Cottbus, den 3. Mai 1911. kunde bis Anfang September 1910 Bei Magenleiden Laut notariell beglaubigter UrEinige von den Tausenden der Anerkennungen un Bei Blasenleiden Bei Asthmaleiden erlin um " Itomast Scin" los erfolg Jen Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Gxpedition oder in den Zweigder Großherzoglichen ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Erscheint Bürgermeisterei Mittage 3 Hhr. - Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Südsendung nicht verlangter .. Manuskelpte wird nicht garantiert... Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. 6. H. Nr. 167. Telephon: Nr. 362. Der moderne Papit. Die Nachricht, daß der Papst durch einige - des Großherzoglichen Polizei Amfes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. sowie vieler anderer ( Haus Brüder Schmidt.) Mittwoch, den 19. Juli 1911. im Gernsheim- Pfungstadt Fabrikant Gg. Preß jun., 13. Wahlkreis Eberstadt- Griesheim Stadtv. BauunterFeder- nehmer Sames- Darmstadt, im 18. Wahlkreis Seltgenstadt Kaufmann Weiermann; außerdem sind Kandidaturen bestimmt in Aussicht genommen für den 11. Wahlfreis Bensheim- 3wingenberg, für den 15. Wahlkreis Bischofsheim- Rüsselsheim und den 16. Wahlkreis Langen- Neu- Isenburg. In Oberhessen sind bisher aufgestellt: für den 12. Wahlkreis Nidda Justizrat Metz- Nidda, für den 13. Wahlkreis Büdingen der Landwirt Hr. Bähr- Büches und für den 14. Wahlkreis Vilbel Gemeinde- Einnehmer Herling- Rendel; in verschiede nen anderen Kreisen sind noch Kandidaturen in Aussicht genommen. In der Provinz Rheinhessen endlich kandidieren: für das neue dritte Mandat der Stadt Mainz Beig. Martin Moritz Mayer; für den 3. Wahlkreis Wöllstein der seitherige Abgeordne, e Bürgermeister Eibach- Pfaffenschwabenheim, für den 5. Wahlkreis Wörrstadt Pfarrer Korell- Königstädten, für den 8. Wahlkreis Nierstein Bürgermeister Schuckmann- Bechtolsheim; weitere Kandidaturen sind in Aussicht genommen in Alzen und in Bingen- Land.- Von der sozialdemo= fratischen Partei wurde Genosse Berthold- Darmstadt als Landtagskandidat des Wahlkreises Bischofs= heim- Rüsselsheim ausgestellt. Letzte Woche fand in Bingen eine Vertrauensmännerversammlung der 3 entrumspartei des Landtagswahlkreises Bingen Land statt, in der der bisherige Abg. Justizrat von Brentano einstimmig wieder als Kandidat aufgestellt striche in diesem Falle nannte man es ein Motuproprio eine Anzahl von katholischen Wochenfeiertagen aus dem Kalender gestrichen hat, ist weiten Kreisen sehr überraschend gekommen. Auch katholischen Kreisen. Als in den letzten Wochen unbestimmt das Ge= rücht von einem derartigen Vorhaben des Papstes auftauchte, da schüttelten die Wissenden überlegen das tonsurierte Haupt, und in katholischen Blättern ging heftige Entrüstung um, gegen diejenigen, die dem Papst einen solchen Verstoß gegen altgeheiligte Traditionen zutrauten. Das war ja beinahe so, als ob man dem Papst nachgesagt hätte, er sei unter die Modernisten gegangen. Nun ist das Unglaubliche doch wahr geworden. 3war geht Pius 10. nicht radikal vor. Mariä Empfängnis und Himmelfahrt, Peter- Paulstag und Allerheiligen bleiben; aber es schwinden die Aposteltage, der Josefstag, der Johannistag, Petri Kettenfeier, der Fronleichnamstag wird von Donnerstag nach Trinitatis auf den folgenden Sonntag verlegt. Und doch galt ge= rade dieses Fest, dem einst im 13. Jahrhundert durch Visionen der Nonne Juliane von Mont- Corneillo der Weg in die katholische Christenheit gebahnt wurde, in vielen Gegenden als höchstes katholisches Fest. Sollte es doch die Herrlichkeit der katholischen Kirche auch vor den Augen ihrer Gegner offenbaren und ihre Seelen erschüttern und gewinnen." Nun wird dieser altehrwürdige Donnerstag, an dem schon so manchem Protestanten, der sonder Harm die glänzende Prozession vorüberziehen sah, der Hut vom Kopf geschlagen worden ist, wieder zum gewöhnlichen Wochentag, und mit ihm so mancher Tag, an dem bisher die Parlamente mit Rücksicht auf das Zentrum, und die Schulen mit Rücksicht auf die katholischen Lehrer und Schüler eine willkommene Ruhepause einschieben konnten. Was der pästlichen Maßnahme eine besondere Bedeutung gibt, das ist ihre Begründung. Das„ Motuproprio" besagt, daß die veränderten Bedingungen der menschlichen Gesellschaft es ratsam erscheinen lassen, das Gesetz über die Beobachtung der religiösen Feste zu ändern, weil der vermehrte Handel und der beschleunigte in Gang der Geschäfte durch die Häufigkeit der Feste Schaden leide;" auch sei zu bedenken, daß die Verteuerung des Lebens die Arbeiter zwinge, die Arbeit nicht so oft zu unterbrechen." Die veränderten Bedingungen der menschlichen Gesellschaft!" Das ist Modernismus aller Form. Merkwürdige Perspektiven tun sich auf. Aber wir begnügen uns zunächst mit der Tatsache, daß der Antimoderniſtenpapst Pius 10. an kirchliche Einrichtungen moderne Maßstäbe anlegt. Wenn man bisher auf evangelischer Seite behauptete, daß der Niedergang der eigentlichen romanischen Länder, insbesondere Spaniens, des festreichsten unter ihnen, darauf zurückzuführen sei, daß man dort über dem Rosenkranzbeten, über Zeremonien und Wallfahrten allzusehr das Arbeiten und die veränderten Bedingungen der menschlichen Gesellschaft bergessen habe, so wurde das von katholischer Seite leidenschaftlich bestritten. Aber ist nicht das Motuproprio des Papstes über die Einschränkung der Festtage eine indirekte Bestätigung jener Behauptung? Der„ Vorwärts" hat freilich noch eine andere Erklärung zur Hand. Er erblickt in dem päpstlichen Erlaß eine feile" Rechnungsträgerei, um nämlich dem Verlangen des heutigen Kapitalismus nach vermehrter Gelegenheit zum Profitmachen und zur Ausbeutung der Lohnsklaven entgegenzukommen und so die wohlhabenden Kreise der Großindustrie und des Großhandels zu bewegen, in den Schoß der alleinseligmachenden Kirche zurückzukehren." Wenn diese Auslegung auch etwas auf die Hitze der letzten Tage zurückzuführen sein mag, so eröffnet sie doch Ausblicke nach der Richtung, in der sich die Sehnsucht des „ Vorwärts" zu bewegen scheint. Er nennt den Erlaß des Papstes„ arbeiterfeindlich", müßte also folgerichtig eine Vermehrung der Feiertage als arbeiterfreundlich begrüßen. Natürlich müßten das dann nicht kirchliche, sondern sozialdemokratische Feiertage sein. An Kalenderheiligen würde es dafür nicht fehlen. Landtagswahlvorbereitungen. Die Fortschrittliche Volkspartei hat für die Neuwahlen zum Landtag bis jetzt folgende Kandidaten aufgestellt: In der Provinz Startenburg: Für das neue dritte städtische Mandat in Darmstadt Stadtv. Henrich, im 1. Wahlkreis Beerfelden- HirschhornWimpfen Lehrer Lang- Beerfelden, im 12. Wahlkreis wurde. - Aus Stadt und Land. Gießen, den 19. Juli. * Butzbach, 19. Juli. Die große Glocke der St. Markuskirche war gesprungen und ist von der Firma F. W. Rinker, Glockengießerei in Sinn( Nassau) umgegossen worden. *) Bad Nauheim, 19. Juli. Als gestern vormittag das Fuhrwerk einer Wäschefirma auf der Straße einige Augenblicke ohne Aufsicht war, wurde dem einen Pferde der Schwanz abgeschnitten. Vor einigen Tagen wurde dem Pferd eines Kohlenhändlers in der Nacht die Mähne abgeschnitten. -- Alsfeld, 19. Juli. In Maar wurde das 3jährige Kind eines Landwirts vom Göpelwerf erfaßt. Es geriet in die Kammräder, die ihm den Kopf sofort zerdrückten. | ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Inseraten zeile.