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Abgeholt in unserer Expedition oder in den ZweigErscheint ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt.- jeden Werktag früh.- Die„ Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. - -Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer. Nr. 65. mune - Telephon: Nr. 362. Ein„ ,, Gedenktag. Einen roten Festtag ohnegleichen in der neueren Geschichte begeht morgen die Sozialdemokratie: vor vierzig Jahren hiẞte an diesem Tage in Paris die Kom- so nannte sich damals die sozialdemokratische „ Regierung" die rote Fahne, um unter dieser dort eine Schreckensherrschaft auszuüben, die das Wesen und Wirken der Sozialdemokratie in seiner ganzen Entfaltung dargestellt hat. Ueber zwei volle Monate wurde durch die Kommune Frankreichs Hauptstadt der Schauplatz einer Revolution, wie sie so scheußlich, so entsetzlich selbst jene Tage nicht erlebt haben, in denen achtzig Jahre vorher das französische Königtum zertrümmert worden war. Wer heute noch nicht erkennen mag, was unfehlbar bevorsteht, wenn die Sozialdemokratie ihr Ziel erreicht und zur Herrschaft gelangt, dem liefert die Erinnerung an die Pariser Kommune eine Vorstellung, wie sie anschaulicher, lehrreicher nicht geboten werden kann. Vom 18. März bis Ende Mai 1871 hat die Sozialdemokratie in Paris gezeigt, was kommen muß, wenn ihre Umsturzgedanken Tat werden, wie in lebensvoller Wahrheit und Wirklichkeit aussieht, was sie will. Die Pflicht gegen das Vaterland erfüllten die französi schen Sozialisten dadurch, daß sie nach der unvergleich lich schweren Niederlage, die Frankreich im Kampfe gegen Deutschland erlitten hatte, das aus tausend Wunden blutende Land, noch mit den Greueln eines furcht bar blutigen Bürgerkrieges beglückten; daß sie unter den Augen der siegreichen deutschen Heere, die noch vor den Toren von Paris standen und einen großen Teil des Landes besetzt hielten, ein Gemälde schändlichster Mordgier und barbarischer Verheerung entrollten. Statt alle Kräfte in friedlicher Arbeit zum Wiederaufbau dessen zu sammeln, was der verlorene Krieg vernichtet hatte, ging nach dem Friedensschlusse die Sozialdemokratie sofort daran, durch wüste Zerstörung die Schrecken des beendeten Krieges weit zu überbieten. Es ist bezeichnend, daß die ersten Opfer der Pariser Schreckensherrschaft 2 Generale des französischen Heeres wurden, die der Pöbel ermordete. So wurde bezeugt, daß die Saat der sozialdemokratischen Heze gegen die Armee herrlich aufgegangen war. Auf Befehl der Gewaltherrscher ward dann die Vendomesäule umgestürzt, ein stolzes Denkmal friegerischer Siege und Größe, das aber der Umsturzbeschluß in seiner Begründung verächtlich eine„ Bekräftigung des Militarismus" nannte. In gerechter Entrüstung teilte dies der Marschall Mac Mahon, der Oberbefehlshaber der neu gebildeten Armee der Ordnung, seinen Soldaten in einem Tagesbefehl also mit:„ Die Vendomesäule ist gefallen. Sie, die der Feind geschont, die Kommune von Paris hat sie zerstört. Leute, die sich Franzosen nennen, haben es gewagt, angesichts der Deutschen, deren Blicke auf uns gerichtet sind, diese Bezeugung der Siege unserer Väter über das verbündete Europa zu zerstören. Hofften etwa die ehrlosen Urheber dieses Anschlages auf den nationalen Ruhm, damit die Erinnerung an die kriegerischen Tugenden auszutilgen, deren ruhmreiches Sinnbild dieses Denkmal war?" Was vor vierzig Jahren die sozialdemokratischen Volksbeglücker in Paris an Roheit, Gewalt und Inrannai geleistet haben, steht unübertroffen da. Ihre Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit betätigten sie dadurch, daß sie sich, soweit es ihnen nur irgend möglich war, um den Beweis bemühten, daß alles, was besteht, umgestürzt werden muß. Ihren Untergang besiegelten sie damit, daß sie zum Abschied noch einmal gründlich ihre Mordgier und Zerstörungsbedürfnisse befriedigten: Die Geiseln, die in ihrer Gewalt waren, wurden in Massen abgeschlachtet, und mit Pulver und Petroleum verwandelten sie einen Teil der Pariser Prachtbauten in einen Schutthaufen. In Blutlachen und unter Trüm mern versant die Kommune. Also ist vor vier Jahrzehnten praktisch dargetan worden, was die Sozialdemokratie bezweckt, und nie haben ihre Führer in unserem Vaterlande ein Hehl daraus gemacht, daß die Pariser Kommune von 1871 für ihre Partei das Vorbild bleibt. Bebel hat unter dem frischen Eindruck der Taten der Kommune diese von der Tribüne des Reichstags als Wegweiser für die Ziele der Partei gepriesen, an deren Spitze er noch heute steht. Am 25. Mai 1871 sagte er im Reichstage:„ Seien Sie überzeugt, das ganze europäische Proletariat und alles, was noch ein Gefühl für Freiheit und Unabhängigkeit in der Brust trägt, sieht auf Paris. Und wenn auch im Augenblicke Paris unterdrückt ist, dann erinnere ich Sie daran, daß der Kampf in Paris nur ein kleines Vorgefecht ist, daß die Hauptsache in Europa uns noch bevorsteht, und daß, ehe wenige Jahrzehnte vergehen, der Schlachtruf des Pariser Proletariats:„ Krieg den Palästen, Friede den Hütten, Tod der Not und dem Müßig gange!" der Schlachtruf des gesamten europäischen Proletariats sein wird." Jn demselben Sinne haben sich der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer des Großherzoglichen Polizei- Amtes = Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Freitag den 17. März 1911 und die Parteitage und die Führer der„ deutschen" Sozialdemokratie geäußert, so oft sie der Pariser Kommune gedacht haben. So versicherte Liebknecht der Vater einmal, die Mörder und Brandstifter der Kommune seien nicht Blutmenschen, nicht Verbrecher, sondern edle Menschen, die für das Beste der Menschheit strebten wirkten, und ein anderer sozialdemokratischer Führer gab auf die Frage, wie die Diktatur des Proletariats aussieht, die Antwort:„ Seht euch die Pariser Kommune an, das war die Diktatur des Proletariats." Morgen wird die gesamte sozialdemokratische Presse das Gedächtnis der Schandtaten der Pariser Kommune mit dem Bekenntnis zu ihr feiern, um aufs neue zu bezeugen, daß die Sozialdemokratie, wenn sich ihr eine so günstige Gelegenheit, wie im März 1871 in Paris, bietet, das Schauspiel der damaligen Schreckens herrschaft wiederholen wird. Reichstagswahlvorbereitungen. Von einem Leser aus Lollar erhalten wir folgende Zuschrift: - Jm Streit um das Mandat des verstorbenen Abgeordneten Köhler kämpft heute der Kandidat der Sozialdemokratie mit der Wirtschaftlichen Vereinigung. Soll die Uneinigkeit im bürgerlichen Lager dem Sozialdemofraten zugut kommen? Dies kann kein rechtdenkender Bürger wünschen. Ganz Deutschland blickt heute auf die mit Recht als vaterlandliebend bekannten Oberhessen. Wollen wir den Glauben an unsere Treue zu Kaiser und Reich wankend machen lassen, dadurch, das wir in einseitigem Parteiinteresse das große Ganze über sehen? Es ist Pflicht jedes national gesinnten Wäh= lers am Wahltage seine Stimme abzugeben und nicht zu Hause zu bleiben. Stadt und Land haben gemeinsame Interessen, sie sollen auch jetzt zusammenstehen. - - Die Kämpfe früherer Jahre sollen nicht wiederkehren. Kam der Gießener Reisende aufs Land, so schalt man ihn freisinnig, den Landbewohner dagegen in der Stadt nationalliberal. Weiter wollen wir heute darauf nicht eingehen. Es wird noch im Gedächtnis sein. Mit Unrecht wird Dr. Werner als Vertreter der bäuerlichen Bevölkerung ausschließlich bezeichnet. Nicht den Bauern