Mit Bieriter Ben, aben erlich taunicht nzu trati eine Lichen Daher Irbei iter= Bugeg alt. 2 J. ung Lich. enfunit werden teigert: fer und m bezw. a bezw. 32 cm 0,22 fm; eichhols; oft Lich. t. Das ung r Stadt , Forst . 1911, ginnend, gen ber angels 3, 7, 9, 30,06 fm 3,65 holy ft auf der am SteinHar 1911. zet T. gen echnik, enbau. !! eich.) nrichtung anderen nicht rofDen. Wo 7. Anerken nd die . 1911 preife ehen 92 Pig. -80 " -96 n Gießez 2kg 62 Pf. t2kg 54pf sdruckere Fischer. In Gießen. Gießener Beifung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Erscheint - jeden Werktag früh.- Die„ Humoristischen Blätter" liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer. Nr. 16. Telephon: Nr. 362. Nur 50 Pfennig kostet 1 Probeabonnement. Neue Leser erhalten unser Blatt, sowie auf Wunsch einen bereits erschienenen Roman in Broschürenform bis zum 1. Februar umsonst R geliefert. --Der Verlag. er der Großherzoglichen Bürgermeisterei ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reclame teil des Großherzoglichen Polizei Amtes 50 Big., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Ausschlag. sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Donnerstag den 19. Januar 1911 wissen"; und dann in Zornesaufwallung darüber aufbrauste:„ Donnerwetter, wenn es so weiter geht, dann ist das die alte Sozialdemokratie nicht mehr, dann werden wir zum Gespött der Gegner, dann ist es wirklich sehr weit gekommen." Es ist wirklich wahr, daß es mit dem Agitationskomödienspiel der Sozialdemokraten sehr weit gekommen ist. Und dieses Komödienspiel geht auf Kosten der Arbeiter, die in politischer Unaufgeklärtheit den falschen Sirenengesängen der sozialdemokratischen Agitatoren Glauben schenken. Franz Behrens, Mitglied des Reichstages. Reichstagswahlvorbereitungen. (*) Gießen, 17. Jan. Gestern abend fand hier eine gemeinsame Sitzung der Vorstände der nationalliberalen und der freisinnigen Partei statt. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, der Vertrauensmännerversammlung der Nationalliberalen vorzuschlagen, die Kandidatur Gisevius zurück= - 33iehen und als Kandidaten den Professor Bi e r- mann aufzustellen, für den dann auch die Freisinni gen eintreten würden. Jetzt ist die Marschroute für Bund der Landwirte, dessen Mitglieder zum Teil für die anderen bürgerlichen Parteien nun gegeben. Der Gisevius eintreten wollten, wird jetzt geschlossen treten. für den deutsch- sozialen Oberlehrer Dr. Werner ein* Worms. Die Nationalliberalen haben wieder den Freiherr v. Heyl v. Herrnsheim als Reichstagskandidaten aufgestellt. Volkspartei für den Reichstagswahlkreis Homberg- Friz3iegenhain. Als Kandidat der Fortschrittl. Göttingen ausersehen. lar- Ziegenhain ist Handelskammersyndikus Dr. Laporte(*) Bensheim. Die Sozialdemokraten haben aufgestellt. Da die Nationalliberalen wahrscheinlich ihren wieder ihren früheren Reichstagskandidaten Hasenzahl Geheimrat Haas aufstellen, während von christlich- ſozialer Seite Stadtv. Rippel- Hagen zum Kandidaten selben Gegner wieder wie 1907. Lokal- Nachrichten. Gießen, den 19. Januar. er= ge= (*) Gießen. Die Vorbereitungen für die Haupttagung der Allgemeinen evangelisch- lutherischen Konferenz in Upsala sind soweit diehen, daß demnächst das Programm der Verhandlun= gen bekannt gegeben werden kann. Der Zusammen= schluß der Lutheraner, früher ein ferngerücktes Jdeal, ist, wenn auch noch nicht vollendet, so doch bereits zu einer realen Tatsache geworden. Alle Anfragen oder Anmel dungen zur Teilnahme an der Konferenz in Upsala sind zu richten an das Sekretariat der Allgem. ev.- luth. Konferenz in Miltiz bei Meißen. Die Revolution im Schlatrock. Der Wortführer der Sozialdemokraten in der Du= tenhofener christlich- sozialen Versammlung am letzten Sonntag, Herr Habicht- Frankfurt a. M.( Kandidat für Limburg), behauptete, daß sich die von den Sozialdemokraten angestrebte Revolution sehr fried lich vollziehen solle. Niemand dächte dabei an Ge= walt. Also es solle so eine Art Revolution werden, die sich gemütlich im Schlafrock und bei langer Pfeife vollzieht. Dieser Sozialdemokrat scheint, trotzdem Reichstagskandidat ist, nicht recht zu wissen, wo in der Sozialdemokratie„ Batelt den Most holt". In den m a ß- gebenden Kreisen der Sozialdemokratie denkt man erheblich anders darüber. Der s03.- dem. Abgeordnete Dr. Liebknecht ließ 1910 seine New- Yorker Rede in dem Ausspruch gipfeln:" Die Kaiserkrone wird in Deutschland bald weggeblasen, wie in Portugal." Die Revolution in Portugal vollzog sich bekanntlich mit Gewalt und Blutvergießen und ist noch nicht überwunden. Abg. Bebel sagte 1903 auf dem Parteitage:„ Ich will der Todfeind dieser bürgerlichen Gesellschaft und dieser Staatsordnung bleiben, um sie in ihren Existenzbe= wählt wurde, treffen sich bei der kommenden Wahl diedingungen zu untergraben, und sie, wenn ich kann, beseitigen. Unsere ganze Tätig= feit geht darauf hinaus, die Entwicklungsphasen abzukürzen, um die sozialistische Gesellschaft herbeizuführen". Der Herausgeber der nachgelassenen Schriften von Karl Marx, der sozialdemokratische Führer Franz Mehring schreibt:„ Die deutsche Sozialdemokratie nährt und schürt in den Herzen und Köpfen der Arbeiter die Revolution. In jedem feier= lichen Augenblick seines Lebens hat Marx an die Ge= walt appelliert; so im Kommunistischen Manifest: „ Unsere Zwecke können nur erreicht werden durch den gewaltsamen Umsturz der bisherigen Gesellschafts= ordnung"; so im Kapital:„ Die Gewalt ist die Geburtshelferin jeder alten Gesellschaft, die mit einer neuen schwanger geht"; so auf den Haager Kongresse der Jn ternationalen Arbeiterassoziation: An die Gewalt wird man appellieren müssen, um die Herrschaft der Arbeiter zu etablieren". Ein Führer der Frankfurter Genossen, Herr Wendel, hat am 1. September 1910 eine„, historisch e" Rede in Frankfurt a. M. gehalten, worin er die schändliche Mörderei der französischen Revolutionäre 1789, bei der es einfach hieß Kopf ab!", als„ richtig" lobend hervorhob, sodaß im Lande naheliegende Konsequenzen daraus geschlossen wurden. Ferner am 24. August 1910 schrieb das 3entralorg an der soz.- dem. Partei gegenüber dem Revisionisten Kolb:„ Seinen sonderbaren. Marxismus, der ihn nur die eine Seite der Marxschen Lehre, den großen Gedanken der gesetzmäßigen Entwickelung sehen läßt, während er blind vorübergeht an den Stellen, wo von der Gewalt als der Geburts= helferin jeder neuen Gesellschafts ordnung die Rede ist, wollen wir beiseite lassen."- Das sind doch sehr deutliche Beweise für den Willen zur blutigen Revolution. Wenn sich die Sozialdemokraten im Lande so lammfriedlich stellen, so ist es neben der blassen Furcht vor den Kleinkalibrigen der heutigen die Staatsordnung schützenden Regierungsgewalt, vor allen, um mit Bebel zu reden, das„ Komödienspiel der Sozialdemokrati e", mit dem„ das Ge= wissen des Volkes getäuscht werde n" ( nach Vollmar) soll. Eine Partei, die in so unaufrichtiger Weise die Wähler über ihr eigentliches Wesen, Wollen und Ziele täuscht, kann keinen Bestand ha-(*) Wetzlar. Der Taunusklub hat eine ben. Der alte Bebel hat recht, wenn er die Methode der Touren- Aenderung beschlossen und zwar wird im Fe politischen Roßtäuscherei so charakterisierte:„ Nur Ruhe, bruar eine Tour in den Schöffengrund und im April Ruhe! Kein Geräusch gemacht, bei Tage nicht und je eine Tour in das Weschnitztal und in den Hütten nicht bei der Nacht! Wir mogeln hinter verschlosberg unternommen. Der Verein zählt jetzt über 150 senen Türen, wir werden die Sache schon zu deichseln Mitglieder. (*) Gießen. Die Fabrik Bäninger hat gegen die zu hohe Heranziehung zu den Kanalgebüh= ren beim Kreisamt Rekurs erhoben, da sie der Ansicht ist, daß nur von dem Flächeninhalt der Gebäude