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Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Erscheint Mittags 3 Uhr. Die„ Illuftr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Nr. 116. Telephon: Nr. 362. Schutz der Jugend. Die Parlamente hallen wider von den Worten Sozialpolitik und Sozialreform, die Parteien laufen mit einander um die Wette, sobald es den Arbeiterschutz gilt, die Regierungen füllen das Programm von 1881 und 1890, das der Kaiserlichen Erlasse, immer weiter aus furz, wir sollten annehmen, daß alles im besten Zuge und eine besondere außerparlamentarische Anregung zur Fortführung der Sozialreform unnötig sei. Trotzdem existiert die„ Gesellschaft für Sozialreform" unter Leitung des früheren Ministers Freiherrn von Berlepsch in großem Segen, und wie nützlich und notwendig sie sein kann, das zeigt die Fülle der Anregungen, die man von der jetzigen in Berlin tagenden Hauptversammlung der Gesellschaft wieder erhalten hat. Ein Thema hebt sich besonders markant aus der Tagesordnung hervor, das des Schutzes der jugendlichen Arbeiter, und es erhält seine besondere Aktualität ja auch noch durch die jetzigen staatlichen Bestrebungen in Preußen, die Jugendpflege in nationalem Sinne jährlich mit einer Million Mark zu unterstützen. Unter welchen Bedingungen diese Jugend lebt, deren man sich annehmen will, das zeigten uns nun die in Berlin versammelten Sozialreformer, und man muß gestehen, daß man erschütteet die Tagung verließ. Das Hauptreferat des Professors Dr. von Gruber- München über diese Frage schließt mit folgenden Forderungen an die Gesetzgebung: Die arbeitenden Jugendlichen sollen beständig- unter ärztliche Kontrolle gestellt werden. Das Schutzalter sollte bis zum 20. Lebensjahre, mindestens aber bis zum 18. Lebensjahre ausgedehnt werden. Weiter hätte ein Verbot der Nachtarbeit auch für männliche jugendliche Arbeiter einzutreten. Die Fortbildungs= schulzeit soll in den Maximalarbeitstag eingeschlossen werden. Es muß Gelegenheit zu ausgedehnten förperlichen Uebungen gegeben werden. Die schlechten Wohnungsbedingungen der arbeitenden Jugend, zum Beispiel das Schlafstellenwesen, sind zu ändern. Man sieht also, daß es noch einiges zu tun gibt und daß wir von einem„ Abschluß“ der Sozialreform noch nicht gut sprechen können. Es ist begreiflich, daß die Forderungen der Gesellschaft für Sozialreform nicht überall Anklang finden, daß namentlich die Anschauung laut wird, eine weitere Einschränkung der Arbeit Jugendlicher vermehre übermäßig die Produktionskosten vieler Industrien bei uns. Der Dozent Kaup von der Zentrale für Volkswohlfahrt fand auf der Tagung für diese Bedenken ein glückliches Wort. Er sagte, die in ternationale Konkurrenzfähigkeit werde durch die geplanten Schutzmaßregeln nicht beeinträchtigt, sondern im Gegenteil würden dadurch nur die Riesenkosten für vorzeitige Invalidität herabgedrückt. So etwas läßt sich zahlenmäßig nicht nachweisen. Wenn wir irgend eine bleiche Puzzarbeiterin von 16, 17 Jahren sehen, so können wir uns wohl denken, wie gut ihr die Einführung etwa der Halbtagsschicht bekäme; oder wenn ein ebenso alter junger Mensch aus der Schusterwerkstatt spät am abend uns unsere Stiefel bringt, so bedauern wir es, - daß er nicht nachmittags auch einmal Fußball spielen fann. Ob aber die eine oder der andere nicht vorzeitig invalide würde, wenn das geschähe, das können wir natürlich nur schätzen. un= In der Debatte kam noch eine Fülle guter Gedanfen zum Ausdruck, die unzweifelhaft auf richtiger Beobachtung beruhen. So wurde erwähnt, daß die Ernährung der jugendlichen Arbeiter notorisch schlecht meist nicht aus Mangel an Mitteln ist, sondern aus Mangel an hauswirtschaftlichen Kenntnissen in der Welt serer Arbeiterfrauen. Das entfesselte selbstverständlich den Redestrom der Männer, die in der Konkurrenz der Frauen auf dem Arbeitsmarkt die Wurzel des Uebels, die Zerstörung der Familie erblicken. Die soziale Frage besteht eben, das sieht man bei jeder derartigen Erörterung, aus einer Kette von Einzelfragen, die miteinander zusammenhängen und nur Glied nach Glied werden können. Der Schutz der Jugendlichen wird bald spruchreif sein. Und trotz alles dessen, was Regierun gen und Parlamente schon von selber tun, ist es sehr dankenswert, daß die Gesellschaft für Sozialreform auch hier Pionierdienste leistet. Hessischer Landtag. bearbeitet BeDie 3 weite Kammer setzte gestern ihre ratungen fort. Am Mittwoch wird mit der Beratung des Gemeindeumlagegesetzes begonnen. Am Dienstag findet ein parlamentarischer Ausflug nach Juder Großherzoglichen Bürgermeisterei des Großherzoglichen Polizei Amtes Behörden Oberhessens sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Donnerstag, den 18. Mai 1911. genheim statt, zu dem auch die Parlaments presse eingeladen ist. Ende nächster Woche werden die Verhandlungen bis Anfang Juli vertagt. Der offizielle Schluß findet Mitte Juli statt. Hierauf werden die Ersatzwah len der Abgg. Schulrat Dr. Münch und Rechtsanwalt Dr. Backsheimer für gültig erklärt. Zu dem Antrag des Abg. Ulrich u. Gen., die Ausbildung der Volksschullehrer betreffend, beantragt Abg. Bach in eingehender Begründung, daß die Ausbildung der Volksschullehrer einer zeitgemäßen Revision unterzogen wird. Ministerialrat Süffert lehnt eine Aenderung der Ausbildungsvorschriften vorerst ab, da sich dieselben als zeitgemäß und gut bewährt haben. Die Regierung werde aber alle Anregungen unparteiisch auf ihren Wert prüfen. Eine größere Debatte entspann sich bei den Vorstel lungen der Steueraufseher 2c., betr. Anstellungs- und bis Gehaltsverhältnisse. Die Forderungen werden im Prin 3ip als berechtigt anerkannt und das Material der Regierung für die nächste Besoldungsvorlage überwiesen. Die Anträge der Abgg. Pagenstecher, Dr. Schmitt und Genossen, betr. die Gemeindesteuern der hessischen Beamten der Eisenbahngemeinschaft wurden angenommen. Bei den Anträgen der Abgg. Haas und Genossen, die Verlängerung der Nebenbahn Weinheim- Fürth Reichelsheim und die Bahn Reinheim- Reichelsheim macht Abg. Schönberger verschiedene Ausführungen, worauf Finanzminister Dr. Braun zum ersten Male nach seiner Genesung das Wort ergreift und die Angriffe Schönbergers auf seinen Amtsvorgänger Gnauth enerjei der eifrigste Förderer der hessischen Eisenbahnpolitit gisch zu entkräftigen versucht. Finanzminister Gnauth gewesen und ihm verdanke Hessen seinen wirtschaftlichen Aufschwung. Aus Stadt und Cand. Gießen, den 18. Mai. Der Verkaufstag der Großherzogin, der am Dienstag, 13. Juni, hier in Gießen stattfindet, soll zur Verstärkung des Fonds der Großherzogin zum Besten unbemittelter tuberkuloser Personen in Hessen dienen, für die keine Versicherung eintritt oder für deren Heilbehandlung andere Mittel nicht zur Verfügung stehen. Wie segensreich dieser Fonds bisher gewirkt hat, ist aus den folgenden Mitteilungen zu ersehen: Im Jahre 1909 wurden auf Kosten des Fonds in Heilstädtenbehandlung bezw. in Krankenhäuser oder Bäder 87, und 1910 88 Personen aufgenommen, wozu noch die im Jahre 1910 stattgefundenen Wiederholungskuren für 24 Personen kommen. Im Jahre 1911 wurden bis jetzt 93 Personen( einschl. 