Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 40 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen - Erscheint Redaktion: oierteljährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 90 Pig. Dienstags, Donnerstags, Samstags. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Nr. 184. Telephon: Nr. 362. Deutscher Kulturunterricht. England macht seine Geschäfte mit der ganzen Welt, und es kann das ohne Schwierigkeiten, da die englische Sprache in allen Weltteilen bekannt ist. Es hat das Ziel erreicht durch eine gewisse Passivität. Dadurch, daß wir keine andere Sprache lernen, haben wir alle Völker gezwungeu englisch zu sprechen", sagte einmal ein Engländer. Das wäre also eine Prämie auf die Faulheit, vielleicht auch auf die Unfähigkeit, selbst wenn die Unfähigkeit nur eingebildet sein sollte. Andererseits wird die Verbreitung der englischen Sprache erleichtert durch ihre verhältnis mäßige Leichtigkeit und Einfachheit, die Sprache hat ja eigentlich gar keine Grammatik, dafür allerdings eine um so verzwicktere und höchst sonderbare Orthographie. Indessen ist mangelhafte Orthographie im schlimmsten Falle nicht solch ein Hinderungsgrund. Aber man darf auch nicht vergessen, daß die Engländer überall, wo sie einmal festen Fuß gefaßt haben, durch Gründung von Schulen und durch bestorganisierte Sprachkurse ihr möglichstes taten, um den Landesangehörigen das Erlernen ihrer Sprache zu erleichtern. Die Missionare sind in dieser Beziehung ihre besten Pfadfinder, wie ja überhaupt die Mission von den Engländern stark geschäftlich aufgefaßt wird. Es ist interressant zu sehen: der Engländer in Indien spricht englisch, und die indische Bevölkerung nimmt es auch an, so gut es geht; der Holländer auf Java dagegen lernt malanisch und bildet sich darauf etwas ein, daß er die Eingeborenen von der holländischen Kultur ausschließt. Mann kann gelegentlich ergötzliche Proben von dem Begriff einer Weltsprache" erleben. Als vor drei Jahren das Wißmann- Denkmal in Lauterberg im Harz eingeweiht wurde, kamen auch Vertreter des Kongostaates dahin. Die dentschen Schutztruppen Offiziere fonnten nicht genügend französisch sprechen, die Belgier nicht deutsch: verständigten sich also mit Suaheli! " 1 Die moderne Zeit mit ihrem Weltverkehr durchbricht alte Einrichtungen. Früher sahen wir es gern, wenn Ausländer auf unsere Universitäten kamen, um zu studieren. Es geschieht heute noch. Aber unsere Maturität“ und die diversen Abstufungen des Berechtigungswesens paßten. da nicht hinein. In England eignet man sich einen Teil des Wissens, der bei uns als Vorbedingung verlangt wird, erst auf der Hochschule an, andere Staaten sind noch liberaler oder gar erst in der Entwicklung begriffen, legen auch nicht sowiel Wert auf Examina. Da kam zu uns die Jdee der Universitäts- Ausdehnung" oder der VolksUniversität", die das Zopfige, Zunftgemäße abstreifen sollte. Es ist nicht viel daraus geworden, denn ohne Vorbildung geht es eben doch nicht. Dagegen sollen wir jetzt eine Art Universität für Ausländer" in Berlin bekommen. Das BöttingerStudienhaus", das bisher in Göttingen das Ziel verfolgte, die Ausländer mit deutschem Wissen und deutscher Kultur vertraut zu machen, wird zum Oktober nach Berlin verlegt werden. Geheimrat v. Böttinger, der Stifter der Anstalt, hat selbst die Initiative dazu ergriffen, weil die Erfahrung lehrte, daß nach Göttingen nicht genug Ausländer kamen. der Großherzoglichen Bürgermeisterei des Großherzoglichen Polizei Amfes I sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. Kurse über Literatur, u. a. von zweimonatiger Dauer, Diskussionsabende, Ausflüge zu Kultur- und Kunststätten sind vorgesehen, dazu wird möglichst enger Anschluß an gleich altrige Deutsche gesucht. Vorlesungen über allerlei Materien sollen gehalten werden. Auch werden Sprach kurse eingerichtet. Das Institut soll in der neuen König lichen Bibliothek untergebracht werden, wo ihm u. a. das neue Roosevelt- Zimmer zur Verfügung steht; vor allem wird die Bibliothek mit ihren Bücherschätzen Gelegenheit zum Studium, zum Kennenlernen der deutschen Fachlitera= tur und Anleitung zur Erwerbung einer eigenen deutschen Bücherei geben. Der Universitätsrektor Dr. Rubner steht an der Spitze des Kuratoriums, Direktor ist Professor Paszkowski. Die Lehrer an den Kursen sollen Universitätsprofessoren und Gymnasiallehrer sein; es könnte nicht schaden, wenn man auch andere Kräfte von größerem Weltblick und von Auslanderfahrung heranzöge. Ueberhaupt soll ja, trotz alledem, die Studienanstalt nicht etwa der Universität angeschlossen und eingegliedert werden. Die jungen Ausländer, die nach Berlin kommen, werden liberal zugelassen werden; um ein gewisses Niveau zu halten, sollen sie etwa die Einjährigenbildung nachweisen, und da man weiß, daß das Umsonstgegebene unterschätzt wird, wird man ihnen für den Kursus einen Beitrag von 100 Mark abnehmen. Die Erfahrung ist nicht neu, das Ausländer. die uns erst kennen gelernt haben, leicht von allerlei Vorurteilen zurückkommen. Die neue Einrichtung mag dazu mithelfen und viel Segen stiften. ( Haus Brüder Schmidt.) Dienstag, den 15. August 1911. Aus Stadt und Land. Gießen, den 15. August 1911. * Gießen, 15. Auguft. Am Sonntag waren hier die Vertreter der Evangelischen Arbeitervereine aus Gießen, Buzzbach, Homburg, Friedberg und Weglar bersammelt, um einen losen Zusammenschluß dieser Vereine, zur gegenseitigen Anregung und gemeinsamer Arbeit herbeizuführen. Zum 1. Vorfißenden wurde Oberbibliothekar Dr. Heuser- Gießen, zum 2. Vorsitzenden Herr Schellenberg- Weglar, zum Schriftführer Herr Schnabel Gießen gewählt. Die Vereine werden sich gegenseitig regelmäßig Mitteilung über ihre Veranstaltungen machen und bei besonderen Anlässen einander besuchen. Alle Jahre sollen zwei Delegierten Versammlungen stattfinden, in denen über gemeinsame Angelegenheiten gesprochen werden soll. Die Vereinigung gewährt den Mitgliedern ihrer Vereine freie Rechtsberatung und Rechtsschutz in allen gewerblichen Rechtsftreitigkeiten. Durch die Erwerbung der Mitglieder schaft bei der sozialen Geschäftsstelle für das Evangelische Deutschland erhalten die Mitglieder freie Vertretung bor dem Reichsversicherungsamt. Die nächste DeleatertenKonferenz soll im Mai nächsten Jahres in Wetzlar abgehalten werden. An diese Besprechung der Delegierten schloß sich ein großes Garten und Trachtenfest auf der 2 ebigshöhe an. * Am 1. Oktober 1911 beginnt an der Aliceschule ein neuer Kursus zur Ausbildung von Haushaltungslehrerinnen. Der Kursus dauert 1 Jahr. Die Meldun gen find spätestens am 15. September 1911 bet dem Vorstand des Aliceschulvereins in Gießen einzureichen. * Der Futtermangel, der durch die ungewöhnlich lang anhaltende Trockenheit für viele Teile des Landes zu befürchten ist, hat die Staatsforstbehörde beranlaßt, borzusorgen, daß aus den ihr unterstehenden beranlaßt, borzusorgen, daß aus den ihr unterstehenden Waldungen bedürftige Landwirte nach Möglich feit unterstützt werden. Die Großh. Oberförstereien find deshalb angewiesen worden, aus dem Walde Futtermittel abzugeben. Auch soll gestattet werden, Viehherden in offene Waldbestände einzuteilen. Da, wo es notwendig wird, das geerntete Stroh zu verfüttern, soll außerdem Waldstreu aufgearbeitet werden. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Inseratenzeile.- Stellen: gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Berbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. S. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg * Großen Linden, 11. Aug. Der hiesige Gemeinderat hat den mit der Provinz abgeschlossenen Ver trag wegen des Bezugs von elektrischer Energie aus der lleberlandzentrale Wölfersheim angenommen. * Friedberg, 12 Aug. Dem Mühlenbefizer Peter Diez jun. Hier ist sämtliches Geflügel verendet. Die sofort angestellte Untersuchung ergab, daß die Tiere infolge Trinkens aus der Usa berendeten. Das Massensterben von Geflügel wird auch aus Fauerbach gemeldet, und zwar nur von Gehöften, die an der Usa gelegen sind. m Bommersheim, 14. Aug. Der Eisendreher Heinrich Ruppel half Sonntag bormittag seinem Nachbar beim Abladen bon Stroh, wobei ein Gebund ins Nutschen fam. Ruppel der die Heugabel in der Hand hatte, fam dabet zu Fall und stürzte so unglücklich, daß ihm die Gabel unterhalb des Kinns in den Kopf eindrang und oben an der Schädeldecke herausfam. Ruppel, der im 34. Lebensjahre stand, erlag nach kurzer Zeit seiner schweren Verlegung. Er hinterläßt eine Witwe mit zwei Kindern. Darmstadt Zur Gründung eines Landesverbandes der Freien Vereinigungen und Innungen der Friseure hatten sich vergangenen Sonntag 54 Vertreter in Großgerau eingefunden. Als Ehrengäste waren anwesend Handelskammersyndikus Engelbach und Bürgermeister Arnold. Nach eingehenden Erörterungen wurde durch die Vertreter, die aus dem Großherzogtum Hesseu und Hessen- Nassau zusammengekommen waren, einstimmig die Gründung des Verbandes beschlossen. Zum Vorsitzenden wurde Obermeister Zimbroich gewählt. Der Sitz des Verbandes ist Darmstadt. Worms, 14. Aug. Der Landesverband städ gestern Sonntag hier in Worms unter dem Vorsitz des tischer Beamter im Großherzogtum Hessen trat Bauinspektors Schumann zu seiner ersten ordentlichen Jahres Versammlung zusammen. Der Jahresbericht wurde genehmigt, ebenso der Voranschlag. Als Vorsigender wurde Schuhmann- Worms auf ein Jahr wieder gewählt. Zum Ort der nächsten Jahresversammlung drehten sich um die Bildung einer Krantenunterstüt wurde Vingen bestimmt. Die weiteren Verhandlungen zungskasse, die Gründung einer Zeitschrift usw. Die Vorschläge wurden gutgeheißen Limburg. Erhöhung des Milchpreises. Nachdem erst vor 3 Wochen hier der Milchpreis von 20 auf 22 Pfg. erhöht wurde, wollen jetzt die Milchlieferanten wegen des Futtermangels eine weitere Erhöhung um fg. eintreten lassen. * Erleichterung für das Eisenbahnfahrpersonal. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat an alle EisenMinister der öffentlichen Arbeiten bat an alle Eisenbahndirektionen einen Grlaß gerichtet, wonach den Fahr. 2 beamten bei dec jezigen hohen Temparatur der Dienst durch Ablösung erleichtert werden soll. Daraufhin haben die einzelnen Direktionen für ihre Bezirke Ablösepersonale eingerichtet, die in einzelnen besonders strammen Touren einspringen und so dem abgespannten Personale zu einer verlängerten Ruhepause verhelfen. * Der Minister und seine Eisenbahner. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat verfügt, daß fämt lichen Lokomotiv- und Fahrbeamten der Preusisch- hessischen Staatsbahnen, solange die gegenwärtige Size an= hält, abgekühlter Kaffee oder Tee in den dazu geeigneten Bahnhofswirtschaften unentgeltlich) verabfolgt werde. Die Kosten sind von den Direktionen zu begleichen. Die Dienſtvorsteher ſind persönlich dafür vorantwortlich, daß diese Maßregel nicht nur sofort eingeführt wird, sondern daß auch alles geschieht was nur geschehen kann, um der Wohlfahrt des Personals förderlich zu sein. Dabei ist kein Unterschied zwischen Lokomotiv- und Fahrpersonalen der eignen oder anderen Direktionen zu machen. * Halbe Anrechnung des Kinderprivilegs bei der Gemeindeeinkommen= steuer. Eine Entscheidung von allgemeiner Wichtig feit in der Anwendung des Kinderprivilegs hat vor furzem ein Bezirksausschuß in der Rheinprovinz gefällt. mehrere Beamte hatten beantragt, daß bei der Veranlagung zur Gemeindeeinkommensteuer das Kinderprivileg zur Anwendung gebracht und die Gemeindeeinkommen steuer um je eine Stufe ermäßigt werde. Der Bezirksausschuß hat nun die Einsprüche fostenfällig zurückgewiesen und dafür erkannt, daß die bei der Staatseinfommensteuer zur Anrechnung kommende Kinderzahl bei der Gemeindeeinkommensteuer, bei der der Staatsbeamte nur die Hälfte seines Einkommens versteuere, auch nur zur Hälfte Anwendung finde, sodaß also drei Kinder, die bei der Staatseinkommensteuer eine Ermäßigung um eine Stufe bedingten, bei der Gemeindeeinkommensteuer eine solche Wirkung nicht haben können, denn hierbei fäme nur 1½ Kind in Anrechnung, was ohne Einfluß auf den Steuersatz sei. * Biedenkopf, 12. Aug. Ein Antrag der Herd. berger Rind und des Kreis Biegenzuchtverbandes auf buchgesellschaft des Kreises Biedenkopf für das Vogels. berger Rind und des Kreis- Ziegenzuchtverbandes auf ausnahmsweise Geftattung der Abhaltung der diesjäh rigen Tierschauen ist mit Rücksicht auf die große Seuchengefahr ablehnend beschieden worden. r Marburg, 14. Aug. Am Sonntag wurde auf der Chaussee zwischen hier und Großfelden ein Mann tot aufgefunden. Ein Hizschlag hatte seinem Leben ein Ende bereitet. Vom Oberwesterwaldkreis. Das Projekt der " istertalsperre, das schon ziemlich weit gefördert war und auch seitens der Regierung Unterstützung gefunden hatte, scheint man fallen lassen zu wollen. Durch die, wie es heißt, gesicherte Anlage einer„ leberlandzentrale Mittelrhein" foll auch der Oberwesterwald mit elektrischer Energie versehen werden. * Wiesbaden, 14. Aug. Der Polizeihund„ Tell" ist infolge eines Higschlages eingegangen. Dem Besizer, striminalschutzmann Decker wurden noch anläßlich der Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft im Juni d. J8. in Kassel von der Französischen Regierung 10 000 Mt. für Tell" geboten. Probenummern