- Stellen gesuche und Familienanzeigen 10 Bfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 fg. Extrabetlagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Plagvorschriften ohne Berbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. S. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. im Volke denkt man nicht daran, jemanden wieder zu rufen, von dem man weiß, daß er die einfachsten Empfindungen der Menschenseele so herzlich wenig fennt. Daher doch auch die Tatsache, daß gerade im Volle viele sind, die auf solche Leitung verzichten. Wenn schon der Verteidiger Jatho's, Professor Baumgartner- Kiel, nicht die Bekenntnisfrage, sondern nur den Einfluß Jatho's in den Kölner liberalen Kreisen als Verteidigungsmoment anführen konnte, was will man dann noch nach einer so reiflich erwogenen Entscheidung fordern, die gefällt ist von einem Kollegium, dem man Voreingenommenheit auf Grund seiner Zusammenset= zung nicht wird nachsagen können? Wir als Laien verstehen ganz gut auch die moderne Zeit, und wissen es auch zu schätzen, wenn uns nicht mit Lauheit, sonr dern mit Feuereifer in neuen Worten die alten Grundwahrheiten dargeboten werden. Vielmehr halten wir dafür, daß wir mit Luther singen sollen allezeit: Das Wort sie sollen lassen stah'n. Auch lassen wir uns gerne „ neue Wege", wie es in dem Protest heißen soll, führen, wenn solche nicht abwärts, sondern aufwärts zum guten Ziele führen. Noch wollen wir darüber schweigen, ob nicht ein Sturm der Entrüstung sich erheben soll, aber soviel ist gewiß, daß das Laientum bereit steht und einmütig sich erheben wird, wenn man ihm einen Protest vorhalten wird, wie geplant sein soll. Bezeichnend ist auch ein Urteil des„ Vorwärts" in dieser Frage, wenn er etwa schreibt: Wir mischen uns nicht in diese Streitfrage, da für uns die Religion Privatsache ist, aber bezeichnend für die Haltung des Liberalismus ist es, wie er sich an diese Dinge klammert und Erfolge davon verspricht. Wird man irgend einer Vereinigung oder Behörde einen Vorwurf machen, wenn sie Jemand ausschließt, dessen Tätigkeit sich in Widerspruch setzt mit den gege benen Einrichtungen? Ebenso hoffen wir, daß auch diese Frage vor allem nüchtern beurteilt werden möge, von denen, die solche wenigen kennen. Literarisches. = or= * 100 Entwürfe zum Bismard- Wettbewerb wurden im Auftrage des Denkmal- Ausschusses von der Düsseldorfer Verlagsanstalt A.-G. in Düsfeldorf herausgegeben. Die wesentlichen Resultate des glänzenden, für die moderne deutsche Kunst so wichtigen Wettbewerbs sind hier zusammengefaßt. Vor allem wurden die 20 preisgekrönten Entwürfe eingehend dargeBüdingen, 18. Juli. Die am Sonntag aufstellt, zu deren Publikation ausschließlich der DenkmalAusschuß berechtigt war. Sie werden die Grundlage für der Ronneburg stattgefundene Wiederholung des Steiden neuen engeren Wettbewerb bilden und haben danigerschen Burgenfestspiels Jm Glauben stark, in Treue durch besonderes Interesse für die weitesten Kreise. fest" hatte wiederum ein ausverkauftes Haus erzielt. Die Zweigvereine des Vogelsberger Höhenklubs planen das Ronneburgfest als eine alljährlich wiederkehrende Burgenfeier durch Aufführung geeigneter Festspiele zu be= gehen. Offenbach, 19. Juli. Der bei der Firma Forster beschäftigte Hausbursche Kämmerer war, wie seinerzeit berichtet, nach Unterschlagung von 3000 Mt. flüchtig gegangen. Er sollte sich jedoch nicht lange der goldenen Freiheit freuen, denn schon am zweiten Tage packte ihn der Arm der Gerechtigkeit in Fulda, wo seinen Verwandten einen Besuch abgestattet hatte. Das Gericht verurteilte ihn jetzt zu 9 Monaten Gefängnis, beantragt waren 1 Jahr 6 Monate. er Marburg, 18. Juli. Der Waldbrand am Freitag, der so großen Schaden verursachte, soll auf die Unvorsichtigkeit zweier Spaziergänger, die im Walde Zigaretten rauchten, zurückzuführen sein. -h- Marburg, 19. Juli. Jn Ellhausen erschlug die Frau eines Weißbinders ihren Mann mit einem Scheit Holz. Eingesandt. Die Laien und der Fall Jatho. Durch die Presse geht die Nachricht von einem Protest der hessischen Geistlichen, der Jatho's Wiedereinsetzung in Amt und Würden fordert. Wenn da von„ angesehenen" Geistlichen geschrieben steht, daß sie diese Kundgebung unterschrieben haben, so fragen wir verwundert: Ist dieses Ansehen nur in Kollegenkreisen vorhanden, oder kann man von wirklichem Ansehen erst reden, wenn solches über den engen Rahmen des Berufskreises hinausgeht? Daß es in Hessen eine ganze Anzahl Geistlicher gibt für derartige Ideen, wissen wir, müssen ihnen aber ehrlicherweise sagen, daß sie in der Regel wenig oder feine Fühlung mit ihren Gemeindegliedern haben; denn - Prick, Was muß der Arbeitgeber und der Arbeiter von der Reichsversicher= ungsordnung wissen" Kurze Zusammenstellung der neuen Bestimmungen über die Arbeiterversicherung für den täglichen Gebrauch nebst einem Anhang: Anleitung für den Arbeiter zur Erlangung der Ver= sicherungsleistungen( Krankengeld, Renten 2c.) Pr. 25 Pfennig. Alb. Jacobi& Cie. in Aachen, Büchel 15. Jn nächster Zeit tritt die Reichsversicherungs= ordnung in Kraft. Um nun das mit Zeitverlust verbundene Durchlesen des umfangreichen Gesetzes zu vermeiden, sind in diesem Büchlein die für Arbeitgeber und Arbeiterkreise in Betracht kommenden und wissenswerten Vorschriften der R.-V.-D. in gedrängter und gemein= verständlicher Form wiedergegeben. Wollen Sie etwas feines rauchen dann empfehlen wir Jhnen: Salem Gold Cigaretten. Etwas für Sie! Salem Aleikum Gigarette des Feinschmeckers! No 3, 4, 5, 6, 8,10 Preis: 3½, 4, 5, 6, 8,10 Pfg.d.St. Orient Tab.u.Ciparetten Fabrik Yenidze" Jah. Hugo Zietz, Dresden. Die Kriege werden humaner. Rundschau vom Cage. Politisches. Der Rücktritt des preußischen Instizministers Beseler soll nach der„ Nationalztg." nur noch eine Frage der Zeit sein. Als Nachfolger fomme in erster Linie der Breslauer Landgerichtspräsident Vierhaus in Betracht, daneben aber auch der Ministerialdirektor Bourwig. Herr Vierhaus ist übrigens schon wiederholt für diesen Posten genannt worden. Für den Bosten des Oberpräsidenten in Bosen, der durch die Versetzung des bisherigen Oberpräsidenten von Waldow nach Stettin vakant ist, soll, wie das B. T." behauptet, auch der Unterstaatssekretär im Kultus= ministerium, D. Schwarzkopff in Betracht kommen. Man darf hinter diese Nachricht wohl ein großes Fragezeichen setzen. Allgemein ist die Anschauung verbreitet, daß durch die modernen Schießwaffen, Schnellfeuergeschütze, Maschinengewehre u. a. die Striege in Zukunft viel blutiger und verlustreicher werden, als sie früher gewesen sind. Es wird darum interessieren, zu erfahren, daß die Striege in den letzten 150 Jahren bedeutend weniger verlustreich geworden sind, als sie früher waren. Sogar der lette russisch- japanische Strieg stellt gegen die Striege Friedrich des Großen einen ungeheuren Fort= schritt dar. In der Schlacht bei Borndorf z. B. verloren die Russen rund 40 Prozent thres gesamten an der Schlacht beteiligten Soldatenmaterials. Die Preußen verloren bei Torgau 37,5 Proz. Die Kriege Napoleons I. waren nicht weniger blutig und verlustreich. In der Schlacht bet Aspern verloren die Franzosen 38,3 Broz., bet Br.