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Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Erscheint Mittags 3 Uhr. Die„ Illustr. Weltrundschau" Redaktion: liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Nr. 115. - - Telephon: Nr. 362. Eine deutsche Anfrage? Ein französisches Blatt, die„ Liberte", hat sich vor wenigen Tagen aus Petersburg und aus London berichten lassen, die deutsche Regierung habe dort ange= fragt, wie man sich zu dem Vorgehen Frankreichs in Marokko zu stellen beabsichtige. Von beiden Seiten sei, freilich in sehr höflicher Form, die Antwort gekommen, gegen das französische Vorgehen sei durchaus nichts einzuwenden und Großbritannien und Rußland seien durch aus der gleichen Ansicht, - - der Großherzoglichen Bürgermeisterei des Großherzoglichen Polizei Amfes sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Erpedition: Seltersweg 83. | ( Haus Brüder Schmidt.) Mittwoch, den 17. Mai 1911. EinZuschuß zur Pension zu gewähren. Ulrich- Offenbach( S.) meinte, die Pensionierung wäre zu Unrecht auf Veranlassung des Kreisschulinspektors zu Friedberg erfolgt und beantragte neue Prüfung der Pensionsgründe. Abg. Schmitt- Mainz( 3.) beantragte die Rückverweisung der Angelegenheit an den Finanzausschuß. Dieser Antrag wurde angenommen. Sodann wurde über eine gabe aus Bad Nauheim wegen des Quellen= monopols durch den geplanten Neubau eines Riesen= gen den Hotelneubau und gegen ein Wassermonopol hotels referiert. Verschiedene Redner sprachen sich geaus. Von Seiten der Regierung wird jedoch behaup tet, daß von einem Wassermonopol nicht die Rede sein fönne. Die sämtlichen Hotels seien in der Lage, für 12 Mark pro Kubikmeter Soole beziehen zu können. Wir können zurzeit nicht kontrollieren, ob jene Mitteilung der Wahrheit entspricht. Möglich ist es, für wahrscheinlich möchten wir es aber nicht halten, und zwar aus folgenden Gründen: Eine unmittelbare Entscheidung steht augenblicklich in der marokkanischen Angelegenheit nicht bevor. Deutschland hat sich in der Def- ſten Dienstag, vormittags 10 Uhr, zur Abhaltung mehfentlichkeit halbamtlich und amtlich wahrscheinlich auf diplomatischem Wege auf den Standpunkt gestellt, daß das Vorgehen der Franzosen im Verein mit der Versicherung der französischen Regierung an und für sich feine Verletzung der Algecirasakte bedeutet. Für gewisse Eventualitäten ist allerdings eine Aenderung der deutschen Haltung mit der Bemerkung in Aussicht gestellt, daß nach einer Verletzung der Algecirasakte diejenigen Mächte, welche sie unterzeichnet hätten, ihre volle Freiheit des Handels wieder gewonnen haben würden. In einem solchen Stadium der Dinge und nach solcher Stellungnahme wäre es eigentlich nicht sehr folgerichtig gewesen, sich mit den erwähnten Fragen nach Petersburg und London zu wenden. Auf der anderen Seite ist aber beachtenswert, daß schon seit Wochen gerade in der englischen Presse verschiedentlich sehr deutliche Warnungen an Frankreich gerichtet werden. Ja, in einer bekannten und vielgelesenen Monatsschrift wird gerade herausgesagt, daß das französische Marokkounternehmen lediglich dazu führen könne, die gerade jetzt sich bessernden Beziehungen zwischen England und dem deutschen Reiche wieder zu stören und in Frage zu stellen. Man habe von Deutschland im Orient jetzt gerade so wertvolle Konzessionen erhalten, daß es nur im höch sten Grade peinlich wirken müßte, wenn England jetzt in einer Frage sich aus Frankreichs Seite stelle, wo die französische Politik offenbar im Unrechte sei, und trotz aller schönen Versprechungen nichts anderes beabsichtige, als Marokko vollständig, und zwar ebenso wirtschaftlich wie politisch, in seine Gewalt zu bringen. So deutlich hat man sich zwar, soweit uns bekannt ist, in der sonstigen englischen Presse nicht ausgesprochen, aber wie gesagt sind Andeutungen häufig gemacht wor den, und das Unbehagen auf großbritannischer Seite gegenüber dem französischen Vorgehen tritt überall hervor. In Frankreich ist begreiflicherweise das Unbehagen über jenes Unbehagen nicht gering, und daraus allein ließe sich möglicherweise jene eingangs erwähnte Mitteilung des französischen Blattes erklären. Meldungen sind leicht gemacht und an Erfindungsgabe hat es derartigen Fällen, wenn das eigene Interesse es zu verlangen scheint, sicherlich niemals gefehlt. Eine Bedeutung für die politische Lage haben jene Mitteilungen also sicherlich nicht, würden sie auch dann nicht haben, wenn sie nicht vollständig aus der Luft gegriffen wären, denn dann wäre so gut wie sicher, daß man ihren Sinn in der Deffentlichkeit sehr stark verdreht hätte. Hessischer Landtag. in Die zweite Ständekammer befaßte sich in der gestrigen Sitzung mit der Petition der Diener der hessischen Staatsbehörden um Regelung ihrer Gehaltsverhältnisse. Der Berichterstatter, Abg. Molthan, trat in warmer Weise für die Petenten ein und erkannt die dringende Notwendigkeit einer Revision der Besoldungsordnung an. Er beantragfte die Vorstellung der Regierung als Material zur Besoldungs- Ord= nung zu überweisen und forderte von der Regierung, daß auf dem nächsten Landtage eine neue Besoldungsordnung vorgelegt würde. Das Haus stimmte diesem An, rag zu. Ueber die Vorstellung des Volksbundes zur betr. Bekämpfung des Schmutzes in Wort und Bild liche Auslagen, Schaufenster, Kinematographen 2c. ferierte Abg. Stöpler. Er empfahl die Unterstützung der in der Vorstellung ausgesprochenen Wünsche. Die Kammer beschloß, die Vorstellung vorerst für erledigt zu erflären. re= Zu der Pensionierung des Lehrers Hillebrandt in Bad- Nauheim, beantragte der Abg. Leun( Bauernbund) dem Petenten aus dem Dispositionsfonds einen Die Erste Kammer der Stände wird näch rerer Plenarsitzungen zusammentreten. Auf der Tagesordnung steht die Schlußberatung über die Wahl rechtsvorlage und über die vier Vorlagen zur beordnung, Verwaltungsrechtspflege und die Kreis- und Verwaltungsgesetzrevision, Städteordnung, LandgemeinProvinzialordnung, sowie eine Anzahl kleinerer, von der Zweiten Kammer fertiggestellter Vorlagen. In der Zwischenzeit dürfte sich auch der Finanzausschuß der Erschlüssen des anderen Ausschusses über die Gemeinde sten Kammer nochmals mit den jetzt vorliegenden Beumlagenreform näher beschäftigen. Da auf allen Seiten der dringende Wunsch besteht, diese für alle Kommunen des Landes so wichtige Gesetzesmaterie nun endlich zum Abschluß zu bringen, herrscht in den maßgebenden Kreisen die feste Zuversicht, daß es, wenn auch erst nach mühevoller Arbeit, doch geling! n wird, auf Grund der Beschlüsse des Finanzausschusses Zweiter Kammer, zu einer Verständigung zu gelangen. * Hus Stadt und Land. | ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm mm breite Inseratenzeile.- Stellen gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pig.- Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. Mitgliedern. Im abgelaufenen Jahre wurden rund 4800 Personen unterrichtet, davon 2700 Schüler. Am Sonntag war Festversammlung im Kaufm. Vereins hause, in der Stadtrat Dr. Ziehen der Versammlung die Grüße des Magistrats überbrachte. Er betonte, daß die städtischen Behörden den stenographischen Bestrebungen mit wärmstem Interesse gegenüberstehen und wünschte der Sache weiteres Gedeihen. Professor Dr. Voigt beglückwünschte den Bund als Vertreter der Akademie für Bildungswesen und die kaufmännische Praxis hervor. Sozial- und Handelswissenschaften. Er hob besonders die Verdienste der Stenographie für das kaufmännische Verbandsvorsitzender Max Bäckler- Berlin dankte dem Bundesvorstand für seine rege Tätigkeit in den 25 Jahren. Das Gebiet des Mittelwestdeutschen Bundes sei durch die Konkurrenz mit den anderen Systemen ein schwerer Kampfplatz gewesen, deshalb könne man be= sonders stolz auf die Leistungen und Errungenschaften sein. Darauf sprach Ferdinand Schrey- Berlin über„ Die Zukunft der Stenographie". Der Redner gab der Hoffnung Ausdruck, daß dasjenige System aus dem Wettfampf als Einheitssystem hervorgehen möge, das allen Anforderungen an Einfachheit, Deutlichkeit und praktische Leistungsfähigkeit gerecht werde. Die Herren Bäckler- Berlin, Schrey Berlin und Fabrikant Schäfer- Marburg wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. An dem wurde, beteiligten sich 630 Personen, abgeliefert Wettschreiben, das gelegentlich der Tagung abgehalten fert wurden 565 Arbeiten, mit Preisen ausgezeichnet 479. Die höchste Leistung( 380 Silben in der Minute) erzielten Schmitz- Wiesbaden und Mager- Wiesbaden. Herrn Schmitz wurde neben einem Ehrenpreis die vom Ver= band für die höchste Leistung gestiftete Stolze- Denkmünze überreicht. wur= * Marburg, 16. Mai. Für die Errichtung eines Kreiskriegerdenkmals in Marburg haben die Kriegervereine bereits 8412 Mark gesammelt. Jm ganzen stehen 12.000 Mt. 3 zur Verfügung. Der Kreisfriegerverband hat sich mit der Stadtverwaltung ins Einvernehmen gesetzt und sich dahin geeinigt, daß das Denkmal Mitte Sommer 1912 fertiggestellt und eingeweiht werden soll. * Vom Vogelsberg. In vollem Umfange ist jetzt der Frühling im Gebirge eingezogen. Die Wälder, bis auf die des„ Oberwaldes", die aber bald folgen werden, sind in neues Grün gehüllt. Die Bäume haben größtenteils schon abgeblüht. Die Wiesen lassen im Grasansaze noch zu wünschen übrig. Viele Kornund Weizenäcker mußten umgepflügt und neu bestellt werden. Schlechte Aussichten eröffnen sich für die am 1. d. Mts. aufgegangene Rehjagd. Viele Tiere sind an einer Seuche und den Folgen des schneereichen Winters, an Nahrungsmangel, eingegangen. Erhaltung der„ Kundschaft" Ein wunder* Wattweiler( Rheinpfalz), 16. Mai. 3 ur schöner" Brauch ist im hiesigen Orte eben wieder geübt worden. Es war Impstermin. Nachdem alle Säug= linge geimpft waren, zogen der althergebrachten Sitte gemäß sämtliche beteiligten Frauen ins nächste Wirtshaus, wo die Hebamme ein Faß Bier aufstellen ließ. * Gießen, den 17. Mai. Berufskrankenpflegerinnen des Alice- Frauen- Vereins. Der Alice- Frauenverein für Krankenpflege hat sich seinerzeit als Mutterhaus seiner Schwesternschaft und Pflegerinnenschule das AliceHospital in Darmstadt geschaffen und entsendet von da mußte er Gesuche um Ueberlassung von Schwestern aus aus seine Schwestern in das ganze Land; aber oft Mangel an Pflegerinnen abschlägig bescheiden. Jede Frau, jedes Mädchen zwischen 20 und 35 Jahren, das unbescholten, geistig und förperlich gesund ist, wird zu einer Probezeit von 3 Monaten angenommen gegen Stellung einer Kaution von 100 Mk., von der aber im Falle der Vermögenslosigkeit abgesehen werden kann. Erweist sich die Probepflegerin während der Probezeit, in der sie freie Wohnung und Verköstigung im Alice= Hospital hat, als zum Schwesternberuf geeignet, so wird sie Lehrschwester, bekommt als solche schon Gehalt und fann nach einem Jahr von einer vom Staat bestimm ten Prüfungs- Kommission eine Prüfung ablegen. Nach Ablegung der Prüfung wird sie auf Antrag der Vorsteherin der Pflegerinnenschule vom Zentral- Komitee als Schwester angestellt. Die näheren Bestimmungen über ihre Rechte und Pflichten, besonders auch über Gehalt und Pensionsberechtigung sind bei der Vorsteherin der Pflegerinnenschule und des Alice- Hospitals in Darm- jährige rüstige Mann regte sich darüber so auf, daß er stadt zu erfahren. Gesuche um Aufnahme in den Schwesternverband sind schriftlich an die genannte Vorsteherin zu richten. Dem Gesuche ist beizufügen: a) Geburtsschein, b) selbstverfaßte und selbstgeschriebene kurze Schilderung des Lebenslaufes in Form eines Fragebogens Formular, c) ein ärztliches Zeugnis über den Besitz einer sesten Gesundheit und eines fräftigen Körperbaues in verschlossenem Umschlag, d) bei Minderjährigen die Einwilligungserklärung des gesetzlichen Vertreters( Vater, Mutter, Vormund), e) Zeugnisse und Empfehlungen oder Angaben von Stellen, bei denen Erkundigung eingezogen werden kann. Der Alice- Frauen- Verein for dert alle Frauen und Jungfrauen, die Neigung zu dem Berufe als Krankenpflegerin, dieſem edelsten aller Frau enberufe, haben, auf, sich zu melden und sich dadurch einen befriedigenden beglückenden Wirkungskreis zu schaffen im Dienste der leidenden Menschheit! nach * Der Mittelwestdeutsche Stenogra= phenbund Stolze- Schre y hielt am Samstag und Sonntag in Frankfurt a. M. seine 25. Hauptversammlung ab. Aus dem Jahresbericht ist zu ersehen, daß der Bund rund 130 Vereine mit rund 5000 Mitgliedern zählt, darunter 22 Schülervereine mit zirka 700 Herne, 16. Mai. Ein aus Posen stammender Arbeiter erhielt von seiner Familie die. Nachricht, daß seine in der Heimat zurückgebliebene Frau im Sterben liege und ihn noch einmal zu sehen wünsche. Der 42von einem Herzschlage getroffen wurde. Das Telegramm mit der traurigen Nachricht trug der Tote bei sich. Eingefandt. Die Theologieprofessoren in Gießen haben eine Eingabe an den Großherzog gemacht, die sich mit ihrer Lehrtätigkeit befaßt. Aus dem Inhalt interessiert mich heute nur die Stelle, wo sie sagen, daß sie ab und zu auch auf der Kanzel predigten, daß sie durch Eid und Pflicht im Dienste Gottes, des Vaterlandes und der Kirche Ständen. Diese Worte zwingen mich zu folgender Frage:„ Bei der letzten Reichstagswahl stand ein Sozialdemokrat, ein ausgesprochener Kirchen-, Religionsund Vaterlandsfeind mit einem deutsch- national gesinntem Manne, der wiederholt öffentlich erklärt hat, daß es das Brot allein in dieser Welt nicht tue, daß ein Gott lebe und ohne Religion ein Volk dem Untergang entgegenginge." Darf bei einer solchen Wahl ein Theologieprofessor einen Sozialdemokraten wählen? Und wenn er es tut, wie stimmt das mit den obigen Worten der Eingabe überein? = α= Deutscher Reichstag. mächtigste amerikanische Trust, als eine Verabredung und ein Monopol im Sinne des Antitrustgesetzes anzusehen set, daß mithin die Auflösung der Gesellschaft verfügt werden müsse. Indessen ändert das Gericht das Urteil der unte: ren Instanz dahin, daß den in genannter Gesellschaft zu: sammengefaßten einzelnen Unternehmungen sechs Monate Zeit gelassen werde, um ihre Geschäftsgebarung in Ueber. einstimmung mit dem Gesetze zu bringen, und daß ihnen der Geschäftsbetrieb im zwischenstaatlichen Handel während dieser sechs Monate nicht verboten wird. Alles das warf er dem Präsidenten Madero vor und setzte ihm einen geladenen Revolver auf die Brust, aber sanft stellte der Große den Felsenmut entgegen der stürmenden Flut" und versicherte ihm, daß er sich täusche. Dann zog er ihn auf den Balkon des Rathauses, außerhalb dessen die Rebellen- Armee versammelt war. Die Soldaten schrien: Viva Madero!", aber einige riefen auch:" Viva Orosco!" Madero heischte Schweigen. Merikaner," redete er sie an, ich habe über die Wiege eurer Freiheit gewacht, und zu= sammen haben wir den Anbruch hellerer, schönerer Tage erlebt. Wir haben zusammen gekämpft und viele Siege erfochten. Ich werte mein Leben nur insofern, als ich es auf dem Altare des Vaterlandes opfern kann. Wenn thr glaubt, daß die Tage meiner Nützlichkeit vorüber sind, so ich test mich nieder, wo ich stehe. Aber so lange ich stehe, bin ich euer Führer. Deshalb fordere ich von euch. Kameraden, zu sagen, wen ihr wollt: Orosco oder Madero?"„ Madero! Madero! Viva Madero!" war die Antwort. General Orosco machte ein recht dummes Geficht, dann aber, wie unter einer plötzlichen, von dem Gesetz der Selbsterhaltung erzeugten Eingebung, schlang er seinen Arm um Madero und rief: Auch ich bin für Madero, laßt uns wieder Brüder sein!" General Villa, auch ein Führer der Rebellen, war nicht so leicht befriedigt. Diesen biederen Freiheitshelden, der noch vor wenigen Monaten ein Räuberhauptmann war, wurmte es, daß Madero ihm nicht den gefangenen General der Regierungstruppen von Juarez Navarro ausliefern wollte, den er gerne abgemurfst hätte, weil er persönlich ein Hühnchen mit ihm zu pflücken hatte. Nach der Szene im Rathause begann General Orosco einen neuen Streit mit Madero, dem dieser dadurch ein Ende machte, daß er sich in sein großes, starkes Automobil setzte und fortfuhr. Er holte General Navarro aus dem Gefängnis und brachte ihn bis zum Fluß Rio Grande. Navarro schwamm über den Fluß nach El Paso hinüber und stellte sich unter den Schutz der hier lagernden amerikanischen Truppen. So ist die Sache recht harmlos verlaufen. Der Reichstag hat am Montag den ersten Rekord in ErRedigung von Paragraphen der Reichsversicherungsordnung aufgestellt, dem in nächster Zeit wohl noch manche Reforde folgen werden. Während bisher die höchste Zahl der an einem Tage angenommenen Paragraphen 91 betrug, Iam man am Montag auf 112. Sie handelten von der Aufficht und den Bestimmungen für besondere Berufszweige, wie die Landwirtschaft, die Dienstboten, die Unständigen, das sind Versicherte, deren Beschäftigung weniger als eine Woche beträgt, das Wander- und Hausgewerbe. Die Kommissionsbeschlüsse wurden unter Ablehnung sozialdemokraEinen längeren ttscher Anträge fast durchweg bestätigt. Aufenthalt gab es nur bei Paragraph 447, der die Beibebaltung der Naturallöhne sichern will. Die Arbeitgeber in der Landwirtschaft können danach von der Verficherungspflicht befreit bleiben, wenn sie sich bereit erklä= ren, ihren Arbeitern eine gleichwertige Krankenunterstützung zu gewähren. Dagegen fämpfte besonders scharf die fortschrittliche Volkspartei an, die darin eine ungerechtfertigte Bevorzugung der ländlichen Großbetriebe erblickte, die damit aus der allgemeinen Krankenversicherung herausgenommen würden. Auch die Sozialdemokraten beantragten die Streichung dieser Bestimmungen, weil sie darin eine Begünstigung des Großgrundbesitzes auf Kosten der Landarbeiter und Kleinbauern sehen. Die namentliche Abstim= mung ergab indessen die Annahme des Paragraphen mit 181 gegen 86 Stimmen. Dagegen stimmten die Sozialdemokraten, die Freisinnigen und vereinzelte Nationalliberale. Am Dienstag hofft man mit dem Buch über die Krankenversicherung zu Ende zu kommen. Die Duelle im deutschen Heere. Rundschau vom Cage. Politisches. und erf einen 2 waltschaf fammer Jahren und die Bethilfe Vern fammer affiftent urteilt. einiger 8 Versehen ließ, obw Eine mädchen, hindern, ber Straf fängnis Ein In Mos gung von brei Mit und Ein Kriegsgerüchte aus dem fernen Often. Die