der„ Gießener Zeitung" stehen unseren Lesern in beliebiger Anzahl jederzeit kostenlos und portofrei zur Verfügung. Wir bitten unsere Leser und alle Freunde unseres Blattes wo nur möglich für dasselbe zu werben, solches in Bekannten- und Freundeskreisen zu empfehlen und uns freundl. Adressen aufzugeben, welche sich für unsere Zeitung interessieren dürften. Ein Abenteuer im Elevator. Ein Abenteuer im Elevator. Ein Abenteuer im elevator Ein Parables fur gekommen sein, denn sie war wieder nicht zu entdecken. Gehr gut! or chman hält ihn foft!" jubiliert Die Waschbärmüße aber muß nicht lange danach wieder herabAlso fegelte Bob mit dem nächsten Fahrstuhl wieder hinauf. aber Ringter unb Jager jüngsten Tage warten müßte!" gehe ich nicht mehr hinauf, und wenn ich hier bis zum fich eine Sigorre an froute Arme und Beine und paffts arim: Damit riß er sein 3igarrenetui aus der Tasche, zündete 3033TQPLEEGRE få K fti po 111 fe ab ta pi REC52532E fa 111 ge ga 50 fe de 110 di ri L Tel pr ge de de ne Itc B fit ne da fte fie 28 fte Sa Ur Be ent ne fog 10 da de fö alf er be un ge ge de yo SE SERESSURIZERTISERSACE INSSITERES TURNBE Das Gespenst der Teuerung. Trübe Aussichten. Als vor jetzt beinahe zwei Monaten die trockene warme Witterung, die uns jetzt so plagt, begann, da versprach man sich allerseits von ihr einen günstigen Einfluß auf die nicht gerade rosigen Ernteaussichten Leider hat es der Himmel allzugut mit uns gemeint und die regenlose Hiße hat mehr verdorben als es vorher die zu fühle Witterung getan hatte. Das allgemeine Bild der Ernte hat sich, vor allen Dingen durch die ungünstige Entwickelung der Futterpflanzen und Hackfrüchte, jo verschoben, daß man befürchten muß, wir gehen schweren Betten entgegen. Daß in den Ernteaussichten eine Verschlechterung eingetreten ist, beweist flar die Entwickelung, welche die Preise an den in Detracht kommenden Warenmärkten in den letzten Wochen genommen haben. An den Budermärften sind bie Preise gestiegen. Auch die Getreide pretje streben jetzt scharf nach oben. Die Aussichten sind also für die Bolfsernährung recht wenig günstig und es verlohnt, einmal etwas genauer auf die Ursachen und Wirfungen der jezigen Lage einzugehen. Wenn man die letzte amtliche preußische ErnteSchäßung für Halmfrüchte unbefangen ansieht, so müßte man eigentlich meinen, die Schwarzseher, welche von teurem Brote reden, hätten Unrecht. Denn eine Ernte von rund 8,2 Millionen Tonnen Roggen, wie wir sie in diesem Jahre zu erwarten haben, ist im Laufe der letzten 10 Jahre nur ein einziges Mal, nämlich 1909, übertroffen worden; sie ist auch größer als die Roggenernte des vorigen Jahres. Und wenn auch der Ertrag an Weizen mit 2,35 Millionen Tonnen um rund 135 000 Tonnen hinter der Ernte des Vorjahres zurückbleibt, so ist sie doch an sich nicht flein, denn in den letzten 10 Jahren sind fünfmal noch tiefnere Ernten in die Scheuern gekommen. Dazu tommt noch, daß die sengende Sonnenglut wenigstens eine gute Folge gehabt hat. Weizen und Roggen zeigen in diesem Jahre eine Güte und Schwere des Kornes wie seit vielen Jahren nicht mehr, und was etwa an Menge fehlt, das soll die Güte ausgleichen. Aber schon die Tatsache, daß die Gerstenernte an Menge geringer geschätzt wird als jemals im Laufe des lezten Jahrzehnts und daß die Haferernte um mehr als% Millionen Tonnen hinter je ner des vorigen Jahres, um mehr als 1,1 Millionen Tonnen hinter jener von 1909 zurückbleiben soll, zeigt flar, daß es unrichtig wäre, die Brotfruchternte wür digen zu wollen, ohne auf die Ernte an anderen Früchten und Feldprodukten Rücksicht nehmen zu wollen. Leidliche Getreideernte voraussichtlich fast völlige Mißernte an Futtermitteln und Kartof= feln, wahrscheinlich auch an Zuckerrüben, so läßt fich mit einem Worte die augenblickliche Situation fennzeichnen. Und wenn die Preise für Weizen und Roggen, wie erwähnt, bereits ziemlich fräftig gestiegen sind und wahrscheinlich wie mit ihnen die Mehl- und Brotpreise noch weiter steigen werden, so ist dies weit weniger in der Lage dieser Früchte begründet, als darin, daß man damit rechnet, ein Teil des geringeren Getreides werde als Futter Verwendung finden müs fen, was naturgemäß das Angebot an Brotfrucht stark verringern würde. Die Schatten, welche die wahrscheinliche Teuerung am Getreidemartt vorausgeworfen hat, sind aber gering im Vergleich zu der Wirkung auf den Gebieten, welche dirett mit dem Futtermittelmarkte zusammenhängen. Die Wiesen haben fast in ganz Breußen einen awelten Schnitt faum ergeben, und das Wenige, was auf ihnen noch gewachsen ist, mußte der Bauer vom Bich direkt abweiden lassen, um es überhaupt nutzen zu können.. Wie das Vieh aber durch den Winter gebracht werden soll, das bildet augenblicklich die Hauptforge vieler Landwirte, und gar manche von ihnen ha ben, weil sie feine andere Lösung sahen, thr Vich jetzt verschleudert oder wollen dies in nächster Beit tun. Daß in Folge davon das nächste Jahr uns außerordentlich hobe Fleischpreise bringen wird, ist leider mehr als wahrscheinlich. Eine weitere Folge des Futtermangels wird eine Steigerung der Butter- und Milchpreise sein. 1. Rundschau vom Cage. Politisches. Eine Tschechenfeier in Berlin. Am Sonntag morgent trafen 500 Tschechen in Berlin ein, um an der fünfalgjährigen Gründungsfeier des böhmisch- slawischen Klubs und an dem gleichzeitig stattfindenden Kongreß tschechischer Vereine im Auslande teilzunehmen. Am Abend zuvor wurde in Kellers Festsälen eine von den verschiedenen alldeutschen und deutschnationalen Vereinen Berlins veranstaltete Abwehrversammlung gegen den tschechisch- slawischen Besuch in Berlin abgehalten, die von etwa fünfhundert Personen besucht war. Bet der Eröffnung teilte der Vorsitzende mit, daß der PoJugendfreundschaft. Roman von G. v. Schlippenbach. ( Nachdruck verboten.) 