13 Wiederholungsturen) in Heilstätten, Strankenhäuser oder Bäder aufgenommen, wofür ins gesamt 11 197,41 Mark für Verpflegungen verausgabt wurden. Im Jahre 1909 sind 20 673,32 Mark und 1910 32 994,86 Mark Kosten hierfür entstanden. Weiter wurden aus dem Fonds Unterstützungen gewährt für Beschaffung stärkender Lebensmittel, zur Beschaffung von Betten, zur Beschaffung von Zahnersatz und künstlichen Gliedern, Uebernahme der Hausmiete für die Familie während der Dauer eines Kuraufenthaltes, Zuschüsse zu Kurkosten, Zuschüsse zu Badekuren, sowie Beiträge zur Errichtung von Kinderheilstätten, Beiträge an den Heilstättenverein und an Fürsorgestellen für Lungenkranke. Hierfür sind 1909 640,35 m.; 1910 4209,10 Mk. und 1911 bis jetzt 2317,50 Mark verausgabt worden. In folgenden Heilanstalten, Krankenhäusern und Bädern waren auf Kosten des Fonds Kranke untergebracht: Eleonoren- Heilstätte bei Winterkasten, Ernst Ludwig- Heilstätte bei Sandbach, Lungenheilstätte von Göttmann Witwe zu Reichelsheim im Odenwald( Dr. Fischer), Alice- Hospital zu Darmstadt, Krankenhaus in Langen, Evangelisches Krankenhaus in Lampertheim, St. Boni fatius- Krankenhaus zu Hirschhorn, Kreiskrankenhaus zu Viernheim, Villa Friedrichsruh in Wimpfen, ElisabethHaus in Bad- Nauheim, Konitzkystist in Bad- Nauheim, Mathildenhospital zu Büdingen, Kreiskrankenhaus Alsfeld, Städt. Krankenhaus in Worms, Nassauische Heilstätte bei Naurod im Taunus, Städt. Krankenhaus Frankfurt a. M., Akademisches Krankenhaus zu Heidelberg und Ernst- Ludwig- Heilanstalt von Dr. Lossen in Darmstadt. Seit Bestehen des Fonds wurde bis jetzt von 452 Personen um Unterstützung aus ihm nachgesucht und in 335 Fällen konnte dem Gesuche entsprochen werden. In 117 Fällen konnte dies nicht geschehen, da die um Unterstützung Nachsuchenden zum Teil bei der Landes- Versicherungsanstalt gegen Invalidität versichert waren, was eine Gewährung von Unterstützzu ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 pig. die 44 mm breite Inseratenzeile. Stellen gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. S. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. ung aus dem Fonds bestimmungsgemäß ausschließt, teils wurden die Gesuche von den Bittstellern wieder zurückgezogen. In letzter Zeit konnte wegen der außer= ordentlichen Inanspruchnahme des Fonds und der dadurch bedingten Erschöpfung der Mittel eine größere Reihe von Gesuchen leider nicht mehr berücksichtigt werden, weil nach der von der Großherzogin getroffenen Anordnung der verzinslich angelegte Fonds nur bis zu einer bestimmten Summe, um für die Zukunft ein ist deshalb aufs innigste zu wünschen, daß der GießeStammkapital zu behalten, aufgebraucht werden soll. Es ner Verkaufstag der Großherzogin dem so segensreich wirkenden Fonds einen recht erheblichen Betrag zuführt. * Der Rhein- Mainische Verband für Volksbildung hält seine diesjährige Jahresverhandlungsgegenstand bildet das Thema:„ Jugendpflege sammlung am 20. und 21. Mai ab. Den Hauptverund Volksbildung". Mit der Versammlung sind die Besichtigungen der Mainzer Museen, sowie der Stadtbibliothek verbunden. Bei schönem Wetter findet eine Rheinfahrt nach Eltville statt. * Der 7. ordentliche Delegiertentag des Vereins der Deutschen Kaufleute " Marinehaus" statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a. findet am 21. Mai und folgende Tage in Berlin im zwei Voträge über das Thema:„ Notwendige Reformen des Handelsgesetzbuches". Ferner wird die„ Reichsversicherungsordnung" und die„ Pensionsversicherung der Privatangestellten" zur Sprache kommen. * Sterblichkeitsziffer in Hessen. Das Ergebnis der Woche vom 30. April bis zum 6. Mai tim allgemeinen ein recht erfreuliches, nur in Darmstadt und Worms ist eine Steigerung der Todesfälle eingetreten. Verhältnismäßig am günstigsten von den gröBeren hessischen Städten steht Mainz. Dann folgt Gießen mit 7( 11) Todesfällen und der Sterblichkeitsziffer 11,4( 18,3). *) Heuchelheim, 18. Mai. Dem Schulamtsaspiranten Karl Gorr wurde eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober- Ohmen, Kr. Alsfeld, übertragen. -sch Hungen, 17. Mai. Der zweite Auftrieb auf die Jungviehweide Tiergarten aus den Gebieten, die wegen der Maul- und Klauenseuche seither gesperrt waren, hat kürzlich stattgefunden. Es wurden 13 Fohlen und 19 Rinder eingeliefert, sodaß der gesamte Weidebestand jetzt 37 Fohlen und 73 Rinder beträgt. * Friedberg, 18. Mai. Der Wetterauer Geflügelzuchtverein beschloß, unter Mitwirtung der Bad- Nauheimer und Reichelsheimer Vereine zirks- Geflügel- Ausstellung zu veranstalten. Ende September in Nieder- Wöllstadt eine Bepfangen. * * Büdingen, 18. Mai. Hauptlehrer MockenHaupt wurde gestern vom Großherzog in Audienz em= Darmstadt, 18. Mai. Die Kunstausstellung Darmstadt 1911 ist heute vormittag 11 Uhr durch einen Rundgang Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs eröffnet worden. * Darmstadt, 18. Mai. Das großherzogliche Wolfsgarten verlegt. Der dortige Aufenthalt wird nur Hoflager wird am Samstag nach dem Jagdschloß durch eine viertägige Reise nach Gießen, vom 11. bis 16. Juni, und dann durch die Fahrt nach London, die vom 16. Juni bis Anfang Juli dauert, unterbrochen. * Mainz, 17. Mai. Wegen fahrlässiger Tötung wurde der Wirt K. von der hiesigen Strafkammer zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Als er eines Tages von einer Reise zurückkam, hatte er eine Bierflasche bei sich, die mit Schwefelsäure gefüllt war. Seine Frau bat ihn, ein Faß Bier anzuzapfen. In der Eile stellte er die Bierflasche in den Hausgang. Als er kurze Zeit danach die Flasche wegstellen wollte, sah er, daß die dreijährige Tochter seiner Schwester den Verschluß geöffnet und von der Flüssigkeit getrunken hatte. Er brachte das Kind sofort ins Krankenhaus, wo es am nächsten Tage starb. In einer Revision suchte der Angeklagte die Fahrlässigkeit zu bestreiten. Das Reichsgericht verwarf die Revision jedoch als unbegründet. * Diez, 17. Mai. Vergangenen Samstag erfolgte die feierliche Eröffnung der von der Ortsgruppe Diez des Vereins für nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung veranstalteten Oraniensteiner Ausstellung. Sie enthält Möbel, Gemälde, Altertümer, Münzen und Druckwerke 2c., die aus dem Schlosse Oranienstein stammen und sich im Privatbesitz befinden. Mit der Aus= stellung, die bis 6. Juni dauert, wird am 28. Mai ein Margueritentag verbunden, dessen Ertrag, wie auch der der Ausstellung wohltätigen Zwecken zufließt. Deutscher Reichstag. mens dienen; denn in den Beziehungen der Völker zu einander spielen Sympathien und Antipathien eine große Rolle. Das frische offene Wesen des Kronprinzen dürfte ihm aber in Petersburg so gut wie in Indien und Rom die Sympathien der Bevölkerung eintragen. Rundschau vom Tage. Politisches. Ueber die Geschäftslage des Reichstags ist den Parteien vertraulich mitgeteilt worden, daß die Regierung bereit sei, die Session mit Eintritt der Pfingstferien zu vertagen, wenn bis dahin die Reichsversicherungsordnung, die elsaß- lothringische Verfassung und der schwedische Handelsvertrag erledigt seien. Für diesen Fall würde eine Sef= sion zur Erledigung der weiteren Aufgaben im Herbst stattfinden. In den Fraktionen haben vertrauliche Besprechungen darüber stattgefunden. Die Etatsstärke des Marinepersonals hat sich in den letzten 10 Jahren fast verdoppelt. Sie betrug im Jahre 1901 31 038 Mann, war dann im Jahre 1906 auf 43 474 Mann gestiegen und beläuft sich jetzt auf 60 580 Mann. Auf die einzelnen Chargen verteilt, beträgt die Zahl der Seeoffiziere jetzt 1968, Ingenieure 437, Aerzte 286, Deckoffiziere 2575, Unteroffiziere 12 288, Gemeine 41 126 und