Unterrock ll, den die envolant Durchzugbor gänzt eine Der Schnitt 25 cm Buffe mit viered taille hann eitet werden. gende Saum en. Der 56 52, 54 cm ehen. Ar. 2066, . 2082. Du ne folide und r. Das Tag fehen, zwijde en. Ein h Ausschnitt Ferner als D inkleib und, des Nachthe bei fich die Te fügen. Dur Bum Taghem 2 cm halber 100, 108, 11 Eltlich. Der S 44, 48, 52, 5 - zu beziehen. Rod Nr. 325 aus beigefa Jacke aus d fich an dem l ederholt, bilde der Jacke, reifen. Ju Schnitt in 4 ber Oberweite 116, 125 cm ich. 207. Unent lange Mant grau getonte t. Etwas du enbefat, for und das erzu ift in weite für 80 ול Langer Mankel, Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 pfg. monatlich vierteljährlich 1,50 Mif., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den giveigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Wit.- Grscheint jeden Werktag früh. Die umoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer. Nr. 67. Telephon: Nr. 362. Die Fortschrittliche Volkspartei gegen die Sozialdemokratie Enthält alle amfl. Bekanntmachungen der Großherzoglichen Bürgermeisterei des Großherzoglichen Polizei- Amtes sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. er= selbst, In dem Augenblicke, wo die Fortschrittliche Volkspartei in Gießen Nidda sich mit sehr entschiedenen Ausdrücken für die Unterstützung des Sozialdemo= fraten bei der Stichwahl einlegte, sah sich der Reichs= tagsabgeordnete D. Naumann genötigt, im Wahlfreise Teltow- Beeskow zum Kampfe gegen die„ Genossen" aufzurufen. Schon zu lange sei der Wahl= freis sozialdemokratisch vertreten gewesen, also durch eine Partei, die die reine Negation zum Prinzip hoben habe.„ Wir werden uns deshalb mit der Sozialdemokratie hier( Teltow) vor allem auseinandersetzen müssen, und wenn diese Auseinandersetzung auf eine schärfere Tonart abgestimmt sein sollte, so ist niemand anders daran schuld, als die Sozialdemokratie die in ihrer Presse und in ihren Versammlungen die Liberalen als eine Herde von Dum m köpfen und Feiglingen hinstellt und in der schlimm sten Tonart sie beschimpft. Die Auseinandersetz ung wird sich aber nicht auf diese Frage des Anstan= des allein beschränken dürfen; wir werden vielmehr auch den prinzipiellen Auffassungen der Sozialdemokratie bezüglich des Klassenkampfes zu Leibe gehen. Es ist ganz undenkbar, daß die politischen Formationen nur den Begriff„ Klasse" aufgebaut sein können. Wo bliebe denn da das Volk, das gemeinsame Ganze, wenn alle materiellen und geistigen Güter einer Nation wie der deutschen abgemessen und verwaltet werden wollten nur nach Gesichtspunkten der Klasse? Der Klassenbegriff wirkt zersetzend, vor allem aber hindert er, und das müßten die Sozialdemokraten doch selbst einsehen, die Parlamentarisierung; denn ein Parlament ist eben eine Mischung der verschiedenartigsten Kräfte der Nation, die nicht nur materieller Natur sind; deshalb kann eine parlamentarische Mehrheit, die sich nur auf ein Klasseninteresse gründet, gar nicht bestehen. Eine Mehrheit, die Bestand haben will, muß sich an den nationalen Ge= danken und die Geschichte der Nation halten; eine Parauf tei aber, die diesen geſchichtlichen Sinn nicht hat, ist nicht fähig, eine Führerrolle im Volke zu spielen. Wir erstreben einen Ausgleich der Interessengegensätze, die Sozialdemokratie ihre Verschärfung." Man muß zugeben, so meint die Nordd. Allgem. 3tg." mit Recht, daß hier die ominiösen Gie= Bener Töne nicht wiederzuerkennen waren, und es war interessant, daß ein ungemein lebhafter Beifall der Versammelten alle diese Ausführungen begleitete. ( Haus Brüder Schmidt.) Montag den 20 Wärz 1911 Aus Stadi und Land. Gießen, den 21. März Beschwerden wegen unregelmäßi= ger Zustellung der Zeitung wolle man u n- verzüglich( nicht erst einige Tage nachher) bei der Geschäftsstelle vorbringen. Es wird dann sofort für gründliche Abhilfe gesorgt werden. * Gießen, 21. März. Die allgemeine Fort= bildungsschule wurde vom Oktober 1910 bis März d. Js. von 440 Schülern besucht. g- Gießen. Der Verbandstag Hess. PrivatArchitekten findet dieses Jahr am 8., 9. und 10. April in Gießen statt. Mit dieser Tagung beginnt eine Verbandsausstellung von architektonischen Entwürfen, welche bis Ende April geöffnet bleibt und den Entwicklungsgang der in Hessen gepflegten Architekturen darstellen soll. 3ahlreiche Anmeldungen aus allen Teilen des Großherzogtums liegen vor und verspricht die Ausstellung ein übersichtliches Bild der gegenwärtigen Kunstrichtung zu ergeben. V Gießen, 21. März. Heute abend 7 Uhr hält der kalendermäßige Frühling seinen offiziellen Einzug. Es herrscht aber keineswegs warmes Frühlings wetter. Das flüssige Metall des Thermometers ist nach ein paar linden Tagen wieder bedenklich gefallen, sodaß der Winterpaletot nach wie vor das Feld behauptet. Manch frühe Blume wird noch unter den eisigen Nachtfrösten erstarren müssen, bis der wirkliche Frühling eingekehrt ist. Gießen, 21. März. Ueber den Frühling des Jahres 1731 berichtet eine alte Chronik fol gendes:„ Dieser Frühling war ein großer Jammer unter Menschen und Vieh. Kein Heu war zu haben, kein Korn, keine Gerste, außerdem fehlte es an Geld. Jm Darmstädtischen, Stolbergischen und senburgischen war noch etwas Korn und Gerste zu bekommen, allein der Landesherr hatte bei hoher Strafe verboten, daß nichts außerhalb des Landes verkauft werden durfte. Nach Hanau kamen, als viele Menschen vor einer Hungersnot standen, Schiffe mit Korn und Gerste den Main strom herauf. Der Schnee lag bis in den April hinein, ebenso dauerte die Kälte lang an. In der ganzen Wetterau war das Korn ausgewintert. Alle Felder, die im Herbste 1730 besäet waren, mußten umgeadert und frisch bestellt werden." - A ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pig. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Baum auswärts 20 Bfn.; die 90 mm breite Petitzeile im Reflame teil 50 Pig., auswärts 60 Pig: Tabellen mit 50% Ausschlag. Ertrabeilagen werden nad) Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichleit. Gesamtleitung: Albin Klein. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. legen, eine Bahn wohl nie bekommen werden, so ist die Gemeinde Ober- Mörlen mit einem Vorschlag hervorgetreten, sie hat die Oberpostdirektion Darmstadt ersucht, eine Automobilpost einzurichten. Sie soll von Bad Nauheim über Ober- Mörlen nach Ziegenberg gehen. Von dort aus soll sie über die Taunusdörfer Fauerbach und Hochweisel nach Niederweisel und wieder zurückführen. Hierdurch würden alle Dörfer im Umkreise Verbindung nach einer Eisenbahnstation der Main- Weserbahn erhalten. Selbstredend müssen die Gemeinden auch Opfer bringen und werden das auch tun. Wetzlar, 21. März. Gerichtsvollzieher Loren scheit von Runkel wird zum 1. April nach hier versetzt. Reichstagswahlvorbereitungen.