7. e. 1 ube ädern r ganz eichte chicke räder. verlager. steht sucht. ttner Sießen. # Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Erscheint jeden Werktag früh.- Die„ Humoristischen Blätter" liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer. Nr. 17. Probenummern - Telephon: Nr. 362. der„ Gießener Zeitung" stehen unseren Lesern in beliebiger Anzahl jederzeit kostenlos und portofrei zur Verfügung. Wir bitten unsere Leser und alle Freunde unseres Blattes wo nur möglich für dasselbe zu werben, solches in Bekannten- und Freundeskreisen zu empfehlen und uns freundl. Adressen aufzugeben, welche sich für unsere Zeitung interessieren dürften. Aus dem Reichstag. ( Spezialbericht der„ Gießener Zeitung".) der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer Seit letzten Montag und Dienstag wogt im Plenum der Kampf um die Zuwachs steuer in zweiter Lesung. Die Generaldebatte brachte eine Fülle von Reden und Abänderungsanträgen, so daß die Anträge beinahe schon eine Gefahr für das Zustandekommen des Gesetzes bilden. Günstiger sind die Aussichten für das Gesetz nicht geworden. Auf den Tribünen des Reichstages und in den Wandelhallen schwirren die Terrain- Spesulanten, Interessenten und Kommunal- Vertreter, die dem Kampfe um die Besteuerung des unverdienten, nicht erarbeiteten Wertzuwach ses verfol gen und ihre Abgeordneten" bearbeiten. Bezeichnend war, daß der sozialdemokratische Ab gk Göhre die Besteuerung der kleinen und kleinsten Grundbesitzer,( also der Kleinbauern und grundbesitzende Arbeiter) sehr energisch verlangte. Er wolle keine Ausnahme zugunsten der kleinen Leute. ( Hört, hört! D. Red.) Für die Wirtschaftliche Vereinigung sprach der Abg. Ra ab mit großer Wärme für diese gerechteste Besitzsteuer, die vor allen den spekulativen Gewinn und Vermögen treffen solle. Am Mittwoch beginnen die Abstimmungen über das Gesetz. Unterdessen hat die Budgettkommission den M a- rineetat und den Etat des Reichsamt des Innern erledigt. Die Gewerbeordnungs= fommission, deren Mitglied der Abg. Behrens ist, nahm ihre Arbeiten am Dienstag auf und beschloß die Einführung von Lohnbücher und Arbeitszettel für Heimarbeiter, um der Lohndrückerei entgegenzuwirken. In der Reichsversicherungskommission, deren Mitglied ebenfalls der Abg. Behrens ist, wird seit Dienstag über die Verfassung der Landkrankenkassen gekämpft. Die Regierung erklärte, daß das ganze Gesetz unannehmbar würde, wenn die Grundsätze der Regierundsvorlage in diesem Punkt nicht wieder hergestellt würden. Die Abstimmung ergab die Einführung der Drittelung, für die auch der Abg. Behrens stimmte; ferner die Annahme eines Kompromißantrages, durch den die Regierungsvorlage im Prinzip( Wahlrecht) wiederhergestellt würde. Die Verfassung der Ortsfrankenkassen wurde nach den Beschlüssen der ersten Lesung angenommen. des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Freitag den 20. Januar 1911 Partei! Das ist nicht wahr, das bestreite ich auf das allerentschiedenste, nie und zu feiner Zeit waren wir uneiniger als gerade jetzt, nie und zu keiner 3eit wa= ren die Meinungsverschiedenheitengrö= ßer als je t"( Lebhafte Zustimmung und Hände= flatschen") verzeichnet dazu der Bericht. Die häßlichsten Vorwürfe machten sich dort die Führer. Worte ,, Denunziation",„ Ehrabschneiderei", Vorwurf der„ Lüge", der„ Feigheit“,„ Scharlatane"," Bauernfänger" 2c. wurden ausgesprochen. Schließlich rief der alte Auer dazwischen:„ Kinder, laßt doch genug sein des grausamen Spiels das hält ja kein Vieh aus!" Also wird auch wohl Herr Habicht Recht haben. * - Reichstagswahlvorbereitungen. wie 20. Gießen. Die Fortschrittliche Volkspartei und die Nationalliberalen verhandeln unter Vermittelung des Hansabundes wegen eines gemeinsamen Kandidaten, der weder Profes= Gießen noch Professor Biermann sein darf, wenn sor Ra de Marburg noch Professor Gise vius= es überhaupt zu einer Einigung kommen soll. Die Volkspartei hat Justizrat Wilhelm Grünewald als gemeinsamen Kandidaten vorgeschlagen, der erklärt haben soll, die Kandidatur annehmen zu wollen, wenn sie ihm von beiden Parteien angeboten würde, so wird der„ Kl. Pr."- geschrieben! Die Kandidatur Grünewald würde auf dem Lande erst recht verneint, denn unsere Bauern wollen bekanntlich nur einen Mann, ihnen fühlt und für sie eintritt. der mit ihnen schon in enger Fühlung steht, der mit Bensheim. Für den hiesigen Reichstagswahlkreis stellen die Sozialdemokraten den Gemeinderat Hasenzahl- Erbach als Kandidaten auf. * Immer noch niedriger hängen muß man die „ Oberhessische Volkszeitung", wenn man liest, wie un= wahr sie über den Verlauf der am letzten Sonntag in Dutenhofen stattgefundenen Versammlung der Christlich- Sozialen berichtete. Hat der Artikelschreiber der„. V.- 3tg." unsaubere Ohren oder war er nicht im Saal, daß er nicht den reichen Beifall gehört hat, den der Abg. Behrens bekam, als er sein Referat beendete. Lokal- Nachrichten. Gießen, den 20. Januar. * Aus Hessen. Der Landesverband der Ha u s- besitzervereine im Großherzogtum Hessen hat nunmehr das Verbandsstatut genehmigt und als Vorort Mainz bestimmt. == Gießen. Der vom Evang. Arbeiterverein am Sonntag, den 22. 1. Mts., abends 8 Uhr, in der Turnhalle( Nordanlage) geplanten Aufführung des Volks= stückes in 5 Aften:„ Der Leiermann und sein Pflegeft n d;, bringt man allseitig großes Interesse entgegen. Die Eintrittskarten sind nahezu ausverkauft. Der Eintrittspreis von 20 Pfg. ermöglicht auch den Minderbemittelten den Besuch der Veranstaltung. *) Lang- Göns. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren hat der Großherzog dem Wilhelm August Spies dahier verliehen. * Nieder- Ohmen. Die neue Drahtseilbahn, die von der großen Eisensteinwäsche bei Büsfeld bis an unser Dorf führt, ist seit kurzem vollendet. Sie ist nordöstlich vom Dorf durch den neuen Verladeplatz an die Bahnstrecke Fulda- Gießen angeschlossen. Hierher soll auch unser geplanter neuer Bahnhof gelegt werden. * Engelrod. Wir haben in der Person des Postagenten Karl Schaaf einen neuen Bürgermeister erhalten; er wurde mit 46 Stimmen gewählt. ,, Wir haben im Reichstag nur Hampelmänner", so charakterisierte in Dutenhofen am letzten Sonntag der sozialdemokratische Reichstagskandidat für Limburg- Diez, Herr Habicht Frankfurt a. M., die Abgeordneten und da er den in der Versammlung anwesenden Abgeordneten Behrens ausdrücklich ausnahm („ Anwesende sind ausgeschlossen"), so kann sich das harte Urteil doch nur auf die sozialdemokra= tischen Reichstagsabgeordneten beziehen. Es liegt auch keine Ursache vor, die Behauptung des Herrn Habicht, soweit sie sich auf seine Genossen bezieht, zu bestreiten. Er muß sie ja besser kennen. Im übrigen steht seine Behauptung durchaus im Einklang mit den Neußerungen, die auf dem Magdeburger sozialdemokratischen Parteitag 1910 fielen. So nannte dort der sozialdemo= fratische Reichstagsabgeordnete Fischer den sozialdemo= kratischen Abg. Ledebour öffentlich einen„ Bajazzo", d. h. einen Hanswurst und der sozialdemokratische Abg. Dr. Frank erklärte dem sozialdemokratischen Abg. Stadthagen öffentlich seine„ Verachtung". Auf dem Dresdener Parteitag gings bekanntlich noch kräftiger zu. Sechs Tage lang beschimpften und zankten sich dort die sozialdemokratischen Führer in unerhörter Weise. Jm Protokoll nehmen diese lächerlichen Streitereien 26 2 eng| aus eine Stichbahn geplant war, deren Einmündung gedruckte Seiten ein, während auf alle sonstigen an der Obermühle bei Bieber gedacht war. Auch Der Verhandlungen nur ganze 27 Geiten füllen. alte Bebel stellte dort fest:„ Man rede doch nicht von der Einigkeit und der Einheit in der da *) Röthges. Uebertragen wurde am 14. Jan. dem Schulamtsaspiranten Heinrich Meckel von hier eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lanzenhain. * Wetzlar. Das Streben nach einer Eisenbahnverbindung zwischen Wetzlar über Gladenbach nach Biedenkopf und von weiter nach Norden, ist älter als 40 Jahre. Schon vor 1866, so schreibt der„ Hinterländer Anz.", diesem für das Hinterland so bedeutungsvollen Zeitpunkte, bestanden Verhandlungen, das sogenannte hessische Hinterland durch eine Eisenbahn aufzuschließen, welche von Gie zen ausgehend ihren Kurs über Gladenbach, Biedenkopf und Laasphe nehmen sollte, wobei von Wetzlar eine seinerzeit projektierte Linie Wetzlar- Altenhundem sollte diese Gebietsteile erschließen. Beide Pläne erhielten nicht die nötige Förderung und wurden überholt ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfc. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Re flameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. durch die Eisenbahn Marburg- Laasphe, der dann ſpäter die Bahn Niederwalgern- Gladenbach und Herborn folgte. Durch diese beiden Bahnlinien war der Verkehr nach Osten hin gelenkt und schien das uralte Projekt für immer verloren zu sein. Von Wetzlar aus versuchte man nun in neuerer Zeit eine Linie durch das obere Lemptal von Aẞlar ausgehend durchzusetzen, allein dieses Projekt wurde abgelehnt, da eine einigermaßen nachweisbare Rentabilität fehlte. Waren die Bewohner von Hohensolms damit auf einem toten Punkte angekommen, so begrüßte man es dort mit umso größerer Freude, als sich der Kreis Biedenkopf seit einigen Jahren von neuem regte und durch Zusammengehen mit Wetzlar einen neuen Vorschlag machte. Da eine Einigung beider Kreise nunmehr besteht, soll im Laufe der nächsten Woche eine nach Hohensolms einberufene Versammlung der Interessenten Stellung nehmen. Eine rege Beteiligung ist geboten und scheint gesichert. *) Klein Rechtenbach. Der hiesige Förster Schüler stellte in der Nacht auf Montag zwei Leute, welche Schlingen gelegt hatten. Während er dieselben zur Rede stellte, erklangen Klagelaute eines in der Schlinge steckenden Hasen. Als der Förster auf die betreffende Stelle zueilte, waren Hase und Schlingensteller verschwunden. Mit Hilfe des herbeigeholten Wetzlarer Polizeihundes„ Greif" gelang es, die Spuren festzustellen. * Darmstadt, 18. Jan. Aus Anlaß des Kin= desmordes in der Bessungerstraße wurde gestern der im Hause wohnende verheiratete Schlosser Heinrich Heß durch die Polizei fe st genommen. Er war am Montag nachmittag allein im Hause und hat sich dadurch der Tat verdächtig gemacht. Vorläufig leugnet er noch. Darmstadt. Das Befinden des Reichs- und Landtagsabgeordneten Geh. Rat Haas hat sich in der letzten Woche sehr verschlimmert. Das Leiden hat sich nach den Augen gezogen, so daß eine fast völlige Erblindung eingetreten ist. Limburg, 18. Jan. Rentner Wilhelm Hammerschlag, eine in weiteren Kreisen bekannte Persönlichkeit, ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Der Verstorbene hat 22 Jahre als Rendant die Ge= schäfte der hiesigen Ortskrankenkasse geführt und war lange Jahre Stadtverordneter. Am hiesigen städtischen Schlachthof ist zum 1. April die Stelle des Direktors mit einem approbierten Tierarzt zu besetzen. Bingen. Herr Kommerzienrat Friedrich Vogt wurde zum ersten Vorsitzenden der Handelstammer, Bankier Julius Landau zum stellvertre= tenden Vorsitzenden der Kammer gewählt. * * Frankfurt. In Bockenheim und Ginnheim ist die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden. * Mainz. Krieg den 3igeunern", das ist die Parole, welche der besonders in der Gegend von Mainz stark vertretene„ Verband der hessischen Bürgervereine" ausgegeben hat. Der Verband verlangt strengere Maßnahmen zum Schutze der Bevölkerung gegenüber den unerträglichen Plagen durch das herumziehende Gesindel. (*) Sinn. Der hiesige Bahnhof entspricht schon lange nicht mehr den Ansprüchen und wird bekanntlich nun umgebaut. Die Eisenbahndirektion hat dafür schon früher 100 000 Mt. zur Verfügung bekommen und nun nochmals für 1911 als Rest 38 000 Mark. Biedenkopf, 17. Jan. Durch die strengen Fröste der letzten Tage ist die Lahn hier fest zuge= froren, sodaß die Schuljugend bereits am Sonntag sich darauf tummeln konnte. Am nächsten Tage konnten die Gewerbetreibenden ihren Eisbedarf einheimſen. * Biedenkopf, 20. Jan. Jm Bahnhofshotel fand am 18. Jan. eine Besprechung von Interessenten über die wegen Erbauung einer Eisenbahn von Biedenkopf in das Edertal Battenberg im Anschluß an die geplante Linie Wetzlar- Gladenbach- Friedensdorf zu unternehmenden Schritte statt. - * Ebsdorf, 18. Jan. Jm blühenden Mannesalter ist heute der Gutsbesitzer Kaiser in der Marburger Klinik, wo er Heilung von einer plötzlichen Erfrankung suchte, gestorben. Der Verblichene, der als Wahlkreisvorsitzender des Bundes der Landwirte in politischen Kreisen eine bekannte Persönlichkeit war, erfreute sich großer Beliebtheit. Worms. Hier tagte am Sonntag die Provinzialversammlung des Bundes der Landwirte für Rheinhessen. Reichs- und Landtagsabgeordneter Dr. Dietrich Hahn erstattete das Hauptreferat über„ Der Bund der Landwirte und die politische Lage nach Erledigung der Reichsfinanzreform"; seine Ausführungen wurden von der sehr zahlreich besuchten Versammlung mit großem Beifall entgegengenommen. Außer Dr. Hahn sprachen noch der Provinzialvorsitzende Brand- Gau- Odernheim, Kommerzienrat Trumpler und Wolf- Albig. Die Zuwachssteuer im Reichstage. Die ersten zehn Paragraphen angenommen. In der Sizung am 18. Januar gedachte zunächst der Präsident Graf v. Schwerin- Löwitz des 40jährigen Bestehens des Reiches und machte im Anschluß daran Mitteilung davon, daß bei dem Unglück in Kiel drei Menschenleben zu= grunde gegangen sind. Er verlas ein Telegramm der Torpedoinspektion an die Marineverwaltung über den Hergang bcs Unglücks. Das Haus hörte diese Mitteilung stehend an und begleitete die teilnahmsvollen Worte des Präsidenten mit allseitiger Zustimmung. in Die Reichsversicherungstommission setzte am Mittwoch die Beratung des§ 343, Bestellung des Vorstandes und Borsitzenden der Landkrankenkassen, fort. In der ersten Lesung war dieser Paragraph, der die Wahl des Vorstandes durch den Gemeindeverband vollziehen lassen will, abgelehnt worden. Die Wahl wäre demnach durch die Versicherten selbst, wie bei den Ortstassen, vorzunehmen. Am Dienstag hatten die Verbündeten Regierungen erklärt, daß sie bei Aufrechterhaltung dieses Beschlusses die ganze Reichsversicherungsordnung scheitern lassen müßten. In der langen und teilweise sehr heftigen Debatte erklärte der Regierungsvertreter, im Einführungsgesetz werde dafür gesorgt werden, daß die bisherigen Mitglieder von Ortskassen auch bei Errichtung von Landkassen in den Ortskassen bleiben können und in ihren Bezügen nicht geschädigt würden. Schließlich wurde§ 343 nach der Regierungsvorlage wiederhergestellt. Dafür stimmten vier Mitglieder de szentrums, die Konservativen und die Nationalliberalen, im ganzen 15 Abgeordnete, dagegen 11 Mitglieder, dabei wurde aber statt der Hälftelung die Drittelung beschlossen. Dann wurde die zweite Lesung des ReichswertzuwachsSteuergesetzes fortgesetzt. Sie sollte nach dem allgemeinen Geschäftsplan noch am Mittwoch zu Ende gehen, aber die Aussichten dafür sind nicht allzugünstig. Etwa 90 Anträge, die nebeneinander und gegeneinander laufen, lagen vor, und wenn sie auch zum Teil schon in der Kommission gestellt waren und dort Ablehnung erfahren hatten, so wurden sie jetzt doch wieder begründet und zum Teil mit ziemlichem Zeitverlust erörtert. Und selbst zu den Paragraphen, zu denen solche Anträge nicht vorlagen, wurden Ausführungen gemacht, die Rede und Gegenrede hervorriesen. In der Debatte über