, schienen waren. Auf der enthüllten Gedenktafel sind die = b= Gestern vormittag tagte in Steins Garten die woran gegen 100 Geistliche Oberhessens teilnahmen. Nach einem von Dekan Schmidt- Schlitz gesprochenen Gebet Darmstadt, die Verhandlungen mit einer kurzen Be= eröffnete der Vorsitzende, Superintendent D. Petersengrüßung der Anwesenden. Nachdem sodann der im verüblichen Weise gedacht worden war, hielt Pfarrer Ködgangenen Jahre verstorbenen Konferenzmitglieder in der Die Verleger folgender Zeitungen erklären nach Kenntnisnahme der Vorgänge in den Zeitungsdruckereien der Firmen Rudolf Mosse, August Scherl und Ullstein u. Co., daß sie die von den Geschäftsleitungen getroffenen Maßnahmen in vollem Umfange billigen: Berliner Blatt, Berliner Börsenzeitung, Berliner Neueste Nachrichten, Deutsche Lehrerzeitung, Deutsche Warte, Deutsche Zeitung, Deutscher Volksfreund, Freifinnige Zeitung, Germania, Märkische Volkszeitung, Nationalzeitung, Neue Preußische( Kreuz-) Zeitung, Nordische Volkszeitung, die Bost, Staatsbürgerzeitung, Tägliche Rundschau, Bossi sche Zeitung. Sie erklären ferner, daß sie darauf ver= zichten, aus dem erschwerten bezw. verringerten Erscheiding- Gelnhaar einen von großer Sachkenntnis und heiBer Liebe zur Heidenmission zeugenden, äußerst intenen der betroffenen Zeitungen geschäftliche Vorteile irkann das Missionsinteresse in weitere Streise getragen werden?" Redner will die Gebildeten unseres Volkes, die leider der Kirche vielfach fremd gegenüberstehen, zur Arbeit an der Mission herangezogen haben. An den Vortrag schloß sich eine sehr rege Aussprache, die noch manche wertvolle Ergänzung zur Sache lieferte. -t Butzbach, 21. Juni. Die 10. Landes- Versammlung des hessischen Fechtvereins„ Waisenschutz" fand gestern hier unter Beteiligung zahlreicher Vertreter aus ganz Hessen statt. gendwelcher Art für sich zu gewinnen. Ferner stellen ressanten Vortrag über die Frage:„ Auf welche Weise versteigerungen auf den städtischen und staatlichen Wiesie ihre Bereitwilligkeit fest, sich nötigenfalls für die Dauer des aufgedrungenen Konflikts in gemeinschaftlicher Entschließung mit den betroffenen Firmen über gemeinsame Abwehrmaßnahmen zu verständigen. einer Die ausständigen Maschinenmeister haben ihre bedingungslose Unterwerfung und die Firma Scherl dagegen ihre Bereitschaft erklärt, 30 von den ausständigen 37 Maschinenmeistern wieder einzustellen. Von Geldsühne von 10 000 Mark, die die Firma Scherl ursprünglich gefordert hatte, nahm sie Abstand auf die Bitte des Zentralvorstandes der Gehilfenschaft, welcher erklärte, für die tarifmäßige Bestrafung der tarifbrüchigen 37 Maschinenmeister zu bürgen. Um 9 Uhr nahmen bereits 10 Mann der Maschinenmeister die Arbeit wieder auf und 20 folgten gestern. Aus Stadt und Cand. Gießen, den 21. Juni. * Das Feuerbestattungsgesetz wurde gestern im Herrenhause in namentlicher Gesamtabstimmung mit 90 Stimmen gegen 84 Stimmen definitiv in der Fassung des Abgeordnetenhauses a n= genommen. vom Sterblichkeitsziffer. Die ausnahms= weis hohe Sterblichkeit, die in der Woche vom 28. Mai bis 3. Juni aus den 5 großen hessischen Städten ge= meldet wurde, ist in der darauffolgenden Woche 4. Juni bis 10. Juni wieder wesentlich zurückgegangen. In Gießen, wo in der vorhergehenden Woche eine Totenziffer von 37,6 bei 23 Gestorbenen festgestellt wurde, konnte in der Berichtswoche eine Sterblichkeitsziffer von nur 18,3 bei 11 Toten verzeichnet werden. * Der Professor für Kirchengeschichte an der Landesuniversität, Geheimer Kirchenrat Dr. Gustav Krüger, feierte ein in seiner Art seltenes Jubiläum. Es waren nämlich 25 Jahre verflossen, seit er hier Privatdozent wurde. * * Sommers Anfang. Heute Mittwoch beginnt falendermäßig der Sommer, wenn auch erst am Donnerstag, um 3 Uhr nachmittags, die Sonne aus tritt. dem Zeichen der Zwillinge in das des Krebses Sie erreicht damit ihre größte nördliche Abweichung vom Aequator, sodaß wir den längsten Tag des Jahres haben. Der Sommer folgt einem Frühling, der reich war an Perioden heiteren, warmen und trockenen Wetters. Ein kurzer, Rückblick auf den Verlauf dieses Frühjahrs zeigt, daß diese Tendenz zu frühlingshaftem, zeitweilig sogar hochsommerlichem Wetter von Anfang an die erkennbar gewesen ist. Bemerkenswert war auch während des ganzen Frühlings in Norddeutschland herrschende Trockenheit. Zumal die vierzehntägige Be- schen Leitung betraut worden. riode warmen Hochdruckwetters zu Ende Mai und Anfang Juni verlief im ganzen Norden des Reiches fast völlig regenlos, während Süddeutschland während dessen ungemein zahlreiche Gewitter hatte. Erst in der zweiten Juniwoche brachten starke Landregen dem Nordosten des Reiches den dringend nötigen Niederschlag, wogegen weiter westlich auch jetzt noch Mangel an Regen besteht. Innerhalb der evangl. Landeskirche Hessens bestehen zur Zeit 210 Kirchench öre. Zählt man im Großherzogtum 435 evangelische Gemeinden, so ist also jetzt nahezu die Hälfte mit Kirchengesangvereinen ausgestattet. Die Dirigenten der Vereine sind zum großen Teil Angehörige des Lehrerstandes. Doch sind in neuester Zeit auch musikalisch befähigte„ Laien" mit der musikaliDie theologische Fakultät zu Gie ßen ersucht die„ Darmst. 3tg." um Abdruck des folgenden Antwortschreibens: „ An den Vorstand der kirchlich- positiven Vereinigung für Hessen, 3. H. des Herrn Pfarrers Bernbeck, Ofarben. Dem Vorstand der kirchlich- positiven Vereinigung für Hessen bestätige ich dankend den Empfang der an die einzelnen Mitglieder der theologischen Fakultät gesandten Abzüge der Nr. 23 des Korrespondenzblatts der Vereinigung. Mit dem Bescheid, welchen das Großherzogliche Oberkonsistorium unter dem 20. Mai 1911 auf die Eingabe der kirchlich- positiven Vereinigung erteilt hat, ist die Angelegenheit für die Fakultät erledigt. liegt ihr durchaus fern, in eine öffentliche Erörterung derselben einzutreten. In vorzüglicher Hochachtung D. M. Schian, Defan." Es Die geplante Kreisausstellung für Ackerbau, Obstbau und Viehzucht dürfte jetzt fast aussichtslos sein, da die Maul- und Klauen- seuche im Kreise ausgebrochen ist. Wahrscheinlich werden die Kreisschauen Büdingen und Gießen verlegt, sodaß Büdingen 1911, Gießen 1912 Kreisausstellung haben würden. * Die Freifahrtscheine der Eisenbahner sind abermals beschnitten worden. Nach einem Ministerialerlaß darf zu Versammlungen der Eisenbahnfach vereine, wie zu Assistenten-, Zugführer, Lokomotivführer, Schaffner 2c.