Petersburger Blätter fahren fort, sehr beunruhigende Nachrich ten aus dem fernen Osten zu bringen, namentlich aus Wladiwostok, wo man einen Krieg mit Rußland angeblich für unvermeidlich ansieht. So meldet Rußtoje Slowo", daß die Kriegsgerüchte durch die Reise des Kriegsmini sters nach Ostasten neue Nahrung erhalten hätten. Für den Juli wird die Ankunft eines chinesischen Prinzen in Petersburg erwartet, dessen Aufgabe darin bestehen soll, den russisch- chinesischen Konflikt ein für alle mal beizuTegen. Das deutsche Kronprinzenpaar hat am Dienstag die Reise nach Petersburg zum Besuche des Zarenpaares angetreten. Der Kronprinz begibt sich mit dem Nordexpreßzug von Berlin nach Posen; die Kronprinzessin fährt einen Zug später gleichfalls nach Posen, um sich dort mit dem Kronprinzen zur Reise nach Petersburg zu vereinigen. Dem Kronprinzenpaar ist ein russischer Hofzug bis zur Grenze entgegengefahren. Das jüngste Duell der beiden früheren Offiziere von Gaffron und von Richthofen hat allgemein wegen des tragischen Ausganges und der eigenartigen Vorgeschichte gro= Bes Aufsehen erregt. Die Annahme, die sich hier und da zeigte, daß die Duelle im deutschen Heere eine besonders große Verbreitung haben, ist aber nach der amtlichen StaHistik falsch. Wenn man die Größe unseres Offizierkorps in Betracht zieht, dann muß man sogar sagen, daß die Anzahl der Duelle in unserem Heere in den letzten Jahren äußerst gering war. Im Jahre 1908 gab es im deutschen Heere insgesamt nur 82 Duelle, von denen nur 21 von schweren Folgen begleitet waren. Für alle diese Duelle traten Bestrafungen ein. Es können noch einige andere Duelle vorgekommen sein, von denen in der Oeffentlichkeit nichts bekannt geworden ist, und für die darum eine Bestrafung nicht eintreten konnte. Ihre Anzahl ist aber naturgemäß, da alle schweren Fälle sofort bekannt werden, so gering, daß das Gesamtergebnis dadurch eine bedeutende Menderung nicht erleiden kann. Im Jahre 1909 wurden 78 Duelle verzeichnet, von denen nur überhaupt 45 mit Verwundungen endeten und nur 3 den Tod eines Duellanten zur Folge hatten. Im Jahre 1910 kamen im ganzen deutfchen Heere nur 32 Zweifämpfe zum Austrag. Bei allen diesen Duellen ist auch die Zahl der von Reserveoffizieren durchgeführten Zweikämpfe mit einbezogen, sodaß das Bild ein völlig richtiges wird. Vergleicht man dagegen die früheren Zahlen, z. B. das Jahr 1900, in dem 212 Duelle verzeichnet wurden, dann wird man zugeben, daß ein ganz bedeutender und erfreulicher Rückgang auf diesem Gebiete zu verzeichnen ist. Als Ursachen hierfür kann man das ftrenge Vorgehen der maßgebenden Stellen gegen alle 8wetkämpfe ansehen. De fast jeder Zweikampf für die Beteiligten von schweren Folgen begleitet ist, so wird der Bweikampf nur in solchen Fällen als lezte Entscheidung gewählt, in denen ein anderer Ausweg nicht mehr gangbar erscheint. Wenn man mit diesen Zahlen die Zahlen anderer Heere vergleicht, wird man das deutsche Heer als sehr wenig duellfreundlich ansehen müssen. In Frankreich gab es im Jahre 1909 862 Duelle mit 7 schweren Verwundungen, da hier für jede Kleinigkeit, für jeden privaten Streit pder Meinungsaustausch ein Duell als Sühne angesetzt wird. Im Jahre 1908 wurden im französischen Heer 617 Duelle verzeichnet, von denen 15 ernste Folgen für Gesundheit und Leben der Beteiligten hatten. Die Operettenrevolution in Juarez. Kaiser und Kanzler. Wie dem„ Bayr. Kurier" aus Berlin angeblich aus authentischer Quelle mitgeteilt wird, soll der Kaiser in Wiesbaden den Reichskanzler in bestimmter Form seines huldvollen Vertrauens versichert und seine besondere Billigung zu der Stellungnahme des Reichskanzlers in den schwebenden innerpolitischen Fragen ausgesprochen haben. Telegramme von Juarez und anderen mexikanischen Grenzorten laffen die Ereignisse der letzten Tage auf dem Kriegsschauplate fast wie den zweiten Akt einer Operette erscheinen. In der neuen Hauptstadt Juarez gerieten der Gegenpräsident Madero und der Rebellengeneral Orosco aneinander, und einer erklärte den anderen für gefangen, aber keiner von beiden hatte den Mut, zur Tat überzugehen. Orosco beschuldigte Madero und seine Freunde der Schlemmeret, während seine braven Krieger nichts zu na gen und nichts zu beißen hätten. Die Wahrheit aber ist, daß Madero dem Oberst Garibaldi, einem Verwandten des bekannten italienischen Freiheitshelden, den Ruhm der Einnahme von Juarez zuerteilt hat, den Orosco jedoch für sich beansprucht. Außerdem ist der tapfere Rebellengeneral wütend darüber, daß man ihn nicht zum Kriegs minister des revolutionären Kabinetts ernannt hat. 3wei Kirschen an einem Stengel. Roman von A. von Liliencron. ( Nachdruck verboten.) Kleine Nachrichten. Der 8. Verbandstag des deutschen Eisenbahnassistentens verbandes hat am Sonntag in Mainz begonnen. Den Verhandlungen wohnte ein Vertreter der Eisenbahndtrektion bei. Zum Hauptpunkt der Tagesordnung:„ Standesfra gen" liegen zahlreiche Anträge der Bezirks- und Ortsvercine vor. Die wichtigsten hiervon verlangen Normierung des Gehalts der Eisenbahnassistenten auf 1800 bis 3600 M, erreichbar in 18 Jahren, höhere Bewertung des Nachtdien= stes sowie Gewährung eines Erholungsurlaubes von dret Wochen vom 45. Lebensjahre an. Diese Anträge sollen in einer Denkschrift dem Minister zur Kenntnis gebracht werden. Der„ Heilige Krieg" gegen die Franzosen gepredigt. Der Madrider„ Liberal" erhält aus Marokko eine Meldung, von der man allerdings vorläufig noch nicht weiß, ob sie nicht etwas absichtlich gefärbt ist. Darnach wird im ganzen Rifgebiet der Heilige Krieg" gegen die Franzosen gepredigt. Auf allen Marktplägen fordern die Propheten die Bevölkerung unter Anführung von Koransprüchen auf, Gut und Blut einzusetzen, um den Vormarsch der Franzosen aufzuhalten. Die Volksführer bezeichnen Frankreich als den größten Feind des Islams. Die Gesamtzahl der französischen Truppen in Marokko übersteigt jetzt schon 30 000 Mann. Der Einzug der Franzosen in Fez gilt als sicher. 7) Rasch hüpfte sie hinein, der Better folgte, und der Adlerwirt mit dem Käppchen in der Hand machte seine Schönsten Komplimente. Kathi meinte, so ehrerbietig habe fie thn noch nie grüßen sehen, und der geschmeichelte Julius schmunzelte zu der Bemerkung. - Ein Selbstmordversuch Abdul Hamids. Aus Salonikt tommt die Nachricht, daß das Befinden des ehemaligen Sultans sich verschlimmert habe. Der Sultan versuchte sich aus dem Fenster zu stürzen. Man glaubt, daß die bevorstehende Ankunft seines Bruders thn in große Erregung versetzt habe. Die Aerzte hoffen, daß der Zustand Abdul Hamids nur vorübergehender Natur ist, trotzdem sich Anzeichen von Delirium bemerkbar machen. Seltene Auszeichnung eines deutschen Professors. Der Kaiser von Japan hat dem ordentlichen Professor und Dtrektor des Hygienischen Instituts in Halle Geh. Medizinalrat Fränkel den Orden des heiligen Schatzes verliehen, eine außerordentlich seltene Auszeichnung. Die Genickstarre ist in der Gemeinde Höhscheid bei Solingen ausgebrochen. Es sind sechs Personen in das Kran kenhaus eingeliefert worden. Einer der Erkrankten, ein 18jähriger Mann, ist bereits gestorben. Ein angeblicher Referendar, der in lezter Zeit mit großem Eifer verschiedenen Gerichtsverhandlungen beiwohnte und mehrere Gerichtspersonen anborgte, wurde in Berlin als ein schon mehrfach vorbestrafter Schwindler verhaftet. Massenaussperrung in Kopenhagen. Die in Kopenhagen zwischen den ausständigen Klempnern und den Arbeitgebern schwebenden Verhandlungen wurden gestern als aussichtslos abgebrochen. Daher tritt heute die von den Arbeitgebern angekündigte erweiterte Aussperrung von 40 000 Arbeitern in Kraft. Eine Carnegiefeier der Deutschamerikaner. In Carnegies Neuyorker Palais erfolgte am Sonntag die Uebergabe der von den Deutschen im ganzen Lande unterzeich neten Prunkadresse, in der Carnegie der Dank für die Stiftung des deutschen Heldenfonds ausgesprochen wird. Carnegie übernahm das kostbare Geschenk, tüßte den goldver zierten Deckel und sprach seine hohe Freude über die Gabe so vieler Mitbürger aus, die er, wie er sagte, noch höher schäze als die ihm von den südamerikanischen Republiken verliehene Goldmedaille. Er sprach die Hoffnung aus, alle Völker teutonischer Abstammung noch einmal vereinigt zu sehen, womit dann jede Kriegsgefahr verschwunden sein werde. Ebenso hoffe er den deutschen Kaiser für seine Lieblingsidee: Vereinigung der teutonischen Völker Amerifa, Deutschland und England gewinnen zu können. Sehr zu bedauern set, wie Carnegie hinzufügte, die Abnahme her deutschen Auswanderung, welche die wertvollsten und zuverlässigsten Elemente nach Amerika gebracht habe. Das Mädchen war so benommen von den Eindrücken der letzten halben Stunde, war so ganz beschäftigt gewesen mit dem, was um sie her vorging, daß sie übersehen hatte, wie eine hochgewachsene Gestalt im Arbeitsanzuge seitwärts die Stufen zum Gasthause betrat, just in demselben Augenblick, als der Better sie nötigte, einzusteigen. Hans Ruland war es, der mit dem Wirte noch eine Verabredung wegen des Kirmestages treffen wollte. Er kam geradewegs von der Arbeit, bestaubt und beschmutzt, und wie er nun so in seiner groben Drelljace neben dem feinen Stadtherrn stand, wurde er sich des Unterschiedes mit einer gewissen Bitterfeit bewußt und blickte finster auf den Wagen, der sich langsam in Bewegung setzte. „ Der Strolch, der jetzt da mit dem Wirte spricht, wird von dem nicht so gut bedient werden, wie unsereiner," ertlärte Herr Julius, der Ruland auf den Treppenstufen des Gasthauses bemerkt hatte und nachlässig mit dem zurückgewandten Daumen auf ihn zeigte. Der in Amerita geführte Kampf gegen die Trusts hat einen großen Erfolg erzielt. Das oberste Bundesgericht entschied, daß die Standard Oil Company, der größte und Kathi steckte neugierig den Blondkopf aus dem Fenfter, erkannte Hans, der trotz des Gesprächs mit dem Wirte ben Wagen nicht aus den Augen gelassen hatte, und nickte und winkte ihm lebhaft zu. Todessturz aus einer Luftschankel. In einem Berliner Gartenlokal schaukelte eine 18jährige Näherin gegen das Verbot im Stehen, als sie plöglich bei einem besonders hohen Schwung aus der Gondel stürzte. Am Boden schlug sie mit dem Kopf auf eine eiserne Schwelle auf und erlitt hierdurch einen doppelten Schädelbruch, sodaß sie sofort tot war. um des Mädchens Zorn zu wecken, sie wurde Feuer und Flamme.