Schiffsjungen 1650. Die Verhandlung über die Bestimmungen für die Ruappschaftskassen nahm am Dienstag bei der Weiterberatung der Reichsversicherungsordnung den ersten Teil der Sigung in Anspruch. Nach einem Zusatz der Kommission sollen, soweit nichts anderes in der Reichsversicherungsordnung vorgesehen die landesgesetzlichen bergrechtlichen Be= stimmungen unberührt bleiben. Die Debatte spitzte sich zu einer parteipolemischen Auseinandersetzung zwischen den Führern der sozialdemokratisch und denen der christlich or= ganisierten Bergarbeiter zu. Die Sozialdemokraten hatten Anträge auf Sicherung des Wahlgeheimnisses und auf Gewährung des uneingeschränkten Wahlrechts an die BergInvaliden gestellt und schon der erste Begründer dieser Anträge, Abg. Hue, nahm sie zur Grundlage heftiger Ausführungen. Die Abgg. Becker- Arnsberg( 3.), Behrens( m. Bgg.) und Schirmer( 3.) erwiderten ihm wie dem Abg. Sachfe( Soz.). Abg. Gothein( f. Vp.) ergänzte die sozialdemokratischen Anträge, für die sich auch der Pole Korfanty erklärte. Dazwischen rechtfertigte in längerer Debatte der Abg. Semler( nl.) das Verhalten der Mehrheitsparteien, die sich mit Rücksicht auf zweistündige Reden der Sozialdemotraten bei einem Gesetz von mehr als 1700 Paragraphen notgedrungen in Schweigen halten müssen. Nachdem diese polemischen Auseinandersetzungen lange hin und her gegangen waren, folgten eine Reihe von Abstimmungen, da runter namentliche. Das Ergebnis war die Annahme etnes Antrages Schulz und Genossen, wonach in die Generalversammlung und den Vorstand einer Knappschaftlichen Krankenkasse auch Knappschaftsinvaliden gewählt werden können, sofern sie Mitgliederbeiträge an die Kasse zahlen. Beim letzten Abschnitt des Buches Krankenversicherung, „ Ersatzkassen", wurde die bedingte Weiterzulassung der letftungsfähigen freien Hilfskaffen von mehreren Rednern begrüßt. Der oldenburgische Bundesratsbevollmächtigte, der zugleich Lippe vertritt, nahm dabei besonders auf die Lippeschen Verhältnisse Bezug, für die kleine Hilfskaffen eine Notwendigkeit darstellen. Im übrigen sprachen auch hier im wesentlichen nur Sozialdemokraten. Das Buch Kranfenversicherung wurde erledigt und dann das dritte Buch „ Unfallversicherung"(§§ 560 bis 1211) in Angriff genommen. Die hierzu gestellten soztaldemokratischen Anträge, die den Kreis der Versicherungspflichtigen auf alle der Krankenversicherungspflicht unterworfenen Personen erweitern wollten, wurden abgelehnt und die ersten zehn Paragraphen nach den Kommissionsbeschlüssen angenommen. Zwischendurch machte der Präsident unter lebhaft m Beifall Mitteilung von einer Einladung der städtischen Vehörden in Dresden zu einem Besuche der Hygieneausstellung. Am Mittwoch geht die Beratung bei dem Abschnitt über den Umfang der Gewerbeunfallversicherung weiter. Die Kronprinzenreise nach Petersburg. Der deutsche Kronprinz ist mit seiner Gemahlin in ber russischen Hauptstadt eingetroffen, um einige Tage als Gast am russischen Kaiserhofe zu verbringen. Mit seiner Reise verbindet Kronprinz Wilhelm zugleich eine hohe politische Mission. Man kann es nur begrüßen, daß dem Kronprinzen in letzter Zeit mehr und mehr Gelegenheit geboten worden ist, sich auf seinen fünftigen Herrscherberuf vorzubereiten. Acht Millionen Mark soll der Kaufpreis des Geränoes, eines fiskalischen Forstes, betragen, auf dem die Siemens Schuckert- Werke beabsichtigen, ein großes Werk für 3 bis 4000 Arbeiter anzulegen. Das Gelände liegt in der Nähe von Halle. Das Befinden des Papstes. Nach der Tribuna leidet der Papst an einem leichten Gichtanfall, doch hütet er nicht das Bett. Das Allgemeinbefinden ist gut. Die österreichische Alpenautomobilfahrt hat gestern nachmittag mit der Etappe Klagenfurt- Wien ihr Ende ges funden. Von 51 gestarteten Wagen sind 6 auf der Strecke geblieben. Die Wünsche der preußisch- hessischen Lokomotivführer. In Berlin tagt der Verband der preußischen und Hessischen Lokomotivführer zur Beratung organisatorischer Aufgaben und wichtiger Standesfragen. Als Vertreter der Regierung nimmt an ihr ein Oberregierungsrat vom Eisenbahnministerium teil. Aus den Verhandlungen sei die Mitteilung über die Verleihung der Achselstücke der Bahnmeister und Assistenten an die Lokomotivführer hervorgehoben. Hierdurch sowie durch die im Januar erfolgte Festlegung des Lokomotivführerranges als das eines mittleren Beamten finden die wichtigsten ideellen Wünsche dieser Beamten Befriedigung. In der Versammlung herrschte wegen dieser Auszeichnung eine begeisterte Stimmung, die in Telegrammen an den Kaiser und den Eisenbahnminister zum Ausdruck gelangte. Von den Beratungsgegenständen feien ferner erwähnt der Wunsch nach einer reichsgesetzlichen Regelung der Dienst- und Ruhezeiten, das Verlangen nach einer getrennten Dienstanweisung für Lokomotivführer und-heizer sowie der Bericht über die erfolgreiche Tätigkeit der vom Ministerium berufenen Signalfommission zur Verhütung von Unfällen. Ein großer Wasserrohrbruch in Charlottenburg. Diens tag mittag brach plötzlich das Hauptwasserrohr des Charlot tenburger Wasserwerks. Es gab eine große Ueberschwemmung und die Inhaber der Wasserleitungsanschlüsse waren fast eine Stunde lang ohne jegliches Wasser. Das neue russische Flottenprogramm wird zu seiner Durchführung 1% Milliarden Rubel fordern. Der russische Marineminister beabsichtigt, die deutschen und englischen Werften aufzufordern, den Bau von Kriegsschiffen auf russischen Werften zu übernehmen. Eine praktische politische Tätigkeit im engeren Sinne fonnte natürlich nicht in Frage kommen. Nicht in Berlin, am Brennpunkt der deutschen Politik, sondern draußen in ber Welt, in fernen Ländern soll der deutsche Kronprinz lernen, was uns not tut. Diesem Zwecke diente die Reise burch Indien, deren Bedeutung nicht dadurch abgeschwächt werden kann, daß der Kronprinz dabei auch seinen sportlichen Neigungen lebte. Die Eindrücke, die der Kronprinz auf dieser Reise empfing, waren so nachhaltig, daß man mit Bestimmtheit darauf rechnen kann, daß auch der abgebrochene Teil der Reise, sobald es die Verhältnisse erlauben, zur Ausführung gelangt. Dem gleichen Zweck wie diese Studienreise dient auch die stärkere Heranziehung bes Kronprinzen zu repräsentativen Verpflichtungen. Eigentlich kann man zwischen beiden kaum einen Unterschied machen: Auch die Indienreise legte dem Kronprinzen starke repräsentative Verpflichtungen auf, und gerade dadurch wurde ihre Bedeutung noch wesentlich erhöht. Umgekehrt aber können und sollen auch die mehr repräsentativen RetJen des Kronprinzen zu Studienreisen werden. Dies gilt auch von der jetzigen Reise an den Petersburger Hof. Gemiß trägt sie vorwiegend repräsentativen Charakter; ste ist eine Aufmerksamkeit zum Geburtstage des Zaren. Andrerseits aber gibt sie doch auch dem Kronprinzen Gelegenheit, mancherlei zu lernen, was für den fünftigen Herrscher von Wichtigkeit ist. Natürlich hat der Petersburger Besuch auch eine gemisse politische Bedeutung. Er zeigt, daß die deutsch- russischen Beziehungen andauernd freundschaftlich sind. Zugleich kann er aber auch zur Befestigung des Einverneh8) 3wei Kirschen an einem Stengel. Roman von A. von Piltencron. ( Nachdruck verboten.) Anschlag auf eine Personenzug in Schlesien. Auf der Eisenbahnstrecke Goldberg- Hermsdorf wurde von bis jetzt nicht ermittelten Tätern versucht, einen Personenzug dadurch zum Entgleisen zu bringen, daß ein Pflugrad auf die