- Eylau verloren die Breußen 30 Broz., die Rus= ſen 35 Broz. und die Franzosen 40 Broz. der an der Schlacht beteiligten Soldaten und Offiziere. Vergleicht man damit die modernen Kriege wie den z. B. 1866 und den Strieg 1870/71, so ergeben sich folgende Bahlen: Bei Königgräz verloren die Preußen 4,6 Proz. und die Desterreicher nur 8,7 Proz. ihres Menschenmaterials. Die Verluste betrugen also im Verhältnis zu den anwesenden Soldaten faum ein Siebentel, manchmal sogar faum ein Behntel der Verluste in den früheren Kriegen. Bet Gravelotte verloren die Deutfchen 10,1 Proz. und die Franzosen 11,4 Proz. threr Mannschaften. Nur einige Heldentämpfe wie z. B. der bet Mars- la- Tour, machen davon eine Ausnahme, da hter 55 Broz. verloren wurden. Der modernste Krieg, der russisch- tapanische, der mit den großartigsten Waffen geführt wurde, zeigt dasselbe Resultat, trotzdem die Schlachten manchmal acht Tage dauerten. In der heißesten Schlacht verloren die Russen 3. B. nur 11,1 Prozent und die Japaner 14,6 Prozent ihres Gesamtbestandes. Die Ursachen für die geringer werdenden Verluste sind darin zu sehen, daß dte Schüßenrethen sehr dünn und Ianggestreckt sind, und daß der Kampf über ungeheure Entfernungen geht, so daß selbst die mörderischsten Waffen nur geringe Vorteile an einem Tage bringen fönnen. Je mörderischer die Waffe ist, desto größer wird der Schutz, den die Menschheit sich selbst schafft. Es tommen lebt noch dazu, daß die Felduniformen eine weltere inftcherbett des Bieles bringen wer den, so daß die Treffsicherheit sicherlich noch bedeutend heruntergehen wird. Auch andere Schutzmaßnahmen, wie z. B. das Aufwerfen von Sandhügeln usw. tragen dazu bei, daß die Schlachten wirklich humaner werden. Die fünftige Maroffopolitik faßt eine Pariser Persönlichkeit, die Beziehungen zu den amtlichen Stellen unterhält, folgendermaßen auf: Für den Augenblick wird Frankreich sich aus Fez und Mekinez zurückziehen. Wahrscheinlich ist es auch, daß es das Schaujagebiet räumen wird, um sich in Casablanca niederzulassen. Deutschland wird keine Truppen in Agadir landen. Was Spanten anbetrifft, so wird es dem Beispiele Frankreichs folgen und sich aus Elfsar zurückziehen, um sich in Larrasch festzusetzen und sich darauf beschränken, die marokkanische Polizei zu organisieren. Sensationsmeldungen französischer Blätter über Deutschlands Vorgehen in Agadir sind jetzt an der Tagesordnung. Am Sonntag haben Pariser Blätter allerlei wilde Meldungen über eine angebliche Landung eines deutschen Expeditionsforps in Agadir verbreitet. Dazu wird dem„ B. T." von maßgebender Stelle mitgeteilt, daß die Landung eines deutschen Expeditionstorps nicht stattgefunden hat und daß weder Offtztere noch Mannschaften der„ Berlin" oder des„ Panther" an Land beurlaubt wurden. Auch von angeblichen Zwi schenfällen, die zur Abgabe von Schüssen geführt haben, tst weder auf dem Auswärtigen Amt, beim Admiralstab der Marine, noch beim Reichsmarineamt etwas bekannt. Als Ersatz für den verbrannten Parseval 5 hat Die Luftverkehrsgesellschaft von der Luftfahrzeuggesell schaft in Bitterfeld den Parseval 9( 1700 Stubifmeter Inhalt mit 50pferdigem Motor) erworben. Das neue Luftschiff wird im Auguft fahrbereit ſein. Das Einen Sirtenbrief hat Erzbischof Kardinal Dr. Flscher in Cöln erlassen, nach dem die Kinder im 7. Jahre zur ersten Kommunion geführt werden sollen. Sirtenschreiben wendet sich auch gegen das Ueberhandnehmen des Kleiderlurus bei der Kommunion. Ein großer Juwelendiebstahl, bei dem fitr 20,000 Mark Pretiosen gestohlen wurden, tst gestern bei dem Juwelier Wingberg in der Potsdamer Straße in Berfin entdeckt worden. Der Einbruch dürfte von densel ben Spizzbuben verübt worden sein, die fürzlich bet dem Juwelier Nevis in der Potsdamer Straße für 100 000 Mart Juwelen raubten. Die Eröffnung des österreichischen Parlaments fand Montag vormittag 11 Uhr in der üblichen Weise unter sehr starker Beteiligung nicht nur der Abgeordneten, die das Haus bis auf den letzten Platz füllten, sondern auch des Publikums statt, das lebhaftes Interesse für das neue Haus an den Tag legte, welches durch den neuen Ministerpräsidenten empfangen wurde. Nach den einleitenden Worten des Ministerpräsidenten übernahm der Alterspräsident Freiherr von Fuchs das Präsidium, um die Konstituterung des Hauses einzuleiten. Bet dem Kaiserhoch, in das seine Rede ausklang, entfernten sich nur die tschechischen Sozialdemokraten, während alle anderen, also auch die Deutsch- Radikalen und die deutschen Sozialdemokraten, sich von thren Sitzen erhoben. Wer sind die reichsten Leute der Welt? Die märchenhaften Schilderungen von dem Reichfum der amerikanischen Milliardäre können mit der Bett den Eindruck erwecken, als ob die apalanhäufungen der berühmten Dollarfönige Amerikas die enro= pätschen Vermögen längst hinter sich gelassen haben. Daß das Gegenteil der Fall ist, beweist ein englischer Nationalökonom in einer fesselnden Untersuchung, die sich mit den Kapitalanhäufungen in den Händen einzelner Familien beschäftigt. Weber Carnegie noch Pierpont Morgan ja selbst nicht Rockefeller der Petroleumfőnig, fönnen mit dem Reichtum wetfelfern, den das Haus Rothschild fein eigen nennt. Trotz der amerikanischen Milliardenvermögen sind die Rothschilds immer noch die reichste Familie der Welt, ja ihr Vermögen beläuft sich auf rund 8 Milliarden Mart, ist also viermal so groß, als der Reichtum, den man Rockefeller auschreibt, und sechsmal so groß als das Vermögen der Famille Astor. Wenn man eine Verzinsung von nur 4 Prozent annimmt, würde die Familie Rothschild eine Jahresrente von 320 Millionen Mark beziehen, aber diese Zahlen sind viel zu niedrig gegriffen, weil weitaus der größte Teil des Sapitals arbettet und eine viel höhere Berzinsung bringt. Keine andere millionengesegnete Familie Europas kann auch nur entfernt einen Vergleich mit diesen Zahlen aufnehmen. Dabet ist es ein Irrtum, anzunehmen, daß die Rothschilds nur oder in erster Linie Bankiers find. In Wirklichfeit zählen sie zit den mächtigsten Großkaufleuten und Industriellen der Welt. In Lancashire besitzen die Rothschilds gewaltige Baumwollspinnereien, in Sheffield Stahlfabriken, die jährlich Millionen von Messern hervorbringen. In Jamaifa verfügen sie über große Blantagen, aus ihren eigenen riesigen Wäldern in Brafilten gewinnen sie Gummi, in Persien sind große Tapetenfabriken, Seiden- und Damastwebereten ihr Etgentum, und in Spanien gehören ihnen ausgedehnte Blelbergwerke. Aber die Zahl der industriellen und großen faufmännischen Unternehmungen ist damit noch feineswegs erschöpft, denn in dem ausgedehnten Holzhandel Sibiriens spielen die Rothschilds eine Hauptrolle, in Sitdafrika betreiben sie Goldminen, in Atstralien sind sie die Eigentümer ganzer Städte, und in einem Dutzend von anderen Großstädten Europas nens nen sie eine Menge von Häusern und ausgedehnten Grundbesitz ihr eigen. Jugendfreundschaft. Roman von G. v. Schlippenbach. 