allein, wohl aber den gesamten schaffenden Ständen wird seine Tätigkeit zu gute kommen. Der Handwerker, Beamte, Kaufmann oder Arbeiter findet bei ihm, der selbst dem Mittelstand entstammt, volles Verständnis für seine Wünsche. Mit Freuden wird es auf dem Lande begrüßt, daß Bürger der Stadt Gießen aller Parteien zusammentreten, um den Sieg des Sozialdemokraten zu verhindern. Heute muß die Parole sein: Laßt alle Sonder Interessen bei Seite, wählt alle den Kandidaten des bürgerlichen Mittelstan des Dr. Werner. ** Aus Stadt und Land. Gießen, den 17. März Gießen. Bei der am 10. März vorgenommenen Reichstags- Ersatzwahl sind von 23 516 gültig abgegebenen Stimmen gefallen auf: 1. Krankenkassenkontrolleur Bedmann, Gießen 7976 2. Oberlehrer Dr. Werner, Butzbach 3. Pfarrer Korell, Königstädten 4. Professor Dr. Gisevius, Gießen 5. Andere Personen 7958 5059 2511 12 Die am Dienstag, den 21. März 1911 stattfindende Stich wah I beginnt um 10 Uhr vormittags und wird um 7 Uhr nachmittags geschlossen. Die Wahl findet auf denselben Grundlagen und nach denselben Vorschriften die statt, wie die erste Wahl. Insbesondere bleiben Wahlbezirke, die Wahllokale und die Wahlvorsteher unverändert. Bei der engeren Wahl werden dieselben Wählerlisten angewendet, wie bei der ersten Wahlhandlung. Eine wiederholte Auslegung und Berichtigung findet nicht statt. * Gießen. Der praktische Vogelschutz macht im Großh. Hessen erfreuliche Fortschritte. So hat die hessische Landwirtschaftskammer in Rimba ch i. O. ein großes Vogelschuhgehölz anlegen lassen. Die Stadtverordnetenversammlung zu Bingen hat 600 Mark für den gleichen Zweck in ihrem Haushaltplane vorgesehen. Wetzlar. Unser Oberbahnhofsvorsteher wird am 1. April nach Limburg versetzt. -e Krofdorf, 17. März. Gestern Abend gegen ½28 Uhr ertönten Alarmsignale der Feuerwehr. Es brannten die dicht zusammenstehenden Wirtschaftsgebäude von Konrad Reh und Wilhelm Krumbach. Die Leute waren noch unten beim Füttern, während das Feuer oben schon zum Ausbruch gelangt war. Die Vorräte sind verbrannt, jedoch konnte das Vieh gerettet werden. Mithilfe waren erschienen die Feuerwehren von Zur Rod( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Re flameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Ausschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. heim, Gleiberg und Vetzberg. Die Ursache des Feuers ist unbekannt. Gladenbach, 15. März. In Loottenhorn fand eine Versammlung statt, welche sich für die Erbauung einer Verbindungsbahn zwischen Hartenrod nach Niedereisenhausen aussprach. Diese Bahn soll 5 große Ortschaften und 42 Grubenfelder und Stein= brüche berühren. Homberg( Oberh.). Das großherzog= liche Schloß Homberg wurde vom Arzt Dr. Wa g= ner gekauft, der dort ein Sanatorium einrichten wird. * Marburg, 16. März. Der kaufmännische Verein beschloß, Schritte für eine Einmündung der Marburger Kreisbahn in den Hauptbahnhof anzubahnen. Hungen, 17. März. Anstelle des verstorbenen Landwirtschaftskammermitgliedes Köhler- Langsdorf wurde Otto Schneider- Utphe als Mitglied der Landwirt= schaftskammer für den 3. Wahlbezirk Lich- Hungen ge= wählt. * * Villmar, 15. März. Der Zimmermeister M. Bär dahier geriet gestern mit der rechten Hand in eine Kreissäge, wodurch ihm die Hand vollständig durchschnitten wurde. * Weil münster, 15. März. Die sämtlichen in und außer Betrieb befindlichen Dach s chiefer- Gru ben des„ Nassauischen Schiefer- Aktien- Vereins Frankfurt a. M." in Liquidation gingen durch Kauf in den Besitz der Dachschiefer- Gewerkschaft„ Langhecke" bei Langhecke. * Nassau, 15. März. Einen Brotpreisab= schlag von 5 Pfg. für den Laib Brot haben die hiesigen Bäcker eintreten lassen. * Darmstadt. Mit Wirkung vom 1. April dieses Jahres treten, wie wir bereits früher schon mitge teilt haben, im hess. Gendarmeriekorps verschiedene Aenderungen ein. So werden eine gröhere Anzahl Gendarmen, die seither beritten waren, Fußgendarmen. Die beiden Distrikte Oberhessen und Rheinhessen gehen ein und haben die einzelnen Stationen fernerhin mit dem Korpskommando in Darmstadt direkt zu verkehren. Die Ausbildung neu zugehender Gendarmen findet nur noch in Darmstadt statt, seither auch in Mainz und Gießen. Von einer Einzelstationierung wie in Preußen ist vorläufig noch Abstand genommen worden. der * Mainz. Unter großer Beteiligung fand hier der dritte hessische Handwerkertag statt, an dem auch Vertreter des Ministeriums, des Kreisamts, der Zentrale für Gewerbe teilnahmen. Die Stadt Mainz war durch den Oberbürgermeister Göttelmann vertreten, der Worte herzlicher Begrüßung an die Delegierten richtete. Syndikus Engelbach- Darmstadt referierte zunächst über das Verdingungswesen. Er konstatiert, daß die Einwirkung der Handwerkskammer manches an den Verhältnissen gebessert habe, aber doch sind noch manche Klagen zu erheben. Es ist erreicht worden, daß in erster Linie das heimische Handwerk und das heimische Material herangezogen wird, daß in vielen Fällen der Großunternehmer ausgeschaltet und der Handwerksmeister direkt herangezogen wurde. Die Einführung Preisverzeichnisse hat ebenfalls sehr günstig gewirkt. In der Diskussion verlangte der Bezirksverband Friedberg, an solche daß staatliche und kommunale Arbeiten nur des Submittenten vergeben werden, die zur Führung Meistertitels berechtigt sind. Das zweite Referat, über die Verleihung von Privilegien an Gewerbeschulen wurde ebenfalls vom Syndikus Engelbach erstattet. Dann sprach Obermeister Leitz- Darmstadt über das Meisterprüf ungswesen. Der Meistertitel soll ein Ehrentitel sein, aber von der Ehre allein kann man nicht leben, deshalb wünschen die Handwerker, daß mit dem Titel gewisse Rechte verbunden seien. Durch den„ kleinen Befähigungsnachweis" ist es erreicht, daß nur der Lehrhat. linge halten darf, der den Meistertitel erworben die eine Gesellenprüfung bestanden haben. Die Frage der 3ur Meisterprüfung sollen nur solche zugelassen werden, Fürsorge für die gewerbliche Jugend wurde vom Tünchermeister Klingelschmitt- Mainz behandelt. Er machte besonders auf die Notwendigkeit der Lehrlingsheime aufmerksam, aus eigenen Kräften sollen solche aber dann eingerichtet werden, wenn durch die konfessionellen Heime den bestehenden Bedürfnissen nicht abgeholfen werden kann. Von Darmstadt und Gießen aus wird eine Verlängerung der Lehrzeit für Friseure verlangt. Außerdem werden noch besondere gewerbliche Schiedsgerichte und das Inkrafttreten des zweiten Teiles des Gesetzes zur Sicherung der Bauforderungen verlangt. nur * Böckels( Kr. Fulda), 15. März. Unser Bürgermeister Franz Comitti beging heute sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum. Aus diesem Anlaß wurde der allgemein beliebte Beamte zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt. Deutscher Reichstag. Eine der zahlreichen zum Etat des Innern eingebrach len Resolutionen trägt den Namen Graf Carmer( kons.) an der Spize. Der Antragsteller begründete am Mittwoch feine Resolution, die eine besondere Betriebserlaubnis für Wanderlager fordert und fand dann energische Worte gegen die Schundliteratur. Leider stehe in dieser Beziehung Deutschland an der Spitze der Nationen. Auch forderte der Redner eine scharfe Besteuerung der Beamten- Konsumvereine und Maßnahmen gegen die Auswüchse im Automobilwesen. Ihm erwiderte Staatssekretär Delbrück. Daß die Beamten sich die Vorteile des Massenkonsums zu Nuße machten, könne man wohl nicht verbieten, wohl