Geletse gelegt wurde. Glücklicherweise bemerkte der Lokomotivführer das Hindernis und brachte den Zug zum Halten. mals fei Entschädi Ihnen en Advokater bedeutend felbft befi jur Rüd bleiben, a lung veru in Washi Gelbschrän Der bewahrun und Stem lang, 12 Türen fin fteben ab eine Verb tet wird. Washingt notwendig brei Jahre Ein lionen M Ein t von dem fchen Bla ein junge chönes T Antifenho der Baro wollen," Spieler ei Achtzigjä Service 8 dafür geb geprüft h chen?" ern gellan, uni Beit." Na Nach fünf der Leibre 4000 Fr. a ihn fomme Sie haben Verzweiflungstat eines verlassenen Ehemanns. Milchhändler in der Cölner Vorstadt Nippes durchschnitt seinem einjährigen Kinde den Hals und nahm sich dann selbst durch Gift das Leben. Die Frau des Milchhändlers hatte ihren Mann vor einigen Wochen böswillig verlassen. Mulay Hafid ermordet? Der Londoner„ Standard" veröffentlicht folgende Meldung seines Berichterstatters aus Tanger: Jn gut unterrichteten marokkanischen Kreisen geht das Gerücht, daß Mulay Hafid in Fez ermordet worden ist, weil bekannt wurde, daß er die Hilfe der franzö stschen Truppen verlangt hat. Ich gebe diese Nachricht unter allem Vorbehalt, aber sie wäre gut zu erklären aus dem fanatischen Haß, den öte nationalistische Partei in Maroffo gegen jede beabsichtigte fremde Einmischung hat. Der Unwille gegen die französische Einmischung wächst unter den Eingeborenen ständig. Die Schlußbemerkung, das Cousinchen sei in höchst eigener Person ein Vergißmeinnicht, ging bei ihr in ein Ohr hinein und aus dem anderen heraus, aber daß er die Tasse gelobt, das freute sie. Ein sonderbarer Automobilunfall ereignete sich fürzlich in Nürnberg. Als ein Automobil stadteinwärts fuhr, sprang plötzlich ein Rehbock aus dem Walde heraus, der vom Wagen erfaßt und getötet wurde. Das Automobil glitt settwärts und geriet in den dort 1½ Meter tiefen Straßengraben. Sämtliche dret Insassen wurden herausgeschleudert, erlitten aber nur leichte Verlegungen. Einen granenhaften Selbstmord verübte am Dienstag der 39jährige Kaufmann Johann Sprott in Mannheim. Er begoß sich mit Petroleum, zündete sich an und verbrannte. Die Ursache des Selbstmordes ist ein unheilbares Leiden. Sprott hinterläßt Frau und Kind. Einen schaurigen Fund machte ein Waldaufseher in einer Unterstandshütte bei Lohr in Unterfranken. Dort lagen aufgebahrt mit Blumen geschmückt die Leichen eines dret und eines fünfjährigen Knaben. Ste wurden als die Kinder des Schneiders Georg Faeth refognosztert. Der eigene Vater hatte sie erwürgt. Er ist jetzt flüchtig. Faeth war nervenleidend und schon längere Zeit arbeitslos. Ueber die Revolution in Merito wird aus Neuyork gemeldet: Die Aufständischen nahmen den 60 Meilen nordöstlich von Merite gelegenen Ort Pachuca, der in einem der reichsten Bergwertsdistrikte liegt, ohne Widerstand. Der Gouverneur ist geflüchtet. Eine Telephonistin machte diese Mitteilung nach der Hauptstadt und fügte hinzu, die Aufständischen hätten die Regierungsgebäude mit Dynamit in die Luft gesprengt; die Gefangenen seien aus dem Gefängnis befreit worden; die Geschäftshäuser seien nicht geplündert, nur zwei Banten seien beraubt worden. Ein Berichterstatter des„ Newyork World" in Torreon tabelt: Jch war Augenzeuge eines furchtbaren Gemezels in Sombrerete. 1700 Aufständische stürmten Sombrerete, aufgebracht über die Grausamkeiten, die die Bundessoldaten an Landbewohnern begangen haben, und mezzelten 500 Bundessoldaten und Einwohner nieder, die sich weigerten, Hochrufe auf Madero auszubringen. So waren sie alle in bester Stimmung; eine Waldpromenade folgte, und als der Vetter dabei eine Wassermühle entdeckte, an die sich eine kleine Restauration anschloß, lud er die Damen dort zum Abendessen ein. Solch ein romantisches Plätzchen sei wie geschaffen, um dort im engen Kreise gemütlich ein gutes Abendbrot einzunehmen. Mit der Qualität dieser Magengenüsse haperte es freilich, trotz des vielsagenden Wunsches: es muß alles vom Besten sein; aber die Großstädter wollten sich die Laune nicht verderben lassen und machten gute Miene dazu. Schwester Jettchen war glücklich über die Freundlichkeit thres Röschens, und Kathi genoß dieses seltene Vergnügen, auswärts zu Abend zu essen, mit ungeteilter Freude. Kleine Nachrichten. - Vermischtes. Ein Bruch zwischen dem Grafen Zeppelin und Profess sor Hergesell. Professor Hergesell wird nicht mehr nach Friedrichshafen zurückkehren, sondern von Teneriffa, wo er zur Kur weilte, nach Berlin reisen und dort Aufenthalt nehmen. Die langjährige Freundschaft zwischen Graf Zeppelin und Professor Hergesell war schon seit der unglüdseligen Katastrophe von Echterdingen fichtlich erkaltet, und Graf Zeppelin hatte alle Mühe, die Anordnungen Hergesells gegen seine anderen Mitarbeiter auf der Werft in Schutz zu nehmen. Auch die Polar- Vorexpedition, von der Graf Zeppelin nicht viel wissen wollte, für die aber Professor Hergesell den Kaiser und den Prinzen Hinrich interesstert hatte, fällt auf das Konto Hergesells. Der Stapellauf des kleinen Kreuzers„ Breslau" hat am Dienstag auf der Werft„ Vulkan" in Stettin stattgefunden. Die Taufrede, die mit einem Katserhoch schloß, hielt Oberbürgermeister Bender- Breslau. Das Schiff erhielt den Namen Breslau". Es war auch gar so wunderschön, hier unter der ge= schützten Veranda zu sitzen; die Luft war mild und am Simmel stand der Mond, der sich in dem stillen Mühlteiche spiegelte, während bei der Schleuse das Wasser schäumte und rauschte. Kathi sah ganz verträumt in das Dunkel des Waldes hinein, und dabei hörte sie aufmerksam zu, was der Better erzählte. Lustige Geschichten waren es und blendende Schilderungen von dem Leben und den Vergnügungen der Stadt. Einmal beugte er sich ganz nahe zu ihr und fragte:„ Cousinchen, woran denkst Du?" Sie fuhr ordentlich zusammen, als er sie anredete, sah thn groß, wie aus einem Traume erwachend, an und sagte dann langsam:„ Es muß doch ganz wunderschin sin bi euch!" mußt das alles kennen lernen," antwortete er ihr,„ ich gebe nicht Ruhe, bis Du einmal zu uns tommst; gefallen wird es Dir schon bei uns, da wette ich Kopf und Kragen brum." Versteht sich, Cousinchen, das ist es auch. und Du Sie sagte nichts darauf, aber er hatte die Genugtuung, daß er ihre Augen hell aufleuchten sah. III. Geständnis eines Bombensenders. eingeDer Fleischergeselle Franz Müller in Königsberg t. Pr., der unter em Verdacht verhaftet wurde, ein Paket mit zwet Bomben n die Familie Schwandtner in Schirwindt( Opr.) gescht.' t zu haben, hat angesicht des Besastungsmaterials standen, die Höllenmaschine angefertigt und abgesandt zu haben. Die Familie Schwandtner set ihm unbekannt, er habe aber auf Grund verschiedener Briefe setner Mutter, öte über das Verhalten der Familie Schwandtner klagte, einen Haß gegen diese gefaßt und sie erschrecken und einschüchtern wollen. Wellmans Nachfolger. Vaniman, der Erbauer des Luftschiffs Amerika", das im vergangenen Jahre den Versuch gemacht hat, den Ozean zu kreuzen, bereitet eine neue Luftfahrt über den Ozean vor. Wellman wird nicht daran teilnehmen. Vaniman glaubt inzwischen alle Mängel, auf die das Fehlschlagen der letzten Luftfahrt zurückgeführt wurde, beseitigt zu haben. Gegen das Recht, dem neuen Luftschiff den Namen zu geben, hat sich ein reicher Amerifaner bereit gefunden, die Kosten der Expedition zu tragen. Auch diesmal ist Atlantic City der Ausgangspunkt. Die „ Neuyork World" hat Vaniman