die Paragraphen 1 bis 1c handelt es sich im wesentlichen um einen Zentrumsantrag, der verhindern wollte, daß Spekulanten durch Zerlegung ihres Eigentums kleine Parzellen die Steuer umgehen. Der Antrag, der so= wohl bei der Regierung wie bei den Nationalliberalen auf Widerspruch wegseiner schweren Durchführbarkeit stieß, wurde abgelehnt, ebenso wie alle anderen Anträge, so daß die grundlegenden Paragraphen nach den Kommissionsbeschlüssen unverändert blieben. Beim Paragraph 4 erhob sich eine ziemlich langwierige Debatte über die Steuerbefretungen. Hier suchte man Vergünstigungen zu erreichen für die Zusammenlegung von Bergwerken und für die Rentengutsbildung. Aber auch hier blieben die Antragsteller in einer zum Teil geringen Minderheit. Mit unwesentlichen redaktionellen Aenderungen gelangte der umfangreiche Paragraph 4 in der Kommissionsfassung zur Annahme. Späterhin bereitete die den Landesregierungen durch Paragraph 8a eingeräumte Befugnis, Einheitswerte für Grundstücke in bestimmten Bezirken festzusetzen, eine ziemlich zeitrau= bende Aussprache, an der sich der Staatssekretär Wermuth wiederholt beteiligte. Sie endigte mit der Streichung des ganzen Paragraphen. Auch zu Paragraph 10, der bestimmt, was dem Erwerbspreise hinzuzurechnen ist, lag eine Reihe von Abänderungsanträgen vor. Die Abstimmung hierüber ergab schließlich im allgemeinen die Bestätigung der Kommissionsbeschlüsse, doch wurden erweiterte Abzüge gestattet, wenn der Veräußerer als Baugewerbetreibender oder Bauhandwerker eigene Arbeit geleistet hat. Paragraph 10a, der eine Ausnahmebestimmung zu Gunsten der Moor- und Dedländereifultur enthält, wurde angenommen. Dann wurde die Weiterberatung auf Donnerstag vertagt. Rundschau vom Cage. Politisches. Die Budgetkommission des Reichstages beschäftigte sich am Mittwoch in sehr eingehender Aussprache mit den Kanzleiverhältnissen im Reichsamt des Innern, an der sich die Staatssekretäre Delbrück und Wermuth beteiligten. Sie führte zur einstimmigen Annahme eines Antrags, im Etat von allen Kanzleibeamten 10 Prozent als„, fünftig wegfallend" zu bezeichnen und in gleicher Weise die Zahl der Diätare zu beschränken. Ein schweres Brandunglück ereignete fich in vergange ner Nacht in Cöln. Bei der Humboldtkolonie geriet ein Strohschober in Brand. Die Feuerwehr fand, nachdem sie den Brand gelöscht hatte, einen Kürassier des Kürassierregtments in Deuß mit tödlichen Brandwunden in der Asche. Der Soldat erklärte, daß er desertiert set und dort genäch tigt be. Mit ihm sei noch ein anderer Kürassier desertiert. Man nimmt an, daß der Mann verbrannt ist. Im Cölner Schwurgerichtssaale verhaftet wurde ein lange gesuchter Verbrecher namens Wilhelm Schröder, der als Mitglied einer Falschmünzerbande in den Großstäden West- und Norddeutschlands falsche Hundert- und Tausendmarkscheine absetzte und lange von den Behörden gesucht wird. Als er in Göln aufrat, erfolgte seine Verhaftung. Ein neues russisches Panama. In Sebastopol wurden enorme Betrügereien bei der Kohlenlieferung für die Kriegsschiffe entdeckt. Bei allen Lieferanten wurden Haussuchungen vorgenommen. Der Ausschuß des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie hat soeben in Berlin getagt. Der wichtigste Gegenstand der Tagesordnung betraf das Verhalten und die Taktik des Reichsverbandes bei den nächsten Reichstagswahlen. Es wurde beschlossen, daß der Verband wie 1907 mit allen Kräften gegen die Sozialdemokratie Stellung nehmen solle. Er wird also 1. schon bei der Hauptwahl diejenigen aufs tatkräftigste unterstützen, die als einzige bürgerliche Kandidaten der Sozialdemokratie gegenüberstehen; 2. ebenfalls schon in der Hauptwahl denjenigen Kandidaten seine Unterstützung gewähren, die bereit sind, sich zu verpflichten, ihre Wähler in einer unzweideutigen Erklärung zur Wahl des in der Stichwahl verbleibenden bürgerlichen Kandidaten aufzufordern; 3. in der Stichwahl zwischen einem bürgerlichen Kandidaten und einem Sozialdemokraten jenem Wahlhilfe leisten. Sollte eine bürgerliche Partei ein offizielles Wahlbündnis mit der Sozialdemokratie eingehen, dann wird der Reichsverband 4. den Kandidaten einer solchen Partei in dem betreffenden Wahlkreise ebenso bekämpfen wie einen Sozialdemo fraten. Eine nationale Kundgebung des bayerischen Prinzregenten. Die ,, Münchener Neuesten Nachrichten" melden: Die vom Prinzregenten Luitpold anläßlich des 40. Jahrestages der Gründung des Deutschen Reichs an die höchsten Reichsbeamten verliehenen Ordensauszeichnungen haben beim Kaiser ganz besondere Freude hervorgerufen. Der Kaiser hat den preußischen Gesandten durch den Reichstanzler beauftragen lassen, dem Prinzregenten für dieses neue Zeichen seiner vaterländischen Empfindung in einer zu erbittenden Audienz seinen wärmsten Dank zu übermitteln. Generalfeldmarschall Graf v. Haeseler, der in ganz Deutschland populäre hohe Offizier, der so lange Zeit auf der Wacht in Deutschlands Westen gestanden hat, begeht am 19. Januar seinen 75. Geburtstag. Trotz seines hohen Alters ist der alte Herr noch heute Soldat vom Scheitel bis zur Sohle und wenn er es auch liebt, dann und wann in die ländliche Einsamkeit seines märkischen Gutes Harnekop unterzutauchen, ist er doch stets zur Stelle, wenn es gilt, seine militärischen Erfahrungen zu Rat und Tat zu verr enden. Steuerfreiheit für Kriegsveteranen. Wie aus Koburg gemeldet wird, verfügte ein Ministerialerlaß der dortigen Regierung, daß alle Teilnehmer der Feldzüge von 1849, 1864, 1866 und 1870/71, die nicht mehr als 1200 M Einkommen haben, von der Staatssteuer befreit sein sollen. Aus den Gerichtssälen. In der Schwurgerichtsverhandlung wegen der Moabitet Vorgänge wurde nach etwa 14tägiger Verhandlung am Mittwoch die Bewetsaufnahme geschlossen, nachdem die Staatsanwaltschaft und die Verteidiger auf die Vernehmung wetterer Zengen verzichtet hatten. Die Plädoyers werden am Freitag beginnen. Der Donnerstag bleibt sißungsfrei. Ein Sohn von seiner Mutter erschlagen. Ein trauriges Verhältnis zwischen Mutter und Sohn fand vor dem Münchener Schwurgericht jetzt seinen traurigen Abschluß. Angeflagt war die 60 Jahre alte Witwe Oping aus Borghorst wegen Körperverletzung mit Todeserfolg. Vor 18 Jahren war ihr Mann gestorben, sie mußte für ihre 6 Kinder mit ihrer Hände Arbeit sorgen und tat das redlich. Mit den beiden jüngsten, Paula und Wilhelm führte sie in den letzten Jahren einen gemeinschaftlichen Haushalt, Wilhelm aber war ein arbeitsscheuer und dem Trunke ergebener Bursche, weshalb er häufig mit seiner Mutter in Streit geriet. Das war wieder einmal am 27.November v. J. der Fall gewesen, an welchem Tage ihr Sohn von ihrem geringen Verdienst 5 M entwendet hatte. Schwer bezecht kam er in der Nacht nach Hause und klopfte seine Mutter aus dem Bette, dami sie ihm öffne. Die Frau, erbittert über den Diebstahl, nahm ein schweres Holzscheit und schlug ihn damit fünf, sechsmal kräftig auf den Kopf. Der junge Mensch sank alsbald um und starb noch in derselben Nacht. Die Witwe Oping wurde infolgedessen in Anklagezustand versetzt und vor die Geschworenen gestellt. Sie war geständig und fand milde Richter. Selbst der Staatsanwalt hob alle mildernden Umstände hervor, und so sprach das Gericht nur eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren aus, auf welche zwei Monate der erlittenen Untersuchungshaft angerechnet wurden. Das anarchistische Komplott gegen die japanische Raiserfamilie hat jetzt seine Sühne gefunden. Von 26 Personen, die beschuldigt waren, dem Kaiser und anderen Mitgliedern der kaiserlAhen Familie nach dem Leben getrachtet zu haben, wurden gestern 24 Angeklagte zum Tode verurteilt, zwei Angeklagte wurden zu acht bezw. elf Jahren Gefängnis verurteilt. Man glaubt allgemein, daß der Kaiser die zum Toae verurteilten Anarchisten zu längeren Zuchthausstrafen begnadigen wird. Für das Verhältnis der politischen Parteien untereinander ist folgender Vorgang bezeichnend. Der Vorsitzende des Konservativen Vereins zu Halle a. S. fragte bei dem Berein der Liberalen an, ob man wieder, wie bei der letten Wahl, unter Ernennung eines liberalen Kandidaten gemeinsam in die Wahlkampagne gegen die Sozialdemokratic eintreten wolle. Der liberale Verein lehnte dies ab, da unter den gegenwärtigen Verhältnissen jedes Paktieren mit den Konservativen die Werbekraft der liberalen Agitation schwächen würde. Der Familienschmuck der Wallutjeffs. Kriminalroman von Freifrau G. v. Schlippenbach. ( Nachdruck verboten.) 