-g= Mudersbach, 21. März. Zu dem TodesMainz, 17. März. Aus nationalliberalen Ver- fall aus Erda teilen wir mit, daß der Verstorbene nicht trauensmännerkreisen wird mitgeteilt, daß die zwischen Johannes Brück, sondern Johannes Schneider heißt. Zentrum, Bund der Landwirte und Nationalliberalen vereinbarte rechts nationalliberale Kompromißkandidatur Dr. Becker Sprendlingen von der Berliner Zentral leitung der nationalliberalen Partei nicht bewil ligt wurde und deshalb von dort aus keinerlei offizielle Unterstützung in der Wahlagitation zu erwarten Dermbach. Als der Bullenhalter aus Wiehabe. Dr. Becker ist bekanntlich aus den in der Berlisenthal nach dem Stall tam, hatte sich der Bulle los= ner Parteileitung innegehabten Ehrenämtern ausgeschie- gemacht und stürzte sich auf den Eintretenden. Dieser erlitt schwere Verletzungen. den. * Mainz, 16. März. In einer nationalliberalen Parteiversammlung sprach gestern Abend Reichstagsabg. Stresemann über die politische Lage. In etwa 2- stündiger Rede rechtfertigte der Redner die Haltung der nationalliberalen Reichstagsfraktion seit den Tagen der Blockära und trat den Angriffen des Frhrn. v. Heyl gegen den Führer, Reichstagsabgeordneten Bassermann, entgegen, unter dessen Leitung die Partei eine Linksschwenkung vollzogen habe. wer= Mein Manu un ins Gewerkschaftsbans, sonst bekommt er nichts zu essen". Sollte man einen solchen Unverstand von einer Gießener Frau und Mutter mehrerer Kinder sich denken. Und doch ist's so. Ge= radezu roh muß diese Handlungsweise genannt den, wenn man weiter hört, daß sie ihren Mann erst 100 dazu gezwungen hat, sich von seinem Arbeitgeber Mark zu leihen. Er hat das Geld unverzinslich bekommen, kann es zurückzahlen ganz nach Belieben und nun da die betreffende Firma von den Sozialdemokra= ten boykottiert wird- hält der Mann es für seine Dankespflicht, dem Gewerkschaftshause fern zu bleiben. Anders die Frau! Was würde die Frau sagen, wenn ihr der Mann gehorchte und er dann, von seinem Wohltäter entlassen, wochenlang ohne Arbeit seine Kinder ( die Frau darf man in diesem Falle nicht mit einbeziehen) ohne Brot sind? - -m Biedenkopf, 17. März. In unserem Kreise macht das Feuerlöschwesen erfreuliche Fortschritte. Innerhalb weniger Jahre sind 10 Wehren neu gegründet worden. Das diesjährige Bezirksfest soll in Rodheim abgehalten werden. * Weil münster, 17. März. Bei dem gemel deten Einbruch in die Stationsgebäude in Ernsthausen und Essershausen nahm der Dieb auch ein Fahrrad und einen Mantel des Vorstehers Wolf in Ernsthausen mit. Gestern erhielt der Bestohlene beides zurück. Das Rad tam von der Station Anspach per Fracht, während der Mantel von Frankfurt per Post abgesandt wurde. * Soden- Salmünster. Das Sanatorium Stolzenberg hat die Zahlungen eingestellt. * Buzzbach, 17. März. Bei der heutigen Wahl des zweiten Beigeordneten siegte Joh. Jakob Heil mit 221 Stimmen. * * Offenbach, 18. März. Die Diebstähle unter der hiesigen Jugend mehren sich in erschreckender Weise, jede Woche hat die Polizei mehrere angeschuldigte Burschen zu vernehmen. Jetzt ist wieder eine Einbrecherbande, bestehend aus 12-13jährigen Schülern festgenommen worden. Sie brachen sogar bei ihrem Lehrer ein, dem sie eine Anzahl Würste stahlen. Im Stadtgarten erbrachen sie die Tür zur Rollschuhbahn und stahlen eine größere Anzahl Rollschuhe und sonstige, ihnen wertvoll dünkende Gegenstände. Friedberg, 17. März. Gerichtsschreiberaſpirant Friedrich Philipp Döll von hier, der in vielen Fällen fingierte Gerichtskostenrechnungen verwendet und die vereinnahmten Gelder zu eigenen Zwecken verwandt hat, ist wegen Betrug verhaftet worden. Er wurde in Darmstadt, wo er sich nach seiner Entlassung bei seinen Schwiegereltern aufhielt, verhaftet. * Worms. Eine unnatürliche Mutter ist die Ehefrau eines hiesigen Schlossermeisters. Sie sperrte ihren 12jährigen, unehelichen Sohn in den Hühnerstall und gab ihm nahezu 8 Tage lang nur Wasser und Brot. * Schotten, 21. März. Das hessische Lehrer heim im Vogelsberg, das während der Wintermonate geschlossen war, hat mit Beginn des Frühjahres seine Pforten wieder geöffnet. * Worms, 16. März. Lehrer und politische Ausbildungskurse. In einer Verfügung an die Kreisschulkommission hat das Ministerium des Innern angeordnet, daß eine Beurlaubung von Lehrern zur Teilnahme an politischen Ausbildungskursen nicht stattfinden darf. Dieser Erlaß ist hervorgerufen durch die im Herbst v. Js. erfolgte Beurlaubung dreier Wormser Volksschullehrer zur Teilnahme an dem vom Reichsverband gegen die Sozialdemokratie veranstalteten Kurse in Berlin. !! Ober Mörlen. Da die projektierte Bahn Nauheim- Usingen in den nächsten Jahren wohl nicht ausgeführt wird, eine Anzahl reicher Dörfer unserer Umgebung, an den Vorhöhen des nördlichen Taunus geDarmstadt. Die 3 weite Kammer tritt zu ihrer 99. Sizung kommenden Dienstag, den 28. März, vormittags 10 Uhr zusammen. Auf der Tagesordnung stehen u. a. folgende Punkte: der Antrag der Abgg. Ulrich u. Gen., obligatorische staat- liche Mobiliarversicherung; der Antrag des Abg. Ulrich u. Gen., die nationale Einheitsschule; die Vorstellung der Deutschen Turnerschaft und anderer Körperschaften, die Pflege der Leibesübungen im 14. bis 18. Lebensjahre; der Antrag des verstorbenen Abg. Köhler, Schulferien; die Anfrage des verstorbenen Abg. Köhler, die Automobilmorde von Obermörlen und Dietzenbach und ihre Sühne; die Anfrage der des Abg. Wolf- Stadecken, die Nebenbeschäftigung Volksschullehrer als Rechner ländlicher Genossenschaften. *) Darmstadt, 19. März. Bis zum Reformationsjubiläum( 31. Oktober 1917) will man hier eine neue Kirche, der man den Namen Reformati= onskirche e geben will, errichten. Darmstadt, 18. März. Die 8. Hauptver= sammlung der Hessischen Landwirtschaftskammer begann Freitag vormittag im Sizungssaale der Zweiten Kammer. Vizepräsident Bähr eröffnete die Sizung mit einer Begrüßung der Regierungsvertreter und widmete dann den beiden verstorbenen Mitgliedern Schuch- Schwabenheim und Köhler- Langsdorf einen warmen Nachruf. Minister des Innern von Hombergt sprach den Wunsch aus, daß Handel, Industrie und Landwirtschaft einmütig zusammenarbeiten mögen. Als Freund der Landwirtschaft gab er der Kammer den guten Rat, daß sie sich bei ihren Beschlüssen von weiser Sparsamkeit leiten lassen möge. Besonders bei Beratung der der Kammer die vorliegenden wichtigen Gesezentwürfe möge man Ansprüche für die Entschädigung bei der Maul- u. Klauenseuche nicht zu hoch stellen, da weitere als die von der Regierung in Aussicht gestellten Mittel nicht zur Verfügung stehen. Der Vorsitzende dankte der Regierung, daß sie trotz der ungünstigen Finanzlage die nötigen Mittel für die Landwirtschaft zur Verfügung gestellt habe. Hierauf erstattet der Vorsitzende den eingehenden Tätigkeitsbericht pro 1910, aus dem die vielseitige Tätigkeit der Kammer auf allen Gebieten hervorgeht. Mitglied Weith- Nieder- Wöllstadt beschwerte sich, daß sein Antrag wegen Bekämpfung der Mäuseplage nicht hinreichend die Unterstützung des Vorstandes gefunden habe. Ungerecht sei es auch, die Kosten des Giftes den Grundbesitzern aufzuerlegen. Der Vorsitzende teilt mit, daß der Vorstand sich nach den gesetzlichen Bestimmungen, auf die sich die Regierung berufe, habe richten müssen. Eine Abänderung kann nur durch eine Gesetzesänderung geschehen. Dekonomierat Leithiger erklärt, daß der Vorstand der Kammer alles getan habe, was möglich sei. Man habe auf die frühzeitige Bekämpfung der Mäuseplage rechtzeitig in der Zeitschrift aufmerksam gemacht. Die Regierung sei bereit, allen Wünschen entgegenzutommen. Deutscher Reichstag. ten und zwar getrennt ifür die katholischen und evangelischen Abgeordneten. Dann sammelten sich alle Würdenträger und Abgeordneten im Kaiserschlosse zu Berlin, wo der Kaiser selbst den Reichstag eröffnete. Es war ein unvergeßlicher Anblick, als alle die Helden, die heute schon vom