zuzüglich Einfahrt und Anschlußgleis Gebühren zu erheben seien. Am letzten Samstag beschäftigte sich der Provinzialausschuß mit der Angelegenheit, der zu Recht erkannte, daß die Firma für 1910 nur insoweit zur Kanalgebühr heranzuziehen sei, als der ihr gehörige Grundbesitz als Fabrikhofreite in Betracht kommt. Die Kosten des Verfahrens sowie eine Verhandlungsgebühr 25 Mark hat die Stadt Gießen zu tragen. * von Friedberg, 15. Jan. In der gestrigen Kreistagssigung wurde Rechtsanwalt Dr. v. Holmolt= Friedberg zum Kreisausschußmitglied gewählt, anstelle des verstorbenen Freiherrn von Leonhardi- Großkarben. * Nieder- Seemen. Die Gemeinde, die im vorigen Jahr ein neues Schulhaus erbaut hat, hat nun auch den Bau einer Wasserleitung beschlossen. Die Arbeiten werden durch den Bauunternehmer Hardt aus Lauterbach ausgeführt.. * Wetzlar. Von Seiten des Dombauvereins ist dem bei der Baufirma Robert Schneider hierselbst beschäftigten Polier Walter Thorn als Erinnerung die Einweihung des Domes eine goldene Uhr mit Kette übergeben worden. an Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. (*) Wetzlar. Unser neuer Bahnhof fostet insgesamt 3 940 000 Mark. Für 1911 sind außer den von 1906-1910 bewilligten 2 500 000 Mark weitere 500 000 Mark im Etat eingesetzt. - Wetzlar. Bis morgen müssen die Steuererklärungen von Einkommen von mehr als 3000 Mark eingereicht sein. - Wetzlar. Schon jetzt werden Vorarbeiten un= ternommen, um die in 1915 stattfindende 100jährige Zugehörigkeit der Rheinprovinz zu Preußen festlich zu be= gehen. In unserer Stadt wird das Jahr auch nicht so flanglos vorübergehen. § Kirtorf. Nachdem unsere Gemeinde nachgewiesen hat, daß laut Quittung an die Gemeinde Ober= Gleen die zuerkannte Entschädigung bezahlt worden ist, wurde letzten Samstag vom Provinzialausschuß die Enteignung des Rechts der Röhrenverlegung in der Gemartung Ober- Gleen ausgesprochen. Marburg, 17. Jan. Die Marburger und die nachmittag anläßlich des 40jährigen Gedenktages der Gießener Burschenschaften veranstalteten heute Gründung des Deutschen Reiches im Anschluß an einen sälen. Umzug durch die Stadt einen Festkommers in den Stadtstadt verletzte Frau Keßler ist in der hiesigen Klinik geDie bei dem Familienzwist in Neustorben. * überfiel der Maurer Keßler in der Wohnung seinen Neustadt( b. Marburg), 16. Jan. Heute nacht verheirateten Sohn und seine Schwiegertochter im Bett und gab mehrere Revolverschüsse auf beide ab. Der junge Keßler erhielt einen Schuß in den Kopf und in das eine Schulterblatt, während die Frau einen Schuß in den Unterleib davontrug. Beide wurden schwerverletzt in das Marburger Krankenhaus gebracht. Der Täter ist flüchtig gegangen. Man glaubt, daß er in angetrunkenem Zustand gehandelt hat. Weiterbau der Kreisbahn Marburg- Dreihausen hat beMarburg. Das Eisenbahnkomitee für den schlossen, die Fortführung nach der Station Mücke an der oberhessischen Eisenbahn energisch zu betreiben. Die neu zu bauende Strecke ist ungefähr 25 Kilometer lang. § Jlbenstadt. Ein in unserer Gemeinde wohnhafter Arbeiter Lucas war nur einige Tage zu Bruchenbrücken in Arbeit, wurde dann krank und mußte im Bürgerhospital zu Friedberg verpflegt werden. Die Verpflegungskosten belaufen sich auf 219,80 Mt. Da unsere Gemeindeverwaltung der Ansicht war, daß die Krankenkasse zu Bruchenbrücken die Verpflegungskosten zu vinzialausschuß verhandelt. Derselbe hat nun in seiner zahlen habe, wurde die Angelegenheit vor dem Proam letzten Samstag stattgefundenen Sitzung beschlossen, daß Jlbenstadt doch diese Verpflegungsgelder zu zahlen hat. * Darmstadt. Der frühere langjährige Direktor der Kgl. Lehranstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau zu Geisenheim a. Rh., Landesökonomie rat Goethe ist hier nach kurzem, schweren Leiden im 68. Lebensjahre gestorben. Der deutsche Obstbau verliert in dem Verstorbenen einen seiner eifrigsten und verdienst= vollsten Förderer. Darmstadt, 17. Jan. Ermordet aufgefunden wurde heute früh im Hauſe Bessungerstraße 86 die achtjährige Susanne Traub. Diese wurde seit Montag vermißt und heute früh durch einen Polizeihund in einem Sack auf dem Boden des Hauses gefunden. Mainz. Die beiden Präsidenten des Mainzer Karnevals, die Herren Dr. Reen und Glotzbach, hatten ihn gestern eine Audienz beim Großherzog, um zu einer Herrensizung sowie zum Rosenmontags- Zuge einzuladen. Der Großherzog hat sein Erscheinen in Aussicht gestellt. § Hungen. Der hiesige Schlossermeister Otto Ebersohn hatte einen Lehrling nach 2½ jähriger Lehrzeit. H. entlassen und die Ausstellung eines ordnungsmäßigen Zeugnisses verweigert. Der Vater des Lehrlings wandte sich an die Handwerkskammer nach Darmstadt und nun stellte sich heraus, daß Ebersohn überhaupt keinen Lehrvertrag abgeschlossen hatte. Auf eine Anfrage der Kammer, warum er den Lehrling entlassen habe, gab er keine Antwort, so daß diese schließlich sich genötigt sah, bei Gr. Kreisamt Gießen Antrag auf Entziehung der Befugnis zum Anleiten von Lehrlingen zu stellen. Das Kreisamt entsprach diesem Antrag auf Grund von Ermittelungen, die insbesondere auch ergaben, daß der fragliche Lehrling sehr viel zu Hausarbeiten, landwirtschaftlichen Verrichtungen 2c., verwendet worden war. Ebersohn verfolgte Rekurs an den Provinzial- Ausschuß, der zwar von einer Entziehung der fraglichen Befugnis absah, aber die Erwartung aussprach, daß Ebersohn für die Folge seinen gesetzlichen Verpflichtungen mehr wie seither nachkomme. Die Ko( Fortsetzung folgt auf der 4. Seite.) Reichstag und Zuwachssteuer. geber, die 50% zusteuern müssen. Dieser Zwang wird auf die Gehaltsgestaltung einen wesentlichen Einfluß ausüben, da er den Etat eines großen Hauses schwer belastet. Der Entwurf wirò einer gründlichen Umarbeitung bedürfen. Rundschau vom Cage. Politisches. Der Neichstanzler und seine Gattin gaben am Montag abend in Berlin ein Essen, zu dem das Präsidium des Reichstags, die Fraktionsvorstände der bürgerlichen Parteien und zahlreiche hohe Staatsbeamte Einladungen erhalten hatten. Der Abend erhielt sein besonderes Gepräge durch die Anwesenheit des kaiserlichen Statthalters in Elsaß- Lothringen Grafen v. Wedel. Das Gespräch drehte sich sowohl während der Tafel wie auch später in der Hauptsache um den neuen vom Reichskanzler eingebrachten elsaßlothringischen Gesezentwurf, wie auch um die Reichswertzuwachssteuer. Der Reichskanzler ließ in Gesprächen mit den Abgeordneten erkennen, daß er großen Wert auf das Zustandekommen der beiden Gesetzentwürfe legt. Der frühere Staatssekretär Dernburg beharrt auf seiner Weigerung, ein Reichstagsmandat bei den nächsten Wahlen anzunehmen, obwohl ihm Kandidaturen aus den verschiedensten Teilen des Reiches fortwährend angeboten werden. Er ist gegenwärtig mit dem Abschluß der Niederschrift seiner Eindrücke und Erfahrungen auf der Ostasienreise beschäftigt. Die Nachricht, daß er noch einmal nach China gehen werde, namentlich um Kiautschou zu besuchen, entbehrt der Begründung. Die Beratung der Zuwachssteuervorlage ist auch am Dienstag nicht vom Fleck gekommen. Es kam zunächst die Reichspartei zum Wort, die durch den Abg. Dirksen thre Zustimmung zur Vorlage im Interesse der Veteranen ertlären ließ. Es sei nicht richtig, daß die Vorlage einseitig agrarisch set, aber man könne den ländlichen Grundbesiz nicht genau so behandeln wie den städtischen. Der Pole Seyda erklärte, daß seine Freunde der Vorlage mit gemischten Gefühlen gegenüberständen. Die Scheidung des unverdienten Wertzuwachses von dem durch redliche Arbeit verdienten werde sich nicht durchführen lassen. Abg. Raab von der Wirtschaftlichen Vereinigung stimmte der Vorlage ihrer sozialen Gerechtigkeit wegen zu, ebenso der Abgeord. Werner von der Reformpartei. Der Abg. Südefum( Soz.) erflärte, die