10) Ruhe sanft, mein guter alter Freund," flüsterte Wallutjeff. ,, ich will Dir ein warmes Andenken bewahren, der Herr sei Deiner Seele gnädig." Kleine Nachrichten. Das zweite Opfer der Katastrophe des Ballons„ Hildes brandt", der Prokurist Reidel, ist gestern nachmittag ebenfalls geborgen. Die Fundstelle der Leiche liegt etwa 50 Meter von der Unfallstelle entfernt. Die Bergung geschah durch zwei Fischer, die vom frühen Morgen an mit einer mit Widerhaken versehenen Leine das Wasser abgesucht hatten. Am andern Morgen stand in allen in Luzern erschei= nenden Seitungen folgender Aufruf: Die Errichtung einer Zahnklinik für Volksschüler haben die Stadtverordneten in Elberfeld gestern mit großer Mehrheit beschlossen. Das Schicksal einer Stradivariusgeige beschäftigt augenblicklich die Berliner Kriminalpolizei. Das wertvolle Instrument wurde fürzlich an einen Trödler für den Preis von 25 M verkauft. Es ist anzunehmen, daß der Verkäufer, der den Wert der Geige nicht kannte, sie irgendwo ge= stohlen hat. ,, Alle Personen, die am Abend des 24. Oftober einen Mann gesehen haben, der einen grauen schlichten Anzug und einen grünen Lodenhut trug, und einen roten struppigen Bart hat, sind gebeten, mir darüber Mitteilung zu machen. Jede sachdienliche Auskunft wird mit 300 Franten honoriert. Henri Clairon, Haldenstraße Nr. 13." Wallutjeff schlief lange in den Tag hinein, die Müdigkeit und die Anstrengung hatten ihn übermannt. Er war faum erwacht, so ließ sich schon der Geheimpolizist melden. Oermischtes. Der Mädchenmord in Darmstadt. Die Obduktion der Leiche des in einem Sad tot aufgefundenen achtjährigen Töchterchens des Schreiners Traub in Darmstadt ergab, daß das Kind erdrosselt worden ist. Ob ein Sittlichfeitsverbrechen vorliegt, ist noch nicht aufgeklärt. Unter dem Verdachte, den Mord begangen zu haben, wurde der Schlosser Heinrich Heß verhaftet, der im gleichen Hause wohnt. He hat am Montag nachmittag das Kind zu einer Besorgung fortgeschickt. Er befand sich zu dieser Zeit allein im Hause, das von vier Familien bewohnt wird. Sowohl die Mutter wie der Vater des Kindes befanden sich auswärts auf der Arbeit. Der Verdacht gegen Heß wird durch die Tatsache bestärkt, daß er den Teil des Speichers, auf dem die Leiche gefunden wurde, gemietet hatte. Ver= mutlich ist das Kind noch lebend in den Sad gezwängt worden. Eine Familienschlacht ist in Quedlinburg geschlagen worden. Während eines Streites warf der Steinsetzer Jordan auf seinen Kollegen Ullrich mit einer brennenden Petroleumlampe. Dieser schlug ihm hierauf mit einer Pflasterspitzhade auf den Kopf, so daß die Schädeldecke stark verletzt wurde. Währenddessen geriet die 18jährige Tochter Jordans mit Ullrichs Frau in Streit und bearbeitete diese mit einer Spithacke. In dem gleichen Augenblick kam der 8jährige Sohn Ullrich hinzu und stieß dem Mädchen ein Küchenmesser tief in den Rücken. Sie machen ein so zufriedenes Gesicht," bemerkte der Graf, haben Sie schon Anhaltspunkte?" „ Ja, ich will Ihnen gleich mitteilen, was ich weiß, ich freue mich, daß mein Verdacht sich bestätigt. Ich habe den Mörder am Abend des verhängnisvollen Tages, am 24. Oftober, selbst gesehen." Ein flüchtiger Kassierer. Der Kassierer der Dresdner Geschäftsstelle der Aachen- Münchener FeuerversicherungsGesellschaft, Paul Rudolf Obst, 1871' in Annaberg i. Sa. geboren, zuletzt in Dresden wohnhaft, ist nach Unterschlagung von 35 000 flüchtig geworden. Da Obst dem Rennsport huldigte, dürfte er in Buchmacherkreisen auftreten. ,, Wie ist das möglich?" rief Wallutjeff. Clairon erzählte nun, daß er ein verdächtig aussehendes Individuum gestreift, als er in den Laden des Juweliers trat; das Spitzbubengesicht sei ihm gleich aufgefallen. Während Clairon noch sprach, erweiterten sich seine Augen. Hastig bückte er sich und hob eine Zeitung auf, die am Boden lag. der unter dem Porträt des in Augsburg entsprungenen Gefangenen stand, den Steckbrief Albert Meyers. ,, Was ist Ihnen?" fragte Wallutjeff, erstaunt über das plögliche Abbrechen des Gesprächs. . ,, Das ist eine schäzenswerte Neuigkeit," sagte der Detektiv befriedigt. So irrte ich mich nicht, wenn ich in dem Fremden einen Strolch vermutete, der zu allem fähig sein könnte." Clairon hörte nicht. Er las aufmerksam den Text. „ Ich verstehe Sie nicht," rief der Graf. gen hien häftigten le, freigeb Verbindun eintreten fonnte, so die unfrei tung fein Brote zil Paftete, 2 wanderten der beiden häuslich ei arbeiten, Nächte unu geführt zu Beit gegra jpäter dur benutzbar Ueber einen Revolverkampf zwischen zwei Frauen wird aus Fort Worth im Staate Teras gemeldet: Eine Frau Brooken, Gattin eines angesehenen Rechtsanwalts, ging in ein Kaufhaus und plauderte zunächst lebhaft und freundlich mit Befannten, die sie in der ersten Etage traf; dann begab sie sich in die zweite Etage und verlangte die Verfäuferin Binford zu sprechen. Als diese erschien, zog Frau. Brooken einen Revolver aus der Tasche. Beide Frauen rangen kurze Zeit miteinander; plötzlich entlud sich der Revolver und eine Kugel drang Fräulein Binford in die Hand. Frau Brooken riß sich los und schoß aus kurzer Entfernung mehrere Kugeln nach dem Kopfe der Verkäuferin. Diese sank leblos zusammen. Frau Brooken gab auf die Tote noch einen Schuß ab, der den Schädel durchbohrte. Die Täterin ging dann unbehelligt nach dem Bureau ihres Mannes. Sie sagte hier nur:„ Es tut mir leid." Hier wurde die Frau verhaftet, aber gegen eine Kaution von 40 000 Mark wieder auf freien Fuß gesetzt. Ueber das Motiv zur Tat herrscht Ungewißheit. ,, Run, dieser steckbrieflich Verfolgte war am Abend des 24. Oktobers hier. Er hat das Gespräch Ihrer Frau Mutter mit der Zofe belauscht und der Plan des Mordes reifte in seiner Seele. Ich habe mancherlei erfahren, was darauf hinweist. Der Schuhmacher Josef Meunier wurde um 6% Uhr abends von einem Mann angeredet, der genau meiner Beschreibung entspricht; er bat ihn, ihm den Laden des Juweliers zu zeigen." Wörtlich wiederholte Clairon das Gespräch zwischen Meunier und dem Fremden. Das zweite belastende Zeugnis war das der Schenkwirtin, bei der der Rotbärtige an dem betreffenden Abend gegessen und getrunken hatte. Es fiel mir auf, daß er oft nach der gegenüberliegenden Seite der Straße sah," so erzählte die Frau.