18) ( Nachdruck verboten.) Karla hatte ihrer Mutter aus Rußland einen langen Brief geschrieben, er lautete folgendermaßen: " Kaporinoff, 6. Julf. Meine teure Mutter! Das Leben Richters gefährdet? In Elassona wur den zwei Hirten verhaftet, welche zwei Briefe von den Räubern des Ingenieurs Richter überbrachten. Die Briefe enthalten eine letzte Drohung der Räuber, Richter unwiderruflich zu töten, falls bis morgen feine be friedigende Antwort auf thre erste Aufforderung einträfe. Dem ungarischen Abgeordnetenhanse wurde von der Regierung eine Gesezesvorlage unterbreitet, durch die die Lizenzgebühr für die Einfuhr ausländischer Tabakfabrikate erhöht wird, und zwar für Bigaretten von 30 auf 60 Kronen, für Zigarren von 26 auf 35 Kronen, für Tabak von 20 auf 30 Kronen per Kilogramm. Einen furchtbaren Selbstmord verübte gestern der Grenadier Büttner aus Karlsruhe. Er reiste nach Mannheim, schlich sich in eine Badeanstalt und ver fuchte, die Kabinen zu plündern. Er wurde aber dabet ertappt und zur Schloßwache gebracht. Ster stitrate er fich in sein eigenes Seitengewehr, das ihm auf dem Rücken wieder heraustrat. Die schwierige Lage in Albanien hat nunmehr die Türkei veranlaßt, die Einberufung aller mohammedanischen Reservisten bis zum 45. Lebensjahre anzuordnen. Sie läßt bereits auch Listen der noch älteren Jahrgänge aufstellen. Die Bevölkerung legt demgegenüber eine ablehnende Haltung an den Tag, da die Anordnung noch nicht die gesetzliche Sanktion der Kammer gefunden hat. Ich will Dir heute einen langen Brief schreiben, der soll mir über die vielen einsamen Stunden hinweghelfen. Mein Mann mußte zum Manöver und später ins Lager. Er langweilt sich hier in der ländlichen Stille und hat immer Abmachungen geselliger Art, Jagden oder andere Vergnitgungen; ich fühle mich nicht wohl genug, um ihn zu begleiten. Unsere Sommervilla liegt dret Stunden von Petersburg entfernt mitten im schönsten Nadelwald; es ist drückend heiß hier, ich sehne mich nach der kühlen Seeluft meines geliebten Strandhof, nach dem Hafenplatz und nach Dir, Mutter. Ich hätte nie gedacht, daß man sich mit zwanzig Jahren schon so alt fühlen kann. In diesem Jahre habe ich viel gelernt; ich weiß, daß ich hier in der leichtlebigen russischen Gesellschaft immer eine Fremde bleiben werde, ich habe ganz andere Interesse als die Petersburgerinnen, gehe z. B. lieber ist ein schönes Konzert als in ein Varieteetheater, höre gern eine Oper und kann den französischen Stücken feinen Geschmack abgewinnen. . Kleine Nachrichten. Bei einem Zimmerbrande umgekommen find in dem Dorfe Nemours bei Paris vier Kinder eines Maurers, die in der Wohnung allein geblieben waren, wäh rend die Eltern einer Theatervorstellung beiwohnten. In einem Anfall von religiösem Wahnsinn überschüttete sich die 37jährige Frau des Schlossers Gasteier in Dortmund mit Petroleum und zündete sich an. Ste starb an den erlittenen Verletzungen. Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich, die inkognito auf der englischen Insel Wight weilen, unternahmen gestern mit der Kaiserfacht Meteor eine Segelfahrt. Am Abend fuhren sie im Automobil nach Osborne, wo sie das Erholungsheim für Offiziere besichtigten. Der frühere Präsident von Merito Diaz ist mit Familie und einem Gefolge von 21 Personen in Göln eingetroffen und hat im Excelsior- Hotel Wohnung genommen. Ogured wege bret Monate geflagten fter urteilten in Verhaft Madh Fabres Kriminalpoli ben Schaaffh Summe von fen Betrag Deng durch falfchte und d belt fich um vor Jahren forenfabrit to nau tannte. gen laffen. G bacht geraten haben, hat lä baft fiben mi Elfenbah Nacht hat in legraphendrah lungen mit Babnnegen g allerdings et faläge heftig bringt augen daß durch da feber Bahnfa Waghalfi abend in Ma fernten Halte um den Inn aur Fahrt n Bug fuhr jed Surch die Sto men in den München, wo toniperre fam rechtigt Mitge rigen Somme gekommen, n Schnellzug wi baften diesma bahnhof nicht Nachzahlung b ren eingeleitet Ein Offizi Raiser. Dem Offizier- Genef über die Verm Es handelt si in der Nähe d den wird. Da Bestimmungen Betracht komm fel in einer S Frau General den und werd oben gedachter Ein großer Grubenbrand wütet seit einigen Wochen auf Schacht Altenböcke der Zeche Königsborn bet Unna. Seit etwa 20 Tagen find Abdämmungsarbeiten im Gange, doch hatten diese bisher wenig Erfolg. Zwet Personen sind durch Einatmung giftiger Rauchgase be retts verunglückt. Ein gefährlicher Brandstifter, der 1880 in Sam burg geborene Dienstfnecht Karl Schubert, der seit 2 Jahren über 20 Brandstiftungen in den Elbaemeinden verursachte, bet denen 29 Gebäude eingeäschert wur den und zwet hochbetagte Eheleute in den Flammen umfamen, wurde gestern von der Hamburger Kriminalpolizet verhaftet. Die Maul- und Klauensenche hat im Monat Junt eine Entwicklung in Deutschland genommen, die die schlimmsten Befürchtungen übertrifft. Am 30. Juni wurden 20 798 verseuchte Gehöfte tit 3737 Gemeindent gezählt. Im Monat Juni hat sich die Seuche gegen den Vormonat um 7295 verseuchte Gehöfte, gleich 54 Prozent, vermehrt. Costja( Abkürzung von Konstantin) findet mich zu bleich und brachte mir eines Tages Schminke; er bat mich, sie zu brauchen und war erstaunt, als ich es entritstet ablehnte. Er meinte, hier in Rußland geschähe es in den besten Kreisen. Ich fühle, daß ich in der Gesellschaft eine traurige Rolle spiele; ich fann mich nicht in den leichten, nichtssagenden Plauderton der russifchen Damen hineinfinden, ich glaube, sie lachen über mich und man bält mich fitr pedanttsch und langweilig. Auf dem Totenbett verbrannt. In Viehhofen in Salzburg war eine Bäuerin gestorben, worauf ihre Leiche in einem im ersten Stockwerk gelegenen Zimmer aufgebahrt wurde. Durch die brennenden Kerzen fing der Totenschleier Feuer, das so rasch um sich griff, daß die Leiche nicht mehr geborgen werden konnte und gänz Itch verkohlte. Das aanze Anwesen. das aus Holz gebaut war, brannte mit den Nebengebäuden nieder. Ich war glücklich, als ich hierher ziehen konnte, während mein Mann Anfang Mai zum Manöver ausritckte. Das Gut Kaporinoff hat schon Costjas Großeltern gehört; das niedrige Holzhaus ist