20) Er sagte es trocken; sein Mannesstolz empörte sich gegen sie. Und wieder dieses schwille, Herzbeklemmende Schwelgen. Nun standen sie auf dem Hafenplay; Karla stützte den Arm auf das Marmorgeländer der Loggia, sie hielt den Kopf gesenkt wie unter einer Last. „ Warum sind Sie so ganz anders gegen mich?" Brach es endlich über Alfreds Lippen,„ Ich kam her, well Ich Ste wiedersehen wollte, und mir ist es, als fände ich einen völlig fremden Menschen." Ste Tachte. Es flang aber gezwungen, unnatürlich. ,, Ste vergessen, daß viele Wochen und Monate zwłschen beute und frilber Itegen," entgegnete sie kühl. „ Sie haben recht, gnädige Frau." Auch sein Ton war eisig, fein Stola famt ihm zut Hilfe und unterdrückte den Sehnsuchtsschret seines Herzens. Da vernahm er Schritte, die sich näherten. Beide atmeten erleichtert auf. Es war Waldenberg. Er schien Karla gesucht zu haben, sie eilte ihm entgegen und beide entfernten sich im Gespräch. „ Ich werde morgen abreifen," dachte Grotenbach. Aber er vermochte es nicht; Woche um Woche blieb er und trank das Gift, der Geliebten Nähe. Wie ein stillschweigendes Uebereinkommen war es zwischen Karla und Alfred; sie benahmen sich sehr höflich gegen einander, aber doch so fremd, als hätten sie sich eben erst kennen gelernt. Es fiel allen auf, aber Frau Grotenbach allein verstand ihres Sohnes Leid. Noch war aber nicht der rechte Moment, mit ihm aut sprechen; wenn Alfred selbst zur Mutter käme, dann witrde sie ihm treu < ratend zur Seite stehen. Itzeipräsident von Berlin nach verschiedenen Eingaben des alldeutschen Verbandes an das Ministerium des Innern den Tschechen untersagt hat, in Berlin in Landesfarben aufzutreten, Fahnen zu entfalten und in Aufzügen durch die Reichshauptstadt zu ziehen. Zur medlenburgischen Verfassungsfrage meldet die ,, Landeszeitung für beide Mecklenburg": Der Großherzog Friedrich Georg von Mecklenburg- Streliz empfing am Sonnabend im Beisein des Ministers eine ritterschaftliche Abordnung der beiden Großherzogtümer Medlenburg, die beauftragt war, dem Großherzog die auf dem allgemeinen Ritterschaftskonvent in Rostock am 13. Juli inbezug auf ihre Form der Landesverfassung angenommene Resolution zu unterbreiten. Der Großherzog erwiderte, der ihm berits bekannte Inhalt der Resolution erfülle ihn mit Betrübnis und aufrichtiger Sorge. Er bedauere dies sehr. Er set stets der Ueberzeugung gewesen, daß das Bedürfnis nach einer Aenderung der bestehenden Landesverfassung vor allem aus der Notwendigkeit entspringe, weitere Kreise der Bevölkerung zur Beratung und Beschlußfassung über die wichtigsten Landesangelegenheiten heranzuziehen, und zwar schon allein aus dem Grunde, weil die persönlichen und petuniären Opfer, die für die Förderung der Landesinteressen gebracht werden müssen, von Jahr zu Jahr größere und beschwerlichere werden. Dieser Notwendigkeit trage der Ritterschaftsbeschluß in nicht genügendem Maße Rechnung, weshalb er auch als Grundlage der Beratungen über eine Verfassungsänderung nicht dienen könne. Die Fortschritte der Sozialdemokratie. Der Bericht, den der sozialdemokratische Parteivorstand an den Partettag in Jena erstatten wird, enthüllt, wie sozialdemo fratische Blätter jetzt schon mittetlen, interessante zahlenmäßige Belege für das Vorwärtsschreiten der Parteiorganisation: Die Zahl der organisierten Mitglieder beläuft sich auf 835,562, d. f. rund 115,000 mehr als im Vorjahre. Jn 19 Bundesstaaten gehören 188 Abgeordnete der sozialdemokratischen Partei an, 8910 Sozialdemokraten sind als Gemeindevertreter in mehr als 2600 Gemeindeverwaltungen tätig. Nicht weniger als 35,000 Mitgliederversammlungen hielt die Partet im vergangenen Jahre ab und die Einnahmen der Parteikasse beItefen sich auf 1,3 Millionen Mark. Aus diesen Zahlen tst zu entnehmen, mit welchem Eifer die Sozialdemo tratte die Vorbereitungen für die nächsten Wahlen trifft. Bause in den Marokkoverhandlungen. Eine Unterredung zwischen dem französischen Minister des Aeußeren und dem englischen Botschafter in Paris, die am Sonnabend stattfand, wird mit den schwebenden marokkanischen Angelegenheiten in Zusammenhang gebracht. Der„ Temps" meint, daß zurzeit kein Material für eine Besprechung zwischen Kiderlen- Wächter und Gambon vorliegt, darum könne man den Tag für die nächste Zusammenkunft der beiden Staatsmänner nicht bestimmen. Diäten für die englischen Abgeordneten. Das engItsche Unterhaus hat mit 256 gegen 158 Stimmen die Entschließung angenommen, daß den Mitgliedern des Unterhauses 400 Pfund fährlich ausbezahlt werden solTen. Da auch die portugiesische Nationalversammlung in diesen Tagen einen Antrag auf Bewilligung von Diäten für die Abgeordneten angenommen hat, gibt es jetzt nur noch zwei Länder, Jtallen und Spanien, in denen die Parlamentarier keine Diäten erhalten. Kleine Nachrichten. Gegen ein allgemeines Backverbot am Sonntag hat sich der Zentralverbandstag deutscher Bäckerinnungen Germania" ausgesprochen. Nach langer Debatte einigte man sich auf einen Antran, der sich gegen den 36stündigen Ruhetag, gegen das 22stündige Backverbot und gegen die allgemeine Sonntagsruhe aus= sprach. Es wurde beschlossen, das Backverbot und die allgemeine Sonntagsruhe nur dort einzuführen, wo es auf besonderen Wunsch der betreffenden Städte gefor= dert wird. Infolge der großen Size ist in Elberfeld die Kindersterblichkeit derart gestiegen, daß der Stadtarzt öffentlich Verhaltungsmaßregeln zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit und zur Verhütung von Erfranfungen der Kinder bekannt gegeben hat. Die Cholera greift in der Türkei welter um sich. In Ipek fordert die Seuche täglich an fünfzig Opfer, Besonders unter der mohammedanisch- albanesischen Bevölkerung, die die Seuche als Schickung des Himmels betrachtet und gar keine hygienischen Vorsichtsmaßregeln beobachtet. Der Markt ist geschlossen und die Gefchäfte stocken. Bäderfrequenz. Baden- Baden 48 665; BadenwetFrant Haldecks Geburtstag nahte; man wollte ihn mit einem Tanzabend fetern. Karla batte zum ersten Mal die Halbtrauer abgelegt, sie sah sehr lieblich aus in dem hellen Seidenkleide mit einigen frischen Rosen im Haar; Waldenberg schien es auch zu finden, er war unzertrennlich von ihr. Alfred bemithte sich helter zu sein, er scherzte und Tachte mit einigen jungen Damen aus Stralsund, denen er den Hof machte. bach. Der Tanz begann, Alfred näherte sich Karla. " Haben Sie noch etwas frei?" fragte Dr. GrotenSie zuckte bei seiner Frage zusammen. " Nein, Sie fommen zu spät," sagte sie kalt. „ Ach so, bedauere." Grotenbach verneigte sich und wollte gehen, da trat ein junger Artillerieoffizier auf Frau Üchatscheff zu. " Ich bin untröstlich, gnädige Frau," sagte er, aber ich soll nach dem Feuerwerk sehen; die Leute wissen felnen Bescheid, vielleicht ist der Herr Doktor so freundlich, mich zu erseben?" Karlas Hände krampften sich zusammen. „ Es gibt kein Entrinnen," dachte sie. " Flr diese selige, furze Minute gehört sie mir," dachte Grotenbach, und seine Hand preßte die ihre fast schmerzhaft, ohne daß er es wußte. Eng aneinander geschmiegt glitten sie über das Parkett, sie tanzten zum ersten Mal zusammen, bisher hatten sie nie Gelegenheit gehabt. Alfreds Arm löste sich zögernd, zögernd gab er seine Dame fret. Er näherte sich ihr auch nicht mehr im Laufe des Abends. Dank der Lettung des Artillerieoffisters verlief das Feuerwerk glänzend. Alfred stand etwas