„ Ehe er in die Schenke trat, sah ich den Mann vor dem Laden Häuserlings stehen, er ging längere Zeit dort auf und ab. Jedesmal, wenn er an dem hell erleuchteten Schaufenster vorbeikam, blieb er wieder bewundernd stehen." So hatte die Wirtin, Madame Lejeune, berichtet. Der Proviant der Verschütteten. Dicht bei dem Dorfe Venesville bei Havre stürzten zwei Erdarbeiter am vorigen Mittwoch infolge eines Erdrutsches in eine Tiefe von etwa 28 Meter ab, wo sie jedoch unversehrt liegen blieben. Auf ihre Hilferufe, die wie aus der Unterwelt hervorzudrin= „ Ich denke, wir können ziemlich zufrieden sein", schloß Clairon. ,, Heute abend werde ich Ihnen noch mehr sagen. Es werden sich noch andere Leute finden, die Licht in das Dunkel bringen." Wallutjeff staunte über den Scharfblick des Geheimpolizisten. ter sollte in Walkowo in heimatlicher Erde neben ihrem Gatten ruhen. Nun ist es wieder Abend geworden. Clairon erwartet in seiner Wohnung den Grafen Wallutjeff. Häuserling ist schon bei seinem Neffen. Der Tag verging für Jegor in ernster Weise. Am nächsten Tage sollte Andreis Beerdigung sein. Den Metallsarg mit den idrischen Ueberresten der Mutter beabsichtigte der liekende Sohn nach Rußland mitzunehmen. Die MutWie steht es jetzt?" fragte Wallutjeff, als er eintrat, ,, haben Sie neues erfahren?" „ Ja, Herr Graf! Die alte Dame, von welcher der Eisenbahnschaffner sprach, und Albert Meyer sind ein und dieselbe Person." ,, Nicht möglich! Wie können Sie das beweisen?" „ Geduld, Sie sollen es gleich hören. Meyer scheint ein geriebener Gauner zu sein. Der Friseur Alfred Dubord kam zu mir. Er sagte aus, daß er am Abend des 24. Oftober einen Mann rasiert habe, der einen großen roten Bart und die von mir erwähnte Kleidung trug. Auf der Stirn habe er das Haar sehr tief abgefämmt getragen. Dubord habe es fortgestrichen und gemeint, es sollte verschnitten werden; unter dem rötlichen Haar sei Der eine dreieckige Narbe zum Vorschein gekommen. Fremde sei ärgerlich geworden über den Friseur und habe gesagt, ei leide an Kopfgicht, deshalb müsse cr das Haar so wachsen lassen. Ferner sei es Dubord aufgefallen, daß der Mann ungemein lange, muskulöse Hände besaß, die Fingergelenke und der Rücken der Hand seien behaart ge= wesen. Dubord meinte, daß das Gesicht bartlos ganz an= ders ausgesehen habe. Weiter habe ich erfahren, daß Meyer bei einem Waffenhändler ein Jagdmesser gekauft hat. Er ließ es noch extra schärfen, da er erzählte, er sei der Gehilfe eines in Deutschland lebenden Försters, zu dem er reise. Der grüne Lodenhut ließ diese Mitteilung auch glaubhaft erscheinen." ,, Mit diesem dolchartigen Messer hat der Schuft met. nen treuen Andrei ermordet," sagte der Graf düster. ( Fortsetzung folgt.) bis auf ze nody 18 fürgtunger einen Ed mals zunic man in e und die be gen, falls vierzig Lit Die E Polizei na bande in i in schmutzig dern im Anführer Bande bef Jahren in Rundreise auf genoffe tigten fupf worbenes Banten tei borläufig Ein f vom Tode in Marien Spaziergan Gee vorbe Schlittschuh lich gab e Sieben der den Verung zuhalten u Wer das t Kinder bef lang, an a glüdlich an Die T sellschaft de Belt eine gante Fra beim Spazi begeisterten faufen, pfl Fällen, daf oder das C bern wie d einer durch fenen Dege diese gebred winnen ih von vornh und zwerg nerierten f aufgezogen, ten: fie erh Das Hünd Teelöffel Dunde gew an Gewich fleinert un Fleisch beft die Nahrun genwände, das so ann ter als ein den Nächte dazu veru qualvoll zu Siftori diger Freib umitreichen Büffelschar rischen Vo die endlose behauptet veröffentli dem rauhe dert werde der Büffel ten ciferne ist die char tallartigen fchen Milch verschafft. 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Er der Gedem er ng aud uft met. fter. gen schienen, tamen die anderen bei dem Steinbruche bechäftigten Arbeiter herbei und setzten sich durch eine schmale, freigebliebene Oeffnung mit den beiden Verschütteten in Verbindung. Da jeden Augenblick ein neuer Erdrutsch eintreten und auch diesen schmalen Schacht verschütten fonnte, so sorgte man verständigerweise zunächst dafür, daß die unfreiwilligen Unterweltbewohner bis zu ihrer Rettung feinen Mangel litten. Nicht weniger als vierzehn Brote zu zehn Pfund, vierzig Liter Apfelwein, eine große Pastete, Butter, Eier sowie auch Tabak und Zündhölzer warderten den Schacht hinab und gelangten in den Besitz der beiden Männer, die sich inzwischen dort unten ganz häuslich eingerichtet hatten. Dann begannen die Rettungsarbeiten, die nun schon fast fünf Tage und ebenso viele Nächte ununterbrochen dauern, one jedoch bisher zum Ziele geführt zu haben. Fünf Rettungsschächte wurden in dieser 3eit gegraben, aber vier von ihnen wurden früher oder später durch eindringendes Wasser zerstört oder doch unbenutzbar gemacht, und erst beim fünften glückte es, gestern, bis auf zehn Meter Tiefe hinab zu gelangen. Es bleiben nod) 18 Meter zu durchstechen, und man hegt lebhafte Befürchtungen, daß das Wasser, das das ganze Erdreich wie einen Schwamm durchtränkt, die Rettungsarbeiten nochmals zunichte machen könnte. Wenn alles gut geht, hofft man in etwa einer Woche am Ziele angelangt zu sein und die beiden Verunglüdten ans Tageslicht zurückzubrin= gen, falls sie bis dahin mit ihren 140 Pfund Brot und vierzig Liter Apfelwein gereicht haben. Die Schäße einer Zigennerbande. Die Budapester Polizei nahm gestern einige Mitglieder einer Zigeunerbande in ihrem Absteigequartier fest. Man fand bei ihnen in schmutzige Säde genäht Goldstücke aus aller Herren Ländern im Betrage von zweihunderttausend Kronen. Der Anführer der Truppe namens Adalbert Quec gab an, die Bande bestehe aus neun Familien, habe sich vor zwei Jahren in Warschau zusammengestellt und seither eine Rundreise durch Europa unternommen. Die Gesellschaft set auf genossenschaftlicher Basis organisiert, die Männer fertigten fupferne Kessel an, die Frauen Teppiche. Ihr erworbenes Geld trügen sie stets bei sich, weil sie zu den Banken kein Vertrauen hätten. Die Zigeuner werden vorläufig polizeilich überwacht. Ein siebenfacher Lebensretter. Sieben Schulkinder vom Tode des Ertrinkens gerettet hat der Lehrer Schoen in Marienthal bei Fürstenberg i. M. Gelegentlich eines Spazierganges fam er an dem zugefrorenen Wentower See vorbei, auf dem sich eine Anzahl Schulkinder mit Schlittschuhlaufen und Schlittenfahren vergnügten. Plötzlich gab es ein verdächtiges Knaden und Knistern sieben der Kinder waren eingebrochen. Lehrer Schoen rief den Verunglückten zu, sich möglichst an den Eisschollen fest= zuhalten und mit den Beinen recht tüchtig zu strampeln. Wer das tue, den würde er aus dem Wasser holen. Die Kinder befolgten diesen Rat, wodurch es dem Wackeren gelang, an alle sieben heranzukommen und sie nacheinander glücklich ans Land zu bringen. Die Tortur der Zwerghunde. In der vornehmen Gesellschaft der europäischen Hauptstädte herrscht seit einiger Bett eine merkwürdige Vorliebe für Zwerghunde; die ele= gante Frau muß ein winziges Hündchen besitzen, das sich beim Spaziergange bequem im Muff tragen läßt. Aber die begeisterten Hundefreundinnen, die diese Miniaturhunde faufen, pflegen und verhätscheln, wissen in den wenigsten Fällen, daß sie feineswegs eine furiose Laune der Natur oder das Exemplar einer seltenen Hunderasse besitzen, sondern wie die„ Pall Mall Gazette" schreibt, nur die Produkte einer durch zielbewußte Grausamkeit künstlich hervorgerufenen Degeneration und Verkümmerung. Die Züchter, die diese gebrechlichen Zwerghunde auf den Markt bringen, ge= winnen ihre Ware durch klug berechnete Kreuzungen, die von vornherein gewährleisten, da ßaus ihnen rhachitische und zwerghafte Geschöpfe hervorgehen werden. Die dege= nerierten kleinen Geschöpfe werden dann in ähnlicher Weise aufgezogen, wie die japanischen Gärtner Zwergbäume züchten: fie erhalten zu wenig Nahrung, um wachsen zu können. Das Hündchen erhält täglich eine einzige Mahlzeit: einen Teelöffel gehackten Fleisches, nicht mehr. Täglich werden die Hunde gewogen, und stellt sich dabei heraus, daß das Tier an Gewicht zugenommen hat, so wird die Nahrung verkleinert und zeitweilig überhaupt entzogen. Das rohe Fleisch befördert die Produktion von Magensäften, aber da die Nahrung nicht ausreicht, schädigen diese Säfte die Magenwände, die Folge ist ein chronischer Katarrh. So ist das so anmutige und graziöse kleine Tierchen