unschön, aber recht bequem; ich liebe es mehr als unseren Palast in Petersburg: dort habe ich stets das Gefüht zu frteren, trotz der überheizten Prachtzimmer. Ich horche so gern auf des Waldes Stimme; das Rauschen der Bäume erinnert mich an das der Wellen, ich schließe die Augen und mein Herz singt seine Weisen dazu. Im Alter von 103 Jahren ist im Antoniusstift zut Bamberg die älteste Frau Bayerns, die Baderswitwe Magengast gestorben. Ein ganzes Dorf eingeäschert. Das Dorf Haamrt in Ungarn ist gestern bis auf acht Häuser niedergebrannt. Eine Frau ist dabet umgekommen. Oft pocht es so wild, als fordere es etwas,- etwas Unerreichbares, das ihm versagt bleibt. Was ist es, Mutter, kannst Du es mir deuten? Aus den Gerichtssälen. Ungültige Einsprüche gegen die Stenerveranlagung. Eine Entscheidung von großer Tragweite hat das preu ßische Oberverwaltungsgericht gefällt; es erklärte Einspritche gegen die Heranziehung zu gemeindlichen Gebühren, Beiträgen und Steuern für ungiltig, wenn sie nicht erkennen lassen, daß entweder die ganze Heranziehung angefochten wird oder daß die Steuer um einen bestimmten Betrag herabgesetzt werden soll. Diese Ents scheidung ist deshalb von so außerordentlicher Bedenttung, weil bei einer großen Zahl von Einspritchen nur angegeben wird, die Steuer sei zu hoch. Alle diese Einsprüche sind ungültig. Auch wenn die Gemeinde einen folchen Einspruch gar nicht beanstandet, muß doch von Amts wegen jede daraufhin eingeleitete Klage abgewiesen werden. Im Dorf habe ich viele gute Freunde; ich spreche noch sehr schlecht russisch, aber die guten Leute lachen mich nicht aus. Wie liebe ich die blonden, barfüßigen Kinder, alle die Bübchen und Mägdlein, die wie die Kletten an mir hängen und mir jubelnd entgegenlaufen. Wie danke ich Dir, liebe Mutter, für das reichliche Taschengeld; ich kaufe dafür allerlei Geschenke für meine fleinen Freunde, bunte Kopftücher für die Mädchen, Spielzeug für die Knaben und für die ganz Alten im Dorf Tabak und Tee, Zucker und Weißbrot. Neulich sagte die achtzigjährige Marie, als ich ihr Enkelkind auf dem Schoß hielt, au mir:„ Gott wird Ihnen bald ein ebensolches Engelchen schenken." Ach! wie freue ich mich auf dieses geliebte, kleine Wesen; ich erwarte es voll heißer Sehnsucht; dann werde ich so glücklich sein, daß ich mich nie mehr einsam fühlen werde. Und dann kommst Du, Mutter!" Strenge Sühne für militärische Bergeben. Das Kriegsgericht des zweiten Geschwaders in Kiel verurs tellte den Matrosen Block vom Linienschiff Bommern" wegen verleumdertscher Beleidigung von Vorgesetzten, Achtungsverletzung durch Drohung und Erregung von Mißvergnügen unter Kameraden zu amei Jahren flinf Monaten Gefängnis. Der Obermatrose Frank und der Matrose Saut erhielten wegen Begünstigung je sechs Monate Gefängnis: amet weitere Matrosen wurden freigesprochen. Während der Verbandlungen und wäh rend der Urteilsperfündigung war die Oeffentlichtelf wegen Gefährduna militärischer Intereffen und der mtIttärischen Difaiplin ausgeschlossen. Dasselbe Kriensgericht hat in einer späteren Sikuna, die ebenfalls unter Ausschluß der Deffentlichkeit, stattfand, den Matrosen Ich zähle bis dahin die Tage, die Stunden." Der Brief schloß mit tausend Grüßen für alle und alles daheim. " Ja, daheim," dachte Frau Haideck, hier ist Karlas Heimat, die Fremde dort, wo ihres Mannes Haus steht; diese Zeilen verraten es mir." Es fiel Frau Haideck sehr schwer, sich Latour gegenüber zu beherrschen; fie verhinderte so viel sie konnte, das Alleinsein des Brautpaares, arrangierte Ausflüge und Bootpartien mit Oldens, die anderen Gäste hatten Strandhof bereits ver laffen. Eva war oft über das veränderte Wesen Latours erstaunt; nach den ersten Wochen stürmischer Bärtlichkeit war er jetzt oft sehr verstimmt und wurde ungeduldig, wenn sie ihn um den Grund fragte. Es lag etwas Lauerndes in seinem Gesicht, wenn er die häufigen Gespräche Oldens und Frau Haidecks beob achtete, die bet verschlossenen Türen stattfanden. Nach einer Woche ersuchte Olden Latour im Namen Frau Haidecks um eine Unterredung. Nichts gutes ahnend, folgte der Franzose dem alten Herrn. ,, Sie sind als Betrüger und Hochstapler entlarvt, mein Herr," sagte der Rechtsanwalt trocken. „ Sie beleidigen mich!" rief Latour, über dessen Gesicht sich fahre Blässe breitete. „ Bitte, lesen Sie diesen Brief!" Und Latour Ias: Paris, Rue de Lac. „ Sie haben recht, sich an mich zu wenden, nachdem Ihr erster Brief von Robert unterschlagen wurde." „ Das ist eine Lüge!" rief Latour und das Briefblatt fiel aus seinen zitternden Händen zu Boden. " So," versetzte Olden,„ hter dieses Kuvert rechtfertigt Ihres Vetters Behauptung; das Stubenmädchen im Strandhotel fand den Zeugen Ihrer Schuld beim Putzen Ihres Rockes in der Tasche und übergab das wichtige Papier dem Gastwirt; der Gärtnerbursche, den Sie bestachen, ist außerdem geständig. Erlauben Sie, daß ich Ihnen den Brief jetzt weiter vorlese." ( Fortsetzung folgt.) Gine nene mina gemeldet fentint auf ein halb der Stad Gebüschen verk griffen und an wollte fich zur Gewehrschuß n eniflohen, wur in die Stadt a niederliegt. 86 Lage g Reuporter ärz von Schlaffran bat. Eine Fra aufgewedt und Bege der Beffe Monats März Bewußtsein zu 26 Lagen wur rauf wieder ein weden, ist thr it fie nicht im durch Zeichen Jedoch, die Fra Ein eigene zeit die Berline wurde bereits van G. verhaft fichtlich auch to wird; gesucht n heinz van E., lernte eines die gern gehei tt bereits ver baß er sowieso weil seine Fra Edheidung fam wandte der fil herlet Vorfom gebenden Bräu ich nicht nur f mit einer Schw fundene Briefe Edheidung gef fie war es jo a fie auch be jeihlichen Fehlt Don E. für den verurteilt wurd effenen Lebenta wurde dann nac Mart abgefunde Ebenso die Broz Berdem viel höh s dem aufgefu Dm E., jeine F einander in Be pendable Brau trogene Anzeige Der in Berlin ni Frau nachfahren nach Rußlan Pigen und gem Behren. Dem fa nahm Frau van Gegend des Bot bet war, ihre S Eine furcht Sonntag in Lem mit feiner Frau 5 bis 17 Jahren vergiftete fich mi Stöhnen und R worden waren, Bier Personen, AC beschloß de hat ell ter Cue re 98 10a 00 ez 26 Det Ür T ent Die ch Je= er ach T= Det er m In h= er Ste ent m et & Its 2 It [= re er TA ول la it De ri e= 9. ie ent te た tr Eft ont 18 T= It, nf er 18 ent t its er ent t= DI I'³ ù= er de 58 Die b= en st, # 12 efa t= ent m 0.8 ent te, Ogured wegen versuchter Aufwiegelung zu einem Jahr bret Monaten Gefängnis verurteilt. Die Tat des Antgetlagten steht mit den Verfehlungen der übrigen Verurteilten in mittelbarem Zusammenhang. Vermischtes. Berhaftung eines langgesuchten Scheckschwindlers. Nach Jahresfrist gelang es am Montag der Cölner Kriminalpolizei, fenen Schwindler festzunehmen, der ben Schaaffhausenschen Bankverein dadurch um eine Summe von 45 000 Mart brachte, daß er einen auf diefen Betrag lautenden Scheckt der Gasmotorenfabrik Deutz durch Stempelaufdruck und