absetts; als die letzte Rakete verpufft war, ging er einsam durch den Lindengang, er dachte immer wieder an den furzen Ier 5970; Brüdenau 3678; Davos 18 744; Ems 16 66 Freudenstadt 6218; Homburg 10 612; icht 15 251 Karlsbad 55 256; Kissingen 28 120; Königstein 5461 Kreuznach 10 200; Langenschwalbach 5520; Marienba 28 024; Minster a. St. 6173; Nauheim 27 520; Neuer ahr 19 278; Niendorf 4521; Oberstdorf 10 882; Orb 4466; Pyrmont 28 113; Salzungen( Thür.) 4108; Sonder Werra 5031; Soden 3601; Travemünde 9203; Warne münde 16 882; Westerland- Sylt 22 388; Wildungen 10 162. Die Nachrichten über den Gesundheitszustand des Bapstes lauten immer günstiger. Der Bapst hat die Nacht sehr ruhig verbracht. Das Fieber ist geschwur den; doch wird die Rekonvaleszenz infolge der allge meinen Schwäche des Kranken sehr lange dauern. Das Luftschiff B. 6, welches Sonntag frith 3 Uhr 43 Minuten mit elf Personen einschließlich des Führer Oberleutnants Stelling, in Bitterfeld aufgeftlegen war ist um 8% Uhr auf dem Flugplatz Johannisthal etn getroffen. Der neue badische Bahnhof in Basel, der eben ha Rohbau fertiggestellt ist, ist Sonnabend abend in Brand geraten. Das Holzgerüst ist vernichtet, das Mittelstüc bes Empfangsgebäudes ausgebrannt. Das Feuer i wahrscheinlich durch die Funken einer Arbeitslokomo tive entstanden. Die Size hat nene Rekords geschlagen. In Varis hat das Thermometer gestern 37 Grad T. im Schatten gezeigt, in Rom stieg es sogar bis 43 Grad, das Meer. wasser in Cordes in Frankreich zeigte fast 35 Grad und in London ist der überhaupt heißeste Tag gewesen. Vier Verhaftungen wegen Spionage wurden in Metz vorgenommen. Es handelt sich um Leute, die früher bei der Fortifikation tätig waren. Einer der Gefangenen wurde wieder freigelassen, der sofort nach Frankreich entfloh, ein anderer der Verhafteten ist ein ehemaliger Fremdenlegionär, ein dritter ist ein fran zösischer Bildhauer. Bom Zuge geföpft. Auf dem Berliner Bahnhof Friedrichsstraße wollte ein Kellner von der Bahnhofs. wirtschaft an einer Ramve Wasser ausschütten. Er fiber. sah einen einfahrenden Fernzug, wurde von ihm erfaßt und fiel so unglücklich auf den Bahnkörper, daß thm der Kopf vollständig abgefahren wurde. Folgenschwerer Zugzusammenstoß. Gestern abend stieß auf dem Bahnhof Starnberg in Oberbayern eine Lokomotive auf einen mit Münchener Ausflüglern be setzten Eilzug auf. 25 Personen erlitten erhebliche Ver legungen. Die Münchener Sanitätskolonne rückte mit vier Krankenwagen zum Transport der Verwundeten aus. In der Notwehr getötet. Bei einer Lohnauszah lung schlugen in Posen dret Arbeiter mit Spaten auf den Ingenieur Klettner ein. Der Angegriffene erschoß in der Notwehr einen Arbeiter. Ein jugendlicher Vatermörder. In dem russischen Grenzdorf Newogorot erschlug der 14jährige Beter Klemfow seinen 60jährigen Vater. Der jugendliche Mörder verscharrte die Leiche in einem Getreidefelde und flüchtete, nachdem er seiner Mutter ein Geständnis abgelegt hatte. Schon am nächsten Morgen wurde er jedoch ergriffen. Aus den Gerichtssälen. Eine Reichsgerichtsentscheidung über das Rücül gungsrecht an Fortbildungsschulen. Das Reichsnericht hat die Frage, ob den Lehrern an den Fortbildungs schulen ein Büchtigungsrecht zuzubilligen fet, befabt. Aus dem Recht und der Pflicht des Lehrers zur Er ziehung folge von selbst dessen Recht, innerhalb der durch den Erziehungszweck gezogenen Grenzen ange messene Zuchtmittel zur Anwendung zu bringen. Daß die Lehrer der Fortbildungsschule nicht nur zum Un terricht, sondern auch zur Erziehung ihrer Schüller be rufen seien, könne einem begründeten Zweifel nicht im terliegen. Die Fortbildungsschule habe aleich der Volks schule die Aufgabe, nicht nur ihren Schillern Kenntniffe beizubringen, sondern auch auf ihren Geist und ihren Charakter erzieherisch einzuwirken, um sie zit nützlichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft heranzubilden. Den Lehrern der Fortbildungsschulen tönne daber das Recht, gegen die ihrer Erziehung anvertrauten Schiller bei gegebener Veranlassung angemessene Zuchtmittel anzuwenden, nicht versagt werden. Vermischtes. Einen ungewöhnlichen Fund machte ein Oberpoſt schaffner in der Villenkolonie Grunewald bei Berlin. In einem Patet verschnürt fand er Wertpapiere im Ge famtbetrage von 2,300,000 Mart. Er begab sich mit dem Fund sofort in das Amtsbureau und meldete ihn an. Kurz darauf erschien auch der Verlierer, ein in der Kolonie ansässiger Rentier. Sein Erstaunen war groß, als ihm eröffnet wurde, daß die Wertpapiere soeben ab gegeben worden seien. Der ehrliche Finder konnte als Dank eine Belohnung von 500 Mart entgegennehmen. Moment zurück, als er mit Karla tanzte. Warum hatte sie in seinen Armen gezittert? War er ihr so anti pathisch? Oder war es doch der entgegengesetzte Grund? Wäre es denn möglich, daß sie, daß sie-- Stimmen dicht neben ihm ertönten, er erkannte die Sprechenden, Waldenberg und Frau Uchatscheff. „ Ste geben mir gar keine Hoffnung, gnädige Frau, Sie weisen mich ab?" fragte des Mannes erregte Stimme. " Ja," lautete die Antwort, ich kann nicht anders." Doktor Grotenbach stand wieder allein im tiefen Schatten der Bäume und plötzlich flutete helles Licht um ihn, ja tausend Lichter erhellen für ihn die Nacht. Jetzt ist seine Reihe gekommen, das Wort zu wagen, das ihm, selt er in Strandhof wellte, auf den Lippen brannte. Waldenberg reiste am andern Morgen ab. Rarla zeigte sich nicht, es hieß, daß sie Migräne habe, diese gefällige, oft gebrauchte gesellschaftliche Lige. Dreizehntes Kapitel. Am Herthasee. Rann ich Dich sprechen, liebe Karla?" Tante Theklas freundliches Gesicht blickte durch die Tür der Villa Petersburg hinein. Frau Uchatscheff lag träumend im Schaukelstuhl, ein Buch in ihrem Schoß, aus dem sie gleichwohl keine Beile gelesen hatte. Immer hörte sie die Melodie eines Walzers, nach dem sie mit Alfred getanzt hatte; nur einmal, aber dieser Augen blic war für sie der Glanzpunkt des ganzen Abends ge wesen. „ Gewiß, liebe Tante, setze Dich!" tenbach platz genommen, fauerte sich die junge Frau Karla war aufgesprungen, und nachdem Frau Gro auf dem Schemel daneben und füßte die Hand, die sich liebkosend auf ihre Schulter legte. fr be Ta N be be be fre mt Di fre Ia er tra an Ka ter der aat te Ems 10 Fight 15 nigitein 5 Marien 7520; Re 82; Orb 4 08; Goo 9203; 23ildu tazustand Bapst hat tit geid ge der a dauern, frith 8 des Filh Jeftlegen nnisthal der eben end in Bu 18 Mittel 18 Feuer rbeitsloto #. In im Sch d, das M 35 Grad gewesen. wurden 1 Leute, 1. Einer er fofort fteten tit ist ein f ner Bab er Bahnh ten. 