Veteranenfürsorge dürfe nicht vom Zustandekommen der Zuwachssteuer abhängig gemacht werden. Wenn „ der schwarzblaue Block" für die Wahlagitation eine Befitzsteuer brauche, dann solle er eine wirkliche machen. Lieber gar feine als eine solche Steuer! Nach ihm warnte Staatssekretär Wermuth nochmals vor Annahme von weiteren Abschwächungsanträgen, da sowieso beispielsweise in Preußen von über 6 Millionen steuerpflichtigen Personen reichlich 4 Millionen nicht unter das Gesetz fallen und es nicht angängig sei wenn das Gesetz überhaupt noch Wert behal= ten soilte, weitere 600 000 in das goldene Reservat der Steuerfreiheit hinüber zu schieben. Der fortschrittliche Abgeordnete Neumann- Hofer ist erfreut darüber, daß der Gedanke der Wertzuwachssteuer Allgemeingut geworden ist. Die wirkliche Besitzsteuer sei aber die Erbschaftssteuer. Bei den vielen Abschwächungsanträgen sei Gefahr vorhanden, daß die Steuer überhaupt keinen nennenswerten Ertrag bringt. Als Vertreter der Bergbauinteressen tritt Herr Vogel von den Nationalliberalen auf. Die Bergwerksanteile sollten allgemein frei bleiben, denn gerade die Bergwerke unterItegen sehr oft starken Wertminderungen, z. B. durch Naturereignisse. Was hat, so erklärt der Redner, nicht schon alles der Bergbau an Lasten zu tragen! Wollen Sie ihn ganz ruinieren? Kommen Sie uns bloß nicht mit der Schablone! Dann holt Herr Arendt von der Reichspartei noch einmal zu einer großen Rede aus, in der er alle seine Bedenken zusammenfaßt. Er fürchtet, daß die eigentlichen Millionenspekulanten, die man treffen will, sich drücken, und daß schließlich der kleinere und mittlere Grundbesitz die ganzen Kosten zu zahlen hat. Noch schärfer freilich ist das Urteil, das er über die Technik des Gesetzes fällt; noch niemals sei ihm ein so schlecht ausgearbeitetes Gesetz vorgekommen, und er glaubt dem Reichstag nicht zu nahe zu treten, wenn er behauptet, daß kein halbes Dutzend Abgeord= neter in alle Einzelheiten eingedrungen sind. Die meisten hätten sogar zugegeben, daß sie nur bis§ 4 gekommen seien, dann aber ihre Auffassungsgabe versagt habe. Er hält es deshalb für das Zweckmäßigste, das Gesetz jetzt nochmals an eine besondere Kommission zu verweisen, die es aus dem Unverständlichen ins Deutsche überträgt. Die sachlichen Bedenken, die er geltend macht, entkräftet der Schazsekretär. Er stellt fest, daß Herr Arendt 1909 für die damals in der Kommission ausgearbeitete Vorlage gestimmt habe, obwohl lie dreimal so scharf gewesen sei, wie die jetzige. Wenn also, so meint Herr. Wermuth mit feinem Spott, die Vorlage wirklich so ruinos war, dann hätte doch Herr Arendt schon damals das Wort nehmen müssen, um unsern Grundbesitz zu schüßen. Und dann wiederholt der Schatzsekretär die Warnung, nicht zu weichherzig zu sein, und nichts von den Erträgen des Gesetzes abzustreichen. Nachdem schließlich noch Graf Westarp sich für die Vorlage geäußert und der Zentrumsabgeordnete von Savigny eine Erhöhung der stener= freien Grenzen beim Werte des Objekts von 20 000 auf 30 000 M und von 5000 auf 10 000 M gefordert hatte, vertagte sich das Haus auf Mittwoch. Privatbeamtenversicherung und Reichstagsparteien. Deputiertenkammer mißt man dem Revolverattentat teine politische Bedeutung bei. Kleine Nachrichten. Papst Pius hat am Dienstag einen Gichtanfall erlitten. Im Laufe des Tages hat sich das Befinden des Patienten zwar gebessert, doch wurden auf Anordnung der Aerzte alle Empfänge und Audienzen abgesagt. Ein brennender Schlafwagen. In dem Frühschnellzuge Zürich- München geriet gestern nacht unterwegs ein Schlafwagen in Brand. 3wet Abteile sind vollständig ausge brannt. Die Retsenden konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Der Brand ist darauf zurückzuführen, daß am Bahnhof Lindau die eingefrorene Dampfheizung mit Fackeln aufgetaut worden war. Die Reichsversicherungskommission ist vor eine folgenschwere Entscheidung bei dem von ihr in erster Lesung abgelehnten§ 343 der Reichsversicherungsordnung gestellt. Nach diesem Paragraphen der Regierungsvorlage soll der Vorstand der Landkrankenkassen nicht wie bei den Ortsfrankenkassen aus einer Wahl hervorgehen, sondern durch den Gemeindeverband bestellt werden. Der Staatssekre= tär des Innern verlangt die Wiederherstellung dieses Paragraphen und erklärte amDienstag im Auftrag der Verbündeten Regierungen, daß die ganze Reichsversicherungsordnung ohne den§ 343 unannehmbar sei. Auch eine wesentliche Abänderung dieser Bestimmung der Regierungsvorlage könne nicht angenommen werden. Es komme auch nicht etwa die Verabschiedung eines Teiles der Versicherungsordnung in Frage, denn die Verbündeten Regierun= gen müßten auf das Ganze verzichten, wenn auch nur einzelne Teile aus der Versicherungsordnung in Wegfall fämen. ge= fere größ Teger etwa der einfo der i verfe 20. 1 mach fiber den der befta die Kam fpred aus Kaffe weite prnd Bean ötgte der Revi buchta terich Jahre 1910 Am 2 Stell Posta Der gebra Die Amts All. D fängn Für 40 000 Mark Haare wurden in einem Düsseldorfer Friseurgeschäft gestohlen. Die Diebe sind unerkannt entkommen. Man vermutet jedoch, daß es sich um dieselben Verbrecher handelt, die, wie wir meldeten, in der Nacht zum 14. d. Mits. in Frankfurt a. M. ebenfalls in ein Friseurgeschäft einbrachen. Immer mehr Opfer der Rodelei. Auf der Rodelbahn in Haynau in Schlesien erlitten eine junge Dame und ein Weißgerber schwere Verletzungen beim Rodeln, ferner brach ein Schulmädchen ein Bein. Bei Zobten verunglückten sechs Personen. Auch aus Striegau, Goldberg, Ratibor und an= deren Orten werden Rodelunfälle gemeldet. Eine Doppelhinrichtung hat Dienstag früh in Insterburg stattgefunden. Die Delinquenten waren zwei vom Schwurgericht in Insterburg verurteilte russisch- polnische Landarbeiter, die ihren Arbeitskollegen im August vorigen Jahres getötet und beraubt hatten. Die preußisch- hessische Eisenbahngemeinschaft hat jetzt eine gesamte Schienenlänge von 36,923,000 Kilometern, also 800 Kilometer mehr als im Vorjahre. Die Zahl der Stationen ist um 189, im ganzen auf 17,102 gestiegen. Die Betriebseinnahmen beziffern sich auf 2,029,594,986 M, dies sind 119,357,965 M mehr als im Vorjahre. Die Steigerung beträgt also 6,25 Prozent. Der Betriebsüberschuß von 629,321,670 M gegen 484,839,585 M im Jahre 1908 ist um 144,482,085 M, also 29,80 Prozent gestiegen. Das ist eine außerordentliche Steigerung, die zum Teil auf den Güterverkehr, zum Teil auch auf den Personenverkehr zurückzuführen ist. An Personen wurden im letzten Jahre befördert 1,039,657,616, was eine Steigerung gegen das Vorjahr um 8,82 Prozent ist. Eine Berliner Korrespondenz hat Veranlassung nommen. nach der nunmehr erfolgten Veröffentlichung des Entwurfs über die Privatbeamtenversicherung Vertreter der Reichstagsparteien über die Stellungnahme zu diesem Entwurfe zu fragen. Im allgemeinen hat dieser enttäuscht, und man glaubt, daß den Wünschen der Angestellten mit diesem Gesetze nicht genügend entgegengekommen wird. Zunächst wird die unklare Fassung des§ 1 getadelt, aus dem nicht klar hervorgehe, welche Angestellten unter das Gesez fallen. Ferner sind die Beitragsleistungen für die Minderbemittelten viel zu hoch bemessen, und die Renten erreichen nicht diejenige Höhe, auf die man in Kreisen der Angestellten ge= rechnet hatte, im Durchschnitt betragen sie nur 30% des Durchschnittgehalts. Dazu kommt, daß die Altersgrenze mit 65 Jahren zu hoch gegriffen ist. Nimmt man an, daß ein Angestellter mit 1500 M Gehalt seine Laufbahn beginnt und allmählich ein Höchstgehalt von 3600 M erreicht, so zahlt er in den ersten Jahren 57, später bei Gehaltssteigerungen 70--80 M, in älteren Semestern 100-120 M. Durchschnittlich wird er in 40 Jahren 3500 M gezahlt haben, die gleiche Summe seine Chefs. Hierfür erhält er eine Rente von rund 900-1000 Mim Jahre, und zwar erst nach Erreichung des 65 Lebensjahres. Seine Witwe wird selten mehr als 600 Mim Jahre erhalten können, meistens bedeutend wenizer. Bedenken erregt auch die hohe Belastung der ArbeitDer Familienschmuck der Wallutjeffs. Kriminalroman von Freifrau G. v. Schlippenbach. ( Nachdruck verboten.) 