genaue Unterschrift fälschte und durch einen Boten einziehen Iteß. Es han delt sich um den Reisenden Friz Lose aus Leipzig, der vor Jahren als Bücherrevisor bei der Deuzer Gasmotorenfabrit tätig war und die dortigen Verhältnisse genau tannte. Den Stempel hat er in Leipzig anferti gen lassen. Ein anderer Bücherrevisor, der in den Ver bacht geraten war, den Scheckschwindel ausgeführt zu haben, hat längere Zeit unschuldig in Untersuchungshaft sitzen müssen. Eisenbahnattentate und kein Ende. Auch die letzte Nacht hat in Frankreich die gewohnte Anzahl von Te= legraphendrahtzerschneidungen und Gleisverramie lungen mit Steinen und Blöcken auf den verschiedenen Bahnnetzen gebracht. Die öffentliche Meinung fängt, allerdings etwas spät, endlich an, sich über diese Anschläge heftig aufzuregen. Die beginnende Reisezett bringt augenscheinlich dem Publikum zum Bewußtsein, daß durch das Treiben der Bahnverwüster es selbst bei Jeder Bahnfahrt schwer gefährdet wird. Waghalsige Ausflügler stellten sich am Montag abend in Massen auf der 8 Kilometer von München entfernten Haltestelle Gronsdorf in das Eisenbahngleis, um den Innsbrucker Schnellzug aufzuhalten und thn zur Fahrt nach München besteigen zu können. Der Bug fuhr jedoch nur mit verminderter Geschwindigkeit durch die Station. Alsbald sprangen etwa 40 Perso nen in den Zug und fuhren mit zum Ostbahnhof in München, wo auf die Benachrichtigung hin an der Perronsperre sämtliche Reisenden angehalten und die unbe rechtigt Mitgefahrenen aufgeschrieben wurden. Im vo rigen Sommer ist auf derselben Station ähnliches vor gekommen, nur haben damals die Ausflügler den Schnellzug wirklich gestellt. Dret von den Zugstürmern hatten diesmal bet der Kontrolle am Münchener Ost= bahnhof nicht einmal das nötige Geld zu der geringen Nachzahlung bet sich. Gegen sie wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Ein Offiziers- Genesungsheim als Geschenk für den Kaiser. Dem Kaiser soll nach Zeitungsnachrichten ein Offizier- Genesungsheim übergeben werden, damit er liber die Verwendung des Helmes fret verfügen könne. Es handelt sich um ein Offizter- Genesungsheim, das in der Nähe des Kurhauses Oberplätttg errichtet werden wird. Das Genesungsheim soll nach bisherigen Bestimmungen ausschließlich für deutsche Offtztere in Betracht kommen. Die für den Bau notwendigen Mittel in einer Höhe von 2 Millionen Mark sind von der Frau General Isenbart zur Verfügung gestellt worben und werden mit Erlaubnis des Kaisers für den oben gedachten Zweck verwendet werden. Eine neue Schreckenstat der Maffia wird aus Taormina gemeldet. Als sich der Kammerdeputierte Consentint auf einer Wagenfahrt befand, wurde er außerhalb der Stadt von mastierten Männern, die hinter Gebüschen verborgen auf ihn gewartet hatten, angegriffen und an der Weiterfahrt verhindert. Consentint wollte sich zur Wehr sehen, wurde jedoch durch einen Gewehrschuß niedergestreckt. Während die Verbrecher entflohen, wurde der Ueberfallene von seinem Diener in die Stadt zurückgebracht, wo er hoffnungslos dar= niederliegt. 86 Tage geschlafen. Großes Aufsehen erregt in Neuvorter ärztlichen Kreisen ein eigentümlicher Fall von Schlafkrankheit, der fich in Springfield zugetragen hat. Eine Frau, die 86 Tage geschlafen hatte, wurde aufgeweckt und befindet sich augenblicklich auf dem Wege der Besserung. Sie war in den ersten Tagen des Monats März eingeschlafen, und alle Mittet, sie zum Bewußtsein zurückzubringen, blieben erfolglos. Nach 26 Tagen wurde sie wach, schlief aber kurze Zeit da= rauf wieder ein. Nachdem es jest gelungen tit, sie zu wecken, ist ihr Zustand ein durchaus normaler, jedoch ist sie nicht im Besitze der Sprache, sondern muß sich durch Zeichen verständlich machen. Die Aerzte Hoffen Jedoch, die Frau wieder völlig gesund zu machen. Ein eigenartiger Heiratsschwindel beschäftigt zur= zeit die Berliner Strasbehörden. In der Angelegenheit wurde bereits eine Schauspielerint und Sängerin Emma van G. verhaftet, die sich wegen Betrugs und voraussichtlich auch wegen Meineids zu verantworten haben wird; gesucht werden noch ihr Mann Heinrich, genannt Heinz van E., und dessen Bruder Kurt. Heinz van E. lernte eines Tages eine sehr vermögende Dame kennen, die gern geheiratet hätte. Er verschwieg ihr nicht, daß er bereits verheiratet set, Iteß aber gleich durchblicken, daß er sowieso die Absicht hätte, sich fchetden zu lassen, weil seine Frau eigentlich nicht standesgemäß" set. Die Scheidung kam dann auch wirklich zu Stande. Anverwandte der künftigen Braut aber schöpften aus mansherlet Vorkommnissen Verdacht, beobachteten den angehenden Bräutigam genauer, und endlich überzeugten sich nicht nur sie, sondern auch die Dame, daß sie es mit einer Schwindlergesellschaft zu tun hatten. Aufgefundene Briefe bestätigten den Verdacht, daß die ganze Scheidung geschoben" war. In dem Scheidungsprozesse war es so dargestellt worden, als ob Frau van E., was sie auch beschwor, thren Mann bei einem unverzeihlichen Fehltritt ertappt hätte. Die Folge war, daß van E. für den allein schuldigen Teil erklärt und auch verurteilt wurde, der geschiedenen Frau einen angemessenen Lebensunterhalt zu gewähren. Frau van E. wurde dann nachträglich mit einer Summe von 50 000 Mark abgefunden, die- die künftige Braut bezahlte. Ebenso die Prozeß- und Anwaltskosten, die van E. auBerdem viel höher angab, als sie wirklich waren. Wie aus dem aufgefundenen Briefe hervorging, machten sich van E., seine Frau und sein Bruder, die ständig miteinander in Verbindung geblieben waren, über die spendable Braut" weidlich lustig. Als jetzt die Befrogene Anzeige erstattete, waren van E. und sein Bruder in Berlin nicht mehr zu finden. van E. ist vermutItch nach Rußland vorausgereist, wohin seine geschiedene Frau nachfahren sollte, um sich wieder mit ihr zu vereinigen und gemeinsam mit ihm die Abfindung zu verzehren. Dem tam aber die Kriminalpolizet zuvor und nahm Frau van E. in einem vornehmen Hotel in der Gegend des Potsdamer Plazes fest, als sie gerade dabet war, ihre Koffer für die Reise zu packen. Eine furchtbare Familientragödie hat sich am Sonntag in Lemberg abgespielt. Wegen Nahrungssorgen beschloß der Schneidermeister Taube, gemeinsam mit seiner Frau und seinen 8 Kindern im Alter von 5 bis 17 Jahren in den Tod zu gehen. Die Familie vergiftete sich mit Arsenik. Die Nachbarn, die durch das Stöhnen und Röcheln der Vergifteten aufmerksam ge= worden waren, holten die Rettungsgesellschaft herbet. Vier Personen, die Mutter und drel Kinder, ringen mit dem Tode; die anderen sechs Personen werden viel leicht gerettet werden können. Taube hatte schon vorher etxmal mitsamt seiner Familie wegen Nahrungssorgen einen Selbstmordversuch durch Einatmen von Kohlendämpfen angestellt. Zeugfeldwebel Müller. Ein an Zwischenfällen retcher Prozeß war, wie frither bereits mitgeteilt, der Prozeß gegen den Beugfeldwebel Müller von der Pulverfabrik in Hanau. Müller