aber habe er Schritte getan, daß sie nicht einen Detailhandel, womöglich in Diensträumen, betrieben. Eine Besteuerung der Warenhäuser sei Sache der Einzelstaaten, in der Frage der SchundItteratur haben die angestellten kommissarischen Beratungen zu dem Ergebnis geführt, daß die bestehende Gesetzgebung ausreiche. Das Schwierigste sei die Definierung des Begriffes Schundliteratur". Der Internationalen Konventton seien jetzt auch die Vereinigten Staaten beigetreten; man hoffe auf diesem Wege Fortschritte zu machen. In der Automobilfrage wird in dem nächsten Jahre ein internationaler Wegekongreß zusammentreten, um für ein Haftpflichtgesetz die nötigen Unterlagen zu gewinnen, seien die sta= tistischen Ermittelungen über die Unfälle ausgedehnt worden. Uebrigens werde der größte Schaden den AutomobilHaltern selber zugefügt. Vom Zentrum vertrat der Abg. Giesberts nochmals die Resolutionen, betreffend die Tartfverträge, verwandte sich für das Zustandekommen des Arbeitskammergesezes, die Wohnungsfürsorge und polemisierte gegen die Sozialdemokratie. Der Abg. Sachse( Soz.) wandte sich gegen die Christlichen und führte dann an Hand einer Statistik der Bergarbeiterlöhne die alten Wünsche und Be= schwerden der Bergarbeiter vor. Der Nationalliberale Schwabach beschäftigte sich mit dem Vereinsgesetz und beschwerte sich darüber, daß das in diesem Geseß gewährleistete Recht der Litauer und Masuren über den Gebrauch ihrer Sprache an manchen Orten von den Behörden beschnitten werde. Darauf stritt der freifinnige Abg. Gothein gegen die Politik des deutschen Landwirtschaftsrates. Der Freihandel mache wieder erfreuliche Fortschritte in der Welt. Wir müssen endlich aus unserer Verteuerungspolitik her= aus. Abg. Saida( Pole) beklagte den Niedergang der Löhne im oberschlesischen Industriebezirk und führte Beschwerden über die schlechte Behandlung der Arbeiter. Der Redner fesselte durch seine überaus drastische Art das ganze Haus. Einige Zentrumsabgeordnete lachten über die„ ElendmaIerei", worauf der Abg. Schöpflin( Soz.) diesen zurief: „ Schöne Arbeitervertreter sind Sie." Ein Schlußantrag wurde angenommen und das Gehalt des Staatssekretärs bewilligt. Die vielen Resolutionen, die zu diesem Titel vorlagen, wurden zum größten Teil angenommen. Französische Minister im bürgerlichen Leben. Villa zwei Empfangsräume habe; einen hocheleganten für seinesgleichen und einen, recht bescheiden eingerichteten, für die Leute aus dem Volke. Auch Delcassé, der Ger= negroß, wohnt in einem palastartigen Hause, und dieser Palast liegt neben einem stattlichen Mietshause, in dem der Herr Marineminister als Hauswirt kommandiert. Herr Caillaux, der Finanzminister, steckt alljährlich als Aufsichtsratsmitglied diverser Finanzgesellschaften ungezählte Gelder in die Tasche. Im übrigen aber geht es Herrn Caillaux gegenwärtig nicht besonders gut: er hat dieser Tage seine Gattin verloren; aber nicht etwa durch den Tod, sondern... durch einen Spruch des Ehescheidungsgerichtshofes. Man kann nicht behaupten, daß die französische Presse sehr diskret ist; wenn sie trotzdem das Ehepech des neuen Finanzministers mit kaum zwei Zeilen abgetan hat, so liegt das nur daran, daß in Frankreich die Zeitungen ausführliche Berichte über Ehescheidungen nicht veröffentlichen dürfen. Herr Pichon, der bisherige französische Minister des Aeußern, will jeßt, wo er aller Amtspflichten ledig ist, einen seiner Lieblingswünsche zur Ausführung bringen: Er wird demnächst mit seiner Gattin eine für längere Zeit berechnete Reise nach Italien antreten und in kleinen Etappen bis nach Sizilien pilgern. Vielleicht begegnet er unterwegs irgendwo seinem bisherigen Ministerkollegen Brianó, der in kurzem mit einigen guten Freunden an Bord einer Jacht eine Mittelmeerfahrt antreten wird. Die Seefahrt ist dem gewesenen Ministerpräsidenten von den Aerzten dringend angeraten worden: Herr Briand hatte sich nie einer blühenden Gesundheit zu erfreuen, und die Mühen und Plagen der letzten Monate haben ihn vollends heruntergebracht. Seine schwankende Gesundheit macht ihm um so größere Sorge, als er in allernächster Zeit„ Sich zu verändern" gedenkt: er will gut bürgerlich heiraten, um Anschluß an die Bourgeoisiekreise zu finden, denen er innerlich schon seit langem beizuzählen ist. Nach der Rückfehr von seiner Mittelmeerreise wird Brtand, der vor setner Ministerzeit auf dem Montmartre in einer beschetdenen 800 Franken- Wohnung hauste, in einem der vornehmsten Stadtteile von Paris eine fürstlich eingerichtete Wohnung vorfinden. In den Tagen der Krisis gab er einem vertrauenswürdigen Freunde den Auftrag, ihm in der Nähe des Trocadero eine Wohnung zum Preise von etwa viertausend Franken auszusuchen, und der Vertrauensmann entledigte sich seiner Aufgabe so gut, daß Briand den Mietsvertrag unterzeichnete, ohne die Wohnung auch nur gesehen zu haben. Aus dem Preis, den der verflos sene Ministerpräsident für seine Appartements zahlt, wird man schließen dürfen, daß sich Briands pekuniäre Verhältnisse seit seiner sozialistischen Periode sehr gebessert haben. Soviel Geld wie die neuen Männner, die Frankreichs Geschicke leiten, dürfte er aber doch nicht aufgespeichert haben. Herr Monis, der neue Ministerpräsident, ist im väterlichen Kognafgeschäft, das ihm weit einträglicher zu sein schien als die anerzogene Juristeret, Millionär geworden. Der Kriegsminister Berteaux ist seines Zeichens Börsenmakler und wird auf dem Geldmarkt auf etliche zehn Millionen tagiert; er besitzt einen wunderhübschen Palast in der Nähe des Elysee und eine noch hübschere Villa. Böse Zungen behaupten, daß der gerissene Volksmann in dieser 17 Das Familiengeheimnis. Roman von L. Walter. ( Nachdruck verboten.) ,, Meinen Mann kann ich nicht schicken, er darf nicht einmal wissen, daß ich mit dem Onkel verhandle. Ein Familiengeheimnis zwingt mich dazu... Doktor, Sie ha= ben meinen guten Vater gekannt " , Er war mein bester Freund!" " Rundschau vom Cage. Politisches. Ueber eine bevorstehende Erhebung des Reichskanzlers in den Grafenstand geht in der Reichshauptstadt ein Gerücht um, das seinen Weg auch in die Presse gefunden hat. Es soll für den Fall, daß die elsaß- lothringische Verfassung die Zustimmung des Reichstags finde, des Kanzlers v. Bethmann Hollweg eine besondere kaiserliche Ehrung harren. Man spricht davon, Herr von Bethmann Hollweg werde, wie seinerzeit Caprivi nach dem Abschluß des Handelsvertragswertes, in den Grafenstand erhoben werden. Kontrollieren läßt sich die Nachricht natürlich nicht. " Retten Sie seine Ehre!" bat Cäcilie, die gefalteten Hände ausstreckend. , Was ist das?" „ Eine Sterbende bittet Sie darum!" ,, Sie find nicht so frank." Um so besser! Aber Rudolphi fönnte sterben; er hat schon frank die Stadt betreten..." Zu den Debatten über die Abrüstungsfrage im englischen Unterhause bringt die„ Nordd. Allg. 3tg." eine of= fiziöse Auslassung, in der es u. a. heißt: Die Aeußerungen des englischen Ministers des Auswärtigen über die internationale Lage und die deutsch- englischen Beziehungen können wir nur mit aufrichtiger Befriedigung begrüßen. Dasselbe gilt von den Darlegungen, die der Rüstungsfrage gewidmet waren und die auch dem deutschen Standpunkt in so hohem Grade gerecht werden. Wenn zur Beseitigung des Mißtrauens, so weit die öffentliche Meinung in England in Betracht kommt, Vereinbarungen beitragen kön= nen, wie sie der Minister angedeutet hat, so