Hauch der Sage umwittert sind, ihren Kaiser erwarteten, der mit großem Gefolge einzog. Er verlas mit vor Rührung zitternder Stimme die Thronrede, die er aus den Händen seines Kanzlers entgegennahm. Mit der Verlesung der Thronrede hatte die Eröffnung des Reichstages thren Schluß erreicht. Am Nachmittag um 3 Uhr desselben Tages fanden sich die Abgeordneten zur ersten Sizung im alten prenßischen Abgeordnetenhause zusammen. Am ersten Tage wurden nur die geschäftlichen Angelegenheiten erledigt, sodaß die Stzung schon nach 2 Stunden um 5 Uhr ihren Schluß erreichte. Aber auch die Reichstagsabgeordneten wollten diesen denkwürdigen Tag nicht ohne gemeinschaftliche Feier vorübergehen lassen, und sie vereinigten sich darum zu einem gemeinsamen Abendessen. So wurde dieser Tag beschlossen, der die erste Volksvertretung aller deutschen Stämme ge= feben hatte. Am Sonnabend, dem siebenten Tage der Etatsdebatte, begann die Sitzung, allerdings bei nur schwach besetztem Hause, zwei Stunden früher als gewöhnlich. Man beschäftigte sich mit dem Reichsgesundheitsamte. Ein Zentrumsmann der Defonom Nanner aus Affelkofen in Oberbayern, begründete eine Resolution auf Ausdehnung der staatlichen Entschädigung für die durch die Maul- und Klauenfeuche entstehenden Verluste und wurde darin von dem Graz fen Kanit( fons.) unterstützt. Von der Veterinärpolizei ge= langte man zur Medizin. Der Sozialdemokrat Zietzsch forderte wirksame Maßregeln zur Bekämpfung der Tuberku= lose, die zum Teil eine Berufs- und Gewerbefrankheit sei. Am schlimmsten sei es in den Glasschleifereten und Porzellanfabriken. Staatssekretär Delbrück meinte, an sich sei die Bekämpfung der Schwindsucht Sache der Einzelstaaten. Das Reich habe nur die wissenschaftliche Prüfung. Der Kampf gegen die Seuche habe schon gute Erfolge gehabt. Die Zahl der Todesfälle gehe konstant zurück. Gerade Deutschland gehe in der Bekämpfung der Seuche allen anderen Län= dern voran. Auf eine Anfrage des Abg. Neuner( natl.) nach der reichsgesetzlichen Regelung des Apothekenwesens erklärte der Staatssekretär, er habe sich nach eingehendem Studium und nach Anhörung von Sachverständigen überzeugt, daß eine Lösung der Apothekenfrage durch Reichsgesetz nicht möglich sei. Jetzt habe die Landesgesetzgebung einzugreifen. Namentlich könne das Reich die Kosten für die Ablösung der Privilegien nicht übernehmen. Der Abg. Mugdan( fortschr. Vp.) bedauerte, daß das Reichsapothekengesetz endgültig geschettert sei. Ehe die Bundesstaaten so weit wären, würde lange Zeit vergehen. Abg. Roeside( ks.) tadelte die in den letzten Monaten in einigen Bundesstaaten erfolgte Einfuhr französischen Vichs als cine Gefahr für die heimische Viehzucht. Der Staatssekretär wies den Vorwurf, daß die Regierung das Reichsseuchengeseh nachlässig behandle, zurück und betonte, daß die jetzigen Vieherkrankungen nicht auf Einschleppung von außen beruhen. Bon der Grenzsperre sprang das Thema des nächsten Redners wieder zum Apothekengesetz, zur Bleikrankheit und anderen Dingen über. Der Präsident des Reichsgesundheitsamtes, Bumm, ein sächsischer und ein württembergischer Bundesratsvertreter beteiligten sich an der Debatte. Inzwischen hatte noch Graf Kanit im Sinne der Ausführungen seines Parteigenossen Dr. Roesicke eine Resolution über die Einbrufung einer Kommission zur Beratung der Viehseuchengefahr eingebracht, die dann zusammen mit den übrigen angenommen wurde. Nun kam das Patentamt an die Reihe, womit die erste Lesung einer Vorlage über den Patentausführungszwang verbunden wurde. Dieses Rapitel wurde ziemlich schnell erledigt. An das nächste Scapitel, Reichsversicherungsamt, knüpfte sich eine fieine Geschäftsordnungsdebatte. Es ging schon start auf 7 Uhr, als ein von der Linken eingebrachter Vertagungsantrag Dauersizung ein Ende machte. der Die Eröffnungsfeier des ersten Deutschen Reichstags. Rundschau vom Cage. Politisches. auftande Aur Unt war, we Im Das Urt die in vi reiche Schuyler fittenen Angeflag nisitrafe der Tob bielt fün Rädelsfl die übrig Gefängn Tele beim La nischem Gericht die telep die Joen Budget des Landesverteidigungsministeriums angenom men. Der Landesverteidigungsminister erwiderte auf die vorgebrachten Anregungen, die Aeußerungen über den Weltfrieden und die Abrüstung hätten seine volle Zustim mung gefunden. Jeder Vernünftige müsse zugeben, daß ein ewiger Friede in volkswirtschaftlicher Beziehung der ideale Zustand für die Völker wäre. Die Erfahrung in der Geschichte zeige aber, daß dieser Zustand unerreichbar sei. Gegenüber dem Hinweis auf die Friedensbestrebun gen Englands und Nordamerikas weise er auf die kolossa len Schiffsbauten Englands hin, das den Schiffsbau der anderen Staaten genau verfolge und sofort überbiete, ferner auf das Modernisierungsbestreben der englischen Armee, um die Armeen des Festlandes einzuholen, schließlich auf die Rede Roosevelts in der Berliner Universität im Mai 1910, sowie darauf, wie energisch gerade jetzt die Union Teile ihrer Wehrmacht mobilisiere. Das deutsche Kaiserpaar trifft am 22. März in Kiel ein zum Stapellauf des Linienschiffes„ Ersaz Hildebrand". Die Kaiserin wird im föniglichen Schloß Wohnung nehmen, während der Kaiser an Bord der„ Deutschland" bleibt. An die Taufhandlung, bei der, wie bereits ge= meldet, der Reichskanzler die Rede halten und die Kaiserin die Taufe vollziehen wird, schließt sich eine Festlichfeit im föniglichen Schlosse an. Bei seinem Besuche in Wien wird das Kaiserpaar auch von den drei Söhnen des Kronprinzenpaares begleitet sein, die dem Kaiser Franz Josef von Cesterreich vorgestellt werden sollen. Die Stadt Wien bewilligte 6000 Kronen für die Ausschmückung des Plazzes an der Schönbrunner Schloßbrücke anläßlich der Ankunft des deutschen Kaiserpaares. In der italienischen Deputiertenkammer brachten die radikalen Sozialisten den Antrag ein, der mit der Beratung des Wahlreformentwurfs befaßten Kommission einen Termin für die Ueberreichung ihres Berichtes zu bestimmen. Die Kammer beschloß, über den Antrag, der ein verkapptes Mißtrauensvotum gegen das Kabinett darstellt, zur Tagesordnung überzugehen. Die radikalen Mitglieder des Kabinetts wollen nunmehr ausscheiden, um sich nicht zu ihrer Partei in Gegensatz zu setzen. Infolgedessen hat der Ministerrat einstimmig zu demissionieren beschlossen. Das Kabinett, das vorläufig noch die laufenden Geschäfte erledigt, wird heute dem Senat und der Deputiertenfammer seine Demission mitteilen. Neue englische Spionageversuche sind in Hamburg und Bremen entdeckt worden, nachdem die Borkumer Spionageaffäre erst vor wenigen Monaten mit der Verurteilung der beiden englischen Offiziere zu längeren Strafen ihr Ende fand. Die Hamburger Kriminalpolizei hat einen Engländer, der angeblich in Southampton wohnt, und vier einheimische Personen verhaftet, die dringend verdächtig sind, in landesverräterischer Absicht genaue Angaben und Zusammenstellungen über die auf Hamburger und Bremer Werften im Bau befindlichen Kriegsschiffe an England zu liefern. Durch das beschlagnahmte Material sind die Verhafteten schwer belastet. Zur Wahlbewegung wird aus Cöln gemeldet: Die Verhandlungen zwischen der nationalliberalen und der fortschrittlichen Volkspartei zweds gemeinsamen Vorgehens bei den nächsten Reichstagswahlen in der Rheinprovinz sind gescheitert. Die nationalliberale Partei hat nunmehr der