Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. Erscheint jeden Werktag früh.- Die„ Illuftr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Nr. 90. Telephon: Nr. 362. 40 Jabre Reichsverfassung. Die Präsidialstellung der preußisch. Krone. Noch bevor die Flammen des Kulturkampfes aufloderten, handelte es sich für Bismarck darum, die neue Verfassung des Deutschen Reiches zu sichern. Der fast zweihundertjährige Traum des deutschen Volkes war in Erfüllung gegangen: einem einigen Deutschen Reiche sollte nun unter einer starken und würdigen Leitung eine sichere Bürgschaft für den Frieden Europas, für den geistigen, sittlichen und kulturellen Fortschritt seiner Völfer gegeben werden. Alle früheren Hoffnungen waren durch den ruhmvollen Krieg 1870-71 zur unumstößlichen, festen Gewißheit geworden. „ Stolz ragt vom Fels zum Meeresboden das hohe Werk, das du vollbracht mit blanker Wehr, im Süd und Norden, die hehre Feste deutscher Macht!" Mit diesen Worten feierte Emanuel Geibel den unvergänglichen Ruhm Kaiser Wilhelms 1., dem Deutschen Reiche Stellung und Macht erworben zu haben. Jn blutigen Kämpfen war es errungen worden. Doch den sauren Wochen folgten frohe Feste. Siegesgesang ertönte durch alle Lande, und in Deutschland selbst schwoll Jubel am mächtigsten an. der Die äußerliche Einheit war geschaffen worden. Noch galt es aber, eine allgemeine Reichsverfassung ins Leben zu rufen. Jene Reichsverfassung, die am 14. April 1871 vom Reichstag angenommen wurde, und von der Kaiser Wilhelm 1. selbst sagte:„ Sie bewahrt Deutsch= land inmitten seiner Erfolge vor jeder Versuchung zum Mißbrauch seiner durch seine Einigung gewonnenen Kraft. Die Achtung, die Deutschland für seine eigene Selbständigkeit in Anspruch nimmt, zollt es bereitwillig der Unabhängigkeit aller anderen Staaten und Völker, der schwachen wie der starken." Die Verfassungsurkunde sagt in kurzen Worten:„ Die Krone Preußens nimmt die Präsidialstellung in Deutschland ein; der preußische König wird zugleich deutscher Kaiser." Geeint ist Deutschland aus der Feuerprobe des heiligen Krieges hervorgegangen. Es bewahrt sich jetzt nach den Bestimmungen der deutschen Reichsverfassung als Erbteil die Ordnung seiner eigenen Angelegenheiten. Sozialdemokratische Colleranz. Durch die Zeitungen, auch demokratische, wird dazu folgender besonders krasse Fall gemeldet: „ Wie die Sozialdemokratie eine Firma zu würdigen weiß, welche sich bemüht, den sozialen Forderungen der Arbeiterschaft weitgehend entgegen zu kommen, wird durch den derzeitigen Streik bei der Firma Freese in Berlin grell beleuchtet. Das Verhältnis obiger Firma zu ihrer Arbeiterschaft ist bekannt. Durch das dort eingeführte konstitutionelle Fa= briksystem ist der Arbeiterschaft ein weitgehender Einfluß auf die Arbeits- und Lohnverhältnisse einge räumt. Früher besetzte das Fabrifparlament ( den Arbeiterausschuß) ausschließlich die sozialde mokratische Arbeiterschaft. Die Andersdenkenden mußten sich, wie im Staatsleben, den Beschlüß sen dieser Volksvertretung fügen. Nun wendeten sich in letzter Zeit die Dinge. Durch Mißgriffe der Sozialde mokraten und durch eifrige Agitation der Gewerk vereine wurde politisch besehen der Linksliberalismus im Freeseschen Staate so gestärkt, daß er die Mehrheit der Volksvertretung( Ausschuß) für sich eroberte. - Das paßte der Sozialdemokratie natürlich nicht. War man vorher in der Sozialdemokratie schon nicht besonders entzückt, daß diese Firma so wenig Angriffsflä chen bot, wodurch die sozialdemokratische Agitation dort eigentlich ihre Bedeutung verlor, so sucht man erst recht nach Gründen zu Differenzen, als sich ein größerer Teil der Arbeiterschaft erlaubte, eine eigene Meinung zu haben. Jm großherzoglichen Schloß zu Schwerin, so berichtet das Gewerkvereinsorgan„ Die Eiche", sollten Jalousien montiert werden. Da nicht genügend Einsetzer vorhanden waren, sollte ein Schreiner aus der Werkstatt mit auf Montage fahren. Da dieser Schreiner dem Gewerkverein der Holzarbeiter angehörte, weigerten sich die sozialdemokratischen„ Verteidiger der Koalitionsfreiheit", mit dem Gewert vereinler auf Montage zu fahren. Im Weigerungsfall wollten sie die Arbeit niederlegen. Dies geschah, da Freese das Ansinnen ablehnte. Auf dieses unqualifizier bare Verlangen antwortete Herr Freese mit Entlassung der soz.- dem. Gewerkschaftler. Das war der erste Aft. der Großherzoglichen Bürgermeisterei des Großherzoglichen Polizei- Amtes sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Dienstag den 18. April 1911 Nun kam der Transportarbeiter- Verband und setzte ebenfalls einen Streit in Szene. Dieser Verband legte Herrn Freese ein Schreiben vor, in welchem er durch seine Unterschrift erklären sollte, daß er gegen die 3 u- gehörigkeit seiner Arbeiter zu den sozial demokratischen Gewerkschaften nichts einzuwenden habe. Herr Freese erklärte sich unter der Bedingung bereit, daß die sozialdemokratischen Verbände sich verpflichten, seinen Arbeitern, welche in anderen Drganisationen organisiert sind, keine Schwierigkeiten mehr zu machen. Im übrigen verwies er den Antrag an den Fabrikausschuß, welcher die Anschauung der Arbeiter zu dieser Frage vertreten sollte. Nun geschah das Unglaubliche! Anstatt die Entscheidung dieses Aus= schusses, wie bisher üblich, abzuwarten, lehnten die Transportarbeiter den Ausschuß ab und traten in Streik. Solange also die Sozialdemokratie in diesem Ausschuß die Mehrheit hatte, mußten sich Andersdenkende dessen Beschlüssen fügen. Heute, wo die Sozialdemokratie die Mehrheit in dem Ausschuß verloren hat, pfeift sie auf das konstitutionelle System und zieht die Gewalt dem Recht vor. Also nicht um Lohn oder sonstige materielle Dinge fämpft die Sozialdemokratie bei Freese, sondern um den Arbeitern einen wirtschaftlichen Fortschritt zu zertrümschaft" zur Koalitionsfreiheit zu bekunden. mern, und ferner wieder einmal ihre offene„ Freund- ist ein Frevel an der Arbeitersa che. Dies Was die Sozialdemokratie hier treibt, empfindet sogar die sozialdemokratische Presse. Das merkt man ihren Berichten über diesen Fall deutlich an, wenn man beobachtet, wie man sich dort Mühe gibt, durch falsche Darstellung des Sachverhalts der Bewegung einigermaßen Untergrund zu geben. In der Tat handelt es sich um nichts anderes als die Koalitionsfreiheit für andere als die sozialdemokratischen Arbeiterpolitische Fortschritte vernichtet werden und sozial denorganisationen zu vernichten, auch wenn dabei sozial tätigung verekelt wird! Oder will die Sozialdemokra fenden Unternehmern die Lust zu fernerer sozialer Befratie überhaupt keine soziale Ausgleichspolitik? Auf alle Freese ihre helle Freude haben, denn nur auf ihre MühFälle werden die Scharfmacher an diesem Streik bei len wird hier das Wasser von der Sozialdemokratie geleitet." Aus Stadt und Land. Gießen, den 18. April 1911. e Gießen, 18. April. Das herrliche Wetter der Osterfeiertage hatte so recht eingeladen zum Wandern in Feld und Wald. Nach allen Windrichtungen sah man zahlreiche Spaziergänger die Schritte lenken; Alt und Jung erfreute sich an dem jungen Grün der Natur. Es war Ostern so schön, wie es seit langen Jahren nicht gewesen ist. Gießen. Junge Leute, die nach der Konfirmation ihren Wohnsitz verlassen, um auswärts in Arbeit oder in ein Arbeitsverhältnis zu treten, seien da rauf aufmerksam gemacht, sich schon in ihrer Heimat mit dem in der Gewerbeordnung vorgeschriebenen Arbeitsbuch zu versehen, da die Ausstellung desselben die Zustimmung des Vaters oder Vormundes bedürfen. Erfahrungsgemäß wird dies vielfach unterlassen und es entstehen dann dem gesetzlichen Vertreter Unannehmlichfeiten. 