hatte im Sommer vorigen Jahres seine Geliebte, efne 22jährige Verkäuferin, erschossen, weil sie das Verhältnis mit ihm lösen wollte. Das Kriegsgericht hat im Dezember vorigen Jahres Müller wegen Totschlags zu 15 Jahren 8uchthaus verurteilt. Gegen dieses Urteil legte Müller selbst Berufung beim Oberkriegsgericht ein mit der Begründung, daß 15 Jahre Zuchthaus teine angemessene Sühne für den Mord darstellten. Das Oberkriegsgericht verurtellte Müller hierauf zum Tode. Ein Gnadengefuch an den Katser einzureichen, lehnte Müller ab. Sein Vater und der Pfarrer des Hetmatsdorfes dagegen reichten ein Gnadengesuch ein, das aber vom Katser abschläglich beschieden wurde. Am Montag vormittag sollte die Hinrichtung auf dem Hofe der Strafanstalt in Preungesheim erfolgen. Sonntag frith 5 Uhr fuhr der Gefangenenwagen mit vter Kriminalbeamten besetzt im Hofe des Militärgerichts in Frankfurt a. M., wo Müller sich befand, ein, und einige Minuten später wurde M. aus dem Schlafe geweckt und ihm die Mitteilung gemacht, daß er sich bereit halten solle, nach Preungesheim zu fahren, da er der Zivilverwaltung nunmehr ausgeliefert fet. Müller war nicht erregt; er zog seine Militärkleider an, gab dem Wachtposten die Hand und sagte zu ihm: Adieu! Wir werden uns doch kaum mehr wiedersehen." Er bat dann noch, seine übrigen Sachen und das für thn aufbewahrte Geld ihm nach Preungesheim zuge= hen zu lassen. Eine Viertelstunde später setzte sich ber Wagen in Bewegung. Unterwegs sprach Müller nur ein paar Worte; er ersuchte einen der Beamten, das offenstehende Fenster zu schließen, da er den Zug nicht vertragen könne. Sonntag morgen wurde Müller vom Gefängnisdirektor mitgeteilt, daß der Kaiser von seinem Begnadigungsrecht feinen Gebrauch gemacht habe und daß fich nunmehr Müller auf seinen letzten Gang für Montag früh vorbereiten solle. Müller, der bis dahin sehr ruhig und kaltblüttg gewesen war, der am Freitag noch geäußert hatte:" Wenn ich mir's überlege und an die Tat denke, wahrlich, ich würde es nochmals tun", war nun sehr niedergedrückt. Er gtng andauernd in seiner im Parterre gelegenen Belle einher. Er verlangte nach Gebetbüchern und um 5 Uhr nachmittags wünschte er Papier und Tinte. Dann sette er sich hin und schrieb ein langes Gnadengesuch an den Katser. Er betonte darin wiederholt seine Frömmigkeit und sprach mehr als ein Dußend Mal vom Heiligen Geist. Nachdem der Gefängnisdirektor das Gnadengesuch erhalten hatte, Iteß er es auf schleunigstem Wege der zuständigen Militärbehörde in Frankfurt zugehen, die sofort anordnete, daß die Hinrichtung vorläuftg zu unterbleiben habe. Das Oberkriegsgericht trat noch in später Nachtstunde zusammen, erklärte sich nach längerer Beratung für unzuständig und übergab die Sache felegraphisch zur Weiterbehandlung an das Retch 8= militärgericht nach Berltn. Dieses hat nunmehr darüber zu befinden, ob das Gesuch dem Katser, der sich auf einer Nordlandretse befindet, nachgeschickt wird. Ein Berichterstatter meldet noch, daß Scharfrichter Engelhardt aus Magdeburg mit dret Gehilfen am Sonntag abend in Preungesheim eingetroffen war. Er hat am Montag an der Kaffe fein Honorar in Empfang genommen und ist wieder nach Magdeburg zurückgeretst. Die Katastrophe bei Müllheim. Die Schilderung eines Zugbeamten. Ueber die Ursache der gemeldeten Entgleisung des Baseler Eilzuges in der badtschen Station Mülheim fehlen bisher noch sichere Anhaltspunkte. Nach einer Witteilung des Packmeisters Heinrich Mann aus Frankfurt, der mit dem Zugführer in dem Wagen hinter der Lokomotive die unglücksfahrt mitmachte und nur leichte Verlegungen davongetragen hatte, scheint das Unglück durch zu große Fahrtgeschwindigkett verursacht zu sein; denn der Zug fuhr mit einer Geschwindigkeit von 90 bis 95 Stilometer in die Station ein, während das vorschriftsmäßige Fabrtempo fie die Einfahrt in Haltestellen 25 Kilometer beträgt. Der Packmeister schildert der Frankf. 3tg." den Hergang des Unglücks wie folgt: Wir waren fahrplanmäßig um 8 Uhr in Basel abgefahren und näherten uns dem Signal " Langsam fahren" an der ersten Station Mülheim a. Rh., als der Zugführer zu mir sagte:„ Ich weiß nicht, der Lokomotivführer fährt mir zu schnell!" Gleichzeitig zog der Zugführer die Bremse. Da war aber auch das Unglück schon geschehen. Wir wurden in unserem Wagen mehrmals durcheinandergeworfen. Dann stand der Wagen. Es gelang mir, zuerst hinauszukommen, und ich half dann schleunigst dem Zugführer aus dem Wagen, der auf der Seite lag. Dte Lokomotive hatte sich yom Zuge losgerissen und stand mehrere Meter von den ineinandergeschobenen oder umgeworfenen Wagen entfernt im Gleise. Der erste Personenwagen war umgestürzt und versperrte das Nebengleis, während der Britte Wagen den zweiten vollständig zusam= mengedrückt hatte. Auch die folgenden Wagen waren bis auf den letzten aus den Schienen gehoben. Die getöteten Passagiere befanden sich sämtlich im zwetten Wagen. Ste waren durch die Gewalt des Zusammenstoßes so zerquetscht und verstümmelt, daß sie un= tenntlich waren. Innerhalb einer Viertelstunde wurden elf Tote aus dem Zuge gezogen. Bei den Rettungsarbeiten zeichnete sich vor allem das Müllhetmer Militär aus, das im Laufschritt aus der Kaserne an die unglücksstelle angerückt tam und mit dem Schanzzeug sofort die Rettungs- und Aufräumungsarbeiten begann. Bald traf auch ein Hilfszug mit Aerzten aus Freiburg ein. Die Schwerverletten, etwa zwanzig an der Zahl, wurden ins Müllheimer Krankenhaus gebracht. Die vorläufige Besichtigung der Unfallstelle ergab, daß sich die Schtenen entweder durch das schnelle Fahren oder die Hitze gedehnt hatten, so daß der erste Wagen aus dem Gleis sprang. Weitere Berichte von Angenzengen. Der Führer des Unglückszuges, der Lokomotivführer Platten aus Offenbach berichtete, daß er selbst nicht genau wisse, wie sich das Unglück zugetragen habe. Er habe, als er gesehen, daß der zug auf das falsche Gleis einbog, mit aller Wacht Gegendampf gegeben, fedoch ohne Erfolg. Nach seiner Ansicht müsse die selbsttätige Wagenbremse versagt haben. Er habe bis zum letzten Augenblick getan, was er gekonnt habe, um das Verhängnis abzuwenden. Das Bersonal ret= tete sich rechtzeitig durch Abspringen. Noch ein Augenzeuge, der im dritten Wagen des Zuges fuhr, bemerkte tm Moment des Unglücks nur eine furchtbare Erschütterung und sah dann, wie sich das Wagendach sentte und die Wände fich zufammenschoben, awischen denen die Netfenden vor seinen Augen zerquetscht wurden, während er wie durch ein Wunder, unversehrt blieb. Der Vorgang babe fich in unglaublich furzer Zeit abgespielt. Die meisten der Toten sind unter den Passagieren 2. Klaffe. Der erste der zertrümmerten Wagen führte nur Abteile der 2. Klasse, von deren Infassen fast niemand mit dem Leben davongekommen ist. Die Rettungsarbeiten bieten enorme Schwierigkeiten, da das Material einen einzigen unentwirrbaren Klumpen bildet. Die Trümmer mußten durch zwei Lokomotiven auseinandergerissen wer den. Man vermutet, daß noch mehr Opfer unter ihnen liegen. Die Opfer der Katastrophe. Nach amtlicher Meldung wurden bis jetzt feſtgestellt dreizehn Tote, fieben Schwerverletzte und 24 leichs ter Berlegte. Die Namen folgender Toten wurden ermittelt: Wild- Basel, Lucia Block- Chaudefonds, Theo dor Pfleiderer- Basel, neun Jahre alt, August Duthium Basel, 1870 geboren, Lydia- Geiser- Pfrondorf, Architekt Emil Müller- Schönau im Wiesentale, 40 Jahre alt, Walter Schmidt- Mithlhausen, 1897 geboren, Friedrich Sutter, Landwirt aus Hagen im Wiesentale, Johannes Geiser, 38 Jahre alt, aus Unterhausen bei Reutlingen, Karl Warthmann- Basel.