„ Das ist met beste Fründ, Hans Ruland, tein Strolch nit, sondern ein akkurater Brucharbeiter", blizte ste ihn an, Du wirst es schun noch sehe, daß er of gautes Tüg hätt und sich nit zu verstecke brukt." Das versöhnte den jungen Burschen in etwas, ärgerte aber ein klein wenig den Vetter, so daß er, als Kathi wieder Platz genommen hatte, spöttisch fragte:„ Ist der Mann da, in dem fragwürdigen Werkeltagskleid eine Belanntschaft meines hübschen Cousinchens?" Diese Ergänzung der Bezeichnung„ Strolch" genügte, Ein Schüler beim Speerwerfen getötet. Eine Turnergruppe von Gymnasiasten in Bern beschäftigte sich mit Speerwerfen. Je zwei Gymnasiasten schleuderten einander Speere zu. Hiebei drang ein Speer einem 19jährigen Gymnasiasten in den Kopf, sodaß der junge Mann nach kurzer Zeit starb. Schauriges Familiendrama. In Guibertes( Frankreich) hat ein gewisser Douzel seine Frau und Schwiegermutter durch Messerstiche schwer verletzt und dann seinen Schwiegervater durch einen Stich in den Oberschenkel, der die Schlagader durchschnitt, getötet. Nach vollbrachter Tat erhängte sich der Wüterich. Der Vetter sah sie ordentlich erstaunt an, das war ja ein kleiner Brausekopf, aber das störte ihn nicht, gerade dieser loderdne Eifer stand ihr allerliebst. Mochte doch der lange Kerl da ihr bester Freund, meinetwegen auch ihr Schatz sein, dachte er, das Vergnügen können die zwei ja haben, mich auch später zur Hochzeit einladen. Jetzt gilf es nur, das hübsche Kind hier loszueisen, in das Gasthaus zu Friedenau zu verpflanzen und mit Hilfe ihres niedlichen Lärvchens dort gute Geschäfte zu machen. Vorsichtig müßte man dabei zu Werke gehen, damit die Kleine nicht scheu würde und mitzubekommen wäre. Das fuhr ihm so durch den Sinn, als Kathi ihre kleine Hand erhob und ihm drohte: ,, Gegen de Hans därfst nichts sage, sunsten häst schnurstracks mit mi verdorbe!" Aus den Gerichtssälen. Bestrafte Erpressereien. In der schamlosesten Weise wurde ein Barmer Restaurateur von einer Witwe in Elberfeld ausgebeutet. Er hatte mit ihr ein Verhältnis angeknüpft, und die Witwe schrieb ihm von dem verhängnisvollen Tage an Drohbriefe über Drohbriefe, die stets mit größeren Geldforderungen schlossen. Nachdem sie nach und nach etwa 1800 M erhalten hatte, forderte sie noch eine einmalige Abfindungssumme von 3000 M mit der Drohung, daß sie, wenn sie das Geld nicht bekomme, seiner Frau den Sachverhalt mitteilen werde. Der Wirt hatte schon ein Darlehn bei der Braueret, die ihm das Bier lieferte, aufgenommen, konnte nicht auch noch die 3000 Maufbringen „ Nie, Cousinchen, nie!" versicherte er lachend, griff nach der noch immer erhobenen Hand des Mädchens und füßte sie. - Kathi, auf das äußerste erschrocken, riß hastig ihre Hand aus der seinen. Jemersch! So wat dut man doch nit!" wehrte sie und rieb sich verlegen die Hand am Kleid, als wolle sie den Kuß wegwischen. Er lachte unbändig. ,, So was tut man wohl, Cousinchen, wenn man seine Hoch achtung zeigen will und höflich ist. Komme nur erst mal in die Stadt, dann wirst Du oft sehen, wie die Herren da den Damen die Hand küssen." Schwe Regen un in Ham ftein, D burg alle Sonntag Stadt w standen rung des An verfa der Bahr witters b hinausdrä befindliche Das war ein lustiger Spaß, Albert tat es doch nur, um sie zu amüsieren, dafür mußte sie durch fröhliches Kopfniden quittieren. Als er aber jetzt, die verwetterte Müge schwenkend, rief:„ Hurra! det Brutpaar!" wurde ste rot und böse. Laß din dumme Schnack", rief sie heraus und zog mit einem Rucke das Fenster in die Höhe. Sie hatte etwas davon sagen wollen, daß sie weder eine Dame set, noch daß sie in die Stadt käme, aber da sie durch das herunter gelassene Fenster eben bemerkte, wie Jochens Albert neben der Glaskutsche herlief, dazwischen Purzelbäume schlug und dann wieder sein buntes Taschentuch schwenkte, vergaß sie es darüber. Auch der Better fand kein Vergnügen an diesem Spaß und tat, als hätte er nichts gehört. Bald darauf vereinigte der Kaffeetisch im Häuschen der Witwe eine recht vergnügte Gesellschaft. Kathi hantierte geschickt umher, schenkte ein und forderte mit ihrem allerliebsten Lächeln zum Essen und Trinken auf. Frau Rose beobachtete sie unausgesetzt, lobte den trefflichen Kuchen, das sauber gehaltene Häuschen, das wie ein Schmuckkästchen aussähe, und das liebe Kind, das flink wie ein Wiesel hin und her springe und die Augen überall habe, wo es etwas zu tun gäbe. Bei diesen Lobsprüchen verfehlte die Frau Restaurationsbesitzerin nicht, wiederholt einen verständnisvollen Blick mit ihrem Sohne zu wechseln. ter den oder went und ind wieder, ei den Wetter hoben wer be aus de Der D ein Lefer bei Gelege Wiesbadne Herrn eine der Anger ab:„ Mein Kornblume Ste doch et Obolus ein Ein Schwester Jettchen war gücklich über diese rückhaltlosen Lobeserhebungen, in die der Neffe in verstärkter Tonart einstimmte. Das half ihr über den Kummer hinweg, daß Röschen durchaus jede Erinnerung an die be wußten Tassen und das Kännchen verloren hatte und statt dessen nur gnädig meinte:„ Ich werde Euch mal ein mo dernes Kaffeeservice aus Berlin schicken, dies hier hat sich doch wohl überlebt." Kathi hatte bei diesen Worten der Tante ein klein wenig das Mäulchen verzogen, wie es ihre Art war, wenn ihr nicht paßte, was der andere sagte, und Vetter Julius, hatte sich beeilt, zu versichern, er würde doch allen anderen Tassen seine jezige vorziehen, denn auf all dem modernen Krimskrams stände doch nie„ Aus Liebe", und so schöne Vergißmeinnichts gäbe es auch nicht darauf. ( Fortsetzung folgt.) " zigjährige einer Gem einen plög heidene D lägt, bis Glüd hera Bublifum n allen T Hatte Grea Breifen vor Der er J. A. Sten hent des tung der d Edmundsta tige Jubil fekt von i Warenfirm legt Siebzig Entschließu chen Erdöl Anstoß. A ten 16 Fa gefommen faffen woll tung des allem die nische Pro ben Della Siemers e hatte tom des dann Denen Er mit viele dem sich d bieten es Als e Der Arzt Wochen op Schnitt in Geficht des eine faum die verhäng bem sofort von berufen nen 3weife ftedung tat Behandlung nen gemach prigung fa Ginne fowi er der Verg Die Su apostolische hen Volksz bak felbft B reichsten chr Morgen La armfelige M berhaupt n ben. Die K en werden eingeriffen, das nadte S folge der Su Man hofft, Monaten be 300 Me Die Geistesg Taganrogt Dampfers baren Lärm nem Schredli Lärm nadig erabredung un s anzuleben jel verfügt werden Irteil der unte Gesellschaft fechs Monate rung in Heber d daß Ihnen der andel während . Die Peters gende Nachri namentlid aus Rußland angeb Ruptoje Slowo es Kriegsmin hätten. Für en Prinzen in n bestehen soll alle mal beizu bahnaffiftenten nen. Den Ver enbahndirektion Standesfra - und Ortsver en Normierung 300 bis 3600 M des Nachtdien aubes von dret träge follen in ntnis gebragt Aus Salonili hemaligen Sul ersuchte sich aus te bevorstehende regung verfekt Abdul Hamids Anzeichen von Brofessors. Der ofeffor und Di Beh. Medizinal azes verliehen, öhscheid bet So n in das Kran Erkrankten, ein Er Zeit mit gro ngen beiwohnte urde in Berlin 1dler verhaftet. Die in Kopen n und den Ar den gestern als Ee die von den ssperrung von einem Berliner rin gegen das n besonders ho Boden schlug auf und erlit daß sie sofort Eine TurnerSiftigte sich mit derten einander 19jährigen Gym ann nach kurzer tes( Frankreich) Schwiegermutter feinen Schwie chenkel, der die rachter Tat er 11. mlosesten Weise r Witwe in El Berhältnis ange em verhängnis fe, die ftets mit achdem sie nach rte sie noch eine mit der Drohung feiner Frau den hatte schon ein ier lieferte, auf 0 M aufbringen tat es doch nur fröhliches Kopf erwetterte Mühe wurde fie rot fie heraus und Söhe. an diesem Spa sch im Häuschen aft. Kathi han derte mit ihrem fen auf. , lobte den treff uschen, das wie Kind, das flint die Augen über Te Frau Restau verständnisvollen er