0 Gießen, 18. April. Diejenigen jungen Damen, die sich am Blumentag als Verkäuferinnen betätigen wollen, sind hiermit nochmals gebeten, morgen Mittwoch, den 19. April, nachm. 3 Uhr, in Steins Garten in der angesetzten Besprechung zu erscheinen. Eine recht zahlreiche Beteiligung aus allen Kreisen der völkerung ist erwünscht. == Gießen, 18. April. Der hiesige Bäckerverein „ Früh auf" feierte gestern sein 25jähriges Stiftungsfest durch Umzug und anschließender Feier in Steins Garten. Am Abend war Ball. Von Auswärts waren die Brudervereine aus Marburg, Mainz, Hanau, Wiesbaden 2c. mit ihren Fahnen erschienen und pflegten so rechte Kollegialität. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pig. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. Klein Linden. Der Blumentag wird hier am Sonntag, den 7. Mai, recht praktisch durchgeführt. Mädchen im Alter von 15-18 Jahren verkau= fen am Tage die Blumen und der Gesangverein„ Ei n- tract" veranstaltet am Abend im Gasthaus„ zur deutschen Eiche" ein Konzert, zu dem nur die Zutritt haben, welche im Besitz einer der ausgebotenen Blumen sind. Eberstadt( Kr. Gießen). Beim Walzen von Saatfeldern wurden die Pferde des Landwirts Wilh. Sonns scheu und gingen durch. Sonns geriet unter die Walzen und kam ohne nennenswerten Schaden davon. Die rasenden Tiere konnten erst bei den Wettermühlen in der Nähe von Oberhörgern zum Stillstand gebracht werden. sund. Friedberg( Hess.). Am 18. Juni findet hier der Delegiertentag des Hassiaverbandes statt. * Bodenheim. Hier warf ein Mutterschwein nicht weniger als 17 Junge; alle sind munter und geUnter Ostern i. D. Von Seiten des zuständigen Amtsgerichts in Reichelsheim wurden durch berichtet die„ Franks. Warte") bei den Bürgermeistereien den dortigen Amtsrichter am Palmsonntag( so in Unter- und Ober- Ostern standesamtliche Prüfungen vorgenommen. Budenheim. Baron von Waldhausen ließ in der Nähe seines Schlosses 250 000 Quadratmeter Hochwald abholzen. Das gewonnene Feld soll zu Ge= müse-, Obst- und Spargelkulturen verwendet werden. Darmstadt. Der Darmstädter Frühjahrs= pferdemarkt, der vom 15.- 17. Mai stattfinden sollte, ist wegen der noch herrschenden Maul- und Klauenseuche auf unbestimmte Zeit verschoben. ist hier ausgebrochen, nachdem die hiesigen Meister die Darmstadt. Ein Schuhmacherstreif zent abgelehnt haben. Wiederholte Versuche, die Diffevon den Gehilfen geforderte Lohnerhöhung von 10 ProReichsverbandes gegen die Sozialdemokratie gegen den renzen beizulegen, haben zu keinem Resultat geführt. Mainz, 15. April. In der Klagesache des Redakteur Schildbach von der sozialdemokratischen„ Mainzer Volkszeitung", über die wir s. 3. berichteten, wurde heute früh das Urteil gefällt. Schildbach erhielt 50 Mt. Geldstrafe und die Kosten des Verfahrens. Das Urteil wird publiziert. * Wiesbaden. Die Königin von Griechenland, die wegen eines Augenleidens mehrere Wochen hier Aufenthalt genommen und von dem Augenarzt cafen von Wiser behandelt worden war, hat Wiesbaden wieder verlassen. -0- Siegen. Die Herren Reichstagsabgeordneten Dr. Burckhardt und Franz Behrens hatten gegen das nationalliberale„ Siegener Volksblatt" wegen des bekannten Friedensdorfer„ Triolenmärchens" Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Am letzten Mittwoch stand in dieser Sache Termin vor der Siegener Strafkammer an. Dr. Burckhardt und Behrens waren persönlich erschienen, ersterer als Zeuge, letzterer als Nebenkläger. Vor Eintritt in die Verhandlung gab Rechtsanwalt Frey, der Vertreter des Abg. Behrens, die Erflärung ab, daß zwischen den Parteien ein Vergleich zustande gekommen sei. Redakteur Oswald Riedel( früher Schriftleiter der„ Vaterländischen Volksblätter" in Wetzlar) gab hiernach folgende Erklärung ab: Ich verpflichte mich, in dem Siegener Volksblatt innerhalb zwei Wochen nach Annahme dieses Ver= gleiches folgende Erklärung zu veröffentlichen: Ich erfläre hiermit, daß die in unserem Blatt in der sogenannten Triolen- Angelegenheit, die sich in Friedensdorf abgespielt haben sollte, veröffentlichten Behauptungen sich nicht auf die Herren Abgeordneten Franz Behrens und Dr. Burckhardt bezogen haben. Ich habe mich auch überzeugt, daß die Behauptungen, soweit sie Herrn Parteisekretär Ostehr betrafen, auf Unwahrheit beruhen und nehme daher diese Behauptungen mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück. - Oswald Riedel. Außerdem verpflichtet sich Herr Riedel, nach Kräften bemüht zu sein, daß die obige Erklärung auch in der ,, Nationalliberalen Korrespondenz" veröffentlicht wird. Ferner verpflichtet er sich, die gegen die Herren Franz Gießen. Am 9. April hat die bis 9. Juni Behrens und Dr. Oesterreicher angestrengten Privatklawährende Schon zeit für Fische in allen öffent- gen zurückzunehmen und sämtliche in diesen Klagen und lichen Wassern begonnen, die gesetzlich nicht unter die Forellengewässer" fallen. Rodheim a. d. B. Der am 4. April hier gegründete Spar- und Darlehenskassenverein hat jetzt schon 35 Mitglieder. Seit diesem Jahre ist auch noch eine Pfennigsparkasse eingerichtet worden, um der Jugend mehr Gelegenheit zur Sparsamkeit zu geben. in der Strafsache gegen ihn( Riedel) entstandenen und entstehenden Kosten zu tragen. Zu diesen Kosten ge= hören die außergerichtlichen Kosten der Herren Behrens, Dr. Burckhardt, Ostehr und Dr. Desterreicher, soweit sie die gesamte Verfolgung der Angelegenheit betreffen und soweit sie tatsächlich( ohne Rücksicht auf die Notwendigfeit) entstanden sind. jauchzenden Fittichen Que dem Aberunde der Buke los und Schädelstätte und der Schmach, ringt sich die Osterbotschaft mit So wenig es Freiheit gibt ohne Selbstzügelung, Jo menig gibt es Befreiung ohne innere Einkehr. Auferstehung ohne lich, ich habe keine Schmetterlinge gesehen, nicht einmal eine ..Das muß ein Irrtum Jein", meinte Frau Starin nachdenkFrau Starin, ..und dein Urgroßvater", fragte, wohl etwas enttäuscht, was hat er bei dem Auferstehungsfeste getan?" Keine Sonderzüge im Kaisermanöver mehr. sonen des Beurlaubtenstandes die Erfüllung ihrer milttärischen Pflichten erschwerten durch Androhen der Entlassung oder durch Auferlegung der Bedingung, binnen Jahresfrist nicht zu üben oder sich nicht zum Reserveofft= zier wählen zu lassen. Es set nicht zu verkennen, daß bei den heutigen scharfen Wettbewerbsverhältnissen der zeitweilige Ausfall einer Arbeitskraft für den Arbeitgeber empfindliche Nachteile haben