Volkspartei Vorschläge überreicht, die die Aufstellung gemeinsamer Kandidaten fordern, soweit es möglich ist, und die Erwartung aussprechen, daß der Kampf zwischen Nationalliberalen und der Volkspartei überall in Formen geführt wird, die ein Zusammengehen in der Stichwahl nicht erschweren. Der Geburtstag des Deutschen Reichstages am 21. März 1871 wird noch allen, die ihn in Berlin erlebt haben, und die durch einen glücklichen Zufall dem größten Teil der Feierlichkeiten beiwohnen konnten, in lebendiger Erinnerung sein, als wäre er heute gefeiert worden. Dabei sind schon 40 Jahre politischer Kämpfe darüber hinweggegangen. Es war damals eine sehr bewegte Zeit. Auf den Straßen Berlins, besonders Unter den Linden, wogte eine festliche Menge, der die Freude über die errungenen Siege vom Geficht leuchtete. Wenige Tage vorher, nämlich am 16. März, hatte Berlin sein schönstes Festkleid angelegt, denn der greise Kaiser Wilhelm I. war vom Kriegsschauplaße heimgekehrt und unter dem Jubel der Bevölkerung durch Deutschlands Gaue gezogen. Die Begeisterung hallte noch In den Gemütern nach. Am 3. März hatten die Wahlen zu dem ersten Reichstag stattgefunden. Die begeisterte nationale Stimmung hatte also immerfort Nahrung gefunden. Nun war der große Tag der Eröffnung des ersten deutschen Reichstages, der ganz anders geartet war, als die früher unter dem Namen Deutscher Reichstag zusammengetretenen Körperschaften, herangekommen. Schon frühzeitig sammelte fich das Volk auf der Straße Unter den Linden, um etwas von dem festlichen Schauspiel zu sehen. Eine bisher ungefannte Anzahl Fremder war aus allen Teilen Deutschlands in Berlin zusammengeströmt, da jeder Zeuge des denkwürdigen Tages sein wollte. Unter den Linden stand schon um 9 Uhr frühmorgens das Volk Kopf an Kopf und begrüßte jede Equipage mit Freudenjubel. Endlich begann die Auffahrt der Würdenträger und Generäle. Ein brausendes, nicht endenwollendes Hurra erschütterte plötzlich die Luft und pflanzte sich von dem Brandenburger Tor nach dem Schlosse zu fort. Bismarck fuhr vorüber, der Schöpfer des Reiches, dem alle Herzen entgegenzitterten. Ernst dankte der eiserne Kanzler für die Ovationen, die ihm dargebracht wurden. Nicht lange darauf erneute sich die Begeisterung, da der zweite Paladin des Reiches, Moltke, in die Kissen seines Wagens zurückgelehnt, sich zu der Eröff= nung des Reichstages begab. Nun folgten die Wagen, welche die Fürsten und Großen des Reiches ihrem Ziele zuführten, in ununterbrochener Reihenfolge. Roon, Bundesfürsten, Diplomaten, Minister, Generäle. Zuerst wurde für die Reichstagsabgeordneten ein Gottesdienst abgehal20) Das Familiengeheimnis. Roman von L. Walter. Kleine Nachrichten. Ein Vortrag über den Panamakanal vor dem Kaiser hat am Sonnabend im Ministerium des Innern in Berlin stattgefunden. Dem Vortrage wohnten bet die Minister Breitenbach, Endow, von Heeringen und die Staatssekre= täre Kraetke, v. Kiderlen- Waechter und v. Lindequist. Der Vortrag wurde von dem Geheimen Baurat Tincauzer achalten, der Mitglied der vom Präsidenten Roosevelt im Jahre 1905 berufenen internationalen Kommission war, welche dte Frage, ob der Kanal im Niveau des Meeres anzulegen oder als Schleusenkanal zu erbauen set, zu begutachten hatte. Bürgerlicher Offiziersersatz. Die durch eine Kaiserliche Kabinettsorder befohlene Verteilung der Abiturienten der Hauptfadettenanstalt Lichterfelde auf die Armee zeigt sichtlich und erheblich mehr noch als im Vorjahre das Bestreben des Militärkabinetts, die Adelserklusivität_ge= wisser Truppenteile zu beseitigen. Bei verschiedenen Grenadierregimentern und Jägerbataillonen, darunter den Gardejägern, die sämtlich seit Jahren eigentlich ausschließlich adligen Ersatz gehabt haben und fast nur adlige Offiziere in ihren Reihen zählen, sind Kadetten mit bürgerlichem Namen als Fähnriche angestellt worden. ( Nachdruck verboten.) „ Du bist Kaufmann, brauchst Betriebskapital... 0, Ich weiß schon, was Du mir erwidern willst... lassen wir diese Seite der Angelegenheit außer Acht und fassen wir die ernste, materielle ins Auge. Es handelt sich um Deine ganze Zukunft..." Käm Szenen, gabe der der Veld die Mer Stunde füllte un wurden schrie. wurde d halbe G wurde, d da alles die Leut aus Nor dem Tor Münzen 3weima Die mit feine merschloß Fahrt du Judy in Bäder in heimer angenom Familie wo das baut und dert Arb häftigt. Jag burger Marine in der den Fisd fandte d das Tier Walfisch Er ist n Ein Die übliche Feier auf dem Friedhofe der Märzgefallenen im Berliner Friedrichshain spielte sich am Sonnabend in dem bekannten Rahmen ab. Bei dem schönen Wetter Hats ten sich zahlreiche Arbeiterdeputationen und Besucher, darunter viele Frauen, eingefunden. Das Publikum verhielt sich sehr ruhig. Die Luftschiffe„ P. 5“ und„ V. 6" sind durch Kauf in den Besitz der Luftverkehrsaesellschaft zu Berlin übergegangen. Die Gesellschaft beabsichtigt nunmehr regelmäßige Paffagier- und Reklamefahrten auszuführen. Beide Schiffe werden in Johannistal bet Berlin stationiert. Ein Schuhnägelfreffer ist im Sulzbacher Knappschaftslazarett bei Saarbrücken operiert worden. Es ist ein Bergmann, der vor einiger Zeit schon einmal operiert werden mußte, weil er damals zu viel Hut- und Haarnadeln verschluckt hatte. Der Mann ist total verrückt und will immer wieder derartige Mahlzeiten einnehmen. Gegen die Forderungen der Elsässer zur reichsländischen Verfassungsfrage, die weit über das hinausgehen, was den Reichslanden von Regierung und Reichstag zugebilligt wird, wendet sich die Norddeutsche Allgemeine Zeitung. Sie führt aus, daß sich der Landesausschuß wohl selbst keinem Zweifel über die Unannehmbarkeit dieser Forderun= gen hingeben dürtte. Das offiziöse Blatt fügt hinzu:„ Wenn die elsaß- lothringischen Elemente, welche dem Lande die Unzufriedenheit und sich den Agi= tationsstoff erhalten wollen, diesen Radikalismus nach Kräften schüren, um die Vorlage zu Fall zu bringen, so mag das taktisch verständlich sein. Allen denen, die prinzipiell mit dem von der Regierung vorgeschlagenen Weg einverstanden sind, wird aber die Gefahr einer solchen Taktik nicht verborgen bleiben können." Um das Glüd meines Lebens!" rief eifrig der junge Mann, Auguste ist jung, schön und fein gebildet, sie bringt mir alles, was zu einer glücklichen Ehe nötig." Nur kein Geld!" meinte seufzend die Tante. „ Ich bedarf des Geldes nicht." Wärest Du ein Beamter, der festen Gehalt bezieht, so würde ich Dir beipflichten, oder ein Rentier, der seine Kapitalien gut angelegt hat... nach dem Stande der Dinge aber muß ich Dir doch zu bedenken geben, daß das Geld eine sehr wichtige Rolle spielt. Du bist Kaufmann, darfst nicht geringschäßend auf den sogenannten Mammon blicken, der Dein Wagen und Pflug ist." Der ewige Friede und die Wirklichkeit. Der Budgetausschuß des österreichischen Abgeordnetenhauses hat das ,, Dies alles, liebe Tante, habe ich bedacht, und ich verfahre wahrlich nicht wie eir unbesonnener Knabe. Nach der Jahresbilanz liefert mein Geschäft einen Ertrag, der mir erlaubt, ein anständiges Haus zu machen. Mehr fordere ich nicht, und Auguste, die an Einfachheit gewöhnt, ist damit zufrieden. Außerdem bin ich jung und rüstig und werde bemüht sein, mein Geschäft auf verständige Weise auszudehnen. Du siehst also, daß ich des Geldes nicht bedarf." 