nichts weiter als ein Kranker, ein Invalide, der Hunger leidet, in den Nächten nicht schläft und bei der geringsten Erkältung dazu verurteilt ist, an einer eitrigen Lungenentzündung qualvoll zu Grunde zugehen oder zu erblinden. Historische Büffel. Die Büffel, die in nahezu vollstän= diger Freiheit und halbwild in der römischen Campagna herumstreichen, sind die letzten überlebenden Tiere der großen Büffelscharen, die zur Zeit der Völkerwanderung die barbarischen Volksstämme von den Hochebenen Mittelafiens durch die endlosen Steppen bis nach Rom begleitet haben. Also behauptet Arnoldo Cervesato in einem in der Illustrazione" veröffentlichten Artikel, worin charakteristische Episoden aus dem rauhen und wilden Leben des Agro Romano geschildert werden. Nächst der Operation der„ Brandmarkung" der Büffel man brennt ihnen mit einer glühend gemachten eisernen Stange ein Eigentumszeichen auf das Fell ist die charakteristische Arbeit der Büffelhirten in den großen Stallartigen Gebäuden des Agro das Melken, das den römischen Milchhändlern täglich Hunderte von Hektolitern Milch verschafft. Man sondert die Büffelkühe von den kleinen Büffelfälbern und treibt dann Kühe und Kälber in zwei verschiedene Remisen. Zwischen den beiden Stallabteilen stehen die Büffelhirten mit den Melkeimern. Die Kühe werden angefettet, damit sie sich nicht bewegen; der Sicherheit wegen stellt man neben die Tiere noch Hirtenjungen, Sie den Auftrag haben, mit einem Stocke loszuschlagen, sounruhig Keulen. Ganze Ortschaften verbinden sich und schicken sich gegenseitig Herausforderungen zum Steinkampf. Ueber Nacht richtet man Keulen, Schutzhelme aus Stroh, und Polster für die Schultern her, und am Morgen spielen die Knaben eine Art Pantomime, während die Aelteren sich zum Streite rüsten. Am Nachmittag sind die Hügel ringsum mit Tausenden von 3rschauern besetzt, die durch Zurufe die Kämpfer anspornen, bis sie wild gegeneinander anrennen und sich mit Würfen vor- und zurücktreiben. Dann treten wieder Zwischenpausen ein, in denen Zweifämpfe stattfinden, und hier gibt es manchmal blutige Opfer. Die Kämpfe werden am heftigsten gegen Einbruch der Nacht, weil jeder der Gegner in der Nacht das Schlachtfeld behaupten will. Dann wogt der Kampf mit den Keulen auch manchmal in die Zuschauermenge hinein. Die einzelnen Orte sind ebenso stolz auf ihre besten Kämpfer wie europäische und amerikanische Städte auf ihre besten Turner, Borer oder Läufer usw. Mancher reiche Mann aus einem Orte sucht auch den besten Kämpfer aus dem nächsten Orte durch reiche Geldspenden zu bewegen, für seinen eigenen Ort zu kämpfen. Wenn das Herauskommt, bietet die Gegenseite auch Geld, und es heißt, daß solch ein guter Kämpfer elf Monate im Jahre bequem leben könne, wenn er seinen Kopf im letzten Monat risfieren wolle. Seine Tapferkeit hat also baren Geldwert. Einen staatlich organisierten Massenkampf gegen die Mücken, die sich in einzelnen Teilen Süddeutschlands sehr lästig machen, hat die badische Regierung in die Wege ge= leitet. Die Schnaken sind besonders im oberen Rheintale und hier wieder speziell auf der badischen Seite zu einer wahren Landplage geworden. Auch Straßburg, Worms, Ludwigshafen und die oberelsässischen Rheinorte klagen von Jahr zu Jahr mehr über das Ungeziefer, dessen Schlupf= winkel im Sommer die vom Rheinstrom verlassenen Krüm= mungen mit ihren sumpfigen Rückständen bilden, während sie sich im Winter in die Städte zurückziehen und hier in den Kellern überwintern. Diese überwinternden Tiere sind fast ohne Ausnahme befruchteten Weibchen, die im Frühjahr Da jede einzelne sofort mit dem Eierlegen beginnen. Schnake jährlich sieben Millionen Nachkommen haben kann, so ist es einleuchtend, daß, wenn die Winterschnafen nicht in ausgiebigem Umfange vernichtet werden, eine noch viel größere Schnafenplage für das neue Jahr zu erwarten ist. Schon im vorigen Jahre haben die Bewohner der Rheinorte ganz auffällige, geradezu beängstigende Erlebnisse mit Schnaken gehabt. An feuchtwarmen Sommerabenden stte= gen ungeheure Schwärme in die Luft, so daß die wolfenähnlichen Gebilde zuweilen den Himmel förmlich verfin= sterten. Ueber Mannheim erschienen an einem Abend im Verlauf weniger Stunden über 40 solcher Schwärme, die in die Häuser eindrangen, sich auf Menschen und Tiere niederließen und alles in der jämmerlichsten Weise zerstachen. In Städten mit einem zahlreichen Fremdenverkehr bedeutet unter diesen Umständen die Schnakenplage geradezu eine Kalamität. Aus diesen Gründen hat die badische Regierung angeordnet, daß durch die Hausbesitzer allgemein die Keller ausgeräuchert oder mit einem in Spiritus ge= tränkten brennenden Wattebausch gründlich abgeflammt werden. Die getroffenen Maßnahmen versprechen Erfolg, menn sie allgemein durchgeführt werden. Im Elsaß ist man ebenfalls auf behördliches Anraten zu einem Abflammen der Kellerwände übergegangen. Das Gefängnis der Generale. Die Stadt Kiem kann sich, wie der„ Tgl. Rdsch." aus Petersburg geschrieben wird, eines eigenartigen Vorzuges rühmen. Sie verfügt über ein Gefängnis, das im Gegensatz zu anderen mit einer sehr vornehmen Gesellschaft ge= füllt ist. Der geringste Mann, der hier eingesperrt ist, ist Major. Es befinden sich aber auch viele Generale und Angehörige des hohen Adels bis hinauf zu den Fürstenge= schlechtern dort. Die Annahme, daß man hier gleichsam ein Sondergefängnis für höher gestellte Kreise ganz Rußlands geschaffen hätte, ist aber falsch, es handelt sich vielmehr nur um solche Infassen, die bei der großen Senatorenrevision, besonders bei der Revision des Senators Garin, ertappt worden sind. Um solche also, die bei den Intendanturen, bei Kriegslieferungen und bet ähnlichen militärischen Einrichtungen Millionen verdient" d. h. unterschlagen haben. Da findet sich ein Major, der zwar aus Feigheit ein Duell verweigerte, um nicht in den Krieg ziehen zu müssen, der aber trotzdem als Intendant noch angestellt wurde und es verstand, die Heeresverwaltung erheblich zu erleichtern. Er war einer der großartigsten Organisatoren des Schwindels. Alle Militärlieferanten lernten bei ihm das Betrügen. Es ist der Major Najnowski. Da ist ferner der General Warinow, der früher in der Krim seine Meisterstreiche verübte. Ein wahrhaft teurer" Offizier, denn er kostete dem russischen Staat nicht weniger als sieben Millionen Rubel, die er während der Kriegszeiten verdient hatte. Da sind ferner Generale aus Moskau, aus Odessa, aus dem Priarmurgebiet, aus dem Kaukasus, zwei Obersten von Leibregimentern, hohe Verwaltungsbeamte, Staatsräte und allerlei andere hohe Tiere, die jetzt in Beschaulichkeit und Muße über die Art, wie man sich Reichtümer erwirbt, nachdenken können. Zwei Generale ferner stammen aus den alten fürstlichen Familien Barussow und Sarkot. Es sind echte njäse", die es mit ihrer fürstlichen Würde für vereinbar hielten, in Kriegs- und Friedenszeiten alles Bewegliche zu stehlen. Naturgemäß führen diese Herren ein heiteres und fröhliches Leben Man hört ganz im Gegensatz zu anderen russischen Gefängnissen, wo Jammern, Stöhnen und Peitschenhiebe an der Tagesordnung sind, Pfeifen und Lachen. und man erzählt sich, daß Kartenspiel an der Tages- und Nachtordnung ist, daß ein großer Saal sogar zum Kasino der Untersuchungsgefangenen umgearbeitet" worden ist, und daß der Gefängnisdirektor sehr beglückt ist, wenn einer der Delinquenten ihn einer Ansprache würdigt. Es kommen in letzter Zeit auch merkwürdig viel Bahnsendungen an, große Kisten, auf denen ein Glas aufgemalt ist, und die Inschrift steht:„ Vorsicht! Zerbrechlich!" Man kann daraus ersehen, mit welcher Sorgfalt bas Mütterchen Rußland auch für seine Gefangenen sorgen fann, wenn es will. Ein Gefängnis der Generale" ist und bleibt aber für alle Zeiten eine russische Errungenschaft. wo das Unterseeboot Delphin" bei Kronstadt sank und 26 Menschen in das nasse Grab zog. Das Jahr 1906 hatte nur eine Unterseebootskatastrophe zu verzeichnen. Am 16. Oktober ging nämlich das franzö= fische Unterseeboot„ Luttien" unter. 