wird man deutscherseits gern bereit sein, dazu die Hand zu bieten. Von hier bis zu dem Jdealzustande eines aus dem Schiedsge= richtswesen gegründeten Weltfriedens ist allerdings, wie Minister Grey selbst betonte, ein weiter Schritt. Wenn man auch dem Gedanken schiedsgerichtlicher Abmachungen noch so sympathisch gegenübersteht, so wird man darin kein Mittel gegen alle internationalen Mißverständnisse und Mißhelligkeiten suchen dürfen. ,, Sprechen Sie sich kurz aus, meine liebe Freundin; Sie müssen zur Ruhe kommen. Ich soll also den Onkel aufsuchen?" „ Ja." " Und was habe ich ihm zu sagen?" " Daß ich bereit sei, ihm das bewußte Papier um den geforderten Preis abzukaufen. Es wäre entseglich, wenn ich stürbe und das Dokument in andere Hände fiele. Mein Mann, welcher Offizier gewesen, dem die Ehre heilig sein muß... Herr Doktor! Die Angst tötet mich! Ich kann nicht ohne Schauder an die Folgen denken, die der plötzliche Tod Rudolphis nach sich zieht... Sie kennen den Mann, er ist ein Abenteurer, habgierig und verschwenderisch, besitze ich aber das Papier, so fann er mich nicht mehr ausbeuten.... Doktor, im Namen Gottes, holen Sie das Bapier! Hier ist ein Schuldbekenntnis von meiner Hand geschrieben." " Wann haben Sie es geschrieben?" Borhin, gleich nach Ihrer Entfernung." Wie unvorsichtig." " Ach, es mußte geschehen! Ste werden noch alles er In Sachen des Modernisteneides bereiten, wie verlautet, die katholischen Professoren sämtlicher_preußischen Hochschulen eine gemeinsame Huldigungsadresse an den Papst vor. Für Einschränkung der Rüstungen. Die sozialdemofratische Fraktion des Reichstags hat beschlossen, bei der Beratung des Etats des Auswärtigen Amts eine Resolution einzubringen, in der die sofortige Anknüpfung von Verhandlungen mit England wegen Einschränkung der Rüstungen zu Wasser und zu Lande gefordert wird. Wie verlautet, wird die fortschrittliche Volkspartei eine gleiche Resolution einbringen. - Die Türkei hat sich wie bekannt unser deutsches Waffenwesen zum Vorbild genommen. Jetzt soll als Generalinspekteur der gesamten türkischen Kavallerie einer Kon= stantinopeler Meldung zufolge, ein deutscher General berufen werden. China in Aengsten. Die chinesische Presse zeigt sich über die Verwickelungen mit Rußland wegen der Mongolei und über die Forderungen Englands, die sich auf die Provinz Dünnan beziehen, sehr erregt. Es sind wieder die Bestrebungen aufgelebt, die Studenten überall in freie Korps zusammenzufassen, um den kriegerischen Geist zu beleben. Kleine Nachrichten. Die höchsten Steuersäge von den größeren Städten Westfalens und Rheinlands hat die Stadt Hagen aufzuwetsen. An Steuern werden im nächsten Etatsjahre wie bisher erhoben: 275 Proz. Einkommensteuer, 285 Proz. Grundund Gebäudesteuer und 325 Proz. Gewerbesteuer. Der japanische Reichstag hat einen Gesezentwurf beraten, der jungen Leuten unter 21 Jahren verbietet, destillierte oder gegärte Getränke, wie Schnaps, Wein oder Bier zu gebrauchen. Von den Gegnern wurde eingewendet, daß das Gesetz undurchführbar sei. Jedoch wurde ein Polizeiverordnungsentwurf ausgearbeitet, der die strenge Durchführung des Gesezentwurfes garantieren soll. Der Gesezentwurf wurde gemacht, um der überhandnehmenden Trunksucht in Japan zu steuern. In der Tat ist die Zahl der Trunkenen, die sich abends auf der Straße zeigen, ziemlich stark. Die Folge hiervon sind zahlreiche Verbrechen, die namentlich von jungen Leuten begangen werden. Ein großer Wettersturz ist in verschiedenen Teilen Desterreichs eingetreten. Aus Böhmen, Tirol und den anderen Alpengebieten wird heftiger Schneefall gemeldet, wel= cher vielfach beträchtlichen Schaden angerichtet hat. fahren, wenn die Gefahr abgeschlagen ist. Gehen Sie, gehen Sie... Rudolphi ist sehr frank. aber verschweigen Sie meinem Manne die Angelegenheit." Der vierundachtzigjährige Bräutigam. In Heidelberg fand Mittwoch vormittag die standesamtliche Trauung des 84jährigen Universitätsprofessors Dr. Immanuel Better mit der Chemikerswitwe Frau Sophie Zorn geb. Sulzer statt. An die standesamtliche Trauung schloß sich die kirchliche Einsegnung im Hause der Neuvermählten. Das Testament einer Münchener Köchin. In München hat eine Köchin der Stadtgemeinde 11,300 M vermacht, deren Zinsen je zur Hälfte für die Stadtarmen und als Stipen= dien für römisch- katholische Theologiestudenten verwendet werden sollen. Lehrlings He fich g daß er no Ein intere Angelegen Arantenta Arantenge jahlen, di werden m tentaffe ve Dienft hon gera Berehrern hon vor unter den plate gibt taubt und Opernfäng zum Erfter nicht her. und entfüh fidh diefem Streit, wo der Dienst Ein 2 in bas Bettel aber faube fich nicht d Bathos un flüftert, ge Serr tritt Abdul Hamid in der Zwangsjade. Die letzten Vorfälle in der Villa Alatini haben auf den Exsultan Abdul Hamid äußerst ungünstig gewirkt. Der Ersultan bekam einen Tobsuchtsanfall, zerschlug alle Möbel und stieß ununterbrochen die wildesten Flüche gegen das jungtürkische Regime aus. Da die Wächter und Aerzte ihn nicht beruht= gen konnten, wurde ihm schließlich die Zwangsjacke angeTegt. Ein Familiendrama spielte sich Mittwoch mittag Mannheim ab. Der Registrator Heidt erschoß erst seine betden Kinder im Alter von 2 und 10 Jahren und dann sich selbst. Die beiden älteren Kinder waren nicht zu Hause. Der Mann hat die Tat aus Verzweiflung begangen, weil seine Frau vor einigen Tagen in eine Irrenanstalt verbracht worden ist. Cäcilie zog ein Papier aus ihrem weißen Brusttuche und überreichte es zitternd dem Arzte, der zu der Lampe trat und ein Schuldbekenntnis über zehntausend Taler las, die Cäcilie dem Vorzeiger zu zahlen gelobte. Nun betrachtete der Arzt die Kranke, die in die Kissen zurückgesunfen war. Im Fieberwahn konnte sie nicht sprechen und handeln, denn der Gemahl hatte bereits von den Vorgängen erzählt, die die seltsame Angelegenheit glaubhaft er: scheinen ließen.„, Gut, ich werde gehen," murmelte der Arzt ,,, bleiben Sie ruhig, ich werde Ihnen bald Nachricht bringen." Nun ging er zu dem Gatten, der still auf dem Sessel saß. Diesem sagte er, daß er nach einer Stunde, vielleicht auch früher zurückkehren werde. Dann verließ er das Haus und begab si chin das Hotel zur Krone. Die Tür desselben war geöffnet. Der Portier, der den Arzt kannte, brachte ihn sofort nach dem Zimmer Nummer 7. Wegen häuslicher Zwiftigkeiten hat am Mittwoch in Charlottenburg eine Frau Jackisch ihren 5 Jahre alten Sohn und thre 3 Jahre alte Tochter mit Lysol vergiftet und sich dann selbst erhängt. Die Kinder wurden sterbend ins Krankenhaus gebracht, während die Leiche der Frau ins Schauhaus gebracht wurde. Volkswirtschaftliches. Welche Nation hat die meisten Kinder? Von allen europäischen Nationen haben die Franzosen die wenigsten Kinder. Im Durchschnitt besteht eine französische Familie aus 3 Personen. Der Kinderreichtum der Franzosen wächst auch nicht von Jahr zu Jahr, sondern es ist im Gegenteil eine Verminderung in der Kinderzahl zu konstatieren. Am finderreichsten sind die Irländer. Eine irländische Familie wird durchschnittlich mit 5 Personen gezählt, die Russen nehmen neben den Irländern den zweithöchsten Rang in bezug auf Kinderreichtum ein, ihre Familien bestehen durchschnittlich aus 5 Personen. Auch die Spanier können mit einem großen Kinderreichtum aufwarten, sie werden gleichfalls zu 5 Personen gezählt. Dasselbe günstige Verhältnis besteht in Deutschland. Die Zunahme der