- Unter den Schwerver Ietten find folgende Personen festgestellt: Rosine Frasch- Schönau, Schaffnersfrau Barthmann- Basel, Jo nas Meyer- Basel, Andreas Reinberg- Basel, Luise Burg- Pforzheim, Jakob Rumelin- Greegen, Regierungsbaumeister Nürnberger- Lörrach. Die Verlegun gen find zumeist komplizierter Natur: Ober- und Unferschenkelbruch, schwere Kopfwunden, Rippenbrüche, Unterleibsverlegungen, innere Blutungen und andere. Aus Norddeutschland sind keine Personen bei dem Zut fammenstoß verlegt worden. Nach neueren Meldun gen hat sich die Zahl der Todesopfer auf vierzehn er höht. Außer den bereits bis mittag geborgenen neun Leichen wurden nachmittags noch fünf Tote unter den Trümmern des vollständig zersplitterten Zuges hervor gezogen. Das Befinden einiger schwer Verletzten ist) fo bedenklich, daß sich die Zahl der Todesopfer noch vergrößern dürfte. Der Materialschaden tst erheblich. Die Lokomotive ist mit allen Rädern entgletst, der Backwagen ist umgestürzt, der folgende Wagen( 1. und 2. Klasse) vollständig zertrümmiert, der nächste( 3. Klasse) umgesetzt, dem vierten Wagen( 3. Selasse) wurde der Oberkasten vollständig zertrümmert durch den fünften Wagen, der auf den vierten aufgeschoben wurde. Der sechste und siebente Wagen sind beschädigt. Weitere Meldungen über die Katastrophe. Der verunglückte Zug bestand aus 8 Personenwagen, dem Gepäck- und Postwagen. Im Augenblick des Unglücks bot sich den Augenzeugen ein faum zu beschreibender Anblic. Ein markerschüttern= des Geschret durchzitterte die Luft. Frauen und Kinder wurden aus den Wagen geschleudert und bliebent mit gebrochenen Gliedern liegen, andere wieder waren zwischen den Wagen festgeklemmt und konnten erst nach längerer Beit aus ihrer schrecklichen Lage befreit werden. Die Schottersteine zwischen den Gleisen wurden bis in den Warteraum der Station geschleudert. Einzelne Bahnarbeiter, die in der Nähe der Unglücksstelle frühstückten, wurden durch Steinwürfe an den Kopf erheblich verlegt. Als das unglück in Müllheim bekannt wurde, alarmierte die Feuerwehr die ganze Ortschaft. Die Einwohner kamen mit Wagen, Automobilen usw. nach der Unfallstelle, um die Toten und Schwerverlezten zu bergen. Acht Retsende waren sofort tot, zwet starben auf dem Transport ins Hospital und dret verfchteden im Spital selbst. Der Oberkellner des Spetsewagens wurde bet dem Zusammenstoß aus dem Wagen geschleudert, blteb aber unverletzt. Die Unglücksstelle ist Burch Militär abgesperrt. Von dem Eisenbahnpersonal wurde niemand verletzt. Von den Postbeamten erTitten einige nur leichte Verletzungen. Aus einer Familte befanden sich 4 Personen unter den Trümmern. Wer trägt die Schuld? Mülheim, 18. Jult. Der Lokomotivführer und der Hetzer des verunglückten Etlzuges sind gestern verhaftet worden unter der Beschuldigung, daß sie durch zu schnelles Fahren vor der Station das Unglück verschuldet haben. Im Stationsgebäude hatte sich seit Bekanntwerden des Unglücks die Staatsanwaltschaft ein volltommenes Bureau eingerichtet. Bis zum späten Abend wurden die Beugen der Katastrophe vernommen. Hauptsächlich handelt es sich um die Frage, ph der Einstura. der im Bau Seiblichen Unterführung die unmittelbare Ursache des Unglücks oder ob der Einsturz nur eine Folge der vorher eingetretenen Entgleifung war. Müllheim, 18. Jult. Ueber das Eisenbahnunglück wird wetter gemeldet: Die Spuren der Entgleifung liegen an einer Weiche, die etwa 150 meter hinter dem Punkt liegt, wo die Lokomotive zum Halten ge= bracht wurde. Im Augenblick der Katastrophe hatte der Zug eine Geschwindigkeit von 103 Kilometern, obwohl die Baustelle nur mit 20 stilometer Geschwindigkeit befahren werden durfte. Nach Vernehmung des Zugpersonals, der Passagiere und der vernehmungsfähigen Verlegten wurde der Lokomotivführer Platten auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft, wie oben bereits gemeldet, verhaftet. Dem Lokomotivführer war der Befehl, die Baustelle nur mit 20 Kilometer Geschwindigkeit zu befahren, in Basel auch noch schriftlich zugestellt wor= den. Er behauptet, daß die Bremse versagt habe. Drahtnachrichten und neuestes. Austritt einer westdeutschen Fabrikantengruppe aus dem Zentralverband der Industriellen. Remscheid, 18. Jult. Der bergische Fabrikantenverein, eine der machtvollsten Organisationen des westlichen Industriegebietes mit über 200 bedeutenden Mitgliedsfirmen, hat in einer Vorstandssitung beschlos= sen, aus dem Zentralverbande deutscher Industrieller auszutreten. Der Verein begründet den Austritt damit, daß er die Haltung des Zentralverbandes dem Hansabund gegenüber nicht billigen könne, und spricht dem Hansabund fein Vertrauen aus. Verurteilte Krankenwärterin. Kiel, 18. Juli. Die Straffammer verurteilte die frühere Wärterin Fischer wegen Körperverlegung im Amte zu 300 Mart Geldstrafe. Sie hatte während threr Dienstzeit in der Provinzialirrenanstalt in Neustadt Schwertrante mißhandelt. Der Vertreter der Anflage hatte eine Gefängnisstrafe beantragt. Das Urteil im Mosfaner Intendanturprozeß. Mosfan, 18. Juli. In dem Prozeß gegen die Militärintendanturbeamten und die Firma Thiel hat das Militärgericht die Angeklagten zu Korrektionsstrafen von drei Jahren bis zu einem Monat verurteilt. Sieben Angeklagte wurden freigesprochen. Die Bestechungsgelder sollen eingezogen und zu wohltätigen Zwecken verwandt werden. Die Anarchie in Verften. London, 18. Juli. Dem" Standard" wird aus Teheran gemeldet: Die Lage in Schiras ist äußerst ges fahrvoll. Der Gouverneur wird in seinem Palast bes lagert, sein Leben ist gefährdet. Einige Brovinzen wer den völlig vom Aufruhr beherrscht. Stein's Garten.. Giessen Bes. C. Stein Hotel Restaurant und 1. BergnügungsEtablissement mit großem Garten Fremdenpension Mittagstisch in und außer Abonnement. Bab im Hause. Elektr. Licht. - Telephou Nr. 5. Kaiser Otto phot Kaiser Orto Ja- das ist der ächte Kaiser Otto! Allerfeinster gesündester, preiswertester Kaffeezusatz Magdeburg Neger கன Kaiser Off Restaurant Windhof. Kalte und warme Speisen zu jeder Tageszeit:: Täglich frisch Kaffeegebäck Schlitzer Auerhahnbräu, hell 3/10 Ltr. 10 Pfg., dunkel/ 10 Ltr. 12 Pfg.:: Schattig. Garten: Herrliche Turmaussicht. 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