einen Preis von 30 000 M versprochen, wenn er mit seinem neuen Luftschiff in einem Tag die Reise von von Atlantic City nach Neuyork und zurück mache, eine Aufgabe, die keineswegs unmöglich ist, da doch die ganze Entfernung nur 200 Meilen beträgt. Das Lebensrettungsboot der„ Amferika" und die berühmte Glückskaße sind noch immer auf der Tour" in Amerika und werden in den Warenhäusern aller großen Städte ausge= stellt gegen ein Entgelt von 800 M wöchentlich. Strahlenden Sonnenschein, fröhliches Kirmeswetter gab es den andern Tag. Im Witwenhäuschen stand man früh auf, und auch heute waren Mutter und Tochter schon zeitig bei Wege. Die Großstädter hatten„ das Frühstück im Gasthaus einnehmen wollen", da Frau Rosa erklärte, „ das gehöre sich so". Die Tante hatte den Kirchgang abgelehnt unter dem Vorwande, daß sie das zu sehr angriffe, sie wolle, wenn sie ausgeschlafen habe, zu Jettchen kommen und mit ihr das Leinenzeug durchsehen, das noch von den Eltern stamme. Julius hatte Kathi gestern für den heutigen Vormittag eine Waldpromenade vorgeschlagen, sie hatte aber dazu den Kopf geschüttelt und in ihrer bestimmten Weise erklärt:„ Ich geh zur Kirch!" Dannn wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben, als Dich dahin zu begleiten," war seine etwas seufzende Antwort gewesen. Der„ Kaiser der Sahara" vor Gericht. Jacques F., der, wie man sich noch erinnern wird, vor acht Jahren mit dem Schiff Frasquita" auszog, um die Wüste Sahara für fich als Kaiserreich zu erobern, wird jetzt allen Ernstes ob seiner Schulden vor Gericht zitiert. Die Matrosen, die da,, Wannst ausgeschlafe häst!" hatte sie dazu gelacht. Nun waren Mutter und Tochter mit ihrem Kaffeetrinken fertig, und Kathi stand, nachdem sie alles weggeräumt, in ihrem Sonntagsstaate vor der Tür. Ste schien auf irgend jemand oder irgend etwas zu warten. Der Vetter war's nicht, denn ihr Kopf drehte sich nicht nach dem Dorfe. Es fehlte noch eine halbe Stunde bis zur Kirchzeit, langsam wandte sie sich dem Walde zu. Die grüne Dämmerung hatte sie kaum umfangen, da kam ihr auch schon ein rascher Schritt auf dem Fußsteig entgegen. Sie blieb stehen. Richtig. er war's, der Erwartete. Häst gedacht, daß ich kumme würd?" fragte der junge Bursche, der ihr innig in die lieben Braunaugen blickte. „ Na freilich doch! Mußt mi ja das Kirchensträußle bringe!" Sie streckte die Hand danach aus und er 30g unter seiner Jade ein kleines Heidebüschel hervor. „ Just dieselbe Blümels, die Du mir bracht häst," meinte er., Schau, ich trag sie am Sonntagshut. Ists so recht, Mädel? Zwei Kirschen an einem Stengel, die müsse doch auch dieselbe Blümle habe!" Sie niďte seelenvergnügt und nahm den Strauß. " Heute abend wirst tüchtig mit mi tanze," fuhr er fort, oder hast alleweil schon de Vetter us de Glasku: sch den ersten Tanz versproche?" ,, Beileibe nit," wehrte sie, der gehört Di, aber mißt, so gar übel seien die Großstadtleute nit. Sie habens allweil viel feiner als unsereiner, aber gefalle tuts ihnen of bi uns." Die Kirchglocken tönten vom Dorf her. Nun wirds Zeit, unterbrach sich das Mädchen, drückte ihrem Hans die Hand und eilte auf dem Wege, den sie gekommen, nach ihrem Haus. Auf Wiedersehen in de Kirch und hüt abend bin Fest," rief er ihr nach. Vom Vetter war noch nichts zu erblicken, und das war der Kathi gerade recht, warum, wußte sie selbst nicht zu sagen. Sie holte sich das Gesangbuch, legte das saubere Nastüchle und den Strauß darauf, und mit diesen ihr zum Kirchgang unentbehrlich dünkenden Sachen in der Hand machte sie sich auf den Weg. In der Dorfstraße hörte sie jemand hinter sich her hasten und rufen. Sie drehte sich um. Baron," sa zug vor ih eigentlich?" und den B lachte und Etwas atemlos, aber auf das schönste fristert und pomadisiert, mit fed aufgeseztem Bärtchen, stiefelte Vetter Julius hinter ihr her und telegraphierte eifrig mit den Händen. Das sollte nun wohl heißen, daß sie auf ihn warten solle. Wohl oder übel mußte sie sich dazu entschließen ( Fortsetzung folgt.) Rente weit Service in teuer gewor In der Jugend gefd Uniformen neral einen ausgeschlagen terschied zwi erflären. E toten Aussc haben, haber Wie gro Gewimmel d her winzige mag. Dieses Demg zu lös meter hohen Shwefelfohle gen, in eine efner Scheun fem Falle d und 13 500 thode der Z berücksichtigte die auf der die Zurückge wandte man einen Holzip Ameisenhau mit Ameifer ein mit Spi man mehrer Stunden lan Diese Weise fenhaufen. Biffern aus 67 500 und Lommen hie ten Haufen Bahl von 1 Die filtr awar längst Ameisenhau vor dem Al sprochen und mit fich bring Nicht nur die bat dauernde lättgen. We lebten Jahrz Erfindungen bafspfeifen g Htattliche Biffe lich die gefin well in thr de bet der Bigar teht aber die Jarrenraucher erfahren pfleg Unterbrechung barin, daß die Labatrauches leicht durch fl Lugend aber Reinigung un umständlich ist Irierung durch Bigarette taun Ser auch fir Jest tit jeman fettenrauch au pen Stebs im Stefe Weife S werben fo wi brtennen fein Das a In den A Wnenden Biet ber inneren berttausende a des Gelände n die Siemens Bert für 8 b gt in der Na Tribuna leide hütet er ni hat geften ihr Ende g uf der Strede enburg. Diens hr des Charlot e Ueberschwem nschlüsse ware efien. Auf der e von bis je ersonenzug Pflugrad auf bemerkte det den Bug zum emanns. Gin Des durchschnitt ahm fich dann Milchhändler illig verlassen nete fich für teinwärts fuhr de heraus, der Das Automobil Meter tiefen burden heraus Bungen. eam Dienstag Mannheim. G nd verbrannte Ibares Leiden aldauffeher in franken. Dor Leichen eines e wurden als gnosziert. Der flüchtig. Faeth arbeitslos. In und Profes icht mehr nah Teneriffa, wo Sort Aufenthalt hen Graf Zep t der unglüd erfaltet, und nungen Herge der Werft in dition, von der die aber Pro Hinrich inte er Fleischerge der unter em et Bomben n Opr.) geschit terials einge abgesandt zu unbekannt, er fetner Mutter, andtner klagte, Cecken und ein Erbauer des Jahre den Ver eitet eine neue ird nicht daran e Mängel, auf cht, dem neuen reicher Ameri tion zu tragen. ngspunkt. Die 3 von 30 000. tschiff in einem euyork und zu nmöglich ist, da beträgt. Das die berühmte zurückgeführt Amerika und Städte ausge ich. Jacques F., der, ht Jahren mit ifte Sahara für llen Ernstes ob atrofen, die das ragte der funge unaugen blidte Kirchensträußle us und er 30g el hervor. r bracht häft" ntagshut. Jits m Stengel, die den Strauß. tanze," fuhr et s de Glaskuti Di, aber mit Sie habens all alle tuts ihnen r. ,, Nun wirds te ihrem Sans fie gekommen hüt abend bin liden, und das efie felbft nicht gte das faubere mit diesen ihr Sachen in der hinter sich her fte friflert und n, Stiefelte Bet ierte elfrig mit en, daß fie auf te fich dazu ent Tegung folgt.) mals seine„ Marinesoldaten" bildeten, verlangen von ihm Entschädigung für die ihnen erwachsenen Mühen und die thnen entgangene Kriegsbeute, und haben einen Pariser Advokaten beauftragt, den geringen Rest von Lebaudys einst bedeutendem Vermögen mit Beschlag zu belegen. Lebaudy felbft befindet sich in Amerika; er hat nicht einmal das Geld zur Rückreise, und es wird ihm wohl nichts anderes übrig bleiben, als fich von den französischen Gerichten zur Zahlung verurteilen zu laffen. Der größte Geldschrank der Welt. Die Staatsdruckerei in Washington wird bald im Besitze der drei größten Geldschränke der Welt sein. Die Schränke sind für die Aufbewahrung von Papiergeld, von Druckstöden und Postund Stempelmarten bestimmt. Ein jeder wird 30 Fuß lang, 12 Fuß hoch und 30 Fuß breit sein; die einzelnen Türen sind 3 Fuß stark und die einzelnen Stahllagen bestehen abwechselnd aus Chromstahl und Bessemer Stahl, eine Verbindung, die als die wiederstandsfähigste betrach tet wird. Um den Stahl für die neuen Schränke nach Washington zu transportieren, werden 300 Frachtwagen notwendig sein. Der Bau der Geldschränke nimmt etwa brei Jahre in Anspruch und die Kosten werden auf 2% Millionen Mart geschätzt. Ein fostspieliges Teeservice. Eine amüsante Anekdote von dem Pariser Baron Rothschild wird in einem rheinischen Blatte erzählt. Vor einer Reihe von Jahren erbte ein junger Schauspieler nach dem Tode seiner Mutter ein Schönes Teeservice in Meißner Porzellan, das von einem Antikenhändler auf 50 000 Francs geschäzt wurde.