jährlichen Bevölkerungsziffer fann man in Deutschland auf rund 900 000 Personen beziffern, und im Jahre 1909 stellte sich auch eine erfreuliche Verminderung der Sterbeziffer ein. Es entfielen auf 1000 Einwohner 31,91 Geburten, während man Sterbefälle bei 1000 Personen 18,07 angeben konnte. In England sind die Familien annähernd so stark wie in Deutschland( 4,8 gegen 5.) ,, Der Fremde kam trant an," erzählte er; wir wiesen ihn nach dem Hospitale, wie es vorgeschrieben. Er ging auch, ohne einen Führer zu nehmen, den wir ihm anboten. Aber bald kam er mit einer Dame zurück, die das bequemste Zimmer für ihn verlangte. Diesmal durften wir den Fremden nicht auf der Straße lassen, der sich kaum noch aufrecht erhalten konnte. Die Dame, die heftig weinte, begleitete ihn auf das Zimmer und entfernte sich wieder, nachdem sie eine ziemlich lange Unterredung mit ihm gehabt. Keiner unserer Kellner will zu dem Kranten gehen, sie wollen lieber den Dienst ver= Tassen." ,, So werde ich zu ihm gehen!" Der Arzt nahm dem Portier die Kerze aus der Hand und trat in das Zimmer, dessen Tür er hinter sich schloß. Ein grauenvoller Anblick bot sich ihm... der Fremde lag regungslos am Boden. Sein Zustand verriet, daß er einen schmerzvollen Kampf mit der entseglichen Krankheit Vermischtes. Die Neugier der Damen bei den Verhandlungen des inzwischen beendeten Mordprozesses Knitelius veranlaßt die„ Magdeburgische Ztg." zu kritischen Ausführungen, in denen es u. a. heißt: ,, Reine noch so schmutzige Enthüllung kann die Damen zum Fortbleiben veranlassen. Aber nicht in Magdeburg allein, von überall her liest man leider, daß die sensationellen Prozesse, an denen wir ja wahrhaftig feinen Mangel mehr haben, als Schauspiele betrachtet werden, zu denen man hineilt wie zu einem neuen besonders aufregenden Theaterstück. Und überall tönt die Klage, daß dabei die Damen vorherrschen. Und das ist von den traurigen Vorgängen im Gerichtssaale fast das traurigere. Gerade wer auf dem Standpunkt steht, daß wir einer Mitwirkung unserer Frauen bedürfen, um auch unser öffentliches Leben zu reformieren, der wird solche Frauenbetätigung" im Gerichtssaale tief mißbilligen. Das Hauptgewicht der Erziehung der Jugend durch unsere Frauen wird immer weniger auf der reinen Vermittlung von Kenntnissen, als in der Pflege und Bildung des Gemüts und Charakters liegen. Dazu gehört eigene Festigkeit. Nichts aber rüttelt so daran, als wenn man der Neugier und der Sensationslust die Herrschaft über sich einräumt." Selbstopferung und Krankenkasse. Ein Fleischerlehrling in Halle war vor einigen Wochen in einen Brühtessel gefallen und hatte sich große Stücke Fleisch und Haut verbrannt. Nach ärztlichem Ausspruch war Heilung nur durch Auflegen gesunder Haut möglich. Der Vater des gehabt. Trotzdem die Züge entstellt waren, erkannte der Arzt doch den Onkel Cäciliens. Es bedurfte nur einer oberflächlichen Untersuchung, um zu erkennen, daß Rudolphi den Geist aufgegeben hatte. Der Arzt, der die Wichtigkeit des Dienstes kannte, den Cäcilie sich von ihm er= beten, überlegte nicht lange; er begann sofort die Kleider des Toten zu durchsuchen. Weder ein Taschenbuch noch ein Papier war zu finden. Da Uhr, Börse und Ring noch vorhanden, ließ sich eine Beraubung nicht annehmen. Der Doktor durchsuchte die Möbel... alle Bemühungen blieben erfolglos. Der Herr Anopfloch in Zivil. fchlecht," i milderem dem Bettl ben die G Polizisten tegnet mi beiden, B fich, und An Turin, de men auch Grund ein gemeinen die für de Teilnehme toften un Turin au eine hohe den. Die daillen un allen drei Konturren so erhält einen Pot Den drama ha Der Jag Mensch, g Etreit. 2 Sohn Leo versuchte. seher die Schlagen. verfekte d Brust. D auf der E darmerie da fich bal hatte. Refer det am 16 mertjamte das erste und Land fangreiche Entfernun teils quer find. Die lometer f tollitation der Fort der Kont Sämtlicher freiwillig fer Aus Jap die japa ponies i tergeist Dauerri ralleutn demater beffert i Regimen fürzlich Kilomete zuschäzen birgig 10 fich in g legenheit bons bis Anzahl Kriegsid Cine richtet. erwartet fen hatte Lat war war für tung schi Jedoch au „ Ich kann der guten Cäcilie nicht helfen!" murmelte er vor sich hin. Entweder hat Rudolphi das Papier überhaupt nicht besessen, oder es ist ihm verloren ge= gangen." Er rief den Portier, der sogleich eintrat. ,, Hat Ihnen der Fremde Papiere übergeben?" Nein. " دو Haben Sie sonst Aufträge von ihm empfangen?" " Durchaus nicht; er ging mit der Dame in das Zimmer, und als diese sich entfernt hatte, forderte er, daß man thn allein lasse, da er schlafen wolle. Dann sind Sie ges tommen." In der Loge des Portiers, die im Erdgeschosse lag, schrieb der Arzt die Anzeige von dem plötzlich erfolgten Tode des Agenten Rudolphi. Das Papier ward auf das Polizeibureau geschickt und noch ehe der Morgen graute, nahm ein Wagen die Leiche auf, die man in dem Hotel nicht länger dulden wollte. Der Arzt hielt sein Versprechen; er eilte nach dem Hause Junker's zurück. Der Gatte empfing ihn mit der Nachricht:„ Cäcilie schläft!" " Gut!" " Ich habe vorhin einen Blick in das Zimmer gewore) fen." ,, So werde auch ich nachsehen." Darf ich Sie begleiten, Doktor?" Worts folgt.) an und wärter beter Troft ip burd) re Pfarrer Sprech Junge& Der Bro Sherma Hirlich Det Städten aufzumel vie bisher 3. Grund Teilen d den an eldet, welHeidelberg uung des 1 Better b. Sulzer die kirch München acht, deren 3 Stipen verwendet ten Bor an Abdul n befam stieß un gtürkische ht beruhi de ange mittag in feine bet dann fich Zu Hause. gen, weil stalt verttwoch in re alten vergiftet Sterbend der Frau llen euroiten Kinmilie aus ächst auch nteil eine Am finmilie wird nehmen bezug auf Sichnittlich nem gro hfalls zu is besteht Iferungs Personen Erfreuliche auf 1000 efälle bei find die ( 4,8 gengen des veranlagt ungen, in nthüllung Iber nicht eider, daß ahrhaftig chtet wer besonders ie Klage, von den raurigere. iner Mit er öffent Frauenbe s Haupte Frauen ung von 5 Gemüts Festigkeit. r Neugier inräumt." ischerlehr en Brüh und Haut ilung nur Bater des Cannte der nur einer aß Rudoldie Wich n ihm er: ie Kleider buch noch Ring noch men. 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Und zwar werden sie nicht etwa von ihren Verehrern und Anbetern geraubt das tam doch früher schon vor und wäre nicht besonders merkwürdig, da es unter den Dienstmädchen viele schöne und tüchtige Exemplare gibt nein: sie werden von den Herrschaften ge= raubt und entführt, im Automobil entführt. Ein Berliner Opernsänger, so erzählt der„ Tag", hatte eine Dienstmaid zum Ersten engagiert, aber die frühere Herrschaft gab sie nicht her. Da setzte sich der Sänger auf ein Automobil und entführte die Donna, und als der frühere Dienstherr fich diesem Gewaltstreich widersetzte, gab es einen heftigen Streit, woraus man sehen kann, wie ungeheuer der Wert der Dienstmädchen gestiegen ist. Ein Bettlertrick. Auf den Pariser Boulevards ist das Betteln verboten. Man sieht einen blassen, ärmlich, aber sauber gekleideten Mann: er bettelt, doch er versteht sich nicht darauf, und da er seine traurige Geschichte ohne Pathos und Aufdringlichkeit nur schamhaft vor sich hinflüstert, gehen die Leute vorüber. Ein schwarzgekleideter Herr tritt auf den Armen zu und zeigt ihm eine Karte. Der Herr hat einen Schnurrbart, einen dicken Stod, im Knopfloch ein mehrfarbiges Bändchen: ein Polizeibeamter in Zivil.