15 Menschen wurden getötet. Das Jahr 1907 brachte wieder der englischen Marine durch eine Gasolinerplosion auf dem Unterseeboot " C S" am 13. Juli einen Verlust von einem Offizier und 2 Matrosen. Das Jahr 1908 war der Marine günstig. Im Jahre 1909 sank das englische Unterseeboot" C 11" in der Nordsee und verursachte den Tod von 13 Mann der Besatzung. Rußland verlor im selben Jahre durch den Untergang des Unterseebootes Kambala" im Schwarzen Meere 17 Menschen. Auch Italien hatte in diesem Jahre einen Berlust durch eine Unterseebootskatastrophe zu verzeichnen. Am 26. April 1909 famen nämlich durch eine Gasolinerplosion auf dem Unterseeboot Foca" 13 Menschen ums Leben. Einige Monate später kam das russische Unterseeboot Drafan" durch eine Explosion in Brand, bei dem 17 Menschen schwer verwundet wurden. Im Jahre 1910 hatte Japan in der Bucht von Hirochima durch den Verlust des Unterseebootes Nr. 6 16 Menschenopfer zu verzeichnen. Die schwerste Tragödie ereignete sich am 26. Mai 1910 bei dem Untergang des französischen Unterseebootes" Pluviose", das durch den Dampfer" Pas de Calais" gerammt wurde und untersant. Dabei kamen 27 Menschen ums Leben. Aus dieser Uebersicht geht hervor, daß Deutschland bisher von Unterseebootskatastrophen verschont worden ist. Am schwersten litt England, wo durch die Unterseeboote bisher 63 Opfer zu beklagen sind. Rußland hatte bisher 60 Opfer zu beklagen, Frankreich 56, Jtalien 13 und Japan 16. Einer der Geretteten des U 3 schildert die Katastrophe folgendermaßen: Wir waren im Begriff, gerade unter Wasser zu gehen, als wir merkten, daß das Boot außer Manövrierfähigkeit gesetzt war. Zu gleicher Zeit drang Wasser in die inneren Abteilungen ein. Trotzdem wir versuchten, den Schwebekiel los zu machen, gelang es uns nicht, wieder nach oben zu kommen. Die Mannschaften versammelten sich sofort in der vorderen Abteilung an dem vorgeschriebenen Zufluchtsort. Mit dem Turm, in dem Kapitänleutnant Fischer, Leutnant zur See Kalbe und Rudergast Rieter befanden, konnten wir keine Verbindung mehr aufrecht erhalten. Die Telephonboje, die wir auswarfen, funktionierte zuerst ausgezeichnet, scheint aber später durch das Versehen eines der Matrosen beschädigt worden zu sein. Später erhielten wir fortgesetzt von oben her Notluft, sodaß einigermaßen ein Wechsel der Luft eintreten konnte. Sonst hätten wir es unmöglich solange ausgehalten. Wir wurden durch ein Tau, das man uns durch eines der Torpedo- Lancierrohre zusteckte, mit der Außenwelt in Verbindung gebracht. Dann wurde einer nach dem andern von uns durch ein Torpedo- Lancierrohr an die frische Luft befördert. Wir haben gestern noch alle unsere Angehörigen selbst davon benachrichtigt, daß wir heil davon gekommen sind. Wie opfermutig die Turminsassen ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten, um das threr Kameraden zu retten, veranschaulicht folgender Bericht. Der Unfall ist nach Auskunft der Marinestation der Ostsee dadurch entstanden, daß das Hinterschiff irgend eine Pecktage erhalten hat, und zwar ist wahrscheinlich ein Ventilationsschieber undicht geworden. Als das Wasser einströmte, ging die Besabung immer weiter nach vorn und schloß die jeweils verlassene Abteilung hinter sich ab. Als der Kommandant die Größe der Gefahr er fannte, brachte er das Boot in die Schräglage, und zwar so, daß das Vorderschiff hoch aus dem Wasser ragte. Damit schnitt er aber sich und dem bei ihm weilenden Leutnant den eigenen Rückzug ins Boot und den Weg zur Rettung ab. Mit der Marine betrauert das ganze deutsche Volk den Tod der drei Männer. Drabtnachrichten und neuestes. Beileidskundgebungen des Anslandes. Berlin, 19. Januar. Aus Anlaß des Unglücks des Unterseebootes U 3 haben Präsident Fallieres und Mintster Pichon den französischen Botschafter in Berlin beauftragt, der deutschen Regierung das Beileid der französischen Regierung und ihr eigenes Beileid auszusprechen. Der Marineminister beauftragte den französischen Marineattachee in Berlin, dem Staatssekretär des Reichsmarineamts das Beileid der französischen Marine zum Ausdruck zu bringen. Auch die italienische und die dänische Regierung haben ihr Beileio ausdrücken lassen. Origineller Streit in einer Stadtverwaltung. Berlin, 19. Januar. Zwischen dem Magistrat von Wilmersdorf und dem dortigen Stadtverordnetenvorsteher Professor Leidig ist ein Konflikt ausgebrochen, wie er in der kommunalpolitischen Geschichte Großberlins einzig dasteht. Der Magistrat hat gegen Dr. Leidig bei der Staatsanwaltschaft Strafantrag wegen Beleidigung des Magistrats gestellt. Die Beleidigung bestand darin, daß Leidig die Aeuße= rung getan haben soll, die Erklärung der Magistratskommission sei wie ein Geschnatter von Gänsen gewesen. Mordanschlag im Berliner Grunewald. Berlin, 19. Januar. Im Grunewald wurde gestern auf einen sich besuchsweise in Berlin aufhaltenden jungen Kaufmann namens Schwenke ein Mordanschlag verübt. 3wei in knieender Stellung befindliche junge Leute gaben, als er sich ihnen näherte, Schüsse auf ihn ab, durch die er an der Stirn und unterhalb des Herzens getroffen wurde. Er blieb bewußtlos eine Zeit lang liegen. Als er erwachte, entdeckte er, daß er völlig ausgeraubt war. Zusammenstöße zwischen Förstern und Wilderern. Göln, 19. Januar. In der Nähe von Cöln kam es in den letzten Tagen mehrfach zu Zusammenstößen zwischen Wilddieben und Förstern. In einem Falle wurden von mehreren Wilddieben Schüsse auf einen Förster abgefeuert, worauf dieser sich zur Wehr setzte und einen Wilddieb schwer verwundete. In einem anderen Falle wurde ein berüchtigter Wilddieb von einem Förster erschossen. Aus Unvorsichtigkeit erschossen. bald das Zter unrubla wird und fich zu rühren beginnt. Die Katastrophen auf Unterseebooten. spielte, wobei anscheinend die Waffe unversehens losgegan= Der berittene Hirte ruft die Kuh, die gemelft werden soll, mit Namen auf. In diesem Augenblick beginnt das zu der Kuh gehörige Büffelkalb, das den Namen der Mutter genau kennt, zu muhen und sich an den Holzzaun des Kuhtalles zu drängen. Der Hirt öffnet ihm die Tür, und das Kälbchen eilt zur Mutter und beginnt zu fangen. Kaum hat aber die Kuh angefangen, Milch zu geben, so wird das Kalb durch einen Stockhieb auf die Schnauze davongejagt, worauf der Melker das von dem Kälbchen begonnene Melfgeschäft fortsetzt. Koreanische Steinfämpfe. Ueber einen interessanten Sport, der fein Seitenstück in einem anderen Lande hat, berichtet die Deutsche Japan- Post" aus Korea. Schon seit alter Zeit ist der Steinkampf in Korea beliebt, und von einem König der Koryu- Dynastie wird berichtet, daß er Menschen im Palast anbinden ließ, um sich an ihnen als Bielscheibe zu üben. Das Spiel wird im Anfang des Jahres gespielt, wenn die Felder leer sind und das Volk nichts weiter zu tun hat, und bietet Ersatz für Schauspiel und Oper. Früher war es Sitte, daß einer, der am Boden lag, nicht weiter getroffen werden durfte, heute ist man schon etwas roher geworden und gibt keinen Pardon mehr. Im Bezirk Pyenyang gibt es die besten Steinwerfer, die in weiten Entfernungen von einander stehen und werfen, im Beatrf Sonado benutt man große. im Bezirk Seoul kleinere 203 Menschenopfer. Trotz der kurzen Zeit seines Bestehens hat das Unterseebootwesen schon eine ungeheure Anzahl von Menschenopfern gefordert, an denen alle großen Nationen, die Unterseeboote