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Im Freibad Wannsee wurden 13 Personen vom Hißschlag getroffen. Aus dem Freibad Müggelsee wurden fieben Fälle von Sibschlag gemeldet. In die Unfallstationen und Kranfenhäuser wurden fast stündlich Opfer der Hiße eingeItefert. Wahnsinnig wurde infolge der Hize ein 29Jähriger Kutscher. Er stieg auf der Straße plöblich vom Kutscherbock und fing an, mit der Peitsche auf Menschen und Tiere loszuschlagen. Er wurde nur mit Mühe überwältigt und in das Krankenhaus gebracht. Der aufgelöste Hofftaat. Der kleine Hofstaat der portugiesischen Königin- Witwe Maria Via in Capodimonte ist nach deren Tod aufgelöst worden. Die armfelig zu nennenden Verhältnisse der einst to reichen, aber auch verschwenderischen Königin sind dabei klar zutage getreten. Ihr erster Kammerherr, Marquis Supulveda, ein früherer Adjutant König Manuels, ist technischer Leiter des Theaters San Carlo zu Neapel geworden; die Hofdame Marquise Bellas ist nach Liffabon zurückgekehrt, General Pinto bleibt in Neapel und sehnt wie er einem römischen Berichterstatter erzählte seinen baldigen Tod herbet, da auch seine geringen Mittel zu Ende sind. Der Herzog von Oporto endlich ist als Gast König Manauls nach England gegangen. Sein ganzes Vermögen beläuft sich zurzeit auf 50 000 Lire, die er für einen alten Meister" aus einem seiner portugiesischen Schlösser erhalten hat, den er vor der Revolution verkauft, dessen Kaufsumme er aber erst nach Ausbruch der Revolution erhielt. Tragödie einer Hamburger Familie. Blättermeldungen aus Christiania zufolge sind drei deutsche Touristen, die man auf einem Ausflug ins Westland um= gefonimen glaubte, in ihrem Zimmer in einem Hotel In Leifanger tot aufgefunden worden. Der Ingenieur Louis Aßmus vom Eisenwerk Wülfel in Hamburg hatte zuerst seine Schwester, die Witwe Johanna Lehmann und ihren zwölfjährigen Sohn August und darauf sich selbst mit Revolverschüssen getötet. Eine Warnung des Berliner Polizeipräsidenter. Im Hinblick auf die Hize erläßt der Berliner Polizeipräsident folgende Warnung:" In der heißen Jahreszeit pflegen allerlei chemische Präparate, meist unter Phantasienamen und ohne Angabe der Zusammenstel lung, als Zufäße zur Milch empfohlen zu werden, um deren Gerinnung zu verzögern. Vor dem Ankauf und der Verwendung dieser Mittel wird dringend gewarnt. Es ist keine chemische Substanz bekannt, die imstande wäre, die Milch frisch zu erhalten und vor dem Gerinnen zu bewahren, ohne ihr gleichzeitig gesundheitsschäd= liche Eigenschaften zu verleihen. Ein Zeigefinger zu kaufen gesucht! Wer hat einen Beigefinger zu verkaufen? Mrs. Reginald Waldorf aus Philadelphia hat ein Inserat im New- York Herald erLassen, daß sie einen zu kaufen und einen anständigen Preis dafür anzulegen gewillt ist. Die Dame ist eine funge Witwe, die sich vor einiger Zeit den rechten Zeigefinger mit einem rostigen Messer verletzte, so daß eine Insektion eintrat und es nötig wurde, den Finger zu amputteren. Mrs. Waldorf ist jedoch eine ausgezeichnete Musikerin und möchte nicht für ihr ganzes Leben darauf verzichten, Klavter und Orgel zu spielen. Da ste nun von den großen Fortschritten der Verpflanzung von Körperteilen in letzter Zeit gehört hat, so möchte sie den Versuch machen, wieder in den Besitz eines Betgefingers zu gelangen. Wer daran denkt, ihr diesen Wunsch zu erfüllen, der möge zunächst nachsehen, ob fein Betgefinger den Ansprüchen genügt, wie der Arzt fte formuliert hat: es muß der Betgefinger der rechten Hand sein, seine Länge muß 7% Bentimeter und sein Umfang am ersten Glied 5 Zentimeter, am 3. Glied 4 Zentimeter betragen. Ein teurer Sonnenschirm. Eine schöne Pariserin entdeckt bet der Ankunft im Seebade, daß sie ihren Sonnenschirm vergessen hat. Der zuvorkommende Gatte ist sogleich bereit, thr einen neuen zu kaufen. Aber er kostet 100 Frs. ein billigerer gefiel Madame nicht- und das ärgert ihn. Der Mann will also die 100 Frs. wieder haben, und er ist überzeugt, daß es ihm nicht fehlen fönne, wenn er ins Kasino geht und spielt. Er geht also, fetzt und gewinnt zunächst wirklich 75 Frs. Aber er ist nicht zufrieden, er muß die ganzen 100 Frs. haben. Er spielt weiter, er verliert, bald sind es 19 000 und bald 20 000 Frs. Als es 23 000 rs. sind, hat er genug. Er gibt die Hoffnung auf und geht heim. Der Sonnenschirm der teuren Gattin hat ihm 23 100 Frs. gekostet. Amerikanischer Heiratszwang. In den Vereinigten Staaten versteht man in Sachen der freten Ltebe keinen Spaß. Zumal die Neuyorker Einwanderungsbehörde hält streng auf Zucht, Sitte und Ordnung in Sachen der Liebe, wovon sich erst jüngst wieder der im Neuyorker Hafen landende chilenische Musikverleger AlEr war in den phons Hearing überzeugen konnte. Schiffsregistern als der Gatte seiner mit ihm reisenden „ Karla, warum hast Du Waldenberg abgewiesen?" fragte Alfreds Mutter. " Ich liebe thn nicht und will überhaupt nicht mehr Hetraten!" rief Frau Uchatscheff. „ Warum nicht, Itebes Kind, Du bist noch so jung und berechtigt, glücklich zu sein und glücklich zu machen," lautete die sanfte Entgegnung Tante Theklas. " Kann ein Mann wahrhaft Iteben? Verdient das, was die Männer uns Frauen entgegentragen, diesen Namen? Kaum sind wir fort, so sind wir vergessen." " Was meinst Du damit?" fragte Frau Grotenbach. Karla war vor Tante Thekla getreten, mit blitzenden Augen stand sie da, die feinen Flügel ihrer Nase bebten. " Wann wird Alfred sich mit Fräulein von Rapp verloben?" fragte sie spötttsch. „ Mit Franziska von Rapp!" rief Frau Grotenbach, " Du bist im Irrtum, Itebes Kind. Du weißt, daß Alfred mir volles Vertrauen schenkt, er hat gestern mit mir gesprochen und mich um meine Vermittelung mit Dir gebeten. Fräulein von Rapp ist heimlich mit Alfreds bestem Freunde verlobt; Familienverhältnisse erTauben es nicht, es zu veröffentlichen. Vor zwei Tagen erhielt Alfred die Anzeige des Brautpaares, dessen Vertrauter er in Petersburg war. Daß mein Sohn eine andere Liebe hat, weißt Du wohl nicht?" Errötend fenfte Karla das Haupt. Karla?" " Weißt Du, wem das Herz meines Kindes gehört, Frau Uchatscheff ist neben Tante Thekla niedergesunken und verbirgt das Gesicht an der Brust der älteren Frau. Lange sprachen beide zusammen. Alfreds Mutter ist ein guter Anwalt, sie sagt der vor ihr Kntenden, daß der Sohn sie liebt, daß er es hier in Strandhof bei dem wochenlangen Beisammensein klar erkannt hat, wie setnes Lebens Glück in Karlas Besitz liegt. Ehefrau eingetragen, was aber nicht hinderte, daß der revidierende Einwanderungsinspektor sofort Verdacht schöpft und das Paar nach Ellis Island, dem Fegefeuer der verdächtigen Einwanderer, bringen