„ Unterlassen Sie das, oder es geht Ihnen schlecht," sagt er rauh zu dem Bettler. Doch dann, in milderem Tone, murmelt er:„ Armer Teufel", und drückt dem Bettler ein Silberstück in die Hand. Passanten haben die Szene beobachtet. Man jubelt dem mildherzigen Polizisten zu, und nun folgen alle seinem Beispiel. Es regnet milde Gaben. Einige Minuten später teilen die beiden, Bettler und„ Polizist" ihre Beute und trennen sich, und jeder geht vergnügt seines Weges. An dem internationalen Telegraphistenwettstreit in Turin, der im kommenden Sommer abgehalten wird, nehmen auch deutsche Beamte teil. Die Auswahl geschieht auf Grund eines nationalen Vorwettbewerbs, für den im allgemeinen dieselben Bestimmungen angenommen wurden, die für den Turiner Wettkampf aufgestellt sind. Da den Teilnehmern an dem eigentlichen Wettkampf die Reisetosten und eine Vergütung für die Anwesenheit in Turin aus Reichsmitteln erstattet werden, dürfte sich eine hohe Zahl von Bewerbern aus Beamtenkreisen melden. Die Preise bestehen aus goldenen und silbernen Medaillen und Kunstgegenständen. Für die Sieger, die in allen drei Wettkämpfen Preise erhalten haben, ist eine Konkurrenz um den Meisterschaftspokal vorgesehen. Ebenso erhält das Land, das die meisten Preise davonträgt, einen Pokal. Den Vater in der Notwehr getötet. Ein Familiendrama hat sich in Glambed bei Oranienburg abgespielt. Der Jagdaufseher Höhne, ein jähzornig veranlagter Mensch, geriet häufig mit seinen Familienangehörigen in Etreit. Besonders hatte er es auf seinen erwachsenen Sohn Leopold abgesehen, den er wiederholt zu schlagen versuchte. Bei einem Auftritt ergriff nun der Jagdaufseher die Flinte und wollte damit seinen Sohn niederschlagen. Der Bedrohte zog schnell sein Taschenmesser und versette damit seinem Vater einen tiefen Stich in die Brust. Die Messerspize drang ins Herz, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Der Sohn wurde durch die Gendarmerie verhaftet, mußte aber wieder freigelassen werden, da sich bald herausstellte, daß er in der Notwehr gehandelt hatte. Reserveoffiziere als Dauerreiter. In Frankreich findet am 16. März ein Dauerritt statt, der die höchste Aufmerksamkeit in militärischen Kreisen erregt. Denn es ist das erste Mal, daß in einer Armée ausschließlich Reserveund Landwehroffiziere aller Waffen zu einer solch umfangreichen reiterlichen Leistung aufgefordert werden. Die Entfernung beträgt 500 Kilometer, die teils auf Wegen, teils querfeldein innerhalb von neun Tagen zurückzulegen find. Die Tagesleistungen sind im Durchschnitt auf 63 Kilometer festgesetzt. Die Prüfungskommissare an den Kontrollstationen sind angewiesen, jedes übermüdete Pferd von der Fortsetzung des Rittes auszuschließen. Den Abschluß der Konkurrenz bildet am zehnten Tage ein Vorreiten sämtlicher Pferde im Schritt, Trab und Galopp und ein freiwilliges Springen von Hindernissen im großen Pariser Ausstellungspark. Japanische Kavallerie. Jm ostasiatischen Kriege fiel die japanische Reiterei mit ihren struppigen Mongolenponies im Gegensatz zu den übrigen Waffen sehr ab. Reitergeist ist wohl vorhanden- wir erinnern nur an den Dauerritt Berlin- Tokio, den ein jetziger japanischer Geneaber das Pferralleutnant einst als Major durchführte dematerial taugte zu wenig. Wie es inzwischen aufge= bessert ist, das zeigen die neuerlichen Dauerritte ganzer Regimenter in Japan. Das 4. Kavallerieregiment hat fürzlich mit kriegsmäßiger Bepadung in vier Tagen 399 Kilometer zurückgelegt, eine Leistung, die um so höher einzuschäzen ist, als das durchrittene Gelände zum Teil gebirgig war und am Schluß der Uebung Pferde und Reiter fich in gefechtsmäßigem Zustande zeigten. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß unter den mexikanischen Cowbons bis nach Kolorado und Kalifornien hinein eine ganze Anzahl Japaner sich befindet, die auf dem„ kommenden Kriegsschauplatz" ausgezeichnet Bescheid wissen. Eine originelle Heiratsgeschichte wird aus Texas be= richtet. Ein gewisser Shermann saß im Gefängnis und erwartete seinen Prozeß, weil er seinen Schwager erschos= fen hatte. Hauptzeuge und gleichzeitiger Augenzeuge der Tat war seine Braut, ein Fräulein Lucas. Die Heirat war für diese Woche festgesetzt worden, aber die Verhaf tung schien sie unmöglich zu machen. Das Paar wußte sich jedoch zu helfen. Miß Lucas malte sich im Gesicht schwarz an und zog die Kleidung eines der farbigen Gefängniswärter an. In ihrer Begleitung befand sich ein befreunbeter Priester, der angeblich dem Gefangenen geistlichen Trost spenden wollte. Durch das Gitter seiner Zelle hindurch reichte Shermann seiner Braut die Hand, und der Pfarrer beeilte sich, die bindenden Worte für die beiden zu sprechen. Infolge der vollzogenen Heirat kann jetzt die Junge Frau nicht als Zeugin vernommen werden, und der Prozeß wird damit unmöglich. Man erwartet, daß Shermann freigelassen wird. Die Amerikaner haben natürlich aus Miß Lucas sofort eine Art Heldin gemacht. Der Bierlonsum in Frankreich steigt von Jahr zu Jahr. Im Gegensatz zu unseren deutschen Antialkoholtfern, welche den Genuß unseres Nationalgetränkes be= fämpfen, sind die französischen Antialkoholiker der Anficht, daß der Schnapsteufel am besten durch Bier ausgetrieben werden kann. Bier wird deshalb in Frankreich nicht als alkoholisches, sondern als hygienisches Getränk behandelt und besteuert. Die französische Bierfabrikation betrug im Jahre 1910 15 297 000 Settoliter( 1096 000 Hektoliter mehr, als im Jahre 1909). Voraussichtlich wird der Konsum im laufenden Jahre noch mehr steigen, da der Wein infolge der Mißernte sehr teuer ist. Die Einfuhr deutschen Gerstensaftes in Frankreich wird von unseren Landsleuten gewöhnlich bei weitem überschätzt; sie betrug im Jahre 1910 74 850 Hektoliter. Die Qualität des französischen Bieres ist sehr verschieden. In den Departements Aisne, Somme Nord ist das obergärige Bier vorherrschend. Sonst wird im allgemeinen Lagerbier gebraut, welches teilweise ganz verschieden ist. Die Erzherzogin als Geschäftsreisende. Eine intereffante Schilderung der eifrigen und erfolgreichen Tätig= feit der Erzherzogin Isabella im Interesse der Hausindustrie entwirft der ungarische Schriftsteller Franz Molnar. In ein Pariser Warenhaus, das die teuersten Seidenstoffe und kostbarsten Spitzen verkauft, tritt eine elegante Dame. Hinter ihr in gemessener Entfernung folgen zwei Damen. Der Chef des Hauses nähert sich devot, verbeugt sich und bittet die Ankommenden, Plaz zu nehmen. Allgemeine Stille.... Der Chef spricht das Wort„ Erzherzogin" aus, und alle Kunden ringsum blicken und horchen auf. Die Erzherzogin denn es ist Erzherzogin Isabella hat unterdessen Platz genommen. Eine ihrer Begleiterinnen entnimmt einer Tasche allerhand Stickereien, Spitzen und Tücher, die vor dem Chef der Firma ausgebreitet werden. Die Erzherzogin bietet diese Arbeiten der Hausindustrie ihres Vaterlandes an. Die Menge staunt, und als die Erzherzogin ihre Waren abgesetzt hat, bestürmen die anwesenden Pariserinnen den Chef, denn alle wollen von diesen originellen Spißen und Stickereien haben, die eine Erzher zogin empfiehlt und verkauft. Doch Erzherzogin Isabella weiß auch durch andere Mittel den Kundenkreis für die Handarbeiten der Hausindustrie zu erweitern. So besuchte sie den bekannten Konditor Rumpelmeyer in Paris, dem sie nahelegte, seine Bonbons in Schachteln zu verkaufen, die mit originellen Spitzen und Stickereien geschmückt sind, wie fie die ungarische Hausindustrie hervorbringt:„ Kommen Sie mit Ihrer Frau zu mir nach Budapest; wir werden dort zusammen passende Muster auswählen. Ueberflüssig, zu sagen, daß Monsieur und Madame Rumpelmeŋer kamen. Ein Republikaner ist selten Gast in einem erzherzoglichen Palais. Und sie wählten Muster und kauften Spitzen in Hülle und Fülle, die jetzt angeblich eine Sensation in Paris bilden. Den Pariser Damen munden die Bonbons vielleicht nicht besser, aber auch sicherlich nicht schlechter in den mit den Handarbeiten der Hausindustrie geschmückten Bonbonnieren. Erzherzogin Jsabella aber beweist, wie man mit großem Erfolge für die Hausindustrie wirken tann allerdings nicht in letzter Reihe dadurch, daß man Erzherzogin ist. Wissenschaft, Kunst und Literatur.