91 Stück Bich verbrannt sind bei einem Feuer auf dem mecklenburgischen Gute Maßlow bei Lübow. Durch den Brand, der, wie man vermutet, böswillig angelegt worden tst, sind das Viehhaus und eine Scheune vollständig eingeäschert worden. Hierbei famen 54 Milchfühe, 2 Zuchtstiere, 19 Starken, 16 Kälber und sämtliches Federvieh in den Flammen um. ich habe die beste Wahl getroffen, die für mich überhaupt möglich ist. Meine Brart ist in jeder Beziehung liebenswürdig, sie ist ein Enge!! Da sie einer achtbaren Familie angehört... ihr Vater war mein Lehrer so läßt die Partie nichts zu wünschen übrig." Karl, der sich des Rates Horns erinnerte, hatte so ruhig gesprochen, als ob er von dem Inhalte des Geheimbuches gar keine Kenntnis hätte, ob das letzte Bekenntnis des Vaters gar nicht existierte. Ein Frauenmord wird wieder einmal aus Berlin ge= meldet. In der Sonntagnacht wurde die von ihrem Manne getrennt lebende Frau Martha Schramm in ihrer Wohnung in der Boyenstraße ermordet aufgefunden. Auf die Ergreifung des Täters hat die Polizei eine Belohnung von 1000 Mart ausgefeßt. Traurige Familienverhältnisse werden durch folgende Meldung aus Berlin enthüllt. Als der 36jährige in der Koloniestraße wohnende Stellmacher Balda, der als arbeitsscheuer roher Gefelle und Trinker bekannt ist, in der Nacht zum Sonntag wieder schwer betrunken nach Hause fam, mißhandelte er seine Frau in fürchterlicher Weise. Die schwache Frau suchte sich zu wehren und versette dem Rasenden, als er sie würgte, einen Fußtritt und flüchtete dann mit ihren Kindern zu Verwandten. Als sie Sonntag früh in ihre Wohnung zurückkehrte, fand sie ihren Mann dort tot auf. Wahrscheinlich wurde ihm durch den Fußtritt eine Krampfader verletzt, so daß er verblutet ist. Er erhob sich und wollte das Zimmer verlassen. Bleibe noch, Rarl!" rief Selma.„ Es wäre töricht, wollte ich gegen Deine Wahl eifern und einen Entschluß schwanken machen, den die Liebe, wie es scheint, längst festgestellt... Ich habe ja kein Recht, Dir Vorschriften zu machen und eben so wenig einen Grund, Dir Hindernisse in den Weg zu legen; aber die Pflicht gebietet mir, über einen Punkt mit Dir zu sprechen, den Du längst hättest in Anregung bringen müssen." Jah danke Dir, liebe Tante, für den guten Willen, mir nützlich zu sein," fügte er hinzu.„ Du wirst Auguste fennen lernen und mir beipflichten, wenn ich behaupte: ,, Was für einen Punkt meinst Du, liebe Tante?" " Wie Dir mit der Verlobung, so geht es mir mit dieser Angelegenheit ich habe in den Tagen der ersten Trauer darüber geschwiegen, zumal ich es für selbstverständlich hielt, daß Du sie bei passender Gelegenheit ordnen würdest Ich bin Mitbesitzerin des Geschäfts Selma schwieg und sah den Neffen forschend an. „ Mitbesizerin?" fragte Karl verwundert. „ Ja!" ,, Du sagst mir das erste Wort von einem Verhältnisse, das ich für unmöglich gehalten..." " Aus den Gerichtssälen. Todesurteil im Prozeß van de Velde. Nach fünftägiger Verhandlung vor dem Danziger Schwurgericht wurde am Sonnabend der Wirtschaftseleve van de Velde, der am 21. Februar 1909 den 68jährigen Rechnungsführer der Domäne Ratsstube, Ehlert, im Eisenbahnzuge zwischen Subkau und Dirschau ermordete und beraubte und bereits im Oktober 1909 vom Schwurgericht abgeurteilt werden sollte, aber, da angenommen wurde, daß er die Tat im Dämmer,, Hat Dir Dein Vater nie von einer Summe gesagt, die ich ihm geliehen?" ,, Nie!" versicherte Kari, der sich bewußt war, die Wahrheit zu sagen. ,, Das wundert mich!" ,, Wie hoch beläuft sich die Summe?" „ Fünfundsiebzigtausend Taler." ,, Das ist viel." geschafft hätte... mit meiner Hülfe konnte sie die schweren Schläge überstehen. da die Schwester dem Bruder lieh, vermieden wir alle Weitläufigkeiten; auch sollte niemand drum wissen... Halling stand in den Augen der Handelswelt auf eigenen Füßen... dieser Umstand befestigte seinen Kredit, wie Du wohl einsehen wirst.. da ich mein Kapital gut angelegt glaubte, forderte ich es nicht zurück der Bruder nannte mich stets Mitbefizerin des Geschäfts und versprach, mir die Zinsen gutzuschreiben.. " Ich gab sie meinem Bruder vor acht Jahren, als die allgemeine Geldkrists so viele Geschäfte ruinierte. Häuser in Neuvork und Hamburg stellten die Zahlungen ein die Firma Halling würde gestürzt sein, wenn ich nicht Rat trägt. Ich habe kein Konto gefunden, das Deinen Namen " Unbegreiflich! Unbegreiflich! rief Selma erschreckt. „ Sollte der plötzliche Tod den Bruder verhindert haben, mir meine Rechte zu sichern? Ich konnte nicht mit ihm sprechen, er litt unsägliche Schmerzen, war bewußtlos... es würde grausam gewesen sein, hätte ich den Leidenden mit Geschäften gemartert.. Karl der auf diese Unterredung vorbereitet war, ent gegnete ruhig: „ Du wirst nicht voraussetzen, liebe Tante, daß auch nur der Gedanke an eine Uebervorteilung in mir auftauchen kann." ,, Gewiß nicht!" rief sie hastig.„ Aber auch Du wirst nicht glauben..." „ Ich glaube nichts, denn ich bin Geschäftsmann, der das geschriebene Wort achtet." ein Stu Weise be „ So willst Du nur anerkennen, was. ,, Bitte, laß mich ausreden. Der Stand meines Geschäfts ist nicht der, den ich erwartet habe und den die Handelswelt bisher vermutet hat. Der Vater muß sich an Unternehmungen beteiligt haben, die völlig mißglüdt sind. Das Stammkapital ist gering und wird völlig illusorisch, wenn ich nicht mit geschickter Hand manipuliere. Jch gestehe offen, daß der Ruin da ist, wenn das Darlehen, das Du geleistet haben willst, konstatiert wird. Fünfund Rebzigtausend Taler! Es ist eine große Summel"(&. f.) schäften Seine Ki in denen feine Be einem L fäuferin der in g Juwelen ftedt. T gung fei befehl a Jur eröffnete Badische net we allen R len, die Stellen. malen, gebildet Händen Laib G Dr Geit 10 Dem sto man a haben funden. der Fl polizei einschli fich ein drei M zündete ben gro ter Ru Standen amte m fter vo als an herrscht ter, de Schlüffe find. Üb Boliszt mitgete $ 5.000 Deften halbver Stadt por Hu De aus t äuß einen Dezzwe men of Man Millio D Schlan In ben Sangenom erte auf 1 über olle Zufti ugeben, zichung rfahrung unerreichbe nsbejtrebu Die tolo iffsbau erbiete, f glijchen , fchließli iverfitati de jest b rachtenb der Ber iffion eine Bu beftin ag, der e ett darstell Mitglieder fich nie Jedeffen b befchloffer en Geschäfte tiertentan dem Kaiser in Berli He Mintiter Staatsjette quist. De uzer achab t im Jahr welche de ulegen oder en hatte. gefallener nabend h Wetter hab esucher, da im verhielt Rauf in den ergegangen ige Bafia Schiffe wer ppichaftsle ein Berg ert werden adeln ver will immer er auf dem Durch den egt worden ändig ein , 2 Zucht dervieh in Berlin ge em Manne Wohnung Die Ergrei von 1000 folgende ige in der Is arbeits der Nacht fam, mif Die schwa Rasenden. dann mit ng früh in n dort tot tritt eine ch fünft icht wurde Belde, der führer der ichen Sub bereits im den sollte, Dämmer die schwe m Bruder sollte nie Augen der wirft. nstand be rderte id ts Mitbe insen gut en Namen erfahredi ert haben, mit ihm Btlos enden mit war, ent baß auch ir auftau Du wirft mann, der eines Ge den die up fid an minglidi öllig illus nipuliere Darlehen Fünfund zustande begangen habe, nach der Frrenanstalt in Neustadt zur Untersuchung seines Geisteszustandes gebracht worden war, wegen Raubmordes zum Tode verurteilt. Im Deutzer Landfriedensprozeß wurde am Sonnabend das Urteil gesprochen. Bei den Deußer