9) Vier junge Mädchen vermißt. In Barmen sind seit einigen Tagen vier schulentlassene, hübsche Bürgertöchter verschwunden. Es wird ein Verbrechen vermutet. Die Behörden haben eingehende Nachforschungen angestellt. Ein Vater und Sohn im Straßengraben erfroren. blinder wandernder Korbmacher legte sich mit seinem zwölfjährigen Sohne, von Müdigkeit überwältigt, bei Biringen unweit Trier in einen Straßengraben. Beide wurden gestern erfroren aufgefunden. Im österreichischen Abgeordnetenhause verlas Ministerpräsident Freiherr von Bienerth unter großer Unruhe seitens der Tschechisch- Radikalen das Programm der neuen Regierung. Er erklärte, daß der Kurs der neuen Regierung der alte bleibe, und daß das wichtigste Prinzip der neuen Regierung das Festhalten an der allen Einflüssen entrückten Objektivität und Unparteilichkeit der Verwaltung bilde. Ihr Hauptaugenmerk werde die Regierung auf die Lösung der böhmischen Frage lenken, die trot aller Mißerfolge immer von neuem versucht werden müsse. Stumm legten sie den Weg zur russischen Kapelle zu= tüd, denn die Tote durfte nicht in dem von Gästen überfüllten Hotel bleiben, weil der Wirt dadurch geschädigt zu werden fürchtete. Erstickt sind in Magdeburg infolge eines durch einen Kanonenofen ausgebrochenen Brandes zwei allein gelassene kleine Kinder eines Arbeiters. Infolge Explosion einer Lampe in der Wohnung eines Arbeiters in Hagenau verbrannten drei Kinder desselben in Abwesenheit der Eltern. Zwet starben bald darauf im Krankenhause, das dritte liegt bedenklich verbrannt darnieder. Ein Familiendrama hat sich gestern in Zeulenroda bet Greiz abgespielt. Dort erschoß der Hilfsarbeiter Weber seine 16jährige Stieftochter, mit der er ein Liebesverhältnis unterhielt, ferner deren 2 Monate altes Kind und schließlich sich selbst. Wissenschaft, Kunst und Literatur. Eine kostbare Büchersammlung unter dem Hammer. Die bedeutsamste Bücherauktion, die je in Amerika abgehalten wurde, wird im Frühjahr dieses Jahr stattfinden, wenn die berühmte Sammlung der Bibliophilen Robert Hoe in Neuyork bei Andesson unter den Hammer kommt. Sachver ständige schätzen bereits heute den Erlös der Bibliothek Hoe auf wenigstens 4 Millionen Mark. Die Versteigerung wird nicht weniger als 2 Monate in Anspruch nehmen, da die Bibliothek nicht im ganzen, sondern in einzelnen Partien ausgeboten wird. Hoe hat fünfzig Jahre gebraucht, um seine kostbare Bibliothek zusammenzubringen, und nach den Schäzungen seiner Freunde hat er wohl gegen 2 Millionen Mark für seine Bücher angelegt. Aber darunter befindet sich eine lange Reihe kostbarer Raritäten, die zum Teil für gewaltige Summen bereits unter der Hand verkauft wor= den sind. Besonders reichhaltig ist die Sammlung alter englischer Drucke aus dem 17. Jahrhundert wie auch der illustrierten Manuskripte, für die Hoe eine besondere Netgung hatte. Mit Ausnahme von Pierpont Morgan verfügt teine amerikanische Bibliothek über so seltene Schätze, und man sieht voraus, daß um den Kauf im Frühjahr heiße Kämpfe entbrennen werden. Noch vor einigen Jahren ließ Hoe einen Katalog ausarbeiten, der zwar nicht zu Ende geführt wurde, in dem aber trotz seines fragmentarischen Zustandes über 21,000 alte Bücher aufgeführt sind. Ein Attentat auf den französischen Ministerpräsidenten wurde während der gestrigen Sigung der Deputiertenfammer verübt. Von der Zuschauertribüne herab wurden zwei Revolverschüsse auf den Ministerpräsidenten Briand, der auf der Ministerbank saß, abgefeuert. Briand blieb unverletzt. Der Direktor des Armenwesens, Mirman, wurde an der Wade verwundet. Der Angreifer wurde festgenommen. Er ist ein ehemaliger Gerichtssekretär namens Gizolme. Er befand sich vor wenigen Tagen in einem Irrenhause in Paris. Er wurde seiner Familie zurückgegeben, da die Aerzte, welche ihn als Neurasthenifer ansahen, ihm möglichst viel Zerstreuung zu bieten empfahlen. Zu diesem Zweck hatte man ihm auch eine Karte zu der Kammersizung gegeben. Er soll erklärt haben, er werde sich nun amüsieren können. Mit derselben Motivierung hat er vor mehreren Jahren zwei Revolverschüsse auf einen Konsul in San Sebastian abgefeuert. In den Kreisen der Es ist zwei Stunden später. Der Sohn hat am Sarg der Mutter gebetet, jetzt sitzt er im ernsten Gespräch mit dem Juwelier da. Noch ein anderer Herr ist da, derselbe, der mit einem Regenschirm in Häuserlings Laden trat, gerade in dem Augenblide, als Andrei am Abend des 24. Oktobers im Auftrage der verstorbenen Gräfin den Schmuck der Wallutjeffs abholte. Die durchdringenden Augen des fremden Herrn blickten Jegor scharf an, dann stellte er sich dem Grafen vor. „ Mein Name ist Henri Clairon! Ich bin der Neffe des Juweliers Häuserling, Geheimpolizist von Profession. Darf ich mich Ihnen zur Verfügung stellen?" „ Ich glaube, Sie können niemand finden, der geeig= neter wäre, das düstere Geheimnis zu klären," warf Häuserling ein ,,, mir sind verzweifelte Kriminalfälle bekannt, bei denen Henri in anscheinend undurchdringliches Dunfel Licht brachte. Sie glauben nicht, welchen Spürsinn er besitzt." Ueber das glatt rasierte Gesicht des also Gelobten glitt ein spöttisches Lächeln, es hieß soviel als:„ Was euch unentwirrbar scheint, ist mir möglich." Clairon schüttelte sie herzhaft. „ Das wäre also abgemacht," sagte Häuserling zufrie= den. Jetzt gestatten Sie wohl, daß mein Neffe Sie mit den Begleitumständen des an Ihrem Diener verübten Mordes befannt macht." ,, Gut, ich engagiere Sie," sagte Wallutjeff ,,, ich biete Ihnen fünftausend Rubel Honorar, wenn Sie mir zu dem Schmucke verhelfen und den Mörder fangen. Selbstredend stelle ich Ihren unbegrenzten Kredit für Ihre Reisen und alles, was Sie brauchen, zur Verfügung, damit Ihre Nachforschungen mit Erfolg gekrönt werden." „ Ich bitte darum. Aber können Sie mir nicht erklären, wodurch man die Persönlichkeit des Ermordeten feststellte?" fragte der Graf. Mit einem bittenden Blick hielt Wallutjeff dem Ge= heimpolizisten die Hand hin. „ Sehr einfach. Man fand ein Taschentuch bei ihm, das seinen vollen Namen trug. Außerdem kannte ihn der Schaffner aus Luzern her, da Andrei öfters kleine Fahrten für seine Herrin auf der Eisenbahn machen mußte. Seinen Paß fand man später in der Brusttasche seines Ueberziehers. Die grausige Tat muß bald hinter Zürich geschehen sein. In dem Abteil erster Klasse war eine besondere Abteilung mit einer langen gepolsterten Bank. Der Schaffner sagte aus, daß Andrei ihm ein reichliches Trinkgeld gab, um die Nacht allein bleiben zu dürfen. Aus den Gerichtssälen. In dem Schwurgerichtsprozeß wegen der Moabiter Kra: walle wurde die Zeugenverr hmung auch am Dienstag noch fortgesetzt. Man hofft zuversichtlich, den Prozeß noch in dieser Woche zu Ende zu führen. Die Zeugenvernehmung bringt im allgemeinen eine Wiederholung der Aussagen, die die Zeugen bereits vor der Straffammer gemacht haben. Die Tragödie eines höheren Postbeamten. Ein bis vor furzem hochangesehener höherer Beamter der Post namens Kämmerer, der sich im Oktober v. J. der Staatsanwaltschaft selbst gestellt hatte mit der Angabe, daß er seit Jahren der ihm unterstellten Kasse bedeutende Beträge entnommen und für sich verwendet habe, stand nunmehr vor dem Schwurgericht in Nürnberg. Der Angeklagte war sett 1867, also seit 43 Jahren im Postdienst tätig und seit 1903 Kas., und hat der Schaffner keinen anderen Reisenden