< Eine Berliner Theatersensation. Faust( zweiter Teil) ist am Mittwoch vor einem überfüllten Hause im Deutschen Theater zu Berlin vollständig von der ersten bis zur letzten Szene aufgeführt worden. Die Aufführung begann um 1 Uhr nachmittags und währte, von einer einstündigen Pause nach der Walpurgisnacht abgesehen, etwa sechs Stun den. Die Darstellung wurde sehr beifällig aufgenommen. Im Auditorium war das Königliche Haus durch den Prinzen August Wilhelm und Gemahlin vertreten. Reichsfanzler v. Bethmann Hollweg war mit dem Chef der ReichsVon fanzlet, Unterstaatssekretär Wahnschaffe, erschienen. der Theaterzensur des Polizeipräsidiums Berlin war Regierungsrat v. Lindenau anwesend, vom Kultusministerium Geheimrat Keil, von der Stadt Berlin Bürgermeister Reitfe, sowie zahlreiche Vertreter der Schauspiel- und Künstlerwelt. Der bekannte Humorist Otto Reutter wird in kurzem den Sprung von der Varieteebühne zur Opernbühne vollziehen. Zur Ueberraschung aller Theaterfreunde teilt näm= Itch die Komische Oper in Berlin mit, daß in der Neueinstudierung von Offenbachs Orpheus in der Unterwelt" Otto Reutter die Partie des Styr singen wird. Man hat Reutter eine bedeutende Gage geboten, um ihn für diese Rolle zu verpflichten, und er ist dem Rufe nachgekommen, da er sich mit den in den Varieteebühnen gepflückten Lorbeeren anscheinend nicht mehr begnügen will. Die Heimfahrt vor 40 Jahren. In diesen Tagen wendet sich die Erinnerung jenen großen und glücklichen Tagen unserer Vergangenheit zu, da der siegreiche Kaiser und der größte Teil seiner Truppen wieder den heimischen Boden betraten und unter allgemeinem Jubel ihren Einzug ins Vaterland hielten. Am 13. März hatte Kaiser Wilhelm ,, mit warmem und erhobe= nen Herzen" den„ Soldaten der deutschen Armee" sein Le= bewohl zugerufen, bevor er Frankreichs Erde verließ. Nun brauste der Kaiserzug der Heimat zu. Mitten hinein in diese begeisterte Freudenstimmung versetzt uns ein Brief, der diese Heimfahrt im Kaiserzuge" schildert und kurz danach in der Wochenschrift Im neuen Reich" veröffentlicht wurde. Wir haben im Eisenbahnwagen einen Triumphzug durch Deutschland gemacht, dessen begeisternde Wirkung sich mit anderen Empfindungen, die das Leben gibt, gar nicht vergleichen läßt. Zwar regnete und schneite es, als wir, von Pont- a- Mouffon kommend, bei Pagny die deutsche Grenze überschritten, und das neue Deutschland sah sehr traurig aus. Aber in uns war heller Jubel, denn uns stand das Wiedersehen bevor, das Betreten der Heimat. Es war ein volles und reines Entzücken, da wir die Grenze überschrit= ten. Die Blicke der Begrüßenden, die Befriedigung, Freude und der Stolz, womit sie auf uns sahen das Herz ging einem auf und manche Träne der Freude floß aus unseren Augen. Und von jetzt begann ein Fest der Heimkehr, viel schöner und gewaltiger als im Jahre 1866. Welche Reden der neue Kaiser überall gehalten, das haben Sie wohl in den Zeitungen gelesen, aber was fein Blatt verkünden kann, das ist der Ausdruck, die stille ergreifende Sprache in den Gesichtern der tausend und tausend Menschen, welche zwei Tagefahrten überall am Wege standen, feder voll von Hingabe und rührender Liebe und Dankbarkeit. Den Kaiser suchte jeder, und wenn sie ihn erkannt, dann wiesen sie mit den Händen nach ihm:„ Da, da ist er", freudestrahlend riefen sie ihr Hurra, warfen Hut und Müßen und grüßten mit den Tüchern. Der kleine Junge schwenkte die schwarz- weiß- rote Fahne, der Greis schwenkte mit dem Feuer des Jünglings den Hut, aber ihm flossen die Tränen in den weißen Bart, er fühlte ganz anders, was erfüllt war. Und dies wiederholte sich an jeder Bahnsperre, an jedem Haltepunkt, auf jeder Station. Uns schien das ganze deutsche Volk zum Gruß an die Bahn geeilt, auf der wir so schnell dahin sausten. Es waren überall dieselben Grüße, und gerade in ihrer endlosen Wiederholung erhoben fie Gemüt und Gedanken ganz unbeschreiblich. Wir fuhren dahin wie Selige, wie auf Engelsflügeln durch ein Reich des Glanzes und der Liebe. In der gehobenen Seele erhielten alle Erlebnisse der letzten Vergangenheit die Klarheit und Lebendigkeit sichtbarer Bilder. Neun Monate harter Kämpfe zogen durch den Sinn. Alles, was man in diesem Feldzuge erlebt und gelernt, die Menschen und ungeheuere Verhältnisse, das Edle und Scheußliche, Freund und Feind, die Bundesgenossen in ihrer Bedeutung und Schwäche, das alles fuhr geisterhaft in wachem Traume an dem inneren Auge vorüber, un zählig waren die Gestalten, schmerzlos wurde auch das Sorgenvolle, das man erlebt hatte, frei und sicher schwebten die Gedanken darüber. Und immer wieder hob neues Hurra, der wehende Gruß, der feuchte Glanz glückseliger Blicke das Gemüt zu frohem Genuß der Gegenwart. Auch trau rige Eindrücke blieben nicht aus, schwarze Gestalten in der Menge oder an den Fenstern bedeckten mit dem Tuch das Antlitz, wenn der Freudenruf um sie erscholl, ihnen kehrten die Liebsten nicht zurück. So fuhren wir zwei Tage durch das Vaterland. Es war ein Triumphzug, wie ihn die Vorfahren sich vielleicht über die Helden ihrer Sagen dachten, wenn diese vom Schlachtfeld zu den Göttern heraufgetragen wurden. Freilich auch darin waren manche unter uns der Erde entrückt, daß sie unterwegs wenig Gelegenheit hatten, irdtsche Nahrung einzunehmen. Die jubelnde Menge trennte als undurchdringliche Mauer von den Büfetts, und die dem Kaiser und Kronprinzen fredenzten Becher, Tassen usw. trugen nicht dazu bei, allen anderen das Leid dieser Trennung zu verringern. Als wir der Heimat näher famen, schlug das Herz schnel= ler, und die Ungeduld wurde schwer gebändigt. Und als man endlich Frau und Kind an das Herz schloß, da war Ruhm und Gefahr, die ganze Welt vergessen, das langent= behrte Haus, das Daheim in der ganzen Fülle seiner Seligfeit nahm ganz gefangen. Es ist schön, als Deutscher stolz au sein, und es ist auch nicht übel, für das Vaterland den Feind zu hauen, aber die ganze Welt, aller Siegerstolz und alle Erfolge und Ehren sind wenig gegen das Glück, nach solcher Trennung sich unter den Seinen als ein stiller, zufriedener Mensch zu fühlen." Drabtnachrichten und neuestes. Die nationalliberale Stichwahlparole in Gießen. Gießen, 16. März. Der nationalliberale Wahlkreisausschuß stieß gestern den Beschluß des Wahlausschusses auf Stimmfreigabe um und beschloß, die antisemitische Kandidatur Werner gegen die sozialdemokratische zu unterstützen. Das Kriegsgewölf im fernen Osten. Mostan, 16. März. Hiesigen Blättern zufolge trifft Japan große Kriegsvorbereitungen. Täglich gehen Truppentransporte nach Dalny und Port Arthur ab. An den Knotenpunkten der Eisenbahnlinie werden Kasernen