diese rüdhalt fe in verstärkte en Kummer hin rung an die be n hatte und fall uch mal ein mo dies hier hat Tante ein lein e Art war, wenn b Better Julius och allen anderen all bem modernen " und fo fhone und erstattete, um den fortlaufenden Erpressungen endlich einen Damm entgegenzusehen, Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Gestern wurde die Erpresserin von der Straffammer zu 18 Monaten Buchthaus, 150 M Geldstrafe und 3 Jahren Ehrverlust, ihre Dienstmagd, die Mitwisserin war und die Briefe dem Wirt ins Haus gebracht hatte, wegen Bethilfe zur Erpressung zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt. Bernrteilung eines Bahnassistenten. Von der Straftammer in Darmstadt wurde der 51 Jahre alte Oberbahnassistent Johann Barchfeld zu einer Woche Gefängnis verurteilt. Er war angeklagt, den Tod eines Arbeiters vor etniger Zeit dadurch veranlaßt zu haben, daß er durch ein Versehen diesen Arbeiter noch die Bahngleise überschreiten ließ, obwohl ein D- 3ug in Sicht war. Eine jugendliche Giftmischerin. Ein 14jähriges Dienstmädchen, daß, um eine Anzeige wegen Diebstahls zu verhindern, seine Herrin mit Gas vergiften wollte, ist von ber Straffammer zu Frankfurt a. D. zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein ruffischer Fürst wegen Unterschlagung verurteilt. In Moskau wurde der Fürst Wolkonski wegen Unterschla gung von Wohltätigkeitsgeldern zu fünf Monaten Festung, brei Mitschuldige zu acht, bezw. sechzehn Monaten Festung und Einreihung in die Arrestantenkompanie verurteilt. Vermischtes. Schwere Gewitter, teilweise mit wolfenbruchartigem Regen und Hagelschauern, gingen am Sonntag und Montag in Hamburg und dem angrenzenden Schleswig- Holstein, Oldenburg und Mecklenburg nieder. Ueber Hamburg allein entluden sich vier Gewitter in der Zeit von Sonntag nachmittag bis Montag früh. Die Straßen der Stadt waren teilweise überflutet, viele Kellerwohnungen standen unter Wasser. In Altona trat eine längere Störung des Straßenbahnbetriebes ein, da alles überflutet war. An verschiedenen Stellen hat der Blizz gezündet. Als auf der Bahrenfelder Rennbahn die Rennen während des Gewitters beendet waren, und die dichten Menschenmengen hinausdrängten, schlug der Blitz in die neue, am Eingange befindliche Telephonleitung, wodurch eine große Panit unter den Maffen entstand. Viele Personen erlitten mehr oder weniger heftige Erschütterungen, eine Anzahl Frauen und Kinder fielen in Ohnmacht, erholten sich später aber wieder, ein berittener Polizeisergeant indes wurde durch den Wetterschlag völlig gelähmt, und mußte vom Pferde gehoben werden, ein anderer berittener Sergeant wurbe aus dem Sattel geschleudert. Der Däne und die Kornblume. Aus Wiesbaden teilt ein Leser der Frtf. 8tg." folgende Beobachtung mit: Als bei Gelegenheit des Kornblumentages eine jugendliche Wiesbadnerin einem die Wilhelmsstraße passierenden Herrn eine ihrer Kornblumen zum Kaufe anbot, lehnte dies der Angeredete in höflicher Form mit folgenden Worten ab:„ Mein Fräulein, ich bin Däne und kann deshalb eine Kornblume nicht annehmen, aber für die Veteranen sollen Ste doch etwas haben." Darauf händigte er der Dame seinen Obolus ein. Ein neuentbedtes Genie". In London hat der stebzigjährige Maler Walter Greaves durch eine Ausstellung feiner Gemälde in der neueröffneten Goupil Gallwey einen plöglichen Erfolg errungen. Greaves lebte das befcheidene Dasein eines Malers, der sich eben nur so durchfchlägt, bis er nun auf einmal im biblischen Alter das Glud herannahen sieht. Mit einem Schlage erkannten Publitum und Kritit seine Qualitäten an, man feiert ihn In allen Tonarten, und am ersten Abend der Ausstellung hatte Greaves nicht weniger als fünfzehn Delgemälde zu Preisen von etwa 2400 bis 3000 Mart per Bild abgesetzt. Der erste Petroleumimporteur Deutschlands, Edmund J. A. Stemers, dem seine Vaterstadt Hamburg das Geschent des neuen Vorlesungsgebäudes wie auch die Errishtung der dicht bei Hamburg belegenen Lungenheilstätte Edmundstal bantt, beging am 15. Mai das hundertjährige Jubiläum der von seinem Großvater gegründeten, jekt von ihm und seinem Sohn geleiteten Reederi und Warenfirma G. J. H. Siemers. Edmund Siemers, des fezt Siebzigjährigen, oft im Leben bewiesenen tatkräftigen Entschließungen verdankt die Verbreitung des amerikanischen Erdöls einen überaus gewichtigen und folgenreichen Anstoß. Als nämlich im Anfang der 60er Jahre die ersten 16 Fässer des neuen Handelsartikels nach Hamburg gekommen waren und niemand sich mit ihrem Verkauf befassen wollte, unternahm er kurz entschlossen die Einfühtung des neuen Leuchtmaterials, dessen Verwertung vor allem die Schwierigkeit entgegenstand, daß das amerikanische Produkt auf keiner der damals im Gebrauch stehen= ben Dellampen brennen wollte. Erst nachedm der junge Siemers eine größere Sendung von Petroleumlampen hatte kommen lassen, und an ihnen die Verwendbarkeit des dann sehr rasch zu einem Welthandelsartikel gewor= denen Erzeugnisses vor Augen geführt hatte, gelang ihm mit vieler Mühe die Einführung des Petroleums, von dem sich dann bald herausstellte, auf wie mannigfachen Gebieten es sich höchst nutzbar gebrauchen ließ. Als ein Opfer seines Berufes ist in Frankfurt a. M. Der Arzt Dr. Otto Scheven gestorben. Vor ungefähr sechs Wochen operierte er einen Syphiliskranken, und beim Einschnitt in das Geschwür traf heraussprizender Eiter das Gesicht des Operierenden. Dr. Scheven hatte an der Nase eine kaum wahrnehmbare Wunde und durch diese muß die verhängnisvolle Infektion stattgefunden haben, trotzdem sofort Gegenmaßregeln angewendet wurden. Als eine von berufener Seite vorgenommene Blutuntersuchung fetnen Zweifel mehr darüber bestehen ließ, daß eine Ansteckung tatsächlich erfolgt sei, wurde im späteren Laufe der Behandlung eine Salvarsaneinspritzung direkt in die Venen gemacht. Eine spätere Wiederholung dieser Einsprigung fand statt und hatte Lähmungserscheinungen der Sinne sowie der Bewegungsorgane zur Folge. Jetzt ist er der Vergiftung erlegen. Die Hungersnot in China. Bischof Henninghaus, der apostolische Vikar von Süd- Schantung, feilt der„ Kölnischen Volkszeitung" über die Hungersnot in Südchina mit, daß selbst Begüterte nichts mehr zu essen haben. Eine der reichsten christlichen Familien in Hsien, die 300 bis 400 Morgen Land besitzt, kann sich z. B. am Tage nur eine armselige Mahlzeit leisten. Die meisten Familien haben überhaupt nichts zu essen, so daß ste des Hungertodes sterben. Die Kinder seht man aus. Junge Frauen und Mädchen werden verkauft. Die Häuser werden stellenweise eingerissen, um aus dem Erlös des verkauften Materials das nackte Leben zu retten. Zum Unglück treten im Gefolge der Hungersnot Typhus und andere Krankheiten auf. Man hofft, daß die Weizenernte, die in etwa anderthalb Monaten beginnt, Linderung bringen werde. 300 Menschen durch Geistesgegenwart gerettet. Durch Die Geistesgegenwart des Kapitäns eines Schiffes, das von Taganrogt nach Asow fuhr, wurden 300 Menschen von einem schrecklichen Tode errettet. Die Passagiere des Lusthampfers wurden eines Nachts plöglich von einem furchtbaren Lärm geweckt, und als sie sich erhoben und dem Lärm nachgingen, sahen sie, wie der Kapitän mit einem Passagier rang, den sie unter einem hochfeudalen Namen auf dem Schiff fennen gelernt hatten. Der Graf versuchte, dem Schiffsführer das Messer, das er in der Hand hielt, in das Herz zu stoßen, jedoch gelang es den Matroser und Passagieren, den hertulisch gebauten Mann zu überwältigen und ihm das Messer zu entreißen. In der Nacht hatte der Kapitän, wie er erzählte, plötzlich gemerkt, daß der Graf sich ihm lautlos nähere. Zuerst wollte er aufsprin gen, dann aber sah er das Messer in der Hand blitzen, und so verhielt er sich ganz ruhig und tat, als ob er schliefe, bis zu dem Augenblick, da der angebliche Graf zum Stich ausholte. Da sprang er auf, ergriff den Arm des Mannes, entriß ihm die Waffe und verlegte ihn. Trotz der großen Wunde bemächtigte sich der angebliche Graf des Messers, um erst den Kapitän und dann die 300 Passagiere zu töten und zu berauben(?) Er hatte jedoch nicht mit den Riesenkräften des Schiffsführers gerechnet, und es ge lang dem geistesgegenwärtigen Manne, den Räuber und Mörder festzuhalten, bis ihm Hilfe tam. Der Kapitän hatte durch seine fühne Geistesgegenwart das Leben von 300 Menschen gerettet, und begeisterte Ovationen lohnten thm seinen Mut. Seiterteit für vier Mart. In Paris ist vor furzem ein Wert erschienen, das den Titel„ Das Leben beim Theater" führt. Der Verfasser teilt darin die sehr interessanten Preislisten der Pariser Claque mit. Es tosten danach: eine einfache Beifallssalve 4 Mark; doppelte Salve 16 Mart; dreifache Salve 20 Mart. Einfaches Lärmen 20 Mart; unbegrenzter Lärm 40 Mark; Beifallsklatschen, dieses zuerst niedergezischt, dann erneuert und gesteigert, wie wenn der intelligentere Teil des Publikums über die Unzufriedenheit siege: 25 Mart; Heiterkeit 4 Mark; Gelächter 4 Mark; schallendes Gelächter 8 Mark; leidenschaftliche Ausrufe 16 Mark. Der Verfasser fügt hinzu, daß natürlich oft auch über die Formen der