könne. Anderseits werde aber von vielen Firmen den Angestellten und Arbeitern der erforderliche Urlaub, auch unter Fortgewährung des Gehalts, gern erteilt. Doch fände sich bei manchen Firmen ein zu weit gehendes Bestreben, sich den Unzuträglichkeiten zu entziehen, die ihnen aus der Erfüllung gesetzlicher Pflichten durch ihre Angestellten und Arbeiter entstehen könnten. Im Interesse des Staatswohles sei es unerläßlich, auch die schwer abkömmlichen militärpflichtigen Personen möglichst häufig zu Uebungen heranzuziehen. Der Reichstanzler wendet sich deshalb an die stets befundete vaterländische Gesinnung der Mitglieder des Deutschen Handelstags und bittet den Vorstand, seinen weitreichenden Einfluß ir dieser wichtigen Frage geltend machen zu wollen. Eine Mahnung an Montenegro. Mehrere Großmächte, darunter Rußland, unternahmen gemeinsame Schritte in Cetinje, um Montenegro, mit Rücksicht auf die Situation in Albanien, an seine internationalen Verpflichtungen zu erinnern. Wie der Korrespondenz„ Seer und Politik" von militärischer Seite mitgeteilt wird, ist eine Bestimmung des Kaifers in Anbetracht der diesjährigen Kaisermanöver ergan= gen, daß in Zukunft die Sonderzüge in den Kaisermanövern wegfallen sollen. Sie werden von jetzt an nur noch durch Automobile ersetzt werden. Dadurch erhalten die Kaifermanöver auch in dieser Beztehung eine völlig kriegsmäßige Ausgestaltung. Bisher war es Gewohnheit, die Gäste und das Gefolge des Monarchen in Sonderzügen in die Nähe des Manöverfeldes zu bringen, von wo die wei-= tere Beförderung auf das Gelände selbst zumteil durch Pferde, zumteil durch Automobile erfolgte. Im vorigen Jahr wurden 8 Automobile von der kaiserlichen Hofverwaltung angekauft, mit denen versuchsweise zum ersten Mal die Beförderung des faiserlichen Gefolges auss Manöverfeld vorgenommen wurde. Die Beförderung durch einen Sonderzug war öfters dadurch besonders schwierig, daß sich in der Nähe des Manöverfeldes fein geeigneter Bahnhof befand, von dem aus die notwendige Zeitung des Zuges und die fahrplanmäßigen Bestimmungen erfolgen konnten. Es wurde darum vor einigen Jahren ein transportabler Bahnhof zum Gebrauche des Kaisers im Kaisermanöver erbaut, der sehr schnell dort aufgebaut werden konnte, wo thn die Lage des Manövergeländes erforderlich machte. Naturgemäß bildete dieses transportable Gebäude eine große Belastung, die besonders im Kriege nicht sehr vorteilhaft sein konnte. Andererseits bildete das notwendige Festhalten am Schienenstrange eine starke Einschränkung bet der Bestimmung des Manöverfeldes, so daß sich die Sonderzüge als eine große Behinderung erwiesen. Ausschlaggebend für den Wegfall dieser Züge war aber der Umstand, daß die früheren verhältnismäßig fleinen Schlachtfelder, bei denen jede Stellung und jeder Punkt sehr schnell zu Pferde zu erreichen war, jetzt ganz anderen Umfang angenommen haben. Besonders die Schlacht Hei Mukden hat erwiesen, daß die bisherige Beförderungsart, die auch schon bei den beiden letzten Kaisermanövern nicht ausgereicht hatte, als veraltet anzusehen ist. Es wäre heute bei einer Schlacht, die sich über viele Mellen ausdehnt, nicht mehr möglich, die Offiziere usw. aus der Umgebung des Kaisers in der bisherigen Art an Ort und Stelle zu bringen. Da aber das Manöver das Abbild einer Schlacht ist und sein soll, so ist die Ausdehnung des Manövergeländes heutzutage auch bereits sehr bedeutend. Die Automobile, die bisher nur versuchsweise angewendet wurden, werden von nun an bei allen Kaisermanövern eine ständige Einrichtung bilden. Rundschau vom Cage. Politisches. Wien und Sofia. Gleichzeitig mit mehreren Mitglie= dern des österreichischen und ungarischen Hochadels erhielt König Ferdinand von Bulgarien vom Kaiser Franz Josef das goldene Vlies. Die Ordensauszeichnung wird als Zeichen dafür angesehen, daß die Wiederannäherung zwischen dem König und dem Wiener Hof vollständig vollzogen ist. Der Kronprinz geht doch nach Danzig. Die Nachricht, daß das Kommando des Kronprinzen nach Danzig in Frage gestellt sei, weil die Räumlichkeiten für die Unterkunft des Hofhalts nicht ausreichen, verdient keine große Glaubwürdigkeit. Im Gegenteil; in unterrichteten Kreisen wird mit aller Bestimmtheit daran festgehalten, daß der Kronprinz am 1. Oktober sein Kommando bei den Leibhusaren antritt. Wechsel in der amerikanischen Botschaft in Berlin. Nach einer Washingtoner Meldung ist Botschafter Dr. Hill von seinem Berliner Posten zurückgetreten. Präsident Taft hat sein Rücktrittsgesuch angenommen. Volkswirtschaftliches. Die Zentralauskunftsstelle für Auswanderer in Bers lin W 35, Am Karlsbad 10 hat im ersten Vierteljahr 1911 in 5214 Fällen Auskunft an Auswanderungslustige erteilt. Beantwortet wurden insgesamt 7698 Anfragen über die verschiedenen Auswanderungsgebiete. Davon bezogen sich 4031 auf die Deutschen Kolonien, und zwar auf DeutschSüdwestafrika 1562, Deutsch- Ostafrika 844, Kamerun 328, Togo 277, Samoa 83, Deutsch- Neuguinea 57, die Karolinen, Palau und Marianen 24, Riautschou 37 usw. Unter den fremden Auswanderungsgebieten steht Argentinien mit 768 Anfragen an der Spitze. Es gibt aber kaum ein Gebiet der Erde, über das nicht Anfragen eingelaufen und beantwortet wären. Von den 3307 Anfragenden, die ihr Alter angaben, waren 426 weniger als 20 Jahre, 2184 zwischen 20 und 30, 546 zwischen 30 und 40, 177 zwischen 40 und 50, und 24 über 50 Jahre alt, und von den 3994 Fragestellern, die Angaben über ihren Personenstand machten, waren 2937 ledig, 1036 verheiratet und 21 verwitwet. Nach dem Berufe waren unter den Anfragenden am stärksten die Kaufleute, Handwerker und Landwirte vertreten. Von den Anfragen kamen aus Preußen 3232. An der Spitze der übrigen Bundesstaaten steht das Königreich Sachsen mit 387, es folgen Bayern mit 330, Baden mit 209, Württemberg mit 176, Hamburg mit 166, Hessen mit 68 usw. Die Zentralauskunftsstelle für Auswanderer erteilt kostenlos schriftliche und mündliche Auskunft. Die Wehrsteuer in Ruhland. Der russische Finanzminister unterbreitete dem Ministerrat eine Gesetzesvorlage, wonach alle Nichtwehrpflichtigen während eines Zeitraums von vier Jahren nach ihrer Befreiung von der Wehrpflicht eine Abgabe von jährlich sechs Rubel zu entrichten haben. Kleine Nachrichten. Prinz Heinrich von Preußen unternahm am Donnerstag auf dem Darmstädter Truppenübungsplatz zwei Flüge auf einer Euler- Flugmaschine, die der Prinz, trotzdem er seit seiner Pilotenprüfung vor& Monaten nicht mehr geflogen war, mit großer Sicherheit ausführte. Die betreffende Maschine wurde von dem Einjährig- Freiwilligen Reicharōt bei seinem Fluge von Darmstadt nach Frankfurt a. M. zur Begleitung des Zeppelin- Luftschiffes benutzt. Das Luftschiff„ Deutschland" stieß Freitag nachmittag beim Herausbringen aus der Düsseldorfer Halle durch ein Versehen der Bedienungsmannschaften mit dem hinteren Propeller und einem Seitensteuer gegen die Ecken der Halle. Propeller und Steuer wurden erheblich beschädigt, sodaß fie ausgewechselt werden müssen. Bis die Ersatzteile aus