Streiffrawallen, die in vielem den Moabiter Unruhen ähneln, wurden zahlreiche Personen von der Polizei verletzt und auch mehrere Schuhleute verwundet. Einer von ihnen starb an den erlittenen Verlegungen. Die Geschworenen billigten allen Angeklagten mildernde Umstände zu, so daß nur Gefängnisstrafen verhängt wurden. Der Angeklagte Düpper, dem der Tod eines Schußmannes zur Last gelegt wird, erhielt fünf Jahre, der Gewerkschaftssekretär Fröhlich, der als Nädelsführer angeklagt war, zwei Jahre sieben Monate, die übrigen Angeklagten sechs Monate bis zu einem Jahre Gefängnis. Telephon und Gerichtsbarkeit. Ein Landwirt hatte beim Landgericht Bochum im letzten Augenblick auf telepho= nischem Wege gegen ein Urteil Berufung eingelegt. Das Gericht verwarf jedoch die Berufung mit der Begründung, die telephonische Uebermittlung sei unzulässig, da durch ste die Identität des Einlegers nicht festgestellt werden könnte. Vermischtes. Kämpfe um die bayerischen Jubiläumsmünzen. Die Szenen, die sich am Sonnabend in München bei der Ausgabe der Jubiläums- 3weimarkstücke abspielten, spotten jeder Beschreibung. Um drei Uhr morgens standen schon die Menschen vor dem Tor der Zentralstaatskasse, von Stunde zu Stunde wuchs die Menge, die die ganze Straße füllte und jeden Verkehr unmöglich machte, die Schuhleute wurden beiseite geschoben und die Menge drückte und schrie. Als endlich die Tore der Kasse geöffnet wurden, wurde das Drängen noch schlimmer, bis dann kaum eine halbe Stunde nach der Eröffnung der Kasse verkündet wurde, daß keine Jubiläumsmünzen mehr vorhanden seien, da alles ausverkauft war. Schreiend und fluchend blieben die Leute noch eine Stunde lang auf der Straße; Händler aus Norddeutschland hatten ganze Scharen so zeitig vor dem Tor der Kasse aufgestellt, daß für die Münchener keine Münzen mehr übrig blieben. Jetzt werden bereits für die Zweimarkstücke 8, 10 und sogar 15 Mark geboten. Die Reisepläne des russischen Zaren. Der 3ar wird mit seiner Gemahlin in diesem Jahre nicht nach dem Sommerschloß Peterhof übersiedeln. Geplant ist eine kurze Fahrt durch die finnländischen Schären und dann ein Besuch in Deutschland, wo die Zarin im Juni und Juli die Bäder in Homburg zu nehmen beabsichtigt, da ihr die Nauheimer Bäder nicht so gut bekommen sind, wie die Aerzte angenommen hatten. Nach der Homburger Kur geht die Familie des Zaren für den ganzen Herbst nach Livadia, wo das neue Kaiserschloß in der Zwischenzeit fertig gebaut und eingerichtet wird. Augenblicklich sind vierhundert Arbeiter mit der prunkvollen Inneneinrichtung beSchäftigt. Jagd auf einen Walfisch in der Ostsee. Die Flensburger Fischer hatten sich fürzlich mit der Bitte an die Marine gewandt, einen Walfisch, der selt einigen Wochen in der Flensburger Außenförte sein Unwesen trieb und den Fischern ihre Beute verringerte, einzufangen. Darauf Sandte das Schulschiff ,, Württemberg" einige Torpedos, die bas Tier an Land trieben, wo es erschossen wurde. Der Walfisch ist etwa 20 000 Pfund schwer und 20 Meter lang. Er ist noch nicht abgeschleppt worden. Ein Student als Juwelenmarder. In München wurde ein Student verhaftet, der seit Wochen in raffinierter Weise bei der Auswahl von Juwelen in verschiedenen Geschäften fostbare Stücke gegen minderwertige vertauschte. Seine Kühnheit ging so weit, wieder in Geschäfte zu gehen, in denen er solche Tricks schon ausgeführt hatte, obwohl seine Personalbeschreibung in den Zeitungen stand. In einem Laden, den er wieder betrat, erkannte ihn eine Verfäuferin und veranlaßte seine Verhaftung. Der Student, der in ganz guten Verhältnissen lebt, hat nichts von den Juwelen verkauft, sondern sie alle in der Wohnung versteckt. Deshalb hat auch das Amtsgericht in Berücksichtigung seines zweifellos psychopathischen Zustandes den Haftbefehl aufgehoben. Juristische Auskünfte im Käseladen. In einem neu eröffneten Käseladen in Mannheim prangt, wie die„ Neue Badische Landeszeitung" mitteilt, folgendes Plakat:„ Meiner werten Kundschaft wird unentgeltlich Auskunft in allen Rechtsangelegenheiten erteilt." Es wäre zu empfehlen, die Spezialität dieses Geschäftes auch bildlich darzustellen. Vielleicht läßt sich der Ladeninhaber ein Schild malen, worauf die olympische Staatsanwältin Themis abgebildet ist, sie dürfte aber nicht Schwert und Wage in den Händen halten, sondern ein langes Käsemesser und einen Laib Emmenthaler. Drei Schlachthauswächter beim Diebstahl überrascht. Seit langer Zeit wurden Diebstähle in großer Zahl auf dem städtischen Schlachthof in Berlin ausgeführt, ohne daß man auch nur eine Spur der Täter finden fonnte. Endlich haben jetzt die Diebstähle eine unerwartete Aufklärung gefunden. Zu den schwer geschädigten Meistern gehörte auch der Fleischermeister Traugott Becker, der die Kriminalpolizei um Hilfe anrief. In der Nacht zum Sonnabend ließ sich ein Kriminalbeamter in die Schlachtkammer Beckers einschließen. Plötzlich sah er von seinem Versteck aus, daß drei Männer den Raum betraten, eine Gasflamme anzündeten, mit einer gewissen Sachkenntnis Umschau unter den großen Fleischvorräten hielten und sich dann mit größter Ruhe die besten Stücke aneigneten. Als sie im Begriff standen, die Kammer zu verlassen, trat der Kriminalbeamte mit gespanntem Revolver den Dieben entgegen. Einer von ihnen ergriff die Flucht. Die Ertappten wurden als angestellte Wächter entlarvt. Die größte Entrüstung herrscht über den groben Vertrauensbruch dieser drei Wächter, der um so schwerer ist, als den Wächtern sämtliche Schlüssel zu den einzelnen Schlachtkammern anvertraut find. über die Hungersnot in China veröffentlicht die Köln. Bolfsztg. ein Schreiben des Bischofs in Schanghai, in dem mitgeteilt wird, daß seit 5Monaten von 40 000 Christen $ 5 000 nichts mehr zu essen haben und daß sie im allerelendesten Zustande von Blättern, Wurzeln der Bäume und halbverwesten Tieren ihre Nahrung suchten. In einer Stadt in Südchina wurden täglich zwölf Tote gezählt, die por Hunger gestorben sind. In Nanking strömen Hungernde aus den umliegenden Provinzen zusammen. Die Lage ist äußerst fritisch. Mehr als hundert Personen hielten einen Zug der Ranting- Shanghai- Eisenbahn an. verzweifelten Gebärden baten sie, man möge ste mitneh= men oder überfahren, da sie sonst Hungers sterben müßten. Man schätzt die Zahl der zurzeit Hungerleidenden auf dret Millionen Menschen. Mit Das Mißgeschid eines Schlangenjägers. Der als Schlangenjäger auf Rügen bekannte Arbeiter Brandt ging In den lehten warmen Tagen mit bestem Erfolge in dem Gingster Forst dem Kreuzotternfang nach. Bereits neun Reptile hatte er getötet und die Köpfe in Ermangelung eines Behälters unter der Müze auf dem Kopfe angesam= melt. Kaum hatte er den Kopf einer soeben erst getöteten Giftschlange wieder dem sonderbaren Aufbewahrungsort einverleibt, da verspürte er einen stechenden Schmerz. Er wurde schließlich gewahr, daß der letzte Otternkopf sich festgebissen hatte! Brandt riß den Kopf los und versuchte, die Wunde auszuschneiden, was aber mißlang. Erst nach langer Zeit fonnte er einen Arzt auffinden. Der Zustand des Verletzten ist bedenklich. Eifersuchtsszene im Löwenkäfig. Hinter den Kulissen des Zirkus Sarrasani in Stuttgart gab es fürzlich eine furchtbare Eifersuchtsszene im Löwenkäfig. Der Dompteur Haupt sieht sich bereits seit einigen Tagen einem bedeutend gesteigerten Temperamente seiner 