Bewunderungsrufe, die mitten unter dem Publikum im Zuschauerraum mehr oder weniger häufig ausgestoßen werden sollen, Vereinbarungen getroffen werden; der Preis hierfür unterliegt aber besonderen Verabredungen zwischen dem Theaterdirektor und dem Führer der Claque, der sich in den Verdienst mit seiner Schar teilt. Der Engel des Kindes auf der Lokomotive. Der D- 3ug, der abends in Manchester eintrifft, hatte vor eini gen Tagen ein eigenartiges Erlebnis, das vielleicht auch nichtabergläubische Menschen mit frommer Rührung hören werden. Ungefähr eine Stunde vor Manchester merkte der Heizer der Lokomotive des Expreßzuges, daß irgend etwas an dem Kessel nicht in Ordnung sein müsse, da die verlangte Geschwindigkeit nicht von ihm erreicht werden fonnte Da der Heizer eine Verspätung des Zuges befürch tete, so feuerte er ordentlich an, um die Geschwindigkeit des Zuges zu erhöhen. Aber ohne Erfolg! Die Lokomotive ging nicht schneller und plöglich blieb sie wie auf Befehl stehen Die Passagiere stürzten aus den Wagen, um zu sehen, was es gäbe, wurden aber sofort von dem Lotomotivführer beruhigt, da anscheinend nur ein Ventil nicht in Ordnung war und eine Gefahr nicht vorlag. Da die Reparatur der Maschine eine halbe Stunde in Anspruch nehmen sollte, stiegen die Fahrgäste inzwischen aus. Wie erstaunten sie aber, als sie ganz dicht vor der rußigen Lokomotive dref kleine Mädchen im Alter von 2 bis 3 Jahren heiter spielen sahen, als ob nicht das Geringste vorgefallen wäre. Die Kinder wurden gefragt, wie lange ste schon hter spielten, da die Reisenden annahmen, daß ste erst nach dem Anhalten der Lokomotive hierhergekommen waren. Das älteste Mädchen versicherte aber, daß sie schon recht lange hier seien, weil ihre Mutter threm Vater in der Zwischenzeit das Essen gebracht habe. Die drei kleinen Kinder waren laum einen Meter von dem dampfenden Ungetüm entfernt. Wäre die Lokomotive auch nur um die geringste Strecke, ja selbst nur um eine Radumdrehung wetter gefahren, dann hätte sie die arglos spielenden Kinder zernialmt. Ein altrussischer Großkanfmann. Ein typischer Vertreter des ruffischen Großkaufmanns alten Schlages, der ,, Getreidekönig" und Multimillionär N. A. Bugrow ist die= ser Tage in Nishni- Nowgorod gestorben. Dieser Mann, der ein Vermögen von 40 Min. Rubel hinterlassen hat, gehörte zu den Altgläubigen strengster Observanz. Trozz seines Reichtums unterschied sich seine Hauseinrichtung nur wenig von der eines besser gestellten Handwerkers. Er trug stets hohe Schaftstiefel, den herkömmlichen russischen Kaufmannskaftan und freisförmig beschnittenes Haupthaar, das er gründlich mit Del zu falben liebte. Zu seinen Lebzeiten hat dieser so schlicht aussehende Mann Millionen für Wohltätigkeitszwecke ausgegeben. Im gewöhnlichen Leben war Bugrow jedoch mehr als sparsam. Wenn er mit der Eisenbahn in Nishnt eintraf und die Packträger feine bekannte Figur bemerkten, stoben sie davon, denn es war ihnen bekannt, daß der Millionär nie mehr als 15 bis 20 Kopeten einem Gepäckträger zahlte. Auch bei den Ministern und anderen hohen Staatsbeamten, mit denen er sehr häufig zu tun hatte, erschien er stets in hohen, blank gewichsten Stiefeln und mit dem geliebten Kaftan. Die hohen Exzellenzen pflegte er nach altruffischer Sitte mit dem vertrauten" Du" anzureden. Sein Wort galt in der Geschäftswelt mehr als jeder Wechsel. Benußte er ein Fuhrwerk, so lohnte er den Kutscher gewissenhaft nach der Tage ab und war unter feinen Umständen zu bewegen, einige Kopeken mehr zu zahlen. Dieser Mann, der wegen unnütz ausgegebener fünf Kopeken seinen Angestellten die schwersten Vorwürfe machte, der bei Einkäufen um jeden Groschen feilschte, unterzeichnete jedoch Schecks von hunderttausend Rubel, ohne mit der Wimper zu zucken, wenn es galt, ein gutes Werk zu fördern. Seine vielen Beamten hielt er äußerst streng, herrschte über sie in mehr als patriarchaltscher Weise und verlangte von ihnen kritiklose Ausführung seiner Anordnungen. Hatte sich aber jemand bei ihm mehrere Jahre hindurch als treu und zuverlässig bewährt, so kam es ihm nicht darauf an, ihn eines schönen Tages mit einer Anweisung auf 25 000 bis 50 000 Rubel zu überraschen, und ihm zu sagen:" Du sollst jetzt auch " Mensch" werden, ich weiß, Du wirst von dem Geld guten Gebrauch machen," Aus dem Reiche der Technik. Die Elektrifierung der Berliner Stadtbahn. Wie dem ,, B. L.-A." geschrieben wird, ist der Plan der Elektrisierung der Berliner Stadtbahn und verschiedener anderer Bahnen plötzlich der Ausführung nahe gekommen. Nach den in der letzten Zeit gewonnenen Erfahrungen im Betriebe der elektrischen Vorortbahn Blankenese- Hamburg und der elektrischen Vollbahn Bitterfeld- Dessau sind die fachmännischen Kreise zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Elektrisierung der Stadtbahn billiger und schneller dadurch zu erreichen sei, daß man den Wagenpark und den Bahnkörper im wesentlichen unverändert läßt und lediglich vor die Stadtbahnzüge elektrische Lokomotiven spannt. Die Stromzuführung soll nach dem Hamburger Vorbild durch Oberleitung erfolgen. Dabei bleibt die Möglichkeit, im Notfalle auch große Kraftzüge über die Stadtbahn hinwegzuleiten. Ferner sollen auch Fernzüge mit Hilfe elektrischer Lokomotiven über die Stadtbahn geführt werden. Zur Erzeugung des Stromes ist ein Riesenkraftwerk bei Bitterfeld in Aussicht genommen, dessen Anfänge schon heute für die Vollbahn Bitterfeld- Dessau vorhanden sind. Man hat gelernt, Hochspannströme aus weiten Entfernungen betriebssicher zu leiten. Vor Bitterfeld wird daher ein starkes unterir disches Kupferkabel die nötigen elektrischen Kräfte in Stärfe von 60 000 Volt nach Berlin leiten können, wo der Strom für den Bahnverbrauch auf besonderen Stationen umge formt wird. Nach Lage der Dinge wird angenommen, daß bereits im nächsten preußischen Etat oder im nächsten Eisenbahnanleihegesetz die ersten Mittel für die Elektrisierung der Berliner Stadt- und Ringbahn gefordert werden. Was kostet die englische Königsfrönung? Die englische Königsfrönung hat neben dem ideellen auch einen großen materiellen Wert. Abgesehen von dem ungeheuren Geldzustrom, der durch die Massen der Besucher nach England fließt, sind die Kosten der Krönung selbst auch ganz außerordentlich hoch und würden einen armen Königshof in rechte Bedrängnis zu bringen imstande sein. Da die englische Königsfamilie aber über sehr bedeutende Reichtümer verfügt, so liegt eine solche Gefahr nicht vor. In erster Reihe ist der Krönungsmantel des Königs zu erwähnen, der im Waffenscal des Towers hergestellt wird. Der Krönungsmantel Georgs IV. fostete nicht weniger als 250 000 Pfund Sterling, d. h. 5 Millionen Mark. Der Krö nungsmantel Georg V. wird aber noch teurer sein, da er noch prächtiger hergestellt werden wird. Die Krone, die jedesmal neu angefertigt wird, hat an 3000 Brillanten und 297 Perlen. Unter den Brillanten ragt der„ Stern" von Afrika hervor, ein Teil des berühmten Cullinan- Diaman ten, der dem König Eduard von seiner Kolonie in Afrika geschenkt wurde. Der Stern" von Afrika wird an die Stelle des großen Prinzregenten- Saphirs treten. Die goldene Fassung für alle diese Brillanten kostet nach unserem Gelde eine runde Million Mark. Die Krönungskleidung der Königin kostet zusammen 4 Millionen Mart. Das Galadiner, das der Königskrönung folgt, ist im königlichen Haushaltsetat mit 25 0000 Pfund Sterling oder einer halben Million Mark angesetzt. Die Roben der königlichen Prinzen sind durch Vorschriften des Earl- Marschall, des Herzogs von Norfolk, genau festgesetzt und bestehen aus rotem Samt mit Hermelinbesaß. Die Kronen, die auf den Noben sind, bestehen bet den Prinzen aus reinem Golde, bei den Her zögen aus vergoldetem Silber und bei den anderen AdItgen aus Silber. Die Roben für alle Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hofes, die an der Königströnung teilnehmen, werden auf Kosten der königlichen Hoffasse an gefertigt. Insgesamt ist für sämtliche Roben ein Betrag von 500 000 Pfund Sterlin oder 10 Millionen Mark ausgesetzt. Wenn man noch die Kosten für die Feierlichkeiten, Feste und Diners, für das Krönungszeremoniell und die Krönungsgeschenke, sowie die Kosten für die Roben und Kronen des gesamten Hochadels, der an der Krönung teilnimmt, dazu rechnet, dann wird man nach den Angaben einer bekannten englischen Gesellschaftszeitschrift mindestens eine Summe von 100 bis 150 Millionen Mark als Kosten der Königskrönung annehmen müssen. Wenn auch der königliche Hof die ganzen Kosten nicht zu tragen hat, da der Adel naturgemäß selbst für seine Unkosten bei der Königsfrönung aufkommen muß, so ist doch damit zu rechnen, daß die Krönung allein dem königlichen Hofe mindestens 25 Millionen Mark kosten wird. Allerdings bekommt der Hof auch dafür einen Ersatz, da die Krönung eine Unmasse der kostbarsten Geschenke nach London bringt, die zum Teil von den regierenden Fürsten, zum Teil von dem englischen Adel, reichen englischen Bürgern und den Kolonien gestiftet werden. Das deutsche Kaiserpaar in London. Das Kaiserpaar traf, wie gemeldet, Montag nachmittag gegen 