„ Nur der Baron Rothschild wird ein solches Wunderwerk kaufen wollen," sagte der Händler. Darauf setzte sich der Schau[ pieler eine Perücke auf und schminkte sich, daß er wie ein Achtzigjähriger aussah und begab sich mit dem fostbaren Service zu dem Bantier.„ Ich will Ihnen 45 000 Francs dafür geben," meinte Rothschild, nachdem er es eingehend geprüft hatte. ,, Wollen wir nicht eine Leibrente ausmachen?" erwiderte der Verkäufer;„ ich lasse Ihnen das Porzellan, und Sie geben mir 4000 Fr. jährlich auf Lebenszeit."" Na, schön," sagte der Baron,„ gehen Sie zur Kasse." Nach fünf Jahren hörte Rothschild, daß der Mann mit der Leibrente noch immer alljährlich erschien und seine 4000 Fr. abholte. Das erschien ihm merkwürdig, er ließ thn kommen und sagte zu ihm:„ Hören Sie, mein Lieber, Sie haben aber eine sehr träftige Natur."„ Es geht, Herr Baron," sagte der andere, der wieder in demselben Aufzug vor ihm erschienen war.„ Wie alt sind Sie denn eigentlich?" Darauf nahm der Schauspieler die Perücke und den Bart ab und sagte:„ Fast 28 Jahre." Rothschild lachte und fand den Scherz augenscheinlich gut, so daß die Rente weiter gezahlt wurde. So ist das berühmte Tee= Service in Meißener Porzellan mittlerweile schon recht teuer geworden: es fostet bis heute 80 000 Franken. - - In der Instruktionsstunde so wird der Münchener Jugend geschrieben wird der Unterschied zwischen den Uniformen erklärt und hierbei auch betont, daß der General einen Busch aus Hahnenfedern hat, und einen rot ausgeschlagenen Mantel. Reiter Meter soll nun den Unterschied zwischen seiner Uniform und der eines Generals erklären. Er beginnt:„ Die Herr'n Generäl' haben einen roten Ausschlag auf der Brust, und da, wo mir Haare haben, haben sie Federn." Wie groß ist ein Ameisenstaat? So mancher, der dem Gewimmel der Ameisen zusah, hat sich gefragt, wieviel solcher winzigen Geschöpfe ein Ameisenhaufen beherbergen mag. Dieses Problem versuchte der Genfer Professor E. Yeme zu lösen. Zunächst untersuchte er einen 60 3entimeter hohen Haufen der roten Waldameise, indem er Schwefelfohlenstoffdämpfe einströmen, den Haufen abtragen, in einen Sad packen und die getöteten Ameisen in emer Scheune auszählen ließ. Es zeigte sich, daß in diesem Falle dem menschlichen Wissensdurst 22 580 Ameisen und 13 500 Larven zum Opfer gefallen waren. Diese Methode der Zählung ward jedoch nicht beibehalten, denn sie berücksichtigte ja nicht die große Schar der Arbeiterinnen, die auf der Nahrungssuche gewesen waren, während über die Zurückgebliebenen die Katastrophe hereinbrach. Darum wandte man sich einem anderen Verfahren zu. Man brachte einen Holzspaten von 10 Quadratzentimeter Fläche an den Ameisenhaufen heran, und im Nu bedeckte sich das Holz mit Ameisen, die man sofort mit einer feinen Bürste in ein mit Spiritus gefülltes Gefäß hineinfegte. So verfuhr man mehrere Tage hintereinander, jedesmal ungefähr zwei Stunden lang, bis der Haufen völlig entvölkert war. Auf Diese Weise untersuchte Hemg im Hochsommer fünf Ameisenhaufen. Die Einwohnerzahlen" waren in runden Biffern ausgedrüdt die folgenden: 20 000, 48 000, 53 000, 67 500 und einmal sogar 93 700 Individuen( die Larven Tommen hierbei nicht in Betracht.) Keiner der untersuchten Haufen überschritt die Höhe von 70 Zentimetern. Für Ameisenhaufen dieser Höhe dürfte man also vielleicht die Bahl von 100 000 Einwohnern als Maximum annehmen. Die filtrierte Zigarette. Die Furcht vor dem Tabak ist zwar längst nicht so stark und weit verbrettet wie die Furcht vor dem Alkohol. Dennoch wird unablässig darüber gesprochen und geschrieben, welche Gefahren das Tabakrauchen mit sich bringt, und wie sie am besten abzuwenden wären. Nicht nur die Wissenschaft sondern auch das Erfindertalent bat dauernde Gelegenheit, sich in dieser Richtung zu be= fättgen. Wenn man einmal die Patentanmeldungen der letzten Jahrzehnte daraufhin durchsehen wollte, wie viele Erfindungen zur hygienischen Verbesserung allein von Tabafspfeifen gemacht worden sind, so würde man auf eine tattliche Biffer gelangen. Die Tabakspfeife müßte eigentItch die gesündeste Vorrichtung für den Tabaksgenuß sein, well in thr der Rauch eine stärkere Filtrierung erfährt als bet der Zigarre oder gar bei der Zigarette. Diesem Schluß steht aber die Erfahrung entgegen, daß selbst ein starker ZiJarrenraucher eine gewisse Anwandlung von Uebelkeit zu erfahren pflegt, wenn er zum ersten Male oder nach langer Unterbrechung eine Pfeife raucht. Der Grund liegt wohl barin, daß die Pfeife awar die schädlichen Bestandteile des Tabakrauches gut zurückhält und zu diesem Zweck auch Tetcht durch kleine Hilfsmittel verbessert werden kann, diese Tugend aber nur bewahrt, wenn sie häufig einer sorgsamen Reinigung unterworfen wird, was den meisten Leuten zu umständlich ist. Bet der Zigarre erfolgt eine Art von Filtrierung durch den Tabak hindurch, während davon bei der 8tgarette kaum die Rede sein kann. Die 3tgarette gilt da= her auch für die ungesundeste Form des Rauchgeschirrs". Debt ist jemand auf den Einfall gekommen, auch den BigaTettenrauch zu filtrieren, was durch Anbringung eines flei= pen Siebs im Mundstück erzielt werden soll. Wenn auf tese Weise Staubteilchen und schädliche Dele zurückgehalten werben so würde die Nütlichkeit der Neuerung nur anzuerkennen sein. Das arbeitende Berlin bei Nacht. In den Abendstunden, wenn in den Fabriken die grelltonenden Pfeifen den Schluß der Arbeit künden, wenn in ber inneren Stadt die Büros geschlossen merden und Hunberttausende auf den Straßen, in Droschken, Omnibussen. Straßenbahnen, mit der Hoch-, Stadt- und Ringbahn ihren Wohnungen zuströmen, meint man wohl, nun müsse die Arbeit in der Riesenstadt Berlin ganz still stehen. Doch Berlin ist nie ruhig, Arbeit und Verkehr ruhen nie, auch nicht während der Nacht. Soll der gewaltige Mechanismus des Groftstadtverkehrs stets richtig funktionieren, und sollen die riesigen Massen der Arbeiter aus allen Industriezweigen am frühen Morgen ohne Störung ihre Beschäftigung wieder aufnehmen können, außerdem aber, wenn all die Bedürfnisse befriedigt werden sollen, die sich in einer Millionenstadt auch während der Nacht geltend machen, so darf auch in der Nacht die Arbeit nie ganz ruhen. Und nicht etwa wenige hundert sind es, die in der Nacht beschäftigt werden, sondern viele tausende, ein ganzes Heer von Arbeitern, das sich aus allen Erwersgruppen zusammensetzt. Von den Verwaltungsbehörden des Reiches und des Staates stellen besonders die Reichspost und die Eisenbahnverwaltung etnen großen Teil Nachtarbeiter. Die städtischen Gasanstalten müssen ununterbrochen