in dem Wagen bemerkt?" ,, Doch, eine alte Dame, die sehr gebrechlich schien und um gehen konnte; ste tommt nicht in Betracht." ,, Was haben Sie sonst noch erfahren?" forschte der Graf weiter. Der Mord muß verübt worden sein, als Andrei schlief. An der Leiche waren die Spuren von Fingern zu sehen, welche ihm die Kehle zugeschnürt hatten, ein Knebel verschloß den Mund. Der Mord ein tödlicher Stich-- war durch ein scharfes Instrument ausgeführt; gerade ins Herz hat die Waffe getroffen. Ob es ein Dolch oder ein spizzes Messer war, ließ sich nicht feststellen." Nach allem zu schließen, war der Mörder gut unterrichtet," sagte Graf Wallutjeff. Jrinja versicherte, daß weder Andrei noch sie mit irgend jemand über den Schmuck und den Zweck der Reise des Dieners gesprochen hätten. Noch während sie dies erklärte, durchzuckte ein Gedanke ihr Hirn. „ Und die nebenan sitzende Dame hat nichts gehört?" ,, Sie konnte es nicht, denn sie war stoctaub, wie der Schaffner mir sagte, und sie schlief während der Fahrt. Sie fiel fast um, so schwach war sie auf den Füßen." „ Ich will die Kammerfrau meiner Mutter fragen, ob sie nicht Verdacht auf einen Dienstboten des Hotels hat. „ Jegor Alexejewitsch, es ist nur eine Möglichkeit vor Handen," sagte die Zofe. ,, Eben erst fällt es miz ein, daß meine selige Herrin und ich am Abend des Tages vor Andreis Abreise eingehend über seinen Auftrag redeten und zwar am Ende der Seepromenade auf einer Bank." Irinja erzählte nun genau alles, wie es sich zugetra= gen. Sie sprach auch über das Geräsch hinter der Bank in dem dichten Buschwerk, und daß sie geglaubt, es sei eine Kaze gewesen. Ich bin überzeugt, daß Sie belanscht wurde," meinte Clairon.„ Salt!" rief er nach einer Weile scharfen Nachdenkens, ich bin auf der Spur, wie ich hoffe. Morgen u mdiese Zeit werde ich Ihnen mehr sagen können. Ich muß zu den Redaktionen eilen, die Zeitungen sollen mir helfen." ,, Was werden Sie tun?" rief Wallutjeff gespannt. Warten Sie es ab," lautete die Antwort. Jegor war todmüde und doch blieb ihm noch eine ernste Pflicht übrig, er wollte den Ermordeten sehen. Man hatte Andrei in die Totenkammer des Gerichtsgebäudes gebracht. Erschüttert stand der Graf an der Bahre, auf der die Leiche des treuen Dieners lag. Seine Züge trugen einen friedlichen Ausdruck; der Tod mußte ihn tatsächlich im Schlafe ereilt haben. Nun lag der Hüne lang gestreckt da. Der Mund war stumm, der dem Knaben Alerejewitsch alle die schönen Volkslieder vorgesungen hatte, die fräftigen Hände, die den Sohn seiner Herrschaft so oft gelieblost hatten, lagen starr und leblos gefaltet. Lange stand Wallutjeff vor der Leiche. Er betete, daß Gott dem feigen Mörder die aerechte Strafe für sein Verbrechen erleiden lassen möge. ( Fortsetzung folgt.) 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Und doch hat er seit dem Jahre 1904 aus der Kasse etwa 40 000 Mart entwendet, und zwar geschah dies trotz der Revisionen in einer ebenso öreisten wie verhältnismäßig einfachen Weise. Kämmerer hatte bie vereinnahmten Gelder in das Postkassabuch einzutragen und ebenso den Giroverkehr der Post mit der Hauptbank zu erledigen. Am 10., 20. und letzten Tag jeden Monats mußte er Kassensturz machen und die Kassenbücher abschließen. Die Nachweise über den Kassensturz mußten der Oberpostdirektion samt den Kassenbüchern vorgelegt werden. Nun manipulierte der Angeklagte in folgender Weise. Er setzte stets den Barbestand der Kasse um so viel höher ein, als der durch die Unterschlagungen entstandene Fehlbetrag ausmachte. Kam der Revisionsbeamte, so trug Kämmerer einen entsprechenden Betrag als Vorschuß an die Postanweisungsauszahlstelle in die Ausgabe ein, und somit stimmte der Kassenbestand mit dem Kassensoll. Während der Revisor weiter revidierte, was ungefähr eine Stunde Zeit in Anspruch nahm, entnahm Kämmerer hinter dem Rücken des Beamten den eingetragenen Vorschuß der Kasse und händigte ihn dem Schalterbeamten gegen Quittung aus. Bei der darauf folgenden Kontrolle des Schalters durch den Revisionsbeamten ergab sich dann natürlich, daß der verbuchte Vorschuß auch wirklich geleistet war. Damit die Unterschleife nicht entdeckt wurden, hatte Kämmerer seit dem Jahre 1904 feinen Urlaub mehr genommen. Im Oktober 1910 wurde er veranlaßt, das doch endlich einmal zu tun. Am 24. Oktober sollte er früh morgens die Kasse seinem Stellvertreter übergeben. Er erschien aber nicht auf dem Postamt sondern stellte sich freiwillig der Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte gab an, daß er für seine Person wenig gebraucht, daß ihn aber seine Familie viel gekostet habe. Die Geschworenen erfannten den Angeklagten schuldig der Amtsunterschlagung, billigten ihm aber mildernde Umstände Aut. Das Urteil lautete auf zwei Jahre, zwei Monate Gefängnis. Vermischtes. Kaiserliche Auszeichnung eines zwölfjährigen Knaben. Eine ganz besondere Auszeichnung durch den Kaiser ist dem zwölfjährigen Sohne Fritz des Polizeibeamten Deblih in Tilsit zuieil geworden. Im April v. J. geriet der sechsjährige Sohn des Bauhofwächters Mäding beim Spielen am fiskalischen Hafen in die Gefahr des Ertrinkens. Der Kleine war i ndas Wasser gefallen, aber zahlreiche am Ufer stehende erwachsene Personen taten nichts für die Rettung. Da eilte der Schüler herbei, sprang mit voller Kleidung in das Wasser und brachte den mit den Wellen kämpfenden Jungen mit eigener großer Lebensgefahr glücklich aufs Trockene. Im Hinblick darauf, daß sich die Erwachsenen untätig verhielten und sich durch einen Schultnaben beschämen ließen, hat der Kaiser dem jugendlichen Lebensretter die Erinnerungsmedaille für Rettung Gefahr verliehen. Die Dekoration wurde ihm in der Schule in Gegenwart des Lehrers und des Rektors überreicht. Bei Erreichung des 18. Lebensjahres wird die Verleihung der Rettungsmedaille am Bande nachfolgen. aus Täglich 1000 Mark Steuern zahlt der Höchstbesteuerte der Berliner Bürger. Er verfügt über ein jährliches Eintommen von 3.6 Mill. und ist mit 144,200 Mr. zur Staatseinfommensteuer veranlagt. Dieser Zensit zahlt einschließlich der Gemeindeeinkommensteuer, Ergänzungssteuer und anderen Steuern in Berlin an Steuern täglich das er= wähnte Sümmchen von 1000 Mark. Der Zweithöchstbesteuerte mit 2.8 Mill. Mark Einkommen zahlt 112,400 Mart Staatseinfommensteuer, der Dritte mit 2.6 Mill. Mk. muß 103,800 Mt. Staatseinkommensteuer entrichten, der Vierte mit 2 Mill. Mark fommt mit 80,800 Mart Staatseinfommensteuer davon, der Fünfte hat noch 69,000 Mark, der Sechste 68,800 Mt., der Siebente 67,400 mt., der Achte 66,400 Mf., der Neunte 66,200 Mt. und der Zehnte 58,800 Mt. Staatseinkommensteuer für 1,470,000 Mark Einkommen zu zahlen. Umgangssprache Lateinisch. Auch in Oesterreich sandte man jüngst Boten aus, um die Häupter der Staatsange= hörigen zu zählen. An einem der letzten Tage waren nun die Revisoren in Wien an der Arbeit, um die zum Teil mangelhaft oder unrichtig ausgefüllten Anzeigebogen für die Volkszählung durch mündliche Vernehmung der Parteien zu ergänzen und zu berichtigen. Auf einem Anzeigebogen war als Umgangssprache„ Lateinisch" angegeben. Der Revisor ließ die Partei, einen kleinen Schneidermeister, holen. Revisor: Sie haben da Lateinisch als Umgangssprache angegeben? Was soll das heißen?" Partei:„ Ale, bitt' ich Ihnen, ist doch richtig. Beim ,, Umgang" ( Prozession), was alle Jahr durch unsere Gassen geht, wird doch Lateinisch geredet." Natürlich brachten solche Spässe in die harte Arbeit der Revisoren etwas Heiterkeit. - Jm Alter von 102 Jahren vor Schreck zu sterben, ist gewiß ein eigen, wenn nicht gar einzigartiges Schicksal. Vor einigen Tagen brach in einem Pariser Greisenasyl ein Brand aus, so daß die gebrechlichen Insassen in aller Eile anderweitig