Friedrichshafen eingetroffen und montiert sein werden, dürften mehrere Tage vergehen. Aus dem Reiche der Technik. Die gefunden. wußter u Aber sie g efchingen tam und legte," fo beamte, Geldbeute ihn aber und fagt Ende so Wilhelm fennt m Cin Lebens gefchieder ift neuer fich für 8 Saufterer lös den S Ein Kau gen verf haften. Verk bet Berl nende re in dem y unter de fterben w Berliner tigte fofo Stündigen der nach heraus, Drohbrie arbeiter wandter Rett zog von terschule Rettung mutigen Primane von dem nen Leb Mädchen der Auld glieder Die Die größten Schiffahrtsschlensen der Welt bekommt nach feiner Erweiterung der Kaiser- Wilhelm- Kanal( Nord- Ostseekanal). Sie werden noch größer als die Schleusen am Panamakanal und reichen voraussichtlich auch bet stärker anwachsenden Schiffsabmessungen noch auf lange Jahre htnaus. Nach Fertigstellung werden die Schleusen eine Länge von 330 Metern, eine Tiefe von 14 Metern und eine Breite von 45 Metern haben, gegenüber 305, 12, und 33,5 Metern für die entsprechenden Maße der Schleusen am Panamakanal. Die Gefahren der Aviatik. Der Aviatiker Rost in Harburg unternahm mit seinem neuerbauten Apparat einen Flugversuch. In einer Höhe von 15 Metern flog der Propeller, der anscheinend zu schwach gebaut war, auseinander, und der Apparat stürzte in die Tiefe. Er wurde gänzlich zertrümmert. Rost erlitt eine Verletzung am Kopf und verstauchte sich beide Beine. Das Konsistorium der Rheinprovinz hat dem Pfarrer Radecke in Cöln wegen seiner Berliner Jathorede eine Zurechtweisung erteilt. Die Kirchenbehörde spricht ihm thr ernstes Mißfallen darüber aus, daß er in einer agitatorischen Versammlung mitgewirkt habe und bedauert dies umsomehr, als es sich dabei um eine in einem gesetzlich geordneten Verfahren schwebende Angelegenheit handelt. Die Stellung der Konservativen zur Reichsversiche rungsordnung wird auch durch eine Notiz der Deutschen Tagesztg." beleuchtet, worin sie für deren Erledigung noch durch diesen Reichstag eintritt. Was wird fragt das Blatt wenn der Entwurf jetzt scheitert?" Und sie gibt darauf folgende Antwort:„ Er würde sicher wiederkommen, ja wahrscheinlich dem nächsten Reichstage sofort wieder vorgelegt werden. Ob sich dann vom Standpunkte der rechtsstehender Parteien auch nur das erreichen lassen würde, was jetzt erreicht wird, ob eine Mehrheit sich wieder zusammenfindet wie jetzt, das ist mindestens fraglich. Dess halb muß man trotz aller Bedenken vom Standpunkte des nüchternen abwägenden Realpolitikers wünschen, daß die Reichsversicherungsordnung nicht scheitere, sondern vom Jezigen Reichstage in zweckmäßiger und erträglicher Weise erledigt werde. Urlaub zur Erfüllung militärischer Pflichten. Der Reichstanzler hat an den Deutschen Handelstag ein Schreis ben gerichtet, worin es heißt, von militärischer Seite sei darauf hingewiesen worden, daß einzelne kaufmännische und industrielle Firmen dienst- und übungspflichtigen Per16) Des Rätsels Lösung. Roman von Ludwig Blüm ck e. ( Nachdruck verboten.) Das Opfer seiner Unvorsichtigkeit wurde in Kottbus ein Ackerbürger. Er wollte einem seiner Kinder, dem ein Glas Medizin zum allmählichen Einnehmen( mehrstündlich einen Teelöffel voll) verordnet war, dadurch Mut zum Trinken machen, daß er den größeren Teil auf einmal austrank. Er starb nach kurzer Bett an den Folgen seiner Unvorsichtigkeit. Die Desinfektion der Eisenbahnwagen. Ein interessan. ter Riesenapparat ist fürzlich von der Potsdamer Eisen= bahnhauptwerkstätte in Betrieb genommen worden. Er dient zur Desinfektion von Eisenbahnwagen. Bisher war die Säuberung der Wagen von Krankheitsfeimen und Ungeziefer sehr schwierig, fostete viel Zeit und Geld und wurde niemals gründlich durchgeführt. Jetzt wird der zu desinfizierende Wagen, der etwa 1200 Bentner wiegt, mit geöffneten Fenstern einfach in einen Riesenkessel geschoben, und aus 250 Röhren strömt fünf Stunden lang heißer Dampf durch alle Abteilungen. Dann wird die Luft herausgepumpt und alle Keime in den Polstern und Riten sind getötet. Vom elektrischen Starkstrom getötet. Beim Gut Quarnbet bet Kiel brachen in schwerem Sturm vier Masten der Starkstromlettung ber Gutszentrale. 3wet vom Felbe heimkehrende pointsche Arbeiter und eine polnische Arbetterin wurden beim Passieren der Unfallstelle durch Berührung der Stromlettung sofort getötet. Sardi war höchlichst überrascht und wußte im Augenblich nicht, ob die schöne Komtesse im Scherz oder im Ernst zu ihm sprach. Wie ste ihre Frage aber recht nachdrücklich wiederholte, da verbeugte er sich und antwortete: Eine förmliche Gesundbeterepidemie ist in Ispringen ( Baden) ausgebrochen. Die Kranken wurden in die Hetdelberger Jrrenklinik gebracht. Der leitende Arzt der Klinik bestätigte in einer Unterredung, daß die Geistesfrankhett tatsächlich mit den intensiv betriebenen Gebetübungen zusammenhänge. Aus den Gerichtssälen. Die Folgen einer Urlaubsüberschreitung. Der Unteroffizier Grueßner vom 63. Infanterieregiment in Oppeln war am 28. Februar d. J. bis nach 12 Uhr ohne Urlaub ausgeblieben und wollte dann über die Maner in die Kaserne. Der auf Posten stehende Musketier Winkler hielt ihn fedoch fest. Grueßner riß sich aber los und versetzte dem Boften mehrere Schläge auf den Helm und die Hände. Das Kriegsgericht der 12. Division in Neiße verurteilte den Unteroffizier zu zwei Jahren drei Tagen Gefängnis und Degradation. Ein entsetzliches Brandunglück hat sich in Essen a. d. Ruhr zugetragen. Dort spielten in einer Arbeiterwohnung die Kinder in Abwesenheit der Eltern mit Streichhölzern. Dabet brach Jeuer aus, und die drei Kinder im Alter von sechs Monaten, zwet und vier Jahren sind töölich verbrannt. Aus einer brennenden Seifenfabrik gerettet wurden in Neuvork 50 Mädchen durch die Geistesgegenwart der Werkführerin, die nach der letzten Katastrophe am Washingtonplab Feuerdrill einübte, dessen Ausführung beim Ausbruch des Feuers trotz der Panik durchsetzte und alle Mädchen die Notlettern hinunterführte. „ Ganz wie Gnädigste befehlen! Ich werde schweigen!" Mit einem triumphierenden Lächeln in ihrem schö nen Gesicht fuhr die Komtesse nun fort: Ich brauche notwendig Geld, nur 2000 Mark. Wozu, das muß Geheimnis bleiben. Andeuten möchte ich nur, daß es zu einem guten Zwecke verwendet werden soll. Ein Telegramm an meine Mutter, an irgend eine Freundin oder Bekannte, ein Wort an meine Schwester, und ich hätte dieses Sümmchen, um das ich gerade in Verlegenheit bin, da ich nicht darauf vorbereitet war, daß ich es so plötzlich brauchen müßte. Aus mancherlei Gründen möchte ich mich an jene nicht wenden. Vielmehr wollte ich Sie bitten, mir das Geld binnen 24 Stunden zu beschaffen. Es wird Ihnen das ja feine große Mühe verursachen. In drei Tagen würde ich es Ihnen zurückgeben können." Ein Heiratsschwindler, durch dessen Streich eine Hochzeitsgesellschaft in eine unangenehme Situation geraten war, hatte sich am Donnerstag vor dem Strafrichter zu verantworten. Wegen Betruges hatte das Schöffengericht Berlin- Mitte gegen den Schweizer Wilhelm Meyer zu verhandeln. Der