errich= tet. Die chinesischen Arbeiter werden entlassen und durch japanische Soldaten ersetzt. Japanische Intendanturbeamte nehmen in Kwantung den Besitzstand von Vieh und Ge= treide auf, das sich in Privathänden befindet. Von Nagasati aus soll in den nächsten Tagen eine weitere Division abgesandt werden. Lärmszenen in der Reichsduma. Petersburg, 16. März. Im Laufe der gestrigen Abendsitzung, in der die Interpellation über die Vorgänge an den Hochschulen besprochen wurden, sprach das Mitglied der äußersten Rechten Obrassow über die Frauenhochschulen und erwähnte dabei, daß während der Revolutionszeit Kursistinnen sich zu Hunderten betrunkenen Matrosen angeboten hätten, um ihre Propaganda besser zu betreiben. Diese Worte riefen einen gewaltigen Protest auf der linken Seite des Hauses hervor. Ein so furchtbarer Lärm setzte ein, daß der Präsident die Sibung schließen mußte. Die Beamten des Hauses verhinderten einen Zusammenstoß zwischen den erregten Abgeordneten: Erst als die elektrische Beleuchtung ausgeschaltet war, verließen die Deputierten allmählich den Saal. Eine gefährliche Ballonfahrt. Stettin, 16. März. Mit dem Dampfer Swinemünde trafen gestern nachmittag die Insassen des Ballons Groß etn, die eine Fahrt über das Haff gemacht hatten. Der Ballon verließ Berlin mit einer Stundengeschwindigkeit von 60 Kilometern, berührte die Städte Bernau und Angermünde und befand sich gegen Mittag vor dem Haff. Der Führer, Ingenieur Gericke, beschloß, die Fahrt über das Haff zu wagen. Etwa 60 Meter vor der Insel Usedom zog er die Reißleine und der Ballon machte eine Schleiffahrt durch das Wasser. Die Landung ging dann glatt von statten. Große Vernntreuungen in einer Samenhandlung. Magdeburg, 16. März. Bei der Aktiengesellschaft für Samenzucht, Jänsch& Co. in Aschersleben wurden große zum Teil jahrelang zurückliegende Diebstähle und Durchstechereien an Konkurrenzfirmen entdeckt. Ungetreue Arbeiter haben allmählich für Tausende von Mark Samen, darunter wertvolle neue Arten an Konkurrenzfirmen ver fauft. Ein umfangreicher Diebstahls- und Hehlerprozeß steht bevor. Unfall bei deutschen Seemanövern. Kopenhagen, 16. März. Während der Uebungen des deutschen Geschwaders in der Nordsee wurde durch ein Versehen ein Torpedoboot von einem Geschoß getroffen. Tas beschädigte Torpedoboot ist durch den Kreuzer Blizz nach Frederikshafen geschleppt worden. Der Hosenrock als Ruhestörer. Bukarest, 16. März. Gestern abend kam es wegen Erscheinens einer von ihrem Gatten begleiteten Dame im Hosenrock auf dem Korso zu Tätlichkeiten zwischen Anhängern der individuellen Freiheit und den Gegnern der Reformmode. Die Polizei nahm 17 Verhaftungen vor. Die erste Fran im norwegischen Parlament. Christiania, 16. März. In der gestrigen Sitzung des Storthings wurde ein Abgeordneter beurlaubt und sein Stellvertreter, eine Volksschullehrerin, einberufen, um ihren Platz als erste Frau unter den norwegischen Abgeordneten einzunehmen. Bandel und Verkehr. Kühe Cassel, 14. März. Schlachtviehpreise. 1. Rinder. A. Ochsen: a) vollfleischige ausgemästete höchsten Schlachtwertes, die noch nicht gezogen haben( ungefocht), Schlachtgewicht 84 bis 88 M, b) vollfleischige ausgemästete im Alter von 4-7 Jahren, Schlachtgewicht 75-80 M. B. Bullen- a) vollfletschige ausgemästete höchsten Schlachtwertes, Schlachtgewicht 00-00 M, 6) vollfleischige junge, Schlachtgewicht 80-81 M, c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere, Schlachtgewicht 72-78 M. C. Färsen: a) vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes, Schlachtgewicht 00-00 M, Kühe: b) vollfleischige ausgemästete höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren, Schlachtgewicht 80-83 M, c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jün= gere Kühe und Färsen, Schlachtgewicht 75-79 M, d) mäßig genährte Kühe und Färsen, Schlachtgewicht 70-74 M, e) gering genährte Kühe und Färsen, Schlachtgewicht 58-62 Mark. 2. Kälber. a) Doppellender feinster Mast, Lebendgewicht M, b) feinste Mastkälber, Lebendgewicht- Mark, c) mittlere Mast- und beste Saugfälber, Lebendgewicht 54-58 M, d) geringere Mast- und gute Saugkälber, Lebendgewicht 50-52 M, e) geringere Saugfälber, Lebendgewicht 45-48 M. 3. Schafe. A. Stallmastschafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel, Schlachtgewicht 78-80 Mark, b) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe, Schlachtgewicht 76-00 M. 4. Schweine. a) Fettschweine über 150 Kilogramm( 3 Zentner) Schlachtgewicht 00-00 M, 6) vollfleischige von 120-150 Kilogramm( 240-300 Pfd.) Schlachtgewicht 58-60 M, c) vollfletschige von 100-120 Kilogramm,( 200-240 Pfund), Schlachtgewicht 56-57 M, d) vollfleischige von 80-100 Kilogramm ( 160-200 fund), Schlachtgewicht 54-55 M, e) vollfleischige unter 80 Kilogramm( 160 Pfund), Schlachtgewicht 53-00 M, f) unreine Sauen und geschnittene Eber, Schlachtgewicht 50 bis 52 Mar art folgt) Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde in Gießen. Sonntag, den 19. März, Oculi. Gottesdienst In der Stadtkirche. Vormittags 9 Uhr: Pfarrer D. Schlosser. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäus- GePfarrer D. Schlosser. meinde. Abends 6 Uhr: Pfarrer Schwabe. Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weibl. Jugend der Matthäusgemeinde. Dienstag, den 21. März, nachmittags 4 Uhr im Matthäussaal: Frauenmissionsverein. Mittwoch, den 22. März, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmfierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde. In der Johanneskirche. Vormittags 9% Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. Nachmittags 6 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Abends 7½ Uhr: Versammlung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lukasgemeinde und Versammlung der konfirmierten männlichen Jugend der Johannesgemeinde. Mittwoch, den 22. März, abends 6 Uhr: 4. Passionsandacht. Pfarrer Ausfeld. Freitag, den 24. März, nachm. 4 Uhr: Versammlung des Frauenmissionsvereins der Lukas Gemeinde; nachmittags 5½ Uhr: Versammlung der konfirmierten weiblichen Jugend der Johannesgemeinde. Katholische Gemeinde Samstag, den 18. März. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Sonntag, den 19. März. 3. Fastensonntag. Vorm. von 6½ Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. Vorm. um 7 Uhr: Die erste hl. Messe. Vorm. um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. Vorm. um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Vorm. 11 Uhr: hl. Messe mit Predigt. Nachmittags um 6 Uhr: Christenlehre; darauf sakramentalische Bruderschaftsandacht. Dienstag und Freitag abends um 6½ Uhr ist Fastenandacht.. Freiwillige Gail'sche Feuerwehr Ordentl. Hauptversammlung Samstag, den 18. März 1911, abends 9 Uhr bei Kamerad Sauer Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Kassenbericht. 3. Verleihung von Dienstabzeichen. 4. Etwaige Anträge. 5. Ersatzwahl des Vorstandes. 6. Verschiedenes. Uniform: Arbeitsanzug volle Ausrüstung. Der Vorstand. Kuverte mit Aufdruck bit Giessener Verlagsdruckerei billigst Klein& Fischer. Persii Tadellos gewaschen ist jedes Stück, frisch und duftig wie auf dem Rasen gebleicht, wenn Sie für Ihre Wäsche nur Persil gebrauchen, ohne Zusatz von Seile und Waschpulver. Kein Reiben und Bürsten, daher keine Zerstörung des Gewebes! Versuchen Sie es! Erhältlich nur in Original- Paketen. HENKEL& Co., DÜSSELDORF. 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