-Versammlungen fünftig nur je einem Vertreter von mindestens fünf Ortsvereinen die freie Fahrt zur Versammlung bewilligt werden. * Das 2. Abonnements Konzert unserer Infanterie- Kapelle findet morgen abend unter Mitwir fung der Pistonvirtuosin Frl. Erne Finke in Steins Garten statt. Aus den uns vorliegenden Presseurteilen ihrem hat die noch jugendliche Künstlerin überall bei Auftreten starke Erfolge erzielt. Da auch das übrige Programm mit Geschmack zusammengestellt ist, so können wir den Besuch des Konzertes nur bestens empfehlen. -)( Großen Linden, 20. Juni. Landtagswahl. Jm Wahlkreis Großen- Linden- Heuchelheim( früher Gießen- Land) beabsichtigt man, an dem seitherigen Abgeordneten Leun festzuhalten. Man betrachtet in den beteiligten Kreisen als eine Dankespflicht, ihn es *) Bad Nauheim, 20. Juni. Bei den Grassen wurden Spottpreise erzielt. Es wurden für den Im kleinen Morgen durchschnittlich 20 Mark bezahlt. Sommer 1909 wurden dagegen 60-75 Mark bezahlt. Selbst auf den besten Wiesen fehlt das Bodengras. *) Büdingen, 21. Juni. Unter Vorsitz des Fürsten Wolfgang zu senburg- Büdingen hat sich hier ein vorbereitender Ausschuß zusammengesetzt, um eine festliche Zusammenkunft ehemaliger Schüler und Lehrer des Gymnasiums in die Wege zu leiten. Die Feier soll im August d. Js. stattfinden. * Aus der Wetterau, 20. Juni. Zur Mäuseplage hat sich noch die Ratten- und Hamsterplage gesellt. Die lästigen Nager richten allenthalben beträchtlichen Schaden an. Vielerorts sind sie die Ursache, daß auf den Kartoffeläckern massenhaft die Kartoffeln„ ausgeblieben" sind, da die Setzkartoffeln total aufgefressen worden sind. Von den Gartenbesitzern ist dazu noch häufig beobachtet worden, wie die Ratten, die sonst im Felde doch nur selten auftreten, auch die Erdbeeranlagen beschädigen, indem sie die reifen Früchte wegfressen. Darmstadt, 21. Juni. Der Mörder He B, der am Samstag durch die Geschworenen trotz seines hartnäckigen Leugnens zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, hat vor dem Richter seine Strafe anerfannt. * -)(- Darmstadt, 21. Juni. Ein raffinierter Gauner wurde in der Person des 26 Jahre alten Taglöhners Johann Adam Berlieb aus Erbach von der Strafkammer am Dienstag zu 1½ Jahren Gefängnis verurteilt. Er war bei seinem Bruder in Stellung und ging, obwohl er verheiratet ist, mit der dort ebenfalls dienenden Elise Schimpf ein Verhältnis ein. Nachdem er ermittelt hatte, daß sie vermögend sei, veranlaßte er das Mädchen, ihrer Mutter ein Sparkassenbuch mit 600 Mt. zu stehlen. Er erhob das Geld und fuhr mit dem Mädchen nach Luxemburg. Dort gab er ihr 30 Mark und ließ sie sitzen, während er das übrige Geld verjubelte. Er erhielt 12 Jahre, das Mädchen wegen Diebstahls unter mildernden Umständen 6 Monate Gefängnis. -i Mainz, 21. Juni. Es gibt Leute, die in einer die bestimmten Stadt eine Anzeige aufgeben wollen, dortigen Blätter aber nicht kennen, und so senden sie einfach ihre Anzeige nebst dem Geldbetrag nach M. an das„ meistgelesene Blatt". Die Post ist betanntlich äußerst findig, in normalen Fällen fällt es ihr auch nicht schwer, die richtige Zeitung zu finden. Aber blieb fürzlich kam sie in eine arge Verlegenheit und es ihr nichts übrig, als den Auftrag zurückzusenden. Warum, ergibt sich aus dem Postvermerk, der so lautete: Wir haben hier 5 Zeitungen, die sämtlich am meisten gelesen sind!" * - Zu dem UnglücksFrankfurt, 21. Juni. fall im Cronberger Zuge, der den Architekten Fink betraf, teilen dessen Angehörige mit, daß sich dieser nicht zum Fenster hinausgelehnt habe und daß er nicht von einem Unwohllein betroffen worden sei. Fink habe nur am Fenster gestanden, sodaß kaum das Gesicht über das zur Hälfte hoch gezogene Fenster des D- Zugwagens hinausgeragt habe. Kolonialbesitz und Volkswirtschaft. kömmliche Existenz wünschen sollten. Einem Unternehmen, gleichgültig, ob Handel, Industrie oder Landwirtschaft, dem durch ewige Erbteilung immer nur Mittel entzogen werden, dem kann kein Gesetzgeber, fein Bund der Landwirte helfen, es muß zugrunde gehen." Rundschau vom Cage. Politisches. Das deutsche Kronprinzenpaar ist am Montag mittag nach einer guten Ueberfahrt zu den Krönungsfeierlichkeiten in London eingetroffen. Nach einer herzlichen Begrühung durch Mitglieder des Königshauses fuhren sie nach dem Buckingham- Palast, wo sie vom König und der Königin empfangen wurden. Auch Prinz Heinrich von PreuBen ist zu den Feierlichkeiten in London eingetroffen. Die Kolonialfrage hängt mit der Machtstellung des Deutschen Reiches in der Welt und mit seiner eigenen wirtschaftlichen Wohlfahrt auf das engste zu Jammen. Das Deutsche Reich braucht Kolonten um seiner eigenen Volkswirtschaft willen, und wenn es noch keine hätte, so müßte es sich aus Rücksicht auf seinen eigenen Wirtschaftsstand solche schaffen. Deutschland ist bekanntlich ein dicht bevölkertes Land, und seine Einwohnerzahl wächst stetig. Die Tatsache, daß alljährlich Tausende das deutsche Vaterland mit dem Auslande vertauschen und auswandern, beweist, daß das Deutsche Reich ständig einen ansehnlichen Ueberschuß an nußbringender Arbeitskraft an das Ausland abgibt. Denn altersschwache oder nicht arbeitsfähige Leute nimmt uns das Ausland nicht ab. Was aber dahin geht, bleibt im allgemeinen auch dort und kehrt nur in den seltensten Fällen wieder heim. Diesen Ueberschuß an Arbeitskraft kann das Deutsche Reich und Volk aber auf das Beste zum eigenen Nußen verwerten, wenn es seinem Zuge die Richtung nach solchem Auslande geben kann, das doch auch Inland ist, nämlich nach Kolonien, die Besitz und darum ein Teil des Reiches sind. So lange wir keine Kolonien hatten, mußte, was dabeim keinen Platz fand, notwendig unter fremder Herrschaft sich ansiedeln. Jetzt ist das nicht mehr nötig. Jetzt ist vielmehr das Deutsche Reich im Stande, allen, denen es zu Hause zu eng wird, eine weitere Welt zu bieten. Jetzt kann es ihnen sagen: Gehet in unsere Kolonien, da bleibt Ihr Deutsche. Das Vaterland hat nach wie vor den ihm gebührenden Nußen von seinen Söhnen und Töchtern und sie den Schutz und die Förderung, die sie von dem Stamme wohl erwarten können, dessen Frucht sie sind. Was für einen besonderen Einfluß Kolonien auf Handel und Industrie ihres Heimatlandes haben, das zeigt ein Blick auf England. Englands glänzender Volksreichtum stammt aus seinem Welthandel, das auf seiner Industrie und auf seinen Kolonien gegründet ist. Das sind die beiden Hauptquellen, die dem Mutterlande Handelsgegenstände, Erzeugnisse des Gewerbefleißes oder Rohstoffe lieferten und immer noch liefern. Das Deutsche Reich hat ebenfalls solche Kolonien, mögen sie auch nicht so wertvoll sein wie Indien oder Südafrika. Sie brauchen nur richtig bewirtschaftet zu werden, so werden Handel