hin überführt werden mußten. Der Schreck wirkte bei vielen von diesen alten Leuten gewaltig nach und die, wenn der Ausdruck erlaubt ist, Nestorin unter ihnen, die Mutter Duc, die am 18. Februar 1809 das Licht der Welt erblickt hatte, konnte sich nicht wieder erholen und ist am Sonntag gestorben. Wie weit hätte sie es wohl ohne diese erschütternde Katastrophe bringen können? Ein räiselhafter Mord wurde Dienstag früh in dem Hause Bessunger Straße 86 in Darmstadt entdeckt. Die etwa 9 Jahre alte Tochter Susanna der Eheleute Traub, die seit Montag nachmittag vermißt wurde, fand man tot in einen Sack eingenäht auf dem Boden des Hauses unter Seegras und Stroh versteckt vor. Das Kind war Montag nachmittag zur Schule gegangen, war aber dort nicht eingetroffen. Es liegt vorläufig kein Anhaltspunkt über die Tat vor. Die Eltern sind tagsüber auf Arbeit, und nur die Mutter kommt zum Mittagessen nach Hause. Es ist noch ein zweites, 11jähriges Mädchen vorhanden, das seine Schwester gegen 2 Uhr in der Nähe des Hauses gesehen hat. Nach den bisherigen Ermittelungen kann die Tat nur eine mit den Verhältnissen des Hauses wohl= vertraute Person verübt haben. Ein Sittlichkeitsverbre= chen liegt nicht ver. Die Sektion der Leiche erfolgt am Mittwoch vormittag. Das Telegraphiedenkmal in Bern. Bei dem Wettbewerb für die Errichtung eines Denkmals in Bern, das die Gründung der Internationalen Telegraphie- Union verewigen soll, hat bei der Prüfung im vergangenen Sommer feiner der eingereichten Entwürfe den Beifall der internationalen Juru gefunden. Die Schweizer Regierung hat nunmehr das Programm zu einem neuen Wettbewerb ausgearbeitet. Die Teilnahme an der Konkurrenz steht den Künstlern aller Rationen offen, die Entscheidung liegt in den Händen eines Preisgerichts, das sich aus Künstlern aller Großstaaten zu= sammensetzt. Dem Künstler, dessen Entwurf die Stimmenmehrheit errinot, wird auch die Ausführung des Denkmals übertragen; dazu werden ihm 170 000 Fres. zur Verfügung gestellt, mit denen alle Kosten bestritten werden müssen, ausgenommen die Transportkosten, die Zölle und die Ausgaben für die Terrainregulierung, die die Schweizer Regierung trägt. Der Jury find 20 000 Frcs. zur Verfügung gestellt zur Gewährung von Trostpreisen an jene Künstler, die an der Konkurrenz teilgenommen haben. Eine Namensänderung der Frau Hofrichter. Frau Hofrichter, die Gattin des bekannten Oberleutnants Hofrichter, der durch Giftbriefe einige Generalstabsoffiziere aus dem Weg schaffen wollte, hat jetzt Schritte unternommen, um eine Aenderung ihres Namens herbeizuführen. So lange Frau Hofrichter an die Unschuld ihres Gatten glauben konnte, lehnte sie es entschieden ab, aus der Beschuldigung daß Hofrichter der Absender der Giftbriefe set, irgend welche Konsequenzen zu ziehen. Nach dem Urteil war sie auch nicht von der Schuld ihres Gatten fest überzeugt, da der Indizienbeweis ihr nicht schlüssig genug war Es müssen aber jetzt neue Momente hinzugefommen sein, durch die sie eine volle Ueberzeugung von der SchuldHofrichters erhielt. Während sie früher alle Belästigungen und Anfeindungen, die ihr aus ihrem Namen erwuchsen, mit großer und unerschütterlicher Geduld trug, ist sie jetzt, wie sie sagt, völlig zusammengebrochen und am Ende ihrer Kraft. Es läßt sich leicht denken, wie viel Unannehmlichkeiten ihr in jeder Lebenslage aus der Führung ihres Namens entstehen In dem Garnisonort ihres Gatten fonnte und wollte sie nicht länger bleiben, da sie alles an ihr Unglück erinnerte. Aber auch in Wien, wo jedes Kind den Namen Hofrichter und die damit verbundenen Verbrechen kennt, fann ihr die Wetterführung dieses Namens nicht angenehm sein. Wer die Menschen kennt, weiß, daß der Name ihr gleichsam wie ein Makel anhaften muß an dem sie doch völlig unschuldig ist. Es kommt dazu, daß die Nervosität der Frau Hofrichter noch viel dazu beitragen wird, in jedem Blicke einen Vorwurf oder Spott zu sehen, der vielleicht gar nicht beabsichtigt ist. Frauen in ihrer Lage wollen am liebsten unbekannt im Getriebe der Welt untertauchen. Dies ist ihr aber nur durch die Aenderung ihres Namens möglich. Sie will ihren Familiennamen wieder annehmen. Es ist zu erwarten, daß Die Gabe der Marien. Ein originelles Geschenk soll der Königin von England gelegentlich der Krönungsfeier überreicht werden. Ein Komitee hat soeben alle Namensschwe= stern der Königin im ganzen britischen Reich aufgefordert, sich auf demSubskriptionsweg an einerGabe für die Königin zu beteiligen. Damit auch die ärmsten unter den unzähltgen„ Mary“ und„ May" an dieser Festgabe teilnehmen tönnen, hat man das Minimum der Beitragssumme auf 1 Penny und das Maximum auf ein Pfund Sterling festge= setzt. Im Juni wird dann mit dem Geschenk eine Liste der Geberinnen der Königin überreicht werden. Das Grab des„ Hildebrandt“. Die Arbeiten zur Bergung des Ballons Hildebrandt", die Dienstag vormittag begannen, waren durch das noch immer dünne Eis sehr erschwert. Um 2 Uhr konnte die Leiche des Ballonführers, Rechtsanwalts Kohrs, an Land gebracht werden. Zuerst, als die Gondel von starken Händen der Wasseroberfläche nähergebracht worden war, glaubten, nachdem die Leiche des Rechtsanwalts Kohrs geborgen war, alle, die hineinblickten, einen zweiten Körper über dem Rand der Gondel zu sehen. Die Leiche Kohrs hatte sich in dem eiskalten Wasser vollkommen konserviert. Man hätte glauben können, einen schlafenden Menschen vor sich zu sehen, nur daß die Arme rechts und links weit vom Körper gestreckt waren, so wie er die Seile getrennt gehalten hatte. Und nun wurde auch das Rätsel, wie der Unfall überhaupt möglich gewesen war, einigermaßen gelöst. Die Beine des Verunglückten waren vollständig in den Stricken der Gondel verwidelt so daß es Schwierigkeiten 5eceitete, den Nörver davon zu befreien. Es unterliegt wohl jetzt keinem 3weifel, daß Rechtsanwalt Kohrs dadurch verhindert war, sich zu retten. Nachdem die Leiche gehoben war, wurde sie auf das Eis gelegt, zugedeckt und nun die Gondel geborgen. Und dann kam ein tragischer Augenblick: Regierungsbaumeister Keidel, der die Arbeiten mit fliegender Hast geleitet hatte, um vor allen Dingen die Leiche seines Bruders, des Proturisten Keidel, zu bergen, ehe das Eis nachgab, mußte die betrübende Entdeckung machen, daß der Gesuchte sich nicht in der Gondel befand. Man glaubte bestimmt noch einige Minuten zuvor, die Leiche gesehen zu haben, und war der Meinung, daß sie bei den Bergungsarbeiten über Bord ge= gliften set. Die Gondel wurde vollkommen intakt ans Land gezogen. Der ins Wasser gefallene Gegenstand war eine Wolldecke, die jetzt aus dem See herausgefischt wurde. Man neigt nun zu der Annahme, daß Keidel schon während der Fahrt aus der Gondel gestürzt ist. Die Uhr des Rechtsauwalts Kohrs war um 7½ Uhr stehen geblieben. Danach haben die Insassen wahrscheinlich schon nach zweistündiger Fahrt am 29. Dezember, dem Tage des Aufstiegs, einen Landungsversuch unternommen. Nach der Meinung des Dr. Bröckelmann, des Vorsitzenden des Berliner Vereins für Luftschiffahrt, der die Bergungsarbeiten leitete, sind die Luftschiffer bald nach dem Aufstieg ins Schneetreiben geraten, das den Ballon so be= schwerte, daß sie niederzugehen beschlossen. In der dunklen Nacht habe sich ihnen eine Lichtung im Walde als geeignet erscheinender Landungsplatz gezeigt. Es war der See. Aus der Stellung, in der die Leiche des Rechtsanwalts Kohrs gefunden wurde, schließt man, daß er an den Tauen an die Oberfläche klettern wollte, ein Unternehmen, das mißglücken mußte, weil die halbentleerte Hülle des Ballons noch über der Unfallstelle lagerte. Der Rest des Gases wurde erst gestern durch Aufschneiden der Hülle zum Entweichen gebracht. Zweifellos erscheint jetzt, daß eine