21 Pfleglinge gegenüber. Nun sind die beiden Löwenmännchen Lux und Anton schon längst erbitterte Rivalen der schönen jungen Löwin Kleopatra gegenüber. Während der Vorführung der Gruppe am Mittwochabend fam es bereits zu einer kleinen Pläntelei vor versammelten Publikum. Aber kaum hatte Herr Haupt' eine Nummer beendet und die Löwen in die Gitterwagen zurückgetrieben, da stürzte Anton auf Lux los. Die beiden riesigen Löwenleiber ballten sich zu einem Knäuel zusammen. Herr Haupt sprang, besorgt um die beiden Postbarsten Löwen, mit Todesverachtung in die Gitterzelle und riß die beiden Tiere mit Riefenträften auseinander. Seine Paradeuniform ging dabei in tausend Fezen. Ein Schwerverwundeter lag auf dem engen Schlachtfelde. Es war der Löwe Lur, dem das Blut mitten aus der Brust aus einer zerrissenen Schlagader hervorsprigte. Man alar= mierte sofort die Aerzte. Dem armen Tiere vergingen schon die Kräfte, als es gelang, den Blutstrom einzudämmen. Jetzt liegt Lur in der Refonvaleszentenstube. Die schwarzen Soldaten in Frankreich. Ein französischer, eben aus Marokko heimgekehrter Kolonialoffizier spricht sich über die militärischen Eigenschaften der schwarzen Senegalschützen, aus. denen das schwarze Heer Frankreichs gebildet werden soll, etwas skeptisch aus. Er erklärt die Resultate mit der Truppe für ermutigend, sagte aber, die Leute seien schwer in der Hand zu halten. Sie kämpften wie die Wilden unter völliger Mißachtung des Terrains und ohne auf die Weisungen der Offiziere im geringsten zu achten. Bald sind sie aufrecht, bald knieend, bald tanzen sie herausfordernde Kriegstänze vor dem Feind, um ihren Mut zu beweisen. Sie bedürfen noch einer sorgfältigen militärischen Schulung, zumal die Offiziere ihre Sprache nicht verstehen. Die Schwarzen sind auch minder nüchtern und marschfähig als die algerischen Schützen und die Legionäre. Die Krawattennadel in der Zigarre. In Freyung im bayrischen Wald rauchte ein Vermessungsbeamter abends im Wirtshause seine Zigarre, aus der sich eine unversehrt gebliebene juwelenbesetzte Krawattennadel herausschälte. Ihr Eigentümer dürfte durch Rückfrage beim Fabrikanten, bei dem die Nadel im Wickelsaal verloren gegangen sein mag, unschwer zu ermitteln sein. Immerhin sieht die Sache sehr romantisch aus; denn so tostbare Nadeln besitzen 3igarrenarbeiterinnen nicht und würden sie auch nicht in Bigarren einwideln. Die Tagesration der Heere Europas. In einer englischen Zeitschrift berechnet jemand, was für den täglichen Unterhalt der großen europäischen Heere erforderlich ist. Danach verzehren die Heere der sechs europäischen Großmächte, die in Friedenszeiten mehr als drei Millionen Krieger unterhalten, jeden Tag: 45 000 3tr. Brot, 30 000 Zentner Fleisch, 15 000 Zentner Konserven, 6000 Zentner Reis, 1800 Zentner Sped, 1200 Zentner Salz, 1860 3entner Zucker, 1440 Zentner Kaffee und 7500 Hektoliter Wein. Dazu kommen noch die Kartoffeln und Gemüse. Ein europäischer Krieg würde den sechs beteiligten Großmächten zusammen eine tägliche Ausgabe von mehr als 150 Mill. Mart auferlegen. Die Tragödie in Kamerun. Am 17. Februar hat sich, wie unsern Lesern noch in Erinnerung sein dürfte, in Buea, dem Hauptsitz unserer Kolonie Kamerun, ein Drama abgespielt, dem zwei ver= diente Kolonialbeamte zum Opfer fielen. Dem B. T." wird der Bericht eines Augenzeugen übermittelt, der um so größeres Interesse erwecken dürfte, als bisher nur spärliche Einzelheiten über die Tragödie bekannt geworden sind. Der stille Gebirgsort Buea, so heißt es in dem Bericht, wurde heute der Schauplatz einer grauenhaften Tat. Es mochte 10% 1hr vormittags sein, als man aus dem Dienstgebäude des kaiserlichen Gouvernements schnell hintereinanderfolgende Schüsse einer Browningpistole und Rufe hörte. Die Beamten suchten zum Teil durch die Fenster und vom Balkon das Frete zu erreichen und riefen nach Leitern und Waffen. Die Eingeborenen, die zum heutigen Gerichtstage gekommen waren, suchten in größterBestürzung und Eile den Ort hinter sich zu bringen, ohne daß zunächst einer hätte sagen können, was sich ereignet hatte. Nachdem sich die Aufregung gelegt hatte, erfuhr man den ganzen Umfang der gräßlichen Vorgänge. Der kommissarische Gouvernementssekretär Kerner war der Täter. Er hatte sich zunächst nach dem Stationsgebäude begeben, wo der Bezirksletter Biernatzky Eingeborenengericht abhielt. Er ging auf diesen zu und schoß dem Beamten zwet Schüsse aus seiner verborgen gehaltenen Pistole in den Kopf. Biernasty brach ohne weiteres tot zusammen. Mit der Waffe in der Hand lief Kerner zu dem zirka 100 Schritte entfernten Dienstgebäude, öffnete die Tür zum ersten 3immer, in dem er gearbeitet hatte, und schoß jeinem Kollegen, dem Sekretär Gniß, eine Kugel in die Brust. Dieser stürzte davon und brach vor dem Gebäude tot zusammen. Der Sekretär Schnaebele griff und schlug dem Kerner mit der Faust auf den Arm, wobei ihn selbst ein Schuß in den Arm traf. Der Täter sprang zurück und traf Schnaebele nochmals am Kinn. Die Kugel zerschmetterte den Unterkiefer und blieb wahrscheinlich darin stzen. Der Getroffene flüchtete duch das Fenster hinaus. Jezt eilte Kerner in das nächste Zimmer, in welchem der Sefre= tär Nagel arbeitete. Nach einigen Worten schoß er auf ihn, der sich unwillkürlich zur Seite bog und dadurch mit einem Streifschuß an der rechten Kopfseite davonkam. Der Getroffene drängte den Täter, der wohl keine Patrone mehr im Lauf hatte, hinaus und rettete sich durch das Fenster. Mittlerweile waren durch die Schüsse und Rufe die Beamten im oberen Stockwerk des Gebäudes gewarnt. Kerner eilte hinauf, feuerte zweimal auf eine Gruppe von Sefretären, die in der offenen Tür der Kalkulatur standen, und versuchte, in das Zimmer des Regierungsrats Adae einzudringen. Dieser drängte ihn aber schnell entschlossen hinaus und kam so mit dem Schrecken davon. Kerner versuchte dann, in die Zimmer des Geheimrats Hansen und etniger anderer Herren einzudringen, fand aber überall perschloffene Türen. Er verließ nun das Gebäude und feuerte noch von draußen auf einige Herren und fehlte dabei den Zollvorstand Bötefür nur um wenige Handbreit. Er ging dann in den wenige Schritte entfernten Messeraum der Sekretärmesse und erschoß sich selbst durch einen Schuß in die Schlöfe. Nur glücklichen Umständen ist es zuzuschreiben, daß der Täter nicht noch mehr Opfer den Toten augesellte. Denn es geht ein Gerücht um, daß er eine Liste von fünfzehn Beamten angefertigt haben soll, welche den Abend nicht er leben sollten. Tatsache ist jedenfalls, daß er nicht wahllos geschossen hat. Es sind ihm einige Europäer begegnet, auf die er nicht zielte. Er hat die Personen gekannt, und das läßt auf die Gründe der grauenhaften Tat schließen. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß der Täter an Verfol= gungswahn gelitten hat. Er glaubte sich stets beobachtet, gehänselt, zurückgesetzt. Nichts davon entspricht den Tatsachen. Es bekümmerte sich niemand um den Sonderling. der fast immer allein die Umgegend durchstreifte und jeder gemütlichen Geselligkeit abhold war. Es wird jetzt ferner bekannt, daß er sich vom ersten Tage seines Eintreffens im Schutzgebiete an über jedes Gespräch Notizen gemacht hat. Dann erfährt man auch, daß er in der letzten Zeit die Häuser der Europäer umschlichen hat, um zu horchen. So ist wohl in dem zersetzten Gehirn der unsinnige Gedanfe entstanden, sich an seinen Verfolgern und Peinigern zu rächen. Jeder, der irgend etwas mit ihm zu tun gehabt hatte, feien es dienstliche Vorkommnisse oder persönliche Neckereien, wie sie unter Kollegen üblich, kam auf die „ Liste." Die gerichtlichen Feststellungen sind zurzeit noch nicht abgeschlossen, doch erscheint es zweifellos, daß sie für irgend jemand etwas Belastendes nicht ergeben werden. Drabtnachrichten und neuestes. Aus der nationalliberalen Partei. Berlin, 20. März. Im Reichstagsgebäude fand gestern eine zahlreich besuchte Sitzung des Zentralvorstandes der nationalliberalen Partei statt. Nach einem Begrüßungswort des Abg. Bassermann, in dem er der im letzten Jahr Verstorbenen gedachte, wurde eine Anzahl Herren in den Zentralvorstand gewählt. Im Anschluß an ein Referat des Abg. Bassermann über die Vorbereitung zu den nächsten Reichstagswahlen fand eine eingehende Aussprache statt, in der Abg. Friedberg die Erklärung abgab, daß die Frage des Enteignungsgesetzes demnächst im Abgeordnetenhause nach der Richtung hin erörtert werden würde, ob die Fortsetzung des Ansiedlungsgesetzes ohne Anwendung des Enteignungsgesetzes möglich sei. Sozialdemokratische Demonstrationen für das Frauen= stimmrecht. Berlin, 20. März. 41 sozialdemokratische Volksversammlungen fanden gestern nachmittag um 2 Uhr in GroßBerlin statt, um eine Demonstration für das Frauenwahlrecht herbeizuführen. Die Redner erklärten das politische Frauenwahlrecht als die Hauptforderung des sozialdemofratischen Programms. Von 25 000 Personen, die an den Versammlungen teilnahmen, waren drei Viertel Frauen. Von jeder Straßendemonstration wurde Abstand genom men. In einer Versammlung sollte eine Bliblichtaufnahme gemacht werden. Als das Pulver mit lautem Knall und unter starker Rauchentwicklung aufflammte, stürzten die Frauen mit lautem Geschrei in wilder Haft dem Ausgang zu. Die sofort alarmierte Feuerwehr eilte mit vier Zügen herbei. Da sich inzwischen die Harmlosigkeit des Vorganges ergeben hatte. zogen Feuerwehr und Polizei unter allſet= tiger Heiterfeit wieder ab. Der Revolverheld in der Animierfneipe. Berlin, 20. März. In einer Animierkneipe schoß ge= stern ein Arbeiter auf die Kellnerin und Wirtin. Diese liefen zur Polizei, um einen Schuhmann zu holen. Als sie wiederkehrten, fanden sie den Täter verwundet vor dem Schanktisch liegen. Er hatte sich eine Kugel in den Kopf gejagt und ließ nur schwache Lebenszeichen erkennen. Unfälle auf einer Rennbahn. Berlin, 20. März. Bei der Eröffnung der Rennsaison in Strausberg ereigneten sich zahlreiche Stürze, bei denen mehrere Jockeis schwere Verlegungen davontrugen. In einer Badeanstalt verbrüht. Berlin, 20. März. In einer Privathadeanstalt erschien gestern ein etwa 30jähriger Mann, der sich ein Wannenbad bestellte. Das Bad wurde ihm durch den Bademeister zubereitet und der Mann begab sich in die Zelle. Als einer der Bediensteten etwa eine Viertelstunde später an der Zelle vorbeiging, hörte er ein leichtes Stöhnen und Aechzen. Er öffnete die Tür und fand den Badegast über und über verbrüht bewußtlos am Boden liegen. Der Mann wurde schwer verletzt ins Krankenhaus geschafft. Großer Fabrikbrand. Chemnitz, 20. März. Die Firma Häberl in Wittgendorf, die größte Trifotagenfabrik Sachsens, ist gestern vollständig niedergebrannt. Von 800 Arbeitern sind 400 brotlos. Die neue Spionageaffäre. Bremen, 20. März. Außer dem verhafteten Engländer wurde in der Spionageangelegenheit ein Vorarbeiter oder Meister, der mit der inneren Einrichtung der Panzer beschäftigt ist, festgenommen. Beamte der Hamburger Polizei fuhren hierauf hierher und nahmen noch zwei Arbeiter und eine Frau in Haft, die dann einzeln nach Hamburg überführt und in das dortige Untersuchungsgefängnis eingeliefert wurden. Der Hamburger Oberstaatsanwalt führt selbst die Untersuchung, die mit größter Heimlichkeit vor sich geht, so daß nur wenige Personen über die Angelegenheit unterrichtet sind. Der Hauptschuldige, ein anderer Engländer, ist noch nicht ermittelt. Dieser ist schleunigst nach England abgereist. Es sind verschiedene Zeichnungen und Schriften beschlagnahmt worden. Ein deutscher Ballon verunglückt. Der von hier aufgestiegene Grefeld, 20. März. Ballon Düsseldorf 4" ist in der Zuidersee gelandet. Der Ballonführer, Metallwarenfabrikant Paul Kayser aus Crefeld, hat wahrscheinlich den Tod in den Wellen gefunden. Ein Mitfahrer, der Kaufmann Otto Schröder, wurde schwer verlegt aufgefunden. Die Nachricht von dem Unglück wurde in Crefeld durch ein Telegramm an die Familie Kaysers bekannt. Ein blinder Passagier. Brüssel, 20. März. Eine recht gefährliche Reise hat ein rumänischer Deserteur gemacht, der von Bukarest bis Ostende als blinder Passagier gefahren ist. Der Mann hatte die Reise zurückgelegt, indem er sich unterhalb eines Zuges an Hafen und Balken anklammerte. Er erklärte, daß er aus seinem Vaterlande geflohen sei, um sich den Mißhandlungen seiner Vorgesetzten zu entziehen. Er hatte als Reisegeld ein 20 Franksstück bei sich, das ihm aber unterwegs aus der Tasche geschüttelt worden ist. Ein Riesenstreif der Seeleute. Hull, 20. März. In einer gestern von den Transportarbeitern veranstalteten Rundgebung erflärte der Sekretär des Seemannverbandes, daß die Seeleute und Heizer von Großbrittanien, Norwegen, Schweden, Dänemark, Holland und Belgien sowie der atlantischen Küste Amerikas sich bereits über Tag und Stunde geeinigt hätten, wo gleichzeitig die Arbeit eingestellt werden solle. Chinas Antwort au Rußland. London, 20. März. Wie die Times aus Peking meldet, hat China gestern seine Antwort auf die russische Note vom 14. März erteilt. Sie ist in durchaus freundlichem und versöhnlichem Tone gehalten und gewährt Rußland das Recht, einen Konsul in Koda zu ernennen. Die Note räumt ferner den russischen Untertanen das Recht auf Freihandel in der Mongolei und anderen Orten außerhalb der großen Mauer ein Literarifcbes. Lexikon der Zeitgeschichte. Ein Nachschlagewerk über die bemerkenswertesten Ereignisse des Jahres 1910. Preis in Leinwand gebunden Mt. 2.50. ( Verlag von Otto Weber, Heilbronn a. N.) Zum 2. Male tritt, das praktische Nachschlagewerk, dessen erster Jahrgang überall Anklang gefunden hat, vor die Deffentlichkeit. 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Ihre Mitteilung bezüglich der Aeußerungen des konservativen Parteisekretärs GrundWetzlar, die er in den dortigen Versammlungen über den Abgeordneten Behrens gemacht hat, sind uns bereits von anderer Seite mitgeteilt worden. Wir halten es aber vorläufig noch nicht für angebracht, diese persönliche Kampfesweise zu beleuchten. Wir kommen s p ä- ter darauf zurück. Nach Braunfels. Das Gedicht in Nr. 63 wurde uns von zwei Bergarbeitern aus Bissenberg zugesandt. Nach Bonbaden. Es freut uns, daß es den persönlichen Bemühungen des Abgeordneten Behrens gelungen ist, die Bewilligung der Ihnen lange vorenthaltenen Veteranenrente durchzusetzen. Fahren Sie SUPERIOR musterhaft in Bau u. Ausstattung, grösste Stabilität, vorteilhafteste Preislage! Fordern Sie illustrierte Preisliste auch über Nähmaschinen Haushaltungsgegenstände, Waffen, Uhren, Musikwaren, sowie sonstige Radfahrer- Bedarfsartikel gratis u. franko. HANS HARTMANN A: G.EISENACH 5 GRÖSSTES FAHRRADHAUS MITTEL- U.SÜDDEUTSCHLANDS. 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