Angeklagte machte vor einiger Zeit die Befanntschaft einer Schneiderin, mit der er ein Liebesverhältnis einging, welches nach seiner Versicherung zu einer Ehe führen sollte. Die Verlobung fand auch in sehr feierItcher Weise unter dem Weihnachtsbaum statt. Da der Bräutigam klagte, daß er kein Geld habe, sich einen Hochzeitsfrack zu laufen, ging die Braut mit ihm zum Schneider und ließ ihn vom Kopf bis zum Fuß nen einkleiden. Nicht genug damit, opferte sie auch noch thre Ersparnisse in Höhe von 300 M, mit welchen der zufünftige Ehemann Einrichtungsgegenstände kaufen sollte, da die Hochzeit schon auf den 27. Februar angesetzt war. Als dieser Tag herangekommen war, hatte sich eine größere Hochzeitsgesellschaft eingefunden. Die zukünftige junge Frau hatte schon ihren bräutItchen Staat angelegt und wartete nur noch auf das Erschei= nen ihres Bräutigams. Wer aber nicht kam, war der Bräutigam. Nach längerem vergeblichen Warten erfundigte man sich nach der von M. angegebenen Adresse nach der Ursache feines Ausbleibens. Zum allgemeinen Entsetzen stellte es sich heraus, daß die Adresse falsch und ein Mann namens Meyer dort unbekannt sei. Auf die sofortige Anzeige der Braut wurde der Angeklagte, der nach Leipzig geflüchtet war, dort verhaftet. Das Gericht verurteilte den Meyer zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat. ich verbindlichst und werde mich an jemand anderes wenden. Es tut mir leid, davon gesprochen zu haben," sagte sie darauf mit blitzenden Augen, den Kopf beleidigt in den Nacken werfend. Hardi biß sich auf die Lippen. Selbstverständlich mußte er sich bereit erklären, Edelgard diesen an sich ja geringfügigen Dienst zu erweisen. Aber, ohne ein Wort verraten zu dürfen, da würde die Sache keineswegs so einfach sein. ,, Aber ich bitte sehr," rief Sardi aus.„, Gnädigste Komtesse wollen mich nicht mißverstehen. Es fehlt mir ganz gewiß nicht an gutem Willen. Ich werde mit dem Nachmittagszuge nach Wedelstein fahren und hoffe dort bestimmt das Geld zu bekommen, auch ohne, daß ich es verrate, für wen es bestimmt ist." Jedenfalls versprach er, sein Möglichstes zu tun. Weil er selber jetzt am Monatsschluß nicht bei Kasse war, so mußte er nach Wedelstein fahren, um bei seinem Vater das Geld zu leihen. Aber dürfte ich Papa nicht andeuten, für wen die zweitausend Mark beſtimmt sind?" fragte er sichtlich ver= legen. So möchte ich Sie bitten, mir das Geld morgen ge= gen Mittag persönlich zu übergeben, und zwar hier an dieser Stelle." ,, Ach, wenn Ihnen die Ausführung einer solchen Ba= aatelle iraendwie Schwteriakeiten macht, dann Danke Das dürfte unmöglich sein," erwiderte der Leutnant. Wir rücken morgen bereits um fünf Uhr früh zu einer Uebung aus, die sicher nicht vor Abend beendet ist. Ich müßte das Geld durch einen sicheren Boten schicken. Bei der Post käme ich weder heute in der Nacht, wenn ich von Wedelstein zurückgekehrt bin, noch morgen in aller Frühe an. Hätte es denn wirklich nicht bis zum Abend Zeit? Ich würde mich glücklich schätzen, wenn ich selber der Ueberbringer sein dürfte." - Auch fürchtete er, je länger er darüber nachdachte, desto mehr, daß der Vater für so eine Ueberrumpelung durchaus nicht zu haben sein würde. Er mußte alle Kraft zusammennehmen, um die Gesellschaft, die einen glückstrahlenden Bräutigam in ihm vermutete, durch seine ernste Miene nicht allzusehr in Verwunderung zu sehen. Noch sind sie sich nicht einig geworden," flüsterte die Landrätin der Sanitätsrätin zu.„ Ich glaube, er ist zu schüchtern", meinte diese. Vielleicht hat sie auch etwas aus seiner Vergangenheit erfahren." ,, Unmöglich hat es so lange Zeit! Nein, bis Mittag muß es spätestens in meinen Händen sein. Nun, ma chen wir es so: Sie geben das Geld wohlverpadt im Blauen Stern" ab und sagen, daß das Paketchen für mich bestimmt wäre und von mir abgeholt werden würde. Oder haben Sie da auch Bedenken?" - Ganz, gewiß nicht, gnädigste Komtesse! Der Vorschlag leuchtet mir ein!" " ,, Also bon! Hören Sie, man ruft mich! Wir müssen die Gesellschaft wieder aufsuchen, denn sonst könnte man uns böse sein." Hardi war der Mut zu seiner Liebeserklärung ver= gangen. Das schien der Landrätin nun das Wahrscheinlichere, und daran ließen sich allerlei interessante Betrachtungen und Reminiszenzen anknüpfen. Das Ansinnen Edelgards tam ihm, mochte er es drehen und wenden, wie er wollte, doch recht absonderlich vor. * Es dunkelte bereits start, als Hardi auf Schloß Wedel stein anlangte. Heute schien dasselbe gänzlich ausgestorben. Selbst der alte Portier war nicht da, so daß man unbehindert in das Innere eindringen fonnte. Dort kam der Inspektor Woltersdorf dem unerwarteten Gast mit überraschter Miene entgegen, begrüßte ihn in gewohnter Liebenswürdigkeit und Unterwürfigkeit und eröffnete ihm auf seine etwas barsche Frage, daß Seine Exzellenz nicht anwesend wäre. Der Herr General würde, da er nach Dollberitz zur Jagd geladen, frühestens morgen im Laufe des Vormittags zurüd sein können. Da vermochte der Leutnant einen Fluch nicht zu unterdrücken. ,, Dann kann ich nur gleich wieder zurückreiten. Lassen Sie mir ein Reitpferd satteln. Habe nicht Lust, bis zwölf Uhr, wo der letzte Zug ja erst zurückfährt, hier zu warten", rief er sehr ärgerlich aus. Woltersdorf eilte, den Befehl auszuführen. Aber Hardi rief ihn zurück und sagte in etwas leiserer Tonart er pflegte, wie sein Vater, für gewöhnlich recht laut zu reden: Oder lassen Sie es fein, Herr Woltersdorf. Sagen Sie Papa gar nichts von meinem Hiersein." - ( Fortsetzung folgt.) Itchkeit Bayerns tag im Luitpold Apostel, fte mit e gewascher Bringreg blauem ältefter Jahren. Sof, all Staatsr Die fing erh barren England fize der gentin Jahren an Gei thres S Der Jun wird au Wi Multim eine int larfönig und und Carles 100 M pom J bie Er lichkeit Rrediter And die Kaufe u Meinen Honär G beren fei allem ab bindung Seiten Biele zu teinreich folg zu allen Di machen." ts, Best Stunden Tages zu fel und bon 5 ve it ber m Stahltön Millionä tegt reft Günftlich Yett und u überh Behn Der beta In Chica ber Tub gefamtes widmen. mte man hat berei gabt, bie ples. E Mart bir Cin Haratteri Bers 1911 teilt. die Fich utich 328, inen, den t 788 t der ortel aben, 30, über aben 1086 paren Banda amen ndes olgen 176, nfts und nach Ofte am ärfer e ht Bänge Breite etern ama eilan. EisenSient die Inges wurde Binfigeöff und Dampf umpt Inter ppeln aus ferne. u teDas den В ниб Hochraten er zu gericht ver e Beesver einer feier. a der Hochneider Nicht Höhe nrich uf den mmen gefun bräut Erichet Bräu e man Trfache te es mens Je der Ilichtet Jer zu desto durch ft zu ftrah ernste te die er ift etwas ichere, ungen Bebel geftor: Vermischtes. Die neuen Sundertmarkscheine haben bekanntlich be züglich Ausführung und Format viel berechtigten Tadel gefunden. Ein abfälliges Urteil hat nun in ganz unbewußter und naiver Weise, auch ein Schwarzwaldbäuerlein über sie gefällt, das dieser Tage an einer Kasse in Donaueschingen einige hundert Mart in Scheinen ausbezahlt be= tam und dabei auch einen von den Neuen" erhielt. ,, Er legte," so erzählt der„ Frankf. 