in Betrieb gehalten werden, um die Straßenbeleuchtung und die Beleuchtung in tausenden von Lokalen, die zur Nacht geöffnet sind, zu ermöglichen. Ein großer Park von Wagen und Kehrmaschinen und eine nach hunderten zählende Schar von Straßenfegern muß Dienst tun, damit die Straßen am Morgen wieder einen reinlichen Anblick haben. Die städtischen Wasserwerfe dürfen nie stillstehen, und draußen an der äußersten Grenze des Nordostens, im Asyl in der Fröbelstraße, müssen fiets Beamte im Dienst sein, um jene Unglücklichen aufzunehmen, denen selbst das Notwendigste fehlt, ein Obdach. Größer aber noch und viel mannigfaltiger sind alle die Nachtarbeiten, die in der Privatindustrie und in allen den Geschäftszweigen geleistet werden, in denen die in der Nacht entstehenden Bedürfnisse gedeckt werden müssen. Eine große Anzahl von Kellnern, Köchen, Hausdtenern und sonstigem Aufwarte- und Hauspersonal muß in Hotels, Gasthöfen, Kaffeehäusern und Nachtkneipen aller Art tätig sein, um die Ansprüche der Gäste zu befriedigen. Ein ganzes Heer von Privatwächtern ist angestellt, um in Fabriken, in groBen Geschäftspalästen und bei den Juwelieren über die Sicherheit manchmal ganz fabelhafter Werte zu wachen. Das Pflaster verfehrsretcher Straßen wird fast immer nur in der Nacht ausgebessert und auch das Einsetzen neuer Schienen im Straßenbahngeleise und ähnliche Arbeiten sind zum größten Teil Nachtarbeit. Auch die Buchdrucker und alles, was mit der Herstellung der Tageszeitungen zusammenhängt, stellen zur Nachtzeit ein großes Kontingent, da die Morgenzeitungen während der Nacht hergestellt werden. Es gibt aber auch noch andere Nachtarbetten", die der Spitzbuben und Verbrecher, zu deren Ueberwachung wiederum viele Schußleute und Kriminalbeamte Nachtötenst tun müssen. Die Denkmalsweihe in London. Det Enthüllung des Denkmals der Königin Viktoria in London hat am Dienstag in überaus feterlicher Weise stattgefunden. Kurz vor 12 Uhr mittags verließen bet schönem Wetter der Kaiser und die Kaiserin, der König und die Königin von England mit der königlichen Familie, ge= lettet vom Hofstaat, den Buckinghampalast und begaben sich zu Fuß zu dem Baldachin gegenüber dem Denkmal der Königin Viktoria. Die Truppen erwiesen die Ehrenbezugung. Als die Majestäten und ihr Gefolge unter dem Baldachin Platz genommen hatten, überreichte der Vorsitzende des Denkmalsausschusses den Bericht und die Adresse. Darauf hielt König Georg eine Ansprache, in der er zunächst auf König Eduards Anteil an der heuttgen Gedenkfeter hinwies, des Königs, der heute mehr als fe in dem itebenden Gedächtnis der Engländer lebe. Dann fuhr der König fort: Es ist für mich und meine Familie eine große, Hefe Befriedigung, daß mein Iteber Vetter der Deutsche Kaiser, begleitet von der Kaiserin, bet dieser hißorischen Feier anwesend ist. Seine Kaiserliche Majestät ist der älteste Enkel der Königin Viktorta, die er immer mit natürlicher Zuneigung und Liebe verehrt hat, und seine Anweserhett und die Sympathten, die er uns in den letzten Tagen thres Lebens und später entgegengebracht hat, werden von mir und meinem Volke niemals vergessen werden. Starke und lebendige Bande der Verwandschaft und Freundschaft vereinigen unsere Throne und Personen, und mein Volk freut sich mit mir darüber, daß er heute hier ist, um an der Enthüllung dieses Dentmals teilzunehmen. Ich bitte Gott, daß dieses Denkmal in London immerdar den Ruhm der Regierung der Königin Viktoria künden und den zukünftigen Geschlechtern die Liebe und Verehrung dartun möge, die das Volk für fte und ihr Andenken hegt. Der König schloß, indem er mit warmen Worten der Hingebung gedachte, die Königin Viktoria thren öffentlichen Pflichten gewidmet hat. Nach der Ansprache des Erzbischofs von Canterbury fiel unter Geschüßdonner die Hülle des Denkmals. Bei der Denkmalsenthüllung trug der Kaiser ebenso wie der König englische Feldmarschalluniform mit dem Bande des Hosenbandordens. Der Kaiser und die Kaiserin, der König und die Königin standen während der ganzen Feier auf der großen Plattform des Denkmals nebeneinander. Nach der Enthüllung legte der Kaiser am Denkmal einen schönen Lorbeerkranz nteber, ebenso die Abordnung des Gardedragonerregiments Köntgin Viktorta von Großbritannien und Irland. Nach der Enthüllung formierten sich die Truppen zum Vorbetmarsche und defilterten vor dem Kaiser und dem Köntg. Nach dem Vorbetmarsch nahmen die Truppen an dem Wege Aufstellung, auf dem der Kaiser und der König nach dem Pa= laste zurückkehrten. Der König ernannte den deutschen Kronprinzen zum Chef des 11. Husarenregiments. Am Abend fand große Galatafel statt. Die Schönheit des Denkmals sowie die bewundernswerte Art und Weise, wie alle Veranstaltungen ausgeführt wurden, haben einen tiefen Eindruck auf den Kaiser gemacht. Die Londoner und das deutsche Kaiserpaar. Der Empfang der deutschen Kaiserfamilie seitens der Londoner Bevölkerung ist diesmal herzlicher als früher, insbesondere wird die Prinzessin Vittoria Luise überall sympathisch begrüßt. Ueber das Aeußere des Katlers, der Kaiserin und der Prinzessin finden sich in verschiedenen englischen Zeitungen folgende Bemerkungen: " Der Kaifer fah älter aus, aber noch kräftiger und imponierender als früher. Helläugig und ernst, und doch gütig. Jeder seiner Gefichtszüge trägt den Stempel der Charakterstärke, jede Bewegung läßt Festigkeit des Willens und Entschiedenheit erkennen." Ueber die Kaiserin sagt das Blatt:„ Sie trug ein Kleid von Mauvefarbe, und ihr schönes, graues Haar war von einem großen Hute, der mit Straußenfedern geztert war, bedeckt. Die hohe Frau schien bester Laune zu sein und freute sich offenbar sehr über die herzliche und begeisterte Begrüßung seitens des Publikums." Ueber die Prinzessin Vittoria Lutse fe= fen wir: Die Erscheinung der Prinzessin erregte großes Intereffe, da es ihr erster Besuch in London ist. Ste war einfach, aber reizend gekleidet, in ein weißes Kostüm. Der große Hut war mit Aigretten geschmückt, und in der Hand htelt fte einen weißen Sonnenschirm. Ste machte auf alle, te sie sahen, den Eindruck einer sehr hübschen, liebenswürdigen jungen Dame; ste fand sich offenbar sehr schnell in die neue Umgebung hinein und schien sich sehr zu amüsieren. Sehr schnell freundete sie sich mit der Tochter unseres Königspaares an, mit der fie fich eifrig unterhielt. Die beiden Prinzessinnen sind von derselben Größe. Viktoria Lutse sieht ihrem Vater. dem Kaiser, sehr ähnlich." Die ,, Deutschland" ein Wrad. Zur Katastrophe des Seppelin- Luftschiffes„ Deutschland", das, wie gemeldet, am Dienstag beim Auslaufen aus der Düsseldorfer Halle schwere Havarie erlitt, erklärt der Führer Dr. Edener folgendes: Um 9 Uhr war das Luftschiff aur Abfahrt bereit, und die Bedienungsmannschaften und die Feuer wehr zogen das Luftschiff zur Halle heraus, nach dem man sich vorher überzeugt hatte, daß die augenblickliche Windstärke 3-4 Sekundenmeter betrug und die Windrichtung im Längsschnitt der Halle verlief. Schon war das Luftschiff ganz aus der Halle herausgebracht und hatte mit seiner Spitze die Hälfte der Schutzwand erreicht, da faßte plöglich eine heftige Seitenböe das Luftschiff. Das anwesende zahlreiche Publikum eilte sofort herzu und etwa 120-150 Personen versuchten das Luftschiff zu halten. Trotzdem wurde es gegen die Wand getrieben und erlitt in der Nähe der hinteren Gondel einen leichten Knick. In demselben Augenblick