ließ. Bet dem hier vorgenommenen Verhör gestand Hearings Begleiferin denn auch schließlich, daß fie nicht seine Gattin sei. Die beiden der falschen Angabe des Personenstan des Ueberführten wurden nun vor die Wahl gestellt, entweder auf der Stelle die Ehe miteinander einzugehen oder auf der Stelle die Vereinigten Staaten zu verlas sent. Sie entschieden sich ohne viel Besinnen für die Eheschließung, die auch sofort von einem eilig herbeigeholten Geistlichen gegen Zahlung von zwei Dollars vollzogen wurde, worauf die Neuvermählten das Fegefeuer verlassen und das Gelobte Land der Freiheit betreten durften. Auf die Frage, wodurch sein Verdacht rege geworden war, antwortete der findige Einwanderungsinspektor schmunzelnd:" Je nun, ein Ehemann benimmt sich seiner Frau gegenüber nicht so galant, wie es der Chilene seiner angeblichen Gattin gegenüber tat." Der Erbonkel ans Amerika. Der Frff. 3tg." wird aus Wachenheim, Pfalz, gemeldet: Gottfried Morse, etner der angesehensten Anwälte Bostons, der aus Wachenheim gebürtig war, starb auf einer Erholungsreise, die er in diesem Sommer nach der alten Welt machte. Die jetzt erfolgte Testamentseröffnung ergab, daß Morse ein Vermögen von ca. 20 Millionen Mark hinterläßt, von dem ein großer Teil an Verwandte nach der Pfalz und dem übrigen Deutschland entfällt. Der älteste Mann der Welt. In Neuyork ist ein Mann angekommen, der sich Joseph Fret nennt, und der erklärt, er set 111 Jahre alt. Der Mann soll ein Aussehen haben wie ein Sechziger, und seine geistige Frische dokumentierte er damit, daß er die Reporter ber großen Zeitungen empfing und erklärte, er set im Jahre 1800 in Warschau geboren worden, und habe die Reise über den Ozean int Alter von 28 Jahren angetreten. Gelebt habe er in Nashville, wo er im Jahre 1886 amerikanischer Staatsbürger geworden set. Fret besitzt 18 Kinder, 24 Enkel und 7 Ürenkel. Die Meldung flingt etwas amerikanisch. Aus einer Berliner Gemeindeschule. In der letzten Klasse einer Berliner Gemeindeschule befand sich ein fleiner Junge, der sehr unsauber war und trotz włederholter Mahnungen der Lehrerin immer ungewaschen erschien. So hielt es denn das Fräulein für seine Pflicht, die Mutter durch einen Brief, den es dem kleinen mitgab, auf diesen Umstand aufmerksam zu machen und sie zu bitten, den Jungen doch einmal zu baden, da er stark rieche und dadurch auch den Unterricht erschwere". So pflichtgemäß und richtig diese Mahnung auch war, fand sie doch nicht das erwartete Verständnts; die mütterliche Eitelkett, die sich durch jeden Tadel thres Sprößlings schwer beleidigt fühlt, machte sich auch hier geltend. Schon am nächsten Tage tam die Antwort, ebenfalls schriftlich; sie lautete kurz und bündig:" Wertes Fräulein! Lassen Sie meinen Sohn nur, wie er ist. haben ihn ja nur zu belehren, nicht zu bertechen!" Ste Des Weißbinders Arbeitsrhytmus. Der Franks. Rettung" wird geschrieben: In einer mitteldeutschen Universitätsstadt wurde der Stzungssaal des Rathauses einer Renovation unterzogen. Der Bürgermeister, der sich täglich über den Stand der Arbeiten informiert, beobachtet nun einmal, wie ein Weißbinder auf dem Gerüst fizend gar langsam mit dem Pinsel streicht und zwar nach dem Taft des Lieds, das er halblaut pfeift: ite- ueb im- mer Treu und Re- e- edlichkelt Bi- ts an dein fit- hles Gra- a- ab! Der Bürgermeister, der von dem in seine Melodie versunkenen Weißbinder nicht bemerkt wird, steht eine Weile zu. Dann unterbricht er den bedächtigen Rhythmus des Pinselers mit den Worten: feber Mann, nach dte fe r Melodie wird die Arbeit bis Ende des Monats nicht fertta. Das Mindeste wäre Wohlauf Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd", wenn Sie aber ein übriges tun wollen, dann pinseln Sie nach der Melodie:„ So leben wir, so leben wir..." Das Geschichtchen ist in fener Stadt zum Volksmit geworden, denn wenn sich fetzt dort einer durch allzu langsames Arbeiten auszeichnet, pflegt man zu sagen: " Der arbettet auch nach der Melodte: Web immer Treu und Redlichkett." Eine schwäbische Diebeskomödie. Die gefangenen Schnklente. Aus Württemberg wird der Frkft. 8tg." geschrieben: JmSchwabenland liegt eine Stadt, die viele alte Türme hat. Einer dieser Türme diente herrenlosen Tauben als bequeme Nistgelegenheit und hatte deshalb die besondere Aufmerksamkeit einiger Leute auf fich gelenkt, die Liebhaber eines guten und dabet billigen Bratens waren. In einer warmen, sternenhellen Sommernacht, nachdem die soliden Bürger längst schon den Schlaf der mehr oder weniger Gerechten gefunden und die städtischen Laternen thr strahlendes Licht zurückge= zogen hatten, fasten fene Gourmands den tühnen Entschluß, sich der leckeren Vögel endlich zu bemächtigen. " Deine Mutter weiß alles," schließt Frau Grotenbach, sie ist mit Alfreds Wünschen einverstanden. Er will selbst mit Dir sprechen, Karla, laß mich nur machen, heute soll ein Ausflug an den Herthasee unternommen werden, ich werde es einrichten, daß Ihr allein seid." Es mußten noch viele Stunden vergehen, ehe Grotenbach das heiß ersehnte Ziel erreichen konnte. Karlas Wesen war heute von einem mädchenhaften Zauber umgeben, etne holde Befangenheit ließ sie noch anziehender erscheinen, sie senkte die Wimpern vor dem leuchtenden Blick, mit dem Alfred sie ansah; es lag etwas von einem Eigentumsrecht darin, sie fürchtete sich ein ganz klein wenig vor ihm und liebte ihn nur noch mehr. Am Nachmittag brach die Gesellschaft nach dem Herthasee auf. Alfred hoffte mit Frau Uchatscheff in demselben Wagen zu fahren, aber Frau Haideck sagte: „ Die Jugend findet auf der Liniendroschke Plaz; Karla mit Kolja, Oldens, Du, liebe Thekla und ich fahren im Landauer!" Es fiel dem Herrn Doktor schwer, sich zu fügen; der Weg erschien ihm endlos, er spähte immer nach dem holden Gesicht im ersten Wagen. Nun war der Herthasee erreicht, man bewunderte die mächtige Buche, den Opferstein der Heiden und das dunkle Gewässer, umgeben von einem Kranze prächtt= ger, breitwipfliger Bäume. Die Gesellschaft zerstreute sich, einige erklommen die Anhöhe, andere benutzten das Boot zu einer Spazierfahrt auf dem See. Die beiden Jugendfreundinnen waren im Wagen geblieben, letse sprachen sie zusammen, thre Hände ruhten ineinander. Ihre Kinder Itebten sich und sie wußten, daß sie glücklich würden. Immer finsterer wurde Alfred Grotenbachs Gesicht; Karla saß im Boot, er steht auf der Anhöhe, er atmete schneller und sah auf die Uhr. Mit einer langen Letter versehen, um den hochgelegenen Eingang zum Turm erreichen zu können, warteten fie mit Ruhe, die nur ein gutes Gewissen zu verleihen pflegt, ab, bis die letzte Schußmannspatrouille