3tg." der betreffende Kassenbeamte ,,, die Scheine zusammen und versuchte sie in seinem Geldbeutel unterzubringen; der eine größere Schein geniert ihn aber offenbar dabei. Da sieht er mich hilfesuchend an und sagt, auf den neuen Schein deutend, wo das eine Ende so ziemlich unbedruckt ist und nur das Bild Kaiser Wilhelms I. in Form eines Wasserzeichens enthält:„ Sie, fennt mer des net abehaue?" Eine sonderbare Wohltäterin, die die größte Zeit ihres Lebens im Gefängnis zugebracht hat, eine 63 Jahre alte geschiedene Frau eines Sprachlehrers aus Albrechtshofen, ist neuerdings in Würzburg verhaftet worden. Sie hatte fich für 8000 M Stoffe erschwindelt, die sie als angebliche Sauftererin faufte, zu Spottpreisen wettergab und den Erlös den Armen schenkte. Für sich hat sie nichts behalten. Ein Kaufmann in Würzburg, den sie wiederholt zu betrügen versucht hatte, ließ die sonderbare Wohltäterin verhaften. Verhaftung eines Erpressers. Eine in Schlachtensee bei Berlin in einer etwas abseits stehenden Villa wohnende reiche Dame erhielt dieser Tage einen Drohbrief, in dem von ihr eine große Summe Geldes verlangt wurde unter der Androhung, daß sie eines fürchterlichen Todes Sterben werde, wenn die Summe nicht an einem bestimmten Berliner Postamt hinterlegt werde. Die Dame benachrichtigte sofort die Polizei, und dieser gelang es nach zwölfstündigem Warten, einen jungen Menschen zu verhaften, der nach der angegebenen Chiffre fragte. Es stellte sich heraus, daß der Verhaftete der Schreiber des geheimen Drohbriefes gewefen ist. Er wurde als 21jähriger Metallarbeiter aus Friedenau festgestellt, ein entfernter Verwandter seines Opfers. Rettungsmedaille für eine Schülerin. Der Großherzog von Mecklenburg hat der Schülerin der höheren Löchterschule zu Güstrow, Ursula Stuter, die Medaille für Rettung aus Lebensgefahr verliehen in Anerkennung thres mutigen Eintretens im Februar d. J., wobei sie zwet Primaner des Gymnasiums zu Güstrow auf dem Inselsee von dem Tode des Ertrinkens unter Gefährdung des eigenen Lebens rettete. Die Medaille wurde dem tapferen Mädchen anläßlich des Geburtstages des Großherzogs in der Aula der höheren Töchterschule in Gegenwart der Mitglieder des Kollegiums und der Schülerinnen überreicht. Die Fußwaschung in München. Die berühmte Feierlichkeit der Fußwaschung der zwölf ältesten Männer Bayerns durch den Prinzregenten fand am Gründonnerstag im Herkules- Saal der Residenz statt. Prinzregent Luitpold begab sich zu jedem der zwölfe, genannt die Apostel, begoß ihnen nacheinander die Füße und trocknete fte mit einem Tuche ab. Der Stiftsprobst füßte dann die gewaschenen Füße. Sterauf erhielten die Apostel vom Brinzregenten eine Geldspende, die er ihnen selbst in weißblauem Beutel um den Hals hing. Die Männer, deren ältester 98 ist, haben zusammen ein Alter von über 1100 Jahren. Der Feierlichkeit wohnten der gesamte bayrische Hof, alle in München weilenden Minister, Reichs- und Staatsräte und Kämmerer bei. man t fam mit hnter e ihm nicht nad Laufe u un= Laffen zwölf rten" Befeht te in r, für Sie es 9 Don rollte sich dieser Tage vor einem der Friedensrichter Petersburgs. Dionora Schabat flagt ihren Mann an, sie geschlagen und verstümmelt zu haben und beansprucht von ihm 150 Rubel. Abdul bekennt sich nicht als schuldig. ,, Aber Sie haben Ihre Frau geschlagen?" fragt der Richter.„ Ich habe sie geschlagen." ,, Und Sie haben ihr den Arm ausgerentt?" Ich habe ihr den Arm ausgerenkt." So sind Sie also doch schuldig!" Nein, ich bin nicht schuldig. Ich habe das wegen der Scheidung getan. Bei uns Tartaren ist es sehr schwer, fast unmöglich, die Scheidung zu erhalten. Mit mir ereignete sich nun folgende Geschichte. Ich lebte in Petersburg an die fünf Jahre als Fuhrmann. Im vergangenen Jahr rief mich mein Vater heim, um mich zu verheiraten; er sagte, daß er für mich die Tochter des Mullah ausgesucht habe. Wir Tartaren sehen die Braut erst nach der Hochzeit. Ich wußte aber, daß der Mullah zwei Töchter hatte, die ich noch als Kinder gesehen hatte; die jüngere Marjaka, sehr hübsch, die ältere- nun, Sie sehen ja selbst Herr Richter", und der Tartar blidte verächtlich auf seine Frau; schief, schieläugig.... übel wird einem, sie zu sehen! Ich begann mit dem Mullah zu verhandeln. Für die Marjaka wollte er 300 Rubel, die Dionora wollte er für 100 abgeben, aber ich hätte sie nicht einmal geschenkt genommen. Wir wurden auf die Marjata mit 150 Rubel einig, aber bei der Trauung schob man mir diese hier unter. Als ich den Schaden besah, brannte mein Herz vor Wut. Ich schickte sie zum Vater zurück, aber sie geht nicht. Da nahm ich die Knute und ging. Aber der Vater nahm ste nicht auf, und sie fehrt wieder zu mir zurück. So plagte ich mich zwei Monate; ich habe sie am ganzen Leibe braun und blau geschlagen, schlimmer als ein wildes Tier bin ich geworden. Aber der Vater nimmt sie nicht auf. Ich begann, ihn zu bitten, er solle uns scheiden, aber er scheidet nicht. Da beschloß ich, sie zu verkrüppeln, weil ich das Recht habe, eine andere Frau in das Haus zu nehmen, wenn die Frau ein Krüppel ist. Und wenn sie nicht gehen wird, so schlage ich ste noch tot." Schweigend steht Dionora ihrem Manne gegenüber. Der Richter verurteilt Schabat zu drei Monaten Gefängnis und spricht der Frau 150 Rubel zu. Die Schäße der Kaiserin- Witwe von China. In Pefing erhält sich andauernd heimlich das Gerücht, daß Goldbarren im Werte von 120 Millionen Mark heimlich nach England gebracht worden seien. Sie sollen aus dem Besttze der verstorbenen Kaiserin- Witwe, langjährigen Regentin des chinesischen Reichs, stammen, die es in langen Jahren ihrer Regierung verstanden hat, mit einer an Geiz grenzenden Sparsamkeit dem großen Vermögen thres Hauses ungezählte Schätze hinzuzufügen. Der Wert der Juwelen allein, die die Katserin- Witwe sammelte, wird auf mehr als 300 Millionen Mark geschätzt. Ueber die Heiratsaussichten der sogenannten Berufsfrau macht Käthe Schirrmacher in der„ Deutschen Frau" unter Berufung auf die Statistik Mitteilung.„ Es han= delt sich nicht darum, ob die Frau Beruf und Ehe dauernd miteinander verbinden kann und soll, sondern nur darum, ob die im Beruf stehende Frau mehr Aussichten auf Heirat hat als die sogenannte„ Haustochter". Mit letzterem Wort ist die Frage schon auf die bürgerlichen Schichten beschränkt. Von den Berufsfrauen heiraten am seltensten die Lehrerinnen. Wären Bildung und sittliche Tüchtigkeit wirklich So entscheidend, dann müßten ja die Lehrerinnen, und besonders die erziehlich- mütterlich veranlagten Lehrerinnen, den„ höchsten Ehekurs" erreichen. Das ist aber nicht der Fall; die besten Eheaussichten haben nicht einmal die Verfäuferinnen, sondern die Chortstinnen und Tänzerinnen. Unsere Statistik berichtet von 380 Choristinnen und Tänzerinnen, die sich( aus einer Zahl von 500) nicht nur verheiratet, sondern sich alle über ihren Stand verheiratet hatten: 150 mit Aristokraten, 200 mit begüterten Industriellen. Auch die Handlungsgehilfin heiratet öfters über ihren Stand. So waren laut fener Statistit von 400 Verfäuferinnen 83 mit früheren Offizieren und 12 mit wohl= habenden Kaufleuten verheiratet. Ueberhaupt sind es Industrielle und Kaufleute, die bet der Wahl ihrer Frauen den wettesten Spielraum haben, da sie wirtschaftlich am unabhängigsten und am wenigsten in enge Standesvorurtelle eingeschnürt sind und oft nicht auf Geld zu sehen brauchen.