und Industrie und auch die Landwirtschaft bald merken, daß ihnen Gewinn daraus erwächst, weil neue Absatzgebiete sich erschließen und Rohstoffe, die die ganze Welt braucht zum Verschicken sich darbieten. Austausch zwischen Industrie und Landwirtschaft. Der Vizepräsident der Berliner Handelskammer, Geheimer Kommerzienrat Ravenee, hat sich in bemerkenswer fer Weise über einen zweckmäßigen gegenseitigen Austausch der jüngeren Söhne in Industrie und Landwirtschaft ausgesprochen. Er sagte im einzelnen: Zu dem Besuche des Königs von Sachsen in München wird der„ Voss. 3tg." von dorther gemeldet: Die Unterhaltung des Königs mit dem Prinzregenten hat ziemlich lange gedauert. Daß der Besuch des sächsischen Königs nicht lediglich ein Höflichkeitsaft war, darf man mit ziemlicher Sicherheit annehmen, da infolge des hohen Alters des Prinzregenten noch in der letzten Zeit wiederholt auch fürstliche Besuche abgedankt waren. Vermutlich hängt die Reise mit der Absicht der früheren Kronprinzessin von Sachsen zusammen, sich von ihrem gegenwärtigen Gatten scheiden zu lassen und nach Lindau Lindau ist bayerisches Gebiet überzusiedeln. Darauf würde dann auch deuten, daß der König von Sachsen heute zum Besuche näherer Verwandten seiner früheren Gattin, der Gräfin Montignoso, nach Lindau fährt. Es scheint so, als ob der König von Sachsen die Erlaubnis des Prinzregenten zu dauerndem Aufenthalt der früheren Kronprinzessin auf bayerischem Gebiet hätte erwirken wollen. Beanper Hotels De urg der Barte au ragen au Betra Brachte th Antlage nommen verfchaffen Annahme Monate G waltschaft mildernde Kabinetten von Paris und Madrid über die marokkanische Angelegenheit eine gewisse Schärfe erhalten, durch welche die diplomatische Lage etwas heifel gestaltet wird. Man faßt in Paris die Möglichkeit einer langen Dauer diplo matischer Schwierigkeiten ins Auge, wofür der spanischen Regierung alle Verantwortung zugeschoben wird. Ein Pariser Blatt läßt sich aus Madrid melden, man hege dort die Besorgnis, daß Frankreich die spanisch- marokkanische Aktion mit 3ollrepressalien beantworten und die bisherige strenge Ueberwachung der spanischen Anarchisten und Karlisten an der Grenze einstellen könne, was für den inneren Frieden Spaniens sehr gefährlich wäre. Die Protlamierung der Republit Portugal. In Lissa bon trat am Montag die gesetzgebende Nationalversamm lung zusammen und erließ ein Dekret, in dem es heißt: Die Versammlung proklamiert und dekretiert, daß erstens die Monarchie für immer abgeschafft und die Dynastie Bra ganza verbannt ist. Zweitens, die Regierungsform Por tugals ist die demokratische Republik. Die gleiche Pro flamation wurde vom Fenster aus dem Volk vorgelesen. Großer Jubel herrschte in und vor der Kammer. Der Tag der Proklamation soll als Nationalfeiertag gelten. Auf der Suche nach Castro. Das sich trotz aller Des mentis haltende Gerücht, der frühere venezolanische Präsident Castro weile gegenwärtig auf Haiti, hat bisher noch teine Bestätigung gefunden. Der nordamerikanische Kon sul in Port- au- Prince, sowie der Kapitän des in den hai tianischen Gewässern kreuzenden amerikanischen Kriegs Schiffes ,, Birmingham" haben gemeldet, daß ihre Nachfor: schungen nach dem Aufenthalt Castros bisher erfolglos gewesen sind. In Washington hat man von diesen Meldungen zwar Kenntnis genommen, doch glaubt man noch immer, daß Castro sich in Port- au- Prince verborgen hält, Kleine Nachrichten. Von der deutsch- chinesischen Hochschule in Tsingtau. Nach einem Telegramm der Deutschen Kabeltelegrammgesellschaft", ist die medizinische Fakultät der deutsch- chinesischen Hochschule mit 12 Schülern eröffnet worden. Weitere Söhne aus angesehenen chinesischen Familien sind angemeldet. Die Aussichten auf Annahme des Feuerbestattungsgesezes im preußischen Herrenhause sind nicht so gut, wie anfangs angenommen wurde. Die konservative Fraktion wird mit 19 Ausnahmen gegen das Gesetz stimmen, desgleichen die katholischen Mitglieder des Hauses, die neue Fraktion hat sich fast einstimmig für die Annahme des Gesetzes ausgesprochen. Beide Fraktionen halten sich in der Stärke die Wage. Das Schicksal des Entwurfes wird also von der Besetzung des Hauses abhängen, man rechnet mit einem gutbesetzten Hause bei der Schlußabstimmung. Nicht ausgeschlossen bleibt, daß das Plenum des Herrenhauses am Entwurfe noch Abänderungen vornimmt, so daß dieser nochmals an das Abgeordnetenhaus zurückgehen müßte. Der 12. deutsch- nationale Sandlungsgehilfentag in Breslau befaßte sich mit der Frage des einheitlichen Privatangestelltenrechts und der Angestelltenversicherung. In den dazu angenommenen Resolutionen lehnte der Handlungsgehilfentag es ab, die Entwicklung des Handlungsgehilfenrechts und die Hebung der Handlungsgehilfenschaft dadurch hemmen zu lassen, daß die Handlungsgehilfenbewegung als Vorspann für Vereinheitlichung der Privatangestelltenbewegung benugt wird. Der Handlungsgehilfentag war entschieden dagegen, die Handlungsgehilfen aus der bestehenden sozialen und Rechtsgemeinschaft mit dem gesamten Handelsstande herauszureißen und in eine solche mit den übrigen Privatangestellten hineinzwängen zu lassen. Den Entwurf eines Versicherungsgesetzes für Angestellte erkannte der Handlungsgehilfentag dankbar an, er bedauerte aber, daß wichtige Forderungen des Hauptausschusses( Versicherungsgrenze, Anrechnung der Stellenlosigkeit, Beiträge und Leistungen, Ausdehnung der Versicherungspflicht u. a.) für die staatliche Pensionsversiche rung noch nicht verwirklicht wurden. An den Reichstag und den Bundesrat richtete der Handlungsgehilfentag das Ersuchen, alles daranzusetzen, die nach seinen Forderungen verbesserte Angestelltenversicherung noch vom gegenwärtigen Reichstag verabschieden zu lassen. „ Wenn viele Familien auf dem Lande klagen, so ist dieser Umstand nicht zu suchen in Bevorzugungen, die von dem Gesetzgeber in den letzten Jahren nach Ansicht des Bundes der Landwirte Handel, Gewerbe und Industrie gemacht worden sein sollen; der Grund liegt viel tiefer. Eine außerordentlich große Anzahl dieser Familien hat sich nicht dazu verstehen können, einen Teil ihrer Söhne in Berufsklassen zu lenken, in denen die Möglichkeit gegeben wird, neues Geld zu erwerben. So, wie wir gern den zweiten und dritten Sohn zur Verfügung stellen, um das ausgezeichnete Beamtentum, über das wir in unserem Vaterlande verfügen, mit zu ergänzen, so, wie wir den lebhaften Wunsch haben, daß einige unserer Söhne sich dem Offiziersstande widmen, so sollten diese Familien auf dem Lande unter Ueberwindung veralteter Vorurteile endlich zu dem Resultat