den Platz passiert hatte, und begaben sich dann schleunigst ans Werk. Allein, die Polizet, die alles weiß, alles ficht und alles mertt, hatte Lunte gerochen. Sie fehrte wieder um, entdeckte die Leiter und legte sich am Fuße der felben auf die Lauer, begierig, zu erfahren, wer da wohl schließlich erscheinen wirde. Inzwischen hatten die Taubenfreunde ihre Beute eingefact und machten sich wieder auf den Rückweg. Unten angelangt, wurden sie natürlich von den Schußleuten sogleich in sorgliche Ob hut genommen und samt den Vögeln auf die Wache ge= lettet. Dort gaben sie jedoch an, die Tauben gehörten ihnen, fie seien ihnen nur entflogen, um auf dem Turme ungestört dem Brutgeschäfte obliegen zu können, und da die Tiere tags nicht zu kriegen gewesen wären, hät ten sie sie halt nur nachts fangen tönnen. So mußte man die Beute wieder freilassen. Die umsichtigen Poltzisten aber erhielten noch den Befehl, ungefäumt im Turme nachzusehen, ob nicht irgendwelch sonstiger Unfug gestiftet worden wäre. Mit militärischer Pünktlichteit gingen fie sogleich an die Ausführung dieses Befehls, und die Taubenmänner, die ihn noch mitange hört hatten, famen hinterher. Als die Polizei nun mit felst der noch angelehnten Letter in das alte Bauwerk eingestiegen war, langten auch die anderen wieder auf dem Schauplatz an, nahmen ihr Eigentum, die Leiter, weg und zogen feelenruhig und vergnitgt damit von dannen. Mit Schrecken aber und Zorn mußten die wackeren Schußleute wahrnehmen, daß sie im Turm gefangen waren, bis sie die ersten Frithaufsteher um Befretung anrufen fonnten. Ob nunmehr die unterneh menden Täubler schließlich noch wegen Freiheitsberaubung angeklagt werden bleibt abzuwarten; dagegen lacht jetzt die ganze Stadt R. mitsamt den alten Titr men, denen so etwas noch nie vorgekommen, über die unglücklichen Opfer ihres Diensteifers. Drabtnachrichten und Deuestes. Deutschfeindliche Tschechenkundgebung. Breslan, 14. August. Der Ballon„ Windsbraut" des Schlesischen Luftschiffahrtvereins, der am Donnerstag in Breslau zu einer wissenschaftlichen Beobachtungsfahrt unter Führung des Seismologen Prof. von dem Borne aufgestiegen war, wurde bei der Landung unweit des Dörfchens 3laber bei Semil in Böhmen von einer herbeigeströmten Tschechenmenge aufs feindseligste behandelt. Die Ballontafelung wurde durch Zerschneiden aufs schwerste beschädigt, die wertvollen Instrumente und der sonstige Gondelinhalt gestohlen. Großfeuer in Frankfurt. Frankfurt, a. M., 14. August. Durch die Erplosion mehrerer Düngerwagen hatte ein Heuschober der Milchkuranstalt Sachsenhausen Wiesenhüttenweg gestern abend gegen 11 Uhr Feuer gefangen, das auf die Stallungen und das benachbarte Grundstück der Baufirma Lang übergriff und den ganzen Komplex in eine einzige Feuerlohe verwandelte. Der ganze Stra ßenzug stand durch die heftige Luftbewegung in Gefahr. Der Schaden wird auf 80- bis 100 000 Mart geschätzt. Einige Pferde sind verbrannt. Zehn Personen im Rhein ertrunken. Göln, 14. August. Beim Baden in der Nähe von Odenkirchen sind gestern zehn Personen im Rhein ertrunken. Das Rheinbad war gestern von 40 000 Personen besucht. Ein Lebenszeichen von Richter. Saloniki, 14. August. Die Zeilen, die Richter an den letzten Brief der Räuber hinzufügte, lauten nach Angabe des hiesigen deutschen Konsuls:" Ich soll Ihnen schreiben, Sie sollen endlich alles Geld schicken. Ich werde sonst wahrscheinlich gleich getötet. Ich befinde mich an einer steilen Felswand nordwestlich vor einer Platane. Machen Sie schnell. Mit Gruß Edwart Richter." Ein englischer Dampfer gestrandet. London, 14. August. Nach einer Lloydmeldung aus Aden ist der englische Dampfer Fifeshire" südlich von Kap Guardafut gestrandet. Die Besabung und 75 Passagiere sind in Aden gelandet. Ein Boot mit 30 Passagieren wird vermißt. Handel und Verkehr. Eine Folge der schlechten Zuckerkonjunktur. Die un günstige Situation des deutschen Zuckermarktes hat ihr erstes Opfer gefordert. Die befannte Raffinadezuckergroßhandlung Kuchne u. Bieberstein in Magdeburg ist infolge der schlechten Lage des Raffinademarktes in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Wie mitgeteilt wird, dürfte sich der Konkurs taum vermeiden lassen. Die Passiven betragen über 200 000 Mart. Zur Hauptsache soll die Mitteldeutsche Privatbank an der Firma betetItgt sein. Die Aktiven werden mit 10-15 000 Mart an= gegeben. „ Schau, etne Stunde sind wir hier," dachte er ungeduldig. Da tam ihm seine Mutter zu Hilfe. " Ich denke, die Jugend geht bis Stubbenkammer zu Fuß," sagte sie. " Wir Alten fahren voraus und bestellen denkaffee," fuhr Frau Haideck fort,„ bitte, Itebe Karla, gib uns Kolja, Du tommst wohl mit den übrigen nach." Einige Minuten später lag der Herthasee einsam bis auf ein junges Paar, das zurückgeblieben war. Auf einem der großen Steinblöcke saß eine weißgekleidete Frauengestalt, ein Mann lehnte daneben am Stamm einer Buche. Nur der Wind rauschte in den Bäumen, es war still um die beiden. „ Karla!" Wie heißes Flehen zitterte es durch das eine Wort. Er liebte ste grenzenlos, aber er fürchtete, sie durch seine Leidenschaft zu erschrecken. Karla war aufge= sprungen, sie möchte fliehen, nicht aus Sofetterte das Weib in thr wollte sich nicht zu leicht ergeben, sie bangte davor, thr tiefstes Empfinden zu verraten, sie verschloß es noch teusch in sich. Alfred misverstand thre Bewegung, er wurde sehr bleich und trat einen Schritt zurück. ,, Ste fliehen mich," sagte er traurig, und ich habe gehofft," da richtete sich das schöne Haupt auf, thre feuchtschimmernden, stolzen Augen sprachen zu ihm. Aber das genügte ihm nicht, er mußte von ihren Lippen sein Glück vernehmen. „ Sprechen Sie, Karla," flehte er, sagen Sie mir das erlösende Wort! Ich habe so lange gedarbt, ich blteb Ihnen fern, weil Ste mich immer wieder kalt zurückwiesen. Oft fürchtete ich, Sie allzu sehr zu Iteben." ( Schluß folgt.) Bekanntmachung. Betr.: Notlauffeuche unter den Schweinen des Wirt's Heinrich Sauer dahier. Unter dem Schweinebestand des Wirt's Heinrich Sauer dahier ist die Notlauffeuche ausgebrochen. Gehöstsperre ist angeordnet. Gießen, den 11. August 1911. Großh. Polizeiamt. Gebhardt. Restaurant Windhof. Kalte und warme Speisen zu jeder Tageszeit:: Täglich frisch Kaffeegebäck:: Schlitzer Auerhahnbräu, hell 10 Ltr. 10 Pfg., dunkel/ 10 Ltr. 12 Pfg.:: Schattig. Garten:: Herrliche Turmaussicht. Korporationen und Vereinen grosse u. kleine:: Säle zur Verfügung. Auto- Garage und Pferdeställe. 297/1 Kohlheyer. +000000000! 00000**** Kaffee- Rösterei Geschäfts- Eröffnung. 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