Landung beabsichtigt war, da die Reißleine in der ganzen Länge aufgerissen ist. Ein deutsches Unterseeboot gesunken. Von einem schweren Unfall, dessen Folgen noch nicht abzusehen sind, ist am Dienstag die deutsche Marine in ihrem jüngsten Zweige, dem Unterseebootswesen, betroffen worden. Das Unterseeboot, 3" ist im Kieler Kriegshafen unweit des Badeortes Heifendorf auf ziemlich flachem Wasser gesunken. Von seiten der Marine wurden die Bergungsarbeiten sofort eingeleitet. Der Unfall ereignete sich vormittags gegen 11 Uhr. Das Hinterschiff ist voll Wasfer und liegt unter der Wasseroberfläche. Offenbar hat der Führer des Bootes nach einem Unfall das Boot auf Strand zu setzen versucht. Sobald der Unfall bekannt wurde, schickten die Kriegsschiffe Pinassen und Boote zur Hilfeleistung ab. Gegen 12 Uhr kam die Telephonboje des gesunkenen Unterseebootes an die Wasseroberfläche zum Zeichen dafür, daß die Besatzung noch lebt und daß sie sich mit den Rettungsmannschaften verständigen wollte. Von der Werft wurde sofort der größte Schwimmfran abgesandt und das Hebeschiff„ Vulkan" nach der Unfallstelle gebracht. Die aus 30 Mann bestehende Bootsbesaßung wurde im Laufe des Nachmittags gerettet bis auf drei Mann, die auf dem Schiff geblieben waren. Weitere aus Kiel eingetroffene Meldungen besagen über den Unfall: Das gesunkene Unterseeboot, 3" hängt im Schwimmkrahn der kaiserlichen Werft schräg mit dem Bug nach oben und ist soweit gehoben. daß 27 Wann der Besatzung das Boot durch das im Bug befindliche TorpedoLanzierrohr haben verlassen können. Im Kommandoturm des Bootes befinden sich noch drei Mann, nämlich der Kommandant, der Wachtoffizier und der Rudergänger, die noch nicht geborgen werden konnten, da der mittschiffs befindliche Kommandoturm sich durch die schräge Lage des Bootes noch unter Wasser befindet. Das Unterseeboot ist durch den Schwimmkran gehoben worden. Eine weitere Meldung aus Kiel lautet: Der Kommandant des Bootes, Kapitänleutnant Ludwig Fischer, und zwet Mann befinden sich noch im Turm. Um diesen über Wasser zu bringen, ist ein zweiter Schwimmkrahn zur Stelle ge bracht worden. Die Rettungsarbeiten werden energisch fortgesetzt. Prinz Heinrich von Preußen ist unausgesetzt av der Unfallstelle, die von den Scheinwerfern zweier Kreuzer beleuchtet wird, anwesend. Die neuesten Meldungen lauten rech betrübend. Danach ist es zwar gelungen, das gesunkene Boot zu heben, die drei noch auf ihm befindlichen Personen wurden leider leblos vorgefunden: 6 Siel, 18. Januar. Das Unterseeboot, 3" ist hente morger vier Uhr von dem Sebeschiff Vulkan geborgen worden Die im Turm befindlichen Kapitänlentnant Fischer, Leutnant zur See Kalbe und Matrose Riesser wurden leblos vorgefunden. Die Wiederbelebungsversuche sind bisher er folglos geblieben. Riel, 18. Januar. Die Wiederbelebungsversuche au den heute morgen aus dem Unterseeboot geborgenen beiden Offizieren und dem Matrosen sind leider ohne Erfolg ge= blicben. Dagegen befinden sich die bereits gestern geretteten Mannschaften sämtlich wohl. Das Unterseeboot wird nach der kaiserlichen Werst geschleppt werden. Alle im Hafen liegenden Schiffe haben halbmast geflaggt. Drabinachrichten und neuestes. Der Reichskanzler Ritter des Schwarzen Adlerordens. Berlin, 18. Januar. Bei dem heutigen Feste des Schwarzen Adler- Ordens wurden der Reichskanzler von Bethmann Hollweg und General von Deines investiert. Der Kaiser hing den vor dem Thron Knieenden die Ordensfette um. Den eigenen Bruder aus Unvorsichtigkeit erschossen. Augsburg. 18. Januar. Der 17jährige Sohn der Postamtsgehilfenwitwe Berger hat beim Hantieren mit einem Gewehr seinen 18jährigen Bruder erschossen. Verschwundener Bürgermeister. Göln, 18. Januar. Seit dem 7. Januar ist der Bürgermeister von Meppen namens Jonen, verschwunden. Er hat an dem genannten Tag einen dreitägigen Urlaub angetreten, von dem er nicht mehr zurückgekehrt ist. Man bringt seine Abwesenheit mit den Gerüchten über mißliche Vermögensverhältnisse in Zusammenhang. Jonen hat allerhand Wechselgeschäfte gemacht, die nicht einwandfret gewesen sein sollen. Erwischte Einbrecher. Cöln, 18. Januar. In der Rhonstraße wurden gestern Einbrecher auf frischer Tat ertappt. Als ein Schußmann und ein Passant die Verfolgung der Fliehenden aufnahment, feuerte einer auf seine Verfolger. Der Schutzmann wurde schwer verletzt. Die Einbrecher entkamen. In einem anderen Falle überraschte die Polizei in einer Mansardenwohnung in der Lütticherstraße zwei Einbrecher, die schon eine Reihe von Einbrüchen verübt hatten. Als die Beamten ins Zimmer traten, griffen die Diebe zu ihren Revolvern und legten auf die Polizisten an. Doch gelang es diesen, ehe ein Schuß abgefeuert war, die Burschen zut feffeln und zu verhaften. Zahlreiche Einbrecherwerkzeuge und ein ganzes Warenlager gestohlener Sachen wurden beschlagnahmt. Bigarrenschmuggel an der holländischen Grenze. Göln, 18. Januar. In Emmerich an der holländischen Grenze sind umfangreiche Zigarrenschmuggeleien entdeckt worden, durch die der preußische Fiskus um über 25 000 Mark Zollgebühren benachteiligt wurde. Der Schmuggel ist drei Jahre lang von holländischen Bugbeamten ausgeführt worden. Die Beteiligten sind größtenteils verhaftet. Winzer, die Weinvorräte verschütten. Epernay, 18. Januar. In Damery hat gestern eine große Anzahl von Winzern den Weinkeller eines Champagnerhändlers vollständig ausgeplündert. Die Winzer zerbrachen 70 000 Flaschen Champagner. Auch ein Rollwagen mit einer Ladung von 2500 Flaschen Champagner wurde geplündert und der Wein in die Marne gegossen. Die Bekämpfung der Best. Petersburg 18. Januar. Der Ministerrat hatte heute eine Besprechung über die Bestgefahr in der Mandschuret. Das Finanzministerium wurde angewiesen, alle Maßregeln zur Bekämpfung der Epidemie zu ergreifen. Der Minister des Aeußern wurde beauftragt, China wie die übrigen interessierten Mächte zu ersuchen, zur wissenschaftlichen Erfor schung der Krankheit eine Expedition nach der Mandschuret zu entsenden. Frankfurt a. M., 18. Januar. Der„ Franks. 3tg." wird aus Petersburg gemeldet: Infolge der Lässigkeit der chinesischen Regierung hat die Pest in Fudjadun, dem Vororte von Charbin, einen enormen Umfang erreicht. Täglich sterben 150 Personen. Die Pest grassiert auch in anderen Orten in der Umgebung von Charbin. Heute findet eine Sigung des Ministerrats statt. Man beabsichtigt, die Befinger Regierung aufzufordern, Fudiadun russischen Aerzten zu unterstellen. Im Gebiete von Afmolinst wütet unter den Ansiedlern Skorbut und Hungertyphus. Auszeichnung eines amerikanischen Universitätsprofessors. Neuyork, 18. Januar. Dem Professor Learned von der Pennsylvania- Universität wurde vom Kaiser der Rote Adlerorden 3. Klasse verliehen. Folgenschwere Kesselervlosion auf einem amerikanischen Schlachtschiffe. Neuyork, 18. Januar. Bei einer Kesselerplosion auf dem Schlachtschiff Delaware" an der virginischen Küste wurden acht Mann zu Tode verbrüht, mehrere andere schwer ver= letzt. Washington, 18. Januar. Die Meldung von einer Kesselerplosion an Bord des Schlachtschiffes Delaware be= stätigt sich. Die Ursache der Explosion ist unbekannt. Von neun im Kesselraum befindlichen Personen wurden acht getötet und der neunte erlag bald nach dem Unglück seinen schweren Brandwunden. Bandel und erkebr. Frankfurt, 16. Januar. Preise für 1 Zentner: Rinder: Ochsen 1) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes höchstens 6 Jahre alt 91-93 M, 2) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 83-89 M, 3) mäßig genährte junge, gut genährte ältere 74-79 M. 4) gering ge= nährte jeden Alters- M. Bullen: 1) vollfleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtwertes 71-75 M, 2) vollfleischige jüngere 61-68 M, 3) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere M. Färsen und ühe: 1) vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes 74-81 M, 2. vollfleischige ausgemästete ühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 74-81 M, 3) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 63-74 M, 4) mäßig genährte Kühe und Färsen 62-72 M. Kälber: 1) Doppellender feiner Mast M, 2) feinste Mast( VollmilchMast) und beste Saugfälber 93-100 M, 3) mittlere Mast- und gute Saugfälber 88-93 M, 4) geringere Saugkälber 85-86 Mark. Schafe: 1) Mastlämmer und jüngere Masthämmel 80-00 M, 2) ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 78-00 M, 3) mäßig genährte Hammel und Schafe( Merzschafe) 00-00 M, 4) Marschschafe oder Niederungsschafe 00 bis 00 M. Schweine: 1) Fettschweine über 3 Zentner 65 bis 68 M, 2) vollfleischige Schweine über 250 Pf5. 