kommen, daß es nicht unvornehm ist, sich einem Stande zu widmen, der es ihnen ermöglicht, auf eigenen Füßen zu stehen, und so die heimische Scholle zu entlasten. Soweit wie wir Industrielle und Kaufleute dabei in Frage kommen, können diese Familien überzeugt sein, daß wir, wenn sie uns ihre Söhne anvertrauen werden, dieselben mit der gleichen Liebe ausbilden und für ihren späteren Beruf erziehen werden, wie wir das mit unseren eigenen Kindern zu tun pflegen. Hierdurch würde sich auch naturgemäß in den Kreisen der Landwirtschaft ein besseres Verständnis herausbilden für die ungeheuren Schwierigfeiten, die Handel, Gewerbe und Industrie tagtäglich zu überwinden haben. Man würde in agrarischen Kreisen kennen lernen, was es heißt, Kapital- und Konjunkturverluste zu erleiden; man würde aber auch bald zu der Erkenntnis gelangen, daß es angenehmer ist, in den Sommermonaten in Gottes freier Natur zu arbeiten und im Winter, in Zeiten, wo durch die Witterung eine natürliche Ruhepause in der Arbeit eintreten muß, sich den Freuden der Jagd hinzugeben, als Winter und Sommer von mor= gens bis Abends Werkstatts- und Kontorluft zu atmen. Geschieht das nicht, so werden viele Familien auf dem Lande in Schwierigkeiten geraten müssen, eine Tatsache, dte auch wir bedauern würden; denn ich benutze diese Gelegenheit, dem Wahnsinn entgegenzutreten, der uns von gewisser Seite angedichtet werden soll, als wenn wir Feinde der Landwirtschaft wären. Wir haben viel zu viel Respekt vor der ehrlichen Arbeit einer ganzen Berufsklasse, als daß wir nicht unseren deutschen Brüdern auf dem Lande eine aus4) Und dennoch. Novelle von Ernst Busolt. Nachdruck verboten. „ Die Trauer kleidet Sie gut, meine liebe Konstanze, in der Tat, sehr gut." Mit diesem Troste führte Frau van der Landen den Gast zum Sofa, wonach die junge Dame nun ihrerseits ihre Reiseerlebnisse mitteilte, deren Erzählung aufmerksam angehört wurde. Adrian blickte zur Decke empor, trommelte mit den Fingern auf der Tischplatte und sah äußerst gelangweilt aus, als er fortwährend von Testamenten und Advokaten, von Staatsapapieren und Grundbesitz vernahm. TL eines Beg biger erkl waltschaft ten nach Stellung e timationsp nad 363 Der Geric anwalt füil tracht fom rights müff Der ehemalige Rennfahrer Brener, der wegen Ermordung des Mühlenbesizers Mattonet zum Tode verurteilt worden war, vom Kaiser jedoch zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt wurde, ist zu dauerndem Aufenthalt in das Zuchthaus zu Diez in Baden übergeführt worden. Entschädigung eines unschuldig Bestraften. Der im Effener Meineidsprozeß Schröder zu drei Jahren Zuchthaus verurteilte, im Wiederaufnahmeverfahren jedoch freigesprochene Bergrann Wilfing aus Scharnhorst erhält laut Gerichtsbeschluß für die unschuldig erlittene Strafe 4000 Mark Entschädigung. Wilking verlangte 7162 Mark. Der Papst und die Feuerbestattung. Wie die„ Köln. 3tg." aus Rom meldet, erklärte der Papst gegenüber einer Behauptung des schweizerischen Oberst Hueber, er sei ein Freund der Leichenverbrennung, daß diese Meldung unzutreffend sei. Der Papst habe im Gegenteil befohlen, daß seine Leiche im Todesfalle nicht einbalsamiert werde, sondern alsbald der Erde zu übergeben sei. Als ein Feind der Schreibmaschine hat sich Prinzregent Luitpold von Bayern erklärt. Er hat Befehl erteilt, daß thm keine rit der Schreibmaschine hergestellten Aktenstücke mehr vorgelegt werden. Deren Lesen sei ihm unangenehm. Alte und neue Zeit wollen sich nicht recht ineinander schicken. Der französische Kriegsminister gegen die Antimilita riften. Der französische Kriegsminister hat die Korpskommandeure durch einen Erlaß aufgefordert, antimilitaristische Umtriebe in der Armee unnachsichtlich zu unterdrücken und jeden Soldaten, welcher sich zweimal einer antimilitaristischen Kundgebung schuldig mache, in die Strafkompanie zu versetzen. Nach kurzer Zeit trat, wie oft nach lebhaftem Gespräch, eine plötzliche Pause ein, und schon fürchtete Adrian den Augenblick gekommen, wo die Mutter ihre Hilfstruppen bei stockender Konversation stets dieselben gegen den übertriebenen Lurus unserer Zeit und über den immer fühlbarer werdenden Mangel an echtem patriarchalischen Familienleben ins Feuer senden würde, als dieselbe fragte, ob Professor Moser schon seine Aufwartung gemacht. Aufmerksam wie immer, lächelte Fräulein von Grimmen. ,, Er hat mir herrliche Blumen in Form einer Lyra gesandt und ließ mir sagen, er würde noch heute abend vorsprechen. Wenn er mich nicht findet, wollte er, mit Ihrer gütigen Erlaubnis, hierher kommen." Der spanisch- französische Gegensatz wegen Marokko hat durch die Einstellung des Meinungsaustausches zwischen den ,, Bitte, bitte," meinte der Vater; ist uns stets ein Vergnügen, Ihre Freunde bei uns zu sehen, metne Gnädige. Sie wissen es: das Haus hier ist Ihre zweite Heimat." - Ueber eine Familientragödie wird aus Berlin gemeldet: Montag vormittag wurden der Konfitürenhändler Schulz und Frau, die in der Schönhauser Allee ein gutgehendes Geschäft betrieben, tot in der über ihrem Laden befindlichen Wohnung aufgefunden, ebenso ihr Hund. Man nimmt an, daß die Ehefrau, die am Abend vorher einen heftigen Streit mit ihrem Manne hatte, sich und ihren Mann mit Leuchtgas vergiftete. Es wäre allerdings nicht sehr schwer gewesen, passende Worte zu finden, die dies Gespinst weiter gebracht; es waren aber der Fäden schon genug vorhanden, die dem Konsul den Hals einzuschnüren drohten.„ Es ist uns selbstverständlich die größte Ehre!" murmelte er. gemeinen Radfahren. Standpunt 363 auf Geschwore und bejaht papiers. ftrafe. Der besuchte ge gen und be und seinen des Berlin dhen wurde jeft sehr in B. T." zu der Jungfe Bolt wünid 300logischen fei. Sie w wie man m nehmen ver bodh am best Masse des iberaus reg Schwerer Baunnfall. Auf einem Neubau in Spandau stürzten gestern drei Volkons mit einem Teil der Frontmauer zusammen. Ein Maurer und ein Arbeiter wurden unter den Trümmern begraben und konnten erst nach langen Bemühungen aus ihrer schwierigen Lage befreit werden. Einer von ihnen hat so schwere Verletzungen erlitten, daß er nach dem Krankenhaus überführt werden mußte. Ein Opfer seines Bernfes. In Nürnberg starb der Assistenzarzt am städtischer Krankenhaus Eduard Fritsch im Alter von 27 Jahren. Fritsch hatte sich vor einigen Wochen durch Tnphusbazillen infiziert, wurde krank und starb nach qualvollem Leiden. Das Fräulein sah ihn mit ihren hellen blauen Augen so spöttisch und überlegen an, daß es ihm wirklich unheimlich zu werden begann. Die harten Züge des alten Mannes verzogen sich zu einem freundlichen