in ihrer Kriegsmarine haben, beteiligt sind. Die erste Katastrophe ereignete sich im Jahre 1903, wo an Bord des englischen Unterseebootes" A I" eine Gasolinexplosion 7 Menschenopfer forderte. Während bei diefer Katastrophe die Besatzung nur schwere Verwundungen erlitt, büßte im nächsten Jahre am 18. März 1904 die Besatzung desselben Unterseebootes bei einer Katastrophe ihr Leben ein. Das Unterseeboot wurde von einem Postdampfer zum Sinken gbracht, wobei 11 Menschen umkamen. Am 16. Februar des nächsten Jahres ereignete sich wiederum auf einem eng= lischen Unterseeboote A 5" eine Gasolinerplosion, die 14 Opfer hatte, 6 Menschen wurden nämlich getötet und 8 schwer verwundet. Die englische Marine wurde noch im selben Jahre von einer anderen Unterseebootskatastrophe betroffen. Am 8. Juni 1905 sank nämlich das Unterseeboot " A 8" im Hafen von Plymouth, wobei 15 Menschen ihr Leben verloren. Drei Wochen später am 6. Juli 1905 sank das französische Unterseeboot Farfaledt" im Hafen von Biserta, wobei 14 Menschen getötet wurden. Einen viel gröBeren Verluft brachte dasselbe Jahr der russischen Marine, Straßburg i. E., 19. Januar. Gestern vormittag erschoß sich auf den Schießständen der Hauptmann Fingerhut von der 3. Batterie des 10. Fußartillerieregiments. Der Hauptmann war beobachtet worden, wie er mit der Pistole gen ist. Gefährlicher Grubenbrand. Rattowitz, 19. Januar. Auf der Grube Casimir bet Sosnowice entstand gestern ein großer Grubenbrand, dessen Entstehungsursache unbekannt ist. Vier Bergleute fanden den Tod durch Ersticken, da sie sich aus dem Bereich der giftigen Gase nicht mehr retten fonnten. Die gleiche Ge fahr bestand für 400 Bergleute, die sich beim Ausbruch des Brandes in der Grube befanden. Es gelang ihnen jedoch, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Die Pestepidemie in der Mandschurei. Petersburg, 19. Januar. In allen Städten der Mandschurei sind viele Pestfälle zu verzeichnen. Ganze Dörfer sind ausgestorben. Die Europäer verlassen die Städte. Handel und Verkehr stocken. Die Seuche nimmt zu. Th einigen Orten sterben täglich mehrere Hundert Leute. Aus der Umgebung Abdul Hamids. Saloniki, 19. Januar. Die erste Favoritin des Exsultans Abdul Hamid ist gestern infolge Zuckerkrankheit und eines Herzleidens verschieden. Ihr Begräbnts gab Anlaß zu dem Gerücht, Abdul Hamid selbst sei gestorben, weshalb der Korpskommandant sofort ein Rundschreiben erließ, das den Sachverhalt klarstellte. Abdul Hamid war sehr niedergeschlagen und begleitete den Sarg bis zum Tor seiner Villa. Aus dem Gerichtssaal. Strafkammer. Gießen, den 17. Jan. 1911. Ende Dezember schlich sich der Schirrmeister Ludwig Geyer aus Lindheim, der zu Friedberg in Diensten steht, an den dortigen Bahnhof und warf aus einem Güterwagen eine Kiste Margarine, um sie nach Hause zu bringen. Anfänglich leugnete er; auch will er betrunken gewesen sein, so daß er von der Sache nichts mehr wisse. Schließlich gestand er die Tat ein, aber er will sie im Rausch ausgeführt haben, und nicht dafür verantwortlich sein. Das Gericht nahm an, daß ein sinnlos Betrunkener die Tat nicht so hätte ausführen können, weshalb es ihn für verantwortlich hielt. Doch hielt es keinen schweren Diebstahl für vorliegend, wie die Staatsanwaltschaft, da nicht feststand, daß er die Plombe von dem Wagen beseitigt hat. Er wurde wegen einfachen Diebstahls zu einem Monat Gefängnis verurteilt. wegen Beleidigung des Will vom Gießener Schöffengericht zu 40 Mark Geldstrafe verurteilt, während sein Gegner mit 20 Mark durchkam. Vor dem Berufungsgericht kam ein Vergleich zustande: beide Teile bedauerten ihre Aeußerungen und versprachen, zukünftig friedlich leben zu wollen. Sie teilen die Kosten und verzichten auf das Recht der Publikation, das jedem am Schöffengericht zugesprochen worden ist. Nicht nassauern! Eine eindringliche Belehrung hat ein Vereinsvorstand in Bochum erhalten, der einer Zeitung eine kleine Vergnügungs= Anzeige aufgegeben und dleichzeitig die unentgeltliche Aufnahme von drei redaktionellen Hinwei sen auf die Vereinsfestlichkeit verlangt hatte. Der Geschäftsführer der Zeitung antwortete darauf, ein solches „ Nassauern" sei nicht angängig, es könne im Text nicht dreimal auf eine Anzeige hingewiesen werden, denn je der dieser Hinweise sei eigentlich eine Anzeige, derartige Hinweise gehörten in den Anzeigenteil und müßten bezahlt werden. Der Vereinsvorstand entrüstete sich über In Wieseck kommt es zwischen dem Landwirt F. den Ausdruck„ Nassauern" und stellte Strafantrag wegen Frey und seinem Nachbar Wilhelm Will in der ge= Beleidigung. Das Schöffengericht sprach jedoch den Bemeinschaftlichen Hofreite häufig zu Streitigkeiten, klagten frei, da er im Recht sei, wenn er Anzeigen in die in Beleidigungen ausarten. Kürzlich wurde Freyden Anzeigenteil verweise und verblümte Anpreisungen Vergebung von Fuhrleistungen Die Anfuhr von Grund zur Auffüllung der Lahnstraße soll Montag, den 23. d. Mts., vormittags 10 Uhr öffentlich vergeben werden. Angebote auf Vordrück sind spätestens bis zum vorgenannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Gießen, den 17. Januar 1911. Städt. Tiefbauamt. Braubach. Bekanntmachung. Das 5. Ziel Gemeinde steuern und die Kanal- Gebühren können in den nächsten 10 Tagen noch ohne Mahnkosten bezahlt werden. Gießen, den 20. Januar 1911. Stadtkasse Gießen. Mäser. Bekanntmachung Betr.: Rotlauffeuche unter den Schweinen des Gastwirts Kraft, dahier, Frankfurterstraße Nr. 81-83. Nachdem die unter dem Schweinebestand des Gastwirts Kraft, Frankfurterstraße Nr. 81-83 dahier ausgebrochene Rotlauffeuche erloschen ist, wird die angeordnete Sperre aufgehoben. Gießen, den 18. Januar 1911. Großh. Polizeiamt. Gebhardt. Vergebung von Schlosserarbeiten. Auf Grund des Ministerial erlasses vom 16. Juni 1893 wer= Verein für Sterbeunterstützung zu Giessen. Sonntag, den 29. Januar 1911, nadm. 3, Uhr General- Versammlung im Saale der Restauration Sauer, Oswaldsgarten. Tages Ordnung: : 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Festsetzung der Sterbeunterstützung. 3. Neuwahl des Vorstandes und des Aufsichtsrates. 4. Verschiedenes. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht: Stehende und liegende Motoren für alle Brennstoffe. Der Vorstand Dampf- Färberei Cmischehe Wäscherei AA AAA Dekatur- u. BettfedernBilligste Preise Reinigungsanstalt aa Ger age Tourenza. Sehr günstige Zahlungsbedingungen. Weitgehendste Garantie. Ingenieurbesuch kostenlos! A. Collin, Frankfurt a. M. Schillerstr. 28. Vertreter überall gesucht. - Gegr. 1857 von aus dem Text fern halte. Unter„ Nassauern" werde allgemein verstanden, gewisse Ausgaben zu anderer Leute Nachteil zu vermeiden. Das aber habe der klagende Vereinsvorsitzende zu tun beabsichtigt, wenn er neben einer bezahlten Anzeige auch noch eine Anpreisung der Veranstaltung im Text verlange. Es sei zweifellos seine Absicht gewesen, Anzeigenkosten zu ersparen. Die Absicht einer Beleidigung sei bei dem Beklagten nicht anzuneh= men. Der abgewiesene Vereinsvorstand beruhigte sich aber bei diesem Urteil nicht, sondern suchte sein Heil bei der höheren Instanz. Diese hat sich aber dem Urteile des Schöffengerichts vollständig angeschlossen. Holzverkäufe u. Versteigerung. Bürgermeisterei Wißmar. Donnerstag, 26. Januar, vorm. 9½ Uhr, bei Wirt Brück in Wißmar. Oberförsterei Weilburg. Dienstag, 24. Januar, vorm. 10 Uhr, in der Wirtschaft Leinweber zu Hirschhausen. Bürgermeisterei Ehringshausen( Kreis Wetzlar). Samstag, 21. Jan. Zusammenkunft vormittags 10 Uhr bei der Altenstädter Brücke. kommt Holz aus den Distrikten Dillberg, Sommer= seite und Schildseite zur Versteigerung. 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