“ Wie man Millionär wird. Bei den amerikanischen Multimillionären hat ein in Neuyork erscheinendes Blatt eine interessante Rundfrage veranstaltet, um von den Dol Tartönigen das Geheimnis zu erfahren, wie man sicher und unabwendbar Millionär wird. Als erster antwortete Carles Rouß, der Besitzer eines Vermögens von mehr als 100 Millionen.„ Das Vermögen hängt einzig und allein pom Individuum ab. Je größer das Arbeitsfeld, je größer die Ernte. Arbeit, Ehrlichkeit, Sparsamkeit und PünktItchkeit sind die sicheren Grundlagen des Reichtums. Die Kreditertellung und die Zusammenarbeit mit Partnern And die gefährlichsten Feinde des geschäftlichen Lebens. Kaufe und verkaufe schnell und begnüge dich mit einem Heinen Gewinn: das führt dich sicher zum Ziel." Der MilItonär Collins P. Huntington erklärt:„ Man soll nie anberen seine eigenen Projekte erläutern oder erzählen. Vor allem aber Höflichkeit gegen alle, mit denen man in Verbindung steht. Ein Geschäft vorher eingehend von allen Seiten betrachten, dann aber direkt und energisch dem Siele zusteuern: das sind die Mittel des Erfolges." Der steinreiche Finanzmann Russel erteilt den Rat:„ Um Erfolg zu haben, muß man ehrlich sein, arbeitsam und vor allen Dingen die allerftrengste Sparsamkeit zum Prinzip machen." Ausführlicher äußert sich der Bankier D. O. WilIts, Bestzer eines Vermögens von 400 Millionen:„ Acht Stunden schlafen, 12 Stunden arbeiten und den Rest des Tages zur Berstreuung des Geistes verwenden; alle Wechfel und Schulden einen Tag vor der Fälligkeit bezahlen, bon 5 verdienten Dollars immer einen beiseite legen: das Ist der wahre Weg zum Reichtum." Auch Carnegie, der Stahlkönig, verrät sein Geheimnis und belehrt alle, die Millionär werden wollen:„ Das Geheimnis des Reichtums Itegt restlos geschlossen in folgenden fünf Grundsätzen: Bünttlichkeit, schnelles Handeln, Kaltblütigkett, Sparsamfett und in dem unerschütterlichen Prinzip, sich niemals zu überhasten." Zehn Millionen für die Bekämpfung der Tuberkulose. Der befannte Weizen- und Baumwolltönig James Patten in Chicago hat eine großartige Stiftung zur Bekämpfung ber Tuberkulose errichtet. Er hat sich entschlossen, sein gesamtes Vermögen dem Kampfe gegen die Tuberkulose zu widmen. Der Tod seines Bruders an dieser Krankheit hat, pole man sagt, ihn zu diesem Entschlusse gebracht. Patten hat bereits 2% Millionen Mark für diesen Zweck verausgabt, die er der Universität von Evanston( Illinois) überpies. Er hat dieser Summe jetzt weitere zehn Millionen Mart hinzugefügt. Ein Sittenbild aus dem tartarischen Leben. Eine harakteristische Episode aus dem Leben der Tartaren entProphetische Fernphotographie. Schon wieder ein Schritt weiter auf dem Gebiete des unmöglich Scheinenden. Nachdem, wie allgemein bekannt, Professor Korn ein Verfahren ausgearbeitet hat, das es ermöglicht, Bilder auf telegraphischen Wege zu übertragen, scheint es einer Berliner Zeitung geglüdt zu sein, fünftige, erst eintretende Ereignisse im voraus im Bilde zu bringen. Am 31. März wurde der Lötschbergtunnel durchschlagen. Schon am 26. Februar konnte das Berliner Blatt seinen Lesern, wie der Berner„ Bund" meldet, ein Bild mit der Aufschrift zeigen: Die Vollendung des Lötschbergtunnels. Die Arbeiter, die von beiden Seiten her den Berg durchbohrt haben, begegnen einander unter der Erde." Auf der einen Seite sind haltnackte Mineure zu sehen, der eine bohrend, ein anderer eben zum Schlag ausholen. In der Höhe ist ein Loch sichtbar, in dem die Mineure von der anderen Seite erscheinen. Erstaunlich, selbst in unseren neuheitsreichen Zeit. gekommen, so daß er allein dadurch ein beträchtliches Sümmchen auf die Seite legen konnte. Seitdem konnte man ihn „ totschlagen", auf den für ihn so einträglichen Verkehr mit den Geistern hätte er nicht mehr verzichtet; er räumte ihnen im Gegenteil selbst in seinem Theater einen so großen Einfluß ein, daß er die Rollen nie bsetzte, ohne vorher mit den Geistern Rücksprache gepflogen zu haben. Geistesgegenwart." Ja, meine Herren, faltblütig muaß der Mensch sei"", renommierte der Förster Gamsbichler am Stammtisch.„ Komm' t' da amal in a' Mordswetter' nei', mitten im Holz draußen. J' hab' mir g'rad' a' Pfeif'n Tabak g'stopft, mirt aber, daß l'koa eaer hab'. Halt, hab' i' mir denkt, hängst d' Pfeif'n an a' allvanstehende Ficht'n hi'.' geh' a' paar Schritt z'ruck und hock' mi' am Boden hi'.' hab' no' net bis sechse' zählt, auf amal tunt's an Krach der Blitz hat in' n Baam ei'g'schlag'n- und wia i' hi'fimm', hat' d' Pfeif'n scho' brennt aa'.- Wenn Sie's net glaub'n, meine Herrn' n sel'n Baam kann i Eahne heut' no' zeig'n." Das Kunststück. Gattin:„ Du könntest eigentlich auch einmal' was erfinden! Da schau' zum Beispiel den großen Benjamin Franklin an, der mit einem Schlüssel und einem Drachen den Blizableiter erfunden hat." Pantoffelheld: " Kunststück! Der hatte eben einen Hausschlüssel!" Die Revolution in der Champagne. Der Aufruhr in der Champagne, der die Form einer offenen Revolution angenommen hatte, wird jetzt von den Regierungsbehörden energisch bekämpft. Der Präfekt des Marnedepartements verfügt über 16 000 Soldaten, das Aubedepartement soll ebenfalls militärisch besetzt werden. In Ay gelang es den Truppen, die aufrührerischen Winzer zu vertreiben; auf beiden Seiten gab es viele Verwundete. Die Rädelsführer der aufrührerischen Winzer sind verhaftet worden. Am Freitag herrschte im Aufstandsgebiet allgemeine Ruhe. Die Schreckensnacht in Ay und Epernay. Die Ausschreitungen in Ay und Epernay am Mittwoch waren noch viel ausgedehnter und furchtbarer, als es nach den ersten Meldungen den Anschein hatte. Mehrere tausend Winzer hausten den ganzen Tag über wie Hunnen und Kanibalen in der Gegend. Sie verbrannten mehr als ein Dutzend Champagnerfabriken, vernichteten tausende von Hektolitern Wein in Flaschen und Fässern, plünderten die Privatwohnungen der Fabrikanten und des Personals vollkommen aus, nachdem sie fich in Champagner tierisch betrunken hatten. Geldschränke wurden erbrochen und entleert, das Silberzeug gestohlen, Möbel verbrannt, Geschäftsbücher vernichtet, das Maschinenmaterial zerbrochen, die Hühner aus den Ställen gezogen und lebend in den Scheiterhaufen geworfen, so daß ganz Ay nach Wein, Brand und geröstetem Fleisch riecht. Der Präfekt des Marnedepartements sagte wörtlich zu den Reportern:" Dies ist der Bürgerkrieg." Die Truppen waren ohnmächtig oder nicht an richtigen Orten und durften von der Waffe keinen ausretchenden Gebrauch machen. Erst spät abends wurde Ay militärisch besetzt und von den Winzern gesäubert. Es fand ein heftiger Zusammenstoß