breiten Grinsen gewisse Physiognomten fönnen nicht lächeln, als er, sich Adrian zuwendend, meinte:„ Bring es in hübsche Worte, Adrian! Habe Dich start im Verdacht, auch ein heimlicher Reimschmied Ju sein." Mitternacht hatte geschlagen, als Adrian sich zur Ruhe begab. Noch gellten ihm die scharfen Töne des unter Mosers Händen ächzenden Flügels in die Ohren. Nach dem Walkürenritt hatte Moser Auszüge aus einer soeben von ihm vollendeten Oper vorgetragen, mündlich erläuternd: Jezt naht der König, Chor der Barden, Chor der Recken, Hilderichs Klage, Minonas Gesang." " 115 Häuser durch einen Erdrutsch zerstört. Aus Belluno ( Italien) wird gemeldet, daß ein schwerer Erdrutsch sich in der Nähe von Agordo ereignet hat. Eine ganze Ortschaft von 115 Häusern, die zu den Füßen eines Berges liegt, tst zerstört worden. Die Bewohner waren so rechtzeitig geweckt worden, daß sie ihre Wohnungen verlassen konnten. Troßdem sind drei Personen getötet worden. Ein Zyklon hat gestern in der Gegend von Locle am Genfersee gewütet. Ein kinematographentheater wurde vollständig zerstört. Der sonst angerichtete Schaden ist bedeutend. Aus den Gerichtssälen. Die abgeänderte Radfahrkarte. Ein Arbeiter aus elnem Dorfe bei Weißenfels hatte auf seiner Radfahrkarte die Jahreszahl des Ausstellungsdatums 1910 in 1911 umblatt, die nicht die Natur betrachten mag, die von allem gelangweilt wird, was Kunst anbelangt, der das innerste Denken ihres Mannes entgeht, entgehen muß,- unmög lich! Adrian sehnte sich nach einer Häuslichkeit; gerade seine Stellung ließ ihn die Hausfrau gar sehr vermissen, aber er träumte sich seine Frau anders, ganz anders, als Konstanze von Grimmen! Dank einem gütigen Geschick, der Abend ist vorüber! Adrian öffnet die Fenster. Süßer Duft von verblühenden Nachtviolen strömt aus der dämmerschwülenSommernachtsstille des Gartens zu ihm herauf; der dunkle, sternfuntelnde Himmel schimmert zwischen den großen Bäumen hervor. Jm Winde flackern die blau- gelben Flammen der Kerzen. Adrian blidt gedankenvoll hinaus. Vor seinem geistigen Auge zeigt sich mit silhouettenartiger Schärfe das Bild der ihm bestimmten Braut. Er sieht ihr feines Profil, den ernsten Blick, er atmet gleichsam jene Atmosphäre fühler Gelassenheit, die sie umgibt. Er weiß es, daß wenig Frauen mit so vielen vortrefflichen Eigenschaften ausge stattet sind, wie Konstanze, wenige beständiger in der Freundschaft, aufrichtiger Tugend und Sittenreinheit. Und dennoch! Würde jenes mitleidige, strenge Lächeln, mit dem sie heute abend Mosers Vorträgen gelauscht, nicht auch um ihre Lippen spielen, wenn Adrian ihr die Verse eines Petrarka und Chateaubriand, eines Byron und Heine vorlesen, seine Bilder und Skizzenmappen vor ihr ausbreiten, seine so mühsam gesammelten Kunstschäze ihr zeigen würde? Und mit einer Frau leben, an der die goldenen Worte der Poesie abgleiten wie die Tautropfen an einem Efeugab, sagte, lommen ins bagenbed n Kaiser, tom Cin pei hippique. lung in Pose L- Anz." am Tage fand Jener Renn Leiter der A fener Regim Damenreiten traten einig Concours hi Ein frischer Wind strich am folgenden Morgen über den schon herbstlich werdenden Garten. Leise spielte er in dem Laub und brachte Leben und Bewegung in die Natur, ohne sie zu beruhigen. Als Adrian seine Eltern begrüßte, saßen beide am geöffneten Erkerfenster in dem großen, eichengetäfelten Wohnzimmer, das mit den in alten schwarzen Holzrahmen gefaßten Bildern der holländischen Eltern, Groß- und Urgroßeltern geschmückt war. Und steif und starr sahen die Mynheers in ihren Röcken von dunklem Utrechter Sammet, papageigrünen, blumengestickten Westen, die Myfrows in ihren mandel- oder in ihren amethystfarbigen Seidenkleidern, Brabanter Kanten um den Miederausschnitt, Tulpen in den weißen, wohlgepflegten Händen auf die junge Generation herab. Diese, durch Adrians Eltern vertreten, stand ihnen an förmlichem Wesen nicht nach. Beide hatten, ohne sich anzulehnen, einander gegenüber Platz genommen; die Mutter, obschon es kaum 8 Uhr war, ihre Tapisseriearbeit in der Hand. näher bezeid fie nicht mit fih vor eini bemerkbar ge infolgedeffen merliste. No Teilnehmer auch das aus erscheinenden deur heran Damenreiten widerte, er Ihr Gatte las ihr mit monotoner, flangloser Stimme einen politischen Bericht vor. Hast die Sache gestern nicht in Ordnung gebracht und hattest doch die beste Gelegen heit," meinte er, das Blatt pedantisch zusammenfaltend und fortlegend, indes die Mutter mit jener feierlichen Langsamkeit, die alle ihre Bewegungen charakterisierte, Adrians Tasse aus der spiegelhell glänzenden, fupfernen Teemaschine füllte. Man muß nichts übereilen," wendete sie ein.„ Gestern wäre ein derartiges Vorgehen wenig angebracht gewesen; Konstanze war ja in Trauer." ( Fortsetzung folgt.) nicht für gee Darauf attat einem Schirn damit den D griff, zog die Borfalles ver Verzweif gangener W wohnenden G im Alter von Rentiersleute dort zu verlet halsübel uni treiben ihrer in Quedlinb tellte, daß da Frau war da fam mit ihre fuchte und fa Präsiden 34 Washingto mit seiner C Chrungen w verzichtet. 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Er wollte anscheinend daburg der Mühe entgehen, ein Formular für eine neue Rarte aus Weißenfels au holen und zum Amtsvorsteher fragen zu müssen, auch wohl die Kosten dieses Formulars m Betrage von 10 Pfennig ersparen. Sein Vorgehen Brachte ihn vor das Schwurgericht in Naumburg unter der Antlage der Fälschung einer öffentlichen Urkunde, unternommen zu dem Zweck, sich einen Vermögensvorteil zu verschaffen(§ 268 des Strafgesetzbuches), worauf selbst bei Annahme mildernder Umstände als Mindeststrafmaß dret Monate Gefängnis stehen. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte Schuldigsprechung unter Bewilligung mildernder Umstände, wobei er übrigens die Befürwortung eines Begnadigungsgesuches in Aussicht stellte. Der Vertei diger erklärte, fich nur den Ausführungen der Staatsanwaltschaft anschließen zu können. Die Geschworenen kehrten nach kurzer Beratung zurück und beantragten die Stellung einer weiteren Frage auf Fälschung eines Legi= timationspapiers zwecks besseren Fortkommens( worauf nach§ 363 Haft oder Geldstrafe bis zu 150 Mark steht). Der Gerichtshof gab diesem Antrage statt. Der Staatsanwalt führte hierauf aus,§ 363 fönne hier nicht in Betracht kommen, denn nach einer Entscheidung des Reichsge= richts müsse es sich dabei um besseres Fortkommen im allgemeinen handeln, nicht zu einem speziellen Zweck wie Radfahren. Auch der Verteidiger erklärte, von seinem Standpunkt als Jurist aus nicht für die Anwendung von 363 auf den vorliegenden Fall eintreten zu können. Die Geschworenen verneinten die Frage auf Urkundenfälschung und bejahten die Frage auf Fälschung eines Legitimationspapiers. Der Gerichtshof erkannte auf 30 Mart GeldStrafe. Vermischtes. Der Kaiser und der Berliner Zierpart. Der Kaiser besuchte gestern den Hagenbeckschen Tiergarten in Stellingen und begab sich dann mit dem Inhaber Karl Hagenbed und seinen Söhnen in das Kontor, wo ihm das Projekt des Berliner Tierpartes vorgelegt und eingehend bespro chen wurde. Der Kaiser, der erklärte, daß er diesem Pros jeft sehr sympathisch gegenüberstehe, betonte noch, wie das B. T." zu melden weiß, daß der Berliner Tiergarten in der Jungfernheide gerade das sei, was er sich für sein Volf wünsche. Der Arbeiter geniere sich, in den Berliner Zoologischen Garten zu gehen, weil ihm der zu vornehm fet. Sie wissen gar nicht, entgegnete er Karl Hagenbed, wie man mich bearbeitet und gegen Ihr Projekt einzunehmen versucht hat. Aber schließlich weiß ich ja selber doch am besten, was ich will und vor allem, was der breiten Masse des Volkes fehlt. Der Kaiser, der wiederholt ein liberaus reges Interesse an der Berliner Schöpfung fund gab, sagte, daß er sich ganz energisch für das Zustande= lommen ins Zeug legen werde. Für den Fall, daß Karl Hagenbeck nach Berlin kommen werde, solle er zu ihm, dem Kaiser, kommen und ein paar Tage bei ihm bleiben. Ein peinlicher Zwischenfall beim Posener Concours hippique. Im Weinrestaurant der Ostdeutschen Ausstellung in Posen spielte sich nach einer Meldung des Berliner L.- Anz." am Sonntag eine häßliche Szene ab. An diesem Tage fand nachmittags auf dem Rennplage ein vom Po[ ener Rennverein veranstalteter Concours hippique statt. Leiter der Veranstaltung war der Kommandeur eines Posener Regiments. Auf dem Programm stand auch ein Damenreiten. Kurz vor Erefutierung dieses Rennens traten einige Damen der Gesellschaft an den Leiter des Concours hippique heran und erklärten, daß, wenn eine näher bezeichnete Dame am Damenreiten sich beteilige, sie nicht mitreiten würden. Gemeint war eine Dame, die fich vor einigen Jahren in der Deffentlichkeit unliebsam bemerkbar gemacht hatte. Der Leiter der Rennen strich infolgedessen den Namen des Fräuleins von der Teilnehmerliste. Nach beendetem Rennen versammelten sich die Teilnehmer in einem Weinrestaurant. Erschienen war auch das ausgeschlossene Fräulein. In einem ihr geeignet erscheinenden Moment trat sie an den Regimentskommandeur heran und verlangte Aufklärung, weshalb sie am Damenreiten nicht teilnehmen durfte. Der Offizier erwiderte, er halte den gegenwärtigen Augenblick und Ort nicht für geeignet, die gewünschte Aufklärung zu geben. Darauf attatierte die schlagfertige Dame den Gegner mit einem Schirm. Als dieser unwillkürlich an den Degen griff, zog die Dame eine geladene Pistole und bedrohte damit den Offizier. Rasch dazwischen tretende Zeugen des Vorfalles verhinderten weitere Gewalttätigkeiten. Verzweiflungstat einer Mutter. Am Mittwoch vergangener Woche reiste die Frau des im Norden Berlins wohnenden Steinmetzen Kessel mit ihren beiden Knaben im Alter von drei und fünf Jahren zu ihren Eltern, den Rentiersleuten Marsch in Quedlinburg, um einige Tage dort zu verleben. Frau K. litt seit längerer Zeit an einem Halsübel und stand in ärztlicher Behandlung. Auf Betreiben ihrer Eltern suchte sie am Sonnabend einen Arzt in Quedlinburg auf, der nach längerer Untersuchung feststellte, daß das schwere Leiden der Frau unheilbar sei. Die Frau war darüber so verzweifelt, daß sie gestern gemeinsam mit ihren Kindern den Tod in den Fluten der Bode suchte und fand. Präsident Tafts Silberhochzeit. Im Weißen Haus zu Washington feiert Präsident Taft im Kreise der Seinen Mancherlei mit seiner Gemahlin die silberne Hochzeit. Ehrungen waren ihm, zugedacht, doch hatte Taft auf sie verzichtet. Trotzdem konnte er nicht verhindern, daß aus allen Teilen des Landes zahlreiche Geschenke, darunter recht wizige Aufmerksamkeiten parlamentarischer Freunde, eingetroffen sind. Die Regierung wird ihm durch eine Sonderkommission ihre Glückwünsche ausdrücken lassen. Einen seltenen Jrrgast fann man zurzeit an den Ufern der zahlreichen Fischweiher in der Nähe Frankenthals in der Pfalz beobachten. Es ist ein ausgewachsener Flamingo von ungefähr 1,50 Meter Höhe, rosenrot, mit purpurnen Flügeln, schwarzen Schwingen und roten Füßen. Schon früher zeigten sich in dieser Gegend, am Rhein, seltene Vögel, beispielsweise Seeadler und Pelikane, wurden aber von wenig einsichtsvollen Jägern weggeschossen. Hoffentlich erlebt der rosenrote Gast nicht dasselbe Schicksal. Denn einen Flamingo zu erlegen, ist gewiß ein sehr billiger Ruhm. Die türkische Studienkommission, die, wie gemeldet, am Sonntag in Berlin eingetroffen ist, besuchte am Montag Dormittag in Automobilen das Gelände des Luftschifferbataillons im Norden von Berlin. Gleich nach der Ankunft der Türken rückte eine feldmäßig ausgeführte Fesselballonabteilung in gestrecktem Galopp auf das Gelände und führte einige feldmäßige Uebungen mit Füllung und Aufstieg des Drachenfesselballons vor. Besonders imponterte den Herren die große Geschwindigkeit, mit der die stählernen Gaswagen anführen und die Füllung des Ballons vor sich aing. Vom Ballon aus wurden Telephon- und Funken= [ pruchmanöver ausgeführt. Dann begab sich die Gesellschaft zur großen Ballonhalle, wo ihr der gerade umgebaute Militärluftkreuzer„ M I" erklärt wurde. Ein Hageltorn von 44 Millimeter Dide ist während des großen Unwetters, dessen Mittelpunkt Triest war, in Mailand bei einem Hagelsturme gefallen. Es sind Hagelförner von 10, 20, ja selbst 32 Gramm beobachtet worden, und dieses größte hatte einen Durchmesser von 4,4 3entimetern. Dieses Riesentorn ist genau untersucht worden. In einem Querschnitte zeigte sich, daß die äußerste Schicht an der unregelmäßig gestalteten Oberfläche aus hartem, durchsichtigen Eise bestand, dann folgte nach innen eine etwas weichere Eisschicht von strahligem Bau, die etwa 8 Millimeter dick war. Weiter nach innen lag eine ganz weiche, 2 Millimeter dice Schicht, hierauf folgte wieder eine ganz harte, weiße, undurchsichtige Schicht von gleicher Stärke. Es tam wieder eine weiche, noch dünnere Schicht, bis man schließlich zu dem eigentlichen Kern gelangte, der wieder hart war. Das Hagelforn war übrigens nicht fugelförmig gebaut, sondern näherte sich der Walzenform. Berichte über wilde Auftritte des Aberglaubens fommen aus Palermo. Da sich in der letzten Zeit mehrere Fälle von Pocken ereignet hatten, schrieb der Bürgermeister die Neuimpfung