wurde die Spitze des Schiffes, die sich inzwischen emporgehoben hatte, gegen die Kante des Daches geschleudert, geknickt und legte sich über das Dach selbst. So war das Luftschiff ein Wrad. Man war nun in erster Linie auf die Rettung der acht Passagiere bedacht. Die in der Halle befindliche Leiter der Feuerwehr wurde hervorgezogen, um die Passagiere aus der Gondel, die sich in etwa 15-20 Meter Höhe befand, aus ihrer gefährlichen Lage zu befreien. Die Bergung bot große Schwierigkeiten, aber infolge der umsichtigen Leitung gelang es, die Passagiere ohne die geringsten Verlegungen in Sicherheit zu bringen. Inzwischen war auch Militär, das von der Uebung zurüdgekehrt war, zur Hilfe geeilt und beteiligte sich mit Eifer am Rettungswerk. Der Schaden ist so groß, daß das Luftschiff vollständig betriebsunfähig ist, seine einzelnen Teile zum Neubau nicht mehr zu verwenden sind. Das Unglück ist auf höhere Gewalt zurückzuführen, und es hätte nicht eintreten können, wenn man auf der Golzheimer Heide, wo die Halle steht, nicht mit ganz anormalen Windverhältnissen zu rechnen hätte. Die unversehrten Ballonets, die Gon del und die Maschinen werden nach Friedrichshafen geschafft, gleichfalls die Aluminiumteile, die dort eingeschmolzen werden sollen. Graf Zeppelin ist sofort von dem linglück benachrichtigt worden. Der Zeppelin- Luftkreuzer Deutschland" ist aus den Trümmern des bei einer Journalistenfahrt am 28. Junt 1910 im Teutoburger Walde gescheiterten Luftschiffes glets chen Namens hervorgegangen, wies jedoch einige Aenderungen gegen dieses auf. Die Deutschland" war bei einem Gasinhalt von 19 000 Kubikmetern 148 Meter lang und hats te einen größten Durchmesser von dreizehn Metern. Die Motorenstärke betrug 360 PS. Die Passagiergondel, die mit allem Komfort ausgestattet war, bot 24 Personen Platz. Erst vor Monatsfrist war der Ballon von Friedrichshafen nach Stuttgart und dann nach seinem Standpunkt in Ditsseldorf geflogen, wobei sich das Schiff sehr gut bewährte. Wenige Tage nach seinem Eintreffen in Düsseldorf stieß der Deutschland" ein Unfall zu, der aber wenig Schaden verursachte. Das Schiff stieß beim Herausbringen aus der Halle gegen die Wand, und ein Propeller und die Steue rungsvorrichtungen wurden beschädigt. Nach einigen Tagen war die Reparatur beendet, und die„ Deutschland" nahm ihre Passagierfahrten auf, die sie in die weitere Umgebung von Düsseldorf führten und regen Zuspruch fanden. Nun hat das stolze Schiff, wie seine Vorgänger, nach furzer Lebensdauer seinen Untergang gefunden. Düsseldorf, 17. Mat. Graf Zeppelin, ber heute früh hier eingetroffen ist, besichtigte gegen 8 Uhr die Trimmer des Luftschiffes. Er äußerte sich über den Unfall dahin, daß es angebracht set, elnen zweiten Ausgang an der Halle anzubringen. Drabtnachrichten und Deuestes. Zum Besuche des Kronprinzenpaares in Petersburg. Petersburg, 17. Mat. Anläßlich der bevorstehenden Ankunft des deutschen Kronprinzen und der Kronprinzessin in Petersburg veröffentlichen die Zeitungen Bilder des Paares und bringen sehr herzliche Begrüßungsartifer. Das Kronprinzenpaar hat gestern abend 10 Uhr die rus fische Grenze bei Wirballen passtert, wo es von dem russischen Ehrendienst begrüßt wurde. Große Unterschlagungen eines Gemeindekassierers. Göln, 17. Mai. In Fraulautern im Rheinland wurde während einer Erkrankung des Einnehmers in der Gemeindefasse eine Revision abgehalten. Dabet entdeckte man jahrelang zurückliegende Unterschlagungen. Vorläufig ist ein Fehlbetrag von 50 000 M festgestellt. Gehaltsforderungen der französischen Postund Telegraphenbeamten. Paris, 17. Mai. Die Post- und Telegraphenbeamten hielten gestern abend eine Versammlung ab, in der fte eine 20prozentige Erhöhung des Gehaltes forderten für alle Beamte, die weniger als 6000 Francs jährlich beziehen. Handel und Verkehr. Frankfurt, 15. Mai. Viehmarktpreise vom 15. Mat. Preise für 1 8entner: Rinder: A. Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes höchstens 7 Jahre alt ( Lebendgewicht) 49-54 M,( Schlachtgewicht) 89-93 M, 6) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete ( Lebendgewicht) 44-48 M,( Schlachtgewicht) 80-87 M, c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere( Lebendgewicht) 41-43 M,( Schlachtgewicht) 75-79 M. B. Bullen. a) vollfleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtwertes( Lebendgewicht) 43-47 M,( Schlachtgewicht) 71-78 M. 6) vollfleischige jüngere( Lebendgewicht) 40-42 M,( Schlachtgewicht) 66-70 M, c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere( Lebendgewicht) 37-38 M,( Schlachtgewicht 67-69 M. C. Färsen und Rühe: a) vollfleischtge, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes( Lebendgewicht) 45-47 M,( Schlachtgewicht) 81-84 M, b) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachfwertes bis zu 7 Jahren( Lebendgewicht) 43-46 M, ( Schlachtgewicht) 80-83 M, c) 1. wenig gut entwickelte Färsen( Lebendgewicht) 40-42 M,( Schlachtgewicht) 77-81 M, do. 2. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe( Lebendgewicht) 35-40 M,( Schlachtgewicht) 65 bis 74 M, d) mäßig genährte Kühe und Färsen( Lebendgewicht) 30-34 M,( Schlachtgewicht) 60-68 M, e) gering genährte Kühe und Färsen( Lebendgem.) 20-27 M,( Schlachtgewicht) 46-52 M. D. Stälber: a) Doppellender feinste Mast ( Lebendgewicht) 00-00 M,( Schlachtgewicht) 00-00 M, 6) feinste Mast( Vollmilch- Mast) und beste Saugtälber( Lebendgewicht) 00-00 M,( Schlachtgewicht) 00-00 M, c) mittl. Mast- und gute Saugfälber( Lebendgewicht) 50-55' M, ( Schlachtgewicht) 85-93 M, d) geringe Saugfälber( Lebendgewicht) 44-48 M,( Schlachtgewicht) 75-81 M. Schafe. A Stallmastschafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthämmel ( Lebendgewicht) 43-45 M,( Schlachtgewicht) 88-90 M, 6) ältere Masthämmel und gut genährte Schafe( Lebendgewicht) M,( Schlachtgewicht)-M. Schweine a) vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kilogramm Lebendgewicht( Lebendgewicht) 45-47 M,( Schlachtgewicht) 58-60 M, b) vollfleischige Schweine unter 80 Kilogramm Lebendge= wicht( Lebendgewicht) 44%-47 M,( Schlachtgewicht) 57-60 M, c) vollfleischige Schweine von 100 bis 120 Kilogramm Lebendgewicht( Lebendgewicht) 45-47 M,( Schlachtgewicht) 56-59 M, d) vollfleischige Schweine von 120 bis 150 tlogramm Lebendgewicht( Lebendaewicht) 45-47' M,( Schlacht gewicht) 56-59 M. Achtung! Achtung! Morgen Freitag, den 19. d. Mts., großer Verkauf im Garten des„ Hotel zum Felsenkeller" in Gießen, in Gemüse und Apfelsnes etc. zu ausnahms: ( 281) weise billigen Preisen durch Klein aus Köln. Günstige Gelegenheit! Brandbeschädigtes Getreide aus dem Genossenschaftskornhausbrande in Fulda herrührend, welches sich zur Schweine, Rindvieh- und Geflügelfütterung eignet, liefert à Mt. 3.70 per Zentner mit Sad frei an die Bahn Fulda unter Nachnahme sowie Probezentrer stehen zu Diensten. M. Strauss, Jobannisstraße 4 in Fulda. Sie gewinnen Vertrauen, wenn Sie einen Versuch mit meinen konkurrenzlosen Marken gemacht haben, welche unter steter Kontrolle eines beeidigten Chemikers stehen. Anerkannte Fachleute können meine Margarine von feinster Meiereibutter nicht unterscheiden. Ich versende franko gegen Nachnahme: 1 Postpaket Exquisita", allerfeinste Pflanzenbutter( Margarine) 9/1, netto Mk. 6,65. 1 Postpaket ,, Regina" aus besten Rohmaterialien hergestellte Margarine 9/1, netto Mk. 6,45. 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