1 Uhr in London ein und wurde vom König und der Königin auf dem Viktoriabahnhofe abgeholt. Zur Fahrt nach dem Buckinghampalaste wurde ein längerer Umweg gewählt, um der Menge, die zu beiden Seiten die Straßen säumte, Gelegenheit zu geben, die Gäste zu sehen. Entsprechend dem familiären Charakter des Besuchs fehlte jede militärische Eskorte. Beide Monarchen waren bürgerlich gekleidet und im ganzen Wagenzug war keine Uniform sichtbar. Im langsam fahrenden ersten offenen Wagen saßen der Kaiser, der die Grüße des Publikums mit dem ByItnderhut erwiderte, der König und der Prinz von Wales, im zweiten Wagen folgten die Kaiserin und die Königin von England, beide in heliotropfarbenen Toiletten, sowie die Prinzessinnen Viktoria Luise und Mary. Dem Frühstück im Buckinghampalast wohnten viele Fürstlichkeiten bet. Die deutschen Gäste verließen später den Palast im Automobil, von der Menge durch lebhafte Burufe begrüßt und fuhren nach dem Königspalast, um den Tee bei der Königin Alexandra einzunehmen. Nachmittags machte ber Kaiser Besuche bei Mitgliedern der königlichen Familie und abends fand ein Diner im Buckinghampalast statt. Das Luftschiff Deutschland zerstört. Ein Trauertag für Zeppelin. Das neue Passagierluftschiff Deutschland, das wie be kannt in Düsseldorf stationiert ist und in letter Beit mehrere aufs beste verlaufene Passagierfahrten unternommen hatte, ist gleich seinem Vorgänger heute das Opfer einer Katastrophe geworden. Es sollte heute die Fahrt nach Baden- Baden antreten, die schon für Montag geplant war, der schweren Gewittec wegen aber verschoben werden mußte. Bei Antritt der Reise ist es gestrandet und zerstört worden. Der Draht meldet über die Katastrophe, die in ganz Deutschland aufrichtige Teilnahme erweckt, folgendes: Düsseldorf, 16. Mat. Das Luftschiff Deutschland ist heute vormittag 10 Uhr bei der Ausfahrt aus der Halle gestrandet und zerstört worden. Ein späteres Telegramm lautet: Düsseldorf, 16. Mai. Als das Luftschiff Deutschland heute früh aus der Halle gezogen werden sollte, wurde es von einem plötzlich auftretenden Windstoß gefaßt und gegen die Halle gedrückt. Mehr als 200 Personen versuchten vergeblich, das Luftschiff zu halten, es rissen einige Halteseile und das Luftschiff wurde aus der Halle getrieben. Die Beschädigungen sind sehr erheblich. Ein großer Teil des Gerüstes muß erneuert werden. Die Maschinen sind unbeschädigt. Von den acht Passagieren, die sich in der Gondel befanden, ist niemand verletzt. Drabtnachrichten und Deuestes. Der deutsch- schwedische Handelsvertrag. Stockholm, 16. Mai. Die Kommission für den deutsch- schwedischen Handelsvertrag hat gestern ihren Bericht erstattet und dem Reichstage die Annahme des Vertrages empfohlen. Nene Friedensverhandlungen in Mexiko. Neuyork, 16. Mat. Aus El Paso wird gemeldet, daß der Unterhändler der merikanischen Regierung den Auftrag erhalten hat, die Friedensverhandlungen mit den Insurgenten wieder aufzunehmen. Massenvergiftung in einer Kaserne. Görlig, 16. Mai. 150 Mann des hiesigen 19. Infanterieregiments sind unter Vergiftungserscheinungen er= frankt. Ob Fleisch- oder Bletvergiftung vorliegt, ist noch ungewiß. Lebensgefahr besteht nicht. Bekanntmachung. In der Zeit vom 7. bis 13. Mai 1911 wurden in 1911 wurden in hiesiger Stadt Stadt gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Kinderkäppchen, 1 Damengürtel, 1 Handtäschchen mit Inhalt, 1 Hebeisen und 1 Packet mit Inhalt; verloren: 1 Granat- Armband, 2 goldene Ringe, der eine mit blauem der andere mit rotem Stein, gez. W. K. und eine silberne Damenuhr. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Die Abholung der gefundenen Gegenstände kann an jedem Wochentag von 11-12 Uhr vormittags und von 4-5 Uhr nachmittags bei unterzeichneter Behörde, Zimmer Nr. 1, erfolgen. Gießen, den 13. Mai 1911. Großh. Polizeiamt. Gebhardt. Seltene Vakanz Bedeutende, alte Lebensversicherungs- Gesellschaft mit hohen Dividenden und sehr praktischen Tarifen sucht für einen Teil des Bezirks Wiesbaden einen tüchtigen Fachmann als Bezirksgeneralagenten. Die Stellung ist gut dotiert. Reflektiert wird auf eine gebildete und energische Persönlichkeit, welche besonders über Organisationstalent verfügt. Diskretion zugesichert. Gefl. Offerten unter J. J. 8461 befördert Rudolf Mosse Frankfurt a. M. Laden- Einrichtung passend für Zigarren-, Papier- oder Schuhwaren- Geschäft, wegen Aufgabe der hiesigen Filiale billig zu verkaufen. Lindau& Winterfeld, Giessen, Seltersweg 58. Immer langsam voran, immer langsam voran!... So hiess es in der guten alten Zeit. Dieses Wort gilt für uns moderne Menschen nicht mehr! Wer heute vorwärts kommen will, für den heisst es, alle Kräfte anspannen, vor allem die Gesundheit, die schneidigste Waffe im Lebenskampfe, allzeit frisch erhalten. Um das zu erreichen, muss man auf eine durchaus gesunde Kost bedacht sein. Dazu gehört, dass man täglich morgens und nachmittags Kathreiners Malzkaffee trinkt. Er ist unschädlich, bekömmlich, wohlschmeckend und billig. Der Gehalt macht's! Kalk- u. Marmor- Werke u. Dampfziegelei Telefon 84. Aug. Gabriel jr. Giessen, Telefon 84. la. Qualitäten Massenfabrikationen Bahnanschluss · Rheinweine ( 261) Cigene Gewächse befter und allerbefter Weinbergslagen bersendet in Fäffern von 25 Ltr. u. in Kiften v. 12 Fl. an Paul Christian Saalwächter Weingutsbesitzer, NIEDER- INGELHEIM a. Rh. Spezialität: Ingelheimer Rotweine Café Astoria, Giessen Café Amend, Giessen Vornehmstes, grösstes Café am Platze. Anerkannt vorzüglicher Kaffee Eigene Konditorei mit Verwendung nur reiner Süssrahmbutter 2 franz. 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Es ist begreiflich, daß die Forderungen der Gesellschaft für Sozialreform nicht überall Anklang finden, daß namentlich die Anschauung laut wird, eine weitere Einschränkung der Arbeit Jugendlicher vermehre übermäßig die Produktionskosten vieler Industrien bei uns. Der Dozent Kaup von der Zentrale für Volkswohlfahrt fand auf der Tagung für diese Bedenken ein glückliches Wort. Er sagte, die internationale Konkurrenzfähigkeit werde durch die geplanten Schutzmaßregeln nicht beeinträchtigt, sondern im Gegenteil würden dadurch nur die Riesenkosten für vorzeitige Invalidität herabgedrückt. So etwas läßt sich zahlenmäßig nicht nachweisen. Wenn wir irgend eine bleiche Puzzarbeiterin von 16, 17 Jahren sehen, so können wir uns wohl denken, wie gut ihr die Einführung etwa der Halbtagsschicht bekäme; oder wenn ein ebenso alter junger Mensch aus der Schusterwerkstatt spät am abend uns unsere Stiefel bringt, so bedauern wir es, daß er nicht nachmittags auch einmal Fußball spielen fann. Ob aber die eine oder der andere nicht vorzeitig invalide würde, wenn das geschähe, das können wir natürlich nur schätzen. un= In der Debatte kam noch eine Fülle guter Gedanfen zum Ausdruck, die unzweifelhaft auf richtiger Beobachtung beruhen. So wurde erwähnt, daß die Ernährung der jugendlichen Arbeiter notorisch schlecht meist nicht aus Mangel an Mitteln ist, sondern aus Mangel an hauswirtschaftlichen Kenntnissen in der Welt serer Arbeiterfrauen. Das entfesselte selbstverständlich den Redestrom der Männer, die in der Konkurrenz der Frauen auf dem Arbeitsmarkt die Wurzel des Uebels, die 3erstörung der Familie erblicken. Die soziale Frage besteht eben, das sieht man bei jeder derartigen Erörterung, aus einer Kette von Einzelfragen, die miteinander zu sammenhängen und nur Glied nach Glied werden können. Der Schutz der Jugendlichen wird bald spruchreif sein. Und trotz alles dessen, was Regierun gen und Parlamente schon von selber tun, ist es sehr dankenswert, daß die Gesellschaft für Sozialreform auch hier Pionierdienste leistet. Hessischer Landtag. bearbeitet BeDie 3 weite Kammer setzte gestern ihre ratungen fort. Am Mittwoch wird mit der Beratung des Gemeindeumlagegesetzes begonnen. Am Dienstag findet ein parlamentarischer Ausflug nach JuTelegr.- Adr.:..Tuchindustrie Spremberglausitz". Fernspr. 71. Eigene Postpaket- Abfertigung. wir Sie, diese Karte für weitere Bestellung aufzubewahren. Wenn Sie augenblicklich keinen Bedarf haben, so bitten er Zeitung ille amfl. Bekanntmachungen zoglichen eisferei des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens edition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) anderer erstag, den 18. Mai 1911. t, zu dem auch die Parlamentspresse ein Ende nächster Woche werden die VerhandAnfang Juli vertagt. Der offizielle Schluß Juli statt. Hierauf werden die Ersatzwah ig. Schulrat Dr. Münch und Rechtsanwalt imer für gültig erklärt. Zu dem Antrag Irich u. Gen., die Ausbildung der ullehrer betreffend, beantragt Abg. Bach Der Begründung, daß die Ausbildung der rer einer zeitgemäßen Revision unterzogen isterialrat Süffert lehnt eine Aenderung ungsvorschriften vorerst ab, da sich dieselben iß und gut bewährt haben. Die Regierung alle Anregungen unparteiisch auf ihren Wert Bere Debatte entspann sich bei den Vorstel Steueraufseher 2c., betr. Anstellungs- und iltnisse. Die Forderungen werden im Princhtigt anerkannt und das Material der Redie nächste Besoldungsvorlage überwiesen. : der Abgg. Pagenstecher, Dr. Schmitt und etr. die Gemeindesteuern der hessischen BeEisenbahngemeinschaft wurden angenommen. trägen der Abgg. Haas und Genossen, die g der Nebenbahn Weinheim- Fürth bis und die Bahn Reinheim- Reichelsheim Schönberger verschiedene Ausführungen, wominister Dr. Braun zum ersten Male nach sung das Wort ergreift und die Angriffe 5 auf seinen Amtsvorgänger Gnauth ener fräftigen versucht. Finanzminister Gnauth Jste Förderer der hessischen Eisenbahnpolitit ihm verdanke Hessen seinen wirtschaftlichen Aus Stadt und Cand. Gießen, den 18. Mai. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Inseratenzeile.- Stellen: gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" 6. m. b. H. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. ung aus dem Fonds bestimmungsgemäß ausschließt, teils wurden die Gesuche von den Bittstellern wieder zurückgezogen. In letzter Zeit konnte wegen der außer= durch bedingten Erschöpfung der Mittel eine größere ordentlichen Inanspruchnahme des Fonds und der daden, weil nach der von der Großherzogin getroffenen Reihe von Gesuchen leider nicht mehr berücksichtigt werAnordnung der verzinslich angelegte Fonds nur bis zu einer bestimmten Summe, um für die Zukunft ein Stammkapital zu behalten, aufgebraucht werden soll. Es ist deshalb aufs innigste zu wünschen, daß der Gießener Verkaufstag der Großherzogin dem so segensreich wirkenden Fonds einen recht erheblichen Betrag zuführt. * Der Rhein- Mainische Verband für Volksbildung hält seine diesjährige Jahresverhandlungsgegenstand bildet das Thema:„ Jugendpflege sammlung am 20. und 21. Mai ab. Den HauptverBesichtigungen der Mainzer Museen, sowie der Stadtund Volksbildung". Mit der Versammlung sind die Rheinfahrt nach Eltville statt. bibliothek verbunden. Bei schönem Wetter findet eine Der 7. ordentliche Delegiertentag des Vereins der Deutschen Kaufleute findet am 21. Mai und folgende Tage in Berlin im ,, Marinehaus" statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a. zwei Voträge über das Thema:" Notwendige Reformen des Handelsgesetzbuches". Ferner wird die„ Reichsversicherungsordnung" und die„ Pensionsversicherung der Privatangestellten" zur Sprache kommen. Sterblichkeits3iffer in Hessen. Das Ergebnis der Woche vom 30. April bis zum 6. Mai tim allgemeinen ein recht erfreuliches, nur in DarmStadt und Worms ist eine Steigerung der Todesfälle eingetreten. Verhältnismäßig am günstigsten von den gröBeren hessischen Städten steht Mainz. Dann folgt GieBen mit 7( 11) Todesfällen und der Sterblichkeitsziffer 11,4( 18,3). *) Heuchelheim, 18. Mai. Dem Schulamtsaspiranten Karl Gorr wurde eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober- Ohmen, Kr. Alsfeld, übertragen. -sch Hungen, 17. Mai. Der zweite Auftrieb auf die Jungviehweide Tiergarten aus den Gebieten, die wegen der Maul- und Klauenseuche seither gesperrt waren, hat kürzlich stattgefunden. Es wurden 13 Fohlen und 19 Rinder eingeliefert, sodaß der gesamte Weidebestand jetzt 37 Fohlen und 73 Rinder beträgt. * Friedberg, 18. Mai. Der Wetterauer Geflügelzuchtverein beschloß, unter Mitwirtung der Bad- Nauheimer und Reichelsheimer Vereine zirks- Geflügel- Ausstellung zu veranstalten. Ende September in Nieder- Wöllstadt eine BeBüdingen, 18. Mai. Hauptlehrer Mockenhaupt wurde gestern vom Großherzog in Audienz empfangen. Darmstadt, 18. Mai. Die Kunstausstellung Darmstadt 1911 ist heute vormittag 11 Uhr durch einen Rundgang Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs eröffnet worden. Darmstadt, 18. Mai. Das großherzogliche Hoflager wirb am Samstag nach dem Jagdschloß Wolfsgarten verlegt. Der dortige Aufenthalt wird nur durch eine viertägige Reise nach Gießen, vom 11. bis 16. Juni, und dann durch die Fahrt nach London, die vom 16. Juni bis Anfang Juli dauert, unterbrochen. Berkaufstag der Großherzogin, nstag, 13. Juni, hier in Gießen stattfindet, stärkung des Fonds der Großherzogin zum Besten unbemittelter tuberkuloser Personen in Hessen dienen, für die keine Versicherung eintritt oder für deren Heilbehandlung andere Mittel nicht zur Verfügung stehen. Wie segensreich dieser Fonds bisher gewirkt hat, ist aus den folgenden Mitteilungen zu ersehen: Im Jahre 1909 wurden auf Kosten des Fonds in Heilstädtenbehandlung bezw. in Krankenhäuser oder Bäder 87, und 1910 88 Personen aufgenommen, wozu noch die im Jahre 1910 stattgefundenen Wiederholungskuren für 24 Personen kommen. Im Jahre 1911 wurden bis jetzt 93 Personen( einschl. 13 Wiederholungsturen) in Heilstätten, Krankenhäuser oder Bäder aufgenommen, wofür insgesamt 11 197,41 Mark für Verpflegungen verausgabt wurden. Im Jahre 1909 sind 20 673,32 Mark und 1910 32 994,86 Mark Kosten hierfür entstanden. Weiter wurden aus dem Fonds Unterstützungen gewährt für Beschaffung stärkender Lebensmittel, zur Beschaffung von Betten, zur Beschaffung von Zahnersatz und künstlichen Gliedern, Uebernahme der Hausmiete für die Familie während der Dauer eines Kuraufenthaltes, Zuschüsse zu Kurkosten, Zuschüsse zu Badekuren, sowie Beiträge zur Errichtung von Kinderheilstätten, Beiträge an den Heilstättenverein und an Fürsorgestellen für Lungenkranke. Hierfür sind 1909 640,35 m.; 1910 4209,10 mt. und 1911 bis jetzt 2317,50 Mark verausgabt worden. In folgenden Heilanstalten, Krankenhäusern und Bädern waren auf Kosten des Fonds Kranke untergebracht: Eleonoren- Heilstätte bei Winterkasten, Ernst Ludwig- Heilstätte bei Sandbach, Lungenheilstätte von Göttmann Witwe zu Reichelsheim im Odenwald( Dr. Fischer), Alice- Hospital zu Darmstadt, Krankenhaus in Langen, Evangelisches Krankenhaus in Lampertheim, St. Bonifatius- Krankenhaus zu Hirschhorn, Kreiskrankenhaus zu Viernheim, Villa Friedrichsruh in Wimpfen, Elisabeth- Kind sofort ins Krankenhaus, wo es am nächsten Tage Haus in Bad Nauheim, Konitzkystift in Bad- Nauheim, Mathildenhospital zu Büdingen, Kreiskrankenhaus Alsfeld, Städt. Krankenhaus in Worms, Nassauische Heilstätte bei Naurod im Taunus, Städt. Krankenhaus Frankfurt a. M., Akademisches Krankenhaus zu Heidelberg und Ernst- Ludwig- Heilanstalt von Dr. Lossen in Darmstadt. Seit Bestehen des Fonds wurde bis jetzt von 452 Personen um Unterstützung aus ihm nachgesucht und in 335 Fällen konnte dem Gesuche entsprochen werden. In 117 Fällen konnte dies nicht geschehen, da die um Unterstützung Nachsuchenden zum Teil bei der Landes- Versicherungsanstalt gegen Invalidität versichert waren, was eine Gewährung von Unterstütz311 * Mainz, 17. Mai. Wegen fahrlässiger Tötung wurde der Wirt K. von der hiesigen Straffammer zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Als er eines Tages von einer Reise zurückkam, hatte er eine Bierflasche bei sich, die mit Schwefelsäure gefüllt war. Seine Frau bat ihn, ein Faß Bier anzuzapfen. In der Eile stellte er die Bierflasche in den Hausgang. Als er kurze Zeit danach die Flasche wegstellen wollte, sah er, daß die dreijährige Tochter seiner Schwester den Verschluß geöffnet und von der Flüssigkeit getrunken hatte. Er brachte das starb. In einer Revision suchte der Angeklagte die Fahrlässigkeit zu bestreiten. Das Reichsgericht verwarf die Revision jedoch als unbegründet. Diez, 17. Mai. Vergangenen Samstag erfolgte die feierliche Eröffnung der von der Ortsgruppe Diez des Vereins für nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung veranstalteten Oraniensteiner Ausstellung. Sie enthält Möbel, Gemälde, Altertümer, Münzen und Druckwerke 2c., die aus dem Schlosse Oranienſtein stammen und sich im Privatbesitz befinden. Mit der Aus= stellung, die bis 6. Juni dauert, wird am 28. Mai ein Margueritentag verbunden, dessen Ertrag, wie auch der der Ausstellung wohltätigen Zwecken zufließt. Be vierteljahr Abgeholt ausgabefte Mittags liegt alle 1 Selterswe nicht ver Bekanntmachung. In der Zeit vom 7. bis 13. Mai 1911 wurden in hiesiger Stadt Stadt gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Kinderkäppchen, 1 Damengürtel, 1 Handtäschchen mit Inhalt, 1 Hebeisen und 1 Packet mit Inhalt; verloren: 1 Granat- Armband, 2 goldene Ringe, der eine mit blauem der andere mit rotem Stein, gez. W. K. und eine silberne Damenuhr. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Die Abholung der gefundenen Gegenstände kann an jedem Wochentag von 11-12 Uhr vormittags und von 4-5 Uhr nachmittags bei unterzeichneter Behörde, Zimmer Nr. 1, erfolgen. Gießen, den 13. Mai 1911. Großh. Polizeiamt. Gebhardt. Seltene Vakanz Bedeutende, alte Lebensversicherungs- Gesellschaft mit hohen Dividenden und sehr praktischen Tarifen sucht für einen Teil des Bezirks Wiesbaden einen tüchtigen Fachmann als Bezirksgeneralagenten. Die Stellung ist gut dotiert. Reflektiert wird auf eine gebildete und energische Persönlichkeit, welche besonders über Organisationstalent verfügt. Diskretion zugesichert. Gefl. Offerten unter J. J. 8461 befördert Rudolf Mosse Frankfurt a. M. Café Astoria, Gi Vornehmstes, grösstes Café am Anerkannt vorzüglicher Kaffee- Eigene Konditorei nur reiner Süssrahmbutter 2 franz. Billards pro Stunde 60 Pfg. 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