aller Schulkinder vor. Die Amtsärzte wurden beauftragt, von Haus zu Haus zu gehen und den Befehl auszuführen, da sonst die vielen Kinder, die der Schulpflicht nicht genügen, ohne Impfung geblieben wären. Nun verbreitete sich auf unerklärliche Weise das Gerücht, die Regierung habe sich mit den städtischen Behörden verschworen, das arme sizilianische Volk auszurotten und zu diesem Zwecke werde den Kindern die Cholera eingeimpft. Schon im letzten Herbst, als einige Cholerafälle in Palermo die Desinfektion der Straßen nötig machten, beschuldigte der Pöbel die Sanitätsleute, sie streuten die Pestkeime aus. Diesmal sand das Gerücht leider allgemein Glauben. Die Eltern der bedrohten Kinder rotteten sich zusammen, die Amtsärzte wurden schwer bedroht, und einer fonnte sich nur durch schleunige Flucht einem sicheren Tod entziehen. Mehrere Schulhäuser wurden belagert und nachdem die Fenster und Türen eingeschlagen waren, erstürmt und die Kinder herausgeholt. Da die Volkszählung mit dem Beginn dieser Auftritte, die noch weiterdauern, zusammenfiel, wandte sich die Volkswut auch gegen die Zählbeamten, die als pestbringende Herenmeister verschrieen wurden und mehrfach ihr Amt nicht ausüben konnten. Englischer Reichtum. Der Reichtum einiger Lords, so schreibt man einer Londoner Zeitschrift, läßt sich nur mit den Riesenvermögen gewisser Patrizier im alten Rom vergleichen. Vor mehreren Jahren schon hatten die Herzöge von Richmond, Bedfort und Southerland ein Jahreseintommen von vier bis sechs Millionen Mark, und man sagte, daß der Marquis von Bredalbane in gerader Linie zu Pferde dreiunddreißig Stunden lang galoppieren konnte, ohne die Grenzen seines Besitzes zu verlassen! Lord Northampton besitzt in London 250 Acer Landes, und der Herzog von Westminster fast 400. Die Besizungen des Herzogs von Norfolk aber warfen jährlich mehr als eine Million Lstr.( 20 Mill. Mark) ab. Beilegung des Berliner Zeitungsstreifs. Zwischen den Firmen Mosse, Scherl und Ulstein und den betreffenden Buchdruckeretarbeiterverbänden ist es zu einer Einigung gekommen. Von den vor der Arbeitseinstellung tätigen 37 Maschinenmeistern sollen 30 wieder eingestellt werden, und zwar ist einer freiwillig zurückgetreten, dret andere werden vom Personal und drei andere von der Firma bezeichnet werden. Die Forderung einer Sühnegebühr von 100 Mt., die im Einigungsvorschlag enthalten war, zog die Firma Scherl zurück, nachdem die Gehilfenvertreter erklärt hat= ten, seitens der Organisation die Haftung für die Zahlung der Kontraktbruchstrafen zu übernehmen, die den 39 Maschinenmeistern nach dem Urteil des Schiedsgerichts auferlegt wurden. Ein Notschrei des gefangenen Ingenieurs Richter. Der Gouverneur von Glassona erhielt einen Brief, in dem der gefangene Ingenieur Richter fleht: Sendet keine Truppen, sondern Lösegeld. Ich leide schwer und werde sicher getötet, wenn meine jebigen Herren nicht folgendes erhalten: 50 000 fund( über 900 000 Mark), eine große und sechs kleine goldene Ketten, zwölf Brillantringe und fünf siebenläufige Revolver. In einem Beglettbrief fordern die Banditenchefs das Lösegeld in Pfund Sterling, Napoleon= dors und türkischen Pfund und drohen, den Kopf Richters zu schicken, falls die Verfolgung andauern sollte. Der türfische Kriegsminister sagte einem Korrespondenten, alle Sorgen seien grundlos, da die griechischen Räuber noch feinen Fremden getötet hatten, solange sie hoffen konnten, Geld zu erpressen. Blutige Wahlunruhen in Galizien. Aus Drohobycz in Galizien wird über einen Zusammenstoß zwischen der Bevölkerung und Militär gemeldet: Auf das Gerücht, daß für den Kandidaten Löwenstein eine große Anzahl gefälsch= ter Stimmzettel abgegeben worden sei, erfolgte nachmittags von zionistischer Seite ein Sturm auf dessen Agitationslokal. Polizei, Gendarmerie und Kavallerie waren ohnmächtig gegen die aufgeregte Menge, die Steine, Stühle, Biergläser und andere Gegenstände auf sie schleuderte. Herbeieilende Infanterie wurde ebenfalls mit einem Hagel von Steinen empfangen. Als die Menge trotz der Aufforderung sich nicht zerstreute, sondern mit Steinwürfen antwortete, wurden fünf Salven auf eine Entfernung von 15-20 Schritt abgegeben. 18 Personen wurden getötet und 87 schwer verletzt, darunter mehrere Frauen. Zwei Personen sind ihren Verlegungen erlegen. Der verschwenderische Millionärssohn. Großes Aufsehen erregt in Leipzig die vor kurzem in Karlsruhe erfolgte VerHaftung des 21fährigen John William Hue. Dieser, der Sohn eines verstorbenen Leibarztes des Königs von England, kam vor etwa Jahresfrist nach Leipzig, um hier Jurisprudenz zu studieren und verheiratete sich bald darauf mit der 17jährigen Tochter eines Gutspächters aus Roßleben. Das junge Paar richtete sich dann einen geradezu fürstlichen Haushalt ein, und Hue verstand es, innerhalb weniger Monate sein etwa 4 Million Mark betragendes Vermögen in der geradezu unsinnigsten Weise zu vergeuden und außerdem noch Schulden zu machen, die nahezu 3 Million Mark ausmachen sollen. Auf Veranlassung seiner jeti in Dresden lebenden und dort wieder verheirateten Mutter wurde er schließlich unter Kuratel gestellt, aber lei= der zu spät. Als die Bank von England die hohen, von Hue in Zahlung gegebenen Schecks nicht mehr wie im Anfang honorierte, wandten sich die Gläubiger an die Gerichte. Dem jungen Pärchen wurde darauf der Boden zu heiß und es startete in seinem Privatauto nach dem sonnigen Italien. In Karlsruhe ereilte sie jedoch schon das Verhängnis. Sie wurden auf Antrag benachteiligter Gläubiger in Haft genommen. entdeckt. Die Entdeckung ist das Ergebnis von Untersu chungen, die in Amerika und im Solinger Distrikt, woher die meisten Waren stammten, von Geheimagenten veran staltet worden waren. Im Flammentode vereint. Auf erschütternde, heroische Weise hat sich in dem italienischen Dorfe Agrara San Mar tino, unweit Bergano( Lombardei), eine Mutter freiwillig dem Flammentode geweiht. In einem Hause des Vertchens führten zwei Schwestern mit ihren Familien gemeinschaftlichen Haushalt. Gestern in tiefster Nacht bemerkte die eine der Schwestern plötzlich, daß ihr Zimmer voll Rauch war. Sie fonnte ihre beiden eigenen Kinder nicht mehr ins Freie bringen. Als sie ihre Schwester, die im oberen Stock wohnte, rufen wollte, bemerkte sie zu ihrem Schrecken, daß die Treppe bereits vom Feuer zerstört war. Sie suchte nun den Kindern von außea Rettung zu bringen, doch widerstand das vergitterte Fenster allen Bemühungen. Nur der Säugling fonnte durch die Eisenstäbe gezwängt werden. Als die vom Feuer umringle Mutter sah, daß die Kinder nicht mehr zu