64-67 M, 3) vollfleischige Schweine über 250 fd. 64-67 M, 3) vollflei= schige Schweine über 2 Rentner 51-54 M sten des Verfahrens mit Ausnahme der durch die an-| schel- Friedberg über„ Produzent und Konsuwartliche Vertretung des Ebersohn erwachsenen Kosten wurden der Handwerkskammer auferlegt. § Gedern. Zur Aufbringung der Kosten des Geländeerwerbs für die Ne= benbahn Grebenhain- Gedern hat der Provinzial- Ausschuß für die Provinz Oberhessen am Samstag folgendes Urteil verkündet: Die Kosten des Geländeerwerbs für die Nebenbahn Grebenhain- Gedeen sind von den nachverzeichneten Gemeinden nach dem bei jeder derselben angegebenen Beitragsverhältnis aufzubringen und zwar von Bös- Gesäß 5 Proz., Illnhausen, NiederMoos und Bannerod je 10 Proz., Ober- Moos, Vaitshainund Kaulstos je 20 Proz., Nieder- Seemen 30 Prozent, Siechenhausen und Volkartshain je 40 Prozent, Crainfeld, Grebenhain, Gedern und Mittel- Seemen je 50 Proz., Herchenhain 75 Proz., Bermuthshain, Hart mannshain und Ober- Seemen je 100 Proz. * Kassel erhält wieder ein neues und prächtiges öffentliches Gebäude, den Neubau der Oberzolldirektion. Die erste Rate für den Millionenbau ist im neuen preußischen Etat bereits eingesetzt. Frankfurt a. M. Der„ Bund der Landwirte" und die„ Vereinigten Landwirte von Frankfurt a. M. und Umgegend" hatten am Samstag im Börsensaale eine Protestversammlung gegen die Fleisch notheyze einberufen, der 500 Landwirte aus Groß- Frankfurt, den Kreisen Wiesbaden- Land, Höchst, Ober- Taunus, Usingen, Weilburg, Limburg, Hanau, Gelnhau= sen, Wetzlar, Gießen, Friedberg, Büdingen, Schotten, den Provinzen Starkenburg und Rheinhessen, sowie aus der bayrischen Pfalz, beiwohnten. Den Vorsitz führte Dekonomierat Lucke- Frankfurt a. M. Er widmete zunächst dem verstorbenen Reichs- und Landtagsabge ordneten Köhler- Langsdorf, dem„ freien Franken", der mutig und kühn zugleich die Interessen der deutschen Landwirtschaft stets vertreten habe, einen warmen Nachruf. Sodann sprachen Landwirt Hensel- Dortelweil über„ Landwirtschaft und Viehzucht", Direktor Sir = Vergebung von Fuhrleistungen Die Anfuhr von Grund zur Auffüllung der Lahnstraße soll Montag, den 23. d. Mts., vormittags 10 Uhr öffentlich vergeben werden. Angebote auf Vordruck sind spätestens bis zum vorgenannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Gießen, den 17. Januar 1911. Städt. Tiefbauamt. Braubach. Verhaltungsmaßregeln bei Gasentweichungen. Wenn Gasgeruch wahrgenommen wird, so ist in den betreffenden und anschließenden Räumen Licht und Feuer fernzuhalten; die Türen und Fenster( namentlich die oberen Flügel) sind zur Durchlüftung zu öffnen. Hierauf sperre man die Gaszufuhr durch Schließen der Hähne an den Kochern und Lampen, sowie des Haupthahns vor der Uhr oder im Keller ab und benachrichtige sofort das Gaswerk. Das Aufsuchen der fehlerhaften Stelle an der Gasleitung durch Ableuchten ist unter allen Umständen der Explosions= gefahr wegen zu unterlassen. Gießen, 16. Januar 1911. Städtisches Gas- u. Wasserwerk. Steding. Bekanntmachung. ment", und der Vorsitzende zur Milchfrage. Nach einer längeren Diskussion sand schließlich folgende Resolution Annahme:„ Die heute versammelten Landwirte weisen die in der Presse immer erneut auftretenden Beschuldigungen, daß die Landwirte begehrlich seien und bemüht, die städtische Bevölkerung zu übervorteilen, mit Entrüstung zurück, weil sie ja an und für sich in der Hauptsache nach keinen Einfluß auf die Preisbildung landwirtschaftlicher Produkte besitzen. Nicht Viehteuerung besteht, sondern Fleischteuerung, weil sie hervorgerufen ist durch die vielen Zwischenstationen, die sich zwischen den Viehproduzent und den Fleischkonsument eingeschoben haben, wobei besonders die vielen Spesen, die auf den Viehmärkten und Schlachthöfen, in den städtischen Verwaltungen erhoben werden und ebenso schwer den Konsumenten belasten, als früher die städtischen Fleischsteuern. Die Werte, die die deutsche Landwirt- schaft hervorbringt und die für die Ernährung des ge= samten deutschen Volkes Gewähr leistet, sind den Werten, die die Industrie hervorbringt, nicht nur gleich, sondern sie übertreffen sie noch. Die Erlöse, die der deutsche Bauernstand aus seinen Produkten erzielt, kommen der Industrie, dem Handel und dem Gewerbe wieder zu gut; denn würde der Erlös dem Landwirte als Reingewinn zufließen, dann müßte ein unerhörter Reichtum bei der deutschen Landwirtschaft vorhanden sein, während das Gegenteil der Fall ist, trotz Sparsamkeit, Fleiß und Nüchternheit des deutschen Bauernstandes." Geschäftliches. Eine außergewöhnlich günstige Geldlot= terie! Schon garantiert am 3. und 4. Februar findet die Ziehung der großen Geldlotterie zugunsten des Museums für Völker- und Länderkunde( Linden- Museum) zu Stuttgart statt. Diese Lotterie zeichnet sich durch einen besonders günstigen Gewinnplan aus, da bei nur 100 000 Losen 6012 nur bare Geldgewinne mit Mark Nut- und Brennholzversteigerung der Gräflichen Oberförsterei Arnsburg bei Lich. Mittwoch, den 25. Januar 1911, nach Zusammenkunft bormittags 10 Uhr, Kreisstraße Eberstadt- Lich( Jägerpfad werden aus Diftrift Hard 8, 9, Hain 18, Wetterberg, Kreuzberg versteigert: tämme: 84 Eiche= 49,18 fm( 28-49 cm Durchmesser und 4-11 m lang), 26 Buche= 24,60 fm( 34-64 cm bezw 2,6-10 m), 41 Fichte= 41,72 fm( 22-47 cm bezw. 6-25 m), 13 Riefern und Lärchen= 5,46 fm( 29-32 cm bezw. 5-8 m); == Stangen: 19 Eiche= 0,77 fm( Wagendeichseln), 6 Buche= 0,22 fm; chetter rm: 122 Buche, 17,5 Eiche; Prügel rm: 40 Buche, 66 Eich, 26,5 Nadelholz; töde rm 57,5 Buche, 45,9 Eiche, 65,5 Nadel- und Weichholz; Reiser rm: 494,5 Buche, 311 Eiche, 28 Weichholz.! Auskunft erteilt Forstwart Melchior, Arnsburg, Post Lich. Blau unterstrichene Nummern kommen nicht zum Ausgebot. 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Die Wahlkreisorganisation der Fortschrittlichen Volkspartei dürfen ohne Zustimmung des Landes- Wahlausschusses mit der Nationalliberalen Partei desselben Wahlkreises in keine Sonder- Verhandlungen eintreten. Holzverkäufe u. Versteigerung. Bürgermeisterei Krofdorf. Montag, 23. Januar, vormittags 10 Uhr, bei Wirt Moos in Kro f= dorf. Es kommen Hölzer aus dem Gemeindewald Krofdorf- Gleiberg zur Versteigerung. Oberförsterei Herborn. Montag, 23. Jan., vormittags 94 Uhr, in der Wirtschaft Cunz zu Sinn. Gestorbene. Johann Mülich, Wetzlar( Kriegsveteran). 62 Jahre. Johannes Lau, Wetzlar. Sarglager der Bestattungsgeroff sich ft der freten Schreinervereinigung Siek s Fritz Rosenbaum Löwengaffe 20. piert Abg ausg jeben lieger Selte nich NT Probe δι b 11 Geit der Kar Lesung. den und nahe sch Telephon 692. Seges bil set nicht und in lanten, Kampfe nicht gen un war, da die Be Grun bejizend wolle f ( Sört, h einigung für diese Konzessionierte Pfandleih- Anstalt Inh. Hans Kratz Brandgasse 8, II. 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