zwischen den Truppen und den Empörern statt, wobei es beiderseits Verletzte gab. Die Winzer nahmen ihre Verwundeten mit. Das Pfed eines Dragoners wurde durch einen Bombenwurf getötet, der Reiter verletzt. Der Unterpräfekt von Bar- sur- Aube wurde im Dienstgebäude ducch Faustschläge verwundet. Die henlende Menge belagerte die Unterpräfektur bis zur Ankunft des Militärs. Die Gendarmen wurden in Ay in die Enge getrieben. Ste mußten durch Infanterie und Kavallerie herausgehauen werden. Ay glich einer Stadt nach der Belagerung. Ganze Straßen sind niedergebrannt, Die Frauen und Bürger der Stadt protestierten schließlich gegen allzu große Ausschreitungen und riefen:„ Genug, genug!" Aber die Winzer antworteten, trunken von Wein und Mordbrennerei:„ Es ist niemals genug, wenn man Revolution macht." Patrouillen durchstreifen die ganze Umgegend, um Ansammlungen zu verhindern. Die Winzer in Venteuil hatten aus Karren, Bündeln von Rebpfählen und Balfen Barrikaden gebaut, die sie in Brand steckten, als Truppen eintrafen. Auch Barrikaden aus Telephon= stangen und Drähten wurden errichtet. Bet den meisten der Verhafteten fand man Bronzen, Gemälde und Uhren, die aus den Privatwohnungen der Fabrikanten gestohlen worden waren. Der gepfändete Stadtverordnete. Mit einem intereffanten Rechtsfall werden sich demnächst die Verwaltungsbehörden zu beschäftigen haben. Der Stadtverordnetenversammlung in Osterode i. Ostpr. gehörte ein Mitglied an, das trob wiederholter Mahnung seine Steuern nicht zahlte. Darauf wurde er gepfändet, aber ebenfalls ohne Erfolg, der Gerichtsvollzieher fand Pfändbares nicht vor. Als diese Tatsache dem Magistrat bekannt wurde, trat er an den Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung mit dem Ersuchen heran, den säumigen Steuerzahler aus der Liste der Stadtverordneten zu stretchen. Das tat benn auch der Vorsteher, der aber mit dieser Maßnahme den Widerspruch des Steuerzahlers hervorrief. Dieser hatte inzwischen die rückständigen Steuern bezahlt und sah den Schritt des Vorstehers als imberechtigte eigenmächtige Handlung an. Er wandte sich an das Stadtverordnetenkollegium mit einer Beschwerde, der die Versanmlung auch stattgab. Er wurde wieder in sein Amt eingesetzt. In dem Beschluß über den Fall wurde seitens der Stadtverordnetenversammlung noch ausgeführt, daß der Schritt des Vorstehers rechtswidrig sei und daß er bet dem Ausschluß des betreffenden Mitgliedes seine Befugnisse überschritten habe. Mit dieser Stellungnahme der Stadtverordnetenversammlung war wieder der Magiftrat nicht einverstanden, der dem Beschluß des Kollegiums die Zustimmung versagte. Die Stadtverordneten blieben aber dabet, daß ste auf dem Rechtsboden ständen und haben beschloffen, gegen den Magistrat beim Verwaltungsgerichtshof Klage auf Aufhebung des Beanstandungsbeschluffes zu erheben. Auf diese rechtliche Auseinandersetzung darf man wirklich gespannt sein. Der einträgliche Spiritismus. Der verstorbene Berli ner Theaterdirektor Karl Weiß war ein überzeugter Spiritist. Warum er aber so zähe an seiner Ueberzeugung hing und durch keinerlei Vernunftgründe davon abzubringen war, tft weniger bekannt. Der Grund war ein recht materieller. Als nämlich Karl Weiß noch nicht lange Geisterseher war, und noch an Rückfällen in die Zweifelsucht der oberflächlichen Weltfinder Ittt, träumte er eines Nachts ron einem bedeutenden Lotteriegewinn mit solcher Nachdrücklichtett, daß er sich beim Erwachen noch der Nummer entsinnen konnte. Er machte den Versuch, und siehe da, das Los ge= wann. Das ist ihm, wie er selbst erzählt hat, im Laufe der Jahre häufig passiert und jedesmal sind die Nummern, öte ihm seine Getster augetragen, mit einem Gewinne heraus3wei Worte, die 8000 Mark foften. Aus Paris wird der„ Inf." geschrieben: Ein interessanter Prozeß wurde vor einigen Tagen hier verhandelt. Der Kläger war Professor le Théry, einer der bekanntesten Chirurgen der Seinehauptstadt. Seine Klage wandte sich gegen den russischen Großkaufmann Wladimir Lubowitsch und das Objekt der Klage waren 10 000 Francs. Der rusfische Großfaufmann, dessen Gattin schwer erkrankt war, hatte den Chirurgen vor einigen Wochen in Paris aufgesucht, um mit ihm eine Operation seiner franken Gemahlin zu verabreden. Professor le Théry riet, diese Operation sehr bald vornehmen zu lassen, da er aus den Angaben des Ehemannes entnahm, daß es sich um ein gefährliches Leiden bet seiner Frau handele. Der Russe hingegen wünschte den Tag der Operation erst dann festzusehen, wenn er von seiner Auslandsreise zurückgekehrt sein würde, und man fam überein, daß ein Telegramm den Professor nach Petersburg rufen sollte. Professor le Théry hatte jetzt einen Depeschenwechsel mit seinem russischen Bekannten, und das lehte Telegramm, das der Arzt erhielt, lautete:„ Kommen Sie nicht zu spät!" Der Professor, der seit einigen Monaten in Lyon wohnt, glaubte nach Empfang dieses Telegramms nicht mehr eine Minute zögern zu dürfen und bestieg den näch ften Expreßzug nach Berlin, um sich von hier aus sofort nach Petersburg zu begeben. Als er Sier im Hause der Patientin ankam, erfuhr er zu seinem Erstaunen, daß die Patientin vor einigen Tagen verstorben und schon beerdigt war. Bei dem Wortlaut des Telegramms war ein Irra tum allerdings möglich, da zwischen dem Satz:„ Kommen Sie nicht" und der Fortsetzung zu spät" ein Komma hätte stehen müssen, oder da der volle Satz hätte heißen müssen:„ Es ist zu spät." Der Professor hat durch die Reise nicht nur Aufwendungen gehabt, sondern er hatte neben der Mühe auch einen so bedeutenden Honorarausfall, daß er wohl berechtigt war, zu fordern, daß der Russe ihm das ausbedungene Honorar von 10 000 Francs bezahle. Die Schuld an dem Mißverständnis lag nur auf seiten des Kaufmannes, der aus Sparsamkeitsrücksichten zwei Worte zu wenig telegraphiert hatte und dadurch den Gelehrten in große Aufregung und Strapazen versetzt hatte. Der Kaufmann weigerte fich, zu zahlen, darum sah sich Professor le Théry veranlaßt, ihn in Petersburg zu verklagen. Da der Verklagte kurze Zeit nach dem Tode seiner Frau nach Paris übersiedelte, so wurde hier der Prozeß noch einmal gegen ihn anhängig gemacht. Das Gericht entschied, daß der Professor wohl be= rechtigt sei, sein Honorar in voller Höhe zu beanspruchen. Es kommt bei einer solchen Konsultation die Autorität in Betracht, ebenso wie die großen Anwälte ihre Zeit sich be= zahlen lassen können, gleichviel, ob der Prozeß stattfinder oder nicht. Bei einer so wichtigen Angelegenheit, wie es die Herbeirufung eines Professors in eine so entfernte Stadt tst, sei es nicht mehr Sparsamkeit, sondern geradezu Leichtfinn, wenn man bei der Verschickung eines Telegrammes mit zwei Worten, die das Telegramm weniger fostet, spart. Wladimir Lubowitsch mußte also zahlen, und er konnte nun darüber nachdenken, wo die Sparfamkeit richtig angewendet ist, und wo nicht. IVO PUHONNY Nur Ein Sprung in's Ungewisses ift jeder Verfuch, die bewährten Marken ( Pflanzen. 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