retten waren, eilte sie durch die Flammen zu ihnen und sagte:„ Nun kommen wir alle ins Paradies." Erst morgens fand man die drei verkohlten Leichen in enger Umarmung. Aus dem Reiche der Technik. Ein 2240 Meter tiefes Bohrloch. Ein Bohrloch von der außerordentlichen Tiefe von 2240 Meter wurde bei Czuchow in Oberschlefien in der Zeit von 982 Tagen angelegt. Ueber die Ausführung dieser Arbeiten und die dabei angestellten Messungen entnehmen wir der„ Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure" die folgenden interessanten Angaben: Von der gesamien Bauzeit sind 169 Sonn- und Festtage abzuziehen, so daß 694 reine Arbeitstage und 119 Tage für Nebenarbeiten übrig bleiben. Die ersten 53 Meter wurden mit der Schappe gebohrt( einem Eisenblechzylinder, der an der Seite etwas aufgeschnitten und dessen geschärfter Rand als Schneide nach außen umgebogen ist). die folgenden 523 Meter mit dem Meißelbohrer und der Nest mit Diamantkronen von wechselnder Breite. Es sind dabei über 700 Karat Diamanten verbraucht worden. Die Gesamtkosten der Bohrung betragen über 300 000 Mart, und für 1 Meter ergibt sich eine Ausgabe von 144.05 Mr. Der Zweck des Bohrens war, die Lagerverhältnisse des Steinfohlengebirges bis zu den Sattelflözen zu untersuchen, die man bereits in 1500 Meter Teufe zu erreichen hoffte. Als Gestänge für den Vortrieb der Bohrer wurden Mannes mannrohre von verschiedenem Durchmesser verwendet; fic hatten bei 2200 Meter Länge ein Gewicht von 14 200 g. In das Bohrloch wurden Rohrstränge eingepreßt, die ein Gesamtgewicht von 127 000 Kg. hatten. Von besonderem Interesse sind die Temperaturmessungen, die in dem Bohrloch in verschiedener Tiefe vorgenommen wurden: Während in 500 Meter Tiefe 26 Grad und in 1000 Meter Tiefe 40 Grad herrschten, stieg die Temperatur bei 1500 Meter Tiefe auf 69 Grad und bei 2221 Meter sogar bis auf 83,4 Grad Celsius. Die ,, Laft der Kleidung. Wenn die moderne Fran ihren großen blumen- oder schleifengeschmückten Sommerhut endlich mit Hilfe blizender Hutnadeln befestigt hat und zur Promenade bereit ist, wird der auf zielbewußte Zweckmäßigkeit in der Kleidung stolze Mann vielleicht den Kopf schütteln und sich darüber wundern, wie man in den Sommermonaten sich mit so um= ständlichen und umfangreichen Kleidungsstücken beschweren mag. Der Aberglaube, nach dem die Sommerkleidung des Mannes bequemer und vor allem leichter sein soll als die der modernen Frau, wird jetzt durch einen Londoner Modefachmann zerstört. der als ein leidenschaftlicher Freund aller statistischen Berechnungen sich das Ziel gesetzt hat, das Durchschnittsgewicht männlicher und weiblicher Sommerkleidung festzustellen. Das Ergebnis ist, daß es die Frau im Sommer erheblich leichter hat" als der Mann, wobei natürlich stillschweigend vorausgesetzt wird, daß die schöne Frau auch das nötige Geld besitzt, um nur die besten, die leichtesten und damit die teuersten Seidengewebe zu tragen. Die Nachforschungen des englischen Spezialisten über das Gewicht der Kleidung haben ergeben, daß die elegante Frau im Sommer mit folgendem Gewicht belastet ist: Hut 225 Gramm, Schuhe 435 Gramm, seidene Strümpfe 42 Gramm, seidene Unterkleidung 100 Gram, Leinenwäsche 298 Gramm, Korsett 510 Gramm, Sommerkleid 495 Gramm, Sonnenschirm 365 Gramm. lange Handschuhe 45 Gramm, Handtasche 390 Gramm, sodaß die Modedame an Kleidung genau 2 Kilogramm und 905 Gramm zu tragen hat. Für den Mann aber stellt sich das Verhältnis weitaus ungünstiger: der elegante Herr muß im Sommer tragen: leichten Sommeranzug 1815 Gramm, Schuhe 705 Gramm, Seidenhemd 210 Gramm, seidene Unterwäsche 365 Gramm, Hosenträger 45 Gramm. Handschuhe 50 Gramm, Spazierstock 170 Gramm, Strohhut 100 Gramm, Socken 85 Gramm, Kragen und Krawatte 85 Gramm. Der Mann trägt also im Sommer, immer vorausgesetzt, daß auch er nur die zartesten und besten Gewebe für seine Kleidung auswählt, im günstigsten Falle ein Gewicht von 3630 Gramm mit sich, er hat also nahezu 1½ Pfund mehr zu tragen als die Frau. Das Bild ändert sich freilich sofort, wenn die elegante Dame viel Sviben trägt, die verhältnismäßig schwer wiegen. Im allgemeinen aber hat sich das Gewicht der sommerlichen Kleidung der Frauen gegen frühere Zeiten ganz außerordentlich verringert, man trägt viel weniger Unterwäsche als in früheren Zeiten, und die Gewebe sind zugleich erheblich zarter und leichter geworden. Der gestärkte weiße Jupon, der früher ein fast unentbehrlicher Bestandteil der Sommerkleidung war, ist völlig verschwunden. Nur in einem Punkte trägt die Frau eine größere Last als der Mann: auf dem Kopfe. Wie sehr die elegante Frau auch darauf besteht, ihre Sommerhüte möglichst leicht gearbeitet zu bekommen, sie sind doch erheblich schwerer als der Strohhut des Mannes, ja, sogar noch schwerer als der oft angefeindete Zylinder, der bei wirklich guter Qualität 170 Gramm wiegen darf und nicht mehr. Drabtnachrichten und neuestes. Selbstmord eines Artillerie- Sergeanten. Kiel, 20. Juni. In der Artilleriefaserne zu Jhehoe hat sich der Sergeant Kluge mit seinem Dienstgewehr erschossen. Das Motiv der Tat ist unbekannt. Ein Kind verbrannt. Löwenberg i. Schl., 20. Junt. In Sirgwiz ist gestern das Besiktum des Häuslers Friedrich niedergebrannt. Ein vierjähriges Kind tam dabei in den Flammen um, die beiden anderen Kinder des Besitzers konnten gerettet werden. Die Krönungsfeierlichkeiten in London. London, 20. Juni. Im Buckinghampalast fand gestern abend ein Festmahl zu Ehren der fremden Fürſtlichkeiten und der Vertreter der fremden Staaten statt. Die Generale Lord Methuen und Nicholsen sind aus Anlaß der Krönungsfeierlichkeiten zu Feldmarschällen ernannt worden. Man rechnet übrigens damit, daß die als sehr reich geltende Mutter des jungen Hue dem leichtsinnigen Pärchen noch einmal unter die Arme greifen und den Gläu= bigern zu ihrem Gelde verhelfen wird. Enorme Zolldefraudationen. Geheimagenten der amerikantschen Zollverwaltung haben Zollbetrügereien in Höhe von mehreren Millionen Dollars, die bei der Einfuhr von Messerschmiedewaren in den letzten Jahren verübt wurden. Ansteckende Krankheiten in den italienischen Häfen. Rom, 20. Juni. Nach einer Meldung der Deutschen Tageszeitung benachrichtigte der Minister des AeuBern die Konsulate, daß in den Häfen Neapel, Salerno, Palermo und Venedig Fälle schwerer Infektions- Krantheiten vorgekommen sind. Die Regierung tut alles zur raschen Einschränkung und Unterdrückung der Krankheit. Vergebung von Bauarbeiten für den Stein's Garten:: Giessen Neubau eines AmtsgerichtsDonnerstag, den 22. 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